Dienstag, 19. Juli 1952 Ut. 167 Lrirhausgabe 182. Jahrgang GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS wb Verlag: vrühl'sche Univer^iül5-Vvch. und Zteindruckerei R. Lange in Sietzen. Schnftlettung und Geschäftsstelle: Zchusltratze 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ns- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rc chspfennig, Platzvorfchrist 20°/, mehr. Thefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Longe. Deranttoortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, auher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsvrechanschlüfle unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Hieße». Postscheckkonto: granlfurl am Main 11686. Das allgemeine Oemonstralionsverbot erlassen. Schluß mit -em Bürgerkrieg! Die Toten des Wahlkampfes klagen an! Nun muh es aber wirklich genug sein des grausamen Spiels. Wären die Herzen dieser Generation, die seit 1914 durch ein Meer von Blut und Tränen hindurchgegangen ist, nicht immer noch allzu verhärtet gegen die Erscheinungen des Druderkampfes, so mühte heute ein einziger furchtbarer Aufschrei durch die Lande gellen. Was wir heute schaudernd erleben, ist doch wirklich nur noch durch Kleinigkeiten getrennt von dem Zustand des offenen Bürgerkrieges. Rund 80 Todesopfer und nahezu 1000 Verwundete liegen auf der Strecke eines Wahlkampfes von fünf Wochen Dauer. Strahen- schlachten mit organisierten Feuerüberfällen sehen eine Millionenstadt in Panik. Zum zweitenmal muhte die Reichswehr in blutige Kämpfe eingesetzt werden, die von Deutschen gegen Deutsche geführt werden. So geht es nicht weiter! So geht es nicht einen einzigen Tag weiter. Die erschlagenen und niedergeschossenen deutschen Volksgenossen klagen an! Die Frage, die sich vor diesen furchtbaren Geschehnissen und an der Bahre der Opfer erhebt, muh zunächst dahin zielen, ob alles getan wurde, um dieser grauenvollen Entwicklung vorzubeugen. Man muhte sie kommen sehen. Die jetzige Reichsregierung hat in loyaler Weise einer gewaltigen nationalen Volksbewegung alle Hindernisse aus dem Wege geräumt, damit sie ihre große Chance wahrnehmen könnte. Sie hat ihr die äußeren Möglichkeiten der Propaganda in Uniformen, Aufmärschen und Demonstrationen zurückgegeben. Sie hat ihr den Rundfunk zur Verfügung gestellt. Sie hat ihr alle Fesseln der Organisation und der Agitation abgenommen. Sie mußte sich darüber klar sein und sie war sich darüber klar, daß im Zeichen der neuen Freiheiten die Bewegung Hitlers von der Hoffnung erfüllt wurde, im letzten gewaltigen Ansturm die absolute Mehrheit und die Macht zu erringen. Es war vorauszusehen, daß ein W ahlkampfvon ungeahnten Ausmaßen und mit höchster Auspeitschung aller Leidenschaften sich entwickeln würde. Es tonnte kein Zweifel sein, daß auf beiden Seifen Alles an Alles gesetzt werden würde. Unter diesen Umständen mußte dafür Dorsorge getroffen werden, daß zwischen und über den feindlichen Bewegungen auf der Rechten und auf der äußersten Linken, die um die Macht und gegen die Diktatur kämpfen, eine einzige überparteiliche ft arte Regierungsmacht mit einheitlicher Willensrichtung stand, die die feindlichen Brüder in ihren Schranken und aus der Berührung in blutigen Auseinandersetzungen zu halten vermochte. Das ist natürlich nicht möglich, wenn in dem größten deutschen Staat zwei politisch gegeneinander gerichtete Regierungen sich in die Machtmittel teilen. Es ist ganz gleichgültig, ob man nach den innenpolitischen Uebeneugungen mehr zu Seve- ring oder mehr zu Papen neigt — in solchen leidenschaftdurchwühlten und gefährlichen Zeiten kann nur eine Stelle regieren, darf nur eine Stelle über den Einsatz der Machtmittel, sowohl der Polizei wie des Militärs, verfugen, und diese eine Stelle tonn selbstverständlich nur das Reich sein. In der Reichsregierung ist man sich • inzwiscken wohl darüber klar geworden, daß man einen Khler begangen hat, als man nicht gleich in den ersten Stunden und Tagen die Hand aus Preußen legte. Ein schneller und durchgreifender Entschluß hatte die mögliche Konflikte mit den Ländern im Keime erstickt. Die Vertagung der Ministerpräsidentenwahl in Preußen räumte dann den politisch-parlamentarischen Anlaß weg, der zur Einsetzung des Reichskommii- sars in Preußen hätte führen können. Die Reichsregierung mußte nun leider warten, bis neue Er- eigniffe ihr das Recht zum Eingreifen in die Hand gaben. Papen und Gayl haben sich vom Reichspräsidenten in Neudeck die notwendigen und weitreichenden Dollknachten geben lassen, um gegebenen» falls sofort handeln zu können, wenn die Ereignisse es notwendig machen sollten. Daß dreier Zeitpunkt jetzt gekommen ist — wer wollte daran noch zweifeln. Wer wollte versai- sungsrechtlichen Zwirnsfäden noch eine Bedeutung zumessen, wenn die Flammen des Bürgerkriegs an allen Ecken und Kanten emporschießen unb wenn Deutschland in ein Chaos zu sinken droht? Es sind alle Freiheiten für einen ehrlichen Kampf gegeben worden. Aber dieser Kampf darf nicht mit Revolvern, mit Dolchen und mit Gummiknüppeln, nicht mit den Waffen des Terrors aus- gefochten werden. Wenn die Reichsregierung will, daß am 31. Iuli die Stimme des Volkes auf dem Boden des Rechts und der Verfassung entscheidet, so darf sie keine Stunde mehr versäumen. Der sich in kleinen Aktionen abspielende Bürgerkrieg muß aufhören. Er erschüttert unser Ansehen in der Welt, er erschüttert das Vertrauen des deutschen Volkes auf sich selbst und zu sich selbst. Das Demonstrationsverbot ist bestenfalls nur ein Anfang. Damit wird ein Teil des Hebels getrosten, aber nicht das Ganze. 2e eher, je rücksichtsloser und entschlossener die Vertreter der staatlichen Gewalt mit der Entwaffnung der kommunistischen Terrorgruppen vorgehen, um so besser für das Ganze. Es ist die höchste Zeit, daß das deutsche Staatswesen sich wieder den Ruf erwirbt, ein Ordnungsstaat zu sein. Oie amtliche Mitteilung. Die Reichsregierung erwartet Ruhe und Besonnenheit. Berlin, 18. Juli. (TU.) Amtlich wird mitge- feilt: Am vergangenen Sonntag ist es wiederum a n vielen Orten zu blutigen Zusammenstöße n g e k o m m e n. In der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle beruhen die Zusammenstöße auf Provokationen und hinterhältigen Ueberfällen von kommuni st ischer Seite. Um die unmittelbare Gefahr neuer Ueber- fälle auf öffentliche Umzüge zu verhindern, Hal der Reichsminister des Innern mit dem heutigen Tage bis auf weiteres auf Grund der Zweiten verord- nung des Reichspräsidenten über politische Ausschreitungen vom 28. Juni 1932 ein allgemeines verbot von Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzugen erlassen. Die Reichsregierung ist entschlossen, alle Maßnahmen zu treffen, um Leib und Leben der Staatsbürger gegen weitere Angriffe ; u schützen und die freie politische Betätigung ju sichern. Sie erwartet von allen Teilen des Volkes, die auf dem Boden des Rechts stehen, Ruhe und Besonnenheit. Rur kmnn kann den bewußten Provokateuren blutiger Auseinandersetzungen wirksam das Handwerk gelegt werden. Oie Verordnung des Reichsinnenministers. Berlin, 18. Juli. (WTB.) Auf Grund des § 2 der Zweiten Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 28. Juni 1932 (RGBl. I, S. 339) wird mitwirkungfürdasReichs- gebiet folgendes verordnet: 8 L (1) Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge sind bis auf weiteres verboten. (2) Das Verbot g 111 n i d) t für Versammlungen unter freiem Himmel, wenn sie in fest umfriedeten, dauernd für Massenbesuch eingerichteten Anlagen ftattfinben und ihr Besuch n ur gegen Eintrittskarten zugelasfen ist. Auf Versammlungen dieser Art findet die Verordnung des Reichsministers des Innern über Versammlungen und Auszüge vom 28. Juni 1932 (RGBl-1, S. 339) Anwendung. 