Kr. 166 Krühausgabe 182. Jahrgang Montag, 18. Juli 1952 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche UnlverfNülr-vuch- und Zteindnickerei K Lange in Gießen. Schristleitung und Seschäftrstelle: Zchulstrahe 7. Verstärkter Wahlkampf am Wochenende Oie Parteiführer aller Richtungen sprechen vor Massenversammlungen in ganz Deutschland Schwere Straßenkämpfe in Altona zugrunde und deshalb gelte es heute, die gegenüber dem Vaterlande zu erfüllen. Wie nach den blutigen Ereignissen von Polizeikolonnen bis auf die Auslösungsplähe begleitet, um weitere Zwischenfälle zu vermeiden. Die Unruhen in Altona haben im Lause des späten Vachmittags und Abends immer größeren Umfang angenommen. Um 20 Uhr etwa trat eine gewisse Beruhigung ein, nachdem in der „Kleinen Freiheit" eine aus Fuhrwerken errichtete Barrikade von der Polizei g e st ü r m t worden war. Aber noch immer sind die Sanilätskolonnen an der Arbeit, um weitere ver- lelzle zu bergen, die von ihren Parteigängern zumeist in die Häuser und Häse abtransporliert worden sind. Der Slrahenbahnverkehr war nördlich der Großen Bergstraße, in der Reichenstraße bis zur Hamburger Grenze vollkommen lohmgelegt, an vielen Straßenbahnen waren die Scheiben durch Schüsse zertrümmert. Troß Einsatzes von Panzerwagen fuhren die kommunistischen Dachschußen fort, aus die Polizei zu feuern. Ganze Slraßenzüge mußten von der Polizei Haus für Haus ab gesucht werden, und eine große Anzahl Personen — man spricht von über 200 — wurde zwangsgestellt und ins Polizeipräsidium gebracht. Altona, 17. Juli. (TU.) Bei einem Aufmarsch der Nationalsozialisten in Altona kam es am Sonntognachmiltag z u blutigen Zusammen- stößen mit Kommuni st en. Nach den bisher vorliegenden Meldungen gab es 12 Tote und zahlreiche Schwer- und Leichtverleßte. Die Augenzeugen berichten, gaben die Kommunisten, als der nationalsozialistische Zug die Straßen des Arbeiterviertels passierte, Schüsse aus den Häusern und von den Dächern aus die Zugteilnehmer ab. Mehrere Nationalsozialisten brachen schwer verleßt zusammen. In dem Zug entstand eine ungeheure Verwirrung. Die marschierenden Kolonnen lösten sich teilweise auf, während der Rest gegen die Angreifer vorzugehen versuchte. Die anrückende Polizei wurde ebenfalls aus den Häusern heraus beschossen, so daß sie gezwungen war, das Jener zu erwidern. Auch an anderen Stellen der Stadt kam es zu Zusammenrottungen. An der Grenze zwischen Hamburg und Altona versuchten hamburgische Polizeibeamte ein Ueber- greifen der Anruhen auf Hamburg zu verhüten. Dabei wurde ein Beamter durch einen Oberschenkel- schuß verleßt. Der nationalsozialistische Zug wurde Kommunisten schießen aus Häusern auf einen nationalsozialistischen Oemon- strationSzug. — Bisher 12 Tote und viele Schwerverletzte. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ns» Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrist 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und sür den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. die Selbstverleugnung nicht so weit, daß wir bei einem Schlag auf unsere linke Wange auch die rechte Wange zum Schlage Hinhalten. Wir sind nicht nur international, und wir wollen den Völ- kerfrieden, sondern wir sind auch national, denn wir wollen den Volkssrieden." Die Verlängerung der heutigen Reichsregierung oder deren Ersetzung durch einige Rationalsozialisten würde das Ende der Politischen Freiheit bedeuten. Die Mitglieder der RSDAP. seien Prinzen, Großindustrielle, Großagrarier und ehemalige Offiziere. Aber ihnen folgten Millionen von Arbeitern, Angestellten, 'Beamten und Kleinbauern. Alle diese gelte es zu- rüclzuholen in das Lager der Menschheit. Man spreche von-Wohlfahrtsstaat. Die Existenz des deutschen Volkes beruße auf diesem Wohlsahrts- charalter. Wenn man singe „Deutschland, Deutschland über alles", so heiße es weiter „brüderlich zusammenhält". Llnbrüderlich sei es. wenn den Aermsten der Armen die Untcrftüßungcn geschmälert würden. Alle Menschen hätten ein Recht darauf, ein menschenwürdiges Dasein zu führen. Der Unterschied von Ausbeutern und Ausgebeuteten müsse beseitigt werden. statt Saaten auszustreuen und sievonuntcnher wachsen zu lassen. Einem einzelnen Menschen alle Macht geben zu wollen und zugunsten der Auffassungen eines Menschen und eines schwankenden Parteiprogramms unduldsam sein: Aus dem Schlagworte Legalität heraus allzu sehr den Parlamentarismus ernst zu nehmen, statt sich immer zu erinnern, daß gegenüber den heutigen Zuständen der Nationalismus nur revolutionär sein rann. Es heißt jetzt wieder wählen. Aber ich würde den Geist der Jugend nicht verstehen, wenn ich nicht hinzufügte: Wir wissen, daß n i cM der Stimmzettel uns den endgültigen Sieg bringt. Wir wollen bei aller Beherrschtheit die Träger national- revolutionärer Jugendkraft sein. Es gibt für uns keinen parlamentarischen Ehrgeiz, keine Minister- feilscherei, es gibt nur die Leidenschaft: dem Volke zu dienen und zu helfen. Das Ziel iß Deutschland! der Kampf auch ausfallen werde, er werde weitergehen bis zum endgültigen Siege, bis zu der Grundlegung des neuen Deutschlands. — Aach der mit starkem Veifall aufgenommcnen Rede fuhr Hitler nach Osterode weiter. Berlin, 16. Juli. (WTB.) In einer Verordnung vom heutigen Tage hat die Reichsregie- r u n g den Freiwilligen Arbeitsdienst neu geordnet. Den Gegenstand und Zweck bezeichnet die Verordnung mit den Worten: „Der Freiwillige Arbeitsdienst gibt den jungen Deutschen d i e Gelegenheit, zum Außen der Gesamtheit in gemeinsamem Dienste freiwillig ernste Arbeit zu leisten und sich zugleich körperlich und geistig-sittlich zu ertüchtigen." Nach dem Inhalt der Verordnung müssen die Arbeiten des Freiwilligen Arbeitsdienstes g e - m e i n n ü ß i g und zusätzlich fein; sie dürfen nicht zu einer Verringerung der Arbeitsgelegenheiten auf dem freien Ärbeits- markt führen. Träger der Arbeiten sind öffentliche Körperschaften oder sonstige Vereinigungen, die gemeim.-.ßige Zwecke verfolgen. Diesen wird es auch obliegen, für das Vor- yandensein von geeigneten Arbeiten zu sorgen. Als Träger des Dienstes kommen neben den Trägern der Arbeit die Vereinigungen in Betracht, die sich in besonderem Maße für die Betreuung der Arbeitsdien st willigen eignen. Die Arbeitsdienstwilligen genießen die Vorteile der Sozialversicherung und des Arbeitsschutzes. In erster Linie sollen junge Deut- s ch e unter 25 Jahren bedacht werden, und zwar von diesen wieder besonders Arbeitslose, die aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Daneben kommen aber auch Nichtarbeitnehmer in Betracht. Um eine mögsichsk einfache und sparsame Durchführung des Freiwilligen Arbeitsdienstes ficher- zustellen, werden die für diesen Zweck bereit- stehenden Reichsmittel und Mittel der Reichs- amstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung einheitlich zusammengefoßt und verwaltet. 11m die einheitliche Leitung zu gewährleisten, wird die Reichsregierung einen Reichskom - m i s s a r, der dem Reichsarbeitsminister untersteht, ernennen. Der Reichskommissar wird von Dezirkskommissaren unterstützt. Als Rcichskommissar ist der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. Syrup, in Aussicht genommen. Ein neuer Vehördenapparat wird n i cht geschaffen. Vielmehr stehen die Einrichtungen der Reichsanstalt zur Verfügung. Das Rähere wird durch eine Ausführungsverordnung des Reichsarbeitsministers geregelt, die in Kürze erscheint. • Mit der Verordnung verbindet die Reichsregierung die folgende Erklärung: Die Reichsregierung hat in der Verordnung vorn 16. Juli dem Freiwilligen Arbeitsdienst eine neue Verfassung gegeben. Sie behält sich vor, diese entwicklungsfähige und förderungswürdige Einrichtung unter Berücksichtigung der kommenden Erfahrungen weiter auszubauen. Der Reichskommissar wird beauftragt, über seine Erfahrungen zu berichten und ein Gutachten über die notwendigen Voraussetzungen und die zweckmäßige Form einer Arbeitsdienst- pflicht zu erstatten. Das Gutachten wird der Öffentlichkeit zur 'Beurteilung zugehen. Erläuterungen des Reichsarbeiisministers. 