Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° „ mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für denAn- zeigenteil i. V. Th.kümmel sämtlich in Biegen. General-Anzeiger für Oberhessen Drifd und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Stemöruderei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Biegener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschliisse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Zronlfnrt am Main 11686. Nr. 245 Erstes Man f82.Zahrgang Dienstag, (Dttober (932 GktzeimAnzeiger Der Kampf um die Viermächiekenferenz. Ein offener Appell Macdonalds an Deutschland. London, 17. Oft. ($11.) Ministerpräsident Mac do naiv hielt am Montag auf einem von der nationalen Arbeiterpartei ihm zu Ehren veranstalteten Frühstück im Hotel Trocadero eine bedeutsame Rede, in der er auch die Abrüstungsfrage und die deutsche Gleichberechtigungsforderung zur Sprache brachte. Macdonald führte aus: Die englische Rationalregierung kann sich Europa und die Welt ohne den Völkerbund nicht vorstellen. Darüber hat niemals irgendein Zweifel bestanden. Wir stehen für den Völkerbund und wir stehen für das Völkerbundsstatut. (Veifall.) Wir wollen, daß die Ab- rüstungskonfcrenz etwas gut und richtig Festgelegtes wird und nicht etwas, das nur zu der formellen moralischen Scheidemünze der Welt gehört. Ich wünsche eine Abrüstung, die ein wirklicher Beitrag zu dem Problem, den Frieden zu bereiten, ist. Es besteht aber eine Frage, die zuerst geregelt werden muß, bevor die Abrüstung wirksam werden kann. Das ist das Problem, dem wir ins Augen sehen müssen. Deutschland weiß sehr gut, daß England — auf dieser rein moralischen Grundlage — sich nicht dem deutschen Wunsch widersetzt, als gleichberechtigt auf der Abrüstungskonferenz betrachtet zu werden. Deutschland weih auch, daß wir sehr besorgt sind, Deutschland und seine Rachbarn in Beziehungen größeren Vertrauens zu bringen. Dieser uninteressierte Wunsch auf unserer Seite ist und war eines der führenden Ziele der Politik der englischen Rationalregierung. Wenn er jetzt in Erfüllung geht, werden die Folgen sicherlich die Abrüstung erleichtern und den Frieden sichern. Alles zielt auf die Rotwendigkeit hin, eine allgemeine Vereinbarung über die deutsche Forderung zu sichern, nicht nur für einen Punkt. And daher müssen wir die ganze deutsche Forderung kennen. Bei der Vorbereitung des zu erzielenden Abkommens sollte Deutschland wirklich einsehen, daß e s anwesend fein muß und mit uns allen in einen Meinungsaustausch treten kann, um die notwendige Auskunft zu erhalten. Menn Deutschland abwesend ist, so heißt das, daß Deutschlands Stellung nicht verstanden werden könnte. Unser Wunsch ist. daß Deutschland mit uns mitkommen soll, und daß wir alle Zusammengehen wollen, damit am Ende unserer Besprechungen wir wie eine Abordnung vor die Abrüstungskonferenz hingehen und sagen können: „Ihr seid steckengeblieben, wir zusammen machen nun diesen Beitrag zur Beseitigung der Hindernisse". Frankreich ist mitEnglandüberein- gekommen, den toten Punkt zu überwinden, ba es nicht die Verantwortung übernehmen konnte, als Ergebnis der Besprechungen einen Vertrag durch die Abrüstungskonferenz zu bringen, der lediglich formell und bedeutungslos sein würde. Ich bedauere auf das tiefste, daß Deutschland zwar seine Bereitwilligkeit zu einer solchen Konferenz gezeigt, aber sich geweigert hat, nach Genf zu gehen aus Gründen, deren Substanz für mich schwierig zu entdecken ist. Ich hoffe ernstlich, daß Deutschlands neuestes Wort nicht auch sein letztes Wort sein wird. Hier steht die Tatsache im gegenwärtigen Augenblick; aber die englische Regierung fährt fort, ihr Ziel zu verfolgen und hofft, in nächster Zeit eine weitere Mitteilung über die Angelegen- heit machen zu können. Genf als Konferenzori erneut abgelehnt. Berlin, 17. Oft. (TU.) Der englische Geschäftsträger in Berlin, Rewton, suchte am Montagnachmittag den Reichsauhenminister Frelherrn von Reurath auf und schlug ihm in einer Unterredung erneut Genf als Konferenzort für die vorgesehene Viermächtekonferenz vor. In der Besprechung erklärte der Reichsaußenminister unter eingehender Begründung wiederum, daß Genf für Deutschland nicht annehmbar sei. Ls ist nunmehr anzunehmen, daß jetzt Verhandlungen über einen anderen Konferenzort beginnen werden. Jedenfalls gelten die Verhandlungen noch nicht als gescheitert. Man rechnet vielmehr in politischen Kreisen nach wie vor mit dem Zustandekommen der Konferenz. * „Daily Telegraph schreibt, daß die englische Regierung sich noch einmal über die Haltung Deutschlands erkundigt und hierbei die Bestätigung erhalten habe, daß Berlin keinesfalls Genf als Tagungsort für die Vierrnächte-Kon- ferenz zustimmen könne. Da Frankreich sich den einen Ausweg, nämlich einer vorläufigen Anerkennung der deutscher. Gleichberechtigungsforderung durch die Alliierten und assoziierten Mächte widersetzen werde, so bleibe nur übrig, nsch zu versuchen, die Konferenz in Lausanne znstandezubringen. Es sei möglich, daß Macdonald sich im Hinblick auf die unsichere Lage noch entschließen könnte, die deutschen Ministernach London einzuladen. Die englisch-französischen Besprechungen in London hätten zwar ihren eigentlichen Zweck nicht erreicht, Wohl aber hätten siedieAtmosphäre zwischen London und Paris erheblich verbessert. Es bestehe Aussicht auf einen weiteren Meinungsaustausch zwischen den beiden Regierungen über die Fragen der Abrüstung und Sicherheit. Der Berliner Korrespondent der „Times" glaubt zu wissen, daß die deutsche Regierung mit der Zulassung der kleineren Mächte Polen, Belgien und der Tschechoslowakei einverstanden sei, falls ein anderer Tagungsort als Genf gefunden werde. Oeffeniliche Meinung und Politik des Foreign office. London, 17. Oft. (TU.) Rachdem die Bürgermeister von vier englischen Städten der Grafschaft Borkshire in einem Briefe an die „Times" die Anerkennung der deutschen Gleichberech- ttgungsforderung verlangt haben, veröffentlicht jetzt die liberale „Rews Chronicle" einen ähnlichen Aufruf von 5 Mitgliedern der Universität Rom, 17. Oft. (TU.) Auf der von schätzungsweise 25 000 Personen dicht gefüllten Piazza Venezia hielt heute Mussolini eine Rede, in der er daran erinnerte, daß genau vor zehn Zähren, am 16. Oktober 1922, in einer von ihm selbst einberufenen Versammlung in Mailand d i e Erhebung beschlossen wurde. 3n dieser Versammlung sei Einstimmigkeit erzielt worden über die sofort zu ergreifenden Maßnahmen, die in der Uebertragung der Machtbefugnisse auf ein Viermännerkollegium und in der Bildung der Abteilungen bestand, die den Marsch auf Rom antreten sollten. Die Erhebung verhält sich zur Revolution wie die Taktik zur Stratigie. Erhebung ist nur ein Aug enblick der Revolution. Die umfassende Revolution mußte später beginnen. Tatsächlich begann sie erst im Januar 1923, als die freiwillige Miliz für die Sicherheit der Ration und der faschistische G r o ß r a t geschaffen wurden. Rut^ da man in das zweite 3ahrzehnt des faschistischen Regimes eintrat, sind neue Marschdirektiven erforderlich. Ich bin euer Führer und bin wie stets bereit, jede Verantwortlichkeit auf mich zu nehmen. Wir müssen 3m Rahmen der Deutschen Kolonialtagung 1932 veranstaltete die Koloniale Reichsarbeitsgemeinschaft in der Hasenheide eine eindrucksvolle V o l k s ku n d g e b u n g, die unter der Devise stand „Land und Recht für deutsches Volk". Der ehemalige Gouverneur von Ostafrika, Dr. Schnee, betonte in seiner Eröffnungsansprache, wir seien zur Zeit ein Volk minderen Rechts, jedoch nicht gewillt, diesen Zustand zu verewigen. Daher gerade in dieser Zeit der Kampf um die Gleichberechtigung auf dem Gebiet der Wehrfähigkeit. Die gleiche Forderung müsse auch gestellt werden für d i e Wiedererlangung der deutschen Kolonien. 3m Anschluß daran sprach Ritter v. Epp. Die Frage nach dem Lebensraum, so führte er aus, stehe heute im Mittelpunkt aller Betrachtungen. Deshalb fei es notwendig, den kolonialen Gedanken stärker als bisher zu pflegen. Die Gedanken, die jeden Deutschen in der Zeit des Kampfes um die Gleichberechtigung bewegen mühten, feien: „Deutsches Volk will Land, Land für das hungernde Volk." Zum Schluß der Kundgebung wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, die den festen Willen zum Ausdruck bringt, mit aller Kraft dafür einzutreten, daß die dem deutschen Volk auferlegte koloniale Acht beseitigt, die koloniale Gleichberechtigung anerkannt und die dem deutschen Volk im Versailler Diktat aufgezwungene koloniale Verzichterklärung aufgehoben wird. Zum Abschluß der Deutschen Kolonialtagung 1932 in Berlin hielt der Deutsche Kolo- nialkriegerbund in der Hasenheide ein Treffen ab, das sehr stark besucht war. Für die Deutsche Kolonialgesellschaft sprach Exzellenz von L i n d e q u i st , der dem hohen Lied der Kameradschaft, die gerade in den Kolonien ausgeprägt gewesen sei, herzliche Worte widmete. General Ritter v. Epp führte aus, der Wert der Kolonien liege darin, daß man sie mit deutschen Menschen besiedele und aus ihnen neues und deutsches Land mache. Kolonien könne man nicht danach avschähen, was aus ihnen herausgeholt wer- Oxford. Die Versprechungen, so heißt es da, die die Alliierten in Versailles gegeben haben, müßten erfüllt und die berechtigte deutsche Gleichberechtigungsforderung müsse anerkannt werden. Die Versailler Versprechungen seien so klar wie irgend etwas, das jemals von (Staatsmännern zu Papier gebracht worden sei. 3n einem Leitartikel erklärt „Rews Chronicle" hierzu, es sei Zeit, daß die englische Regierung einmal von der öffentlichen Meinung Englands Rotiz nehme. Die höchst bemerkenswerte Einmischung von englischen Bürgermeistern in die Außenpolitik sei bezeichnend für eine öffentliche Meinung, die nicht lärmend, aber feist und tief fei. 3n der Tat ist es beachtlich, aber für Kenner der englischen Verhältnisse nicht verwunderlich, wie wenig Rücksicht die amtliche englische Politik in den letzten Wochen auf die Stimmung im eigenen Lande genommen hat. Diese Tatsache hat vielfach dazu geführt, daß sich die öffentliche Meinung in anderen Ländern Täuschungen hin- gegeben hat. Es sollte nicht übersehen werden, daß die englische Politik seit jeher in White- Hall, dem englischen Regierungsviertel, und nicht in der Fleet st reet, dem Zeitungsviertel, gemacht worden ist. Es ist wichtig, sich diese Tatsache immer vor Augen zu halten. hart gegen uns selbst sein, treu zu unserer Lehre und unserem Eide. Alle diejenigen, welche die Krise durch Wundermittel beseitigen zu können glauben, befinden sich auf einem 3 rrwege. Entweder ist dies eine periodische Krise im System, und dann wird sie behoben werden, oder es ist eine Krise des Systems, und dann stehen wir vor dem liebergang aus einer Epoche der Zivilisation in eine andere. Dort, wo man vom Privatkapitalismus zum Staatskapitalismus übergegangen ist, ist das allgemeine Elend einfach furchtbar. Mussolini sprach dann über das Problem der 3ugeno und betonte hierzu, im zweiten 3ahr- zehnt des Faschismus müsse den jungen Center. Platz geschaffen werden. Riemand sei älter als derjenige, der auf die 3ugend eifersüchtig fei. Wir wünschen, daß die jungen Leute sich an unserer Treue entflammen und bereit und entschlossen sind, unsere Arbeit fortzusetzem Die Rede Mussolinis, der sämtliche Mitglieder der Regierung, des faschistischen Parteidirektoriums, des Großen Rates, Senatoren und Abgeordnete mit dem Par kamen tspr äs i den t en an der Spitze usw. beiwohnten, wurde mit langanhaltendem begeisterten Beifall begrüßt. den könne, sondern wie vielen Menschen sie eine Existenz gäben, die der deutsche Boden heute nicht mehr zu ernähren vermöge. Im Rahmen der 50-Jahr-Feier der Deutschen Kolonialgesellschaft hielt in der Technischen Hochschule in Charlottenburg der Frauenoerein vom Roten Kreuz fjir Deutsche über See seine 42. Hauptversammlung ab. Unter den Ehrengästen befand sich die ehemalige Kronprinzessin, die Prinzessin Heinrich von Preußen, Frau Reichskanzler v. P a p e n, Frau Reichsaußenminifter o. Neurath und Frau Oberbürgermeister Sa hm. Die Hauptversamnzlung wurde geleitet von der Vorsitzenden des Frauenvereins, der H e r z o g i n Adolf-Friedrich zu Mecklenburg. Aus dem Jahresbericht, den die stellvertretende Vorsitzende, Frau v. L e k o w , gab, ging hervor, daß es heute nur noch durch die Opfer» Willigkeit der einzelnen Ortsgruppen im Reich möglich ist, die Heime, Krankenhäuser und Kindergärten, die der Verein in Ueb erste, vor allem in den früheren deutschen Kolonien in Afrika, unterhält, weiterzuführen. Gerade diese Anstalten mit ihren vorbildlichen Einrichtungen sind Träger deutscher Kultur im Auslande und eine Stütze für die schwer um ihre