M.167 Erstes Blati 182. Jahrgang Dienstag, 19. Juli 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilogen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle monot$:Bc ’igspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univer^iäls-Vuch» und Stctnöruderei K Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20°., mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Der amerikanische Kongreß geht in die Ferien. Ein niederschmetterndes Ende der „Prosperity". Washington, 17.Juli. (WTB.) Der Bun- dcskongreß ist nach fiebenmonatiger Sitzungsdauer bis zum Monat Dezember in die Ferien gegangen. Die Kongreßmitglieder werden sich zunächst eine kurze Ruhepause gönnen und dann in die Kampagne für die im November fälligen Prä- sidentfchaftswahlen aktiv einzugreifen. Der Präsident des Repräsentantenhauses, Larner, wartete übrigens den Schluß der Kongreßtagung nicht ab, sondern verließ die Stadt bereits am Nachmittag, was seine Gegner auszunutzen versuchten. Sie behaupteten, Larner, der bekanntlich als Kandidat für die Bizepräsidentfchaft ausgestellt ist, habe während der ganzen Kongreß- tagung trotz des demokratischen Uebergewichtes im Repräsentantenhaus keinerlei Führereigenschaften gezeigt und sei sogar in den letzten entscheidenden Stunden der Tagung ferngeblieben. In Wirklichkeit hatte das Repräient'antenhaus feine Arbeiten bereits erledigt, und die Abgeordneten faßen müßig herum und warteten auf das Ende der Senatssitzung. Dabei ging es recht lustig zu, denn einige Abgeordnete stimmten Lieder an, die auf beiden Seiten des Hauses freudig mitgefungen wurden. Der Senat verabschiedete inzwischen die Novelle zum Bankgesetz, nach der die Ausgabe neuen, durch Schatzanweisungen gedeckten Papiergeldes bis zu 1,1 Milliarden Dollar zugelassen wird. Bor dem Kapitol und dem Weißen Hause versuchten bis zum letzten Augenblick der Kongreßtagung tausende Veteranen durch Demonstrationen die Erledigung der Bonus-Frage zu erzwingen. Die Polizei trieb jedoch die Demonstranten auseinander, während der Kongreß die zahlreichen Veteranen-Petitionen unbeachtet ließ. Auch ein Versuch, noch in dieser Sitzungsperiode das Alko- h o l o e r b o t aufzuheben, schlug fehl, da die erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht erreicht wurde. Erhöhte Steuern, gekürzte Gehälter, stark zusam- mengestrichene Budgets auf der einen Seite und gewaltige Ausgaben für die Finance Reconstruction Corporation zur Stützung gefährdeter Großunternehmen und die Gewährung von Anleihen an Ein- zelftaaten zur Speisung der Arbeitslosen anderseits, dos waren die Hauptergebnisse dieser längsten Tagung des Bundeskongresses in den letzten zehn Jahren. Die Kammerwahlen in Rumänien. Bukarest, 19. Juli. (TU.) Der Ausgang der Kammerwahl am Sonntag läßt sich noch nicht übersehen, da die Ergebnisse nur sehr langsam eingehen. Auf alle Fälle werden die Nationalzarani- sten die erforderlichen 40 v. H. und damit die im Wahlgesetz vorgesehene Prämie von 193 Mandaten erhalten. In Bularest und in vielen Städten haben die Nationalzaranisten eine empfindliche Niederlage erlitten, während sie auf dem flachen Lande, namentlich in Siebenbürgen, gesiegt haben. Sie dürsten etwa 47 v. H. aller Stimmen erhalten haben, was aufgrund des Prämiensystems 7 3 o.' H. aller Sitze bedeutet. Die Wahlbeteiligung war infolge der tropischen Hitze, der Feldarbeit und völliger Interesselosigkeit in den Städten nicht sehr groß. Es ist anzunehmen, daß von den 387 Kammermandaten ungefähr 230 bis 240 auf die Regierungspartei entfallen. Die Liberale Partei folgt mit etwa 35 bis 40 Sitzen. Georg Bratianu mit feiner Dissidenten-Liberalen Partei erhält wahrscheinlich 18 bis 20 Sitze. Die Bauernpartei Dr. Lupus dürste ungefähr die gleiche Mandatszahl erlangen. Die Sozialdemokraten dürften ihre Mandatszahl auf 11 erhöhen. Die beiden rechtsradikalen Parteien, die A n t i s e m i t e n- liga und die Eiserne Garde, dürften etwa 8 Mandate erlangt haben. Die Ungarische Partei wird wahrscheinlich mit ungefähr 20 bis 22 Abgeordneten vertreten sein. Die Deutsche Partei, die mit der Regierung in Wahlverbindung war, dürste 12 bis 16 Mandate erringen. Die Nationale Union (Iorga) wird im kommenden Parlament überhaupt nicht vertreten sein. Aufnahme der Türkei in den Völkerbund. Gens, 18. Juli. (WTB.) Die Türkei ist heute nachmittag in einer außerordentlichen öffentlichen Bundesversammlung als 56. Mitgliedsstaat in den Völkerbund ausgenommen worden. Die Versammlung leitete der belgische Außenminister H y - m a n 5. Von den teilnehmenden Staaten war Deutschland durch den Botschafter in Ankara. Nadolny, Frankreich durch Herriot, England durch Sir John Simon vertreten. Die Sitzung, die einen betont feierlichen Charakter hotte, wurde von dem Vorsitzenden mit der Verlesung einer Entschließung eröffnet, in der die Versammlung den Beitritt der Türkei beschließt und die Vertreter der Türkei auffordert, an der Sitzung teilzunehmen. Mit großem Beifall wurden sodann die im Saale anwesenden Vertreter des neuen Mitgliedsstaates, der Gesandte der Türkei in Bern, Kemal Hüsnü Bei und der Delegierte der Türkei bei der Abrüstungskonferenz, Ne c m e t t i S a d i k Bey, von der Versammlung begrüßt. Wahrend sie ihre Plätze einnahmen, richtete der Präsident der Versammlung eine Ansprache an sie, in der er den Beitritt der Türkei feierte. Das Echo des Demonstrationsverbots. Was sagt die Berliner presse? Berlin. 19. 3uh. (TU.) Zum Dernonstra- | tionsverbot der Reichsregierung nehmen die Berliner Blätter eingehend Stellung. Die ^Germania" spricht von einer späten Erkenntnis der Reichsregierung und einer Rechtfertigung für die Haltung der Minister der süddeutschen Länder. Die „Germania" glaubt, daß die Reichsregierung den bitteren Weg der Erkenntnis bis zum Ende gehen müsse. Dieses Ende werde das Ende der Tlniformsreiheit sein. — Die ,,D o s- fische Zeitung" sagt: Die Verordnung des Reichsinnenministers sei das Eingeständnis, daß ein Experiment mißglückt sei. Man müsse sich fragen, ob es sich wirklich gelohnt habe, den Gegensatz Reich—Länder auf die Spitze zu treiben, nur um am 18. Suli für das ganze Reich zu verbieten, was bis zum 28. 3uni in den Ländern verboten gewesen sei. — Der „Vorwärts" meint, das Ergebnis des Verbotes sei, daß auch die Rationalsozialisten auf Demonstrationen verzichten müßten, und daß der Wert der Uniform- erlaubnis auf ein Minimum reduziert werde. Die „D 21 Z." weist auf die Wichtigkeit hin, daß die Politik der gesamten Staatsgewalt von einheitlichen Auffassungen geleitet werde. Es sei unhaltbar, daß die geschäftsführende Preuhenregierung tociteramtiere, als wenn es keine Wahlen gegeben habe. — Die „B ö r s e n z e i t u n g" meint, es bleibe abzuwarten, ob die Maßnahmen der Reichsregierung den gewünschten Erfolg habe. Die Lage sei zu ernst, als daß die Reichsregierung sich scheuen dürfte, Schritte grundsätzlicher politischer 21 r t zu unternehmen, die allein geeignet seien, den Terror der Linken wirksam zu bekämpfen und den nationalen Kurs auf weitere Sicht zu garan- tteren. — Die „Deutsche Zeitung" fordert ganze 2lrbeit. Dem Land könne nur Ruhe und Frieden gegeben werden, wenn die Reichsregierung den Reichskommissar in Preußen ein- setze. — Der „L o k a l a n z e i g e r" hebt hervor, die Schwierigkeit liege darin, dgß fast alle von der Reichsregierung vorgesehenen Maßnahmen unter der Exekutive der Länderregierungen fielen. Die Wurzel des Hebels liege bei den geschäftsführenden Länderregierungen und des von ihr abhängigen polittschen Beamtenapparates. Deshalb müsse baldigst i n Preußen ein Reichskommissar eingesetzt werden. — Die „Deutsche Tageszeitung" erörtert die Rotwendigkeit eines Verbotes der Kommunistischen Partei. Es fei begreiflich, daß in der Oeffentlichkeit in steigendem Maße die Frage erörtert werde, wie ank^rs der kommunistischen Bürgerkriegsschlange der Kopf zertreten werden könne. Mit stillem Dulden oder auch nur mit halben Maßnahmen sei ihr nicht beizulommen, denn allmählich gleiche die Situation bereits wieder den Zuständen nach dem Rovember 1918. Die Regierenden stünden vor dem primitiv st enRachweis ihrer Existenzberechtigung, und wenn die Preußenregierung ihn nicht erbringen wolle oder könne, dann müsse ihn die Reichsrcgierung liefern. Weitere Maßnahmen? „Die Neichsregierung wartet zunächst einmal ab." Berlin, 19. Juli. (ERB. Funkspruch.) 3m Zusammenhang mit dem Demonstralionsverbot wird jetzt vielfach davon gesprochen, daß man in Kreisen der Reichsregierung noch weilergehende 2N a ß n a h m en zur Sicherung der öffentlichen Ruhe und Ordnung erwägen würde. Dazu erfahren wir aus politischen Kreisen, daß die Reichsregierung z u - uäch st einmal abwartet, wie sich die innerpolitische Lage auf Grund des Demonstrationsoer- verbotes gestaltet. Entsprechend der gestrigen Mitteilung der Reichsregierung erwägt man selbstverständlich. welche Schritte gegebenenfalls eingeschlagen werden sollen. -Insbesondere wird die von der Reichsregierung angekündigte Verschärfung des waffengesehes, die unter Umständen sogar die Verhängung der Todesstrafe ermöglichen soll, auf ihre juristische Durchführbarkeit im einzelnen untersucht, wobei auch mit den Ländern Fühlung genommen wird. Man erwartet, daß die endgültige Entscheidung über diese Frage später skcns in der zweiten Hälfte dieser Woche fällt. OieHandelskammern gegen eineWendung der deutschen Handelspolitik zur Autarkie Berlin. 18. 3uli. Der D e u t s ch e 3n düst r i e - und H a n d e l s t a g hat an die Reichsregierung eine Eingabe gerichtet, in der gegen eine grundsätzliche 2Ibsperrung Deutschlands vom Welthandel Stellung genommen wird. Das Ziel der deutschen Handelspolitik könne nur sein, dem deutschen Volke dieErreichungdesbe st möglichen Volkswohlstandes zu erleichtern. Die deutsche Wirtschaftspolitik müsse heute stärker als je von dem Gesichtspunkt der 2lrbeitsbe° s ch a f f u n g und dem der Kapitalbildung geleitet werden. Beide verlangen 21 u s - fuhr. Die 2lrbeitslosigkeit des Winters 19311/32 sei zu einem Sechstel auf den Rückgang der Ausfuhr in 1932 gegenüber 1930 zurückzuführen. Das Rutsche Volk sei darauf angewiesen, Mehrarbeit und Kapitalbildung insbesondere auch auf dem Wege der Ausfuhr zu suchen. Es komme darauf an, zwischen Einfuhr und Ausfuhr das volkswirtschaftlich bestmögliche Verhältnis zu erreichen, und neben einem verständigen Schutz inländischer Arbeit vor allem auch auf der Ausfuhrseite die der Ratton gegebenen Kräfte und Mittel nutzbar zu machen, um im Wettbewerb mit den übrigen Völkern wirtschaftlich wieder einen günstigeren Platz zu erringen. Deutsche Ausfuhr sei nur möglich bei einer grundsätzlich dem Warenaustausch zugeneigten deutschen Handelspolitik. Roch sei nicht abzusehen, welche weiteren Entwicklungen sich für die deutsche Handelspolitik im Anschluß an die Weltwirtschasts- konferenz und an die Konferenz von Ottawa ergeben werden. Der Deutsche Industrie- und Handelstag halte es jedoch für verhängnisvoll, wenn Deutschland, ehe die Ergebnisse dieser Verhandlungen erkennbar werden, eine grundsätzliche TDendung der Handelspolitik vornehmen würde. Die Deutsche Außenhandelspolitik müsse sich der Rotwendigkeit bewußt bleiben, der deutschen Ausfuhr, die als Ausfuhrhochwertiger Güter oder Güter von besonderer Eigenart notwendigerweise eine sehr große Streuung hat, nach allen Ländern möglichst günstige Möglichkeiten und gleiches Recht mit anderen Staaten zu schaffen. Daneben sei es nottoenbig, daß die deutsche Handelspolitik zugleich die Bemühungen fortsehe, d i e besonderen Bedürfnisse Deutschlands in den ihm wirtschaftlich besonders naheliegenden Ländern an derDonau zu wahren, vor allem um Benachteiligungen der deutschen Ausfuhr in diesen ßänbern fernzuhalten. Kleine politische Nachrichten. Die Berliner Universität wurde wieder geöffnet. Der Lehrbetrieb konnte überall durchgeführt werden. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Die Ueberwachung des Ehrenmals, an dem noch die Kränze von der Langemarckfeier liegen, haben jetzt Beamte der Universität übernommen, nachdem die Studentenwache am Samstagabend zurückgezogen worden war. Die Beschwerde gegen das zehntägige Verbot des nationalsozialistischen „ Frankfurter Volksblattes" wegen Beschimpfung und Verächtlichmachung der Frantturter Polizei hat das Reich sgericht verworfen und damit das Verbot des genannten Blattes bestätigt. * Der braunschweigische Minister K l a g g e s hat den sozialdemokratischen „V o l k s f r e u n d" nebst drei Kopfblättern auf dieDauervon drei Wochen verboten. Das Verbot erfolgte wegen eines Artikels, in dem gegen die Maß- nahmen des Ministers Klagges gegen Ws Reichsbanner polemisiert worden war. Der mecklenburgische Unterrichtsminister Dr. Scharf, der der RSDAP. angehörtz hat dem sozialdemokrattschen Landesschulrat und Regierungsrat Rudolf Puls mitgeteilt, daß die neue Regierung auf seine weitere Beschäftigung verzichte. Puls dürfte in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. Das Berliner Polizeipräsidium teilt mit, daß der nationalsozialistische Fraktionsvorsitzende K u b e wegen der bekannten nationalsozialistischen Anfrage im Preußischen Landtag ein Entschuldigungsschreiben an den Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß und dessen Frau gerichtet hat. Das am 16. Juni in Lausanne zwischen Holland, Belgien und Luxemburg vereinbarte Abkommen über die Senkung der Zollschranken ist in Genf unterzeichnet worden. Die Unterzeichnung erfolgte, nachdem die genannten Regierungen sich davon überzeugt haben, daß die verschiedenen interessierten Staaten keine Einwendungen gegen das Abkommen erhoben haben. * Die Steuereingänge in Frankreich belaufen sich in den drei ersten Monaten des laufenden Etatjahres auf 8569 Millionen Franks. Sie blei- den um 679 Millionen hinter dem Voranschlag und um 590 Millionen Hinte r den Eingängen der ersten drei Monate des vergangenen Jahres zurück. Französische Hetze gegen den Freiwilligen Arbeitsdienst. Paris, 18. Juli. (TU.) Rachdem am Sonntag der „Figaro" des ultranationalistischen Parfümfabrikanten C o t y gegen die Einführung der Arbeitspflicht in Deutschland Stellung nahm, macht sich am Montag das nicht weniger nationalistische „Journal des Debats" zum Wortsührer der seit Jahren bestehenden Märchennachrichten über die deutschen Geheimrüst ungen und fordert Herriot auf, die Genfer Abrüstungskonferenz nicht vorübergehen zu lassen, ohne vor aller Öffentlichkeit feine Aktenstücke aufzuschlagen und DeutschlandandenPran- gerzu stellen. Man erkennt in diesen Angriffen ohne weiteres eine Entlastungs-Offensive zugunsten der französischen Weigerung in Genf. Deutschland die Gleichberechtigung zuzugestehen. Es sei geradezu ein Skandal, so meint das Blatt, daß man in Genf sich ernstlich (?) mit Abrüstungsfragen beschäftige, während Deutschland täglich dieMilitärklau- seln des Versailler Vertrages verletze. OerReichswahlvorschlag derASOAp. München, 19. Juli. (CNB. Funkspruch.) An erster Stelle des Reichswahloorfchlags der NSDAP. (Hitlerbewegung) stehen laut Nationalsozialistischer Korrespondenz: Regierungsrat Dr. Wilhelm Frick (München), Apotheker Gregor Straßer (München), Schriftsteller Dr. Josef Goebbels (Berlin), Generalleutnant a.D. Ritter von Epp (München), Hauptmann a. D. Hermann Goering (Berlin), Diplomingenieur Gottfried Feder (Murnau), Handlungsgehilfe Franz S t o e h r (Berlin-Steglitz), Hauptschriftleiter Alfred Rosenberg (München), Schriftsteller GrafErnstzuReventlow (Potsdam), Oberst a. D. Konstantin Hierl (München), Major a. D. Walter Buch (Solln), Staatsminister Dietrich Klagges (Braunschweig), Pfarrer a. D. Ludwig Münchmeyer (Düsseldorf). Nationalsozialistischer Protest. Berlin, 18. Juli. (ERB.) Der Leiter der Rechtsabteilung des Gaues Berlin der RSDAP., Haegert, hat an den Reichsinnenminister ein Telegramm gesandt, in dem darauf hingewiesen wird, daß an den Litfah-Säulen Berlins sich feit heute früh Plakate derKom- muniften befinden mit der Tleberfchrift: „Rotes Berlin erhebe dich gegen die braune Pest". Das Plakat spreche „von den feigen Razimördern". 2m Plakat heißt es weiter: „Schluß mit dem braunen Terror! Räumt auf mit der braunen Hakenkreuz pest! Fort mit ihnen aus den Betrieben! Schafft überall Massenselbstschuhforma- tionen!" Das Telegramm Haegerts führt Beschwerde darüber, daß die preußische Polizei den öffentlichen Anschlag dieser Plakate dulde, in denen unverhüllt zu Mord und zu Gewalttätigkeiten gegen die Rationalsozialisten aufgeheht werde. Seine Partei erhebe schärfsten Protest gegen die säumige Haltung der preußischen Polizeibehörde und verlange das Eingreifen der Reichsregierung zum Schuhe der bedrohten Bevölkerung Berlins. Tannenberg-Kundgebung der Deutschen Studentenschaft. Rachdem die Deutsche Studentenschaft am Samstagabend Masuren besucht hatte, war sie am Sonntag über die MasurischenSeen gefahren. Verschiedentlich wurde sie in den Städten von Bürgermeistern begrüßt. Auf dem Heldenfriedhof bei Angerburg legte sie einenKranz nieder. Am Sonntagabend fand bann die Tannenberg - Kundgebung statt, bei der der Königsberger Wehrkreispsarrer Wille die Festrede hielt. Er wandte sich scharf gegen den Versailler Vertrag und erklärte, Deutschlands Schicksal liege zwischen Bolschewismus und Rationalismus, zwischen Moskau und Versailles. Der deutsche Mensch wolle nicht vegetieren, er wolle leben in innerer und äußerer Freiheit. Ostpreußen sei eine Insel, getrennt vom Reich. Die Rachbarn wollten auch diese Insel besehen und auch Danzig dazu nehmen. Die Deutsche Studentenschaft bezeuge, daß sie mit allen Kräften, und, wenn es nötig fein würde, mit Gut und Blut sich für das Vaterland einsetzen würde. Er schloß mit dem Schwur: „Dieses Land bleibt deutsch!" .An seine Rede schloß sich ein kurzes Gebet und der Gesang des Liedes „Wohlauf Kameraden, aufs Pferd". Im Anschluß an die Kundgebung wurde das Tannen- bergbenfmal besichtigt. Darauf begaben sich die Studenten nach Al len st ein, um am Montag zur Besichtigung von Marienwerder und der Grenzziehung an derWeichsel und der Marienburg weiterzufahren. Deutsche Kohlenlieserungen nach Irland? Dublin, 18. Juli. (WTB.) (Reuter.) Es gilt als sicher, daß der heute vor den irischen Senat gelangende Gesetzentwurf über die Ermächtigung z u Ausnahmezöllen gegen England von der Regierung zur Drosselung der englischen K o h l e n e in s u h r, die einen Wert von 2 Millionen Pfund jährlich besitzt, benutzt werden wird. Deutsche Exporteure sind mit Proben in Dublin eingetroffen, die günstig beurteilt werden. Man erwartet Liefe r u n g s v e r t r ä g e auf Gegenseitigkeit, so daß Deutschland für die Abnahme seiner Kohle sich zur Einfuhr irischer Produkte bereit er- Aus der Provinzialhauplfiadl Oberhessen Die Hebung des U-Boofcs „Promethee" unmöglich. Gin französischer Ingenieur, der Spezialist für die Hebung gesunkener H-C&Dotc ist, bestätigte dem französischen Marineminister, daß die Hebung des vor Cherbourg gesunkenen Tl-Dootes »Prornethöe" wegen der Lage in 75 Meter Tiefe und infolge der an dieser Stelle herrschenden Strömungen sehr schwierig und kostspielig wäre und daß es unmöglich sei. einen Erfolg des Hebeversuches zu garantieren. Schwere Unwetterschäden in Südserbien. Gewitter von unerhörter Heftigkeit, die von schweren Platzregen begleitet waren, haben im oberen Vardartale, besonders in den Weinbergen, bedeutende Verwüstungen angerichtet. Das Wasser drang in mehr als 500 Häuser ein, von denen mehrere ein- stürzten. Eine Reihe von Einwohnern wurde unter den Trümmern begraben. Acht Jahre Zuchthaus für eine junge Brandstifterin. Dor dem Schwurgericht in Passau hatte sich die erst 20jährige Pächterstochter Frieda W inte r st e i g e r von Schwendreut bei Herzogsreut klären würde. Der Verkehr im Dubliner Hafen war heute sehr flau. Das Inkrafttreten der neuen englischen Zölle auf Lieferungen aus dem irischen Freistaat hat heute verursacht, daß keinerlei Diehsen- dungen in Liverpool eingetroffen sind. _ Während des Wochenendes sind lediglich 6 Stück Vieh und 936 Schafe eingeführt worden, während der bisherige Wochendurchschnitt 900 Stück Großvieh und 2000 Schafe «betrug. Der Bedarf des Marktes war jedoch durch eine kanadische Viehsendung gedeckt, und die Preise zeigten nach den jüngsten Steigerungen der letzten Woche keine erheblichen Erhöhungen. mit anderen Verbänden, ferner an Sitz und Stimm« im Ausschuß für technisches Schulwesen, sowie die Vertretung imSchulausschuß des Reichsbundes Deutscher Technik. Erwähnenswert seien auch die persönlichen Konferenzen bei den zuständigen Reichsministe. rien, wobei z. B. die Abänoerungsanträge des VIA. zur Architektenoerordnung weitgehende Beachtung fanden. Der VIA. besitze nach einem Jahr bereits 21 Bezirksverbände: u. a. bestehen Ortsgruppen in Alsfeld - Lauterbach, Frankfurt a. M., Friedberg, Gietzen-Wetzlar, Hanau, Limburg und Mainz-Wiesbaden. **EhemaligehesfischeLeibdragoner in Langensalza. Der Verein ehemaliger hessischer Leibdragoner des Kreises Gießen schreibt uns: Die guten Beziehungen des Vereins ehemaliger hessischer Leibdragoner des Kreises Gießen zu der Tra- ditionseskadron des grünweißen Regiments, der 6. (hessischen) Eskadron Reiter-Regiment 16 waren die äußere Veranlassung zu einem Besuch in Langensalza. Der Kavallerie-Verein Marburg schloß sich der Besuchsreise an, außerdem nahmen n.ch der Bezirks- Jugendleiter Donhardt von der Kriegerkameradschaft „Hussia" und der Bezirksschießleiter Albin Klein (Gießen) teil. Während des dreitägigen Aufenthalts in der schönen Garnison haben die hessischen Leibdragoner die herzlichste Gastfreundschaft der dortigen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften genossen. Die Stunden wahrhafter Kameradschaft dürften den teilnehmenden Kameraden unvergeßlich bleiben. In Kassel wurden die alten Leibdragoner durch eine Abordnung der Eskadron Zu einer Autobusfahrt nach Langensalza empfangen. Rach fröhlicher Fahrt traf man in Langensalze ein. Die Ekadron war mit ihren bespannten und motorisierten Teilen auf dem Exerzierplatz angetreten. Die ehemaligen Leibdragoner, die die Uniformmütze ihres alten Regiments trugen, wurden durch die Parade- post, von der Standortkapelle gespielt, festlich empfangen. Sodann folgte das Abschreiten der Front, wobei die alten Soldaten einen Ueberblick über die Art und Verwendung der motorisierten und bespannten Teile erhielten. Anschließend zog die Eskadron in Parade an den Leibdragonern vorüber. Die Gäste waren, wie sie es wünschten, in Mannschafts, stuben untergebracht. Am Abend fand sich alt und jung im Unteroffizierkasino zusammen. Dem Ehren- Mitglied des Vereins und Führer der Eskadron, Rittmeister Buch, sowie dem Oberwachtmeister Bärwolf wurden Ehrensäbel überreicht. Oberleutnant v. Jarotzky und der 1. Vorsitzende des Kavallerievereins Marburg, Seipp, wurden zu Ehrenmitglieder des Vereins ehem. Hess. Leibdrago- ner ernannt. AmSonntagfrüh wurde nach alterSol- datensittegeweckt. Man wohnte einem Feldgottesdienst bei, bei dem Superintendent Seitz die Ansprache hielt. Dem Gottesdienst folgte eine Reitstunde, in der die alten Dragoner beweisen konnten, daß sie noch auf dem Pferderücken wie zu Hause sind. Weiter führte ein Unterwachtmeister seinen aus Füchsen zusammengesetzten Sechserzug vor. Die Remonteabtei- lung löste viel Freude aus. Zur Ehrung der gefallenen Kameraden legte der Vorsitzende der Leibdragoner, Kamerad E i d m a n n, einen Kranz am Ulanendenkmal nieder. Der Nachmittag wurde durch einen Ausflug nach der Thiemsburg ausgefüllt. Den Abschluß bildeten Gefechtsbewegungen der jungen - Dragoner auf dem Exerxierplatz. Die alten Leib- Dragoner schieden mit dem Bewußtsein, fröhliche und von kameradschaftlichem Geist erfüllte Stunden verlebt zu haben. ** Sie Höhere Priv atschule Gießen empfiehlt sich im heutigen Anzeigenteil zum Unterricht für Schüler und Schülerinnen bei individueller Behandlung in kleinen Klassen, bei täglichen Arbeitsstunden und gründlicher Vorbereitung für alle Schulprüfungen. Räheres ist aus der Anzeige ersichtlich. unter der schweren Anklage zu verantworten, vierBrändegelegtund eine Brandstiftung versucht zu haben. Seit dem 10. Januar d. I. brannte es im genannten Orte wiederholt, und es entstand fast immer ein sehr großer Schaden. Die Angeklagte, das jüngste Kind von 11 Geschwistern, wurde von der Mutter verzärtelt, während sie mit dem Vater, der sie zur Arbeit anhalten wollte, ständig in Streit kam. Sie zündete dann die Anwesen von Schwendreut — der Zanze Ort besteht nur aus 6 Anwesen, die alle dem Forstareal gehören und verpachtet sind — an. Sogar die Scheune der Eltern setzte die Angeklagte in Brand. Als Motiv hatte sie bei ihrer Vernehmung angegeben, sie müsse ganz Schwendreut nieder brennen, damit sie fortkomme. Bis auf den ersten Brand gestand die Angeklagte die ihr zur Last gelegten Verbrechen auch zu. Der Staatsanwalt beantragte zehn Jahre Zuchthaus. Das Urteil lautete auf acht Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Tätlicher Angriff gegen einen Gendarmeriebeamten. * Lich, 18. Juli. In der verflossenen Macht kam es hier auf der Straße zwischen jungen Leuten, die verschiedenen politischen Richtungen angehören, zu Auseinandersetzungen. Hin dem Streit ein Ende zu machen, forderte Gendarmeriemeister Schalter die jungen Leute zum Auseinandergehen und zur Ruhe auf. Darauf griff ein junger Mann denDe- amten an, der sich schließlich gezwungen sah, vom Gummiknüppel Gebrauch zu machen. Run- mehr gingen einige weitere junge Leute tätlich gegen denDeamten vor, der im Verlaufe des Kampfes zu Boden geworfen, mißhandelt und u. a. mit Füßen in den Rücken