Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags. Vella gen: Die Illustrierte Giehener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahlnach- richtens Anzeiger Gieße». Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686. General-Anzeiger für Oberhessen Omd uni) Verlag: vrühl'Iche Unintrfrau-Bad;. und Sttinöruderei H. lang« in «ieften. Sdjnftieihing und Seschäftrftell«: Schulftratze 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswätt» 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20°/, mehr. Thefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Nr. 220 s e ü v a u s s a b e 182. Jahrgang Montag, (9. September 1932 Giehener Anzeiger Auftakt zum Reichstags-Wahlkampf. Oer Nationalsozialismus im Wahlkampf. Gregor Ltratzer vor der nationalsozialistischen Aerzteschast. Braunschweig, 18. Sept. (TU.) Auf der dritten Reichstagung der Nationalsozialistischen Deutschen Aerzteschast erklärte der Reichsorganl- scttionsleiter der NSDAP.. Gregor Straßer, u. a.: Es bestehe kein Zweifel darüber, daß man sich zrn: Zeit in einer schwierigen Lage befinde, di« dadurch entstanden fei, daß man die selbstverständliche Forderung der Nationalsozialisten n/lch der Macht a b g e l e h n t habe. Der Sturz Brünings sei ein Kabinettsstück republikanischer 3 ntrigu « gewesen. Das SA. - Verbot habe man Groener planmäßig suggeriert, damit er darüber stürz« und Brüning mit sich reiste, und der neue Kanzler durch Aufhebung des SA.-Derbots eine zunächst günstige Atmosphäre in dem Verhältnis zum Nationalsozialismus schaffe. Die T o - lerierung Papens habe dem Nationalsozialismus im Wahlkampf eineinhalb bis zwei Millionen gekostet. Man möge zu den grosten deutschen Problemen stehen wie man wolle, die notwendigen Rettungsmaßnahmen würden der Gröste der Not entsprechend von einschneidender Art sein. Sie würden aber nicht durchzuführen sein, wenn sie befohlen würden, sondern nur, wenn ein groster Teil des Volkes zu freiwilliger Mitarbeit bereit sei. Papen könne das beste Wirtschaftspro- gtamm der Welt herausbringen, er werde doch nicht in der Lage sein, dafür die große Masse Aa gewinnen. Die Regierung werde d i e p s y ch o- logische Grundauffassung nie kennenlernen, weil sie mit dem Volk nichts mehr zu tun habe. Wenn man glaube, fünfmal wählen zu lassen, so irre man sich. Das Volk werde nicht mit sich spielen lassen und diejenigen beseitigen, die die neue Bewegung an der Machtübernahme hindern wollten. Der Nationalsozialismus zerbreche nicht daran, dast er die Macht ein halbes 2ahr früher oder später übernehme, sondern nur, wenn er von seinem Programm irgendwie und irgendwann abweiche. Oie Aufgabe der Oeuischnakionalen. teilt Aufsatz Hu »enberqs zur Laac. Berlin, 17. Sept. (TU.) 9m „Tag" führt der deutschnationale Parteiführer Hugenberg in einem „Partei?" betitelten Artikel u. a. folgendes aus: Nachdem die Nationalsozialisten den Pakt mit uns zerrissen und bald nachher versucht hatten, sich blind einen Weg durch Dickicht und Wüste zu bah. nen — schließlich im Bunde mit unnatürlichen Genossen —, mußte notwendig in Deutschland die Angst vor dem aufsteigen, was nun zu kommen schien. Das ist die psychologische Grundlage der jetzigen autoritären Regierung, die ohne uns und den Na- tionalsozialismus nicht möglich gewesen wäre. Daß wir diejenigen stützen mußten, die dem Grundübel Parlamentarismus handelnd zu Leibe gingen, war selbstverständlich. Die heutige deutsche Wirtschaftsnot kann nur auf politisch autoritärem Wege überwunden werden. Wer das unternimmt, muß es können, sonst gibt es furchtbares Unglück. Niemand kann es ohne gleichzeitigen ober nachfolgenden völligen Umbau des Staates. Die Männer, die am 12. September 1932 den Reichstag nach Hause geschickt haben, müssen von der Notwendigkeit besessen sein, diese beiden Riesenausgaben zu lösen. Angesichts dessen habe ich gleich nach der Reichstagsauflösung im Wahlaufruf erklärt, daß die DNVP. sich umstelle, daß sie nur noch sehr bedingt Partei, daß sie vielmehr der Träger der ersehnten Volks- gemeinschaft sei. Wir haben dafür zu sorgen, daß die richtigen Grundlinien schöpferischen Handelns innegehalten werden. Wir haben dafür zu sorgen, daß sie im Volke verstanden werden. Wir haben zu verhindern, daß aus Nationalismus Reaktion wird, daß Gouvernementalismus das freie Wachstum des Neuen und Jungen ertötet, daß hinter den Kulissen Sonderinteressen und Geldbeutelgesichtspunkte aus gesunden Früchten Raupennester machen. Wir sind die Schutzgarde des wirklichen lebenskräftigen Gedankengutes der Zukunft. Wir sind unserem ganzen Wollen nach — wenn es das Ding überhaupt gibt, von dem heute so viel geredet wird — der „Deutsche Nationalverein des dritten Reiches" und viel mehr als das. Oingewey für einen nationalen Block. Tie Volkspartei restlos hinter Papen. Frankfurt a. M., 18. Sept, (ßpb.) JBor Vertretern der Südwestbeutschen Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Dolkspartei erklärte der Parteiführer Dingeldey u. a.: Der Entschluß Brünings, bie Nationalsozialisten an der Regierungsarbeit zu beteiligen, was die DBP. schon vor einem Jahr gefordert frabe, sei v i e l z u s p ä t gekommen. Damals sei das noch möglich gewesen, heute aber gebe es kaum noch einen Preis, um den man den Nationalsozialisten ihre UnDernur,/t" abtaufen könne. Der Wille der DBP. sei nicht gewesen, den Parlamentarismus zugrunde gehen zu lassen, sondern ihr Wille war, die Autorität des Reichspräsidenten und der Reichsregierung gegenüber den Parteien und dem Parlament zu stärken. Das Zentrum habe sein eigenartiges Bündnis zur Erhaltung einer arbeitsfähigen Mehrheit im Reichstag mit deO-Nationalsozialisten nur angebahnt, in der großen Sorge, einen Weg zu finden, um in Preußen und im Reich die mühsam errungenen Machtpositionen zu erhalten. Das Wahlergebnis habe bestätigt, daß ein Partei- führer in dem deutschen Volke keine schrankenlose Herrschaft aufrichten könne. Das Spiel mit dem zu Ende gehenden Parlamentarismus habe groteske Formen angenommen. Die DDP. habe dem Antrag der Kommunisten im Reichstag deswegen nicht widersprochen, weil sie das Zentrum zwingen wollte, Farbe zu bekennen, da bekannt war, daß die Nationalsozialisten mit der Reichsregierung und dem Reichspräsidenten brechen wollten. Eine Einigung zwischen Zentrum und Nationalsozialisten sei nicht vorhanden gewesen, sonst hätte eine Der- öffentlichung eines Programmes dieser beiden die letzten Folgen verhindern können. Heute habe sich das Zentrum bereits zurückgezogen, auch von den politischen Forderungen der NSDAP. Wenn zwischen Re ichskanzlerundBaye- rischer Volkspartei bereits D e r h a n d - Berlin, 18. Sept. (WTB.) Auf einem aus allen Berusskreisen und allen Teilen des Reiches besuchten Vertretertag wurde heute in den Kroll- Sälen d i e Gründung des „Deutschen Nativnalvereins" beschlossen. Ter vorläufige Dereinsvorstand besteht aus Oberregierungsrat Dr. Wildermuth, Berlin, als Vorsitzenden, Prof. Dr. Grafzu Dohna, Bonn, und Rechtsanwalt Zie bi ll, Königsberg i. Pr.; stellvertretende Vorsitzende sind vonWilamo- wih-Moellendorff, Berlin, und Oberbürgermeister Bl ü her, Dresden, als Beisitzer. Die Gründungsversammlung hat einstimmig einen Aufruf erlassen, mit dem sich der Deutsche Nationalvcrein an alle Deutschen wendet, die sich heute politisch heimatlos fühlen, und in dem u. a. ausgeführt wird: Wir wollen die verfassungsmäßigen Rechtsgrundlagen wieder schaffen, di« Selb st Verantwortung und Mitverantwortung ermöglichen. Wir wollen durch Anpassung des Weimarer Derfas- sungswerkes an die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Dolles zur Derfassungsehr- l ich keit zurück. Wir wollen, dast Deutsch- land frei sei. Deutschland hat ein heiliges Recht auf die Lösung der aufgezwungenen Verträge. Wir wollen eine saubere und übersichtliche Verwaltung, frei von parteipolitischen Einflüssen, in der die Verantwortlichkeiten wieder klar herausgestellt sind. Wir wollen die Wiederherstellung des Vertrauens und die Sicherheit für die Wirtschaft, damit Berlin, 18. Sept. (WTB.) Ein heute durch den britischen Botschafter der Reichsregierung überreichtes Schreiben über die Frage der deutschen Gleichberechtigung lautet in seinen wesentlichen Teilen folgendermasten: Dec Botschafter Seiner Majestät beehrt sich, auf Weisung des Ersten Staatssekretärs Seiner Majestät für Auswärtige Angelegenheiten, Seiner Exzellenz, dem Herrn Minister des Aeu- stern, folgendes mitzuteilen: Der Notenwechsel über die Frage der „G l e i ch- b e r « ch t i g u n g" auf dem Gebiete der Abrüstung, der kürzlich zwischen der Deutschen und französischen Regierung stattgefunden hat, und die Ankündigung des deutschen Delegierten in Genf, dast seine Regierung ein« Behandlung dieser Frag« für notwendig Halde, wenn sie an der Arbeit der Abrüstungskonferenz weiterhin teilnehmen solle, werfen Fragen von gröstter Bedeutung für das weitere Fortschreiten der Konferenz, ja sogar für die Zukunft der Abrüstung selbst auf. Es liegt der Regierung Seiner Majestät und dem ganzen britischen Volke auster- ordentlich am Herzen, den Erfolg der Konferenz zu fördern, und sie sind der Ansicht, daß ein internationales Abkommen zur Beschränkung und Herabsetzung der Rüstungen (an dem Deutschland natürlich mit beteiligt sein müßte) nicht nur d i e D e l t von einer Ausgabenlast befreien würde, die den wirtschaftlichen Wiederaufstieg hemmt, sondern daß ein solches Abkommen auch ein sich sogleich a v s w i r k e n d e r, ge- wichligerBeitragzurSicherungdes Weltfriedens und zur Förderung einer fteundschaftlichen Gesinnung zwischen benachbarten Staaten sein würde. Die Regierung Seiner Majestät sieht sich genötigt, zunächst ihr Bedauern darüber zu äußern, baß eine politische Streitfrage von solchem (ungen anberaumt finb, so sei daran zu denken, daß es sich dabei nicht allein um Bayern handle, sondern um einen Vorstoß des Zentrums überhaupt. Di« DVP. steh« in dem kommenden Kampf nicht im Vordergrund, weil sich die Fronten anders gestaltet hätten. 