3n der Aundfunkstunde der Reichsregierung sprach Reichsarbeitsminister Dr. Schäffer zur neuen Verordnung über den Freiwilligen . Arbeitsdienst. Der Minister wies darauf hin, daß der Freiwillige Arbeitsdienst als solcher, nicht neu sei. Den Anfang bildeten die Arbeitslager von Studenten, Arbeitern und Bauern. heute ist der Freiwillige Arbeitsdienst eine soziale Bewegung, vergleichbar einem Strom, der ausgetrocknetes Land bewässert und befruchtet. Rach der Zweckbestimmung werden für den Freiwilligen Arbeitsdienst im Sinne der Verordnung nur solche Arbeitswerke anerkannt, die das Merkmal der G e m e i n n ü h i g- keit an sich tragen. Die Arbeiten müssen zu- gleich zusätzlich sein. Der Arbeitsdienst darf nicht zu einer Verringerung der Arbeitsgelegenheit auf dem freien Arbeitsmarkt führen. Er erstreckt sich auf Arbeiten, die weder jetzt noch in absehbarer Zeit ohne den Einsatz des Freiwilligen Arbeitsdienstes vorgenommen werden können Ein Eingriff in das Gebiet der Erwerbswirtschaft oder in das ordentliche Arbeitsverhältnis ist nach der Verordnung unzulässig. Als Beispiele für gemeinnützige und zusätzliche Arbeiten seien hervor- gehoben: die Anlage und Verbesserung von Dors- ft raßen, Feld- und Waldwegen, die Ausrichtung kleiner Flußläufe, die Befestigung und der Schutz Gevering. Der preußische Innenminister Severing sprach am Sonntagnachmittag auf einer großen Kundgebung der Eisernen Front in Kiel. Eingeleitet wurde die Kundgebung durch einen Demonstrationszug, der durch verschiedene Straßen Kiels führte. Severing forderte, daß auch die 17 v. H Richtwähler am 31. Juli an die Wahlurne gebracht würden. Dazu sei Aufklärung der Massen nötig. Früher habe man sich im Wahlkampf mit den politischen Gegnern in Rede und Gegenrede über den besten Weg zum Heile Deutschlands auseinan- dergeseht. Heute sei der politische Kampf ausgeartet und Revolver und Messer seien politische Kampfmittel geworden. Severing erklärte: „Wir wollen keine Köpfe rollen lassen, aber wir treiben und alle Parteien zerstören, um zu einem einheitlichen Volksganzen zu kommen. Das Volk ginge aus Mangel an Pflichtbewußtsein heute, die Pflicht Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat» Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Die neue Verordnung über den freiwilligen Arbeitsdienst Goebbels. In einer von etwa 5000 Personen besuchten Kundgebung der NSDAP, im Potsdamer Stadion wandte sich Dr. G o e b b e l s nach einem Rückblick über die Arbeit seiner Partei in den letzten 13 Jahren und Vorwürfen gegen die nach seiner Ansicht „rein mechanischen Regierungsmethoden" des Kabinetts Brüning die in allem nur immer die Ausdrucksform, nicht aver die wahre Ursache unseres Unglücks bekämpft hätten, auch heftig gegendieRe- gierung von Papen. In seinen Augen seien auch diese Männer nicht als Kabinett der Nationalen Konzentration, sondern als „Schwächekabinett — gemessen an ihren inner- und außenpolitischen Erfolgen ber letzten sechs Wochen" zu bezeichnen. Auch das Kabinett von Papen müsse fort, um den Beauftragten Hitlers Platz z u machen. Zum Schluß sagte Goebbels, durch stürmischen Beifall wiederholt unterbrochen: Der Auszug von 30 Parteien im gegenwärtigen Wahlkampf sei ein Unfug. Selbst „eine Partei" sei schon fast zuviel, da es einzig und allein um das Wohl und Wehe des gesamten deutschen Volkes gehe, das nicht wie bisher durch den hader des Klassenkampfes und durch Konzessionen zerrissen werden dürfe. Dingeldey. 3n Kottbus sprach in einer Kundgebung der Deutschen Volkspartei der Abg. Dingeldey. Das Ergebnis von Lausanne ist ein Beweis dafür, wie unendlich schwer es ist, die Front bei; Gegner Deutschlands zu durchbrechen. Das Lausanner Ergebnis kann uns Deutsche ganz gewiß nicht befriedigen. Richt ein völliges Ende mit den Tributen ist gemacht worden, wie es Mussolini mit dem Worte: „Schwamm drüber!", gefordert hatte, sondern man hat versucht, mit allen Mitteln advokatischer Kniffe, mit allen Mitteln der gerissensten Diplomatie auf neuen Wegen und in neuen Formen von Deutschland neue Leistungen z u erhalten. Dingeldey erkannte an, daß wirtschaftlich ein ungeheuerer Fortschritt mit dem Lausanner Abkommen erzielt worden sei. Er hielt es aber für falsch, auf dieser Konferenz mehrere Ziele zugleich zu verfolgen, da dann leicht keines der Ziele erreicht werden könnte. Das Hineinwerfen der beiden großen Ehrenfragen, der Kriegsschuldlüge und der Rechtsgleichheit in Wehr- und Rüstungsfragen, war falsch. In der kommenden Zeit der Angewißheit, ob der Vertrag überhauvt ratifiziert werde oder nicht, sei es die dringendste Aufgabe der deutschen Regierung, diese beiden großen Ehrenfragen zu einem für Deutschland günstigen Ergebnis zu führen. Deutschland habe keine Veranlassung, sich mit der Ratifizierung des Lausanner Abkommens zu beeilen. Dingeldey wandte sich dann den innerpolitischen Fragen zu und fragte, ob das deutsche Volk in der Lage sei, den Freiheitskampf zum Erfolg zu führen, wenn es sich im Bruder- kampf zerfleische. Der Redner stellte fest, daß es falsch war, die Rationalsozialisten nicht zur Verantwortung heranzuziehen. Er wandte sich aber scharf gegen die Alleinherrschaft einer Partei. Hitler. Adolf Hitler sprach am Samstag auf dem Festplah in Löhen-Althof (Ostpreußen) vor einer nach Zehntausenden zählende Menge. Er führte u. a. aus, die Gegner machten es sich leicht, die Fehler von 13 Jahren jetzt gar nicht zu erwähnen, sondern nur die vier bis sechs Wochen der Regierungszeit des Kabinetts Papen. Man habe ihm die scheußliche Absicht nachgesagt, die Parteien zu zerstören, ja, er wolle die 30 Parteien vernichten, um den Parteien einen einzigen nationalen Willen entgegenzusehen. Er wolle regieren und er sei zu jeder Koalition bereit, wenn nur nationalsozialistische Politi k getrieben werde. Die Zeit der Halbheiten in Deutschland sei jetzt zu Ende. Die Wahl am 31. 3uli könne die Entscheidung bringen, wenn das deutsche Volk sich in dem Willen zusammenfinde, der allein das Schicksal Deutschlands bestimmen könne. Die zweite Wahlrede am Samstag hielt Hitler in der masurischen Stadt Ortelsburg vor etwa 25 000 Zuhörern. Die Stadt war ebenso wie die masurischen Dörfer, durch die Hitler fuhr, mit Blumen, Transparenten und Fahnen geschmückt. Rach Begrüßungsworten des ost- preußischen Gauleiters Koch erklärte Hitler, 13 3ahre hindurch hätten die Machthaber in Deutschland geglaubt, mit fremder Hilfe das Vaterland zu retten. Die Rationalso^iausten glaubten, nur ous eigener Kraft könne die Hilfe kommen. Er werde sich gegen den Parteiirrsinn wenden Brüning. Auf einer von etwa 35 000 Zuhörern besuchten Wahlkundgebung der Zentrumspartei und der Bayerischen Dolkspartei sprach am Sonntagnachmittag in ber Großen Eberthalle zu Ludwigshafen Reichskanzler a. D. -Brüning. Keine Partei sei bisher bereit gewesen, die Ergebnisse von Lausanne zu ratifizieren. Manches fei vom letzten Kabinett vorbereitet worden, bas jetzt in Erfüllung gehe. Vieles aber, was die jetzige Regierung vornehme, fei nicht vorbereitet worden. Den positiv aufbauenben Teil der Vorbereitungen des letzten Kabinetts habe man nur langsam publiziert. Die verschärften Bebingungen, die das letzte Kabinett ausarbeitete, habe man aber sofort bekanntgegeben. Schlagartig wollte das letzte Kabinett seine Vorbereitungen veröffentlichen, es könne aber nicht als schlagartig bezeichnet werden, wenn ein ber neuen Regierung nahestehendes Organ zunächst schrieb: „Nunmehr keine neuen Notverordnungen", dann aber härtere Notverordnungen als beabsichtigt waren, veröffentlicht werden. Zentrum und Bayerische Volkspartei werden gestärkt aus diesem Wahlkampf heroorgehen, aber bi e gemäßigten Parteien der Mitte, die Parteien der protestantischen Gläubigen werden verschwinden zugunsten der Nationalsozialisten, der Sozialdemokraten und der Kommunisten. Es wird eine Entwicklung geschaffen, von der niemand weiß, ob sie normal ausgeht. Niemand weiß, ob man aus dieser Sackgasse ruhig und ohne Verfasfungsexperirnente herauskommt. Man habe aber auch den großen Fehler gemacht, zunächst die Nationalsozialisten an den Erfolgen der Politik teilnehmen zu lassen, die in den vergangenen zwei Jahren gemacht worden seien. Aber als man nun in Lausanne mehr zahlen mußte, da konnten die Nationalsozialisten ruhig erklären, sie ginge das Papen-Kabinett nichts an. Die Nationalsozialisten könnten nunmehr ruhig ihre demagogische Agitation der vergangenen ,zwei Jahre weiter fortsetzen. Wenn alles gutgehen solle, bann würden sie die Retter fein, aber die, die 14 Jahre lang die Verantwortung getragen hätten, würden gescholten werden. Wenn man die Versprechungen und Behauptungen der Nationalso.zia- listen ernst nehmen wollte, bann müßte der Reichstag am Zl.Iuli eine Zweidrittelmehrheit der Nationalsozialisten aufweisen Das deutsche Volk werde sich nicht durch die Diktatur einer Partei ober einer kleinen Schicht auf die Dauer regieren lassen. Von dieser Erkenntnis ausgehend müsse der Wahlkampf lebendig gemacht und angefeuert werden. Hugenberg. Dr. Hugenberg sprach am Sonntagnachmittag auf der Rennbahn Raffelberg bei Mühlheim zu den deutschnationalen Jugendorganisationen. Trotz des Regens hatten sich mehrere tausend Menschen eingefunden. In besonders großer Zahl war auch der Stahlhelm vertreten, daneben Angehörige der bün- dischen Jugend. Die Kundgebung begann mit dem Einmarsch des Kampfringes junger Deutschnationaler aus Mühlheim, Duisburg, Krefeld, Wesel, Essen usw. Die neue schwarze Fahne mit schwarzweißroten Streifen senkte sich huldigend vor dem Parteiführer. Unter den Anwesenden sah man u. a. Generaloberst v. Einem, verschiedene Stahlhelmführer, Vertreter des Nationalverbandes Deutscher Offiziere und Vorstandsmitglieder der Radikalen Mittelstandspartei. Hugenberg erklärte u. a.: Deutscher Nationalismus muß den Vorrang vor deutschem Individualismus haben. Das ist der Satz, in dem ich mit dem Nationalsozialismus völlig übereinstimme und bei dessen Durchkämpfung ich jeden Bundesgenossen willkommen heiße. Das sind vor allem die nationalen Jugendoraanisationen. Ohne Jugend keine M a ch t. Aber nun gilt es aufzupassen, nun kommt die Klippe. Um Gottes willen wollen wir nicht den deutschen Individualismus vernichten! Das ist der Punkt, wo unser Weg sich von der Richtung scheidet, in der heute so mancher nationalsozia- listifcher Agitator wirkt. Es wird ein hohes politisches Verdienst Adolf Hitlers fein, wenn es ihm gelingt, deutsche Massen innerlich umzukneten. Aber, will der Nationalsozialismus etwa deshalb den deutschen Individualismus totschlagen? Damit würde das deutsche Wesen an seiner Wurzel getroffen werden. Alles auseinanderreißend würde eine neue Kluft der Geister zu dem konfessionellen Zwiespalte hinzutreten, über den der nationale Einheitsgedanke sich gerade anschickt, die Brücke zu schlagen. Es widerspricht innerstem deutschen Wesen, wovon wir da reden hören: Nach römischem Faschistenmuster diö Dinge von oben her ordnen. Wie fleht Deutschland znm Bertranenspakt? Eine amtliche Stellungnahme. — Erläuterungen abwarten. der Ufer von Bächen und Flüssen, die Gewinnung und Verbesserung von Boden durch Kultivierung von Moor und Heide für den Qkfcr- und Gartenbau, durch Zuschüttung von Sümpsen rmd Altwässevn, durch Aufforstung von Oed- ländereion, ferner die Abrämnungöarbeiten zur Erschließung von Steinbrücl)en, Kies- und Dand- grubcn, die Planierung und Urbarmachung von Siedlungsgelände und Aehnliches. Rotslandvarbeiten als solche sind im allgemeinen nicht Gegenstand des Freiwilligen Arbeitsdienstes, insbesondere nicht der van von tand- nnd Wasserstraßen, die Errichtung von Slau- mcrken, die Eindeichung, Ent- und Vewässc- rnngcn im großen Umfange. GS wird nicht leicht sein, überall die rechte Grenze zu finden. Das ändert aber nichts daran, daß dem Freiwilligen Arbeitsdienst natürliche Grenzen gezogen sind. Für den Begriff des Freiwilligen Arbeitsdienstes ist 2trbeit im gemeinsamen Dienste wesentlich. Dem Dräger des Dienstes obliegt, ArbeitS- d i e n sf w ! 