nr.298 KvühauSsabe 182. Jahrgang Montag, 19. Dezember 1952 (Erldjetnt tägltd), autz« Sonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte ©iepener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monats-Besugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern insolge höherer Gewalt. 5ernsvrechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrist lür Drahtnach- richtens Anzeiger Gieren, pobscheclkonto: Kranlfurt am Main 11686. Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck vnv Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch' und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Schrifileitung und Geschäftsstelle: Zchul^traße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein unMür henMn» zeigenteil i. D. Th.Kümmel sämtlich in (ßie ;en. Kabinett paul-Boncour in Krankreich. Oer Kabinettschef erklärt: Vereinigung der Linken. - Unnachgiebig in der Abrüfiungsfrage. Paris. 18. Dez. (ÖIB.) Das Kabinett Paul-Boncour ist soeben gebildet worden. Am 19 45 Uhr hat paul-voncour das Kriegsministerium verlasen, um herri 0 t einen Besuch abzuskatlen. Er erklärte lei dieser Gelegenheit, er könne die Liste seiner 21. itarbeifer, obwohl sie bereits festsleht. noch nicht bekanntgeben, da er zuerst h e r r i 0 t aussucheu wolle. Ministerpräsident Paul-Bonrour wird seine Mitarbeiter um 21 Uhr dem Präsidenten der Republik vorstellea. wie havas berichtet, ist über die Verteilung einzelner Portefeuilles folgendes bekannt: Paul- Boncour übernimmt die INinifterpräjidentfchaft und das Außenministerium, Senator Eher 0 n das Finanzministerium. Abgeordneter Ehau- l e m p s das Innenministerium. Abgeordneter D a - lädier das Kriegsministerium, Senator L e y - g u e s das Marineministerium, Abgeordneter p a i n l e v e das Lustfahrlministerium. Erklärungen Paul-Boncours. Paris, 18. Dez. (TU.) Am Samstagabend gab Pauk-Boncour den Pressevertretern folgende Erklärung ab: Trotz meiner Bemühungen, 5) e r » ri 0 t zur Fortsetzung seiner Politik zu veranlassen, die durch die Abstimmung in der Kammer unberührt geblieben ist, hat der bisherige Ministerpräsident dieses abgelehnt, mich aber ermutigt, die mir vom Präsidenten der Republik gestellte Aufgabe zu erfüllen. Er hat mich feiner wertvollen Unter st ü tz ung versichert. Ich habe mich erst nach verschiedenen Unterredungen mit ihm dazu enl- 1 schloffen, die notwendige Fühlung aufzunehmen, um die Möglichkeiten für eine Regierungsbildung zu erwägen. Ich hätte gern die Gedankengänge weiter verfolgt, die ich bisher hatte, und die So z i a l i st e n an der Verantwortung an der Regierung beteiligt, um auf diese Weise eine weitgehende Bereinigung der Linken herzustcllen, die im Augenblick der internationalen und Haushallsschwierigleiten notwendiger denn je ist. Die Sozialisten haben mein Angebot nicht annehmen können, jedoch freundschaftliche Achtung für mich und Sympathie für meine Bemühungen bekundet. Angesichts des Drängens des Staatspräsidenten und in Anbetracht der ermutigenden Entschließungen, die von verschiedenen Kammergruppen gefaßt worden sind, habe ich mich entschlossen die Regierungsbildung zu übernehmen und so schnell wie möglich ein Kabinett aufzuslellen. das in feiner Zusammensetzung wie auch in seinem Programm am wirksamsten der Vereinigung der Linken dient, die von jeher das Ziel meines politischen Lebens gewesen ist, und die es dem Lande erlaubt, die augenblicklichen Schwierigkeiten zu überwinden. Geteilte Aufnahme. Das neue Kabinett fand bereits heute (Sonntag) abend in parlamentarischen und politischen Kreisen eine sehr geteilte Aufnahme. Niemand verhehlt sich die Schwierigkeiten, denen der neue Ministerpräsident entgegengeht und die diesmal in erster Linie auf innenpolitischem Gebiet liegen. Die Ausführungen, die Paul-Boncour am Samstag vor dem Bollzugsausschuß der Sozialistischen Fraktion gemacht hat, können in ge-wistem Sinne bereits als eine Art Regierungserklärung gewertet werden. Daraus geht deutlich hervor, daß sich sein Kabinett in sinanz- und s oz i a l p 0 l i t i- scher Beziehung vor eine schwierige Aufgabe gestellt sieht, da es von voncherein bei den gemäßigten und rechten Gruppen der Kammer auf Opposition stößt. Das Finanzprogramm Germaine-Martins wird eingehend revidiert meßen. Die Gehaltskürzung der Beamten, mit deren Hilfe der bisherige Finanzminister das Gleichgewicht des Haushalts wiederherstellen wollte, soll auf Wunsch der Sozialisten fallen gelassen werden, ohne daß man sich aber klar darüber ist, wie die notwendigen Ersparnisse erzielt werden können. Auch die sozialistische These von der Monopolisierung der Versicherungsgesellschaften ift von Paul-Boncour grundsätzlich angenommen worden. Rur in der Abrüstungssrage hat sich der ständige Vertreter Frankreichs beim Völkerbund unnachgiebig gezeigt. Er hat erklärt, daß die von den Sozialisten gewünschte Herabsetzung des Kriegshaushalts auf den Stand von 1928 nicht möglich fei. solange der französische Sicher hei tsplau nicht verwirklicht worden sei. Die Mitarbeiter Paul Boncours sind 3um größten Teil der Radikalsozialistischen Partei entnommen worden. Nur einige Ministerien uwd Unterstaatssekretariate werden mit Abgeordneten oder Senatoren der Sozialrepublikaner, der Radikalen Linken, her Linksrepublikaner, der Unabhängigen Linken oder der Sozialisten besetzt. Oie ersten Pressestimmen. „Oeuvre" erklärt, teer dem Kabinett seine Sympathie versage, übernehme eine schwere Verantwortung. Auch Herriots Blatt „E r e R 0 u - Delle“, begrüßt die Betrauung Paul Doncours, fürchtet aber, daß die Sozialisten ihm recht bald Angelegenheiten bereiten könnten. Rur die Blätter, die schon das Kabinett Herriot und besonders dessen Außenpolitik bekämpft haben, lehnen ein Ministerium Paul-Boncour ab. „Echo de Pa - r i s" erklärt, gewiß, sei Paul-Doncour Patriot und gelegentlich sogar Ehauvinist. Aber dieser Chauvinismus sei oberflächlich und gefalle sich in einem Pseudo-Jakobinertum. Die in der Opposition stehenden Republikaner könnten Paul-Doncour keinen Kredit gewähren. Figaro" nennt das Kabinett Paul-Boncour bereits das Kabinett der Abrüstung Frankreichs. Oas Echo in England. London, 19. Dez. (WTB.-Funlspruch.) Die schnelle Lösung der französischen Kabinettskrise wird von der Londoner Presse begrüßt. Die Blätter glauben, daß die Regierung Paul-Boncour in der Außenpolitik den Kurs Herriots beibehalten wird, ausgenommen natürlich in der Frage der Schuldenzahlung an Amerika. 3m übrigen wird vielfach angenommen, daß sie nur eine Aebergangsregierung mit einer Lebensdauer von einigen Monaten fein werde, deren Hauptaufgabe in der Ausarbeitung und parlamentarischen Durchdringung des Budgets bestehen werde. „Daily Telegraph" hält es für wahrscheinlich, daß Herri 0 t in absehbarer 3ei t wieder französischer Ministerpräsident werden wird. Das Blatt glaubt, in Frankreich bereits ein beträchtliches Mißbehagen über die Folgen der Kammerabstimmung vom letzten Mittwoch wahrnehmen zu können. Zahlt Frankreich doch noch? Erklärungen in Washington. Washington, 17. 'Dez. (TU.) Die a m e r i » kanischeRegierungyat beschlossen, die Bildung des neuen französischen Kabinetts abzuwarlen, bevor Hoover seine Kriegsschuldenbotschaft an den Kongreß sendet. Die Entscheidung fiel, nachdem der französische Botschafter Claudel das Siaatsde- parteinent davon unterrichtet hatte, daß die Richtzahlung der französischen Dezemberrate keine Zahlungsverweigerung bedeut?, sondern lediglich eine Berzögerung, die durch Herriot hervorgerufen worden sei. Claudel gab zu verstehen, daß die f r a n z ö s i s ch e D e z e m - berrate schließlich doch noch bezahlt werden würde. Hierzu verlautet, daß die Regierung der Bereinigten Staaten jederzeit bereit sei, die franz', fische Zahlung entgegenzunehtnen, jedoch ohne die französischen Borbehalte. Amerika einem Kompromiß geneigt. Paris, 17. Dez. (WTB.) Havas berichtet aus Washington, daß das Staatsdepartement in der Frage der Zahlung der französischen Schulden ein Kompromiß suche, um der französischen öffentlichen Meinung Genugtuung zu geben. Man denke an eine Lesung, daß Frankreich mit dem Vorbehalt zahle, daß dies die letzte Zahlung vor der allgemeinen Revision der Schulden jei. lieber die Absichten des Präsidenten der Vereinigten Staaten wisse man nur, daß er b i e Nationen, die ihre Schulden bezahlt haben, anders behandeln werde als die, die nicht bezahlt haben. Hoover habe feine Botschaft an den Kongreß deshalb verzögert, um Frankreich Zeit z u geben, doch noch zu Zahlen. Die Forderung der französischen Kammer, die eine allgemeine «chuldenkonse- renz wünsche, finbe im Kongreß keinen Widerhall. Der Nenyorker Korrespondent des Petit Parisien berichtet ebenfalls, daß die amerikanische Regierung bereit sein soll, alle ihr zu Gebote stehenden Mittel anzuwenden, um einem neuen französischen Kabinett die Wi ederauf- nahme der Verhandlungen zu erleichtern. Staatssekretär Stimson habe dem französischen Botschafter Claudel gestern diese Versicherung gegeben. Keine allgemeine Schuldenkonserenz. London, 17. Dez. (WTB.) Wie Reuter aus Washington meldet, hat die Regierung der Vereinigten Staaten heute die Regierungen der Schuldner st aalen verständigt, daß sie bereit ist, die Schuldenverhändlungen fortzusetzen, eine allgemeine Konferenz jedoch nicht wünscht. Die amerikanische Regierung kann auch eine Revision nicht versprechen. Keine Stundung für polen. Warschau, 17. Dez. (TU.) Am Freitagnachmittag ist die Antwort Amerikas auf die 13 m e i t e p 0 l n i s che Schulde nnote in Warschau eingetroffen. Sie enthält einen abschlägigen Bescheid. Oie Genfer Einigungssormel. Berlin erklärt: Klar und eindeutig festgesteltt. — Wird die Zusage nicht erfüllt, dann völlig neue Lage. Berlin, 17. Dez. (I1L) von französischer Seite ist in den letzten lagen systematisch versucht worden. die Genfer Linigungsformel in einer Weife auszulegen, die eine völlige Entwertung des Genfer Abkommens bedeuten würde. Deutscherseits ist bereits vor zwei Tagen darauf hingewiefen worden, daß die seinerzeit in Genf veröffentlichte und von allen beteiligten Mächten unterzeichnete Linigungsformel vollkommenklar und eindeutig fei. Die Aus- leguugsverfuche der Franzosen könnten nichts an der Tatsache ändern, daß die deutsche Gleichberechtigung anerkannt worden sei. Sämtliche Mächte hätten in der Ausschuhsihung die Abmachungen der Fünfmächte-Befprechungen gebilligt, mit Ausnahme der Polen, die gewisse Vorbehalte gemacht hätten. Daß der Franzose M a s s i g l i. der Urheber der Havas-Lrklärung, sich gegen die in Genf gefundene Linigungsformel wende, fei verständlich, wenn man bedenke, daß die Linigungsformel dem bis zu dem Abschluß der Genfer Besprechungen aufrechterhaltenen französischen Standpunkt nicht mehr entspreche. Das gehe auch aus der Havas-Lrklärung selbst hervor, die ausdrücklich bestätige, daß T e i l V des Versailler Vertrages durch die neuen Abrüstungsabmachungen erseht werden solle. Menn sich diese Zusage nicht