Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. General-Anzeiger für Oberhessen Druck Md Verlag: »kühl',che Universtläts-Vuch- unö Steindruckerei K Lange in Sieben. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7. M.245 KvüBausgabe (82. Jahrgang Dienstag, (8.Oktober (932 GietzenerAnzeiger NanSnolen. Der frühere preußische Finanzminister Dr. Klepper hat doch wohl richtig gewittert, daß es nicht gut angeht, die schweren Beschuldigungen die gegen ihn im Untersuchungsausschuß des preußischen Landtags erhoben worden sind, auch nur einige Tage unwidersprochen zu lassen. Er hat also nicht gewartet, bis er selbst vor dem Untersuchungsausschuß vernommen wird, sondern vorgezogen, die Flucht in die Oeffentlichkeit anzutreten. Aber was Dr. Klepper bei dieser Gelegenheit ausgeführt hat, ist in keiner Weise geeignet, ihn zu entlasten. Daß er die Beschuldigungen in Bausch und Bogen zugegeben hat braucht nicht ein Beweis persönlichen Mutes und eines guten Gewissens zu sein, denn die Beschuldigungen sind ja auf Grund amtlichen Materials erhoben worden. Dr. Klepper gibt sich die Mühe, zu vergessen, worum und um was es sich eigent- lich^ handelt. Wenn Dr. Klepper auch zehnmal Präsident der Preußenkasse gewesen sein mag, so wer er weder als Präsident noch als preußischer Finanzminister befugt, irgendwie überGelder der Preußenkasse zu Zwecken zu verfügen, die nicht durch dieSatzungender Preußenkasse gedeckt sind. Er war noch weniger befugt, diese Gelder anzugreifen, als ja Von Anfang an feststand, daß sie nicht wieder zurückgezahlt werden sollen, daß es sich also um einen Mißbrauch staatlicher Gelder handelt. Um staatliche Gelder, also um Mittel der Steuerzahler, handelt es sich auf alle Fälle, denn das Aktienkapital der Preußenkasse ist ja in der Hauptsache vom Reich und von Preußen eingeschossen worden. Es trifft auch nicht zu, daß in einer parlamentarischen Demokratie eine Regierung, zumal dann, wenn sie so ausgesprochen parteipolitisch aufgezogen ist, wie es die verflossene Regierung Braun-Severing war, staatliche Gelder zu parteipolitischen Zwecken verwenden darf. Erschwerend kömmt in diesem Falle hinzu, daß, während Dr. Klepper mißbräuchlich staatliche Gelder für Beeinflussung oder Unterstützung einzelner Organe der öffentlichen Meinung verwandte, auf der anderen Seite die Regierung Braun-Severing mit allen Mitteln der Staatsgewalt die oppositionellen Organe zu unterdrücken suchte. So ist es Tatsache, daß die Verschärfung der Presse- notverordnung im Herbst 1,931 vornehmlich deshalb geschah, um rechtsgerichtete Zeitungen und Rachrichtenbureaus durch Verbot lahmzulegen, um damit aber auch gleichzeitig den von der früheren preußischen Regierung unterstützten Zeitungskorrespondenzen frei von jedem Wettbewerb den Weg in die Presse KU ebnen. Die gleichen Gründe, die Klepper für die älnterstühung der Kölnischen Volkszeitung mit 2,3 Millionen Mark angegeben hat, hätten auch noch viele andere Zeitungen, die keine Tlnterstützung erhalten haben und erhalten konnten, vorbringen können. Daß eine Entlastung des Arbeitsmarktes eingetreten ist, kann nicht bestritten werden, aber der Versuch, diese Entlastung als jahreszeitmäßig bedingt hinzustellen, mit Rücksicht auf das Weihnachtsgeschäft, wird widerlegt durch die Tatsache, daß in den Krisenjahren 1930'31 der September und Oktober einen jähen Aufstieg der Zahl der Krisenopfer gebracht haben. Es mag auch ,ein. daß eine gewisse Entlastung der Arbeitslosenversicherung und der Krisenfürsorge durch die Verschärfung der Bedürftigkeitsprüfung erreicht worden ist, aber gerade das war unvermeidlich, um den wirklichen Krisenopfern auch für absehbare Zeit eine angemessene Unterstützung zuzusichern. Nichts spricht dagegen, daß die tatsächliche Entlastung des Arbeitsmarktes auf den Wirtschaftsplan der Reichsregierung zurückzuführen ist, wobei ausdrücklich festzustellen ist, daß auch die Urheber des Wirtschaftsplanes nicht erwartet haben, daß die Entlastung des Arbeitsmarktes und der Aufstieg der Produktion sich von heute auf morgen bis zur äußersten Grenze auswirken müssen. Die Reichsregierung hat die Ankurbelung der Wirtschaft, auf zwölf Monate bemessen, was aber nicht bedeutet, daß dann alles zu Ende sein soll. Im Gegenteil, der Zweck der Hebung ist, die Wirtschaft zunächst aus der Erstarrung zu lösen, ihr die Bahn freizumachen, um durch Einsatz ihrer ganzen Energie den Aufstieg weiterzutreiben. Soviel Kritik und Mißgunst auch um die S t e u e r s ch e i n e aufgehäuft worden sind, es gehört doch böser Wille dazu, um nun zu behaupten, daß die Gesamtsumme von 2,2 Milliarden Mark auf einmal eingesetzt worden sei. So wirtschaftsfremd sind die Hrheber des Wirtschaftsplanes nicht gewesen, um die ganze Summe, wie das die Voraussetzung von anderen Arbeitsbeschaffungsplänen ist, auf einmal einzusehen. Die Dinge sollen sich doch vielmehr so entwickeln, daß im Ablauf von zwölf Monaten nach und nach, das heißt, je nach Steuerfälligkeit, sowie nach Reueinstellung von Arbeitern Teile der Gesamtsumme mobilisiert werden können, wobei immer tokacr' zu beachten ist, daß diese Mobilisation nicht in der Schöpfung neuer Geldzeichen bestehen soll. Durch das vorsichtige Abwägen wird erreicht, daß die Zuführung von Betriebskapital in Form von Steuergutscheinen nicht einer Kampfersprihe gleicht, also eine künstliche Aufblähung hervorruft, um dann alles sofort wieder in sich zu- sammenfallen zu lassen. Schrittweise soll die Ankurbelung vor sich gehen, soll also den Boden sichern, auf dem weitergebaut werden kann. Selbst wenn in der ersten Hälfte des Oktober sich eine zahlenmäßig erhebliche Ent- Das Zentrum eröffnet den Wahlkampf. Scharfe Angriffe des Prälaten Kaas gegen das Kabinett Papen. Münster, 17. Oft. (TH.) Vor der Münsteri- fchen Zentrumspartei sprach Prälat Kaas über die Stellung des Zentrums im kommenden Wahlkampf. Kaas behandelte weiter die Vorgänge nach dem Sturz der Regierung Brüning. Er, Kaas, habe dem Reichspräsidenten gegenüber in eindeutigsten Worten die sogenannte Totallösung, das heißt, eine Kabinettsbildung unter Einbeziehung der Rationalsozialisten, als die einzig tragfähige und der Gesamtlage entsprechende Lösung bezeichnet. Die eigene Beteiligung für ein so umgebildetes Präsidialkabinett war dem Zentrum gänzlich uninteressant. Das Prioritätsrecht zur Führung solcher Verhandlungen durch den Reichskanzler habe das Zentrum ohne weiteres anerkannt. Seit wann aber seien solche Verhandlungen, wenn sie der Reichskanzler führe, „Wege zur nationalen Konzentration" und wenn andere sie führen, deren Sachlichkeit nicht minder unzweifelhaft sei, „politisches Kulissenspiel"? Daß man nicht die Nerven besaß, die Dinge abzuwarten und sich in Rcudeck Auflösungsorders auf Vorrat anfertigen ließ, um im kritischen Augenblick den Mangel an Regierungsund Verhandlungsgeschick durch ein Mehr von verfassungswidrigen Gewaltmitteln wettzumachen, beweist nur, wie wenig die Regierung innerlich der behaupteten Aussichtslosigkeit der Mehrheitsbildung sicher war. Eine offene Auseinandersetzung mit dem Reichstag hätte die destruktiven Kräfte entlarvt uni) eine über die Mängel und Schwächen des jetzigen Papen-Kabi- netts hinauswachsende Regierung gezeitigt, mit der Deutschland mit sehr viel mehr Zuversicht und nationalem und internationalem Rückhalt in die bevorstehenden schweren Monate hätte hineingehen können. Wo steht nun das Zentrum in diesem Wahlkampf. Aus der ganzen grundsätzlichen Einstellung heraus bejaht das Zentrum gern und überzeugt den „autoritären Staat". Die autoritäre Demokratie ist auch schon unter der Regierung Brüning angestrebt und schrittweise verwirklicht worden. Diese zeitgemäße und trotz größter Schwierigkeiten bewährte Lösung des Regierungsproblems ist von der jetzigen Regierung verlassen worden. Der Konflikt mit dem Parlament allein genügt aber nicht, um ein Bismarck zu werden. Eine Regierung, die sich über den Volkswillen hinwegzusetzen beginnt, ist eine schwache Regierung.^ Zwangsläufig schliddert sie in eine Prestige- und Popularitätspvlitik hinein. Glaubt die Reichsregierung, daß ihre, von der vorsichtigen, aber sachlich unbeirrbaren festen Haltung Brünings abweichende Methode in der Abrüstungs- und Gleichberechtigungsfrage zu einem Erfolg führen kann? Alle innerdeutschen Maßnahmen auf dem Gebiet des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs und vor allem das Ringen um die Beseitigung der Arbeitslosigkeit greifen ins Leere ohne die Wiederherstellung des internationalen Vertrauens. Experimentierende und hasardierende Außenpolitik ist destruktive Innen- und Wirtschaftspolitik. Eine Wirtschaftskonjunktur läßt sich leider nicht durch Notverordnung aus dem Boden stampfen. Graut der Regierung von heute in lichten Augenblicken nicht auch vor den möglicherweise zu erwartenden Explosivwirkungen der Stimmungswende, die einen Mißerfolg der groß und zu groß angekündigten Ankurbelungsmaßnahmen in den enttäuschten Massen auslösen könnte? Beim Start ihres Wirtfchastsprogramms hat die Regierung zudem versäumt, an die Sicherheit der Staatsfinanzen genügend zu denken. Die Reichsregierung treibe einem Zustande zu, der zu einer fortschreitenden Erschütterung der Rechtsgrundlagen und der Autorität des Staates führe. Das Zentrum warnt die Regierung, auf diesem Wege weiterzugehen. Das Zentrum kämpft für den Gedanken des Rechtes, der Autorität und der Freiheit als Grundlagen eines gesunden Staatswesens. Eine in vernünftigen und verantwortlichen Ausmaßen sich vollziehende Fortbildung der Verfassung in Richtung der Disziplinierung findet auch weiterhin 'die Hnterstühung des Zentrums. Wir wollen eine starke Regierungsführung und sind bereit, ihr die verfassungsmäßigen Fundamente schaffen zu helfen. Aber wir glauben, daß das auch möglich ift in Formen, die dem Volke lassen, was des Volkes ist. Pseudoreformen, die auf dem Schleich- Pfade der Derfasfungsinterpretation die Alleinherrschaft einer „hauchdünnen" Schicht herbei- führen sollen, werden in uns überzeugte und unnachgiebige Gegner finden. Wenn schließlich das Versagen der jetzigen Regierungsmaßnahmen erneut zu chaotischen Zuständen führen sollte, so must man sich fragen, ob es der Regierung gelingen würde, noch einmal ein neues Ver- sassungswerk, wie damals in den Tagen von Weimar, zu schaffen. Die gigantische Aufgabe der Wiedererweckung der deutschen Wirtschaft zum Geben wird niemals im blinden und zerstörenden Gegeneinander, sondern nur dem bewußten und schöpferischen Miteinander gelingen. Die Deutsche Zentrumspartei bietet in dieser namenlos schweren Stunde in Sachlichkeit und Ritterlichkeit jedem die Hand, der sie zu verantwortbarer Gemeinschaftsarbeit in ritterlicher Form und Gesinnung entgegenstreckt. Sie weiß nicht, ob der geistige Brückenschlag gelingt. Wenn nicht, so soll es nicht die Schuld des Zentrums sein. Eine Ansprache Brünings. Die Rede des Parteiführers Dr. Kaas in der großen Versammlung der Deutschen Zentrumspartei wurde mit Beifall ausgenommen. Der zweite Vorsitzende, Joos, dankte dem Redner, während in der Versammlung Rufe nach D r. Brüning