Existenz ringenden deutschen Kolonisten. Wenn auch hier und da Einschränkungen gemacht werden mußten, wird es doch auch im nächsten Jahr möglich fein, die segensreiche Arbeit des Frauenvereins vom Roten Kreuz für Deutsche über See weiter so erfolgreich durchzuführen wie bisher. Der Frauenbund der Deutschen Kolonial g e f e 11 f d) a fJ hielt in der Aula der Technischen Hochschule seine Hauptversammlung im 25. Jubiläumsjahr ab. Mit großem Beifall wurden die Begrüßungsworte Dr. h. c. Hedwig Heyls, der Gründerin und Ehrenvorsitzenden des Frauenbundes, aufgenommen. Der Jahresbericht zeigte den Bund unentwegt in der Verfolgung der Ziele, die er sich zur Zeit des ersten machtvollen Aufblühens gesteckt hat. Zwar ist es nicht mehr möglich, . monatlich bis zu zehn deutsche Mädchen hinüberzu- I senden, aber die Schulen in Lüderitzbucht, Windhuk, I die Heime in Gideon, Keetmanshoop, Karibik) und Mussolini am 10. Jahrestag der faschistischen Erhebung. in Äerlin. andere bestehen weiter dank der starken Unterstützung des Frauenbundes. Anschließend wurde in drei Referaten die Lage in Südwest- und in Oft» afrika sowie die Stellung der Jugend zum kolo- i nalen Gedanken (Rednerin Frau Reichstagsabgeordnete Dr. Matz) dargelegt. Dr. Brenner-Windhuk gab die Entwicklung der Kolonie Südwest, ihr rasches Aufblühen in die zuschußlose Selbsterhal- tung hinein und den vollkommenen Verfall durch die Mandatswirtschaft wieder. Die Rückkehr Ostafri- kas unter deutsche Bewirtschaftung hat sich, wie , Rolf Brandt ausführte, in den Jahren 1925 bis 1929 in großem Umfange vollzogen. Die weiten Sisalpflanzungen sind von Deutschen auf gebaut, und es ist jetzt Ostafrika in die Weltwirtschaft ein» getreten. Und wenn die Engländer heute noch dem deutschen Verlangen der Wiedervereinigung mit dem Mutterlande ein „Nie" entgegensetzen, so schloß der Redner unter dem begeisterten Beifall der Versammelten, daß die Weltgeschichte ein solches Niemals nicht kennt. französisches Liebeswerben um Spanien. Herriotstrebt eine neue franzöfifch-fpanifche Entente an. London, 17. Oft (ERB.) „Daily Telegraph" glaubt mitteilen zu können, daß der französische Ministerpräsident h e r r i o t beabsichtige, bei seinem Besuch in Madrid Ende dieses Monats eine neue Entente — das Wort Allianz würde vielleicht etwas zu stark sein — zwischen Frankreich und Spanien zustande zu bringen, her- riot hoffe, daß die hieraus sich ergebende diplomatische Zusammenarbeit beider Länder nicht nur in Marokko, sondern auch in Genf und bezüglich der Sicherheit Frankreichs im Mittelmeer Früchte zeitigen werde. Ls werde erwartet, daß Spanien auf der Abrüstungskonferenz bald als einer der wichttgften Befürworter des Abrüstungs- und Sicherheitsplanes herriots auftreten werde. In diesem Zusammenhang sei es nicht bedeutungslos, daß französischerseits gerade Spanien als geeignetes Arsenal des Völkerbundes für schwere Geschütze, Tanks und Bombenflugzeuge vorgeschlagen worden sei. Ls mag sein, daß Frankreich die Gelegenheit einer Annäherung an Spanien für gekommen hält wegen der unzweifelhaften Schwächung des italienisch-spanischen Einvernehmens, die seit Einsetzung eines radikalsozialistischen Regimes in Spanien eingetreten ist. Dieses Einvernehmen hatte, als es zwischen der faschistischen Regierung und der Regierung des Generals primo de Rivera abgeschlossen wurde, in Frankreich große Sorge verursacht, weil man besürchtete, es könnte zum Abschluß eines See-Paktes führen, der die Verbindungslinien Frankreichs mit seinen nordafrikanischen Kolonien gefährden würde. Popens Parole. Eine Unterredung mit dem Reichskanzler. Paderborn, 17. Oft. (WTB.) Reichskanzler v. Papen gewährte dem Vertreter der „Düsseldorfer Rachrichten" eine Unterredung, in der der Reichskanzler u. a. folgendes ausführte: Es war mir ein besonderes Bedürfnis, sobald als möglich auch dem Westen einen Besuch abzu- ftatten. Die großen wirtschaftlichen und finanziellen Röte des rheinisch-westfälischen 3ndustrie- gebietes sind mir nur zu gut bekannt, und ich erwarte, daß man gerade hier am schnellsten und wirksamsten aus dem bekannten Wirtschafts- Programm der Reichsregierung Ruhen ziehen wird. Was mir in erster Linie notwendig erscheint, ist politische und wirtschaftliche Ruhe. Wir werden nicht zulassen, daß durch Parteikämpfe und Parteigezänk die Krisenfchwierigkeiten in Deutschland unnötig vermehrt werden. Wenn wir eine „autoritäre“ Staatsführung fordern, so hat das nichts mit Autokratie zu tun. Wir sind toeöer gegen eine oernünftige Demokratie, noch gegen das Parlament, aber wir wollen den Begriffen wieder ihren ursprünglichen vernünftigen Sinn geben, d. h. nicht die Schreier und Projektemacher sollen in Deutschland regieren, sondern d i e besonnenen, ihrer Verantwortung gegen die Allgemeinheit s i ch bewußten Staatsbürger. Wer die Rotwendigkeit einer Reform unseres politischen Lebens anerkennt, kann nicht auf den Gedanken kommen, daß die Reichsregierung arbeiterfeindlich und selbstherrlich regieren wolle. 3ch kenne nur die eine Parole: Deutschland! Studenienkrawatte in Wien. Die Hoch chulen geschloffen. Wien, 17. Ott. (TU.) Am Montag kam es in der Universität und in der Technischen Hochschule zu schweren Zusammenstößen. Sozia» listische Studenten waren trotz der blutigen Vorfälle in Simmering mit ihren sozialistischen Kampf, abzeichen erschienen. Als sie von den nationalsozia- listischen Studenten aufgefordert wurden, die Abzeichen abzulegen tarn es zu Handgemengen. Der Rektor Prof. Dr. Abel ermahnte iw- <5hu bcnten zur Ruhe und kün-igte an, daß die Wiener Hochschulen geschlossen werden, bis die Regierung die Zusicherung gegeben hat, daß es zu Zwischenfällen, roie in Simmering, wo auch Studenten von politischen Gegnern überfallen wurden, nicht mehr kommen könne. Außerdem ist beabsichtigt, an die Regierung die Aufforderung zu richten, die un- erträglich erhöhten Studiengeldgebühren 3U ermäßigen. Bis zur Erledigung dieser Frage tollen die Hochschulen geschlossen bleiben. Oingeldey spricht in Nürnberg. Nürnberg, 17.Oft. (TU.) 3n einer Wahlbesprechung der Deutschen Volkspartei sprach der Parteworsihende D i n g e l d e y über die politische Lage. Er führte u. a. folgendes aus: Der Parlamentarismus in Deutschland liege in den letzten Zügen. Das Volk habe dafür zu sorgen, daß die Umwandlung in einer Staat, Wirtschaft und Arbeit nicht gefährdenden Form sich vollziehe. Aach der Liquidation der Reparationen könne der Kampf um die Wehrfreiheit und um die Wehrgleichheit des deutschen Rolfes nur dann erfolgreich durchgeführt werden, wenn sich alle zusammenfänden, die in deip Glauben einig seien, daß eine Ration ohne Wehrfreiheit nicht leben könne. Die Deutsche Volkspartei werde Hindenburg unentwegt Gefolgschaft leisten. Sie begrüße die staats- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Reichsregierung. Rur eine starke Staatsgewalt könne heute noch eine Besserung herbeiführen. Es könne sich nur darum handeln, die Autorität des Reichspräsidenten und der von ihm getragenen Reichsregierung zu stärken. Die Deutsche Bolkspartei stelle sich daher mit der Deutschnationalen Dolkspartei bewußt auf die Seite der Autorität. Hitler in Ostpreußen. IHfit, 17. Oft. (TU.) Hiller sprach am Montagnachmitlag zunächst in einer großen Versammlung in T i l s i t. In seiner Rede begründete er seine Haltung am 13. August damit, er habe erkannt, daß die Papenschen Notverordnungen zu verhängnisvollen Auswirkungen führen müßten und daß er das Vertrauen, das er bei den Millionen gewonnen habe, nicht verlieren wolle. Hitler wurde immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen. Zum Schluß erklärte er: „Wir wollen sehen, was härter sein wird: Die Köpfe jener Klubmitglieder oder die Schädel der Millionen in unserer Bewegung". Hitler sprach dann in Insterburg und Kö - nigsberg, wo er erklärte, er hätte, für eine Bewegung von 14 Millionen verantwortlich, sich nicht heute so und morgen so entscheiden können. In 13 Jahren seines Kampfes sei er mit allen Mitteln befänwft worden und habe wiederholt die Ver- fasiunA beschwören müssen. Jetzt, wo er legal mit 230 Sitzen im Reichstag zur Macht habe kommen können, da habe man diese Verfassung als untauglich bezeichnet. Der Ministertitel sei ihm aber zu abgegriffen, als daß er noch etwas Anziehendes ür chn hätte. Er wolle auch heute kein Gehalt, andern er wolle die Macht. Wenn die bürger- iche Regierung noch zwei Jahre am Ruder bleibe, bann würde alles zertrümmert werden, was er in 13 Jahren aufgebaut habe. Wenn er aber einmal die Macht erhalten würde, dann würde er sie behalten. Er glaube nicht, daß in Deutschland jemals ein Parteiführer mehr Autorität besessen habe als er, aber bieje Autorität sei ihm zugleich Kameradschaft mit leinen Anhängern. Wenn heute die Polizei nicht märe, so wäre in Deutschland schon lange Ordnung. Man solle nicht glauben, daß seine Bewegung heute leicht zerfallen werde. Ein Mann wie er könne zugrunde gehen, aber a b t r e t e n werde er niemals. Er werde sich, um an die Macht zu kommen, mit jedem verbünden, wenn er nur bi e Führung habe. Er und und seine Bewegung hätten mehr gearbeitet, als die heutige Regierung. Nie sei ihm eine Entscheidung so leicht geworden, wie das Nein am 13. August. Seine Bewegung werde weiter bestehen und weiter wachsen, den Kampf zum Siege führen eingedenk der Opfer und der Toten. Nie Krisis auf dem Wohnungsmarki. Berlin, 17. Okt. (TU.) Auf dem Derbandstage des Hauptoerbandes Deutscher Baugenossenschaften und -gesellschaften e. V. haben die versammelten Vertreter von über 3000 gemeinnützigen deutschen Bauvereinigungen mit mehr als 800 000 E-inzelmit- gliedern eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: Die ständig fortschreitende Schrumpfung der Einkommen aller Kreise der Bevölkerung hat die gemeinnützigen Wohnungsunternehmen in eine ernste Lage gebracht, die in steigenden Mietrückständen und -ausfällen, in einer steigenden Zahl der Kündigungen und leerstehenden Wohnungen zum Ausdruck kommt. Infolgedessen sind Rentabilität und Liquidität der in ihrer Gesamtheit wirtschaftlich durchaus gesunden gemeinnützigen Wohnungsunter- nehmen vielfach gestört. Zur Entlastung der Wohnungsunternehmen zum Zwecke der Herabsetzung der Mieten und der Wiederherstellung der Rentabilität ist deshalb vor allem eine Verminderung d e r Zinslast en für langfristige Kredite auf einen dauernd tragbaren Satz notwendig. Wenn die Reichsregierung glaubt, die Herabsetzung des Zinsfußes nicht im Wege einer gesetzlichen allgemeinen Zinskonoersion herbeiführen zu können, so muß sie dafür Sorge tragen, daß das notwendige wirtschaftliche Ergebnis auf dem Wege einer freiwilligen und individuellen Zinsermäßigung erreicht wird und gleichzeitig eine planmäßige Umschuldung überteuerter Neubauten durch Umwandlung der hochverzinslichen Hypotheken in niedrig verzinsliche, zu XA o. H. tilgbare Hypotheken gewährleistet ift Sollte die Reichsregierung sich nicht in der Lage sehen, eine Herabsetzung der Zinslasten in kurzer Zeit herbeizuführen, so müssen die in Not geratenen Wohnungsunterirehmen durch Gewährung von Zinsbeihilfen unterstützt werden. Die Verzinsung und Tilgung der Hauszinssteuerdarlehen ist bis zur Herstellung niedrigerer Zinsen für erststellige Hypothekendarlehen auszufetzen und die von Wohnungsunternehmen zu tragenden Steuern und öffentlichen Abgaben weitgehend zu ermäßigen. Für den überschuldeten Hausbesitz sind nach vorhandenen Vorbildern Sanierungsoerhandlungen unter Einschaltung von Spruchstellen einzuleiten. Gegen die Verschleuderung von Hausbesitz ist durch Ausbau des Vollstreckungsschutzes Vorsorge zu treffen. Die Richtlinien der Reichsregierung für die große Verfaffungsreform. Berlin, 16. Oft. (TU.) Die Reichsregierung hat nunmehr offiziell die in Frage kommenden Stellen des Reichsinnenministcriums beauftragt, einen Entwurf zur Reform der Reichsverfassung auszuarbeiten. Für diesen Entwurf bestehen vorerst lediglich Richtlinien, die gleichwohl die allgemeine Tendenz des von der Reichsregierung beabsichtigten Reformwerkes erkennen lassen. Rach diesen Richtlinien sollen die eigentlichen verfassungsändernden Bestimmungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden, wogegen alles andere durch einfache De.waltungsmaßnahmen erre cht werden soll. Die entscheidende Aenderung betrifft d i e Stellung des Reichspräsidenten, der gleichzeitig preußischer Staatspräsident sein und die Befugnis erhalten soll, als preußischer Staatspräsident den preußischen Ministerpräsidenten und die preußischen Minister zu ernennen. Reichskanzler und preu- ßischerMinisterpräsident würden damit durch Ernennung in Personalunion vereinigt. Dasselbe würde für die übrigen Minister des Reiches und