3m einzelnen begrüßte dann der Redner das Programm der Regierung: Verwaltungsreform, Arbeitsbeschaffungsprogramm, sowie die Außen- und Wehrpolitik und bekundete, daß sich die Dolkspartei restlos hinter die Regierung (teile. Das Programm Papens sei das ei n z i g e, das heute in Deutschland durchzuführen sei. Deswegen solle man der Regierung auch eine ruhige Zeit zur Durchführung gönnen. Dingeldey hofft auf eine Abkehr weiter Kreise nationalsozialistischer Wähler und verspricht sich davon Erfolge für seine Partei. Er gab zum Schluß wie schon in Berlin die Parole zur Bildung eines nationalen Blockes aus zur Stützung der Arbeit der Regierung und der Autorität des Reichspräsidenten. — 3n einer Entschließung wurde Dingeldey volles Dertrauen ausgesprochen und sein Ausruf zur Bildung einer nationalen Kampffront unterstützt. freie Persönlichkeiten wieder in Selb st Verantwortung arbeiten können. Wir wollen, daß der schwelende Bürgerkrieg mit allen Machtmitteln des Staates unterdrückt wird, damit der Deutsche wieder in Freiheit und Ordnung leben kann. Wir wollen Lüge und Derhetzung, die verantwortungslose Parteien als selbstverständliches Werkzeug des politischen Kampfes benutzen, mit allen Mitteln bekämpfen. Wir wollen, daß wieder die Achtung jeder ehrlichen Meinung in Deutschland selbstverständlich sei und daß die christlichen Grundlagen unserer Kultur erhalten bleiben. Dir wollen, daß die soziale Gesetzgebung in den Grundlagen des Arbeitsrechts erhalten bleibt. Wir wollen eine Bauernsiedlung nach nationalen Gesichtspunkten. Wir wollen den Ausgleich der Ständeinteressen in Handels- und Agrarpolitik und lehnen die Autarkie ab. Wir wollen, daß durch planmäßige Maßnahmen die ungeheure Not der Wirtschaft beendet und Staat und Wirtschaft gerettet werden. Wir wissen, daß Notmaßnahmen Opfer von allen Kreisen verlangen. Wir wollen nicht, daß die Versuche, durch Belebung der Wirtschaft den hungernden Deutschen Arbeit zu schaffen, gestört werden, aber wir wollen, daß die Grundrechte der Verfassung erhalten bleiben. Wir werden denjenigen, die uns folgen wollen, nationale Disziplin, selbstverleugnendes Eintreten für unsere Ziele und materielle Opferbereitschaft zur Pflicht machen. Ausmaß in diesem Augenblick auftaucht, wo es doch so nötig wäre, bie Aufmerksamkeit unb Tatkraft nicht von ben gegenwärtigen, so bringend erforderlichen Bemühungen um den Wiederaufbau der Produktion unb des Handels der Welt abzulenken. Zugegeben, daß diese Frage der Gleichberechtigung ohnehin vor dem Abschluß der Arbeiten der Abrüstungskonferenz gerückt wirb, so ist es -doch sehr nachteilig, baß sie i m jetzigen Stobium gleichsam in ben Dorbergrund ge ft eilt wird. Deutschland hat an einer allgemeinen wirtschaftlichen Depression und weitverbreiteten Arbeitslosigkeit gelitten und leidet noch daran; andere Signatarmächte des Vertrages von Versailles haben dies anerkannt. Sie haben sich infolgedessen bereit gezeigt, ihre finanziellen Forderungen an Deutschland herabzufetzen und wirklich grundlegend zu revidieren. 3n diesem Augenblick eine scharfe Son- f rotrerfe auf politischem Gebiet zu beginnen, muß angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschlands als unklug und im Hinblick auf die Deutschland von seinen Gläubigern erst kürzlich gemachten Zugeständnisse als besonders unzeitgemäß erscheinen. Die Regierung Seiner Majestät hofft zuversichtlich, daß jetzt nichts mehr geduldet wird, was den Prozeß des wirtschaftlichen Diederaufbaues verzögern wird, der so dringend nötig ist, und den mit allen Kräften zo fördern, die Aufgabe der bevorstehenden Deltwirtschaftskonferenz sein wird. Di« Not« fährt dann fort: Rechtlich sei die Lage so, daß d er Tei l V d es Ver s aill er De r- träges nochverbindlichsei und seine Wirkung nur durch allgemeine älebereinkunst verlieren könne. Deutschland sei nicht berechtigt zu dem Anspruch, daß durch das Zustandekom- men oder Nichtzustandekommen einer Abrüstungskonvention der Teil V des Versailler Dertrages hinfällig werde, weil die anderen Gründung emeSDeuWenAaiionalvereins England interveniert in Berlin. Eine unfreundliche Note zur deutschen Gleichberechtigungsforderung. Mächte ihr Versprechen nicht erfüllt hätten. Es sei auch keineswegs gesagt, daß die Art, wie die deutsche Abrüstung vollzogen sei, auch unbedingt auf die anderen Unterzeichner- mächte Anwendung finden müßte. England sei aber der Ansicht, daß der deutsche Anspruch sich nicht aus juristischen Ableitungen aus dem Friedensvertrag ergebe, sondern vielmehr eine Aufforderung zur Berichtigung der Rüstungen sei, weil die deutsche Abrüstung der Vorläufer für die Abrüstungen der anderen sein sollte. England Habs schon sehr weitgehend abgerüstet. Die englische Regierung macht bann folgenden Vorschlag: Sie erblicke die Ausgabe der Abrüstungskonferenz darin, den Rahmen einer Abrüstungsvereinbarung gestützt auf den Grundsatz zu schassen, daß jeder Staat für sich in Uebercinfommen mit anderen eine Begrenzung auf sich nimmt, die er s i ch s e l b st auserlegt und freiwillig übernimmt, und zwar als ein Teil der gegenseitigen Verpflichtungen von einem Unter- zeichnungsstaat dem anderen gegenüber. Als Ergebnis der Vereinbarung wird es daher keinen Unterschied im „Status" geben. Die Rüstungen eines jeden werden durch dieselbe Methode überwacht werden. Die Begrenzungen, die bereits durch die bestehenden Verträge — wie die Jriedens- verträge und die Flotlenoedträge von Washington und London — bestehen, werden, soweit sie nicht durch gegenseitige Uebereinstimmung abgeändert werden, in der freiroiUigen und allumfassenden Uebereinfunfl wieder erscheinen, über die zu verhandeln man sich jetzt gerade anschickl. Dieses letztgenannte Dokument wird es dann fein, das eine wirksame Verpflichtung für alle ist. Diese Auffassung von der Art unb dem Zwecks ber Abrüstungskonferenz gibt nach Ansicht ber eng« lischen Regierung bie Antwort auf bie Frage bes Status, bie in ber Mitteilung ber deutschen Regierung vorn 29. August aufgeworfen worben ist. Die Note schließt barnit, baß bas Ziel sich nicht durch eine scharfe Herausforderung ober burch Nichtteilnahme an ber Abrüstungskonferenz, fonbern nur burch geb ul« bige Verhanblungen im Verlauf einer Konferenz erreichen läßt. Oer Baubeginn des Panzerschiffes C. Berlin, 17. Sept. (CNB.) Die Kiellegung des Panzerschiffes C, Ersah „D raunschwei g", die am 1. Oktober auf der Marinewerft in Wilhelmshaven erfolgen soll, steht selbstverständlich nicht, wie in einem Teil der ausländischen Presse behauptet wird, in irgendeinem Zusammenhang mit dem Fernbleiben Deutschlands von den Verhandlungen der Abrüstungskonferenz oder unseren Schritten in den Fragen der Wehrgleichheit. Da es sich bei dem Neubau des Panzerschiffes C um einen Ersah- bau handelt, verstößt er auch nicht gegen die Bestimmungen des Rüstungsseierjahres. England hat bisher in. diesem 3ahr drei Kreuzer, neun Zerstörer und drei U-Boote in Auftrag gegeben und sich den Baubeginn von drei weiteren Kreuzern, neun Zerstörern und drei U».Booten bis zum Schluß dieses 3ahres Vorbehalten. Amerika wird im Frühjahr nächsten Jahres einen 10 000-Tonnen-Kreuzer und Japan zum gleichen Zeitpunkt drei Zerstörer auf Stapel legen. 3n Frankreich ist der Baubeginn von einem 26 500-Tonnen-Linienschiff und zwei Kreuzern im 3uli v. 3. und im Dezember dann noch von vier weiteren Kreuzern bewilligt worden. Außerdem rechnet man noch mit dem Baubeginn von drei O-Booten bis zum Schluß dieses 3ahres. Aus dieser Tlebersicht ergibt sich, welche verschwindende Rolle das Panzerschiff G in dem ganzen Welt-Schiffbauprogramm spielt. Oie Antwort auf die pariser Hetze. General von LtiUpnagel über die tertüch» ligung der deutschen Jugend. Paris, 17.Sept. (TU.) Der Sonderberichterstatter bes „Paris m i b i" hatte am Freitagabend eine Unterrebung mit bem gefchäftsführenden Präsidenten des Reichskuratoriums für Jugendertüchtigung, General a. D. von Stülpnagel. Dieser erklärte u. a., daß er über die ent st eilenden Auslassungen ber französischen Presse, die wie auf Sommanbo in bem Erlaß über die Jugendertüchtigung eineArt Wieder- aufrüstungsmaßnahme erblicken wollten, außerordentlich erstaunt gewesen fei. Die Haltung ber französischen Oefsenllichkeit ließe sich vielleicht damit erklären, daß man in Frankreich bie wahren Verhältnisse in Deutschland noch nicht erkannt habe. Anderseits müsse man jenseits des Rheins begreifen, daß bie ständige Arbeitslosig- keit von vielen Hunderttausenden von jungen Deut- schen, bie sich in verschiedenen feindlichen Gruppen zusammenfänden, die Reichsregierung im Interesse der Nation zum Eingreifen gezwungen habe. Es fei der Reichsregierung nicht mehr möglich gewesen, tatenlos zu bleiben. Essei unerläßlich, daß bie deutsche Jugend sich ber Heimaterde wieder verbunden suhle unb außerhalb bes Staubes unb der Stein- massen der Städte in Hebungen in freier Lust ihrs moralischen und physischen Kräfte wieder nufbaue. Diese Aufgabe müsse in einem Zeist der Zucht und Kameradschaft, unabhängig von allen politischen und sozialen Vorurteilen durchgeführt werden. Wenn die jungen Leute durch die Hebungen in freier Luft gleichzeitig die Fähigkeit erlangten, einen guten militärischen Nachwuchs zu bilden, so sei das eine Begleiterscheinung, die außerhalb des vorgesteckten Zieles des Reichskuratoriums stehe. Man könne unmöglich annehmen, daß das Ausland jede vernünftige Maßnahme als kriegerische Geste auffassen werde, es sei denn, man müßte glauben, daß gewisse ausländische Staaten, die s -e l b st alles für die Ertüchtigung ihrer Jugend täten, die juittzen Deutschen am liebsten als unfähige und minderwertige Menschen sehen wollten. In jedem Falle könne er jetzt schon ausdrücklich erklären, daß Deutschland, wenn die Absicht gewisser Länder tatsächlich dahin gehen sollte, nicht geneigt sei, ihnen diesen Gefallen zu tun. Schließlich wies General v. Stülpnaael auf das Werk des Pfanfindergenerals B a d e n-P ow e ll hin, der eine körperliche und moralische Ertüchtigung in vaterländischem Geiste geschaffen habe, ohne dabei auch nur im geringsten Grade Völkerhaß zu säen. Aus der Bauerudersammtung von Tuntenhausen. Oie Bayrische Bolkspariei fordert Verfaffungsreform durch Initiative der Länder. München, 18. Sept. (TU.) Der Parteivorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Staatsrat Schäffer, führte auf der Tagung des Bayerisch-patriotischen Bauernvereins in Tuntenhausen u.a. aus, der Entschluß der BVP. nach den Reichstagswahlen fei Üahingegangen, daß dem Volkswillen Rechnung getragen werde und eine arbeitsfähige Volksvertretung angestrebt werden müsse. Ein Kabinett, das allein vom Vertrauen des Präsidenten abhänge, und auf das Vertrauen der Volks- oertretuna verzichten zu können glaube, sei nach der Reichsverfassung unmöglich. Die BVP. sei bereit gewesen, jedes Kabinett zu unter st ützen, wenn sie die Garantie hatte, daß kein Versuch einerParteidiktatur und einesStaats- streiches möglich sei. Das sei der Sinn der ganzen Besprechungen mit den Nationalsozialisten gewesen. Infolge der Reichstagsauflösung und der gegenseitigen Vorwürfe sei ein Zustand eingetreten, der der Autorität abträglich sei. Eine Sicherheit dafür, daß die öffentliche Hand nicht neue Steuern einführen oder andere die Wirtschaft schwer treffende Maßnahmen ergreifen müsse, sei erst dann gegeben, wenn das Gleichgewicht der öffentlichen Haushalte durchgehalten werden könne. Diese Voraussetzungen halte er nicht für gegeben. Die Fehlbeträge in den öffentlichen Haushalten gehen weit über eine Milliarde hinaus. Wenn man eine Belebung der Wirtschaft wolle, so müsse man unnötige politische Kämpfe vermeiden. Eine Schicksalsfrage für das deutsche Volk sei es, den Verfassungskampf in Ruhe zu beenden. Das könne freilich nicht dadurch geschehen, daß man an den Bucystaben der Weimarer Verfassung unverändert festhalte. Diese Verfassung sei krank. Man müsse in vernünftigerZusammenarbeit die notwendigen Aenderungen treffen. Von allen gesetzgebenden Faktoren stehe in seiner Autorität unberührt nur mehr der Reichsrat da. Es wäre eine große geschichtliche Tat, wenn die deutschen Länder dem Volke und seinen Führern einen Gesetzgebungsvorschlag unterbreiten würden, der den Weg einer vernünftigen Verfassungsreform zeige. Die deutschen Länder könnten einer Verfassungsreform den Weg bereiten, durch welche die gesetzgebenden Körperschaften wieder arbeitsfähig gemacht, die Volksvertretung erhalten, neben ihr aber eine starke Führung im Staat ermöglicht werde, eine Verfassungsreform, die die Grundlagen des Reiches erneuere, den Frieden mit den Ländern herstelle, dem Reich gebe, was das Reich brauche, den unseligen Bureauzentralismus in Berlin beende und den Ländern ihre Zuständigkeiten zurückgebe. Damit könne die Krise gelöst und das Reich gerettet werden. Sein heißester Wunsch sei, daß Bayern den Anstoß dazu gebe. 9er svzialpMche Kurs der Itotoerorbming. Reichsapbeiisminister Schaeffer vor den Christlichen Gewerkschaften. Düsseldorf. 