Lübeck, 17. Okt. (TU.) Dr. Hugenberg führte in Lübeck aus: „Die Regierung Papen hat für die wichtigeren landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu dem Mittel der sogenannten Kontingentierung gegriffen. Gleich ist ein großer Streit entstanden. Ausländische Interessenten ziehen planvoll nach Deutschland gegebene Bestellungen zurück, um die deutsche Exportindustrie einzuschüchtern und gegen die deutsche Regierung und deren Absichten mobil zu machen. Ich sehe es aber deutlich vor Augen, wie gerade Handel und Industrie bald die Einführung eines beschränkten und elastisch gehandhabtenKon- tingentsystems — nicht als Teilnahme irgendeines Systems der Autarkie, die wir ableh- nen, sondern zur Wiederherstellung eines gesunden inneren Marktes und einer nationalwirtschaftlichen Bewegungsfreiheit Deutschlands — ebenso segnen werden, wie seinerzeit den anfangs so viel bekämpften Heber» aangBismarckszumSchutz Zollsystem. Allerdings — die Formen der Einführung des Kontingentsystems waren n i ch t g l ü ck l i ch. So etwas macht man auf einen Schlag, ohne jemanden zu fragen. Ferner muß das einzelne« fremde Land, nicht der einzelne Importeur, eine gewisse Quote von der noch zugelassenen Einfuhr erhalten — und zwar eine Quote, die danach bemessen wird, in welchem Maße der deutsche Handelsverkehr mit dem betreffenden Lande aktiv ist. Das Kontingent «soll dem fremden Lande gegen- Leipzig, 17. Okt. (WTB.) Im Verfassungs- streitversahren Preußen —Reich erhielt Ministerialdirektor Dr. Brecht für Preußen das Wort zu seinem Schlußbericht. Dr. Brecht führte u. a. aus: Das Ergebnis der Verhandlungen läßt sich in dem einen Satze zusammenfassen, daß Artikel 48 Absatz 1 (Pflichtverletzung Preußens) nicht anwendbar war, daß dagegen Absatz 2 (Störung der öffentlichen Ordnung) anwendbar war, denn lokal und temporär war an einigen Orten die öffentliche Sicherheit und Ordnung gestört. Aber Absag 2 konnte nicht so ap- gewendet werden, wie es geschehen ist. Zweck durste nur die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung und Sicherheit sein. Es bleibt nach unserer Ansicht nichts anderes übrig, als die Verordnung laut wurden. Dr. Brüning führte in einer kurzen Ansprache aus, er könne es nicht für erforderlich ansehen, in einem Augenblick, wo es noch um die Existenz von Millionen gehe, allzu abrupt an die Versa ffungsreform heranzugehen. Es fei nicht möglich, einem Volke die Staatsform mit Gewalt aufzuzwingen. Konservativ bedeute, die Dinge ihrer organischen Entwicklung zuzuführen und sie reifen z u lassen, um dann rechtzeitig den entscheidenden Schritt tun zu können. Dieses konservative Denken fei von dem Denken fchärfstens zu unterscheiden, wie es heute von der Regierung unter konservativ und christlich propagiert würde. Bismarck habe in den entscheidenden außenpolitischen Situationen niemals die Parteien zurückgestoßen, sondern immer Fühlung mit ihnen gesucht. Nichts sei wichtiger in Augenblicken wirtschaftlicher Gefahr als gerade in bezug auf verfafsungspolitifche Lagen f i.a r e und wohl abgegrenzte Wege zu gehen, nicht aber mit schillernden Begriffen zu arbeiten. Wenn es irgendeine Gruppe im deutschen Volke gebe, die für den Rechtsstaat habe kämpfen müffen, dann Hobe es das Zentrum getan. Aber der Kampf gehe auch um Ziele, die noch nicht ausgesprochen feien. Viele würden sich nach der Rede des Prälaten Kaas darüber klar werden, daß dies kein Wahlkampf sei, der um irgendeine politische Konstellation geführt werde, sondern ein Wahlkampf, der dem deutschen Volke einhämmern solle, daß es noch klare Rechts- und Staatsbegriffe gebe. über eine Gegenleistung für die Aufnahme deut fcherIndu ft rieerzeugni ff e fein. Wenn die Mängel nachträglich geheilt werden, kann dann bestritten werden, daß im Augenblick ein beschränktes Kontingentsystem unserem Handel und unserer Ausfuhrindustrie viel größere Myg' l i ch k e i t e n bietet, als die jetzige entartete sog. „Meistbegünstigung", die für sich allein gar keine Waffe mehr ist? Es ist letzten Endes einfacher, als das System der D e o i f e n b e w i r t - fchaftung, unter dem wir heute leiden. Dieses System müssen wir vor allem los werden. Solange es besteht, haben wir keine Nationalrvirtschaft, und damit keine Möglichkeit, zu gesunden. Um es abschaffen zu können, müssen im Wege der Schuldenregelung unsere Zins- und Tilgungszahlungen an das Ausland auf den Betrag herunter gesetzt werden, den wir in Form von Warenausfrihr bezahlen können. Die R e i ch s b a n k, die noch dazu mit ihren finanziellen Einflüssen weit über ihr eigentliches Geschäft hinausgreift, lastet mit ihrer Politik w i e ein schwerer Alp auf der ganzen deutschen Wirtschaft und verhindert immer von neuem die Maßnahmen, die uns und die ganze Welt zur Gesundung führen -können und die mit Inflation öfter dergleichen nicht das Mindeste zu tun haben. Lediglich eine klare Nationalwirtschaft bringt uns wieder hoch. Mit den alten verstaubten Rezepten geht es nicht. vom 20. Juli aufzuheben, wenn nötig, eine andere an die Stelle zu setzen, z. B. einen Reichskommissar für Polizei für Norddeutschland oder äußerstenfalls eine vorübergehende Uebertragung der vollziehenden Gewalt zu bestimmtem verfassungsmäßigem Zweck. Die Aufhebung hat keineswegs chaotische Folgen. Für die Vergangenheit bleibt fast alles gültig. Nichtig find in der Vergangenheit nur die rechtliche Absetzung der Minister und Beamten, das Auftreten für Preußen im Reichs- r a t und die endgültigen Neuernennungen durch das Staatsministerium. Der Prozeß muß das Gute haben, daß er neuen Auftrieb zur Reichsreform gibt. Rach Aufhebung der Verordnung vom 20. 3uli Hilgenberg für eine klare Aationalwirtfchast Oie Notwendigkeit der Kontingente. - Gegen die Devisenpolitik der Michsbank NichtvorDienstagVerkündung desürteils im Verfaffungsstreit Preußen—Mich. lastung des Arbeitsmarktes nicht feststellen läßt, so ist damit nicht das geringste gegen die Wirkung des Wirtschaftsplans gesagt. Der Wirtschafts- plan hat doch verhindert, daß die Zahl der Krisenopfer. wie das in den Krisenjahren um diese Zeit zu geschehen Pflegte, nicht gestiegen ist. Wir können es schon als einen Erfolg buchen, wenn wir bis Weihnachten die Zahl der Krisenopfer unter fünf Millionen herunterdrücken. Daß eine Neueinstellung von Arbeitern nicht sofort und in Massen erfolgen kann, ist leider dadurch bedingt, daß die Industrie nicht über die notwendigen Rohstoffmengen verfügt. Die Rohstoffeinfuhr ist nicht erst feit 1931 erheblich zurückgegangen, ist aber besonders 1932 in Wechselwirkung mit dem Rückgang der Ausfuhr soweit eingeschrumpft, daß die Industrie hinsichtlich der Versorgung mit Rohstoffen von der Hand in den Mund lebt. Hm die Rohstoffeinfuhr steigern zu können, kommen wir um die Steigerung der Ausfuhr nicht herum, so daß aus diesem Grunde alle Versuche, die Ausfuhrmöglichkeiten künstlich einzuschränken, sich gegen den Wirtschaftsplan richten. So hat auch C. F. von Siemens dieser Tage darauf aufmerksam gemacht, mit welchen Schwierigkeiten die deutsche Industrie zu kämpfen hat, um hochwertige Fertigwaren auf den Auslandmärkten unterzubringen. Cs gibt keinen Arbeitsbeschaffungsplan, der diese und andere Schwierigkeiten einfach umgehen kann. Auch der Wirtschaftsplan der Reichsregierung will und kann nicht Wunder wirken, wohl aber kann er. wenn das Vertrauen nicht erschüttert wird, stufenweise eine Entlastung des Arbeitsmarktes herbeiführen, die auch gegen einen Rückschlag gesichert ist. Es muß sich jeder bewußt sein, daß wir z u einer Gefahren- und Schickfalsge- meinschaft geworden sind, daß es sich nicht um Sieg oder Niederlage einer Partei, sondern um Leben und Zukunft des deutschen Volkes handelt. Wer vom sicheren Port aus an dem Wirtschaftsplan herummäkelt, wer ihm den Zusammenbruch voraussagt, treibt mit den Krisenopfern ein frevles Spiel. Nachdrücklich muß deshalb unterstrichen werden, daß die mobilisierten Steuerscheine nicht inflationistisch wirken können, weil ihre Mobilisation erst möglich ist, wenn die Produktion sich im Verhältnis dazu entwickelt hat. Das Grundgesetz jeder Wirtschaft, ganz einerlei, ob sie staatskapitalistisch oder privatkapitalistisch aufgezogen ist, bleibt, daß mehr erzeugt als verbraucht wird. Dieses Grundgesetz ist auch in den Wirtschaftsplan fest eingefügt, öenix der stufenweise Aufstieg schafft durch Neueinstellung von Arbeitern zunächst einmal eine Steigerung der Produktion, im gleichen Verhältnis aber auch eine Steigerung der Kaufkraft, was jedes Abglei' n in eine Inflation verhindert, würde sich eine freiwillige Zusammenarbeit mit dem Reichskanzler bzw. mit dem Reichskommissar in dem erstrebten engeren Sinne sehr leicht ergeben. An der Personenfrage würde dieses Zusammenarbeiten auf preußischer Seite nicht schei- kern. Lassen Sie uns das vergangene schnell vergessen und mit vereinten Kräften an dieser großen Aufgabe arbe'ten. Sie darf für niemanden eine parteifrage sein. Möchte unser verehrter Reichspräsident, der als junger Leut- nant 1866 noch den Daffenkrieg zwischen deutschen Ländern mitgekämpfl hat. als Krönung seines Lebenswerkes noch die Lösung der deutschen J r a g e erleben. Möge er als gemeinsames Staatsoberhaupt für das Reich und Preußen feine große Lebensaufgabe beenden. Ministerialdirektor Dr. G o t t h e i n e r. der für dos Reich das Wort ergriff, erklärte u. a.: Reichskanzler und Reichsregierung haben diejenigen Maßnahmen getroffen, die nach ihrem pflichtbewußten Ermessen geboten waren, um gesicherte Zustände in Preußen und Deutschland zu gewährleisten. Ich muh erneut betonen, daß die Maßnahmen der Reichsregierung vom 20. Iuli sich zunächst nur gegen den für die allgemeinen Richtlinien der Politik in Preußen maßgebenden preußischen Ministerpräsidenten und den für die Staatssicherheit im besonderen Maße verantwortlichen preußischen I n n e n m i n i st e r gewandt haben. Der zum Reichskommissar für Preußen bestellte Reichskanzler war grundsätzlich bereit, mit den anderen preußischen Staatsministern zusammenzuarbeiten. Das ist ihm von den sechs anderen Herren Ministern unmöglich gemacht worden. Wenn jetzt nachträglich be- -auptet wird, diese sechs Minister feien zu einer Zusammenarbeit mit dem Reichskommissar bereit gewesen, dann ist die Vermutung nicht von der tzond zu weisen — ich muß das aussprechen —, daß diese Behauptungen aus prozehtaktischen Gründen hier aufgestellt wurden. (Unruhe bei der preußischen Vertretung.) Die Reichsregie- rung steht auf dem Standpunkt, dah die Maß- lahmen, die sie getroffen hat. als vorläufige inzusehen sind, dah sie sich bei ihrem Vorgehen" illerdings sowohl auf Artikel 48 Absatz 1, wie ruf Absatz 2 stützen kann. Der Vorsitzende warf die Frage auf, weshalb die Fraktionen die Klagebefugnis gegen das Reich in Anspruch nehmen. Professor Heller für die sozialdemokratische Fraktion sagte, daß die Fraktionen sich deshalb als aktiv legitimiert zur Klage gegen das Reich betrachteten, weil sie Bestandteile des Landesparlamentes seien. Professor Peters für die Zentrumsfraktion schloß sich diesen Ausführungen an. Prgfessdr Iacobi