7 l i g e a u f z u r u f e n und die Anwärter in Gruppen zu sammeln, für die Arbeiten zur Verfügung zu stellen und sie in Verbin- d u n g m i't der 2lrbeit körperlich und geistig zu ertüchtigen. Im Freiwilligen Arbeitsdienst erbalten jringc Deutsche Gelegenheit zur entfielt Arbeit. Die Verordnung erfüllt damit ftr ihr Teilgebiet eine Grundsordcrung der Reichsverfassmig. ‘ Der Arl>eitödienst ist f r e i w i l l i g e r Dienst. Die Verordnung übt keinen Zwang aus. Schon deshalb nicht, weil für die augenblicklichen Möglichkeiten und Bedürfnisse die Freiwilligkeit völlig ausreicht. Es wird itld)t einmal leicht sein, alle Anwärter unterzubringen. Der Eintritt in den freiwilligen Dienst begründet keinDienst-oderArbeitsvet^bältitis im Sinne der gesetzlichen Vorschriften. Es finden daher die Bestimmungen über den Arbeitsvertrag, die Arbeitsversassung, über den Betriebsrat usw. keine Anwendung. Der Freiwillige Arbeilvdiensl ist vielmetzr Dienst in einer selbstgewähtten Gemeinschaft. Die arbeitsdienstliche Gemeinschaft gibt Rechte, insbesondere den Anspruch auf Unterhalt. Sie begründet aber auch Verbindlichkeiten, insbesondere die Pflicht der selbstlosen Einordnung. Für die Förderung des Freiwilligen Arbeits- dienstes stellen das 2kid) und die Reichsanstalt bis jetzt im ganzen r u n b 55 Millionen Mark bereit. Von der Reichsanstalt wird insbesondere erwartet, daß sie mindestens die Mittel frei gibt, die sie durd) den Freiwilligen Ar- beitsdienst an UnterstützungSlelstunaen in der 2lrl ii llosenversicher-ung erspart. „Sch bin mir bc- wußt", schloß der Vlinister feine 2lusführungen, „das, man m i t d e m 2l r b e i t s d i e n st a l l e i n das d e t> l s d, e S d; i rk s a l n i d) t m e i st e r n kann. Der Führer der Wirtschaft und des Staates werden ond) weiterhin auf Mittel und Wege finiten, dem wirtschaftlichen Niedergang ein Ende zu machen und denWiederaufstiegvorzu- bereiten. Die deutsd)c Aeichsregierung glaubt an die Zukunft von Volk und Wirtschaft. Sie hofft, n e u e s L e b e n f ü r V o l k u n d W l r t s cha s t zu gewinnen." öer Wahlaufruf der Deutschen Gtaatspariei.- Berlin. 16. 3uli. (CNB.) Die Leitung der Deutschen Staatspartei erläßt einen Wahlaufruf, in dein es u. a. heißt, Deutsd)land ringe um Befreiung von Versailles, um Gleichberechtigung in der Welt, um Rettung der Wirtschaft. " Die Unterzeichnung des Vertrages von L a n s a n n e bedeute ein sd)wäd)ltd)cS Zurück- Weichen hinter die klare Reparationspolitik des Kabinetts Brüning-Dietrich. Dank dem Kabinett Drüning-Dietrid) habe Deutschland seit dem I. Juli 1931 keine Reparationen mehr gezahlt. Innerhalb des Reiches sei das einzige Gut, das über verlorenen Krieg und Zusammenbruch, über Inflation und Ruhrtampf erhalten geblieben sei, die deutsche Reichsei nhett 23 c r I i n , 17. 3uli. (ÖIB.) Amilich. wie bekannt, hat die britische Regierung an die Reichsregierung die Aussorderung gerichtet, dem nad) der Konferenz von Lausanne veröffentlichten englisch-französischen Abkommen über die künftige vchcmdlung gewisser fragen beiz u treten, hierzu wird amtlich mit- gcteilt, daß der Gedanke eines frcunöfdjafHidjen Mei- nnngvauslausches zwisd)cn den beteiligten Mächten über die Frage der curopälsd)en Politik schon ans der Konferenz von Lausanne erörtert worden ist, und daß die Reichsregierung ihm nad) wie vor sympathisch gegen- ü b e r st e h t. Da die Reichsregierung jedoch an den Verhandlungen über die jetzige Fassung des Ab- komniens nicht be t e i l i g t gewesen ist, hält sie cs für notwendig, sich znnäd)st dnrd) eine Rückfrage anthentisd) über die Tragweite des Ab- k o m tn e n s zu vergewissern. Lausanne ein Provisorium. Bedenkliche 'Wkflinifl Herriols. Paris, 17. Juli. (WTB.) In der Nachtsitzung der itnnimcr fragte der Abgeordnete Louis M a r ° t i n, ob Herriot nicht vor der Vertagung des Parlaments Aufklärung über die Lausanner Konferenz geben wolle. Der Ministerpräsident habe von der Einhaltung der Verträge gesprochen. Was bleibe aber vom Versailler Vertrag übrig? Herriot erwiderte, die Lausanner Regelung sei nur p r o v i s o r i s d). Sie hänge von befriedigenden Ergebnisse der Schuldenregelmm mit Amerika ab. Das sranzösische Volk sei der Äuffas- aufs Spiel gesetzt und gefährdet worden. — Die versprochene ..aufbauende Politik" gipfele in der Notverordnung des Kabinetts v. Popen. Diese Notverordnung sei so scharf und unsozial wie keine vorher. Von 2lrbeits- b e s ch a f f u n g sei nicht mehr die Rede. Die umfassenden Pläne der früheren Regierung für die Siedlung seien zerrissen worden. ‘ Lebensmittelzölle würden erhöht. F u t t e r mitte l z ö l l e nicht abgebaut, Handelsver - träge gekündigt ohne Rücksicht auf die Lebenshaltung dec Massen und auf die Lebensnotwendigkeit beulfd)er Ausfuhr. Es werde vergessen, daß Deutschland eine Werkstätte der Welt gewesen sei, und daß deulsche Schiffe deutsche Qualitätsarbeit über die ganz^ Erde getragen hätten. Der 2lufruf fordert auf. daß mit dem Stimmzettel dafür gekämpft werde, daß die Politik für Befreiung und Gleich berechti- gung der deutschen Nation willenskräftig fortgesetzt werde, daß die Macht vom Staat aus- geübt werde und nicht von uniformierten Privatsoldaten einzelner Parteiführer. Weiter wird aufgcfordert. für die Arbeitsbeschaffung und als deren Kernstück für die Siedlung, für politische, geistige und wirtschaftliche Freiheit zu kämpfen. Eine Wahlrede Gregor Straßers Im GberswalderStadion erklärte Gregor Straßer, der Organisatio-usleite-r der NSDAP., daß nad) einem an Energie, Obfern unb Erfolgen beispiellosen 12jährigen Kamps die NSDAP. vor der .U ebernah me der 2R a ch t i n D e u t s ch l a n d stehe. Die NSDAP, habe mit dem gegenwärtigen Kabinett v. Papen und mit seiner Notverordnung nichts zu tun, beim die neuen Minister seien vom Reichspräsidenten bestimmt und nicht von den Nationalsozialisten. Lind den Reichspräsidenten hätten die Parteien gewählt, die sich heute über ihtz beschweren. Wäre Adolf Hitler R e i ch S p r ä s i i) c nt geworden, so wären die Mitglieder der neuen Regierung nicht Barone, so kämen sie vielmehr aus dem Volte, verständen die Nöte des Arbeiters und fprädjen feine Sprache. Wenn aber die Nationalsozialisten morgen den Staat übernehmen, so hätten ■JMaewMBOBBieeEovJWce.isjecsarixw'XKaiixEiaaiamx.-tMrariKkÄflicwMÄMBe sung, daß es nicht gerecht wäre, wenn Frankreich mehr zahlen sollte, als es erhalte. Den französischen Delegierten sei ev gelungen, das gcntlemcn agreement durchzusehen. Die Lausanner Regelung sei provisorisch und werde ein gefügt in den Rahmen einer Wettregelung. Falle diese zufriedenstellend aus, so werde die Regelung von Lausanne endgültig; andernfalls werde eben der Doungplan Rechtsgültigkeil behalten. Er habe das Recht seines Landes gewahrt. Die Lausanner Konferenz sei also ein Erfolg nicht nur für Frankreich, sondern für den Weltfrieden. Um zu wissen, aus welcher Einstellung heraus das 23 er- trauensabkommen abgeschlossen worden sei, braudje man nurdiegestrigeRede des englischen Außenministers in Genf nachzulesen, die er in jeder Hinsicht unterschreibe. Es handle sich um ein Abkommen zu- flunfte des Friedens und Europas, das g e g e n n i e ° m a n d gerichtet lei. Es wäre erfreulich, wenn ihm nicht nur die. Großmächte beiträten, sondern auch die kleinen Mächte. Um in Europa und in der Welt Ordnung zu schaffen, sei eine ver- nuuftrnaßige auf Erfahrungen beruhende Einigung zwischen England und F r a n k r e i ch nicht zuviel. Er habe in Lausanne nichts von den berechtigten Interessen Frank- reichs geopfert. Man habe dort einen Schritt in der Richtung auf das von allen Völkern erstrebte Ziel des Friedens getan. sie das Vertrauen des Volkes, das den anderen fehle. Wenn das Reich zu schwach sei, den Schutz der Bevölkerung gegen das rote Verbrechertum, dem täglich deutsche Menschen zum Opfer fallen, durchzufuhren, so werde die NSDAP, eines Tages das N o t w e h r r e ch t für sich in Anspruch nehmen, und dann wäre in drei Tagen die Straße gesäubert. Die Erneuerung des Volkes könne nur über den Boden gehen. Deshalb müße der Boden verbessert werden. Damit aber der Mehrertrag auch Käufer finde, muffe d i e Einfuhr überflüssiger Lebensmittel unterbunden werden. Dadurch, daß dieses Geld im Inland bleibe, schaffe man wieder Arbeit. Hand in Hand damit müße eine Herabsetzung des Zinses gehen, damit audj auf diese Weise für Arbeit gesorgt werden könne. Oie Stahlhelm-Bundesführer zur Reichsiagswahl. Berlin, 16. Juli. (TU.) Die Bundesführer des Stahlhelm erlassen zu den bevorstehenden Neichstagvmahlen .folgende Verlautbarung: Zu den am 31. Juli stattfindenden Reichstag sm ahl en erklären wir, wie bei allen großen Wahlen: Wahlpflicht ist Vaterland s p f 1 I d) t. Jeder Stahlhelmkamerad wählt eine L i st e d e r nationalen Bewegung. Um aber schädliche Splitterungen zu vermeiden, empfehlen wir den Kameraden, sich für eine der beiden großen mit uns im Hochziel einigen Parteien, für d i e NSDAP, ober für 6 i e DND P., also für Liste 2 oder 5 zu entscheiden, kiez. Franz Seldte, gez. Düsterberg. Oie Liste der Volksrcchipartei in Hessen. Die Kandidatenliste für die Volks- r e d) t p a r t c i, . Wahlkreis Hessen • Darmstadt, wurde auf der in Frankfurt a. M. stattgefundenen Landesvorstandssitzung aufgestellt. 