getreten wurde. Es gelang dem Beamten jedoch, bald wieder auszuspringen, worauf die Tätep schleunigst die Flucht ergriffen. Heute vormittag wurden sie vorläufig fest genommen und heute nachmittag dem Amtsgericht zur' Vernehmung vorgeführt. Rach der richterlichen Der- nehrnung wurden sie einstweilen wieder a u f freien Fuß gesetzt. Das Verfahren nimmt seinen Fortgang. Landkreis Gictzen. X Rüddingshausen, 18. Juli. Hier fanden gestern zwei Demonstrationszüge statt. Der erste Zug um 12.30 Uhr wurde von den Mitgliedern der SA. der RSDAP. unseres Dorfes und der Umgegend veranstaltet. Dabei wurde am Denkmal der Gefallenen ein Kranz niedergelegt. Anschließend hielt Herr Bartholomäus (Gießen) im Hofe des Pachtgutes Engel eine Ansprache. — Die zweite Veranstaltung um 15 Uhr ging von der S P D. u n d K P D. unseres Ortes aus. Es beteiligten sich daran auch Mitglieder der beiden Parteien aus den umliegenden Ortschaften: sie endete bei der Wirtschaft Müssig, wo Ansprachen gehalten wurden von Frau Ien - (Gießen) und Herrn Glenz (Büdingen). Beide Kundgebungen verliefen ohne jeden Zwischenfall. * Hungen, 18. Juli. Am gestrigen Sonntag zwischen 13 und 14 Uhr wurde ein 14 Jahre altes Mädchen aus Nonnenroth, das sich mit dem Fahrrad unterwegs im Walde zwischen Hungen und Nonnenroth befand, von einem Handwerksbur- scheu vom Rad heruntergerissen und mit Gemalt in den Wald geschleift, wo sich der Kerl an dem Mädchen vergehen wollte. Die lauten Hilferufe des Mädchens und ein zufällig herankommendes Auto veranlaßten den Täter, von seinem schändlichen Vorhaben abzusehen und sch l e u - nigst die Flucht zu ergreifen, so daß das Kind zum Glück keinen Schaden erlitt. Das Mädchen radelte schnell nach Hause und machte dort Mitteilung von dem Vorfall, wobei es den Täter genau beschrieb. Die sofort aufgenommene Verfolgung hatte das Ergebnis, daß der Attentäter von der Gendarmerie in Utphe fe st genommen und dem Amtsgerichtsgefängnis in Hungen zugeführt werden konnte. Der Täter ist der 30 Jahre alte, auf Wanderschaft befindliche Arbeiter Karl N i e m i tz aus Neu-Oderberg (Tschechoslowakei). * Bettenhau[en-r 18. Juli. Im Kloster Arnsburg hielt der OGV. Bettenhausen der NSDAP, (urf gestrigen Sonntag eine Massenkundgebung ab, zu der trotz trübem Wetter über 1000 Besucher erschienen waren. Vor Ankunft der SA.-Stckrme 15 und 18, Hungen, die einen Propagapdamarsch mit klingendem Spiel ihres Spielmannszuges durch die Orte der Umgegend mochten und überall beyeifterte Ovationen erhielten, traf die Hitler-Schulfugend auf Dorf-Gill mit wehendem Hakenkreuz-Wimpel ein. Es war eine Freude, /triefe junge Schar zu sehen, wie sie in peinlichster Ordnung jedes Kommando ihres Führers genau befolgte. Inzwischen trafen die SA. und die Redner des Tages ein,-die von der Menge begeistert empfangen wurden. OGVL. B a l s e r konnte um 15.30 Uhr die Kundgebung eröffnen. Nach kurzem Gedenken an die gefallenen Kameraden sprach dann Dr. Blank (Gießen) über „Dolkswille und Reichs- tagswahl". Er führte u. a. aus, es fei die größte Lüge, wenn SPD.-Zeitungen schreiben, die NSDAP, toleriere die Regierung Papen-Gayl und Hitler sei an der Kürzung der Rente und sozialen Abzüge schuld. Hierauf sprach Herr Barreis (Auerbach) zu der Menge und zeigte die Mißwirtschaft der letzten 13 bis 14 Jahre. Ferner wandte er sich gegen den Mordterror in den Straßen und erklärte: „Gebt uns 24 Stunden die Macht und jeglicher Mordterror und Bürgerkrieg wird ein Ende haben." Seine Ausführungen endete er mit den Worten: „Gebt Deutsch, land den Deutschen!" Als letzter Redner sprach der bekannte Landjugendbundführer Rob. Schmidt (Steinheim). Er wandte sich besonders gegen die Sozialdemokratie und gegen die Eiserne Front. Die Ausführungen sämtlicher Redner, wie auch die von SA.-Mann '21 u g u ft i n (Hungen) vorgetragenen Gedichte fanden lebhaften Beifall. Um 18.35 Uhr schloß OGV.-Lester Bauunternehmer Balser mit einem Appell an Jungvolk, Frauen und Männer, sich der nationalsozialistischen Bewegung anzuschließen und am 31. Juli Adolf Hitler, dem Führer der deutschen Freiheitsbewegung, die Stimme zu geben, die Kundgebung. Nach dem Gesang des Horst-Wessel- Liedes und einem dreifachen Heil auf den Führer und Deutschlands Zukunft zogen die Zuhörer, die 1 bis 2 Stunden weit zu Fuß gekommen waren, wieder heimwärts. Kreis Büdingen. ~/Hibba, 18. Juli. Unsere Stadt hatte am gestrigen Sonntag einen Aufmarsch d - rSA. der RSDAP. zu verzeichnen, bei den SA.- Gruppen aus der weiteren älmgegend (z. B. Mer- kenfrih, Hirzenhain, Glashütten usw.) hier versammelt waren. Von den Führern der SA. wurde auf dem Marktplatz der stramme Vorbeimarsch der trotz vorheriger weiter Marschleistungen noch sehr Weg nach Gießen) zu -scheuen begann. Es wäre interessant zu wissen, ob der Meteor auch noch von anderer Seite beobachtet wurde. ** Der Bezirkslehrerverein Gießen« Land hielt am Samstag unter Leitung seines Vorsitzenden, Lehrer Hofmann (Lang-Göns), im Restaurant Kobel eine Versammlung ab. Rektor Kauf- mann (Gießen), der zweite Vorsitzende des Hessischen Landeslehrervereins, erstattete Bericht über Die Vertreteroersammlung des Deutschen Lehreroereins, die in Rostock stattgefunden hatte, schilderte ferner bie Ziele des Deutschen Lehrervereins und beantwortete die Frage: „Was können wir Hessen aus Rostock lernen?" Im zweiten Teil seines Vortrages sprach er über die schulpolitische Lage in Hessen und behandelte im besonderen die Probleme der Junglehrer- not und Junglehrerhilfe, Der Vorsitzende des Kreislehrervereins Gießen, Lehrer Sommer (Großen- Linden), ergänzte die Ausführungen des Vortragenden. ** Ingenieur- und A r ch i t e k t e n - V e r . fammlung. Dom Bezirksverband Gießen-Wetz- lar des Verbandes der Ingenieure und Architekten Deutschlands und Oesterreichs wird uns geschrieben: Der Bezirksverband Gießen.Wetzlar hielt dieser Tage eine gut besuchte Werbeoersammlung im Cas6 Ebel ab. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit einem Rückblick auf das einjährige Bestehen des VIA. Arn 20. Juli 1931 wurde, so führte der Redner aus, in Würzburg der VIA. gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, die weitaus größte Gruppe von Ingenieuren und Architekten (Abfolven- ten Deutscher Techniken, Ingenieurschulen und Poly- technikeni zu gemeinsamer Standesvertretung zusam- menzufassen und wieder das Fähigkeits- und Tüch- tigkeitsprinzip in den technischen Berufen zur Gel- tung zu bringen. Engste Zusammenarbeit mit gleich- gerichteten Verbänden in gemeinsamer Kampffront gegen die fortschreitende Entrechtung der Mittelschulingenieure, sei Zweck und Ziel des VIA. Er (Redner) erinnere an die Maßnahmen der sog. staatlichen Anerkennung, sowie an das im Entwurf vorliegende Jngenieurtitelschutzgesetz. Im Kampf gegen diese Maßnahmen laute die Forderung: Aufhebung der Reichsliste, sowie Abschaffung der veralteten Nürnberger Richtlinien. Wenn man auf das einjährige Bestehen des DIA. zurückblicke, so könne man beachtliche Erfolge innerhalb der Organisation fest- stellen. Er erinnerte weiter an die Zusammenarbeit Aus der Klinik entlassen. Der Handlungsgehilfe Fritz Fischer, der seinerzeit bei den Unruhen am Kirchenplah durch einen Schuß verletzt wurde und in die Chirurgische Klinik eingeliefert werden mußte, konnte inzwischen von dort wieder entlassen werden. Dein Zustand gibt zu keinerlei Bedenken mehr Anlaß. ** E i n Meteor beobachtet! Heute morgen gegen 3.45 Uhr wurde, wie uns ein Geschäftsmann aus Lich mitteilt, in west-südwestlicher Richtung ein Meteor beobachtet, der stell zur Erde fiel. Der Meteor, der in hellstem weißen Lichte strahlte und leicht grünlich schimmerte, hatte auch verschiedene Trabanten im Gefolge, die in Hellem Rot erglühten. Der Meteor müsse, so berichtet uns der Beobachter, in allernächster Nähe gefallen fein, er will sogar ein lebhaftes zischendes Geräusch gehört haben, während sein Pferd (er war mit dem Fuhrwerk auf dem Gießen, den 19. Juli 1932. Lind nun gehis los .... Paulchen und Grelelchen werden photographiert. „Ja, er wird im August vier Jahre alt... Faß die Lampe nicht an, Paulchen!... Das ist Herrn Linsemanns Lampe... Du solst überhaupt nichts anrühren, Liebling, sonst holt Herr Linsemann einen Schutzmann!... Nicht wahr, Herr Linsemann! . . . Sage Herrn Linsemann, wie alt Du trift, Gretelchen! . . . Sprich lauter, sonst kann Herr Linsemann nichts verstehen! . . . Nimm sofort den Finger aus dem Mund, Gretelchen !... Sie ist sieben, Herr Linsemann!... Sie geht schon ein Jahr in die Schule... Das ist eine Kamera auf Rollen, Paulchen... Laß sie los, Paulchen!... Sonst zeigt Dir Herr Linsemann nicht die Vögelchen, die dadrinnen sitzen!... Gretelchen!... Du darfst Dicht nicht an den Springbrunnen lehnen, der fällt sonst um!... Ja, ich weiß... Aber wenn Du ihn zerbrichst, holt Herr Linsemann einen Schutzmann... Nun sitze aber still auf der Bank, wie ein braves, liebes Mädeichen! ... Komm, Paulchen und laß Mutti Dein Haar in Ordnung machen!... Wie siehst Du denn schon wieder aus!... Was würde Tante Anni von Dir denken, wenn sie ein Bild von Dir sieht, auf dem Du solche Haare hast!... Haben Sie Kamm und Bürste, Herr Linsemann?... Ach, bas ist gut!... So, nun halte still, Paulchen!... Wie sollen die beiden sich jetzt hinstellen, Herr Linse- mann?... Ich dachte, daß Gretelchen vielleicht sitzt und Paulchen neben Gretelchen steht und Gretelchens Hand hält ... Willst Du sofort den Kanarienvogel in Ruhe lassen, Paulchen! ... Ja, nun kann Paulchen aber nicht so lange ruhig stehen, Herr Linsemann! ... Wie lange wird es wohl dauern, Herr Linsemann? ... O, bann denle ich, daß es doch besser ist, wenn Paulchen sich an den Tisch lehnt .... Paulchen, komm sofort hierher und laß Dir Deine Nase putzen! ... So, darf ich auch einmal hineinsehen, damit ich weiß, wie es aussieht, Herr Linsemann? ... Schaut mal, Kinderchen! Mutti versteckt sich unter dem schwarzen Tuch! ... Aber die stehen ja auf dem Kops, Herr Linsemann! ... Ach, soo! ... Ich fürchtete schon, daß Sie den Apparat verkehrt herum ausgestellt hätten! ... Steh ruhig, Paulchen, oder soll ich Herrn Linsemann die Schokolade schenken, die Paulchen haben sollte, wenn es mein liebes Paulchen ist? ... Herr Linsemann, Sie essen doch die Schokolade, wenn Paulchen nicht ruhig ist und stille steht! ... Horst Du, Paulchen, wie gern Herr Linsemann Schokolade ist! ... So, nun tut so, wie ich sagte und paßt auf den kleinen bunten Vogel auf, der jetzt auf Herrn Linsemanns Kasten fliegt! ... O, ist das Vöglein schon bunt! ... Nun lacht doch etwas, Kinderchen! ... Können Sie die Kinderchen nicht zum Lachen bringen, Herr Linse» mann? ... Hahaha ha haha! ... Ist Herr Linsemann mal ein luftiger Herr! ... Nun hört doch auf Herrn Linsemann, Kinderchen. Paßt mal auf! Er hat auch einen ganz großen Bären in feinem schwarzen Kasten! ... Und der kommt sofort heraus und frißt Paulchen und Gretelchen auf, wenn Ihr nicht liebe Kinderchen seid und lacht! ... O, warten Sie, Herr Linsemann!... Jetzt fängt Paulchen an zu meinen! ... Sei doch kein Dummchen, Paulchen! ... Der Bär kommt ja nicht! ... Mutti hat doch nur Spaß gemacht! ... Sagen Sie es ihm doch selbst, Herr Linsemann! ... Nicht wahr. Sie haben doch gar keinen großen Bären in Ihrem Kasten! ... Nein, Liebling, Herr Linsemann hat aber einen ganzen großen Teller voller Schlagsahne in seinem luftigen, schwarzen Kasten! ... Nicht wahr, Herr Linsemann!... So, Paulchen ißt doch so gerne Schlagsahne! ... Und Herr Linsemann mag gar keine Schlagsahne! ... Und Schokolade mag Herr Linsemann auch nicht! ... Das ist alles für Paulchen und Gretelchen! ... So, so, jetzt ganz schnell, Herr Linsemann! ... Jetzt sind Paulchen und Gretelchen liebe Kinderchen! ... Ach, schon fertig, Herr Linsemann? ... Das ging ja viel schneller, als ich gedacht hatte. Puck. Taten für Dienstag, 19. Jul,. 1810: Königin Luise von Preußen in Hohenzieritz gestorben: — 1819: der Dichter Gottfried Keller in Zürich geboren; — 1870: Kriegserklärung Frankreichs an Preußen; — 1917: Friedensresolution des Deutschen Reichstags. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. NSDAP. 