nr. 298 (Erftes Blatt 182. Jahrgang Montag, l9. Dezember 1952 Erschein« tägltd),aufeei Lonnings und feiertags Beilagen: Die Illustriert» ©iefiener Familienblattei Heimat mDild Die Scholle Monat,-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen ‘HM 1.95 Ohne Illustrierte . 1 80 Zustellgebühr . . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsnrechanschlusse unter Sammdmimmer 2251 Anichrist lür Drahtnachrichten Anzeiger Stehen povscheckkonto: fronlsi'rt am Main 11686. Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck vnd verloa: vrilhl'sche Univerfitäls-Vuch- und Ztemdruckeret K. tanqe in Siehe 1. Schriftleitunq und Geschäftsstelle: Zchul^trahe 7. Annahme von Unzelgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig: für Re» Klameanzeigen von 70 nm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20' . mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Gange. Derantworilich Tür ‘Politik Dr Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Trust Dlumschein unbrür^en2In« zeigente>l i. D. Th.Kümmel iämtlich m (Biegen. Vor Aufhebung der Terror-Notverordnung. Oie Arbeiten des Kabinetts abgeschtoffen.-Auch die Winterhilfe -es Reichs für die nächsten Tage zu erwarten Berlin, 18. Dez. (OB.) Die Samslagfihung des Reichskabinetts dauerte über zwei Stunden. 3m Vordergrund der Beratungen stand die Aufhebung der Jlotoerorönungen gegen den Terror, über d ie Sondergerichte und die prcffe. Diese Verordnungen werden nach der heutigen Entschließung des Reichskabinetts zum größten Teil ausgehoben, was noch an allgemeinen Bestimmungen in Kraft bleiben muh, wird in eine neue Verordnung eingebaut, die in den ersten Tagen der Woche veröffentlicht werden wird. Gleichzeitig wird man in diese neue Verordnung voraussichtlich auch gewisse Bestimmungen des Republikfchuh- gesetzes übernehmen, das mit Lude dieses Jahres abläuft. Dabei handelt es sich in erster Linie um die Schuhbestimmungen f ü r den Reichspräsidenten. Die Strasbestimmungen gegen Ausschreitungen dieser Art sollen v er schär st werden, da die würde und Ehre der Ration es »erlangen, dah das Reichsoberhaupt unter allen Umständen aus der Gehässigkeit des Tagskampfes heransgenom- men wird. Die weiteren Bestimmungen, die aus dem Republikschuhgeseh übernommen werden, sind die zum Schuhe der Wehrmacht, der Staatssorm und der Reichsfarben. Schliehlich hat sich das Reichskab'.nett auch noch mit der Winterhilfe beschäftigt. Die Beratungen hierüber sind nach Auskunft unterrichteter Stellen ziemlich weit gediehen. Das Kabinett wird alle Anstrengungen machen, um die Winterhilfe so schnell wie möglich zu verwirklichen. Hitler vor den Amtswaltern der NSDAP. Halle, 17.Dez. (TU.) Dor etwa 2000 Amtswaltern (Ortsgruppenleitern der politischen Gliederung) der NSDAP, sprach am Samstag Hitler über den künftigen Weg der NSDAP, und ihr politisches Programm. Hitler führte etwa aus: Heute ist unsere Dewegung ein unübersehbarer Faktor, so unübersehbar, dah alle Negierungen immer nur zu einem gewissen Preis zu haben find, der im wesentlichen von uns selbst bestimmt werden muh. Diese Sorge um den Preis ist so groß, dah man uns in die Regierung hineinschicken wollte, allerdings auch wiederum zu einem Preis, den ich für unannehmbar halte. Wir sind heute in Deutschland die stärkste politische Partei. Wenn es unseren politischen Gegnern wirklich ernst wäre mit einer Verständigung, dann frage ich sie: Warum haben Sie, meine Herren Befürworter und Gönner aus dem bürgerlichen Lager unserer Bewegung nicht die Macht bewilligt, die Sie doch bisher jedem SPD.-Bonzen ohne weiteres zugestanden hätten? Ich lasse mich nicht schlechter behandeln, als die /.Organisationen des Landesverrats". Glauben Sie, es wäre für unsere Bewegung vorteilhafter gewesen, wir wären jetzt gleichzeitig mit Papen zusammen torpediert worden? Für mich ist die Reichsregierung niemals das Verdun der Westfront. Wir find auch nicht dazu da, etwa verkrachte und ruinierte Staaten in Ordnung zu bringen und uns dann zum Schluß einen Fußtritt geben zu lassen. Wir haben das Beispiel schon einmal in Thüringen erlebt. Ich verwahre mich ganz entschieden gegen den Vorwurf, wir hätten nur Fehler gemacht. "Wäre meine Arbeit lauter Fehler gewesem, wie hätte dann aus den sieben Wann eine Millionenbewegung wachsen können. Ich habe die Dewegung gegründet und ihr gegeben, was sie an Symbolen besitzt. Niemals kann ich daher so handeln, wie ein beliebiger Parteiführer, der eines Tages als Hospitant auftritt, weil fein eigener Laden in die Brüche gegangen ist. Ich kämpfe nicht, um Konzessionen zu machen oder gar zu kapitulieren. Am Sonntagvormittag sprach Hitler in der Magdeburger Stadthalle. Die Taktik der Bekämpfung der nationalsozialistischen De- Sung habe mit dem Totschweigen begonnen ende jetzt geradezu mit der Bestechung. Als man ihn eingeladen habe, in die Regierung einzutreten, sei der einzige Zweck gewesen, di« Bewegung zu zerstören. Niemals aber werde er sich und die NSDAP, für ein Linsengericht verkaufen. Die Macht dürfe der Nationalsozialismus nur dann annehmen, wenn er überzeugt sei, daß «r sie auch Haltern könne. Niemals dürfe die NSDAP, vn eine Reichsreg'erung eintreten, wenn die Gefahr bestehe, daß man sie wieder verlassen müsse. Am Sonntagabend sprach Hitler in Hamburg. Wie in Halle und Magdeburg führte er u. a. aus: Die Rundfunkrede Schleichers habe viel« Gedanken enthalten, von überall her geholt, aber nicht einen einzigen Gedanken, wie er im Großen diese Gedanken zu realisieren beabsichtige. Die Partei werde nicht noch weiter« Gedanken ihres Wivischaftsprogrammes der Oef- fentil ich keil übergeben, sondern in Zrckunft dieses Programm unter Verschluß halten. damit es nicht von dem Gegner ausgeplündert werden könne. Gs sei irrig, zu glauben, die NSDAP, lämpfe um die Wilhelmstraße. Nein, sie kämpfe um das deutsche Volk. Das sei der Schlüssel, der dann auch einst die Wilhelmstraße öffnen könne. Als Wahrer der Einheit, des Mutes und der Entschlossenheit der Bewegung werde er sich für sie und ihr Ziel persönlich einsehen bis zur Selbstaufopferung und seinen Weg gehen, ohne nach rechts oder links zu schauen. Gerade in Notzeiten sei die NSDAP, widerstandsfähig geworden. Wenn ein wenig Treibholz abschwimme, schließe sch der Kern um so fester zusammen zu einem Bund unerschütterlicher Treue und Kameradschaft. Goebbels spricht in Essen Essen, 18. Dez. (END.) Dor den Amtswaltern des Gaues Essen der NSDAP, erklärte Dr Goebbels, wenn man behaupte, die Nationalsozialisten seien radikal, so entgegneten diese, sie müßten noch radikaler werden. Wenn man glaube, daß die „Heroen", die jetzt von der Bewegung fortgingen, berufen sein würden, das nationale deutsche Volk zum zweitenmal zu sammeln, so irre man sich. Wenn der Nationalsozialismus zusammenbrech«, komme der Bolschewismus. Die NSDAP, mache keine Politik, um populär zu werden. Aus ihre momentane Un- popularität sei auch die letzte Wahlniederlage, die er offen zugebe, zurückzusühren, in Wirklichkeit handele es sich aber um keine Niederlage, sondern um die Abwanderung der Mitläufer und Konjunkturhyänen. In der Zeit des Burgfriedens gelte es, die Partei zu überholen, damit sie am 2. Januar, wenn der Startschuß ertöne, gleich wieder „in die Arena hineinrasen" könne. Wenn man frage, weshalb die NSDAP, nicht in die Regierung gegangen sei, so müsse er sagen: „W i r wollen alles oder nichts. Wir wollen keine Versöhnung. Wir haben nicht die Absicht, mit dem Faulen und Kranken zu paktieren." Die ganze Partei werde es einmal dem Führer danken, dah er in jenen krisenhaften Zeiten des 13. August und des 25. November seinen Charakter gewahrt habe. Dr. Goebbels verglich weiter die NSDAP, mit einem Schiff im Sturm, dessen Kapitän es auch nicht kümmern könne, wenn ein Mann über Bord gehe. Die Autorität des Führers sei so groß, daß sie niemals erschüttert werden könne. Das neue Kabinett in Frankreich. Oie Ministerlifte Paris, 18. De;. (WTB.) Der bisherige Kriegsminister paulBoncour hat das neue Kabinett gebildet und es in folgender Zusammensetzung dem Präsidenten der Republik vorgestellt: TMuisterpräsidium und Auswärtiges: Paul- B o n c o u r (Senator, ehemaliger Sozialist): Finanzen: Lheron (Senator, Unabhängiger, ehemaliges Mitglied der Fraktion poincare); Oeffenttiche Arbeiten: George Bonnet (Abgeordneter, Radikal); Inneres: Lhautemps (Abgeordneter,Radikal); Krieg. Da lädier (Abgeordneter, Radikal); Luftfahrt: painleve (Abgeordneter, Sozial- republikoner); Kriegsmarine: Leygues (Abgeordneter, Unabhängig, früher Linksrepublikaner); Landwirtschaft.