2lls - Spitzen- kandidat wurde der Reid)sparteivorsitzende, Ober- fdjulrat Säufer, Stuttgart, einstimmig ernannt. 1' 5 folgen dann der Reihe nach Bankbeamter L o - lenz, Gießen, Frau Westphal, Kleinrentnerin, Offenbach, Justizrat Lindt, Darmstadt, Gemeinderat Luft, Neu-Isenburg. (Lin NGOAP.-Antrag gegen Polizeivizepräsident Weiß zurückgezogen. Berlin, 16. Juli. (TU.) Vor einiger Zeil hatte im Preußischen Landtag die nationalsozialiftische Fraktion in einem Antrag die Einleitung eines Dienststrafverfahrens gegen b e n Berliner Polizeipräsidenten D r. ® et fr mit einer Begründung verlangt, die später der preußische Innenminister S e v e r i n g in einem durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst veröffentlichten Schreiben an Dr. Weiß ein Zeichen für „Verrohung d e s politischen Kampfe s" genannt hatte. Der Fraktionsführer der Nationalsozialisten, Abgeordneter Kub e, hat nunmehr den Antrag, der ohne Kenntnis der F r aktiv nsführung eingereicht worden sei und von ihr nicht gebilligt werde, zurück- gezogen. Bereits am 14. Juli hat der Fraktions- sührer an Landtagspräsident K e r r l folgenden Brief gerichtet: „Heute früh erhalte ich vorn Büro bcs Landtags die neuesten Drucksachen zugesandt und finde darunter auch den Urantrag. Ich bedauere die Einreidiung dieses Urantrages in der vorliegenden Form. Id) habe den Antrag vorher nicht gesehen, mißbillige es aber, daß man dieEhefraudes Polizeivizepräsidenten von Berlin in den politischen Kampf hineinzieht. Als Fraktionsführer ziehe id) den Antrag zurück." Aus aller Wett. Gründung eines Wellsparerbundes. Wie man uns mitteilt, fand in Genf die erste Tagung der „Internationalen Liga zum Schutze des Sparkapitals und Privateigentums" statt. Bereits seit dem Jahre 1927 bestand eine lose Organisation in Form eines Internationalen Komitees. Nunmehr ist in Genf durch die Beschlüsse der dort versammelten Vertreter der Sparerorganisationen Deutschlands, Frankreichs, Hollands, der Schweiz und Oesterreichs in Uebereinftimniung mit gleichgerichteten Verbänden in England, Belgien, Tschechoslowakei die endgültige Gründung eines Weltsparerbundes erfolgt, der sich den Schutz der Sparer und des Privateigentums überhaupt zur Aufgabe gestellt hat. Deutschland war bei der Internationalen Tagung vertreten durch Ju- ftizrat Brink (Berlin), Oberschulrat Bauser und Rechtsanwalt Hagel (Stuttgart) vom Deutschen Spa- rerbund und v. Eolomb vom Deutschen Nentnerbund, der die Verhandlungen in Genf zusammen mit dem Holländer Dr. Hülshoff (Pol) leitete. Der Sitz der Liga ist im Haag. Zum Generaldelegierten der Liga wurde Dr. Philippe (Paris) gewählt, der Präsident der sranzösischen Sparerorganisationen. Ein zweites Se- fretariat wurde in Berlin eingerichtet und Justizrat Brink übertragen. Für Deutschland wurde v. Golomb (Kassel) zum Vizepräsidenten, Oberschulrat Bauser zum Mitglied des engeren Komitees gewählt. Die Liga fordert in erster Linie Wiederherstellung der Ehrlick)keit auf dem Gebiet der Währung, Wiederherstellung von Treu und Glauben, des Vertrauens und der Vertragstreue, wodurck; allein die lßi?Ttfrifc gemildert und überwunden werden kann. Jeder öffentliche und private Schuldner soll verpflichtet sein, seine Schulden nach Treu und Glauben in gleicher Art und Güte zurückzubezahlen. Vorkriegs- schulden sollen in der Vorkriegswährung voll bezahlt werden. Alle Gesetze, welche die Begünstigung des Schuldners und die Beraubung des Gläubigers zum Zweck haben, werden aufgehoben. Kein Staat hat das Red)t, die Gläubiger durch politische Schulden zu benachteiligen. Die Liga anerkennt den objektiven Charakter des Jnhaberpapiers und fordert dessen Schutz. Das Privateigentum ist burd) internationale Verträge zu schützen. Die Liga fordert ein internationales Ucbercinfommcn zur Feststellung und gesetzlichen Verfolgung aller Personen, welche die Währung verfälscht und das Sparkapital geschädigt haben. Die Liga bcabfidjtigt, eine dreisprachige internationale Zeitung herauszugeben und eine internationale Sparerschutzkasse zu schaffen. Der Abwehrkampf der Sparer gegen willkürliche Eingriffe In ihre Rechte und in ihr Eigentum wird von der Liga in allen Kulturländern mit größtem Nachdruck aufgenommen werden. Gießener Stadttheater. Haslspicl der „Bier Nachrichter": „Hier irrt Goethe". In einer Zeit, da das offizielle deutsche Theater, zumal in Berlin, von einer Krise in die andere taumelt, feiert die stegreismäßige Wiedergeburt des alten Laienspieles in der Reichshauptstadt, wo man fid) von je her gegen alle „Provinz" naserümpfend und hochmütig zur Wehr setzte, einen Triumph, der die Zünftigen vor Neid erblassen ließ und der fid) alsbald über ganz Deutschland stürmisch verbreitete. In einer Zeit, da die Elite des deutschen Geistes ernstlid) Darüber diskutieren zu müssen glaubte, ob der hundertste Todestag Goethes in Deutschland gc feiert werden solle und dürfe ... oder nicht —: da lat sich in München eine Gruppe begabter Stuben ten aus dem Literatur-Seminar des Wedekind- Vivgraphen Professor Kutscher zu einer Feier eigener Art zusammen, wie sie in diesem Jubeljahr noch nicht erlebt wurde. * Die jungen Leute sahen die Kehrseite der Goethe- Begeisterung und Goethe-Besinnung und schrieben, was ihnen von Haus aus am nächsten lag, die zu trauriger Berühmtheit gelangte Fußnote des unseligen Düntzer auf ihr Panier und zogen mit dem ironischen Schlachtruf , H i e r irrt Gvet h e" durch das von Reden, vchristen, Ansprachen und Feiern betäubte Vaterland: homerisches Gelächter umbrandet das Spiel der fahrenden Komödianten an allen Orlen. * Man mag im Programmheft nachlesen, wie fid) dieses wandernde Werkstudenten Theater zwanglos und imprvvisatorisd) aus bescheidenen Anfängen zu seiner gegenwärtigen Form entwickelt hat. Sie arbeiten im Kollektiv unb sie erweisen fid) ber erlauchten Münchener Tradition und ihr elf einstmals hoch- berühmten Vorgänger keineswegs unwürdig; sie machen alles selber, schreiben ihr Stück und aud) die Musik dazu, fingen, spielen, tanzen, begleiten sich clbft unb das alles mit einer so lebendigen Spiel- reubc, so viel Sinn für Echtes unb Falsches, Gül- igeo unb Ungültige», mit soviel Witz, Laune, Ironie und parodistischer Jnstinktßcherheit, daß es eine Helle Freude ist, diesen jungen unb frischen Menschen zu zusehen unb zuzuhären — in unserer Zeit der Theaterkrise und der Goethefeiern. • Sie nennen das Ganze „literarische Posse mit Tanz und Gesang": ein Viermännerkollegium zeichnet gemeinschaftlich für Text, Musik unb Jnszenie- rung: Kurt E. Heyne, Helmut K äutner, Frank Norbert unb Bobby Todd. Die jungen Herren haben es faustdick hinter den Ohren, sie wissen in ihrem Fad) Bescheid unb haben and) sonst ihre Augen aufgemacht. Es ist ihnen fürwahr nichts heilig, und nichts und niemand ist fidjer vor ihrem Spott und ihrem Ulf, — der dock; weit mehr ist als ein beliebiger Studentenulk: weil er fid) durch seine Liebenswürdigkeit selbst widerruft unb burd) seine Stilsicherheit unb geistige Disziplin den Dilettantismus des Laienspiels in den Bereich künstlerischer Gestaltung vortreibt. * Das Goethe Jahr und der Goethe-Rummel (das Wort ist leider nicht unbegriinbet) waren für die vier Nachrichter nur der Anlaß — das Grundmotiv ihrer Fabel, die sie mit einem wahren Feuerwerk klassischer Zitate in drei Akten vor dem verblüfften Zuschauer abrollen lassen. Sie hauen um fid), und wo sie hinhauen, wächst kein Gras mehr. Sie treffen die falschen Philologen wie die Biographen im Schafspelz (so Emil Ludwig M’titfermann, dem ihre besondere Liebe gilt) — aber indem sie eine phantastisch erfundene und verwickelte Stegreifkomödie von einer Pvststation unweit Straßburg über den großen Empsangssaal bei Karl August und die Terrasse vor dem Weimarer Schloß revuemäßig vorübergleiten lassen mit tollen Verwechslungen und Verkleidungen, mit Goethe und Sd)illcr, mit Casanova und Bonaparte mit dem Schwan, mit dem Ehepaar von Stein, mit Friederike von Löhar und dem Fräulein von Göchhausen samt den, Urfaust —: zieht ihr parodistische» Witz immer weitere Kreise; er trifft das Publikum und die Sd)unblileratur, die Operette mit °U ihren Banalitäten und Geschmacksverirrungen, den Tonfilm Betrieb und das Jntrigenstück alten Stils mit Veiseitesprechen, Kniefällen und „Aber da kommt er selbst!" Es war herrlid). * Sie dichten .musizieren, spielen, singen und tan- Seu mit soviel Talent. Ursprünglichkeit, komödiantischer Veweglichleit unb Vielseitigkeit, wie man das auf der „richtigen" Bühne nicht alle Tage erlebt. Die begabtesten Leute in diesem erfreulichen Ensemble sind Helmut Käutner (Herr v. Stein) und Bobby Todd (Casanova), die zwei ganz persönlich gefärbte, hockkomische Figuren herausstellten. 