Ur. 67 Erft« Statt 182. Jahrgang Samstag. 19. März 1932 Erscheint täglich, außer Sonnlag« und Feiertag«. Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monat, Bezugspreis: Mit 4 'Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 225t. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Giehen. Postscheckkonto: firoidfurt am Main 11686. GichemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Hrud umö Verla-: vrihl'fche Univerfttätr-Vuch und Skmörncferci R. Lange in Kietzen. Zchrifllcitung und Seschästsjtelle: Zchulitratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen non 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klnmeanzeigen von 70 mm 'Breite 35 Reichspfenniq, Plahvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton vr.H.Tbyriol; für den übrigen Teil Ernst 'Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dietzen. Siaaisallmnchi. Der Reichsfinanzminister Dietrich, mit dessen Politik wir nicht immer einverstanden sein konnten, hat in einer Rede einen Gedanken ausgesprochen, dem man die stärkste Resonanz im verwirrenden Umbruch dieser Zeit wünschen möchte: ..Wehe dem Volke, das dem Aberglauben erliegt, daß cs nur aus die Regierung an komme, und das vergißt, daß nur ein tüchtiges Volk, das selb st mitarbei- t e t und einen Willen hat, vorwärtszukommen, bestehen kann. Es kommt darauf an. daß diese Meinung „Der Staat kann alles" niedergerungen wird." In der Tat wird es vielfach, auch in wirtschaftlichen Kreisen, über den Oberflächenerscheinungen der politischen Entwicklung übersehen, daß aus der Tiefe der Massen und der Jugend, von rechts wie von links her. der Aberglaube an die Pflicht des Staates, alles zu tun , lind die Macht des Staates, alles zu können, in einem gefährlichen sieg» b. "ten Vormarsch ist. Dieser Aberglaube wird einmal gestärkt durch die staatssozialistischen Handlungen der Regierung. Das Gehirn des normalen deutschen Menschen reagiert natürlich so: Ein Staat, der Löhne diktiert. Mieten senkt, Zinshöhen vorschreibt. Verträge abändert, Danken und Genossenschaften saniert, die Landwirtschaft umschuldet. der also wichtige Ausschnitte des wirtschaftlichen und sozialen Lebens bewirtschaftet, kann auch die Totalität des Wirt- fchaftslebens und damit das soziale Schicksal aller wirtschaftenden und arbeitenden Menschen verwalten. Dieser Aberglaube wird ferner, bewußt und unbewußt, gestärkt durcheine Opposition, die in ihrer Kritik an der Regierung und in den politischen Hoffnungen, die sie ihren Anhängern verkauft, vielfach f e h l g r c i f t. Wenn man eine Regierung für alles verantwortlich macht, was an Krise. Rot und Unzufriedenheit zuhauf liegt, erweckt man natürlich die Vorstellung, das, eine andere, bessere Regierung das alles mit staatlicher Wacht ändern könnte: wenn man den Anhängern immer wieder verspricht: Das alles wird radikal anders, wenn wir an der Regierung sind, züchtet man wiederum in Millionen Phantasien den Glauben an die Staatsmacht. Wit dieser Entwicklung geht aber Hand in Hand eine fortschreitende Schwächung der Selb st Verantwortung und des Lebenswillens des einzelnen. Der gesunde Individualismus verfällt heute in Deutschland in erschreckendem Maße der Verfemung und Lähmung, vor allem auch in der jungen Generation. Dabei spielt natürlich die Aussichts- und Karrierelosigkeit tausender junger Menschen eine große Rolle. Ein gesunder junger Mensch, der an sich Selbstvertrauen und Lebenskraft hat und sich regen möchte, der aber keine Aufgaben findet, dem die Umstände es verwehren, „ins Leben zu treten“, wie man früher sagte, muß notwendig mit seiner mangelnden Lebenserfahrung dem Irrglauben an die Allmacht des Staates verfallen, der das alles anders machen kann. Hinzu kommt eine bereits übertriebene Züchtung des Gemeinschaftsgefühls, das sehr leicht, wenn die Spannkraft der Ideen nachläßt und der schöpferische Äontrapuntt zwischen Führung und Gemeinschaft zu tönen aufhört, in ein Massen- denken und einen beschränkten, lebensfremden Kollektivismus abrutscht. Immer radikaler spalten sich junge Gruvven von den großen Massenbewegungen der Rechten ab. die den totalen Staat predigen, in dem der einzelne nur noch Funktionär und Baustein ist, die von der permanenten Revolution schwärmen. die von einer entschiedenen Grupve, einem Aktivistenorden, mit Hilfe des Staatsapparats und kollektiver Methoden dem einzelnen zum Heile der Gesamtheit aufgezwungen werden soll. Hier fließt eine Auffrischung der hundert Jahre alten Hegellchen Staatsphilosophie Preußens ro- mant:fd) und verwirrend zusammen mit einer nationalistischen Kopie der Trohkischen „permanenten Revolution''. Es ist sehr bezeichnend, daß eine durchaus völkisch und nationalistisch empfindende Persönlichkeit der Rechten wie Hans Grimm, der Verfasser von „Volk ohne Raum", mit steigender Sorge die wachsende Antibürgerlich - keit der Rechten im besonderen und der jungen Generation im allgemeinen verfolgt. Zum Hofe Grimms, der sich im Weserland angesiedelt hat. pilgern jeden Sommer hunderte junger Menschen aus den Bünden, den Jugendbewegungen, den Stoßtrupps der Rechten, und Grimm stellt mit wachsender Besorgnis fest, wie stark der Glaube an öie Staats- allmacht bei diesen jungen Menschen, die oft die besten ihrer Schicht sind, geworden ist, wie sehr das Bekenntnis zur Tüchtigkeit des einzelnen, der Wille zum individuellen Kampf ums Dasein und zur Persönlichkeit im Schwinden ist. Es macht sich hier vielfach eine Stimmung breit, die von vornherein jeden Besitz und Erwerb verdächtigt, die aus der Tatsache, daß heute viele Menschen arm geworden sind, den Schluß zieht, daß alle arm sein müssen, die persönliche Tüchtigkeit, die einen Menschen auch materiell über die anderen erhebt, fast als unsittlich betrachtet. Grimm persönlich, der völkisch fundierter Rationalist ist und ein größeres, kraftvolles Imperium der Deutschen will, befürchtet von dieser Entwicklung, daß ein zum Siege gekommener ötütionanstmts aus einem in vielen Die Gevenng-Akiion gegen die AGOAp. Vorstellungen beim Reichsinnenminister. — Göring erläutert die Maßnahmen der NSDAP, am Wahltage. Berlin, 18. März. (211. Funtspruch.) Wie die „Telegraphen-llnion' erfährt, lind die nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Göring und Frank II am Freitag beim Reichs- innenminifter Dr. Groener wegen der Aktion der Preußenregierung gegen die RSDAP. vorstellig geworden. Im Anschluß an diese Besprechung machte der Abgeordnete Göring noch einige Äussührungen zu den der Partei zur Last gelegten Dingen. Die Ausgabe eines geheimen Stichwortes für die Besetzung des Relais sei eine rein organisatorische Maßnahme gewesen. Es sei nur natürlich, daß für den Wahltag ein geheimes Stichwort herausgegeben worden fei. Zu den W a f s e n s u n d e n erklärte er, daß es sich hier um vereinzelte verbotene B e - ©Öffnungen handele. Die in Frage kommenden Führer würden zur Rechenschaft gezogen werden. Psychologisch seien die Dinge jedoch verständlich, wenn man an die llcbcrfäUc und Mordtaten der Gegenseite denke, Rach wie vor gelte aber strenger Parteibefehl, keine Waffen zu führen. Zuwiderhandelnde würden mit Ausschluß aus der Partei bestraft. Zu der angeblichen „Zernierung" Berlins erklärte Göring, diese Behauptung sei völlig unbewiesen, zum Teil könne es sich hier um allgemeine Besprechungen handeln, was im Falle von gewalttätigen Aktionen der Komm uni st eit oder der Eisernen Front zu tun fei, um die Leute der RSDAP. aus den gefährdeten Gebieten heraus- zuziehen. Derartige Herausziehungen hät en aber nichts mit Zernierung zu tun. Auch hier fei die Regierung wiederholt darauf hingewiesen worden, daß ein solches Herausziehen vorbereitet werde. Die RSDAP. erblicke in dem Dorgehen der preußischen Regierung eine Maßnahme, um die Rationalsozialisten mit allen Mitteln und Methoden vor den Preußenwahlen zu unterdrücken. Diesen Versuchen werde die RSDAP. jeden verfassungsmäßigen Widerstand entgegensetzen. Eine Erklärung Groeners. Der Rechsinnenministcr fordert Lcverings Material zur Prüfung ein. Berlin, 18. Mär;. (IBIB.) Der Reichsinnen- minifter veröffentlicht folgende Erklärung über die Aktion bei der RSDAP.: Es ist zutreffend, daß Herr Röhm einige Tage vor den Wahlen mir als Reichsinnenminiffer hat meloen lassen, daß er beabsichtige, für den Wahltag öic S A in ihren Unterkunftsräumen geschloffen zu- jammeuzuhalten, um allen Zusammen- stöhen auf der Straße oorzubeugen. Gegen diese Maßnahmen bestanden beim Reichsministerium des Innern keine Bedenken, auch deshelb weil dadurch dieverantwortlichkeit der obersten SA-Leitung für alle etwaigen Vorkommnisse klar festgesfellt war. Der ruhige Verlauf des Wahltages hat meiner Auffassung recht gegeben. was die in den letzten Tagen in der Presse verbreiteten RachrichtenüberMobilmachung der SA und Putschabsichten anbetrifft, so handelt es sich dabei um altbekannte Rachrichten. Soweit es sich um neue Rachrichten handelt, werde ich sie unverzüglich scharf nachprüfen. Selbstverständlich wird von mir die nationalsozialistische Bewegung dauernd sorgfäl- tigbeob achtet und jede Rachricht aus ihre Richtigkeit nachgeprüsl. Ich habe den preußischen Mini st er des Innern gebeten, mir schleunigst das bei den Haussuchungen der letzten Tage gefundene Matrial zugänglich zu machen. Rach Prüfung desselben werde ich meine weiteren Entschlüsse fassen. 3u den Haussuchungen bei Geschäftsstellen der RSDAP. schreiben die ..Münchner Reuest e n Rachrichten': Der preußische Innenminister S e v e r i n g hat in der Vergangenheit ein solchesTalent zu politischenMiß- griffen bewiesen, daß man nur mit allergrößtem Mißtrauen diese neueste Sensation aufnehmen kann. Sollte sich Herausstellen. daß auch diese Aktion auf fo schwachen Füßen st e h t wie die frühe ren, dann allerdings wäre es Zeit, einer solchen politischen Kurpfuscherei einEnde zu machen Wenn jedoch die schweren Vorwürse gegen die RSDAP. zutreffe n, dann wird wohl auch die nationalsozialistische Parteileitung selbst, die die Legalität ihrer Absichten immer wieder beteuert hat, einen sauberen Trennung 3 ft r i d) innerhalb der Partei ziehen müssen. AuWMzweileiiWahiMgdclplÄidenlenwchl Der Oster-Burgfrieden. Berlin, 19. März. (WTB. Funkspruch.) Line Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des inneren Friedens verbietet für die Zeit vom 20. März bis zum 3. April 1932, mittags 12 Ahr, ö f s e n t l ich e politische versammlungensowieallepolitischen Versammlungen und Auszüge unter freiem Himmel. Für die gleiche Zeit ist jede Art der öffentlichen Verbreitung von Plakaten, Flugblättern und Fing- schriftenpolitischenIn haltsverboten. Oesfentliche politische Versammlungen sowie politische Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel, die nach Ablauf der vcrbolsfrisk stattfinden sollen, dürseu vom 1. April ab öffentlich angekündigt werden. Wer den verboten zuwiderhandelt, wird, soweit nicht eine höhere Strafe in Betracht kommt, mit Gefängnis nicht unter drei Monaten und evtl, außerdem auch mit Geldstrafe bestraft. Die Verordnung ergänzt ferner die Verordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. Mär; 1931. So wird bestimmt, daß Plakate und Flugblätter politischen Inhalts mindestens 24 Stunden vor ihrer Verbreitung der zuständigen Polizeibehörde zur Kenntnisnahme vorzulegen sind. Verstöße gegen diese Anordnung werden mit Gefängnis bis zu drei Monaten ober mit Geldstrafe bestraft. Aufruf derHindenburg-Ausfchüffe Keine Wahlmüdigkeit. — Auch int zweiten Wahlgang kommt es auf jede Stimme an. Berlin. 18. März. (LH.) Die Hauptgeschäftsstelle der Hindenburgausschüsse teilt mit: Am Donnerstagnachmittag tagten in Berlin d i e Vertreter der Hindenburgausschüsse aus den Ländern und den preußischen Provinzen. Die Vertreter erstatteten Bericht über die Organisation und über die Erfahrungen des ersten Wahlganges. Am Freitagnachmittag tagte ebenfalls in Berlin das Kuratorium der Hindenburgausschüsse. Das Kuratorium tritt mit folgender Erklärung an die Oefsentlichkeit: „Der erste wahlgang hat dem Reichspräsidenten von Hindenburg eine Stimmenzahl gebracht, die die Erwartungen des Kuratoriums vollauf rechtfertigte. Für diese» Ergebnis kann man den verbänden und einzelnen Persönlichkeiten, die sich in den Dienst unserer Sache gestellt haben, nur auf da» wärmste danken. Aber ihre Aufgabe i st damit noch n i ch t b e e n d e 1. Ls besteht die Gefahr, daß wegen der Größe des Erfolges m a n ch e w ä h l e r g l a n - b e n , ihre Stimme fei nicht mehr nötig während die Gegner zu doppelten Anstrengungen angetrieben werden. Demgegenüber be- darf es auch von unserer Seite neuerunermüb licher Tätigkeit. Riemand darf am 10. April der Wahl fernbleiben. Riemand darf es unterlaßen, durch Aufklärung neue Stimmen zu gewinnen, denn unser Ziel muß fein, daß der Reichspräsident, der sich sogleich zur Fortsetzung de» Kampfes entfdjloffen hat, i m zweiten Wahlgang noch erheblich mehr Stimmen erhält. Ls gilt jetzt, zn zeigen, daß nach der unfeligen Zersplitterung bet ersten Wahl bie überwältige nbe Mehrheit b e 5 deutschen Volke» f i ch zu dem Reichspräsidenten von Hindenburg bekennt als den über dem P a r t e i st r e i l erhabenen Vertreter Deutschlands nach innen und nach außen. Darum tue jeder feine Michl-" Graf Westarps Aufruf an das nationale Deutschland MachtvoltesUekenntnis zu Hindenburg dem Führer im nationalen Bcfreinngskampf. Berlin, 18. März. (TU.) (straf W e ft a r p der vor etwa drei Wochen einen Aufruf mit über 500 Unterschriften führender Persönlichkeiten a u c- der alten Wählerschaft des (steneralfeld Marschalls von Hindenburg veröffentlichte, überglbl zum zweiten Wahlgang der Oefsentlichkeit folgende Erklärung: „Die Wahl des Generalfcldmarschalls von Hindenburg zu Deutschlands Staatsoberhaupt ist i m c > ft e n Wahlgang s i ch e r g e st c l l t. Da Adolf Hitler und Thälmann ihre Kandidaturen nicht 311 rückgezogen haben, muß am 10.April noch einmal um den endgültigen Sieg gerun gen werden. Aber es genügt nicht, wenn bie Wahl nur formell bestätigt wirb. Jetzt heißt es, D e u t f ch l a n d s S t e l l u n g im außenpolitischen Entscheidungskampf zu stärken. Alle nationalen Frauen unb Männer müssen burch ihre Stimme bekunden, daß das deutsche Volk geschlossen hinter sei n e m Präsidenten a l s dem Führer i in starken Persönlichkeiten verankerten Herren- bewuhtsein in einPariabewußtseinum- kippt und bann nicht mehr die Härte der Gesinnung und die tüchtigen Einzelpersönlichkeiten aufbringt, um das deutsche Imperium zu organisieren. Auch wenn man nicht die Entwicklung der besonderen Perspektive Grimms sieht, muß man ihre Gefahren erkennen und bekämpfen. Je entschiedener man dem Aberglauben an die Allmacht des Staates entgegentritt, um so besser. 2e stärker man sich in einer Zeit, die Gemeinschaft von unten herauf und Planung von oben her überbetont, diesem neuen Kollektivismus ciil* gegenstemmt und darauf hinweist, daß Volk und Staat es auch stets der Leistung vieler starker und tüchtiger Einzelner verdankten, daß sie gesund und tüchtig waren, um so besser! Es ist bezeichnend, wie man im jungen revolutionären Frankreich zwar der Demokratie und dem abstrakten citoyen absagt, aber auch die überschwengliche Gemeinschaftsmystik a b- l^hnt. der Macht der Gesellschaft und des Staates mißtraut, beiden nur eine begrenzte Sphäre zur Betätigung anweist und darüber hinaus die Persönlichkeit auf den Schild hebt, während bei uns, im Goethejahr, im Jahr des Dichters, der als größtes Glück der Erden- tinber die Persönlichkeit pries, die politische und geistige Entwicklung mit Meilenschritten auf Kollektivismus. unpersönlichen Staat und weitere Entwurzelung auch eines gesunden Individualismus zusteuert. Der Privatinitiative freie Bahn! Grundsätzliche Forderungen des Reichs- vervandes der Deutschen Industrie. Berlin, 18. März. (WTB.) Unter dem Vorsitz Dr. Krupp v. Bohlen und Halbachs beschäftigte sich das Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie mit den wirtschaftspolitischen Erfordernissen, die sich aus der gegenwärtigen Lage ergeben. Das Präsidium vertrat den Standpunkt, daß daß es in erster Linie darauf ankomme, die Vertrauenskrise zu beseitigen, die jede Tlnternehmungstätigkcit lähme. Cs müsse von der Regierung gefordert werden, daß sie alles daran setze, die Hemmungen zu beseitigen, die einer freien Entwickelung der Privatinitiative im Wege stehen. Es müßten unbedingt die Grundlagen dafür geschaffen werden, daß die Betriebe wieder rentabel wirtschaften können, da anders die private Initiative nicht geweckt werden könne. Im Rahmen der Wiederherstellung freier Entwicklungsmöglichkeiten müsse vor allem auch auf dem Gebiet der Arbeitsbedingungen ein Zustand geschaffen werden, der freie Dereinbarungenüber Arbeits- lo hn und Arbeitszeit ermögliche. Auf dem Gebiet der Finanzpolitik sei es notwendig, endlich zu einer einhei tlichen Finanzordnung, insbesondere auch für bic Kommunen, zu gelangen. Ebenso dringlich sei bie Amfchuldnng der Gemeinden, sowie eine durchgreifende Reform der Arbeitslosenversicherung und der Arbeitslosenfürsorge mit dem Ziel einer Vereinheitlichung undAusgabenersparnis. Alle künstlichen, mit Milliardensummen rechnenden Arbeitsbeschaffungspro- g r a m m e seien abzulehnen. Für eine zusätzliche Arbeitsbeschaffung komme allein der organisch gewachsene, aber bisher zurückgestaute Bedarf in Frage, wenn dafür einwandfreie und brauchbare Finanzierungsmöglichkeiten geschaffen werden könnten. Das Präsidium drückte seine Verwunderung darüber aus, daß England sich über gewisse, bie Einfuhr englischer Waren hem mende Waßna h,m en beschwert fühle, nachdem es selbst besonders durch seine Rotzölle die Einfuhr einer großen Anzahl typischer deutscher Exportartikel zu 100 Prozent verhindert und damit die deutsche Wirtschaft stark geschädigt habe. Das Präsidium stellte fest, daß durch die englischen Schutz" zolle die Grundlage des deutsch-englischen Han- delsvertrages einseitig zu ungunsten Deutschlands verschoben worden sei und daß bie neuen englischen Zölle gegen bie Bestimmungen des Protokolls zum deutsch-englischen Handelsvertrag verstoßen, bie vorsehen, baß jeder der beiden vertragschließenden Staaten bei der Abänderung seines Zolltarifes und bei der Fest setzung künftiger Zollsätze auf die Interessen des anderen Partners gebührend Rücksicht zu nehmen habe. Freiheitskampfe steht, opferbereit gewillt, den Kampf gegen die Tribute, gegen die einseitige Entwaffnung und gegen die Kriegsschuldlüge bis zum vollen Siege durch,)uführen. Jetzt muß ohne Rückhalt die Forderung des Reichspräsidenten erfüllt werden, der unabhängig von Parteien und Bindungen als Vertreter und Treuhänder des ganzen deutschen Volkes sein Amt führen will. Schon im ersten Wahl- gang haben seine alten Wähler von 1925 seine Wiederwahl an erster Stelle gefordert und zum Siege geführt. Run ergeht auch an alle die- lenigcn, die am 13. März ihre Stimme einem anderen nationalen Kandidaten gegeben haben, der dringende Ruf, der Selbstzerfleischung E i n h a l t z u tun. Hebt die falsä-e Frontstellung auf! Bezeugt die Geschlossenheit des nationalen Deutschlands! Bekundet, daß der nationale Generalfeldmarschall der u n s r i g e ist! Niemand stehe verärgert bei Seite! Durch die Teilnahme des ganzen nationalen Deutschlands muß die Wiederwahl des General- fcldmarschalls von Hindenburg eine machtvolle Kundgebung deutschen Freiheitswil- lens lind ein Bekenntnis zu dem Gedanken einer von Parteien unabhängigen Letzte LandtaaMmig v Führung des Staates durch einen deutschen Mann werden, der sich nur seinem Gott und seinem Gewissen verantwortlich fühlt." Sin neuer Wahlaufruf Hitlers. Berlin, 18. März. (ERB.) Der „Angriff" veröffentlicht heute einen neuen Aufruf Hitlers zu den bevorstehenden Wahlen, in dem aufs neue erklärt wird, die NSDAP- kämpfe auf streng legalem Wege. Der Aufruf wendet sich dailn den am 10. und 24. April stattfindenden Wahlschlachten zu, in denen das „System" geschlagen werden müsse. Es gebe keinen anderen Weg, die dauernden Bedrückungen und die unausgesetzten Bedrohungen der persönlichen Freiheit, der Freiheit der Wohnungen unb der Presse der NSDAP. zu überwinden. Die SA.