- Q neu i Ile (Abgeordneter, Radikal); Justiz: Gardey (Senator, Radikal): Rationale Erziehung: de Rl o nz ie (Abgeordneter, rechtsstehender Sozialist); Kolonien: Albert Sarraut (Senator, Radikal); Arbeiten: Dalimier (Abgeordneter, Radikal); Oeffenttiche Gesundheitspflege: Danis ton (Abgeordneter, Radikale Linke); Post: Laurent Eynac (Abgeordneter, Radikale Linke); Handelsmarineministerium: Lson INeyer (Abgeordneter, Radikal); Handelsministerium: Julien Drnand (Abgeordneter, Radikal); pensionsmlnlsterium: TNiellet (Abgeordneter, Radikal). Wie aus obiger Liste zu ersehen ist, Hot PaulBoncour den Stamm seines neuen Ministeriums aus den Radikalsozialisten, den Sozialen Republikanern, der Republikanischen Vereinigung des Senats, der Radikalen Linken und der Unabhängigen Linken zusammengesetzt Die Schwierigkeiten, die sich bei der Besetzung des Finanz- und des haus- haltsministeriums ergeben hatten, sind dadurch überbrückt worden, dah beide Ministerien zufam- m e n g e l e g t wurden. Oer Charakter des neuen Kabinetts. Paris, 19. Dez. (CNB.) Das Kabinett PaulBoncour ist ein Minderheitskabinett, das auf das Wohlwollen der Sozialisten oder des rechten Flügels der Mittelparteien angewiesen ist. Die Achilles-Ferse des Kabinetts Paul-Don- cour scheint die Finanzfrage zu sein. Kein radikaler Politiker hat sich bereit erklärt, das Finanzministerium zu übernehmen. Es wurde C h e r o n übertragen, und dieser hat nicht einmal einen Budgetminister neben sich geduldet. Der Budgetausgleich wird in erster Linie darüber entscheiden, ob das Kabinett Paul-Bon- cour mehr ist als ein ilebergangdminifterium. Tas neue Ministerium wird unzweifelhaft eine Mehrheit von etwa 350 Stimmen erhalten, wenn es sich kommende Woche dem Parlament vorstellt. Dann wird jedenfalls nach Bewilligung eines Budgetzwölftels eine Pause von vier Wochen eintreten. Was für Deutschland am Kabinett Paul-Don- cour wichtig ist, ist die Tatsache, daß PaulBoncour das Außenministerium verwaltet. Paul-Toncour ist für Deutschland kein Unbekannter. Denn er hat mit kurzer Unterbrechung in Genf die französische Sicherheitsthese vertreten und immer Der natürlichen Entwicklung in der Abrüstungsfrage im Wege gestanden. Paul-Doncour wird seine Haltung genau nach dem von ihm entworfenen Abrüstungsplan einrichten, und es dürfte schwer fallen, ihn davon zu überzeugen, daß er in der Sicherheitsfrag« sich den universellen Gedanken nähern muß, wenn die Abrüstungskonferenz im neuen Jahre ihre Arbeiten rasch för- L Paul-Boncour, der neue französische Ministerpräsident. dern will. Etwas gutes allerdings ist, daß zum Unter st aatssekretär des Außenministeriums der radikale Abgeordnete Pierre C o t ernannt wurde, der zu jener jungen Generation gehört, die aus dem Kriege gelernt hat, dem Gedanken des engherzigen Nationalismus den Krieg zu erklären. Ob Cot im Kabinett freilich die notwendige Unterstützung findet, ist eine Frage, die nur die Zeit beantworten kann. Deutscherseits ist zu begrüßen auch der Unterstaatssekretär für die nationale Wirtschaft Pate n 6 t r e. Nicht unwesentlich für die Abrüstung ist schließlich, dah Daladier das Kriegsministerium übernommen hat. Wenn Daladier als Kriegsminister den Gedanken folgen kann, die er als Abgeordneter wiederholt auch im Plenum der Kammer entwickelte, dann könnte man annehmen, daß Paul-Boncour ihm in der Abrüstungsfrage vielleicht Zugeständnisse macht. Daladier hat schon vor langer Zeit die Notwendigkeit der Herabsetzung des Kriegsbudgets nachgewiesen. * „Petit $ a r i f i e n* nennt das neue Kabinett ein getreues Abbild der Regierung Herriot Es wolle innen* wie außenpolitisch die Politik Herriots fortsetzen mit Ausnahme der Frage der Zahlung an Amerika, die am 15 Dezember fällig war. — ..E ch o de Paris" sagt der Regierung ein „elendigliches Leben und einen sehr baldigen Tod" voraus Das Ministerium Paul-Boncour habe alle Schwachen o e s vorigen Bi ni|ieriums und noch einige dazu Aber es fehle ihm das einige positive Element des vorigen Kabinetts die Persönlichkeit f) e r r' o t s . der trotz feiner Schwa chen und feiner Fehler Anziehungskraft ausgeübt und wirkliches Prestige besessen habe. Mssoimis innere Kolonisation. Ein bedeutsamer Schritt oonvärte Rom 18 Dez. (TU.) Am Sonntag fand die feier! che Einweihung der neuaegründeten Stadt L i t t o r i a in den früheren Pontinischen Sümpfen durch Muj > o 1 ini statt Damit ist der erste und schwierigste Teil des ungeheuren Trockenlegungsweits abgeschlossen, das dieses durch Jahrtausende befürchtete, gänzlich entvölkerte Fie- bergebiet in wen.gen Jahren zu fruchtbarem und dickt besiedelten Äckerland gestalten wird Rach einer Rundfahrt du ich die vier neuen Gemeinden, in denen die bereits zahlreich errichteten Koionistenhöuser vorläufig zusammengefaßt sind fuhr Mussolini die Front der Traktoren und Dampfpflüge ab. die auf der Rundstraße .rings um Littona in endloser Reche aufgestellt waren. Dann fuhr er auf den dichtbesetzten tyauptplafo Lit- torias und sprach von dem Balkon des turmgekrönten Rathauses aus zur Menge Der heutige Tag fei einer der schönsten bet faschistischen Aera. Er bedeute einen entscheidenden Abschnitt. 6000 Bauern seien auf neu gewonnenem Boden angesiedelt. Aber nach faschistischer Art werde man erst die Siegesbotschaft veröffentlichen, wenn der ganze Plan vollendet fei und 40 000 bis 50 000 Landwirte ihr Brot in dem neuen Gelände vor den Toren Roms finden würden. Mussolini kündigte für den April die Ansiedlung weiterer 2 0 00 Familien, für den Herbst 1933 die Einweihung der neuen Stadt S a • b a u b a und für das Jahr darauf die der Stadt Pontinia an. Das faschistische Italien arbeite, die anderen sollten es bei feiner friedlichen Arbeit ungestört lassen. Papen über die Grundsätze einer neuen Giaaisführung. Berlin, 18. Dez. (TU.) Anläßlich des traditionellen Iahresesfens des Berliner Herrenklubs hielt der frühere Reichskanzler v. Papen eine Ansprache. Er führte aus, die Bedürfnisse einer klasserchetzerisch beeinflußten Propaganda hätten das Kabinett Papen zu einem Organ des Herren- klubs zu stempeln versucht. Es fet notweirdig, der breitesten Oefsentlichkeit zu wiederholen, daß dieser Herrenklub nichts anderes fei als eine gelegentliche Vereinigung pol.tisch interessierter Menschen aus allen Kreisen und Berufen unseres Volkes, in der man die politischen Probleme diskutiere Der frühere Reichskanzler erläuterte dann die Notwendigkeit einer „gründsählich neuen Staats- führung^. Der Weimarer Gesetzgeber habe die uralte Erfahrung vernachlässigt, daß Regierungsgewalt und Kontrolle der Volksvertretung zw e i völlig getrennteDinge fein müßten. Gewiß sei es richtig, daß die wirtschaftlichen Fragen die Schaffung von Arbeit und Brot das Primäre seien, aber der Umbau unserer Wirtschaft und die Gesundung unserer sozialen Verhältnisse hätten zurDoraussehung: eingesund es konstitutionelles Leben. Das Kernstück der Derfassungsreform sei eine Neuordnung der Willensbildung zwischen Reich und Ländern und die Ausschaltung des Dualismus Reich—Preußen. Sein Freund und Nachfolger im Kanzleramt habe ein klares und fachliches Programm entworfen. Die Klugheit des Kanzlers, wie die Sachkenntnis und Energie seiner Mitarbeiter verdienten volles Vertrauen für den Weg, den sie aufgezeigt hätten. Das polttische Leben erfordere gewiß wechselnde Methoden. Aber es fordere auchbleibende Grundsätze. Er sei sicher, dah über aller Taktik, die die Stunde verlangen möge, auch die neue Reichsregierung diegrund - sätzlichen Ziel« unverändert im Auge behalten werde. Oer Moskauer Sender soll das deutsche Wechnachtöfest stören. Berlin, 17. Dez. (TU.) Im Zusammenhairg mit dem breit angelegten Antiweihnachts- f« ldzug in Sowjetruhland hat der Moskauer Sender der kommunistischen Internationale für Heiligabend einen Dortragüber „M arxismus-Leninis- m u s" angesetzt, der die deutsche Arbeiterschaft verhetzen soll. Wie der kommunistische „Arbeiter- fenber" mitteilt, soll diele Sendung am Heiligen Abend den freidenkerischen deutschen Arbeitern ermöglichen, ..auch an diesem Abend trotz der deutschen Sendeprogramme Funk zu hören, ohne provoziert $u werden". — Dieser unerhörte Versuch einer Störung des deutschen Weihnachtsfestes durch den Sender der kommunistischen Internationale erfordert gebieterisch besondere Ab- wehrmahnahmen. Gewerblicher Mittelstand und Einheitspreisgeschäfte. Wie vom Landesverband des Hessischen Einzelhandels mitgeteilt wird, wird sich in diesen Tagen öie Reichsregierung erneut mit Maßnahmen zum Schutze des notleidenden