18. Sept. (WTB.) Auf dem 13. Kongrest der Christlichen Gewerkschaften führte Reichsarbeibsminister Schaeffer u. a. folgendes aus: 3ch weist, daß die Gewerkschaften ihre De- deutung nicht nur als Vertretung von Standes- und Derufsinteressen Haden, sondern darüber hinaus in unserer Volkswirtschaft nicht mehr zu entbehren sind. Wer von den Gewerkschaften die Abrüstung verlangt, mühte gleichzeitig mit dem Abbau der Kartelle und der Auflösung der Tlnternehmerver- bände beginnen. Der Staat von heute must auf eine Zusammenarbeit mit den Derufsver- tretungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer größten Wert legen. Die Aeichsregierung wird daher auch mehr als bisher an den Willen zurstaats-undvolkspolitifchenVer- antwortung und zur Selbsthilfe der Organisationen appellieren. Er wird allerdings nicht darauf verzichten, staatliche Macht einzusetzen, wenn es das allgemeine Wohl erfordert. Der Abbau der Arbeitslosigkeit und die Vermehrung der Arbeitsgelegenheit ist er st es Ziel des Wirtschaftsplanes derReichs- regierung. Sie hat zunächst einenBetriebs- st ock von 13 5 MillionenMark für öffentliche Arbeiten gebildet. Bei den hierbei zur Ausführung gelangenden Rotstandsarbeiten wurden bisher 65 OOO Arbeiter beschäftigt. Daran anschließend erweiterte das Reich seine K r e d i t h i l f e für Gewinnung von zusätzlicher Arbeit, insbesondere für die vorstädtische Kleinsiedlung, die landwirtschaftliche Siedlung, Abrüstung veralteter Handelsschiffe, Herstellung von Fahrzeugen für den Heringsfang usw. 3m 3uni hat das Reich denfreiwilligenArbeits- dienst erweitert. Vinnen kurzem werden hier 200 000 junge Deutsche Arbeit finden und gleichzeitig staatsbürgerlich erzogen und geistig geschult werden. Ebenso hat die Reichsregierung zur Belebung des Daumarktes erhebliche Mittel bereitgestellt. Auch der Steuer- nachlaß in der Form der Steuergutscheine stammt aus einem sozialen Motiv. 3nfolge der Gewährung der Gutscheine für die Desörderungssteuer kann z. D. die Reichsbahn zurückgestellte Oberbauarbeiten vornehmen und Aufträge erteilen. Die Reichsbahn ebenso wie die Reichspost werden sich bemühen, noch erhebliche weitere Beträge für Zwecke der Arbeitsbeschaffung zur Verfügung zu stellen. Werden alle Möglichkeiten des neuen Planes ausgeschöpft, dann kann ein Arbeitszuwachs gewonnen werden, der etwa viermal größer ist als der ursprüngliche Umfang der Rotstandsarbeiten. Die Bedenken der Christlichen Gewerkschaften zur Rotverordnung sind durch die Ausführungsverordnung vom 15. September in der Hauptsache wohl beseitigt. Die Reichsregierung wird ihr besonderes Augenmerk daraus richten, daß bei der Durchführung die Möglichkeit des Mißbrauches auf das geringste Maß beschränkt wird. Die Ermächtigungsverordnung über sozialpolitische Maßnahmen denkt nicht an die Aufhebung des Verficherungsgutes und Als Heinerle, Chef der Firma Heinrich Seemann & Co., gegen sieben Uhr in das Hotel fanr empfing ihn der Hotelportier mit der erstaunlichen Mitteilung, daß die alte Dame von Zimmer Nr. 12 wegen Mißhandlung eines Polizisten feftgenommen worden war. Heinerle raste zur nächsten Polizei-Office. Er fand Oma in Tränen aufgelöst. Sie hatte tatsächlich einen Policemann verprügelt. „Heinerle", jammerte sie, „in dieser Stadt bleibe ich nicht einen Tag länger. Von einer Seite der Straße haben sie mich immer wieder auf die andere gezerrt, diese elenden Burschen. Ich wußte schließlich gar nicht mehr, wo ich war. Wie dann wieder so ein Kerl auf mich zukam und mich auf die andere Seite der Straße schleppen wollte, da habe ich meinen Schirm genommen und auf ihn losgeschlagen, bis der Schirm in Stücke ging!" ist denn das Hotel? Ich sehe jetzt gar nicht mehr, wo das Hotel liegt! Suchend ging sie weiter. Die Straße kam ihr mit einemmal so unbekannt vor. Sie sah nicht mehr das imposante Gebäude des Hotels. Da tauchte in ihrer Nähe wieder ein Polizist auf. Oma fuhr zusammen: „Um Gotteswillen, dec Kerl will mich wieder über die Straße schleppen!" Und in ihrer Angst begann sie zu laufen, so schnell sie ihre alten Beine nur tragen konnten. Oie Oma und der Polizist. -bon Richard G Arvay. Als Oma noch viel jünger war, kannte sie nur eine Leidenschaft: in der Welt herumzureisen. So hatte sie fast alle Städte Europas kennengelernt. Nur nach London war sie noch nicht gekommen. Und nun war auch dieser Wunsch in Erfüllung gegangen. Heinerle, der häufig geschäftlich nach England reifte, hatte sie nach London mitgenommen. Der gute Junge! Zufrieden lächelnd saß Oma in der prunkvollen Halle des großen Londoner Hotels und nickte den geschminkten Frauen, den kokettierenden Mädchen, den Gigolos, dem Liftboy zu. Omo nickte immer, wie viele alte Leute. Es war achtzehn Uhr. Nun mußte Heinerle bald aus der City zurückkommen. Oma erhob sich, ging langsam vorsichtig durch die so gefährliche Drehtür und blieb wartend vor dem Hotel stehen. Es war die Zeit des größten Verkehrs. Unablässig rollten die vollgestopften Autobusse und Taxis vorbei, eine Kette die niemals abriß denn der Üebergang über den Gehsteig befand sich fünfzig Schritte weiter oben bei der nächsten Straßenkreuzung. Da trat ein Policeman auf Oma zu. Er salutierte und sprach ein paar Worte in englischer Sprache. Omo nickte ihm zu. Oma nickte ja immer ... Der Policeman hob die Hand. Straßenbahnen, Autobusse, Taxis blieben stehen: alle Räder standen still. Der Policeman faßte Oma bei der Hand und führte sie sicher und behutsam auf die andere Seite der Straße, salutierte höflich und verschwand. Kaum hatte er sich entfernt, brandeten die Wogen des Verkehrs wieder an Oma vorbei. Da stand sie nun, auf der anderen Seite der Straße, hilflos, verlassen, hin- und hergestoßen von hastenden Menschen. Sie' ging ein paar Schritte, machte wieder halt und starrte sehnsüchtig auf den gegenüberliegenden $ Sott drüben lag das Hotel. Heinerle würde bald zurückkommen und sie suchen. Der gute Junge! Plötzlich stand wieder em Polizist vor ihr, salu- fierte sprach ein paar Worte in englischer Sprache. Oma 'nickte. Der Polizist hob den Arm: Der Verkehr stockte' Er faßte sie bei der Hand und führte sie sicher und behutsam auf die andere Seite der Straße. Autobusse, Straßenbahnen, Taxis setzten sich -mieber in Bewegung — der Policeman verschwand. Was hat das alles zu bedeuten, fragte sich Oma. Darf man in London nicht auf der Straße stehen bleiben? Ich hätte nie gedacht daß Londoner Polizisten so grob mit einer alten Frau umgehen! Wo „Madame Butterflys in Wahrheit und Dichtung. Puccinis Oper „Madame Butterfly", die bekanntlich das tragische Schicksal einer von ihrem europäischen Liebhaber verlassenen Geisha darstellt, ist in Japan bisher stets von einem Unstern begleitet worden. Das Publikum begrub diese mit europäischen Augen gesehene und der Wirklichkeit Hohn sprechende Darstellung japanischer Verhältnisse unter einem nicht endenwollenden Gelächter. Als einer der bekanntesten japanischen Musiker Pamada es mit einer Neuinszenierung des Werkes versuchte, bei der nur japanische Sänger und Sängerinnen auftraten und das Lokal-Kolorit nach Möglichkeit gewahrt wurde, erlitt er ein solches Fiasko, daß er sein Beginnen mit einer schweren Schuldenlast bezahlte. Kein Wunder, daß im Reiche Nippon die Ansicht herrscht, auf dieser Oper, die die japanische Frauenwelt verunglimpfe, laste ein Fluch. Man empfand es daher als einen Verrat an den heiligen Gütern der Nation, als die begabte japanische Sängerin Tamaki Miura nach Amerika ging und dort als Heldin von Puccinis Meisterwerk große Triumphe erntete. Der Ruhm und Reichtum, die dieser Madame Butterfly zuteil wurden, schienen Die JairWertfeier des Gustav-Adols-Denins. Eine eindrucksvolle Kundgebung am Leipziger Völkerschlacht-Denkmal. Leipzig, 18. Sept. (WTB.) Zur 3ahr- hundertfeierdesGustav-Advlf-Ver- eins, die am Sonntag mit einer Kundgebung am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig eröffnet wurde, sind aus der ganzen Welt Abgesandte und Freunde des Gustav-Adolf- Werkes zusammengekommen. Die Reichs- und Staatsbehörden, an der Spitze Reichsinnenminister Freiherr v. G a h l, bekunden durch ihr Erscheinen ihre Anteilnahme an dem Gustav-Adolf- Derein, dessen Werk nicht nur religiös-kirchliche, sondern allgemein-nationalpolitische Bedeutung hat. Zur Vorbereitung der mit der Jahrhundertfeier verbundenen Beratungen über die evangelische Diaspora trat heute der Zentralvorstand des Vereins unter Vorsitz des Präsidenten Geheimrat Dr. R e n d t o r s f zusammen. An den Reichspräsidenten wurde ein Begrüßungstelegramm gesandt. Der Jahresbericht, den der Generalsekretär des Vereins D. Geißler vorlegte, hebt die große Opferbereitschaft hervor, mit der sich das Kirchenvolk für den Dienst an der deutsch-evangelischen Diaspora einsetzt. Die gesamten Einnahmen des Vereins sind trotz der Angunst der wirtschaftlichen Lage nur wenig zurückgegangen und erreichen annähernd den Betrag von 2 Millionen Mark. Der Gustav-Adolf-Verein steht feit dem Kriege vor allem im Dienste des evangelischenAus- landdeutschtums, dessen Lage auf weiten Gebieten immer bedrohlicher geworden ist. Das gilt besonders von den deutschen Kirchen im nahen Osten. Die Arbeit des Gustav-Adols-Ver- eins erstreckt sich auch auf die überseeischen Gebiete. Ein überragend wichtiges Gebiet des deutschen Auslandprotestantismus sind die deutschen Gemeinden in Südamerika, die seit Jahrzehnten mit dem Gustav-Adolf-Verein in Verbindung stehen. Am Sonntagnachmittag fand am Völkerschlachtdenkmal eine von weit über 100 000 Teilnehmern besuchte Kundgebung statt, die auf sämtliche deutschen Rundfunksender