- und SS.-Männer werden aufgefordert, s i ch durch nichts zu einer Ungesetzlichkeit provozieren zu lassen, aber mit dem letzten Fanatismus im Sinne der ihnen nunmehr zugehenden Richtlinien zu arbeiten. Der Aufruf schließt: Gebt Herrn Severing am 10. und 24. April die Antwort, die Ihr ihm geben könnt: Schlagt ihn und seine Partei! »r den Preußenwahlen. Berlin, 18. März. (VDZ.) Der Preußische Landtag ist heute zu seiner letzten Plenarsitzung vor den Neuwahlen zusammcnaetrctcn. Hauptsächlich wird hierin die politische Aussprache zur ersten Lesung des Haushaltsplanes für 1932 zu Ende geführt. Aba. Stendel (DVP.) bedauert, daß eine völlige Einigkeit für Hindenburg nicht zu erzielen war, obwohl auch dem Auslande gegenüber die Gelegenheit nie günstiger sein konnte als gerade bei der Reichspräsidentenwahl, die Einmütigkeit des deutschen Volkes zu betonen Die Haltung der Deutschnationalen in der Wahleinstellung gegen Hindenburg ist bedauerlich gewesen. Die Schlüsselstellung, tue die Deutschnationalen hätten beziehen wollen, sei ihnen nun doch entgangen. Ein Kampf um Preußen mit einer so kurzen Wahlvorbercituna ist eine Herausforderung der Opposition. Roch scklimmer ist. daß man versucht, durch ein Aneinanders ch jeden der Reichspräsidenten« und Landtagswahlen, beide Wahlen in ihrer Struktur zu verwischen. Die Opposition sei iit immer steigendem Maße und mit immer neuen Methoden von der Mitarbeit ausgeschaltet worden. Die Personalpolitik der preußischen Regierung sei eine reine P a r t e i p o l i t i k. Wenn jetzt ein großer Teil des deutschen Volkes dem na- tionalsozialistischen Radikalismus verfallen sei, so habe gewiß die Wirtschaftskrise auch dazu beigetragen: ein gerüttelt Maß von Schuld aber trage die Politik der preußischen Regierung. Was jetzt in der Presse über den beab- stchtigten nationalsozialistischen Aufmarsch mitgeteilt werde, sei gewiß aussehenerregend, aber man habe schon zu oft erlebt, daß solche Nachrichten sich [pater a l s erheblich übertrieben herausgestellt Kälten. Sollten sie in diesem Falle jedoch den Tatsachen entsprechen, so sei auch die DVP. für die Anwendung der allerschärfsten Mittel. Bei den kommenden Neuwahlen zum Preußischen Landtage werde der Kampf der DVP. der Beseitigung des Partei st aates gelten. Abg. B i e st e r (D.-Hann.) erwartet von der Reichspräsidentenstichwahl einen sicheren Sieg der Kandidatur Hindenburgs. Hitler sei nur ein Imitator Mussolinis. Wenn sich der Abgeordnete K u b e (Natsoz.) gestern als ungekrönter König vorstellte, so werde er das auch weiterhin bleiben, wobei die Betonung auf das Wort ungekrönt zu legen sei. Wenn die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten mit den Argumenten kämpften, daß sie gegen die Tribute und die einseitige Abrüstung seien, so seien das Dinge, über die sich das ganze deutsche Volk einig sei. Abg. Falk (Stp.) erklärt, wenn es gelungen sei, aus dem Chaos nach dem Kriege herauszukommen und den Weg des Aufbaues zu beschreiten, dann sollte man nicht diejenigen schmähen, die darin mit- gearbeitet hätten. Die Auffassung des Ministerpräsidenten, daß die individualistische Wirtschaft versagt habe und nur die Gemeinwirtschaft zum gewünschten Zieü führe, teilt der Redner nicht. Wenn die Wirtschaft versagt habe, so liege das nicht am System: den gegenwärtigen Notzeiten sei kein Wirtschaftssystem gewachsen. Abg. Schmelzer (Zentr.) erklärt: Wenn die Landwirtschaft in Preußen im Gegensatz zu anderen Ländern keine Hauszinssteuer zu zahlen brauche, fo fei bas nicht auf die Deutschnationalen, sondern auf die Regierungsparteien HU rückzuführen. Der arme preußische Staat der Rachkriegszeit habe ungefähr das achtfache dessen für die Landwirtschaft ausgegeben, was ihr vor dem Krieg zuge- wendet wurde. Abg. D a e ck e r - Berlin (Lv.) nennt die Aeuße- rungen des Ministerpräsidenten über den Ausfall der Reichspräsidentenwahl in Ostpreußen töricht. Trotz schärfster grundsätzlicher Opposition gegen die preußische Staatsregierung empfinde das Landvolk doch immer die Pflicht zu verantwortungsvoller Mitarbeit. Bei den Preußenwahlen werde das Landvolk sich dafür einsehen, daß Preußen wieder ein christliches, deutsches und auf Hen bodenständigen Kräften des Landes ruhendes, mit einem Wort: ein gut preußisches Regiment bekomme. (Beifall beim Landvolk.) Damit ist die erste Lesung des Haushaltsplanes für 1932 beendet und damit im gegenwärtigen Landtag die Haushaltsberatung überhaupt. Auf der Tagesordnung steht dann die zweite Beratung eines von der Wirtschaftspartei einge- brachten Gesetzentwurfs auf Hinauf setzung des WahlalterS in Preußen von 20 auf 25 3 ahre. Bei der Abstimmung werden nur 105 Karten abgegeben. Das Haus ist also beschlußun- fähig. Der Präsident teilt mit, daß man am Schlüsse der voraussichtlich letzten Sitzung stehe. Er behalte sich jedoch vor, den Landtag vor Ablaus der Wahlperiode noch einmal zusammenzuberufen, falls sich dies als notwendig erweisen sollte. Aus aller Welt. Lin Silberfchah Im Main. In Aschaffenburg wurde der Kriminalpolizei ein großes Etui überbracht, das ein Aschaffen, burger Fischer kurz vorher aus dem Main geborgen hatte. Das Etui enthielt ein wertvolles silbernes Kaffeeservice, bestehend aus Kaffeekanne, Milchkanne, Zuckerdose und zwölf Löffeln. Auf zweien der großen Stücke befindet sich eine Krone, während die Löffel mit dem Buchstaben M und einer darübergesetzten Krone versehen sind. Die einzelnen Stücke stellen sehr feine Arbeiten dar: die Löffel sind mit Elfenbeingriffen verziert. Nach An- sicht eines Sachverständigen handelt es sich vermutlich um ein Kunsterzeugnis aus ! ändi - scheu Ursprungs. Nach der Beschaffenheit des Etuis zu urteilen muß es erst wenige Zeit, bevor es gefunden wurde, in den Main geworfen worden sein. Was den oder die Betreffenden zu der Hand- lungsweise veranlaßt hat, konnte bis jetzt ebensowenig als der Name des oder der Besitzer festgestellt werden. Marga von Lhdorf spricht mit Professor Junkers. Die Ostasienftiegerin Marga v. Etzdorf sprach telephonisch von Bangkok aus, also aus einer Entfernung von über 10 000 Kilometer, mit Professor Dr. Iunkcrs in Dessau, um ihm ihre glückliche Ankunft, die Begeisterung der Bevölkerung und die Bedeutung ihres Fluges für die deutsche Luftfahrt mitzuteilen. Professor Dr. Junkers erwiderte mit freundlichen Worten und betonte, daß die Verständigung der Völker untereinander heute mehr denn je nötig sei. Das Gespräch war außerordentlich gut verständlich. „Königliche Kaufleute." 2m Sklark-Prozeß wurde am Freitag Obermagistratsrat Brandes als Zeuge vernommen, da er im September 1929 die Fälschungen der Sklareks aufdeckte. Der Zeuge erklärte, die hohe Schuldenlast von sechs Millionen Mark der Bezirksämter an die Stadt- batzk sei ihm außerordentlich hoch vorgekommen. Bei der Revision sei er erschüttert gewesen über die Höhe derSklarek-Kredite und habe dem Vtadtbankdirektor Schmidt gegenüber Hw er c Bedenken geäußert. Eine Llnver- schämtheit sei es gewesen, daß ihm die Stadtbank- direktoren den die Sklareks belastenden R e v i s i. vnsbericht vorenthalten hätten. Beim Bezirksamt Spandau habe er dann sestgestellt, daß die von der Stadtbank den Sklareks bevor- schuhten Rechnungen fingiert gewesen seien Ec habe sofort die Sklarek-Akten bei der Stadtbank beschlagnahmen lassen und dem Stadtbankdirektor Schmidt gesagt, es sei a l l e S g e s ä l s ch t als Fälscher kämen nur die Sklareks in Frage. Stadtbankdirektor Lehmann habe er erklärt, daß die Stadtbank mindestens um 850 000 Mark betrogen worden sei und daß er retten solle, was zu retten sei. Der Vorsitzende versuchte festzustellen, wann diese Aeußerung gefallen sei, weil an dem be- treffendenTage mittags auf Anweisung des Stadtbankdirektors Schmidt noch 40000 Mark an die Sklareks ausgezahlt worden sind. Brandes erklärte, daß er bereits am Vormittag die Stadtbankdicektoren von den Betrügereien der Sklareks unterrichtet habe. Es wäre schon zu dieser Zeit notwendig gewesen, ihre Konten zu sperren. Die Stadtbankdirektoren hätten aber noch, nachdem die Sklareks bereits verhaftet waren, auf dem Standpunkt gestanden, „daß die Gebr. Sklarek als die großen Kunden der Stadt, die dieser einen jährlichen Ge- toinn von 800 000 Mark einbrächten, königliche Kaufleute seien und wie rohe Eier behandelt werden müßten" Lin neuer Monstre-prozeh. Am Samstag, am selben Tage, an dem der Prozeß Kahenellenbogen zu Ende geht, beginnt in Berlin eine ähnlich langwierige Verhandlung, deren Dauer auf einige Wochen berechnet wird Das ist der Fall Michael Alexander H raUeff Mitangeklagt ist Dr. T ü r k, der T r e u h ä n d e r der Raiffeisenbank in Berlin, die mit runb 70 'Millionen Mark fallierte und an deren Zusammenbruch die beiden Beschuldigten wesentlichen Anteil haben sollen. Die Anklage wirft llralzeff Kreditschwindel im größten Ausmaße vor. Die Raiffeisenbank hat den von llralzefs in Anspruch genommenen Kredit von rund 7 Millionen Mark nur im Hinblick aut ein ungekündigtes R u s s e n g e s ch ä f t stehen lassen: dann hat sie Dralzeff neues Geld für bie Aufrechterhaltung seines Betriebes „Orion" der schon in einem früheren Prozeß wegen des ganz unkaufmännischen Aufwandes für Bureau und AngesteNte eine Rolle gespielt hat, gegeben; endlich hat die Raiffeisenbank e i n eG e s ch ä f t s- reise des Treuhänders Dr. Türk nach Paris finanziert und ihm 7000 Dollar überantwortet um das Russengeschäft in Fluß zu bringen, ilral- zess. der nach der Revolution nach Berlin kam lernte die Direktoren der Raiffeisenbank auf Gesellschaften kennen. Er lebte in größtem L u x u s, hielt sich neben einer feudalen Wohnung mehrere wertvoNe Luxusautomobile usw. Die Anklage wirft ihm vor, dieses Leben auf Kosten der Raiffeisenbank geführt zu haben. vier Menschen durch eine Granate gelötet. 2n der Ortschaft Romaliszki im Wilnaer Gebiet fanden Bauernburschen in einem alten Mttitärschuppen ein Artilleriegeschoß. Sie Die Wett feiert Goethe. Huldigungen an den Genius von Weimar. Zn der Akademie der Künste. Die preußische Akademie der Künste in Berlin veranstaltete eine Goethefeier, in der Thomas Mann über Goethe als den Repräsentanten des bürgerlichen Zeitalters sprach. Der Redner schilderte mit hinreißendem Temperament und einer Fülle von eigenartigen, fdjarf- ftnnigen Beobachtungen und geistvollen Betrachtungen den 3ahrtausendmenschen Goethe als den Sproß des in der Reformation und der Renaissance wurzelnden deutschen Bürgertums, in dem das Würdig-Bürgerliche zur Heimat des Rein-Menschlichen wird. Daher der Sinn für das bürgerliche Behagen, der kategorische Imperativ des Fertigmachens, der den Dichter die Konzeptionen seiner genialen Jugend in der Arbeit mancher Jahrzehnte ausarbeiten läßt, und zwar so, daß aus der Studentenkomödie und der Mädchen- tragöbic des Faust die gewaltige Welt- und Menschheitsdichtung wird. Auch so manche schroffen Eigentümlichkeiten feines Wesens und Denkens gehen auf diese Herkunft zurück. Schließlich mündet er aber doch in das Lleberbürgerliche, und in seinem Alterswerk, den „Wanderjahren", finden wir überraschende Ausblicke in ein Zeitalter, das das jetzt zu Ende gehende bürgerliche abzulösen berufen ist. — Stürmischer Beifall dankte dem Redner. Unter den Anwesenden bemerkte man den preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volks- bilbiing, Dr. Grimme, die Rektoren der Uni- versität und der Handelshochschule Dr. Lüders und Dr. Bonn, den Präsidenten der Akademie Max Sieber in an n, die Maler Hugo Vogel, Emil O r I i f, Käte Kollwitz, die Schriftsteller Walter Bloem, Ludwig Fulda und Heinrich Mann, ferner Professor Max von Schillings, Professor Dr. von Parseval und eine große Anzahl weiterer hervorragender Persönlich» teilen. Die Rede Thomas Manns, die wahrhaft stürmischen Beifall erntete, war würdig umrahmt von Gesängen von Mitgliedern der Singakademie unter Leitung von Professor Dr. Georg Schumann. In der deutschen Kolonie in Paris. 3m größten Konzertsaal von Paris sand gestern unter dem Vorsitz des deutschen Botschafters Dr. v. Hösch die Gedenkfeier der deutschen Kolonie zum 100. Todestage Goethes statt. Die Veranstaltung wurde eingeleitet mit einer Rede des Botschafters, der darauf hinwies, daß auch in Frankreich das Andenken Goethes in diesem 3ahre reich gefeiert werden würde. Hervorzuheben seien besonders ein Festakt im Auditorium Maximum der Sorbonne und eine Goethe-Ausstellung in der Rcttional-Dib.'iothek, außerdem die Aufführung Goethescher Dramen in französischen Theatern. Wir begrüßen, so fuhr der Botschafter fort, diese Anteilnahme, die Frankreich an dem Andenken unseres deutschen D.chlLcs^bezeugt. Wir erblicken darin einen Beweis für die*starken geistigen Bande über die Grenzen der Länder hinweg. Goethe und sein Werk sind ein Besitztum der gesamten zivilisierten Welt, lieber die Rot der Gegenwart hinweg schlage die Erinnerung an Goethe die Drücke zu einer besseren Zukunft. Den Festvortrag hielt Universitätsprofessov Dr. Philipp W i t k o p aus Freiburg. Er feierte Goethes Leben und Werk als das zeitlos dauernde Urbild und Vorbild reiner Menschlichkeit, an dem verworrene, verirrte Menschen und Völker sich immer zurechtfinden könnten und an dem vor allem unsere Zeit fich wieder orientieren müsse. Die Veranstaltung wurde umrahmt durch Vorträge aus Goethes Werken und durch Gesangs- barbictungen. gingen damit in d i e Dorfschmiede und versuchten dort, den Zünder vom Geschoß lvszu- schrauben. Dabei explodierte die Granate: Zwei Personen wurde in Stücke gerissen, zwei weitere erlitten so schwere Verletzungen, daß sie nach kurzer Zeit starben. Spidocrbot für ausländische Schauspieler in den vereinigten Staaten. Präsident Hoover hat f oeben ein Gesetz unterzeichnet, wonach ausländische Schauspieler auf amerikanischen Bühnen nicht mehr auftreten dürfen. Ausnahmen dürfen lediglich bei Dü h- nenlräf ten von internationalem R u f zugelassen werden. Durch diese Maßnahme werden die ausländischen Schauspieler den allgemeinen Einwanderungsbestimmungen unterworfen. Lisenbahnunglück in Neapel. Zwei Stadtbahn züge stießen in einem Tunnel zwischen zwei Bahnhöfen zusammen. Der Zusammenprall war außerordentlich heftig. Die Wagen wurden vollständig zertrümmert. Sechs Personen wurden getötet und 27 verletz! darunter vier schwer. Das Grubenunglück in Böhmen. Die Zentraldirektion der Brücher Kohlenwerke AG. veröffentlicht eine eingehende Darstellung über den Grubenbrand auf dem Kohinoor-Schacht. Daraus geht hervor, daß am Fuße des Schachtes, an welchem fich die acht vermißtenBerg- l e u t e befinden müssen, sich eine Explosion von Grubengasen ereignet hatte. Dadurch war jede Möglichkeit genommen, die acht Bergleute lebend zu retten, weshalb weitere Rettungsversuche aufgegeben wurden. Die Abdämmungsarbeiten, die in fieberhafter Tätigkeit fortgesetzt werden, haben den Zweck, die Ar - b e i t s st e l l e für 1200 Menschen zu erhalten. Der Brand hat jedoch weiter um fich gegriffen und dürste erst heute nacht vollständig abgedämmt sein. verwegener Raubüberfall auf eine amerikanische Bank. 3n Clinton (Staat 3owa) wurde auf die City-Rationalbank ein verwegener Raubüberfall verübt. Kurz vor Beginn der Dureauzeit erschienen in den Räumen der Bank fünf Personen, die ihre Köpfe in Weiße, mit Augenschlihen versehene Ueberzüge gehüllt hatten. Sie überwältigten den Pförtner und als die 25 Angestellten der Dank zur Arbeit erschienen, wurden sie gebunden und geknebelt. Zigaretten rauchend, warteten die Eindringlinge alsdann b i s zur Ankunft der drei Kassierer, die gezwungen wurden, die Geldschränke und Schließfächer zu öffnen. Die Danditen trugen dann in aller Gemütsruhe Geld und Wertsachen, insgesamt 106 000 Dollar, zusammen, steckten ihre Deute in einen Behälter und flohen hierauf in einem vor der Dank stehenden Kraftwagen. 5>ic Kassierer schlugen sofort Lärm und mehrere Hilfspolizisten nahmen die Verfolgung auf. Als die Bankräuber merkten, daß man ihnen dicht aus den Fersen war, warfen sie den größten Teil ihrer Deute und. schließlich auch die Waffen fort. Es gelang, vier der Räuber zu fassen, während der fünfte noch flüchtig ist. Lin kraf,wagen ins 2Heer gestürzt. — Drei Personen ertrunken. Sn Cannes an der französischen Riviera stürmte ein ehemaliger Bürgermeister mit Frau und Tvchter mit seinem Kraftwagen von einer am Meer vorbeiführenden Hauptstraße in die Tiefe Die drei Insassen ertranken. Die Senkung der Aeubaumieten. Wünsche des Reichstagsauös ussrs B e r! i n 18. März. (VDZ.) Der W o h n u n g g. a u s s ch u ß d e s R e i ch s 1 a g s beschäftigte sich am Freitag zunächst nut einem sozialdemokratischen Antrag. der die durch die Vierte Notverordnung vorgenommenen Einschränkungen des Mie- terschutzes wieder rückgängig macken wollte. Die Mehrheit des Ausschusses l e^) n t e d e n 5 n.^ag jedoch ab, weil sie Aenderungen an SmÄÄ 3CU aUÖ P0,itifdjen Bünden Verschiedene Parteien hatten Maßnahmen zur Senkung der R e u b a u m i e t e n u n d der Z.ns asten für E i g e n h e i m b e w o b- T Unterausschuß hatte diese Anträge m einer Entschließung zusammengefaßt, die der Woh- nungsaussckuß heute einstimmig annahm. Die Ent- schließung schlagt der Regierung zur Senkung der Reubaumieten folgende Maßnahmen vor, 3 '©Bert. y? i r rankt ’ -----Tours T \ ----------- -Roch. .tin rteyeii ..... Tynem. \ / /-Orf-7 fc1 V- StydisQord — / Kist-/ ( bW__/ z h ■ Sdlly O wolkenlos 0 neuer. »nalb Bedeckt» wolkig. • Bedeckt • Rege^ * Sehnet o Graupeln BMtDel "KGr^imr.® Windstille «O-.sehr leichter ost jj nassiger Südsüdwest q stürmische- -tordwesl die Piene fliegen mn oem windt Oie Beiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mlt.Qlclcbct* «uf Meeresniveau umoerechneten Luftdruck Xi» Lite rvu ru iiö । agc. Weiterer Luftdruckanstieg von Westen her hat auch auf dem Festlande Platz gegriffen. Dabei hat sich ein Hochdruckkern über Süddeutschland entwickelt, der andere lagert über Westfrankreich und bem Kanal. Der hohe Druck bestimmt zunächst die Wetterlage, so daß Ein- und Ausstrahlung in Erscheinung treten, wodurch immer noch nächtliche Fröste auftreten, aber tagsüber fortschreitender Temperaturanstieg einfetjt. Aussichten für Sonntag: Nachtfrost, tagsüber zunehmende Erwärmung, nur leicht wolkig, sonst meist aufheiternd, trocken. Aus sicht en für Montag: 3m ganzen wettere Milderung, tagsüber aber noch Temperaturen in Gefrierpunktnähe. Anfänglich dunstig mit Aufheiterung, dann zunehmende Bewölkung. Lufttemperaturen am 18. März: mittags 5,2 Grad Celsius, abends —2,1 Grad: am 19. Marz: morgens — 2,4 Grad. Maximum 5,4 Grad, Minimum — 6,4 Treck. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. Tlay: abenbs 2,3 Grad: am 19. März: morgens 0,4 Grad Celsius. — Sonnenjchetndauex 1K Stunde» Aus der provinzialhauvtstadt. Gießen, den 19. März 1932. Kopf und Herz. Don Reinhold Braun. Große Gedanken und ein reines Herz, das ift's, was wir uns von Gott erbitten sollen. Goethe. Es ist nicht von ungefähr, daß die Goethefche Lebendigkeit ihre Erklärung findet in dem rechten Verhältnis von Kopf und Herz zueinander. Wäre Goethe nur Gehirnmensch gewesen, wäre er nie zu seiner genialischen, über ein Jahrhundert hin wir- kenden Lebensführung gelangt. „Armer Mensch, an dem der Kopf alles ist!" ruft er aus. Und so ruft er in das ihn feiernde Deutschland, ja, in die gesamte Kulturwelt hinein. Wenn sie es nur hören wollte! Hören wollte auch bei ihren politischen Verhandlungen!! Eine Feier, wo sie auch in der Welt ober in unserem Baterlande stattfindet, die nur eine tamtam. hafte Verbeugung vor dem 'erleuchteten Verstände eines Goethe ist, bedeutet Sünde wider Goethe. Wenn uns etwas von seinem Impuls, Welt, Dinge und Menschen zu erfassen, einstromen soll zu eigenem Heile, dann muß man 'vor allem der Grundmacht in dieser einzigartigen, unerreichten Lebens-Totalität gedenken: des Herzens! „Ein blankes Herz — ein blankes Gewissen —- das ist die Hauptsache." Dieses Goethewort sollte man an die Pforte der Genfer Verhandlungsstätte nageln, aber auch an alle öffentlichen Gebäude und Versammlungshäuser in Deutschland! Bekenntnis zu Goethe bedeutet Bekenntnis zu dem ewigen Deutschen, und der ist nur zu denken als Erscheinung des Einklangs von Kopf und Herz. Diese grunderfassende Erkenntnis ist Sinn, Freude und Wert aller Verehrung dieses ersten unter den abendländischen Meistermenschen. Jeder, der in seinem persönlichen Leben Gocthc- schen Spuren nachwandeln will, muß zu seinem Ziele neymen: Klarheit des Denkens, durchglüht von der Reinheit und Wärme des Gefühls, das schöne Ausgeglichensein zwischen Kraft und zartem Wesen, Gründlichkeit und unbefangenem Sinn. Bekenntnis zu Goethe bedeutet die Forderung: Fort von der tyrannischen Macht des Nur-Systema- tischen und Wiedereingedenkwerden des Goetheschen Wortes: „Der Standpunkt des gesunden Menschenverstandes war auch der meinige". Kopf und Herz in Goethes Leben! Dabei sei noch einer seiner besten Tugenden gedacht: seiner Demut! „'2HIe Wege bahnen sich vor mir, weil ich in der Demut wandle!" ist ein Wort aus Rom. Und ein anderes sei noch hinzugesetzt: „Die größten Menschen, die ich gekannt habe und die Erde und Himmel vor ihrem Blick freihalten, waren demütig und wußten, was sie stufenweise zu schätzen hatten." Stets kämpfte er gegen die Borniertheit an. „Bei Bornierten und geistig Dunklen findet sich der Dünkel bei geistig Klaren ... findet sich höchstens ein freudige» Gefühl ihrer Kraft", so sprach er zu Ecker- mann im April 1830. Diese letzte und die Demut gingen bei ihm wundersam Hand in Hand Wo Großes lebendig ist, sind sie immer innig benachbart „Was sind denn alle, daß wir uns viel erheben dürfen!" Auch dieses Wort aus feinem Munde mußte in Volk und Well mahnend hineintönen! Wo allein das Gehirn herrscht, tritt immer die kalte und gefährliche Ueberheblichkeit ein. Wo aber das Herz feine lebendige Sprache rnitfpricht, kommt der Mensch ins Gleichgewicht, und die Schönhell und Wahrheit des Menschlichen wird offenbar. Segnende Gesinnung durchdringt das Ganze. Davon aber hängt nicht zuletzt die Zukunft für Deutschland ab: wird der Gesinnungsmensch im Sinne Goethes zur Herrschaft gelangen oder der Meinungs- Automat! palm'omitags-ÄZeihe. SHe Fastenzeit — in den Gebieten des Deutschen Reiches mit überwiegend kathvl scher Bevölkerung ernsthaft durchgehalten — nähert sich ihrem Ende. Nur wenige Tage noch, da wird der Frühling wenigstens dem Kalender nach beginnen, nur eine Woche noch, dann feiert die Christenheit ihr schönes Fest der Auferstehung, das Religion, Mythos und Raturgeschehen in vollendeter Form verbindet. Den Austakt dazu bildet der Palmsonntag, der früher auch „trauer Ostersonntag' genamUwurde. 3n der katholischen Kirche hat man an diesem Tage zur Erinnerung an den Einzug Christi in Jerusalem Palmenzwcige geweiht und die Pal- menvrozelsion durchgcführt. Diese Feier findet sich in der griechischen Kirche schon im Verlause des 4. Jahrhunderts, in der abendländischen jedoch erst im 9. Jahrhundert. 3n Rom werden bis auf den heutigen Tag die Palmzweige meist von der Riviera geholt, dann vom Papst geweiht und an alle Kirchen der Stadt verteilt. Statt echter Palmwedel dienen in Deutschland Weidenzweige mit Kätzchen, in Rußland Duxbaum, in Griechenland Lorbeer. Aber überall heißen im Volks- munde arcch diese Ersatzmittel Palmen, und man bewahrt sie als Schutz vor Ungemach mit Dorliebe im Hause auf. Früher wurde auch die sog. Palmeselprozession in der christlichen Welt begangen: sie verdankt ihren Rainen einem Esel von Holz, der mit einer Christusfigur unter Gesängen in den Straßen der Orte Herumgefahren wurde, während das Volk mit geweihten Palm- zweigen folgte. Diese Prozession erhielt sich in Rußland bis um 1700, in einigen Gegenden Deutschlands sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Heute hat der Palmsonntag zumeist einen anderen Sinn bekommen. Er dient zunächst als Tag der würdigen Vorbereitung zum nahen Osterfest. Richt geringer aber ist seine Bedeutung durch die Feiern der Konfirmation geworden, die in ländlichen Bezirken, aber auch noch in sehr vielen Städten auf diesen Sonntag gelegt werden. Am Palmslmntag legt der junge Rachwuchs von Gläubigen erneut und selbst Bekenntnis zu seiner Religion ab. Und für diese wichtige Handlung stellt gerade dieser Sonntag vor dem großen Feste der Christenheit eine ausgezeichnete Wahl dar, die zudem ihre symbolische Bedeutung durch das nahende Frühjahr hat. Denn das Frühjahr galt schon immer in der Geschichte der Menschheit, am deutlichsten bei den Germanen, als das eigentliche Fest der Jugend: Frühling und Jugend gehören untrennbar zusammen! E. W. Oie Tischbein-Ausstellung im Kunstverein. Der Bäckermeister I. H. Tischbein in Haina bei Frankenberg hatte eine ganze Anzahl von Söhnen, von denen der älteste, Johann Valentin, der 1714 geboren und im 15. Lebensjahr von einem hessischen Hofrat entdeckt wurde, schon früh als Maler einigen Erfolg hatte und alle seine jüngeren Brüder in die Maler-Laufbahn brachte. Einer dieser Brüder, Johann Heinrich, gehörte zu seiner Zeit zu den bekanntesten Malern in Deutschland. Er wurde Akademie-Direktor in Kassel. Ihm folgte im Ruhm sein Reffe, Johann H. Wilhelm Tischbein, der besonders durch sein großes Bild , Goethe in der Campagna" und durch seine Selbst- bioaraphie bekannt wurde. Heute hält man den Sohn Johann Valentins, Joh. Friedrich August, den Waldecker Hofmaler, für den besten. Im ganzen sind zur Zeit etwa 32 Mitglieder der Tischbein-Familie als Maler festgestellt. Der jüngste Sohn des Bäckermeisters, Anton Wilhelm, geb. 1734, verdient heute eine größere Beachtung, als ihm bisher zuteil wurde. Von seinem 24. Jahre an ist er als Sekretär des Grafen Christian August von Solms-Laubach nachgewiesen, der den ältesten Bruder, Johann Valentin, bereits 1741 zu seinem Hofmaler ernannte. 1769 ist dieser Hofmaler in Hanau, unterhält aber noch weiterhin nahe Beziehungen zu Laubach. Anton Wilhelm Tischbein wird 1758 Sekretär in Laubach, später dann ebenfalls in Hanau Erb- f'rinzlicher Hofmaler. 1771 steht er auf dc^ Höhe eines Schaffens. 1804 ist er in Hanau geworben, nachdem sein 20 Jahre älterer Bruder bereits 1793 aus dem Leben geschieden war. Diese beiden Brüder, der älteste und jüngste Sohn des Bäckermeisters in Haina, füllen diesmal mit einer großen Auswahl ihrer zahlreichen Werke den Saal des Kunstvereins. Der Vortrag des Herrn Professor Dr. Luthmer, des Direktors der Staatsaaleri e in Kassel, wird die Besucher in die künstlerische Bedeutung beider Maler einführen. Damit treten diese zum erstenmal im eigentlichen Sinne vor die Oefsentlichkeit, nachdem sie bisher in den Sälen des Laubacher Schlosses nur von wenigen Freunden gesehen und gewertet worden waren. Es darf deshalb ausdrücklich betont werden, daß dieser Ausstellung ganz besondere Bedeutung zu- kommt und daß sie vom kunstgeschichtlichen Standpunkt nicht allein für den Freundeskreis des Oberhessischen Kunstvereins, sondern sicherlich noch weit darüber hinaus große Beachtung beanspruchen darf. Bornotizen. Tageskalender für Samstag. Stadttheater: 20.15 älhr. Bunter Abend. — FGF: 20.30 Uhr, „Schipkapaß", Ordentliche Hauptversammlung. — DHV-: 20.30 Llhr, im Heim, Lichtbilder-Vortrag über „.Untere Kolonien unter englischer Verwaltung". — GDA.: 20.30 Uhr, ..Hessischer Hof". Monatsversammlung. — Gewerbliche Berufsschule: Kirchstrahe 16, 15 bis 18 Uhr. Ausstellung von Schülcrarbeiten. — Etudicnanstalt: 14 bis 18 Uhr, Zcichensaal, Zeichen-Ausstellung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Stürme der Leidenschaft". — Astoria- Lichtlpiele: „Wir schalten um auf Hollywood". — Tageskalender f ü r Sonntag. Stadttheater: 18.30 bis 21 Uhr, „Romeo und Julia". — Oberhessischer Kunstverein: Turmhaus am Brandplah. 11.30 Uhr, Einführungsvortrag, 11 bis 13 Uhr. Tischbein-Ausstellung. — Obst- und Gartenbau-Verein: 1515 Uhr, Kaufmännisches Dereinshaurt, Versammlung und Vortrag. — Gewerbliche Berufsschule, Kirchstrahe 16, 11 bis 13 und 15 bis 18 Uhr, Ausstellung von Echülerarbeiten. — Etudienanstalt: 10 bis 18 Uhr, Zeichensaal, Zeichen-Ausstellung. — Lichtspielhäuser: Samstag-Programm. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 20.15 Uhr Sonde» Veranstaltung zu Gunsten der Gießener Winternothilfe unter Mitwirkung von Universitätsmusik- dircktor Dr. Temesvary, Obermusikmeister Krau he, Intendant Dr. Rolf P rasch und Mitgliedern des Stadttheaters Gießen. Preise der Plätze: 1, 2, 3 Mark. — Sonntag, 20. März, 18.30 Uhr, in neuer Inszenierung als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen Erstaufführung des Trauerspiel „Romeo und Julia" von William Shakespeare. Die Spielleitung liegt in den Händen des Intendanten Dr. Rolf P r a s ch. Beginn 18.30 Uhr. Ende 21 Uhr. Ermäßigte Preise. Mitwirkcnde Damen: Doering (Julia), Schubert-Jüngling: Herren: Druck, Fassott, Geiger, Hauer, Hehser, Hub, Janscheck, Kühne, Michel, Paetsch, Schelcher (Romeo), Bolck. — Da« Operngastspiel des Hessischen LandeStheaters ist wegen einer Spielplanänderung in Darmstadt auf Mittwoch, 23. März, verschoben worden. Es findet als 24. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement zu Opernpreisen statt. Zur Aufführung gelangt „Don Juan" mit der Musik von W. A. Mozart. Vorzugs- und Rundfunkgutscheine haben Gültigkeit. Beginn 19 Uhr, Ende 22 Uhr. — Der Goethe-Bund bittet uns, nochmals auf die am kommenden Montag, am Vorabend des deutschen Gedenktages, stattfindende Goethe-Gedenkstunde hinzuweisen. Ludwig W u l l n e r, der große Goethesprecher, spricht Goethe-Dichtungen. (Siehe heutige Anzeige.) — Die fünf Hauptgewinne der Gießener Pferdemarktlvtterie. Bei der Ziehung der Gießener Pferdemarktlotterie entfiel der erste Hauptgewinn auf die Rümmer 14 767. Diesen Gewinn (2 Pferde im Werte von 1800 Mk. oder 1440 Mk. Bargeld) konnte eine Witwe aus Ilbeshausen bei Lauterbach verbuchen. Der zweite Gewinn (ein Pferd) entfiel auf die Rümmer 9863. Der dritte Gewinn kam auf die Rümmer 9634, der vierte Gewinn auf Rümmer 531, der fünfte Hauptgewinn auf Rümmer 13523. ** Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei gewöhnlichen Preisen geöffnet. •* Sterbefälle in Gießen. Es verstar- ben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 16. März: 1. Margarete Riepoth, geb. Fuchs, Wwe., 64 Jahre, Am Steg 1. 2. Ilse Frey, 8 Jahre, Reuenweg 46. 3. Heinz Hartmeh, 5 Monate, Reuenweg 28. 4. Ida Möller, geb. Löhr, Wwe., 74 Jahre, Ebelstraße 10. 5. Wilhelm Lang, ohne Beruf, 71 Jahre, Reuenweg 38. Christian Sigle, Lokomotivführer t. R., 67 Jahre, Frankfurter Straße 71. 6. EUfabethc Schmidt, geb. Dcchcri, Wwe., 78 Jahre, Sandgasse 17. Dr. Alfred Bock, Schriftsteller. 72 Jahre, Marburger Straße 5. Marie Schisfner, geb. Ruppel, 62 Jahre, An der Kläranlage 4. 7. Dr. Julius Mack, Fraucnarzl, 42 Jahre. Dartenflraße 10. 9. Friedrich Detters, Redakteur, 70 Jahre, Gnauthstraßc 8. Maria Elfe Gebhardt, 4 Monate, An der Kläranlage 10. 12. Luise Valentin, geb. Laucht, Wwe., 76 Jahre, Krofdorser Straße 19. Jcchanna Levi, geb. Flörsheim, 61 Jahre, Seltersweg 31. 14. Elise Hamel, geb. Huber. Wwe. 69 Jahre, An den Dahn- Höfen 30. 15. Heinrich Kasper, Schneider, 59 Jahre, Weserslrahe 15. Berta Rosenthal, ohne Beruf, 63 Jahre, Goethestrahe 28. •• D i e Gewerbliche Berufsschule Gießen veranstaltet von heute bis Montag eine Ausstellung von theoretischen und praktischen Arbeiten, die tm Laufe des vergangenen Schuljahres angefertigt wurden. Die Schau, die das Interesse weiter Kreise unserer Bevölkerung finden sollte, ist am heutigen Samstag von 15 bis 18 Llhr, am Sonntag von 11 bis 13 und 15 bis 18 Uhr und am Montag von 15 bis 18 ilfjr in der Gewerbeschule, Kirchstrahe, geöffnet. *• Der Alice-Schulverein hat feine mannigfaltigen Lehranstalten zur Fortbildung der weiblichen Jugend unserer Stadt um eine vermehrt, Mit Beginn des neuen Schuljahres wird, wie man uns mitteilt, eine Fachschule errichtet, in der neben Handarbeit jeder Art, Kochen usf., auch Wissenschaft- liche Fächer unterrichtet werden. Die Regierung hat erlaubt, daß der Besuch dieser Fachklasse vorn Besuch der Fortbildungsschule befreit. Man beachte die heutige Anzeige. •• Prüfung f ü r Geschäfts st enoara» phen. Wie im heutigen Anzeigenteil bekannt- gegeben wird, veranstaltet die Industrie- und Hairdelskammer am 8. Mai wieder eine Prüfung für Geschäftsstenographen. Es muß immer von neuem darauf hingewiesen werden, so schreibt man uns, daß die Teilnahme an einer solchen Prüfung von außerordentlicher Wichtigkeit für Vorwärtsstrebende junge Kaufleute ist. Das dabei erworbene Zeugnis bildet in der heutigen Zeit, in der ein kaufmännisches Bureau ohne Stenographie nicht mehr denkbar ist, einen unentbehrlichen Bestandteil der DewerbungSpapiere. Daß diese Tatsache auch von immer weiteren Kreisen junger Kaufleute anerkannt wird, zeigt die bei jeder Prüfung wachsende Teilnehmerzahl. Ebenso dürfen sich die etwa seit einem Jahre eingeführten Vorprüfungen für Anhänger einer immer stärkeren Beteiligung erfreuen. Die Teilnahme an diesen Vorprüfungen gibt den jungen Stenographen den richtigen Maßstab für ihre Leistungen und ein Gefühl der Sicherheit für die später abzulegende Geschäftsstenographenprüfung. Vorprüfung und Hauptprüfung bestehen in der stenographischen Aufnahme eines Diktats von zweimal fünf Minuten, mit einer Unterbrechung von einer Minute, und in der sofortigen Uebertragung in Kurrentschrift. Die zulässige Uebertragungszeit beträgt bei handschriftlicher Uebertragung 96 Minuten, bei der Uebertragung mit der Maschine 64 Minuten. Bei Bestehen der Vorprüfung wird kein Zeugnis, sondern lediglich eine Bescheinigung ausgestellt. Es sei jedoch ausdrücklich bemerkt, daß die Vorprüfung nicht Vorbedingung für die Hauptprüfung ist. •• Unfall auf dem Bahnsteig. Heuta morgen gegen 7.45 Uhr ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof (Oberhessischer Bahnsteig) ein Unglücksfall. Der Lademeister Karl Römer von Wieseck geriet beim Rückwärtsfahren mit seinem Elektro-Karren gegen einen Eisenbahnwagen und wurde dabei nicht unerheblich verletzt. Der Verunglückte mußte sofort nach der Chirurgischen Klinik gebracht werden. ** Kriegerverein Gießen. Am Donnerstagabend fand im „Postkeller" eine gut besuchte Mo. natsrersammlung des Kriegervereins statt. Kam. Gärtner Karl Georg hielt einen Vortraa üben „Meine Reise nach Kiautschou, Land und Leute". Für die interessanten Ausführungen erntete der Vortragende reichen Beifall. Kam. Landgerichtsrat Trümpert sprach dem Vortragenden den Dank der Zuhörer aus. Anschließend fand eine Besprechung über die Sterbekasse statt, nach der das bisherige Umlageverfahren aufgegeben werden soll, und die Mitglieder künftig bei einer Vertragsgesellfchaft günstige Sterbegeldversicherungen abschließen können. ’4t MUI OPEL JC&hAl Die herabgesetzten Preise: 1,2 Ltr.4Zyl.ab RM189O.1,8 Ltr.6 Zyf. ab RM2695 Preise ab Werk Rüsselsheim am Main. Bequeme Zahlungsbedingungen durch die Allgemeine Finanzierungs Gesellschaft. Machen Sie unverbindlich eine Probefahrt! 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Es ist fraglos verständlich, daß unter den gegenwärtigen allgemeinen Der- hältnissen die Steigung wächst, als Konsequenz aus dieser Wirtschaftslage die Forderung einer vollkommenen WirtschastS - Autarkie abzuleiten. ES scheint aber gefährlich, eine derartige Forderung zu stellen, wenn sie aus Grund einer unklaren Beurteilung der Ursa- chen der Weltwirtschaftskrise ersolgt. Es ist kein Zweifel, daß gegenwärtig von einer Zerstörung aller Weltwirtschaft!tchen Beziehungen gesprochen werden muß, aber die Feststellung dieser Tatsache bedeutet noch nicht, haß die Weltwirtschaft selbst überlebt wäre, sondern es könnte der Fall sein, daß außerordentliche Momente die Weltwirtschaft bedrohen, und daß gerade die Störung ihrer Funktionen von außen her zu Krisen der Wcltwirtschost sührt. Es scheint gerade ' im deutschen Interesse sehr notwendig, über diese , Frage Klarheit zu gewinnen, denn stärker als alle anderen Ursachen dieser Krise ist die Tatsache. daß sie verursacht ist durch Kapital-Der- schiebungen von Bolkswirtschast zu DolkSwirt» schast. die nicht volkewirtschastlich be- dingt sind, denen nicht Waren- oder Dienstleistungen (Derkeßr ufto.) entsprechen, sondern politischer Zwang, nämlich Reparationen und K.iegs- schulden. Die Sinnlosigkeit dieser Zahlungsströme kann nicht deutlicher als durch die 'Tatsache der Zerstörung weltwirtschastlicher Beziehungen bewiesen werden. Im Zusammenhang damit steht eine zweite politisch bedingte, wirtschaftlich ungerechtserligte Tatsache. die zur Krise der Weltwirtschaft sührt, nämlich die Gold Hortung, die ohne wirtschaftliche Berechtigung an zwei Stellen der Welt erfolgte: in Paris und ^leuyork. Man beachte den Wandel der Kapitalbeziehungen: Dor etwa dreißig Jahren waren es deutsche Großbanken, die durch eine Kredithilfe die Stadt Reuyork vor dem Bankrott gerettet haben. 