2lbcr auch die Hauptperson, Herrn Hohnes Goethe, der gemütlidz-spießige. uuver- kennbar weimarische Herzog (Hermann Frieß), Gustav Dockx (Emil Ludwig) und die Damen Edith 2InderS (Eharlotte v. Stein), Dera Spohr (Göchhausen) und Grete M o 1 c n a a r (Friederike) müssen aus dem Kollektiv mit herzlicher Anerkennung hervorgehoben werden. Die Chansons und die Tänze — besonders der spanische, das Tulpenlied, der Operettenchor, das SchwipS-Duett und die Filmparade — sind so zündend und schmissig, so treffsicher bei aller Knappheit, so populär trotz ihrer literarischen Haltung, daß die Kabinettstücke unter ihnen sofort wiederholt werden mußten. — Das Haus war, wenn wir recht gesehen haben, nahezu ausverkauft. Der Beifall brauste mit einer hier selten gehörten Lautstärke. hth. Coney Island in Flammen. Wie „Amerikas Spielplatz" abbrannte. Don Paul Joachim. Die Feuersbrunst, die ReuhorkS 23er- gnügungöviertel Coney Island, „Amerikas Spielplatz", heimsuchte und teilweise vernichtete, zählt zu den größten Brand- katastrophen, die 2lmerika je erlebt hat. Diese Stadt innerhalb der Stadt war berühmt als Erholungsstätte von den Sorgen des Tages, als Kinderspielplatz, als Paradies der Großstädter. 3n jedem Paradiese aber gibt es bekanntlich eine Schlange. Als sich die Dämonen des Feuers, die während eines ganzen Nach- mittags und der darauffolgenden Nacht gewütet hatten, legten, suchte man zuerst nach der Llrsache, die dieses Feuer entstehen ließ, die ein Paradies im Laufe weniger Stunden in ein Trümmerfeld verwandelte. ilnö man hat sie gesunden: Kinder hatten irgendwo auf der Strandpromenade . achtlos mit Feuerwerks- körpern hantiert, die explodierten; ein Brand war schnell entstanden, die morschen, von Sonne und Wind ausgedörrten Bungalows fielen ihm eines und) dem andern zum Opfer, eine ganze Straße herauf raste das Feuer, ihm war selbst von 1 7 0 0 0 Feuerwehrleuten und zahlreichen Flugzeugen nicht Einhalt zu gebieten ... Sonderbar — diese Katastrophe stand im Zeichen der Kinder, Kinder waren es, die das Feuer entstehen liehen« Kinder waren es, die seine schwersten Folgen zu tragen hatten. Denn bei einer Panik, der notwendigen Folge einer leben Brandkatastrophe, haben die kleinen und schwachen Erdenbürger immer am meisten zu leiben. Jetzt immer noch werden über hundert Kinder vermißt, die in den ersten schrecklichen Augenblicken sich weiß Gott wohin geflüchtet haben. Kindel: schließlich waren diejenigen, die im furchtbarsten Augenblick des Brandes sich in Höch st ei/ Lebensgefahr befanden. Das Feuer näm- lid) dliohte eine Zeitlang auch auf die Wohnviertel von Coney Island überzugreifen, und das erste gefährdete Haus war ein Kinderheim mit 500 Einsassen. Nur mit äußerster Mühe konnten die Feuerwehrmänner es zuwege bringen, daß sämtliche Kinder rechtzeitig aps der Gefahrenzone entfernt wurden. Eine der Ursachen, warum dem Brand erst so spät Einhalt geboten werden konnte, war der ä.Imstand, daß alle Autobesitzer im ersten Augenblick des Schreckens fid) nach den Parkplätzen flüchteten, um sich in ihrem Auto in Sicherheit zu bringen. Bald war die Straße nach 2keuyork so verstopft, daß die Feuerwehr im Strudel dieses Verkehrs lange aufgehalten wurde. So grausig dieses ilngtüa war — Menschenleben kamen dabei nicht zu Schaden. Aber während der ganzen 2Iacht hockten die Einwohner Neuyorks auf ihren flachen Dächern und betrachteten voller Schrecken das Schauspiel der riesenhaften Feuersäulen, die aus den Trümmern ihrer geliebten Vergnügungsstätte immer cmss neue hochslackerten und dem Himmel über Neuyork eine brandrote Farbe gaben. Abenteuer des Krokodil-Jägers. Einer ber berühmtesten austmlischen Krokodil- Jäger. Colin Campbell, ist jetzt von seiner dritten Reise nach dem Krokodil-Gebiet von Nord- Queensland, in dem kein Weißer lebt, nad) Sydney zurückgekehrt'. „Die Krokodil-Jagd auf den tropischen Flüssen ist ziemlich gefährlick)/' erzählte er, „und mand)inal muß man jein Leben cinsetzen für die Schuhe und Tasd)en der Damen, aber die Jagd ernährt ihren Mann. Einmal war id) in einem Ein- gcborcnen-Stanu, und mir fuhren zufällig über den Rucken eines untergetaud)ten Krokodils. Es fd)Iug mit seinem Schwänze so wild um sich, daß unser Boot in die Lust geschleudert wurde. Wir schwam- men nach der Küste und erlegten später den An- ftiftcr dieses Zwischenfalls." Ruhe ist bei der Kroko- dil-Jagd die .^Hauptsache, und jeder Schuß muß den Kopf treffen, der ber einzige verwundbare Teil des Reptils ist. Campbell stöbert mit Vorliebe Nester von 10 bi3 15 Tieren auf und hat schon an einem einzigen Morgen 22 Stück erlegt, deren Häute hoch bezahlt werden. i Kommunistischer Werfall ausSA.-Leute. Heftige Schieherei und schwerer Kampf bei Homberg. * Homberg a. d. O.. 18. 3uli. 3n der Rächt zum Sonntag kam es auf der Landstraße zwischen Homberg und Rieder-Ofleiden zu einem folgenschweren Ueberfall von Kommuni st en auf eine Abteilung SA. - Leute aus Alsfeld. Aus Anlaß der für den gestrigen Sonntag in der hiesigen Stadthalle vorgesehenen Kundgebung der RSDAP. war die Alsfelder Abteilung der SA.-Leute am Samstag spät abends hier eingetroffen und machte sich, nach der Unterbringung ihrer Fahrräder in. unserer Stadt, zu Fuß auf denWeg nochAiedcr- Ofleiden, wo die Leute einquartiert werden sollten. während diese» Marsches wurde die 54 Monn starke SA.-Gruppe auf der dunklen Landstraße von schätzungsweise 100 Kommunisten aus dem hinterhalt übersatten. Die Kommunisten eröffneten lebhaftes Revol- v e r f e u e r auf Vic völlig unbewaffneten SA.-Leute, Vic sich im Handlrmdrehen von ihren Gegnern so umdrängt sahen, daß sie sich nur mit Mühe gegen die Angreifer wehren konnten. Die Kämpfe dauerten mehrere Stunden lang an und machten die Alarmierung des Ucberfallkoinmandos in Butzbach erforderlich, das aegcn 3 Uhr morgens eintraf und für die Wieder- Herstellung der Ordnung sorgte. Durch die Scyieße- rei und durch Stiche von den Kommunisten wurden 12 SA. »Leu t e verletzt, darunter zum Teil schwer; einige Leute haben schwere Kopfwunden, Stiche in die Oberschenkel usw. davongetragen. Ein besoirders fchwer verletzter S A. - M a n n namens Weber aus Alsfeld soll mittlerweile seinen Verletzungen erlegen sein. Durch die Notwehr der SA.-Leute gab es auch bei den Komnni- nisten eine Reihe von Verletzten, über die näheres aber noch nicht festzustellen war. ' Daß der llebersall durch die Kommunisten planmäßig vorbereitet war, geht daraus hervor, daß nach dem Ergebnis der polizeilichen Gestellungen an den Kämpfen Kommunisten aus Homberg, Rieder-Ofleiden, Gontershausen, Rüddingshausen und Schweinsburg beteiligt waren. Die Polizei nahm sofort eine umfassende Durchsuchungsaktion vor, bei der sie i n d e n W o h n u n - gen von Kommuni st en eine Anzahl von Waffen b s ch l a g n ah m t c. Der Vorfall löste natürlich in der Bevölkerung eine gewaltige Erregung aus, die sich dann u. a. darin äußerte, daß eine große Menge erregter Leute nach der Wohnung des kommunistischen haupträdelssührers B r ü n i n g in Nie- der-Ofleiden zog, um ihn auf frischer Tat zur Rechenschaft zu ziehen. Dabei drangen die Leute in das Haus des Kommunistenführers ein, den sie, nur mit dem Hemd bekleidet, aber mit einem Revolver und mit einem Dolch bewaffnet, i m Kleiderschrank versteckt vorfanden, herausholten und ihn so gehörig verprügelten, daß er schwer verletzt nach Marburg in die Klinik eingeliefert werden mußte. Noch in der Nacht wurden von Bürgermeister S ch w e i k c r (Homberg) drei verletzte Kommun i st e n , die sich auf Umwegen nach Homberg geschlichen hatten, in Haft genommen. Die Polizei nahm weiter 7 Kommunisten fest, so daß am Sonntagnachmittag insgesamt 10 Personen dem Amtsgericht in Homberg vorgeführt wurden. Drei Leute wurden wieder auf freien Fuß gesetzt, die 7 übrigen wurden von der herbeigerufenen Kriminalpolizei in Gießen dem Landgerichts- gefängnis in Gießen zugeführt. Wie wir hören, ist noch mit weiteren Verhaftungen zu rechnen. Ebenso ist unzweifelhaft, daß an dem bedauerlichen Vorgang die durchaus diszipliniert und geordnet ausgetretenen SA.-Leute keine Schuld haben. Die große SA.-Kundgebung im Laufe des gestrigen Nachmittags, über die wir noch berichten wer- den, verlief dank der einwandfreien Haltung aller Teilnehmer in vollster Ordnung. Aus der promnzialhaupGavt. Gießen, den 18. 3uli 1932. Wahl-Ehrenamt ist Bürger-Ehrenpflicht! Die gesetzlichen Bestimmungen. Die Stadtverwaltung Gießen weist darauf hin, daß für die nm 31. Juli stattfindende Reichstagswahl entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen Wahloorstönde für die einzelnen Bezirke, bestehend aus dem Wahlvorsteher, seinem Stellvertreter, den Schriftführer und drei bis sechs Beisitzerii zu bilden'sind. Das Amt eines Mitgliedes des Wahlvorstandes ist ein Ehrenamt und kann nur dann abgelehnt werden, wenn die gesetzlichen Bestimmungen dies zulassen. Da die Wahrnehmung gemacht wurde, daß Personen, die zu einem Wahl- ehrenamt berufen wurden, die Berufung ohne Angabe von stichhaltigen Gründen ablehnten, werden die in Frage kommende» Bestimmungen zur Kenntnisnahme nachstehend bekanntgegeben: Jeder Wähler hat die Pflicht zur lieber- nähme der ehrenamtlichen Tätigkeit eines Wahlvorstehers, Stellvertreters eines Wahlvorstehers, Beisitzers oder Schriftführers im Wahl- vorstand, eines Beisitzers des Kreiswahlausschusses, des Verbandswahlausschusses oder des Reichswahlausschusses. Die Berufung zu einem der Wahlehrenämter dürfen a b l e h n e n : 1. die Mitglieder der Reichsregierung und der Landesregierungen; 2. die Mitglieder des Reichstags, des Reichsrats, des Reichswirtschaftsrats und der Volksvertre- tungen der Länder sowie des preußischen Staatsrats. 