kommt zu dem Schluß, es sei nicht zu viel behauptet, wenn man sage, daß es sich in Wahrheit hier gar nicht um eine Klage des Landes Preußen gegen das Reich, sondern um eine Klage der früheren geschäftsführenden Landesregierung gegen die jetzige ge» schäftsführende kommissarische Regierung, also u m rinen Derfassungsstreit innerhalb Preußens handele. Das Reich bitte den Staatsgerichtshof, unter diesem Gesichtspunkt die gesetzliche Dertretungsberechtigung der preußischen Minister nochmals zu prüfen. Für die Landtagsfraktionen des Zentrums und der Sozialdemokraten sei in diesem Verfahren zwischen Preußen und dem Reich schlechterdings kein Raum. Nachdem die Vertreter des Reiches und der Länder nochmals kurz ihren Standpunkt dargelegt -alten, erklärte der Präsident die Derhandlun- ien für beendet. Eine feste Prognose für den Termin der Verkündung der Entscheidung könne er jetzt nicht geben. Er halte es nicht für verspätet, wenn man vielleicht am nächsten Dienstag die Entscheidung verkünden würde. Sollte sich die Notwendigkeit einer Wiedereröffnung der Verhandlungen ergeben, dann würde er das den beteiligten Parteien mitteilen. Die sieben Mützen. Aufregendes Erlebnis eines Reporters. Von Stephan Gast. Babs nahm einen neuen Bleistift in den Mund and sah zum Fenster hinaus. Es wur 12.30 Uhr. Bis 18 Uhr eine Reportage über internationale Laschendiebe! Als ob internationale Taschendiebe »arteten, für die Abendausgabe der „Pickwick News“ interviewt zu werden. Er stand auf und nahm seinen 5)ut vom Haken. Mm besten ging er zu Kriminalkommissar Jay Grey- wood... Auf der Straße stauten sich die Menschen. Er nahm den Hut ab. Es war für März angenehm warm. Vor dem Hutgeschäft von W. Hutchkins blieb Babs stehen. „Mit diesem alten Sveckfilz kann ich mich bei Greywood nicht mehr sehen lassen." Er entschloß sich, jn den Laden einzutreten. Das Lager bestand aus etwa 2000 Hüten, aber Babs konnte sich für keinen entscheiden. Nach einer halben Stunde raffte sich Mr. Hutchkins zu einem letzten Versuch auf. „Vielleicht wollen Sie gar keinen Hut, Sir, Dieb leicht wünschen Sie eine Mütze?" Babs überlegte. Der Verkäufer fuhr fort: „Ich habe hier von einem Restposten eine auffallend schöne Mütze zu dem besonders niedrigen Preis von 2,6 Schilling. Sie werden darin aussehen wie der Prince of Wales." Dabei hielt er ihm eine weiß und mahagonibraun karierte Mütze unter die Augen. Es war ein flauschiges, sehr behagliches und wirklich verführerisches Stück. Die neue Mütze auf dem Kopfe, wanderte Babs die Orford-Street weiter in der Richtung nach dem Hyde-Park, nicht ohne an Schaufensterscheiben und anderen spiegelnden Flächen wohlgefällig stehenzubleiben. Als er zufällig in die Tasche griff, stieß er mit der Hand gegen einen harten Gegenstand, von dem er genau wußte, daß er vorher noch nicht da- gewesen war. Er zog ihn heraus. Es war eine massiv goldene Herrenuhr mit Sprungdeckel. Babs versenkte sie kopfschüttelnd wieder in die Manteltasche. Dabei fand er diesmal einen goldenen Bleistift. Babs begann nachzudenken. Versuchsweise faßte er auch in die andere Manteltasche. Und siehe da! Er fischte ein silbernes Damenhandtäschchen, ein schmales Zigar^tten-Etui und eine Brieftasche aus Eidechsenleder. Schweres Eisenbahnunglück in Rumänien. 18 Tote, zahlreiche Verletzte. Budapest, 17. Ott. ($11.) Wie die „Donau- post" aus Temesvar (Rumänien) meldet, hat sich in der Umgebung der Stadt ein schweres Eisenbahnunglück ereignet, das 18$ote und viele Verwundete forderte. Der Zug hatte um 17.40 Uhr Temesvar verlassen. Er war in der Hauptsache mit Arbeitern besetzt, die sich auf dem Heimwege von ihren Arbeitsstätten befanden. Etwa 1,5 Kilometer hinter dem Bahnhof sprangen plötzlich die beiden letzten Wagen des Zuges beim Passieren einer Weiche aus den Schienen und stürzten um. Die beiden Wagen, ein Personenwagen und der Postwagen, wurden noch etwa 50 Meter weit mitgeschleift. Von den 35 Insassen wurden 17 auf der Stelle getötet, die übrigen zum größten Teil schwer verletzt. Die Leichen von drei Männern und vier Frauen sind so zugerichtet, daß ihre Erkennung bisher nicht möglich war. Von 18 Schwerverletzten starb einer bereits auf dem Transport zum Krankenhaus. Man befürchtet, dah zwölf Verletzte nicht mit dem Leben davonkommen werden. Der Weichensteller wurde festgenvmmen, es steht jedoch bisher nicht fest. ob ihn wirklich eine Schuld trifft, da es sich um eine automatische Weiche handelt. Zugentgleisung in Innsbruck. Wien, 17. Oft. (WTB) Im Innsbrucker Westbohnhof e n t g l e i st e aus bisher unauf- geklärter Ursache der letzte Wagen eines Personenzuges. Zwei Personen kamen ums Leben. Bei den Toten handelt es sich um die 50jährige Lokomotivführersgattin Sophie Rotter aus Breslau und eine Frau Spreitzhofer aus Scharnih Insgesamt neun Schwerverletzte wurden ins Innsbrucker Krankenhaus eingeliefert. Darunter befand sich der Ehemann der Frau Rotter, der Verletzungen am Arm erlitten hat, ferner ein zweites Lokomotivführersehepaar aus Breslau namens Fuchs. Der Ehemann Fuchs hat Verletzungen am Bein und an einer Hand davongetragen. Seine Frau, namens Maria, erlitt einen Oberarmbruch. Die lebensgefährlich verletzte Frau ist Frau Maria R o f n e r au» Innsbruck. Die übrigen Schwerverletzten sind sämtlich Oesterreicher. Die Erhebungen über das Unglück haben noch nicht zu einer endgültigen Klärung des Unglücks geführt Der Kall Klepper. Steuer nimmt zur Verteidigung Kleppers Stellung. Berlin, 17. Okt. (TU.) Der Berichterstatter des Klepper - Untersuchungsausschusses des Preußischen Landtages, der deutfchnationale Abg. Steuer, äußerte sich vor Vertretern der Presse über die gegen die Geschäftsgebarung des ehemaligen preußischen Finanzministers Dr. Klepper als Leiter der Preußenkasse erhobenen Vorwürfe. Er erklärte u. a., die bisher herausgegriffenen Fälle seien für die Kleppersche Finanzgebarung typisch, bei der stets das Bestreben zu beobachten fei, einen formellen Tatbestand zu schaffen, der sich vom Strafgesetz etwas di st anziere. Soweit Klepper strafrechtliche Vorwürfe träfen, so sei in erster Linie nach Steuers Ansicht der Vorwurf der Untreue gegenüber dem ihm unterstellten Institut, also der Preußenkasse, begründet, lieber diese strafrechtliche Seite hinaus liege zweifellos auch eine zivilrechtliche Verantwortlichkeit, zumindesten für den Teil der der Preußenkasse entstandenen Verluste vor. Bezeichnenderweise habe sich Klepper bei feinen Erwiderungen nicht über bie Entstehungsgeschichte des Sonderkontos geäußert, die Steuer ein mit juristischer Raffinesse durchgeführtes Betrugsmanö- ver nannte. Bei dem Kredit für den früheren Staatssekretär im Innenministerium, Ab egg, seien das Wesentliche die merkwürdigen Begleitumstände. Diese Sanierung eines verschuldeten Staatssekretärs sei zweifellos ein Geschäft illegaler Natur. Wenn Klepper gesagt habe, die Preußenkasse habe der Stadt Köln überhaupt keinen Kredit gegeben, so sei das formell richtig. Tatsächlich lägen die Dinge aber so, daß die De-Di-Bank der Stadt Köln d a - mals keinen Pfennig gegeben hätte, wenn nicht die Preußen fasse die Voraussetzung für den Kredit durch Her gäbe von Genossenschaftswechseln in Höhe von 12 Millionen Reichsmark geschaffen hätte. Was den Fall der „Kölnischen Volkszeitung" angehe, so habe Klepper erklärt, daß hier nach staatlichen Maximen verfahren worden fei. Abgesehen davon, so sagte Steuer, daß diese „staatlichen Maximen" mit Rücksicht auf die Zusammensetzung der früheren preußischen Regierung natürlich parteipolitische Maximen gewesen seien, hätte es Klepper selbstverständlich ablehnen können, derartige Aufträge auszuführen. Immerhin liege die moralische Verantwortung für dieses Geschäft tatsächlich weniger bei Dr. Klepper als bei der damaligen preußischen Regierung. Avenol Generalsekretär des Völkerbundes. Genf, 17. Oft. (WTB.) Der Völkerbunds- r a t hat heute in einer geheimen Sitzung den stellvertretenden Generalsekretär Avenol zum Generalsekretär des Völkerbundes als Nachfolger Sir Eric Drummonds einstimmig gewählt. Die 13. ordentliche Vollversammlung des Völkerbundes wurde mit einer Schlußrede des Präsidenten Politts abgeschlossen. In der Schlußsitzung nahm die Bundesversammlung den Haushalt des Völkerbundes für 1932 mit 33,4 Millionen Goldfranken an, von denen 17 Millionen auf das Völkerbundssekretariat, 8,8 Millionen auf das internationale Arbeitsamt und 2,6 Millionen auf den Internationalen Haager Gerichtshof entfallen. Ferner genehmigte die Bundesversammlung den von dem 4. Ausschuß ausgearbeiteten großen Plan über die Neuregelung der politischen Leitung des Völkerbundssekretariats. Damit find die von Deutschland geforderten B e - dingungen für die Zustimmung der deutschen Regierung zu der Wahl des Franzosen Avenol zum Generalsekretär erfüllt. Auf maßgebender deutscher Seitz wird jetzt grundsätzlich der Stand- punkt vertreten, daß nunmehr eine planmäßige In diesem Slugenblicf trat ein Individuum — so hätte Babs ;l)n in einem Bericht bezeichnet — auf und stieß ihn zunächst einmal mit einem Haken kräftig in den Rücken: „Wie kommst du zu der Mütze, du Lümmel?" Er drängte sich eng an Babs und versuchte, ihn an der Manteltasche zu fassen, wobei er zwischen den Zähnen hervorstieß: „Her mit den Sachen!" Babs hielt instinktiv beide Taschen zu. „Mein Name ist Babs, und ich bin kein Lümmel ..." In diesem Augenblick fiel der lange Schatten eines Polizisten über die Szene. „Polente! Bring die Sore in Sicherheit!" Damit verschwand das Individuum. An seiner Stelle nahm sich nunmehr ein freundlicher Polizist Babsens an. Er klopfte Baos l.icht ?on außen auf die Taschen, wobei er befriedigt lächelte; dann forderte er ihn auf, mit ihm zur Wache zu gehen. Dort herrschte Hochbetrieb. Babs wurden zunächst die in seinen Manteltaschen befindlichen Gegenstände abgenommen. Seine Behauptung, Babs zu heißen uni) Reporter der „Pickwick News“ zu sein, wurde mit liebenswürdiger Zustimmung übergangen. Babs ließ alles über sich ergehen, im Gefühl, für die Abendausgabe einen wertvollen Artikel beisteuern zu können. Als man jedoch Hand an feine Mütze legte, begehrte er auf. Er verlangte Kommissar Greywood zu sprechen. — Greywood ließ nach Anhören des Tatbestandes den Verhafteten.vorführen. „Babs", sagte er mit ernster Stimme, „ich hätte nie geglaubt, Ihnen so gegenüberstehen zu müssen! Erleichtern Sie Ihre Lage durch ein Geständnis. Sie ersparen uns beiden viel Arbeit damit." Bobs war von seinem Thema nicht abzubringen. Greywood unterbrach ihn: „Aber man hat doch die Sachen inLhren Taschen gefunden. Wie erklären Sie das?" „Es muß sie jemand hineingefteckt haben." Greywood dachte lange nach. „Und wann haben Sie die Mütze gekauft?" „Heute mittag. Hier ist der Kasienzellel." Nach einer Stunde ließ Greywood Babs wieder rufen. Im Dorraum saßen unter scharfer Bewachung sechs Herren, unter denen Babs fein Individuum erkannte. Er grüßte höflich und trat in Greywoods Büro. Greywood holte aus einem Fache feines Schreibtisches eine weiß und mahagonibraun tarierte Mütze. „Ist das Ihre?" „Ja." Greywood nahm eine zweite Mütze aus