8 2. (1) Mit Gefängnis, neben dem auch auf Geldstrafe erkannt werden kann, wird be ft rast: 1. wer unter Zuwiderhandlung gegen das Verbot des 8 1 eine Versammlung unter freiem Himmel oder einen Aufzug veranstaltet ober leitet ober ba bei als Rebner auf (ritt; 2. wer für eine Versamlung unter freiem Himmel, bie nach § 1 verboten ist, ben Platz zur Verfügung stellt. (2) M i t G e l b st r a s e b i s z u 1 5 0 R M. wirb bestraft, wer an einer Versammlung unter freiem Himmel ober einem Aufzug, bie nach § 1 verboten finb, t e 11 n i m m L 8 3. Diese Derorbnung tritt mit ihrer verkun- bung in Kraft. Berlin, ben 18. Juli 1932. Der Reichsminister bes Innern, gez.: Freiherr von Gayl. Trotz Versammlungsverbot Kundgebungen in Berlin. Berlin, 18.Juli. (ERB.) Trotz des Verbots von Versammlungen unter freiem Himmel haben Angehörige verschiedener Parteien an mehreren Stellen der Stadt versucht, sich zusammenzurotten und Umzüge zu veranstalten. Daran waren Kommunisten, Nationalsozialisten und Mitglieder der Eisernen Front beteiligt. Die Polizei mußte wieder- holt eingreifen, z. B. im Norden, in Moabit, in Neukölln, in Steglitz und in Tegel. Einen heftigen Zu- fammenftoß hatte die Polizei am Andreas-Platz m 11 etwa 500 Kommunisten. Hier mußten die Beamten, da ihnen heftiger Widerstand entgegengesetzt wurde, mit dem Gummiknüppel vorgehen. Wieder zwei Todesopfer von Unrufyen in Langenselbold. Langenselbold, 18. Juli. (MTB.) heute um 15 Uhr wurden die den Langenselbolder Unruhen am Freitag jum Opfer gefallenen zwei Frauen zu Grabe getragen. Unter Beteiligung von etwa 5000 Personen ging das Begräbnis selbst ruhig von statten. Kommunisten waren aus der ganzen Umgebung erschienen. Obwohl die Langenselbolder Kommunisten vor einem Umzug gewarnt hatten, zog doch ein Trupp von 100 bis 150 auswärtigen Teilnehmern anschließend an die Beerdigung vor das haus des Polizeiwachtmeisters Ikler den man bezichtigte, die Schüsse in der Versammlung am Freitag abgegeben zu haben, durch die bie beiben Frauen löblich getroffen würben. Als Steinwürfe gegen bas haus prasselten unb einige Fensterscheiben eingeworfen würben, gaben bet po- lizelwachtmeifter unb angeblich auch seine Frau R e - volverschüsse auf bie anbrängenbe Menge ab, aus bet ebenfalls Schüsse gefallen fein sollen, von einem Schuß getroffen, brach bet Arbeiter Abam 211 b u s aus Gtoß-Ktohen- bürg tokzusammen. Lin zweiterArbeifer aus Offenbach erhielt einen Cungenfdjuß, bem et halb batauf erlag. Drei weitere Zugteilnehrner aus Groß-Krotzenburg, Steinheim unb Langenselbolb erhielten schwere Verletzungen unb mußten in ein Hanauer Krankenhaus eingetiefert werben. Das von bem Polizei Wachtmeister inzwischen telephonisch aus Altona, 18. 3ult (Täl.) Im Altonaer Polizeipräsidium fand am Montagnachmittag eine Pressebesprechung über die blutigen Vorgänge am Sonntag statt. Polizeipräsident Eggerstedt führte aus, daß es sich nach seiner Ansicht um einen wohlvorbereiteten Liebers all der antifaschistischen Aktion gehandelt habe, der zunächst vielleicht nur gegen die Rationalsozialisten beabsichtigt, im weiteren Verlaus aber völlig gegen die Polizei gerichtet gewesen sei. Zu den gegen die Polizei erhobenen Vorwürfen, daß sie den nationalsozialistischen Llmzug durch die berüchtigten Viertel an der Hamburg-Altonaer Grenze genehmigt habe, erklärte der Polizeipräsident, daß nach der Aufhebung des Uniform- und Umzugsverbotes kein Grundzur Verweigerung des SA.-Werbemarsches bestanden habe. In zweimaligen Besprechungen mit den Rationalsozialisten auf dem Altonaer Polizeipräsidium war von der Polizei der Wunsch ausgesprochen worden, daß der SA.-Zug möglichst die Ortsteile vermeide, die von politisch Andersdenkenden stark durchsetzt seien. Die Ra- tivnalsozialisten hätten jedoch Wert darauf gelegt, in allen Stadtteilen zu demonstrieren. Da sie gleichzeitig versprochen hätten, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, sei der Umzug mit der beabsichtigten Marschrichtung genehmigt worden. Die antifaschistische Organisation hätte dann in Flugblättern und in der „Hamburger Volkszeitung" dazu aufgerufen, am Sonntag in Altona zu bleiben und den Straßenschutz zu übernehmen. Die Kommunisten hätten eine Störung des SA.-Ausmarsches organisiert. Die Altonaer Polizei hätte alles, was sie an polizeilichem Schutz aufzuweisen habe, eingesetzt. Die Beamten hätten überall die nötige Feuerdisziplin bewahrt und seien so vorgegangen, wie es die Lage jeweils erfordert habe. Die Führer der Polizeibeamten hätten übereinstimmend Berlin, 18. Juli. (CNB.) Im Berliner Rundfunk sprach der Berliner Gauleiter der NSDAP., Dr. Göbbels, über das Thema „Der Nationalcharakter als Grundlage der Nativ n a 1 f u 11 u r". Der Redner verwahrte sich einleitend dagegen, daß die nationalsozialistische Bewegung Ausdruck einer Parteimeinung sei. Die Idee des Nationalsozialismus sei so weit gesteckt, daß unter ihrem Dach ein ganzes Volk Platz habe. Im Mittelpunkt alles nationalsozialistischen Denkens und Handelns stehe das Volk f e I b fL Däs 20. Jahrhundert sei das Iahrkundert der Masse, und nur eine Politik, die es verstehe, Massen in Bewegung zu bringen und zu organisieren, werde in diesem Jahrhundert auf die Dauer erfolgreich sein können. Doch müsse die Masse geformt und ihr Millionenwille dem Willen des führenden politischen Kopfes dienstbar gemacht werden. Eine Politik ohne das Volk sei dumm und sinnlos, eine Politik gegen das Volk ein Verbrechen. Der Nationalsozialismus, fuhr Dr. Göbbels fort, habe nicht den Ehrgeiz, sich den gegnerischen Parteien unb Systemen verständlich zu machen. Der- stehen brauche ihn nur das Volk. Deshalb sprächen die Nationalsozialisten in der Sprache des Volkes mit dem Ziel, eine wahre Politisierung der breiten Massen durchzuführen. Das allerdings