3. die Reichs-, Landes- und Gemeindebeamten, die amtlich mit dem Vollzüge des Reichswahlgesetzes oder mit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit betraut find; 4. Wähler, die als Bewerber auf einem Kreisvor- schlag oder einem Reichswahlvorschlage benannt sind; 5. Wähler, die das 60. Lebensjahr vollendet haben; 6. Wählerinnen, die glaubhaft machen, daß ihnen die Fürsorge für ihre Familie die Ausübung des Amtes in besonderem Maße erschwert; 7. Wähler, die glaubhaft machen, daß sie aus dringenden beruflichen Gründen oder durch Krankheit oder durch Gebrechen verhindert find, das Amt ordnungsmäßig zu führen; 8. Wähler, die sich am Wahltage aus zwingenden Gründen außerhalb ihres Wohnortes aufhalten. Die rechtzeitige Bildung der Wahlvorstände, das Erscheinen und die Mitwirkung der in den Wahlvorstand berufenen Personen und die genaue Befolgung der für die Wahl gültigen Bestimmungen sind Voraussetzungen für die Durchführung einer Wahl. Personen, die gegen diese Bestimmungen verstoßen, können in eine Geldstrafe bis zu 1000 RM. genommen werden. AakionalsozialistischeIrauenversammluirg. Die Rationalsozialistische Frauengruppe hielt am Samstagabend im Cafe Leib eine öffentliche Frauenversamm-ung ab. die sehr stark besucht war. Frau Elsbeth Zander, die Aeichsleiterin der Aationalsozialistischen Frauenschaft, war als Rednerin erschienen und führte u. a. aus: „3m Ringen um des Volkes Freiheit könne die Srau nicht abseits stehen. Das Tun der Gegenwart sei in der Zukunft vor den Kindern zu verantworten. 3n schicksalsschwerer Zeit müsse die Frau mithelfen, das Geschick zu wenden. Rot herrsche überall, sie habe aber das Gute, daß sie zusammenführe. Heute fühle die Frau instinktmäßig, daß die RS.» Vewegung die einzige Hoffnung sei und als einziger Weg in die Zukunft führe. 1918 habe Deutschland ein Diktat unterschreiben müssen, wie die Welt es noch nicht gesehen habe. Man konnte es auch nur von einem entmannten Volke verlangen. 1918 aber standen die Frauen noch abseits. 3n 14 3ahren habe man immer nur daran gearbeitet, das Volk kraftlos zu machen. Die Arbeiterfrau habe 6D 3ahre lang mitgekämpft, um dann während 14 Jahren in grenzenloser Enttäuschung zu sehen, daß der Kampf nutzlos gewesen sei. Die Führer selbst machten den Erfolg illusorisch. Des- halb ftefre die Arbeiterfrau heute da, wo der Ak- tivismus sei, sie suche da, wo Kräfte sind, das Elend zu wenden. 3m Anfang sei es nicht leicht gewesen, sich zu Hitler zu bekennen. Heute aber sei diese Bewegung die des Aufstiegs. 3n seiner Bewegung habe Adolf Hitler all das ausgesprochen, wonach sich die Frau längst sehnte. Man spreche davon, Hitler wolle den Frauen Rechte nehmen, Die Frau habe aber kein Recht zu verlieren. Menn sie das Wahlrecht verliere, sei das kein Verlust, denn wenn Hitler ans Ruder komme, werde kein Reichstag mehr zu wählen sein. Die Frau beobachte die Tlmwelt, sie höre die 3uaend rufen „Deutschland erwache!", und so fühle, sie die Der- anttoortung für die Zukunft um so deutlicher. Der künftige Staatsmann werde dafür sorgen müssen, daß der eigentliche Erhalter der Familie, der Mann, Arbeit bekomme. Wenn dann eine Frau weichen müsse, werde es nur jene sein, die es nicht nötig habe, einem Manne das Brot zu nehmen. Hitler werde bestimmt nicht der Frau das Studium verbieten. Kinderärztinnen werde es immer geben. Die Frau werde beratend zu Gericht sitzen. Hitler sei nicht so unklug, der Frau die Tätigkeit auf ihrem ureigensten Gebiete, der helfenden Liebe, ,ju verbieten. Das Volk, das an den Frauen und Müttern Dorübergebe, sei verloren. Die nationalsozialistische Frau bejahe das Christentum. Oberstes Gesetz müsse in Zukunft wieder die Treue werden. Die Lüge dürfe nicht weiter um sich greifen. Das Ehrgefühl- müsse wieder Gemeingut und den Kindern Grundbegriff des Guten werden. Heute bringe die Jugend und mit ihr die Mutter wieder schwere Opfer. Das Geschick, die Söhne von Bruderhand erschlagen zu sehen, treffe die Mütter zu tiefst. Aus den Augen der kämpfenden Jugend leuchte aber das Morgenrot einer neuen 3eit. Jetzt müsse sich die Mutter helfend und schützend vor den Sohn stellen. Sie müsse am 31. Juli mit dafür einstehen, daß Adolf Hitler zum Siege komme. Deutsch- land frei zu machen, die deutsck>e Volksseele zu retten, zu helfen sei die große Aufgabe und das Ziel für den kommenden Wahltag. Die deutsche Frau müsse wieder zu edler Tat begeistern. Die Frau müsse und könne kämpfen für die Nation. Es dürfe ferner nicht sein, daß die Frau mit Gram und Sorge einem Kinde entgegensehe, sondern mit Freude. Deshalb müsse dem Manne die Stimme gegeben werden, der Deutschland aus Elend und Not führen könne. In erster Linie sei aber die Frau der Zukunft ihrer Kinder verantwortlich. Die Frau müsse in der Kampfgemeinschaft mit dem Manne stehen, für Deutschlands Freiheit und Ehre kämpfen und sich einsetzen für das kommende Reich der Arbeit, der Freiheit und der Ehre. (Lebhafter Beifall.) Mit dem gemeinsam gelungenen Deutschlandlied fand die Versamnilung ihr Ende. ** Sonntags-Rückfahrkarten zum 11. Deutschen Sängerbundesseft in Frankfurt. Um den Besuch des 11. Deutschen Sängerbundesfestes 1932 in Frankfurt a. M. zu erleichtern, können, wie uns vom Bahnhof Gießen mitgetcilt wird, für die Zeit vom 21. Juli 0 Uhr bis 24. Juli einschließlich von allen Bahnhöfen im Umkreis von 300 Kilometer um Frankfurt a. M. Sonntagsrückfahrkarten 2. und 3. Klasse nach Frankfurt a. M. ausgegeben werden. Die Rückreise wird täglich bis zum 26.-Juli zugelassen; sie muß spätestens am 26. Juli 9 Uhr angetreten fein und darf dann nicht mehr unterbrochen werden. *♦ St er befalle in Gießen. In der Zeit vom 1. bis 15. Juli verstorben in unserer Stabt: am: 1. Marie Müller geb. Hegel, 80 Jahre, Frankfurter Straße 71; 3. Karoline Geiß geb. Krafthöfer, 52 Jahre, Crednerstraße 33; Heinrich Rühl, Postassistent, 68 Jahre, Steinstraße 28; 5. Friedrich Lenz, Schüler, 17 Jahre, Frankfurter Straße 117 6. Maria Höl- jinger geb. Dibelke, Witwe, 66 Jahre, Bismarckstraße 32; 8. Christine Haubach geb. Campus, Witwe, 79 Jahre, Moltkestraße 12; 9. Helmut Licher, 1 Jahr, An der Kläranlage 62; 10. Barbara Wesserlie geb. Lind, 70 Jahre, Liebigstriße 61; 10. Wilhelm Stein, Oberpostschaffner i. R., 59 Jahre, Ebelstraße 39; Wilhelm Rieb, städtischer Arbeiter, 57 Jahre, Kaplans- gaffe 23; Friedrich Weicker, ohne Beruf, 77 Jahre, Liebigstraße 64: 12. Otto Roth, Verlagsbuchhändler, 82 Jahre, Marburger Straße 20; 12. Luise ^Martin geb. Kornmann, 37 Jahre, Wilhelmstraße 63; 13. HZeter Zimmer, Polizeiverwaltungsoberafsistent t. R., 71 Jahre, Ludwigftraße 33; 14. Jakob Nußbaum, Kaufmann, 58 Jahre, Blockstraße 12; Julie Boller geb. Michels, Witwe, 81 Jahre, Keplerstraße 5. ** Schülerkonzert der Musikschule F e l ch n e r. Man berichtet uns: Vor kunstliebendem Publikum gaben am Mittwoch die Schüler und Schü- lerinnen der Klavierlehrerin Frl. Felchner eine Probe ihres Könnens im Klaoierspiel. Die Veranstaltung nahm einen befriedigenden Verlauf. Sowohl in technischer Hinsicht wie im Ausdruck wurde» die Ausübenden je nach ihrem Alter hohe» Anforderungen gerecht. Lotti Sasse spielte das „Tlorgengebet" (Niemann) mit viel Innigkeit, recht gut auch das Scherzo von Parlow. Frl. Simpel interpretierte sehr lebendig und frisch das „Jagdlied" von Men- delssohn-Bartholdy. Ausgezeichnet spielte Karl Weigand eine Sonatine aus den neu aufgefundenen Aylesforder Stücken Händels und ein Impromptu (As»Dur) von Schubert. Auch Frl. Inge P o p p e r t, die eine Romanze von Max Reger zum Vortrag brachte, wurde ihrer Aufgabe mit viel Geschick gerecht. Zwei Gießener Damen verschönten die Der- anftaltung mit Gesang. Frau Lore Michaelis sang eine Arie aus der „Hochzeit des Figaro", Pa- mina aus der „Zauberflöte" und „Alte Liebe" von Brahms; Frl. H o r n brachte „Wer hat dies Liedlein erdacht" (Maler) und Volkslieder aus dem Boch- heimer Liederbuch zum Vortrag. Besonderen Beifall ernteten zwei Duette „Feinsliebchen, du sollst" und „Mein Mädel hat einen Rosenmund", beide von Brahms. Frl. Felchner erwies sich, wie immer, als eine verständnisvolle Begleiterin. Die Veranstaltung brachte im besten Sinne deutsche Hausmusik und gestaltete sich für alle Mitwirkenden zu einem schönen Erfolg. Buntes Allerlei. Oie Haffen von Ghropshire. Moschusratten stinken, haben aber wertvolle Felle, d. h. die Felle waren wertvoll, als es noch Geld gab. Zur Zeit der Hochkonjunktur kam in die Gemeinde von Shropshire in England ein Mann aus Kanada und erbot sich, eine Zuchtfarm für Moschus- ratten anzulegen. Die Zuchttiere brachte er gleich mit. Die Gemeinde, hocherfreut über die Aussicht auf Gewinnung eines neuen Gewerbesteuerzahlers, erleichterte dem Kanadier die Einrichtung der Farm nach jeder Richtung hin. Die Farm wurde gebaut und die Zuchtratten erledigten ihre Geschäfte mit der Produktivität, die Ratten, Kaninchen und anderen Nagetieren eigentümlich ist. Aber einige der Ratten fühlten sich tn dem für sie bestimmten Gehege