Mittel-' standes gegenüber den Sdjäbigungen durch die Einheitspreisgeschäfte beschaft.gen. Sowohl die Bayrische als auch die Württember- gische und Thüringisch« Regierung haben sich in Denkschriften an die Reichsregierung gewandt, um die durch di« Notverordnung vom 9. März d. I. «rloffenen Vorschriften wirksam -u ergänzen. Es dreht sich insbesondere um das fBerbot der Errichtung von Einheitspreisgeschäften in Städten über 100 0 00 Einwohner, um die Verhinderung der Umgehung des Verbotes durch dem Einheits- PreiLgeschäft ähnliche Betriebs- Aus der Provinzialhauptstadt typen, die Beschränkung der Zahl der Preisstufen u. ä. m. Der Württembergische Wirtschaftsminister fordert die allmähliche Liquidation der bereits bestehenden Einheitspreisgeschäfte. Auch Baden hat sich- den obengenannten Regierungen angeschlossen. * Der Herr Reichspräsident hat den Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Dr. Go erdeter, auf seinen vor längerer Zeit gestellten Antrag vom Amte des Reichskommissars für Preisüberwachung entbunden. Mit der Führung dieser Geschäfte wird der Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium Dr. Heintze betraut. im letzten Augenblick noch unverletzt aus dem Auto zu ziehen, während die beiden anderen Insassen verbrannten. Direktor Pokorny war der Leiter der Betriebsabteilung der Reichsbahn- direktion Dresden, Oberinspektor Lenke im Prä- sidalbüro der Reichsbahndirektion. Wildwest in Oberschlesien. Mehrere Einbrecher versuchten in ein Uhrwarengeschäft in Sosnowice (Ost-Oberschlesien) einzudringen. Der Inhaber einer benachbarten Wohnung wurde durch die ungewöhnlichen Geräusche, die die Einbrecher verursachten, aus dem Schlaf geweckt. Als er auf die Straße trat, schossen die Einbrecher auf ihn und verletzten ihn t ö d l i ch. Durch die Schüsse wurde eine Polizeistreife alarmiert, die die Verfolgung der flüchtige Banditen aufnahm. Die Einbrecher nahmen auch die Polizei unter Feuer, wodurch einer der Beamten durch einen Bauchschuß schwer verletzt wurde. Sie konnten unerkannt entkommen. Mord an einem Geldbriefträger. In der Nähe von Ustron bei Kattowitz wurde ein G e l d b r i e f t r ä g e r aus einem Bestellgang im Wald von einem Manne überfallen und beraubt. Der Täter schlug den Beamten mit einem Knüppel nieder und schnitt ihm darauf mit einem Messer den Hals durch. Darauf raubte er die Geldtasche, in der sich 2100 Zloty befanden und flüchtete. Der Räuber wurde jedoch von einem Manne bemerkt, der die Verfolgung aufnahm. Da dem Räuber die Geldtasche ju schwer war, warf er sie von sich und entkam zunächst. Die Po.izei konnte ihn aber kurz darauf f e st n e h m e n. Der überfallene Geldbriefträger wurde ins Lazarett geschafft, wo er eine Stunde darauf seinen schweren Verletzungen erlag. Baby vom zweijährigen Bruder getötet. Eine nächtliche Kindertragödie wurde in der Familie "des Elektromonteurs Anders in Berlin entdeckt. In der Nacht hatte der 2% Jahr alte Sohn des Elektromonteurs sein vier Wochen altes Schwesterchen Vera i m S ch l a f e r d r ü ck t. — Die Kinder schliefen in einem gemeinsamen Bett. Als die Mutter'-früh, den Kindern die Mich bringen wollte, entdeckte sie zu ihrem Entsetzen, daß die kleine Dera erstickt war. Ein sofort herbeigerufener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Siegerin Amy Iohnson-Mollison in London. Die englische Fliegerin Amy Johnson- M o l l i s o n legte die letzte Strecke ihres R e - kordfluges Kapstadt — London zurück. Don Le Bourget kommend, traf sie auf dem Londoner Flugplatz Croydon ein. wo ihr von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge ein begeisterter Empfang bereitet wurde. Der König und die Regierung liehen der Fliegerin durch Vertreter ihre Glückwünsche übermitteln. Die Fahrt der Fliegerin zu ihrem Hotel gestaltete sich zu einem Triumphzug. Heberall in den Strahen wurde Amy Johnson von einer riesigen Menschenmenge begrüßt. Den Rekord für den Rückflug vom Kap, der 11 Tage betrug, hat sie mit sieben Tagen geschlagen. Japanisches Flugboot verunglückt.— Fünf Personen ertrunken. Nach einer amtlichen Mitteilung ist das Wrack des japanischen Flugbootes Nr. 307, das seit kurzem vermißt wurde, bei Formosa aufgefunden. Die fünfköpfige Besatzung ist ertrunken. Großfeuer bei Köln. 3n den Fabrikanlagen der Rheinischen Maschinenindustrie in Sürth bei Köln brach ein D r a n d aus, der sich in kurzer Zeit auf vier große Fabrik- schuppcn ausdehnte und zu einem Grohfeuer auswuchs. Die Feuerwehren konnten gegen das Flammenmeer nichts ausrichten und mußten sich auf den Schutz der vom Feuer noch nicht berührten Fabrikgebäude beschränken. Dem Feuer fielen viele Fertigwaren und zahlreiches Rohmaterial zum Opfer. (Ein Kölner Chauffeur ermordet. Auf der Landstraße Köln—Frechen wurde der 49jährige Kraftdroschkenführer Simon Derkum erschossen aufgefunden. Zwei Schüsse waren in die rechte Schulter und ein Schuß von rückwärts in die linke Hüfte eingedrungen. Man nimmt an, daß Derkum voneinem Fahrgast erschos- s e n wurde. Die Leiche lag 60 Meter von dem Kraftwagen entfernt. Derkum hatte in der Rächt mit einem etwa 35 bis 40 Jahre alten Fahrgast, der vom Hauptbahnhof gekommen war, eine Fahrt nach Marsdorf angetreten. Der Regierungspräsident hat eine Belohnung von 500 Mk. für die Ermittlung des Täters ausgesetzt. Die letzten Opfer auf den Delbrück-Schächten geborgen. In Hindenburg (O. SO wurde die Leiche des verunglückten Hauers Wie dum aus Ost-Ober- schießen aus den Delbrück-Schächten geborgen. Die Leiche des tödlich verunglückten Hauers Waith o w s k y ist endlich geborgen worden. Zuletzt gelang es, auch die Leiche des vierten Verunglückten, des Hauers Kubitza aus Hindenburg, zu bergen. Ein Pelroleumdampfer in Flammen. — Fünf Todesopfer. 3m Hafen von Le Havre ereignete sich an Bord eines mit 100 000 Litern Petroleum beladenen Dampfers eine Explosion, die das «Schiff im Ru in Flammen setzte. Ein «Segelkutter, der neben dem brennenden «Schiff lag und mehrere hundert Liter Petroleum an Bord hatte, fing ebenfalls Feuer. Die Frau des Besitzers erlitt schwere Brandwunden und stürzte sich mit ihrer Tochter ins Meer. Beide konnten nur als Leichen geborgen werden. Die dreiköpfige Besatzung des Petroleumdampfers wird vermißt. Sie ist anscheinend ertrunken. Drei Deutsche unter den Todesopfern des französischen Eisenbahnunglücks. Unter den Todesopfern des Eisenbahnunglücks in Südfrankreich befinden sich drei Deutsche, das Ehepaar Gerber und ein Fräulein Charlotte Bremer, unter den Verletzten der Deutsche Alfred Buß. Zehn Fahre Zuchthaus für Kriegsverrat. Leipzig, 17. Dez. (TU.) 3n dem Verfahren wegen Kriegsverrats gegen den Lastkraftwagenführer August 3 ä g e r ^ius Erfurt verkündete der lV. Strafsenat des Reichsgerichts unter dem Vorsitz des Reicysgerichtsrats D r e v e s am Samstagnachmittag folgendes Urteil: „Wegen Verbrechens nach § 58 Absatz 8 des Militärstrafgesetzbuches, begangen in der Zeit vom 13. bis 14. April, wird der Angeklagte zu zehn 3ahren Zuchthaus und zehn 3ahren Ehrenrechtsverlust verurteilt." Es handelt sich dabei bekanntlich darum, daß der Angeklagte in der Rächt zum 14. April 1915 aus der Stellung der 5. Kompanie des 3. R. 234 3u den Franzosen übergelaufen ist und dort auf die an ihn gerichteten Fragen Antwort gegeben hat, namentlich in der Richtung, daß aus der deutschen Stellung heraus für die allernächste Zeit ein Gasangriff denFran- zosen drohe. Dieser Gasangriff der der erste irn.Blosverfahren, der von den deutschen Stellungen aus unternommen werden sollte. Das Gericht erklärte begründend, der Artikel des französischen Generals Ferry in der „Revue des Vivants", in dem der Angeklagte als Verräter gebrandmarkt wurde, fei für das Urteil nicht maßgeblich gewesen. Entscheidend aber fei für das Gericht das Verhalten oes Angeklagten in der Stellung 6 -234 und später in französischer Gefangenschaft. Wenn man die eigenen Aus- sagen des Angeklagten über sein Verhalten, über feine Beweggründe und über sein Tun zusammenhalte mit den Aussagen der vielen Zeugen, so müsse sich die Ueberzeugung aufdrängen, daß der Angeklagte bewußt zu den Feinden übergelaufen sei und daß er den Verrat, der ihm zur Last gelegt wird, dort auch begangen habe. erhalten Sie bei täglichem Gebrauch von Chlorodont, der Zahmiaste von höchster Qualität. Sparsam im Verbrauch. Tube 80 Pf. und 80Pf. Verlangen Sie nur Chlorodont und weisen Sie jeden Ersatz dafür zurück. Kreisausschußsihung. Am Samstaa sand unter dem Vorsitz von Ober- regierungsrat Ritzel eine öffentliche Sitzung bes Kreisausschusses des Kreises Gießen statt. In der Sitzung ergingen folgende Entscheidungen: 1. Besetzung der Gemeinderechnerstelle in Hungen; hier: Beanstandung des Gemeinderatsbeschlusses vom 14. Juni 1932 durch den Kreisdirektor, „Die Beanstandung des Kreisdirektors vom 31. August 1932 wird als unbegründet zurückgewiefen." Durch Beschluß des Gemeinderats vom 14. Juni 1932 war die Stelle des Gemeinderechners zu Hungen dem seitherigen Gehilfen des Gemeinderechners übertragen worden. Da die Stelle einem Versorgungsanwärter Vorbehalten ist, hatte der Kreisdirektor den Gemeinderatsbefchluß beanstandet. 