Nr. 246 Erstes Blatt 182. Jahrgang Mittwoch, 19. Oktober 1952 GietzemrAWiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'sche Unioer sitäls Buch- und Zteindruckerei K Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Breis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 ° „ mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. 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Gerade die letzte Etappe der Empire- Politik, die Konferenz von Ottawa, hat die Tatsache erneut unterstrichen, datz das Dritische Weltreich als eine Einheit im alten machtpolitischen und militärpolitischen Sinne bald der Geschichte angehören wird. Dann ist die« wirtschaftliche Existenz des industriealisierten Mutterlandes auf der grotzen Insel in der Rord- ffee von der Freiheit und Sicherheit der über- lseeischen Weltverkehrswege abhängig, die England mit den immerhin beschränkten und nicht mehr vollkommen überlegenen finanziellen Mitteln von sich ans nicht mehr unter allen Umstanden mit maritimen Machtmitteln garantieren kann. Darum ist die Rolle des „Friedensmachers", in der sich Macdonald der Welt zeigt, aus Gründen seiner Weltanschauung ebenso ehrlich wie aus den Gründen, die in der richtigen realpolitischen Einschätzung der britischen Rotwendigkeiten liegen. Wenn aber England den Frieden und die Abrüstung braucht, dann ist es gerade vom englischen Gesichtspunkte aus notwendig und wünschenswert, daß der Beauftragte dieser Nation die ihm zukommende und von ihm übernommen« Vermittlerrolle auch so geschickt durchführt, daß er sich E r - olgsaussichten schafft. Es scheint, daß auch die englische Öffentlichkeit davon nicht mehr ganz überzeugt ist. Die Meinungsäußerungen der Londoner Presse standen in den letzten Wochen ost in einem merkwürdigen Gegensatz zu den Handlungen der Herren Macdonald und Simon. Es wäre darum durchaus nicht unverständlich, wenn auch die neueste Aktion des englischen Ministerpräsidenten in den politischen Kreisen seines Landes selbst Kopfschütteln erregen würde. Man hat Deutschland nach Genf eingeladen, und Deutschland hat a b g e l e h n t. Was tut Macdonald darauf? Er lädt uns nochmals ein, und zwar — wieder nach Genf. Kann man denn die Mentalität einer Regierung und eines selbstbewußten Volkes so gründlich mißverstehen? Die Tatsache der Gleichberechtigungsforderung mußte die Welt ja mit der Nase darauf stoßen, daß die deutsche Nation noch dreizehnjährigen Enttäuschungen in der internationalen Verhandlungen wieder ganz zum Bewußtsein ihrer nationalen Würde und der Ansprüche erwacht ist, die sich daraus ableiten. Einer Regierung, di« sich zur Sprecherin dieser Gefühle gemacht hat, kann man doch am allerwenigsten zumuten, daß sie heute Nein sagt und ein paar Tage später mir der Miene des reuigen Sünders sich stockend ein Ja abringt. Herrn Macdonald fällt es schwer, den Sinn unserer Gründe zu entdecken? Ia, du lieber Gott, wenn die Dinge in London sich wirklich so entwickelt haben sollten, datz dort eine brauchbare Grundlage für Verhandlungen zu Viert geschaffen worden wäre, warum hat man uns das nicht im vollen Umfang wissen lassen? Zur Verständigung über solche Dinge ist ein Telegrammverkehr mit der Chiffrefeder wirklich nicht die ideale diplomatische Methode. Man kann uns nicht, wie das am Freitag der vorigen Woche geschehen ist, mit ein paar kurzen Worten darüber informieren, datz sich Herriot und Macdonald geeinigt haben und uns dann in der kurzen Frist von ein paar Stunden vor die Entscheidung stellen, ob wir m i t m a ch e n wollen. Auch jetzt ist man sich in Berlin noch gar nicht im Klaren, auf welcher materiellen Grundlage in London verhandelt worden ist. Rach allen Berichten, vor allem aber auch nach den Darstellungen aus Paris, wird man uns das Mißtrauen und die Zweifel nicht verübeln dürfen. Wenn wir nach Genf gehen sollen, so genügt die Feststellung wirklich noch nicht, datz keine Bindungen vorliegen. Dann brauchen nämlich gerade wir eine Bindung der Anderen, die allgemeine prinzipielle Anerkennung der Gleichberechtigung. Rach dieser Anerkennung im Prinzip läßt sich darüber redc und verhandeln, wie dann praktisch die Rüstungsdinge weiter anzufassen sind und wie man zu freiwilligen Abmachungen über das Matz gelangen kann, in dem die verschiedenen Staaten in der Ausnutzung ihrer grundsätzlichen Gleichberechtigung sich Beschränkungen auferlegen wollen. Hier liegt der Weg zur Abrüstung und zum Weltfrieden. An der Seine spekuliert man aber immer noch darauf, uns die Gleichberechtigung mit der Verewigung blutender Grenzen Im Osten bezahlen zu lassen. Die französischen Sicherheits- Oie deutschen Handelsbeziehungen zu Italien. Ein neues Oevisenabkommen. — Leber die Kontingente noch keine Einigung. Zwischen Deutschland und Italien bestehen zur Zeit Meinungsverschiedenheiten auf zwei wirtschaftspolitischen Gebieten. Das eine ist das der Devisenzuteilung für Exportzwecke, während die zweite Differenz durch die Ankündigung der deutschen Kontingentierungs- Maßnahmen entstanden ist. Zwischen beiden besteht zweifellos ein gewisser innerer Zusammenhang, aber trotzdem wird über beide getrennt verhandelt, und sie sind daher auch gesondert zu betrachten. Das ist im übrigen schon deshalb nötig, weil die Reichsregierung ja bisher ihre Kontingentspolitik keineswegs durch autonome Vorschriften von sich aus zu verwirklichen versucht hat, wie dies von landwirtschaftlicher Seite gefordert worden ist, sondern sie vielmehr zum Gegenstand besonderer Verhandlungen mit den einzelnen Ländern machen will. Im Gegensatz hierzu hatte die italienische Regierung durch die Devisensperre gegenüber dem deutschen Export einen akuten Konfliktsfall geschaffen. Die Verhandlungen, die die Reichsregierung gleichzeitig über die beiden wirtschaftlichen Meinungsverschiedenheiten geführt hat, sind in der Tat auch in zwei getrennten Kommissionen gepflogen worben. Es verhandelten in Rom zu gleicher Zeit eine deutsche Devisen- und eine deutsche Kontingentierungskommission. Das Ergebnis, das erzielt wurde, besteht in einer weitgehenden Einigung über das Devisen- Problem, während die Kontingentierungs- fragen zunächst als unerledigt angesehen werden müssen. Ein neues Clearing-Abkommen soll zwischen Deutschland und Italien an Stelle des gekündigten abgeschlossen werden. Es soll auf der gleichen Grundlage beruhen wie das vor einigen Monaten zwischen Deutschland und Schweden abgeschlossene. Der Hauptinhalt dieses Ueberein- kommens besteht darin, daß auf Grund der Ein- und Ausfuhrverhältnisse des Iahres 1931 bei der Schwedischen Rotenbank eine gegenseitige Verrechnung der Devisenforderungen stottfindet. In gleicher Weise sollen nun auch die für den deutsch-italienischen Warenaustausch erforderlichen Devisen festgesetzt und ausgetauscht werden. Dabei wird der für den umfangreichen deutschen Reiseverkehr nach Italien dienende Devisenbedarf grundsätzlich ebenso wie der warenmähige durch Clearing ausgeglichen werden. Zwischen Deutschland und Italien besteht bekanntlich insofern ein eigenartiges Wirtschaftsverhältnis, als zwar im Warenverkehr ein beträchtliches Ak- tivum zugunsten Deutschlands vorhanden ist, dieses aber dadurch wieder ausgeglichen wird, datz viele Tausende von Deutschen nach Italien reisen und dazu Devisen brauchen, während umgekehrt nur wenige Italiener zu Erholungs- oder Vergnügungszwecken nach Deutschland kommen. Die Gleichstellung des Reise- mit dem Warenverkehr ist daher für Deutschland außerordentlich wichtig. Als ein zweiter Erfolg darf es abgesehen werden, daß die italienische Regierung sich bereit erklärt hat, bei einem endgültigen Zustandekommen dieses Devisenausgleichsvertrags innerhalb von 14 Tagen ihre gegen Deutschland ergriffenen Re- pressaUen, also die Sperre der Devisenzuteilung für den deutschen Warenexport sofort aufzuheben. Damit hat Italien anerkannt, daß zwischen der Devisenzuteilung und dem deutschen Kontingentierungsplan ein Zusammenhang nicht besteht. Selbst wenn es daher nicht zu einer Einigung zwischen Deutschland und Italien über die Kontingentierung der deut- schen Einfuhr kommt, werden die- Italiener auf Grund des geschlossenen Abkommens ihre Repressalien auf dem Devisengebiet nicht wieder aufnehmen. Dieser Teilerfolg tröstet immerhin über die geringen Aussichten einer deutsch-italienischen bedingungen sind ja so weit gegangen, daß sie selbst in London ein völliges Fiasko erleben muhten. Wie sollten wir da der kommenden Entwicklung zuversichtlich entgegensehen? Rein, Herr Macdonald muh seine Rolle als Friedensmacher schon geschickter spielen, wenn er der Welt und seinem Lande den rechten Dienst erweisen will. Südtirol. Kundgebung desAndrcas-Hofer-Bundes. Innsbruck, 18.Okt. (TU.) Hier fand eine außerordentlich gut besuchte Kundgebung für Südtirol statt, die vom Andreas- Hofer-Dun d, Sektion Südtirol, veranstaltet worden war. Der ehemalige Südtiroler Abgeordnete Dr. Reut-Ricolussi schilderte eingehend die gegenwärtige Unterdrückung der Deutschen in Südtirol, die jetzt im Iahre 1932 noch viel ärger sei als in den vorhergegangenen Iahren. Er wies die These einzelner reichsdeut- scher Kreise, daß Italien ein dem Deutschen Reich befreundeter Staat sei, vom Tiroler Standpunkt aus zurück und nahm gegen die von den Italien-Freunden in Deutschland vorgebrachten Argumente zur Zurückhaltung in der Behandlung der Sudtiroler Frage Stellung. Er wies diese Argumente vom Südtiroler Standpunkt aus mit Entschiedenheit zurück und sagte u. a.: Unsere Aufgabe ist die Pflege der Heberzeugung in un- Verständigung in der Kontingentierungsfrage einigermaßen hinweg. Es sind auch noch keineswegs alle Wege zu einer Einigung versperrt. So wird z. B. noch über einen deutschen Vorschlag verhandelt, auf Grund dessen Italien für die Kontingentierung seiner Südfruchtausfuhr durch eine feste Uebernahme größerer Mengen von italienischem Reis entschädigt werden soll. Deutschland würde dafür dann aus anderen Ländern weniger Reis beziehen. Es hat im letzten Iahre für etwa 38 Millionen Mark Reis importiert, die es zum größten Teil ebenso gut in Italien kaufen kann, zumal dieses Land frachtlich günstiger liegt als z. B. Iapan oder China. Die Verhandlungen über die Kontingentierung der italienischen Agrareinfuhr nach Deutschland werden von den beteiligten Regierungen direkt weitergeführt werden. Bei den guten politischen Beziehungen, die zwischen Deutschland und Italien bestehen, ist zu erwarten, daß auch die auf dem Wirtschaftsgebiet