dem Fach. „Oder diese?" Greywood zog eine dritte Mütze hervor. „Oder diese?" Bei der sechsten Mütze begann Babs* etwas auf- zufallen. Greywood sagte: „Diese sechs Mützen saßen auf den Köpfen jener sechs Leute, die Sie eben im Vorraum gesehen haben. Verstehen Sie?" Babs begriff nichts. „Diese hier", fuhr Greywood fort, indem er eine siebente Mütze bedeutsam auf den Tisch legte, „ist Ihre..." Bads wollte danach greifen. „ .. aber" fuhr der Kommissar fort, „ich kann sie Ihnen leider nicht zurückgeben, ehe sich nicht aufgeklärt hat, wie man Ihnen eine Mütze verkaufen konnte, die einer internationalen Bande von Taschen- hieben als Erkennungszeichen dient. ., das heißt: diente", fügte er mit Nachdruck hinzu. „Und Sie können von Glück sagen, daß Sie an mich geraten find. Sie können gehen, Babs." Als Babs, berstend vor Mitteilungsdrang, seinem Chef Mr. Gußling gegenübersaß, reichte ihm dieser die vierte Ausgabe der „Pickwick News“, auf deren erster Seite in großen Lettern die Ueberschrift prangte: Reporter fällt sparsamem Mützenmacher zum Opfer. Babs las: „ ..., dem die Mac-Gormick-Bande ein Stück Stoff zur Anfertigung von sechs Mützen gegeben hatte, an denen sie einander im Straßengewühl erkennen könnten. Hutchkins, der von der Natur seiner Auftraggeber keine Mjnung hatte, behielt dank seiner geschickten Ausnutzung des Stoffes genug für eine siebente Mütze übrig. Diese siebente Mütze gelangte ..." „Was haben Sie dazu zu sagen?" fragte Mr. Gußling ernst und trommelte auf der Tischplatte. „Ich habe Spesen in Höhe von 2,6 Schilling gehabt", sagte Babs. Qochschulnachnchien. Prof. Dr. Fritz Rörig in Kiel ha^einen Ruf aus den Lehrstuhl für mittlere und neuere Geschichte an der Universität T ü b i n g e n als Nachfolger von Iohannes Haller erhalten. Prof. Dr. Karl I ö t t e n, Direktor des Hygienischen Instituts der Universität Münster hat den Rus an die Universität Würzburg als Nach, folger des Geheimen Rates K. L. Lehmann ab- gelehnt. Neubesetzung in den leitenden Direk- torenpoften eintreten müsse, über die die Entscheidung bei dem Dölkerbundsrat liegt. Heber die Ernennung des neuen deutschen Untergenerah sekretärs liegt noch keine Entscheidung vor^ jedoch werden der frühere Staatssekretär Trendelen- b u r g und der deutsche Gesandte in Athen, Eifenlohr, für diesen Posten genannt. Ein Schlaganfall Gandhis? London. 18. Okt. (2BIB. Funkspruch.) Rach einer Meldung des ..Daily herald" hat Gandhi im Gefängnis einen Schlaganfall erlitten. Persönliche Freunde Gandhis in London hätten diese Nachricht durch einen geheimen Nachrichtendienst erhalten. Die Erkrankung Gandhis fei kurze Zeit nach Beendigung seines J a ff e n s im Gefängnis erfolgt. Aus diesem Grunde habe die indische Regierung plötzlich seinen Verkehr mit den auswärtigen Besuchern untersagt. 3m Unterhaus wird heute eine Anfrage an den Staatssekretär für 3ndien gerichtet werden. Rücktritt des rumänischen Kabinetts. Sinaja, 17. Oft. (WTD.) Ministerpräsident Vaj da hat heute nachmittag dem König dieGe- samtdemission des Kabinetts, die vom König angenommen wurde, überreicht. Damit hat der seit fünf Tagen mit Erbitterung zwischen T i t u I e s c u und Vajda in Sinaja geführte Kamps zunächst mit einem SiegeTitulescus über Dajda geendet. Die Entscheidung ist insofern besonders bedeutsam, als H e r r i o t noch in letzter Minute telephonisch versucht hatte, Dajda den Rücken zu stärken. Dajda erklärte dem König, daß ein Eintritt Titulescus in die gegenwärtige Regierung nicht möglich sei. Er konnte jedoch den König von seinem Standpunkt nicht überzeugen, worauf er zurücktrat. Aus aller Welt. Der Schriftsteller Richard Skowronnek f. Der bekannte Schriftsteller Richard Skv- w r o n n e k ist auf Gut Höckenberg. Kreis Rügenwalde in Hinterpommern, wo er seit etwa einem Iahrzehnt wohnte, an einem Herzschlag plötzlich verschieden. Im Mäkz d. I. hatte er seinen 70. Geburtstag gefeiert. — Skowronnek war als Sohn eines Försters in Schuiken bei Goldap (Ostpreußen) geboren, war anfangs Iournalist in Frankfurt und Berlin, später freier Schriftsteller. Seine Bühnenstücke sind seinerzeit viel gespielt worden. Am bekanntesten wurden seine gut und spannend geschriebenen Romane aus dem deutschen Osten („Sturmzeichen". „Das große Feuer", „Die schwere Not", „Morgenrot" usw.), die in Millionen von Exemplaren verbreitet toaren. Zuletzt waren die Beziehungen von Stadt und Land im deutschen Norden der Nachkriegszeit das Thema, das er mit seiner nie versagenden Gestaltungskraft behandelte. Gronau unterwegs. Der deutsche Flieger Wolfgang von Gronau hat nach Ausbesserung seines Flugzeugs feinen Wettflug fortgesetzt; er ist nach einer Zwischenlandung in Alyab (Birma) nach Ehilka Lake an der oorderindischen Küste gestartet. Ein amerikanischer „Zoll Daubmann“? Don Paris aus wird die Nachricht verbreitet, der amerikanische Kriegsflieger Campbell sei nach löjähriger Verschollenheit wieder in Amerika aufgetaucht. Zu dieser Nachricht erklärt der m Karlsruhe ansässige Dentist R i t s ch e r l e..daß er am 1. Oktober 1917, 11.40 Uhr, als Fliegerscyütze ben amerikanischen Flieger Campbell abgeschos - sen habe. Der Flieger Andres aus Düsseldorf sei damals Ritscherles Flugzeugführer gewesen. Rit- scherle habe photographische Aufnahmen aus der Luft und an der Absturzstelle des amerikanifchen Fliegers gemacht. Am 6. Oktober 1917 habe er bas Grab Campbells photographiert. Ein deutscher Offizier habe ihm die Papiere des amerikanischen Flie- gers gezeigt und Campbell als tot gemeldet. Oer Kokain-König von Paris. Der Rauschgift-Handel, der in Paris trotz aller Unterdrückungen noch so reich blühte, hat jetzt einen empfindlichen Schlag durch die Entdeckung eines großen Lagers erfahren. Dor zwei Monaten gelang es eines Mannes habhaft zu werden, der sich Harter, aber auch Riton, nannte und in der Pariser Unterwelt als ..Kokain-König" bekannt war. Seine Helfershelfer ließen sich aber dadurch nicht einschüchtern und setzten ihren schwunghaften Handel fort, bis ihnen jetzt durch den Chef der „mondänen Brigade", Priolet, das Handwerk gelegt wurde. Diese „nwndäne Bri- gnöe“ ist eine besondere Polizeitruppe, deren männliche und weibliche Mitglieder in eleganter Kleidung als Lebeleute maskiert, die Vergnü- gungslokale von Paris unter strenger Bewachung halten. Heber die Derhaftung von vier Rauschgifthändlern und die Aufdeckung ihres Lagers gibt Priolet einen dramatischen Bericht: „Roch der Derhaftung Ritons, der der Großhändler war, ließen meine Detekttve die Einzelhändler zunächst unbehelligt. Zu meinem Erstaunen fand ich. daß sie ihr Hauptgebiet, den Montmartre, verließen, und sich im Viertel des Ostbahnhofs festsehten, der bisher mit dem Rauschgift-Handcl wenig zu tun hatte. Hier gelang es, nacheinander vier Händler, drei Männer unb eine Frau, abau« fassen, die im Besitz beträchtlicher Mengen von Kokain, Heroin und Opium waren. Zuletzt griffen wir einen 32jährigen Kellner Tonelli auf, aber ü&cr das Lager, aus dem sie sich versorgten, waren wir noch immer im Unklaren. Da kam uns ein glücklicher Umstand zu Hilfe. Tonelli ^luchle nach der Derhaftung, heimlich zwei Schlüssel fortzuwerfen. Eie wurden entdeckt und lieferten nun eine Spur. In dem Raum, den er bewohnte, war nichts zu finden, aber wir bekamen heraus, daß die beiden Schlüssel zu einem andern Raum paßten, einem elenden Schuppen, in der Rue de Recollets. Ich hatte mir viel von dem Erfolg dieser Verhaftungen versprochen, aber ich war doch erstaunt über das, was wir in dem Schuppen zu sehen bekamen, es war ein richtiges Lager von Rauschgiften. In zwei alten Koffern fanden wir drei Kilogramm 700 Gramm Heroin, Kokain und Morphium sowie 5 Kilogramm 200 Gramm Opium. Wagen standen bereit, und Dutzende kleiner Päckchen waren schon für den Verkauf abgewogen. Außerdem fanden wir Büchsen mit Trockenmilch, die dazu benutzt wurden, um das Kokain zu „veredeln, Aus Oer prvvinzialhauptstaOt. Gießen, den 18.Oktober 1932. Tänze Ange Bach ... Den vielen Freunden wahrhafter Tanzkunst, die sich am Sonntagvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße einfanden, beteitete Ange Bach leine Gießenerin) eine feine und stilvolle Stunde. Sie offenbarte sich als durchaus ernsthafte Künstlerin und ließ dies schon in ihren ersten Schritten fühlen. Prädestiniert durch ihre Erscheinung, unterstützt durch eine sichtlich sorgfältige Ausbildung, außerdem aber bei aller äußeren Disziplin von einem großen Eifer erfüllt, schuf die Künstlerin schnell eine Verbindung zwischen sich und den Zuschauern, die gerne den harmonischen Bewegungen, dem einfachen Ablauf mancherlei Geschehens auf der Bühne folgten. Das Programm war in drei Teile gegliedert, und zwar in einen „Hellen Kreis", in einen »Dunklen Kreis" und einen „Bunten Kreis". Es war unschwer und auch ohne einführende Vorrede zu erfühlen, daß es sich bei den Tänzen des Hellen Kreises um eine einfache, klare Lleber- tragung musikalischer Werte in tänzerische 'Bewegung handelte. Der dunkle Kreis vereinigte Tänze, die Ausdruck problematischer Gedanken sein wollten, während die Musik mehr in den Hintergrund trat und mehr rhythmus- als form» bestimmenden Einfluß hatte. Der bunte Kreis brachte den „Tanz an sich", jenen Tanz, der auch ohne Musik Erlebnis widerzuspiegeln vermag, also den absoluten San^ der ja eigentlich das Ziel jedes tänzerischen sollens sein müßte. Ange Bach tanzte ohne jede Liebertriebenheit und weitab jeder gekünstelten ballettosenhaften Technik. Jede Bewegung war auf bewußte Einfachheit abaestellt. Mit geringsten Mitteln erreichte die Künstlerin den Zweck jeder tänzerischen Interpretation, die Seele des Zuschauers mitschwingen zu lassen. So hatte man schon zu Beginn Anlaß, sich zu freuen über die Kreation! „Kraftvoll", welche die Tänzerin recht überzeugend gab. Zweifellos aber entsprechen die Tänze „Sehr leicht", „Froh bewegt", „Innig" mehr ihrer Persönlichkeit, weil sich darin gleichzeitig eine Fülle jugendlicher Beschwingtheit Ausdruck verschaffen konnte. Sehr eindrucksvoll, vor allem sehr sicher gestaltete die Künstlerin das „Kampflied". In schroffem Gegensatz hierzu stand die Darbietung „Ditte". Viel Demut, viel Liebreiz, Ergebenheit und lebendiger Wunsch waren hier in harmonisch fließender Bewegung klar versinnbildlicht. Eine der eindrucksvollsten Darbietungen war aber „Einsamkeit", ein Tanz, der neben Trauer und Entsagung temperamentvolle Ausbrüche brachte. l1?? ließ Gegenwartsstimmungen lebhaft ankftngen. Einer leichteren Muse war der „Bunte Kreis" ^n ersten Tanz dieser Gruppe, «Rhythmen", bestritt die Künstlerin ohne Musik. Freundlich, heiter klang in Musik und Bewegung das „Fröhliche Lied", weniger ernsthaft erschien das etwas fragmentarische „Hexenmärlein", um so besser aber wieder das leicht groteske Tanzspiel k rr c m^t", das der Künstlerin herzlichsten Beifall brachte. Sehr angenehm berührte es, daß Ange Dach in der Wahl ihrer Kostüme eine glückliche Hand Erwies. Tüe Begleitung am Klavier hatte Fräulein Mimi Dock übernommen. Sie wurde ihrer Aufgabe höchst uneigennützig gerecht und ließ die Aufmerffamkeit auf die Tänzerin konzentriert. Das sehr dankbare Publikum erzwang eine Zugabe. Zum Schlüsse gab es viel Beifall und viele Blumen. BornoNzen. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, 3. Vorstellung im Dienstagabonnement das Schauspiel „D e r 18. Oktober" von Walter Erich Schäfer. Spielleitung: Oberspielleiter Peter F a s s o t t. Pünktlicher Beginn. Während der ersten Szenen kann niemand eingelassen werden. Ende 22 Uhr. Morgen, Mittwoch, als 3. Vorstellung im Mittwochabonnement unter der Spielleitung von Karl Hey- s e r Erstaufführung des scharmanten Lustspiels „Roulette" von Ladislaus Fodor, in der deutschen Bearbeitung von Siegfried Geyer. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr. Gewöhnliche Preise. ** Arbeitsjubiläum. Der Installateur Hermann Goß, wohnhaft Gartenstraße 3. kann am heutigen Dienstag auf eine 25jährige Tätigkeit beim städtischen Gas- und Wasserwerk zurückblicken. Von seinen Arbeitskollegen wurden ihm Ehrungen zuteil. ** E i n Achtzigjähriger. Am morgigen Mittwoch, 19. Oktober, kann Schneidermeister Conrad Oehler, wohnhaft Neustadt 8, bei guter Gesundheit seinen 80. Geburtstag begehen. ** Erinnerungsfeier an den Tod Gustav Adolfs. Der Hessische Minister für Kultus und BWungswesen hat verfügt, daß aus Anlaß des dreihunldertjährigen Gedcahtnisses des Heldentodes Gustav Adolfs in der Schlacht bei Lützen (6. November) in den hessischen Schulen vor evangelischen Schülern in einer der nächstliegenden Religionsstunden des Tages gedacht werden soll. ** Freie Lehrer st elle. Für einen evangelischen Lehrer ist an der Volksschule zu Climbach (Kreis Gießen) eine Stelle frei geworden. Eine Dienstwohnung ist vorhanden. Kreistag desKreisesMittcheffenimSSD. Der diesjährige Kreistag des Kreises Mittelhessen im Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband, der 19 Ortsgruppen aus Oberhessen, dem Lahn- und Dillgebiet umfaßt, wurde am vorigen Sonntag in unserer Stadt im Cafe Leib abgehalten. Der Kreistag wies mit 330 Teilnehmern einen außerordentlich starken Besuch auf. Er wurde eröffnet durch einen Sprechchor und einen Schargesang von 60 Iugendmitgliedern des Kreises. Krersvorsteher Ebel (Wetzlar) begrüßte die Teilnehmer. Kreisgeschäftsführer Schroeder sprach fobann über die sozial« und gewerkschaftspolilische Lage. Er ging zunächst auf die Rotverordnungs- politik der Regierung von Papen ein. Die Rotverordnung vom 14. Iuni 1932 habe scharfe Eingriffe in die Arbeitslosenversicherung gebracht. Das Verhältnis zwischen Beitragszahlung und Leistung in der Arbeitslosenversicherung sei unhaltbar. Die Angestellten mühten fordern, daß sie für sich das Recht bekämen, Ersahkassen für die Arbeitslosenversicherung zu errichten. Die Kaufmannsgchilfen müßten von der Reichsregierung erwarten, daß sie mit den ihr erteilten Ermächtigungen die Llngerechtigkeiten der bisherigen Rotverordnungspolitik auf sozialpolitischem Gebiet beseitigt. Scharf kritisierte der Redner die auf Grund der Rotverordnung vom 4. September möglichen Gehaltskürzungen bei Mehrcinstellungen. Das Einkommen der Kauf- mannsgehilfen sei in der Vergangenheit so stark gekürzt, daß eine weitere Verminderung die Existenzgrundlage schwer erschüttern würde. Die wirksamste Arbeitsbeschaffung für die Angestellten sei eine durchgreifende Regelung der Doppelverdienerfrage. Die Kaufmannsgehilfen wären nach wie vor bereit, Opfer zu bringen, was sie aber verlangen müßten, sei eine gerechte Behandlung. Zum Schluß gab der Redner Anweisung zur Durchführung der Arbeit auf sozialem gewerkschaftspolitischem Gebiete für die kommende Zeit. Im Anschluß an das Referat faßte die Der- fammlung folgende Entschließung: „Die zum Kreistag des Kreises Mittelhessen im Deutschnationalen Handlungsgehilfen,-Derband am 16. 10. 32 in Gießen versammelten Kaufmannsgehilfen aus 19 Ortsgruppen Oberhessens, des Lahn- und Dillgebiets, erheben gegen die Rotverordnungspolitik der Reichsregierung schärf- stens Widerspruch. Sie erblicken in den Notverordnungen vom 14. 6. 32 eine ernstliche Bedrohung ihrer Existenzgrundlage. Die Ermöglichung neuer Gehaltskürzungen widerspricht dem Ziel der Wirtschaftsbelebung und führt die Angestellten in völlig wirtschaftliche und kulturelle Verelendung. Die Versammelten erklären: Ingangsetzung der Wirtschaft, Behebung der Arbeitslosigkeit und Ausstieg sind bann nicht möglich, wenn biese durch Verelendung der breitesten Schichten der deutschen Bevölkerung erfolgen sollen. Die dem Linkernehmertum gewährten Llnterstühungen durch die Steuergutscheine, gehen zum erheblichen Teil auf Kosten der Arbeitnehmer. Der Arbeitslosenversicherung ist b c Versicherungschorakter genommen worden. Die Beiträge, die von den Kaufmannsgehilfen zu entrichten sind, stehen in einem ungerechten Verhältnis zu den Leistungen, die aus die Dauer von 6 Wochen beschränkt ftnb. Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und zur Arbeitslosenhilfe stellen in ihrer ungerechten Bemessung für die Kaufmannsgohilfen eine Son- devsteuer dar. Die Arbeitslosigkeit ist Dolksschick- sal. Zur Llnterstützung der Arbeitslosen müssen daher alle Volksteile, entsprechend ihrem Leistungsvermögen, herangezogen werden. Don der Reichsregierung fordern die Kaufmannsgehilfen, daß die der Regierung mit Notverordnung vom 4. 9. 32 gegebenen Ermächtigungen auf sozialpolitischem Gebiet nicht angewandt werden dürfen, um weitere Verschlechterungen der an sich schon bescheidenen sozialen Sicherungen der Kaufmannsgehilfen herbeizuführen. Die Versammelten erwarten vielmehr, daß die Llngerechtigkeiten auf sozialpolitischem Gebiet von der Reichsregierung mit Hilfe der Ermächtigungen beseitigt werden. So vor allem, die in der Angsstelltenversichevung ohne triftigen Grund verfügten Levstungskürzungen, wie die Herabsetzung des Kinderzuschlags vom 18. auf das 15. Lebensjahr. Sie erwarten ferner Maßnahmen, die echte Arbeitsbeschaffung bedeuten, so eine wirksame Verordnung gegen das Doppelverdiener- unwesen, gegen Avbeitszeitüberschreitungen usw. Sie fo-r-dern ferner die schnellste Verwirklichung der vordringlichen Forderungen, die die Verwaltung des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- verbandes am 20. 3. 32 dem Reichstag vorlegte, insbesondere die Zulassung von Ersahkassen in der Arbeitslosenversicherung. Die Kaufmannsgehilfenschaft wird sich jeder weiteren Verschlechterung ihrer Existenzgrundlage mit allen. ihr zu Gebote stehenden Mitteln widersetzen. Sie verlangt keine Vortelle gegenüber anderen Volksschichten. Was sie aber mit allem Rachdrnck und aller Schärfe von der Reichsregierung fordert und wofür sie bereit ist zu kämpfen, ist eine gerechte Behandlung aller Staatsbürger. Ohne Gerechtigkeit geht der Staat zugrunde." Berichte und Wahlen. Im weiteren Verlauf der Tagung folgte ein Be. richt des Kreisbildungsobmanns Schwarz über die 23Übungsarbeit Ferner berichtete Kreiswerbeobmann Effel über die Werbearbeit wobei er hervorhob, daß der Kreis Mittelhessen in der Werbearbeit an der Spitze aller Kreise im Gau Main- Weser marschiert. Einen sehr günstigen Bericht konnte Kreisjugendführer Bepperling über die Jugendarbeit geben. Anschließend folgten die Wahlen zum Kreisoorstanb. An Stelle des durch Verzug aus dem Kreise ausscheibenden Kreisvorsteher Ebel wurde Reuter (Gießen) als Kreisvorsteher gewählt, zu seinem Stellvertreter Essel (Friedberg), zum Kreiswerbeobmann Schwarz (Gießen), zum Kreisbildungsobmann Wißner (Marburg), zum Kreisrechner Kutzer (Gießen) und zum Leiter des Betriebsdienstes Leclerc (Friedberg). Nach den rein geschäftlichen Erörterungen der Tagung hielt Gauvorsteher A ue rb a ch-Frankfurt a. M. ein Referat über das Thema „Unsere Stellung zur autoritären Staatsführung". Der jetzige Kampf um die Neuordnung von Staat und Wirtschaft sei in ein entscheidendes Sta- bi um getreten. Der DHV. müsse zur Situation Stellung nehmen. Die verfassungsmäßig festgelegte Demokratie habe sich nicht als regierungsfähig erwiesen. Sie sei durch eine Art Präsidialregierung abgelöst worden. Der Parlamentarismus habe eine gradlinige Außenpolitik unmöglich gemacht, denn Parteienstreit und Jitteressentenherrschaft stellten das Staatswohl zurück. Nicht zuletzt deshalb fei der Ruf „Los von Weimar!" laut geworden. Der DHV. habe dieser Forderung schon sehr früh Ausdruck gegeben. Der DHV. wolle einen autoritären Staat, gleichwohl er sich zur gegenwärtigen Reichsregie- rung in Opposition befinde. Die Regierung von Papen wolle aber weniger den autoritären, als den autokratischen Staat. Dagegen nehme der DHV. Stellung. Gegensätze nicht unbedeutender Art beständen auch hinsichtlich der sozialpolitischen Maß- nahmen der Reichsregierung. Die deutsche Außenpolitik sei bisher denkbar unglücklich geführt worden. Eine unglückselige Kon- tingentierungspolitik habe unmögliche Wirtschafts- Verhältnisse selbst mit befreundeten Staaten heraus- beschworen. Eine autarke Wirtschaftspolitik sei der Tod des deutschen Volkes. Mll der innenpolitischen Reinigung des Staatsapparates vom Marxismus und mit den Maßnahmen in wehrpolitischer Hinsicht gebe man mit der Reichsregierung einig. Die Eingriffe in die Selbstverwaltung der Kommunen, insbesondere hinsichtlich der Sozialpolitik, erfüllten mit Mißtrauen. Der Einzelne müsse dem Gesamten dienen. Aufgabe des Staates fei es, in bestimmten Grenzen Einfluß auf die Wirtschaft zu nehmen, um die Gemeinschaft vor Ausbeutung zu schützen. Staatsaufsicht und Kontrolle seien nötig. Das dürfe aber nicht zur Wirtschaftsdiktatur führen. Der Staat als solcher müsse dem Arbeitenden in Zukunft liebenswert erscheinen und ihm nicht allenthalben feindlich gegenübertreten. Die Staatsform, die dem deutschen Volke not tue, müsse sich aus der Synthese eines autoritären Staates und der funktionalen (nicht der allein formalen) Demokratie organisch entwickeln. „Jedem das Seine!", müsse Grundsatz werden. Man wolle im DHV. die Anerkennung des Rechtes. Die Aufgabe eines autoritären Staates fei die Führung einer Außenpolitik die dem Volke den Lebensraum sichert. Innenpolitisch solle sich der Staat nicht mehr belasten, als unbedingt nötig ist. Das ständische Leben müsse seine eigene Form finden. Die Forderungen des DHV. führen zum Kampf um die Verwirklichung der berufständifchen Idee, die die Ueberroinbung der Formaldemokratie und der Sozialreaktion zur Folge haben müßten. Der DHV. müsse sich auf seine alten Ideale besinnen und seine große geschichtliche Mission im Interesse des Volksganzen erfüllen. Das deutsche Volk brauche eine ständische Verfassung. Der DHV. müsse daran mitarbeiten. Deutsche Zukunft liege in der ständisch gegliederten neuen Ordnung von Beruf und Staat, nicht zuletzt aber in seiner unbedingten Einigkeit nach innen und außen. (Lebhafter Beifall.) Der Abschluß. Das Schlußwort sprach Gaubildungsobmann Arndt, Frankfurt a. M. Er faßte das Ergebnis der Tagung zusammen und wandte sich dabei besonders an die Iugend im Verband, für die es gelte, zu erkennen, daß unter Llmständen mit den größten Opfern die Freiheit Deutschlands erkämpft werden müsse. Das gemeinsam gesungene Verbandslied beschloß die Kundgebung. Rachmittags hatte