fei nur möglich, toenn die Verwirrung der politischen Gedankenwelt, die in Deutschland seit 1918 eingerissen sei, beseitigt werde. Es müsse eine neue Volk s° gemeinschaft geformt werden, die die Macht an sich reißen werde, um verantwortliche deutsche Politik zu betreiben. Der demokratische Parlamentarismus sei charakterlos, weil er auf dem politischen Kompromiß beruhe, wahrend der Charakter jedem Kompromiß abhold sei. Ein vott besitze Nationalcharakter, wenn es von ernheMichern und unerschütterlichem Willen beseelt sei und diesen Willen kompromiß- und einschran- kungslos in der Welt durchzusetzen versuche. Es sei immer noch besser, eigensinnig eine gleichbkeibende Meinung zu vertreten, als gar Hanau herbeigerufene Ueberfallkommando räumte die Straßen und stellte die Ruhe wieder her. Langenselbold hat damit durch die Unruhen der letzten Tage fünf Tote zu beklagen. Weiteres Todesopfer der Ausschreitungen in Greifswald. Greifswald, 18. Juli. (WTB.) Die schweren politischen Zusammenstöße, die sich gestern in Greifswald ereigneten, haben ein weiteres Todesopfer ge- fordert. Im Krankenhaus starb ein National- sozialist, der schwere Stichwunden und Schußverletzungen erlitten hatte. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf drei. ausgesagt, daß sie einensolchen wohlorganisierten Feuerüberfallnochnicht erlebt hätten. Die Polizei sei zürnet st von oben herab beschossen worden. Die Polizei habe schon vor dem Umzug alle möglichen Sicherungsvorkehrungen getroffen und Ansammlungen, die sich vor Eintreffen des Zuges bildeten, zerstreut. Als dann die ersten Schüsse fielen, gingen die Beamten sofort gegen die Angreifer vor, ließen die Fenster schließen und erwiderten das Feuer mit scharfen Schüssen, Da trotzdem die Schießerei fortgesetzt wurde, wurde der älmmarsch abgeleitet und die Teilnehmer an der Kundgebung sofort in Sicherheit gebracht. Der beste Beweis für baS rasche Eingreifen der Polizei ist die Tatsache, daß keiner der Zugteilnehmer verletzt worden ist. Dem energischen Dorgehen der Polizei gelang es hierbei, der Lage Herr zu werden unb auch die Barrikaden zu beseitigen. Kommunistisches Sprengstofflager in einer Berliner Kieingarienwionie ansgedeltt. Bernau, 18.Juli. (TU.) In einer Kleingarten- kolonie bei Bernau wurde ein Sprengstoff- lager entdeckt. Der Besitzer, ein Kommunist namens Albrecht, wurde verhaftet. Es handelte sich um etwa sechs Pfund Ammonit, einem Sprengstoff, der in den Bergwerken benutzt zu werden pflegt, und der von ungeheurer Durchschlags- kraft ist. Außerdem fand man Zündkapseln und Zündschnüre. Teilweise waren bereits aus dem Sprengstoff Sprengkörperverfertigt wor- den, die mit Zündschnüren und Sprengkapseln ver- sehen waren. Bei der Vernehmung weigerte sich der Verhaftete, irgendwelche Angaben über die Herkunft und den Zweck des gefährlichen Materials zu machen. In Bernau bemächtigte sich der Einwohner nach Bekanntwerden des Fundes eine große Aufregung, zumal man horte, daß wahrscheinlich Anschläge in Bernau selb st geplant waren, die die Aufmerksamkeit der Oefsentlichkeit aus agitatorischen Gründen auf Bernau lenken sollten. keine Meinung zu haben unb sich m allem bet Meinung der Mehrheit anzuschließen. Aus bem Boden bes beutschen Rationabcharakters, der Treue, Fleiß, Betriebsamkeit, Klugheit, Mut, Idealismus unb Uneigennützigkeit bedeute, sei die deutsche Rationalkultur erblüht. Träger dieser Rationalkultur sei ba« ganze Volk gewesen. Es gebe keine Kultur ohne Charakter unb keinen Charakter ohne Dinbung eines Volksganzen. Aber in bie Bezirke deutscher Politik sei der kleine unb berechnende Geschäftsverstand eingezogen, die staatspolitische Idee eines völkischen Selbstbehauptungs- willerrs sei überwuchert worben von rechnerischem Verstaub. Vor nichts habe dieser innere Verfall Halt gemacht. Aus dem in sich geschlossenen nationalen Dolkswillen sei ein spießbürgerlicher Patriotismus geworden, das Volk sei inzwei erbittert gegeneinander gerichtete Klassensrvnten zerfallen. Die Wurzeln des kulturellen Rationaldaseins seien damit abgeschnitten worden. Die deutsche Ration, erflärte der Redner weiter, habe eine große Kulturentwicklung hinter sich. Daß sie verfiel und sich innerlich auslöst^ liege nicht am Volk, sondern sei auf ein Versagen der Führung zurückzuführen und auf bas Eindringen vo l k s w i b r i g er Ideen. Die l i b e r a I e I d e e von der sogenannten Freiheit der Menschen habe den Volkscharakter zersetzt und aufgerieben. Run habe die liberale Demokratie ihr Ziel erreicht. Der Boden des Volkes sei zur Tenne parteimäßiger Gegensätze herabgewürdigt worden, die heiligsten Grundlagen staatlichen und volllichen Lebens würden angezwei- felt. Schon seien Millionenorganisationen bet Lieberzeugung, daß Eigentum Diebstahl sei, daß der Landesverrat nur eine Ehre sei und daß die Religion Opium für das Volk sei. Dringe die Staatsführung nicht den Mut auf, diesen Verfall mit allen Wurzeln auszurotten, dann werde bet moralische, geistige unb politische Bankrott des Volkes sein furchtbares Ende sein. Das Zeitalter deS Internationalismus neige ' Oer Blutsonntag in Altona. Nach Darstellung des Altonaer Polizeipräsidenten ein wohlvorbereiteter ilebersall der Antifaschistischen Aktion. Goebbels spricht im Rundfunk. Vor Vertagung Oer Abrüstungskonferenz. Unter Ausschluß von Deutschland wird über die Vertagungsformel verhandelt Genf, 18.Juli. (TU.) Ministerpräsident Herrin t ist heute früh in Begleitung des Kriegsministers Paul-Boncour, des Marineministers Leygues und des Luftfahrtministers P a i n l e o 4 zur Teilnahme an den Verhandlungen der Abrüstungskonferenz vor deren Vertagung eingetroffen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht der Entwurf für die Vertagungsentschließung, die der tschechische Außenminister B e n e s ch in den späten Sonntagabendstunden allen Abordnungen übermittelt hat. Der Entwurf stellt in seiner gegenwärtig noch keineswegs endgültigen Fassung ein außerordentlich nichtssagendes Dokument dar. Er enthält keinen einzigen materiellen B e - schlußaufHerabsetzungderRü st ungen. Der Wiederzusammentritt der Konferenz wird in der Entschließung offen gelassen. Es wird lediglich empfohlen, die Konferenz innerhalb von vier Monaten nach dem Zusammentritt des Präsidiums, der Mitte September erfolgen soll, einzuberufen. Von den deutschen grundsätzlichen Forderungen, insbesondere von der Frage der deutschen Gleichberechtigung, ist selbstverständlich in der Entschließung mit keinem Wort die Rede. Zwischen H e r r i o t, Sir John Simon und dem amerikanischen Botschafter Gibson haben am Montag mit Hinzuziehung von B e n e s ch eingehende Besprechungen über die Dertagyngsent- schließung stattgefunden. Man erklärt in französischen Kreisen, daß im Großen