vorhandenen Meinungsverschiedenheiten durch Verhandlungen überbrückt werden können. Die Aussichten hierzu haben sich zudem durch das Uebereinkommen über den deutsch- italienischen Devisenausgleich wesentlich verbessert. In jedem Falle hat es den Anschein, datz es sehr viel leichter fein wird, mit den Italienern zu einer Einigung über die Kontingentierung zu gelangen, als mit den Holländern, die sich gegenüber den deutschen Kontingentierungswünschen bisher als völlig unzugänglich erwiesen haben. Die neue Verordnung zur Ergänzung der sozialen Leistungen. Oie Winterzulagen in der Arbeitslosenunterstützung. — Mehrleistungen in der Kranken-, Unfall- und Angestelltenversicherung. Berlin, 19. Ott. (WTB. Funkspruch.) Die neue Verordnung zur Ergänzung von sozialen Leistungen bringt an erster Stelle eine Erhöhung der Arbeitslosen Unterstützung für den bevorstehenden Winter. Arbeitslose, die in der Zeit vom 31. Oktober 1932 bis zum 1. April 1933 versicherungsmäßige Unterstützung oder Krisenunterstützung nach den Lohn- klassen I bis VI mit mindestens einem Familienzuschlag beziehen, erhalten zu der Unterstützung eine w öchentliche Zulage. Die Zulage beträgt, und zwar ohne Unterscheidung nach Lohn- und Ortsklassen, für je sechs Unterstützungstage bei Arbeitslosen mit einem oder zwei zuschlagsberechtigten Angehörigen 2 Mark; sie erhöht sich bei drei oder vier Angehörigen auf 3 Mark und bei mehr als vier Angehörigen auf 4 Mark. Besonders wichtig ist, daß die Zulage bei der Prüfung der Hilfsbedürftigkeit für die versicherungsmäßige Unterstützung und Krisenunterstützung außer Betracht bleibt. Künftig werden alle Orte, die mehr als 5000 0 ©in- wohner haben, der sog. Sonderklasse oder der Ortsklasse A zugerechnet. In allen Orten der Klasse B beträgt die Unterstützung künftig so viel, wie sie bisher nur in den Orten mit mehr als 10 000 Einwohnern betrug. In der Krankenversicherung läßt die neue Verordnung in beschränktem Umfange Mehr! ei stungen zugunsten der Angehörigen der Versicherten auch bei Ueberschreiten des Höchstsatzes wieder zu. Es soll gestattet sein, Krankenhauspflege für Familienangehörige oder einen Zuschuß an Stelle der Krankenhaus-Pflege zu gewähren, ferner das Hausgeld zu erhöhen. Die neue Verordnung schreibt vor, daß die Renten für Unfälle, die sich nach dem 31. Dezember 1931 ereignen, nicht mehr gekürzt werden. Ferner sieht die neue Verordnung Milderungen hinsichtlich der Kriegsopferrenten vor. Rach der Rotverordnung vom 8. Dezember 1931 bleiben von den auf die Sozialrenten anzurechnenden Versorgungsbezügen 25 Mark im Monat vonder Anrechnung frei, soweit es sich um Renten handelt, die vor dem l.Ianuar 1932 festgestellt sind. Diese Freigrenze soll nach der neuen Verordnung auch für die nach dem Stichtage festgestellten Renten gelten. In der Rentenversicherung wird die w i e de r r uf li che Gewährung von Mehrleistungen durch die Selbstverwaltung allgemein zugelassen. Es wird auf Grund der neuen Vorschriften namentlich der Angeste11 - tenversicherung die Erfüllung ihres Wunsches möglich sein, die Gewährung von Waisenrenten und Kinderzuschüssen über das 15. Lebensjahr hinaus, fortzusehen. Die Invalidenversicherung wird leider an die Einführung von Mehrleistungen zur Zeit noch nicht denken können. Die vorliegende Verordnung enthält eine ganze Reihe von Verbesserungen der sozialen Leistungen, soweit sie nur irgendwie wirtschaftlich tragbar sind. Insgesamt belaufen sich die durch die Rotverordnung entstehenden Kysten für die nächsten Monate auf 70 Millionen Mark. Im einzelnen setzt sich diese Summe zusammen aus den Beträgen, die füreine Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung im Winter bis zum 1. April nächsten Iahres vorgesehen sind und die man mit monatlich etwa 11 Millionen Mark veranschlagt, also in fünf Monaten etwa 55 Millionen Mark. Darin sind auch die Mehrkosten der neuen Ortsklasseneinteilung und die zum Ausgleich von Härten für besondere Fälle der Bemessung von Unterjtüöungen ausgesetzten Beträge enthalten. Zu diesen. 55 Millionen kommen noch rund 4 Millionen hinzu, die als Kosten für die Verbesserungen der Unfallren- ten ausgesetzt sind und weitere 10 bis 11 Millionen Mark für d ie Kriegsbeschädigtenversorgung. Oer Feuerüberfall in Simmering Wien, 18. Okt. (TU.) Di« Gerichtskom - Mission, die die blutigen Vorfälle in Simmering untersuchte, hat ihre Arbeiten beendet. Im Nachbarhaus des Parteiheims schienen eine Reihe von Einschuß spuren vorhanden zu sein, was darauf schließen ließ, daß auch die Nationalsozialisten geschossen hätten. Die Schießsachoerständigen stellten jedoch fest, daß diese „Einschußspuren" mit Bohrern oder Meißeln vermutlich schon vorher hergestellt worden seien. Von den zehn Schutzbündlern, die durch Zeugen überführt sind, geschossen zu haben, legten vier ein Geständnis ab. Andere Verhaftete haben gestanden, daß sie sich der Polizei im Parteiheim mit Eisenstangen bewaffnet entgegenstellten. serem Volke, daß uns kein Recht verloren gehen kann, das wir nicht selbst aufgeben. Es gibt keine nationale Verbundenheit mit Ausnahmen und Vorbehalten. Wer dem Südtiroler die deutsche Treue nicht hält, der darf sie auch nicht von dem Oesterreicher fordern. Hier steht viel auf dem Spiel. Das deutsche Volk wird sich zu entscheiden haben, ob es zu der kleindeutschen Politik von Königgrätz zurückkehren oder die nach dem Krieg verkündete grohdeutsche Linie weiter verfolgen will. Die Regierungskrise in'Kumänien Wird Maniu das Kabinett bilden? Bukarest, 18. Okt. (TU.) Maniu, der Führer der Rationalzaranistischen Bauernpartei, wurde am Dienstag vom König empfangen. Beim Verlassen des Schlosses erklärte er, daß er das Angebot des Königs, die Regierung zu bilden und zu übernehmen, nicht abgelehnt habe, daß er sich iedoch mit seinen Parteifreunden beraten müsse. Trotz dieser vorsichtigen Formulierung glaubt die Presse, Maniu werde die Regierung übernehmen, vorausgesetzt, daß er mindestens die formelle Zusicherung erhält, wenig st enszwei Iahre am Ruder zu bleiben und freie Hand für den Wiederaufbau Rumäniens zu bekommen. Heber die zukünftigen Pläne T i t u l e s c u s verlautet noch nichts. Die Hebemahme des Außenministeriums kommt für ihn jedoch nur in Frage, wenn er die Sicherheit hat, daß die Regierung in ihrer Gesamtheit sichbedingungs- los auf seinem außenpolitischen Kurs fest legt. Welchen außenpolitischen Kurs die neu zu bildende Regierung einschlagen wird, läßt sich nicht voraussagen. Man muh sich zunächst mit der Tatsache begnügen, daß sich Maniu einerGläubigerkontrollewidersetzt, die die Voraussetzung weiterer technischer Mitarbeit des Völkerbundes am Wiederaufbau Rumäniens bildet, daß der Ruhlandpakt nicht unterzeichnet werden wird, und daß sichdie Finanzlage immer kritischer gestaltet. Möglicherweise wird der Rachfolger Dajdas eine „Pcllitik der wirtschaftlichen Vernunft" einschla- gen, die sich mit dem bisherigen Herriotkurs nicht mehr vereinbaren ließe. Rücktritt des belgischen Kabinetts Brüssel, 18. Okt. (WTB.) Das gesamte Kabinett ist heute zurückgetreten. Ministerpräsident R e n k i n wird morgen dem König die Demission unterbreiten. Im Kabinettsrat hatten die liberalen Mini st er an ihrem Standpunkt, daß Reuwahlen notwendig seien, festgehalten und jedes Kompromiß abgelehnt. Ob das Parlament aufgelöst wird, steht noch nicht fest, da die Entscheidung hierüber der König zu treffen hat. Die Demission des Kabinetts ist ein Beweis für die tiefgehenden Gegensätze innerhalb der katholisch-liberalen Koalition. Man rechnet nicht mit einem neuen Kabinett von langer AmtSdauer, sondern glaubt, daß Reuw hlen unvermeidlich sein werden. Was lehrt die britische Ausstellung in Kovenlmeu? \ Bon Or. Sigurd Paulsen Kopenhagen, Mitte Oktober 1932. Die Ausstellung für* englische Waren in Kopenhagen bringt ausstellungstechnisch nichts neues. Will man sie mit einem Satz kennzeichnen, so kann man sagen, sie sei eine „Englische Woche", die in Kopenhagen abgehalten wurde. Den Außenstehenden wird es wundern, daß die Dänen, die doch seit über 20 Jahren eine wohl ausgebildete Werbung für ihre einheimischen Waren haben, sich jetzt in so großzügiger Weise sürdas ausländische englische Erzeugnis einsetzen. — Auch Dänen wundern sich darüber. Während der britischen Ausstellung soll es in Kopenhagen mehr englische Soldaten geaeben haben, als dänische. Drei englische Kriegsschiffe lagen im Hafen, und im Ausstellungsgelände spielte täglich in ihrer malerischen Uniform eine schottische Dudelsackpfeifer-Militärkapelle. Mer Dänemark ist in einer Zwangslage. Es führt schon seit vielen Jahren um ein Vielfaches mehr an dänischen Waren nach England aus, als englische Waren in Dänemark gekauft werLen. Nun furchtet man, die Engländer könnten die Einfuhr dänischer Waren, insbesondere dänischer Butter und dänischen Specks zugunsten ihres Außenhandels mit den verschiedenen englischen Dominiens und Kolonien empfindlich ermäßigen. Die Wirt- schastskonferenz in Ottawa hatte ja zunächst einmal vorn Standpunkt der Empire-Völker aesehen den Sinn, daß das englische Mutterland seinen Markt weiter als bisher den Empire-Erzeugnissen öffne. Man brauchte in Dänemark eine weithin sichtbare Geste, die den Engländern beweisen sollte, daß man auch außerhalb des Empire bereit sei, englische Waren nach Kräften zu kaufen. Die Kopenhagener Ausstellung ist also nicht hervor- gegangen aus dem Bestreben, Dänemarks bisherigen ersten Warenlieferanten, Deutschland, wegen irgendwelcher handelspolitischen Verstimmung vom Markte zu verdrängen, sondern aus dem ganz einfachen Motiv, daß es an der Zeit war, den Engländern zu zeigen: Wir Dänen tun, waswir können! Dabei kann es allerdings keine Frage fein, daß die deutsche Ausfuhr nach Dänemark zurZeitschwerbedroht ist. Die rückgängigen Ziffern reden eine deutliche Sprache. Legt man sich Kleine politische Nachrichten. Amtlich wird mitgeteilt: Rationalsozialistische Zeitungen verbreiten das Gerücht, der Bankier Jakob Goldschmidt sei auf Wunsch des Reichskanzlers nach Paris gefahren, um dort über ein« Anleihe von 5 Milliarden Mark zu verhandeln. An dieser Meldung ist kein wahresWort. Sie ist ebenso aus der Luft ge- griften, wie die früher vorgebrachten Behauptungen, die Herrn Goldschmidt mit dem Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung in Verbindung bringen wollten. Gegen den Oberführer der SA.