die Ortsgruppe Gießen die Kreistagsteilnehmer und die Mitglieder der Ortsgruppe Gießen zu einem geselligen Beisammensein eingeladen. Die Musrkergilde der Ortsgruppe, der Frauen- und Männerchor, die Turnergilde und die Iugendabteilung der Ortsgruppe trugen .zur Ausgestaltung des Festnachmittags bei. Vertrauensmann Schwarz hielt eine Ansprache. Tanz beschloß den Tag. Was gibt es Neues in Berlin? Unpolitischer Brief aus der Reichshauptstadt. „Das dumme Ding." Die Kinderkrankheiten des erwachsenen Menschen nehmen bis zur zweiten Kindheit kein Ende. Dies offenbart uns immer wieder, in Abständen, die ruhig etwas länger fein dürften, als^ sie sind, die Mode. Eine Zeitlang — es ist gar nicht fo lange her — trieb man es mit einem angeblich chinesischen Spiel namens Mah-Jongg, bann machten sich mehrere Kartenspiele — von Romins bis Bridge — im häuslichen Leben breit, und nun haben wir' die letzte, wenn auch die unkomplizierteste dieser Seuchen ii^-Gestailt von Po-Po. Woher es eigentlich kommt? Die genaue Abstammung dieses Spieles weiß, glaube ich, kein Mensch. Eingeschleppt wurde die Epidemie jedenfalls von Paris. Jetzt zieht sie in Berlin ihre Kreise und fordert stündlich neue Opfer. An jeder besseren Straßenecke steht ein Mann mit einem Pappkarton und bietet den Vorübergehenden „H i e r n o ch d a s neueste U n t e r ha l t u n g sf pi el!" an. Ernsthafte Männer stehen, ein wenig beifeit’, aber nicht gar zu weit, sie starren angespannt auf diesen kleinen Gegenstand in ihrer Hand und versuchen ihn ... Geht es? Ja wirklich, es geht schon ganz schön. Und bei etwas unfreundlicher Witterung finden diese Hebungen nicht auf der Straße statt, sondern i m ersten Po-Po-Klub, der sich in Berlin aufgetan hat. Auf diesen Klub haben wir alle gewartet! Abend für Abend ist er gedrängt voll. Ein Brett <Äi der Wand beherbergt gleich im Eingangsraum diese „Sportgeräte". Teils sind sie fertig gekauft, aber es gibt auch Leute, die auf ihr eigenes Fabrikat schwören. Man sieht putzige Dinger dort, fabriziert aus den sterblichen Ueb erlösten eines Schildpattkammes oder einer alten Grammophonplatte. Und im Hauptsaal, begleitet von den Klängen eines Klaviers, stehen dann diese Kinder im Alter von 4 bis 40 Jahren und üben Po-Po, wenn es geht, ohne Unterbrechung und, wenn es hoch kommt, mit allen zehn Fingern zu spielen. Nebenan hat sich die theoretische Abteilung breit- gemacht. Es ist, wenn man sich fo ausdrücken darf, eine Vereinigung ernster Po - Po - For - scher. Erhitzt diskutieren sie die Herkunft ihres Sportes, ©ajon die alten Asgypter haben ihn zweifellos gekannt. Andere wollen den Kaiser Cali- gula als Urvater dieser edlen Betätigung ansshen. Zwischendurch wird allerdings bekannt, daß Napoleon auf St. Helena und der greife Goethe in Weimar dieses Spielzeug zu ihren liebsten Gebrauchs- gegenständen gezählt haben sollen. Sogar Götz von Bettichingen soll trotz seiner eisernen Hand und seinem bekannten ungebärdigen Wesen ein Fanatiker dieses Sportes gewesen sein, und Falstaff hat, so versichern uns diese Leute, beim Po-Po-Spiel mindestens zehn Pfund seines Gewichtes eingebüßt. Die Praktiker aber veranstalten indessen richtige Wettkämpfe. Der Berliner Rekord wird verkündet: 345 mal ist das runde Ding ohne Unterbrechung an feiner Schnur auf- und abgeglitten. Wer überbietet diese Leistung? Wer wagt es? Ein achtjähriger Junge, eine angejahrte Dame und ein Rechtsanwalt in der Blüte feiner Praxis fordern den Titelhalter heraus. Und wer beim Besuch dieses Klubs noch nicht genug bekommen hat, der gehe in ein Lokal, das soeben im Westen Berlins unter dem Namen „D a s dumme Ding" entstanden ist. Dort werden allabendlich von Amateuren und Professionals große Schaustellungen mit Po-Po dar- geboten... „Das dumme Ding" — in der Tat! Enoch Arden unter den Elefanten. Elefanten haben bekanntlich nicht nur ein dickes Fell, sondern auch eine robuste Lebensdauer. Wenn sich ihre Haut auch schon in jungen Jahren runzelt, wenn sie auch schon von Kindesbeinen an Grauköpfe sind, so werden sie doch oftmals älter als die ältesten Leute. Wobei sie sich augenscheinlich so wohl fühlen, daß man schon wirklich von voller körperlicher und geistiger Frische sprechen kann. Einer schien nun eine Ausnahme zu machen, und dies war der älteste Elefant des Berliner Zoologischen Gartens, sozusagen der Oberelefant, der Re- nommierelefant Karl. Seit längerer Zeit schien er an Herzschwäche zu leiden. Man hatte ihm schon einige gigantische Spritzen in feinen Riesenleib jagen lassen. Als aber neulich der Obertierarzt mit besorgter Miene aus dem Käfig trat, sickerte es durch: Elefant Karl ist nicht zu retten. Da er aber gutwillig feinen Geist nicht -aufgeben wollte, beischloß man, ihn durch einen Gnadenschuß von feinem Leiden zu erlösen. Schon lud der Jäger die Flinte — einige Tage waren inzwischen vergangen — da vernahm man aus dem Hause der Elefanten erstaunliche Kunde. Karl war eines Morgens offenbar völlig gesund und ohne jegliches Anzeichen seiner Beschwerden von feinem Krankenlager aufgestanden, er tobte in feinem Käfig herum und suchte mit feinem Rüssel ungestüm nach einem passenden Frühstück. Eine sofort angestellte Konsultation ergab, daß von ernstlicher Erkrankung kaum noch die Rede sein konnte. Die Srrettion des Zoologischen Gartens warf also die Flinte, die Karl den Fangschuß geben sollte, ins Korn und öffnete ihm das Gitter, um ihm einen Besuch bei seiner Gattin Lindy zu gestatten, von der er schon vor Wochen, als es bergab mit ihm ging, bewegten Abschied genommen hatte. Und die staunenden Zuschauer, die sich an diesem Morgen im Zoo eingefunden hatten, konnten das rührende und gewiß nicht alltägliche Schauspiel erleben, wie ein totgeglaubter indischer Riesenelefant, sich, seiner Gattin und der Versicherungsgesellschaft des Berliner Zoos zur Freude, als zweiter Enoch Avden in sein altes Heim einziehen konnte, um seine Gattin, bildlich gesprochen, in die Arme zu schließen. Buntes Allerlei. Ein Herkules-Baby. Der 2Vejahrige Eugen Dencivengv, der mit seinen Eltern zu Albany im Staate Reuyork lebt, gibt rächt nur diesen viel zu denken, fonbem erregt auch seit seinem zartesten Alter die Derwun- derung der Aerzte. Der Kleine, der aber gar nicht Lein ist, denn er mißt schon 92 Zentimeter, wird allgemein das „Herkules-Baby" genannt und gilt für den „stämmigsten Iungen" der Welt. Er wiegt 100 Pfund. Als der neue Herkules das Licht der Welt erblickte, zeigte die Waage ein normales Gewicht von sieben Pfund an. Aber zwei Wochen später wog der Säugling schon 20 Pfund, und die besorgten Eltern wandten sich an einen Arzt. Dieser aber konnte nichts Llngewöhn- liches an dem Kinde entdecken, das erstaunlich rasch an Größe und Leibesumfang zunahm. Ie schneller sich Eugen entwickelte, desto mehr Gelehrte kamen, um sich das Raturwunder zu besehen. Er wurde gemessen, durchleuchtet, in jeder Weife untersucht, aber während man sonst gewöhnlich bei solchem Wachstum eine unnormale Tätigkeit der Drüsen feststellt, war hier nichts Derartiges zu bemerken. Eugens Organismus ist vollkommen der eines gesunden Kindes mit der alleinigen Ausnahme, daß er seinen Altersgenossen an Kräften und Llmfang um viele Iahre voraus ist. Llngewöhnlich ist auch sein Appetit. „Roch niemals habe ich einen Iungen so viel essen sehen", berichtet seine Mutter. „Er ist der Erste bei Tisch und der Letzte, der aufsteht. In der Zwischenzeit macht er sich über alles Eßbare her und verzehrt unzählige Butterbrote. Am liebsten ißt er Makkaroni und Kartoffeln, während er Fleisch und Geinüse ablehnt. Seine Kleidung macht mir beständig Kopfzerbrechen, denn kaum hat er einen neuen Anzug bekommen, so hat er ihn schon wieder ausgewachsen. Abends schläft er nur ein, wenn er noch eine Flasche mit Milch bekommt, und ohne Schnuller will er nicht stillliegen. Dagegen hat er für Spielsachen, wie sie andere Kinder lieben, kein Interesse. Für Teddybären, Gummibälle und Segelboote ist er zu groß! sie zerbrechen sofort in seinen kräftigen Hän- Len. Er liebt nur solche Spiele, bei denen eo I seine Muskeln üben kann. Er trägf mir unermüdlich große Kannen mit Wasser, wenn ich Wäsche habe, und zieht seinen 4jährigen Bruder nebst andern Kindern auf einer Karre, die sonst nur ein ausgewachsener Mann von der Stelle bringt. Da er das Sprechen nur sehr schwer lernt, so glaubten wir, daß er geistig zurückgeblieben! sei, aber die Aerzte haben uns gesagt, daß er nur deshalb so schlecht spricht, weil er so wenig mit gleichaltrigen Kindern zufarnmenkommt. Er kann eben nur mit Großen spielen: feine Altersgenossen fürchten sich vor ihm." Klavierspiel mit Wollhandschuhen. Als man dem geistreichen englischen Arzt Dr. Iohnson einmal einen Hund vorführte, der darauf dressiert war, auf seinen Hinterfüßen zu gehen, rief er aus: „Großartig! Aber ich wünschte, daß sowas nicht möglich wäre." Das Gleiche möchte man von der Leistung eines amerikanischen Klavier-Virtuosen Henry Scott sagen, der dadurch berühmt geworden ist, daß er nur mit dicken wollenen Fausthandschuhen spielt. Riemals berührt er die Tasten mit den bloßen Fingern und behauptet, daß er dieser Bekleidung die außerordentliche Weichheit und Schönheit feines Anschlages verdanke. Mit diesen behandschuhten Händen bringt er in gleicher Weise eine Iazz-Komposi-- tion wie Liszts Zweite Llngarische Rapsodie zu Gehör und findet den nicht endenwollerrden Beifall seines Publikums. Auf diesen Trick, mit dem er viel Geld verdient, ist der beliebte „Scotty" durch einen Zufall gekommen. An einem kalten Wintertoge langte er vom Schlittschuhlaufen mit steif gefrorenen Fingern zu Hause an und setzte sich sofort an den Flügel, um etwas zu spielen. Er bemerkte zu seinem Erstaunen, daß die Handschuhe ihn nicht hinderten, sondern ihm eine gewisse Feinheit des Anschlags ermöglichten. Er hat dann diese Technik sorgfältig ausgebildet und glaubt, es dadurch zu einer großen Vollkommenheit des Spiels gebracht zu haben. Bekannte Pianisten erklärten, daß sie nicht verstehen, wie überhaupt auf diese Weise ein erträgliches Spiel zustande kommen kann. O.Jl.-'Svoti Oer DFB. tagt in Wiesbaden. Stellungnahme zum Profifußball. Am Samstag fand im Wiesbadener Kurhaus der diesjährige Bundestag des Deutschen Fuß- ball-Bundes, der von allen Landesverbänden sehr gu-t besucht war, statt. Nachdem man sich über die wichtigsten Fragen schon in den vorangegangenen Vorstands- und Ausschuß-Sitzungen sehr eingehend unterhalten hatte, blieb dem Plenum nur mehr die Erledigung der eigentlichen Tagesordnung Vorbehalten, die denn auch sehr reibungslos vonstatten ging und nur etwas über vier Stunden beanspruchte. In seiner Begrüßungsansprache gedachte der 1. Vorsitzende des DFV., Linnemann, des verstorbenen 1. süddeutschen Derbandsvorsitzen» den Eduard K a r t i n i und würdigte de'sen Der- dienfte. Hierauf gab er zur Verufsspieler- frage folgende Resolution des Dundes-Vor- standes bekannt: „Der Bundesvorstand hat sich mit den verschiedenen Formen der Entwicklung des Amateur- und Berufssports befaßt. Dieser Entwicklung Rechnung tragend, hat der Bundesvorstand folgende Erklärung abzugeben: l.Der Bund regelt den Berufs-Fuhballsport. 