Preußens gelten. Lediglich zwei preußische Ministerien sollen verfassungsgemäh als s e l b - ständig bestehen bleiben: das Innenministerium und das Finanzministerium. Eine weitere Berfassungsänderung würde dann nur noch den Preußischen Landtag betreffen, der dann nicht mehr die Möglichkeit hätte, den preußischen Ministerpräsidenten zu wählen. Er soll jedoch das Recht erhalten, einmal zu Begin n d e r Legislaturperiode zu der vom Staatspräsidenten bzw. Reichspräsidenten ernannten Regierung Stellung zu nehmen. Erteilt der Landtag der Regierung kein Mißtrauensvotum, so bliebe diese damit für eine Legislaturperiode im Amt, vorausgesetzt, daß ihr der Reichstag in ihrer Eigenschaft als Reichsregierung das Vertrauen nicht entzöge und dann der Reichspräsident neue Entschlüsse zu fassen hätte. Die Reichsregierung ihrerseits soll von den allzu unsicheren Einflüssen der Partei» bzw. Zufallsmehrheit unabhängig gemacht werden. Diesem Ziel dient zunächst die Schaffung einer Ersten Kammer neben dem Reichstag. Beschlüsse sind nur rechtsverbindlich. wenn sie in beiden Häusern mit den Stimmen der Mehrzahl der gesetzlichen (also nicht der anwesenden) Mitglieder gefaßt sind. Um die Ablehnung eines Reichstagsbeschlusses durch die Erste Kammer unwirksam zu machen, ist eine Zweidrittelmehrheit des Reichstages notwendig. Der Sturz der Reichsregierung oder einzelner Minister wäre an die gleichen Voraus» setzungen gebunden. Alle diese das Verhältnis der Reichoreg erung zum Reichsparlament betreffenden Reuerungen würden natürlich gleichfalls Verfassungsänderungen bedeuten. Die Erste Kammer soll aus dem Reichs- r a t gebildet werden. Zu den bisherigen Reichs» ratsmitgliedem, die von den Ländern ernannt werden, und etwa ein Drittel der neuen Kammer ausmachen sollen, soll ein weiteres Drittel dem bisherigen Reichswirtschaftsrat, also den Berufsorganisationen und Verbänden, entnommen werden. Das letzte Drittel soll aus Persönlichkeiten bestehen, die sich um Staat und Volk besonders verdient gemacht haben und vom Reichspräsidenten ernannt werden. Der jetzige Reichsrat und der vorläufige Reichswirtschaftsrat würden verschwinden. Das Wahlrecht zum Reichstag soll durch Heraufsetzung des Wahlalters (auf 25 Jahre?) und durch Wiedereinführung des Ein-Mann-Wahlkreises mit der Möglichkeit der Stichwahl abgeändert werden. 3n beschränktem Umfange soll eine Reichswahl- l i st e bestehen bleiben. Die für den Reichstag gewählten preußischen Abgeordneten würden gleichzeitig den preußischen Landtag Bezüglich der Gestaltung des Derhältnisies des Reiches zu den übrigen Ländern gelten die Ausführungen des Reichskanzlers in München als richtunggebend. Die Artikel 17 (Derfasfungshoheit) und Artikel 18 (Gebietshoheit der Reichsverfassung betreffend). Entscheidend dürfte hierbei weiter die geplante Neuregelung des Finanzausgleichs fein. Diese soll auch die Gemeinden betreffen. Das Gemeindemahlrecht soll erheblich abgeändert werden; man denkt hierbei an das Pluralwahlrecht, um parteipoli» tifdje Gesichtspunkte bei den Gemeindeverwaltungen auszuschalten. Bezüglich des Artikels 18 der Reichsoerfassung sollen gleichfalls Lockerungen Platz greifen, um das Aufgehen der kleinen deutschen Länder in größere zu erleichtern. Bei allen diesen Gedankengängen handell es sich, wie gesagt, um Richtlinien, die noch keineswegs die Gestalt eines greifbaren Reformoorfchlages angenommen haben. Der Reformvorschlag als solcher, der nach Ausarbeitung durch die zuständigen Ressorts das Reichskabinett beschäftigen wird und auch dort noch erheblich abgeändert werden kann, soll bekanntlich dem Reichstag bei seinem Zusammentreten bereits oorliegen. DieFinanznotderLandgemeinden Dr. G.rcckc auf hem «urhefs schon l'anhflcmei: hctrtq Kassel, 16. Okt. (TU.) Auf dem Kurhessischen Landgemeinde tag in Kassel sprach der Präsident des Deutschen Landgemeindetages, Landrat a. D. Dr. Gerecke-Pressel, über die Zukunft der Land- gemeinden. Alle Sanierungsoersuche des Reiches und der Länder müßten erfolglos bleiben, wenn der größte Gefahrenpunkt, die völlige Erschütterung der Finanzen der Gemeinden und Gemeindeverbände, nicht beseitigt würde. (Sie feiert nicht durch Fehlinvestitionen und Ausländsanleihen, S«S W W M W Vornan von Gert Gothberg. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 14 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Fritz Lohgarten sah auf einmal seine Ehe, wie sie sein würde: Kleinliches Gezänk und die ewigen Bemühungen, ihm, Lohgarten, das Heft aus der Hand zu winden, in allem das letzte Wort sprechen zu wollen. 3lsc würde sich in alles hineinmischen, wozu er ihr das Recht absprechen mußte, und so würden eben diese Zänkereien entstehen, die ihn nach und nach zermürben mußten. Fritz Lohgarten richtete sich hoch auf und wußte nicht, wie vorteilhaft er gerade jetzt aussah. Er hatte ihr noch immer nicht geantwortet, und 3lse sah ihn mit großen Augen an. Seine Hand strich leicht über die Stirn hinweg, dann sagte er fest: „Ich würde mir von meiner Frau niemals vorschreiben lassen, wer in meinem Büro oder Laboratorium arbeitet oder nichtI" Sol Tas war eine Kriegsansage. Und Vater Wiedener schmunzelte, aber er besah sich dabei sehr aufmerksam das Bild eines bekannten Malers. 3lseS voller Mund zuckte. Sie hätte am liebsten irgend etwas recht Böses gesagt, aber ihre Klugheit gebot ihr Schweigen. Soviel aber stand jetzt fest: Dieses schöne Mädel mußte hier fort. Es mußte bann eben irgend etwas getan werden, daß sie hier fort mußte. DaS Gespräch schleppte sich dann noch gezwungen liebenswürdig eine Weile fort. Herr Wiedener sagte aber bald: „Also für eine Stippvisite genügt das. Sehen wir Sie morgen abend bei uns zum Essen?" „Morgen habe ich ausgerechnet keine Zeit. 3n den nächsten Tagen überhaupt kaum. Ich würde mich aber freuen, nächste Woche von Ihnen zu hören", sagte Lohgarten ruhig. Ilse hätte sich prügeln mögen. Das hatte sie nun davon. Heute hatte sie Den Papa gequält, daß er mit ihr früh hierher fuhr, obgleich er warnend sagte: „Er mag solche Uebersälle nicht, wenn er arbeitet. Laß den Unsinn doch." Aber sie hatte solche Sehnsucht gehabt, Fritz Lohgarten zu sehen, und hatte sich diese Fahrt hierher erzwungen. Und nun war sie so unvorsichtig gewesen, derart aufzutreten. Doch es ließ sich nicht ungeschehen machen, und so blieb eben etwas Häßliches zwischen ihnen. Fritz Lohgarten aber wußte, daß er mit Ilse keine glückliche Ehe führen würde, und er hatte doch den besten Willen dazu gehabt! Achtes Kavitel. Traute ging mittags nach Hause. Sie wählte stets den Weg zwischen den Taxushecken, weil sie da schneller Drüben war. Väterchen zankte zwar und meinte, sie solle doch lieber den breiten Weg gehen, denn es sei so einsam auf Dem Wege zwischen den Hecken. Er konnte nicht auf sie warten, da er immer pünktlich in der Fabrik fein mußte und Traute doch zuweilen erst später zum Essen kommen konnte, weil sie für den Chef noch irgendeine Arbeit vollenden muhte. Auch heute war es wieder Der Fall gewesen, und gerade als Die Arbeiter nach Der Mittagspause wieder an ihre Arbeit gingen, lief Traute »wischen Den Hecken eilig dahin, um die Mutter nicht noch länger mit dem Essen warten zu laufen Sie mochte ungefähr die Mitte des Weges erreicht haben, als ein großer, schlanker Herr ihr entgeqenfam. Er stutzte, lächelte dann und zog den Hut. „Guten Sag, mein Fräulein. Ah, das habe ich nicht gewußt, daß es hier so schöne junge Damen gibt." Staute ignorierte Gruß und Sprecher und wollte weiter. Ein schneller Blick ringsum, dann hatte der Fremde plötzlich die Arme um das Mädchen geschlungen und versuchte es zu küssen. Traute rief um Hilfe, aber es war alles still ringsum, und nut die Hetbstsonne schien grell und weih auf die unwürdige Szene. Traute schlug den Mann mitten ins Gesicht, daß er einen Augenblick lang zurücktaumelte. „Ehrloser Schuft!" Und dann lief sie quer über die große Wiese, die nah und kalt war. Der Fremde lachte zynisch hinter ihr her. „Wildkatze! Aber gerade das gefällt mir. Und du wirst doch auch gefügig wer Den, du schönes, kleines Mädel du." Langsam ging Heinz Altendorf weiter. Drüben lief das Mädchen an Den Gärten entlang, als sei der Teufel hinter ihr her. Plötzlich lachte Heinz AltenDors nicht mehr. Als sei der Teufel hinter ihr her, so lief das Mädchen! Der Teufel! Und das wat er! Was hatte er denn da bloß geglaubt? Solch ein schönes, junges Geschöpf hatte Ideale, und ihm schien sein Verhalten plötzlich als ein scheußliches Gebaren. Pfui! Was mochte sie jetzt von ihm denken? Sie kannte ihn nicht! Olein! Oder vielleicht doch? Aber es waten Jahre seit seinem letzten Auftreten vergangen, und das Mädel war doch noch sehr jung. Wie ihn die großen schönen, dunkelblauen Augen angesehen hatten! Er konnte diesen verächtlichen, angsterfüllten Ausdruck nicht vergessen. Over war das Mädchen? Das mußte er zunächst zu ergründen suchen. Rach kurzer Zeit wußte Heinz Altendorf, wer das schöne Mädchen gewesen war, das mittags so eilig zwischen den Hecken hinhuschte zu den Arbeiterhäuschen hinüber. Traute Dolscher! Die Tochter des alten Werkmeisters Dolschet. der drüben in der Lohgartenschen Fabrik arbeitete. Und die Tochter war im Laboratorium des Herrn Lohgatten beschäfttgt. Das zerrte allen Hah und allen Groll erneut hervor. Wieder Fritz Lohgarten, der Der Bevorzugte wat! Gr unD immer wieder er! Denn er würde nicht an dieser holden Menschenblüte vor» übetgehen, ohne sie zu beachten. Und Heinz Altendorf ging wohl achtmal zwi- schen den langen Hecken hin-und her und sann und sann. Und In seinem Innern ging eine seltsame Wandlung vor. OBcnn er allen Hatz beiseite warf und ein neues Leben beginnen würde? Wenn er noch einmal versuchte, durch seine Stimme viel Geld zu verdienen? Und — wenn — wenn dieses junge Mädel hier, dessen dunkelblaue Augen ihn, den 03er- wöhnten, Vielgeliebten bezaubert hatten? OBenn er doch nur klar sehen könnte! Es war albern, gleich ein Verhältnis zwischen dem Mädel und Lohgarten vorauszusehen, nur weil das Mädel jung und schön war. Lohgatten sollte in den letzten Iahten ja ein sonderbarer Heiliget geworden sein. Er hockte immer daheim über irgendeiner Arbeit. Eigentlich bewunderte et den Mann heimlich. Was der für eine Energie hatte! Ließ sich nicht unterliegen und hatte den Kampf durchgehalten. Und nun würde er ja auch wieder in die Höhe kommen, da ihm ein böser Zufall zu Hilfe kam. Zufall? Kein Zufall, sondern die Treulosigkeit eines Menschen, dem er, Altendorf, vertraut hatte. Fort damit! Was nicht mehr zu ändern war, darüber sollte man nicht nachgrübeln. Olber so oft er an diesen nächsten Sagen auch auf dem einsamen Heckenweg hin und her gegangen war, er hatte Traute Dolschet nicht wieder getroffen. ilnD Heinz Altendorf entwickelte eine plötzliche Arbeitslust. Er wat sehr schweigsam uW still und übte viel in seinem Zimmer. Und die beiden Damen lauschten atemlos auf die herrliche Männerstimme, die sich da immer größer und mächtiger entfaltete und ihren alten Glanz zutück- erhielt. Einmal, es war beim gemeinsamen Abendbrot, nahm Hilma seine Hand. Olie in diesen Wochen hatte er mit ihr über feinen Gesang gesprochen. Olun hix.lt sie dieses Schweigen nicht länger aus und fragte: »Heinz, du übst wieder? Willst Du wieder öffentlich auf treten?