2. Entziehung des Führerscheins des W. H., Ober-Hörgern. „Die Klage wird als unbegründet abgewiesen." Durch Beschluß des Kreisamts Gießen vom 28. Dezember 1931 war dem W. H. die Erlaubnis zum Führen von Kraftfahrzeugen für die Dauer von zwei Jahren entzogen worden, nachdem H. durch Urteil des erweiterten Schöffengerichts zu Gießen vom 22. Juli 1931 wegen Ver- stehens der fahrlässigen Tötung im Sinne des § 222 Abs. 1 und 2 St. G.B., sowie eines weiteren Vergehens gegen § 22 Abs. 2 H. F. G. zu einer Gesamtgefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt worden war. H. war am 6. AprU 1931, abends zwischen 8 und 9 Uhr, mit seinem Kraftwagen auf der Straße Nieder-Bessingen—Lich in einer schar- fen Kurve mit einem entgegenkommenden, trotz der bereits eingetretenen Dunkelheit unbeleuchteten Motorrad zusammengestoßen, dessen beide Fahrer durch den Zusammenstoß so schwere Verletzungen erlitten, daß sie nach kurzer Zeit starben. Die Umstande des Unfalls ließen nach Ansicht des im gerichtlichen Verfahren gehörten Sachverständigen darauf schließen, daß H. die Kurve unzulässigerweise scharf geschnitten hatte, und daß auf diese Weise schräg auf das entgegenkommende Motorrad losgefahren war. Hinzu kam noch, daß sich H. nicht um das Schicksal der Verunglückten gekümmert hatte, obwohl er zweifellos den Zusammenstoß bemerkt und damit gerechnet hatte, daß die 'Motorradfahrer gestürzt und in hilfloser Lage liegengeblieben sein konnten. 3. Den Voranschlag der Gemeinde Weitershain: hier: Beanstandung des Ratsbeschlusses vom 5. Mai 1932 durch den Kreisdirettor. „Den Beanstandungen des Kreisdirektors wird stattgegeben, und der Be- schluß des Rats der Gemeinde Weitershain vom 5. Mai 1932 zu den Rubriken 4, 22, 23 und 36 des Voranschlags für das Jahr 1932 aufgehoben." Bei Beratung des Voranschlags für 1932 Rj. hatte der Rat der Gemeinde Weitershain aus Ersparnisgründen den Beitrag zu den Kosten der Forstoerwaltuna, die Vergütung des Bürgermeisters und die Besoldungen des Gemeinderechners des Polizeidieners und des Feldschützen in unzulässiger Weise herabgesetzt. 4. Bürgermeisterwahl in Staufenberg am 20. November 1932; hier: Beanstandung des Kreisdirektors. „Die am 20. November 1932 in Staufeüberg stattgefundene Bürgermeisterwahl wird für ungültig erklärt." Bei der Wahl waren die vorschriftsmäßigen Zähl- und Gegenlisten nicht geführt worden. Man hatte vielmehr die für jeden Kandidaten abgegebe- nen Stimmen auf weiße Bogen eingetragen. Diese | Bogen sind jedoch nicht mehr vorhanden. * •* Zum Ehrensenator der Landes* unibecfi tat ernannt. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt: Der Gesamtsenat unserer Landesuniversität hat den Zroßkausmann Wilhelm T r i b u s in Gießen mit Rücksicht auf seine hervorragenden Verdienste um ötc Landesuniversität zum Ehrensenator ernannt. ** Der Goldene Sonntag brachte unserer Stadt gestern wieder einen riesigen Publikumsverkehr von außerhalb. Die Mittagszüge und die Eisenbahnverbindungen am frühen Nachmittag wurden mit voller Belastung, zum Teil sogar ver- Schöne weiße Zähne KirchenmustkMche Weihnachtsseielfiunde Die Markusgemeinde hatte am gestrigen Sonntagabend zu einer musikalischen Feierstunde in die weihnachtlich geschmückte Stadtkirche eingeladen. Wie gerne viele diesem Ruf gefolgt waren, ersah man aus der bis fast auf den letzten Platz gefüllten Kirche. Zum Vortrag gelangten Kompositionen von Meistern des 16. und 17. Jahrhunderts; sie alle waren der Weihnachtszeit entsprechend ausgesucht und zusammengestellt. Bekannte musikalische Kräfte unserer Stadt hatten ihr Können in den Dienst der guten Sache gestellt und erwarben die Dankbarkeit ihrer Zuhörer. Herr Heinz Simon, dessen aufopferndem Wirken mit diese Feierstunden zu danken sind, leitete den Abend mit der Fantasie in C-Dur für Orgel von Joh. Seb. Bach weihevoll ein. Er war es auch, der in feinsinniger Weise alle Darbietungen von ter Orgel aus unterstützte. Mit gut geschulter Altstimme vermittelte Käte Gärtner (Alt) Werke von Joh. Seb. Bach. Frau Ilse S ch m i d t - W i s f e n d o r s (Sopran) und Fräulein Emily H o r st (Sopran) olgte man gerne in den Jubel ihrer Gesänge. Be- anders dankenswert war die Wiedergabe einer eiten gehörten Kantate von Vincent Lübeck, bei der sie von zwei Solo-Geigen (Fräulein Maria Zimmer und Herr Franz Bauer fr.) bestens unterstützt wurden. An instrumentaler Musik erfreute ein Pastorale von Ant. Vivaldi durch seine Schlichtheit; es wurde von den Herren Franz Bauer jr. (Geige) und Heinz Eger (Cello) seinem Sinne gemäß zum Vortrag gebracht. Zu besonderer Andacht zwana ein Adagio-Satz aus einer kaum aufgeführten, herrlichen Sonate Joh. «Seb. Bachs. Herr Franz Bauer jr. brachte ihn mit feinstem Stilgefühl in fast rhythmisch gelöstem Gesang der Geige zu Gehör. Gern begrüßte man auch in dieser Stunde die musizierfreudige Gemeinschaft des hie- figen Kammerorchesters. Schon oft ist sein selbstloses Wirken unter seinem tüchtigen Führer an dieser Stelle erwähnt worden. Gestern brachte es Weihnachtsmusik für zwei Solo-Geigen (Fräulein Maria Zimmer und Herr Franz Bauer jr.) und Cello (Herr Willi Höß und Herr Emst T h e i ß), die feierlich-fröhliche Stimmung oermit- telte. Nicht vergessen sei der K n a b e n d) o r, der mit seinen Hellen Kinderstimmen den Gemeindege- sag unterstützte. So war der Abend eine rechte Feierstunde und vielen der zahlreichen Hörer ein freudiger Auftakt der kommenden Weihnachtstage. —f— Weltkrieg, Vaterland, deutsches Judentum. Auf Einladung der Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten sand am «Samstag in der vollbesetzten Turnhalle am Oswaldsgarten I ein Vortragsabend statt. Zu Beginn des Abends entbot der Versammlungsleiter im Rahmen feiner I Begrüßungsansprache besonderen Willkommensgruß den Vertretern des Offtzier- und des Unteroffizierkorps unseres Bataillons, den Vertretern der ftaat- üdjen und der städtischen Behänden, der Landes- I Universität, der Geistlichkeit, der Beamtenschaft, der Presse und allen sonstigen Organisationen. Hieraus betonte er, daß der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten als überoarteiliche Organisation aller deutschen Frontkämpfer jüdischen Glaubens das große Gemeinschaftserlebnis des Krieges treu bewahren, I allezeit Dienst am Vaterland leisten wolle und für I Recht und Gerechtigkeit eintret«. Mit einem feier- * Aus aller Welt. Eduard Bernstein gestorben. Berlin, 18. Dez. (WTB.) Der frühere sozialdemokratische Re.chstagsabgeordnete Eduard Bern, stein ist im fast vollendeten 83. Lebensjahre an Altersschwäche geftorben. Bernstein gehörte der Sozialdemokratischen Partei seit dem Jahre 1872 an. Gebürtiger Berliner, war er in seiner Jugend eine Zeit lang Bankangestellter, widmete sich aber bald ganz der politischen Tätigkeit. Er war lange Jahre in. der Schweiz Redakteur des sozialdemokratischen Kampforgans „Sozialdemokrat , das der Bekämpfung des deutschen Sozialistengesetzes diente. Nach Ausweisung der Redaktion aus Zürich ging er nach London, wo er bis zum Jahre 1901 lebte, da ihm auch nach dem Fall des Sozialistengesetzes die Erlaubnis zur Rückkehr in die Heimat nicht erteilt wurde. Er zählte zu den per sönlichen Bekannten von Marx und Engels, wurde aber unter dem Einfluß des englischen Sozialismus Gegner der radikalen Richtung feiner Partei und wurde Begründer des Revi- Monismus. Von 1902 bis 1906, von 1912 bis 1918 und von 1920 bis 1928 war er Mitglied des Reichstags. «Seine Schriften zur Theorie des Sozialismus genoffen internationalen Ruf. Tränengas in einem Diener Warenhaus. 