erfülle, werde natürlich für Deutschland eine völlig neue Lage entstehen. Der Artikel 53 des Abkommens der vorbereitenden Abrüstungskonferenz hatte bekanntlich die Aufrechterhaltung des Rüstungsstandes der besiegten Mächte nach dem Versailler Vertrag als Voraussetzung für ein Abrüstungsabkommen der übrigen Mächte vorgesehen. Dieser Mrtitel ist, wie von keiner Seite zu bestreiten war und auch nicht bestritten wird, durch die Genfer Gleichberechtigungs- sormel endgültig gefallen. Außenminister-Konferen; der Kleinen Entente. Belgrad, 18.Dez. (WTB.) Der tschschoflo- wakische' Minister des Auswärtigen Denesch, hatte alsbald nach seiner Ankunft eine Unter- redung mit dem südslawischen Minister des Auswärtigen 2 e v t i t s ch , die etwa 20 Minuten dauerte. Später wurde der Minister von König Alexander in Audienz empfangen. Mittags nahm er an einem Frühstück teil, das der Außenminister ihm zu Ehren gab. Rachmittags traf der rumänische Außenminister T i t u l e f c u ein und wurde am Bahnhof von den Ministern B e n e s ch und 2 e v t i t s ch begrüßt. Das Programm der Konferenz sieht, wie in Bukarester politischen Kreisen verlautet, u. a. vor, eine Besprechung der von Jugoslawien angeregten besonderen Frage der mitteleuropäischen Politik, ferner Beschlußfassung über eine gemeinsameStellungnahme zu den Fragen der Abrüstung und der Reparationen und zu der Frage der europäischen Wirtschaftspolitik. Zur letzteren Frage erwartet man eine ^Überprüfung der feiner Zeit zur Bildung der Kleinen Wirtschaftsentente gefaßten Beschlüsse. Zur Abrüstungssrage nimmt man an, daß eine neuerliche Soli- daritätskundgebung beschlossen wird. 3e- denfalls dürste die Einigung der fünf Großmächte in der Abrüstungssrage. die nach der Einberufung der Konferenz der Kleinen Entente erfolgt ist, geeignet fein, den Rahmen der Belgrader Verhandlungen zu erweitern. Wahr- scheinlich ist auch, daß die Frage der Beziehungen zur S 0 w j c t u n i 0 n im Zusammenhang mit der französisch - russischen Annäherung zur Erörterung gelangen wird. Entscheidungen. Au'senpoUtische Umsci au. Don Dr. Otto Hoe sch, n. ö. Prof, der Geschichte an d r Universität Berlin Auf beiden Feldern, der Abrüstung und der Schulden, hat die letzte Woche ganz wichtige Entscheidungen gebracht. Mit dem Abkommen vom 11. Dezember kehrt Deutschland an den Tisch der Abrüstungsgespräche zurück. In letzter Minute ist durch die Ankunft des Herrn von Neurath in Genf die Gefahr vermieden worden, daß sich die anderen auf den bekannten Vorschlag des Amerikaners einigten, der nun begraben ift. Ein scharfes Verhandeln begann dann, in dem der deutsche Außenminister ganz offenbar seinen Mann ausgezeichnet gestanden hat. Durch eigenen Entschließungsentwurf hat Deutschland auch altiv die Verhandlungen gefördert, bis schließlich nach dem Üblichen kritischen Punkte dieses Abkommen zustande kam. Ist es ein Erfolg für Deutschland oder nicht? Mit einem Wort ist das nicht zu beantworten. Ein Erfolg ist es, daß jetzt klipp und klar d i e Gewährung der Gleichberechtigung an Deutschland (und auch an die anderen Besiegten des Krieges) von England, Frankreich und Italien verpflichtend ausgesprochen ist. Ein Erfolg ist es weiter, daß in dem Abkommen über die Ab rüftung dieser Grundsatz verkörpert sein soll, unb daß dieses Abkommen unverzüglich eine wesentliche Herabsetzung und eine Beschränkung der Rüstungen, sowie eine künftige Revision zum Zwecke weiterer Herabsetzungen" enthalten soll. Vornehmlich die Verpflichtung auf eine „wesentliche Herabsetzung" erfüllt eine bekannte Forderung Deutschlands. Diese Zugeständnisse an Deutschland sind allerdings erheblich belastet, vor allem durch die Verkoppelung: „die Gleichberechtigung zu gewähren in einem System, das allen Dlationen Sicherheit bietet". Das ist die Formel Herriots und Frankreichs. Es hat also, wie wir immer voraussagten, nicht aus gereicht, daß Deutsch-' land einfach und schlechthin die Gleichberechtigung forderte, vor deren Gewährung es an den Tisch der Abrüstungsgespräche nicht zurückkehren würde. Wir haben immer die Meinung vertreten, daß Deutschland ontiveder in einem eigenen Plan sagen müsse, was es im einzelnen unter Abrüstung verstehe, oder daß es, wenn es dasnicht wolle, sich auf das Ge- leis: Verbindung von Abrüstung und Sicherheit begeben müsse. Das letztere ist ein- getreten, und für niemand braucht es einer näheren Erläuterung, auf weich schwieriges Feld damit nun die Fortsetzung geschoben ist. Die vier Machte, also einschließlich Deutschlands, aber ohne die Vereinigten Staaten, haben dann den Vorschlag von Sir John Simon angenommen, die erneute und erweiterte Verpflichtung, Streitfragen zwischen ihnen unter feinen Umständen mit Gewalt zu lösen. Das geht über den Kell 0 ggpakt 1 hinaus, der ja nur den Krieg betrifft und schlösse Vorgänge ein, wie den japanischen Vorstoß in der Mandschurei, gegen den sich diese Formel auch richtet. Die Verpflichtung aber „soll einer näheren Erörterung der Frage der Sicherheit nicht vorgreifen", womit noch einmal dem französischen Wunsche Rechnung getragen ist. Gegen diese erneute Verpflichtung ist nichts zu sagen. Vermeidbar war auch nicht, daß Deutschland sich auf die erneute Erörterung der Sicherheitsfrage einließ, vorausgesetzt, daß ihm die Gleichberechtigung zugestanden würde. Das hätte man aber bei uns, namentlich der deutschen Oessentlichkeit gegenüber, immer deutlicher sagen sollen. Die Verpflichtung, die sich so ergibt, trifft übrigens nicht nur Deutschland, sondern auch England. Dieses verpflichtet sich hier zum mindesten, über das System, das „allen Nationen Sicherheit bieten soll", zu verhandeln, dabei mitzuwirken, es anzuneymen, es schließlich zu garantieren. Das ift ein Zugeständnis Englands über die bisher von ihm festgehaltene Linie hinaus und wird durch den Beitritt Englands zu der gerade von ihm angeregten „Nichtgewaltanwendungsklausel" noch ein mal unterstrichen. Auch England erkennt in bezug auf den Schlußsatz dieses Absatzes an, daß Frank reich in dieser (Erklärung allein noch nicht die Verwirklichung seiner Sicherheitsforderung erblickt. Wie steht es nun mit den Vereinigten Staaten? Diese erscheinen lediglich im 4. Absatz über die Rüstungen. Amerika hat also formell mit der Gleichberechligungssrage für Deutschland, per Sicherheitserörterung für Frankreich, der ganzen Abrede sozusagen „europäischen Systems" nichts zu tun. Was hat diese formale Korrektheit, mit der Amerika sich wiederum um einen Schritt distanziert, für einen realen Sinn? Die Absicht der französischen Politik ift doch — und die Anlage der ganzen Einigung bestätigt das — die einzelnen Ge- - sichtspunkte miteinander zu „verzahnen". Wenn diesem Zusammenhang nicht Rechnung getragen wird, hat die ganze weitere Verhandlung der Abrüstung in Genf keinen Zweck. Amerika wird sich daraus versteifen, genau wie bei der Frage Reparation und interalliierte schulden, daß es an dem Eigentlichen und Wesentlichen des Genfer Sonntagsal'- kommens nicht beteiligt fei. Wie will es bann überhaupt aktiv Mitarbeiten? Natürlich begreifen wir die Schwierigkeit, gerade in der jetzigen Situation der amerikanischen Innenpolitik mehr zu tun. Abermals rächt sich an einem wesentlichen Punkte die ganze Hooverfche Politik. So konnte es auch gar nicht anders gehen, als daß die Entscheidung in der direkten Verhandlung zwischen Frankreich und Deutschland fiel. Wir begrüßen es, daß Herr v. Neurath den Mick dazu gehabt hat und aus der sehr schwierigen Situation immerhin das Beste hat machen können, was daraus 511 machen war. Unbestreitbar aber ist, daß durch die deutsche Politik Frankreich 31 l dem Zugeständnis gebracht morden ist, anstelle des Teil V des Versailler Vertrages solle eine neue und für alle gleichmäßig geltende Oldnung gelten. Das, nicht mehr, aber auch nicht weniger ist das Ergebnis der Genfer neuen Abmachung! Nun mutz sich allerdings die deutsche Politik sehr energisch dahinkerlegen, daß für die am 31 Januar mit Deutschland wieder beginnende Abrüstungsverhandlung Deutschland so gerüstet ist wie irgend- möglich. Es muß genau wissen, was es im Punkte der S i ch e r h e i t s f r a g e zugestehen kann oder nicht, Vorschlägen will oder nicht, und wie es sich die praktische Verwirklichung der Gleichberechtigung im Verhältnis zum Rüstung s st and der anderen nunmehr denke. Und man darf nun auch die Augen, nicht davor verschließen, daß genau wie in der Finanzsrage Reparationen und interalliierte Schulden miteinander verkoppelt sind, nunmehr Gleichberechtigung und Sicherheit untrennbar miteinander verknüpft sind. Lassen wir den Streit, ob das nötig war »der nicht, sondern gehen mir nun von der Tatsache aus, die die Grundlage für die weitere Verhandlung ijjt So wenig wir das Genfer Abkommen unterschätzen wollen, so ist nicht zu bestreiten, daß der Kampf um den Inhalt künftiger Abrüstungen von neuem und erst recht entbrennt, die entscheidenden Kämpfe noch bevorstehen Sehr gut war dabei, daß Herr v. Neurath bei seinem Eingreifen in die Verhandlung über den Mandschureikonflikt, der ersten wirklichen Stellungnahme Deutschlands darin, den Zusammenhang dieses Konfliktes mit Abrüstungs. und Sicherheitsfrage so scharf unterstrich. » Als wenn es noch nicht genug Spannuhgen gäbe, platzte der Sturz Herriots an der Schuldenfrage herein. Die Lage war für den 15., dem Fälligkeitstermin, jetzt die: England, Italien, von den Kleineren die Tschechoslowakei und Lettland, zahlten ihre Raten in Gold. Frankreich, Belgien, Ungarn, Polen und Estland zah.ten nicht. Die Schuldner front ist also auseinandergebrochen. Hoover hätte seine Absicht erreicht. daß mit den Schuldnern einzeln zu verhandeln^ märe. Ist das ein Erfolg Amerikas, der feiner Starrheit zu verdanken gewesen märe? Uns scheint, daß weder Frankreich, noch England, noch aber auch Amerika auf dies Ergebnis mit dem Gefühl eines Erfolges blicken können. Hat man in Paris und in London wirklich gemeint, Amerika würde das Ansinnen wie selbstverständlich hinneh- men: Schuldenerlaß als einfache Folge des Lausanner Abkommens? Hat die englische und die fron» Zösiiche Politik das Gelände in Washington überhaupt für ihre Forderung, zum 15. Dezember die Zahlung zu erlassen oder zu stunden, wirklich vorbereitet? An den Noten der beiden Staaten sieht man, daß das nicht der Fall mar Sowohl Charä- berlain wie Herriot haben sich offenbar darauf verlassen, Amerika würde schließlich doch nachgeben. Dabei ist anzuerkennen, was Chamberlain im Un- Haus sehr deutlich sagte, daß, wie bas Hoover- Moratorium, das Gespräch Hoover-Laval und eine Aeußerung Hoovers an den englischen' Botschafter in Washington bewiesen, das Lausanner Abkommen mit Wissen und Willen Arne- rikaszu stände gekommen ist Hier bleibt nach wie vor der schwache Punkt in der Position bet Vereinigten Saaten: Hoover fordert Europa auf. sich erst einmal s e l b st zu einigen, dann würde Amerika mit sich reden lasten. Europa tut das und Amerika — läßt nicht mit