“ »Ja, Hilma." »Es wäre gut für uns, Heinz. Es bedrückt mich sehr, daß wir alle drei von der — — von..." „Von der Gnade deines Stiefbruders leben, wolltest du vermutlich sagen. Es wird ein Ende haben, wenigstens von meiner Seite aus. Und für dich werde ich sorgen, so gut es in meinen Kräften steht." Er stand auf, strich leicht über ihr Haar, nickte seiner Schwiegermutter flüchtig und freundlich zu und ging schnell hinaus. Hilma meinte. Die Mutter aber schwieg, und ihr müdes, gelbes Gesicht zuckte. Rach einer Weile hörten sie Den Gesang Lohengrins. Hilma sagte leise: »Heinz sprach so seltsam. Ob — er — sich von mir trennen will, wenn er wieder ein großer Sänger geworden ist? Ach, Mutter, diese letzten Wochen waren schön und friedlich. Olber ich habe es immer gewußt, daß es so nicht bleiben kann. Daß eines Tages alles wieder anders sein wird." „Hilma, mein armes Mädel. Wenn Du ihn doch nie gesehen hättest, es wäre uns allen Wohler." „Gewiß, Mama. Olber ich liebe ihn!" Da schwieg die Mutter. • Die Sensation um Den Künstler Altendorf blieb. Erst die Srennungdaffäre, Dann die Versöhnung mit seiner Frau, und jetzt überraschte er die Mensen durch eine Anzeige, daß er am 15. Januar einen Lieder- und Arienabend veranstaltete. Vielmehr die Konzertdirektion Pries gab es bekannt und arrangierte auch das Ganze. Olatür- lich war der große Saal der „Harmonie" zum Drechen voll. Alles war gekommen, sogar ein paar gefürchtete Kritiker der Hauptstadt. Und Heinz Altendorf fang schöner denn je. Er sang sich in alle Herzen hinein und wirkte frisch und jugendlich in seiner schlanken Gröhe. Hilma sah neben ihrer Mutter regungslos und totenblaß in ihrer Loge. Sie wußte es: Jetzt waren Frieden und Zusammensein verloren auf ewig, jetzt hatte die Welt wieder ein Recht an Heinz Altendorf, und sie würde dieses Recht nützen. Dlumen, Blumen, Blumen — und muten Darin der Sänger, der sich verneigte und nicht einmal lächelte. Olber der Blick seiner dunklen Ohigcn ging immer wieder zu dem Platz hinüber, wo Traute Dolscher neben ihren Pflegeeltern faß. Er hatte ihr die Karten anonym zugeschickt, und sie war gekommen. Wahrscheinlich glaubte sie, der Chef oder sonst ein Gönner habe sie gesandt. Jetzt wußte sie es, wer es gewesen war? Olber nun war es zu spät, um den Saal zu verlassen. Jetzt mußte sie ihn anhören, er mußte sich ihr ins Herz hineinsingen. Wenn es ihm gelang, Dann sollte ein neues Leben beginnen, dann wollte er das alte von sich abstreifen mit allen drückenden Fesseln. Traute saß still und blaß auf ihrem Platz inmitten des besten Publikums. Unweit von ihr saßen Herr Wiedener und feine Tochter. SIfe musterte die Angestellte ihres zukünftigen Verlobten scharf. Wie ksm Die hier auf Siefen teuren Platz? Hatte Fritz Lohgarten vielleicht gar diese Plätze für seine Geliebte und deren Angehörige gestiftet? Ilse hätte dieses schone, schlanke Mädchen vernichten mögen. Sie wurde sich plötzlich bewußt, daß sie selbst gegen dieses Mädchen plump und unfein wirkte. Ilse biß auf ihr Taschentuch. Einmal fing sie einen Blick des Sängers auf, der ohne Zweifel Traute Dolscher galt Und da stockte ihr der Atem. War das so eine, die für alle vornehmen Männer da war? Zwischen diesem leichtsinnigen, schönen Sänger, der abwechselnd für Sensationen und Skandälchen sorgte, und dem Mädel bestand bestimmt etwas, Denn sein Dlick hatte das bewiesen. Ob zwischen Fritz Lohgarten unD Diesem Mädchen etwas bestand, wußte sie nicht, aber sie hatte es vermutet. Vielleicht wußte es einer vom andern nicht, und man könnte dieser Person das Spiel eigentlich gründlich verderben. Man müßte es sogar tun. Ilses Augen schillerten grünlich, während sie voll Haß auf dem blassen, feinen Mädchen gesicht rußten. Traute faß es nicht. Sie war außer sich. Keinem Menschen hatte sie etwas von jener ihr höchst lästigen Degegnung erzählt. Sie hatte den Fremden nicht gekannt. Und heute wußte sie nun plötzlich. daß es Der Sänger Heinz Altendorf gewesen war, von dem 03äterd>en schon einige Male gesprochen. Väterchen hatte auch gesagt, daß dieser Mann es sei, dem der Chef viele bittere Stunden Der» banke, und er, Dolscher, begreife es nicht, wes- halb Herr Lohgarten diesen Halunken immer wieder schone. Vielleicht der beiden Damen wegen? Ola ja, das könne er ja verstehen, wenn der Chef keinen Skandal in feiner Familie wolle. Olber Der Sänger sorge doch gerade genug für Skandal und Aussehen, daß es auf etwas mehr wahrhaftig nicht mehr ankomme. Dieser Heinz Altendvrs hatte es gewagt, sie 3iu belästigen. Wenn Vater das wüßte! _®r glaubte auch, Daß Der Chef die Karten für das Konzert gestiftet habe, und wollte sich morgen bedanken. Mein Gott, sie glaubte nun nicht mehr daran. Sie wußte, daß der Sänger selbst die Karten geschickt hatte! Denn wie er die Reihen schnell mit den Dlicken absuchte, nachdem er das Podium betrat, das hatte sie nur zu gut gesehen. Und auch. Daß es befriedigt in seinen dunklen Augen ausblihte, als er sie sah. (Fortsetzung folgt) sondern erst durch das katastrophale Ansteigen der Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen ins Wanken gekommen. Eine nicht unwesentliche Förderung der öffentlichen Arbeiten würde es bedeuten, wenn es gelingen würde, eine stärkere Milderung der Bedingungen für die bisher schon den öffentlich-rechtlichen Körperschaften für Straßenbauten, Meliorationen usw. zur Verfügung gestellten Kredite zu erzielen. Diese Kredite würden deshalb nur in geringem Maße abgerufen, weil die Zins- und Amortisationsbedingungen dafür nicht erträglich seien. Es würde ein Entgegenkommen gegenüber den grundsätzlichen Vorschlägen des preußischen Land- gemeindetages bedeuten, wenn entweder das Reich oder eine vom Reich zu bestimmende Stelle den Zinsendienst in einer Höhe übernehmen würde, daß für die Gemeinden neben der Amortisationspflicht lediglich eine Verzinsung in Höhe des Verwaltungskostenbetrages verbleiben würde. Auf diese Weise könnten schätzungsweise 350 Millionen Mark der direkten Auftragserteilung zugeführt werden. Aehnliches gelte von dem von der Reichsregierung zur Verfügung gestellten Betrag von 700 Millionen Mark für die 400 Mark Einstellungsprämie. Auch hiervon könnte ein beträchtlicher Teil, etwa 350 Millionen Mark, unter gleichen Bedingungen für die direkte Auftragserteilung bereitgestellt werden, und zwar für öffentliche Arbeiten, deren Ren^ Labilität nach bestimmten Grundsätzen geprüft würde. Auf diese Weise könnten in der allernächsten Zeit rund 700 Millionen Mark für die Wirtschaftsankurbelung eingesetzt werden. Kleine politische Rachrichten. Rach einer Reutermeldung aus Puna wird die Rachricht, wonach Gandhi einen Schlaganfall erlitten haben soll, amtlich dementiert. * * * Selb (Oberfranken) fand die Stadt- ratswahl statt. Die Beteiligung betrug 78 Prozent. Auf die einzelnen Wahlvorschläge entfielen folgende Stimmen: Kommunisten 1926 (bei der letzten Reichstagswahl 2009), SPD. 1242 (1639), Bürgerpartei 620 (keine Vergleichsziffer vorhanden), Rationalsozialisten 2474 (3192), Bayerische Volkspartei 295 (243). * Die in der Oeffentlichkeit umlaufenden Dehaup. hingen über eine von der Reichsregierung und der preußischen Regierung beabsichtigte Herabsetzung des Pensionsdienstalters werden amtlich als W a h l m a ch e erklärt. Weder in Kreisen der Reichsregierung, noch der preußischen Staatsregierung werden derartige Gedanken erwogen. * Reichswehrminister von Schleicher wird etwa bis zu den Wahlen im Urlaub bleiben. Reichswirtichaftsminister War mb old wird etwa 14 Tage und der Reichsfinanzminister Graf von Schwerin-Krosigk auch annähernd 14 Tage von Berlin abwesend sein. • Reichsinnenminister Freiherr von Gayl trat seine Reise in die bayerische O st - m a r k an. Aus München kamen der bayerische Innenminister Dr. Stütze! und der Vertreter des Reiches, Freiherr von Lersner und der Regierungspräsident von Oberfrankem Die Reise ging von Hof mit zwei Kraftwagen über Marktleuthen nach Selb und Marktredwitz, wo Ministerpräsident Dr. Held hinzukam. ♦ Die Grüne Front hat in einem Telegramm an den Reichskanzler die sofortige Einstellung der Kontingentierungsverhandlungen gefordert. Zur Begründung führen die Unterzeichner Brandes, Graf Kalckreuth, H^-mes und Fehr u. a. aus, daß eine weitere Cine Gedenkmünze zum 85. Geburtstage des Reichspräsidenten. r, Die neue Gedenkmünze zeigt das Porträt des Reichspräsidenten und auf der Rückseite an einer Eiche das Wappen der Familie von Beneckendorf und Hindenburg. Die Medaille, die in Bronze und Silber zur Ausgabe gelangt, wurde von der Zentral-Werbestelle deutscher Gedenkmünzen nach dem Entwurf des Professors Oskar Glöckler in der Preußischen Staatsmünze geprägt. Verzögerung der 'Durchführung der Kontingentierung das Vertrauen der Landwirtschaft in die Entschlossenheit der Reichsregieruna, gerade der bäuerlichen Landwirtschaft zu helfen, zerstören müßte. Der belgische Mini st errat beschloß am Montag auf Wunch der liberalen Kabinettsmitglieder sofortige Preisgabe der bisherigen Kontingentpolitik. Weitere Kontingente sollen nicht mehr eingeführt, sämtliche bestehenden Kontingente einer Rachprüfung unterzogen werden. Für Deutschland dürfte eine solche Entscheidung insbesondere Rückwirkungen auf die bisherigen Kohlenkontingente haben. * 3n Brünn begann die Verhandlung gegen 14 Mitglieder des „Iungsturm s", einer Organisation der deutschen Jugend in der Tschechoslowakei, die unter der Anklage des Verbrechens der Vorbereitung zu Anschlägen gegen die tschechoslowakische Republik stehen. Aus aller Welt. Das Eisenbahnunglück in Rumänien. Von den Schwerverletzten sind, einer späteren Meldung zufolge, noch sechs ihren Verletzungen erlegen, so daß sich die Zahl der Toten bisher auf 24 beläuft. — Rach Meldungen aus Bukarest erzählten Augenzeugen der Eisenbahnkatastrophe, daß der dem Personenwagen folgende Packwagen herausgesprungen sei. Dadurch seien zahlreiche Insassen förmlich gerädert und die meisten Leichen verstümmelt worden. Der Weichensteller soll angeblich an dem Unglud keine Schuld haben, da die Weiche aus elektromagnetischem Wege umgestellt worden sei. Der verunglückte Wagen soll aus den sechziger Jahren stammen und vollkommen baufällig gewesen sein. In Temesvar glaubte man, daß der Simplon-Expreß verunglückt sei, und alsbald strömten große Menschenscharen tzan die Stätte des Unglücks. Ein Viehhändler von Räubern überfallen. Als sich dieser Tage der Viehhändler Drinkkötter aus Tatenhausen bei Bielefeld mit seinem Rad auf dem Heimweg befand, wurde er unweit von Schloß Holfeld auf einem einsamen Waldweg von drei Radfahrern angehalten, die ihn zwangen, vom Rade abzusteigen, worauf sie ihn m i h Hande l t e n und beraubten. Die mit einem Revolver ausgerüsteten Burschen banden daraus den Viehhändler an einen Daum und suchten auf ihren Rädern das Weite. Da auf dem einsamen Weg nur sehr wenig Verkehr ist, mußte der Ueber- fallene eine ganze Rächt hindurch in seiner unangenehmen Lage bleiben. Don den Tätern fehlt noch jede Spur. Schmugglerjagd bei Köln. Der Zollfahndungsstelle in Köln war dieser Tage ein Schmuggellraftwagen von der Grenze her gemeldet worden. Dei Grevenbroich wurde der Kraftwagen zum erstenmal gesichtet. Jetzt setzte eine wilde Jagd ein, die erst bei Pulheim in der Rähe von Köln endete. Als der Schmuggler keinen Ausweg mehr sah, sprang er ab und versuchte zu flüchten. Die Zollbeamten streckten den Flüchtling durch einen Schulterschuh nieder. Der Mann, der aus Gladbach-Rheydt stammt, wurde dem Krankenhaus zugesühct. Der Schmuggler übte se ne Tätigkeit schon seit nahezu zwei Jahren aus. 3n dem Kraftwagen fand man 1,5 Zentner geschmuggelten Tabak. Giftmord in Ehemnih. 3n den letzten Tagen wurde der 24jährige Arbeiter Erich Hennemeyer, Mitglied des Werwolfs, in seiner Wohnung in Chemnitz vergiftet aufgefunden. Hennemeyer war am Tage vor seinem Tod mit seinem Motorrad nach Zwickau gefahren und nachts in seine Wohnung zurückgekehrt, wo er sich erbrach und einige Stunden später starb. 3n seiner Tasche wurde eine Tüte Pralinen vorgefunden. Die chemische Untersuchung dieser Pralinen hat ergeben, daß sich in einer Praline Zyankali befand, das nicht bei der Herstellung der Praline beigemischt, sondern ihr erst nachträglich beigefügt worden war. Hennemeyer hat durch das Gift dieser Praline den Tod gefunden. Von wem er die Pralinen erhalten hat. steht noch nicht fest. Auffallend ist, daß Hennemeyer an dem Tage vergiftet aufgefunden wurde, an dem er in einem Meineidsprozeh als Hauptbelastungs- zeuge auf treten sollte. Die behördliche Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Fünf Personen „aus versehen" erschossen. Dei der Verfolgung eines wegen Mordes an einem Beamten Gesuchten kam es nach einer Meldung des „Berliner Lokalanzeigers" aus Sencvtobia (Missisippi) zu schwerem Blutvergießen. Ein Regerfarmhaus, in dem sich der Verfolgte nach Annahme der Polizei verborgen hielt, wurde belagert. Durch Salven, die die Polizisten auf das Haus abgaben, wurden der Besitzer der Farm, dessen Frau, zwei Sohne und der Schwiegersohn getötet. Als die Polizei die Besitzung dann durchsuchte, stellte sich heraus, daß der gesuchte Mörder überhaupt nicht im Hause war. Luxushotel an der Riviera niedergebrannl. Eines der größten Luxushotels an der französischen Riviera, das Grandhotel am Kap Martin in der Röhe von Mentone wurde in. einer der letzten Nächte ein Raub der Flammen. Der Palast, in dem viele bekannte Staatsmänner abzusteigen pflegten, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Der Materialschaden beläuft sich auf etwa 15 Millionen Franken. Das Feuer hatte im Fahrftuhlschacht begonnen. Ein boshafter Erblasser. Vor kurzem verstarb in Toronto (Kanada) ein Advokat, der Jjnn großes Vermögen an verschiedene Personen unter sehr merkwürdigen Bedingungen vermachte. So erhielten einige Herren, die als erbitterte Gegner von Pferderennen bekannt waren, eine größere Summe unter der Bedingung ausgesetzt, daß sie selbst Mitglieder jenes berühmten Rennklubs wurden, dem der Verstorbene viele 3ahre hindurch angehört hatte. Einigen als Vorkämpfern des Anti-Alkoholismus bekannten Geistlichen war ein recht stattliches Aktienpaket eines großen Drauereiunternehmens