5)cutc ist nicht nur eine völlige Umkehr der Kapitalbewegung eingetreten. sondern die Funktion des Goldes in der Weltwirtschast Hot eine grundlegende Wandlung erfahren. Es kann heute nicht mehr die Spihendifterenzen im Waren- und Kapital-Der- kehr zwischen den Volkswirtschaften ausgleichen, und es ergibt sich daraus die Folge, daß keine Möglichkeit mehr vorhanden ist, Währungen mit Goldtransporten zu regulieren. Daraus erwächst entweder der Zusammenbruch der Währung, oder aber die Vernichtung des Güteraustausch!.s zwischen den Volkswirtschaften zum Zweck der Rettung der Währung durch Devisen-Dorschriften. Einfuhrsperren usw. Es ergibt sich ein Zwangskurs für die Währung durch wirtschaftliche Sperren, die alle wirtschaftlichen Beziehungen zerschneiden. Derartige Zwongsmaß- nahmen haben aber nichts mit Autarkie zu tu n und es ist wohl auch keine Frage, daß man nicht den heutigen Zustand der Weltwirtschaft als das naturnotwendige Ziel weltwirtschaftlicher Entwicklung ansehen kann. Denn neben diesen „westlichen" Problemen der Weltwirtschaft, die mit den Worten „Reparatio- itcn, Kriegsschulden und Goldhortung" umschrieben werden, gibt es nicht minder wichtige „östliche". die mit dem Begriss Rußland und Ostasien (China, Indien) gekennzeichnet werden können. Die Zerstörung der Konsumkrast von 1 5 0 Bk l l l i o n e n M e n s ch e n in Rußland muß natürlich die Weltwirtschaft schwer beeinträchtigen Ankunft im südlichen Hafen. Äon Heinrich Hauser. Aus vielen Reisen verweben sich die Erinnerungen an südliche Häfen zu Bildern, deren Züge allen gemeinsam sind. Vielleicht ist es der Hafen von Reapel, den ich meine, vielleicht ist es Catania, Messina oder Malta. Oder Cartagena. Malaga, Marseille. Wenn das Schiss hcrabgleitet von der hohen Wand des Meeres, wenn der dunkle Küstenstrich , in Sicht gekommen ist, dann taucht es in die Luftschicht des Landes ein. Da sind es zuerst die Gerüche, die uns überfallen. der Duft der fremden Erde, beinahe be- : täubeub stark, besonders abends, wenn das Land ausatmet. Und mit dem Duft kommen die ersten Boten der südlichen Ratur: fremdartige Vögel und große taumelnde Falter, bunter als die Schmetterlinge der Heimat. Fremd ist uns selbst der Himmel: ganz anders scheinen uns die Wolken zu schweben auf der klaren Luft und wie ein Rausch ist die Farbenorgie des Sonnenuntergangs. Jetzt wächst das Land über die Masten des Schisses hinaus. Wir nähern uns der Einsahrt mit Spannung, weil wir sie iroch nicht erkennen können, und es sieht aus. als steuerte das Schiff grade auf die Felsen zu. Aber da sind schon die Türme der Blinkfeuer und die schrägen Wälle des alten Kastells, bas die Einsahrt bewacht. Grün sind die Mauern von Moos, und in den Geschützpforten liegen sehr friedlich auf halb verfaulten Lafetten die Bronzerohre der Kanonen, überzogen mit Grünspan. Jetzt sinkt die Bugwelle am Steven zusammen: die Maschine ist abgestellt, und wir vernehmen das leise Rauschen, mit dem der Bug bas llare Wasser schneidet, Uns ist. als hätten wir nie so tief ins Meer geblickt. Wir erkennen die Tiefenmarken am roten Bauch des Schiffes, wir sehen Fische, Quallen und den grünlich-weißen Meeresboden. Da kommt das Doot des Lotsen, und er klettert die Leiter herauf zu uns an Bord. Wir betrachten ihn neugierig, den ersten Menschen, den der Süden uns entgegenichickt. Hnb ganz, wie wir erwartet haben, ist schwarzhaarig mit brauner Haut und weißen Zahnen und viele Goldlitzen trägt er an der Mühe und der Jacke seiner Uniform. Wenn der Kopf des Lotsen über die Reling der Brücke taucht, klingeln wieder die Mafchinen- telegraphen: das Schiff fährt in den Hafen ein. Da liegt die Stadt, ganz plötzlich, wie ein Zauberbild. Cs ist ein beinahe magischer Dor-- und der politische Druck in China und Indien behindert auch dort alle weltwirtschaftlichen Funktionen. Wie wichtig aber gerade diese östlichen Probleme sind, zeigt wohl am deutlichsten der Kampf Amerikas. Japans und — geschwächt — Englands um China. Die andere Seite des Problems „Weltwirtschaft oder Aationalwirlschaft" heißt: innerdeutsche Wirtschaft. Wer die amerikanische Landwirtschaft gesehen hat, sei es in USA., Kanada oder Argentinien wird yigebcn, daß unsere Eigenproduktion irgendwie gegen derartige landwirtschaftliche „ Fabrikbctriebe" geschützt werden muh. Riemand wird etwas gegen einen Zollschutz einwenden dürfen, der zum Ausgleich anderweitig nicht ausgleichbarer Produktionsvorteile dienen soll, denn es handelt lid> dabei keineswegs um Teilinteressen, sondern um die Dolks- wirtschaft als Ganzes. Aber völlige Autarkie würde ja nicht nur Sperre der Einfuhr bedeuten können, sondern zwangsläufig — daran dürfte niemand zweifeln — Ausschaltung jeder Ausfuhr-Möglichkeit. Die -- kaum zu bejahende - Frage, ob wir ganz ohne ausländische Rohstosse (z. D. Eisenerz, Küpser, Baumwolle, Gummi) auskommen können, soll hier nicht erörtert werden, aber zwei andere wichtige Fragen entstehen: gibt es eine Möglichkeit, für die Arbeiter, die bisher ausländische Rohstoffe verarbeiteten, andere Arbeitsgelegenheiten zu schaffen? und zweitens kann die deutsche Exportindustrie für die verlorenen AuSlandmärlte einen vollwertigen Ersatz auf dem Inlandmarkt finden? Die zweite Frage beantwortet sich leicht: Solange die Kaufkraft durch Reparationen und sonstige Kriegs- und Inslationssolgen so geschwächt ist wie heute, ist ein Ausgleich nicht möglich. Eine Steigerung der Kaufkrast kann nur erzielt werden, durch Abbau der genannten Lasten und durch Derbilligung der Produktion. Dies aber wird nu r durch Steigerung des Absatzes, für den also mehr als zu anderen Zeiten das Ausland in 'Frage käme, möglich feilt Dabei ist in diesem Zusammenhang noch zu beachten, daß gerade die Export- industrie in sehr großer Anzahl Klein- und Mittelbetriebe beschäftigt, so in der Spielzeug- Industrie, in der Industrie der Musikinstrumente, der Feinmechanik, der Qvtik, der Elektrotechnik, der Werkzeugmaschinen, also durchaus erhaltenswerten wirtschaftlichen Mittelstand. •Unb die erste Frage: Umstellung ber Arbeite r beantwortet sich ähnlich: Die meisten müssen Bauern werben. Die landwirtschaftliche Betätigung ersorbert zunächst Kapital, da- nicht ba ist, unb sie könnte zu einer unerwünschten Steigerung der lanbwirtschastlichen Probuktivii führen, für die keine Kaufkraft besteht. Autarkie würde also bedeuten: geringere Absatzmöglichkeit, also steigende Produktionskosten, steigende Arbeitslosigkeit, steigende Soziallasten unb weiter sinkenden Lebensstandard. Die Fragestellung Weltwirtschaft ober Qlatio- nalwirtschast ist also falsch. Die Ausgabe liegt nicht in ber Hinwendung zu einem oder dem anbem, sondern gerade zur Stärkung der deutschen Rationalwirtschaft ist nötig Mitarbeit zurGesund u n g der Weltwirtschast, bereu erste Grundlage Aushebung der Reparationen, Beseitigung der Kriegsschulden sowie Liquidierung der Goldhortung ist. Wie ein Amerikaner Deutschland sieht. Bei den Glasbläsern im Thüringer Wald. — Erschütternde Eindrücke in einem deutschen Elendsgebiet. — Zusammenbrechende Industrie unter dem Druck des englischen Schutzzolls. Äon H. K Knickerbocker. in. Copyright 1932 by Rowohlt-Derlag, Berlin. Wir fuhren an einem Winternachmittag durch den Thüringer Wald. Die rauchlosen Essen der verlassenen Glashütten warfen ba und dort Schatten auf die schneebedeckten Straßen, und die gähnenden Fensterhöhlen der stillgelegten Fabriken starrten uns kalt an. Aus der ganzen 130 Kilometer langen Strecke von Jena waren wir an weniger aL8 einem halben Dutzend Automobilen vorüberge kommen, obwohl Dörfer unb Städte dicht beieinander liegen. Wir waren keineswegs die einzigen Reisenden, aber die anderen gingen zu Fuß. In Altenfeld sahen wir eine Glashütte in Betrieb unb gingen hinein. Aus dem tiefen Dunkel, bas im Inneren herrschte, hoben sich wirbelnde weiße und gelbe Kugeln ab. Feuerlöcher leuchteten hinter den Deinen von Männern auf. Heber ihren Köpfen drehten sich schillernde Figuren. Einige von diesen senkten sich, fielen in Formgefäße. Die Männer bliesen, sie pusteten die Backen auf und hoben den Brustkasten. Die Holzformen dampften und sandten weiße Strah'.en empor, welche die Kopfe der jungen Leute mit den geschwärzten Gesichtern in Wolken hüllten. Die Formen öffneten sich. Das gelbe Glas kühlte sich ab, es wurde kirschrot, und die Jungen mit den schwarzen Gesichtern nahmen ein weiteres Dutzend Kognakflaschen auf ihre Schaufeln. Wiederum hatten zwölf Männer je einen Pfennig verdient. Sie gönnten sich nicht die Zeit, ihr Werk zu betrachten. Rasch, mit Gesichtern, welche die Hitze, aber wohl auch die Sorge gerunzelt hatte, schoben sie ihre Rohren in die Oeffmmgcn des Ofens, und wieder drehten sich ihre geschmolzenen Glaskugeln. Die Schatten tanzten, der Dampf flieg hoch auf. die Männer mit den geschwärzten Gesichtern liefen zurück unb toieber vorwärts. Es war die letzte Frist. Für den nächsten Tag stand die Stillegung des großen GlasosenS bevor. und dann waren 220 von den 280 im Werk Beschäftigten auf die Straße gesetzt. An ihrem letzten Arbeitstag mußten die Leute nicht zur Eile angefeuert werden. Ihre Hast war von einem verzweifelten Ernst diktiert. Jede Flasche bedeutete einen Pfennig, und wenn angestrengt genug geblasen unb rasch genug gedreht wurde, wenn jeder einzelne von ihnen im Lause von sechs Tagen 2800 Flaschen geliefert hatte, konnte er 28 Mark mit nach Hause nehmen, um die Schreckensnachricht „Ich bin abgebaut“ ein wenig zu mildern. Um diese Summe zu verdienen, muh der Glasbläser in acht Stunden 466 Flaschen Herstellen, 60 in der Stunde, eine in der Minute. Alle 60 Sekunden muß er eine Röhre in den Ofen einführen, ein Quantum geschmolzenen Glases mit ihrem Ende aufnehmen, es herausziehen, es quirlen, es schwingen, es zu einer Kugel blasen, es in eine Form führen, quirlen und blasen, bis gang, wie ber Helle Flecken, den wir weit draußen an ber Küste sahen, mit einemmal sich auf löst in das bewegte Meer der Häuser. Wie wenn ein unscharses Fernrohr plötzlich scharf sich einstellt. Palmen? — Die Bäume unserer Sehnsucht. Am Kai die Menschen, deren dunkle Gesichter alle ausschauen zu unserem Schiff. In der Feme Tram- bahngeklingel und die knarrenden Hupen der Autos. Gmröhnt an die Einsamkeit deS Meeres, gewinnen wir den Eindruck eines Getümmels, in das wir uns augenblicklich stürzen müsseir. Untere Füße zappeln, wir rennen von Backbord nach Steuerbord, well es überall so viel zu sehen gibt Ein Platz mit Palmen, CafeS und heroischem Denkmal. Fremdartige Fischerboote, lateinische Segel, alte Kriegsschiffe, auf denen unaufhörlich getrommelt und gepfiffen wird. Die Beite der Fruchtverkäufer, die schon unser Schiff umzingeln, mit wirrem Geschrei. Jetzt knarren die Winden, Taue sind an Land geworfen, die Schlingen spannen sich um Poller, weiß schäumt das Schraubenwasser. Zoll um Zoll gleiten wir an den Kai. Sich drängend auf dem Promenadendeck klopft man mit Ungeduld die Taschen ab: Paß-Land- dungskarte, Geld und Kodak. Jetzt sinkt die Gangway nieder unb vorbei an dem malerischen Soldaten, der lässig das Gewehr im Arm am Fuß der Brücke Posten steht, stürzen wir unS, mit der Sekunde geizend, in den Rausch der ersten Begegnung mit dem Süden. Oer Maler und die Wirklichkeit. Durch eine Bemerkung des Herzogs von Dork, die er bei einem Besuch ber französischen Ausstellung in Lonbon machte, ist plötzlich eine bisher von ber Geschichte noch kaum beachtete Frage aufgeworfen worben, nämlich die: „Welche Hand steckte Aapoleon bei seiner allbekannten Haltung in den Rock?“ Dem aufmerksamen Blick des Prinzen entging es nämlich nicht, daß auf dem berühmten Bildnis von Ingres, bas Rapoleon als ersten Konsul barstellt, dieser die linke Hand in den Rock gesteckt hat. Er schloß daraus, daß der Rock von rechts nach links zugeknöpft fein muß, was ihm als recht ungewöhnlich erschien. Run war Ingres ein überaus sorgsamer Künstler. ber alle Einzelheiten genau überlegte unb studierte. Die Frage ist denn auch sofort von den Pariser Blättern aufgegriffen worden, unb man hat sich für ihre Beantwortung an den hervorragenden Soldatenmaler Georges Scott gewandt, der auf dem Gebiet der Uniformgeschichte sehr große Erfahrung besitzt. Scott meinte, daß Rapoleon, wie der Herzog von Bork richtig bemerkt habe, gewöhnlich mit ber rechten Hand in seine Uniform hineingesteckt bargestellt werde. Er trug meist einen doppelreihigen Uniformrock mit weiter Oeffnung, der es ihm gestattete, die Hand hineinzuschieben, ohne daß er einen Knopf öffnen mußte. Doch gibt es eine ganze Anzahl authentischer Bildnisse, auf denen ber große Korse gezeigt wirb, wie er die linke Hand in seinem Rock trägt. Die Erklärung für die Benutzung beider Hände für diese beliebte Pose des Herrschers ist nach Scott recht einfach. Die doppelreihigen Röcke, die von Rapoleon getragen wurden, ließen sich nämlich nach beiden Seiten knöpfen, unb dem hohen Beispiel folgt die französische Infanterie bis auf den heutigen Tag. Während der ersten Hälfte des Monats knöpft ber französische Soldat seinen Rock von links nach rechts, und während der zweiten Hälfte von rechts nach links. Dieser Wechsel geschieht, um die Uniform auf der einen Seite nicht mehr abzunutzen als auf der andern. Da nun Rapoleon von Ratur sehr sparsam war, so ist es durchaus möglich, daß der „Keine Korporal" diese Mode des wechselseitigen Zuknöpfens im französischen Heer eingeführt hat. Danach braucht also bei Ingres kein Irrtum Vorgelegen zu haben, als er Rapoleon mit der linken Hand im Rock barstellte, aber sonst sind solche Irrungen von Walern nicht gcrabe selten. Der Fachmann sieht immer mehr als der Laie, wenn er auch ein scharf beobachtender Künstler ist. So haben die Astronomen auf vielen Landschaften fest- gestellt, daß bei dem angegebenen Stand ber Sonne die Schatten ganz falsch angebracht sinb unb baß besonbers am Rachthimmel die Mondphasen nicht genügend berücllichtigt wurden. Bei den alljährlichen Ausstellungen von Blldem, die „Sport unb Jagd" behandelten, unterzog früher in einer deutschen Fachzeitschrift ein Kenner die Gemälde einer strengen Kritik und stellte alle Derstöhe gegen das Weidmannsrecht und die Iagdordnungen fest. Ebenso sitzt der Leiter einer englischen Modezeitschrift alljährlich über die Kunstwerke der Londoner Akademie-Ausstellung zu Gericht und weist den Meistem des Pinsels die schlimmsten Fehler in der Bekleidung der Dargestellten nach. Auf dem berühmten Porträt König Karls I. von van Dyck hält der Herrscher den Feldherrnstab in der rechten Hand, die mit einem c>tulpenhandschuh bekleidet ist. Auf dem Boden liegt ein anderer Handschuh, aber auch er ist für die rechte Hand, so daß also König Karl zwei rechtshändige Handschuhe getragen haben müßte. Am häufigsten entdeckt man Unnatürlichkeiten in ber Zeichnung. Ein anderes Porträt Karls I. von van Dyck in der Londoner Rational-Galerie zeigt ein Pferd, dessen Kops wenigstens um. die Hälft» zu Ucm für den Körper es die Gestalt einer Flasche annimmt. Der Schnee lag hoch im Fabrikhof: die Türen standen offen, aber die Gelichter der Glasbläser waren in Schweiß gebadet. Ich erkundigte mich danach. waS sie in ihrer freien Zeit täten. Der Bürgermeister von Masserberg. ein früherer Glasbläser, erzählte: „Diele hon den Leuten, die in Altenfeld arbeiten, wohnen in Dörfern, die 10—11 Kilometer entfernt sind. Die Männer stehen um 3.45 Uhr auf unb machen diesen weiten Weg zu ihrer Arbeit, die um 6 Uhr beginnt. Sie arbeiten bis 16 Uhr. in jeder Minute stellen sie eine Flasche fertig, bann gehen sie wieder die 10—11 Kilometer nach Hause Gegen 20 Uhr legen sie sich zu Bett. Zu acht Stunden Echlas kommen nur wenige. Am Sonntag schlafen sie den ganzen Tag." DaS war jetzt für diese Männer vorbei. Aber die fieberhafte Hast, mit ber sie arbeiteten, bewies deutlich genug, baß sie selbst diese- Dasein dein Beziehen der Arbeitslosenrente vorzogen. Das Gesicht deS Hüttenbesitzers sah nicht weniger vergrämt auS als die Gelichter seiner Arbeiter. Cr erzählte mir: „Am 1. Dezember 1S31 haben die «Snglänber ihren dOprozentigen Schutzzoll auf Glaswaren zu erheben begonnen. Unser Handel ging zum größten Teil in- Ausland? Als der englische Zoll erhöht wurde, war eS mit unseren Der kaufen fast völlig zu Ende. Wir besitzen überall in diesem Bezirk Oes en. Dor zwei Wochen legten wir den in Heubach. Belegschaft 220 Mann, still. Dor einiger Zeit mußten wir den in Masserbrück. 250 Mann, unb den in Königsee. 150 Mann, flillegen. Roch in dieser Woche schließen wir den in Reustabt. 100 Mann, heute den in Altenfeld. 1 Mann, unb morgen wirb die Belegschaft in Groß-Breitenbach von 300 auf 150 Mann rcbiyiert. Der Sturz deS PfundeS hat unseren Handel beträchtlich geschwächt. Der Zoll war der letzte Schlag. DaS einzige von unseren Werken, das mit nahezu voller Belegschaft arbeitet, ist das in Groß- Kayna: dort haben wir acht amerikanische voll- automatifierte Maschinen, die mit 300 Mann soviel leisten, wie 1000 Mann bei Handarbeit zuwege bringen würden." In Altenfeld lebten 60 Familien bis vor kurzem davon, daß sie mit der Hand pharmazeutisch» Ampullen herstellten. Einer Familie gelang eS, eine Maschine zu erwerben, die eine Zwölf - stundenleistung von 30 000 Ampullen hat drei Handarbeiter können in acht Stunden 3000 Stuck herstellen. Die nennundsünszig anderen Familien müssen Unterstützung beziehen. Das waren überaus illustrative Beispiele für die beiden Faktoren, die die Phänomene der Wirtschaftskrise in Deutschland ge,zeitigt haben: Schutzzölle im Ausland, und der Ersah der Heimarbeit mit der Hand durch die Maschine. Der Hüttenbesitzer wurde erregt „Freilich“, erklärte cr, „die Leute arbeiten tote die Pferde. Aber ich arbeite noch angestrengter als die Leute. Ich stehe um 5 Uhr auf unb arbeite bis 21 Uhr. und mein Datcr macht eS sich noch schwerer. Gestern war er bts 3 Uhr im Groß- Breitenbacher Werk. Don unferem Leben haben wir nichts. 50 Prozent unserer Leute sind Kommunisten. Wir selbst haben keine Zeit zu politischen Gedanken. Die meisten Fabrikbesitzer sind Rationalsozialisten. Sie meinen, Hitler könne etwas au diesen Dingen ändern. Ra. schlimmer kann es jedenfalls nicht werden Die Engländer", fprach cr voll Bitterkeit weiter. „haben einen Schutzzoll eingeführt Wir müssen unsere Werke schließen. Im nächsten Jahr werden wir keine Steuern zahlen können. Wenn daS Reich keine Stenern bekommt, kann eS keine Reparationen zahlen. Wenn Frankreich keine Reparationen bekommt, kann es keine Zahlungen an England leisten. Wenn England keine Zahlungen bekommt, kann es die Zahlungen nach Amercka ist. Run ist allerdings behauptet worden, daß man damals Rosse mit ungewöhnlich kleinen Köpfen züchtete, die eine Mode jener Tage waren. Man muß also mit solchen Ausstellungen recht vorsichtig sein, besonders wenn es sich um gewisse Eigenarten handelt, in denen sich das Schönheitsideal deS Malers manchmal in übertriebener Weise äußert. Man braucht nur an die Rubensschen Gestalten zu denken, deren übermäßige Fle'schfülle von späteren Zeiten verachtet wurde, oder an bte langen Hälse, mit denen btc englischen Präraffaeliten ober der französische Waler Modigliani ihre Frauen auSstatteten. an alle die Verzeichnungen, die spätere Geschlechter selbst bei den berühmtesten Meistern entdeckten. Hier kommt eS nicht daraus an, ob etwas ganz naturgetreu ist, sondern wie es sich innerhalb des Kunstwerkes selbst auSnimmt. Solchen Kritiken gegenüber hat Liebermann den Rage! auf den Kops getroffen, als er zu jemanden, der sich darüber beklagte, daß ber Arm auf bem Bildnis eines Knaben von Cezanne zu lang sei, erwiderte: „Der ist so schon gemalt, daß er noch viel länger sein könnte!" Lochschulnachrichten. Professor Dr. Fritz Drevermann, Ordinarius für Geologie und Paläontologie an ber Hniberfität Frankfurt a. M, ist im Alter von 57 Jahren an den Folgen einer Blinddarm- operation gestorben. Prof. Drevermann war auch Abteilungsleiter am Senckenbergischen Museum. Amtlich wird die Versetzung des o. Pros. Dr. Julius Echwtetering von ber Universität Münster i. W. in gleicher Eigenschaft an die Universität Frankfurt a. M. bestätigt: Pros. Schwietering übernimmt dort den Lehrstuhl für deutsche Philologie als Rachsolger von Pros. Dr. Hans Raumann. Professor Dr. Paul Morawitz von der medizinischen Fakultät ber Universität Leipzig hat einen Ruf als Nachfolger von Professor Wilhelm H i s auf einen Lehrstuhl der inneren Medizin an der Berliner Universität erhalten. Prof. Dr. P. Martini, Extraordinarius an der Medizinischen Fakultät der Universität Berlin und Leiter der Inneren Abteilung des Berliner St. Hedwig-Krankenhauses, hat einen Auf als ordentlicher Professor nach Bonn und zugleich als Leiter der dortigen Medizinischen Universitätsklinik erhalten und angenommen. Professor Dr. Arthur Simon von der Technischen Hochschule in Stuttgart erhielt einen Ruf auf den Lehrstuhl ber Chemie an ber Technischen Hochschule in Dresden. nicht vornehmen. Unb wenn wir Reparationen zahlen müffen, können wir nicht einmal unsere Privatschulden im Ausland bezahlen. Rennen iTie so etwas ein Wirtschaftssystem?" Der Ruin, davon war er überzeugt, stand ihm unmittelbar bevor. Was erwartete die Belegschaft nach ihrem letzten Arbeitstag? Wir fuhren nach FeHrenbach. Das Waldstädtchen FeHrenbach gleicht einer Puppenstadt. Seine sauber getünchten Häuser heben sich in scharfem Kontrast von dem dunklen . Grün der kiefernbestandencn Hügel ab. Auf den Dächern glitzerte der Schnee in der reinen Luft. Diese Gegend ist eine der gesündesten in ganz Deutschland. Mitten durch die Dorfstraste ging der Ausrufer. Eine kleine Kindergruppe sammelte sich um ihn. Fenster öffneten sich, Köpfe wurden her- ausgesteckt. Mit lauter Stimme verkündete er, dast die Erwerbslosen Fehrenbachs zwei Wochen lang das Pfund Fleisch statt um 90 Pfennige um 30 Pfennige kaufen könnten. Die Differenz werde die Regierung bezahlen. Die Verlautbarung wurde mit Kopfnicken, aber ohne Beifall ausgenommen. Ein alter Mann brummte: „Und wo sollen wir die 30 Pfennige hernehmen?" Drei Kinder gingen uns auf die Straste nach. Wir fragten sie, ob sie gern eine Tafel Schokolade hätten. Das war eine verhängnisvolle Frage; auf dem 100 Meter langen Weg zum Kramladen hatten sich uns schon wieder weitere zwölf Kinder .angeschlossen. Als