20.30 Uhr, Eafä Leib, öffentliche Kundgebung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Eein Lied, ein Kuß, ein Mädel". Aus aller Welt. Eingreifen der Technischen Rothilfe bei Naturkatastrophen. Die in den letzten Tagen an zahlreichen Stellen des Reiches und vornehmlich in Mitteldeutschland niedergegangenen Wolkenbrüche und Regenmassen haben zum Teil s ch w e r st e n Schaden und Zerstörung hervorgerufen. Wie stets bei solchen Anlässen hat auch diesmal wieder der Katastrophenhilfedienst der Technischen Rothilfe rettend eingegriffen. Durch den Rundfunk alarmiert, hat die Technische Rothilfe sofort nach Dekanntwerden der schweren Verwüstungen in der Oberlausitz ihre Helfer aufgeboten und in Tag- und zum Teil Nachtarbeit, auch im Verein mit anderen Verbänden, eingesetzt. Jtcues Unwetter in Mittel- und Rordschwaben. In den letzten Tagen wurden Mittel- und Rordschwaben von einem furchtbaren Unwetter heimgesucht. Seit Jahrzehnten wälzten Flüsse und Bäche nicht mehr derartige Fluten. In einer Höhe von über einem Meter stürzten nach einem vierstündigen Wolkenbruch die Wassermassen durch die Straßen der Dörfer. Alles, was den reihenden Fluten nicht Widerstand leisten konnte, wurde fortgerissen. Besonders betroffen wurden die Ortschaften Glött, Holzheim. Weisingen und Altenmünster. In Holzheim staute sich das Wasser am Kirchhof, durchbrach die Kirchhofsmauer und unterspülte die Gräber, so daß die Särge aus der Erde herausgespült wurden. Der angerichtete Schaden läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen. Schwere Unwetter über Italien. ' Wolkenbruchartiger Regen, Hagelsch 1 ag und Gewitter haben in vielen Gegenden Italiens schweren Schaden angerichtet. Bei Pisa haben die Regengüsse die Dämme mehrerer Eisenbahnlinien unterspült, so daß der Verkehr unterbrochen werden mußte. Die Flüsse führen Hochwasser. Bei Trient sind zwei Brücken fortgerissen worden. In den Abruzzen und den Marken hat ein schwerer Hagelschlag in den Obst-, Wein- und Ge- treibebeftänben großen Schaden angerichtet. Drei Personen beim Laden ertrunken. Dor den Augen zahlreicher Badenden ereignete sich in Prag ein Unglück, das drei Menschenleben forderte. Die 23 Jahre alte Gattin eines ®e- schäftsführersging beim Baden in der Elbe plötzlich unter. Ihr Gatte eilte ihr zu Hilfe, ging aber gleichfalls unter und versank. Ein dritter, dem Ehepaar zu Hilfe kommender Mann ertrank ebenfalls. Erst nach längerer Zeit wurden die drei Leichen geborgen. Zwei Hochtouristen löblich abgestürzt. Nach einer Meldung aus Reichenhall sind zwei Nürnberger Kaufleute bei einer Besteigung der schwierigen Nordwand des Hochkalter von der Schär- tenspitze ab gestürzt. Sie waren sofort to t. Eine Bergungsexpedition ist abgegangen. Drei Fischer ertrunken. Drei Fischer aus Rowe (Kreis Stolp) wurden von einer plötzlich aufkommenden Gewitterboe überrascht. Ihr Boot schlug um, und die Insassen, die Fischer August Paick, Herbert Wegner und Fritz Kirk, fanden den Tod in den Wellen. Zwei Knaben beim Paddeln ertrunken. In einer Gewitterboe kenterte vor Travemünde ein mit drei Brüdern besetztes Paddelboot. Von den dreien konnte sich nur der 15jähriae Aelteste retten, die beiden anderen, 11 und 9 Jahre alt, ertranken. Marga von Lhdorf in Berlin gelandet. Die Ostasienfliegerin Marga v. Etzdorf traf, von Wien Über Prag und Dresden kommend, auf dem Berliner Flugplatz ein. Fünf Sportmaschinen waren ihr zur Begrüßung entgegengeflogen. Die Fliegerin wurde nach ihrer Landung mit Hochrufen stürmisch begrüßt. Zum Empfang war die Großmutter der Fliegerin erschienen, weiter Ozeanflieger v. K ö h l, Vertreter der Behörden, der Luftfahrtverbände und viele Freunde und Bekannte. Auslralienflieger Bertram in Perth eingetroffeu. „Times" meldet aus Perth (Westaustralien), daß der deutsche Flieger Hans Bertram, der mit seinem Gefährten Klaußmann wochenlang verschollen war und schließlich im australischen Busch gesunden wurde, auf dem Luftwege aus Wyndham in Perth eingetroffen ist. Er wurde von Beamten des Westaustralischen Aeroklubs und dem deutschen Konsul M e r s i) a g e n begrüßt. Als Vertreter der australischen Bundesregierung war der Lordmayor anwesend. Der Gesundheitszustand Klaußmanns bessert sich. Flugzeug mit neun Personen vermißt. Wie aus Santiago de Chile gemeldet wird, wird ein Verkehrsflugzeug der Panamerikanischen Airways, das mit 9 Personen, darunter 6 Fahrgästen, von Santiago abgeflogen ist, vermißt. Die Maschine ist beim ersten Landeplatz in Mendeza (Argen- tinien) nicht eingetroffen. Das Flugzeug wurde zuletzt in der Nähe von Rio Bianco gesehen, wo es wegen eines Sturmes sehr niedrig flog. Zwei Tote durch Gasvergiftung. Dieser Tage waren bei den Stickstoffwerken Scholven in Gelsenkirchen durch llndichtwerden eines Riederdruckrohrs in erheblichen Mengen Ammoniakgase ausgeströmt, wodurch sich vier Arbeiter Gasvergiftungen zuzogen. Zwei von ihnen sind jetzt im Krankenhause gestorben. Schwere Explosion. — Vier Personen verletzt. In einem chemischen Laboratorium in Zürich ereignete sich eine heftige Explosion mit nachfolgendem Brande. Drei Angestellte der Firma wurden in schwerverletztem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Ein Postbote, der im Augenblick der Explosion mit seinem Fahrrad voruberfuhr, wurde durch den Luftdruck zu Boden geschleudert und erlitt ebenfalls schwere Verletzungen. frischen Abteilungen abgenommen. Die Veranstaltung fand das lebhafte Interesse unserer Bürgerschaft. 2m Anschluß an den EA.-Aufmarsch wurde auf der Gänswlese eine öffentliche Kundgebung der ASDAP. veranstaltet, bei der die Herren Döbel undHeh aus Darmstadt Ansprachen an die versammelte große Men- schenmenge hielten. Mreid Schotten. o Laubach, 18.Juli. Der 28jährige Wilhelm Kaiser und dessen Schwester Luise Kaiser, im Alter von 19 Jahren, di« sich seit mehreren Jahren in Amerika aufhalten, sind gestern nach einer eingetroffenen telegrapischen Nachricht ertrunken. Nähere Einzelheiten über den Un- glücksfall sind noch nicht bekannt. Der Vater der Verunglückten ist der hiesige Arbeiter Otto Kai- ser, Wltwer, dem die Bevölkerung zu dem schweren Verlust allgemeine Teilnahme entgegenbringt. a. R a i n r o d, 18. Juli. In der Nacht zum Samstag wurde einem auswärts wohnenden Bahnbeamten, der in der hiesigen Gemarkung Grundstücke besitzt, das Kartoffelkraut auf seinem Acker vollständig ab gemäht, so daß der Ertrag vernichtet ist. Der Racheakt dürfte auf parteipolitische Motive zurückzuführen sein. Es ist bedauerlich, daß der Wahlkampf Formen angenommen hat, die selbst der eigene einsichtige Parteigenosse aufs schärfste verurteilen muß. Schöffengericht Gießen. • Gießen, 15/18. Juli. 2n den beiden letzten Jahren wurde die Umgebung von Homberg an der Ohm und die angrenzenden preußischen Orte, insbesondere Kirchhain, Schweinsberg, Neustadt wiederholt von Dieben heimgesucht, wobei diesen teilweise ganz erhebliche Beute in die Hände fiel. In der Hauptsache hatten es die Diebe auf Motorräder, Ersatzteile und Bekleidungsstücke abgesehen. Anfang dieses Jahres gelang es der Gendarmerie, einige der Täter festzunehmen, die sich nun wegen zahlreicher Einbruchsdieb st ähle zu verantworten hatten. Am Freitagvormittag begann die umfangreiche Verhandlung, die erst gegen heute abend zu Ende geführt wurde, da außer mehreren Sachverständigen über 30 Zeugen zu vernehmen waren. Die Hauptangeklagten, der Steinrichter N-, der Maurer 2. und der Schmied I- leugneten hartnäckig. Insoweit bei ihnen Diebesgut ermittelt wurde, behaupteten sie, es entweder im Walde gefunden, oder von einer Glasbläsertruppe gekauft, oder von einem Bettler erholten zu haben, indem sie sich auf den großen Unbekannten beriefen. Selbst Motorräder wollten sie auf diese Weise erworben haben, einer von ihnen wollte einen einige Tage zuvor gestohlenen Grammophon mit Platte im Walde gefunden haben. Als sich der Verdacht gegen sie immer mehr verdichtete, versteckten sie Teile ihrer Beute im Walde, dabei raffte einer von ihnen eine Postkarte mit seiner Anschrist versehentlich mit. Gestohlene Kleidungsstücke verpackten sie in Säcke und verbargen diese in einer entlegenen Scheune. Sie scheuten sich sogar nicht, in Säcken verstautes Diebesgut in die Ohm zu werfen, von wo eS kurz darauf wieder herauSgefischt wurde. Bei einem Angeklagten wurde ein großes Bund Schlüssel gefunden, das zu Diebeszwecken eigen» zurechtgemacht war, ein anderer hatte an dem Tatort Spuren zurückgelassen, die ihm zum Verräter wurden. In der heutigen Verhandlung wurde einer von ihnen noch zweifelsfrei überführt, an dem Einbruch in einem Kleidergeschäft beteiligt gewesen zu sein. Ein gestohlener neuer 2lnzug lag auf dem Gerichtstisch, dessen Rockärmel mit Flicklappen von dem Anzugsstoff dieses Angeklagten verlängert worden waren. Die Angeklagten wurden in mehreren Fällen des Einbruchsdieb st ahls. bzw. der H e b - lerei für schuldig befunden und R zu 4 Jahren Gefängnis. B zu 3 Jahren Gefängnis und I- zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt- Die Ehefrau des einen Angeklagten wurde wegen Hehlerei von Schokolade zu 1 WocheGefängnis verurteilt. Drei weitere Angeklagte wurden mangels ausreichenden Beweises freigesprochen. SJL-tfpoit Amerikas Oavispokal-Mannschast Von links nach rechts: Frank I. Shields, Wilmer Allison, Bernon S. P r e n t i c e, der Führer der Mannschaft, Van Ry n , Ellsworth V i n e s. ■ - i? 8 te • s»M:- A Ä W L -1 L s $ Die ainerikanis che Davlspokal- Mannschaft hat im Pariser Tennisstadion Roland G a r r o s bereits das Training für das vom 22. bis 24. Juli stattfindende Interzonen- Finale der Davispokal-Spieler Arnerika-Deutsch- land ausgenommen. Trotz des glänzenden Sieges über Italien, gehen die Amerikaner, deren Haupt- spieler der Wimbledon-Sieger Dines ist, als Favoriten in den Kampf. Das siegende Land tritt dann gegen den Pokalverteidiger Frankreich an. Der Turnerwimpel über dem Laubacher Schwimmbad. Obwohl die Stadt Laubach in der neuerdings wieder stark aufstrebenden Turngemeinde von 1848 einen der ältesten hessischen Turnvereine ausweisen kann, hat sie bisher außer einem Gaufrauenturnen eine größere Gau-Deranstaltung noch nicht iu^ih^v Mauern gesehen. Freudig begrüßt und gastlichst aufgenommen wurden daher die Turnerinnen und Tümer des Hessengaues, die am Samstag und am Sonntag Einkehr gehalten hatten, um in l>em idjon gelegenen neuzeitlichen Frei bade zu Laubach ihr 10. Gau°Wettschwimmen durchzusühren. Aus allen Teilen des Gaues waren etwa 160 Wettkämpfer, 30 Kampfrichter und zahlreiche Turnergäste erschienen Vertreter der Tumerschaft, wie der 2. Schwimmwart der DT., Llniversitätstumlehrer Robert Braun (Frankfurt a. M.) und Ehren-Gauoberturnwart Wilhelm Will (Gießen) bekundeten durch ihre Anwesenheit, welch hohe Bedeutung man in der Turnerführuna dem volkstümlichen Fachgebiet des Schwimmens beimißt. Den Turnergästen, die in größerer Zahl schon am Samstag hier eingetroffen waren, galt ein Begrüßungsabend, der dem Emst der Zeit Rechnung tragend — in schlichtem Rahmen gehalten war, in echter Wiedersehensfreude aber aus einige Stunden turnerischen Frohsinn aufkommen ließ. Im Mittelpunkt des Abends stand eine herzliche Ansprache des Vertreters der DT. Rob. Braun der die Schönheit der oberhessischen Landschaft Pries, die leider als Wank^rgebiet Immer noch zu wenig bekannt sei. Rückschauend würdigte Robert Braun die von Gauschwimmwart Fran; Sauer (Gießen) in den letzten Jahren geleistete wertvolle Arbeit am Ausbau des Turnerschwimmens und überreichte unter lebhaftem Beifall an F. Sauer als Zeichen der Anerkennung den Nachdruck eines Jahn-Briefes aus der Zeit des Frankfurter Parlaments. Der Butzbacher Schwimmer Schlämmer überbrachte dem Gauschwimm- toart zum 10. Gaufchwimmen einen großen DT.- Wimpel, der fortan als turnerisches Symbol bei allen schwimmerischen Veranstaltungen des Gaues entfaltet werden soll. Erstmals geschah das heute im Laubacher Schwimmbad. Den Wettkämpfen im Schwimmbad« ging nach schönem Turnerbrauche eine Morgenfeier voraus bei der Pfarrer Kornmann den tieferen äinn aller tumerifchen Arbeit würdigte. Nachdem der Vorsitzende der Laubacher Zum- gemeinde, L. Schudt, die Gäste herzlichst begrüßt hatte, begannen die Wettkämpfe: sie wickelten sich unter der ruhigen und sicheren Leitung von Gauschwimmwart Sauer reibungslos ab Der Vormittag gehörte in der Hauptfach« den Mehr- und Einzelkämpfen. Die Leistungen, die zum Teil über dem Durchschnitt lagen, toa- ren ein Beweis dafür, daß das Tumerschwim- men im Gau Hessen weitere Fortschritte zu verzeichnen hat. Obenan in der Liste der Erfolge steht der Turn- verein 1846 Gießen, dessen rührige Schwimmer- schast 18 Linzeisiege errang und dabei 8 erste und 7 zweite Plätze belegte. Auch bei den acht S t a s s e l käm p s en, die am Nachmittag das Interesse und den Beifall einer sehr zahlreichen Zufchauerfchaft fanden waren die Gießener 1846er äußerst erfolgreich: sie holten sich 4 erste und 2 zweite Siege. Wasserballspiel. das Gießen und Wetzlar mit kombinierten Mann- febaften austrugen, warb wie andere Schaudarbietungen für das .Turnen im Wasser», dessen Laracciolas Sieg beim Mbmg -Rennen. J < Den Sieg in dem Rennen um den Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring konnte der deutsche Meisterfahrer Caracclola gegen stärkste ausländische Konkurrenz an sich bringen. — Unser Bild zeigt Caracciola (Porträt unten rechts), wie er in seinem Alfa-Romeo-Wagen die Steigung in der Nordkurve nimmt hohe volksgesundheitllche und soziale Dedeutuna zu Beginn der Nachmittagsveranstaltungen auch in verschiedenen Ansprachen stark unterstrichen wurde. Es sprach zunächst unter lebhaftem Beifall Bürgermeister H ö g y, der den Gästen den Gruß der Stadt Laubach entbot und besonders den 2. DT.