nicht wohl, entwischten ihrem Heger und mach- ten sich draußen im Lande selbständig im Vermeß- rungsgeschäft. Jrn Laufe eines Sommers wurden die steuerbringenden Pelztiere zur Landplage, die den Bauern das Gemüse wegfrißt, Deiche und Dämme unterhöhlt und zerstört. Die Behörden woll- ten die Geister, die sie gerufen hatten, wieder los fein und verfügten zunächst die Schließung der Zucht- farm. Das geschah. Aber die Ratten, die sich an den Feldfrüchten der Gegend ergötzte», fümmern sich wenig darum, ob ein Gemeindevorstand ihre Existenz verbietet. Sie sind eben da, fressen und vermehren sich. In ihrer Not hat die Gemeinde den Importeur der Moschusratten aufgefordert, sie von ihnen zu befreien. Er habe die Tiere eingeschleppt, er möge sie auch wieder ausrotten. Vielleicht ver- sucht es der Farmer einmal mit einer Flöte. In sagenhaften Zeiten soll in Hameln an der Weser ein junger Mann damit recht gute Erfolge erzielt haben. Glühfäden fünfmal feiner als Menschenhaar. Die Glühfädenherstellung für elektrische Birnen ist um eine außergewöhnliche technische Sensation bereichert worden. Die neuen Glühfäden, die aus metallischem Wolfram gefertigt werden, entstehen dadurch, daß ntan sie durch eine Diamantenbohrung zieht. Um welch diffizile Arbeit es sich dabei handelt, lehrt zur Genüge schon die Tatsack>e, daß die Bohröfsmkw für das menschliche Auge erst bei vielfacher Vergrößerung sichtbar wird. Man er- zielt Glühfäden, die fünfmal dünner als Menschenhaar find. Auf ein Kilogramm gehen nicht weniger als 350 000 Meter solcher Fäden. I» Wirklichkeit wird durch die Länge von 350 000 Meter» die ungewöhnliche Feinheit der Fäden aber (far nicht einmal vollends gekennzeichnet, denn man muß sich vor Augen halten, daß Wolfram überhaupt den schwersten Metallarten beizu.zählen ist, so daß ein Gewicht von einem Kilogramm also bereits wesentlich früher als bei anderen Metallarten erreicht wird. Wer mir die rasende Schiffsschraube...! Abenteuer eines Kriegsmarinetauchers. Von August wieder, ehemaligem Taucher der österreich-ungarischen Kriegsmarine. Ein trüber Februarmovgen lag über dem Kriegs- Hafen von Polo. Ein dichter Nebel erschwerte uns die Aussicht auf Wasser und Land. Langsam fuhr meine Taucherbarke im Schlepptau eines Arsenal- tenders dem neuen, großen Molebau zu. Backbord von uns schlug es eben auf einem Schlachtschiff acht Glas, acht Uyr. An Bord meines Taucherbootes befanden sich außer mir noch drei Taucher sowie fünf Dalmatiner als Bedienung für die Luftpumpe. Die Bezahlung wächst mit der Tiefe. Als wir uns an den Bojen vertäut hatten, bekamen wir unsere Arbeit zugewiesen. Wir mußten die großen Betonblöcke auf dem aufgeschütteten Material verankern. Eine Arbeit, die bei ruhiger cce und klarem Wetter fast ungefährlich war und uns Tauchern ein gutes Einkommen brachte. Hatten wir doch in der Vorkriegszeit einen Stun- denlohn von zwei Kronen bis zu zehn Meter Tiefe. Von zehn bis zrvanzig Meter um 40 Heller mehr. Und in der Tiefe von dreißig Meter drei Krone». Uebcr 35 Meter tief zu tauche» war wegen der vielen Drucklufterkrankungen sowie der großen Lebensgefahr verboten. Erst während des Krieges gelang es mir, zu beweisen, daß man in einem normalen Taucheranzug aus Gummi auch eine größere Tiefe erreichen kann, wenn der Taucher vollkommen gefunb und von besonders starker Konst-itution ist, da doch in einer Tiefe von 50 Meter fünf Atmosphären Druck auf dem Ouadrat- zentimeter liegen. Und im Jahre 1917 gelang es mir sogar, bei der Untersuchung des ge s u n k e n e n italienischen Unterseebootes „Gia- cinto P u l i n o" eine Tiefe von 52 Meter zu erreichen, dort unten eine Viertelstunde zu verweilen, um das gesunkene U Boot zu untersuchen. Nach dem Aufstieg an die Oberfläche wurde ich knapp unter dem Taucherboot von einem Torpedo, den ein feindliches U-Boot lanciert hatte, doch der glücklicherweise fehlging, begrüßt. 2lber kein Mensch hat eine Ahnung, wie schwer es ist, eine Tiefe von 40 Meter zu erreichen. Abgesehen von dem kolossalen Druck auf den Körper, leidet man unter einem furchtbaren Schmerz im Trommelfell. Und es ist wiederholt oorge- kommen, als ich mit einem zweiten Taucher in einer größeren Tiefe ankam, daß ich einige Minuten warten mußte, bis dieser sich erholt hatte. Be.m Verankern der Betonblöcke. Ich schlüpfte also in meinen Anzug, um als erster den Beton zu untersuchen. Unten bemerkte ich sofort, daß,uns heute eine heftige Grundströmung das Arbeiten fehr erschweren würde. Schon im Sommer bei ruhiger See und warmem Wasfer mußte man besonders vorsichtig sein — wie sehr erst heute! Nach kurzer Zeit kam mein zweiter Taucher nach. Er war erst aus der Taucherfchule herausgekommen und sollte heute zum erstenmal mit uns Alten zusammen arbeiten. Ich zeigte ihm unten, wo die Betonblöcke verankert werden sollten, als schon der Schwimmkran mit dem ersten dieser Riesenblöcke ankam. So ein Betonblock wog hundert Tonnen und auch noch r e-hr. Vor- sicktig gab ich das Zeichen zum Senken des Blockes, währenddessen gab der zweite Taucher acht darauf, daß keine unserer Signalleinen ober kein Luftschlauch unter den Riesenblock käme. Von der Grundströmung abgetrieben. Nach zweistündiger Arbeit hatten wir vier von diesen Erundblöcken verankert. Die Grundströmung war indessen immer stärker geworden, und mein Kollege, der nun durch diese ungewohnte Arbeit in dem eisigen Wasser schon übermüdet war, versuchte, sich etwas auszuruhen und machte einige Schritte seitwärts, um sich auf die Anschüttung zu legen. Aber kaum war er aus dem Bereich der Blöcke gekommen, als ihn die Strömung erfaßte und langsam mit sich zog. Vergebens versuchte er, sich am Boden festzuhalten; jeder Stein gab nach, und langsam näherte sich fein Körper dem mehr als 40 Meter tiefen Abgrund im Meeresboden. Ich verfolgte gerade das Senken des nächsten Blockes, als icy zufällig nach meinem zweite» Taucher sah, ob er auch auf passe, daß uns keine Signal* leine und kein Luftschlauch unklar werde. Da bemerkte ich, daß sein Plag leer fei. Ein kurzer heftiger Ruck an meiner Signalleine, das Signal Hakt, und schon hält oben der Maschinist mit dem Versenke» ein. Ein rascher Blick um die Ecke der Blöcke, und ich sehe die verzweifelten Anstrengungen meines Kollegen, sich am Rande des Abgrundes festzu halten. Oie Rettung des Kameraden. Kurz entschlossen, werfe ich mich zu Boden und lasse mich von der Strömung bis in seine Nähe abtreiben. Während dessen hatte ich mein Taucher Messer gelockert und dieses zwischen den Steinen in die Anschüttung gebohrt. Ich band meine Signalleine daran fest, reichte ihm bann meine Hand und Zog ihn zu mir heran. Durch sein oorbercs Helm- scnster konnte ich in fein angstverzerrtes Gesicht sehen unb ihn durch Niederdrücken auf den Bode» beruhigen. Ich gab ihm bann durch Zeichen zu ver- stehen, sich an meinem Tauchennesser festzuhalten, nahm das seine aus feinem Gürtel, schob mich nup, •meinen Körper fest an ben Boben pressend, einige Meter vor, stieß bann bas Messer wieder in Sie Anschüttung, hakte^mich fest, um nun meinen Kollegen an feiner Signalleine, bie ich an meinen Tauchergürtel befestigt hatte, wiober an mich zu Ziehen. Langsam kamen wir nun in ben Bereich der Blöcke, unter deren Schutz wir dann etwas ruhigeres Wasser sanden. Indessen hatte oben der Wind aufgefrischt, bas Taucherboot schaukelte wie eine Nußschale auf unb nieder. Mein Kolleae gab mir Zeichen, daß er aussteigen wolle, die Anstrengung war zu groß gewesen. Das Zittern seiner bläulich angelaufenen Hände verriet mir, daß er am Ende seiner Kraft sei. Ich gab an feiner Signalleine das Zeichen zum Aufholen. Und der Signalmann oben hatte Mühe genug, um den gänzlich kraftlosen Taucher in das Boot zu ziehen, denn der Seegang war »och stärker geworden. Der Schwimmkran neigte sich trotz feiner Schwere bald Backbord, bald Steuerbord, so daß ich unten nie den Betonblock auf feine richtige Stelle bekam. Es war jetzt der Augenblick gekommen, wo ich .zugleich auf meine Signalleine und meinen Lustschlauch aufpaffen mußte, und auf den Moment wartete, wann der Betonblock ; • richtige Stelle erreicht hatte, um durch einen hnel- len Ruck an der Signalleine zu zeigen,-da,, ,.c oben ben Block an ber Kette losließen. Gefährliche Llnachtsamkeii. Vier von biefen Riesenblöcken waren nun gelegt; als ich von oben das Zeichen erhielt, aufjufteigen. Der Tender war eben vom See-Arsenal mit der Order gekommen, die Arbeit wegen des starken Seeganges einzuftellen. Der Schlepper arbeitete sich langsam gegen ben Winb uns immer näher, um uns eine Schleppleine zuzuwerfen. Ich war indessen unter der Taucherbarke am Grunde angelangt und gab Signal eins, mich aufzuholen. Da machte ber Signalmann ben Fehler, meine Signalleine aus der Hand zu legen, um meinen Luftschlauch aufzuholen. Die Strömung nahm nun die lose über Bord hangende Leine mit unb trieb sie gegen den Schlepptender, dessen Maschine langsam vorwärts arbeitete. Da plötzlich verspürte ich einen heftigen Ruck an meiner Signalleine: sie wurde mit einer ungeheuren Kraft eingeholt. An die Schiffsschrauben gezogen! Ich werfe meinen Oberkörper zurück, um zu sehen, was eigentlich los fei, da gewahre ich zu meinem Entsetzen, daß acht bis zehn Meter über mir meine Signalleine in bie Schraube des Schlepptenbers geraten war. Wie ber Blitz durchfuhr es mein Gehirn: Signalleine abfchneiden! Meine Hände tasteten rückwärts nach dem Taucher- meffer, das ich aber ins Gestein eingerammt