sich reden. Diese Feststellung ändert nun freilich nichts an dem Urteil über Frankreichs Haltung Der- geblich hat Herriot dafür gekämpft, mit der einmaligen Zahlung den Weg zu^iner wirklichen Revision zu erleichtern, unb darauf hingewiesen, daß Frankreich, das immer so sehr auf die Heiligkeit der Verträge gepocht habe, nicht feine feierlich gegebene Unterschrift verleugnen dürfe. Vergeblich hat er auch dafür gekämpft, daß man die so wichtige Gemeinsamkeit mit England nicht auf das Spiel setzen dürfe. Es hatte die Gemeinschaft der Aktion mit Macdonald am 9. Dezember ausdrücklich verabredet: gemeinsame Zahlung und gemeinsame Auffassung, daß das die letzte Zahlung vor der gründlichen Schuldenreoision sein solle, die zudem bei dieser Revision angerechnet werden sollte. Die Kammer istdarüberhin- weggegangen, hat den Bruch herbeigeführt, den Sturz Herriots und den offenen Konflikt mit Amerika Die Mißstimmung des amerikanischen Kongresses gegen Frankreich begreift man ohne weiteres: Frankreich, das ohne Zweifel zahlen kann weigert sich, und der amerikanische Gläubiger wird um sein Recht betrogen Aber wie will man denn diesen Vertragsbrüchigen Schuldner zwingen? Wo ist die Möglichkeit zu Repressalien, ohne daß Amerika sich se.bst ins eigene Fleisch schneidet? Wo ist die starke Position, logisch und tasächlich. in der Amerika Frankreich entgegentreten könnte? Und wird andererseits die amerikanische Politik die Wendigkeit und Entschlußfreudigkeit aufbringen, die nötig wäre, England und Frankreich von einander zu trennen, während die französische Politik alle Minen springen lassen wird, um England an ihrer Seite festzuhalten und England, bei allem Wunsch, in der Schuidenfrage möglichst gut von Amerika behandelt zu werden und mit ihm gut zu General Iusto, der jetzige Diktator Argentinien«. Buenos Aires, 18. Dez. ($11.) In ganz Argentinien ist nach der Zustimmung der Kammer wegen des von der Regierung aus- gedeckten Putschversuches der Belagerumgs- zu st and verhängt worden. Wie jetzt festgestellt worden ist. sollte die Revolutionam3 0. Dezember ausbrechen. Wie verlautet, hat der militärische Führer der Umstürzler, Oberstleutnant C a 11 a n e o , ausgesagt, die Umstürzler hätten nach dem Sturz der Regierung die Gewalt dem Obersten Gerichtshof übertragen wollen. Der verhaftete frühere Präsident Dr. 3 rigol) e n wird voraussichtlich nach der Insel Martin Garcia gebracht werden. Die Verschwörung ist durch die zufällige Explosion einer Bombe ans Tageslicht gekommen. Diese Explosion führte zu der Entdeckung, daß sich in einem Hause innerhalb der Bafel. 17. De). (TU.) Kaum hat sich das Entsetzen über das Luzerner Eisenbahnunglück einigermaßen gelegt, als auch schon wieder eine Nachricht von einem neuen ernsten Unglück aus den schweizerischen Bundesbahnen eintrifft. Am Samstag kurz vor 18 Uhr fuhr dicht beim Bahnhof Oerlikon. etwa fünf Kilometer von Zürich entfernt, ein Eitzug auf eine Lokomotive in voller Fahrt auf, die anscheinend auf dem Gleis vergessen worden war. Der Zug hält in Oer- likon nicht, so daß er seine Fahrt nicht vermindert hatte. Bei dem Zusammenstoß löste sich die elektrische Zuglokomotioe von dem Packwagen los, verstehen. eine Trennung von Frankreich ganz bestimmt nicht wünscht? Die je Fragen bleiben vorläufig offen! Wir sprechen darum auch nicht von möglichen Vorteilen für Deutschland aus dieser Verwicklung Was wir sehen, ist, daß die so schwer auf der Weltwirtschaft lastende Schuldenfrage noch mehr festgesah. r e n ist, als sie es bisher der Fall war, und daß dies jedes bißchen Vertrauen zuruckhält oder zerstört, das überhaupt in der Wirtschaft noch vorhanden ist. Man soll nicht von Ankurbelung der Weltwirtschaft und Weltwirstchastskonferenz sprechen, wenn man die Schuldenfraae nicht vorher zu lösen fähig ist. Und man soll aus der Gläubiger- feite nicht vergessen, daß so, wie die Dinge heute liegen, der auf seinen Schein bestehende Gläubiger riskiert überhaupt nichts zu bekommen Denn in diesem Sinne einer Verweigerung der Zahlungen könnte allerdings eines Tages eine europäische I Schuldnerfront gegen Amerika entstehen! Dr. Irrigoyen, der frühere argentinische Staatspräsident, der jetzt verhaftet wurde. Bannmeile ein ganzes Dombenlager befand. Die Bewohner des Hauses flohen, vergaßen aber, eine Liste mit 60 Flamen mitzunehmen, wodurch es der Polizei ermöglich, wurde, sofort mit Verhaftungen gegen die Derschwörer «inzugreifen. Bisher wurden über 1 0 0 0 D o m- ben beschlagnahmt. Der Kreuzer „Deinticinco de Mayo", der die verhafteten Führer der Radikalen Partei nach ihrem Derbannungsort bringt, ist bereits aus dem Hafen ausgelaufen. Der Innenminister erklärt«, Herr der Lage zu sein. Die Schuldigen würden bestraft und alle Maßnahmen getroffen werden, um die öffentlich« Ordnung auf- rechtzuerhalten. Die Verhaftungen von Verdächtigen gehen weiter. Presse und öffentliche Meinung treten sehr stark für die Regierung ein. keilte sich in die Dampflokomotive und fauste mit ihr bis fast zum Bahnhof Oerlikon hinein. Der Packwagen des Zuges und der nachfolgende 3 -Kiafje-Perfonenwagen wurden ganz ineinander verschachtelt. Der Personenwagen hob den Packwagen in die höhe, so daß dieser teilweise auf den Personenwagen selbst fiel. Durch den Stoß und die schwere Zertrümmerung des wagens wurden drei Personen getötet, neunzehn Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Lin Fahrgast kam ums Leben, als etwa zehn Minuten später ein Rangierzug aus einem Rebengleis an den quer über dem Gleis stehenden Belagerungszustand in Argentinien Aeiies schweres MenbahnunM in der Schweiz. Zusammenstoß im Nebel bei Oerlikon. - Drei Tote und neunzehn Verletzte. Personenwagen anfuhr. Der Heizer der Banaler- lokomotive wurde durch glühende Kohlen, die aus der Feuerung aus ihn fielen, so schwer verbrannt, daß er an den Verletzungen starb. Wie das Unglück geschah. Das Unglück von Oerlikon wird auf den dichten Rebel zurückgeführt, der am Samstagabend bis auf 2 Meter jede Sicht unmöglich machte. Hierdurch kam es auch, daß der Lokalzug von Zürich die auf dem Gleis stehende Rangierlokomotive nicht bemerkte Warum diese allerdings auf dem Gleis zurückgelassen worden war, ist allgemein ein Rätsel. Das Stationsamt Oerlikon kann hierüber kein? klare Auskunft geben. Durch den Anprall riß sich einmal die elektrische Majchne des Lokalzuges los und jauste mit der Rangierlokomotive davon, zum anderen wurden außer dem nachfolgenden Packwagen auch noch zwei Personenwagen ganz ineinandergerannt, so daß sie weit über di« Schienen bi n ausragten. Beide wiesen zahlreiche Fahrgäste auf, die von Weihnachts- e i n r ä u f e n in Zürich auf das Land zurückfuhren. Nach Mitteilung der Bundesbahnen wurden insgesamt drei Personen getötet, und zwar ein Mann vom Zugpersonal — der Heizer der Rangierlokomotive _ — und zwei Privatpersonen aus Zurich Der Führer der alleinstehenden Lokomotive konnte im letzten Augenblick abspringen Der Hei- 3er wurde mit dem Fuß eingeklemmt, konnte sich nicht mehr befreien und verbrannte Verletzt wurden neunzehn Personen, davon etwa die Hälfte l$.a>.er Sie stammen alle aus der Umgebung von Zürich Ausländer befinden sich nicht dabei. Sämtliche Verletzte wurden nach dsm Spital in Zürich ubergeführt. Die neue belgische Regierung. Brüssel, 17.Dez. (WTB.) Die belgische Kabinettskrise ist beendet. Das neue Kabinett seht sich wie folgt zusammen: Ministerpräsident und Minister ohne PortefeuiNe de Broqueville, Minister des Aeutzeren Hymans, Iustizrninister Janson, Wehrminister Deveze, Derkehrsminister Forthomme, Minister für Kunst und Wissenschaft Lippe ns, Innen- und Postministerium Po ulket, Finanz- Minister Ja s par, Kolonialminister Ts chof- s e n, Industrie- und Arbeitsminister Dani» fader. Tas neue Kabinett besteht im wesentlichen aus denselben Persönlichkeiten, wie das erste Ministerium de Broqueville. Tas Bündnis Ka- tholiken-Liberale ist aufs neue ge- f e st i g t, um so mehr, als sich die beiden Parteien über die wichtige innerpolitische Streitfrage der staatlichen Ünterstühungen für katholische Schulen einigen konnten. Das neue Kabinett wird sich am Dienstag den beiden Kammern vorstellen. Seine wichtigste Aufgabe ist die Bewilligung wenigstens der unmittelbar notwendigen Etatsmittel für die ersten Monate des neuen Haushaltsjahres 1933. Weiter gilt es, den durch Wahlen und die politischen Kämpfe bis zur letzten Stunde verzögerten Plan der Sanierung der Staatsfinanzen mit größter Be- fchlennigung fertigzustel'en. Das Defizit beträgt nicht weniger als 2,5 Milliarden Franks. Wie die Tschechoslowakei „abrüstet". Prag, 17. Dez. (TÄ.) Das „Prager Tagblatt" bringt interessante Einzelheiten aus dem tschechischen Militärhaushalt. So stellt es fest, daß die Tschechoslowakei im Jahre 1930 = 2 7 0 Flugzeuge besah, 1931 bereits 546, und in den Fliegerschulen 141, zusammen also 687 Flugzeuge, die 25 Flugzeugs der Masa- rhk-Flugliga nicht mitgerechnet. In einem Jahr hat sich also der Bestand an Flugzeugen um 150 v. H. vermehrt. Bon kleineren Staaten haben die Schweiz 210, die Riederlande 250, Belgien 400, Rumänien 450 und selbst Südslawien, das nicht wie die Tschechoslowakei 140 000 Quadratkilometer Land, sondern 250 000 Quadratkilometer zu verteidigen hat, nur 500 Militärflugzeuge. Gießener Gtadtthearer. We hnachtsmärchen: „Aschenbrödel" Eine große Kindergesellschaft war gestern, am goldenen Sonntagnachmittag, im Theater versammelt, um das diesjährige Weihnachtsmärchen anzusehen. Es heißt „Aschenbrödel oder: Der gläserne Pantoffel", mit Gesang und Tanz in sechs Bildern, nach dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm bearbeitet von C. A. G ö r - ner; Musik von Eduard Stieg mann. Es dauerte beinahe drei volle Stunden, so daß di« kl«ine Gesellschaft richtig auf ihre Kosten kam. Tlnd es gab wahrhaftig viel zu sehen: zuerst in Aschenbröoels Küche im Hause des Barons von Montecontecuculorum, wo di« böse Stiefmutter ihr greuliches Wesen trieb und die Täubchen durch den Kamin auf den Herd herunter geflattert kamen. („Die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.") Dann bei der freundlichen Fee Walpurgis, di« zwar wi« eine richtige Knusperhex« aussah, aber über ganz wunderbare Zauberkräfte ver- fügte. Zum Beispiel ließ sie eine mit vier weißen Mäusen bespannte, prächtige Karosse herbeirollen, um Aschenbrödel zum Hofball des Königs Kakadu zu fahren. Auch konnte man bei ihr leibhaftige Frösche und Mäuse tanzen sehn. Aber das war noch nichts gegen die märchenhafte Pracht am Hofe des Königs Kakadu, wo sich viele bunte Papageien schaukelten, hier gab es auch ^nen närrischen Hofstaat und ein sehr anmutiges Ballett zu bewundern. Aschenbrödel, das gute, machte die erstaunlichster Verwandlungen durch und erschien dem stattlichen Prisen Wunderhold erst in einem riesigen Blumenkorb und später sogar auf kunstreiche und rätselhafte Art und Weif« im Traum. Di« Jagd nach dem aus dem Schloß entflohenen Aschen- brodel gab zu besonders