-Schwimmwart R. Braun, Gauober, tumtoart Will und Graf Georg Friedrich zu Solms - Laubach willkommen hieß und Gauschwimmwart S au e r sowie der Schwimmerschaft des Tv. 1846 Gießen Dank sagt« für die Bereitschaft, mit der sie der Schwimmfache in Laubach den Boden bereitete. Gauobertumwart Will, der für den Gau der Laubacher $urn* gemeinde und gastlichen Bevölkerung für die Durchführung der Veranstaltung dankte, fand dabei herzliche Worte der Anerkennung für den Gauschwimmwart. Rob. Braun stellte die schwimmerischen Ziele der DT. klar heraus. Auszug aus der Giegerliste: Turner-Mittelstufe. Mehrkampf (Sechskampf): 1. F- Schenk, Tv. Lauterbach, 105,10 Punkte: 2. W- Meyer, Tgm. Friedberg, 92,65 D; 3. K- H. Paulus, Tv. Wetzlar, 92,10 P. — 100-Meter-Drust: 1. H JSreb, Tgm. Friedberg, 1:32,4 Min.; 2. K. H. Paulus, Tv- Wetzlar, 1:37,1; 3. O. Weidmann, Tgm. Friedberg, 1:37,2. — 1 00- Meter-Kraul (offen): 1- F. Fölfch, Tv. Wetzkar, 1:17,2 Min. , 2. Balti Schneider, T. u. Spv. Marburg, 1:23,4; 3- Waldemar Köhler, Tv. Hungen, 1:26,0. — Springen: 1. W. Meyer, Tgm. Friedberg, 73,26 Punkte. — Springen (Vereine ohne Winterbad): 1. W. Auer, T. u. Spv- Butzbach. 53,20 P: 2. Hch. Stein, Tv. Lauterbach, 41,25 P.; 3. Emil Hohmann, Tgm. Laubach, 38 P.; 4. Karl Peter, Tgm. Laubach, 33,90 P. —50-Meter-Drust (Vereine ohne Winterbad): 1. Erwin Reuen- hagen, Tv. Grünberg, 42,2 Sek.; 2. O. Mathies, Tv. Grünberg, 43 Sek.; 3. Willi Feh, Tv. Klein- Linden, 44,6 Sek. — Streckentauchen (40 Meter): 1. Fritz Schenk, Tv. Lauterbach, 30,4 Sek.; 2. H. Denhardt, Tv. Wetzlar, 30,4 Sek. — 200-Meter-Lagen (offen): 1. Otto Jüngst, Tv. 1846 Gießen, 3:43,0 Min. — 4x15 Meter beliebig (Kleider-Schwimmen): 1. Willi Lefch, Tv. 1846 Gießen, 1:25,0 Min.; 2. Willi Appel, Tv. 1846 Gießen, 1:38,3; 3. Hch. Herbert, Tv. 1846 Gießen. 1:29,0. Turner-Unterstufe. Mehrkampf. 1. H Kreeb. Tgm. Friedberg, 106,5 Punkte; 2. Willy Straub, Tv. 1846 Gießen, 104,60 P-; 3. R. Meyer, Tgm. Fried- berg, 102,25 P.; 6. Hrch. Herbert, Tv. 1846 Gießen, 90,85 P. — 10 0-Meter-Drust: 1. Hrch. Kaiser, Tv. Wetzlar, 1:35,0 Win.-, 2. R. Kickel, Tgm. Friedberg, W. Lesch, Tv. 1846 Gießen, 1:37,0; 3- E. Neuenhagen, Tv. Grünberg. 1:38,5. — Springen: 1. H- Keil, T. u. Spv. Marburg, 48,20 Punkte. — Streckentauchen (15 bis 35 Meter): 1. Hrch. Herbert, Tv. 1846 Gießen, 27,0 Sek. (35 Meter); 2. Willi Koch, Tv. Grünberg, 36,4 Sek. (35 Meter): 3. K. Trapp, T. u. Spv. Marburg, 37,4 Sek. (35Mtr.). Turner-Altersklasse. 50-Meter-Brust (Jahrgang 1892/1900): 1. G. Wolf, Tv. Wetzlar, 45,1 Sek.. (Jahrgang 1891 und früher): 1. Theo Schweisgut, Tgm. Lauboch, 45,1 Sek. Iurner-3ugenb. Mehrkampf (Iahrg. 1914/15): 1- Georg Stübner, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 106,10 P.; 2. E. Eichhorn, Tv. Wetzlar, 102,25 P.; 5. Hans Wahl, Tgm. Laubach, 83,40 P. — 100-Weter- Brust (Iahrg. 1914/15): 1. Ehr. Scherer, Tv. Wetzlar, 1:37,6 Min. — 50-Meter-Brust (Iahrg. 1916/17): 1. Hans Ehrhardt, Tv. 1846 Gießen, 45,8 Sek. — Springen (Jahrgang 1916/17): 1. A. Scherer, Tv. Wetzlar, 33,20 P.; 2. Erwin Horeyseck, Tv. 1846 Gießen, 26,65 P.; außer Konkurrenz: S. Jakob, Tv. 1846 Gießen, 46,40 P. — 50-Meter-Drust (Vereine ohne Winterbod): 1. Willi Büttel, Tv. Grünberg, 47,2 Sek-: 2. Fritz Braun, Tgm. Laubach, 53,6 Sek. — Springen (Vereine ohne Winterbad): 1. Port, Tv. Alsfeld, 40,05 P. Turnerinnen-Mittelstuse. 100-Meter-Drust: 1. Käthe Sohnemann, Tv. 1846 Gießen, 1:53,4 Min.; 2. Derta Lülfing, T-u. Spv. Marburg, 1:55,2 Min. — 50-Meter-Kraul (offen): 1- F- Henkel, T. u. Spv. Marburg, 39,6 Sek-: 2. Elisabeth Sieck, Tv. 1846 Gießen, 42,8 Sek. — Springen (für Vereine ohne Winterbad): 1- Welker, Tv. Alsfeld, 41,80 P. Turnerin« sn-Unterstufe. Mehrkampf (Sechskampf): 1. Käthe Sohnemann, Tv. 1846 Gießen, 87 60 P : ^ Emilie Waas, Tgm. Friedberg, 79,40 P.; 3. Elly Lüdke, Tgm- Friedberg, 76 60 P. - ।£>P r i n g e n: L 6. Lüdke, Tgm. Friedberg, 41,90 D. — 1 00-Me- ter-Rücken: 1. Hilde Holzhausen, Tv. Wetzlar, 1:59,0 Min. — 100-Meter-Drust: 1. Else Kompf, Tv. 1846 Gießen, 1:52,2 Min.; 2. H. Holzhäuser, Tv. Wetzlar, 1:54,8 Min. Iurnerinnen-3ugenb. 50-Meter-Drust (Iahrg 1914/15): 1. H. Capello, Tv. Wetzlar, 50,4 Sek.: 2. Gretel Schreier, Tv. 1846 Gießen, 51,0 Sek. — 5 0- Meter-Drust (Iahrg. 1916/17): 1. Frieda Henkel, T- u. Spv. Marburg, 47,8 Sek.; 2. Else Komps, Tv. 1846 Gießen, Dora Graß, Tgm. Laubach, 48,4 Sek.; 3. Gretel Kreutzer, Tv. 1846 Gießen, 49,0 Sek. — 50-Meter-Drust (für Vereine ohne Winterbad): 1. Elfriede Daum. Tv. Alsfeld, 55,2 Sek. — Springen (Iahrg. 1916/17); 1. Gertrud Funke, Tv. 1846 Gießen, 43 P-; 2. Frieda Henkel, T. u. Spv. Marburg, 41,45 P. — Springen (Vereine ohne Winterbad): 1. Elfriede Daum, Tv. Alsfeld, 55,2 P. Staffeln: 4X100-Meter-Brust (Turner): 1. To. Wetzlar 6,18%; 2. Tv. 1846 Gießen 6,22%. 4X100 • Meter . Brust (Turnerinnen): 1. Tv. Wetzlar 7,22%; 2. Tv. 1846 Gießen 7.32 4 X 50 - Meter ° Brust (Turner, Vereine ohne Winterbad): 1. To. Lauterbach 2,57%; 2. Tv. Grünberg 3,02%; 3. To. Laubach 3,03%; 4. To. Butzbach. 4 X 100 - Meter . Lagen (Turner): 1. To. 1846 Gießen 5,49; 2. To. Wetzlar 5,50%; 3. Tgde. Friedberg. 3 X 50 . Meter • Lagen (Turnerinnen): 1. Tv. 1846 Gießen 2,20; 2. To. Wetzlar 2,23%. 10 X 50 ° Meter . Vereins staffel: L Tv. 1846 Gießen 6,02; 2. Tv. Wetzlar 6,11. Hessen staffel (5 Läufe, 5 Schwimmer, je 50 Meter): 1. Tv. 1846 Gießen 3,54%; 2. T. u. Spv. Marburg 4,15%. 3 X 50 - Meter ° Brust (Altersturner): 1. To. Wetzlar 2,19'/»; 2. T. u. Spv. Marburg 2.39. Kurze Sporiuoiizeu. Die Internationale Mainzer Ruder- Regatta am 23. und 24. Juli weist mit 49 Vereinen, 141 Booten und 801 Ruderern wieder eine ganz ausgezeichnete Besetzung auf. ^7 M ! E. Der Steher Möller (auf dem Fahrrad), der das 100-Kilometer-Dauerrennen für sich entschied und die Meisterschaft errang. Wettervoraussage. Bevor der hohe Druck im Westen auf dem Lande Platz greift und auch bei uns zu Barometeranstieg führt, bringt die kühle Nordwestlust noch Bewölkung und in Norddeutschland auch vielfach Niederschläge mit sich. Vorerst wird die Einwirkung der kühlen Lust noch zur Geltung kommen und der hohe Druck nur langsam eine Besserung herbeiführen. Aussichten für Mittwoch: Wechselnd wol- kig mit Aufheiterung, mäßig warm, noch vereinzelt geringe Niederschläge. Aussichten für Donnerstag: Bewölkt, jedoch mehr aufheiternd, tagsüber wärmer, vor- wiegend trocken. Lufttemperaturen am 18. Juli: mittags 22 Grad Celsius, abends 15 Grad; am 19. Juli: morgens 13,8 Grad. Maximum 23 Grad Minimum 9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. Juli: abends 24,2 Grad; am 19. Juli: morgens 17,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 9% Stunden. Di* M___' M RWlk MW. Original«^omon von Anny von panhuys. Copyright by Verlag A. Bechfhold, Braunschweig. H. Fortsc' j. Rachdruck verboten 1 Der Alte überlegte nicht lange. ..Wenn's hochkommt, für siebzehn, aber ich glaube, damit finö Sie wirklich überschätzt." Lil erklärte betont: „Ich bin beinahe einundzwanzig, meine Figur reizt dazu, mich für jünger zu halten, und ein Prinzeßchen bin ich nicht, aber ein Aschenbrödel. Vielleicht war ich noch vor kurzem ein Prinzehchen, ohne daß ich mir darüber klar wurde. Denn bis mein Vater starb, wurde ich verwöhnt bis aufs äußerste, aber nun ist das anders, ganz anders geworden." Ihre Hände strichen über das schwarze Kleid und «in 6tüd des Trauerschleiers, der von ihrem kleinen Hut herabhing und ihr über die Schultern geweht war. Der Alte nickte. „Man könnte Sie für sehr reich und sehr zufrieden halten, so fein sehen Sie aus, aber es ist halt überall was los, richtig glücklich ist kein Mensch." Lil blieb wie angewachsen stehen. Der aufdringliche Gedanke von vorhin, der sich ganz flüchtig beiseite gedrückt, war wieder da. Sie fragte leise: „Glauben Sie, daß der Direktor vielleicht schon einen Ersatz für Sie hat?" „Rein, Ersatz hat er noch nicht für mich, aber er hat vor ein paar Tagen an den Agenten Krüger nach Berlin geschrieben wegen Ersatz. Llebermorgen geht's weiter, und hierher wird der Ersatz wohl kaum noch kommen. Krüger hat 'ne Agentur für mittlere Zirkusse und Varietes, nur Mittelsorte und kleines -Zeug, die großen Künstler kümmern sich nicht um ihn." Lil dachte daran, wie sie gestern abend von ganzem Herzen gewünscht, sie wüßte ein Plätzchen auf Erden, wo sie hinkonnte. Weil sie sich im Hause der Tante sterbensunglücklich fühlte, seit auch Werner an ihr herumzuziehen begonnen und sie gestern abend verlassen hatte ohne ein freundliches Wort. Sie wollte sich nicht zwischen Mutter und Sohn stellen, und die Liebe Werners war auch wohl gar nicht stark genug dazu, sie der Mutter gegenüber gerecht zu beurteilen. Der gestrige Abend war der Beweis dafür gewesen. Seine Worte wurden wieder in ihr lebendig. Er hatte so nüchtern und sachlich festgestellt: Es sind doch tatsächlich Leute durch deinep Vater schwer geschädigt worden, Lil, das läßt sich nicht ungeschehen machen! Er hätte das traurige Thema nicht in der Weise behandeln dürfen. Aber er nannte das: Rur nüchterne Tatsachen feststellen! Lil fragte: „Wann könnte ich Ihren Direktor sprechen?" Der Alte blinzelte befremdet. „Sie möchten den Direktor sprechen, den gro* ben Johann?" Sie zuckte die Achseln. „Ob er der grobe Johann genannt wird, weiß ich nicht, denn ich kenne ihn ja nicht." „Dann sei'n Sie froh und gehen Sie weiter, Fräuleinchen, rate ich Ihnen, denn wenn er aus seinem Wohnwagen kriecht, was bald geschehen könnte, und trifft hier jemand, der nicht hergehört, können Sie allerlei hören, was Ihnen vielleicht keinen Spaß macht. Er kann sacksiedegrob werden und heißt deshalb in Zirkuskreisen der grobe Johann." Lil lachte leicht auf: „Ich fürchte mich nicht vor sacksiedegroben Leuten." Der Alte nickte anerkennend: „Meine Hochachtung! Bei Ihrer Figur ist das schon 'ne Leistung." Er war neugierig geworden. „Was wollen Sie denn vom Direktor?" Lil schöpfte erst noch einmal Atem und dann gab sie klar und deutlich, unbewußt fast ein wenig zu laut, zurück: „Ich möchte mich dem Direktor als moderner Clown anbieten." Der Alte kratzte sich energisch hinterm Ohr. „Sie sind «in Spaßvogel, Fräulein, aber nun flattern Sie weiter, ich will mich jetzt nach ’ner Dass« warmen Kaffee umsehen", sagte der alte Stampfer! zu Lil. Lil beharrte: „Wann kann ich den Direktor sprechen?" Beide hatten, in ihre Unterhaltung vertieft, nicht bemerkt, daß sich die Tür des nächsten Wohnwagens geöffnet hatte und ein großer, breitschultriger Mann schon seit Minuten auf dem Treppchen des Wagens stand, das er dann hinunterstieg, um gleich darauf vor ihnen zu stehen. Er trug Halbschuhe mit Gummisohlen, deshalb war sein Schritt so leise gewesen. Er hatte Lils Frage noch gehört. Jetzt klang es rauh an Lils Ohr: „Was für 'n schwarzer Flederwisch treibt sich denn hier schon in aller Frühe herum und will was von mir?" Der alte Clown brummte etwas und Lil fuhr herum, sah Zeinen Mann mit grobgeschnittenen, aber ebenmäßigen Zügen Mitte der Vierzig vor sich, in heller schmuddeliger Jacke, eine braune Mühe etwas verwegen schief auf dem Kopfe. Eine Strähne schwarzen Haares hing ihm über di« Stirn. Kleine scharfe dunkle Augen musterten Lil kritisch. Sie dachte, so ungefähr hatte sie sich den Direktor von so einem kleinen Wanderzirkus vorgestellt. Sie antwortete ruhig, obwohl ihr innerlich plötzlich gar nicht besonders wohl zumute war: „Ich hörte eben, Sie wünschen einen neuen Clown zu engagieren, einen jungen Clown. Ich möchte mich Ihnen anbieten. Reiten, schwimmen, fechten, boxen —“ Johann Gerhard hob beängstigend drohend die Rechte, die jetzt zu einer Faust von gediegenem Umfang zusammengeballt war. „Kleines Fräulein, ich liebe keine faulen Witze auf nüchternem Magen. Verdrücken Sie sich schleunigst, sonst lernen Sie zu all den Künsten, die Sie eben aufzählten, auch noch fliegen." Lil sah ihn unerschrocken an. „Ich denke nicht daran, faule Witze zu machen. Danach ist mir nicht zumute. Mein Vater ist erst kürzlich gestorben, den ich sehr lieb hatte. Bei dem Andenken an ihn, mein Angebot ist völlig ernst gemeint." Johann Gerhard fluchte: „Da schlag doch einer lang hin. Sie sind total meschugge, Mädel. Sind Sie vielleicht aus 'ner Irrenanstalt ausgekniffen?" Lil bat: „Hören Sie mich ein paar Minuten an, Herr Direktor, damit Sie meiner Ditte von vorhin Glauben schenken. Ich weih ja, ich muß Ihnen sonderbar erscheinen." Johann Gerhard betrachtete Lil von oben bis unten und entschied schließlich: „Meinetwegen, reden Sie, aber eilen Sie sich, und Gott sei Ihnen gnädig, trotz Ihrer Trauer und