2. Die Leitung dieses Berufs-Fußballsports must nach den international anerkannten Be'chlü - sen in den Händen von ehrenamtlich tätigen Personen liegen. Aus dieser grundsätzlichen Stellungnahme heraus warnt der Bund vor dem Anschlust an illegale Organisationen. 3. Der Bundesvorstand ist unbeeinflußt von Er- eignissen irgendwelcher Art an die Reuregelung der deutschen Fustballverhältnilse her- ungetr'üen. Er hat den geschästsführenden Ausschuß beauftragt, die erforderlichen Mast- nahmen vorzubereiten und dabei folgende Richtlinien zu berücksichtigen: a) Die Regelung soll eine Bereinigung des bisherigen Zustandes gewährleisten, b) Sie must den Amateurvereinen weitestgehenden Schuh und besondere Förderung angedeihen lassen, c) Die Frage der Lebensfähigkeit des Derufsfustball- .sports ist zu beachten und dabei sind die örtlichen Verhältnisse wie auch die Einstellung der mastgebenden Behörden zu berück- sichpgen. Der Bundesvorstand erwartet vom geschäftsführenden Ausschust mit aller Beschleunigung die Vorlage von Vorschlägen und Richtlinien und bittet den Bundestag, ihm die Vollmacht zur Durchführung der notwendigen Maßnahmen zu geben." 3n den Debatten zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung wurde von Dr. Bauwens unter Assistenz des Bundes-Spielausschust-Vor- sihenden Professor Glaser, Freiburg, besonders scharf gegen das bisherige Spielsystem Stellung genommen, das einer Aufwärtsbewegung der Spielstärke des deutschen Fustball hemmend ent* gegenstehe Die Berichte der verschiedenen Ausschüsse wurden einstimmig genehmigt, ebenso wurden den Bundesorganen Entlastung erteilt. Bei den Neuwahlen wurde der Bundesvorstand mit geringen Aenderungen wiedergewählt. Als Nachfolger Dr. Ivo S ch r i ck e r s, der infolge feiner Berufung zum Generalsekretär der FIFA, sein Amt als dritter Vorsitzender abgegeben hatte, wurde der bisherige süddeutsche Schatzmeister Dr. R a st b a ch, Wiesbaden, ernannt. Für Professor Dr. Wagner, Danzig, der auf eine Wiederwahl verzichtete, wurde Oberstudiendirektor Dr. Erbach, Krefeld, gewählt. Dr. Wagner wurde mit der Chrenmitgliedschaft des Deutschen Fustball-Bundes ausgezeichnet. Im weiteren Verlauf der Tagung standen noch einige Anträge zur Debatte. Der wichtigste, die Erhöhung des Anteiles der Vereine an den Einnahmen der Meisterschaftsendrunden, verfiel nach scharfen Wortgefechten der Ablehnung. Nach einstimmiger Annahme der Resolution zur Berufs- spielcrfrage schlost Linnemann mit Worten des Dankes an die Vertreter die ereignisreiche Tagung. DfB. Sriebberg gegen Eintracht Frankfurt 11 (0:1.) Dieses Unentschieden des Neulings gegen den süddeutschen Meister erweckte natürlich bei den 3000 Friedberger Zuschauern grosten Jubel. And man must sagen, daß das Ergebnis nicht ungerecht ist, denn in der zweiten Halbzeit lieferte Friedberg «n säst gleichwertiges Spiel. Vor der Pause waren die Frankfurter allerdings fast ständig überlegen, sie trieben aber die Kombination zu weit, so dast nur ein Tor durch den Junioren Mohns erzielt werden konnte. Friedberg kam in der 37. Minute der zweiten Halbzeit durch Schmitt zum Ausgleich. Bemerkenswert ist noch, dast die Eintracht nur Ehmer ersetzt hatte, sonst aber mit der etatmäßigen Mannschaft — also auch mit Schütz und Stubb — antrat. Kratzenburger (Sprendlingen) leitete sehr aufmerksam. Ver-bandsspiele in Hessen. Die Spiele in der Gruppe Hessen verliefen diesmal alle programmgemäh. Lediglich die Höhe der Resultate überraschte in einigen Fällen. So siegte Wormatia bei Kastel mit 5:2 (3:1) höher, als es dem Spielverlauf nach gerecht- fertigt gewesen wäre. Der SV- Wiesbaden lieferte gegen Mombach ein Stürmerspiel, wie man es von ihm seit langen Monaten nicht gesehen hatte und so kam denn auch ein 4: 0-(l: 0)-Sieg zustande. Mainz 05 siegte in Arberach 2:0, die Wormser Kombinierten fertigten Lorsch 3: 0(0:0) ab und Bürstadt kam zu Hause zu einem 2:1- Sieg über den FC. Langen. Wesentliche Veränderungen in der Tabelle hat es also diesmal nicht gegeben. Weltmeister Richters großer Erfolg. Europas Berufsfahrer-Elite 'geschlagen. Cs war ein interessanter Versuch, den Amateur- Weltmeister Albert Richter, Köln, bei feinem ersten Start als Berufsfahrer gleich den besten europäischen Berufsfahrern gegenüberzustellen. Der Kölner hat seine Probe ganz ausgezeichnet bestanden. Rur Engel konnte ihm eine Niederlage beibringen. Alle übrigen Teilnehmer aber, darunter auch den Weltmeister der Berufsfahrer, den Belgier Scherens, konnte er glatt schlagen. Auch Martinetti, Falck-Hansen, Steffes und Osz- mella mustten sich dem jungen Kölner, der erst por wenigen Tagen feinen 20. Geburtstag feiern konnte, beugen. Im Gesamtergebnis siegte Richter übexle gen vor Engel. Steffes und Scherens. Ritter hat sich also in die Reihe der Profis ganz überzeugend eingeführt. In einem Amateur- Mannschaftsrennen siegten die Kölner Krewer- Merkens vor Stupp-Küster und Siehl-Reiländer. Fechten im Turngau Hessen (OT ). Ein TNannfchaftskampf. In Bad-Nauheim fand am Sonntag die zweite Begegnung der Fecht-Abteilungen des Tv. Wetzlar und des Tv. 1860 Bad-Nauheim statt. 2n jeder Mannschaft standen drei Florettfechter, drei Säbelfechter und drei Florettfechterinnen. Wie beim ersten Treffen in Wetzlar vor einigen Wochen wurde auch diesmal Tv. Wetzlar mit 4:2 Punkten Sieger in dem spannenden Mannschaftskampfe. Die einzelnen Waffen zeigten folgende Ergebnisse: Florett-Fechter: 6:3 Siege für Wetzlar: Florett-Fechterinnen: 5:4 Siege für Wetzlar: Säbel-Fechter: 5:4 Siege für Bad- Nauheim. Beste Einzelfechter waren: Florett: Karl Mulch, Tv. Wetzlar: Säbel: Paul Hoffmann, Tv. 1860 Bad-Nauheim: Fechterinnen: Frau Erna Kutscher, Tv. 1860 Bad-Nauheim. Kurze Sportnotizen. Marie Braun-Philippsen. die holländische Rekord- und Olympia-Schwimmerin, ist jetzt schwer krank aus Los Angeles zurückgekehrt. Sie glaubt, in Amerika vergiftet worden zu sein. Rach einem scheinbar scherzhaften Nadelstich ins Bein, dem sie wenig Beachtung schenkte, wurde die Holländerin schwer krank und konnte nicht mehr starten. Marie Braun ist der Ansicht, daß auf sie das Attentat verübt wurde, weil sie als schärfste Gegnerin der späteren amerikanischen Olympiasiegerin Eleanor Holm angesehen werden mußte, und für diese ein siebenjähriger Filmkontrakt auf dem Spiele stand, wenn sie geschlagen worden wäre. Wie weit diese Behauptungen zutreffen, wird wohl nie zu ermitteln fein. Das „Kriterium der Ass e", ein Einzelfahren für Straßenfahrer, gewann am Sonntag im Berliner Sportpalast der Berliner Funda vor feinem Landsmann Wissel und dem Belgier Jean zierte. * I m Turiner Marathonlauf siegte der Italiener Fanelli in 2:45:01,4 vor seinem Landsmann Genghini, der mit 54 Sekunden Rückstand einkam. Olympiasieger Jsmayr und die beiden Ringer Földeak und Sperling nahmen am Sonntag in Tilsit an einer Werbeoeranstaltung teil. Während die beiden Ringer ihre Kämpfe gewannen, konnte Jsmayr fein Können nicht ganz entfalten, da die vorhandenen Gewichte nicht ausreichten. Die Deutschen Ski-Meisterschaften 1 9 3 3 werden vom 17. bis 20. Februar in Freu- denstadt-Baiersbronn ausgetragen. ♦ Das Tennisturnier in L u g a n o wurde am Montag abgeschlossen. Roderich Menzel gewann das Herreneinzel bidjt 6:1, 6:3, 6:3 über den Schweizer Aeschlimann. Frl. Payot - Frl. Ellmer siegten im Damendoppel über Frau Deutsch - Frl. Kallmeyer 2:6, 6:3, 6:3 und im Gemischen Doppel gewannen Payot - Aeschlimann über Friedleben- Menzel 6:1, 6:2. S ü dd e u t schl a nd erzielte beim Hockey-Länder- tampf gegen Oesterreich in Frankfurt vor 1000 Zuschauern noch ein Unentschieden von 3:3, nachdem die Gäste 12 Minuten vor Schluß noch 3:0 geführt hatten. Holland besiegte in Brüssel vor 35000 Zuschauern Belgien im Fußball-Länderkampf mit 3:2 Treffern. Eine Ueberraschung mar der 8:5-(8:5) Sieg, den SüddeutsHland in Hannover beim traditionellen Rugbykamps gegen Rorddeutschland erzielen konnte. Billard: Lütgehetmann — Sommer. Am Donnerstag, 20. Oktober, spielt im Cafe Amend der Amateur Lütgehetmann (Frankfurt a. M.) eine Wettpartie auf 400 Bälle gegen den Billardmeister Sommer (Gießen). Trauerfahnen in Biedenkopf. WSN. Biedenkopf, 17. Okt. Am 15. Oktober hätte der Kreis Biedenkopf auf eine 100jährige Geschichte zurückblicken können, wenn nicht inzwischen die Auflösung des Kreises erfolgt wäre. Die Bevölkerung hatte deshalb den 15. Oktober zum Trauertag erklärt und zahlreiche Gebäude der Stadt trugen am Samstag schwarze Fahnen und schwarzweißrote Fahnen mit Trauerflor. Beim Sprengen verunglückt. || Marburg, 17.Okt. Als der 20jährige im Freiwilligen Arbeitsdienst tätige Arbeiter Becker bei Dexbach, in der Nähe von Biedenkopf, mit dem Bohren von Sprenglöchern beschäftigt war, kam ein überspringender Funke mit bereite gelegtem Sprengstoff in Verbindung. Die entstehende Explosion riß dem jungen Mann die rechte Hand mit dem Unterarm glatt ab. Man brachte den Verletzten in die Marburger Klinik. Kunst und Wissenschaft. Greiner-Ausstellung in DarmflaM. Dem Vorsitzenden des Gaues Hessen des Reichs- Verbandes bildender Künstler, Kunstmaler Dr. Greiner, wurden anläßlich seines 60. Gebarts* tages besondere Ehrungen zuteil. In den Räumen des ehemaligen Geweroemuseums in Darmstadt wurde eine Ausstellung des Gesamtwerkes des Künstlers eröffnet, wobei der zweite Vorsitzende Dr. Rill eine herzliche Ehrung des Jubilars vornahm. Unter den zahlreichen Ehrengästen war auch Oberregierungsrat Henrich als Vertreter des Kultusministeriums erschienen. Staatspräsident Dr. Adelung, Finanzminister Kirnberger und Landtagspräsident Werner hatten dem Jubilar ihre Glückwünsche schriftlich ausgedrückt. Dr. Rill betonte insbesondere die Verdienste, die Dr. Greiner sich um den Reichsverband und die Künstler in der jetzigen schweren Notzeit erworben habe. Greiner selbst legte dann in einer Ansprache ein Bekenntnis seines künstlerischen Schaffens ab. Die Ausstellung ist durch zahlreiche Leihgaben aus Privatbesitz außerordentlich gut beschickt und vermittelt ein interessantes Bild des eigenartigen Künstlers. Herbstausstellung der Akademie der Künste in Berlin. Unter großer Beteiligung von Künstlern und Vertretern der Behörden wurde in Berlin dir Herbstausstellung der Akademie der Künste von Generalmusikdirektor Prof. Mar v. S ch i l l i n g s feierlichst eröffnet. In seiner Ansprache gab er dem Bedauern Ausdruck, den Ehrenpräsidenten Max Liebermann, der aus Gesundheitsrücksichten der Eröffnung fembleibcn müsse, nicht begrüßen zu können. Die Tatsache, daß ein Musiker die Herbstausstellung eröffne, dokumentiere die Gemeinsamkeit der Künste. Zum Tode von Professor Rothenbucher. Der bekannte Münchener Rechtslehrer Universitätsprofessor Dr. Karl Rothenbücher, der dieser Tage, wie bereits kurz gemeldet, im Alter von 52 Jahren in München verstorben ist. gehörte der Münchener Universität seit 1908 als Privatdozent, seit 1912 als Ordinarius des Kirchenrechts und der Soziologie an. Er war ein Schüler von Seussert und Brentano, List und Schmoller. Sein Werk, „DieTrennungvonStaat undKirche", hat seinerzeit große Aufregung erregt. Die Münchener Universität verliert in ihm einen ausgezeichneten Lehrer und wissenschaftlichen Forscher von hohem Ruf. Auch im politischen Leben spielte Rothenbücher eine bedeutsame Rolle. Wirtschaft. Frankfurter Abendbörse geschästslos. Frankfurt a. SOI., 17. Okt. Die heutige Abendbörse verkehrte auf die schwachen Kursmeldungen aus Neuyork in überwiegend schwächerer Tendenz. Das Geschäft war minimal und beschränkte sich auf die Kulisse, die kleine Abgaben vornahm, zumal keinerlei anregende Momente vorlagen und auch die Kundschaft sich weiter fernhielt. Gegen den Berliner Schluß ergaben sich meist Rückgänge bis zu 0,5 v. H. Auch im Verlause bröckelten die Kurse infolge der großen Geschäftsstille weiter ab. Am Renten markt war es gleichfalls sehr still, doch nannte man meist unveränderte Kurse. Schutzgebiete bröckelten jedoch bis auf 5,13 v. H. ab, kamen aber später auf etwas Nachfrage mit 5,30 v. H. zur amtlichen Notiz. Neubesitzanleihe 6,65, Altbesitzanleihe 47,13, Dresdner Bank 61,75, Reichsbank 125,75, Gelsenkirchen 40, Stahlverein 24,13, AEG. 33, Bemberg 55, Bekula 114,5, Licht & Kraft 87,5, JG.