übertragen wurde. Evangelisch-kirchliche, vaterländische und andere Vereinigungen hatten Fahnenabordnungen entsandt. Unter den Ehrengästen bemerkte man u. a. einen Vertreter der evangelischen Kirche Schwedens, den Bischof K a p i von Ungarn, den slowakischen Bischof F e i m e r, den Bischof Gu - m e j u s aus Finnland, den Generalsuperinten- denten Blau aus Posen-Pommerellen, den Kirchenpräsidenten D. Voh aus Kattowitz, bett Bischof Dr. Kaiweit aus Danzig, den evangelischen Probst von Porto Alegre (Brasilien), den Probst Ebers von Windhuk sowie einen deutschen Pastor, der aus Australien zu der Feier herbeigeeilt war. So war die Versammlung an sich schon ein gewaltiges Bild evangelischer Einheit und christlichen Dekenntniswillens« 195 Kirchenführer aus ganz Sachsen mit mehr als 7000 Sängerinnen und Sängern stimmten unter der Stabführung des Kirchenmusckdirektors Haufe einleitend das mächtige Gustav-Adolf- Lied „Verzage nicht, du Häuflein klein" an. Rach dem Einmarsch der Fahnenabordnungen begann die Kundgebung um 16 Uhr mit der Festansprache des Mitgliedes des Zentralvorstandes Staatsminister a.D. Dr. Doelitz (Berlin). Der Gustav-Adolf-Verein, so führte der Minister aus, rufe mitten hinein in eine Zeit der Wirrnis und des Zwiespaltes das evangelische Deutschland und die evangelischen Glaubensgenossen aller Welt auf zur Sammlung, zur Erhebung, zum Bekenntnis. Die Legitimation dazu nehme der Verein aus seiner 100jährigen Geschichte, in der er sich stets als Mahner des Volkes erwiesen habe. 3n dieser tiefen Rotzeit, die wieder zur «^chicksalsstunde Deutschlands wurde, proklamiere er, daß ein gequältes Volk endlich Frieden haben wolle: „Wir wollen frei sein, wie die Väter to a r e n.“ Dec Verwirrung, der Zersplitterung, dem Zwiespalt unserer Tage stellen wir das Bekenntnis zur Einheit entgegen. Gemeinsam mit allen, die den Namen Christ führen, stellen wir uns der Flut der Gottlosigkeit entgegen, die vom Osten kommt und uns verschlingen will. So unendlich viel der furchtbare Zusammenbruch des Weltkrieges mit sich gerissen hat, eins blieb .bestehen, unser Staat hat den ungeheuren Ansturm einer Welt gegen uns überdauert. Für ihn wollen wir leben, für ihn wollen wir kämpfen, daß er wieder werde ein christlich-deutscher Staat. Dr. Boelitz forderte Gleichberechtigung für Deutschland und kam auch auf die Frage des Auslandsdeutschtums zu sprechen, eine Frage, für die der Gustav-Adolf-Verein während der ganzen Zeit «seines Bestehens stets besonderes Interesse bekundet hat. Die Ansprache wurde mit dem gemeinsamen Gesang des Luther-Liedes „Ein' feste Burg ist unser Gott" geschloffen. des Arbeitsschutzes, sie denkt nicht an die Zersetzung der begrifflichen Merkmale des Tarifvertrages. Allein die Erhaltung und Pflege der sozialen Errungenschaften und Einrichtungen bildet das Leitmotiv für die so stark kritisierte Verordnung. Die stillen und offenen Gegner der staatlichen Sozialpolitik sollten nicht vergessen, daß die Kultur eines Volkes nicht nach dem Lebensstande der oberen Volksklassen sich beurteilt, sondern nach den Daseinsbedingungen der zahlenmäßig überwiegenden Masse. Gerade aus diesem Grundgedanken heraus hält die Verordnung freilich auch eines für notwendig: nämlich sich dem Zwang zur Vereinfachung und Sparsamkeit in der gesamten sozialen Verwaltung zu unterwerfen. Vor der weiteren Ausführung der Ermächtigungsverordnung werden die Beteiligten, insbesondere die Gewerk- schaften, gehört werden; auf ihre Mitwirkung wird besonderer Wert gelegt. Die Reichsregierung ist sich bewußt, daß sie die gegenwärtige Wirtschaftskrise und damit die Arbeitslosigkeit nicht allein mit gesetzlichen Vorschriften bekämpfen kann. Rotwendig zur Heber- Windung der Rot ist besonders der Abbau des Mißtrauens, das heute weite Kreise bei uns lähmt. Rotwendig ist aber weiter d i e willige und tatkräftige Mitarbeit aller am Produktionsprozeß Beteiligten, also vor allem die Mitarbeit der Arbeitgeberverbände und der Gewerkschaften. Der Cinzelhandel beim Reichskanzler. Berlin, 17. Sept. (ERD.) Der Herr Reichskanzler empfing am 17. September als Vertreter der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels die Herren Heinrich Grün- seid, Kalbfuh -Darmstadt und Dr. Tiburtius. Die Herren schilderten die Lage des Einzelhandels und entwickelten darauf Vorschläge für die Durchführung des Wirtschaftsprogramms der Reichsregierung. 3n der Aussprache hierüber trat die beiderseitige Auffassung hervor, daß eine Stärkung der Qualitätsleistung und Umsätze dringend notwendig sei, um für eine Belebung der Wirtschaft auch das Vertrauen und die Mitarbeit der großen kaufmännischen Mittelschicht zu gewinnen. Hochschulnachnchlen. Prof. Dr. rer. pol., Dr. phil. Friedrich Beckmann in Bonn hat einen Ruf auf den durch den Tod von Prof. Dortkiewicz verwaisten Lehrstuhl der Volkswirtschaftslehre an der Universität Berlin erhalten. Als Rachfolger von Prof. G. Fischer wurde auf den Lehrstuhl für landwirtschaftliche Maschinenkunde der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin Prof. Dr.-3ng. Carl Hch. Dencker, Direktor des 3nstituts für landwirtschaftliches Maschinenwesen an den Landwirtschaftlichen Ver- । fuchs- und Forschungsanstalten in Landsberg an I der Warthe berufen. alle Bedenken ihrer Landsleute Lügen zu strafen, aber zuletzt hat sich der Fluch, dem die Madame Butterfly in der Dichtung erliegt, doch auch in der Wirklichkeit bewahrheitet: Tamaki Miura ist mit gebrochenem Herzen, in Elend und Schmach nach der Heimat zurückgekehrt, wo sie nur von ihrer Familie mitleidig aufgenommen wurde. Die junge Dame mit der Sllberstimme, die soviele entzückt hat, war als ganz junges Mädchen von ihren Eltern verheiratet worden und hatte zuerst Aufsehen erregt, indem sie ihrem ersten Mann durchging, um mit dem jungen Biologen Dr. Miura eine zweite Ehe einzugehen. Dann bildete sie ihren Sopran aus, und verführerische Angebote aus den Vereinigten Staaten veranlaßten sie, ihren zweiten Mann zu verlassen und auf den amerikanischen Opernbühnen als Madame Butterfly aufzutreten. In dem Glanz ihres jungen Ruhmes ging sie zunächst eine Verbindung mit ihrem Partner Theodore Kittay ein, der die Rolle des Leutnants Linkerton, des Liebhabers in der Oper Puccinis, spielte. Dann aber verließ sie ihn, weil sie sich in den schönen italienischen Dirigenten Aldo Franchetti verliebt hatte. Das Gbück der beiden war einige Monate ungetrübt. Dann aber unternahm Tamaki eine Gastspielreise nach Honolulu, und als sie in die Arme ihres Liebhabers zurückkehren wollte, erfuhr sie, daß sich Franchetti — auf der Hochzeitsreise befand. Er hatte eine Schülerin Miß Maird geheiratet. Da war sie also verlassen und in ihrem tiefsten Gefühl verwundet wie die Heldin, die sie so trefflich verkörpert hatte. Aber sie beging nicht Harakiri wie die Bühnenfigur, sondern sie tauchte nach kurzer Zeit in der Öffentlichkeit wieder aus und heiratete einen jungen Italiener, dessen Namen verschwiegen wurde. Dieses Gluck dauerte aber nicht lange. Die japanische Schönheit war rasch verblüht; sie war dick geworden, ihre Stimme hatte ihren Glanz verloren, und damit schwand auch ihre Beliebtheit in den Vereinigten Staaten. Bald sah sich die einst so gefeierte Künstlerin dem Elend gegenüber, und es blieb ihr nichts übrig, als nach der Heimat zurückzukehren. Hier aber fand sie, daß ihr japanischer Gatte gestorben war, und erfuhr die offene Verachtung ihrer Landsleute, die chr die „Verunglimpfung der Japanerin" auf fremden Bühnen nicht vergeben wollten. Gleich nach ihrer Heimkehr besuchte sie das Grab Miuras und brach an dem Hügel in Tränen zusammen. Aber man lachte nur, weil man das für einen Reklametrick hielt. So lebt sie denn jetzt in tiefer Verborgenheit, mit gebrochenem Herzen und muß ihr Schicksal erdulden, das dem ihrer Heldin „Cho Cho San" sehr ähnlich ist. London in 5000 Jahren. Die Frage, wie sich eine Großstadt von heute dem Auge eines Zukunftsarchäologen darstellen wird, der nach 5000 Jahren auf ihre Spuren stößt, ob sie ihm soviel über unser Leben und unsere Kultur verraten wird, wie uns die Funde in Chai- däa und Ur kundtun, erörtert Prof. V a u f r e y vom Pariser Institut für Paläonthologie in einem englischen Blatte an dem Beispiel Londons: „Vorausgesetzt, daß Ausgrabungen die einzige Quelle des Wissens sein werden, fürchte ich, daß man zu sehr seltsamen Resultaten gelangen wird, und daß wir der Zukunft nur wenig Material für die Forschung hinterlassen werden. In 5000 Jahren, glaube ich, werden die Bauwerke aus Zement vollständig in Staub aufgelöst sein. Die Westminster-Abtei wird voraussichtlich bessere Aussichten haben, in erkennbarem Zustande fortzuleben. Moderner Zement ist weniger dauerhaft in dieser Hinsicht und ebenso stehen geschichtete, gepreßte Steine den handbehaue- nen nach. Den einzigen Trost bieten die Münzen, die mit der Stiftungsurkunde zugleich vergraben werden. Und dann unsere Gräber! Man wird dazu neigen, sie in der Nähe der wichtigsten Ruinen zu suchen, während doch die Londoner Friedhöfe weit weg von ihnen liegen. Als sehr ungünstig wird es sich auch erweisen, daß wir von dem alten Brauch, Schmucksachen und Gegenstände des täglichen Lebens mit dem Toten zu begraben, abgekommen sind. Eine Quelle des Irrtums werden auch die von Sammlern aufgehäuften Antiquitäten bilden, z. B. wenn man neben elektrischen Drähten eine Sammlung von Zinnleuchtern und Lampen innerhalb desselben Gebäudes finden wird. Man dürfte bann geneigt fein, den Bau zeitlich viel früher anzufetzen. Was London als ein Ganzes anbelangt, fo würde ich es nach dem obigen Grundsatz in die Zeit der Laternenpfähle versetzen. Sehr wenig wird über unsere Kleidung bekannt sein. Die Toten werden nicht in Kleidern beigesetzt und die auf Leinwand gemalten Bilder werden uns nicht allzu lange überleben. Die Höhlengemälde haben besser für die Nachwelt gesorgt. Ebenso schlecht schneidet unser neuzeitliches Papier bei einem Vergleich mit dem.Papyri der Alten ob. Voraussichtlich werden einige der Kriegsdenkmäler und der früheren Monumente übrig bleiben. Aber wenn sich die „Nadel der Kleopatra" unter diesen befinden sollte, wird es eine arge Verwirrung unter den die Zeit der Funde feststellenden Archäologen geben. Und es kann auch geschehen, daß nach 5000 Jahren unsere heutigen politischen Grö- ßen in die Zeit Wellingtons und der ersten Eisenbahnen versetzt werden? Aus der Provinzialhauptstadt Siattfchau für Vogelsberger Vieh. Am Freitag wurde in den Bezirken 3 und 4 des Kreisrinderzuchtvereins Gießen für Vogelsberger Höhenrind zusammen mit dem Landwirtschaftskamrner-Ausschuh für Oberhessen eine Stallschau abgehalten. Bei derselben konnte man feststellen, baft auch in diesen Teilen des Dereinsgebietes recht gute Rotviehbestände vorhanden sind. Einzelne Ställe, die zur Prämiierung gemeldet waren, konnten allerdings nicht mit Preisen bedacht werden, wenn in ihnen auch recht gute Einzeltiere standen, weil auch Tiere anderer Rassen und Kreu- zungsprodukte daneben vorhanden waren. Der Zweck der Stallschauen besteht vor allem darin, diejenigen Züchter auszuzeichnen, die eine einheitliche Zuchtrichtung mit gutem Zuchtmatenal und natürlich auch zweckmäßige Stallungen besitzen. Bei diesen Stallschauen kommen vor allem die wirklichen Züchter zu ihrem Recht, während auf den öffentlichen Schauen und Ausstellungen schon die zufälligen Besitzer von guten Einzel- ticrcn in den Besitz der Preise kommen können. Als Preisrichter waren Oekonomierat Dr. Wag- ne r-Diesten, Landwirt Heinrich Münster-Hattenrod und Direktor Trautmann -Grünberg tätig. Die Prämiierung ergab folgendes Resultat: In Gruppe 3 (5 bis 9 Tier«) Heinrich Münch, Großen-Buseck, 1 a-Preis; Heinrich Wagner VI., Großen-Buseck, lb-Preis; Ioh. Schlapp HL, Staufenberg, lc-Preis; Heinrich Harbach VIII., Großen-Buseck, 2a-Preis; Konrad Münch, Großen-Buseck, 2b-Preis. 