-Untergruppe Mittelschlesien-Süö, o. O b e r n i tz, und seinen Adjutanten, den Grafen S p r e t i, ist im Zusammen- Hana mit Sprengstosfanschlägen im Kreise Nimptsch Haftbefehl erlassen worden. Beide werden steck- einmal die Frage vor, was wir Deutichen zur Abhilfe auf dem Gebiet« der Werbung tun könnten, das die Engländer nun schon seit Jahren mit offenbar befriedigendem Erfolge bearbeiten, so muß die Antwort lauten: Alles! Wir sind auf diesem Gebiete noch ungeheuer rückständig. Man kann für deutsche Ware Gemeinschaftswerbung im Ausland ebensogut treiben, wie im Jnlande! Auch der Engländer wendet sich gegen die entbehrliche Auslandeinfuhr im eigenen Lande und preist gleichzeitig zum Teil mit denselben Werbemitteln die englische Ware im Auslande an. Die Erfahrungen, dre bei der Werbung im Jnlande gewonnen worden sind, werden im Auslande kräftig ausgewertet. Man könnte einwenden, daß die ganze Frage eine Geldfrage fei. Aber das stimmt nicht. In erster Linie handelt es sich um eine Frage der Kenntnisse des Einfuhrlandes, des Taktes und des werbetechnischen Wissens. So manches Werbemittel — übrigens auch die britische Ausstellung in Kopenhagen — finanziert sich ganz oder zum Teil s e I b ft; so manche Haupt- und Staatsaktion, wie die Be- suche des Prinzen von Wales in Argentinien und jetzt in den skandinavischen Staaten erhalten durch geschickte Regie einen propagandistischen Ncbensinn zugunsten der englischen Ware, der durch keine noch so kostspielige Warenwerbung ersetzt werden könnte. Maa die einzelne Werbeaktion, wie z. B. diese englische Ausstellung, rein technisch nicht besonders auf der Höhe sein, das Gesamtbild der englischen Werbung sieht ganz anders aus. Nicht nur in Dänemark, sondern auch in Norwegen, Schweden und Holland sowie in den baltischen Randstaaten herrscht unverkennbar Neigung vor, dem englischen Kunden mehr Ware als bisher abzukaufen und sie wird durch den freundschaftlichen Nachdruck, mit dem die Engländer überall ihre Sache betreiben, entschieden gefördert. Handelspolitisch ist heutzutage nicht mehr ausschließlich eine Sache der divlomati- schen Derhandlungen, sondern sie wird entscheidend mitbestimmt durch Volksbewegungen; es gehört mit zu den Aufgaben der Staats- und Wirtschaftsführung, sie in geeignete Bahnen zu lenken, wobei eine gut geleitete und zweckentsprechende eingesetzte Werbung von größtem Nutzen sein kann. Das sollten wir von der englischen Ausstellung in Kopenhagen lernen. brieflich gesucht. Die Ermittlungen haben ferner zur Festnahme eines SA.-Mannes aus Reichenbach geführt. * Reichstvehrminister von Schleicher ist in Begleitung seiner Gattin und seines Adjutanten, des Hauptmanns Roeldecken, in Dadenwei- l e r eingetrvsfen und im Hotel „Römerbad" abgestiegen. Der Minister beabsichtigt, ettoa 14 Tage in Badenweiler zu bleiben. Artur Henderson ist von der Führung der englischen Arbeiterpartei zurückgetreten. Er behält jedoch den Posten als Parteisekretär und Parteikassierer bei Sein Nachfolger wird Cans- bury, der bisher lediglich Fraktionsführer der Partei im Unterhause war und jetzt wieder, wie dies früher der Fall war, beide Führerstellungen in einer Person vereinigen wird. Der Sächsische Landtag hat den nationalsozialistischen Antrag auf Landtagsauf- lösung gegen die Stimmen der AntragsteUer und der Kommunisten abgelehnt. Aus aller Welt. Diplomatischer Zwischenfall bei einer Lhopiufeier in Warschau. Au einem viel beredeten Zwischenfall kam es in den letzten Tagen während einer Chopin- feier in der Warschauer Philharmonie, zu der auch der Staatspräsident und Vertreter der Regierung, des Sejms und des Senats sowie der französische Botschafter Laroche erschienen waren. Vor den musikalischen Darbietungen hielt der Vizepräsident des Ehopinvereins, Olpinski, eine Rede, in der er Chopin als Sohn Polens und eines Vaters mit ausländischem Namen bezeichnete. Der französische Botschafter verließ nach dieser Rede, wie das nationaldemokratische „ABC" heroorhebt, den Saat Das Blatt ist von der polnischen Behörde wegen der Der- breitung eines Berichts über diesen Zrvrschenfall de- schlagnahmt worden. Ludwig Lang (Oberammergau) f. Der Schnitzer«i-Schul-direktor a. D. und Ehren- burger der Gemeinde Oberammergau, Ludwig Lang, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. — Ludwig Lang erlernte das Schnitzereihandwerk und bildete sich in München als Bilhauer aus. Die Zeichen, und Modellierschule in Oberammergau wurde von Lang zur Schnitzereischule ausgebaut. 40 Jahre stand er an der Spitze dieser Schul«, die auch von der Kreis- und Landesregierung unterstützt wurde. Die Schnitzereischule wurde im Lause der Jahre die bedeutungsvollste Stätte für die weit- berühmte Oberammergauer Schnitzkunst. Auch bei den Passionsspielen entfaltete Ludwig Lang eine hervorragende Tätigkeit. Zweimal hatte er die Oberleitung der Sviele inne. Ludwig Lang ist aber nicht zu verwechseln mit dem bekannten Christusdarfteller Anton Lang. kirchencinslur; infolge des Sturmes. In den letzten Tagen wütete über Leipzig ein heftiger Sturm, der teilweife erheblichen Schaden anrichtete. So wurden in einzelnen Stadtteilen Bäume entwurzelt und Plakatsäulen umgerisien. In Rötha stürzt« der Turm der Marienkirche unter donnerähnlichem Getöse zusam- men. Dadurch wurden alle elektrischen Leitungen zerstört, so daß die Stadt ohne Licht mar. Menschen sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Feuerwehr und Röthaer Bürger haben sofort die nötigen Äbsperrmaßnahmen vorgenommen. Mysteriöser Skelettfund. Wie aus Bad Kreuznach gemeldet wird, fand man bei Ausschachtungsarbeiten am Oranienhos in acht Meter Tiefe ein männliches Skelett. Kleider- und Haarreste waren nicht vorhanden. Das Stelett trug lediglich am Arm eine Medaille, die wohl zur Identifizierung dienen dürfte. Es scheint sich um einen französischen ober algerischen Soldaten zu handeln. An der Stelle, wo das Skelett lag, hatten die Franzosen während der Besatzungszett einen Wassertrog. Eine jugendliche Kraftwagendiebesbande ausgehoben. Bor einigen Tagen wurden in Berlin zwei junge Burschen fe ft genommen, die sich an einem DKW-Wagen verdächtig zu schaffen machten. Sie wurden zur Polizei gebracht, wo sie Des Mll W öeo W Roman von 0ert Nothberg. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 15 Fortsetzung. Rachdruck verboten! 3a, wenn die Karten von ihm waren, dann mußte er sie aber doch fermen? Dann wußte er btvb ganz genau, wer sie war? Als sie das alles überdachte, machte sie gleich daraus eine fluchtartige Bewegung, aber ein empörtes Murmeln ihrer Rachbarn scheuchte sie wieder auf ihren Platz. ilnb die Mutter sagte vorwurfsvoll: „Aber Traute, du kannst doch jetzt nicht auf- stehen." So blieb das Mädchen von nun an regungslos sitzen und blickte nicht mehr auf. Was will dieser Mann von mir? Ich fürchte mich!, dachte sie und preßte die Hände ganz fest ineinander. Endlich war diese Qual, die für sie dieses Konzert bedeutete, zu Ende. Der Beifall durchdröhnte noch den weiten 6aal, die begeisterten Menschen umdrängten das Podium, forderten immer noch eine Zugabe. Aber diesmal kam der Langer nicht mehr. „Was sagen Sie nun, lieber Professor?" fragte dicht neben Traute ein älterer, weißhaariger Herr einen anderen, dessen ausdrucksvoller Kopf Traute irgendwie bekannt vorkam. Der antwortete jetzt: „Gin Genie! Die Stimme ist einfach ein Gnadengeschenk des Himmels. Weshalb hat der Mann nur so lange geschwiegen? Der gehört auf die Bretter, die die Welt bedeuten; es wird ihm jetzt auch nicht mehr gelingen sich zu verkriechen. Ich werde ihn morgen früh gleich aufsuchen." Traute wußte plötzlich, daß sie den Herrn vor kurzem in einer Zeitung abgebildet gesehen. Es war eine bedeutende Persönlichkeit. Wahrscheinlich vom Theater. Der große Sänger und der Mann, der sie belästigt hatte, waren ein und dieselbe Person I Das wühlte sie innerlich auf, um so mehr, als sie nicht mit den Eltern darüber sprechen konnte. Der Vater freute sich nur, daß sie endlich auf ihn gehört und den Weg zwischen den Hecken aufgegeben hatte. Bater Bolscher meinte bann auf dem Heimwege: »Es sind gottbegnadete Menschen, solche Sänger. Hm! Und wenn die nun in jeder Beziehung anders sind als andere Menschen, so darf man sich eben nicht wundern. Freilich, weshalb der Mann gerade unfern Herrn haßt, bleibt unerfindlich- 2wer ich denke mir, daß er sich eine ganz andere Mitgift seiner Frau erwartet hat, und mm ist eben diese Zwietracht gekommen. Hm! Er hat aber doch--hm!" Die beiden Frauen hatten wohl gar nicht so re^t hingehört, so fiel ihnen nun auch der konfuse Schluß nicht weiter auf. Staute ging dann gleich in ihr kleines ©tüb- $ck Dein vor schüttete, fen waren -1®11 £ie ■» kam uni konnten Dassel Sndc.^ len ter < iachöak AachA Unb st 1921 Arbeit- < die Erde Men Dr ja noch, hatte er ser. Eir und nun men. Ei Wort: : Liesse als für wurde. Liste zu Häusern wäre in Ja, es Aber auch W tonnter das 1 Herz" Und 1 Mitlei Röhre schäft auch i gedeckt Es । ges, d gebrau in der wir für auSgebe ieber. 3 unfern ! schlecht« leiden, Zeit fa erste P recht in sollten einmal bettela: Räui das fid von ur die alt Jede größte' daß ja bemerkt der Tü helfen, es der 5 Wählt, Die O hielt gesi tvaldsgar taqsa^. Thema J* führt« den Kein bestand c heit. Qim Die M die vor stimmung brhaltun- heute die Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 19. Oktober 1932. Verschüttete Brunnen. Sie sind fast überall verschwunden, unsere alten Dorfbrunnen. Die Wasserleitungen sind an ihre Stelle getreten. Nur ganz selten sehen wir noch in einzelnen Dörfern den munteren Wasserstrahl, in eine eiserne oder hölzerne Röhre gefaßt, hcr^ vorsprudeln. Die eigentlichen Ziehbrunnen und auch die Pumpen wurden im Laufe der Jahre morsch, und um eine Gefahr zu beseitigen, wurden die Brunnenschächte mit Abfallerde und Steinen zugeschüttet. Sie sind gewesen. Rur einige ganz Vorsichtige ließen ihre Pumpen — trotz Wasserleitung — an Ort und Stelle, auch wenn sie manchmal störten; denn man kann nie wissen... Mein Freund als Anhänger aller Neuerungen war der erste, der seinen Brunnen im Hofe zuschüttete. als die neue Wasserleitung gebaut worden war. „Wofür steht er mir im Weg?" sagte er. „Wir haben es ja jetzt so bequem." 