weitgehende Uebereinstimmung erzielt worden sei und nur noch in der Frage des Verbots der Bombenabwürfe bei den Franzosen Widerstand bestehe. Zu den Verhandlungen sind die deut- chen Vertreter bisher nicht zugezo- j e n worden. Es ist aufgefallen, daß die franzö» ische Regierung jetzt in Genf durch ihren Ministerpräsidenten und drei maßgebende Kabinettsminister und auch die übrigen Großmächte durch ihre leitende Kabinettsminister bei den gegenwärtigen Abrüstungsverhandlungen vertreten sind, während wider Erwarten der deutsche A u ß e n in i n i st e >G an diesen Verhandlungen nicht teilnimmt. Worüber ist man sich einig? Die Frage der Gleichberechtigung beiseite geschoben. H e r r i o t hat am Montagabend der französischen Presse nachfolgende Mitteilung gemacht: 3n den letzten Besprechungen zwischen der französischen. der englischen und der amerikanischen Abordnung ist im großen eine grundsätzliche Einigung zustandegekommen, nach der das künftige Abrüstungsabkommen zu einer wesentlichen Herabsetzung derRü st ungen auf dem Gebiete der Land-, Luft- und Seewaffen und vor allem zu einer wesentlichen Einschränkung der Angriffswaffen führen soll. 3n den grundsätzlichen Punkten ist ein Ergebnis erzielt worden, das weitgehend dem französischen Standpunkt Rechnung trägt. 3n der vertagungsent,chließung der Abrüstungskonferenz wird fesigestellt, daß in der ersten Phase der Konferenz über folgende Punkte eine allgemeine Einigung erzielt worden ist: 1. Begrenzung der Tonnage der Tanks, 2. Verbot der Gas-, chemischen und Drandwaf- fen, 3 Schaffung eines ständigen Kontrollausschusses, der über die Durchführung des künftigen Abrüstungsabkommens wachen soll. Ferner ist eine Hebereinkunft darüber erzielt worden, daß das am 22. September ablaufende Rüstungsfeierjahr vorläufig auf vier Monate verlängert wird. Des weiteren ist vereinbart worden, daß neue Regeln des internationalen Rechts über besondere Strafmahnah- men gegen diejenigen Mächte geschaffen werden, die in Zukunft das Abrüstungsabkommen nicht einhalten. Weiter ist die Einsetzung eines besonderen Ausschusses für die Frageder p r i v a t e n W a f- fenhetstellung und des Waffenhandels erzielt Morden. keine Einigung besteht über folgende drei Fragen: 1. Das Verbot der Bombenflugzeuge. Auf diesem Gebiet sind die Verhandlungen jedoch auf gutem Wege. ; 2. Die Beschränkung der effektiven Truppenbestände. In dieser Frage stoßen die Verhandlungen mit der amerikanischen Abordnung gegenwärtig noch auf große Schwierigkeiten. 3. In der Flottenfrage ist bisher noch keine Entscheidung getroffen. Herriot betonte weiter, daß man sich über eine wesentliche Herabsetzung der Heeres- ausgaben geeinigt habe. Än der Dertagungs- entschließung werde eine besondere Klausel angenommen werden, daß die in der ersten Phase der Abrüstungskonferenz erzielten Ergebnisse in keiner Weise weitergehenden Abrüstungs- maßnahmen in der zweiten Phase der Ab- rüstungskonferenz, insbesondere den Vorschlägen der einzelnen Abordnungen Vorgriffen. Aus den Ausführungen Herriots geht also eindeutig hervor, daß in den Verhandlungen zwischen der englischen, der französischen und der amerikanischen Abordnung eine weitgehende Hebereinkunft erzielt worden ist, die offensichtlich in der Der- tagungsentschließung als das Kernstück und die Grundlage des künftigen Abrüstungsabkommens erklärt werden soll. Wie zu erwarten war, ist die Frage i>er Gleichberechtigung bisher über* Haupt noch nicht behandelt worden. sich seinem Ende zu. Der Geldmann könne noch international sein, denn das Geld sei an keine Scholle gebunden. Der Bauer und Arbeiter aber sei mit dem Schicksal des Landes und Volkes, dem er angehöre, auf Leben und Tod verknüpft. Wenn es ihm gut gehen solle, müsse es dem Vaterlande gut gehen. Zum Schluß kam Dr. Göbbels nochmals auf den Nationalsozialismus selbst zu sprechen, der erreicht habe, daß mit der Durchsetzung seiner neuen Volksidee auch ein neuer Volks st il und ein neuer Volks charakter entstanden sei. Der Nationalsozialismus habe längst die Fesseln der parlamentarisch-taktischen Gebundenheit gesprengt. Er sei zur Bewegung geworden und wolle seinen Charakter zum Nationalcharakter des deutschen Volkes machen. Er sei der lieber« zeugung, daß aus seinem Boden wieder eine neue, moderne Nationalkultur entspringen werde. Finde ein Volk seinen eigenen Charakter wieder, dann bahne es sich den Weg zur Nation. Habe es die Kraft, seinen artgemähen . Charakter zum Nationalcharakter zu erheben, dann schaffe es sich damit den Nährboden für eine neue Volks- und Nationalkultur. Diese Kraft liege nicht im Verstand oder in der Vernunft, sondern im Gefühl und im Willen. Sie allein könne dem Volk ein verlorengegangenes Selbstbewußtsein zurück- geben, aus dem jener Glaube entspringe, der Berge versetze. Hugenberg fordert Reichskommiffar für Preußen. Schwere Vorwürfe gegen die preußische Negierung. Siegen 18. Juli. (TH.) In einer öffentlichen Kundgebung der Teutschnationalen Vo'kspar- tei in Siegen kam Dr. Hugenberg auch auf die neuen Maßnahmen de r R e i ch s r e g i e - rung zur Hnterdrückung der bedrohlich anwach- fenden Unruhen zu sprechen. 3n dieser Stunde, so erklärte er, möchte ich sagen: Alles hängt davon ab, daß die Regierung sich Autorität verschafft. Sie darf nicht weiter zögern, sie muß das Hebel an der Wurzel packen. Das Hebel heißt Preu hem 3n keinem anderen Land sind Hnruhen in nennenswerter Art vorgekommen, nur in Preußen folgt ein Heberfall, ein Mord dem anderen. Der Grund dafür ist ausschließlich darin zu suchen, daß die schwarzrote Koalition in Preußen diePolizei nicht wirklich gegen die Hnruheftifter von links einseh t. Gegenüber diesem Versagen werden kleine Maßnahmen, wie Demonstrationsverbote und verschärfte Waffenbestimmungen um so weniger nützen, als die Durchführung dieser Maßnahmen wieder in den Händen der preußischen Regierung liegt. Das verhängnisvolle Abkommen der Rationalsozialisten mit dem Zentrum zur Ver ta- gung der Ministerpräsidentenwahl in Preußen hat ein Eingreifen des Reiches nicht erleichtert. Trotzdem müssen wir in dieser Stunde von der Regierung erwarten, daß sie dem marxistischen Spuk in Preußen sofort ein Ende macht, indem sie einen tatkräftigen und die Verhältnisse in Preußen beherrschenden Reichskommissar einseht, der mit den nötigen Vollmachten ausgestattet ist. Geschieht das nicht, darin lädt die Regierung Papen die schwere Verantwortung für die Gefahr auf sich, zum Totengräber einer an sich verheißungsvollen Entwicklung zu werden und unter Hmständen zum Schrittmacher der Revolution. Wir Deutschnationalen tragen für die Regierung Papen- keine Verantwortung, aber wir waren und sind bereit, sie in allem zu unterstützen, was sie zur Heberwindung der bisherigen unmöglichen Zustände tut. Versagt sie jetzt, so lädt sie schwerste Verantwortung auf sich. Wir tonnen einer Regierung, die den Augenblick des Handelns verpaßt, keine Gefolgschaft leisten. Die Kandidatenliste der Deutschnationalen in Hessen-Nassau. Frankfurt a. M., 18. Juli. (WSN.) Die Reichstags - Kandidatenliste der Deutschnationalen Ein Mann backt Pfannkuchen. Traurige Erfahrungen eines Strohwitwers. Sagen Sie nicht, daß Männer nicht backen können! Sagen Sie das nicht! 