Ihrer hübschen Freche, wenn Sie Unfug mit mir treiben wollen." Lil nickte dem alten Clown zu. „Sie können auch hierbleiben und hören, was ich sagen möchte." Sie ließ sich einfach neben dem Alten nieder und der Direktor brummt«: „Los, los und kurzfassen." Lil blickte an den beiden Männern vorbei in Ö€n sonnigen Morgen und es zuckte ihr durch den Kopf, was wohl die Tante sagen würde, wenn sie wüßte, wo sie wäre. Ihre Miene hatte jetzt etwas Trotziges und nun begann sie zu sprechen. In kurzen zusammengedrängten Sähen erzählte sie, daß sie aus reichem Hause stammt« und über Rächt arm geworden sei. Sie sprach vom Freitod ihres Vaters und von jenem Abend an dem sie vor der Oeffentlichkeit als Clown aufgetreten. Sie betonte, wie sie schon von Kind an Reigung gehabt, Clown zu spielen und daß sre glaube, «in wenig leisten zu können. Sic möchte aus verwandtschaftlicher Abhängigkeit fort, und da sie, wie sie durch Rachfrage gehört, heute oder morgen ihre Dolljährigkeitserklärung erhalten sollte, wäre sie frei zu tun und zu lassen, was sie wolle." Beide Männer hatten aufmerksam zugehört. Jetzt schüttelte der Direktor langsam den Kopf. „Ihre Erzählung klingt zwar durchaus wahr, aber daß Sie was können, als Clown was können, glaube ich nicht. Du lieber Himmel, was kommt «s bei so 'ner Wohltätigkeitsvorstellung darauf an! Es sind ja lauter Dilettanten, die da Künstler spielen, die meinen alle, sie könnten was, und für Dilettantenversuche möchte ich meine Manege nicht hergeben, Fräulein. Ich rate Ihnen, gehen Sie brav zu Ihren Verwandten, helfen Sie im Haushalt und warten Sie auf 'ne gute Partie, aber schlagen Sie sich den Unfug aus dem Kopf, Clown werden zu wollen. Dazu gehört doch allerhand, das wird von Ihnen unterschätzt." Lils etwas phantastischer Sii^ hatte sich schon an die Gedanken festgehängt, mit dem Zirkus Gerhard mitzuziehen. Sie erklärte: „Unterwerfen Sie mich doch einer Probe, Herr Direktor. Ich bin sofort bereit dazu. Ich habe noch etwas Zeit, und wenn Sie mir irgendeinen alten Clownsanzug leihen wollen, wäre es gut. Im Rotfall arbeite ich auch ohne." Sie redete sicher, aber so selbstbewußt wie sie tat, war ihr nicht zumute. Die beiden Männer bauschten einen langen Blick aus und der Direktor entschied: „Dringen Sie einen Anzug von sich in die Manege, Stampfer!, und Sie komisches weibliches Insekt, kommen Sie mit." Ein offenes Qluto fuhr auf der nahen Landstraße, die von Rodelheim kam, vorüber. Die Zofe Meta Treßler saß darin und fuhr nach der Stadt, um etwas für ihre neue Herrin, die Gräfin Celia Kurzmann, zu besorgen. Die Gräfin wohnte in einer Villa im Vorort Rödelheim. Meta Treßler hatte sehr scharfe Augen. Sie erkannte deutlich die zierliche Gestalt in Trauer, die da neben einem robusten, nachlässig gekleideten Mann, auf den kleinen Zirkus zuging. Unb doch, sie mußte sich irren, was sollte Lil Körner am frühen Vormittag hier draußen bei dem Wanderzirkus zu suchen haben. Eine Aehnlichkeit täuschte sie. Eben verschwanden die beiden Menschen, auf die sie ihre volle Aufmerksamkeit gerichtet, ihrem Dlick. Verschwanden irgendwo hinter den grauen Leinwandlappen des Zirkuszeltes. Sie rieb sich die Augen und dachte verwundert, was für verblüffenden Ähnlichkeiten es doch auf der Welt gab. lFortsetzung folgt.) ■’ :;S- ^^Preissenkung 04306 Unser IBjl r Saison- ” SchluO-Verkauf in Qualitäts - Schuhwaren hat begonnen Schuhhaus Neumeier k Gießen A Sonnenstraße 20 Kaufen Sie Teppiche, Gardinen, Möbelstoffe usw. erst wenn Sie die Preise des größten Teppich-und Gardinen-Speziai- hauses Süddeutschlands, BRUMLIK, Frankfurt a. M., S Liebfrauenstr. 1/3 gehört haben. Unser Saison - Schluß -Verkauf. 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Auf das sogenannte „Gentlemen Agreement“ ist gleich die Ueberraschung des englisch-französischen Konsultativ-Paktes gefolgt, und die „E n - lente cordlale“ zwischen Frankreich und England steht wiederum da, förmlich ausgesprochen und vor ollem nach Frankreichs Wunsch der jetzigen Lage völlig ongepaßt. Das gilt sowohl für den Schluß- kompf in der ersten Phase der Abrüstungskonferenz, wie namenllich und in erster Linie auf die Stellung zu, oder sagen wir nun ganz genau wie es ist, d i e Stellung gegen Amerika. Wenn Macdonald sich diese Lage heute besieht, so kann sie ihm kein reines Vergnügen sein. Jedenfalls hat England sowohl in der Abrüstungsfrage wie in der Schuldenfrage die Freiheit der Bewegung cingebüßt: es ist an Frankreich gebunden, hat aber dementsprechend auch Rückhalt an ihm. Der englischen Politik muß aber dieses Abkommen sehr wertvoll erscheinen. Sonst hätte sie Punkt 4 nicht angenommen, der bis zum Abschluß eines neuen englisch-französischen Handelsvertrags jede „Diskriminierung" eines Landes gegen das andere verbietet. Mit dieser Fessel fahren jetzt die Staatsmänner Englands nach Ottawa! Das Abkommen schließt ein einseitiges Vorgehen Englands bei Amerika zur Neuordnung seiner Schulden aus: die beiden Länder werden die jetzt io wichtig gewordene Schuldenfrage gemeinsam behandeln. Das hat Herriot mit der ihm eigenen Offenheit ausgesprochen. Das Abkommen legt weiter die gemeinsame Front in der Abrüstungsfrage fest. Das heißt: darauf gestützt kann Frankreich nun noch mehr die Abrüstungskonferenz in ihrer ersten Phase versacken lassen. Das Abkommen legt schließlich die gemeinsame Front für die Weltwirtschaftskonferenz fest. Alles, was der englische Außenminister darum herumgeredet hat, ändert nichts an der eben gezeichneten Lage. Er hat sie im Gegenteil uns nur noch deutlicher gemacht, wenn er als Beispiel der etwa für eine Regelung in Betracht kommenden Fragen nannte — die Revision des Versailler Vertrages oder die Kriegsschuldfrage: wenn Deutschland etwa an England herantrete mit der Bitte, die Kriegsschuldklausel aus dem Versailler Vertrag auszumerzen, so werde England verpflichtet sein, sich mit Frankreich ins Benehmen zu setzen. Man vergleiche dazu, was der Reichskanzlei: über Lausanne der Presse gesagt hat. Die Aeuße- rungen von englischer Seite, auf die er dabei bezug nahm, sind also nichts wert. Von der Einladung an andere Regierungen, sich diesem Abkommen anzuschließen, hallen wir nichts. England und Frankreich haben sich verständigt, würden sich auch bei einer Erweiterung des Verhältnisses zuerst und für sich verständigen. Die olle Entente ist wieder da. Die französische Außenpolitik hat eine entscheidende Wendung genommen. Nicht Frankreich wird isoliert, sondern Deutsch!and und neben ihm Italien. Das ist die politische Seite. Das braucht sich nicht allgemein und absolut gegen Deutschland zu richten. Soweit begreifen ja Herriot wie Macdonald im Unterschiede von englischen Konservativen und französischen Nationalisten die europäische Lage, daß sie ein gewisses Verständnis für die Zusammenarbeit in diesem Sinne haben und bestätigen werden, aber nur im Rahmen der politischen Gesichtspunkte und mit Hilfe einer Machtstellung Frankreichs, die durch diese geschickte und der englischen weit überlegene französische Politik erneut gefestigt worden ist. Aber auch die weltpolitische Bedeutung dieses Abkommens muß hoch eingeschätzt werden. Denn im Grunde geht es ge g e n Amerika. Es drückt nun den Stempel auf die Tatsache, daß das Lausanner Abkommen erst in Kraft treten wird, wenn Amerika Die Giadi des deutschen Michel Don Liesbet Dill. Mit ihren roten Ziegeldächern und schiefergedeckten Kirchen, von einem Kranz grüner Buchenwälder umschlossen,' liegt das alle Städtchen Stromberg im Talkessel, überragt von der allen Feste, der „Fusten- burg" deren mächtiger Bergfried trotzig über die Höhen schaut. Sie hat in der rheinischen Geschichte eine bedeutende Rolle gespielt^ und die Burg ist der Geburtsort des „deutschen Michel". Bis jetzt hatte ich geglaubt, der deutsche Michel sei ein Begriff, em Symbol, er habe gar nicht „gelebt". Seit ich hier auf seinen Spuren wandle, ist er mir lebendig geworden, und alles, was ihn und sein Leben betrifft, scheint verwoben mit Deutschlands Geschick und dem Wesen der Deutschen. . Auf vorspringendem Bergkegel eines Hochplateaus erbaut, fällt die Burg steil und schroff nach dem Tale ab. Nach pfälzischer Art großartig angelegt, mit romanischen Rundbogenfenstern, war sic der Grundriß beweist es — einst römischen Ursprungs. Diese Stromberger Feste befand sich bald in pfälzischem, bald französischem oder preußischem Besitz. Das Schloß wurde 1116 zum ersten Male zerstört, später brannte es noch einmal ab, aber es wurde immer wieder aufgebaut als Sitz des ältesten Nahegaugrafen. Die Kurfürsten der Pfalz kamen hierher zu großartigen Jagden, oder um sich von politischer Tätigkeit auszuruhen: die Burg hat glänzende Waffenturniere und fröhliche Rittertafeln in ihren dicken Mauern gesehen. Hier oben wurde 1574 der „deutsche Michel" als Sohn des Oberamtmannes von Obentraut geboren. Er zeichnete sich als Offizier im Dreißigjährigen Kriege durch kühne Reitercoups aus, er war im Unionskrieg" ein gefürchteter Rittmeister, der mit seinen 500 Mann tollkühne Siege über den Feind errang. Er schien unverwundbar und unbesiegbar. Als Oberst des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz gewann er schwere Gefechte gegen die Spanier; den Sieg über Tilly bei Weißbach hat er zum Teil errungen Bei der Belagerung von Hagenau sprengte er die Scharen des Erzherzogs von Hagenau; spater trat er bei König Christian IV. von Dänemark in Dienst der ihn wegen seiner Kühnheit auszeichnete. Der Herzog von Sachsen-Weimar ernannte ihn zum Generalleutnant. Bei der Belagerung von Nienburg schlug Obentraut die feindliche Reiterei zuruck, bis Tilly die Belagerung aufgab und sich zuruckzog. Aus allen Kämpfen ging Obentraut als Sieger hervor. Sein Leben war eigentlich nur Kampf. Seinen Spitznamen „deutscher Michel", eine Bezeichnung, die die entsprechenden Schuldenstreichungen gewährt. So wird von rückwärts und nachträglich auch das Oent- lemen Agreement und die ganze Fassung des Lausanner Abkommens, seine ganze Anlage vollkommen klar. Nochmals erinnern wir an den Absatz 2, Artikel 1 im ersten Annex des Lausanner Abkommens, der betitelt ist: „Uebergangsmaßnahmen betreffend Deutschland" und die Zahlungsckussetzung beendet, entweder wenn das Lausanner Abkommen nach Ratifikation durch die sechs Staaten in Kraft tritt, oder wenn einer dieser sechs dem anderen förmlid) mitteilt, er habe beschlossen, nicht zu ratifizieren. Beim Empfang in Paris hat Herriot dos dahin erläutert: „Man muß wohl verstehen, daß der eben unterzeichnete Vertrag drei Teile enthält, deren erster feine wirkliche Bedeutung erst im Lichte des sog. Gentlemen Agreement erhält, auf das sich die Gläubigermächte mit ihrer Ehre verpflichteten. Wenn die Regelungen mit den Vereinigten Staaten keine befriedigenden Bedingungen erzielen, bl e i - ben mir auf unseren Stellungen (sur nos positions). Darauf haben wir uns alle verpflichtet! Was heißt das? Wir müssen den Dingen in das Auge sehen! „Unsere Stellungen" heißt für Frankreich, das alle Fäden und alle Macht in der Hand hat, nichts anderes als der P o u n g p l a n. Der Reichskanzler hat die Antwort Macdonalds: in solchem Falle der Nichtratifikation würde eine neue Konferenz stattfinden. Womit aber ist dabei der Poungplan ausdrücklich außer Kraft gesetzt? Was ist diese Diskussionsantwort in einer Lausanner Sitzung, die Macdonald natürlich guten Glaubens abgegeben hat, förmlich, juristisch und realpolittsch im Falle der Aktualität wert? Mit absichtlicher Indiskretion hat Herriot das „Gentlemen-Agreement" an die Oeffentlichkeit gebracht, von dem sicherlich England öffentlich nichts geredet haben wollte. Bringt es doch England i n eine sehr unangenehme Postion gegenüber den Vereinigten Staaten! Aber in Abrede stellen hat England die Mitteillung nicht können. Und das ist nun, alles andere zurückschiebend, Hauptergebnis und Haupteindruck aus Macdonalds Rede. Was ist, das ist die Verpflichtung zwischen England und Frankreich und Italien, er st zu ratifizieren nach der Einigung mit den eigenen Gläubigern, und das Abkommen jeweils zwischen England und Frankreich und England und Italien, das die Kriegsschuldenzaylungen Frankreichs (Italiens) an England bis zur Ratifizierung von Lausanne aufhebt. Das ist' der Kern, und in der Pflicht die Dinge zu erkennen wie sie find, sagen wir, daß die Formeln in Macdonalds Rede über Deutschlands Gleichberechtigung für uns keinen realen Wert haben. Mit der Zustimmung zum Gentlemen-Agreement und der neuen entente cordiale band sich England aus Gründen, die wie gar nicht wieder darzustellen brauchen, an Frankreich und wird damit erneut der Garant des Versailler Vertrages, des „Status quo", wie Frankreich das immer wünscht. Wahrhaftig, wir haben Anlaß, dieses Ergebnis von Lausanne ohne Freude zu betrachten! Aber auch in Amerika kann