3ch hatte ihn stehen gelassen. Die Zeit gab mir recht. Das trockene 3cchr 1921 kam und mit ihm eine große Wassernot. Wir konnten nur noch morgens während einer Stunde Wasser zapfen. Dann war die Herrlichkeit zu Ende. Wenn andere Arbeit drängte und das Füllen der Gefäße vergessen wurde, mußte man zum Rachbar oder einige hundert Meter weiter zum Dach laufen. Das war ärgerlich. Ein Schluck kühlen Wassers fehlte immer. Lind so traf ich denn auch im Sommer des Jahres 1921 meinen Freund bei einer ungewohnten Arbeit. Er schaffte im Schweiße seines Angesichts die Erde und die Steine wieder aus dem verschütteten Brunnen. Die Mauern und Röhren standen ja noch und nach tagelanger, mühevoller Arbeit hatte er wieder sein schönes, kühles Brunnenwasser. Eine kleine Ersatzpumpe wurde eingestellt, und nun konnten sogar die Rachbarn zu ihm kommen Es ist doch etwas Wahres an dem schönen Wort: Halte, was du hast! — Dieses kleine Erlebnis fiel mir dieser Tage ein, als für die Winternothilfe gesammelt wurde. Die Kinder kamen mit einer fast leeren Liste zu mir. iln& doch waren sie schon in vielen Häusern gewesen. „Wir haben selber nichts!" wäre in den meisten Fällen die Antwort gewesen. 3a, es ist wahr. Wir haben alle nicht mehr viel. Aber sind gar viele menschliche Herzen nicht auch verschüttete Brunnen, die wohl noch fließen könnten, es nur nicht wollen, weil Steingeröll das Wasser verdeckt? Haben nicht viele ihr Herz vergessen in der Hast der letzten Jahrzehnte? Lind damit auch den Brunnen der Liebe, des Mitleids? Es will mir scheinen, als ob die Röhren der rasch und sicher fließenden Wirtschaft vieles überdeckt haben. Und nun stocken auch diese Ströme. Die Brunnen müssen aufgedeckt werden. Denken wir daran! Es gibt in unserm Haushalt immer noch einiges, das wir entbehren, andere aber sehr gut gebrauchen tonnen. Lind sollte nicht auch irgendwo in der Geldbörse noch eine Münze stecken, die wir für ein Glas Bier oder für einige Zigarren ausgeben wollten? Es geht uns schlecht, so sagt jeder. Zugegeben, aber sind nicht gar viele unter unfern Mitmenschen, denen es noch viel, viel schlechter geht? Müssen nicht gar viele stille Rot leiden, die unschuldig an den Wirren unserer Zeit sind? Ihnen zu helfen, muß doch unsere erste Pflicht sein. Wir alle sind Brüder. Erst recht in der Rot. Lind die, die noch etwas haben, sollten stündlich daran denken Auch daran, daß einmal ein Tag kommen kann, an dem sie selber bettelarm sind. Räumen wir die Erde und das Steingeröll, das sich in den bittern 3ahren angesammelt hat, von unserm Herzen weg, und lassen wir wieder die alten Brunnen rauschen: Liebe und Güte! 3ede kleinste Gabe kann unfern Armen die größte Wohltat sein. Trösten wir uns nicht damit, daß ja nun einzelne Zeichen eines Aufstiegs bemerkbar sind. Ein schlimmer Winter steht vor der Tür. und es gilt, mit allen Kräften zu helfen, daß er gut vorübergeht. Dazu bedarf es der Hilfe eines jeden D. Wahlkundgebung der „Eisernen Krönt" Die Ortsgruppe Gießen der Eisernen Front hielt gestern abend in der Turnhalle am Os- waldsgarten eine Wahlversammlung ab. Reichs- tagsabg. Seeger (Dessau) sprach über das Thema „Der Kampf um Demokratie und Recht . Er führte u. a. aus: Der jüngste Reichstag habe den Keim des Todes in sich getragen, denn er bestand aus einer antiparlamentarischen Mehrheit. Am 6. Rovember wähle man nun wieder. Die Arbeiterschaft befinde sich in der Situation wie vor dem Kriege, da sie um ihre Selbstbestimmung zu kämpfen habe. 3m Kampf um ine Erhaltung der Rechte der Arbeiterschaft stehe heute die SPD. allein. Die KPD. sympathisiere im Verlangen nach der Diktatur mit der RSDAP. Das Bürgertum sei politisch bedeutungslos geworden. Politisches Erbe werde nur noch von der SPD. verwaltet. Den Ausgang der bevorstehenden Wahl zu charakterisieren sei nicht schwer. Die NSDAP, werde wesentlich verlieren. Gregor Straßer habe das schon selbst zum Ausdruck gebracht. Die dementsprechenden Feststellungen könne man nur bestätigen. Die NSDAP, habe am 31.3uli ihren Höhepunkt überschritten. Hitler habe insbesondere dadurch enttäuscht, daß er die Verweigerung der Lleberlassung der Macht an die NSDAP, bzw. an ihn selber stillschweigend hingenommen habe. Die Nationalsozialisten hätten es nicht verstanden, sich mit dem Zentrum zu einigen. So sei auch in der denkwürdigen Reichstagssitzung manches anders gekommen, als man es sich bei den Nationalsozialisten dachte. (Der Redner schilderte dann die Vorgänge in der Reichstagssitzung vorn 12. September in einzelnen Zügen.) Jedenfalls habe Reichstagspräsident * Goering nicht verhindern können, daß der Reichstag aufgelöst wurde. Die SPD. wolle den kommenden Wahlkampf nicht um der Sitze willen führen. Die Arbeiterschaft müsse sich jetzt vielmehr zum Griff nach der Wirtscyaft entschließen. Der Kapitalismus sei endgültig überfällig. Man werde den Kampf außerhalb des Parlamentes führen und die Arbeiterschaft durch ein Volksbegehren sprechen lassen, bei dem jeder mit feinem Namen einstehen müsse. Dem Volksbegehren werde die Forderung zugrunde gelegt, die Lage der Erwerbslosen, wie auch der Arbeiterschaft insgesamt zu verbessern. Man werde dadurch die Arbeiterschaft zu einem Bekenntnis herausfor- dern. Die SPD. wolle die Mehrheit der Arbeiter hinter sich bringen. Wenn ihr das gelinge, sei der Erfolg sicher. Bisher habe die SPD. die Mehrheit der Arbeiterschaft nicht hinter sich i gehabt. Es gebe in Deutschland 22 Millionen Hundarbeiter; 25 v. H. derer seien organisiert. 1 Auf dem gestrigen Staatsbürgerabend der Bruderschaft Gießen des Jungdeutschen Ordens im Gasthaus „Hindenburg" hielt der Direktor des Arbeitsamtes Gießen, Regierungsrat Dr. Bues, einen fesselnden und sehr aufschlußreichen Dortrag über den Freiwilligen Arbeitsdienst, bei dem er insbesondere die Verhältnisse in Oberhessen schilderte. Er erinnerte zunächst daran, daß der Freiwillige Arbeitsdienst in Oberhessen Anfang November vorigen Jahres in Gang gebracht wurde. Leit dieser Zeit bis heute sind 442 Maßnahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes mit 9594 Arbeitsdienstwilligen durchgeführt worden. Rund 1,3 Millionen Mark sind durch diese Beschäftigung nach Oberhessen gekommen. Etwa 30 Anträge für weitere Maßnahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes liegen zur Zeit beim Landesarbeitsamt in Frankfurt a. M. zur Genehmigung vor. Zur Zeit sind bei 211 Arbeits-- dien st maßnah men 4106 Leute beschäftigt. Beendet wurden bis jetzt 153 Maßnahmen. Als Notstandsarbeiten wurden bis jetzt 9 Maßnahmen mit 10 711 Tagewerken durchgeführt. Zur Zeit laufen noch 141 Notstandsmaßnahmen mit 307 000 Tagewerken, die, wenn sie mit Arbeitskräften voll aufgefüllt sind, rund 4300 Personen Arbeit bieten. 53 Anträge auf Notftandsarbeiten mit 102 000 Tagewerken für 1174 Arbeiter liegen zur Zeit zur Genehmigung vor. Insgesamt sind durch Notstandsarbeiten in Arbeit gekommen r jro. werden dadurch Arbeit finden 5665 Arbeitslose mit 420000 Tagewerken und einer Vergütung von rund 1 143 000 Mark. 3m Bezirk Oberhessen sind bisher durch den Freiwilligen Arbeitsdienst und durch Notstandsarbeiten rund 2,5 Millionen Mark in die Bevölkerung hereingekommen. Als Teilnehmer am Freiwilligen Arbeitsdienst waren bisher Leute vom 17. bis 68. Lebensjahre zu verzeichnen. Die Arbeitskräfte bis zu 21 Lebensjahren machten 34,5 v. H. der Beteiligten aus, bis zu 25 Lebensjahren waren es 18 o. H., bis zu 50 Jahren 36 o. H., über 50 Jahren 11,5 v. H. Leider wird durch die neuen Bestimmungen über die Zu- lassung zum Freiwilligen Arbeitsdienst angeordnet, daß die Zahl der Leute über 25 Jahre nur auf 10 o. H. aller Teilnehmer zu beschränken ist. Der Berufsstellung nach waren von den Arbeitsdienstfreiwilligen 7 o. H. Angestellte, 50 v. H. Handwerker, 43 o. H. ungelernte Arbeiter. Verheiratet waren 46 v. H., ledig 54 v. H. Die Art der freiwilligen Arbeitsleistung bestand zu 48,5 v.H. aus Maßnahmen die übrigen seien indifferent oder im Lager der Gegner, wie auch bei den christlichen Gewerkschaften. Nun aber werde man die Arbeiterschaft insgesamt herausfordern, indem man an die empfindlichste Stelle rühre, sie gewissermaßen frage, ob sie mehr Lohn, mehr Llnterstühung wolle oder nicht. Die SPD. gehe in den neuen Wahlkampf, um sich die Voraussetzungen zu schaffen für die Aufbauarbeit, die man fortsehen wolle Mit der Aufforderung, die Liste 2 zu wählen, schloß der Redner seine Ausführungen. Daten für Lonnerstaa, 20 Oktober. 1892: der Asrikasorscher Emin Pascha (Eduard Schnitzer) wird bei Kibonge in Afrika ermordet. Vornotizen. — T ageskalender für Mittwoch: Stadttheater, 20 bis 22 Llhr, „Roulette". — Hausbesiherverein, 20 Llhr, Lass Leib, Mitglie- der-Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, 20.30 Llhr, Festabend. — „Erziehung der Kinder zum Ge- b e L“ Der Bund für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule veranstaltet am Freitag, 21. Oktober, 20 Llhr im 3ohannessacll einen Vortragsabend. Pfarrer D. Fritsch (Ruppertsburg) wird übet das Thema „Erziehung der Kinder zum Gebet" sprechen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ernsichtlich. * ** Friedberger Herb st markt. In der Zeit vom 22. bis 27. Oktober findet in Friedberg der Herbstmarkt statt, der als „Deutsche Woche" eine Reihe von Veranstaltungen bringt, die für die Landwirtschaft von hoher Bedeutung sind. Mit dem Friedberger Herbstmarkt ist ein Pferdemarkt und ein Reitertag verbunden, große landwirtschaftliche und gewerbliche Ausstellungen werden gezeigt. Die Berliner Wanderlehrschau „Der entscheidende Augenblick" wird in Hessen zum erstenmal aus diesem Anlaß zu sehen fein. Markteröffnung findet am 22. Oktober, 11 Uhr statt. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. zur Verkehrsverbesserung (Herrichtung von Wegen usw.), zu 12 o. H. aus Bodenverbesserungen (Me- liorationen), zu 8,5 v. H. Hebung der Volksgesundheit (Bau von Sportplätzen, Badeanlagen usw.), zu 5 o. H. Forstarbeiten, zu 26 v.H. Verschiedenes (wissenschaftliche Ausgrabungen, Anlage von Vogelschutzhecken usw.). Der Vortragende schilderte hierauf die verschiedenen Organisatwnsformen für den Freiwilligen Arbeitsdienst. Er erläuterte den sog. offenen und den geschloffenen Arbeitsdienst, da. h. die offene Form, bei der die Arbeitsdienftfreiwilligen nach der Arbeit täalich nach Hause zurückkehren, während die geschlossene Form Lager der Arbeits- dienftsreiwilligen darstellt, in denen diese in geschlossener Gemeinschaft arbeiten, wohnen und auch als Gesamtheit die geistige Betreuungsarbeit genießen. Er schilderte die Vorzüge beider Organisationsformen in klarer Weise und wies bei dieser Gelegenheit u. a. auf die mustergültige Arbeit des von Ärbeitsdienstfreiwilligen besetzten Fliegerlagers bei Nieder-Ofleiden hin, wo durch die Gemeinschaft des Zielstrebens, nämlich der Segelfliegerei, sehr beachtenswerte Ergebnisse erzielt wurden. Sodann besprach der Redner die ge i ft i g e Betreuung der Arbeitslosen, die den Arbeitsdienstfreiwilligen nach Schluß der Arbeitsstunden Gelegenheit bieten soll, sich geistig fortzubilden und dabei Anregungen mannigfachster Art zu gewinnen. Auf diesem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge hat das Hessische Heimatwerk auch in Ober Hessen schon ganz hervorragende Arbeit geleistet. Unter der Leitung von Studienrat Schmidt und cand. theol. Seipp- Gießen sind in 21 Betreuungsbezirken 10 0 Mithelfer als Vortragende über die vielfältigsten Gebiete des geistigen Lebens am Werk, den Arbeitsdienstfrei, willigen geistige Nahrung zu bringen. Hervorzuheben ist dabei, daß die gesamte Arbeit durchaus freiwillig und vollkommen ehrenamtlich, d. h. ohne jegliche Vergütung geleistet wird. Neben der geistigen Betreuung wird die Jugend auch sportlich geschult, wobei sich insbesondere das Institut für Leibesübungen an d e r Landesunioersität Gießen mit seinen Lehrkräften in hervorragender Weise durch uneigennützige Arbeit um die Arbeitslosen verdient gemacht hat. Bei der Schilderung der praktischen Erfahrungen mit dem Freiwilligen Arbeitsdienst in Lwerhessen hob Regierungsrat Dr. Bues hervor, daß in vielerlei Hinsicht der Freiwillige Ar- beitsdienst sich als großer Vorteil erwiesen habe. Den Beteiligten gebe er das Gefühl des eigenem Wertbewuhtfeins wieder. Die Leute fühlten DerImwMge Arbeitsdienst in Oberheffen sich glücklich und zufrieden, daß sie durch diese Möglichkeit überhaupt wieder zur Arbeit kommen konnten. Dafür nehmen sie vielfach auch materielle Einbußen in Kauf, denn der tägliche Lohnsatz im Freiwilligen Arbeitsdienst ist in vielen Fällen geringer als der Unterstützungsanspruch des ein» deinen. 43 v. h. aller Arbeilsdienslwilligen haben in dem Streben nach Arbeitsbetätigung auf die höhere Arbeitslosenunterstützung verzichtet und sich mit der niedrigeren Bezahlung des freiwilligen Arbeitsdienstes einverstanden erklärt, nur um nicht müßig gehen zu müssen, vielfach ging dabei der Verlust des einzelnen Mannes bis zu 45 v. h. Rund 66 v. h. aller Arbeits- dienstfreiwilligen hatten noch einen längeren Unterstühungsanspruch als 80 Tage, den sie trotz der höheren llnterstühungssumme zugunsten des geringer bezahlten freiwilligen Arbeitsdienstes aufgaben. Dieser freiwillige Verzicht auf materielle Vorteile spricht überzeugend für die Arbeitswillig- keit und A r b e i t s f r e u d i g k e i t, die in den breitesten Schichten anzutreffen ist und deren Träger nur eins kennen: das Streben nach Arbeit. Aber nicht nur der einzelne Mensch sucht und findet in der Wiedergewinnung von Arbeit seine volle Befriedigung, auch der Gesamtheit werden auf diesem Wege sehr nützliche Dienste geleistet. Der Redner verlas zum Beweise dessen aus zahlreichen Briefen von Arbeitsdienstfreiwilligen und Bürgermeistern markante Stellen, die den reiche nSegen des Freiwilligen Arbeitsdienstes für den einzelnen, wie für die Gesamtheit eindrucksvoll bekunden. Auf diesem Wege hat sich auch das Verhältnis zwischen den einzelnen Bevölkerungsschichten in zahlreichen Orten wieder gebessert; soziale, politische und wirtschaftliche Spannungen wurden beseitigt bzw. stark gemindert, die gegenseitige Achtung der verschiedensten Menschen kehrte wieder, kurzum das Gemeinschaflsgefühl und das Verständnis für die beiderseitigen Nöte und Sorgen, aber auch für den guten Willen auf allen Seiten kam wieder zur Geltung. Daneben darf die materielle Wertsteigerung auf vielen Gebieten des Wirtschaftslebens durch den freiwiNigen Rrbeitsdienst nicht gering veranschlagt werden. Erfreulicherweise wird diese Tatsache auch in immer weiteren Kreisen mit Befriedigung anerkannt. Mit dem Wunsche, daß der freiwillige Arbeitsdienst auch weiterhin in der Provinz Oberhessen, wie überhaupt sich in gedechlicher Weise zum Seggen aller Beteiligten und der Volksgesamtheit entwickeln möchte, schloß Regierungsrat Dr. Bues seinen außerordentlich lehrreichen, mit großer Spannung und starkem Beifall aufgenommenen Vortrag. Nach einer kurzen Pause schilderte Lehrer K r a u s ch in großen Strichen die Arbeit und das Streben des 3ungdeutschen Ordens auf diesem Gebiete. Er gab dabei die hohen Ziele der 3ungdeutschen Arbeitsdienst-Bewegung bekannt und ließ erkennen, daß hier ein Werk betrieben und gefördert wird, dem man alle Achtung entgegenbringen muß. An einer langen Reihe von Lichtbildern konnte man anschließend den freiwilligen Arbeitsdienst beim werktätigen Schaffen sehen. 3m Verlaufe der Aussprache machten noch Studienrat Dr. König und Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Sommer fesselnde und aufschlußreiche Darlegungen. Oie Beatnienraiswahlen bei der Reichsbahndirektion Frankfurt. WSR. Frankfurt a. M., 18. Olt. Die De- amtenratswahlen bei der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. haben folgendes Ergebnis gezeitigt: Wahlberechtigt 11 835 (1930 — 13143). Es entfielen auf die Liste des Einheitsverbandes 830 Stimmen (1 Sitz, bisher ebenfalls 1), Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner 1537 Stimmen (1 Sitz, voraussichtlich noch 1 Ergänzungsmann, bisher 2 Sitze), Gemeinschaftsliste, umfassend Zentralgewerkschaft Deutscher Deichsbahnbeamten, Gewerkschaft der Lokomotivführer und die Gewerkschaft der technischen Eisenbahnbeamten, 4820 Stimmen (6 Sitze, bisher 8), Nationalsozialistische Arbeitsgemeinschaft 2781 Stimmen (3 Sitze, bisher nicht vertreten). Ungültig waren 171 Stimmen. Kaffee Hag regt an, aber nicht auf! „Alle Bruchleidende“ j werden auf das heutige Inserat des Soezial- bandagisten K. Ruffing aufmerksam gemacht v i ZrAl I G&v vOn 7 wie s-e für el <6 ohne ohne -5?it ist- ,nCr kurzen1 ein> vor *< rette 3’|3-pfdr'schien" Heute Mittwoch: Beginn der Jübiläums-FestWOChe 20 Jahre Lichtspielhaus Lieken lis-bi-- 25.Oktober) A RESTE k Eintritt freil - Gäste willkommenl 7358 D verkaufen. 06088 äußerst billig! \ r Heinrich Hochstätter-Gießen 7369 A 06095 [Vermietungen | Preise. 3404A Schöne 7180D [Stellenangebote| B Neklamcangebot. 06108 Treond vr. Send, Blirgermeister. W 7358D U liefert in bewährter Qualität 06093 58 69 Für 46 erhalten Sie nun höchste 6783 A haben werden. 7370 A 'S» LASSEN sie SICH UNVERBINDLICH IN UNSERER VERKAUFSSTELLE* - BERATEN. lüranÜL Arnold Lohrisch, Kunftgew. Werkstätte, Bad Homburg v. d.H., Kirdorferstrahe 29. - ist mein Ulster Modell „Rheingold".SeinStoFF ist 850 Gramm schwer der Me-, ter, Kette und Schußgezwirnt, also fast unverwüstlich in seiner Dehn- und R e i ß Festigkeit, mit schöner Abseiteu.schwerer Atlas-K'Seiden- Sattelfütterung. 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Kein Wunder, daß sie ganz lebhaft davon träumt, wie eines Tages doch der Ruf nach Hollywood an sie ergeht. Bloß daß sie dort keinen Erfolg hat, und daß sie darauf froh ist, alles nur geträumt zu haben, kann man sich ja denken. Aber was nun? Willy I und Willi II drängen auf eine Entscheidung, aus den beiden guten Kameraden sind böse Widersacher geworden, alles um die Liebe. Schließlich löst sich doch noch alles zur Zufrieden- heit der Beteiligten auf. Das ist eine Ueberrafchung, die jeder selbst erleben muß. Aber wir wollen nicht vergessen, das gelockerte Spiel der Lilian Harvey zu erwähnen, wir wollen uns darüber freuen, daß Willy Fritsch ein so angenehmer, frischer, junger Mann ist, und wir wollen Willi Forst belächeln, der sich so leicht trösten läßt. Und Paul Hörbiger wünschen wir, daß seine gutgelungene Type des Vagabunden mit den philosophischen Zügen Anlaß wird, chm bald wieder eine größere, stärkere Rolle zu geben. Paul Martin erweist sich hier erneut als filmaerechter Regisseur. Und H e y m a n n macht die Musik dazu ... Das filmische Eiland. Interessante Außenaufnahmen zu einem technischen Tonfilm. Insel Rügen, im Herbst 1932. Etwa eineinhalb Dampferstunden von dieser Insel entfernt, deren Laubwälder jetzt der Herbst bunt und leuchtend zu färben beginnt, liegt ein kleines Eiland, die Greifswalder Die; mit ihrer Lots en- station, ihrem Leuchtturm und kaum vierzig Eingeborenen ein verlassenes und kaum bekanntes Inselchen, denn daß Gerhart Hauptmann hier sein Drama „Gabriel Schillings Flucht" spielen ließ — wer weiß das und wer kennt dieses Werk wohl noch? Nun hat dieses Eiland seit einer Reihe von Wochen eine merkwürdige Invasion zu erleben; damals erschien an seiner Steilküste eine kleine Flottille aus einem Hamburger Leichter, einigen Motorbooten und Dampfern bestehend, aus denen massige Maschinen entladen wurden. Der kleine Hafen mit seinen Molen erwies sich als vollkommen unzulänglich. Man mußte einen neuen starken Landungssteg bauen, ein Feldbahngleis vom Strande über den Hang der Küste nach ihrer östlichen Ecke legen, an der der Leuchtturm ragt, gelöscht wurden dann viertausend Tonnen Baustoffe, Sperrhölzer, Balken, Bretter, Eifenplatten, ein Tonfilmwagen und acht große Lichtmaschinen, von denen die stärkste zehn Tonnen wiegt, Scheinwerfer, Kabel, Kameras und Kamerawagen — kurz, es kündigte sich eine Tonfilmexpedition von einhundertfünfzig Menschen, Arbeitern, Monteuren, Malern und Anstreichern an, die das Leben der Eingeborenen und die herbstlich-kühle Ruhe des benachbarten Dstseebades Göhren an der Rügener Küste bunt und geräuschvoll unterbrechen sollte. Warum hier und nirgendwo anders? Konnte die Ufa diese Aufnahmen nicht auch auf ihrem Freigelände in Neubabelsberg herstellen? Warum dieser Aufwand? Weil es sich um einen eigenartigen technischen Film handelt „F P 1 antwortet n i ch t", der nach einem .Roman von Kurt S i 0 d m a k gedreht wird. „F P 1" aber ist weder ein Flugzeug noch ein Geheimzeichen, sondern die Abkürzung für Flugzeug-Stützpunkt 1; also für eine jener im Dzean verankerten eisernen Jnselkolosse, die — heute noch nicht, aber vielleicht in naher Zukunft — dazu bestimmt sind, dem Transozean- flua eine größere Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten. Eine solche technische Insel denkt man sich so, daß sie auf riesigen eisernen Säulen ruht und im Meere verankert wird; sie müßte eine große Plattform tragen, den Start- und Landungsplatz für die Flugzeuge, ein Hotel, einen Leuchtturm, Maschinenhallen' — kurz, eine solche eiserne Insel muß den ganzen Apparat eines Flughafens beherbergen und dazu noch manches Technische, das durch ihre isolierte Lage bedingt ist. Man hat nun bei Hamburg, in der Elbmün- dung