zugedacht worden. Ein Freund des Verstorbenen, der ein eingeschworener 3unggeselle und bekannter Frauenhasser war, sollte mehrere tausend Pfund erben, wenn er sich verpflichtete, eine Ehe zu gründen und Kirwer zu haben. Ganz Toronto war neugierig darauf, wie sich bei den lachenden Erben Ideale und Geldhunger miteinander vertragen würden. Das Gericht hatte nach der Testamentseröffnung den Erben eine Woche Bedenkzeit gegeben. Als diese abgelaufen war, erklärten die Erben zur allgemeinen Belustigung, daß sie die Erbschaft an- nähmen. Rur der 3unggeselle war standhaft geblieben und hat das ihm zugedachte Vermögen abgelehnt. Zirkus hagenbeck in Sizilien gepfändet. Während noch das traurige Schicksal des Zirkus Schneider in Reapel im Februar d. 3. in Erinnerung ist, hat das Unglück bereits einen zweiten deutschen Zirkus auf italienischem Boden ereilt. Wie aus Cassania in Sizilien gemeldet wird, sind dem Zirkus Hagenbeck 24 Bären, vier Löwen, drei Tiger und vier Elefanten gepfändet worden, nachdem schon in den letzten Monaten die Schulden des Unternehmens außerordentlich angewachsen waren. Mit der Pfändung, die auf Antrag eines Zirkusangestellten vorge- men wurde, der erhebliche Forderungen an die Direktion hatte, schwindet natürlich die letzte Möglichkeit, den Betrieb auch nur notdürftig aufrecht zu erhalten. Der Tierschuhverein des Ortes hat zunächst die Fütterung der Tiere übernommen. Der Zirkus Hagenbeck soll mit einer glänzenden Ausstattung nach Sizilien gekommen sein, mußte aber bereits in den letzten Monaten des 3ahres 1927 Beschlagnahmungen über sich ergehen lassen. Als kommende bezeichnete Ihr Großvater 5 Er hatte recht. Denn bis zum heutigen Tage W W ist, wie Sie selbst wissen, die überlegene deutsche Marke die milde SALEM mit Gold-Filmbildern in natürlicher Farbwiedergabe. i 11 r $ H SALEM ■ , , I ■ LICHTSPIELHAUS GIESSEN Lichtspielhaus Gießen 20Jahre Morgen, Mittwoch, den 19. Oktober 1932, abends 8.30 Uhr: FESTABEND wer Du bist! 06064 Gießen, den 16. Oktober 1932. Sichern Sie sich rechtzeitig Eintrittskarten. — Telephon Nr. 4077 7338C Täglich 4, 6 und 8.30 Uhr das gesamte Festprogramm vom 19. bis 25. Oktober. Morgen Mittwoch fällt die Vorstellung von 6—8 Uhr, wegen Vorbereitungen zum Festabend aus. Alle Vergünstigungen (außer Abonnement) sind aufgehoben. — Jeder Besucher erhält an diesem Abend das illustrierte Ufa-Magazin. Heute Dienstag zum letztenmal die entzückende Operette mit den zündenden Schlagerliedem — — — Ein bißchen Liebe für Dich Der Wert des Markennamens. Wenn Sie einen Gegenstand kaufen, dessen Qualität Sie als Laie nicht beurteilen können, bleibt Ihnen als einzige Gewähr für gute Qualität der Ihnen bekannteste Markenname. Osram als älteste Glühlampenfabrik Europas hat ihrem Markennamen Weltgeltung verschafft. 6571V Statt Karten Danksagung. Für die überaus große Teilnahme bei dem plötzlichen Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen, für die vielen Kranz- und Blumenspenden, die trostreichen Worte des Herrn Pfarrassistenten, der Reichsbahn, sowie den Vereinen sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank. Frau Kath. Weitzel, geb. Korell und Kinder. Aus aller IBeli Grenzverletzung polnischer Beamten. — Deutsche Arbeiter angeschofsen und nach Polen verschleppt. Zwischen Weißenberg und Montauerweide (Kreis Stuh-m) wurden dieser Tage drei deutsche Arbeiter, die an der unübersichtlichen Weichselgrenze beim Schneiden von Weidenruten die Grenze überschritten hatten, vom polnischen Weichseluser aus durch fünf polnische Grenzbeamte beschossen. Zwei Arbeiter konnten flüchten. Der dritte, Franz Schwielski, wurde angeschossen, von den polnischen Grenzbeamten umzingelt und in einem Boot nach Polen verschleppt. Eine vorn Landrat des Kreises Stuhrn und der Staatsanwaltschaft an Ort und Stelle oorgenornrnene Besichtigung ergab, daß die polnischen Grenzbeamten sich des Angeschossenen auf deutschem Gebiet bemächtigt haben. Landrat Dr. Zimmer hat den polnischen Starosten telegraphisch zur Besichtigung des Tatortes eingeladen. Todessturz eines bekannten Rennreiters. Einer der bekanntesten Renn- und_ Turnierreiter Europas, der tschechische Kapitän Pop - le r, verunglückte in Pardubitz tödlich. Morgen. Mittwoch. 19. Oktober, Beginn der großen Jubiläums-Festwoche vom 19. Oktober bis einschl. 25. Oktober 1932 [FeHtproKramniT] Die neueste und schönste Tonfilm-Operette dieses Jahres Ich will nicht wissen 'Ztycttcrvoriiueiaqc. Durch die Entwicklung eines kräftigen Wirbels über der Nordsee bleibt die Wetterlage weiterhin unbeständig. Unter auffrischenden Winden herrscht über den britischen Inseln starke Luftbewegung, welche uns erneute Schauer und nachfolgend etwas Abkühlung bringen wird. Aussichten für Mittwoch: Noch unbeständig, wechs^nd bewölkt, zwischendurch auch aufklarend, Regenschauer, später etwas kühler, westliche Winde. Aussichten für Donnerstag: Nachlassen der Niederschläge, aber noch unbeständig. Lufttemperaturen am 17. Oktober: mittags 13,2 Grad Celsius, abends 9,8 Grad; am 18. Oktober: morgens 9,2 Grad. Maximum 14 Grad, Minimum 8,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. Oktober: abends 10,6 Grad; am 18. Oktober: morgens 9,6 Grad Celsius. — Niederschläge 0,7 mm. — Sonnenscheindauer l^Stunden. Danksagung. Für die bewiesene herzlicheTeilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen Johannes Nickel sagen wir unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelmine Nickel, geb. Schiffmann. louiite in oer üerupmicn üteepLeq>aUe Zweiter werden, bestieg dann für das nächste Rennen noch einmal ein Pferd und stürzte hierbei so unglücklich, daß ihm das Pferd mit dem Huf denSchädelsPaltete. Büchestisch. — Professor Ferdinand Dreher: A u f dem Wege zum Völkerbund. Zarte Geheimnisse der Entente-Mächte 1906 bis 1914, Verlag Karl Bindernagel-Friedberg. Preis einzeln 30 Pf. von 25 Stück an je 25 Pf. und von 100 Stück an je 20 Pf. Die ausgezeichnete kleine Schrift, die hier bereits früher besprochen wurde, liegt nach kaum 9 Monaten in dritter, erweiterter und verbesserter Auflage vor. Sie zeigt in knapper, eindrucksvoller und nachhaltiger Beweisführung an Hand gewichtiger, vorbildlich geordneter Unterlagen wie der Ueberfall auf Deutschland 1914 diplomatisch und militärisch vorbereitet wurde und warum Deutschland heute mit gutem Recht volle Wiedergutmachung und Gleichberechtigung fordern kann. — Zugvögel. Roman von Michael 2lr l e n. Verlag Piper & Co., München. Gebd. 5,40 Mk. (214).) — Ein Liebesroman voll Glanz und Zärtlichkeit. Michael Arien, der Schilderer der engljchen Gesellschaft, erzählt in diesem "Roman von starken Leidenschaften und schme zl.chen Schicksalen. Mit ergreifendem Ernst weih er die Tragik neben das Lächeln zu stellen. London, Südsrankre ch und Paris sind dec farbige Hintergrund der figurenreichen, lebhaft bewegten und spannenden Handlung. — Ich komme g^rn! Roman von Paul von Hahn. 180 Seiten. Verlag Knorr & Hirth, München. Geh. 1,80 RM., Seinen 2,70 RM. — (209) - Paul von Hahn, der abenteuerliche Erzähler, gibt seinem neuen Roman zum Hintergrund eine der aufregendsten Spionagegeschichten, die sogenannte Nil- damm-Affäre, die den Aufstand schwarzer Volksstämme gegen die englische Herrschaft im Sudan zufolge hatte. Es ist ein unterirdisches Ringen, ein Kampf gegen einen getarnten Gegner, den die englische Spionageabwehr mit allen Mitteln der List führt. Ein Roman, in dem es nicht ohne Lärm, nicht ohne Flucht und Verfolgung abgeht, in dem es Verräter und Schufte gibt und in dem Blut fließt. Und dock hat er auch Charme und Heiterkeit: ein persönliches Verdienst der jungen, schönen, tapferen Helen Winter, deren Geschichte mit ihrer berühmt gewordenen Depesche „Ich komme gern" für alle Zeiten mit der Nildamm-Affäre verknüpft bleiben wird. , Gießen (Gr. Steinweg 11), den 12. Oktober 1932. __________________________________06069 | Vermietungen I 5-, 6-u.T-Zimm.- Wohnungen mit u. ohne Zentral - heiz., in gut. Wohnlage, zu vermieten. G. Katz Ludwigstr. 45. [06073 Neuzeitliche 3-Zimm.-Wohng. mit Bad u. Balkon ab sosort zu vermiet. Schriftl. Ang. unt. 7345D a. d. G. A. W Hauptrollen Liane Haid, Gustav Fröhlich Achtung I Verdie-Ballett Dir. Marietta Verdi, ehern. Mitglied der StaatsoperWien ferner Der Tanz der Nationen Hin Farbentonfilm mit dem weltbekannten Whitmann- Orchester Neueste Ufa-Ton-Woche Die Musik wird ausgeführt vom verst. Kurorchester Bad-Salzhausen, Leitung Musikmeister a. D. H. Topp MlM-SWM 71G0A Edgar Sorrmann, Eisenhandlung AllgemeineOriskrankenkaffe Gießen-Etadt. Die fälligen Beträge für den Monat September 1932 könnens noch bis zum 25. Oktober d. 3. ohne Kosten bezahlt werden. 7341D Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung und evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann täglich, außer Samstags, von 8 bis 1 Uhr bei unserer Kasse oder auf unser Postscheckkonto Amt Frankfurt a. M. Nr. 10833 erfolgen. Der Rechner: Hinkler. Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung A, wurde eingetragen: 7339D Am 30. September 1932 bei der Firma Meyer & Hickel, Buch- und Akzidenzdruckerei in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 3. Oktober 1932 bei der Firma August Wittich in Gießen.- Geschäft nebst Firma ist auf August Wittich Witwe, Carola geb. Dextor, in Gießen und Kaufmann August Wittich in Gießen übergegangen. Die offene Handelsgesellschaft hat am 30. August 1932 begonnen. Am 4. Oktober 1932: a) bei der Firma Ludwig Stern in Gießen: Mit Wirkung vom 14. September 1932 ist Firma nebst Geschäft auf die Kaufleute Artur und Hans Stern, beide in Gießen, unter Ausschluß der Uebernahme der seither im Betriebe des Geschäfts begründeten Forderungen und Verbindlichkeiten übergegangen. Die offene Handelsgesellschaft hat am 14. September 1932 begonnen, b) bei der Firma $. Joseph zu Gießen: Salomon Joseph ist durch Tod aus der Firma ausgeschieden und die offene Handelsgesellschaft erloschen. Salomon gen. Sally Joseph in Gießen ist Alleininhaber. Der Jenny Joseph geb. Joseph in Gießen und dem Ernst Joseph in Gießen ist Prokura erteilt. Am 5. Oktober 1932: a) die Firma Krahn & Lomp., Automobile und Reparaturwerkstatt in Gießen. Inhaberin ist Fritz Krahn Ehefrau. Hedwig geb. Oberste- Stemhorst, in Nassa« a. d. Lahn. Der Sitz der Firma ist von Dortmund nach Gießen verlegt, b) die Firma Margarete Stern in Gießen. Inhaberin ist Margarete Stern, Stenotypistin in Gießen. Am 13. Oktober 1932 die Firma Magnus Becker, kohlen- und Holzhandlung in Gießen. Inhaber ist der Kaufmann Magnus Becker in Gießen. Gießen, den 15. Oktober 1932. _________Hessisches Amtsgericht.__________ Zwangsversteigerung 52*2 Am Donnerstag, dem 3. November 1932, vormittags 9 Uhr. wird im Arntsgerichts- gebäube zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Ingenieur Heinrich Brinkmann in Gießen zugeschriebene Anwesen Bahnhofstraße 58 73420 Flur 1, Nr. 871 = 928 qm hosreite, geschätzt 60 468 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 4. Oktober 1932. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: _______Leo, Ortsgcrichtsvorfteher._______ Kaufgesuch. Die Gemeinde Quetfbom beabsichtigt einen sprungfähigen Simmentaler Bullen (Herdbuchtier) sowie einen sprungfähigen Über (veredeltes Landschwein) anzuschaffen. Angebote mit Angabe von Atter sind an die Bürgermeisterei Queckborn zu richten. 73470 Queckborn, den 16. Oktober 1932. Hessische Bürgermeisterei. Albert. Mittwoch, den 19. Oktober 1932, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 73460 1. Büfetts, Kredenzen, Kleiderschränke, Sofas, Schreibtische, Kassenschränke, 1 Herd, Bücherschränke 2 Regulatoren, 1 Photo- graphion, 1 Kassenschrank, 1 Schreibmaschine, 1 Oeldehätter, 1 Hochfrequenzapparat, 2 Elektromotoren, 2 Lederwalzen, 2 Stücke Leder, 2 Schäftesteppmaschinen, 1 Mappe Denkmäler des Theaters, 2 Pianinos, 1 Klebepresse, 1 Schuhmacher-Nähmaschine, Scheren, Taschenmesser, Ladentheken, 1 Schwammschrank, Warenschränke, 1 Glasausstellungskasten, Zigarren, oerschiedeneWeine und Schnäpse, Pfeifen, Mutze, Tabak, Seife, Parfüms, Haarbesen, Mundharmonikas, 1 Kaffeebehälter, 115 Herren- Makohemden. 2. An Ort und Stelle (Bekanntgabe Im obigen Lokal): 1 Defonomieroagen mit Kasten, 1 Pferd (Dunkelfuchs), 15 Oregonbohlen, 1 Gigvierer, 1 Rennachter, 1 Personenwagen (Viersitzer, VO 5364). 