21m „Goldenen (Sonntag“, als in den Rachmit- tagsstunden das Warenhaus Gerngroß, das größte Warenhaus Wiens, nahezu über füllt war, stiegen plötzlich gleichzeitig an mehreren Stellen von Tränengas herrührende Gase aus, die bei Frauen und Kindern die größte Verwirrung hervorriefen. Alles drängte in größter Aufregung den Ausgängen zu, so daß nur mit Mühe eine Panik vermieden werden konnte. Der Feuerwehr gelang es nach einstündiger Arbeit die Räume zu entlüften. Die Urheber desTränen- gasanschlages sind noch nicht festgestellt. — 3n den letzten Tagen betrieben die Rationalsozialisten eine lebhafte ant sein t sche Propaganda mit der Aufforderung an die arische Bevölkerung, in jüdischen Geschäften nichts zu kaufen. Autounfall Harry Piels. Der Filmschauspieler Harry Piel wollte mit seinem Auto von Berlin nach München fahren. Kurz hinter Eibach bei Nürnberg kam in scharfem Tempo ein anderes Auto auf Piels Fahrzeug zu. Piel bremste aus Leibeskräften und riß, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, seinen Wagen nach links herum. Der Wagen kam auf der glatten «Straße ins Schleudern und stieß ge g en eine Mauer, die eingedrückt wurde. Wie durch ein Wunder stürzte das Auto an dieser gefährlichen Stelle nicht in die Tiefe. Piel blieb unverletzt und fuhr mit einem anderen Wagen nach Rürnberg zurück. Schweres Autounglück. Auf der Staatsstraße zwischen Meißen und Zehren ereignete sich ein schweres Kraft- 9 u n g l ü ck. Ein Personenwagen der Reichsbahn, in dem Reichsbahnoberinspektor Le n k e, Reichsbahndirektor Pokorny und Rerchsbahurat Dr. S t a n g e aus Dresden saßen, geriet auf der vereisten Straße bei dem Versuch einem Radfahrer auszuweichen, ins Schleudern' stürzte eine über zwei Meter hohe Böschung hinab und geriet in B r a n d. Lenke und Pokorny verbrannten im Wagen. Dr. Stange konnte von den Passanten unverletzt aus den Trümmern hervoraazogen werden. — Die drei Herren der Reichsbahndirektion Dresden hatten eine Dienstfahrt nach Riesa und Röderau ausgeführt und befanden sich auf dem Heimwege nach Dresden. Kurz vor Meißen versuchte Oberinspektor Lenke der am Steuer sah, einige Radfahrer zu über-' holen. Obwohl die «Straße infolge der Glätte am Morgen ordnungsmäßig bestreut worden war, scheint sich doch wieder Glätte gebildet zu haben' Ein Wanderbursche und einige Spaziergänger eilten sofort an die Anglücksstelle. Es gelang ihnen nur, den Reichsbahnrat Dr. Stange I lichen Gedenken cm die Gefallenen des Weltkriege« I fand die Ansprache ihren Ausklang. Der Redner des Abends, Dr. Freund (Berlin), sprach hierauf über das Thema „W eltkrieg, Vaterland, deutsches Judentum". Er hob zunächst hervor, daß der Inbegriff vom Vater- I land kein Lippenbekenntnis fein dürfe, sondern innige «SchicksalsVerbundenheit aller Teile der Gemeinschaft des Volkes zum Ausdruck bringe, von jedem einzelnen die Liebe zum Vaterland, stete Be- I reitschaft zur Tat und zum Opfer für die Gesamtheit, auch zum Einsatz und Opfer des Lebens erfordere. Dieser hohen Auffassung des Begriffes Vaterland habe sich im Weltkrieg auch das deutsch« Judentum nicht versagt. Vor dem Kriege habe es I in Deutschland 550 000 Juden gegeben. Davon hätten nach genauen amtlichen Feststellungen rund 96 000 unter den deutschen Fahnen gestanden, über 12 000 von ihnen seien gefallen. Heber 150 Juden seien als deutsche Flieger vor dem Feinde gewesen, 30 seien gefallen, darunter auch der jüdische Leutnant Frankel, Ritter des Pour le nterite, der nach Jmmelmann und Böhlke die höchste Zahl feindlicher Flieger abgeschossen habe. Bekannt fei auch wohl 3ur Genüge, daß der jüdische Reichstagsabgeordnete Ludwig Frank als Kriegsfreiwilliger ins Feld gezogen und schon bald danach gefallen sei. I Gegenüber dem Vorwurf, das Judentum sei in I das deutsche Volk nicht hineingewachsen, machte der I Weidner geltend, daß man ja auch in Deutschland I bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts die Juden von der Gemeinschaft des Volkes ausgeschlossen und in das Ghetto verbannt habe; erst 1869 habe man den Juden volle staatsbürgerliche Freiheit und I Rechte eingeräumt. Wenn man die Jude ns rage lösen I wolle, könne es nicht dadurch geschehen, daß man in die Praxis des vorigen Jahrhunderts zurück- falle und die Juden wieder ins Ghetto schicke. Man müsse vielmehr die hohen geistigen und sitt- I l.chen Kräfte im Judentum ebenso anerkennen und für die Gesamtheit nutzbar machen, wie dies in Amerika, England und Italien geschehen sei, wo es S- B. in Jtal.en auch heute noch jüdische fasch steche Generäle, jüdische faschistische-Führer und auch jüdische Sozialisten gebe. Der Redner lehnte es im Namen des Judentums mit Entschiedenheit ab, daß die Sklarek, Bannat und Kutisker als typische Repräsentanten, der Juden anzusehen seien; di« Juden hätten mit diesen Menschen, die der Redner als Schieber und Verbrecher bezeichnete und die wegen ihrer Verbrechen von den Juden mehr gehaßt würden als von allen anderen deutschen Menschen, nicht das geringste zu tun. Er forderte, daß man die Juden nach ihren wertvollen Repräsentanten beurteilen solle, wobei er auf Männer wie Spinoza, I Moses Mendelssohn, Heimann Cohen, Friedrich Gundols, Berthold Auerbach, Jakob Wassermann und Albert Ballin als Beispiele hinwies. Genau so wie das Judentum das christliche Volk nur nach feinen guten Charakteren und Menschen, nicht aber nach ifcen Minderwertigen beurteile, müsse man auch den jüdischen Mitbürgern gegenüber verfahren. Auf diesem Wege müsse und werde man zu einSr I gemeinsamen Front der anständigen Menschen aller I Parteien in Deutschland kommen und daduich überall, auch im Judentum, die wertvollen Kräfte zum Nutzen des gemeinsamen deutschen Vaterlandes mobil machen. Der Redner wandte sich zum «Schluss« dem Problem der Jugenderziehung zu und beklagte hierbei | besonders, daß heute die Jugend vielfach durch Um» । schm eiche lung von Versammlungsrednern usw. in eine Ueberheblichkeit gegenüber der älteren Generation verfallen sei, die man nur bedauern müsse. Er stellte bei dieser Betrachtung die überaus schwierige, ja zum Teil wenig hoffnungsfrohe Aussicht der Jugend für ihr Fortkommen im Leben m Rechnung und suchte darin manchen Erklärungsgrund für unerfreuliche Erscheinungen unserer Zeit. Um tiefem Uebelstand entgegenzuwirken, empfahl der Redner, sich mit größter Liebe und Verständnisbereitschaft um die Jugend zu bemühen, sie für das Leben zu erziehen und stark zu machen, sie vor Illusionen und falschem Pathos zu warnen und ihr- die Wege zu zeigen, auf denen sie, gestützt auf die Erfahrungen der älteren Generation, aufbauen könne. Auf diesem Wege werde big Jugend auch vor der seelischen Verwüstung, die heute leiber schon beim kleinen Kinde anfange, bewahrt bleiben und zum Gemeinschaftsgeist und zur Arbeit Schulter an Schulter mit allen Volksgenossen für das deutsche Vaterland in der rechten Weise erzogen werden. In diesem Sinne, der auch dem heiligen Vermächtnis der Gefallenen des Krieges entspreche, müsse hingebungsvoll von allen Bürgern gearbeitet werden, damit das geliebte deutsche Vaterland wieder groß und stark in der Welt gemacht werde. (Lang- anhallender lebhafter Beifall.) Am Schlüsse des Abends überreichte der Ver« fammlungsteiler den Vertretern des Ofizierkorps, der Universität und der Stadt Gießen je ein Exemplar des Kriegsbuches des Reichsbundes jüdischer Front- soldaten. Daran knüpfte der Vorsitzende eine herzliche Huldigung für den Reichspräsidenten und Gene- ralseldmarichall von Hindenburg, die chren Abschluß mt dem gemeinsamen Gesang des ersten Verses der Nationalhymne fand. Vornan,}en. — Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Frauen in Gefahr". — Wiefecker Lichtspiele: „Das Lied einer Nacht". — Der Bund für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule wird Mittwoch, 21. Dezember, 20 Uhr, im Johan- nesfaal feine Weihnachtsfeier begehen. Pfarrer Weimar (Gonterskirchen) hat die Ansprache übernommen, für den musikalischen Teil sind Frl. von der Heid (Gesang) und Mitglieder der Neichswehrkapelle gewonnen. (Siehe heutige Anzeige.) Daten für Montag, 1S.Dezember 1594: Gustav Adolf von Schweden in Stockholm geboren. stärkt gefahren, um allen Erfordernissen des Reiseverkehrs nach Gießen gerecht zu werden. Daneben hatten auch die Kraftomnibuslinien großen Betrieb, die Straßenbahn von Wieseck her hatte wieder sehr gute Frequenz aufzuweifen, und auch zu Fuß kamen die Kauflustigen aus der näheren Umgegend in großen Scharen in unsere Stadt. Im Geschafts- viertel herrschte stärkster Verkehr, der nach übereinstimmenden Beobachtungen von mehreren Seiten über das Ausmaß des Silbernen Sonntags hinausging. Das Kaufgeschäft gestaltete sich sehr lebhaft und wurde damit in erfreulicher Weife wohl den Hoffnungen der Geschäftswelt gerecht. Das schöne Winterwctter kam der starken Verkehrsentwicklung außerordentlich zustatten. Rückschauend kann man wohl sagen, daß auch am Goldenen Sonntag die heimische Wirtschaft eine begrüßenswerte Belebung durch das rege Kaufgeschäft er- fahren hat. •• Stink- und Tränengasbomben in Gießener Warenhäusern. Der Heu- tige Polizeibericht meldet: Am 18. Dezember gegen 17 Uhr wurden in den Kaufhäusern GEP., Erwege und Karzenbra in Gießen Stink- und Tränengasbomben geworfen, wodurch die Angestellten und auch das kaufende Publikum belästigt wurden. Ein 18 Jahre alter SA.