von Cuxhaven, die Szenen gedreht, die zwischen den Riesensäulen dieses „F P" spielen; wie das geschah, welche Schwierigkeiten und Gefahren dabei zu überwinden waren, wollen wir hier nicht beschreiben ■— die Filmleute berichten davon mit einem Schauern, aber auch mit berechtigtem Stolz — wir wollen sagen, was jetzt auf der Greifswalder Die »entstanden ist. Hier, auf dem Hochplateau der Dstecke, wo die Küste etwa zwanzig Meter beinahe senkrecht aus dem Meere ragt, liegt der rötlich-braune Eisenbelag der Plattform, zweihundert Meter lang und durchschnittlich etwa siebzig Meter breit, eine gewaltige Fläche. Matt betritt sie und ist verblüfft, wie dieser Flugplatz der eisernen Insel wirklich im Meer zu schwimmen und über den Wassern zu schweben scheint; diese Illusion wird dadurch erreicht, daß man die Fläche über den Rand der Steilküste hinaus vortrieb — sie wird dort durch (im Bild unsichtbare) Balken gestützt — und daß die Plattform durch eine gläserne Rampe abgeschlossen wird, die in den Nächten leuchten und den ankommenden Maschinen den Umriß des „F P" anzeigen würde. Ein wunderschönes Spiel von Farben. Vor uns die enorme Eisenfläche aus rötlichem Braun mit ihrer grünlich schillernden Glasrampe, dahinter die gegen den klaren Horizont ansteigende Fläche des Meeres, grünlich bis bläulich schillernd und schimmernd, und darüber das herbstlich kühle Blau des Himmels, das von leichtem weißen Gewölk überzogen wird. Und siebzig Meter landeinwärts gläserne Hallen mit verschiebbaren Sonnensegeln, die durchaus den Eindruck erwecken, als könnte dieser „F P" irgendwo am Aequator verankert liegen, besonders jetzt, wo das Licht so hell darauffällt, und darüber der zweistöckige Aufbau des Kommando- turms. Dieser ist „wirklich" und „massiv", er hat einen Raum, mit vielen Schalttafeln, Voltmetern und Hebeln; in diesem Saal, dessen Ausstattung an die Zentrale eines Elektrizitätswerks erinnert, wird gefilmt; den Hintergrund bilden breite niedrige Fenster, durch die man wieder einen umfassenden Ueberblick über die Plattform und auf die See hat. Diese Architekturen von einer ausgesprochenen „technischen" Art sind viel stärker gebaut unb fester in der Erde verankert, als es etwa auf dem Neu- babelsberger Freigelände zu geschehen brauchte; dazu zwingt der Wind, der auch verbietet, die Bauten höher emporzuführen, als es geschah. Einerseits ist das alles hier Wirklichkeit, anderseits aber doch nur eine technische Utopie, etwas noch nicht Gewordenes ... und dieses Gefühl erstreckt sich auch auf die Menschen, die hier herumgehen, auffallend viele Matrosen, von denen einige blutige Binden tragen: einerseits, warum sollen hier nicht wirkliche Matrosen Herumlaufen, ander- seits, diese Matrosenmützen haben gewöhnlich die Aufschrift „F P1". Und die blutigen Köpfe haben sie sich bei ihrem Aufstand geholt; denn ein solcher entsteht, angezettelt von einer düsteren Konkurrenz oder einem Nebenbuhler, auf der eisernen Insel, und diese Szenen werden hier eben gedreht. Eine Schar von Scheinwerfern schleudert ihre bläulichen Lichter auf eine Menschengruppe: Hans Albers und Paul Hartmann wechseln harte Worte, und im Hintergründe schleicht Speelmanns umher und sieht aus wie ein böser Intrigant. Sybille Schmitz hat eben nichts zu tun, und der Regisseur Karl Hartl sitzt unter der Kamera und gibt in seiner zurückhaltenden, aber äußerst eindringlichen Art seine kurzen Anweisungen. A. Berliner Filmpreniieren. „Mieter Schulze gegen alle." „Der bionve Traum." Die Geschichten eines Großstadthauses will der neue Tonfilm des Carl Froelich-Kollektivs erzählen. Deutlicher wäre der Ausdruck „Mietskaserne". In diesen menschenüberfüllten Kästen der Großstädte spielt das Leden so häßlich und so gemein: jeder Amtsrichter, jeder Rechtsanwalt weiß davon zu erzählen, der in Beleidigungsklagen schlichtend, an- klagend ober verteidigend eingreifen mußte. Ein lächerlicher Zufall, eine Bagatelle, bringt den Stein ins Rollen; zwischen zwei Manschen, zwischen zwei Familien, entsteht bitterer, haßerfüllter, nicht nieder- zuzwingender. -streit. Unb niemanb im Hause kann sich bem entziehen, jeder muß Partei ergreifen, weil ihn jebe Partei umbuhlt. Wo ist bas Recht? Beim Stärkeren, beim wirtschaftlich Gefestigten, wie es ber Froelich-Film zunächst zeigt? Eine ganze Reihe von Schicksalen werben hineinverwoben in bas Gemisch von Haß, Neid unb wirtschaftlicher Abhängigkeit; bie nieberträchtigen Klatschzungen tun bas Ihre an Giftstoff hinzu, ber Aerger und die Wut macht auch die Anständigen erbittert und ungerecht. Es muß zur Explosion kommen, die hier in dem neuen Tonfilm durch eine meisterhaft aufgebaute Gerichtsszene ausgelöst wird. Wir sind mit derartigen Gerichtsverhandlungen im Film nun schon bestens vertraut, sie werden von den Film- bichtern und Regisseuren genau so geschätzt wie die Bar ober ber mondäne Ballsaal. Daher geht von diesen Szenen oft penetrante Langeweile aus. Hier ist es anbers. Rechtsanwälte, Parteien, Zeugen verhalten sich tatsächlich so, wie es bem Leben bes Alltags entspricht. Unb ein weiser Richter bringt bas happy end nicht etwa besmegen zustanbe, weil das Manuskript das so vorschreibt, sondern weil er den Wust von Lüge, Klatsch und drohenden Meineiden durchschaut und durch imponierende Menschenkeynt- nis den Opfern der Mietskaserne bas aufzwingt, was Recht unb Gerechtigkeit im Volksempfinden bebeuten. Keine im Menschen schlummernde schlechte Eigenschaft wirb vertuscht ober mühsam ins Gegenteil umgebogen; bie armen Leute finb hier wirklich arm, unb bie einfachen Gemüter triefen nicht so wie sonst vor lauter Edelmut und Anständigkeit. Daß Paul Kemp den Mieter Schulze völlig echt und milieu- getreu spielt, war ebenso zu erwarten wie die glaubwürdige Darstellung der Mutter Schulze, die um ihre besudelte Wäsche weint, durch Ida Wüst. Leonhard Stecke! als wildgewordener Schlächtermeister mit den Hauspascha-Allüren wirkt höchst überzeugend, und Trude Hesterberg legt eine Schlächtersfrau hin — wundervoll! Eigentlich verdient jedes Mitglied des Kollektivs sein besonderes Lob, Trude B r i 0 n n e zum Beispiel, Paul Henckels und Ernst K a r ch 0 w. Christiane G r a u t 0 f f freilich verliert viel von ibn ''nmut durch die Sprache. Ein Gewinn für den T 1 ist aber Heinz Welze 1, ein neuer jung- nn, der sich wie ein Mensch aus unseren Rc.yen gibt. Warum ist so etwas auf der tönenden Leinwand so selten zu sehen? Die Ufa hat in ihrem Theater am Kurfürsten- bamm bem Froelich-Kollektiv unb seinem Film einen guten Start bereitet. Der Erfolg wirb ben Spielern unb ihrem Regisseur Mut zu weiteren guten Dingen machen. In bem Ufa-Tonfilm „Der blonbe Traum" hat es bie kleine Lilian Harvey besonders schwer. Sie soll sich zwischen zwei Männern entscheiden, unb ber eine ist so nett unb zuverlässig, wie Willy Fritsch, währenb ber dnbere ein lustiger, charmanter Bruder Leichtsinn ist, ber Willi F 0 r st so verdächtig ähnelt. Beide jungen Leute haben trotz ihres Berufes als Fensterputzer ber Firma Blitz & Blank soviel Zeit, daß sie sich ausgiebig um die kleine Artistin kümmern können, bie ihnen ba per Zufall in bie Arme gerannt ist. Unb sie gewinnen Bunte Lichtbilder von Gchwarz-weiß-Kilmen. Von Max Mischer. (Nachdruck verboten!) Wenn Sie noch einen noch so schönen Zehn- Nöhren-Funkempfänger haben, aber auch wenn Sie keinen besitzen, verehrter Leser, so empfangen Sie doch dauernd elektromagnetische Wellen mit dem Detektor, und zwar haben Sie sogar zwei solcher Detektoren. 3m gewöhnlichen Sprach" gebrauch nennt man sie allerdings anders, nämlich ganz einfach Äugen. Freilich Wellen von jeder Länge können Sie nicht damit empfangen, so z. D. nicht unsere Funkwellen, einerlei, ob sie nun mehrere Kilometer Länge haben oder nur 7 Meter, wie sie der neue Lleberkurzwellen- sender auf dem Funkturm in Berlin aussendet. 3a selbst viel kürzere Wellen empfangen unsere Qlugen nicht, denn sie sprechen nur auf Wellenlängen von ungefähr 4 bis '7 zehntausendstel Millimeter Länge an. Allerdings die Wellen selbst können wir nicht sehen, aber wir sehen die Gegenstände, von denen sie ausgehen oder zurückgeworfen werden. Sendet ein Gegenstand, sei es eine Lichtquelle oder ein zurückwerfender Gegenstand, Wellen im ganzen Bereich von 4 bis 7 zehntausendstel Millimeter aus, so empfinden wir das als weiß. Sendet ec nur solche von 4 bis 5 zehntausendstel Millimeter Länge aus, so nennen wir das blau, bis 6 zehntausendstel Millimeter Länge empfinden wir das Licht und damit den zurückwerfenden Gegenstand als grün, und wenn nur Wellen von 6 bis 7 zehntausendstel Millimeter Länge in unser Auge treffen, dann glauben wir rot zu sehen. Gegenstände erscheinen uns also dann z Ö- rot, wenn sie Licht von einer Wellenlänge von 6 oder 6,5 bis 7 zehntausendstel Millimeter Länge zurückwerfen, Wel- len von anderer Länge aber verschlucken. 2Iuf diese Weise sehen wir bunte Bilder bunt. Man kann eigentlich nicht sagen, daß die rote Farbe tatsächlich rot sei, es ist eben ein Stoff, der nur bie roten Lichtstrahlen zurückwirft. Ebenso ist ein rotes Glas nur dadurch rot, daß es allen Wellen außer den roten den Weg versperrt und nur die roten hindurchläßt. Olun ist es ein alter Wunsch der Lichtbildner und Lichtspieler, die Gegenstände aus der Natur in natürlichen Farben aufnehmen und wiedergeben zu können. Aber dieses Beginnen wäre ganz aussichtslos, wenn es sich nicht herausgestellt hätte, daß man nur mit drei Farben auskommt, nämlich mit rot, blau und gelb. Durch Mischen dieser Farben kann man alle anderen Farben hervorbringen. Beim Aufnehmen von Lichtbildern kann man das so machen, daß man drei Bilder vom selben Punkt aus aufnimmt, nämlich eins durch ein rotes, eins durch ein grünes und eins durch ein blaues Filter. Wenn man nun diese drei Bilder in einem Druckverfahren mit den entsprechenden Farben, also das durch das rote Filter aufgenommene rot usw., aufeinanderdruckt, dann bekommt man schon recht gute und den Naturfarben einigermaßer entsprechende Bilder. Will man durchsichtige Bilder farbig auf die Leinwand werfen, so kann man dabei so verfahren, daß man die Filme in der Farbe des Filters, durch das sie aufgenommen sind, einfärbt, und sie genau aufeinander legt, um sie bann zu durchleuchten. Man kann die verschiedenfarbigen Bilder auch getrennt sehr schnell hinter einander geben, also immer zuerst ein rotes, dann ein blaues unb dann ein grünes, dann wieder ein rotes usw. Aber das hat seine Schwierigkeiten, denn wenn sich