wir den Laden wieder ver- liehen, war die Rachricht schon durch das ganze Dorf gegangen, und vor den Stufen standen stumm sämtliche Kinder Fehrenbachs. Mehr als 200, von ganz kleinen, die sich kaum auf ihren Beinchen halten konnten, bis zu 13- und ^jährigen Burschen, warteten. Hinter dem Kindevhaufen hielten sich Mütter auf, die Säuglinge im Arm hatten. Beim Anblick der Schokolade brach die Hölle los. Kinder laufen überall in der Welt zusammen, wenn sie etwas Süstes bekommen können. Aber hier in FeHrenbach war das etwas anderes. Was diese Kinder so gierig die Hände ausstrecken liest, war der Hunger, und als sie sahen, dast der Vorrat an Schokolade seinem Ende zuging, stand wahres Entsetzen auf ihren Gesichtern. Der Bürgermeister nahm die Verteilung vor. Die Kinder stürzten sich darauf. Die erste Portion ging zu Ende, und es kam die zweite. Die Mütter reckten ihre Hände empor und verlangten einen Anteil für die verhungert aussehenden Kinder, die sie auf dem Arm trugen. Als die letzte Tafel verteilt, der Vorrat ganz erschöpft war, fingen die Kinder, die nichts von der Schokolade bekommen hatten, zu jammern an. Weinen erfüllte die Straste, und das Elend Fehrenbachs war noch schlimmer als vorher. Wir suchten unter Führung des Bürgermeisters eine Reihe von Familien auf. 3n der ersten Wohnung fasten der Mann, seine Frau und die vier Kinder in der Küche, die. wie alle deutschen Küchen, und wenn die Familie noch so arm ist, sauber und nett aussah. Diese Familie hier bezog 9,50 Mark in der Woche, und zwei von den Kindern bekamen an jedem zweiten Tag je einen Becher Milch und ein Brötchen aus der Quäkerspende. Die Hausfrau erzählte mir widerstrebend von ihrem Speisezettel: zum Frühstück Kaffee aus gebranntem Weizen und trockenes Brot; mittags Pellkartoffeln mit Speck — ein Pfund Speck must für sechs Mahlzeiten reichen; abends Pellkartoffeln ohne Speck. Das wird an den sechs Wochentagen gegessen, und Sonntags gibt es ein Pfund vom billigsten Fleisch für_ die sechs F-milienmitglieder. Der Mann hatte früher als Packer in einer Glasfabrik ein zufriedenstellendes Auskommen gehabt. Sn der nächsten Wohnung lebte ein Glasarbeiter. der mit seiner Frau und drei Kindern 9 Mark wöch<-ntlich bezog. Der Speisezettel war hier der gleiche. Sn allen Häusern der Ortschaft hörten wir dieselbe Geschichte, und das Bemerkenswerteste an der Haltung der Bevölkerung war die völlige Sachlichkeit, mit der die Fragen beantwortet wurden. „Sa. wir sind hungrig" — das kam in demselben Ton. in dem man etwa sagt: „Sa, heute ist Montag." Ein einziges Mal machte ein alter Glasarbeiter eine Schluckbewegung. als er uns erzählte, dast seine fünfköpfige Familie Sonntags sich gewöhnlich ein halbes Pfund Fleisch leisten könne, und dast das austerordentlich gut schmecke. Kein einziger bat. und sei es auch nur mit einer Geste, um Almosen, und es war nahezu notwendig, sorgfältig den Zweck des Besuches zu erklären, bevor die Leute sich bereit fanden, über ihre Lage zu sprechen. „Sie sind stolz", erklärte der Bürgermeister, „und sie alle geben nur ungern zu, wie arm sie sind." Es mag wohl sein, dast in den Gemeinden des Thüringer Waldes die Zustande ebenso wie in Falkenstein örtlich bedingt, untypisch und besonders krast sind. Es ist auch richtig, dast die Glasindustrie auf jeden Fall unter den hohen Frachtkosten leiden würde, und dast sie sich, abgesehen von der Billigkeit der Arbeit, niemals besonderer wirtschaftlicher Vorteile erfreute. Cs ist jedoch durch die Aussagen sämtlicher Zeugen völlig einwandfrei sestgesiellt, daß das augenblickliche Ausmaß der Armut ohne jede Parallele ist; und die Tatsache, daß es inmitten des am höchsten industrialisierten Landes in Europa eine Reihe von Gemeinden gibt, von deren Gesamtbevölkerung, die 6000 zählt, mindestens 5500 nicht nur arbeitslos, sondern auch sichtlich dem Verhungern nahe sind, ist rein zahlenmäßig von nicht unbeträchtlichem Wert für ein Urteil über die Lage des ganzen Landes. Bis nun waren die meisten ausländischen Beobachter der Ansicht, dast Deutschland über seine Verhältnisse lebe. Die aus Deutschland kommenden Klagen wurden im allgemeinen damit erklärt, daß die Deutschen sich nicht zu einer Reduzierung ihres einst zugegebenermasten hohen Lebensstandards bereit finden wollen. Ob dieses Urteil noch immer für das ganze Reich richtig ist, bleibt noch zu erkunden; dast aber der Lebensstandard im Thüringer Wald nicht weiter heruntergedrückt werden kann, ohne daß es zu wirklichem Verhungern kommt, steht zweifelsfrei fest. Die Bürgermeister von FeHrenbach und Masserberg erklärten auf das nachdrücklichste, dast die Situation ihrer Gemeinden unvergleichlich schlimmer sei als zur Zeit der Snflation, schlimmer sogar noch als während des Krieges. Aus unserer Fahrt durch den Thüringer Wald kamen wir an einem Kriegsgefallenendenkmal vorüber. Auf dem Rücken eines Soldaten mit Stahlhelm türmte sich der Schnee, und die meisten Ramen auf der bronzenen Ehrentafel lagen unter der weißen Decke. Sn unmittelbarer Rähe stand ein anderes Denkmal, aber der Schnee auf dem Dach der verlaffenen Glasfabrik deckte keine Ehrentafel zu. Rundfunkprogramm. Sonntag, 20. März. 7.00: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Evangelischen Gemeinschaft (Freikirche). 9.40: „Die Frankfurter Volkshilfe." 10.00: Stunde des Chorgesangs. 11.00 bis 11.40: Sungc Generation. Gespräch unter Leitung von Ernst Schoen und Paul Laven. 12.00: Mittagskonzert. 14.10: Stunde des Landes. 15.00: Stunde der Sugenö. 16.00: Freiburg: Rachmittagskonzert. 18.00: „Das Hörspiel als Kunstform". Vortrag von Friedrich Durschell. 18.25: 30 bunte Minuten. Leitung: Falke-Leonhardt. 18.55: „Stu- dienverhältnisss — Zur Lage der Universität", Gespräch zwischen Dr. Dolf Stemberger und Sustin Heidecker. 19.30: Der Westerwald. Hörbild von W. W. Knoeckel mit Beiträgen von Leo Sternberg, Willy Arndt und Dr. Fritz Esten. 20.05: Aus dem Großen Saal des Saalbaues Frankfurt a. M.: IX. Montags-Vorkonzert des Frankfurter Orchester-Vereins. 22.00: „Erlebte Zeit": Hans Thoma. Unterhaltung zwischen Frau Küchler-Dergmann. Verwalterin des Rachlasses von Hans Thoma und Professor Dr. Fritz Wichert. 22.50 bis 24.00: Tanzmusik. Montag, 21. März. 7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 13.00: Don Köln: Mittagskonzert. 17.00: Äachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: Goethes Faust, 2. Teil. Zur Sendung am 22. März, Einführung von Dr. Harald Braun, Berlin. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Aus dem Gewandhaus Leipzig: Reichssenöung „Goethe". Konzert. 20.45: Aus Goethes Arbeitszimmer im Frankfurter Goethe- Haus. 21.35: Goethes Tod. Eine Hörfolge in zeitgenössischen Berichten von Soh. Peter Conrad. Dienstag, 22. März. 7.20: Frühkonzert. 9.30: Von Weimar: Reichssendung „Goethe". Reichsgedächtnisfeier in der Weimarhalle. 11.25: Kranzniederlegung in der Fürstengruft Weimar. 12.30: Von Leipzig: Mittagskonzert. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Rach- mittag. 16.30 bis 18.00: Konzert. Städtisches Kurorchester Wiesbaden. 18.15: Gedenkrede für Goethe. Von Prof. Dr. Albert Schweitzer. 19.30: Don Berlin: Faust — Der Tragödie Zweiter Teil. 22.50 bis 24.00: Das Wendling-Quartett spielt. Mittwoch, 23. März. 7.20: Frühkonzert. 12.05: Von Berlin: Konzert. 13.00: Don Köln: Mittagskonzert. 15.15 bis 16.00: Stunde der Sugenö. 17.00 bis 18.30: Konzert arbeitsloser Derufsmusiker. 19.05: schichte des Ramanujan". Don Hannah Szaez. 19.35: „Mignon"; eine Goethe-Anekdote von Wil- beim Schäfer. Gelesen von Paul Hoffmann. 19.45: Unterhaltungsmusik des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 21.00: „Schnaps, Kokain und Lamas", Reiseberichte mit Schallplatten, von Oskar Ludwig Brandt. 21.30: Karlsruhe: Violinkonzert. 22.55: Lisa-Palast: Der weiße Schlaf. Eine elegische Reminiszenz aus Liedern von Max Dauthendey für eine Sprech stimme und Orgel von Wil^lm Locks. Donnerstag, 24. März. 7.20: Frühkonzert. 12.05: Konzert auf Schall- platten. 13.00: Don Köln: Mittagskonzert. 15.30: Stunde der Sugenö. 16.30: Arien und Lieder. Gesungen von Sulins Lenz. 17.00: Konzert. 18.40: Zeitfragen. 19.05: „Rückblick auf meine Frankfurter Tätigkeit", Dortrag von Univ.-Professvr Dr. Hans Raumann. 20.05: Aus dem Stadt- theatcr Saarbrücken: Wenn ich König wär'. Romantisch-komische Oper in drei Akten. 22.50 bis 23.10: Rachtarbeit. Hörbericht von Emst Rebhut. Freitag, 25. März. 8.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Cvang. Landeskirche Frankfurt a. M. 10.00: Stunde des Chorgesangs. 10.45: „Don Kritikern und Kritisierten". — Dortrag von H. S. von Heister, Berlin. 11.15: Konzert des Frankfurter Motettenchors. 12.00: Konzert. 15.15: Stunde der Sugenö. 16.00: „Seine letzte Wallfahrt", eine Erzählung aus dem Westerwald von Sohanna Schlosser. 16.30: Beethoven-Konzert. 17.30: Robelpreisträger: Sigrid Lindset. 18.00: Aus dem Großen Saal des Saalbaues, Frankfurt a. M.: Matthäus-Passion. 21.30: Heilige Zeit. Am Abend des Karfreitags. Samstag, 26. März. 7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Don Berlin: Konzert. 13.00: Don Köln: Konzert. 15.15: Stunde der Sugenö. 16.40: Rugbh-Länöerspiel Sportklub Frankfurt 1880 gegen Oxforö Grei- hound. 17.10: Rachmittagskonzert öes Runöfunk- orchesters. 18.40: „Tägliche Fragen öer öeutschen Verfassung", Vortrag von Professor Giese. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.35: Gvetheworte an unsere Zeit. 19.45: Die Geischler in Straßburg. Historische Szenen. Von Carl Cesar Klein. Musik von Willy Kipp. 20.45: Kammermusik. Von Fr. von Biber (1644 bis 1704). 21.40: Mutter Maria. 23.00 bis 24.00: Linterhaltungsmusik. Oderheffen. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 18. März. Es gehört zu Öen schönsten Gebräuchen, Öah die hiesige Volksschule am Ende des Schuljahres eine Entlassungsfeier der Oberklasse veranstaltet. Auch in diesem Sabre hatte die Oberklasse die Eltern, Lehrer und Freunde der Schule zu einer solchen Feier eingeladen. Der Abend war dem deutschen Sonntag gewidmet. Sn Liedern, Vorträgen der einzelnen Schüler und Schülerinnen, sowie in dem Sugendspiel „Eine Sonntagsüberraschung" legten die Kinder Zeugnis ab von dem, was ihnen die Schule gegeben hat. Lehrer Schneider, der als Schulleiter sich in den Dienst der Sache gestellt hatte, hielt eine eindrucksvolle Ansprache über Öen öeutschen Sonntag, aber er erinnerte auch an öie Alltagspflichten. Zum Schluß öanfte Rektor Petri Lehrer Schneiöer für die Arbeit, öie er sich zum Gelingen öes Abenös gemacht habe. Sn seiner Ansprache wünschte er besonders, daß die Kinder in späteren Sahren trotz politischer oder konfessioneller Gegensätze die gegenseitige Achtung nicht verlieren möchten, da nur dadurch eine Lleberbrückung Öer Gegensätze in unserem Volke möglich sei, an der es beute leider, vielfach fehle. Rachdem Rektor Petri an die Sieger aus den Reichsjugendwettkämpfen die Anerkennungsblätter verteilt hatte, fangen die Kinder noch ein gemeinsames Lied. Der Abend dürfte dazu beigetragen haben, das Verhältnis zwischen Schule und Elternhaus zu stärken, zum Wohl der Gemeinöe und des Vaterlandes. a. Reiskirchen, 18. März. Gestern feierten die Eheleute Konrad Hahn und Frau Maria, geb. Schomber, im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Llrenkel das Fest öer Diamantenen Hochzeit. Der Subilar ist am 19. Mai 1846 zu Hattenrod geboren und diente von 1867 bis 1871 in öer 3. Batterie des Hessischen Artilleriekorps, in der er auch Öen Feldzug 1870/71 rnitmachte. An 9 Gefechten und Schlachten nahm er teil unö wurde mit dem Hess. Militärverdienstkreuz ausgezeichnet. Cr ist hier noch öer einzige Kriegsveteran aus öein Felözug 1870/71. Sm Weltkrieg fiel ihm ein Sohn. Der Subilar versah 22 Sabre lang in öer Gemeinöe öas Amt eines Felöschützen, bis er sich 1922 infolge seines bohen Alters genötigt sah, öieses Amt in andere Hände übergehen zu lassen. Aus dem Dorf und von Öen Behörden wurden Dem Subelpaar zahlreiche Glückwünsche übermittelt. Seit vielen Sahrzehnten ist dies öie erste Diamantene Hochzeit in unserem Dorf. Selbst alte Leute können sich nicht erinnern, Öaß in öer Gemeinöe eine Diamantene Hochzeit gefeiert toeröen konnte. < Lollar, 18. März. Dieser Tage beschloß die hiesige Volkshochschule ihr Wintersemester. Dem Wunsche öer Hörer entsprechend haben im Laufe Des Winterhalbjahres die Vorträge die verschiedensten Gebiete behandelt. Es sprachen Gartenbauinspektor Rehnelt über: „Blumenpslege im Winter", „Aufzucht aus Knollen und Stecklingen" und über „Schädlingsbekämpfung" ; Lehrer P l och über „Freiherr vom Stein und seine Beziehung auf die Setztzeit", Prof. Kinkel über „Entwickelung der einzelnen Staatsformen", „Das Verhältnis des Einzelnen zum Staate"; Rektor Keller über „Die neuen Ausgrabungen bei Ur“; Lehrer Schiefer- stein über „Hühnerrassen, Pflege und zweckmäßige Fütterung derselben". Dr. Flörke hielt einen Vortrag über die geologische Entstehung unseres Heimatbodens. Auch wurde ein Licht- bildvortrag „Zum Gedächtnis Goethes" gehalten. al A l l e n d o r s tL a h n), 18. Marz. Zur großen Freude von jung und alt hielt in diesen Tagen das Storchenpaar hier wieder seinen Einzug. Die Störche, die schon seit zehn Sahren immer wiederkehren, haben das Rest im Eichenbaum am sog. Suöenberg bezogen unö bilden für öie SchuljugenÖ wie für jeöcn Vorübergehenden Anlaß zu kurzem Verweilen. * Dorf-Gill, 19. März. Dieser Tage hielt Der Gesangverein „Heiterkeit" seine Generalversammlung ab. Rach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Otto Euler II. erstattete der Rechner, Sohannes S a m e s, den Kassenbericht, der in Einnahmen 352,08 in Ausgaben 284,52 Mk. und einen Ueberschuh von 67,56 Mk. auswies. Außerdem ist dem Verein eine Aufwertung von 19,85 Mk. gutgeschrieben. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Der Beitrag wurde von 50 auf 30 Pf. herabgesetzt. Weiter wurde beschlossen, monatlich drei Singstunden abzuhalten, ferner sollen in Zukunft" diejenigen Mitglieder ausgezeichnet werden, welche die Singstunden regelmäßig besuchen. Die Dorstandswahl zeitigte folgendes Ergebnis: 1. Dorsihender Otto Mulch I., 2. Vorsitzender Rudolf Matern, Schriftführer Karl Schäfer, Beisitzer wurden Heinrich Müller, Karl Roth, Otto Sames und Otto EulerI. Der frühere Vorsitzende Wilhelm Euler wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. * Muschenheim, 17. März. Dieser Tage veranstaltete öer evangelisch-kirchliche Frauenverein hierselbst einen Familienabe n d in Derbinöung mit seinem Sahresfest. Die Feier nahm einen sehr befriedigenden Verlauf. Den zahlreichen Gästen wurden gesangliche und darstellerische Leistungen dargeboten. Die Heimat- und Wanderlieder, die der Frauenchor und der Männergesangverein (beide gegenwärtig unter Leitung des Lehrers Lehr) fangen, fanden begeisterten Beifall. Große Freude rief auch ein Theaterstück hervor, das von einigen jungen Mädchen mit viel Verständnis gespielt wurde. Dem Charakter des gemeindlichen Familienabends wollte auch öer Vortrag von Pfarrer K ö ö ö i n g aus EberstaÖt über „Muschenheim unö seine Umgebung in öer vorgeschichtlichen Zeit" entsprechen. Etwa 4000 Sahre vor Christus muß ein Volk öer riesenstarken Hünen aus öem RorÖen durch die Wetterau gezogen sein. Von öen sechs Anzeichen ihres Zuges oefinöet sich das einzig sichere in öer- Gemarkung von Muschenheim als der sogenannte „Heilige Stein" am Wetterkopf. Vielleicht ist öer „Hexentisch" am Dorderwald (leiöer in Öen 90er Sahren verschwunden!) auch ein Zeuge jener alten Recken. Das berühmte, von Prof. Helmke (Gießen) näher untersuchte 'Datenfeld im Vorderwald umfaßt etwa öen Zeitraum von 2000 bis 200 v. Ehr. Rachöem vorher öie fruchtbare Wetterau Durch die CBanöferamifer stark bebaut und besiedelt worden war, verdrängte eine tausendjährige Dürre und Trockenheit (etwa 2200 bis 1200 vor Christus) alles menschliche Leben aus den fruchtbaren Gefilden. Um so lebhafter wurde es in öen Bergen unö Wäldern Der hessischen Gebirge: Von Rorden Drang ein viehzüchtendes Volk in Den UrtoalD Des Vogelsberges bis an seinen westlichen RanD vor unD brachte Die Bronzekultur mit. Shre Hügelgräber mit mannigfachem Bronzeschmuck, -geräten und -Waffen neben den fast verschwundenen Skeletten finden sich überall im Vogelsberg, so auch in großer Zahl im Vorderwald bei Muschenheim. Dieses Volk ist mölicherweise der völkische Vorläufer des Chat- tennammcS gewesen. Die „Hügelgräberbronzezeit" (von 2000 bis 1000 v. Ehr.) wurde von der eisen- führenden Hallstadtzeit (bis 500) unö von öer La°Töne-Zeit (bis Ehr.) abgelöst. Sn öie Zeit um 900 v. Ehr. gehört ein Grab, das ein großes und schönes Bronzeschwert und andere wertvolle Dinge enthielt: eine Bestätigung für die alte Ortssage von dem „Heidenkönig mit öem golöenen Degen". Ein anderes Grab enthielt Funöe von einem ostgermanischen Stamm (DanÖalen) als Das bisher einzige in Oberhessen von dieser Art. Mit herzlichen Dankesworten durch den Ortsgeistlichen, Pfarrer Döring, an alle Mitwirkenden, unö von Herrn Bürgermeister Becker an Die gast- gebenöen Frauen fanö öer schöne Abend seinen Abschluß. V- Lich, 18. März. Unter großer Beteiligung wurde am Mittwoch der Ratsdiener Wilhelm F e Y zu Grabe getragen. Rach öer Ansprache Des Geistlichen wurden Kränze von öer StaDtver- toaltung unö öem StaDtvorstanD, sowie von verschiedenen Organisationen nieöergelegt. Der Rothsch« Mannerchor lang zwei Liedes, )( Lich, 18. März. Am Dienstag fand bet Dritte Ausspracheabend für öie Männer unserer evangelischen Gemeinöe statt. Er wurde eingeleitet durch Pfarrer Rohrbach (Frankfurt a. M.) mit einem Vortrag über das Thema „Krieg unö Kirche". Eine längere Aussprache schloß sich an unö suchte noch mancherlei Fragen, öie sich ergaben, zu klären. Kreis Schotten. §§ Schotten, 17. März. Dieser Tage fand die Abschlußprüfung Des diesjährigen Sahr- gangs der Förster schule statt. 16 Prüflinge bestanden mit guten Roten. Abends war im „Hessischen Haus eine Abschiedsfeier im Beisein öer Vertreter Der BehörDen. V Geöern, 18. März. Die hiesige Gemeindejagd wurde in Drei Teilen neu verpachtet. Die Herren W.Poppel - Frankfurt am Main, Bürgermeister H.Kipper -Ober-Seemen und Sustizinspektor V a h l e r t - Frankfurt a. M. boten für je einen Teil der Sagd 300 Mark, so daß der Gesamterlös 900 Mark (gegenüber 1940 Mark seither) beträgt: Die bisher von öer fürstlichen Standesherrschaft auf eigener Sagd ausgeübten Gerechtsame gingen zum Preise von 610 Mark an Fabrikdirektor Schneider-Offenbach über. Preußen.