-Mann aus Gießen und Mitglied der NSDAP, wurde als Täter festgestellt. Er hat im Karzentra wegen seiner Einstellung gegen die Warenhäuser Stinkbomben geworfen, um eine Kaufstockung heroorzurufen und das kaufende Publikum zum Verlassen des Geschäfts zu veranlassen. Verdächtig, Tränengasbomben im Erwege und GEP. geworfen zu haben, ist ein zweiter SA.-Mann aus Gießen, der sich in Begleitung eines bis jetzt namentlich noch nicht fest- gestellten Mannes befand. Ein Strafverfahren ist eingeleitet. S.Ji.SpOTt 1900-Llmon-Mderrad 3:5 (1:3). Man sah dem Kampf mit berechtigter Spannung entgegen. Di« Erwartungen der etwa 800 Zuschauer, die sich «ingefunden hatten, waren hoch geschraubt. Die erste Enttäuschung aber erlebte man, als bekannt wurde, daß der Sturmführer der Gäste, Pfeiffer, fehlte. Man fand sich damit ab. Die Enttäuschung stieg aber um einige Grade, als man dem Spielverlauf nach sehen mußte, daß die Gäste nicht umsoviel besser waren, als man es erwartet hatte. Das Spiel brachte schöne, aber keine überragenden Leistungen. Es sei daran erinnert: Borussia Fulda zeigte gegen die Gießener Stadtmannschaft ein besseres Spiel (obwohl damals die Gäste auch nicht ganz auf der Höhe waren). Immerhin brachte der gestrige Kampf so viel, daß die Zuschauer stets mit großer Aufmerksamkeit folgten. Die Gäste waren den Dlauweißen überlegen. Technisch waren sie unbestreitbar besser, in der Kombination zuverlässiger, immer etwas mehr am Ball, immer etwas mehr in des Gegners Spielhälft«, aber doch nicht so drückend überlegen, daß die 1900er nicht auch zum Zug gekommen wären. Bielmehr hatten sie einige Schwächeperioden, welche die Gastgeber aufkommen liehen. Der Beste in der Mannschaft war Leichter, der vier Tore auf fein Konto bringen konnte. Die Mattweißen zeigten gestern sehr annehmbare Leistungen. Bor allem wurde mit großem Eifer uns in unvermindertem Tempo gespielt. Die Mannschaft hatte gegen die technische Lleber- legenheit dcr ^ä''e schwer n ukäm fe , le^aup ete sich aber im Feldspiel recht gut und brachten viele forsche Argriffe vor das Tor der Frankfurter. Das Ergebnis, das nicht unbedingt zwei Tore Differenz aufweisen muhte, entspricht dem Spiel- verlauf. Bei den Giehenern gefiel Luft in der Verteidigung sehr gut. In der Läuferreihe lieh sich Schmidt gut an. Henrichs, der neue Mann, setzte sich energisch ein, war aber nicht immer erfolgreich. Im Sturm gefiel H e i l m a n n wieder sehr gut. Arnold hatte einen guten Tag und war zweimal Torschütze. Schmelz, als Ersatzmann für Goebel, erwies sich als noch nicht widerstandsfähig genug. Schl arb war im Tor nicht sehr sicher. Man kann behaupten wollen, daß er zwei Tore halten muhte. In der zweiten Spielhälfte waren die Plahbesitzer den Gästen durchaus gleichwertig. Der Spielverlauf brachte zunächst keine sichtliche LleberlegenHeit der Gäste. Viele hohe Bälle, verursacht durch den harten Boden, brachten die Liga aus dem Mainbezirk etwas außer Konzept. So fand man sich nicht gleich. Immerhin vermochte Leichter bereits in der neunten Minute zum ersten Male einzusenden. Ein Zögern der Verteidigung, die eingreifen muhte, war daran nicht unschuldig. Leichter erwies sich schon hier als gefährlicher Schütze. In der zwölften Minute folgte eine scharfe Attacke auf das Tor der Blau- weißen. Ein Strafstoß (Leichter) wurde von Schlarb gehalten, einige Vachschüsse wurden mit viel Glück abgewehrt. Eine Minute später fiel im Anschluß an eine Ecke, diesmal durch einen Kopfball von leichter für die Gäste das Tor. Schlarb hatte falsch disponiert. In der Folge strengten sich die Dlauweißen mehr an, erzielten vorübergehend auch einige Feldüberlegenheit, Arnold schoß einmal ganz knapp am Pfosten vorbei, kurz darauf aber setzte sich Heilmann durch (der gegnerische Verteidiger griff zu spät an) und schoß ziemlich unbehindert und energisch ein. Später veranlaßte Zeiler einen Els- meterball (die Entscheidung des Schiedsrichters wurde mit sehr gemischten Gefühlen ausgenommen), der von Leichter glatt verwandelt wurde. Halbzeit. Vach der Pause trat (merkwürdig!) 1900 zunächst ohne Schlarb an. Er trat einige Minuten später ein. Bald und überraschend verkürzten die 1900er durch Heilmann (Strafstoß) auf 3:2. Die 1900er spielten vorübergehend überlegen und schufen einige gefährliche Situationen vor dem Tor der Gäste, konnten aber anderseits nicht verhindern, daß Leichter durch einen scharfen Schuß aus dem Hinterhalt auf 4:2 erhöhte. Die 1900er vergaben einige günstige Gelegenheiten zum Torschuß. Fünf Minuten vor Schluß erhöhten die Gäste auf 5:2 (Esch). Unmittelbar, kaum eine Minute danach, schuf Schmelz durch eine gute Vorlage für Arnold eine Torgelegenheit, die dieser entschlossen auszunützen verstand. Diese beiden letzten Tore waren die schönsten Erfolge des Tages. Bald darauf pfiff der Schiedsrichter Henkel (Wetzlar), dessen Entscheidungen nicht ohne Widerspruch ausgenommen wurden, das Spiel ab. Das Spiel wurde (nicht zuletzt durch die Schuld des Schiedsrichters) für ein 'Freundschaftsspiel reichlich hart durchgeführt. Befriedigt, wenn auch nicht begeistert, verlieh man den Platz. Für die Spielvereinigung bedeutet das Spiel einen Achtungserfolg. Sandball im Sau Hessen (O.T.) Die 1. Mannschaft des Männerturnvereins Gießen trug am Sonntag ein Freundschaftsspiel gegen die 1. Elf des Polizeisportvereins Butzbach aus, das einen unentschiedenen Ausgang nahm. 5:5 lautete das Ergebnis. li. und Iugendmannschaft spielten in einer kombinierten Aufstellung gegen Grohen-Lindens 1. Elf und verloren mit 2:6 Toren. Wirischast. Berlin uneinheitlich. Berlin, 19. Dez. (WTB.) Funkspruch.) An der Dorbörse nannte man durchweg höhere Kurse, im Gegensatz hierzu war aber der offizielle Börsenbe- ginn wider Erwarten nicht einheitlich, obwohl die Grundstimmung als freundlich bezeichnet werden konnte. Die vorwiegenden Momente waren günftger Natur. So blieben deutsche Werte im Auslande weiter gefragt und fest. Der Bericht der Berliner Industrie- und Handelskammer machte einen allgemein guten Eindruck, da er eine günstigere Prognose für das kommende Jahr stellt und von einer Krifenwende spricht. Die Rede Dr. S o l m ß e n s auf der Generalversammlung des Zentraloerbandes des Deutschen Bankgewerbes fand gleichfalls eine gute Aufnahme. Für Montanpapiere, sowie für eine Reihe von Spezialpapieren bestand weiter Intereste, nicht nur von seilen der Börse, sondern es lagen auch Kauforders des Publikums vor, während in anderen Werten wiederum Abgabeneigung festzustellen war. Hiervon waren in erster Linie Farben, AEG. und Kunstseidewerte betroffen. Man vermerkte Aus- landabgaben, die schon in der vergangenen Woche zu beobachten waren. Am Montanmarkt ergaben sich Kurssteigerungen dis $u VA Prozent. Laura- Hütte erschienen mit zwei Pluszeichen und gelangten verspätet 4 Prozent höher zur Notiz. Kalipapiere, sowie der größte Test der Elektrowerte waren gleichfalls fester. Gleich AEG. waren auch Reag und Siemens schwächer Erwähnenswert war noch die Steigerung von Schulcheiß um fast 3 Prozent im Zusammenhang mit der Steuerung der Sprstwerte an der Neuyörker Börse. Textilaktien, vor allem Aku, lagen im Angebot und gaben bis fast 2 Pro- zent nach, ebenfalls Deutsche Linoleum. Die Rentenmärkte waren ruhig, doch nicht unfreundlich. Reichsschuldbuchforderungen befestigten sich um ’/» Prozent. Im Verlaufe blieb die Kursgestaltuna uneinheitlich, doch konnte sich, ausgehend von Montanen, eine Erholung durchsetzen, die aber nur von kurzer Dauer war. Rheinische Braunkohlen zogen um 3 Prozent, andere Montane bis % Prozent an. Dagegen gaben Siemens, Farben, AEG. und Schultheiß bis Wi Prozent nach. Am Geldmarkt blieb die Situation weiter leicht. Tagesgeld war an der unteren Grenze mit 4% bzw. 4% Prozent und sogar vereinzelt schon mit 4 Prozent erhältlich. Privatdiskonten waren im Zusammenhang mit dem Weihnachtsgeschäft und den Prolongationen eher angeboten. Für Reichsschätze per 15. Mai erhielt sich die Nachfrage, während Reichswechsel per 15. März umsatzlos blieben. $ranffurf unsicher. Frankfurt, 19. Dez. (WTB.