3ch meine nicht die Zuckerbäcker oder die Pantoffelhelden, die von ihren Bezwingerinnen in die Küche gesperrt werden: ich meine gewöhnliche verheiratete Männer, richtige Küchenignoranten, die wegen ihres Geschmacks vielleicht bei den Frauen gefürchtet, wegen ihrer Hnkenntnis in allen Herdangelegenhei- ten jedoch gering geschätzt werden. Mir hatte dieser Hochmut der Gegenseite schon lange zu schaffen gemacht. 3ch sagte mir: toerm ein Mann philosophisch erkannt hat, um was es sich beim Backen und Kochen dreht, dann muh er fähig sein, jedes Gericht herzustellen. Hnd so schleuderte ich eines Tages bei einem Tee, zu dem man mich als Strohwitwer mitleidig einge- laden hatte, meiner Gastgeberin, die sich Wunders was auf ihre selbstverfertigten Berliner Pfannkuchen einbildete, folgende Behauptung ins Gesicht: Wenn ich weih, wie diese lächerlichen Gebilde zustande kommen, aus wieviel Gips, Salz und Worcester-Sauce sie heraestellt werden, so zweifle ich nicht einen Augenblick daran, daß ich sofort beliebige Mengen erster Güte davon Herstellen kann." „Für drei Dutzend Berliner Pfannkuchen", erwiderte maliziös lächelnd die Dame des Hauses, .brauchen Sie ein Kilo seines Mehl." „Danke sehr und bitte was noch?" „V2 Pfund Puderzucker, 20 Gramm Hefe, 1 Pfd. Marmelade und 1 Kilo Schmalz. Versuchen Sie's mal und bringen Sie mir ein Kontrollexemplar aus 3hrer Pfannkuchenfabrik, sobald Sie die Ablieferung verantworten tonnen.“ • 19.15 Hhr betrat ich, 10 Kilo schwerer, die Küche. 3ch hatte alle Ingredienzien in dreifacher Ausfertigung besorgt. Der lächerlichen Rolle entsprechend, die zu spielen ich nun beginnen sollte, zog ich meinen gelb-weihen Strandanzug an und befestigte darüber eine weihe Küchenschürze. Dann tat ich das, was ich als das Schwierigste und Wichtigstes erkannt hatte: ich weichte die Hefe in Milch auf und stellte dieses Lebensferment tote befohlen auf eine kleine Gasflamme. Ein Kilo Weizenmehl schüttelte ich in eine große irdene Schüssel und grub in die Mitte ein trichterförmiges Loch: dahinein sollt« der Hefeteig praktiziert werden. Volkspartei im Wahlkreise Hessen-Nassau trägt an der Spitze die folgenden Namen: Dr. Alfred H u • genberg, Reichs- und Staatsminister a. D. Oskar Herat, Landwirt Kurt W i t t m e r - Eigenbrost, Hof Lauterbach (Kreis Frankenberg), Industrieller W. von Schrenck-Notzing - Wiesbaden, Fabrikarbeiter Wilhelm Schäfer. Daubhausen, Pfarrer Zeidler- Kassel, Stadtrat Jaspers- Frankfurt a. M. Die Kandidaten des Ehnstlich-sozialen Volksdienstes. Wie der Christlich-soziale Dolksdienst mitteilt, ist er, der den Wahlkampf selbständig führt, lediglich aus technischen Gründen eine Listenverbindung mit der Volksrechtpartei im ganzen Reiche eingegangen. Die hessische K a n d i d a t e n l i st e des Volksdienstes wird geführt von Pfarrer Professor D e i d t (Frank- furt a. M.). Es folgen: Professor Dr. K 0 ch (Gießen), Oberpostsekretär Kunz (Bensheim), Pfarrer Page (Mainz-Weisenau), Oberrangiermeister Heßler (Bad-Nauheim), Studienassessor Schneider (Darmstadt), Angestellter Götz (Worms), Oberver- waltungssinspektor Carl (Bad-Nauheim) und Dr. med. Georgi (Niederramstadt). 3ch blickte nach der Hefe, sie war im Begriff, wie ein Lavastrom über den Rand ihres Gefähes zu fliehen. Ich stülpte sie triumphierend in den Krater der Mehlschüssel und versuchte sogleich bei aufgekrempelten Hemdärmeln einen regelrechten Teig zu kneten. Mit eitler Geste streute ich nun Weizenmehl auf den mit einer großen Rolle weißen Papiers und Heftzwecken besteckten Küchentisch, um darauf das Produkt meiner männlichen 3ntelligenz platt zu walzen. Hierbei konstatierte ich, daß der einst so sensationelle Punktroller weiter nichts war als eine solide Küchenmangel. Hier war der Leib und hier war die Rolle, und in fünf Minuten war die weihe Fülle nach allen Seiten hin wegmassiert und ein fast durchsichtiges Etwas, eine Art Teighaut, lag vor mir. Auf diese Hnterlage setzte ich bis zur Mitte in regelmäßigen Abständen wie Heuhaufen überall kleine Ehimborassos aus Pflaumen- und Himbeer- kbnfiture und klappte, schwupp, die andere Hälfte über die Hügellandschaft. Schon hatte ich ein Wasserglas zur Hand und überall da, wo die Füllung dunkel durch die Teigwölbung schimmerte, drückte ich den scharfen Rand des Glases in den Grund. Hm den Frauen in nichts nachzustehen, bestrich ich sogar laut Vorschrift die Lötstellen dieser kleinen Wunder mit Eiweih. 3eht kam die Probe aufs Exempel: wenn der Teig richtig bereitet war, muhten die kleinen Dis- kusscheiben „aufgehen". Eine geheimnisvolle Schwellkraft muhte in ihnen wach werden. Aus Kreisen muhten Kugeln werden, aus Plätzchen eben sogenannte Pfannkuchen. Erst nach dieser Verwandlung dursten die Geschöpfe dieser meiner Prometheusstunde in dem siedenden Schmalz zur letzten Vollendung gebracht werden. Cs war 20.50 Hhr geworden. Mit liebkosendem Blick betrachtete ich die 36 weihen, in sechs Reihen aufmarschierten Trllergirls aus feinem Mehl und Hefe. Hm 21.30 Hhr begann auf der ganzen Linie das Wunder des Wachsens und des Werdens. Eine bezaubernde Harmonie der Formen war erkennbar und ich pries mich glücklich, dah ich durch den kühnen Vorstoß meines Selbstbe- wuhtseins zum Zeugen eines so unerhörten biologischen Vorganges geworden war. Um die Keuschheit der späteren Pfannkuchen nicht zu entweihen, deckte ich den Küchentisch mit einer großen weihen Serviette zu. 3ch war auf der Höhe meines Schöpferglücks. Man hatte mir gesagt, das Fett, das zum Backen benützt würde, wnnte nicht heiß genug, 17 Wahlvorschläge in Hessen. Darmstadt, 18. 3ulL (Lpd.) Wie wir erfahren, sind nach Ablauf der vorgeschriebenen Frist beim Kreiswahlleiter des Wahlkreises Hessen 17 Wahlvorschläge zur Reichstagswahl eingereicht. An den ersten acht Stellen stehen: 1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands. 2. Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. 3. Kommunistische Partei Deutschlands. 4. Deutsche Zentrumspartei. 5. Deutschnationale Volkspartei. 6. Deutsche Volkspartei. 7. Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei). 