^ Oedland-Kuttivierung im freiwilligen Arbeitsdienst. WSR. Biedenkopf, 18.März. Sn einer Anzahl Gemeinden unseres Kreises hat man jetzt damit begonnen, im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes Oedlanö-Kultivie- rungenundViehweiöenverbesserun- gen vorzunehmen, von denen man sich nicht nur Die Beschäftigung zahlreicher erwerbsloser Leute, fonDern auch Bodenverbesserungen und Steigerungen der Wirtschaftserträge für Die Dauer verspricht. So sind in Der Gemeinde Botten- Hom etwa 20 Personen, in den Gemeinden Frechenhausen und LixfcID je etwa 25 Personen, in Der ©cmeinDe Gönnern etwa 30 Perfonen, in Der GemeinDe Steinperf etwa 40 Leute unö in Den GemeinDen Rieder- unö Ober-Eisenhausen ebenfalls je etwa 25 Personen in diesen Arbeitsplan eingereiht. Die Gemeinde Mornshausen läßt umfangreiche Drainagearbeiten vornehmen, die ebenfalls zahlreichen Leuten Beschäftigung bieten. Die Arbeiten sind zum Teil bereits im Gange, im übrigen sind sie genehmigt unö stehen unmittelbar vor öem Beginn. • Kreis Wetzlar. ch Krofdorf-Gleiberg, 18. März. Wohl selten hat Gleiberg einen so großen Trauerzug gesehen wie den, der sich am Dienstagnachmittag vom Burghof nach öem am Dergeshang gelegenen Friedhof bewegte, um dem verstorbenen Durg- wirt Sebastian Riebergall das letzte Geleite zu geben. Pfarrer Börnel (Rodheirn) würdigte in seiner Gedächtnisansprache den Entschlafenen als Mensch, Bürger und Christ. Linier ehrendem Work wurden Kränze nieöergelegt von einem Vertreter des Deutschen Gastwirteverbandes. von den Gastwirtevereinen Wetzlar, Weilburg und Krofdorf-Rödheim, vom Gleibergverein, dem Gardeverein für den Kreis Wetzlar, sowie von dem hiesigen Schützen- und vom Turnverein. Groß-Rechtenbach, 18. Marz. Der hie- fiße Polizeihauptwachtmeister unb die Landjägcrci- beamten zu Groß-Rechtenbach unb Nieberkleen nahmen heute vormittag auf der Provinzialstraße zwischen Nieberkleen unb Pohlgöns zwei Hand- w e r k s b u r s ch e n s e st, bie im Verbacht stehen, in der Nacht vom 10. auf den 11. März bie Einbrüche in bas Ratyaus unb bas Land- ratsamtinBiebenkopf verübt zu haben. Die Festgenommenen würben in das Gerichtsgefängnis in Wetzlar eingeliefert. • Hörnsheim, 17. März. Dieser Tage wurde eine Handarbeitsausstellung unserer Schule gezeigt, die eine treffliche Liebersicht über die Fertigkeiten bot, die die Schülerinnen unter Leitung von Frau K o ch im Laufe des Sahres auf dem Gebiete der Handarbeiten sich anzueignen Gelegenheit hatten. Man sah eine stattliche Anzahl feiner Handarbeiten, die den Herstellerinnen, wie auch der Lehrerin das beste Zeugnis ausstellten. Stick- und Strickarbeiten, sowie die Häkelarbeiten gefielen allgemein sehr gut. Kirche und Schule. Kreis Büdingen. Büdingen, 17. März. Dieser Tage fand hier öie Dekanatskonferenz Des Dekanats Büdingen statt, die durch Pfarrer Le hing, Ortenberg, mit Schriftlesung und Gebet eingeleitet wurde. Rach der Eröffnung durch Dekan Hoch, Selters, hielt Regierungsrat Dr. Bues, Direktor des Arbeitsamts Gießen, einen interessanten Vortrag über den freiwilligen Arbeitsdienst, in dem er auf Grund feiner mannigfachen Erfahrungen alle einschlägigen Fragen behandelte. Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. Anschließend fand eine rege Aussprache statt. Die Konferenz entschloß sich, soweit als möglich an der Behebung der wirtschaftlichen und seelischen Rot der Arbeitslosen mitzuarbeiten. Mit einer Besprechung geschäftlicher Fragen fand öie Tagung ihren Abschluß. rl. Büdingen, 17. März. Unter Mitwirkung örtlicher musikalischer Kräfte veranstaltete Dr. Zeh (Darmstadt) in der hiesigen Stadtkirche eine Passionsan dacht außergewöhnlicher Art. Seine von der Kanzel aus gegebene eindrucksvolle Würdigung unö Deutung öer Bildwerke des Ssenheimer Altars unseres Meisters Grünewalö an Hanö guter Lichtbilder gestaltete sich, besonders auch durch die wirkungsvolle musikalische Unterstreichung und Umrahmung, zu einem einzigartigen religiösen unö künstlerischen Erlebnis für die mehr als 300 Andächtigen. Es ist erfreulich, daß Dr. Zeh unseren leider viel zu wenig be - und e r kannten Meister Grünewald,, einen öer deutschesten, in solcher Weise zu unserem Volke predigen läßt. r"* Ss sx L Tramps k d°r * i alte" * * »«WS icnen K ms - i'A •ncn Mark/ AdieM. sankst ^rankfur «in ein, sehr Salben 5 M. Don Der * vor, and Mäst VV. Dir jedoch mch i wieder W im die Abend ikhauytet rile eines Pr< Mik, Ayeu nagen bis zu laaen d Herten i Prozent, cal Prozent cinbu färben v Lite gut beh crleils unvera Mimte man eh iSien-Warit B icher gefragt, Hnvorzugsatt Klanteile wie Rat und Au Bas-Vere V 3» fOtflQ ^Sfc Heilh schafft jg Wirtschaft Banknoten. Prozentes höher. Mehr beachtet waren Iheinstahl uni) Stahlverein, die Desse- tctlc eine- Jaucbelässer Alice-Schulverein sauber - billig — schnell 6as-Heißquell bildungsschule.) 12187 D Anmeldungen: Steinstr. 40 Auf Wunsch in 12 Monatsraten ?199D e. Das sind die Stoffe .out. Sitherheit 7*=mdbreit. flotte Muster, Über 30 Millionen Im Gebrouch! 1.80 1.95 EulliHII ERHÄLTLICH W ALUN FACHGESCHÄFTEN ■ Düngekalk V billigst Stadtadrefle: 2214 D SELTERSWEG Karl Oeeg, Am Rahrungsberg 16 L NDWHCK Schneider-, Weinuäb-, Ltickkurs. Fachschule für Haushalt. (Ersatz für Fort- MIT INPIREKT BEHEIZTEN RÖHREN SÄMTLICH MIT SELEKTIONSSCHALTER C. Rübsamen Fernsprech. 3653 E. Afemann, Hepar.-WerkiUtten, Tel. 32483431, O*tanlage 7. Rat und Auskunft: Gas-Vereinigung In Betrieb: Lehrküche, Kirchenplatz Phönix. R, nmgcn bis zu 1,5 Prozent auswiescn. Mannes- Ang. 6. Lage n. Wert des Objekts n. 01755 a. d, Rieß. Ans. erb. Nabe gleichwertig er» letzt werden. Jede* gute Rad Ist n>0 Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Ihjr. 16 bi» 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Jür unverlangt eingesandle Manuskripte ohne leigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzel^ena.'.fträge sind lediglich an die Geschäft» st eile tu richten. Spiclplan der frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag. 20. März, von 11.30 bis 13 Uhr: Tanzmatinee unter Leitung der Ballettmeisterin Helke Jürgensen vom Aationalthea- ter in Weimar a. ®.; von 15 bis 18 Ahr: Im weiften Röhl: von 20 bis 23 Ahr: Im weiften Röhl. Montag, 21. März, von 20 bis nach 22.30 Ahr: Madame Butterfly. Dienstag, 22. März, von 19.30 bis 22.30 Ahr Der Freischütz. Mittwoch, 23. März, von 20 bis 23 Ahr: Im weiften Röftl. Donnerstag. 24. März, von 19.30 bis 22.30 Ahr: Die Zaubers löte. Freitag, 25. März, von 17 bis nach 21.30 Ahr: Parsifal. Samstag, 26. März, von 20 bis 22.30 Ahr: Rigoletto. Sonntag, 27. März, von 17 bis nach 21.30 Ahr: Parsifal. Schauspielhaus. Sonntag. 20. März, von 18.30 bis gegen 23 Ahr: Wallenstein. Montag, 21. März, von 19 bis nach 23 Ahr: Wallenstein. Dienstag. 22. März, von 20 bis nach 23 Ahr: Zu Goethes 100. Todestag: Torquato Dasso. Mittwoch, 23. März, von 19.30 bis nach 23 Ahr: Geschichte Gottsriedcns von Dcrlichingen mit der eisernen Hand. (Argöh) von Goethe. Donnerstag. 24. März, von 19.30 bis noch 23.30 Ahr: Wallenstein. Freitag, 25. März, geschlossen. Samstag, 26. März, von 19 bis nach 23.30 Ahr: Faust, I. Teil. Sonntag, 27. März, von 18.30 bis 23.30 Ahr: Faust, I.Teil. Sranffurf still, aber behauptet. F r a n k s u r t a. M., 19. März. (WTB. Draht- rulbung ) Die Wochenschluftbörse zeigte bei Beginn ein sehr ruhiges Aussehen, auch nach der erften halben Stunde kam keine Belebung ins Ge- schäft. Bon der Kundschast lagen nur einige Aufträge vor, auch die Spekulation hielt sich vom Veschäft fast vollkommen zurück. Die Stimmung Ivar jedoch nicht unfreundlich, trotzdem aus Reu- Dorf wieder schwache Kurse gemeldet wurden. Gegen die Abendbörse blieben die Kurfe meist gut behauptet, teilweise lagen sie noch um Bruch- Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) C. 5., Gieftcn. 1. Die Leistung des Offenbarungseides durch einen Schuldner befreit ihn weder von feiner Schuld demjenigen Gläubiger gegenüber, der ihn zur Leistung des Offenbarungseidcs ge- l>aden hat, noch von der Schuld, die er einem- iA 3 Röhren FORM 630RNSH2 FORM G30L RH fZUE RR£/te OHNE RÖHREN Achten Sie darauf,daß Ihr Fahrrad übiwk besitzt! wann lagen dagegen unverändert. Schwach tendierten Kaliaktien, von denen Aschersleben etwa 3 Prozent, Salzdetfurth und Westeregeln zirka 2 Prozent cinbüytcn. Am Ehemiemarkt blieben 3G.-Farben, 2G.-Chemie-Dasel und die übrigen Werte gut behauptet. Elektrowerte lagen aröh- ünteils unverändert, nur Schuckcrt und Gessürel ninntc man eher etwas fester Am Schifsahrts- actien-Markt waren Norddeutscher Lloyd etwas kHer gefragt, Hapag blieben gehalten. Reichs- bHnvorzugsaktien zogen geringfügig an. Reichs- bankanteilc wiesen keine Veränderung auf. An den für Tagcsgcld zum Ausdruck, der verschiedentlich schon unter die Grenze von 6.5 Prozent herunter- gmg. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt O.Z1L Dritten schuldet. Zu einer neuen Eidesleistung kann der Schuldner erst nach Ablauf von fünf Jahren nach der ersten Eidesleistung gezwungen werden, cs sei denn, dah ihm ein Gläubiger, der gegen ihn vorgchcn will, nachweist, dah er — der Schuldner — in der Zwischenzeit Dermögen erworben hat. 2. Gegen einen Schuldner, der den Offcnbarungscid geleistet hat. kann jeder Gläubiger auch fernerhin im Wege der Klage Vorgehen. Er riskiert hierbei allerdings die durch sein Vorgehen (Mahnverfahren. Klage) entstehenden Koben. 3. Ein gegen den Schuldner erwirkter Schuldtitel bleibt dreißig Jahre in Kraft. Aus Grund desselben kann der Gläubiger auch nach Maßgabe der bestehenden Bestimmungen bei dem Arbeitgeber des Schuldners Lohnsorderungspfän- dungen vornehmen. Wohl -rauerjug achmitlag gelegenen m 'Burg- lehte Sc- rim) toür- Entschlaft. Unter jelcgt von rteberban- ar, Weil- etgDcrcin, (ar, sowie imhercin. Her ty.c- ibjägcm- leen ncch. rasse zwi- , Hand- : stehen, in die Ein- s Land- haben. Tie isgefängnis agebmde , unfe* ic Hebet- e Schüfe- im Lause ^arbeiten n sah eine , die den das beste idarbeiten, n sehr gut ’n einet man jetzt (V.'gen tti.. fetun- nicht nut Leute, ßleigc- e Dauer °lten- emeinden etwa 25 etoa 30 rs etoa ieber- je etoa "gereiht, umfang- ebenfalls Die Ar- im übti- Mittelbar ltt- Et ^bach -Auz. "cherlej igen ante Slcherh. . Hypj, v. Selbstg. ▼erl. ÄBlr. m. ansf. übrigen Marktgebieten herrschte Geschäftsstelle. Gold- und Liquidationspfandbriefe nannte man unverändert. Don Anleihen Altbefitz 0,25 Prozent niedriger, Reichsschuldbuchforderungen blieben behauptet, ebenso IG.-Farbcn-Donds. Auslandsrenten liegen schon seit Tagen vernachlässigt. In der zweiten Bvrsenstunde schrumpfte das Geschäft weiter zusammen, Amsätze fanden kaum noch statt. Mit Ausnahme von IG.-Farben, die gut behauptet blieben, bröckelten die Kurse an den anderen Märkten meist um Bruchteile eines Prozentes ab. Am Geldmarkt ist die Lage weiter sehr schlecht, der Satz für Tagesgeld wurde um 0,25 auf 5,75 Prozent ermäßigt. Berlin gut behauptet. Berlin, 19. März. (WTB. Funkspruch.) 3m Gegensatz zu Reuyork zeigte die Berliner Börse auch heute eine beachtliche Wider ft ands- fähigkeit. Es lagen zwar zum Wochenschluft nur wenige Orders vor. doch waren die Kurse, den Erwartungen des Vormittags entsprechend, im allgemeinen gut behauptet. Das schon in den letzten Tagen vorhandene Interesse für Montanwerte war auch heute zu beobachten: verschiedentlich konnten an diesem Markt 1- bis 2pro- zentige Gewinne erzielt werden. Im allgemeinen lagen die Werte aber sehr still, und Kursveränderungen von 1 Prozent waren schon eine Ausnahme. Svenska wurden etwa 2 Mk. niedriger genannt, vielleicht weil die Nachrichten über die Abwicklung der Kreuzer-Angelegenheit sehr spärlich eingehen. Diese Abwicklung wird sich nach Ansicht zahlreicher Börsenkreise nicht vermeiden lassen und Deutschland vielleicht nur indirekt betreffen. Da außerdem auch in der Politik, sowohl außen- wie innenpolitisch, eine abwartende Haltung eingenommen wird, fehlte es heute an besonderen Anregungen. Am Pfandbriefmarkt war das Geschäft zwar ebenfalls sehr ruhig, die Stimmung aber eher freundlicher. Re ch^chuldbuchfordcrungcn und Kommunalobligationen waren etwas gefragt, Industrieobligationen neigten dagegen weiter zur Schwäche. Reichsbahnvorzugsaktien und Farben- Bonds hatten geringe Veränderungen aufzuweisen. Auch im Verlaufe blieb das Geschäft sehr still. Einige Käufe am Montan- und Farbenmarkt gaben der gesamten Lage eine Stühe. Auch Charlottenburger Wasser und später Karstadt- Aktien blieben beachtet. Bankaktien lagen dagegen weiter völlig vernachlässigt. Am Geldmarkt war die Tendenz heute weiter etwas leichter. Dies kam auch in dem Sah rnuftevgeflugelhof „ttSiefeitgcunb* am Alten Steinbacher Weg hat Bruieier und Eintagskücken weißer amerik. Leghorn von nur besten Zuchtstämmen (Original Wilhelmia-Elite und Original amerik. Abstammung) abzugeben Auch werden jetzt schon Bestellungen auf Junghennen entgegengenommen. für das Jahr 1932 den großen Reedereien zur Verfügung gestellt unter der Voraussetzung, daß tic alten Kreditgeber und die Geschäftsführung £rCneuae 1.30 zückenden Farben .. Reichsgarantie für die Reedereien. ^sammcnlegungbciHapagundLloyvly:3. Berlin, 19. März. (CAB. Eigene Meldung.) C$ic wir erfahren, hat das Reichskabinett Vereinbarungen zugestimmt, die zwischen den beteiligten Ressorts und den Reedereien getroffen pvrden sind. Danach übernimmt das Reich eine Ärc bitgarantie im Betrage von 11 Millionen. Davon werden 7 Millionen bei Tramp-Reedern, der übrige Betrag wird Heißwasser schafft jederzeit der Rcichsbankdiskont 6 Pro;. — Lombardsah 7 Pro;. Lchwtincmarkt in Homberg. -er. Homberg, 17. März. Der gestrige Schweinemarkt war mit 208 Ferkeln beschickt. Für sechs bis acht Wochen alte Ferkel wurden 18 bis 22 Mark, für acht biS zwölf Wochen alte Ferkel wurden 20 bis 28 Mark pro Stück bezahlt. Ferkel waren gesucht, infolgedessen war der Markt bald geräumt. die Sie suchen, die gut und billig sind. Mtr. 0.50 Flamenga v/oiie mit ZK^de?einS^nderangebot...Mtr. Mbie ■M. nislinge «in dn Te. Jurtam fernen > Dark, 'genüdrr don t 3agb W ton ■'Ölfen- Tage sa^ de« Dk' ch Planet unb@d)d ung burt gsrat ST. ften, einen n ftti* ■m er auf n alle ein- trag tnuroe schließend Konseren) n der ®c‘ lischen 2v einer Die Tagung ,r aniiwii' ^ranytete gcbenee,n । a unkr-3 durL W .ichung. J® « religiöseu V öS neuen NORA von Motorrädern Fahrrädern es schuldig, den Schur, auch fetzt und grade fetzt in iXrafl ;u erhallen. Marocain iche Kleider- K’seide. schwere weicn...... qualität............. ÄS » färben.................. (Mdr-tovcdtteÄb! ^er wtehtigüe Achutz für Deine Frau und Deine Binder iü Deine Lebensverllcherung. Deiner Familie biü Du 2.90 2163 A Blaolete s 9flnnonlnin5 i werd, fachgemäß r u. preiswert ge- t stimmt u. revar | : ®.6öe[tmr=™ I* Gle6enJ.udwiistr.5p • teleobon 2403. r Verkant o. neuen | *...V:.?.er^frT'..'?A00 I Biita laufend abzugeben. Dünfelder, 21wd Itciskirchen. bet Reedereien gewisse Unterlagen schaffen, von Ic cn die Nebern ahme der tatsächlichen Garantie abhängig gemacht wird. Die alten Kreditgeber haben sich schon bereit erfiät, ihre Guthaben biß zum 28. Februar 1933 zu einem niedrigeren (JnSsuß stehenzulassen. Die Vorstände von Hapag und Lloyd sind übereingekommen, ihren Vesellschasten eine Zusammenlegung des Aktienkapitals von 10:3 vorruschlagen, s» daß es sich bei jeder Gesellschaft auf 48 Mil- Unen Mark beläuft. Die Auslandschulden fallen Utter die Teftimmungcn des Stillhalteabkommens. 18 März 19 Mär, ämtlitbe (Reit' Xotienma emlhdff 2Iotunmg 25rte' <*tlß Zirid Vfltmgiort . SSien 7.033 7,047 7,033 7.049 49.95 50.05 49.95 50.05 Trag . . . 12.465 12 485 12.465 12.485 8uty)e0 . . 56.94 57.06 56.94 57,06 6oha - . . 3.057 3.063 3,057 3.063 t>oUcn6 . . 169.93 170.27 169.83 170.17 £*lo . . 82.27 82.43 82,32 82.48 Äpptnhc-gee. 83.72 83.88 84,42 84,58 Gtodbclm 83.62 83.78 84,22 84,38 SonBm 15.23 15,27 . 15,34 15.38 vueno» 2irci 1,073 1,077 1.073 1.077 Keuncti 4.209 4.217 4.209 4.217 Briilel . . . 58.76 58,88 58.76 58.88 St dien . . . 21.76 21,80 21.78 21.82 Puri« . . . 16.57 16.61 16.57 16.61 Gdjrocü . . 81.51 81.57 81,40 81.56 Spanien 32.12 32.18 32,12 32,18 Danzig . . 82.07 82,23 82.07 82.23 Japan 1,349 1,351 1 .349 1,351 tkto De .3an.. 0.249 0,251 0,249 0.251 Iuaaftawte». UUiabon - ■ 7,413 7,427 7.415 7,427 13,89 13,91 13,94 13.96 Berlin, 18.Mär, (Reib ilmcnlantld’e Noten....... 4,20 4,22 Belgftcke Noten . ........ 58,60 58.84 Tänticke Noten......... 83,73 84,07 Ifngllfdie Noten....... . 15,19 15,25 ijranjölifdie Noten........ 16.53 16.59 boltändiiche Noten........ 169,56 170.24 Iialleniictze Noten........ 22.11 22.19 Norwegiiche Noten........ 82,09 82.41 $eurid>Cefleneid), ä 1OO Schilling — — Rumänische Noten........ 2,49 2,5! Schwedische Noten ........ 83,43 83.77 Schweizer Noten......... 81,23 81.55 Spanische Noten. ........ 31,99 32.11 Ungarische Roten ...... HS HS _W eW» SCHUHMAUS 2151 A. 01736 Jetzt kaufen empfiehlt 21700 TEPPICHE M. SsmMlei am günstigsten sind billig! SeiuWeilii-SieSkn lel. (Siegen 4217 im 2174 0 Wiederverkäufer erhalt, hohen Rabatt. Katalog gratis u. franko. 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Soweit überhaupt eine unterschiedliche Arbeitsmarktlage in Erscheinung tritt, ist es mit wenig Ausnahmen zu ilngun» st en der Frau, als her wirtschaftlich Schwächeren. ■ Frauenarbeit ist nicht, wie viele glauben, eine durch das Industriezeitalter bedingte Erscheinung. Schon in der Frühzeit des H»nd- Werks hat es weibliche Zünfte in großer Zahl gegeben, zählt doch allein ein Innungs- rcgistcr der Stadt Köln 14 weibliche Zünfte. Aach der Reformation ging die Frauenarbeit immer stärker zurück, um wieder im 19. Jahrhundert, im Zeitalter der Industrie und der Maschine eine wesentliche Rolle in der wirtschaftlichen Struktur zu spielen. Bestimmt wird Umfang und Auswirkung der Frauenarbeit hauptsächlich durch zwei Faktoren, nämlich die numerische Ileberzahl der Frauen in allen europäischen Ländern mit Ausnahme des Balkans, und ihre besondere Eignung für bestimmte Berufe, z. B. Hauswirtschaft, Bureauarbeit u. ä. sowie ihre körperliche 11 n - geeignethcit f ür Arbeiten, die besondere Kräfte erfordern, wie Bauhandwerk oder solche Berufe, die dem weiblichen Organismus schädlich sind. Bei einer Bevölkerung von 62.4 Millionen Menschen haben wir in Deutschland 32,2 Millionen Frauen; davon find berufstätig 11.4 Millionen, d. h. 35 Prozent. Das ist im Vergleich zu den übrigen europäischen Ländern ungefähr die durchschnittliche Zahl. — Im Jahre 1930 betrug die durchschnittliche Anzahl von Arbeitslosen- über 3 Millionen Menschen, darunter 20 Prozent Frauen. Legt man diesen Prozentsatz den Zahlen vom Rovernbsr 1931 zugrunde, so würde man bei einer Zahl von 4.8 Millionen Arbeitslosen aus ungefähr eine Million arbeitsloser Frauen kommen. Diese erschütternden Zahlen verteilen sich auf alle Berufe, in denen Frauen tätig sind, wenn auch der Prozentsatz je nach der Konjunktur schwankt. Relativ am günstigsten sieht es in der Landwirtschaft aus. in der ein Drittel aller arbeitenden Frauen beschäftigt ist. Dort ist naturgemäß der Abbau der Arbeitskräfte sehr beschränkt, da zur Bestellung des Bodens eine bestimmte Zahl schaffender Hände erforderlich ist. In der Metallindustrie ist die Arbeitslosigkeit der Frauen im Berhältnis geringer als die der Männer Die fortschreitende RationaU- sierung spart nicht nur Menschen, so kann überdies häufig auf gelernte Arbeit verzichten, fördert daher die Einstellung der billigen Frauenkräfte. — Ganz besonders schlimm sieht es i m . S p i u n e r e i g e w e r b e . in der Textilindustrie aus. Dort ist die Arbeitslosigkeit ^>er Frau absolut und relativ großer als die des Mannes, die Kurzarbeit ungewöhnlich stark. Sie beträgt 35,3 Prozent der überhaupt noch arbeitenden Leute, während 30 Prozent arbeitslos sind. Schuld daran ist in erster Linie der st a r k e Rückgang des Inlandbedarfs. Hinzu kommen andere erschwerende Momente, die in der weltwirtschaftlichen und politischen Lage überhaupt begründet sind. Rußland fällt als Abnehmer aus, Elsaß und das Saargebiet werden von Frankreich beliefert, Schweden und die Schweiz haben mit einem gewissen Erfolg eigene Industrien aufgezogen. In der Tschechoslowakei MUMeiNlMMM von 3 Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau. 7. Fortsetzung. Aachdruck verboten! Sie sah, wie es ihn hecmnriß. „Ich habe Ihnen Ihre Kleider mitgebracht. Herr Malnow. Ich lege mich ein Stück weiter oberhalb ins Gras und warte auf Sie." Verärgert gewahrte sie, daß er statt zu ihr herüber, nach der anderen Seite zuhielt. War das nun Trotz oder Scham? Als er zehn Minuten später vor ihr stand, spiegelte sein Haar wie dunkler Samt. Da gewahrte Suse die tiefe Falte, die sich quer über Malnows Stirne dehnte. „Wenn Sie so böse dreinschauen, fürchte ich mich", sagte sie. Das Lächeln, das ihre Worte begleitete, war etwas erzwungen. „Die Mama läßt fragen, ob Sie uns heute nach Cglofstein hinüberfahren möchten?" «Die gnädige Frau braucht nur zu befehlen", erwiderte er knapp. „Herrgott, Malnow, seien Sie doch nicht so dickköpfig. Die Mama befiehlt doch nicht. Wenn Sie nicht wollen, lassen Eie's eben bleiben." Das Weinen stand ihr noch immer nahe, und er benahm sich wie ein Fisch und hatte noch immer die böse Falte über der Stirne liegen. „In wessen Dienst man steht, dessen Wünsche hat man zu respektieren", sagte er kühl, verneigte sich und nahm die Richtung nach dem Garten hin. Sie faß im Gras und sah ihm mit tränen- gefüllten Augen nach, schlug plötzlich die Hände vor das Gesicht und weinte lautlos vor sich hin. Er ist es ja gar nicht wert, tröstete sie sich in ihr Schluchzen hinein. Die Margret hatte sicher recht, so eine schöne Fratze machte das Glück noch nicht aus. Morgen oder übermorgen kam sicher ein anderer, ich will aber keinen anderen, dachte sie verzweifelt und barg das Gesicht zwischen Halm und Gräser. Ich will auch nicht von ihm nach Cglofstein gefahren werden. Ich reite! Ich will nicht in einem Wagen sitzen, den er kutschiert. Sie sprang auf, lief ans Ufer und kühlte die Augen mit dem frischen Wasser. Die Wellen warfen ihr Spiegelbild zu'rück. Sie nickte ihm zu und ordnete das Haargeringei, welches >hr wirr um die Stirne fiel. Als sie etwas spät« in den Hof trat, führte Malnow eben die Pferde aus dem Stall. Ohne ihm einen Blick zu schenken, ginj sie vorüber, hörte, daß er etwas fragte und wandte gleichmütig den Kopf: „Soll ich für das gnädige Fräulein eine zweite Decke auf den Dock legen?" „Ich komme nicht mit!