3. Bestimmt: 1 Schrankgrammophon, 1 Sofa. 4. Freiwillig aus freier Hand: 1 grün emailierter Dauerbrandofen. Junker, Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Bultenverkauf. Die Gemeinde Allendors a. d. Lumda verkauft am 21. Oktober 1932, vormittags 11 Uhr, im Rathaus auf dem Submissionswege einen fetten abgängigen Bullen. Schriftliche Angebote auf pro Zentner Lebendgewicht sind bis zu obigem Termin bei der unterzeichneten Behörde verschlossen und mit'Aufschrift versehen einzureichen. Angebote mit Vorbehalten und Bemerkungen versehen bleiben unberücksichtigt. Die । Bedingungen über den Verkauf können daselbst eingesehen werden und werden beim Termin nochmals befanntgegeben. (73480 Allendorf a. d. Lda., 17. Oktober 1932. Hessische Bürgermeisterei. Schneider. General-Vertreter für Hessen bei hohem Verdienst gesucht. Schriftl. Angebote u.06076 a.d.Gieß.Anz. Zur Bewirtschaftung unserer Personalkantine sowie Imbihecke suchen wir 7349 d nichtige Mamsell Karzentra,KaufhausHansa Gießen, Seltersweg 28. Schöne 5-Zimmer- Wokmungabl.Nov. zu vermieten, ososi Bleichstraßc8,V.v. Beschlagnahmefreie sch. 4-Zim.-Wokm. v.!5.Nov.od.l.Dez. zu vermieten. loso?o Asterweg 47 darf. vntmvbl.2iwm.zver- ,miet. Marktplatz2,1. | Verkäufe | WN.MWllS mitgroß.Garten,für Bauplätze geeignet, an angef. Straße, bei mätziger Anzahlung sof. zu verkauf. Schriftl. Ang. unt. 06075 a. d. G. A. Mm Allen co. 640 qm groß, am Erdkauterweg,billig zu verkaufen. Auf Wunsch Zablungs- erleichterung. oeosz Schiffend. Weg 24. MMne Mod. 31, 500 Eier, Umst. halb, preisw. abzugeb. Schr.Ang. unt.06090a.d.G.A. 2 Oesen | für größere Räume zu hei;., verkäuflich. (5 entral-Drogerie. Gebrauchter Gasbadeofen mit Zinkwanne verkaufen, (ososs Anzusehen vormitt. Frankfurt. Sir. 241. 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Ingenieurschule Strelitz ■ecti.-Strel. staatlich anertanel Hochbas, nefbie, Stahlbau, ElMnbetonbau, Flugzeug., Maschinen- u. Autobau, Elektro- g. Helzungstechnlk. Se- mesterbeglnn Oktober u. AprIL Speise-Kasino, rregr. fr* Frisch cingetroffen: MkMkMkl von Haeberlein-Metrger. Ferner empfehle: fi. ülarjloan- uno nougnt Stnoloiaoe mit SrOffllen, orlma Pralinen (lose unö In üodaogen). Sets unö lofel-56otoio0e von ersten Firmen. SWIaWw MkW Inhaber August Stöckel 7258D Eeltersveg 50 * Ecke Woltengasse Herbin-Sfodin 20ldbl. 1,05 10 Tdbl. 0,60. unschädlich und unObertroffen bei starken Kopfschmerzen Rheuma-, Muskel- und Nervenschmerzen. Verlangen Sie daher In der Apotheke nur Herbln-Stodln und Sie werden angenehm Oberraecht sein. H.O.ALBERT WEBER, MAGDEBURG Nr. 245 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen) Dienstag, (8. Oktober (Y32 . M ’M HM ■ " 1 4 EM s h e 1 M R o S 5 E Aus der Provinzialhauptstadt Giehen, den 18. Oktober 1932. „Dernier cri“ — Torheiten! Die Tatsache, dah d e u t s ch e S t of s e in ihrer Qualität den ausländischen Fabrikaten nicht nur ebenbürtig, sondern oft sogar überlegen sind, hat sich in den letzten Jahren immer mehr durch- geseht. Wenn die Nachfrage nach deutschen Erzeugnissen auch noch nicht spürbar gesteigert wurde, so ist doch eine gewisse Erkenntnis vor allem bei den Käuferschichten eingetreten, die früher glaubten, nicht ohne englische Tuche, oder französische Seide auszukommen. Außerdem sind in letzter Zeit durch den Rückgang der Kaufkraft naturgemäß die billigen und ganz billigen Textilien in den Vordergrund des Kaufinteresses gerückt. Die anspruchslosen Stapelartikel aus Kunstseide und Baumwolle werden zu ausgesprochenen Modestoffen, allerdings nicht ohne den äl m to e g über Paris. Denn noch immer wird ohne den Pariser Glorienschein kaum ein Stofs wirklich „Mode", trotzdem erst kürzlich die Pariser Haute Couture für ihre „creations“ mit Vorliebe Wolle und sogar Kunstseide aus Sachsen und Schlesien verwandte. Bei uns dagegen ist Paris noch immer das Zauberwort im Munde des Verkäufers, im Ohr der gedankenlosen Käuferin. „Echt Paris" gilt als Garantie für erlesenen Geschmack. Das Zutrauen zur deutschen Leistung auf modischem Gebiet ist oft beschämend gering. Aus Fachkreisen, die es eigentlich wissen mühten, hört man in diesem Zusammenhang oft: wir haben keine modeschöpferischen Kräfte, wie die romanische Rasse, die Schmucktrieb, Phantasie und leichte Hand so glücklich verbindet. Warum hat es dann aber das viel stärker ausgeprägte Rationalgefühl der angelsächsischen Rasse verstanden, sich dem Pariser Modediktat nicht unterzuordnen wie wir, sondern die völkische Eigenart zu pflegen und auszubauen, so dah sie in ihrer sportlichen Rote für die Tageskleidung allgemein vorbildlich wurde? Rur zu leicht wurden bisher bei uns vom Ausland Modeströmungen übernommen, die in keiner Form der Eigenart der deutschen Frau entsprachen, oft sogar nur einer zufälligen Laune entsprangen und drüben gar nicht ernst genommen wurden. Torheiten, aber als „Dernier cri“ gepriesen! Eine zielbewuhte Erziehungsarbeit muh hier einsetzen, muh der deutschen Frau zeigen, wie viel mehr die deutschen Erzeugnisse sich ihrer Eigen- art anpassen können, wie viel harmonischer sich ihre ganze Erscheinung dadurch gestaltet. Der Anfang zu dieser Erziehungsarbeit ist bereits gemacht. 3n Berlin ist eine Arbeitsgemeinschaft, „Das Maria-May-Studio", aus Textilkünstlern, Textilindustrie, Textilhandel und Derbraucherschaft gegründet worden, dessen Ziel die organische Verbindung künstlerischer Entwurfsarbeit und industrieller Erzeugung im Sinne einer geschmacklichen Durchdringung der deutschen Textilwirtschaft ist. So ist z. D. schon ein ^deutscher Cretonne" entstanden, der durch seinen Preis, seine geschmackliche Eigenart und vielseitigen Verwendbarkeit ein D o l k s st o f f zu werden verspricht. Wenn erst die deutsche Frau deutschen Stofs verlangt, wird auch der, Verkäufer bald einsehen, welche Richtung er einzuschlagen hat. Zudem wird er den fremden Einflüssen kritischer gegenübertreten. Vorurteilslose Prüfung bei zweckmähiger Anterrichtung durch die Modeblätter über die Güte der Stoffe, Muster, Farben und Farbenzusammenstellungen wird dazu führen, dah deutsche Stoffe, deutsche Musterung und Mode die Geltung erlangen, die sie ihrer Leistung nach auf dem Weltmarkt beanspruchen können! V. A. provinzialausschuh-Sihung. Am Samstag fand im Sihungssaale des Re- gierungsgebäukws zu Giehen eine öffentliche Provinzialausschuhsitzung statt. Verhandelt wurden folgende Gegenstände: 1. Beschwerde der Johanna Preih in Gießen gegen den Bescheid der Bürgermeisterei Giehen vom 11. Mai 1932 wegen Versagung der Erlaubnis zum Betriebe eines Unternehmens zum Verkauf von Milch. Da die Deschwerdesührertn den Rachweis führte, dah sie 200 Liter Milch täglich bezieht und an Kunden abseht, erklärte der Vertreter der Bürgermeisterei Giehen, dah keine Bedenken mehr bestünden, der Beschwerdeführerin die nachgesuchte Erlaubnis für ihr Verkaufslokal Kaiserallee 7 zu erteilen. Der Vorsitzende des Gerichts vertagte hiernach die Sache. 2. Klage des Bezirksfürforgeverbandes Hamburg-Stadt gegen den Bezirkssürsorgeverband des Kreises Friedberg auf Erstattung von Kranken- hauspslegekosten für Richard Ott aus Güstrow. Der Kläger hatte von dem Bezirksfursorgever- band Friedberg Ersatz von 3184,20 Mark Derpfle- gungskosten begehrt. Die Klage wurde als unbegründet kostenpflichtig abgewiesen. 3. Klage des Bezirksfürsorgeverbandes der Stadt Frankfurt a. M. gegen den Bezirksfursorge- verband des Kreises Friedberg auf Erstattung von Krankenhauspflegekosten für Maria Grein aus Vilbel. Der Klage wurde stattgegeben und der Bezirkssürsorgeverband des Kreises Friedberg verurteilt, dem Kläger 720,50 Mark Krankenhaus- Pflegekosten nebst 4 Prozent Zinsen vom 11. Mai 1932 an zu bezahlen. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Beklagten zur Last gelegt. 4. Klage des Bezirksfürforgeverbandes Wetzlar gegen den Bezirksfürsorgeverband der Stadt Giehen au* Erstattung von Fürsorgekosten für Johann Vasen aus Köln. Wetzlar hatte von Giehen die Erstattung von 905,40 Mark Krankenhauspflegekosten für einen armen Wanderer begehrt. Die Klage wurde als unbegründet zurückgewiesen und der Kläger mit den Kosten des Verfahrens belastet. 5. Klage des Dezirksfürsorgeyerbandes des Kreises Erbach i. O. gegen den Dezirksfürsorge- verband der Stadt Giehen wegen Erstattung von Verpflegungskosten für Hans Müller aus Diedorf. Der Kläger hatte Antrag auf Ersatz von 2495,90 Marl Derpflegungskosten des Müller in der Ernst-Ludwig-Heilstätte zu Sandbach gestellt. Die Klage wurde als unbegründet zurückgewiesen und der Kläger zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. 6. Klage des Bezirksfürforgeverbandes des Obertaunuskreises in Bad-Homburg gegen den Landessürsorgeverbond Hessen, vertreten durch den Bezirksfürsorgeverband des Kreises Friedberg, auf Erstattung von Krankenhauspflegekosten für Johann Hähnlein aus Anter-Oerrthal. Der Kläger hatte den Ersatz von 120 Mark Krankenhauspflegekosten von dem Beklagten verlangt. Die Klage wurde als unbegründet zurückgewiesen, die Kosten des Verfahrens dem Kläger zur Last gelegt. Festabend im Lichtspielhaus. Am morgigen Mittwoch, 20.30 Uhr, wird im Lichtspielhaus, Bahnhof st raße, als Auftakt zu der aus Anlaß des 20jährigen Bestehens veranstalteten Jubiläums-Fe st woche ein Fe st abend stattfinden, für den die neueste Tonfilmoperette „Ich will nicht wissen, wer du bist" als Hauptpunkt des Programms vorgesehen ist. Auf der Bühne werden ferner interessante Darbietungen den Besuchern noch Freude bereiten. Das verstärkte Kurorchester Bad Salzhausen unter Leitung von Musikmeister a. D. Topp wird den musikalischen Teil des Abends bestreiten. Der Festabend, wie die Vorstellung in der Festwoche überhaupt werden als besonders bemerkenswerte Ereignisse im Lichtspielhaus zu betrachten sein, die der erhöhten Beachtung des Publikums wert sein werden. Man beachte die heutige Anzeige. Spieler und Gewinner. Bei uns in Deutschland wird gern und viel Statistik getrieben, manchmal sogar ein bißchen zuviel. Wenn der Laie lieft, daß auch die Preußisch-Süddeutsche Klassenlotterie Erhebungen darüber angestellt hat, auf welche Bevölkerungsschichten sich die Loskäufer verteilen und wer eigentlich am meisten von Fortuna begünstigt wird, könnte er leicht in die Versuchung kommen, verwundert den Kops zu schütteln. Schließlich sollte es' doch der Lotteriedirektion ziemlich gleichgültig sein, wer bei ihr sein Geld wagt. Hauptsache, daß die Lose verkauft werden. Aber ganz so einfach liegen die Dinge nun doch nicht. Diese statistische Feststellung gestattet es nicht nur dem Volkswirtschaftler, in die sozialen und ökonomischen Zusammenhänge einen Blick zu werfest, sie bildet auch die Grundlage für die propagandistischen und organisatorischen Maßnahmen der Lotterieleitung. Amtlich ist die Statistik allerdings Nicht. Aber die einzelnen Lotterieeinnehmer haben doch einen ziemlich genauen Einblick, welchen gesellschaftlichen Schichten ihre Kunden angehören. Und auf ihren Angaben bauen sich die Schätzungen auf, die wir hier veröffentlichen. Danach bildet die größte Schicht der Lotteriespieler die werktätige Bevölkerung: 40 o. H. aller Lose gehören Arbeitern oder Arbeiterinnen. 20 v. H. der Kundschaft der Klassenlotterie stellen die Handwerker und kleinen Kaufleute, weitere 20 v. H. die Angestellten und Beamtenschaft, während nur 15 v H von wohlhabenden Leuten gekauft werden. Auf den ersten Blick erscheint es merkwürdig, daß gerade die Leute, die sich die 5 Mark für ein Achtellos zweifellos nur mit Mühe zusammensparen können, am ehesten geneigt sind, ihr Geld aufs Spiel zu setzen. Aber psychologisch ist diese Tatsache doch nicht allzu schwer zu erklären. Derjenige, der an sich schon wenig Geld hat, wagt diese paar Mark tatsächlich nur dann, wenn ihm dafür große Gewinnchancen und klar auf der Hand liegende Vorteile geboten werden, wie es bei der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie der Fall ist. Für den Reichen ist das Spiel mehr eine Angelegenheit der Sensation, des Nervenkitzels, und den findet er eher beim Roulette, in den Spielklubs oder am Totalisator der Rennbahn, wo er Gewinn oder Verlust unmittelbar nach dem Einsatz selbst miterlebt Noch etwas anderes ist nicht uninteressant: daß nämlich der größte Teil der Spieler ständiger Kunde der Lotterie ist. Gerade die Leute, die Monat für Monat ihre 5 Mark zum Kollekteur tragen, glauben zu wissen, daß Beharrlichkeit am ehesten zum Ziele führt. Das beweisen auch die Erhebungen, die man über die Gewinner angestellt hat. Am häufigsten ist das Die Zubilaumslagung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Die feierliche Kranzniederlegung am Ehrenmal Unter den Linden. In der Mitte hinten: Dr. Schnee, der ehemalige Gouverneur von Deutsch-Ostafrika; neben ihm links: General von Epp. Glück der Hauptschicht der Spieler, also den minderbemittelten Dauerkunden, hold. Der „Laufkunde", der sich gelegentlich einmal ein Los mitnimmt, hat logischerweise eine erheblich geringere Chance. Schließlich hat sich die ßotteriebirettion auch noch dafür interessiert, was nun eigentlich mit den großen Gewinnen geschieht. Und es hat sich dabei herausgestellt, was ja bei der sozialen Schichtung von vornherein anzunehmen war, daß in den weitaus meisten Fällen das Geld sehr sorgfältig und nutzbringend angelegt wird. Nur ganz selten einmal kommt es vor, daß jemand einen Hauptgewinn in kurzer Zeit „durchdringt". F. W Gietzene. asjuji’iimarttjncih • Gießen. 