8. Deutsche Staatspartei. Es folgt mit Rümmer 11 der Ch ristlich- Soziale Volksdienst und mit der Rümmer 17 die Sozialistische Arbeiter- Partei. Auf der Liste erscheinen nicht mehr Landvolk und Radikaldemokraten. Weiter haben für Hessen noch folgende eigene Vorschläge eingebracht: Rationalsozialistische Kleinrentner, Inflationsgeschädigte und Vorkriegsgeldbesitzer, Arbeiter- und Bauernpartei Deutschlands (Christ- nicht glühend genug sein, es müsse so gefeuert werden, dah sich weißer Schaum auf der Oberfläche der sprudelnden Schmalzmasse bilden müsse. Ich drehte den Gashahn unter dem Tiegel halb auf. Das weihe Schweineschmalz zerrann im Ru zu einer durchsichtigen, klaren Flüssigkeit, die alsbald zu sieden begann. Ich gab mehr Gas. — Himmel, das Backen war ja auch eine sportliche Angelegenheit. Ich drehte noch mehr auf. Richtig, da erschien ja schon der weihe Gischt! Rur noch einen Augenblick, es war 21.50. Dann konnte das Backen beginnen. Roch mehr Gas!!! Teufel! Was war das? Die Gasflamme war in das glühende Fett geschlagen! Eine meterhohe Stichflamme schoh brausend aus dem Tiegel an der Küchenwand empor, alles in Flammen setzend, was über dem Herde hing. Ich sprang zurück. Heberlegte. — Löschen — Wie? Wasser in eine Kasserolle. Den Oberkörper zurückgebogen und das Wasser mit einem Ruck auf die mit sengender Glut rasende Stichflamme gekippt. Eine Handgranaten ähnliche Detonation, ein ungeheurer Luftwirbel. Ich lag am Boden, k. v., als hätte mich Schme- ling niedergedonnert. Die Lampe aus der Küchendecke war abgedreht, die mit Rolljalousien geschlossenen Küchenfenster waren nach außen gedrückt und zertrümmert, und die Küche mit Ruh und Schwefelgestank erfüllt. Die Hölle war los. Ich kroch wie ein abgestürzter Flieger auf allen Vieren zur Küche hinaus auf den Korridor, kam dort wieder zu Bewußtsein, befühlte meine abgesengten Augenbrauen und roch an meinem angesengten Schnurrbart, kroch zum Telephon und alarmierte die Feuerwehr. Sie kam. Ich mußte dem Löschzugführer erzählen, wie die Explosion entstanden sei. Schmun- glnd hörte er mit seinen Kollegen zu. Das hätten ie mit einer Handvoll Scheuersand löschen müssen, meinte er und blickte schmunzelnd unter die weihe Serviette auf die 36 Pfannkuchen, die während der Explosion vor lauter Angst noch mehr aufgegangen waren. Die klassische Ruhe dieser Männer gab mir auch meine Ruhe zurück und mit fünf Flaschen Hattenheiner feierten wir zunächst einmal den sensationellen Erfolg meines ersten und letzten lich-Radikale Volksfront), Radikaler Mittelstand, Deutsche Sozialistische Kampfbewegung, Volksrechtpartei, Deutsche Freiwirtschaftspartei (FFF. Freiwirtschaftsbewegung) und Kampfgemeinschaft der Arbeiter und Dauern. Dr. Syrup zum ReuMommifsar für den Freiwilligen Arbeitsdienst ernannt, Berlin, 18.Juli. (WTB.) Auf Grund der Verordnung über den Freiwilligen Arbeitsdienst vom 16. Juli 1932 hat der Herr Reichskanzler namens der Reichsregierung auf Vorschlag des Reichsarbeitsministers den Präsidenten der Reichsan st alt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung Dr. Shrup zum Reichskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst ernannt. Geheimer Rat Dr. Friedrich Syrup wurde 1882 geboren und besuchte das' Realgymnasium in Hannover. Rach der Reifeprüfung war er ein Jahr praktisch in verschiedenen Betrieben der Metallindustrie tätig. Dann widmete er sich dem Studium des M a- schi nenb au f ach es. 1903 bestand er das Examen als Diplomingenieur. Dann studierte er Rechts- und Staatswissenschaften, bestand die Gewerbeassessorprüfung und war in Hannover, Rheinland, Oberschlesien und Pommern tätig. 1918 wurde er Vortragender im preußischen Handelsministerium, 1920 Präsident der Reichsarbeitsverwaltung, 1927 Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Auf wirtschaftlichem, sozialpolitischem und arbeitsrecht- * lichem Gebiete hat er auch eine reiche schriftstellerische Tätigkeit entfaltet. Aus aller Welt. 71 euer Felsskur; im TTCofellal. 2n der Rähe des Wolfer Klosters bei dem Moselort Groev stürzte wiederum ein Fels- block, diesmal von etwa 1000 Kubikmeter Inhalt, zu Tal. Die Bruchstelle war bereits seit einigen Wochen in Bewegung. Es hat sich jetzt ein Spalt von 80 Zentimeter Breite und 90 Meter Länge gebildet, so daß weitere Felsstürze zu erwarten sind. Der Abbruch kündete sich bereits einige Zeit vorher durch verdächtiges Klopfen im Berge an. Die beim Absturz entstandene Staubwolke hüllte das Tal längere Zeit in einen gelblichen Dunst. Die Gefahrenstelle steht nunmehr unter völliger Bewachung. llnwekkerschäden in Südbayern. lieber weite Gebiete Südbayerns gingen dieser Tage wieder heftige Gewitter und Wolkenbrüche nieder, die beträchtlichen Schaden an- richteten. Sämtliche Flüsse führten Hochwasser, das in mehreren Orten die Straßen überschwemmte und in die Häuser eindrang. Heimsuchung eines slowakischen Dorfes: 22 Wohnhäuser in Asche gelegt Heber der kleinen Gemeinde Kobyly in der Ost- slowakei ging ein heftiges Gewitter nieder. Der Blitz fuhr in eine Scheune und setzte sie in B r a n d. Das Feuer, begünstigt durch den Wind, breitete sich mit rasender Schnelligkeit auf die umliegenden Häuser aus. In kurzer Zeit lagen 22 Wohnhäuser und zahlreiche Wirtschaftsgebäude in Asche. Etwa 140 Einwohner sind ohne Obdach. Der Schaden geht in die Millionen. Arbeikerunruhen in Polen. 3n Pabianice hat die Polizei die Baumwollmanufaktur Krusche & Ender AG. gewaltsam von den Arbeitern die seit zwei Tagen mit passiver Resistenz den Betrieb beseht hielten, geräumt. Die Polizisten wurden von den Arbeitern mit Salzsäure begossen, wodurch etwa 20 Beamte zum Teil schwere Drandverlehungen erlitten. Zwei Polizisten wurden durch Steinwürfe verwundet. Die aus der Fabrik vertriebenen Arbeiter veranstalteten einen Hmzug durch die Stadt und schlugen Straßenbahn- und Schaufensterscheiben ein. Die Polizei verhaftete etwa 50 Demonstranten, die in Lodz von einem Standgericht abgeurteilt werden follen^-" > Dackversuchs. Es war 24.50 Hhr, wir hatten alle Brüderschaft getrunken und sangen mit rauher Männerkehle ein stolzes Lied — als sich die Tür öffnete und meine Frau und meine Kinder braun gebrannt wie Berliner Pfannkuchen mit beispiellos intelligenten Gesichtem an der Schwelle stehen blieben. Cs dauerte lange, bis ich den Vorfall erklärt und sie ihn begriffen hatten. Sagen Sie nicht, dah ein Mann nicht backen könnte! Sagen Sie das nicht. S. Oer angewärmie Logenplatz. Ein Prozeß, der entgegen den sattsam bekannten Behauptungen Ben Akibas doch noch nicht dagewesen sein dürfte und in dessen Mittelpunkt ein warmer Sitz „steht", wird in der nächsten Zeit in Bukarest verhandelt werden. Also aber „steht" es mit diesem warmen „Sih": Herr Popesku, ein junger Mann, Sohn seines Vaters und auch sonst nicht viel wert, hatte sich neulich in einem Bukarester Theater einen Logenplatz erstanden, und da er es mit der weltmännischen Ruhe hielt, rauchte er im Foyer trotz Klingelzeichen und