-Drahtmeldung.) Die Börse eröffnete in der neuen Woche in freundlicher Grund st immun g, wobei die anhaltende Festigkeit für Montanwerte am Gesamtmarkt einige Anregung gab. Besondere Nachrichten lagen Arnar nicht vor, doch wurden die günstigen Auslassungen der Berliner Industrie, und Handelskammer und der Commerz-Bank mit Befriedigung ausgenommen, ebenso wie di« weitere feste Haltung der deutschen Wert« an den ausländischen Börsen. Gegenüber dem Wochenschluß war die Kurs- gestaltung uneinheitlich und schwankend. Bei lebhaften Umsätzen standen die Montanwerte im Mittelpunkt des Interesses, wobei Kohlenwerte bevor- zugt waren. Harpener gewannen 3,50 v. H., Rheinische Braunkohlen 4 v. H. und Jlse-Bergbau- Genußscheine 2,75 v. H. Klöckner-Werke, Gelsenkirchen, Stahlverein lagen bis zu 1 v H. höher, Mannesmann und Buderus waren behauptet. Am Elektromarkt zogen Schuckert 1,75 v. H., Licht und Kraft 1,25 v. H., Siemens und Felten je 0,50 o. H. an, während AEG. und Dekula je 0,50 v. H. nachgaben. Schwächer eröffneten J.G.-Farben (1 o. H.), Deutsche Linoleum (— 1 v. H.) und Aku mit 1,75 v. H. Reichsbankanteile lagen zunächst 1,50 v. H. schwächer, später konnten sie sich um 1,25 v. H. erholen. Etwas niedriger setzten ferner Metallgesellschaft, Daimler-Motoren und Schiffahrtswerte ein, wogegen Scheideanstalt 0,75 v.H., AG. für Verkehrswesen 0.50 v.H. und Rütgerswerke 0,25 v. H. anzogen. Deutsche Erdöl und Zellstofsaktien lagen behauptet. Nach den ersten Notierungen unterlagen die Kurse einigen Schwankungen und waren meist etwas schwächer, mit Ausnahme von Montanwerten, die gut behauptet blieben. Harpe^ ner zogen erneut 1 v.H. an, ferner lagen Laura- hütte sehr fest, aber zunächst noch ohne Notierung. Die Taxe lautet 5 v.H. höher. Im Verlauf bewirkte die Schwäche von IG.-Farben, Aku und AEG., bei denen Rückgänge bis zu 1 v. H. eintraten, starke Zurückhaltung. Auf Realisationen gaben auch Montanwerte 1 bis* 1,50 v. H nach. Am Rentenmarkt lagen Deutsche Anleihen, Reichsschuldbuchforderungen und einige Industrie- Obligationen bis zu 0,50 v. H. höher. Am Pfandbriefmarkt traten kaum nennenswerte Veränderungen ein. Die Umsätze am Rentenmarkt waren klein. Tagesgeld zu 3,75 v. H. unverändert. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. Hl., 19. Dez. Auftrieb: 1423 Diinder; darunter 312 Och'en, 128 Bullen, 495 Kühe, 422 Färsen. 1010 Kälber, 110 Scha'e. 4940 Schweine. Es notierten: Rinder. Ochsen: Voll- fleisch'ge, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: 1. jüngere: 27 bis 30; 2. ältere 24 bis 26; sonstige vollfleisch'ge: jüngere 20 bis 23. DuUen: jüngere vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 23 bis 26; sonstige vollfleifchige oder ausgemästete 20 bis 22. Kühe: jüngere, volifleischige, höchsten Schlacht- Werts 23 bis 25; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 20 bis 22; fleischige 17 bis 19; gering genährt« 12 bis 16. Färsen (Kalbinnen, Iung- rinder): vollsleischge, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 27 bis 30; vollfleischige 24 bis 26; fleischige 20 bis 23. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 33 bis 36; mittlere Mast- und Saugkälber 29 bis 32; geringe Kälber 24 bis 27. Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 23 bis 25; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 20 bis 22. Schwein«. Vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 40 bis 42; vollfleischige Schweine von etwa 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 39 bis 42; vollfteischige Schweine von etwa 160 bis 200 Pfd. Lebendgewicht 38 bis 41; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfd. Lebendgewicht 35 bis 39. — Marktverlauf: Rinder ruhig und.ausverkauft. Kälber, Schafe und Schweine mittelmäßig; ausverkauft. Tränengasanschläge in Mainzer Warenhäusern. Mainz, 19.Dez. (WTB. Funkspruch.) In drei hiesigen W arenhäusern wurden am gestrigen Goldenen Sonntag Tränengasonschläge verübt, die den Geschäftsbetrieb vorübergehend empfindlich störten. Die Kriminalpolizei nahm mehrere Verdächtige fest. Die Nachforschungen sind noch nicht abgeschlossen. Wettervoraussage. Di« Standhaftigkeit des Donauländer-Hochs und die weiterhin festliegende Kaltluft in Bodennähe werden den Witterungscharakter vorerst kaum ändern lassen. Wenn auch im Norden und Westen die Störungstätigkeit reger wird und anhaltende Wirbel voruberzishen, so dürfte der Einfluß wohl das Küstengebiet und NorddeutfÄand berühren, jedoch im mittleren und südlichen Teil des Reiches zunächst noch nicht. Aussichten für Dienstag: Frühnebel und Dunstbildungen mit Aufklaren, Nachtfrost, Tagestemperaturen um Null, trocken. Lufttemperaturen am 18. Dezember: mittags — 5 Grad Celsius, abends —1,7 Grad; am 19. Dezem- ber —5,3 Grad. Maximum 0,5 Grad, Minimum — 5,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 18. Dezember: abends —0,6 Grad; am 19. Dezember: morgens — 2,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 2% Stunden. Gott der Herr hat am Samstagabend, um V?B Uhr, meinen lieben Mann, unseren guten Vater, Schwiegervater, Sohn. Bruder, Schwager und Onkel August Gerlach Gastwirt und Metzgermeister nach langer, schwerer, mit grober Geduld ertragener Krankheit im 53. Lebensjahre zu sich heimgeholt. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Elisabeth Gerlach, geb. Freund Anni Rühl, geb Gerlach Fritz Gerlach und Braut Karl RühL Oroßen-Buseck, den 17. Dezember 1932. Die Beerdigung findet Dienstag, den 20. Dezember, nachmittags um 2 Uhr, vom Trauerhause aus statt SieMl9eDemelgetnng.Hr. 1798 5 Am Donnerstag, dem 22. Dezember 1932, nachmittags 3A Uhr. werden auf dem Bureau des Ortsgerichts zu Gießen, Bergstraße 20, Zimmer 16, die nachstehenden, im Grundbuche von Gießen dem Ludwig Hau und Ehefrau, geb. Düringer, zu DJiefed zugeschriebenen Grundstücke: Flur 21 Hr. 170 - 1005 qm Acker auf die Marburger Straße und am Badenburger Fußpfad, Flur 23, Jlt. 171 1050 qm Acker, daselbst. 8710D freiwillig versteigert. Die näheren Bedingungen werden im Termin bekanntgegeben. Gießen, den 7. Dezember 1932. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsoorsteher. WM MM von Haeberlein-Metzger ff Marzipan, prima Pralinen (lose und in Gescbenkpackj. Oldenburger Honigkuchen. Tafel - Schokolade von ersten Firmen empfiehlt nsveD Schokolafleohaos Weihl Seitenweg 50 - Eck^Wolkengasee Billiger Fischtag ff. Filet Pfund von 35 Pf. an Kochflsche. Pfund von %o Pf. an Fischhaus Cuxhaven Marktstraße 23 *ti8«A Teleph. 241-7 Klein- Schreibmaschinen große Auswahl erster Fabrikate finden Sie zu niedrigsten Preisen bei Niederhausen&Co. 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Dezember, nachm. 2 y2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 07418 Wissenschaftliche Werke Sondergeoie» uo- BrOhl'schen Druckerei Weinbrand ist immer willkommen I Empfehle in bekannter. guter Qualität: Weinbrand- Verschnitt ‘/iFl.2.501 ?FL1.45 Weinbrand* „Grttnslegel" VtFl.3.601 sFLIJI Weinbrand- „Hausmarke"*** FL 4.30 Med.-Drogerie Hindenburg Hermann Elges Seltersweg 68a Wir möchten auch rodeln — wir möchten auch Schlittschuh laufen. Machen Sie doch Ihren Kindern die Freude. Kaufen Sie ihnen einen Rodelschlitten oder ein Paar Schlittschuhe. Sie sind je so billig bei J.B. Häuser Am Oswaldsgarten Gießen-Ruf 2145/2146 WchMMMm cA er Moderne Gamaschen in braun und in grau a n r Paar (|,/9 Moderne Gamaschen mit Druckknöpfen und a ra Gummiband.....Paar Moderne Gamaschen in bester Ausführung m. ä gA Lederbesatz......Paar ZeOU SCHMÜCK IE IR 8979 A N Kni oem M Vornan von Margarete Antelmann. Copyright by Martin Feuchtwanger, Holte (Saale) 9 ^ortlcRung Nachdruck verboten Sonst tiefe Stille. Nirgends war ein Mensch Zu sehen, weder in dem zweistöckigen Herrenhaus, noch in irgendeinem dec Nebengebäude. Icht ging Theobald durch ein Gartentor. kam an die Hintere Front des Herrenhauses. Immer noch rührte sich nichts. Wein Gott! Schlief denn hier olles? Laut klingelte Theobald an seiner Radglocke — kein Laut! »Hallo! Wirtschaft!" Wie aus weiter Ferne vernahm er da eine Antwort. „Hier ist niemand zu Hause!" Suchend blickte Theobald zu den Fenstern empor. Da hörte er ein Kichern hinter seinem Rücken. Schnell fuhr er herum. Nirgends war ein Mensch zu sehen, so eifrig er auch umherspähte. „Hier!" rief es lockend: jäh hob Theobald den Kopf in die Höhe, woher er den leisen Ruf gehört hatte. Witten in den Blättern eines alten Kirschbaumes faß da ein Mädchen und zeigte ihm lachend die schönen Zähne. Unter einem bunten Kopftuch schaute e n b üh?ndes, junges Gesicht hervor, mit großen dunklen Augen. Zwei nackte Beine in ausgetretenen Halbschuhen baumelten aus den Zweigen herunter. Theobald Fischer wußte, was