2lner- kennungen erhielten: Wilhelm Hämmerle, Daubringen; Emst Becker, Rödgen und Ludwig Hofmann, Bersrod. In Gruppe 4 (1 bis 3 Tiere) Heinrich Scheld VII.» Grosten- Duseck, 3. Preis; Christ. Scheld VI., Grosten- Dusect 3. Preis; Karl Hofmann. Bersrod. 3. Preis. Phil. Wagner. Grosten-Duseck, 3. Preis. Anerkennungen erhielten: Ludwig Pfeifer II., Grosten-Duseck; Heinrich Weis, Oppenrod. Dillenburger Hengstparade. • Dillenburg, 17. Sept. Die Hengstpara- den in Dillenburg gehörten schon vor Iahren zu den Glanzpunkten jedes Pferdezuchters und Pferdefreundes. Der Krieg und die Rot der Rachkriegszeit hinderten manches Iahr die Ausführung dieser pferdezüchterischen Veranstaltung. Aus Anlaß der Zweihundertjahrfeier der Dreustischen Staatsgestütverwaltung wird der Landstallmeister am 25. September, 13.30 Mfrr .Die Vorführung einer grosten Anzahl der Dillenburger Hengste auf dem großen Reitplatz des Land- geftütes vornehmen, zu der alle Züchter und Freunde des Pferdes herzlich eingeladen werden. DMrend der Zeit von drei Stunden wird das Auae des Desuchers durch die mannigfaltigsten Bilder erfreut. Vierfache Fahrschule, Zwei- und Mehrspänner, Hengste zu acht gekoppelt Reitab- teilungen von mächtigen rheinischen Kaltblütern und von eleganten Oldenburgern wechseln mit an- deren Vorführungen Wie bekannt ist, finden bex hom Landgestüt Dillenburg alljährlich auch mehrere sechswöchige Reit- und Fahrkurse für junge Landleute statt, in denen der -^inabauer nicht nur Reiten und Fahren, son- Ä J das lernt, was ihm für die De- bmidluna des wertvollsten und nützlichsten Haus- KÄ^uern, des Pferdes, in gesunden und kranken Tagen nützlich und notwendig zu wissen ist. Räherä ist aus der Anzeige vom Samstag ersichtlich. Gießen, den 19.September 1932. I Ich bin eine altmodische $rau ... Ich vertrete die altmodische Ansicht, daß Ehemänner und Frauen sich die Treue halten sollten, und daß ein Wort immer noch ein Wort ist. * Ich schreibe nie einen Brief, selbst nicht an meinen Anwalt, ohne Nachschrift. Ich stelle dabei immer fest, daß die Nachschrift das Wichtigste enthält, was ich sagen wollte. Ich glaube, daß eine glückliche Heirat noch immer der einzige Berus für ein« Frau ist, und daß eine Heirat, die ein klein wenig unglücklich ist, immer noch besser «st, als gar keine. » Ich kann ein Geheimnis bewahren, aber es kostet mich alle Willenskraft urtb schmerzt mich, wie Zahnweh. * Wenn ich meinen kleinen Wagen lenke, fahre ich so gut und so schlecht, wie alle andern Frauen. Aber ich nehme es den Nachbarn nicht übel, wenn sie sofort ihre Kinder von der Straße holen, sobald ich erscheine. Ich verliere alle paar Wochen meine Handschuhe und habe meinen Schirm schon an den unmöglichsten Plätzen stehen lassen. Ich würde auch bei einem Ab- sprung aus einem Flugzeug vermutlich meinen Fallschirm vergessen. Ich kann einem Manne verzeihen, wenn er mich langweilt, aber niemals, wenn ich merke, daß ich ihn langweile. Ich kann ihm sogar verzeihen, wenn er mein Herz bricht, aber niemals, wenn er meine Eitelkeit verletzt. Ich kann einen Zug nur dadurch erreichen, daß ich den Mann am Schalter, die Auskunft und den Mann an der Sperre frage. Fahrpläne kann ich ebenso wenig lesen, wie Sanskrit. Ich glaube immer noch, daß es sich nirgends so gut, so erleichternd und so erfolgreich weint, wie an der Schulter eines Mannes. * Ich bin weit mehr erfreut, wenn man mich „reizend^ findet, als wenn man von mir behauptet, ich fei „klug". Auch macht mir ein Lob über meinen neuen Hut mehr Freude, als ein anerkennendes Wort über meine Schriftstellerei. * Ich steige aus der Straßenbahn meistens verkehrt aus und außerdem habe ich beim Einkäufen immer etwas vergessen. Wenn ich Zeit zum Nachdenken habe, schaue ich in den Spiegel, wobei ich mich selbstredend immer hübsch finde. Ich wiege 105 Pfund. Aber wenn sich dieses Ge- wicht im Laufe der Jahre auch verdoppelte, wurde ich immer noch beanspruchen, als „ßiebe, klein« Frau" behandelt zu werden. Ich bin immer erfreut, wenn ich von einem Manne irgendwie „beschützt" werde, und sei es auch nur vor einer Stubenfliege. * Ich werde immer zu spät kommen. Nur einmal war ich pünktlich: Als ich zum Standesamt abgeholt wurde. M. A. Das Stadttheater - eine Stätte der Freude! Die Intendanz des Stadttheaters Gießen teilt mit: Der Besuch deS Stadttheaters Gießen bringt Freude, Anregung und Entspannung von den Sorgen des Alltags. Aber nur Teilnahme aller Devölkerungsschichten kann den Bestand des Theaters sichern und feine künstlerische Arbeit gewährleisten. Sie finden in der Spielzeit 1932/33 stark ermäßigte Eintrittspreise sowie einen vielgestaltigen Spielplan (Schau- spieL Oper, Operette), der allen Wünschen ger«ht wird Sie sparen viel Zeit und Geld, wenn Sie ein Abonnement des Stadttheaters erwerben Darum: Abonnent bleiben! Wonnent werden! Zwei kategorische Imperative. Abonnent bleiben! Das erhalt das Theater. DaS Theater ist die Stätte gemeinsamer Kultur- pflege. Das Theater aufgeben, heißt Kultur ausgeben. Darum darf das Theater nicht sterben. Sie bestimmen das Schicksal unserer Buhne entscheidend mit. Sie kennen die Leistungen des Ensembles. Hat die Künstlerschar nicht manch frohe Stunde bereitet? . Abonnent werden! Es gibt so wenig Freude in diesen ernsten Zeiten. Warum schließen Vie sich noch aus? Iede Woche einen frohen, genutz- reichen Abend! Unterhaltung, Entspannung An- regung! Für lange Wintermonate bedeutet das Abonnement die Aussicht auf Sreube ^ ^rnster Zeit. Wahren Sie Ihren eigenen Vorteil! Werden Sie Abonnent des Stadttheaters Dießen tm Iahre seines 25jährigen Bestehens! Daten für Montag, 19 September. 1802: der ungarische Freiheitskämpfer Ludwig Kos- suth in Monok geboren; — 1814: der preußische Rechtslehrer Karl Friedrich von Saoigny in Berlin geboren; — 1870: Paris wird van den Deutschen eingeschlossen, — 1914: Lüderitzbucht wird von den Engländern besetzt. ** Straßensperrung, mitgeteilt vom Ober- hessischen Automobil-Club E. D. (A. v. D.), Gießen. Die Provinzialstraße Lang-Göns—Holzheim wird vom Abzweig Grüningen bis Holzheim vom 22. September 1932 ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Grüningen. *• Bund f ür christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule. Für den Freitagabend hatte der Bund für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule seine Mitglieder und Freunde zu einem Gemeindeabend in den Ivhannessaal eingeladen. Der Einladung hatten auch viele Gemeindeglieder Folge geleistet. Der Vorsitzende des Vereins, Landgerichtsrat Knaus, begrüßte die Erschienenen. Steuerinspektor K l e m m r a t h, der im Verein mit noch zwei Gemeindegliedem im Sommer 1929 mit dem Passagierdampfer „Monte Cervantes" der Harn- burg-Amerika-Linie eine Fahrt in das Land der Mitternachtssonne unter.tommen hatte, hielt sodann einen Vortrag. Er schilderte die ersten Reiseeindrücke und die Besichtigung von Hamburg, um dann seinem Reisebegleiter, Herrn Prokurist Stroh, die eigentliche Reiseschilderung zu überlassen. Die Reise führte zunächst nach Holland, wo sich die Zahl der Reiseteilnehmer durch eine aus Holländern, Franzosen, Belgiern und Italienern bestehende 600 Wann starke Reisegesellschaft auf insgesamt 1500 erhöhte. Die Fahrt ging dann über die Rordsee nach Bergen, einigen weiteren norwegischen Hafenorten, dem Rordkap, den Bäreninseln und Spitzbergen bis zur Packeisgrenze als dem nördlichsten Reiseziel und zurück über Hammerfest. Der dritte Reiseteilnehmer, Herr WadenpfuI, zeigte im Lichtbild viele Reisebilder von überwältigender Schönheit, die zum großen Teil von Herrn Klemmrath ausgenommen worden waren. Der Vortrag wurde mit großem Interesse ausgenommen. *• ReichsgesetzlicherSchutzgegenDer- unstaltung. Auf Grund des Reichsgcsetzes vorn 15. Juli 1907 ist die polizeiliche Genehmigung zur Ausführung von Bauten und baulichen Veränderungen zu versagen, wenn dadurch Straßen und Plätze der Ortschaft oder das Ortsbild gröblich verunstaltet würden. Zu diesem Gesetze haben Länderregierungen Ausführungseinweisungen erlassen, so daß eine einheitliche Regelung leider noch immer fehlt. Die Folge davon ist, daß trotz der Verunstaltungsbestimmungen überall noch aufdringliche Reklamezeichen vorhanden sind, deren Beseitigung von der Allgemeinheit sicher begrüßt werden würde. Zahlreiche Prozesse beschäftigen jetzt die Dermal- tungsgerichte mit den Einsprüchen gegen baupolizeiliche Verfügungen, und so wird eine Wust von Arbeit geleistet, die vermieden werden könnte. Es ist deshalb auch in der Fachpresse bereits angeregt worden, ein neues Reichsgesetz zum Schutze des Orts- und Landschaftsbildes gegen die Verunstaltung durch Reklame zu erlassen, mit dessen Inkrafttreten die in den Ländern gültigen gesetzlichen Bestimmungen — soweit sie sich auf Reklamezeichen beziehen und nicht Bauvorschriften betreffen — außer Kraft treten sollen. •• Kartoffeln, Gemüse und Drotbil- liger geworden. Aus einer Uebersicht der Einzelhandelspreise wichtiger Lebensmittel im Iuli und August 1932 ergibt sich, daß die Preise für Kartoffeln und Gemüse infolge der steigenden Zufuhren zurückgegangen sind. Preissenkungen ergaben sich ferner auch für Mehl und Brot. Die Butterpreise sind im August fast unverändert geblieben. Die Eierpreise haben etwas angelegen. Speisesalz ist infolge der Einführung der Salzsteuer erheblich teurer geworden. Der Kleinverkaufspreis stieg im Gesamtdurchschnitt von 14,5 auf 26,5 Pf. und erhöhte sich damit um 82,8 Prozent. Die Fleischpreise haben ebenfalls erheblich angezogen. Die Gesamtsteigerung beträgt durchschnittlich 10 Prozent- Trotzdem liegen noch sämtliche Fleischpreise unter den Preisen vom August 1929, dem Iahre, in dem die Preissenkung noch nicht begonnen hatte. Wied verzichtet auf Revision. WSN. Frankfurt a.M., 17. Sept. Der wegen Tötung auf Verlangen zu fünf I a h r e n Gefängnis verurteilte Optiker Wilhelm