-Farben 94,5, Hapag 16,90. * Bahnmeisterei Hanau stellt 200 '21 x- beiter ein. 3m Rahmen des Arbeitsbeschaffungs- Programms der Reichsregierung haben die Bahnmeistereien im Bezirk des Arbeitsamts Hanau rund 200 Zeitarbeiter eingestellt. * Arbeiterein st ellllngen bei der Mainzer Aktien - Bierbrauerei. Die Mainzer Aktien - Bierbrauerei wird entsprechend dem Beschluß des Deutschen Drauerbundes vom 5. Oktober 1932, welcher eine 'Befolgung der Forderung der Reichsregierung zur Minderung der Arbeitslosigkeit empfahl, ihre Belegschaft um 5 v. H. erhöhen. Von der Vergünstigung einer lOprozenti- gen Herabsetzung der Löhne, die minder 5prozenti- gen Neueimiellung laut Notverordnung möglich wäre, wird die Mainzer Aktien-Bierbrauerei keinen Gebrauch machen. Die ganze Belegschaft einschließlich der Neueingestellten wird vielmehr in gleicher Weise wie bisher nach Taris entlohnt. * Ein interessantes komm un ales Finanz-Experiment. Die Stadt Magdeburg will mit ihren Anleihen aus den Jahren 1926 und 1928 ein interessantes Experiment machen. Diese Anleihen hatten ursprünglich einen Kurs >on 90 Prozent. Die Finanzkrise drückte den Kurs auf rd. 60 Prozent herunter. In dem Dilemma, einerseits das allgemeine Zutrauen zp ihren Anleihen zu heben und andererseits den Kurs wegen der Lilgungsverpflichtungen nicht zu hoch steigen zu lassen, hat die Stadt jetzt beschlossen, bis zum 31. Dezember 1932 bei den Kassen der Stadt Magdeburg Anleihestücke zum Kurs von 90 Prozent in Zahlung zu pehmen für Straßenanliegerbeiträge, Reichsmarkhypotheken und Restkaufgelder ausschließlich Hauszinssteuerhypotheken, Aufwertungshypotheken. Reparaturhypotheken, Darlehen aus dem städtischen Wohnungsbaufonds. Darlehen und Außenstände anderer Art nach besonderer Vereinbarung. AIS Zahlung für Einnahmen, die sofort zur Deckung laufender Ausgaben Verwendung finden müssen, können also Anleihestücke nicht in Zahlung genommen werden. . Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 17. Oktober. (WTB.) An der Getreidebörse blieb das seit Wochen anhaltende . ruhige Geschäft auch zum Wochenbeginn bestehen. Das Angebot in Weizen war ausreichend, während Roggen weit über die Nachfrage hinaus angeboten war. Am Gerstenmarkt trat infolge des knappen Angebots die Nachfrage etwas besser in Erscheinung, und die Preise laueteten im freien Markt ; etwas höher. Industrie- und Futtergerste wurden | mit 180 Mark per Tonne bezahlt. Der Futter- mittelmarft lag geschäftslos und nachgebend, nur ölhaltige Futterartikel tendierten etwas freund- > ließer, wobei die feste Haltung an den Ausland- börfen anregte. Am Mehlmarkt stagnierte das Ge« schäft nahezu vollkommen, sowie bei Weizen- als auch bei Roggenmehl. Gegen 14 Uhr nannte man etwa folgende Preise: Weizen 212,50 Mark, Roggen 162,50, Sommergerste für Brauzwecke 180 bis 190, Hafer (inländischer) 140 bis 145, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 31 bis 32,25, Weizenmehl (niederheinifches) 31 bis 32, Roggenmehl 23,75 bis 24,75, Weizenkleie 7,50 bis 7,65, Roggenkleie 7,75 Mark. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lvmbardzinsfuß v. H ZrankfuN o. M Serlln Schluß» kurS Schluß!. Abend» börsc Schluß» ture Schlußk. Mittag. bSrse Datum 15-10. 17-10. 15-10. 17-10- 6% Doutiche iKcidisanlctiic v.192. - 73,4 73 73,5 6% ehcm. 7%Dt. Reich-anl. V.1S2S 88,3 90 88165 syi% Boung.Anlclhe von 1930 . 71,5 71 71,75 70,9 Deutsche Anl.»Ablös.»Schuld mti Auölos.Rechten...... 47,4 47,13 47,4 47 Deegl. ohne AuSIos.-Rechte . . 6.7 6.65 6,7 6,6 6% ehern 8% t>rfi BolkSstaat ISSN (tüdiahlb. 102%)...... 63,5 67,5 68,65 68 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auelos..Reckten...... 68,65 — — — Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie l...... - — — — 6% ehem. 8% Uran«. Hyp.-Banl Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 75,5 75,5 — — 6% ehem. 7% Rranlf. Hyp.-Banl Golvple 16 unkündbar bis 1936 - 75,5 — — ehem. 4"/,% ürankf.Hyp.- Bank Stau Pjaudbricse . . . 79,9 79.9 — — 6'/.% ehem. 4 >4% Rheinische Hvv.-Bank Liau -Goldpse. . 79,9 80 — — 6% ehem 8% Pr. Landcsvland- briesanstaii Psandbriele R. 19 73 73 73 73 6% ehem. 7% Pr. Landespfand. briefansiall. Psandbriese R. 10 73 73 — - 4% Oesierretchtlcke Gotvrcnie . 4,20% Oesterrcickischc Silberrentr 10,25 10,5 10,8 10,5 — 1 1.05 1.05 4% Ungarische Goldrcntc .... 6.65 6,75 6.85 6.85 4% Ungarische Slaaisrentc v. 1910 6,75 6.75 6.85 6,85 45'-% dcsgl. von 191»..... 5% abgcsl. Goldmcrikaner von 99 — — 6,8 6.8 6,75 6,5 3,5 — 6,25 4% Türkische Zollanleihe von 1911 3,5 3.45 3.4 4% Türkische Bagdadbahn-Anlcihe ee*l. ... 3,6 3,75 3,5 3,5 4% deSgl. Serie II..... 3.5 3.5 3.4 3.25 6% Rumün. vereinh. Rente 9.190: 4,7 4,5 4,75 4,6 4^%Ruman.veretnh.Renrrv.l913 7,6 8 8 7.9 4% Rumanische vereinh. üüwtc L iMtoliu ...... 4,2 | 4,2 4,3 । 4.25 ia 06 1 l£-5 18.25 1 l&J Frankfurt a.M. Serlln Schluß« kurs Schluß«. Abend» bSrse Schluß« kurü Schlußk. Mittag» bSrse Saturn 15-10- 17-10- 15-10- 17-10- pamburg-Amerua Pare. I 17,9 16,9 17,65 17,13 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 — — — Hansa Dampsschiss . . . ( — — 28,25 27,5 Norddeutscher Llorid .... . 1 18 17,5 18.13 17,5 A.G. für Verkehrswesen Alt. . 0 42 42 42,5 41,3 90,75 Berliner Handeiögcleilickait . 4 90,5 90,5 91,5 Commerz» und Privat-Bank . 0 53,5 53,5 53,5 53,5 Darmstädter und Nationalbant Deutsche Bank und 0 — — — — DiSconlo-Gesellfchast. . . 0 75 75 75 75 Dresdner Bank...... 0 61,75 61,75 125,75 61,75 61,75 Reichsbank........ 1: 125,25 125,75 125,5 A.E.Ä........... Bergmann......... Eiektr. LieserungSgesellschast. . 0 34,75 33 34,13 33,5 . 0 B 67,5 20,5 67,5 20,75 68,5 20,75 68 Licht und Kraft...... 6 87,5 87,5 87.5 87,75 Reiten & »uilleoume.... SescUschast für Clcktrische 0 58 72 73,75 » 57 72 72,5 57,25 72,13 73,75 57,5 Untemebmungen .... Rheinische ClektrizULt . . . 4 BB 72 72,5 Schuckert & Go....... 0 73,5 73,5 73 73,5 Siemens & HalLle..... 9 117,25 119 117,5 119,5 Lahme her & Go...... . 10 119,5 119 120,5 119,5 Buderus.......... Deutsche Erdöl...... . 4 40,9 40,75 41 40.9 . ö 72,75 74 72,65 73,75 Gelsenkirchener...... . 8 38,5 40 39,75 40 Harpener......... . 0 74,5 74,75 74,75 74,5 Hoesch Eisen........ . 6 — 38,5 38 Ilse Bergbau....... 10 — — 123,25 124,75 Ilse Bergbau Genüsse . . . 99,25 99 98,5 —— »lodnctrocrte....... . 6 34 34 34,25 34.5 ManncSmann-Röhreu . . . . 6 53,9 52 53 52 ManSsrlder Bergbau .... . 0 21 21 20,75 20,75 Lbcrschles. Lokswerte . . . . 8 41 41.75 Phönix Bergbau...... 41 7 28,25 27,5 29 27,9 Rhemische Braunkohlen. . . io 168,23 167 167,5 166.3 68,25 67 68 66,75 Frankfurt o. M. Schlußkurs Schlußk. Abend» börke Schlußkurs Schlußk. mittag» börse Datum 15-10. 17-10- 15-10. 17-10. Riebeck Montan...... Bereinigte Stahlwerke .... 0 Otavi Minen....... 0 24 17,25 24,13 17 23 75 17 24,13 16,75 Kaliwerke Aschersleben ... 6 103 102 105 102 Kaliwerke Westeregeln ... 6 Kaliwerke Salzdetfurth ... 9 109,5 164 108.5 165 109,5 166 165,25 I. ®. Farben-Jndustrie ... 7 95,25 94,5 95,5 95,13 Scheideanstalt.......1° Goldschmidt.........0 139,25 27,25 139,25 27,75 27,5 28 41,5 34 RütgetSwerke........0 41,5 41 41,5 Metallgesellschast.......°l 35,5 34 PHUipV Hotzmann......0 Zementwerk Heidelberg. ... 4 57,5 50 57.25 48.5 58 58 Zementwerk Karlstadt.....0 52,25 53,5 Wayb & Freytag......0 4,5 4,65 — Echultheir Pavenhoser ... 0 Aku «Allgemeine Kunstseide» 0 Bemberg......... 0 Zellstoff Waldhof..... 0 58,5 56.5 45,25 57,5 55 44,25 56 58,13 56,75 45,4 56.4 57,13 55,5 43,75 Zellstoff Aschaffenburg ... 0 Dessauer Gas........7 30,5 29 29,25 90,25 29 89,65 Daimler Motoren......0 21,4 20,5 21 20,65 Deutsche Linoleum .....0 45,75 45,75 46,5 46,4 Orenstcin & Koppel.....c — —* 34,75 34.5 Leonhard Dietz.......6 47,5 47 47.25 46,75 SvcnSka......... 0 — — Ldade..........12 170 169 171 169 Frankmrter Masckmen . . . . 0 — _ 9rinnet . . . .....0 27.5 26 27,25 27.13 Mainkrastwerke Höchst a.TL. . < 55 55- <— 128 Süddeutsch« Zmker . .... 8 128 128 127,5 Deoi 15-Oktober 17-Oktober Amtliche Rotterunq Amtliche Notierung Geld Nrlel Geld 29 ritt Helfmgfor» . 6,254 6,266 6.264 6.276 Wien. . . . 51,95 52,05 51.95 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest. . — — — Sofia . . . 3,057 3,063 3.057 3,063 Holland . . 169.38 169,72 169.43 169.77 Oslo.... 72,83 72,97 72,83 72.97 Kopenhagen. 75,12 75,28 75,12 75,28 Stockholm 74.43 74,57 74.43 74.57 London. . . Buenos Tlirel 14,485 14,525 14.485 14.525 0,890 0.891 0,890 0,894 Neuyork . . 4.209 4.217 4,209 4,217 Brüssel. . . Statten . . . 58,45 58,57 58,46 58,58 21,55 21.59 21.55 21,59 Paris . . . 16,51 16,55 16,52 16,56 Schweiz . . 81,22 81.38 81,24 81,40 Soanien . . 34,47 34,53 34.47 34,53 Danzig. . . 81,92 82,08 81,97 82.13 Japan . . . 0,989 0,991 0.989 0,991 Rio de Ian.. 0.294 0,296 0,294 0.296 Jugoslawien. Lmabon . . 5,794 5.806 5.694 5,706 13,19 13,21 13,19 13,21 Banfnolen. Äerlin, 17- Oktober «eld Äries Amerikanische Roten . . . .... 4,20 4,22 Belgische Noten..... 58.30 58.54 Dänische Noten..... 74.90 75,20 Sngliscke Noten..... französisch« Noten.... ■ ■ I 14,445 14,505 16.48 16.54 Holländische Roten.... 169,06 169.74 Italienische Noten . . . . 21,51 21,59 Norwegische Roten........ Teutsl^Lesterreich, i 100 Schilling 72,65 72.94 Rumänisckc Roten .... 2,44 2.46 Schwedische Noten.... • . . . 74,25 74,55 Sckweizer Noten..... 81,04 81.38 Spanncke Roten..... 34,33 34.47 Ln«arhche Noten ... . — — London Wacdo'U der national anßalteten . hcöeutfarne * frage unb ö rung zur <- aus: Sie engUr tßpa und di nicht voi irgendein Merbund ftütut (2k rüstungskon gelegtes wi formellen gehört. 3 die ein w Mcm, den steht aber werden m werden kan Augen sehr das) Cnglc Grundlage Wunsch tigt auf werden. ' besorgt sir Beziehung Dieser un ist und tv der Polil Denn er Folgen sic Zen Friede Aller jie öligem beulfd)t nnt für ei blt ganj der Vordere sollte Deut anweser In einen ' die notroe Veutschtan Deutschlan könnte. 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