erheiternden Szenen Ä als die gesamt« Hofgesellschaft, samt dem dicken König die Treppe hinunter und ins Was- land dann vor den Augen des Königs die feierl.che Pantoffelprobe statt, und ?a^ntomuVQ’ toie ""gegossen Unb zuallerletzt, als Aschenbrödel des $rin- §«n tfrau geworden war, schwebte aus den Höch, sten Hohen em stattlicher Christbaum herab an dsm aus einen Wink der Fee Walpurgis Kerzen entzündet^ im Handumdrehen «ine höchst erfreuliche Verwandlung durchgemacht und beschloß das Märchen recht weihnachtlich mit dem Gesang „O du fröhliche". • Natürlich ist das noch nicht alles, was es zu sehen gab, aber wer das nächste Mal hingeht, will ja auch noch ein paar Ueberrafchungen er- leben. Der gute Onkel Volck hat das Stück wie alle Jahre, mit viel Liebe und Sorgfalt betreut und einstudiert. Karl Löffler hat präch- tige Dekorationen entworfen und besonders den Königshof recht verschwenderisch ausgestattet. Auch die Herren Keim (Beleuchtung, und H u - d er (Kostüme) hatten ihr Bestes zu einer festlichen Ausstattung beigetragen. Kapellmeister Walter M o e h l dirigierte mit Verständnis und Zart- 8€füi)l die Begleitmusik, die besonders im ersten -L'ld und in den Tänzen hübsch« Melodien auf- we'st Ne Tänze hat E. B ä u l k e gefällig und sorgsam eingeübt: besonders der Blumentanz und das anmutige Ho.ballett fanden verdientermaßen allgemeinen Beifall. " 9 .war ein liebliches Aschenbrödel, dessen Schicksale die Kleinen mit bewegter Anteil- napme verfolgten, es konnte einem ja auch wahrhaftig leid tun, wie abscheulich «s von seiner Stiefmutter behandelt wird, und es war eine rechte Freude und allgemeines Aufatmen, daß das gute Kind zuletzt mit einem so prächtigen Prmzen belohnt wird, wie ihn Herr Eggern a nn darstellte. Herr Fassott erschien als ein äußerst gemütlicher, rotnasiger König, wie aus dem Bilderbuch«: seine Attribute waren ein mächtiges Lebkuchenherz, Aepfel und ein Wurst- krmgel, wovon der Minister Puterhahn mal ab- beißen durfte. Herr Volck gab den dicken und ängstlichen Baron: Frau Schubert-Jüng- l i n g, Agathe Walther-Lederer und Annemarie O 11 m e r statteten die Sippe derer von Knitterknatterschnat!« hausen mit aufregender Scheusäligkeit aus. Sybille Flemming fang als verwandelte Fee Walpurgis mit schöner Stimme das weihnachtliche Abschiedslied unter oem Christbaum. Karl Bruck war ihr hilfreicher Trabant Syfax und trieb mit einer Tarnkappe unb einer langen Feder allerlei erheiternden Unfug, Walter M i che l als Ho.marfchall Grase- mück hatte sich mit einem Glöckchen auf der Perücke und einem Papagei auf dem Marschallstab phantLsievoll ausstaffiert. Auch alle übrigen Große und Kleine, waren mit Lust und Liebe bei der Sache. Und die Kinder, sie hörten es gerne und statteten mit Lachen und Klatschen ihren Dank ab. hth. Besuch auf Robinsons Insel. Juan Fernandez, die kleine Insel im Stillen Ozean, gilt allgemein als das Eiland Robinson Crusoes, und sie wäre es auch zweifellos, wenn wirklich bewiesen wäre, daß Defoe der Dichter dieses unsterblichen Werkes, die Memoiren des Matrosen^ Alexander Selkirk benutzt hat Dies« literarische Streitfrage wird sich wohl nie ganz lösen lassen, und so bleibt die Insel umwittert von dem romantischen Hauch, der uns alle bei der Nennung des Namen Robinsons anweht Aber diese phan- tastischen Träume der Kindheit erfahren fautm eine Bestätigung bei dem Besuch der Insel, sondern man fühlt sich, wie ein Besucher kürzlich ausführte, stark ernüchtert, wenn man diese einlam aus dem Meer aufragende Felsmasse betritt Obwohl Juan Fernandez nur 600 Kilometer westlich von Valparaiso liegt, also etn>a 20 Stunden Dampferfahrt entfernt, so ist sie doch sehr einsam, da die Sch sfe hier fast nie anlegen. Die Küste ist ganz kahl, und' vergebens sucht man nach dem Sande, auf dem sich die Fußspuren Freitags hätten einprägen können durch die Robinson zu seinem Begleiter kam. Auch spricht nichts dafür, daß hier jemals ein schwarzer Menschenstamm gehaust Hal, Die Ziegen, die wahrscheinlich von dem Entdecker der Insel, Juan Fernandez, im Jahre 1563 eingeführt wurden und außer einigen Wildschweinen die wichtigste Tierwelt darstellen, gemahnen allein noch an Defoes Schilderung. Die Hauptbewohner sind heute politische Flüchtlinge. Es scheint als ob seit den Tagen der spanischen Eroberung von Südamerika die Insel immer wieder der Zufluchtsort Geächteter wurde, und die unglücklichen Nebenbuhler und Gegner des herrschenden Präsidenten von Chile fristen hier ein friedliches, wenn auch kümmerliches Dasein, Ihre Hauptnahrung sind die Langusten, die In großen .Dtenaen gefangen werden Daneben hat sich eine Industrie der Herstellung von Spazierstöcken enb mickelt, für die die Chonta-Palme ein vortreffliches Material liefert Die besondere Art dieses Baumes, die auf der Insel heimisch ist, weist ein sehr anziehendes, schwarzweißes Muster in ihrem Holz auf. Die Palmen werden so rücksichtslos umgehauen, daß nur noch einige wenige von ihnen vorhanden sind. Lebendiger als die Erinnerung an Robinson ist auf der Insel die an Alexander Seb kirk, den man ja für sein geschichtliches Vorbild hält. Selkirk war Obermaat auf dem Schiff „Cinque Ports", geriet mit dem Kapitän Stradling in Streit und bestand darauf, auf der Insel an Land gesetzt Zu werden. Obwohl er bann vor der Abfahrt des Schisse» zweimal darum bat, wieder an Bord genommen zu werden, ließ man ihn allein zurück, und er wurde erst im Februar 1709 von dem Ka- pitän Rogers des Schiffes „Dukes" gerettet, der fein Feuer brennen sah und ein Boot ausschickte. Der Ausguck, von dem der Einsiedler auf Juan Fernandez sehnsüchtig nach dem Rettungsschiff aus» blickte und den er in seinen Erinnerungen ein- gehend beschreibt, ist ein Vorsprung auf der Bergkette der Insel, von dem aus man die Aussicht nach beiden Küsten hat. Der Anstieg von etwa 600 Meter wird durch ein Dickicht von Farnen und Gewächsen aller Art erschwert. Die Pflanzenwelt weist allein 24 verschiedene Arten von Farnkräutern auf, obwohl die Insel nur 20 Kilometer lang und 6 Kilometer breit ist. Hat man glücklich die Höhe erklommen, so findet man auf dem Gipfel eine Stein täfel, die 1868 zur Erinnerung an den 4Hährigen Aufenthalt Selkirks angebracht wurde. Man erfährt hier, daß er von 1704 bis 1709 auf der Insel weilte, später Offizier in der englischen Marine wurde und 1723 im Range eines Leutnants an Bord des Schiffes „Weymouth" starb. A.t dem Bergabhang, der sich in eine natürliche Terrasse über der Bucht aus- breitet, finden sich verschieden« Höhlen, die wohl von Flüchtlingen in früherer Zeit angelegt wurden; eine von ihnen die mit Farnkräutern ausgeschmückt ist, dient als Kapelle. Für uns Deutsche ist besonders interessant, daß die Mannschaft des deutschen Kreuzers „Dresden" nach der Schlacht an den Falk- lands-Inseln hier einen Unterschlupf sand. Eine merkwürdige Erinnerung an 1870 ^iniflm-crbeiter' die das Unterholz bei Boulou in der Nahe von Perpignan beseitigen, fanden in einem hohlen Baumstamm eine Flasche, die eine Liste von Schmucksachen enthielt, die der Kaiserin Eugenie gehört haben. Die List«, bte oom 4. September 1870, dem Sage des Sturzes Zweiten französischen Kaiserreiches, datiert ist, Yt begleitet von Anordnungen, die an Manuel Perez gerichtet waren: es wurde ihm aufgetragen, die aufgezählten Juwelen der Mutter der Kaiserin tn Madrid auszuliefern. Das merkwürdige Dokument ist auf Amtspapier geschrieben, das den kaiserlichen Adler träat, und mit dem Siegel des • n^er9 oersehen. unter den Schmuckstücken wird ein Perlenhalsband erwähnt, das die Kaiserin oom Zaren erhalten und dessen Wert mit 600 000 Frcs. angegeben ist Der Gesamtwert wird auf 6 650 000 Frcs. berechnet. Aus der Provinzialhauptstadt. Hilfeleistung bei Unfällen auf dem Eis. Di« Hilfele-istung bei Unfällen auf dem Eis erfordert wie jede ander« Wasservettung/in erster Linie Ruhe und Besonnenheit. Der Retter darf s»ch nie stehend der Bruchstelle nähern. Bei jeder Hufe auf- i>em Eis muß das Körpergewicht stets so weit als m.g ich verteilt werden. Will sich ein Dingebrochener selbst helfen, so soll er versuchen, mit ausgeb ne. Men Armen vor ober rückwärts sich hevauszuichieb-en, und dann kriechend wieder ^das Ufer zu erreichen. Auch der Retter darf sich nur kriechend der Einbruchsstelle nähern. Hier sei erwähnt, daß auch Schw.mmer öfters nicht in der Sage sein werden, sich ans einer Bruch» stelle ohne fremde Hilfe herauszuarbeiten, da infolge des längeren Aufenthalts im kalten Wasser die Glieder steif und starr wenden und so die Be- wegungesreiheit gehindert wird. Will man einem Verunglückten helfen, fo versuche man zunächst, dcm Ertrinkenden lange Gegenstände, wie Stangen, Bretter, Aeste, Kleider, Seinen und dergleichen zu- zure.chen und dann den Verunglückten, der sich an diese Gegenstände anklamrnert, herauszuziehen. Der Retter soll sich selbst, wenn mögl.ch, durch einen zweiten Helfer, der ihn bei den Füßen festhält, gegen rückwärts sichern. Auf diese Weis« läßt sich eine ganze Kette von Helfern bilden. Sehr wertvoll ist es, wenn man ein Brett, eine flache Bank, oder eine Leiter bei der Hand hat und diese dcm Eingebrochenen zureicht, damit er sich an diesem Gegenstand äerausarfc-e'.ten kann. Bei sehr dünner Eisdecke oder bei Taura etter soll der Hilfe leistende versuchen, wenn dies m glich ist, sich ebenfalls, auf einem Brett oder einem sonst gen flachen Gegenstand liegend, an den Ei ngc brache neu heranzuarbciten. Leider ist das Dorwärtsschieben von längeren Brettern bei Taumelt er äußerst schwierig, da flache Gegenstände durch das Gew.cht des daran fliegend en 9tetter5 am Eise antieben. Di« schwierigste Hilfeleistung ist das Tauchen nach einem unter der Eisdeck« Verschwundenen. Der Retter Und der Helfer des Retters müssen sich dabei anseilen. Unangeseilt ist die Hilfeleistung mit äußerster Lebensgefahr verbunden, man könnte fast sagen, ein Selbstmord. In den me.sten Fällen ist das Rach- tauchen eine Unmöal ich leit und wird nur in Ausnahmefällen einen Erfolg haben. Der Gerettete darf nicht sofort in ein warmes Zimmer gebracht werden, sondern zuerst in einen kühlen Raum. Falls di« Atmung versagt, oder er bewußtlos ist, ist sofort mit der -künstlichen Atmung einzusetzen. Gleichzeitig reibe man den Verunglückten wenn miglich mit Schnee ab. Sobald der Verunglückte wieder bei Bewußtsein ist, gebe man ihm löffelweise anregende kühle Getränke. Eist später soll er in ein warmes Zimmer gebracht und in Decken gehüllt werden. Schweres Autounglück bei Steinbach. Gestern gegen 13 Uhr ereignete sich auf der Landstraße Gießen—Lich, kurz hinter Steinbach, in der scharfen Kurve vor der Abzweigung der Chaussee nach Albach, ein schweres Autounglück, dem leider ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel Der Kaufmann Friedrich Habe nicht von hier, Westanlage 32 wohnhaft, befand sich mit seiner Gattin, seinem etwa drei Jahre alten Kinde und einem Bekannten in einem Kraftwagen auf der Fahrt nach Lich, von wo aus