keine Freude darüber sein. Die Staatsmänner Frankreichs und Englands bemühen sich, den Anschein zu beseitigen, als handle es sich hier um ein Ultimatum an Amerika. Talsäch- lich ist es ein solches! Die große französische Presse erinnert jetzt — von der so gewonnenen Grundlage aus, von der Bindung der einzelnen Amerika- Schuldnermächte untereinander keinen Abschluß mit Washington getrennt vorzunehmen — Hoover daran, daß er beim Besuch Lavals Europa darauf hingewiesen habe, zunächst einmal untereinander zu einer Einigung zu kommen, bevor Amerika etwas von sich aus in der Schuldenfrage tun könne. „Diese Vorbedingung ist realisiert, die europäischen Nationen sind einig. Was kann und will jetzt Amerika tun zum Heil Europas und zu seinem eigenen Heil?", so fragt der „Temps" sehr bestimmt, ja herausfordernd. Und allerdings: ob uns das Lausanner Abkommen gefällt ober nicht, der „Temps" hot recht. Und ob Deutschland tausendmal betont, es habe jede Verbindung mit den interalliierten Schulden gegenüber Europa abgelehnt und sei schon in den Kreuzzügen vorkam, gaben ihm die Spanier wegen seiner aufrichtigen, verläßlichen, aber etwas derben Art. Dieser deutsche Michel trägt keine Schlafmütze. Aus dem schmalen, von Spitzbart und Halskrause umrahmten, klugen Gesicht blitzen zwei helle Augen, die von Tatkraft, Mut und eisernem Willen reden. Sein schlanker geschmeidiger Körper steckte in einem stählernen Panzer; eine Rüstung war sein Kleid. Er hat als .Kriegsmann gelebt und ist auf dem Schlachtfelde gestorben. Tilly, der ihn besiegte, drückte seinem tapferen Gegner zum ersten und letzten Male die Hand, als sich der tödlich verwundete Ritter Obentraut in seine Kutsche tragen ließ. Ein endlich Besiegter, vor dem der Feind achtungsvoll den Degen senkte ... Unter deutschen Eichen wuchs er auf. Auf hartem, felsigen Boden stand seine Burg, auf hellen, festen Wegen durchritt er das Land, das sich fruchtbar, bewaldet, durchzogen von Flüssen und Bächen, reich und felsig ausbreitet bis hin zum Rhein. Beim Durchwandern der engen, kleinen Gassen Strombergs, auf dem stillen Markt, unter dessen großer Kastanie der heilige Jakobus als Schutzpatton steht, stößt man noch überall auf die Spuren verrauschter, kriegerischer Jahrhunderte. Alte, engbrüftige Häuschen mit hohen, spitzen Giebeln, Messingbeschlägen und blinkenden, uralten Türklopfern, vornehme, einfache, weiße Patrizierhäuser mit Rokokotüren und geschnitzten Barocktüren, des 18. Jahrhunderts, die stolz charakteristischen Ruinen der alten Feste — alles mahnt an die Kriege die dieses Land seit Jahrhunderten verwüsteten. Abgebrannt und aufgebaut, stehen seine Häuser auf demselben Boden. Eine reine, kräftige Gebirgsluft weht hier; feste weiße Landstraßen verbinden die sauberen Dörfer miteinander, die bald auf den Höhen hinter dem Walde, bald zwischen fünften Wiesentälern freundlich auftauchen, bis herunter zu den Windungen des glitzernden Rheins ... Einsamer Tod am Kongo. Don dem einsamen Tod des englischen Naturforschers und Deisenden Dr. C. Christy wird in einem Londoner Blatt eine ergreifende Schilderung entworfen. Dr. Christy, der bereits 68 Jahre zahlte und auf ein langes, der Forschung gewidmetes Leben zurückblickte, war Mitglied einer Expedition, die von belgischen Behörden ausgerüstet worden war, um Elefanten für das Belgische Museum zu fangen. Er hatte das Lager der Gesellschaft zu Welle im Dordosten des belgischen Kongo verlassen, um am Aka-Fluß nach einer seltenen Elefantenart zu nicht in die Front gegen Amerika einbezogen — es steht in dieser Front. Denn der ganze schwierige Komplex beweist ja, daß der Zusammenhang zwischen deutschen Reparationen oder der jetzt an ihre Stelle tretenden Ablösungszahlung und den Schulden an Amerika indirekt, aber zwingend Hertz e st e 111 ist. Es rächt sich nun, für jedermann sichtbar, daß Amerika nicht genug Druck hinter die Abrüstungskonferenz gesetzt hat. Es steht vor der Front Europas. Es steht vor einer moralischen Verpflichtung, die eingehen zu wollen es selbst erklärt hat. Es steht vor der Unmöglichkeit, dieses Europa, in das sich England eingegliedert hat, schließlich wenn es zum Letzten kommt, zur Einhaltung seiner Verpflichtungen zu zwingen. Diese Lage wird noch dadurch verschärft, daß man im Wahl kam pf ist, die Demokraten sich gegen jedes Zugeständnis festgelegt haben und der Wahlkampf wie 1928 verlaufen wird, d. h. ohne eine klare Stellung zu der Frage, und das heißt wieder unter Stärkung der Stimmung gegen jedes Zugeständnis. Glaubt man dann, daß Hoover, falls er wiedergewählt wird, im Winter oder im nächsten Frühjahr entschlossen und schneller vorwärts gehen wird in dieser Frage, als er es bisher getan hat? Wir glauben es nicht! Uns scheint, daß diese großen Zusammenhänge fiir uns wichtiger sind als em Streit um das Ergebnis von Lausanne selbst, der nichts mehr ändert. Ganz gewiß nicht ohne Schuld der deutschen Politik, die niemals den Zusammenhang zwischen deutscher Reparation und interalliierten Schul- den sehen wollte, ist so für Deutschland eine Lage entstanden, die recht schwierig werden kann. Unter den ganz wenigen Aktiven unserer Außenpolitik seit Kriegsende steht das gute Verhältnis zu den Vereinigten Staaten in allererster Linie. Jetzt werden wir, wir mögen wollen oder nicht, in eine Front einbezogen, die ihre Spitze durch die geschilderten Zusammenhänge gegen d i e Vereinigten Staaten richtet. Weder geht vom Lausanner Ergebnis die geringste seelische Entspannung für Europa und Deutschland aus, noch kann Lausanne irgendwie einen Anstoß für die Gesundung der Weltwirtschaft bedeuten. Gerade der Kamps um- bas Abkommen, der nun beginnt, verhindert, daß das so ost zitierte weltwirtschaftliche Vertrauen sieb wieder belebe. In keinem Fall kommt Deutschland um die Maßnahmen herum, die wir so oft andeuten, auf die die Stillhalteverhandlungen in London und die Devisen- läge der Reichsbank und alles andere Hinweisen. Ist dos aber so, so wird man bei aller Anerkennung der Mühe, die sich die deutschen Vertreter in Lausanne gaben, sagen müssen, daß das Ergebnis die Mühe im Sinn einer Befreiung, eines Dorwärts- kommens, ganz gewiß nicht gelohnt hat und daß im Gegenteil aus ihm die hier öargefteUtcn Zusammenhänge neu entstanden sind, die für Deutschland sehr wenig angenehm find! Sorberungen des hessischen Schreinechandwecks- Ausschußtagung des Landesverbands Hessischer Gchreinermeister und verwandter Berufe. * Bad-Nauheim, 18. Juli. Die Vertreter der hessischen Schreinermeister-Organi- Rationen traten gestern hier zu einer erweiterten Ausschuß-Sitzung unter Leitung des Verbandsvorfitzenden S ch m u h l (Worms) zusammen. Vie Tagung, der auch der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Schreinermeister Schott (Beerfelden a. G.) beiwohnte, verlies in voller (Ein- Mittigkeit. Einen breiten Raum nahm bei den Verhandlungen die Erörterung larlfpolitischer Fragen ein. Stellvertretender Vorsitzender Reuter (Mainz) berichtete über die ergebnislos verlaufenen Lohn- unb Tarifverhanblungen. Danach würben vier Mit- gliebsorganifationen ohne vorherige Verhanblung mit ben Arbeitnehmerverbänden von dem Schlichter geladen. Die mehrstündigen Beratungen endigten mit einem für die Arbeitgeber unannehmbaren Schiedsspruch, der in der Lohnfrage einen höheren Lohn als im Baugewerbe vorsah und den Mantelvertrag mit geringen Abänderungen auf ein Jahr verlängerte. Die von der Ar'beitnehmerseite beantragte Verbindlichkeitserklärung lehnte der Reichsarbeitsminister ab. Sodann berichtete Geschäftsführer Köhler (Darmstadt) über die Stellungnahme des Verbandes bei kommenden Lohnverhandlungen. Noch einem kurzen Rückblick auf die früheren Verhandlungen und die dabei gemachten Erfahrungen stellte der Redner fest, baß der Verband als solcher nicht tariffähig sei, da ihm nicht Einzelmitglieder, sondern Arbeitgeberverbände angehören. Da die Umstellung.auf Einzelmitgliedschast nicht zweckmäßig sei, sei die Ausstellung von Tarifvollmachten zu empfehlen. Der Verband müsse bann für bie angeschlossenen Innungen unb Vereinigungen in Zukunft die Lohnverhandlungen führen. An die Berichte schloß sich eine eingehende Aussprache an, die zu dem Ergebnis führte, daß eine Tarifkommifsion gewählt wurde, die für die Folge nach vorheriger Fühlungnahme mit den betreffenden Mitgliedsorganisationen verhandeln soll. Heber die Landesausschuh.Sitzung des hessischen Handwerks- und Gewerbeverbandes berichtete Dorsihender S ch m u h l, Worms. Gr streifte kurz die kreditwirlschofl der Hessischen Handwerkskammer, die nach der Inflation auf ausdrücklichen Wunsch des Handwerks in Angriff genommen worden sei. Es sei zugegeben worden, daß, von heutigen Gesichtspunkten aus betrachtet, Fehler gemacht worden seien, es sei aber auch einwandfrei erwiesen, daß keine Bersehlungen oder Unregelmäßigkeiten begangen worden seien. Es sei daher höchste Zeit, daß dem nutzlosen Bruderstreit im hessischen Handwerk ein Ende bereitet werde. Dach kurzer Aussprache wurde nachstehende Entschließung angenommen: „Die am 17. Juli anläßlich einer erweiterten Ausschußsihung des Landesverbands hessischer Schreinermeister versammelten Bertreter der hessischen Schreinermeister-Organisattonen haben mit Entrüstung davon Kenntnis genommen, daß die seit Jahresfrist gegen die Handwerkskammer und die Handwerkerzentralgenossenschaft betriebene Agttation trotz aUer Aufklärung fortgesetzt wird. Dieses Dor- gehen insbesondere. gegen die Handwerkerzentralgenossenschaft ist um so verwerflicher, als den tteibenden Kräften dieser Aktion genau bekannt sein muh, daß dadurch die Existenz von Tausenden von Handwerksbetrieben in Hessen gefährdet wird. An alle, die es angeht, insbesondere an den Bezirksverband ®rofj-@erau, sei hiermit die eindringliche Warnung gerichtet, nicht einen grohen Teil des hessischen Handwerks dem Untergang zuzuführen. Doch ist es nicht zu spät, es gilt positive Arbeit für das gesamte hessische Handwerk zu leisten und Sonderinteressen zurückzustellen." Dach Erledigung der verwaltungstechnischen Angelegenheiten sand noch eine Aussprache über die allgemeine Wirtschaftslage, sowie über fon- suchen. Er war von drei eingeborenen Elesanten- jägein, zwei Boys und 25 Trägern begleitet. Aus einer Streife mit den beiden Boys bemerkte er eine kleine Herde von Düffeln und feuerte aus einer Entfernung von 60 Meter zwei Schüsse ab, durch die er einen männlichen Büffel verwundete. Zwei weitere Schüsse streckten das Tier mit zerschmettertem Hinterbein zu Boden. Ein fünfter Schuh traf es in der Dähe des Schwanzes. Die gepeinigte Bestie erhob sich plötzlich und griff, das verwundete Dein hinter sich herschleppend, die Männer an. Sie flüchteten, aber Dr. Christy erhielt einen furchtbaren Stoh, der ihn in die Luft schleuderte und auf den Kopf aufschlagen ließ. Der Büffel durchbohrte dann mit den Hörnern seinen rechten Schenkel. Unterdessen hatte der eine der beiden Begleiter dem Tier seinen Speer in den Hals gestoßen, worauf der andere mit drei Kugeln ihm den Garaus machte. Dr. Christy schleppte sich noch in sein Lager und beaufsichtigte das Auswaschen und Derbinden seiner Wunde. Bon der nächsten Station, die 80 Kilometer entfernt war, wurde ein Arzt herbeigeholt, aber der Zustand des Ber- wundcten wurde zusehends schlechter. Als Dr. Christy sein Ende herannahen fühlte, schickte er alle seine Begleiter aus seinem Zelt und starb allein. Die Leiche wurde nebst seinen Papieren, Dotizbüchern und andern Besitztümern nach dem Haupllager zurückgebracht und dort feierlich bestattet. Ein Krücken-Museum. Die Sammelleibenschäft kennt bekannllich keine Grenzen; mancher sammelt Streichholzschachteln, Schnürsenkel unb alles mögliche, bas bem normalen Menschen als wertlos erscheint. Aber eine solche Spezialität kann auch Nutzen bringen unb Gegen- ftänbe, bie für bie Kulturgeschichte von Interesse find, vor bem Untergang bewahren. So gibt es z. B. ein Knopf-Museum, bas wissenschaftlichen Wert besitzt. Eine andere berartige seltsame Sammlung, bas Krücken-Museum in bem tschechoslowakischen Babe Pistyan, wirb von Friedrich Renhok in „Reclams Universum" geschilbert. Diese kuriose Sammlung ist durch die Geschäftstüchtigkeit der Babediener entstanden, bie seit etwa 1887 ben burch die Heilquellen von Rheumatismus und anderen Leiden genesenen Patienten ihre -stocke unb Krücken ab kauften, nachdem sie für sie überflüssig geworden waren. Diese überaus billig erstandenen Geräte wurden bann an andere Patienten verliehen. Auf diese Weise sammelten sich im Besitze einzelner Personen größere Mengen von Stöcken und Krücken, und 1897 gab es schon zwei Sammler, bie je 14 bieser sonderbaren Museumsgegenstände ihr eigen nannten. Da nahm sich bie Badeverwaltung der Sache an, nicht um aus dem L-eihgeschäst selbst Nutzen zu ziehen, sondern um damit eine