Wied aus Stuttgart nahm die Strafe an und verzichtete auf Revision. Auch das Finanzamt Biedenkopf sott aufgelöst werden. WSN. Biedenkopf, 17. Sept. Nachdem die Stadt Biedenkopf bereits durch die Auflösung des Landkreises schwer betroffen wurde verlautet jetzt, daß auch das Finanzamt ao 1. Oktober aufgeteilt werden soll. Die Ortschaften, die zum Landkreis Dillenburg geschlagen worden sind, ollen auch dem Finanzamt Dillenburg zugeteilt werden. Es handelt sich dabei um 6 4 Gemeinden. Die restlichen Orte sollen nach Marburg oder Wetzlar überwiesen werden. üniverftfaf Marburg erwirbt eine wertvolle Gemäldesammlung. WSN. Marburg, 18. Sept. Die hiesige Universität hat mit Hilfe des Universitälsbundes, des Landeshauptmanns, des Kurators und der akademischen Behörden für das Jubiläums Kunstinstitut eine umfassende Sammlung von graphischen Darstellungen, Radierungen und 60 Oelgemälden aus dem Nachlaß des verstorbenen hessischen Malers Otto Ubbelohde erworben. Der Erwerb dieser Sammlung bedeutet eine wertvolle Bereicherung für die Universität und Stadt Marburg. Licht-Fischer auf dem Mittelmeer. Begegnung mit dem fliegenden Hollander. Von Liliom. Es ist Abend, und über die lange Dünung de« Meeres ziehen die Boote der Fischer heraus. Glick glack, gehen die Ruder, und die Leiber der Fischer lehnen sich vorwärts und wieder zurück in immer demselben uralten Rhythmus. Mi-Ming und Ciccio haben versprochen, mich mit herauszunehmen, an einem netten ruhigen Abend, wie sie sagen. Ietzt ist es schon dunkel. Ich sitze in der Dvotsspihe zusammengekauert, hinten am Ufer sind die bunten Lampions des Hotels. Ab und zu trägt uns die kaum merkliche Brise ein paar Klänge Musik herüber; aber die sechs Männer achten nicht darauf, sie haben das viele hunderte Male gesehen und gehört; sie sitzen jeder an seinem Ruder und arbeiten sich -nit schnellen Stößen auf Capo Mele zu. Uns folgt das Lichtboot. Der Mann im Lichtboot rudert stehend, das Gesicht in Fahrtrichtung und die große Druckgaslampe an der Bvotsspitze baumelt leise hin und her. Draußen am Kap sind jetzt schon ein paar der großen, weißleuchtenden Lampen aufgeflammt, sie glänzen still über dem ruhigen Meer und um sie herum gurgeln mit leisen Ruderfchlögen die Fangboote. Run sind wir nah bei ihnen. Auch unsere Lampe geht an. Sie bleiben eine Weile abseits von uns, und unsere Männer lassen dasgroße Retz in die Tiefe. Stunden unlb wieder Stunden, ich weiß nicht wieviele, gehen dahin. Bor mir sind die rotbraunen kräftigen Körper der Fischer in ihren verschossenen Blusen, Schals und Hosen. Sie rauchen. Sie sprechen wenig. Cs liegt so eine große Stille über dem Wasser und über den in iAbständen voneinander liegenden Booten mit den wartenden und arbeitenden Männern. Ietzt ist auch uns etwas ins Reh gegangen. Unser Lichtboot ist mit ein paar Ruderschlägen bei uns. Schimmernd grün leuchtet rings um uns das Wasser auf, ganz durchsichtig geworden bis in seine tiefsten Tiefen, und da unten sehe ich in der braunen Masse des Rehes die gefangenen Fische. Ein silbernes Gewimmel! Eng, Bord an Bord stehen unsere beiden Boote. Unwahrscheinlich grün ist die leuchtende Flüssigkeit um uns herum geworden. Ietzt fällt der Lichtschein auf die Gesichter der Fischer. Gelassen in jeder Bewegung, die Iahrhunderte alte Gewohnheit der vielen Generationen, holen sie das Reh mit kleinen Rucken heraus. Alle Hände lösen die verfangenen Fische aus den nassen Maschen und werfen sie auf einen Haufen ins Doot. Und bann ist das Retz ganz leer; wimmelnd« zappelnde Wesen rings um unsere Füße, und ein paar hundert Meter weiter wird das Retz wieder heruntergelassen zu neuem Fang. Stunden... Stunden und Stille. Und dann plötzlich, wir waren ein wenig weit weg von den anderen gefahren, sehe ich vor uns. über uns, zwei Lichter, ganz nah: ein rotes und ein grünes. Run weiß jeder, daß all« Dampfschiffe auf jc- der Seite «in Licht haben, ein rotes lauf dev einen und ein grünes auf der anderen, Trnmit man ihre Fahrtrichtung erkennen kann. Und beide auf einmal, das konnte nur eins bedeuten: das Schis f kam gerade auf uns zu l „Ship ... big ship ... running on us!“ schreie ich meinen italienischen Fischern zu, und die verstehen zuerst nicht. Dann folgen sie meiner ausgestreckten Hand und sehen die Lichter: alle Mann an die Riemen, und wir schreien über das Wasser, langgezogen: »Hoooiho! Hoooiho! Das war höchste Zeit, denn wir sind schon so nah, daß wir die Ruse an Deck im schwarzen Schatten der Rächt hören können, und das Brummen der Maschine und daS Rauschen der Schrauben, als es jetzt abdreht. Gin kleiner Schlepper, aber genug, um drei Boote wie unseres auf den Boden des Mittelmeeres zu fahren. Wo ist denn unser Lichtboot hingekommen? Die Männer reden leise miteinander... aber was ist dos wieder, dies stille und gewaltig« Rauschen wie von einem Riesenschwarm? Weih, hoch, schweigend und mit leeren Masten, gespenstisch in der Rächt wiederfliegende Holländer zieht ein großer ©cgclAtoeimaJter - an uns vorüber. Wir können das Seil, mit dem ihn der Dampfer schleppt, nicht sehen! Wir hören den Dampfer nicht mehr, wir starren nur auf die wunderbare Erscheinung, die da mitten in Rächt an uns vorübergleitet. Stumm lehnen ein paar dunkle Gestalten über Bord, sie starren zu uns herüber wie wir zu ihnen, aber keiner ruft etwas. Cs ist völlig geisterhaft. Und dann wird es Morgen. Im Osten schimmert es blaß auf, wird gelb, ganz zart und immer heftiger dann, wird strahlend orangen, ein Streif unter dem blossen, grünlichblassen Himmel, in dem verloren die letzten Sterne schwimmen. Schwarz steht die zackige Silhouette der Küste dagegen, türkisen« Flüssigkeit das Meer.. < Ach, es gibt Dinge zwischen Rocht und Morgen, die man ebenso wenig beschreiben wie malen kann. Man muß sie sehen, und wenn man sie gesehen hat, dann weiß man, daß wir die schönsten Dinge des Lebens verschlafen, und wenn wir sie nicht verschlafen, wie diese Fischer da vor mir, dann nimmt die Gewohnheit sie und und macht sie stumpf. Buntes Allerlei. EinunbekanntesBildnisGustavAdolfs Wie der Druckmannschen Kunstzeitschrift „Pantheon" aus Stockholm berichtet wird, hat dort K. E. Steneberg im Privatbesih ein unbekanntes Bildnis König Gustav Adolfs aufgefunden, das kraftvoller und lebendiger wirkt, als alle bisher bekannten Porträts. Es handelt sich wahrscheinlich um das Bildnis, das Iacob Hoefnagel 1624 von dem König schuf. Steneberg, der sich mit einer Sammlung sämtlicher Bildnisse des Schwedenkönigs beschäftigt, richtet an alle Besitzer von Gustav- Adols-Porträts die Aufforderung, ihm Mitteilung zu machen. Kleines Mißverständnis. Seit Friedrich Wilhelm III. der für eine äußerst abgekürzte Redeweise bekannt war, ist es öfters vorgekommen, daß Mitglieder des preußischen Königshauses die merkwürdige Sprachgewohnheit ihres Ahnherrn onwondten. Kronprinz Friedrich Wilhelm, der nachmalige Kaiser Friedrich, bekam einmal einen neuen Lakaien, der, aus dem Unteroffiziersstand heroorgegangen, sich bemühte, sein Benehmen so zackig wie möglich zu gestalten. Der Kronprinz bedeutete dem Mann, er sei jetzt nicht mehr Unteroffizier; in seiner neuen Stellung erscheine ein etwas „legereres" Benehmen angebracht. Die Wirkung dieser Anweisung war überraschend. Als der Kronprinz wenige Tage später von einer Uebung ins KronprinAenpalais zurückkehrte, hatte er sich ein wenig verspätet. Der alte Herr hatte sich zum Besuch angesagt, und beim Betreten des Hauses fragte der Kronprinz den gerade dastehenden Lakaien: „Majestät schon da?", worauf er die verblüffende Antwort erhielt: „P a p a ch e n ist im Nebenzimmer!" So „leger" hatte sich der Kronprinz den neuen Lakaien nun doch nicht vorgestellt, und indem er den Mann durchdringend ansah, sagte der Kronprinz leise, in tadelndem Tone: „Wohl besoffen?" Und der Lakei, der die gedämpfte Rede offenbar als besonderes Zeichen der Vertraulichkeit seines hohen Herrn empfand, für- fterte unter bedauerndem Kopfschütteln zurück: „Ich habe nichts gemerkt. Königliche Hoheit!" Oie Fliege im Bierglas. Ein stiller Mensch saß vor einem Glase hellen Bieres. Urplötzlich tauchte eine Fliege auf, störte die Harmonie des Bildes und tat noch ein übriges: sie fiel ins Bier hinein. Der stille Mensch versank angesichts des kleinen schwarzen Punktes, der hoffnungslos im hellen Gelb der gläsernen Röhre sein Leben oerzappelte, in eine philosophische Betrachtung: Wie benehmen sich die Leute, wenn ihnen eine Fliege ine Bier fällt? Kein Thema für eine Umfrage, nur eine Anregung zum Nachdenken. Der Deutsche würde die Fliege herausfischen und das Bier austrinken. Der Engländer hätte gelassen das Glas beiseite geschoben, auf daß die Fliege nach Belieben ihren Durst befriedigen könne, und ließe für sich ein neues Glas holen. Der Franzose, ebenso empfindlich, wenn auch ungleich sparsamer, würde nach einem erregten Wortwechsel mit dem Besitzer des Lokals ein frisches Bier kommen lassen, auf Kosten des Wirtes. Der Schotte würde — Fliege hin. Fliege her — das Bier austrinken und zur Entschädigung ein anderes Glas umsonst verlangen. Der Chinese würde dem Bier keine Aufmerksamkeit schenken, sondern die Fliege aufessen. Und der Ungar — ja, der Ungar hätte von vornherein gleich Wein bestellt und somit gar keine Gelegenheit zu Streitfragen geschaff^n^ Von der Zarbenblindheit. Die Farbenblindheit ist ein sehr weit verbreitetes Uebel. Nach vorsichtigen Schätzungen sollen ungefähr 2i Millionen Deutsche davon betroffen fein, und zwar ist es bekannt, daß Farbenblindheit unter den Männern sehr viel häufiger vvrkvmmt als unter Frauen. 4 bis 5 Prozent der Männer leiden an Farbenblindheit, während bei den Frauen nur 2 bis 3 Prozent davon befallen sind. In den meisten Fällen ist Farbenblindheit bereits angeboren. Es kommt aber auch nicht selten vor, daß Farbenblindheit sich erst bei Verschlechterung des Sehvermögens einstellt. Farbenblindheit ist oft ein Familienerbteil, und Zwar überspringt die Farbenblindheit, wie es bei Dererbungserscheinungen häufig ist, gewöhnlich eine Generation, und der Fehler tritt erst wieder bei der darauffolgenden ein. Absolute Farbenblind- heit, bei der der davon Betroffene überhaupt keinen Farbeneindruck hat, sondern die ganze Farbenjkala nur als farbloses Band sieht, ist außerordentlich selten. Am häufigsten ist die sogenannte Rot-Grün- Blindheit. Der Rot-Grün-Blinde sieht alle 3farf>- töne des Spektrums, die zwischen Rot und Grün liegen, gelb. Man braucht nur an di« moderne Verkehrsregelung in Großstädten mit farbigen Ampeln zu denken, um sich zu vergegenwärtigen, daß derjenige, dem das Unterfcheidungsvermögen dieser Farbtöne versagt ist, sehr benachtelligt ist und wegen Gesährdung seiner eigenen Person und auch der Umwelt ungeeignet ist, ein Fahrzeug — vor allem einen Kraftwagen — zu lenken. Farbenblindheit kann naturgemäß bei der Berufswahl sehr hinderlich sein. Nicht nur die Derkehrsberufe, sondern auch eine ganze Reihe anderer Berufe, beispielsweise die mit der Textilindustrie zusammenhängenden, müßen dem Farbenblinden verschlossen sein. S.J.