er nach dem Hoherodskopf weiter» fahren wollte. Kurz hinter Steinbach geriet das Auto auf eine vereiste Stelle der Straße, kam ins Schleudern und drehte sich um die eigene Achse derart, daß es mit der Spitze des Wagens wieder in Richtung Gießen stand. Bei der scharfen Umdrehung kippte der offene, mit einem Planoerdeck überspannte Wagen seitwärts um und stürzte, sich mehrmals überschlagend, die an der Unfallstelle etwa drei Meter hohe Böschung hinab auf einen Acker. Bei diesem Sturz wurde Frau Habe- nicht, eine Tochter des Hauses I h r i n g in Lich, durch innere Verletzungen leider so schwer betroffen, daß sie etwa zehn Minuten später v e r st a r b. Herr H a b e n i ch t und der Mitfahrer, Volkswirt Eick- worth von hier, erlitten Prellungen und Quetschungen, die ihre Ueberführung nach der Chirurgischen Klinik erforderlich machten. Das Befinden der beiden Herren war gestern abend, den Umständen entsprechend, leidlich. Das Kindchen erlitt eine leichte Schnittwunde im Gesicht. Die elfte ärztliche Hilfe leistete Dr. Claus (Lich). Der Kraftwagen wurde erheblich beschädigt und mußte nach Gießen abgeschleppt werden. Ein zweites Auto, an dessen Steuer Professor Schumacher von hier saß. der in Gemeinschaft mit der Familie Habenicht nach dem Hoherodskopf fahren wollte, konnte von einem Lenker angesichts des Unglücks des voraus- ährenden Kraftwagens noch rechtzeitig gebremst werten, war aber auf der vereisten Straße auch schon ins Rutschen gekommen und hätte sich um die eigene Achse gedreht. Zum Glück kam es oei diesem Wagen nicht auch noch zu einem Unfall. Beamte der Landeskriminalpolizeistelle Gießen weilten gestern nachmittag an der Unfallstelle und nahmen den Sachverhalt auf. Die Leiche der bedauernswerten Frau Habenicht wurde im Laufe des gestrigen Nachmittags nach dem Neuen Friedhof in Gießen übergeführt. Wer schenkt Bücher und illustrierte Zeitschriften? Von der Landes-Heil- und Pflegeanstalt in Gießen wird uns geschrieben: Gute Bücher schätzt am meisten, wer durch Krankheit, schleckjtes Wetter u. a. ans Zimmer oder gar Bett gefesselt ist. So sehnt sich auch die Mehrzahl der Patienten der Heil - und Pflegeanstalt Gießen, Sicher Straße 10 6, in beschäftigungslosen Stunden nach Sefeftoff aller Art. Gute Lektüre erheitert die Niedergedrückten, beruhigt Erregte, lenkt von unangenehmen Vorstellungen ab und hilft so manchen über trübe Stunden hinweg. Wer überflüssige Bücher, Zeitschriften, besonders illustrierte, ganze Jahrgänge, aber auch einzelne Hefte von solchen zu vergeben hat, schenke diese der Anstalt. Er erwirbt sich damit den Dank der Kran- ken. Auf eine Postkarte mit genauer Adresse läßt die Direktion gern die Gaben abholen. Pornonzcn. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, zum letztenmal Grillparzers Lustspiel: „Weh' dem, der lügt", Spielleitung Karl H e i) s e r. Gewöhnliche Preise. 20 bis 22.15 Uhr. — Mittwoch, 15.45 Uhr, nächste Wiederholung des Weihnachtsmärchens „Aschenbrödel" von Görner, sechs Bilder mit Musik, Gesang und Tanz: Leitung: Volck, Moehl, Bäulke. Märchen- preise. Ende 18.15 Uhr. 20 Uhr zum letztenmal die Operette „Peppina" von Stolz( Spielleitung Wrede). Ende 22.30 Uhr. Operettenpreise. — Freitag und I Samstag bleibt das Stadttheater wegen der Vorbereitungen des Weihnachtsspielplans geschlossen. — Am ersten Feiertag, Sonntag, 25. Dezemaer, 18.30 Uhr, zu ermäßigten Preisen als Fremoenoorstellung außer Abonnement das Frontstück „Die endlose Straße" von Graff und Hintze (Spielleitung: der Intendant). Ende 21.30 Uhr. Der zweite Feiertag, Montag, 26. Dezember, bringt nachmittags für die Kinder das Weihnachtsmärchen „Aschenbrödel" (Spielleitung Karl Volck: am Dirigenten- pult Kapellmeister Moehl: Tänze Ballettmeister Ewald B ä u l k e mit den Kindern und Girls des Ballets). Spieldauer von 15 bis 17.30 Uhr. Für abends ist die Erstaufführung der Operette „Im weißen Rößi" angesetzt. Es gibt wohl kaum ein Werk der leichten Muse, das diesen Serien- und Dauererfolg zu verzeichnen hätte, wie dieses zu einer revueartigen Schau abgeroanöelte Lustspiel von Blumenthal und Kadelburg, mit den Gesangstexten von Robert Gilbert und der Musik Ralph Benatzkys. Die Spielleitung Heinrich Hubs hat keine Mühen Seff in Packungen oder Tüten von 1 Pfund erbittet in dieser Woche die Psundipende der Zrauen-Winierhilfe Die Zustellung der Pfundpakete wird auf Wunsch der Hausfrauen von den Lebensmittelgeschäften aus direkt an die Sammelstelle erfolgen. Annahme: Alte Klinik, parterre, rechts, Montags. Mittwochs und Freitags, von 9 bis 12 Uhr. und Lasten gescheut, in Verbindung mit Kapellmeister Moehl und Ballettmeister Bäulke in angestrengtester Probearbeit eine an szenischen Ueberraschungen reiche Unterhaltung zu bieten. Die Erstaufführung ist als Fremdenvorstellung bei ermäßigten Operettenpreisen außer Abonnement. Spieldauer von 19 bis 22 Uhr. — Turnverein 1846. Man schreibt uns: Die von den Schülern und Schülerinnen alljährlich sehnlichst erwartete und gut vorbereitete Weihnachtsfeier der Kinderabteilungen findet am Mittwoch, 21. Dezember, 19.30 Uhr, in der Turnhalle statt. Eltern und Freunde erwartet ein froher Abend. — Siehe Anzeige in der Samstagsausgabe. Beratungen über die Finanzlage der evangelischen Landeskirche. Der Finanzausschuß der Evangelischen Landeskirche tritt am heut gen Montag, 19. Dezember, im Gebäude des Landeskirchenamtes zu Darmstadt unter dem Borfitz von Freiherrn Dr. D. Cornelius Hehl z u Herrnsheim zu einer Sitzung zusammen. Wichtige, durch den Ernst der Zeit gegeben« finanzielle Fragen der Landeskirche werden hierbei Gegenstand der Aussprache sein, so vor allem der Stand der Leistungen von Staatszuschuß und Staatsdarlehen durch den hessischen Staat an di« Evangelische Landeskirche, ferner der Stand des Schiedsverfahrens mit dem Staat. Es wird weiter dem Finanzausschuß «in Bild der Entwicklung des Voranschlages in Einnahme und Ausgabe im Jahre 1932 gegeben werden, wobei die für den kirchlichen Voranschlag wichtigsten Posten der Einnahmen an Steuern und Pachten im Vordergrund« stehen. Schließlich wird der Finanzausschuß in «ine Erörterung über die Lage der Finanzen einer Anzahl von Kirchengemeinden eintreten und zu einer von feiten des Reiches (Landesfinanzamt) vorgeschlagenen Neuregelung in der Steuererhebung Stellung nehmen. * * Geheimrat Walbe Gießener Ehrendoktor der Theologie. Don der Pressestelle der llilniversität Gießen wird mitgeteilt: Die Theologische Fakultät unserer Landes- univcrsität hat den Geheimen Daurat und ordentl. Professor an der Technischen Hochschule in Darmstadt, Heinrich W albe, den verdienstvollen Denkmalpfleger und Kirchenbaumeister, dem eine große Anzahl hessischer Dors- und Stadtkirchen aus mittelalterlicher und reformatorischer Zeit ihre Wiederherstellung zur alten Schönheit verdankt, ehrenhalber zum Doktor der Theologie ernannt. ** Wohlfahrtsbriefmarlen in der W e i h n a ch t s w o ch e. Cs ist in vielen Ländern eine schöne Sitte geworden, in der Weihnachtszeit Briefe und Postkarten mit Wohlfahrtsbrief- markcn zu sranlieren. 3n Deutschland geben die Wohlfahrtsbriefmarken der Reichspost für die Deutsche Dothilfe die Möglichkeit, mit einigen Pfennigen denen zu helfen, die unter der bitteren Dot der Gegenwart leiden. Auch für den Weihnachtstisch stnd die Wohlfahrtsbriefmarlen mit den Bildern von fünf der schönsten deutschen 'Burgen eine hübsche, nützliche und zugleich wohltätige Gabe. ** Tie Stiftung der „HausangesteIlten - E h r u n g", ungegliedert an den Alice-Frauen- verein vom Roten Kreuz, beging dieser Tage im Cafs Leib ihre diesjährige Feier, den 5. Geburtstag, die den schönsten Verlauf nahm. 43 Jubilarinnen, Ehrengäste der Stiftung, wurden je nach ihrer Dienstzeit ausgezeichnet, und große Dankbarkeit erfüllte alle Herzen. Schöne Vorträge die in künstlerischer Weise von Frl. v. d. H e y d, der Schumann- schen Tanzschule und von einem Jugendlichen-Mäd- djenquartett ausgeführt wurden, erregten die größte Freude und Anerkennung und gaben der Veranstaltung einen frohen Schimmer. „O p e r n - R e d o u te". Das Lichtspielhaus Bahnhofstraße bringt gegenwärtig einen guten Unterhaltungsfilm. Unter dem vielversprechenden Titel „Frauen in Gefahr" (Opern-Redoute) wird eine Geschichte, eine Episode aus einer Ehe erzählt, eine kleine Geschichte, die sehr leicht schief gehen konnte, wenn nicht frauliche Geschicklichkeit die drohende Gefahr, die gleich einem Damoklesschwert über den Häuptern hing, abgebogen hätte. Die junge, hübsche Frau eines ebenfalls noch jungen Diplomaten, ging ohne Wissen ihres Gotten auf die Opernredoute, lernte dort einen Kollegen ihres Mannes kennen, der sich (er hatte ja kein« Ahnung, daß es die Frau feines Freundes war) reichlich aufdringlich benimmt und die junge Frau aber auch sich selbst in gefährliche Situationen steuert. Aber die schon erwähnt« Geschicklichkeit der jungen Dame rettet di« Situation, die Ehe und den Freund. Wie das im einzelnen geschah, sei, dem Film nicht ■Dorracggenommen. Zu erwähnen ist nur, daß Liane Haid als die gefährdete Frau ihre Rolle bei allem Charm mit großer Sicherheit spielt. Neben ihr sieht man Ivan Petrc> vich in der Roll« des fast betrogenen Gatten, in Georg Alexander stellt sich der in Dingen der Liebe reichlich lockere Freund überzeugend vor, für di« Komik sorgt Otto W a 11 b u r g. Die Nebenrollen sind gut besetzt. Man hört viel ausgezeichnete Musik, sieht gute Bilder, wird von der flotten Handlung gut unterhalten und verläßt angeregt das Haus. Festnahme eines internationalen Taschen- uns l>Zugdiebes. WSD. 5 r a n f f u r t a. M.. 17. Dez. Am Don- nerstag wurde hier in der Langestraß« ein feit langem gesuchter internationaler Dieb, "der sich hier in einem Heim ausgehalten hatte, fest genommen. Es handelt sich um den 48- jährigen, in Lyon geborenen David 6 trennt a n n , der au h auf L en Damen Gar^nerreste und auch unter dem Damen Finch auf trat. Kurz nach feiner Festnahme versuchte er, feinen falschen Paß auf den Hamen Gardner zu beseitigen, doch konnte er noch rechtzeitig daran gehindert werden. Strohmann erschwindelte sich u. a. Unterstützungen, handelte mit Brillanten und goldenen lllhren, di« vermutlich aus D-Zug-Diebstählen herrühren. Bielfach hat er sich auch in Bafel aufgehalten. Den gefälschten Paß will er sich angeblich von London haben schicken lassen. Kürzlich ist er unter dem Damen Gardner in Karlsruhe aufgetreten. Kartotheken gegen Verbrecher. Neuzeitliche Methoden auf dem Gebiet der Kriminalpolizei. Don Hans Peter. In den letzten Jahrzehnten hat die Kriminalpsychologie den Typ des Bsrufsoerbre- ch e r s erkannt und sich eingehend mit ihm besaßt. Ein gefährlicher Feind der Gesellschaft, dieser Mann, der das Verbrechen zu seinem Beruf erwählt, der die Techniken einer Verbrechensdeaehung, VerbrechenOverschleierung und F.ucht ebenso studiert wie die Methoden der Verteidigung vor Gericht und zur Erleichterung der Strafhaft. Das Gefährlichste aber an diesen Verbrechern