Portiers-Aufforderung feine Zigarette mit vornehmer Ruhe zu Ende. Als er sich dann in seine Loge zu begeben geruhte, fand er zu seinem Mißfallen seinen Platz bereits von einem Individuum beseht: dieses Individuum war aber höflich genug, feinen Irrtum einzugestehen und bereitwilligst Platz zu machen. Herr Popesku wandte sich jedoch indigniert ab, schritt gemessen zur Kasse und verlangte fein Eintrittsgeld zurück, — weil es seinen hygienischen Anschauungen widerspräche, sich auf einen bereits vorgewärmten Sitz niederzulassen. Da die Kassiererin nicht wußte, ob sie es mit einem Irren oder einem Betrunkenen zu tun hatte, telephonierte sie an die Direktion; der Herr Direktor erschien in eigener Person, sah aber ebenfalls die Rotwendigkeit einer Eintrittsgeldrückzahlung nicht ein. Worauf sich Herr Popeskp mit der Bemerkung, „dah man noch von ihm hören würde", würdevoll entfernte. Schon in den nächsten Tagen flatterte der Direktion eine Klage auf Herausgabe des Eintrittsgeldes ins Haus, und in Kürze dürften sich die Richter von Bukarest — man sagt, dah sogar der Herr Gesundheitsminister als Sachverständiger geladen sei — mit diesem Fall zu beschäftigen haben. Bus Der provinzialbauvtstadr Gtehen, den 19. 3utt 1932. Wiederaufleben der Bautätigkeit. Die Zuspitzung der Verhältnisse auf dem deutschen Geldmarkt in den letzten Jahren spiegelt sich charakteristisch in den Preisrückgängen auf dem Daumarkt wieder. Aach Abnahmen um 20 bis 50, ja bis 80 Prozent in den letzten drei Jahren erstarb die Bautätigkeit in der zweiten Hälfte des letzten Jahres vollständig, als 5olg von 5:33,18 Stunden den Sieg. Zweiter wurde der im Gesamtklassement führende Franzose Leducq. Die übrigen 63 Fahrer wurden zusammen auf den siebten Platz gesetzt. In der Gesamt- und der Länderwertung ergaben sich keine besonderen Veränderungen. Stöpel hält nach wie vor den zweiten Platz. 8. Etappe: Die Italiener stoßen vor. Die Fahrt wurde dann am Sonntag mit der achten Etappe von Montpellier nach dem 206 Kilometer entferntenMarseille fortgesetzt. Das Merkmal dieser Etappe war ein Vorstoß der Italiener, der auch eine Sprengung des Feldes herbeiführte. Orecchia und der Tourist Butafocchi zogen kurz hinter Gardanne davon, gefolgt von dem Deutschen Sieronski und dem Franzosen Bidot. Diese beiden fielen aber später in- olge von Defekten wieder zurück, so daß die beiden Italiener mit \Vi Minuten Vorsprung in einer Fahrzeit von 6:31,10 auf der Bahn in Marseille eintra- en. Die 6:32,50 Stunden benötigende Hauptgruppe wurde von Leducq, Ronsse, Stöpel, Morelli, Wouters, Schepers und Thierbach angeführt. Ein großer Teil der Fahrer der Hauptgruppe wurde auf den 20. Platz gesetzt, darunter auch die Deutschen Bulla, Sieronski und Altenburger. Die übrigen Deutschen hatten durch Defekte und Stürze erhebliche Zeitver- lüfte. Im G esamt klassemen t führt nach wie vor der Franzose Leducq vor dem Deutschen Stöpel, Pesenti (Italien) und Camusso (Italien). Im Länderklassement liegt Deutschland an vierter Stelle hinter Frankreich, Italien und Belgien. Mit weitem Abstand folgt die Schweizer Mannschaft. 9. Etappe: Marseille—(Sannes. Die neunte Etappe der französischen Radrundfahrt führte am Montag von Marseille über 191 Kilometer nach Cannes. Die Fahrt verlies ziemlich ruhig, einige Vorstöße wurden nicht mit dem nötigen Nachdruck durchgefübrt, um bleibenden Erfolg zu haben. Erst kurz vor dem Ziel gingen vom übrigen Feld fast unbemerkt der Italiener bi Pacco und der Belgier Ronsse davon und konnten einige hundert Meter Vorsprung herausfahren. Im Endspurt schlug dann bi Pacco Ronsse ganz knapp mit einer halben Länge. Seine Fahrzeit betrug 6:29,31 Stunden. Eine halbe Minute später traf auch die aus 27 Mann bestehende Haudlgruppe ein, geführt von dem Schweizer Antenen, Leducq, Stöpel und Diarengo. 20 weiter? Fahrer, darunter die Deutschen Geyer, Sieronski, Thierbach und Risch wurden auf den neunten Platz gesetzt. In der Reihenfolge der Län- der- und Einzelwertung hat sich nichts geändert. Kirche und Schule. Missionsfeft in Lang-GönS. -Lang-Göns, 18.Juli. Für das kirchliche Leben in unserer evangelischen Gemeinde ist das Missionsfest, das alle zwei Jahre gefeiert wird, immer ein Höhepunkt. Auch das Fest am Sonntag, begünstigt durch gutes Wetter, nahm einen harmonischen Verlauf und hinterließ bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck. Es fand auf dem großen Kirchplatz, der von Linden Ahorn und Eichen beschattet ist, statt. Aus den Nachbarorten, besonder» aus Holzheim, waren sehr viele Gäste erschienen Man schätzte die Zahl der Besucher auf über tausend. Ein Uebelftanb zeigte sich während der Veranstal» tung: neben dem Kirchplatz läuft nämlich die Hauptverkehrsstraße Frankfurt—Kassel und durch die vor- beifahrenden Autos und Motorräder wurden di« Reden ziemlich stark gestört. Im Morgengottesdienst predigte Pfarrer Kalb - Henn (Kirch-Göns). Seiner Predigt lag der Mist sionstext vom Kämmerer aus dem Mohrenlande zugrunde. Das eigentliche Missionsfest begann am Nachmittag und wurde eingeleitet mit einem Musikvortrag des hiesigen Posaunenchors, der von Weißbindermeister Boller dirigiert wurde. Ein gemeinsam gelungener Choral folgte, sowie ein Lied des Gemischen Chors, ebenfalls unter Leitung von Weißbindermeister Boller. Sodann sprach Pfarrer V ö m e l (Rodheim an der Bieber). Im Anschluß an den zweiten Brief an die Korinth« („Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen Hellen Schein in unsere Herzen gegeben...") sprach er zunächst von dem größten christlichen Missionar, von Paulus, wie er «inst den Heiden das Evangelium predigte. Weiter verglich er die evangelische Heilsbotschaft mit einem Leuchtturm, der weit draußen im Meere steht, den Schiffen aber ein Licht zeigt und sie vor Schaden bewahrt. So auch sollten wir trotz der Not, bie in Deutschland herrscht, diese armen Heiden nicht vergessen und dafür sorgen, daß ihnen Licht und Leben gegeben werben kann. Anschließend erzählte Missionar Welsch von der Rheinischen Mrssionsgesellschaft, z. Zt. in Ehringshausen bei Wetzlar, von seiner Tätigkeit in Neu-Guinea, wo er über 18 Jahre bei den Papuas wirkte. Er wies besonders auf die Schwierigkeiten hin, die mit der Missionsarbeit verbunden sind und bat um die Hilfe der Heimat. Nach einer kurzen Kaffeepause, in der die auswärtigen Besucher Gäste der hiesigen Einwohner waren, sprach Missionar Welsch weiter über feine Tätigkeit in Neu-Guinea, schilderte die seelische Not der dortigen Eingeborenen, ihre Zwangsvorstellungen, Angst vor dem Zauber usw. Er wies ferner auf den ungeheuren Einfluß des Christentums hin, das dort nach kleinen Anfängen Eingang gefunden hat und den Menschen den Weg zur inneren Ruhe gebracht habe. Pfarrer L 9L Simsa - Bad-Nauheim, der jahrzehntelang in der inneren Mission tätig war, hielt sodann eine kurze Ansprache und gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß unter den zahlreichen Zuhörerinnen noch bie alte schöne Hüttenberger Tracht das Festbiw verschönte. Vorträge bes Posaunenchores und bes gemischten Chores folgten. Das Schlußwort sprach der Ortsgeistliche, Pfarrer Wahl. Er bantte ben Rebnern und allen Be^ suchem, begrüßte besonders die Gäste aus ben" Nachbardorfern und bat, auch weiterhin die Nachbarschaft zu pflegen. Für bie Zwecke ber Heiden- Mission wurde eine Kollekte veranstaltet. Außerdem hatten die Schulkinder vorher im Dorf« Schriften über bie Missionsarbeit verkauft. S. Wirtschaft. Anspannung des UeichsbankstatuS. Berlin, 18. Juli. (WTB. Funkspruch.) Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. Juli bat sich in der zweiten Iuliwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 124,8 Millionen auf 3 497,8 Millionen RM. verringert. Jrn einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -schecks um 169,7 Millionen auf 2 982,3 Millionen RM. abgenommen, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 3,1 Millionen auf 4,6 Millionen RM. und die Lombardbestände um 41,9 Millionen auf 145,7 Millionen RM. zugenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 78 Millionen RM. in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 80,3 Millionen auf 3796,3 Millionen RM. verringert, derjenige an Rentenbankscheinen um 2,3 Millionen auf 405,0 Millionen RM. erhöht. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 22,6 Mill. RM. ermäßigt. Die fremden Gelder zeigen mit 338,6 Millionen RM. eine Abnahme um 63,1 Millionen RM. Die Bestände an Gold und deckungs- fähigen Devisen haben sich um 53,3 Millionen auf 891,7 Millionen RM. vermindert. Im einzelnen haben die Goldbestände um 52,0 Millionen auf 754,1 Millionen RM. und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 1,3 Millionen auf 137,5 Millionen RM. abgenommen. Die Abnahme an Deckungsmitteln ist in fast voller Höhe auf die Bereitstellung von De- vifen für die bereits bekannte Teilrückzahkung auf den Ueberbrückungskredit des Reiches (Lee Higgin- fon & Co.) zurückzuführen. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 23,5 v. H-, gegen 24,4 v. H. in der Vorwoche. Frankfurter Abendbörse still. Frankfurt a. M., 18. Juli. Der Beschluß der Reichsregierung, das allgemeine Vernon st rationsverbot w'.ederherzustellen. machte an der Abendbörse einen beruhigenden Eindruck, wenngleich im Hinblick auf dis sonst unsichere innerpolitische Lage die Zurückhaltung be stehen blieb. Dom Publikum fehlten nach wie vor jegliche Aufträge, so daß sich das geringe Geschäft nur innerhalb der Spekulation abwickelte. Gegen den Berliner Schluß lagen die Kurse im allgemeinen behauptet, nur Deutsche Erdöl bröckelten leicht ab. Im Verlaufe blieb es weiterhin still; die fest» Tendenz der Reuhorker Börse blieb ohne nennenswerten Einfluß. /Deutsche Anleihen lagen bei sehr stillem Geschäft behauptet, und auch im übrigen waren keine Veränderungen von Belang festzustellen. Reubesihanleihe 5,13, Altbesitzanleihg 41,25, Reichsbcmk 123, Buderus 25,50, Gelsenkirchen 31,25, Salzdetfurth 154, Rheinstahl 44,25, Stahlverein 13 bis 13,25, AGG. 23, Deutsche Erdöl 68, IG.-Farben 86,63 bis 86,75, Holzmann 31,25, Siemens 119, Südd. Zucker 105, Reichsbahn-VA. 74,50, Hapag 11,25, Rordd. Llohd 12,63. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frank,ut! u. 2)1. Berlin Franksurl a.M. Berlin Schluß- kurS Schlußk. Abend- dürfe Schluß« kurS Schlußk. Mittag« börse Schluß- kurS Schluß!. Abendbörse Schluß- kurS Schlußk. Mlttag- börse Datum 16 7. 18.7. 16.7. 18.7. Datum 167. 18.7 16.7 187. 6% Deutsche Reichsameihe v. 192 , — —- 65 65 Hamvurg-Amertla Pale, . . Hamburg-Südam. Dampfschiff . b 12 11,25 11,75 11,5 7% Deutsche Reichsanlethe 6.1929 66 65 65.25 65,13 . 0 — — —— — 5'/e% Doung-Anleihe von 1930 . 63 63.5 63,5 63.9 Hansa Dampfschiff .... . 0 — — —— — Deutsche Anl.-Ablöl^Schuld mit Norddeutscher Llohd .... . 6 13 12,65 12,75 12,75 Auslos.-Rechten....... 42.4 41,25 5.13 42 41,13 5.05 QL®, für Verkehrswesen Alt. 27 —— 26 25,5 Desgl. ohne Auslos.°Rechte . . . 5.4 5,4 Berliner Handelsgesellschaft . 8 90 89 90 90 8% Hess. Bolksstaat von 1929 (rückzahlb. 102%)...... Commerz, und Prtvat-Bank. 7 16 — 16 — 49,5 49,5 — 50 Darmstädter und Nationalban 8 18.5 18,5 18,5 18,5 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Deutsche Bank und Auslos.-Rechten.....*. 40 40 —- — DtSconto-Kesellschast. . . 6 30,25 —— 30 — Deutsche Komm. Sammelabl. Dresdner Bank...... 6 18 5 —— 18,5 18,5 Anleihe Serie 1..... 38,5 39 38,6 38,25 Reichsbcmk........ 12 124,25 123 124,4 123 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 .... 63 69 —— —— A.E.®........... . 7 23.25 23 23,13 23,25 7% Franks. Hyp^Bank Goldpse. unkündbar bis 1936 Serie 16 . 67,75 — — — Bergmann........ Elektr. Lieferungsgesellschaft. . 9 10 59 — 57,5 20.75 57.25 s'/r% Franks. Hyp^Bank Ltqu.» Licht und KrasI...... 10 71 68 — 67,75 Pfandbriefe....... • 77,75 78 — — Felten & Guilleaume.... Gesellschaft für Elektrische «'/- — — — 36,75 *y.% Rheinische Hhp^Bank-Liau. Goldpse........... 79,5 79,75 — Unternehmungen .... Rheinische Elektrizllät . . . 9 54,5 54 54,25 54.4 8% Pr. LandeSPsandbriesansialt, . 9 62 — —- 62 5 Pfandbriefe R. 19...... es 63,5 68,5 es Schustert & Co..... . 11 60,5 — 59,5 59,5 7% Pr. Landespsandbriefanstall, Siemens & Halske . • • • • 14 119,25 119 120,5 119,4 Pfandbriefe R. 10 ... - — — — T* Lahmeher L Co.. • • • • • 12 77 76 76 76,5 4% Oesterretchtsche Goldrente . . — — 10 Buderus......... . 4 26 25,5 — 25,25 4,20% Oesterreichtsche Silberrente — — —— 1.05 Deutsche Erdöl...... 66,25 68 b6,75 68,5 4% Ungarische Goldrente . . . . 5,75 — 5,75 5,7 Gelsenkirchener...... . 8 32 31,25 31,65 31,5 4% Ungarische Staalsrente 6.1910 6.75 — 6,75 6.6 Harvener......... Hoesch Eisen........ Ilse Bergbau....... Ilse Bergbau Genüsse . . . . 1 > 49 48 48,5 48,25 4%% desgl. von 1913 . . . 5% abgcsi. Goldmexikaner von 99 — — 5,25 5,75 —— 24 23,75 4.75 4,75 4,55 10 — — — —— 4% Türkische Zollanleihe von 191] 3 25 3,5 3,13 34 • - — — 91,5 — 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Klockncrwerte....... . 6 23 — — 22 Serie l . . 3,2 3,3 3,13 3,3 Mannesmann-Röhren . . . . 6 — 35,5 36,5 36.4 4% desgl. Serie II....... 3,2 3.3 3,4 Manefelder Bergbau .... . 0 10,5 — 11 11 6% Rumän. vereinh. Rente v. 190! 4.75 4,1 Oberjchles. Kokswerke . . . . 8 — —— 29,5 28 4^»%Rumän.verelnh.RenIev.l91g 7 7 25 7,5 7,4 Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohle». . . 414 15 14,25 * ■ 14,65 4% Rumänische vereinh. Rente 3,5 3.65 3.55 3,5 10 169 166 — 166 e&% l. Anatolier ...... 16 15,75 16,1 16 • 6 45,5 44,25 44,75 43,3 Jrannun