die Gegenstände zwischen den verschiedenfarbigen Aufnahmen bewegt haben, dann decken sich die Farben nicht mehr, und das sieht dann nicht sehr schön aus und wirkt lächerlich. Man hat deshalb ein anderes Verfahren gewählt, indem man auf einem Film durchsichtige kleine Körnchen svn etwa Vioo Millimeter Durchmesser gebracht hat, von denen je ein Drittel rot, grün und blau ist, und zwar verwendet man als Film dabei einen sogenannten Umkehrfilm. Damit hat es folgendes Bewandtnis: Es ist ja allgemein bekannt, daß auf der Lichtbildplatte das schwarz wird, was in Wirklichkeit weih ist und umgekehrt. Da es beim Kopieren ebenso ist, so wird es dann wieder richtig. Nun ist es natürlich unbequem, daß man kopieren muß, namentlich auch für die Leute, die gern selbst Filmaufnahmen machen, weil zum Kopieren von langen Filmstreifen besondere Einrichtungen erforderlich sind. Man hat deshalb diese Filme so eingerichtet, daß ihre Bildhelligkeiten durch Hineinstecken in ein Bad umgekehrt werden, das heißt, daß das schwarz wird, was vorher weiß war und weih, was schwarz war, also der Wirklichkeit entsprechend, daher der Name Umkehrfilm. Wenn also beim Aufnehmen eines Films mit solchen bunten Körnchen ein rotes Körnchen von rotem Licht getroffen wird, so geht das rote Licht durch das Körnchen hindurch und der Film wird an dieser Stelle schwarz, beim Llmkehcen also durchsichtig. Wenn man nun diesen Film gegen das Licht betrachtet oder durchleuchtet, so scheint das Licht durch die durchsichtige Filmstelle und durch das rote Körnchen hindurch und man sieht rot. Durch die benachbarten grünen und blauen Körnchen kann man dagegen nicht durchsehen, weil das rote Licht bei der Aufnahme nicht durch sie hindurchgegangen ist, also den Film nicht schwarz gefärbt hat; aber beim Llmkehren ist er dann schwarz geworden, und so sieht man eben durch die blauen und grünen Körnchen nicht hindurch. Da nun die Körnchen so dicht beieinander liegen, daß man sie mit dem Auge nicht mehr trennen kann, so sieht man eben die ganze Fläche rot, wenn auch dunkle Flecken von doppelter Gröhe darin verstreut sind. Leider gibt es keine Möglichkeit, diesen Film zu kopieren. Man kann also nur durchsichtige Bilder damit Wertteilen, die allerdings wunderschön sind, aber natürlich zum Projizieren auf die Leinwand sehr viel Licht brauchen, da sie ja nur einen Bruchteil des sie treffenden Lichtes durchlassen. Neuerdings hat nun die Interessengemeinschaft der Farbenindustrie einen Film für Filmliebhaber herausgebracht, der eine ganz wichtige Lösung für das farbige Bild bringt. Für diesen Film geschieht die Aufnahme so, dah in den Weg der Lichtstrahlen ein rundes Farbfilter gesetzt wird, das in der Mitte einen senkrechten durchsichtigen blauen Streifen hat, während die Halbmonde rechts und links durchsichtig rot und grün sind. Nun wird der Film von der Rückseite her belichtet. Auf dieser Rückseite trägt er lauter kleine Linsen, die durch Einpressen hergestellt werden. Wenn man nun etwas auf einen solchen Film aufnimmt, so bewirken die Linsen, dah das durch den roten Teil des Filters fallende Licht die Filmschicht in einem Streifen trifft, das durch den blauen Teil fallende in einem Streifen daneben, und das durch den grünen fallende wieder daneben, dann folgt wieder ein Streifen der vom roten Licht erzeugt wird usw. Der Film wird dabei Menschen wie Du und ich... Sdmregiffeur sucht Laiendarsteller. Von Max Lenz. Ein bekannter Kulturfilmregisseur, Dr. Edgar B e y f u ß , Verfasser der „Wunder des Films", „Den schickt er in die weite Welt" und „Heimkehr", bereitet augenblicklich eine Serie von zehn Filmen vor, die bei der großen Masse des Publikums regem 3ntereffe begegnen dürften. Er will Ein- und Zweiakter drehen, deren Reiz darin liegt, dah sie nicht von berufsmäßigen Darstellern, sondern von Laien gespielt werden. „Menschen wie Du und ich" — dies der Titel der Gesamtserie — sollen gezeigt werden — mit Menschen, wie ich und 3hr. Die Manu- skripte, drei sind bereits fertig, sind so gehalten, dah sie nicht von „Stars" abhängig sind. 3eder Mitwirkende hat nur in ein paar Szenen zu tun. Der erste Film hat auf diese Weise 35 Hauptdarsteller, der zweite schon 62 und der dritte gar über 100, wenn nicht noch mehr. Es wäre nun schwierig, dafür die geeigneten Kräfte unter den „ Fachleuten" zu finden. Außerdem ist Dr. Deyfuh bemüht, Menschen wiederzugeben, „wie Du und ich", und es wäre ihm nicht damit gedient, wenn er sie von Schauspielern kopieren ließe. Benötigt er zum Beispiel einen Chauffeur, so wird er sich ihn von der Straße holen; will er einen Studenten haben, so will er ihn in der Masse der Hochschüler entdecken. Braucht er eine Tänzerin (keine Artistin) — nun, in einem der Cafes wird er sich schon das kleine Mädel aufspüren, das ihm am besten für die Rolle geeignet erscheint. 3eder kann auf diese Weise seinen Traum erfüllt sehen, einmal mitfilmen zu dürfen. Ob er dann aber gleich die Laufbahn eines Fritsch oder einer Harvey wird einschlagen können, wird erst der vollendete Film entscheiden. Der erste Film heißt „Klatsch", beginnt mit dem Zeitungsbericht über einen Selbstmord. Der Ansager schlägt den Kalender zurück. Was trieb den Liane Haid. ------ Liane Haid in der Tonfilm-Operette „3 H will nicht wissen, wer Du bist.. mit der das Gießener Lichtspielhaus heute eine Jubiläums-Festwoche aus Anlaß seines zwanzigjährigen Bestehens eröffnet nicht farbig, sondern ist schwarz und weih, wie es die bisherigen Filme sind. Natürlich ist die Filmschicht auch eine llmkehrschicht Wenn man nun einen solchen Film nach dem ©nttoideln und Amkehren durch ein gleiches Farbfilter auf die Leinwand wirft, so bewirken die Linsen .auf der Rückseite des Films, dah das Licht, das Rot erzeugen soll, durch den roten Teil des Filters geht, also — obwohl der Film an sich keine bunten Farben enthält — auf der Leinwand rot erscheint. Ebenso ist es mit grün und blau. Da Mischfarben bei der Aufnahme beispielsweise im rot und blau entsprechenden Streifen auf dem Film erscheinen, das heiht in diesen Streifen die Filmschicht beeinflussen, so wird bei der Wiedergabe auch Licht durch den blauen und roten Filterteil geworfen, so daß auch auf der Leinwand die Mischfarbe erscheint. Die Bilder sind wunderschön. Wir haben kürzlich Bilder gesehen, z. B. das Bild einer Landschaft mit einem Bauernhaus mit Gewitterwolken, von dem man wohl sagen kann, daß es selbst vom besten Gemälde nicht an Farbenpracht und Naturtreue erreicht werden kann. Laufbildaufnahmen von Tieren in Stellingen, z. B. Affen, Bären und bunten Papageien, waren geradezu fabelhaft. Aber wie alles Gute nie beisammen ist, so auch hier: Man kann auch diese Bilder nicht kopieren. Sie eignen sich daher nur in beschränktem Maße für das Lichtspielhaus. Man fertigt daher solche Laufbildfilme in 16 Millimeter Breite für die Kleinfilmkammer an, so dah der Filmliebhaber, der ja nur einen einzigen Film braucht, seine Filmbilder künftig in natürlichen Farben wiedergeben kann, ohne dah er dazu bunte Filme braucht. Das einzige war er zu tun hat ist, dah er zur Aufnahme die Filme mit eingeprehten Linsen benutzt. Die Möglichkeit, auf diese einfache Weise bunte Bilder zu erzeugen, wird der Liebhaber-Lauf- bilbfilmerei ohne Zweifel viele neue Anhänger zuführen, zumal die Geräte zur Aufnahme und zur Wiedergabe solcher Laufbilder in letzter Zeit nicht nur besser, sondern auch so billig geworden sind, daß sich ein größerer Kreis als bisher diese Liebhaberei leisten kann. Namentlich wer seine Kinder so im bewegten Bild in natürlichen Farben aufnehmen kann, wird chnen und sich später immer wieder viel Freude bereiten. Dierundzivanzigjahrigen in den Tod? Das Gerede der ßeute. Uni) nun zeigt die Kamera Bild für Bild, wie sich eine harmlose Bemerkung durch den Tratsch zu einer giftigen Waffe verdichtet, die den Betroffenen zur Bezweiflung treibt Nachher will es keiner gewesen sein. 3n diesem Film vermeidet es Dr. Beyfuh, daß die handeln- den Personen zu häufig auftreten. Cs ist wie in Schnitzlers „Reigen": stets dieselbe 3dee, aber immer wieder neu gestaltet. Der zweite Film: etwas ironisch .Blaue Sehnsucht". Geburt eines Schlagers. Der Komponist ist unbekannt, ein geschielter Literat beansprucht den Erfinderruhm für sich. Ueberall wird er gespielt, in Tanzcafss ebenso wie — zuletzt — auf dem Leierkasten. Wieder eine durchgehende 3dee, ober andauernd wechselnde Darsteller. Der dritte Stoff: „3n Deutschland kennt keiner Deutsch". Parodie auf den deutschen Sprachenwirrwarr. Hier werden vielleicht zwei Derufs- schauspieler Mitwirken müssen. Sie stellen ein englisches Ehepaar auf der Reise durch Deutschland — überall bringt man ihren andere Dia'elte bet Ihre frisch erworbenen Kenntnisse vermögen sie kaum zu verwerten. Bei diesem Sprachenfilm wirdDr. Beyfuh in die betreffenden Gegenden fahren und sich Originale von der Straße weg suchen, die am unverfälschtesten das 3diom ihrer Heimat beherrschen. DciilsAland aus der Olympiade in Los Angeles. Die Organisation der deutschen Deterlr- gung an der Olympiade in Los Angeles, Sommer 1932, hat in der Öffentlichkeit starke Kritik hervorgerufen. Auch der.Gießener Anzeiger" hat sich seinerzeit damit beschäftigt. Run erhalten wir von dem soeben aus Amerika zurückgekehrten Sportarzt der deutschen Delegation, Herrn Dr. med. F. Heiß, eine Zuschrift, die über die Schwierigkeiten berichtet, denen die deutschen Teilnehmer auf der Olympiade ausgesetzt waren. Wir geben von dieser Zuschrift um so lieber Kenntnis, als Dr. Heiß rot einigen 3ahren als Assistent an dem Llniversitätsinstitut für Körperkultur in Gießen tätig war und sich um das Aufblühen des Sportbetriebs in unserer Uni- berfität damals sehr verdient gemacht hat. Erinnert sei nur an die Sprungschanze auf dem Hoherodskops, deren Bau zu einem nicht geringen Teil der 3nitiative und Tatkraft des Herrn Dr. Heiß zu verdanken ist. 3n der Zuschrift heißt es: Für die richtige Verpflegung und den Gesundheitszustand unserer Mannschaft hatte ich Sorge zu tragen. Es ist keine Kleinigkeit, 87 hochtrainierte Sportsleute, zu denen noch die gesamte österreichische Mannschaft kam, auf einer Reise von 10 000 Kilometer, die durch die verschiedensten Klimata führte, gesund und munter zu den olympischen Spielen zu bringen. Die Ernährungsform für die Reise war in langer Vorarbeit mit den Führern der einzelnen Mannschaften festgelegt worden. Dabei waren die Angaben von deutschen Aerzten, die in Kalifornien