wirksame Reklame zu treiben. Die ausgedienten Krücken soll- ten in ihrer stattlichen Anzahl bem Ruhm des Bades ein neues Blatt hinzufügen und der Besucher sollte einen überwältigenden Eindruck von der jede Krücke überflüssig machenden Heilkraft des Babes erhalten. So entstand bas einzige Krücken-Museum der Welt, das auf die Besucher des Bades keinen peinlichen und abstoßenden, sondern einen ermutigenden und Hoffnungen erweckenden Eindruck macht. Die Sammlung enthalt Modellstücke von prakttschen Krücken unb bann zahlreiche Erinnerungsstücke an hervorragende Patienten, bie ihre Stöcke und Krücken teilweise mit Anerkennungs- unb Dankschreiben gestiftet haben. Auch ein Stock von Henny Porten „als Zeichen ihrer gänzlichen Gesundung nach der Badekur^ befinbet sich darunter. Hochschulnachrichten. Auf das burch den Weggang von Prof. La - queur nach Halle erledigte Ordinariat der alten Geschichte an der Universität Tübingen ist der Privatdozent Dr. Woldemar Graf Hf- kull - Ghllenband in Halle berufen worden. Der Lehrstuhl der anorganischen Chemie an der Göttinger Uniberfität an Stelle von D. Zsigmondh ist dem Ordinarius Professor H. von Wartenberg an der Technischen Hochschule in D a n z i g angeboten worden. Der Lehrstuhl der klassischen Archäologie an der Königsberger Universität an Stelle von Professor Bernhard Schweitzer ist dem Sekretär am Deutschen Archäologischen Institut in Athen, Dr. Walther Wrede, angeboten worden. Zeitschriften. — Im Juliheft der Süddeutschen Monatshefte (München) ist ein Beitrag zur Le- bensgeschichte Schopenhauers erschienen, der von den Freunden des Philosophen nicht übersehen werden sollte: es handelt sich um die Erinnerungen des Schuhmachers, bei bem Schopenhauer in Frankfurt arbeiten ließ. Sie sind durch den persönlichen Charakter, den sie tragen, unb burch bie vielen Züge aus bem Privatleben des großen Denkers besonders reizvoll. Am Geldmarkt blieb Situation weiter Statt Karten, Wolffs uns ihre Teilnahme bezeugten, sagen wir herzlichen Dank. Saison-Schluß-Verkauf 04305 Gießen (Wilhelmstraße 63) und Ober-Ofleiden, den 19. Juli 1932. Keine minderwertige Ware, sondern WmlsWWkj WMkl! 2 Sonderpreise für Damenschuhe Opanken von 5352 A Herren- Ja, das konnte Onkel Mollig wohl behaupten. Hatte rrau eine Spindelpresse beschenkt und auch «einer 5243 A Heinrich Martin Walter Martin Familie Heinrich Kornmann Katharine Kornmann. Zu Preisen, die noch nie dagewesen sind. Zahlreiche Salamander-Artikel Dorndorf-Schuhe viele Artikel .. . . ... Kl. Radiogerät mit Akku, Batterie uAn- schl.a. Grammophon s. 13 Mk. zu verkauf. Wo? sagt die Geschäftsstelle d. G.A. inuser, Am Oswalds garten, waren. nun vor der Tür und auch Sie brauchen eine tüchtige tfeu eingetroffen II Solange Vorrat Pracht*. 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Kornmann im Leben Liebe erwiesen haben, ihr auf ihrem letzten Wege das I -r PI Oi t* rrnnün ein IT «am» J T) I—__________. i , ° , (Hge bandwerkspolitische Fragen statt, wobei u. a. auch die Einführung der Arbeilsdienstpflicht als bestes Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gefordert wird. Der Vorsitzende S ch m u h l schloß hierauf die Tagung, der sich eine Besichtigung des Kerck- hoff-2nstitutes anschloh. L Mlcky-Maus-Käse, Schacht. Jg 6 Portionen, nur 27 -z «tÜsä^^tFerner noch solange Vorrat: Persische Aprikosen, Pfund nur 39 4, sehr geeignet für Marmelade und Kompott Persische - Sultane - Rosinen, Pfund nur 27 4 2 Pfund nur 50 4 6350 A geeignet für Bactawecke und Weinbereitung Niederlage Thams & Garfs Marktplatz 8 (früher Mäusburg 3) Tel. 2829 -wj -----—uviaucild Kammgarnanzüge, von 25. lente giMWM Mittwoch, 207i Uhr ZhidhW Sotel Köhler. (°»a 3m späteren Verlauf kam die schwächere Stimmung etwas stärker zum Ausdruck. Cs ergaben sich auf fast allen Marktgebieten Rück- gange von durchweg 1 Proz., wobei ein bestimmter Grund für die Abgabeneigung der Spekulation nicht zu erkennen war. Lagesgeld war zu 4 5 Prozent unverändert. ' Gießener Wocheirmarktpreise. * Gießen, 19. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,30 Mk.. Landbutter 1,20 Mk., Kochbutter 0,90 bis 1 Mk. Matte 25 bis 30 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10 Pf/ Wirsing 8 bis 10 Pf., Weißkraut 8 bis 10 Pf. Rotkraut 12 bis 15 Pf., Gelbe Rüben, das Bund'8 bis 12 N ' R^e Rüben, das Bund 8 bis 10 Pf. Spinat on sne"' Römischkohl 8 Pf., Bohnen (grün) 15 bis 20 Pf., Bohnen (gelb) 20 Pf., Erbsen 15 bis 18 Pf. Tomaten 25 bis 30 Pf., Zwiebeln 15 Pf., Pilze ml"' Kartoffeln (neue) 5 Pf., Aepfel (ausländische) 55 Pf., Dorrobst 30 bis 35 Pf., Kirschen 25 bis 50 Pf., A'^beeren 25 bis 27 Pf., Stachelbeeren 20 bis 30 Pf., Johannisbeeren 15 bis 20.Pf., Pfirsiche 40 bls 60 Pf., Himbeeren 25 bis 30 vv- Honig 40 bis ™ vf-, junge Hähne 80 bis 90 Pf., Suppenhühner omJ5^0 Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Eier 8 Pf-, Blumenkohl 30 bis 60 Pf., Salat 5 bis 10 Pf., ^akakgurken 20 bis 30 Pf., Einmachgurken 3 bis 5 W. Oberkohlrabi 8 bis 10 Pf., Rettich 10 bis 12 Pf., Radieschen, das Bund 8 bis 10 Pf. Kartoffeln (neue) Zenter 4 bis 4,50 Mk. leicht. Tagesgeld war unverändert 5% Prozent, vereinzelt 5% Prozent. Am Privatdiskontmarkt konnte man kleines Angebot feststellen, dem aber gleiche Nachfrage gegenüberstand. Frankfurt still. Frankfurt a. M.. 19. 3uIL (WTD. Drahtmeldung.) Die heutige Börse lag weiter sehr ft t II, doch war die Stimmung bei ©röffnung des Verkehrs in Nachwirkung Demonstrali- onsverbotes der Reichsregierung weiter etwas beruhigt. Die Spekulation bekundete etwas Deckungsneigung, so daß die ersten Votierungen meist kleine Erholungen von 0,5 bis 1 Proz. aufwiesen. IG. und Deutsche Erdöl eröffneten pe 0,5 Prozent, am Schiffahrtsmarkte Hapag und Rvrd- deutscher Lloyd 0,25 bzw. 0,50 Proz. höher. Von Kaliaktien besserten sich Salzdetfurth um 1 Proz., dagegen lagen die Kurse des Montanmarktes schon bei Beginn durchweg etwas schwächer. Dor allem Stahlverein fielen in Anbetracht des an sich schon niedrigen Kursstandes mit einem Rückgang von 0,75„ Prozent auf und gingen später weiter leicht zurück. Auch Buderus, Gelsenkirchen und die übrigen Werte der Bergwerksaktien gaben etwa 0 5 Prozent nach. Von Elektropcrpieren kamen nur AEG. mit minus 0,25 Proz. zur Rotiz. Riedriger lagen ferner noch AG. für Verkehrswesen (minus 0,75 Prvz.) und Phil. Holzmcrnn (minus 0,25 Proz.). An den übrigen Märkten herrschte Geschäft s st i I l e. Auf Grund der Geschäftslosigkeit wurde die Haltung im Verlaufe noch überwiegend etwas leichter wobei man vor allem wiederum auf das Fehlen jeglicher Kundenorders verwies und auch die gesamte innerpoli- ttsche Situation zur Zurückhaltung mahnte. Am Rentenmarkt war es ebenfalls sehr ruhig. Don deutschen Anleihen konnten sich Alt- | besitz 0,5 Proz. bessern, Reubesitz blieben aber nur knapp behauptet. Nicht der Kartoffelkäfer. Offenbach, 18. Juli. (TU.) Zu der Meldung dah auf einem Kartoffelstück nahe der Frankfurter Gemarkung der Kartoffelkäfer gefunden worden sei, wird von amtlicher Seite mttgeteilt, dah es sich nach dem Befund vom Landwirtschaftlichen Institut der hessischen Can- desumversität in Giehen nicht um die Larven uub Puppen des Kartoffelkäfers handelt, sondern um die des Marienkäfers, die denen des Kartoffelkäfers sehr ähnlich sehen. Die Behörde bittet alle Landwirte und Gartenbesitzer, auch weiterhin ein wachsames Auge zu haben. J. B. HAUSER, Ci ESS EN _____AMOSWAL DSG AR TEN | Verkäufe | Achtung Radio! Verkaufe weit unter Preis einen neuen 3-Nöhren-Schirm- nitt.-Netremvfäng. (Europa - Empfang garantiert) mit Zubehör Auf Wunsch auch Teilzahlung. Nur f.Wechselstrom. Schriftl. Angebote u. 04301 a. d. G. A. große Auswahl, bill. )am.-Frislergeech8!t Kaplansgasse29 0UI5 Nur einige Beispiele: bportanzüge. von 12,- an. Herren-Anzüge, " -lüge,von 25,-an.Blaue x . an. Anzüge für korpu- 8e£r Preiswert. Herren - Mäntel, von la gelbfl. Speisekartoffel, per Zentner Mk. 2.80 mit Sack, versendet un- terNächnahme 536io Rohmann, Kartoffelversand, Echzell (Wetterau), Fernsprecher 36, Amt Reichelsheim. Verbandsiag der deutschen Tapezierer, Polsterer und Dekorateure. WSR. Mainz, 18. Juli. Der 31. Verbandstag des Reichsfachoerbandes deutscher Tapezierermeister, Polsterer und Dekorateure wurde Sonntag vormittag im Akademiesaal des Kurfürstlichen Schlosses eröffnet. Bundespräsident Paul Spindler (Berlin) ging nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Ehrengäste und Tagungsteilnehmer in seiner Rede auf die besondere Rot des Handwerks ein. Er stellte fest, daß kaum noch 20 0. H. der Gehilfen Beschäftigung haben und so mancher Meister ohne Arbeit und sonstige Unterstützung sich geradezu durchhungere. Er richtete einen Appell und die herzliche Bitte an die Behörden und das Publikum, soweit wie irgend möglich mit Aufträgen nicht z u r ü ck z u h a l t e n. Die allgemeine Verarmung zwinge zu großer Sparsamkeit und Einfachheit. Aber auch mit einfachen Mitteln könne der persönliche Geschmack befriedigt werden. Die typisierte Massenware könne niemals die individuelle Behandlung der Wohnung durch den Tapezierermeister und Dekorateur ersetzen. Grüße und Glückwünsche überbrachten dann Bürgermeister Dr. Kraus für die Stadt Mainz und die Mainzer Kunstgewerbeschule, Regierungsrat R e e b für die hessische Regierung, die Pro- vinzialdirektion und das Kreisamt und je ein Vertreter des Reichsverbandes des deutschen Handwerks, der Hessischen Handwerkskammer, des Mainzer In- nungsverbandes und der Mainzer Hausfrauen. Die Feier, die von Musik- und Gesangsvorträgen stimmungsvoll umrahmt war, schloß mit dem Deutsch- landlied. Am Abend vereinigten sich die Tagungsteilnehmer zu einem geselligen Abend in der Stadthalle. • Berlin flau, dann schwächer. Berlin, 19. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die in- nerpolitischen Befürchtungen, die gestern für die schwächere Haltung entscheidend waren, haben infolge des für das ganze Reich erlassenen Demonstrationsverbotes eine gewisse Beruhigung erfahren, so daß die Spekulation heute eher zu Deckungen neigte. An der kaum noch zu überbiet en ben 3u- rückhaltung des Publikums vom Börsengeschäft hat sich allerdings nicht geändert. Wenngleich man allgemein hofft, daß es in Auswirkung der neuen Maßnahmen der Reichsregierung gelingen wird, die gröbsten Ausschreitungen im Wahlkampf zu verhindern, so verhehlt man sich doch keineswegs, daß die zwölf Tage bis zur Wahl noch genug Störungsfaktoren bringen dürften. Aus der Wirtschaft lagen keinerlei Momente vor, die die Kursaestaltung entscheidend beeinflussen können. Bei dem sehr kleinen Geschäft konnten sich überwiegend Kursbesserungen bis zu etwa 1 v. H. durchsetzen, denen allerdings auch eine ganze Reihe Abschwächungen gleichen Ausmaßes gegenüberstanden. Stärker gebessert waren Rheinische Braunkohlen, Elektrische Lieferungen und Siemens. Reichsbankanteile, Farben und Schultheiß waren etwas lebhafter gefragt. Auch in Deutsche Erdöl bestand weiter Interesse, wobei man wieder von Käufen des Auslandes über Hamburg sprach. Durch schwächere Haltung fielen anfangs Chadeaktien, Vogeltelegraph, Thüringer Gas, Schubert & Salzer und Westeregeln auf. Im Verlaufe wurde es, ausgehend vom Markt der IG.-Farben, die auf Abgaben der Spekulation, die zu den ersten Kursen etwas gekauft hatte, mehr als 1 Prozent einbüßten, allgemein etwa % Pro- Zent schwächer. Eine leichte Verstimmung ging davon aus, daß die Kurse für Deutsche Anleihen aus dem Auslande, insbesondere aus England und Holland, schwächer lauteten. Lediglich Wintershall fielen im Verlaufe durch einen Gewinn von 1% Pro- zent auf. I Suche gut erhalteen gebrauchte Wellblech-Garage zu kaufen. Schrift!, rlngeb.mit Preis u. Groffenangabe unt. 5357 D a. d. G. A. Mittwoch, den 20. 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Juli 1932. 04308 Der Konkursverwalter: Rohn, Rechtsanwalt. Hühneraugen Warzen,Hornballen beseitigt restlos auch m den hartnäckigst, fallen totsiclier unt. Gar.innerh.5-6 Tg. Hühneraugen-Hapid Erhältl. nur: Löwen- Orogerie W. Kllblnger Nacht, Seltersweg 69. Vereine auch^’unTun^auch^n^i^Vh S,iC 8,5*? e,n® Spindelpresse zulegen wollen. Kommen Sie "ch Pre"en b" “M WM si- Also Ihre Beerenpresse wird von J. B. Häuser sein. unschädlich und unübertroffen bei starken Kopfschmerzen Rheuma-, Muskel- und Nervenschmerzen. Verlangen Sie daher In der Apotheke nur Herbln-Stodln und Sie werden angenehm überrascht sein. H.O. ALBERT WEBER, MAGDEBURG zur Mitnahme von Gütern p. 26 ^Zulio. Giehen nach Frankfurt/M. bietet an Stflckrath 8t Bender Möbeltransport Gießen Walltorstraße 53 Fernsprecher 3519. MW MIO! 4-Röhren-Batterie- emvfänger (Tele- funkeu 4A) mit Zubehör gegen einige Ztr. Hiihnerfutter oder Weiten zu tauschen gesucht. Schrift!. Ang. unt. 04300 an d. G. A. 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