“ sagte sie frostig. ist und ein ernsthafter Konkurrent entstanden. Die Länder in llebcrfec werden von England beliefert, das jetzt auch noch von dem gesunkenen Pfund profitieren kann. Amerika, das früher ein großer Abnehmer namentlich für Mäntel war, hat sich derartig mit Schutzzollmauern umgeben, daß es als Exportland für Konfektion kaum noch in Frage kommt. Und nun die häuslichen Berufe. 3n der Zeit der industriellen Konjunktur wanderte eine stets steigende Zahl von jugendlichen weiblichen Berufstätigen in eben diese Industrien ab; unterdes schuf d i e Technik als Ersatz alle Mittel sür die Hauswirtschaft, die die Zahl der benötigten Hände im Haushalt immer mehr verkleinerte. Als dann die rückläufige Konjunttur einsetzte und die Aufnahmefähigkeit der Industrie zurückging, nahm auch die schon verkleinerte Zahl der Arbeitgeber für Hausangestellte infolge der allgemeinen Einschränkung der Lebenshaltung weiter ab. So herrscht heute in diesem Beruf, in dem früher immer noch ein Unterkommen möglich war, eine große Arbeitslosigkeit. Während im Jahre 1882 2,93 Prozent der Bevölkerung den häuslichen Berufen angehörte, sank die Zahl im Jahre 1925 auf 2,63 Prozent, während die Zahl der Haushaltungen feit 1910 um 30 Prozent gestiegen war. Die Zahl der in Berlin arbeitsuchenden weiblichen Hausangestellten ist vom August 1930 bis August 1931 von 6000 auf 12 000 gestiegen, hat fich also verdoppelt. Ein besonders trauriges Kapitel ist die Lage sowohl der weiblichen als auch der männlichen Akademiker. Man schätzt die Zahl der Akademiker in Deutschland auf 400 000, darunter 25—30 000 Beschäftigungslose; dabei steigt der Zugang zu den IInmerfitäten von Jahr zu Jahr. Oft wird die Hochschule ausgesucht in der Hoffnung, daß in 3 bis 4 Jahren, in denen das Studium erst beendet fein wird, die Berufsaussichten günstiger sind. Ganz besonders stark ist der Zudrang zum medizinischen Stu- diumund zu der pädagogischen Laufbahn. In beiden Fällen ist der Zustrom erheblich größer a ls der Bedarf; der infolge häufiger Schließung von Krankenhäufern und im Hinblick auf den anhaltenden Geburtenrückgang noch weiter abnehmen wird. In dieser Zeit der Arbeitslosigkeit hat sich leider ein Schlagwort eingebürgert, das viel Schaden anrichtet. Das ist das Schlagwort vom „Doppelverdiener", angewendet aus die verheiratete, berufstätige Frau. Dabei ist der Hauptdruck gegen die etwa 7000 verheirateten Beamtinnen gerichtet, die einen recht kleinen Teil der 3.7 Millionen erwerbstätiger Ehefrauen in Deutschland ausmachen. (2 500 000 mithelfende Familienmitglieder. 708 000 Arbeiterinnen, 309 000 Selbständige, 75 000 Angestellte, 44 000 Hausangestellte, 7000 Beamtinnen.) Der Gesetzgeber ist offenbar bereit, diesem Druck zu weichen, und so hat der Hauptausschuß des Reichstages Anfang Dezember den Beschluß gefaßt, daß weibliche verheiratete Beamte ent- lassen werden können, wenn die wirtschaftliche Versorgung dauernd gesichert erscheint. Dabei bleibt offen, was als „dauernd gesichert" jeweils zu betrachten ist. Die oben gegebene Darstellung der Lage einiger Frauenberufe ergibt auf das Deutlichste, wie eng die Frauenarbeit mit dem allgemeinen wirtschaftlichen und damit staatlichen Leben Deutschlands verflochten ist. Es handelt fich eben um ll’/s Millionen deutscher Staatsbürger, deren wirtschaftliches und politisches Wohl und Wehe genau denselben Bedingungen unt e r- Werfen ist wie das der männlichen arbeitenden Bevölkerung. Schulter an Schulter mit dem Mann steht heute die Frau im schweren Kampfe um Deutschlands wirtschaftliche Behauptung in dieser Zeit der Weltkrise, in der Hoffnung auf einen nicht zu fernen neuen Aufstieg. Die Lage auf dem vbeihessls-eu Meitsmarkt. Zn allen Berufsgruppen noch geringe Aufnahmefähigkeit für Arbeitskräfte. Das Arbeitsamt Gießen macht in seinem Bericht über die Arbeitsmarktlage in Oberstes- Jen nach dem Stande von Ende Februar, im Anschluß an die zusammensassende Uebersicht, die wir vor einigen Tagen mitteilten, noch folgende Ausführungen über die Arbeitsmarktlage in den einzelnen Berufsgruppen: Land- und Jorftroirtfd)aft. Auch in diesem Monat ist die Zahl der Arbeitsuchenden weiter gestiegen. Insbesondere war ein größerer Zugang an Melkern, Waldarbeitern, sowie Waldarbeiterinnen, Gärtnern und Gartenarbeitern zu verzeichnen. Der Abruf von Arbeitskräften in der Landwirtschaft ist noch äußerst gering. Der Holzeinschlag durfte, abgesehen von einigen Wiedereinstellungen, nunmehr dem Ende entgegengehen. Die Aufnahme von Garten, und Parkarbeiten, die zu Monatsanfang durch das schöne offene Wetter begünstigt wurde, mußte infolge des Frostwetters wieder eingestellt werden. Die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Dienstmädchen war in den letzten Tagen des Berichtsmonats etwas lebhafter. Der Bedarf konnte gedeckt werden. Verfügbar waren am Ende der Berichtszeit 551 Arbeitsuchende, gegenüber 518 des Bormonats und 688 des Vorjahres. Industrie der Steine und Erden. Die Marktlage ist sehr uneinheitlich. Einige Basaltsteinbrüche haben Reichsbahnaufträge erhalten und konnten hierdurch Arbeitskräfte wieder ein» stellen. Im nördlichen Oberhessen mußten einige Steinbruchbetriebe wegen des eintretenden Frostwetters Arbeitskräfte entlassen. Im Ganzen.gesehen liegen außer Reichsbahnaufträgen private Aufträge nicht vor. Dem Arbeitsmarkt standen am Schluffe der Berichtszeit 1909 Steinarbeiter, gegenüber 1966 des Vormonats und 1904 des Vorjahres zur Verfügung. Metallindustrie. Die Lage der oberheffifchen Metallindustrie und des Handwerks ist nach wie vor als schlecht zu bezeichnen. Allenthalben wird über Auftragsmangel geklagt. Nur eine Firma hat einen größeren Auftrag erhalten und war dadurch imstande, mit ihrer gesamten Belegschaft voll zu arbeiten. Wir zählten am Ende der Berichtszeit 2697 Metallarbeiter, gegenüber 2684 des Vormonats und 2519 des Vorjahres. hol;- und Schnihstoffgewerbe. Die Arbeitsmarktlage ist für diese Berufsgruppe sehr unterschiedlich. Während verschiedene Sägewerksbetriebe nach Eingang größerer Aufträge ihre Arbeitskräfte zurückgerufen haben, mußte eine Möbelfabrik nach Beendigung der Arbeiten Kurzarbeit einfüßren. Dem Arbeitsmarkt standen am Schluß der Berichtszeit 981 Holzarbeiter zur Verfügung, gegenüber 996 des Vormonats und 1119 des Vorjahres. Nahrung»- und Genußmittelgewerbe. Eine wesentliche Veränderung der Arbeitsmarktlage ist nicht eingetreten. Die Tabakindustrie klagt nach wie vor über Auftragsmangel. Wegen schlechten „Lassen Sie den Schlüssel zur Geschirrkammer stecken. Ich reite!" Sie sah nicht, wie fahl er wurde. Seine Hände zitterten derart, daß die Stute, welche er aH die Kutsche spannen wollte, unruhig den Kopf nach ihm hob. Er führte sie wieder in ihre Boxe zurück und kam mit einem Wallach heraus, der voll heller Lebensfreude in den sonnigen Rachmittag wieherte. Er verspürte die Schwere seines Schrittes, als er jetzt nach der Geschirrkammer ging und das Sattelzeug für Suse vom Haken nahm. Die Stute legte ihren Kopf gegen seine Schulter, als er auf fie einsprach. „Sei ein gutes Tier und trage sie sicher. Ich vertraue sie niemand anderem an, als dir allein. Du bist klug und verlässig. Sei nicht böse und fahre nicht auf, wenn fie die Zügel etwas hart zwischen die Finger nimmt. Sie ist verärgert. Ich habe sie gekränkt. — Verstehst du mich, „Sabine", mit Absicht gekränkt, damit fie nicht ahnt, wie schwer ich trage an meiner Liebe zu ihr." Die Stute sah ihn mit ihren großen glänzenden Augen an, als habe sie restlos begriffen. Sie nahm den Zucker, welchen er für sie bereit hielt, ohne Hast zwischen die Zähne und zermalmte ihn mit leisem Knirschen. Als er sie in den Hof führte, tarnen die Damen eben in Begleitung des Herrn Gradnitz vom Herrenhaufe herüber. Suse war nicht dabei. Malnow knüpfte die Zügel der Stute an das Gitterfenster der Stallung und hielt den Schlag offen. — Er hatte das Gefühl, als erwürge ihn fein eigenes Blut. Warum kam Suse nicht? Wenn sie voraus ritt, konnte er sie immer im Auge behalten. Wenn ihr irgendwelche Gefahr drohte, vermochte er ihr sofort zu Hilfe zu kommen. Er spähte vergebens nach der Türe, die vom Garten herüberführte. Cs war nichts von ihr zu entdecken. „Meine Tochter kommt etwas später nach", sagte Frau von Recklinhausen in ihrer gütigen Art. „Wir können also fahren." Der Hufschlag der Gäule war gleich darauf auf der verstaubten Chaussee zu hören. Dieters Hände, welche die Zügel hielten, brannten. Mehr als einmal wandte er den Kopf zurück. Jetzt mußte sie doch kommen! Mußte doch! Sie brauchte ja nur in den Sattel zu steigen. Wo blieb sie beim so überlange? Dann ein heller Rus von den Wiesen herüber, die durch einen Graben von der Chaussee getrennt Waren. Ein Pferd jagte querem. Man sah, wie die Reiterin das Tier dazu antrieb, den Sprung nach dem anderen Ufer hinüber zuwagen. „Suse!" schrie Frau von Recklinhausen und klammerte die Hand um Gradnitz' Oberarm. „Suse!" - „Du erschreckst das Tier!" warnte Margret, obwohl auch ihr Herz bis zum Halse herauf- schlug, bewahrte sie doch nach außen hin ihre Ruhe. Lenores Wangen leuchteten schneeig. Sie drückte die Rägel der Finger in die Handflächen und murmelte etwas zwischen dgn Lippen — Margret glaubte, sie beten zu hören. Aus Malnows Gesicht war jeder Tropfen Blutes gewichen. Seine Augen ruhten als starre Punkte auf den beiden dunklen Körpern, die jetzt durch die Luft geflogen kamen. Sufes schlanker Körper schwebte förmlich. Er mußte die Lider schließen, und als er sie wieder öffnete, landeten Roß und Reiterin eben auf dem schmalen Wiesen- ftreifen, der das Wasser von der Chaussee trennte. „Mama, du hast dich doch nicht etwa geängstigt?" Dicht am Wagen horte er jetzt ihr helles Lachen. „Es war gottvoll schön! — Margret, tu den Wund nicht auf! Du würdest doch nur schimpfen. Es würde mir doch nicht einfallen, Hals und Dein zu brechen. Wäre ja jammerschade um den Hengst, nicht wahr, Herr Malnow?" Das Pferd trabte jetzt schweißgebadet an ihm vorbei und verschwand in einer Wolke Staubes. Tausend und aber tausend Radeln bohrten fich in sein Gehirn. Er hörte, wie Gradnitz Frau von Recklinhausen zu beruhigen versuchte und die verärgerte Stimme der ältesten Tochter: „Du öarrt ihr nicht alles hingehen lassen, Mama! Wohin soll das noch führen! Sie hätte doch wahr- haKig Platz genug gehabt im Wagen. Run ist sie jedenfalls zum Ucbermaß erhitzt, bis sie nach Cglofstein kommt, und mich solls nicht wundernehmen, wenn fie nicht schon ein Bad genommen hat, bis wir dort eintreffen.“ Malnow hörte nichts weiter mehr. Er ließ den Pferden die Zügel locker, daß sie nur so dah 7 agten. Die Vorwürfe, die er sich machte, waren Legion: Warum bin ich nicht gut zu ihr gewesen? — Warum habe ich den Hengst nicht an den Wagen genommen? — Dann hätte sie ihn nicht haben können. Sie wollte die Stute, die er ihr gesattelt hatte, nicht reiten, um ihm nicht für eine Gefälligkeit danken zu müssen. Und der Sprung über den Graben war auch nur aus Trotz gegen ihn getan worden. Wenn er mißglückt wäre? Er mußte ein zweites- mal die Augen schließen. Sie tot vor sich zu feßen, das wäre über seine Kraft gegangen. Und bann ihre Frage, es wäre wohl schade gewesen um den Hengst! Die Pferde verfielen jetzt in einen langsamen Trab, da es bergauf ging. Burg Eglofstein, ein beliebter Ausflugsort der Umgebung, wuchtete mit verwitterten Mauern vor den Blicken hoch. Er verspürte, wie das Blut in seinen Adern wieder in normalem Zeitmaße zu rinnen begann. Unter dem breitausladenden Tor stand Suse und schwenkte ein Büschel Birkengrün. Obwohl sie an ihm vorüber sah, als er in vorsichtiger Geschäftsganges jah fich eine Brauerei veranlaßt, weiterhin hir;;uarbeiten. Verfügbar waren 752 Pe> - fonen, gegenüber 773 des Vormonats und 1364 de» Vorjahres. Bekleidungsgewerbe. Der Beschäftigungsgrad hat in der Derichts- zeit keine Steigerung erfahren. Die Schuhindustrie klagt über Auftragsmangel und arbeitet mit verminderter Belegschaft kurz Auch in den übrigen Berufen des Bekleidungsgewerbes wird über Arbeitsmangel geklagt. Die Arbeitsuchendenzahl betrug 438, gegenüber 441 des Vormonats und 449 beS Vorjahres. Gesundheit»- und Körperpflege. Die Bade- und Kurverwaltungen haben für die Reinigungsarbeiten in den Badehäusern Putzfrauen angefordert. Im übrigen ist der Beschäs - tigungsstand unverändert geblieben. Wir zählten 120 Arbeitsuchende, gegenüber 133 des Vormonats und 121 des Vorjahres. Baugewerbe. Die ungünstige Marktlage des Baugewerbes hat im Berichtszeitraum keine Besserung erfahren. Da diese Berufsgruppe bei den Außenarbeiten ganz von den Witterungseinflüffen abhängig ist und Bauvorhaben zur Zeit noch nicht vorliegen, dürfte mit einer wesentlichen Entlastung des Baumarktes noch nicht zu rechnen fein. Rur in den Kurorten werden z. Z. Reparaturarbeiten durchgeführt. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 3478, gegenüber 3349 des Vormonats und 3804 des Vorjahres. Gast- und Schankwirtschaftsgerverbc. Die Gastwirtschaftsbstriebe klagen allgemein über schlechten Geschäftsgang. Die Betriebe in den Kurorten halten mit der Anforderung von Arbeitskräften noch zurück, da man abwarten Will, wie fich die Inanspruchnahme der Bäder durch die Kurgäste, sowohl des Inlandes als auch des Auslandes/ in diesem Jahre gestaltet. ES standen dem Arbeitsmarkt 211 Arbeitsuchende zur Verfügung, gegenüber 233 des Vormonats und 144 öc£ Vorjahres. verkehr »gewerbc. Im Derkehrsgewerbe sind kaum BeschäftigungS- möglichkeiten vorhanden. Die Reichsbahnbehörden haben Einstellung von Zeitkräften noch nicht vorgenommen. Den Arbeitsmarkt belasteten am Ende der Derichtszeit 718 Personen, gegenüber 681 des Vormonats und 769 des Vorjahres. Lohnarbeit wechselnder Arl. Die Marttlage hat sich in der Derichtszeit Weiterhin verschlechtert. Außer einigen Meliorationsarbeiten, die von verschiedenen Gemeinden durchgeführt werden, besteht zur Zeit kaum Arbeitsmöglichkeit. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 3229, gegenüber 3084 des Vormonats und 2877 des Vorjahres. Angestelllenberufe. Der Stellenmarkt für Angestellte hat im Monat Februar keine wesentliche Aenderung erfahren. Als stellensuchend meldeten sich 1143 Personen, gegenüber 1131 des Vormonats und 799 des Vorjahres. Berufsberatung. Für den Berichtsmonat sind 411 Beratungen von 166 Ratsuchenden (103 männlich, 63 Weiblich) zu verzeichnen. In der Zahl von 246 Wiederholten Beratungen kommt die Unsicherheit der Derufsverhältnisse und die schwerer gewordene, oft erst nach mehreren Besuchen zu entscheidende Berufswahl zum Ausdruck. Die infolge der Heberfüllung in allen Berufen verständliche. Wenn auch in ihrem Erfolge nicht immer als zweifelsfrei empfundene Derufspolitikder Der* Wendung durch das enge Gemäuer in den Burghof bog, hätte er doch im ileberfdjwung der Freude jeden Stein küssen mögen, der ihren Füßen Stütze bot. „Er ist Wirklich ein taktvoller Rkensch", urteilte Frau von Recklinhausen, als Malnow, nachdem die Pferde ausgeschirrt Waren, die Frage an sie richtete, Wann die Herrschaften zurückzufahren Wünschten. Er Wolle sich dann inzwischen die Umgebung etwas ansehen. „Wollen Sie sich nicht zu uns sehen?" lud sie freundlich ein. „Sie stören ganz gewiß nicht." Er dankte mit einem hilflosen Lächeln, das sie ungemein schmerzlich berührte. Sie würde ihn liebhaben und mit Freude an ihr Herz nehmen, Wenn Lenore ihn ihr als Schwiegersohn brachte. Aber ihr Kind "trug noch schwer an dem erfahrenen Leid und Würde sobald keinem anderen Manne mehr vertrauen können. Ihr Blick fiel auf Suse, die sich eben über Gradnitz' Achseln lehnte, um irgend etwas, das er erzählte, besser zu hören. Wenn sie sich ihn als Vater ihrer Töchter vorstellte, begann ihr Herz in dumpfer Beklemmung zu pochen. Ob Suse darüber Hinwegkommen Würde? Lenore hatte Wohl nur einen ergeben stummen Blick des Vorwurfes für fie, und Margret Würde es als eine verrückte Schrulle bezeichnen, daß sie, die Dreiundvierzigjährige, eine zweite Che eingehen Wollte. Sie hatte gar nicht darauf geachtet, daß Malnow fich verbeugte und dem Tore zuschritt. Rur Sufes Augen folgten ihm unter yaldverdeckten Lidern. Sie sah, Wie er links einbog und die Anhöhe hinaufging. Das War ihm ähnlich, daß er sich nicht einmal einen Trunk Bier gönnte und nüchtern, wie er gekommen War, Wieder nach Hause fuhr. Für sechs Uhr hatte Frau von Recklinhausen den Wagen zur Wegfahrt gewünscht. Pünktlich, eine Viertelstunde früher, trat Dieter durch die Tür der Stallung. Er hatte die zwei Stunden, die er oben am Waldrande gelegen hatte, zu nichts anderem benützt, als immer und immer Wieder sein Gehirn anzustrengen; Was tue ich. daß sie es aufgibt Wieder nach Hause zu reiten. Gewiß, sie War auf dem Rücken der Pferde kein Reuling. 3m Sattel nahm sie es mit jedem von dem Gute auf. Aber der Hengst War ein Luder! Ein ganz verschlagenes, heimückisches Biest, das den Sprung über den Graben todsicher auch nur aus irgendeiner Laune heraus getan hatte. Ein zweites Mal tat er ihn todsicher nicht mehr. Lieber brach er sich und der Reiterin den Hals. Plötzlich griff er sich an die Stirne. Wie dumm, daß ihm das nicht eher eingefallen war. Wenn er den Hengst an den Wagen nahm, mußte sie die Stute reiten. (Fortsetzung folgt.) t-oriin MM? /s .-'•?■• '.'J schlossenen Tür, verursacht vielen Eltern grobe Sorgen. Auch die zur Schulentlassung kommende und studierende Jugend erhebt Anspruch, ins Berufsleben eingereiht zu werden. 3m Fri- feurgewerbe machte die Neuregelung der Lehrlingshaltung ©tnftellungen wieder rückgängig und Ilmberatungen notwendig, wie auch die verschärfe ten Auslesebestimmungen für die Studienratslaufbahn unter Verlust mehrerer Semester Fakultätswechsel veranlaßt. Eine große Anzahl von Besuchern waren Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten, Akademiker und ältere Ratsuchende. Rat und Auskunft wurden über 45 verschiedene männliche und 16 weibliche Berufe gegeben. Etwa 18 Prozent der Ratsuchenden hatten keinen bestimmten De- rufswunsch. Die Streuung der Derufswünsche ist bei den Knaben größer als bei den Mädchen, von denen rund die Hälfte in kaufmännischen Berufen, als Schneiderin und Hausgehilfin, Unterkommen sucht. In 21 Fällen wurden schriftliche Gutachten und Auskünfte gegeben; 9 Derufsanwärter(innen) mußten einer besonderen ärztlichen Untersuchung unterzogen werden. Zur Reuanmeldung kamen 33 offene Lehrstellen (26 für Knaben, 7 für Mädchen); 32 Knaben und 4 Mädchen wurden in Lehrstellen vermittelt. In den Autzenbezirkssprechstunden fanden 106 Beratungen, sowie 8 Lehrstellenvermittlungen statt. Vorder- und Rückseite des neuen Goethe-Dreimarkstückes. Gießener Wocherrmarkthlveise 120, darf. hat aus von Elf BfB.