ist, daß sie Schritt halten mit den technischen, chemischen und psychologischen Jortschrit- t e n und sich dies« Entwicklung fo schnell wie mög» lick» zunutze machen. Und wie die Wirtschaft sich heute rationalisiert —- also auch spezialisiert hat, so haben auch die Berufsverbrecher die differenziertosten Spezialisierungen mitgemacht. Der eine öffnet Handtaschen, ein anderer Banktresore, ein Dritter stiehlt im Warenhaus. So mußte auch die Derbrecherbekämpfung spezialisiert werden, lieber das ganze Deutsche Reich sind die Kriminalbeamten in Dezernate ein» geteilt: Mord, Brandstiftung, Einbruch ufro. Darüber hinaus wird aber dafür gesorgt, daß die Kriminalbeamten auch innerhalb ihrer Dezernate sich mit Sonlbergebieten von Verbrechen befassen. So ist zum Beispiel in Preußen der Kriminalrat Buß- darf Spezialist für Für ft ermorde und wird möglichst in allen solchen Fällen zugezogen werden. So wertvoll diese Spezialisierung der einzelnen Beamten ist, sie reichte nicht immer aus. So entschlossen sich die deutschen Länder, «ine Reihe von Zentral st eilen vor allem in Berlin zu errichten. Diese Stellen sollten sich ausschließlich der Ueberraachung und Bekämpfung ganz bestimmter Verbrechenszweige widmen. So entstand die Zentralstelle für Bekämpfung des Taschendieb st ahls. Sie verfügte über eine Sammlung von Lichtbildern und Personalbogen aller bekannten Taschendiebe und besitzt eine sehr differenzierte Kenntnis ihrer Lebensweise und Arbeitsmethode. So wirb sie auch in noch ungeklärten Taschendiebstahlssällen mit herangezogen und kann auf Grund ihrer Materialsammlung oft wertvolle Fingerzeige über den Täter und seinen Aufenthalt geben. Sie steht, wie fast alle Zentralstellen, in enger Beziehung zu ähnlichen Institutionen des Auslandes. Auch die Zentralstelle zur Bekämpfung der Falschmünzerei ist Nachrichtensammel- und Auskunftsstelle. Alles Geld, von dem man befürchtet, daß es gefälscht fei, wird ihr zugeleitet. Gemeinsam mit Beamten der Reichsbank oder der Münze wird es hier auf seine Echtheit untersucht. Auch werden Erhebungen über das Verbreitungsgebiet und die Mengen der austretenden Fälschungen angestellt. Durch systematische Auswertung aller Nachrichten kann chäufig auch hier ein Verdacht in ganz bestimmter Richtung geäußert werden. Ebenfalls in Berlin ist der Sitz zweier Zentralstellen, die sich mit Angelegenheiten der Sittlichkeit befassen. In Berlin befindet sich auch die Zentrale der Staatspolizei, der vor allem die Spionageabwehr obliegt. Schließlich hat noch das preußische Innenministerium eine Zigeuner zentral- stelle für Preußen in Berlin errichtet. Die gemeinsame Zigeunerpolizeizentralstelle der deutschen ßäjifrer befindet sich in München. Zigeuner sehen einander sehr ähnlich. Man wußte oft, daß Zigeuner gestohlen hallen, aber nur selten, welcher es war. Um diesem Zustand ein Ende zu machen, hat die preußische Pollzei in der Zeit vom 23. zum 26. November 1927 im ganzen Land eine arvße Zigeunerrazzia veranstaltet. Von allen Verhafteten — es waren über 10 000! — wurden Fingerabdrücke genommen. Jeder Zigeuner erhielt eine paß- ähnliche ßigitimation, die ebenfals mit einem Fingerabdruck versehen war. Seil jenem Tag« sind si« planmäßig bei der Zigeunerstelle registnert. Noch eine weitere Zentralstelle nur für Preußen und einige kleinere Länder hat ihren Sitz in Berlin, das ist die „Zentralstelle zur Ermittlung Vermißter und unbekannter Täter". Gerade in letzter Zeit ist das Interesse der Oefsenllichkeil für die Arbeit der „Reichsbahnpolizei" sehr stark gewesen. Ihre Organisation flammt noch aus einer alten preußischen Verordnung. Dies« wurde später für alle Bahnen des Deutschen Reiches, besonders in der „Reichsbau- und Verkehrsordnung" übernommen. Jeder höhere Bahnbeamte — Kontrolleure, Stationsvorsteher, aber auch Streckengeher — hat Polizeirecht: er kann Verhaftungen vornehmen, Anweisungen erteilen, Polizeistrafen verhängen. Jedoch ist seine Machtbefugnis an dem Emkt zu Ende, an dem das Gebiet nicht mehr der Bahn gehört. Andererseits soll in diesem Bahngebiet — tas «sind also vor allem Züge, Bahnhöfe und Gleisanlagen — ein Polizeibeamter nur in besonders notwendigen Fällen hinzugezogen werden. Man ging bei der Einrichtung dieser Bahnpolizei- gemalt zunächst im wesentlichen von den Grund- fatzen des ,Hausrechtes" aus. Aber diele rein Ordnung erhaltende Funktion hat in den letzten Jahrzehnten einen wesentlichen Ausbau erhallen müssen. Früher wurden die Gleisanlagen im wesentlichen nur durch Strcckengcher kontrolliert. Heute aber find besondere Wachtdienste eingerichtet worden, die darauf achten, daß niemand sich an den Gleisanlagen unbefugt herumtreibt ober zu schaffen macht. Außerdem bekämpft dieser Wachdienst die Schwarzfahrer. Denn die Gewohnheit mancher Landstreicher und auch Krimineller, auf Zügen, besonders auf Güterzügen, an Stellen, wo man sie kaum vermutet, blind und gratis mitzu- fahren, ist auch durch den modernen Verkehr noch nicht ganz ausgerottet. Besonders bevorzugt sind di« Guterzüge, und Spezialisten reisen unter dem Wagen, indem sie mit Brettern sich zwischen den Achten einen verhältnismäßig sicheren Halt oer' schaffen. Alle Beamten der Reichsbahnpolizei unterstehen ihren Reichsbahnbezirksdirektionen. Aber auch diese haben ihre einheitliche Leitung im Eisenbahnzentralamt in Berlin. Unsere Kriminaliststen und unsere Verbrecher übertrumpfen sich einander immer wieder. Ao er in den letzten Jahrzehnten ist es den deutschen Ländern gelungen, eine Waffe im Kampfe gegen die Verbrecher auszubauen, mit der diese nie wieder konkurrieren können. Das ist die Organisation. Sie können dem Polizeiapparal, der über die ganze Well ausgebreitet, reibungslos und mit der Geschindigkeit der Aetherraelle arbeitet, nichts Gleichartiges 'entgegenstellen. Sie können leine Fluchtorganisation ersinnen, die so systematisch, so exakt arbeitet, wie die Erkennungsdienstzentrale in Berlin. Sie müssen eines Tages jener Macht erliegen, die von den Kartei! einer systematisch geordneten Kartothek ausgeht. Neues für den Bücheriifch. — Hessischer Landkalender für das Jahr 1933. Hg. von Karl Esselborn, Parmstadt, C. F. Wintersche Buchdruckerei. Preis 60 Pfennig. — (534.) — Der Landkalender zeichnet sich diesmal durch eine besonders geschickte Auswahl der Beiträge, wiederum nur aus der Feder hessischer Verfasser, aus. In Bechtolsheimers Erzählung „Ellen- täte und Dusfi" finden mir manch kräftig Wörtlein gegen die Uebertultur der Stadtleute, der das bodenständige gesunde Empfinden der Landbevölkerung gegenübergestellt wird. Auch Franz Gros, der feinsinnige Kenner feiner oberhessischen Heimat und Wiedererwecker mancher ihrer allen schonen Bräuche, dessen Lebenslang Esselborn anläßlich feines 60. Geburtstages schildert, gibt mit seiner Humoreske einen erheiternden Beitrag zur Uebertultur. Karl Heusohn führt anschaulich vor Augen, was Oberhessen den Herrnhutern zu verdanken hat. Neben diesen uns in Oberhessen besonders interessierenden Artikeln sei nur noch auf Eimers nette Geschichte vom Gespenst, Karrillons Bericht vom unerwarteten Ende eines Pirschganges und einige gemütvolle Gedichte des Herausgebers hingewiesen. Auch die reiche Auswahl aus den Zeichnungen und Bildern Hermann Pfeiffers mit ihren gefälligen Formen gereichen dem Kalender zur besonderen Zierde. So gäbe er ein nettes Keines unterhaltsames Weihnachtsgeschenk für die langen Winterabende. — Der Kohlerfche Kolonial-Kalender für 1933 (Wilhelm Kohler Verlag, Minden i. W.), mit dem neuen Untertitel „Die Wildnis ruft .. bringt spannende, reich illustrierte Erzählungen aus Urwald und Steppe, aus Busch und Dschungel: kühne Forscher erzählen von abenteuerlichen Erlebnissen unter schwarzen, braunen und gelben Menschen, von Kopfjägern und von Negerzauber, von Schlangen, Krokodilen und Gorillas, von aufregenden Jagd- und Kriegsfahrten in tropischen Ländern. Preis: 1,30 Mk. — (334) — — Froh im Sattel! -Unter diesem Stichwort ist im Verlag von Sankt Georg, Berlin W 35. der neu« Sankt-Georg-Abreiß-Kale n-- der für 1933 «r.chtenen. — (423.) — Mill den Worten „Reiten ist die idealste Harmonie zwischen Mensch und Tier, ist schönste Erfüllung des Sportgedankens'' und „Reiter können wir alle sein" ruft der Kalender alle Sankt Georg-Jünger auf den Plan. Den früheren Ausgaben gegenüber bietet der neue Sankt Georg-Kalender ein erhebliches Mehr an Bildern und ist durch sein neues praktisches Format in schönem Gewand ein Schmuck für das Heim des Reiters und Freundes des Pferdes. Die Ausstattung ist sorgfältig: der Preis von 2,50 Mark ist wohlfeil. — Wilhelm Lobsien: Hasen binnen. Halliggeschichten. Martin War,.eck, Verlag, 'Ser- Iin W 9. Kart. Mk. —.90. — (430) — Wem Lobsien nicht bekannt ist als einer der besten Kenner der Halligwelt, dem öffnet dieses kleine Bändchen die Augen. Auch Wer di« Halligen selbst nie sahund ihre friesischen Bewohner in ihrer herben und zähen Art nicht kennt, mutz hier dl« Echtheit der Verlebendigung spüren. — Ludwig Dlathar: Das Schneiderlein im Hohen Venn. Ein Roman zwischen zwei Völkern. (VIIi u. 464 S.). Freiburg im Breisgau 1932, S)erber. Geheftet 4,40 Mk.: in Leinwand 6 Mk. — (474) — Alles, was einen guten Dolksroman auszeichnet, findet sich hier: spannungsreiche Handlung, getreue Menschenschilderung, Bericht erstaunlicher Schicksal«. Aber das Buch ist nicht nur dadurch interessant: sondern es bekommt seinen eigentlichen Wert erst durch die starke Zeichnung dieser wüsten und verlorenen Landschaft zwischen zwei Völkern, durch die Schilderung ihres läuternden Einflusses auf Michel, den Schneider. Der Gegensatz zwischen der unbändigen Datur, ihrer Gewalt, ihrer Bedrohung unb der Bewährung des Schneiders durch sie und in ihr — da- ist schön zu lesen und hinterläßt dauernde Wirkung. S.Jl.-'fport Kußball der Gießener Mannschaften. Das Ereignis des SonntagS war das Gastspiel der 1. Elf von Union Niederrod. Auf dem Sportplatz der Spielvercinigung hatten sich ungefähr 800 Personen als Zuschauer eingefunden. Der Kampf endete mit einem Sieg der Gäste. Mit 5:3 muhten sich die Dlauweihen geschlagen bekennen. Don Union Niederrrad hatte man etwas mehr erwartet. Die 2. Elf der Epielvereinigung gewann gegen die I. von Heuchelheim mit 3:1 Loren. Die 4. ©If gewann gegen Steinbach ebenfalls, und zwar mit 6:2. Die 5. Mannschaft erzielte gegen die 1. von Klein-Linden ein Unentschieden von 2:2. 2121m Samstagnachmittag trugen die Stndenten auf eigenem Platze gegen eine kombinierte Mannschaft des DfD. Gießen ein Freundschaftsspiel aus, das mit einem hohen Sieg der BfBcr endete. Die Grünweißen behielten mit 7:1 die Oberhand. Kußball in Hessen-Hannover 9n Hessen-Hannover standen am Goldenen Sonntag in der Hauptsache die Pokalspiele auf dem Programm. Daneben erfreute jid) das Freundschaftstreffen zwischen dem SC. 03 Kassel und Fortuna-Düssetdorf eines sohr outen Besuches, zumal in Kassel keine Meisterschaftsspiele stattfanden. Fortuna fiegte klar mit 7:0 (3:0) Treffern. Bei den Pokalspielen war Borussia über den SC. Schlüchtern erwartungsgemäß mit 7:1 erfolgreich. Hermannia Kassel un>d Tura Kassel trennten sich trotz Verlängerung 2:2, das Los entschied dann für die Hermannen. Das Spiel in Göttinnen zwischen Sp.