er zu tun hatte. Blitzschnell drehte er sich herum, lehnte sein Rad an das Haus und schickte sich an. auf den Baum zu klettern. „He! Sie da unten! Was tun. Sie da? Sie wollen doch nicht etwa zu mir heraufklettern?" „Natürlich. Kleine, will ich das! Sonst ist mir die Unterhaltung zu beschwerlich, wenn ich immer den Kopf in die Höhe recken soll." „Dein! Bleiben Sie nur unten! Da komme ich lieber herunter. Aber — sagen Sie mir erst — was wollen Sie eigentlich hier?" „Ja. mein liebes Kind, ich möchte gern Herrn von Löwen sprechen." „So! — Herrn von Löwen!? In welcher Angelegenheit denn?" „Was geht denn Sie das an. was ich mit Herrn von Löwen zu besprechen habe? Hier scheint ja eine heillose Wirtschaft zu sein, wenn sich schon die Dienstleute in die herrschaftlichen Angelegenheiten mischen! Aber vielleicht steigen Sie 'jetzt wirtlich herunter von Ihrem luftigen Sih und melden mich dem Herrn von Löwern Man kann r doch nicht stundenlang warten, ehe man jemand zu sprechen bekommt." „Bon stundenlang kann gar nicht die Rede fein, mein Herr. Sie sind noch keine zehn Minuten hier. Ich habe ja gesehen, wie Sie in den Hof gekommen sind." „Schon, mein Kind! Sie mögen recht haben. Aber es dauert mir trotzdem lange genug, und ich ersuche Sie noch einmal, mich endlich zu melden." „Hat gar keinen Sinn, daß ich Sie melde. Herr von Löwen ist nicht zu Hause." „Was? Das hätten Sie mir wirklich schon früher sagen können." Die Kleine oben antwortete nicht. Sie hatte angefangen, eine Schlagermelodie vor sich hin- jufummen, und pendelte dazu vergnügt mit den Deinen. Entrüstet sah Theobald Fischer in die Höhe. In diesem Augenblick traf ihn eine wohl- gezielte. harte Kirsche mitten auf die Stirn. „Getroffen! Fein!" rief es dazu von oben herunter. Wütend fuhr Theobald in die Höhe. Die Kleine oben lachte indes so fröhlich, sah so reizend dabei aus. daß Theobald nicht böse sein tonnte. Wenn sie wenigstens unten gewesen wäre, da hätte er schon die rechte Strafe gefunden. Aber so... „Also, junger Herr, es ist niemand zu Hause. Da werden Sie schon ein anderes Mal kommen müssen." „Aber ich denke ja gar nicht daran. Ich werde warten, bis Herr von Löwen zurückkommt. Wo ist er eigentlich h'.ngegangen?" „Hinausgeritten, auf die Felder. Hnb es kann sehr, spät werden, bis er zurückkommt. Wenn es Ihnen nur nicht zu lange dauert." „Ach. ewig kann er ja nicht ausbleiben, denke ich." „Na, da werde ich doch langsam herunter- kommen." „Ich hielte es auch für angebracht", antwortete Theobald spöttisch. Er hatte sich über die burschikose Art der Kleinen doch ein wenig geärgert Sie mußte zum Dienstpersonal gehören, denn die Freunde hatten erfahren, daß Herr von Lötoen ganz allein hauste, feit seine Tochter in einem Schweizer Pensionat untergebracht war. Man mußte es ihm gelegentlich nahelegen, seine Leute ein wenig besser zu erziehen. Jetzt sah er. wie die Kleine gewandt vom Baume herunterkletterte. Theobald war hinübergeeilt, der Kleinen zu helfen. Er kam gerade zurecht, sie in seinen Armen aufzufangen. „Ach, wie schade! Ich wollte doch herunterspringen." „Sie hätten sich sicher weh getan, auf dem harten Boden." „Aber nein! Ich bin eine gute Turnerin! Und gerade Springen gehört zu meinen besonderen Künsten. Doch, jetzt müssen Sie mich endlich loslassen ...“ Eine kleine, verlegene Röte stand auf ihrem Gesicht, während sie den hübschen QHänncrfopf so dicht vor sich hatte, dec sie vom ersten Augenblick cln heftig interessierte. „Damit Sie es übrigens wissen: ich bin niemand von den Dienstboten — ich bin Lucie von Löwen!" „Entschuldigen Sie, gnädiges Fräulein, das habe ich natürlich nicht gewußt. Gestatten Sie — Theobald Fischer. Ich dachte, Sie seien in der Schweiz?" „3a — woher wußten Sie überhaupt etwas von mir? Ich habe Ihren Namen nie gehört. Leben Sie in der Nachbarschaft?" „Ja, gnädiges Fräulein! Ich wohne bei meinem Freund auf Löbbau." „Ach du lieber Gott! Sie sind also der Freund von Gust Richter?! Soso?! Da muh ich Ihnen gleich sagen, daß mein Vater auf Sie ebenso schlecht zu sprechen ist wie auf Doktor Richter. Doktor Richter habe sich zu wenig um seinen Besitz gekümmert, meinte er, und sei selbst schuld daran, daß es so schlecht mit ihm stehe. Und was Sie anlangt, so sieht er jn Ihnen die Ursache, daß unsere Gegend in erst Fabrikland urngewan'celt wird, daß unsere iöstliche Ruhe bald ganz weg sein wird. Er weiß, daß Sie sich mit Ihrem Vater überworfen haben. Ihrer Boxerei wegen. Und man merke Ihnen diesen rohen Sport schon an. weil Sie sich über Tradition und alles hinwegsetzten. Sicher ist das mit der Kohle nur Unsinn. Kein Mensch hat zuvor etwas davon gewußt, bis Sie gekommen waren. Und Gust Richter einen Sparren in den Kopf gesetzt haben! Und nun das ganze Land verschandeln! Und das Ende ist sicher ein noch viel größerer Zusammenbruch ...!" „Potz Blitz!" unterbrach Theobald endlich den Redeschwall. „Sie sind ja eine tüchtige Rednerin und ein ordentlicher Sachwalter Ihres Daters! Ihr Herr Vater scheint genau Bescheid zu wissen wegen Löbbau?" „Aber natürlich! Er kennt ja seit Tagen kein anderes Thema mehr als die entsetzliche Kohlengeschichte und die Richterschen Schulden. Und von ihm bekäme Doktor Richter keinen Pfennig gepumpt, versichert er alle Tage." „So? Das wollen wir ja auch gar nicht, gnädiges Fräulein. Wir zahlen alles mit barem Geld." „Haben Sie denn welches?" „Natürlich haben wir Geld! Und wir werden bald noch viel mehr haben. Werden so viel aus der Erde herausgraben, wie wir nur wollen. So viel, daß Ihr Vater uns noch einmal beneiden wird ..." „Vater braucht niemanden zu beneiden. DaS haben wir nicht nötig. Aber was wollen Sie eigentlich von Vater?" „Ich möchte ihn bitten, uns Futter und Getreide zu verkaufen." „Das tut er nicht! Nein, nein!" „Aber gnädiges Fräulein?" „Nein! Er hält zu wenig von Doktor Richter, als daß er ihm Kredit geben würde. Er weiß, daß Ihre Maschinen und Anlagen noch nicht bezahlt sind. Und er meint, wer mit Schulden anfängt, kommt nie aus den Schulden heraus. Ich fürchte. Ihr Besuch ist vergeblich, Herr Fischer." „Vielleicht haben Sie doch unrecht, gnädiges Fräulein. Ich komme als reeller Käufer: Ihr Herr Vater hat Ueberfluß an Futter und (Betreibe. Weshalb soll er das Geschäft nicht mit mir machen?" »,3ch bitte Sie jedenfalls, Herr Fischer, einstweilen ins Haus zu kommen. Ich habe Sie vorbereitet, damit Sie sich danach richten können." Das junge Mädchen ging dem Besucher voran cns Haus. Dabei nahm sie das Kopftuch ab. Ein blonder, kur^versckviite er Wuschelkops kam zum Vorschein. Ein Schütteln des Hauptes brachte die durch das Tuch angedrückten Locken in die richtige Lage. Theobald Fischer sah mit heißen Augen auf das entzückende Geschöpf, das vor ihm perging. Man konnte der kleinen Kratzbürste nicht böse sein, wenn sie auch noch so unverblümt ihre Meinung sagte. Fräulein von Löwen war nicht eigentlich schön: aber sie war anmutig und sehr graziös, und sie hatte ein unendlich liebes Gesicht. Arn schönsten waren ihre lebhaften, dunklen Augen und ihre blonden Lcckenhaare. „Haben Sie Hunger oder Durst, Herr Fischer? So feindlich sind wir Ihnen nicht gesinnt, daß ich Ihnen nicht etwas Gutes vorsetzen möchte." „Besten Dank, gnädiges Fräulein. Aber ich ver. spüre weder Hunger noch Surft Unsere gute Frau Mertens sorgt ausgezeichnet für uns. Es sieht wirklich nicht so schlimm aus auf Löbbau. wie Sie und Ihr Herr Vater glauben. Und mein Freund ist ein anständiger Mensch." „Eigentlich gefallen Sie mir. Herr Fischer..." Lachend sprudelte es aus dem hübschen Mädchenmund. Dann wurde die Kleine plötzlich brennend rot. Auch Theobald war verlegen geworden. Schließlich ergriff er die feste, kleine Hand des Mädchens und küßte sie ehrfurchtsvoll. „Ich danke Ihnen für dieses Wort, gnädiges Fräulein. Es gibt mir Hoffnung, auch die Abneigung Ihres Herrn Vaters gegen die Löbbauer zu besiegen. Wir sind wirklich harmlose Menschen. das dürfen Sie glauben." lFortsetzung fol^t.) ■faudfy. Auf jeden Gabentisch können Sie Schallplattee) legen und dabei sieher sein, dass Sie damit lang-dauernde Freude bereiten. Aber wählen Sie nur Platten mit dem phonoplastischen Ton I ODEON - Platten und Musika p^p^arat e I erhältlich in jedem guten Fachgeschäft HB MiisikChallier Neuenweg 10 BeWet 1857 MiisiMnslnironle Sprecbamarate SthalWen in bester Ausführung und billig in höchster Vollendung Grobes Lager aller Fabrikate 8#wA OsstKÄrt Original Wellner, 90 u. 100 Gramm Silberauflage sowie diverse andere Fabrikate 100 Gramm Eßmeffer m. Er. 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