leben, berücksichtigt worden. Wir bemühten uns nach Möglichke t, die den einzelnen Leuten von zu Hause aus gewohnte Ernährungsform beizubehalten, soweit dies mit den Einwirkungen des Klimas und der Erlangung der Rohstoffe sich vereinbaren ließ. Bei einer Mannschaft, die sich aus Vertretern der verschiedensten Sportarten zusammensetzt, müssen auch die verschiedensten Ernährungsformen berücksichtigt werden. Die einen sind gewohnt, vorwiegend Fleisch zu essen (das in diesem Falle abwechslungsreich und leicht verdaulich sein mußte), die anderen wollen. vegetarisch leben, der eine ißt keinen Fisch, der andere keinen sauren Salat usw. Eine Speisekarte für eine solche Mannschaft muß natürlich sehr umfangreich aussehen. Aus der Zahl der dargebotenen Speisen wurde von den Mannschastsführern das jeweils Richtige für die einzelnen ^eute heraus- aewählt. Diese waren auch verantwortlich für die Menge, die der einzelne erhalten sollte. Die Behauptung, daß unsere Olympiakämpfer „auf dem lieber* fahrtdampfer zu stark den kulinarischen Genüßen zusprachen", trifft nicht zu. Sie haben genau so viel gegessen wie die Oefterreicher und Tschechen, die sich uns auf der Hinfahrt angeschlossen hatten. In den ersten Tagen wirkte natürlich das Seeklima, wie bei allen Reisenden, appetitanregend was besonders deutlich bei unseren jungen kräftigen Sportsleuten in Erscheinung trat. Es war gut, daß die Wett- tämpfer an Bord etwas an Reserven zu sich genommen haben, denn während her heißen Fahrt durch den amerikanischen Kontinent haben sie beträchtlich an Gewicht abgenommen. Bei Beginn der Wettkämpfe war bei den meisten das normale Trainingsgewicht vorhanden, einige waren sogar darunter. 3ch weiß nicht, ob Sie eine Vorstellung haben, wie schwierig die Ernährung einer solchen Mannschaft unter den verschiedensten Klimaverhältnissen ist. Wählend andere Rationen in Los Angeles schwer unter Verdauungsstörungen zu leiden hatten — besonders häufig traten sie z. D. bei den 3apanern auf, obwohl diese allein fünf Aerzte und einen eigenen Koch mithatten (Mitteilung des amerikanischen Lagerarztes) —, hatten wir bis zum Sinken der olympischen Flagge unter keinerlei Verdauungsstörung und auch keinerlei nennenswerten Erkrankung zu leiden. Erst auf der Rückreise, als die strengen Vorschriften nicht mehr so genau innegehalten wurden, traten einige Verdauungsstörungen auf, weil jetzt gegen meinen Rat auch Speisen genossen wurden, die auf der „schwarzen Liste" standen. — Hervorheben möchte ich noch, daß eine Beurteilung der Verpflegung im „Olympischen Dorf" selbst von den 3oumalisten nicht möglich war, da kein Pressevertreter in das Dorf durste. Die richtige Verpflegung in den letzten 10 Tagen vor Beginn der Wettkämpfe war aber bedeutend wichtiger, als sie es auf der Reise gewesen war. Weiter ist noch zu sagen, daß Deutschland drei goldene, dreizehn silberne, vier bronzene Medaillen errungen hat, daß 14 mal der vierte, 8 mal der fünfte und 5 mal der sechste Platz belegt wurde, so daß 87 deutsche Athleten also 20 Preisträger stellten und im ganzen 47 mal unter den ersten sechs waren. Damit steht die Mannschaft prozentual besser da als die 201 Athleten, die 1928 in Amsterdam waren. Zwischen 30 Offiziellen, wie der Artikel angibt, waren es nur 20, von denen noch einige Angehörige des olympischen Komitees sind und somit gar nicht zur Mannschaft gehörten. — Das Märchen über Helene Mayer entspricht ebensowenig der Richtigkeit wie die Meldung, daß die deutsche Sportoehörde (ein privater Verband und keine staatliche Behörde) von den Geldern der deutschen Steuerzahler zum größten Teil erhalten wird. Oie spinale Kinderlähmung. * Eichelsdorf, 18. Okt. Heute wurde hier bei einem etwa vier Jahre alten Mädchen spinale Kinderlähmung festgestellt. Dis jetzt ist eine Lähmung des rechten Armes eingetreten. Oie hessische Mehgerschast und die Schlachtsteuer. WSR. Darmstadt, 18. Oft. Die Führer der hessischen Metzgerschaft, die Stadträte Decker (Offenbach) und Falk (Mainz), beide Mitglieder der Hessischen Handwerkskammer, hatten wegen der Einführung der Schlachtsteuer in Hessen eine Besprechung mit dem Finanzminister Kirnberger. Sie erklärten ihm, daß die Schlachtsteuer eine schwere Belastung für die gesamte Bevölkerung bedeute. Es sei unmöglich, daß sie der Metzgermeister allein tragen könne, zumal das Fleisch in Hessen ohnehin sehr start belastet sei, so in Offenbach mit 8 Pf. pro Kilo. Der Finanzminister erklärte, daß die Regierung nur ungern die Schlachtsteuer einführe, aber sie sei durch die Finanzlage dazu gezwungen. Alle deutschen Länder rings u m Hessen hätten sie bereits eingeführt. Er sagte ihnen aber zu, daß ihre Wünsche nach Möglichkeit berücksichtigt werden sollten, und daß namentlich darauf Rücksicht genommen werde, daß in Hessen die örtlichen Schlachthofgebühren höher seien als in Preußen, so daß die hessischen Schlachtsteuersätze unter den preußischen liegen würden. Die Vertreter der hessischen Mehgerschast nahmen noch Bezug auf den vom Finanzausschuß einmütig geäußerten Wunsch auf Befreiung der Hausschlachtungen von der Schlachtsteuer und machten darauf aufmerksam, daß Württemberg, das in letzter Zeit die Schlachtsteuer einführte, die Hausschlachtungen nicht ausgenommen habe. Bei dem gewaltigen Umfang der Hausschlachtungen in Hessen — es werden von den Landwirten jährlich nahezu 80000 Schweine geschlachtet — gingen große Steuersummen verloren, um welche die allgemeinen Steuersätze bei Besteuerung der HaussPachtungen gekürzt werden könnten. Das Fleischergewerbe befinde sich angesichts der verminderten Kaufkraft der Bevölkerung in schwerer Rotlage. Gegen die Hausschlach- tungen der Landwirtschaft für den eigenen Bedarf sei nichts einzuwenden, aber es müsse verlangt werden, daß sie in gleicher Weise besteuert würden wie die Schlachtungen der Metzgerschaft. Der Finanzminister dankte den Herren für ihre Ausführungen und erklärte, daß er dem Gesamtministerium davon Kenntnis geben werde, dessen Entscheidung noch in dieser Woche zu erwarten fei. Wirtschaft. Frankfurt zurückhaltend still. Frankfurt a. M., 19. Okt. (WTB. Drahtmeldung.) Die heutige Börse eröffnete außerordentlich still und geschäftslos, da sich weder das Publikum beteiligte, noch die Spekulation bemerkenswerte Umsätze oornahm. Der Grund für diese allgemeine Zurückhaltung ist wohl in der Unsicherheit vor den Reichstagswahlcn zu suchen, die in immer stärkerem Maße auf das Geschäft drückt. Dennoch war die Grundstimmung auf die gestrige Besserung in Neuyork etwas freundlicher, wenn auch die Kurse gegen den Vorabend kaum Veränderungen aufwiesen. Eine Ausnahme machte lediglich der Elektromarkt, an dem Siemens durch größere Abgahen 1,25 o. H. verloren und Licht & Kraft um 1 v. H. zurückgingen. Dagegen waren AEG. mit plus 0,25 gut und Schuckert knapp behauptet. Am Chemiemarkt büßten Rüt- gerswerke 1 o. H. ein während IG. 0,13 v. H. und Scheidanstalt 0,25 v. H. gewannen und Metallgesellschaft unverändert blieben. Von Monanwerten hielten sich Rheinstahl und Stahlverein unver- ändert, Mannesmann, Phönix und Buderus waren bis zu 0,75 v. H. abgeschwächt. Reichsbank lagen 0,5 o. H. fester. Auch am Rentenmarkt war nur sehr kleines Geschäft zu verzeichnen. Altbesitz gaben 0,13 v. H. nach, während Neubesitz im gleichen Ausmaße anzogen und später Reichsschuld, buchsorderungen bei ebenfalls geringen Umsätzen unverändert blieben. Sie wurden später mit 65,75 d. Sy genannt. Von Pfandbriefen waren Goldpfandbriefe sehr gesucht und gut gehalten, während Liqui- dationspfandbricfe ein wenig abgeschwächt lagen. Von Kommunalobligationen lagen hiesige unver- ändert, dagegen rheinische etwas fester. Altbesitz, anleihe konnten ihren Anfangsverlust zurückgewinnen. Am Aktienmarkt traten im Verlaufe keine Veränderungen ein. Tagesgeld blieb zu 3,5 o. Sy unverändert. Berlm uneinheitlich und schwach. Berlin, 19.Okt. (WTB. Drahtmeldung.) Im heutigen Do'rmittagsoerkehr und auch noch an der Dorbörse herrschte eine überwiegend freundlichere Stimmung, für die als Grund die festere Haltung der gestrigen Neuyorker Börse angegeben wurde. Der offizielle Börsenbeginn brachte dann eine ge- wisse Enttäuschung, denn die Kursgestaltung war ausgesprochen uneinheitlich, und die Rückgänge überwogen. Es lagen bei den Banken zwar verschiedentlich niedrig limitierte Kauforders vor, im großen und ganzen hielt sich aber das Publikum infolge der ungeklärten außenpolitischen Situation und der Nähe der Wahlen doch nach wie vor vom Börsengeschäft zurück. Die Spekulation wiederum war eher geneigt, Realisationen vorzunehmen. Das Geschäft hielt sich im allgemeinen in sehr engem Rahmen, und die Kurse wurden meist bei Abschlüssen notiert. Lebhaft besprochen wurde der Rückgang des Pfundes, der natürlich verstimmen mußte, da er für den deutschen Export eine Schädigung bedeutet. Die Rückgänge hielten sich im Rahmen von 0,5 bis 1,5 d. H, stärker abgeschwächt waren Lah- meyer, Rheinische Braunkohle, die 2,25 bzw. 3 d. Sy einbüfjten, während vereinzelt Besserungen von 0,5 bis 1 v. Sy, bei Dessauer Gas von 1,25 o. H. und bei Bremer Wolle von 1,75 d. Sy zu verzeichnen waren. Auch Deutsche Anleihen tendierten wieder etwas schwächer, ebenso machte sich am Pfandbriefmarkt weiter Realisationsneigung bemerkbar so daß die Kurse meist schwächer taxiert wurden. Dagegen konnten sich Schutzgebietsanleihe befestigen in Erwartung des morgen vor dem Kammergericht stattfindenden Prozesses, der aber ein Urteil noch nicht bringen dürfte. Im Verlause nahm das Geschäft noch ruhigere Formen als zu Beginn an. Die Kurs«' geftaltung blieb weiter uneinheitlich, doch betrugen die Veränderungen nur 0,13 bis 0,25 v. H., Das beste Frühstücksgetränk für Schulkinder ist Ovomaltine. Ovomaltine ist konzentrierte Kraftnahrung aus Ei. Malz, Milch und Kakao, sehr wohlschmeckend und leicht verdaulich. Sie wird auch von den Kindern gerne genommen, die besonders morgens oft schlecht essen. Das Lernen strengt viel weniger an u. die Kinder überstehen die Entwicklungsjahre glänzend, wenn sie täglich Ovomaltine bekommen. Lieber an etwas Anderem sparen, aber Ovomaltine nehmenI Originaldosen zu RM. 1.15. RM. 2.15 und RM.4. — in allen Apotheken u. Drogerien. Ein Gratismuster erhalten Sie von der Fabrik Dr. A. Wander G. m.b.H., Abt 79. Osthofen-Rheinhessen. 73> 3 jkii llr.21 $S5; SS Geirrt^ W A «nierSammelr 2erl,'N, Unteri^“ Landtags se^ hie M-W ! nil*c"J a Als erst^ x. 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