-fpor/ Fußball der Gießener Mannschaften. Die I. Mannschaft des VfB. weilte zum Der- bandsspiel in Breidenbach und spielte gegen die 1. Elf des Platzbesitzers unentschieden 3:3. Erst in letzter Minute gelang es den Gastgeberin, sich den Punkt zu sichern. Die 2. Mannschaft des VfD. verlor gegen Leihgestern I mit 2:4 Toren. Die 3. spielte gegen die 1. von Niederweisel ebenfalls unentschieden mit 3:3. Die 1.Schüler gewannen gegen die Schüler von Leihgestern knapp mit 1:0 Toren. Von den Ergebnissen der Mannschaften der Spielvereinigung 1900 war lediglich zu erfahren, daß die 3. Mannschaft gegen die 2. von Butzbach mit 1:0 Toren verlor. Die 1. Handballelf des Männerturnvereins spielte gegen die 1. Elf des Turnvereins Wetzlar unentschieden 3:3. Fußball in Hessen-Hannover. Borussia Fulda führt. Der vierte Kampftag der ersten Klasse in Hessen- Hannover verlief ohne Ueberraschungen, wenn man von dem unerwartet hohen Siea der Fuldaer Borussen über den Spielverein Kassel mit 81: Toren absieht. Iura Kassel holte sich in Göttingen gegen 05 Zwar einen knappen aber doch verdienten 6:5-Sieg und Hermannia Kassel überwand das schwierige Gelände bei den Marburger Germanen mit einem 2:1- Erfolg. In Kassel blieb Kurhessen mit 4:1 über Hesten Hersfeld sicherer Sieger, und schließlich kam SC. 03 Kassel zu einem 2:1-Erfolg über die Marburger Kurhessen. Die Fuldaer Borussen führen nun ohne Niederlage die Tabelle an. Eintracht verliert... gegen FSV. 3:1. Der Schlager der Ligakämpfe am Sonntag war natürlich das Lokalderby Eintracht gegen Fuh- ballsportverein. Die große Spannung, mit der man diesem Spiel entgegensah, fand ihren Ausdruck in der riesigen Besucherzahl — 35 000 Menschen füllten das weite Rund des Stadions, als der Kampf begann. Vorher wurde die Begegnung Llnion Niederrad gegen Kickers Offenbach ausgetragen, die mit einem verdienten 3:2»Siege der Offenbacher endete. Fuhballsportverein schlug Eintracht 3:1. Aach dieser Niederlage wird sich die Eintracht sehr umtun müssen, um die Meisterschaft wieder zu erringen, denn bei Gegnern wie Sportverein und Offenbacher Kickers, die ja nun allein die Tabelle anführen, ist das Aufholen von Punkten sehr schwer. Am Samstag verlor Rotweiß gegen Aeu-2sen- burg mit 3:4, die beiden anderen Spiele brachten einen 7:0-Sieg von Bieber über VfB. Friedberg und ein Unentschieden 3:3 zwischen Hanau 93 und Sportfreunde Frankfurt. Oie Berbandsspiele in Hessen. Auch in der Gruppe Hessen nimmt die Meisterschaft in diesem Jahre einen sehr spannenden Verlauf. Aach den Spielen Des 18. September liegen wieder drei Mannschaften mit je 11:3 Punkten zusammen an der Spitze, und zwar die beiden Wormser Mannschaften Alemannia-Olympia uni) Wormatia, sowie der Titelverteidiger Mainz 05. Die Wormser Kombinierten spielten in Worms gegen Mainz älnentschieden 2:2 (1:1), während die Wormatia in Langen nach hartem Kampf etwas glücklich 1:0 siegte. Nur sehr knapp konnte Kastel mit 1:0 Olympia Lorsch schlagen und auch Mombach rang Viktoria Arberach erst nach hartem Kampf 3:1 (0:0) nieder. Bürstadt spielt».' zu Hause gegen den SD. Wiesbaden 1:1 (0:0). Oer Aorden schlägt -en Westen 3:1 im Fuhballkampf auf Schalter Boden. Das Fußballtreffen der Repräsentatiomannschaf- ten von Nord- und Westdeutschland brachte den Westdeutschen eine zweifache Enttäuschung. Trotzdem der Westdeutsche Spielverband eine sehr starke Mannschaft gestellt hatte, in der auch die besten Leute der Meisterelf von Schalke 04 standen, konnte die rationeller spielende norddeutsche Elf doch mit 3:1 Treffern einen verdienten Sieg an sich bringen. Sehr enttäuschend war aber auch der Besuch. Obwohl das schönste Sonnenwetter herrschte, kamen doch nur 8000 Personen auf die Glückauf-Kampfbahn von Schalke 04. Deutsche Krastsport-Meisterschasien. Erster Tag. Die deutschen Kraftfportmeisterschaften wurden am Freitag in D o r t m u n i> mit einem älmzug aller 700 Teilnehmer und einigen internen Sitzungen eingeleitet. Am Samstag fielen dann in der Westfalenhalle und auf der Kampfbahn „Rote Erde" die er st en Entscheioungen. 3m Gewichtheben gab es auch einen neuen Weltrekord durch Vogt (Ochtendung), der im Halbschwergewicht im beidarmigen Drücken 225 Pfund zur Hochstrecke brachte und damit den bisherigen Weltrekord des Tschechen Psenicka um 22 Pfund verbesserte. Der deutsche Dantammeister Walter (Saarbrücken) drückt den deutschen Rekord im beidarmigen Stoßen auf 220 Pfund herauf. 3n den übrigen Gewichtsklassen konnten sich überall die Favoriten durchsetzen. Die neuen Meister lauten von der Bantamttasse an aufwärts: Walter (Saarbrücken), Mühlberger (Frankfurt), H e l b i g (Plauen), 3 s m a h r (München), Vogt (Ochtendung) und Straßberger (München). Die Ringer erledigten ihre Vorkämpfe, wobei sich auf der ganzen Linie ebenfalls die Favoriten durchsetzten. Leider fehlten Olympiasieger D r e n d e l (Nürnberg) und die beiden Münchener E h r l und Hering am Start. Dei den Rasenkraftsportlern gab es im Hammerwerfen nur mäßige Leistungen. Den besten Wurf erzielte im Halb schwergewicht Seeger (Oßwein) mit 47,64 Meter. Zweisronieii-Sieg der deutschen Leichtathletik. Frankreich mit 87:64 und die Schwei, mit 91:45 punkten geschlagen. Aach der Enttäuschung, die die deutsche Leichtathletik in Los Angeles erzielt hatte, konnte sie am Sonntag in den beiden Länderkämpfen gegen Frankreich und die Schweiz beweisen, daß sie mit ihrem hervorragenden Durchschnitt auf dem europäischen Kontinent immer noch führend ist. Weit leichter als man befürchtete, wurde Frankreichs Repräsentativmannschaft in Düsseldorf mit 87:64 Punkten geschlagen und unsere zweite Garnitur war noch stark genug, um die Schweiz in Weimar mit 91:45 Punkten und mit 14V2 zu y2 Einzelsiegen, also mit einer geradezu drückenden äleberlegenheit, abzufertigen. Der Sieg über die Franzosen. 3m Düsseldorfer Rheinstadion hatten sich zu diesem Kampf 10 000 Zuschauer eingefunden. Leider gab es während der Kämpfe Regengüsse, unter denen die Kampfbahnen und damit natürlich auch die Leistungen litten. Trotzdem gab es eine Reihe von recht guten Ergebnissen. Vor dem Kampf wurden die Nationalhymnen der beiden Länder gespielt und 3 o n a t h , der die deutsche Mannschaft anführte, überreichte dem französischen Mannschaftsführer Noel den Ehrenwimpel der Deutschen Sport- behörde. Die Kämpfe selbst fielen Überraschend günstig für Deutschland aus. Während unsere Vertretern in elf von 15 Wettbewerben siegreich waren, konnten die Franzosen nur die 800 Meter, den Weitsprung, das Diskuswerfen und die 4-mal-400- Meter-Staffel gewinnen. Besonders eindrucksvoll war der Sieg von Schilgen-Darmstadt vor den beiden ehemaligen Weltrekordleuten S6ra Martin- Frankreich und Dr. Peltzer im 1500-Meter-Lauf. Die hohe Niederlage der Eidgenossen. Eine Stunde vor Beginn dieses in Weimar aus- getragenen Kampfes ging ein starker Regen nieder. Es kamen zwar trotzdem 7000 Zuschauer, aber die Laufbahnen hatten so sehr gelitten, daß es vielfach nur mäßige Leistungen gab. Die Ueberlegenheit der Deutschen war auf der ganen Linie so groß, daß dem Kampf alle Spannung genommen würde. Nur in einem einzigen von den 15 Wettbewerbern konnten die Schweizer mit auf einen ersten Platz kommen, nämlich im Hochsprung, wo sich der Schweizer Riesen mit dem Deutschen Böwing in den ersten Platz teilte. Die Ergebnisse folgen. Zehnkampf-Olympiasieger Bausch unter profi-Ver-acht. Aus Amerika kommt die Meldung, daß gegen den besten Athleten der X. Olympischen Spiele, den Zehnkampfsieger und Weltrekordmann 3 a m e s Bausch, Anklagen wegen Vergehens gegen die Amateurbestimmungen erhoben worden sind. Bausch, der auch ein guter Rugbyspieler ist, soll es früher mit seinen Spesenabrechnungen nicht so genau genommen haben. Sollte sich Bausch zu verantworten haben, so würde nach 20 Jahren der Fall Thorpe, des Zehnkampfsiegers der Olympischen Spiele 1912 in Stockholm, ein Gegenstück erhalten. Kurze Gporinoiizen. Deutschlands Fußballelf für den Kampf gegen Schweden am 25. September in Nürnberg steht jetzt endgültig wie folgt fest: Jakob; Haringer, Stubb: Knöpfte, ßeinberger, Böhm; Bergmaier, Krumm, Rohr, R. Hofmann, Kobierski. * 3mKampf umben3nternationalen Cup besiegte in Budapest Ungarn vor 24 000 Zuschauern die Tschechoslowakei nur knapp mit 2:1 (0:0). Für den Endsieg im Cup-Wettbewerb kommen jetzt nur noch Oesterreich und 3talien in Frage. 3m Vorspiel des Budapester Treffens siegten Ungarns Amateure über die schwache österreichische Amateurmannschaft mit 8:1 (5:0). Die Vorrunde um den Handball- Pokal der DSD. brachte Favoritensiege, von denen aber der 15:7 (9:0) Süddeutschlands über Aorddeukschland in Hannover unerwartet hoch ausfiel. Berlin siegte über den Baltenverband mit 14:8 und Mitteldeutschland schlug den Südosten mit 6:2 Treffern. e Beim Hohenstein-Dergrennen, das 70 000 Zuschauer an sich gezogen hatte, erzielte der Schweizer Stuber die beste Zeit des Tages. Er kam auch auf seinem Bugatti-Rennwagen zu einem neuen Streckenrekord. * Die süddeutsche Meisterschaft im 50- Kilometer-Gehen fiel an Franz Reichel, München, während der Titel im 25-Kilometer-Laufen in 1:33.17.4 Stunden an Zeilnhofer, München fiel. » Einen Speerwurf von 63,77 Meter erzielte in seiner Heimatstadt Schönlanke (Grenzmark) ein neues Talent, Stock. Die deutsche Aativnalmannschaft für den Kampf gegen Schweden am nächsten Sonntag wurde jetzt wie folgt endgültig aufgestellt: 3akob; Haringer, Stubb; Knöpfte, ßein- berger, Oehm; Bergmaier, Krumm, Rohr, R. Hofmann, Kobierski. Wirtschaft. Entwicklung und Aussichten der deutschen Handelsbilanz. Das 3 n ft i t u t für Konjunkturforschung untersucht in seinem Wochenbericht die Entwicklung und die Aussichten der deutschen Handelsbilanz. Eine Entlastung könnte, wie der Bericht ausführt, in den nächsten Monaten vor allem durch saisonbedingte Kräfte (Zunahme der Fertigwarenausfuhr) eintreten. 3n der zweiten Hälfte des 3ahres hatte sich in den letzten 3ahren die Handelsbilanz regelmäßig „aktiviert", d. h. der Einfuhrüberschuß ging zurück oder der Ausfuhrüberschuß stieg. 3n der gleichen Richtung wirkt im laufenden 3ahr der günstige Ausfall der inländischen Ernte. 