18. Oft. Es kosteten auf dem heutigen Wocheninarlt: Süßrahmbutter 130 Pf., Landbutter 120, Kochbutter von 90 Pfennig an, Matte 25 bis 30, Spinat 15, Römischkohl 8, Wirsing 6 bis 8 (pro Zentner 4 bis 4.50 Mk.), Weißkraut 4 bis 6 (pro Zentner 2,50 bis 3 Mk.), Rotkraut 7 bis 8 (pro Zentner 4.50 bis 5 Mk.), gelbe Rüben 7 bis 8, rote Rüben 7 bis 8. Anterkohlrabi 5 bis 6, Rosenkohl 20 bis 25, Tomaten 15 bis 20, Meerrettich 30 bis 70, Zwiebeln 8 bis 10, Schwarzwurzeln 30 bis 35, Kürbis 5 bis 6, Pfirsiche 30 bis 35, Rüsse 35, Kartoffeln 3 (pro Zentner 2,50 bis 2,80 Mk.). Aepfel 15 bis 30 (pro Zentner 12 bis 25 Mk.), Birnen 10 bis 20, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 80, Suppenhühner 60 bis 80. Gänse 70 bis 80 Pfennig pro Pfd.; Eier (ausl.) 10 bis 11. (inl.) 12. Tauben 50 bis 60, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 8 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück: Radieschen 10 Pf. pro Bund •■Bor notigen. Tageskalender für Dienstag: Stadttheater, 20 bis 22 Ahr „Der 18. Okrober". — Edeka-Derband, 20 Ahr, Cafe Leib, Hausfrauen-Abend. — DHV., 20.15 Ahr, Lonystr. 18, Vortrag von Gauvorsteher Auerbach über „Weltwirtschaft und nationaler Wirtscha lsraum". — Jungdeutsche Bewegung, 20 Ahr, Hotel Hindenburg, Staatsbürger-Abend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ..Ein bißchen Liebe für dich". •* S t erbefälle in Giehen. In der Zeit vom 1. bis 15. Oktober verstürben in unserer Stadt: 3.: Berta Pfeifer geb. Weitzel, 73 I., Liebig- straße 71; 5.: Elise Pitz geb. Hartmann, 55 I., Kaiserallee 109; 7.: Karoline Schmidt geb. Ley, Witwe, 69 I., Ebelst^ahe 34, Johannes Weitzel, Eisenbahn-Stellwerksmeister, 57 I., Asterweg 68; 8.: Margareta Oehler geb. Wißner, 74 2., Äeu- stadt 8.; 10.: Heinrich Decker, Arbeiter, 66 I., Bahnhofstraße 24; 11.: Konrad Schwab, Schuhmachermeister, 63 I., Marburger Straße 25, Franz Günther, Zugführer i. R., 67 I., Roonstraße 36, Johannes Rickel, ohne Beruf, 85 I., Großer Steinweg 11, Alfred Georg, Fuhrmann, 38 I., Schott- strahe 35; 13.: Adam Heppert, Lokomotivheizer i. R., 78 I., Frankfurter Straße 66; 14.: Wilhelm Röderer, Buchdrucker, 73 I., Zu den Mühlen 14. ** Eine auffallende Planeten st el- lung. Der Sternfreund darf in den nächsten Wochen nicht versäumen, einige Male Frühaufsteher zu fein. Am Mocgenhimmel bieten die beiden Planeten Venus und Jupiter eine selten schöne Deobach tungsmöglichkeit. Beide stehey im Sternbild des Löwen. Venus nähert sich Jupiter und zieht am 20. Oktober in auffallend kleinem Abstande am Jupiter vorüber. Der Abstand beträgt nur etwa 1/10 Grad. Die beiden Hellen Sterne werden für das bloße Auge also nur noch wie ein sehr Heller Doppelstern erscheinen und einen prächtigen Anblick bieten. Der Aus- gang der beiden Planeten erfolgt etwa 1.23 Ahr morgens. Dis zum 20. Oktober geht Venus noch etwas vor Jupiter auf. ** Beschwerden nicht an d i e Oberp oft« bireftion! Zahlreiche Benutzer der Deutschen Reichspost glauben, auf Beschwerden, Anfragen und sonstige Zuschriften, die den laufenden Post-, Telegraphen- und Fernsprechdienst sowie den Telegraphenbaudienst betreffen, schneller Antwort zu erhalten, wenn sie sich unmittelbar an die Oberpostdirektion wenden. Sie erreichen damit jedoch das Gegenteil von dem, was sie wollen, die Erledigung der Angelegenheit wird verzögert. Denn die Oberpostdirektion ist für die Entscheidung solcher Einzelfälle des Betriebes nicht zuständig und muß eine unrichtigerweise ihr übersandte Zuschrift an dasjenige Verkehrsamt abgeben, das örtlich und sachlich zuständig ist. Erst wenn der Antragsteller mit dem ihm vom Verkehrsamt gewordenen Bescheide nicht zufrieden ist, kommt für ihn die Dberpoftbirettion als Berufungsinstanz in Frage. Man gehe also auch im Post-, Telegraphen- und Fernsprechverkehr stets vor die rechte Schmiede, wenn man etwaige Mängel recht schnell beseitigt haben will ober über bie Auslegung ber Bestimmungen, über Gebührensätze und sonstige Fragen unterrichtet werben möchte. Oft erreicht man bas übrigens am schnellsten und einfachsten, wenn man bie Feber erst gar nicht ansetzt, sonbern sich münblich (auch burch Fernfprecher) an bas zustänbige Verkehrsamt wenbet. „ Wissen Sie schon das Neueste? Meine Grete wird nicht operiert.“ — „Aber, wie ist das nur möglich? Ich denke, sie leidet so entsetzlich an Hämorrhoiden?“ „Ja, aber unser Arzt sagt, es sei ihm ein neues Mittel bekanntgeworden, das wollte er doch noch versuchen, um, wenn möglich, dem Mädel die unangenehme und schmerzhafte Operation zu ersparen Nun gebraucht Grete jeden Morgen und Abend Posterisan, Salbe und Zäpfchen, und glauben Sie mir, es wirkt Wunder. Die Blutungen haben aufgehört, die unerträglichen Schmerzen und der Juckreiz sind geschwunden. Der Arzt sagt, nach einer mehrwöchigen Kur mit Posterisan würde Grete wohl vollständig geheilt werden " — „So so! — Ist Posterisan teuer?“ — „Keine Spur “ In allen Apotheken: Posterisan-Salbe für RM. 1,59, Posterisan-Zäpfchen für RM. 2,37. rAASST'AB '' ' gehr Viel R<2um*„ könnt gütet Obecheffen. Keine spinale Kinderlähmung mehr in Grünberg. Gallusmarkt voraussichtlich am 9. und 10. November. + Grünberg, 17. Ott. Schrecklich« Gerüchte wurden dieser Tage, zum Teil aus durchsichtigen Gründen, über die spinale Kinberläh- nnrng in Grünberg verbreitet. Die durch ministeriell« Verfügung al- Vorsichtsmaßnahme an» geordn«t« Verschiebung des diesjährigen Gallus- marktes auf den 9. und 10. November zeitigte erst recht e:ne groß« Aufregung. Kein Wunder, erkannt« man doch mit Recht in der Verlegung dieser für «inen großen Teil Oberhessens bedeutsamen Veranstaltung ein« Maßnahme von außergewöhnlicher Bedeutung. Mittlerweile ist nun «ine Erklärung des Kreisgesunb- heitSamts Gießen erschienen, die zur A klärung und Beruhigung wesentlich beigetragen hat und auch den, anscheinend von interessierter Seit« d«rbreiteten, zum Teil sogar in di« Presse lancierten Uebertreibungen den Boden entzieht. Dies« Erklärung lautet: ..Auf Anfrag« bestätigt das Kreisgesundheitsamt Giehen, daß sich zur Zeit kein an Kinderlähmung erkrankt gemeldetes Kind mehr in Grünberg befindet. Di« wilden Gerüchte, die in der Umgebung umhergeben und die Grünbera zu «in«m äußerst gefährlichen Seuchenherd stempeln, sind somit unverantwortliche älebertreibungen. Wenn kein neuer Fall von Kinderlähmung mehr auftritt, wird der alljährliche Gallusmarkt am 9. und 10. November stattfinden, da zu diesem Zeitpunkt bestimmt damit gerechnet werden kann, dah eine Weiterverbreitung der Kinderlähmung durch Ansammlung großer Menschenmengen, wie es gewöhnlich beim Gallusmarkt der Fall ist, nicht mehr möglich ist." Hoffen wir, dah nach dem Sprichwort: ..Ende gut, alles gut!" der erfahrungsgemäh auch in schlechten Zeiten allseits beliebte Gallusmarkt trotz diesem bedauerlichen Zwischenspiel nun erst recht einen schönen und erfolgreichen Verlauf nimmt. Ehrenchormeister Bechtolsheimer f. = Ba b-Rauheim, 16. Oft. In Giehen, wohin er sich zur Behandlung eines schweren Leidens begeben hatte, ist gestern im Alter von 62 Jahren Oberreallehrer und Ehrenchormeister Wilhelm Bechtolsheimer gestorben. Der Entschlalene war über 40 Jahre hier als geschätzter Lehrer tätig, zuerst an der Stadtschule, bann an der Ernst-Ludwig-Schule, und hat darüber hinaus als -Stadtrat und Genossenschaftler auch im öffentlichen Leben unserer Stadt eine verdienstvolle Tätigkeit entfaltet. Weit über unsere Stadt hinaus bekannt geworden aber ist W. Bechtolsheimer durch seine Verdienste um die Sache des deutschen Männergesangs. Er gehörte zu den ersten, die vom Hessischen Sängerbund mit der Verleihung des Titels eines Ehrenchormeisters ausgezeichnet wurden. Fast 41 Jahre war er ununterbrochen Dirigent des hiesigen Gesangvereins „Frohsinn", der aus Anlah des 40jährigen Dirigentenjubiläums dem verehrten Chormeister im vergangenen Jahre besondere Ehrungen erwies. Als W. Dechtols- heimer vor einigen Wochen das Dirigentenamt aus gesundheitlichen Gründen niederlegte, ernannte ihn der dankbare Verein zum Ehrendiri- gcnten. Der Entschlafene hat den Chor auf eine hohe Stufe reifen Könnens geführt, das bei den bekannten Konzerten de^ Vereins auf der Kurhaus erraffe öfters die höchste An k.n u gmusik- txi itäiU.ig.r Kreise au» alten Teilen des Reiches und des Auslandes fand. Als Organist war W. Bechtolsheimer über 40 Jahre hier tätig und hat sich auch in diesem Amte große Verdienste um das musikalische Leben unserer 'Badest adt erworben. Bad-Nauheim erhält ein Kriegerehrenmal. WSN. Bad-Nauheim, 17. Oft. In der jüngsten Stadtratssitzung wurde die Errichtung eines Kriegerehrenmals am Fuße des Iohannesberges beschlossen. Damit geht ein von der Mehrheit der Bevölkerung seit langem gehegter Wunsch in Erfüllung. Der Entwurf zu dem Denkmal stammt von Regierungsbaurat Metzger, nach dessen Plänen auch das Kerckhoff-Herzforschungs- Institut erbaut wurde. Landkreis Gießen. * Großen-Duseck, 17. Oft. Am Sonntag wurde in den Gemeinden Großen-Duseck und Oppenrod unter sehr großer Beteiligung der Gemeindeglieder das Erntedankfest gefeiert. Im Festgottesdienst in Großen-Buseck wirkte der Posaunenchor mit, der unter Leitung feines Dirigenten Nikolai zwei Stücke sehr ausdrucksvoll zum Vortrag brachte. Alm 19 Alhr fand in Großen-Duseck eine liturgische Erntedankfestfeier statt, in der die Konfirmanden ein Erntedankfest- spiel zur Ausführung brachten. Ein Schülerchor unter Leitung von Rektor Indertal verschönte durch Vortrag von Liedern die Feier. Am Schluß ze.gle ter Ortsgeistliche, P arrer Müller. Lichtbilder über das Thema: „Alnfcr täglich Brot". Die Kollekten in beiden Gemeinden ergaben den Detrag von 74.85 Mark. Wie alljährlich wurde auch diesmal in Großen-Duseck und Oppenrod ein« Naturalsammlung für das Evangelische Schwesternhaus in Gießen veranstaltet. • Großen-Duseck, 18. Oft. Am fommenben Sonntag findet in der Kirch« zu Großen-Duseck | das diesjährige Dekanatssest für Innere \ Mission statt. Redner: Pfarrer Naumann auS Alten-Duseck, Dekan Guhmann aus Kirch- I berg und Pfarrer Bönning aus Rödgen. Der Posaunen- und der Schülerchor wirken mit Kreis Friedberg. Friedberg, 17. Oft. (WSN.) Der Wagner- meister Heinrich Knäbel in Steinfurth verschwand vor fünf Jahren plötzlich. Alle Nachforschungen nach ihm erwiesen sich fast ein ganzes Jahr lang ergebnislos. Endlich erfuhren" die Angehörigen von seinem Eintritt in die Fremdenlegion. Nun ist Knobel, der 1927 sich für die Legion anwerben ließ, wieder zurülkgekehrt. Er will sich jetzt wieder seinem Beruf widmen. Krcts Alsfeld. -er Homberg, 17. Oft. Mit Wirkung vom 1. November wurde der praktische Tierarzt, Herr Dr. Buhl, nach Gießen verseht. Im Bezirk Homberg hat er zehn Jahre zur größten Zufriedenheit der lanbwirtschaftl.chen Kreise gewirkt. Durch die Einrichtung von Prämienmärkten suchte er, besonders in Homberg selbst, die wirtschaftliche Lage günstig zu beeinflussen. Die Bevölkerung sieht Den freundlichen, pflichtbewußten Arzt nur ungern scheiden. Sein neuer Wirkungsort ist Gießen, wo er eine Stelle an der geburts- (knilastung der Aeichsbank. Berlin, 18. Oft. (WTB. Funkspruch.) Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. Oktober hat sich in der verflossenen Bankwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 179,6 Millionen auf 3232,1 Millionen RM. verringert. Jrn einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -schecks uml62,3 Millionen auf 2747,2 Millionen RM., die Bestände an Reichsfchatzwechseln um 7,9 Millionen auf 30,5 Millionen RM. und die Lombardbestände um 9,4 Millionen auf 92,1 Millionen RM. abgenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 98,3 Millionen RM. in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 99,3 Mill, auf 3519,0 Millionen RM. verringert, derjenige an Rentenbankscheinen um 1,0 Millionen auf 400,7 Millionen RM. erhöht. Dem- entsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 26,4 Millionen RM. ermäßigt. Die fremden Gelder zeigen mit 366,9 Millionen RM. eine Abnahme um 45,3 Millionen RM. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 0,8 Millionen auf 932,0 Millionen RM. erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 0,4 auf 796,8 Millionen RM. und die Bestände an deckungsfähigen Devisen. um 0,4 Millionen auf 135,2 Millionen RM. zu- genommen. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen betrug am 15. Oktober 26,5 v. H., gegen 25,7 v. H. am Ende der Dorwoche. Das neue Oevisenabkommen mit Italien. Berlin, 18. Ott (CNB.) Funkspruch.) Mit Italien ist ein neues Devisenabkom- men geschlossen worden, baß am 16. Oktober 1932 in Kraft getreten ist. Mit diesem Zeitpunkt sind die von der italienischen Regierung verhängten Sperrmaßnahmen für Zahlungen nach Deutschland aufgehoben worden. Das neue Abkommen unterscheidet sich von dem im Juni abgeschlossenen Abkommen vor allem dadurch, daß nunmehr ein bestimmtes Verhältnis zwischen der deutschen Ausfuhr nach Italien und der italienischen Einfuhr nach Deutschland vereinbart worden ist. Diese neue Bestimmung ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil damit die Aktivität der deutschen Handelsbilanz gegenüber Italien f e ft g e I« g t ist. Berlin abbröckelnd. Berlin, 18. Oft (WTB. Funfspruch.) Die Zurückhaltung, die schon am Vormittag vorgeherrscht hatte, hielt auch an der Börse weiter an. Es lagen zwar an einigen Märkten kleine Kauforders des Publikums vor. doch waren sie ehr niedrig limitiert. Die, Spekulation, die vom Samstag iroch Ware übrig hatte, zeigte dagegen eher Neigung zu Glattstellungen, und «s soll auch noch aus alten Lombards etwas Ware heraus- icfommen sein. Im allgemeinen waren die Alm- ähe sehr gering, und die Kurse bröckelten um 0,50 bis 1 Proz., zum Teil bis 1,5 Prozent ab. Die gestrige Rede des Zentrumsführers K a a s wurde verschieden beurteilt doch mahnte dies infolge ihrer Stellungnahme gegen die Regierung zur Zurückhaltung. Der matte Schluß der gestrigen Neuhorker Börse verstimmte natürlich, während besonders anregende Momente eigentlich nicht Vorlagen. Der Reichsbankausweis für bie zweite Oktoberwvche bracht« ein« normale Entlastung, die gesamt« Kapitalanlage hat um 179,6 Millionen Mark und der Notenumlaus um 99,3 Millionen abgenommen,. während die Gold- und Devisenbestände um 0,8 Millionen und die Deckung um OB PrvA. zuaenommen haben. Die Besserung des Kunstselbegeschäftes blieb auf diesen Markt ohne Einfluß, ebensowenig konnte sich der De- chluh der belgischen Regierung, von der Kentin- gentierungspoiitik abzugehen, wie man angenommen hatte, auf den Montanmarkt auswirken. Stärker abgeschwächt waren BMW., Dortmunder Alnion, Deutsche Atlanten. Rütgerswerke und Allgemeine Lokal und Kraft, die bis zu 2,5 Prozent einbüßten, während Stöhr, Eisen- hilflichen Veterinärklinik bekleidet. Der praktische Tierarzt Karl S ch w ö b e l wird fein Nachfolger fein. Sechs Monate Gefängnis für den Falschmünzer Reineck. WSN. Dillenburg, 17. Oft Dor der Großen Ettafkammer in Arnsberg hatte sich der Eeelbacher „Höhlenmensch" Wilhelm Reineck zu verantworten. Reineck, der seit 23 Jahren bei Seelbach in einer Höhle gehaust hatte und weit unb breit als der Höhlenmensch bekannt war, war vor wenigen Monaten unter dem Verdacht der Falschmünzerei verhaftet worben. Mit ihm hatte sich noch der Dreher Albrecht Sol m s zu verantworten wegen Diebstahls und Beihilfe zur Falschmünzerei. Die Anllage warf Reineck Verbrechen gegen das Münzgesetz vor. Beide Angeklagten waren im großen und ganzen geständig. Solms gab zu, aus einer Papierfabrik Metall entwendet zu haben. Aus diesem Metall hat Reineck Formen für 50 Pfennig- und Zweimarkstücke hergestellt und Falschgeld fabriziert. Solms brachte das Geld in Almlauf. Das Gericht ver- urteilte Reineck zusechsMonatenGefäng- n i s. Solms erhielt wegen Diebstahls und Beihilfe sechs Monate einenTag Gefängnis. Die Verhandlung fand unter Ausschluß Ser Öffentlichkeit statt. bahnverfehrsmittel, Laurahütte und Metallgesellschaft etwas fester lagen. Deutsche Anleihen zeigten wieder ziemlich schwache Haltung, vor allem gab Altbesitz erneut um fast 1 Prozent nach, auch Reichsschulbbuchforderungen und Schutzgebiete lagen schwächer. Das Interesse für festverzinsliche Werte scheint im Moment etwas geringer geworben zu sein, nur für Bereinigte Stahl-Obligationen hielt es weiter an. Im Verlaufe bröckelten bie Kurse zunächst weiter leicht ab, boch konnte sich später eine leichte Erholung burchsetzen, die bis 0,5 Prozent betrug. Allgemeine Lokalbahn gaben aber bei kleinem Angebot weiter um 2,5 Prozent nach, währenb RWE. nach unveränderter Eröffnung 1 Prozent anziehen konnten. Später ließ das Geschäft vollkommen nach, so daß ein Teil der Erholungen wieder verloren ging. 2lm Geldmarkt konnte man heute wieder, obwohl bie Sätze unverändert blieben, eine Versteifung fest stellen; neben rein saisonmäßigen Gründen spricht auch der Steuertermin vom 20. Oktober und vor allem wohl ein gesteigerter Dedarf der Banken im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung mit. Tagesgelb stellte sich an der unteren Grenze auf 4,4 bzw. 4,25 Prozent, Monatsgelb auf 5 bis 7 Prozent. Am Privatbiskontmarkt war eher Angebot festzustellen, boch bürfte die heraus- kommende Ware glatt ausgenommen werden. In Reichswechseln per 15. Januar und Reichsschahanweisungen per 15. März war kaum Geschäft. Frankfurt schwächer. Frankfurt, 18. Ott. (WTB. Drahtmeldung.) Die schon am heutigen Dormittag etwas fchwä- chere Stimmung -setzte sich zu Beginn des amtlichen Verkehrs fort. Unter dem Eindruck der gestern weiter schwachen Neuyorker Börse, sowie der weiter ungeklärten innerpolitischen und auswärtigen Lage konnten sich die relativ günstigen Nachrichten des Publikums nicht auswirken. Hinzu kam, daß das Publikum immer noch Zurückhaltung übte und auch die Spekulation keine größeren Abschlüsse tätigte. Der Umsatz war recht gering. Die Abschwächungen hielten sich meist im Rahmen von 0,50 bis 1 v. H. Am Montanmarkt lagen Phönix 0,39 und Stcchl- oerein 0,13 v. H. schwächer, während Buderus unverändert einsetzten. Am Elekttomarkt waren AEG. und Siemens bis zu 0,75 v. H. niedriger, Dagegen blieben Bekula gut behauptet. Don Chemiewerten gaben Rütaerswerke 1,25 und JG.-Farben 0,50 o. H. nach. Auch Aku büßten 1,25-v. H. ein. Eine Ausnahme machten Holzmann, die 0,50 v. H. fester eröffneten. Ebenso tendierten Tietz und Süddeutsche Zucker gut behauptet. An den übrigen Marktgebieten herrschte völlige Geschäftsstille. Auch der Rente n ni a r f t wies allgemein schwächere Verfassung auf. Neubefitzanleihe eröffneten 0,25, Altbesitz 0,65 o. H. niedriger. Das Geschäft in Reichsfchuldbuch- forberungen war weiter eingeschränkt, spgte Schuldbücher lagen 0,25 v. H. schwächer. Von Auslandsrenten waren Zolltürcen auf etwas niedrigerer Basis gesucht, dagegen konnten Anatolier 0,25 v. H. gewinnen. In Goldpfandbriefen, sowie Kommunalobligationen konnte sich kein größeres Geschäft ent- wickeln, lediglich Rheinische Hyp.-Liquidationspfand- briefe waren gefragt. Im Verlaufe vermochten sich auf dem gesenkten Niveau zunächst leichte Erhöhungen durchzusetzen, diese konnten sich aber später nicht mehr behaupten, so daß das Anfangsniveau meist wieder erreicht wurde. • * Versammlung der Inhaber von Frankfurter Schatzanweisungen. Nachdem die Genehmigung des Regierungspräsidenten zur Einberufung Der Versammlung der Inhaber von Frankfurter Schatzanweisungen eingetroffen ist, hnt die Stadt Frankfurt den Termin für diese Versammlung auf den 8. November festgesetzt. Zur Teil- nahm« an der Versammlung sind Diejenigen Inhaber von Schatzanweisungen berechtigt, die ihre Schuldverschreibungen spätestens bis zum 5.11. bei einer der vorgesehenen Hinterlegungsstellen hinter- legt haben. Die Hinterlegungsbescheinigung ist zum Nachweis der Hinterlegung jum Termin mitzubrin- gen. Auf Veranlassung Des Magistrats sind sämtliche Bankhäuser, die bei der Emission Der Schatzanweisungen mitgewirkt haben und die auf den Schatzanweisungen selbst vermerkt sind, als Hinterlegungs. stellen zugelassen worden. Wirtschaft. rs.A.-Gpori. Ergebnisse der Berbandsspiele im Gau Gießen-Wehlar. Bezirksklass« II: Weilburg—SC. Wetzlar 4:1; Löhnberg—Aßlar 1:3 (abgebrochen wegen Regen); Oberbiel—Ehringshausen 0:2; Bissenberg—SD. Wetzlar 2 (SV. Wetzlar nicht an- gctreten); Biskirchen—Steinbors (ausgefallen); Lollar—Daubringen 9:1; Butzbach—Leihgestern 6:0 (1:0); Steinberg—Ettingshausen 7:0. Gau klasse I: Allin—Holzhausen 1:0 (wegen Regenwetter abgebrochen); Hirschhausen—Weilburg 2 (Weilburg nicht angetreten); Butzbach 2— Wieieck 3:1; Großen-Buseck—Garbentech 2:2; Dutenhofen—Lich 3:5; Steinbach—Heuc^lhcim 4:3; Dillingen—Wrtterselb 2:1; Geilshausen— Allrchstein (ausgefallen); Flensungen—Grünberg Gauklasse II: Leun—Stockhausen 2 9:0; Tiefenbach—AUm 2 (Allm nicht angetreten); Bon- babcn—Burgsolms 3 2:1: Philippstein—Oberbiel 2 2:2; Derghausen—Kölschhausen 6:0; Bechlingen—Büblingshausen 3:6; Lollar 3—Krofdorf 6:1; 1900 Gießen 4—Dutenhofen 2 3:1; Steinbach 2—Bieber (ausgefallen, Schiedsrichter nicht angetreten); Butzbach 3—Garbenteich 2 (Garben- tech nicht angetreten); Leihgestern2—Hochweisel 8:1; Lich 2—Steinberg 2 2:4. Die Spiel« in der I. Bezirks klasse der Gruppe Lahn brachten folgende Ergebnisse: VfB—1900 1:1 (1:0); Wetzlar—Dottenhorn 2:1; Breidenbach—Frohnhausen 3:3. Buntes Allerlei. 31. Vertretertag des kyfshäuferbundes. In den letzten Tagen sand auf dem Kysshäuser der 31. Dertretertag des Deutschen Reichskriegerbundes .Khsfhäuser" statt. Die Tagung eröffnete der erste Präsident, General der Artillerie a. D. v. Horn. Er hob hervor, baß der Ausllärungsfelbzug bcs Dunbes im letzten Jahre vor allem der Wehr- und Sicherheitssrage gegolten habe. Darauf wurde eine Entschließung angenommen, in ber es u. a. heißt: .Die Millionen-Organisation bes Kysf- häuserbundes ist Mitverkünber des A u s b r u - ches der Nation und der wahrhaft volksverbundene Träger des deutschen Gedankens. Datz alte Soldatentum kennt als höchsten Dienst nur den Dienst am Staate und an der Gesamtheit der Nation. Die Schaffung eines einheitlichen geschlossenen Willens in den Schicksalsfragen der Nation ist bei der überwälttgenden Mehrheit des Volkes Tatsache geworden Das bisherige vaterländische Programm soll, muh und wird bestehen bleiben. Im Vordergrund unseres Freiheitskampfes steht das Ringen um Gleichberechtigung und nationale Sicherheit. Die Grüße der Reichsregierung überbrachte als Vertreter des Reichsinnenministers Ober» regierungsrat Erbe. Der Reichspräsident, der Ehrenvorsitzender des Kysshäuser- bundes ist, hatte auf ein Begrüßungstelegramm folgendes geantwortet: „Für Ihr und der Vertreter der Landeskriegcrverbände freundliches Meingedenken sage ich Ihnen herzlichsten Dank. Das Gelöbnis Ihrer stets bewährten Treue nehme ich besonders dankbar entgegen. Mit meinen besten Wünschen für die Tagung verbinde ich meine kameradschaftlichen Grüße an Sic alle." Der Leiter des 400 000 Mitglieder zählenden Kysfhäuserverbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, Major a. D. G o e d i ck c, Berlin, schilderte die Rückschläge, die das Versorgungs- und Fürsorgerecht durch die Notverordnungen und Sparerlasse erlitten habe. Demgegenüber wurde die Schaffung der Sonderstellung derKriegsopferals Grundlage einer gerechten Versorgung gefordert. Furchtbare Bluttat indischer Amokläufer. — 17 lote. „Times" meld«! aus Dudhata in der indischen Provinz Punbschab: Aus Erregung über bas Verschwinden einer Kuh, bie angeblich von Mo» hammebanern gestohlen und geschlachtet worden ist, haben drei Sikhs eine furchtbare Bluttat begangen, bie siebzehn Tobesopfer forderte. Mit Schußwaffen ausgerüstet, liefen sie in den Straßen von Dudhata Amok und schossen auf jeden Mohammedaner, der ihnen begegnete. Acht Personen büßten auf diese Weise das Leben «in, neun wurden verwundet. Sie Rasenden liefen dann in ein zwei Kilometer entferntes Dorf und e r s ch o s s e n dort neun Menschen. Neuyork in finanziellen Schwierigkeiten. Die ^abt Neuyork ist unfähig. Die Gehälter für bie städtischen Beamten und Angestellten am 1. November auszuzahlen. Die Neuyorker Bankiers haben ein erneutes Kreditgesuch Des FinanzDirektors Der Stadt abgelehnt. Die Hergabe von neuen Krediten wird davon abhängig gemacht, daß Die von Dem früheren Bürgermeister Walker versprochenen Sparmaßnahmen Durchgeführt werden. Dazu gehörten neben drastischen Gehaltskürzungen Die Abschaffung der Futterkrippenwirtschaft sowie eine Konvertierung Der Stadtanleihen. Die Lage der Stadt ist um so ernster, als für die Erwerbslosenfürsorge im kommenden Winter sehr hohe Summen benötigt werden. Die „Sibirjakoff-Expedilion geglückt. Der Leiter ber Expebition bes sowjet- russischen Eisbrechers „Sibirjakosf", Schmibt, melbet, baß bie Expebition bie von ber Sowjetregierung gestellten Aufgaben erfüllt habe. Zum ersten Male ist es einer Expebition geglückt, längs ber Rorbküste ber Sowjetunion, ohne zu überwintern, aus bem Weißen Meer in ben Stillen Ozean zu gelangen. Trotz der Havarie, bie ber Eisbrecher infolge bes beharrlichen Kampfes gegen bie Elemente unterwegs erlitten hat, erreichte er mit Segeln bie Deringstraße.