-BZ. und 05 mußte während der Verlängerung beim «lande von 1:1 wegen Einbruchs der Dunkelheit ab gepfiffen werden. Das einzige Verbanids- spiel stieg in Hersfeid, wo die dortigen Hessen die Kurhessen aus Marburg mit 5:2 niederrangen. Das letzte Aerbandsipiel der Gruppe Main. FC. Hanau 93 — Eintracht 1:2 (1:0). Mit dem Spiel Hanau 93 — Eintracht Frankfurt in Hanau wurden die Kämpfe der Mainaruppe abgeschlossen. Das Trassen batte keinerlei Bedeutung mehr, denn die Eintracht hatte sich den zweiten Platz schon vorher gesichert, und Hanau war bereits dem Abstieg Versalien. Das Spiel, das von der Eintracht nur knapp mit 2:1 gewonnen wurde, verlief fair, aber nicht besonders spannend. Ein Unentschieden im ersten Endspiel. Sv. Waldhof — Spvgg. Fürth 0:0. In Mannheim fand am Sonntag vor 8—10 000 Zuschauern das erste Endspiel um die süddeutsche Meisterschaft Dieser Saison statt. Die beiden Gegner waren SV. Waldhof und Spielvereinigung 1 Fürth, die hn allgemeinen einen spannenden Kampf vorführten, der aber sehr unter starkem Nebel zu leiden hatte. Das 0:0-^Unentschieden ist für beide Parteien gerecht, für die Fürther vielleicht etwas glücklich ausgefallen. Denn obwohl jie in technischer und taktischer Beziehung etwas besser waren, hatten doch die Mannheimer infolge ihres größeren Kampfgeistes und der besseren Zusammenarbeit des Sturmes die klareren Torchancen. Die Mannheimer kamen erst nach der Pause mehr in Fahrt, waren aber dann meistens in der gegnerischen Spielhälfte zu finden. Spiele der deutschen Studentenelf. Sieg gegen Alemannia Olympia Worms. Die deutsche Studenten-Mannschaft, die am ersten Weihnachtstag -in Catania auf «Äzilien gegen Italien spieien soll, trug am Samstag in Worms vor '1000 Zuschauern ihr erstes Uebungsspiel aus. Gegner war die vollständige Bezirksligamannschaft von Alemannia-Olympia Worms, dem Tabellendritten der Gruppe Hessen. Es gab ein über Erwarten gutes Spiel, das von den Studenten verdient mit 3:2 (Halbzeit 2:1) gewonnen wurde. 2:l-71iederlage gegen die Saarbrücker Sladlmannfchaft. In ihrem zweiten Ue-bungsspiel erlitt die Deutsche Studenten-Mannschast zwar am Sonntag in Saarbrücken durch eine dortige Stadtmannsckjaft eine knappe 1:2- (l:l)-Niederiage, aber dos Ergebnis braucht die Sizilienfahrer nicht zu entmutigen. Wie im ersten Uebungstreffen in Worms, so wurden auch diesmal in Saarbrücken in beiden Halbzeiten zahlreiche Ersatzleute ausprobiert, worunter natürlich die Gesamtleistung leiden mußte. Dem Saar- brütfer Spiel wohnten 4000 Zuschauer bei, die auch auf ihre Kosten kamen, denn man sah ein schönes, von guten technischen Leistungen getragenes Spiel. Jubel um Schäfer in Kattowih. Weltmeister Karl Schäfer zeigte sich auf dem Wege nach Berlin am Wochenende auf der Äatto- witzer Kunsteisbahn. Sein Programm löste bei den zahlreichen Zuschauern stürmischen Beifall aus, den auch die Gc-ichw.ster Holzmann für ihre Darbietungen erhielten. Das erste Spiel der Eishockeymannschaften von Deutsch- und Polnisch-Oberschlefien ent- sch.eden die besser eingespielten Polen mit 4:1 (1:0, 0:0, 3:1) zu ihren Gunsten. Neuer Weltrekord von Jenny Koffein. Gelegentlich eines nationalen Schwimm festes in Amsterdam konnte Hollands beste Brustschwimmerin Jenny K a stein ihren eigenen Weltrekord im 400- Meter-Brustschwimmen von 6:38,4 um nicht weniger als sieben Sekunden auf 6:31,4 Mm. verbessern. Vorher hatte sie über 200 Meter auch ihren Landesrekord um eine Sekunde auf 3:07,6 Minuten herabgedrückt. Am gleichen Abend gab es noch einen zweiten Landesrekord, und zwar im 100-Meter- Brustschwimmen für Herren durch -den Jugendlichen van Kalken mit J: 19,6 (bisher 1:20,4). Rießersee spielt gegen Oxford. Die Studenten der Oxforder Universität werden auf der Neise nach Davos ju den Spengler-Pokalspielen am kommenden Mittwoch in München Station machen und g.gen die SC. Rießersee einen Eishockeykampf austragen. Am Donnerstag wird die Olympiafiegerin Sonja Henle auf Einladurg des Münchener Eislaufvereins auf der Glaspalast- Eisbahn sich in einem Schaulaufen zeigen. Westdeutscher Rugvysieg in Holland Westdeutschland schlägt in Eindhoven Holland 24:11. Eine lvestdLUis>..'e Auswahl-Fünfzehn bestritt am Sonntag in Eindhoven ihr erstes internationales Aepräsentativspiel gegen die Länderver- tretung von Holland. Wie nicht anders zu erwarten war, feierten die Westdeutschen, die sich fast ausschließlich aus Düsseldorfer und Kölner Spielern rekrutierten, gegen die noch wenig erfahrenen Holländer mit 24: 11 (11:8) einen glatten Sieg, der allerdings erst in der zweiten Hälfte, nachdem die Hol änder auf 11:11 gleich- grzogen hatten, durch überlegenes Spiel zustande kam. Kurze Sporinoiizen. Arsenal und Aston Villa führen tun vor Abschluß der Vorrunde in der englischen Professio- nalliga mit 32:6 bzw. 27:11 Punkten die Tabelle an. * I n der Vorschlußrunde zum Amateur- Boxpokal des DRfA. siegte am Freitag Bayern in München mit 11:5 Punkten über Westdeutschland, obwohl Ausböck und Ziglarski ersetzt werden mußten. V e n t (Schöneberg), einer der besten Sprinter der DT., ist jetzt endgültig zum TuS. Bochum übergesiedelt. Mit Jonath, Borchmeyer, Buthe-Pieper und Vent dürften die Bochumer eine kaum schlagbare Staffel besitzen, die vielleicht auch berufen ist, Rekord zu laufen. <• Die drei letzten Endspiel-Teilnehmer, die in Süddeutfchland noch fehlten, wurden jetzt mit München 60, Stuttgarter Kickers und Union Böckingen ermittelt. Beide Endspiel- Abteilungen sind jetzt komplett, so daß also das für Weihnachten festgesetzte Endspiel-Programm abgewickelt werden kann. * Küsters/Stüpp (Köln) gewannen in Stuttgart ein Zweistunden-Mannschaftsrennen der Amateure mit Rundenvorsprung vor Gieb- ler/Göttmann (Stuttgart, Frankfurt). Gleim (23 5. Frankfurt) sicherte sich auch den 2. Lauf der W'.ntermeisterschast der Frankfurter Bundes-Amateure. Die Deutschen Hallen-Tennismei- st e r s ch a f te n , die auch in diesem Jahre wieder international ausgeschrieben wurden, kommen in der Zeit vom 23. bis 30. Januar in der Bremer Tennishalle zum Austrag. Max Schmeling wohnte in Augsburg dem von 4000 Personen besuchten Amateurboxkampf Augsburg— Westdeutschland bei und wurde stürmisch gefeiert. Den Kampf gewannen die West- deutschen mit 11:5 Punkten. Der 1. FC. Nürnberg machte am Sonntag einen Abstecher nach Glauchau, wo er den dortigen BfB. in einem Freundschaftsspiel mit 4:0 (3:0) schlug. Eine große Ueberraschung erlebten die ungarischen Amateurboxer, die in Prag von der Tschechoslowakei mit 11:5 Punkten geschlagen wurden. 70 Zohre Borschußverein Grünberg. + Grünberg, 19. Dez. Aach der im Jahre 1858 erfolgten Gründung der Gewerbebank in Gießen traten auch in den Kreisen der hiesigen Gewerbetreibenden Bestrebungen auf, die auf die Gründung einer Kasse hinzielten. Ein Hauptförderer dieses Planes war der damalige Apo- theker Georg Stammler. Eine von ihm einberufene Bürgerversammlung im „Flickschen Saale" (jetzt „Rappen"), die am 22. November 1862 tagte, beschloß die Gründuivg eines Borschußvereins, dem alsbald 60 Personen beitraten. Die konstituierende Generalversammlung und damit die Gründung der Kasse fand dann am 2 0. Dezember 1862 im gleichen Saale statt. Zur Leitung der Kasse wurde ein sieben- güebriger Ausschuß gewählt, der aus seiner Mitte für die wichtigsten Aemter folgende Herren bestimmte: als Präsidenten Apotheker Gg. Stammler, als Rechner den damaligen Stadtrechner Johs. Schäfer und als Kontrolleur den Kaufmann Karl Haberkorn. Die Generalversammlungen fanden anfangs vierteljährlich, später halbjährlich und feit 1904 alljährlich statt. Das Statut hat im Laufe der Zeit mehrfache Aenderungen erfahren, die letzte Aenderung (die sechste) datiert aus dem Jahre 1912. Das Eintrittsgeld betrug ursprünglich 1 Gulden, später 2 Gulbem seit 1874 4 Mark und feit 1924 5 Reichsmark. Ebenso hat sich auch die Höhe des Geschäftsanteils mehrfach geändert: im einzelnen betrug er: 1862: 40 Gulden, 1872: 100 Gulden, 1874: 180 Mark, 1889: 200 Mark, 1897: 300 Mark, 1905: 500 Mark und feit 1924 (nach der Umstellung) 300 Reichsmark. Die Form der Kaffe war urfprüng- lich eine solche mit unbeschränkter Haftung, im Jahre 1914 fand eine Umänderung statt, die nur eine beschränkte Haftpflicht der Mitglieder vorsieht. Die Mitglieder beschränkten sich zunächst auf Grünberg, aber schon im Jahre 1864 wurde der Kreis der Mitglieder auf den Gerichtsbezirk Grün- berg erweitert, und feit 1903 ist jede Begrenzung für den Wohnsitz der Mitglieder gefallen. Folgende Zahlen über die Mitgliederbewegung sind von Bedeutung: 1862: 118, 1872: 991, 1877: die h öchste Mitgliederzahl mit 1200; diese Höchstzahl ist nicht mehr erreicht worden, da die gegen Ausgang des vorigen Jahrhunderts einsetzende Gründung von Spar- und Darlehnskassen in fast allen Orten eine starke Abnahme der Mitglieder brachte. Nach der Inflation meist die Mitgliederzahl nur geringe Schwankungen auf, Ende 1931 betrug sie 454. Für die Entwicklung der Kasse sind die Zahlen über die Höhe des Umsatzes von Interesse: 1862 bis 1874: unter einer Million, 1875 bis 1893: 1 bis 2 Millionen, 1894 und 1895: 2 bis 3 Millionen, 1896 und 1897: 3 bis 4 Millionen, 1898 und 1899: 4 bis 5 Millionen, das Jahr 1911 zeigte bann ben höchsten Umsatz vor betn Kriege mit 8,6 Millionen Vergleichsweise seien bie Umsätze b e r letzten fünf Jahre angeführt: 1927: 7,2 Millionen, 1928: 9,5 Millionen, 1929: 10,2 Millionen, 1930: 10,3 Millionen unb 1931: 8,6 Millionen. lieber ben Geschäftsbetrieb sinb folgenbe Angaben von Bebeutung. In der ersten Zeit beschränkte er sich auf bas Darlehnsgeschäst gegen Schulbicheine bzw. Hinterlegung von Wertpapieren, Beschaffung von Hypotheken unb Uebernahme von Kaufschillingen. Der später aufgenommene Wechsel- verkehr zeigte in ben 70er unb 80er Jahren noch eine geringe Ausbehnung unb entwickelte sich erst in ben 90er Jahren stärker. Erst Mitte ber 90er Fahre wurde das Kontokorrentgeschäft ausgenommen, das sich bann gut entwickelte, auch ber Scheckverkehr erscheint erst seit 1898. Von Interesse bürste auch bie Höhe bes Einlage Zinsfußes fein. Diese betrug in ben ersten 25 Jahren, also bis 1887, stets 4 v. H., während er bis zum Kriege mit kurzer Unterbrechung stets unter biesern Satze lag unb meist 3,5 v. H. betrug. Die Zinsen für ausgeliehene Kapitalien lagen bann etwa 1 v. H. über diesem Satze. Die Höhe der Dioibenbe ist ebenfalls mehrfachen Schwankungen unterworfen gewesen; ber niedrigste Satz war 4 v. H., ber höchste 20 v. H. Schon bald nach seiner Gründung schloß sich der Vorschußverein dem Verbände der Vorschußvereine für die Provinz Oberhessen an, der später in den Verband hessischer Vorschuß, unb Krebitvereine, Sitz Kassel, überging, und gehörte damit dem Deutschen Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch) an. Das Amt bes Rechners, früher Kassierer, lag in der abgelaufenen Zeit in folgenben Händen: 1862 bis 1894 Johannes Schäfer, 1894 bis 1900 Dippel, 1900 bis 1922 Fr. Ritter, 1922 bis heute K. Möller, der schon seit 1900 als Kontrolleur im Vorstande war. Zur Zeit wird der Vor- schußverein von zwei Vorstandsmitgliedern geleitet, neben dem als Rechner tätigen Herrn K. Möller von Fabrikant Georg Stammler. Ihnen zur Seite steht ein aus neun Personen zusammengesetzter Aussichtsrat unter dem Vorsitz von Schlossermeister Hch. S ch m i b t II. Wirtschaft. Oer Reichsbanlstaius Mitte Dezember. * Berlin, 17. Dez. (WTB.) Nach dem Aus- weis ber Reichsbank vom 15. Deze mb er hat sich in der verstossenen Bankwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln unb Schecks, Lombards und Effekten um 57,6 Millionen auf 3157,0 Millionen Mark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und Schecks um 81,4 Millionen auf 2606,7 Millionen Mark abgenommen, die Bestände an Roichsschatz- wechseln um 14,3 Millionen auf 43,4 Millionen Mark unb die Lombardbestände um 9,3 Millionen auf 110,4 Millionen Mark zugenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbank, scheinen zusammen sind 34,2 Millionen Mark in die Kassen der Reichsbank zurückgeslossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 38,5 Millionen auf 3400,4 Millionen Mark verringert, derjenige an Rentenbankscheinen um 4,3 Millionen auf 400,8 Millionen Mark erhöht. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Renten- bankscheinen auf 26,2 Millionen Mark ermäßigt. Die fremden Gelder zeigen mit 354,0 Millionen Mark eine Zunahme um 1,3 Millionen Mark. Die Bestände an Gold unb bedünge- fähigen Devisen haben sich um 1,9 Millionen auf 916,1 Millionen Mark verrinnert. Im einzelnen haben die Goldbestände um 5,5 Millionen auf 798,5 Millionen Tiart abgenommen, die Bestände an deckungsfähigen Devisen dagegen um 3,6 Millionen auf 117,6 Millionen Mark zu genommen. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen betrug am 15. Dezember 26,9 Prozent gegen 26,7 Prozent am Ende der Vorwoche. • • Franks urter Börse am Heiligabend. Am 24. Dezember wird die Börsenzeil in Frankfurt um eine halbe Stunde verkürzt. Es werden festgestellt: die ersten Kurse um 11 älhr, die Kassakurse um 11.45 älhr und die Schlußkurse um 12.30 Uhr. * Die Indexziffer der Großhan- d e l s p r e i s e. Die vom Statistischen Reichsamt für den 14. Dezember berechnete Groß- handelsindexzifser ist mit 92,5 gegenüber der Bor- Woche (92,7) um 0,2 v. H. zurückgegcmgen. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrare stoffe 84,8 (minus 0,4 Pro-.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 87,3 (unverändert) und industrielle Fertigwaren 113,6 (minus 0,1 Proz.). Davon entfallen auf Produktionsmittel 115,8 (minus 0,1 Pro-.), Konsumgüter 112,0 (minus 0,1 Prozent). • Neueinstellungen de r Deutsche Erdöl A G., Berlin. Die Deutsche Erdöl AG., Berlin, hat in ihren Braunkohlenwerken und Mineralölfabriken durch Maßnahmen verschiedener Art die Belegschaft erheblich vermehren können. Insgesamt ergibt sich eine Vermehrung der planmäßigen Belegschaft von bisher 774 Mann. Frankfurter Buttermarkt. F r a n k f u r t a. M., 17. Dez. Das Dutter- geschäst verlief weiterhin ruhig. Borübergehend neigten die Preise etwas zur Schwäche, später bewirkte das knappe Angebot wieder ein Anziehen der Preise: Die Verkaufspreise des Großhandels lauten (in 1 Zentner-Tonnen): holländische Butter 129 bis 132, deutsche Butter 128 bis 131 Mk. Frankfurt r (Sic martt. Frankfurt a. M., 17. Dez. Anfangs ber Woche entwickelte sich im Frankfurter Eiergroßhandel noch zufriedenstellendes Geschäft, im Verlaufe ließ es aber mieber stark zu wünschen übrig, die erhöhten Preise ber Vorwoche konnten sich aber infolge ber knappen Zufuhren behaupten. Die Umsätze beschränkten sich weiterhin nur auf bie billigen Sorten, wogegen schwere Qualitäten vernachlässigt blieben. Es notierten in Pfg. per Stück loko Frankfurt a. M.: Bugaren 9 bis 9,5, Jugoslawen 9 bis 9,5, Rumänen 8,75 bis 9, Polen 8,5 bis 9, Holländer 8 bis 12,5, Flandern 10 bis 10,5, deutsche Frischeier 10 bis 13,5. Kühlhauseier waren weiter knapp angeboten und notierten 7 bis 9 Pfg., in- und ausländische Mittel- und Schmutzeier 7—7,5 Pfg. per Stück. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter ben Papieren angeführten Ziffern geben bte Hohe ber zuletzt betchloffenen Dioib nbe an. — Reichsbankbtskont 4 o H Lombardzinsfuß 5 v H. ftrantfun a. Jll. Äeriin Gchiu^- furi Schloßt. Abcnd- börf- Schluß- rürd Schlugt Mittag- Wrft Oetu >i 16.12- 17.12. 16.12. 17-12. *>% Deutsche Reick,san leche n. 102, 76 76,5 76,5 6% tbcm.7% Dl. Reichckanl. v. 1929 i'/s% 7)ounp.(?(n!eif)e bun 1930 .. 2>eui|d)e Anl.-Ablüs.-Schuld mti 93.25 92 94 92,25 76 76,25 75,5 76,5 Au-los.Rechten ............ 58.4 58,25 58,6 58,3 TcOfll. ohne AuSlos..Rechte...... 6% eben,. 8% Hell. Bolkestaat 1929 6.4 6,4 6.5 6,45 (rüd^a6l6. 102%)........... Lberhessen Provinz.Anleihe mli 71 71,5 72 71,5 Auslos.-Rechten ............ Deutscku, ftomm. Sainmelab l.Ln 58,25 56,5 — — leibe Serie' 2it AuSioi.-Rechtcu 6% ehem. e% ffranff. Hnv.-Bank 53,75 53,5 54.5 53,5 WoUbfe. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% stranl«. Hup Boul 82,13 83,4 — — Molbufe. 16 unkündbar btt 6’/,% ehem. «'/.% Prianli. Hpp. 81,65 82 - — Bank.LIou.-Psandbrie,e ..... 6'/i% ehem. 4> ,% Rhein,ich? 84.25 84,25 - - Hyp. Bank-Liqu.-Moldpsr. ... 6% ehem. 8% Pr. Laudeöpfand briefanNatt, Pfandbriefe R. 19 85,13 85 - — 80 #9 79,5 6% cbem. 7% Pr. Lande«pland briesanltalt, Pfandbriefe »A. in 80 80 - - 4% Oesierrcichiiche Äutotcnte... 4.20% Sesterrrichischr Silin rrente - - 8.4 1 ,05 1,05 4% Unuarifdw Goldrontc...... 3,3 5,5 5,7 5 5 <% Ungarische Staaiorente b. 19io 5.3 5,2 5.25 6e8gl. von 1913 ....... 5% abgeli. Goldmexikancr von 99 4% Türkische Zollanielhe von 191 j 4% Türkische Vagdodbohn ^lnlethe b.B 8,5 L85 3,85 3,7 3,8 Serie, ................... 4% brOfll. Serie II......... 4 4 5.76 4,1 4.1 4,15 «.7 b% fRumdn. vereinh Rente v. in», 4>/,%Rumün.veretnh.Renleb.l913 4% Rumänische vereinh. Mente .. »»/.% Anatolier............... 8,3 9,15 4,4 21.5 4,35 4,55 21.65 4,4 21,4 ,r>an. u . u. JJ1. elenm Gchluß- kurS Hchlußk. Ab en 5- bdrft Schluß- fur< Gchiußk. Mittag- bdrse Datum 16-12- 17.12. 16.12. 17.12. vamburg-Ämerika-Pakei .....v Hamburg.Südam. Dampfschiff. 0 Hansa Tampsschtss........... 0 Norddeutscher Lloyd .........0 8LW. für Berkehrrwesen Akt. .. 0 BerlinerHandelsgeselllchaft.... 4 Commerz, und Prtval-Bank... v Deutsche Bank und DtScmit» Gcselllchaft................0 Dresdner Bank..............0 RetchUbank ................. ] fl.G.tS......................0 Elektr. LieserungdgeseUschast ... » Licht und Kraft .............g stellen K Muilleaume ........o «esellschaft für Elektrische Unter- nehmungen............... 4 Rheinische Elektrlzilckt ........ r, Schocker« L Co..............0 Siemen« L Halske........... Lahmeyer L Co............. n- Budeme ..................... Deutsche (ftbßi .............4 Gelsenkirchener..............0 Harpencr .............. 0 Hoelch Eilen-»öln-Reuessen.. 0 stlse Bergbau ............... 7 3>1e Bergbau Äenlisse.....7 Rlixfnetroerfp............0 Mannesmann Röhren . . 0 Mansselder Bergbau . 0 Lberschles. Kokewerke <1 Pbönir Brrobmi . . u Rheinische Braunkohlen ......10 Rhein stahl..................0 88 53,5 75 61,75 130 29 94 54,5 72,5 77,75 122,5 114,25 45 49 84 99 60,5 36,25 192 74,5 — - 18,65 43,5 88 53,5 75 61,75 131 30,75 73,5 93,25 55,5 72,5 90 79 123,0 112,25 45,25 86 52,5 84,5 98,5 48,5 37 200 75,75 18,13 32 25,75 19,13 46,25 88,25 53,5 75 61,75 130,25 33 74,75 93,4 55 74,4 85,5 77,75 125,9 113,75 45,25 83,13 48 83,5 52 <32.5 100,5 47,9 60 25 44,5 34.4 183 74,4 17,5 18,13 44 88,5 53,5 75 61.75 130,5 30,75 109,9 55,25 73,25 91 79,5 125 111,75 45,4 86,13 52 87 53,25 133 99 48,65 61,4 23,75 46,25 37 199 75,5 stranksun a.Dl. Berlin Gchluß- far< «Schlugt Abend- bdrf Schuß- kurs SchiuAk. Miliag- bSre Datum 16.12. 17.12. 16-12. 17.12. Bereinigte Stahlwerke........ 0 35 37 32 36,65 Ltavi Minen ............... 0 15 15,13 Kaliwerke AscherÄleben........ 6 110 110 109 Kaliwerke Lüestcregeln........ 0 116 116 114,5 Kaliwerke Salzdetfurth....... p 170 169 3 G. starben.Industrie...... ScheidcanstaU............... 94,9 96 96,65 95,5 10 149.75 149,75 - Goldschmidt .......... 0 29 28 29 28,25 RütgerSwerke............. 0 42,75 43,5 42,9 43,75 MetSilgesellschaft............. 0 33,65 33.75 33,5 Philipp Holzmann........... 0 57,25 57.25 57,9 57,5 Zementwerk Heidelberg ...... Lcmentiperk Karlstadt......... J 46,5 58,5 46,5 59 ■7801)6 & Frcytag ............ 0 4.75 4,65 Schultheis Patzenyoscr........ 0 98 99,23 Aku kMgcmetnc Kunstseide) ... 0 51 51 55 50,5 Bemberg................... 0 60 60 60,5 60,75 Zellstosk Waldhos ............ 0 47 47 47 46.4 Zellstoff Aschaffenburg ....... 0 11,25 30,5 28,5 30,4 Dessauer Ga«............... 7 - •19,75 I00.25 Daimler Motoren........... 0 19 19,13 19,4 19,25 Deutsche Linoleum .......... 0 44 43,5 14,25 44,5 Crenffeln & Koppel .......... 0 37 37,25 Leonhard Tiev.............. » 40 39,5 41,5 39,5 Lhade.................... 2 190 150,5 154.75 | 150,5 Grihncr.......... ........ S4 29,JI düj 29,5 Mahikrastwerke Hvchst a.V. ... <1 Süddeutscher Zucker ......... *1 - 150 1 IS?] 14-8 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a 2tt. 16-Oezcmber 17. Dezember Amtliche Dotierung ffSflb ] Sri« Amtüchr Jloütruna Geld | Arie Helsinglors.. Wien...... Pra>i....... 6.084 51,95 12.465 3.057 169,28 71,43 71,93 75,67 13,89 0.858 4,209 58,22 21.54 16,425 80,92 34,35 81,69 0,879 0,269 5,604 12.76 6.096 52.05 12,485 3,063 169.62 71,57 72,07 75,83 13,93 0,862 4,217 58,34 21,58 16,465 81.08 34,41 81,85 0,881 0.271 5.616 12.78 6.084 51,95 12,465 3,057 169,28 71.53 71,93 75,67 13,89 0,858 4.209 58,22 21,54 ■ 6.425 80,92 34.35 81,72 0,879 0.269 5.594 12.76 6,096 52,05 12,485 3,063 169,62 71,67 72,07 75,83 13,93 0.862 4.217 58,34 21.58 16.465 81.08 34,41 81,88 0,881 0,271 5,606 12,78 Budapest ... Sofia..... Holland .... ....... Kopenhagen. Stockholm... London ..... Buenos Aires Reuporl.... Brüssel..... Italien..... Paris..... Schweiz ... Spanten.... Danzig.... Japan..... Rio de Jan. Jugoslawien Lissabon .... Banfnolen. Berlin, 17. Dezember «Seid Srlel 'Amcrikaniscktt Roten.............. Belgische Noten.................. Dänische Noten ................. Englische Noten ................. Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Roten................ 4,20 58,06 71,56 13,85 16,385 168,91 21,48 71,36 2,46 75,50 80,74 34,21 4,22 58,30 71,84 13,91 16,445 169,59 21,56 71,64 2,48 75,80 81,06 34.35 Norwegische Roten .............. Deutsch Oesterreich, A 100 Schilling Rumänische Roten............... Schwedische Roten............. . Schweizer Roten................ Spanische Roten.............. Ungarische Roten ................