3m zweiten Halbjahr 1931 betrug der Einfuhrüberschuß an Getreide rund 100 Mill. Mk., im ersten Halbjahr 1932 etwa 160 Mill. Mk., für das zweite Halbjahr 1932 ist dagegen anzunehmen, daß nur ein geringer Einfuhrüberschuß an Getreide notwendig sein wird. Auch bei den übrigen Lebensrnitteln ist mit einer Verringerung der Einfuhr zu rechnen, da eine Reihe von Abwehrmaßnahmen gegen die Einfuhr erst im Verlaufe der letzten Monate oder in der jüngsten Zeit wirksam geworden ist. Diesen Entlastungstendenzen stehen jedoch erhebliche Delastungstendenzen gegenüber. Eine Zunahme der Ausfuhr von 3ndustrie-Erzeugnissen ist fürs erste kaum zu erwarten. Der scharfe Druck, der von der Konkurrenz niedervalutarischer Länder (vor allem England) ausgeht, hält mit fast unverminderter Schärfe an. Der Anteil Deutschlands an der Welt ausfuhr, der bis Ende 1931 ständig anstieg, hat sich im laufenden 3ahr beträchtlich vermindert. Bei dem gegenwärtigen Stand des Welthandels dürfte Deutschland — auf das 3ahr gerechnet — von seinem Auslandabsah etwa drei Viertel Milliarden Mark an seine Konkurrenten verloren haben. Das würde bedeuten, daß der Rückgang der deutschen Ausfuhr feit Ende 1931 nur etwa zu drei Vierteln auf die allgemeinen Absatzschwierigkeiten auf dem Weltmarkt zurückzuführen ist, ein Viertel des Ausfuhrrückganges ist Absatzverlust an die Konkurrenz. Mit einer Entlastung der Handelsbilanz durch steigende Ausfuhrmengen ist für den Rest das Jahres 1932 nicht z u rechnen. Dagegen ist vorerst noch eine weitere Belastung durch die Preisbewegung zu befürchten. Auf der Cinfuhrseite der Handelsbilanz wird man mengenmäßig mit einer zusätzlichen Belastung rechnen müssen, sobald die Hoffnungen auf eine Konjunkturankurbelung zu steigenden Rohstoff- eindeckungen führen. Aoch größere Rückwirkungen auf die Handelsbilanz sind aber vor allem von einer Preishausse an den Rohstoffmärkten zu erwarten. Alles in allem ist nach der gegenwärtigen Lage für das zweite Halbjahr 1932 mit einem weiteren Rückgang des Ausfuhrüberschusseszurechnen. Zwar ist durch die Saisonbewegung und die gesicherte Getreideversorgung eine gewisse Entlastung der Handelsbilanz wahrscheinlich, es ist aber fraglich, ob diese Kräfte ausreichen werden, die Belastung durch Ausfuhrrückgang und Preisbewegung auszugleichen. * • Die Indexziffer der Großhandelspreise. Die vom Statistischen Reichsamt für den 14. September berechnete Großhandelsindexziffer ist mit 95,3 gegenüber der Vorwoche um 0,3 Prozent gesunken. Die 3ndex- zisfern der Hauptgruppen tauten: Agrarstoffs 89,2 (— 0,8) Prozent, Kolonialwaren 85,4 (4-1,7), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 88,9 (— 0,3) und industrielle Fertigwaren 115,3 (unverändert^ Die Untergruppen der industriellen Fertigwaren, Produktionsmittel und Konsumgüter lauten 117,1 (-0,1) bzw. 114,0 (+0,1) Prozent. • 66270 steuerpflichtige Kraftfahrzeuge weniger. Die Destandserhebung der Kraftfahrzeuge in Deutschland zeigt einen Rückgang um 25 668 Personenwagen und Omnibusse. 8652 Lastkraftwagen und 31950 Grotzkrafträder. 3nsgesamt beträgt also der Rückgang an steuerpflichtigen Kraftfahrzeugen 66 270 Stück. *Die deutschen offentlichenLebens- versicherungsan st alten im August. 3m August 1932 wurden bei den im Verband öffentlicher Lebensversicherungsanstalten in Deutschland zusammengeschlossenen öffentlichen Lebensversicherungsanstalten 9366 neue Versicherungen mit 13,1 Millionen Mark Versicherungssumme beantragt. Die durchschnittliche Versicherungssumme betrug in der Großlebensversicherung 3838 Mark gegenüber 4350 Mark im August 1931 und in der Sterbegeldversicherung 445 Mark gegenüber 555 Mark im gleichen Monat des Vorjahres. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M.. 17. Sept. Die Aufwärtsbewegung der Eierpreise kam in der abgelaufenen Woche zum Stillstand und der seither lebhafte Verkauf hat eine merkliche Einengung erfahren, da sich der Einzelhandel nur auf die Deckung des notwendigsten Bedarfs beschränkte. Vereinzelt gaben die Preise etwas nach, so bei Holländern, Dänen und Flandern, während im übrigen die letzten Notierungen behauptet blieben. Es notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Bulgaren 8 bis 8,25, 3ugoflatoen 8 bis 8,25, Rumänen 7,5 bis 7,75, Polen 7,25 bis 7,75, Memelländer und Litauer je nach Größe 7,75 bis 9,5, Holländer 8,5 bis 9,75, Dänen 8 bis 9,5, Flandern 8,75 bis 9,25, Bayern 9 bis 9,5, deutsche Frischeier je nach Größe 9 bis 10,5, Mittel- und Schmuheier 6,5 bis 7. Frankfurter Buttermarkt. Frankfurt a. M., 17. Sept. Der Butter- markt zeigte stetige Tendenz. Der Absatz ist stark zurückgegangen, weil die Konsumenten infolge der erhöhten Preise ihren Einkauf stark ein- schränkten. Die Preise der Vorwoche blieben aber unverändert, obwohl durch die Zurückhaltung des Einzelhandels und des Konsums das an und für sich nicht starke Angebot dadurch mehr in Erscheinung tritt. Die Verkaufspreise des Großhandels lauten (in 1-Zentner-Tonne): holländische Butter 133 bis 135, deutsche Butter beste Qualitäten 127 bis 130 Mark. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a.M. Banknoten. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. D>- hin--, °-n Papieren °n9efü6rten ÄM°rn geben die Höhe der zuletz, beschlnstenen Dinidende an. - Reichsbanldislnnl 5 o.S), Lpmbnrdzlnsfuß 6 o.fi. Frankfurt a. M. Frankfurt a.M Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß» kurs Schluß!. Abend- börsc Schluß, turs Schluß!. Mittag- börsc Schluß« kurS Echlußk. Abend» börsc Schluß» kurS Echlußk. Mittag» börsc Gchluß» kurS Echlußk. Abend» Schluß» turd Echlußk. Mittag» börsc Datum 16.9. 17.9. 16.9. 17-9. Datum 16-9- 17.9. 16.9- 17-9. Datum 16.9. 17.9. 16.9. 17.9. 6% Dcutiche Reichsanleihe v. 1SL. 6% ehem.7%Dt. Reichsanl.v.lS2v 6%% Boung-Anlcihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslol.-Rechten....... Des^l. ohne Auslos.-Rechte . . 6% ehem 8%Heks. BolkSNaat 1929 (rückzahlb. 102%)...... Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechlen...... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1...... 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Banl Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Banl Goldpse 16 unkündbar bis 1936 B%% ehem. 4y2% Franks.Hyp^ Bank Liqu Psandbriese . . . 6y2% ehem. V/2% Rheinische Hvv.-Bank-Ligu.-Goldpse. . . 6% ehem. 8% Pr. Landespsand- briesanstau Psandbriese R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespfand, briesanstalt Psandbriese R. in 4% Oesterretchtsche Goldrenie . 4,20% Österreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 *Vi% desgl. von 1913..... 6% abgest. Goldmextkaner von 99 4% Türkische Zollanlcihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1.......... 4% desgl. Serie 11....... b% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4^%Rumänwereinh.Rentev.lgl8 4% Rumänische vereinh. Rente 2t»% i. Anatolier...... 67,5 63,5 54,25 6,95 62,5 50 50 72,75 72,25 78,4 78,5 70,5 70,5 10 7,4 7 6,75 3,85 4 4 6,1 11,6 5,5 18,75 67,2 76,25 63,5 54,9 7 52 50,4 72,25 78,9 78,5 70,5 70,5 10 7,5 7 6,75 3,9 4 4 6,1 11,35 5,6 18,9 67,75 75,65 63,5 54,25 6,85 63,25 49.9 71 9,8 1,3 7,4 6,8 11,25 3,85 4,25 11,25 5,5 18,75 67 76 63,25 54,75 7,05 62,5 49,9 70 1,3 7,5 6,9 6,05 7 3,9 4,35 6,5 11,5 5,6 18,65 vamburg.Amenla . . . u Hamburg-Südam. Dampfschis,. 0 Hansa Dampfschiff . . . i Norddeutscher Llohd.....k A.G. für Verkehrswesen Akt. . 0 Berliner Handelsgesellschaft . 4 Commerz- und Prival-Bank . 0 Darmstädter und Nationalbank o Deutsche Bank und DlSconto-Geiellschaft... o Dresdner Ban! .... o Reichsbanl .....i: A.E.G. . o Bergmann........o Elektr. LiefcrungSgesellfchast. 6 Licht und Kraft...... e Fellen & Guilleaume.... o Gesellschast für Elektrische Unternehmungen .... 4 Rheinische Elektrizität . . . LB Schuckeri L Co....... o Siemens & HalSke..... 9 Lahmeyer LCo.......io Buderus..........4 Deutsche Erdöl.......5 Gelsenkirchener.......8 Harpener..........0 Hoesch Eisen.........6 HUc Bergbau.......10 Ilse Bergbau Genüsse..... Klöcknerwerke........6 Mannesmann-Röhre« . ... 6 Mansselder Bergbai».....0 Oberschiei. Kolswerke .... 8 Phönix-Bergbau......4>A Rheinische Braunkohlen... 10 Rhetnftahl........ . c 18,25 19,13 43 91 56 76 62,75 130,65 30,65 73,5 86,5 59 75,75 70,65 79 137,9 117 40 78,25 43,75 78,25 97,5 35 56,5 23 27,5 176,5 71 18,9 19,5 43 91 56 76 63,5 130,5 31 73,5 87,25 59,75 76,5 71 79,25 139 119,5 40,5 79 43,75 78,25 99 36 57,5 24,25 27,75 177,5 71 18,25 37 32 19 43,25 91 56 76 63 129,65 30 20,75 72 86 59 74,5 77,5 138 117 39,5 78 43,5 78,5 37,13 96,75 35 55,9 22,5 39,4 27 177,5 69,5 18,65 33 19,4 43,13 91 56 76 63,5 131,13 31,25 21 72,75 87,75 60,9 75,65 72,75 79,4 139 117,5 40,5 78,25 43,9 78,25 38 36,65 57,5 23,4 40.5 27,65 176 70,25 Rtebett Montan......7,1 Bereinigte Stahlwerke . . . . 0 Otavi Minen....... 0 Kaliwerke Aschersleben ... 6 Kaliwerke Westeregeln ... 6 Kaliwerke Salzdetfurth ... 9 I. G. Farben-Jndustrte ... 7 Schetdeanstalt.......10 Goldschmidt.........0 Rütgerswerke........0 Metallgesellschast.......0 Philipp Hohmann......0 Zementwerk Heidelberg. ... 4 Cemcntwerk Karlstadt.....0 Wayß & Freytag......0 Schultheis Patzenhofer ... 0 Mu (Allgemeine Kunstseide) 0 Bcmbcrg......... q Zellstoff Waldhos..... 0 Zellstoff Aschaffenburg ... 0 Dessauer Gas........7 Daimler Motoren......0 Deutsche Linoleum.....0 Orensteln L Koppel.....0 Leonhard Tietz.......c SvenSka...... 0 Chade......... 12 frankfurter Maschinen . ... 0 Mainkrasiwerke Höchst a. M,. , 4 Süddeutscher Zucker ..... e 20,65 17,75 108 114 179 102 135.5 30 39,25 39,13 55 53,5 50 5,13 56,5 68 40 .29 20,25 44,75 47 179 26 126 21 17,5 110 114,5 102,13 135,5 30 42 39 55 54,25 50 5,13 58,5 68 40,5 29 20,5 45 47 180 27,9 57,5 126 20,9 17,75 108,25 114 176,25 1014 30 39 38,5 ■ 54,13 56,25 66,5 40,5 28,4 92,65 19,75 45,5 36,5 47 1784 26,75 124,75 21,4 18,25 110 115 176,5 101,9 30,4 42,4 39,4 54,5 55 58,9 67,75 41 29,25 94,25 20,5 44,75 36 48,13 180 27 124,75 16-September 17-September Amtliche Notierung Geld | Briet Amtliche Notierung Geld | Briet Heisings orS . 6,294 6,306 6,294 6,306 Wien. . . . 51,95 52,05 51,95 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest . . — — Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,06.3 Holland . . 169,23 169,57 169,23 169,57 OSlo.... 73,53 73,67 73,53 73.67 Kopenhagen. 75,77 75,93 75,77 75.93 Stockholm 74,92 75,08 74,92 75.0R London. . . Buenos Aires 14,62 14,66 14,62 14 6tz 0,908 0,912 0,908 0,919 Neuyork . . 4,209 4,217 4,209 4.217 Brüssel. . . 58,31 58,43 58,31 58,43 Italien. . . 21,62 21,66 21,61 21,65 Paris . . . 16,49 16,52 16,49 16^53 Schweiz . . 81,21 81,37 81,19 81,35 Spanien . . 33,90 33,96 34,07 34,13 Danzig. . . 81,82 81.98 81,82 81,98 Japan . . . 0,999 1,001 0,999 1,001 Rio de Ian.. 0,311 0,313 0,311 0,313 Jugoslawien. Lissabon . . 6,444 6,456 6,444 6,456 13,32 13,34 13,32 13,34 _______Berlin, 17-September Geld Amerikanische Note»........ Belgische Noten ......... 4,20 58,15 75,60 14,58 16,45 168,86 21,55 73,35 2,49 74,75 81,01 33,93 4,22 58,39 75,90 14,64 16,51 169,54 21,63 73,65 2,51 75,05 81,33 34.07 Dänische Noten.....«... Englische Noten......... Französische Noten........ Holländische Noten........ Italienische Noten....... Norwegische Noten........ Deutsch-Oesterreich, * IOO Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Roten........ Schweizer Noten......... Spanische Noten......... Ungarische Not« .......