-Gießen Viktoria- Eckenheim in Gießen zu Gast. 3m Dienste -er Fliegerei. Wieder ein erfolgreiches Jahr des Gießener Vereins für Lustfahrt. Matte 25—30 Pf. das Pfd., Käse 5—10, Eier 8 Pf. das Stück, Wirsing 10—25, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 10—15, Gelbe Rüben 10—12, Rote Rüben 10—12, Spinat 25—30, älnter-Kohl- rabi 5—8, Grünkohl 15—20, Rosenkohl 25—35, Feldsalat 100—150, Tomaten 50--60, Zwiebeln 18 bis 20, Meerrettich 30—60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kartoffeln 4, Aepsel 8—15, Dirnen 10 bis 12, Dörrobst 25-30, Honig 40—50, Rüsse 35—40, Iunge Hähne 80—90, Suppenhühner 70 bis 80 Pf. das Pfund, Tauben 60—70, Blumenkohl 30—70, Salat 25- 35, Endivien 15—30, Ober- Kohlrabi 8-10, Lauch 5—10, Rettich 10—15, Sellerie 10—40 Pf. das Stück, Radieschen 15 bis 20 Pf. das Bund, Kartoffeln 3,00-3,50, Weißkraut 6,00—6,50, Wirsing 15,00—18,00, Rotkraut 8,00—10,00 Mk. per Zentner. Daren für Samstag, 19. März. Sonnenaufgang 6.32 Uhr, Sonnenuntergang 18.38 Uhr. — Mondaufgang 14.28 Uhr, Monduntergang 5.25 Uhr. * 1813: der Asrikaforscher David Livingstone in Dlantyre geboren; — 1849: der Großadmiral Alfred von Tirpitz in Küstrin geboren; — 1873: der Kom- ponist Max Reger zu Brand in der Oberpfalz geboren; — 1930: der englische Staatsmann Lord Arthur Balfour in London gestorben. Im Frühjahr 1931 wurde, mit dem Flughafen Gießen als Standort, die Sü dw est - deutsche Sportflieaervereintgung von Mitgliedern des Deutschen Lustsahrl-Ver- bandes als selbständige Motorfliegergruppe des Vereins für Luftfckhrt in Gießen gebildet. Diese Gruppe hat die Aufgabe, Vereinsmitglieder als Flugzeugführer auf Motorflugzeugen auszubilden und durch Flugtage für den Flugsport zu werben. Diese Flugübungsstelle ist nach den Richtlinien des Deutschen Luftfahrt-Verbandes errichtet und von dem Ausschuß für Motorflugzeuge anerkannt worden. Leiter der Gruppe ist Fluglehrer Maier. Der Gruppe stehen fünf Flugzeuge zur Verfügung, von denen drei der Flugübungsstelle Gießen, eins der Flugübungsstelle Friedberg und eins der Flugübunasstelle Wetzlar gehören. Diesen Ausbau der Fliegerei in Gießen verdankt bet Luftfahrt-Verein dem Entgegenkommen und der Unterstützung durch die Luftverkehr-AG. Oberhessen-Lahngau in Gießen. Durch die Zusammenfassung dieser Bestrebungen auf dem Gießener Flughafen hat dieser über die Grenzen unserer Stadt hinaus an Bedeutung gewonnen. Das Ziel dieser Einrichtung ist, immer mehr junge Leute im Segelflug und im Motorflug auszubilden. Dis zum 1. Oktober v. I. wurden hier bereits 2 0 Flugschüler ausgebildet. Interessant ist in biefem Zusammenhänge, daß bei Anfragen von auswärts aus Studentenkreisen der Defuch der Universität Gießen abhängig gemacht wurde von der Möglichkeit, hier neben dem Studium auch als Flieger ausgebildet zu werden. Gegenüber Frankfurt und Darm- stadt hat Gießen auf diesem Gebiete einen Vorsprung zu verzeichnen. In den letzten Wochen ist es dem Gießener Der- ein für Luftfahrt gelungen, auch inGrünbera Lrch und Lauboch Segel f liegergr up- P e n mit regem Arbeitseifer ins Leben zu rufen ble S.u den besten Hoffnungen berechtigen. Als künftige Aufgabe sieht der Verein für Luftfahrt die Schaffung wirksamer Luftschutz-Möglich- ketten vor, ferner den Dau von eigenen glua- L" gen. soweit ihm dabei von interessierter Seite ausreichende Unterstützung zuteil wird. Der Verein rechnet zur Verwirklichung dieser Pläne vor allem aus bie eifrige Mitarbeit feiner Flieger ätuÄwT D|,|et,Ku6i8ri Butzbach, tritt gegen die 1. Iugend des DfR. an und wird schwerlich mit einem Sieg zurückzuerwarten sein. Die 2. Iugend spielt gegen die 1. Iugend der Spielvereinigung Leihgestern auf des Gegners Platz. Die 1. Schüler empfangen auf eigenem Spielfeld die 1. Schüler des Lokalrivalen. Die beiden eifrigen Mannschaften dürften sich gegenseitig kaum etwas nachgeben, so daß der Ausgang dieser Lokalderbys in Miniaturausgabe kaum vorherzu» sagen ist. Spielvereinigung 1900 Gießen. Und abermals in Wetzlar ... Nachdem die 1900er schon am Sonntag in Wetzlar zu Gast waren, die Mannschaft des Sportclubs Wetzlar-Niedergirmes mit 4:0 besiegten und sich damit ihren zweiten Platz in der Tabelle sicherten, gilt der morgige Kamps wieder einer Wetzlarer Mannschaft, diesmal der des Sportvereins, die den 1900ern auch schon manchen hartnäckigen Kamps geliefert hat. Das Do. spiel, das auf dem Platz der Spielvereinigung ausgetragen wurde, endete nach hartem Kampf unentschieden 2:2. Das bevorstehende Spiel aus dem Platz des Gegners wird ebenfalls hohe Anforderungen stellen, denen die Dlauweißen aber völlig gewachsen fein sollten. Die Mannschaft des Wetzlarer Sportvereins pflegt, wie der Lokalrivale aus Niedergirmes, ein hohes und wuchtiges Spiel man ist ganz auf Erfolg eingestellt, spielt u. 11. mit dem Einsatz aller Körperkraft und stellt damit den Gegner auf eine harte Probe. Die vorzügliche Form allerdings, in der sich die 1900er zur Zeit befinden, sollte jedoch ausschlaggebend fein, und den Gießenern einen knappen aber sicheren Sieg erringen losten. Die Zweite (Ligareserve) hat die Erste von Steinbach, die 4. Mannschaft die 2. Mannschaft des gleichen Vereins zum Gegner. Die 1900er sollten bei aller Achtung vor dem Können der Gäste doch ein Plus in technischer Hinsicht für sich haben, das ihnen den Sieg nicht allzuschwer erringen läßt. Die Lehrmannschaft hat sich in der Ersten der Spielvereinigung Leihgestern einen gefährlichen Gegner verpflichtet und wird alles aufbieten müssen, wenn ein Sieg errungen werden soll. Die 5. Mannschaft tritt gegen die Zweite von ßeif)geftern an. Der Ausgang dieses Spiels ist kaum vorherzusagen. Jugendspiele. Die erste und die dritte Jugend fahren mit der Liga nach Wetzlar, um gegen die erste und zweite Iugend des Sportvereins Verbandsspiele auszutragen. Die Jugendlichen der Spielvereinigung die schon in den vorhergehenden Spielen nicht schlecht abschnitten, sollten sich auch diesmal nicht so ohne weiteres in den Hintergrund drängen lassen. Allerdings bedarf es allen Eifers, den die Iugendlichen von 1900 in der letzten Zeit manchmal vermissen ließen. Die 1. Schülermannschaft tritt gegen die 1. Schüler des VfB. an. Die 2. Schüler empfangen auf eigenem Platz die 1. Schüler von Leihgestern. FC,/Teutonra"Wahenbom-Sieinberg Die 2. Mannschaft empfängt zum Gesellschaftsrück- spiel die 1. des SpV. Lich. Die Gäste verfügen über eine sehr gute Mannschaft, die auch in den Verbandsspielen keine schlechte Figur machte. Das Vorspiel in Lich endete mit einem 3: 0-Sieg der Platzmannschaft. Da der Gastgeber komplett antritt, sollte er in der Lage sein, das Vorspielresultat zu korrigieren. Die Jüngsten — die Schülermannschaft — fahren zum Verbandsrückspiel nach Lich. Das Vorspiel endete 1:1. Sportverein Heuchelheim. Die 1. Fußballmannschaft des Sportvereins Heuchelheim, eine Mannschaft, die im vergangenen Jahre noch als Jungmannschaft spielte, empfängt am morgigen Sonntag in Heuchelheim die 1. Mannschaft des FE. „Teutonia" Watzenborn- Steinberg. Die Gäste stellen eine äußerst spielstarke Elf, die gegen verschiedene gute Mann- schäften hervorragend abgeschnitten hat. Die Gäste verfügen über eine Anzahl guter Einzel- spieler, stellen in ihrer Gesamtheit über eine in sich sehr gut zusammenarbeitende Elf dar, die den Gastgebern kaum eine Chance eines Sieges lassen wird. Die Gäste werden nach menschlichem Ermessen bestimmt als Sieger den Platz verlassen Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 20. März. Palmarum. Landes-Buß- und Bettag. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker; 18: Pfr. Mahr. — Johanneskirche. 9.30: Pfr. Ausfeld; zugleich' Militärgottesdienst; Beichte und hl. Abendmahl für die Militärgemeinde; 11: Kinderkirche für die Jo- hannesgemeinde, Pfr. Ausfeld. 18: Pfr. Bechtols- heimer, Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Iohannesgemeinde; 20: Bibelbefprechung; Pfr. Lenz. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. — Elifvbeth-Kleinkinderichule. 9.45: Pfr. llic. Waas; 11: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. llic. Waas. — Klein-Linden. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kinder- gottesdienst. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienft (Kollekte). 13: Ktndergottesdienst. — wieseck. 9.45; 11: Kinderkirche, 19.30: Paffionsandacht; Kollekte — Allen-Bufeck. 10; 13:; Kollekte, 19.30: Pafsions- andacht. — Kirchberg. 10: Kirchberg, Kollekte; 11: hl. Abendmahl für junge Männer und Frauen von Lollar; 13.30: Kirchberg, Kollekte. — Haufen-Gar- benleich. 10: Garbenteich 13: Haufen. — wahen- born-Stelnberg. 13: Hauptgottesdienft; Kollekte, 14: Kinderkirche. — Grüningen. 10: Hauptgottesdienft; 11: Kinderkirche. — Lich. 10: Stiftsdechant Kahn; Kirchengefangverein; Kollekte; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Stiftspfarrer Draudt; Kollekte; 20: musikalische Passionsfeier. katholische Gemeinden. Samstag, den 19. März. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte; von 16 bis 18.30 und 19 bis 21 Uhr wird ein fremder Priester Beichte hören. Sonntag, den 20. März. Palmsonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion des Gesellenvereins und des Jugend- und Jung- männervereins; 8: Kommunion; 9: Hochamt; vor de. Hochamt Palmweihe; 11: Messe; 17.30: Christen- lehr und Andacht. — (Brünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Vortrag und Andacht. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt 20: Vortrag und Andacht. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Dienstag, den 22. März. Gießen. 18.30 Uhr: Fastenandacht. Mittwoch, den 23. März. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. ^oitnmgobunit v.'Netzte n.^duotbeh n am 20..L32 Dr. Wolff. Dr. Meyerhofs. Pelikanavotbeke. fiabnarzt: Dr. Schöttler. 9D • Gießen, 19. März. Es kosteten auf dem heutigen Wvchenmarkt; Kochbutter das Pfd. von 90 Pf. an, Süßrahmbutter 130, Landbutter Die hessische höhere Bauschule Bingen a. Rh., die von 5 Jahren anläßlich ihres 30jährigen Bestehens seitens der hessischen Regierung zur solchen ernannt wurde, ist eine Fachschule, die Gewerbetreibenden, die sich zu Baugewerksmeistern oder Unternehmern ausbilden wollen, die technischen Kenntnisse vermittelt, ferner zu den mittleren technischen Laufbahnen der Behörden, Kommunen, Städte, wie auch des privaten Baugewerbes vorbereitet. Das Sommersemester beginnt am 31. Mürz. Die Aufnahmebedingungen sind wie an preußischen höheren technischen Staatslehranstalten und anerkannten Bauschulen. Programm und Auskunft kostenlos durch die De- rektion. 2165V Die hessische Maschinenbaufchule der Technischen Lehranstalten Offenbach am Main eröffnet ihr neues Schuljahr am 4. April 1932. Die Schule wird vom Staat Hessen und der Stadt Offenbach betrieben und untersteht staatlicher Leitung. Sie verfügt über einen reichen Laboratoriumsapparat, namentlich auch auf dem Gebiete der Elektrotechnik. 1788V Die Technischen Lehranstalten in Offenbach a. M. versenden getrennte Prospekte für ihre drei Schulen, Kunstaewerbeschule, Hessische Höhere Bauschule und Hessische Maschinenbauschule. Ich bin zur Rechtsanwaltschaft bei den hiesigen Gerichten zugelassen. Mein Büro befindet sich FRANKFURTER STRASSE 1 p. (im Hause Hettler). FERNSPRECHER 3960. DR. KARL KRÄMER Rechtsanwalt 01779 Wer Dr. Diehl einmal 0/e e/6f traten hat - kauft 'immer wieder Dr. Diehl - weil sie bequem und doch schön sind? dal Und vor allem: weil d e durch Luffa gepolsterte Unterstützung des Mittelfußgewöloes die Füße jüngeru.lauffreudiger macht Preislagen: Damenschuhe von 15.- bi> 17.-, Herrenstiefel von 18.- an Nur im 2195d Scbnhhaus Bernhardt Vogtsche Privat-Handelsschulen Gießen und Herborn Beginn des neuen Schuljahres: 7. April L Höhere Handelsschule für Schüler mit Obersekundareife. Dauer: 2 Semester. 2. Handelsoberklasbe für Schüler mit höherer Schulbildung. Dauer: 1 oder 2 Semester. 3. Zweijährige Handelsschule für Schüler mit achtjährigem Schulbesuch. 4. Einjährige Handelsfachschule. 5. Einhalbjährige Handelsfachschule. 6. Einzelfächer. Durchgreifende theoretische und praktische Ausbildung für die kaufm. Praxis und die Beamtenlaufbahn — 70 Unterrichtsmaschinen — Übungskontor. Anmeldungen mündl. oder schriftlich erbeten in Gießen. Goethestraße 32 Herborn (Ehern. PräparandenanstalO. Auskunft und Prosp. kostenlos d. die Direktion. 2189 A 1807 A Frankfurt am Main Vllbeler Straße 29 Oster, finftM- d’& Sü D D EUTSCH E E L-1 NDUST R1 E GEBReTR.E EIGER. «•*'■* RASTATT VERKAUFSSTELLEN INt FRANKFURT" F1EIBUR.G-» KARLSRUHE • KON STANZ-MANNHEIM RFORZHEIM • iASTAH-STUnöAKT Es liefert prompt und äußerst billig Ackerwalzen in allen Ausführungen Cambridgewalzen, Ringelwalzen einfach und dreiteilig Glattwalzen sowie alle Geräte für die Frühjahrsbestellung Drillmaschinen, Düngerstreuer Kultivatoren, Eggen, Ulmer Pflüge usw. A.J.Tröster, Butzbach 218 D Bekanntmachung. Betr.: Prüfung der Geschäftsstenographen. Am Sonntag, dem 8. Mai d. vormittags 9 Uhr, findet im Sitzungssaal der Industrie- und Handelskammer Gießen. Lonystroße 7, eine Prüfung der Geschäfts stenographen statt. Geschrieben wird nur in der Einyeitskurzschrist, und zwar in den 'Abteilungen 150, 180, 200, 220 und 240 Silben. Außerdem wird eine Vorprüfung in der Geschwindigkeit von 120 Silben ab gehalten. 2190D Die Gebühren betragen 2 RM. für die Hauptprüfung und 1 RM. für die Vorprüfung: sie sind mit der Anmeldung (Angabe der Silbenzahl) zu entrichten, welche bis zum 25. April 1932 bei dem Sekretariat zu erfolgen hat. Wer die Uebertrogung in Maschinenschrift herstellen will, hat die Maschine selbst zu stellen. Gießen, den 19. Marz 1932. Industrie- und Handelskammer Gießen. 9.23.: Ludwig Grießbauer. Mobiliar-,.. Verfteiseruns Montag, den 21. März, ab 9 3- Uhr, versteigere ich zu Bad°Naulieint, im Burk'schen Taale, Reinlinrdslraße 2, freiwillig gegen Barzahlung: Tas gesamte Mobiliar und Inventar einer Herrschaftswobnung. 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Übergang a.Shess. ömLehranst., dadurch risikofrcieOII-Bellen.Abilnr.Dancben:allc Handelsschulfächer f. kaufm. u. gewerbl. Bcrufe.BesteEmpf.Prosp.iLErfolgverz.fr. Tages-und Abendkurse im Nähen von Wäsche, Kleidern und allen Handarbeiten Auch werden Kleiderund Wäsche angefertigt und gestickt. 01745 Beginn der Kurse am 1. April 1932 Elli Zecher -Dammstr. 24 Hess. Hüb. Bauschule Bingen/Rh. Hoch- und Tiefbau Nachtrag , zur Gebührenordnung betreffend die Erhebung von Gebühren für die Reinigung der Straßen und Plätze in der Stobt Gießen. Oie Gebührenordnung betreffend die Erhebung von Gebühren für die Reinigung der «fraßen und Platze in der Stadt Gießen vorn 1. Juni 1929 wird auf Bc- chluß des Stadtrats vorn 29. Januar 1932 nid mit Genehmigung des Herrn Mini- ters des Innern vom 24. Februar 1932 zu Nr. M. d. I. 22 388 wie folgt geändert. 8 1. Der § 3 erhält folgende Fassung: Die nach § 3 der vorstehenden Orts- atzung zu erhebende Strahenreinigunas- zebühr wird aus 28 Rpf. für das Jahr für je einen Quadratmeter Reinigungssläche festgesetzt. 2201C 8 2. Dieser Nachtrag zur Gebührenordnung tritt mit Wirkung vom 1. April 1932 ab in Kraft. Gießen, den 10. März 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. D.: Dr. Hamm. Nachtrag zur Gebührenordnung für die Benutzung der städtischen Kanäle in Gießen. Die Gebührenordnung für die Benutzung der städtischen Kanäle in Gießen vom 19. April 1924/20. April 1931 wird auf Beschluß des Stadtrats vom 29. Januar 1932 und mit Genehmigung des Herrn Ministers des Innern vom 22. Februar 1932 zu Nr. M. d. 9. 22 387 wie folgt geändert: § 1. Der S 1 Absatz 1 erhält folgende Fassung: Die jährliche Gebühr beträgt 1 Rpf. für jeden Quadratmeter arundbuchmäßigen Flächeninhalts der angeichlossenen Liegen- schnsten und 1,00 RM. für 1000 RM. des Brandoersicherungswertes der darauf befindlichen Gebäude. § 2. Dieser Nachtrag zur Gebührenordnung tritt mit Wirkung vom 1. April 1932 in Kraft. 2200C Gießen, den 10. März 1932. Bürgermeisterei Gießen. 9. V.: Dr, Hamm. Temusptähe. Die städtischen Tennisplätze (Liebigshöhe und Schützenhaus) werden für die Spielzeit 1932 vermietet. Anmeldungen sind unter Angabe der gewünschten Tage und Zeilen im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer Nr. 10, einzureichen. 2083C Die vorjährigen Mieter erhalten tunlichst ihre alten Plätze wieder zugeteilt, falls sie bis zum 26. März 1932 entsprechenden Antrag stellen. Gießen, den 15. März 1932. Bürgermeisterei Gießen. 9. D.: Dr. Seid. Letzte WWpvelskelgerW der Staöt ßlefien 101.1932. Aus den Waldungen der Stadt Gießen ollen am Mittwoch, 30. März 1932, 10)z Uhr beginnend, in der Gastwirtschaft „Zur Liebigshöhe" in Gießen versteigert werden: 543 St. Fichtenlangholz, N, 1b = 165,38 fm 57 „ „ N, 2a - 35,57 „ 82 „ „ N, 2b = 80,05 „ 31 „ „ N, 3a = 40,59 „ 10 „ „ N, 3b = 15,18 „ 1 „ „ A, 4a = 1,06 „ 94 „ Kiefernlangholz, N, 2a = 55,52 „ 140 „ „ N, 2b = 119,63 „ 23 „ „ N, 3a = 24,47 „ 5 „ „ N, 3b = 6,95 „ 34 „ Kiefernabschnitte, N, 2a—4a = 21,45 „ 1 „ Kiefernabschnitt, A, 4a = 1,19 „ 98 „ Eichenstammholz, N, 2. Kl. = 30,91 „ 17 „ „ N, 3. Sl. = 12,71 „ 15 „ Eichenstammholz, N, 4., 5. u. 6. Kl. = 17,12 „ -laufe Brillantring ficgett sofortige Barzahlung. Schriftliche Angebote mit Preis unter 01619 an den Das Reformhaus Kreuzplatz 5 ist bis Mittwoch wegen Neueinrichtung Anfg.: Sommersem. 31. März — Auf- nahmebed. wie an vreuß. Höh. tedin. Staatslehranstalten u. aiterf. Bauschulen. Programm kostenlos.2165V Aufentbalt im schönen Vogelsberg! KyJhäuter-Technikum Bad Frankenheuten, Kyftb. Promamro anlB'der?. 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Das Nadelholz (mit Ausnahme der Stangen, Nutzscheiter und Nutzknüppel) ist entrindet und ohne Rinde gemessen: das Eichenstammholz ist ebenfalls ohne Rinde gemessen. 2082C Die Holzgeldschuldigkeiten können bis 11. November 1932 gestundet werden. Es werden gegebenenfalls auch schriftliche Angebote, die bis zum 30. Mär; 1932, 8 Uhr, bei uns cingegangen sind, berück- sichtigt. Losceinteilungcn nebst Lerkaussbedin- gungcn werden unentgeltlich von der Bürgermeisterei, Zimmer 18, abgegeben. Gießen, den 15. März 1932. Bürgermeisterei Gießen. _____I. D.: Dr. Rosenberg.______ Jagd-Verpachtung. Dienstag, den 29. März 1932, nachmittags 2 Uhr, soll auf dem Rathause zu Lang-Göns die Gemeindejogd zum zweitenmal verpachtet werden. Die Jagd wird in drei Bezirken ausgeboten. Sie umfaßt 400 Hektar Wald und zirka 1000 Hektar Feld. Die Bedingungen werden vor der Versteigerung bekanntgegeberi. 2198D Lang-Göns, den 18. März 1932. Hessische Bürgermeisterei Lang-Göns. Rompf. geschlossen! Geschäfts-Drucksachen 5®c_lnu.n°en BrlefblStter Briefumschlag* IPostkarten bei Brühl, SchulstraDe? Geschäfts karten Sie alle kennen das Bild von der bekannten Cigarette „Königin von Saba“. Es ist das Porträt des populären Seniorchefs des Hauses Garbäty. Sie sollen einmal nichts über die bei uns selbstverstän dliche Qualität .Reinheit und Frische der Cigaretten hören, sondern etwas von diesem Mann erfahren. Er schuf 1881 die Cigarette ,.Königin von Saba‘ die schon ein halbes Jahrhundert überdauert hat und heuteTausenden Arbeit, Millionen Genuß gibt: Die echte Kuchen in Schleiflack oder naturlasiert, Tisch mit Linoleum und 2 Stühlen OQK_ 1Q5_ Büfett mit Kühlschrank und Brotschrank 2164 A BETTEM-BÄR • GIESSEN Marktstraße 29 Lieferung frei Haus Seltersweg 20 125.- GOETHE-BUND Montag,den 21.März 1932,abends 8 Uhr, Neue Aula: GOETHE-GEDENKSTUNDE Ludwig Wiillner Karten bei Challier und an der Saalkasse [2188 d Knabeninsiitui Lucius Forsthnus bei Edizell (Oberhess.) 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