hatte. Immer näher kommt bas Geräusch des sich langsam drehenden Propellers, rückwärts zieht man mich vergeblich am Luftsch4auch, aber im letzten Augenblick bemerkt der Signalmann bie Gefahr, in ber ich schwebe. „M aschine halt!" brüllt er wie wahnsinnig über Deck. Der Steuermann springt entsetzt zum Sprachrohr unb schreit laut in ben Maschinenraum hinunter: „Maschine stopp! Maschine stopp!" Und nur ein Meter war mein Körper vom Propeller des Schlepptenders entfernt, der mich glatt zermalmt hätte. Langsam wich die Spannung in meinem Körper, das Herz begann roieber rascher zu schlagen, zitternd löste ich oben Ring um Ring von ber Propellerwelle, während oben Schlepptenber unb Taucherboot Bord an Bord langsam in die See trieben, alle oben an Bord erleichtert aufatmeten, als ich das Zeichen zum Aufholen gab. S.Jlyfport lO.GauwettschwimmeninLaubach Erfolge des Tv. 1846 Gießen. In Saubad), wo Turngemeinde und Bürger- schnft 160 Turnern und Turnerinnen gastliche Aufnahme bereiteten, fand gestern das 10. Gauschwimmen des Gaues Hessen (D. T.) in Anwesenheit des stellvertretenden Schwimmwarts der D. T., Robert Braun (Frankfurt a. M.), des verdienten Wegbereiters der Schwimmsache im Rhein-Maingebiet, statt. Die gut vorbereitete Veranstaltung warb in ihrem eindrucksvollen Verlauf eindringlich für das Turnerschwimmen. Einen erheblichen Teil der Wettkämpfe stellte der T v. 1 8 46 Gießen, der in den Einzelkonkurrenzen 18 Siege (darunter 8 erste) errang und auch bei den 8 Staffeln, die unter größtem Interesse der Zuschauer ausgetragen wurden, viermal an erster Stelle lag. U. a gewann er die H e s s e n sta f fel (5 Lauser und 5 Schwimmer je 50 Meter) in der guten Zeit von 3 Min. 54 ©etH Drei Staffeln sahen den Tv. Wetzlar als Sieger, eine den T. Lauterbach. Außer den genannten Vereinen waren in den Einzelwettbewerben vor allem noch Tgm. Friedberg. T. u Spv. Marburg, Tgm. Laubach, Tv. 2llsfeld, To Grünberg erfolgreich. Deutschlands großer Daviscupsieg. Die Italiener 5:0 geschlagen. 3:0-Zührung bereits am Samstag. Scl>on am zweiten Tag des Daoispokalspieles Deutschland gegen Italien wurde der deutsche Gesamtsieg sichergestellt, denn Prenn-v. CraMm konnten im Doppel einen klaren 6:3, 6:3, 6:2 Sieg über die italienische Kombination del Bono-de Stefans feiern und somit die 2^-Führung des ersten Tages auf 3:0 erhöhen. Damit ist der Seg Deutschlands von den restlichen zwei Einzelspielen des Sonntags unabhängig geworden. In diesem Doppelspiel tat sich besonders der junge deutsche Spitzenspieler v. Gramm hervor, der ein kluges und hartes Doppel vorführte und seinem Partner Prenn die Bälle ausgezeichnet vorbereitete. Die Kämpfe des Sonntags. Auch der letzte Tag des Davispokalkampfes gegen Italien gestaltete sich zu einem großen Erfolg für das deutsche Tennis. Gottfried v. Cramm und der für Prenn eingesprungene Jän necke konnten auch die beiden letzten Spiele gewinnen und so den schon seit dem Erfolg im Doppel feststehen- den deutschen Sieg noch eindrucksvoller gestalten. Da die Spiele des Sonntags nur mehr untergeordnete Bedeutung hatten, hatte auch das Interesse des Publikums nachgelassen. Knapp 1000 Zuschauer waren auf dem Tennisgelände des Mailänder Lawn-Tennisclubs erschienen, darunter allerdings fast vollständig die deutsche Kolonie. Das Wetter war diesmal für die Deutschen nicht so günstig wie an den oorangegangenen Tagen, zuerst herrschte drückende Sitze und später drohte ständig ein schweres Gewitter auszubrechen. Im ersten Spiel traf Gottfried v. C r a m m auf den Ersatzmann de Stefanis d e l B o n o. v. Cramm zeigte sich zeitweise etwas unsicher, spielte dann aber — besonders im letzten Sah — eine schöne und elegante Partie. Sein Sieg stand eigentlich nie in Frage und entspricht mit 8:6: 6:3, 3:6, 6:1 völlig dem beiderseitigen Können. Anschließend hatte dann der junge Berliner Gustav 3ännede den ehemaligen Professional Palmieri als Gegner. Iännecke führte ein äußerst variiertes Spiel vor und zeigte sich vor allem am Anfang sehr aggressiv. Den zweiten Sah mußte er allerdings ohne Spielgewinn an den 3taliener abgeben, auch der vierte Satz ging noch verloren, dann aber war der Italiener den raffinierten Schlägen des Deutschen nicht mehr gewachsen und verlor den entscheidenden fünften Satz mit 2:6. Iännecke errang also in einem Fünfsatzkampf 6:3, 0:6, 6:1, 2:6, 6:2 den fünften Punkt für Deutschland. Die Davispokalmannschaft befindet sich heute, Montag, auf der Reife von Mailand nach Paris, um sich dort auf den am Wochenende statt- findenden Kampf gegen Amerika vorzubereiten. „Großer preis von Deutschland." Caracciola siegt! — 180000 Zuschauer am Nürburgring. Da schon am Samstag großer Publikumszuzug zum Nürburgring einsetzte, konnte man wohl mit einer Rekordzuschauermenge rechnen. Das traf auch ein. Als am Sonntagmorgen pünktlich um 9 Uhr die Startflagge fiel, hielten rund 180 000., Zuschauer die Rordschleife des Rürburgringes, auf der das Rennen ausgefahren wurde, besetzt. Reben vielen Ehrengästen und hohen Persönlichkeiten aus Politik und Verwaltung bemerkte man auch viele Ausländer. Das kennen beginnt ... Mit tiefem Brummen gehen die 40 startenden Wagen los und schon nach wenigen Minuten verkündet der Lautsprecher die erste Meldung vom Verlauf des Rennens: Caracciola führt! Caracciola geht auch als Erster an den Tribünen vorbei, ihm dicht auf den Versen sitzt sein Gefährte Ruvolari, dann folgen Dorzacchini, Chiron, Dreyfuß und Lehoux. Vorübergehend muß Caracciola die Führung an Ruvolari abgeben, sein Endsieg wurde aber von den Massen begeistert bejubelt. Der erwartete Zweikampf der Marken Alfa Romeo und Bugatti kam leider nicht zustande, da Chiron in der fünften Runde wegen Achsenbruches aufgeben mußte, Varzi nicht gestartet war und Dreyfuß über den vierten Platz während des ganzen Rennens nicht hinauskam. In der Klasse II gab es ebenfalls einen Sieg von Alfa Romeo. Rach einem hochinteressanten Kampfe zwischen dem Engländer Carl o f Ho w«, dem Budapester Bugatti-Fahrer Hartmann, sowie den beiden Alfa Romeo-Fahrern Täuber- Schweiz und Graf G y u l a i - Ungarn blieb Täuber sicherer Sieger. Earl of Howe hatte viel Aufenthalt am Ersahteilelager und kam auf dem vierten Platze ein. Der favorisierte Berliner Durgaller auf Bugatti schied wegen Achsenbruch aus. Der Kampf der kleinen wagen endete mit einem Engländer-Erfolg. C. Hamilton auf MG. fuhr sein Rennen nach spannendem Kampfe unangefochten nach Hause, nachdem die Mehrzahl seiner Konkurrenten vorzeitig aufgeben mußte. Die Ergebnisse. Wertungsgruppe I (25 Runden — 570,250 Kilometer): 1. Caracciola-Deutschland — Alfa Romeo 4:47,22,8 (119,3 Stundenkilom.). 2. Ruvolari-Italien — Alfa Romeo 4:47,53,4 (119 Stundenkilom.). 3. Dorzacchini-Italien — Alfa Romeo 4:54:33. 4. Dreyfuß- Frankreich — Bugatti 5:01:03. Schnellste Runde: Ruvolari 10:49,4 Minuten (164,6 Stundenkilom.), (9 gestartet, 4 am Ziel): ausgeschieden: Chiron-Frankreich, Lehoux- Frankreich, Lewy-Deutschland, Pietsch-Deutschland und Roggeri-Italien. Wertungs-Gruppe II (23 Runden — 524,630 Kilorn., über 800 bis 1500 Kubikzentirn.): 1. Täuber-Schweiz (Alfa Romeo), 4:54:46,8 (106,8 Stundenkilom.). 2. Hartmann-Budapest — Bugatti 5:07,22,4 (102,3 Stundenkilom.). 3. Rudgerie- Italien (Maserati) 5:13:46 (100,2 Stundenkilom.). 4. Earl of Howe-England (Delage) 5:13:03,8 (99,9 Stundenkilom.). 5. Wagner-Deutschland (Bugatti) 5:15:44,8. Schnellste Runde: Täuber 12:21,8 Min. (110,8 Stundenkilom.), (18 gestartet, 10 am Ziel). Wertungs-Gruppe III (19 Runden — 433,390 Kilom., über 350 bis 800 Kubikzentirn.): 1. Harnilton-England (MG.) 4:33:29 (95 Stundenkilometer). 2. Kohlrausch-Deutschland (BMW.) 4:46:00,8 (90,8 Stundenkilom.),' 7 gestartet 2 am Ziel. Schnellste Runde: C. Hamilton 13:29 Min. (101,5 Stundenkilom.). Ruderregatta der Gießener Studenten. Zum ersten Male veranstaltete am Donnerstag die Studentenschaft eine Regatta in Gigbooten, an der sich fünf Mannschaften beteiligten. Im ersten Lauf starteten die Vierer der Korporationen Adelphia, Hasso-Rassovia und Rheinfranken. Die Strecke war 1200 Meter lang und stellte an die Mannschaften in den schweren Gigbooten hohe Anforderungen. Die Mannschaft der Rheinfranken ging vom Start art in Führung, die sie über die Hälfte der Strecke behielt. Dann aber kamen die Adelphen. die sich anfangs nicht zusammenfinden konnten, zusehends auf. Im harten Bord-an-Bordkampf rang die körperlich kräftigere Mannschaft der Adelphen ihre technisch besseren Gegner nieder. Hasso-Rassovia hatte einen schlechten Start und versteuerte, so daß das Doot niemals in die Entscheidung eingreifen konnte. Im zweiten Lauf stieß die Llebungsgruppe Dorrmann auf die favorisierte Mannschaft der Landsmannschaft Darmstadtia. Auf dem äußeren Lahnbogen fahrend, fuhren die Freistudenten den Gegnern sofort davon, ohne jemals ernstlich gefährdet zu werden. Der Schlagmann der Darmstädter begann vom Start weg mit einem zu kurzen Schlag, der sich gegenüber dem langen ergiebigen Durchzug der gut zusammenarbeitenden Freistudenten als nachteilig erwies und die Mannschaft zu früh ermüdete. 3m Cndlauf trafen die Freistudenten auf die Adelphen und rangen sie, müheloser als man erwartet hatte, nieder. Hier zeigte sich, daß die Trainingsarbeit der Unterlegenen nicht intensiv genug gewesen war. Die Mannschaft hatte ihre ganze Kraft im ersten Laus bereits verausgabt und hatte gegen Borrmann und seine Mannen nicht viel zu bestellen. Der Vierer der Freistudenten vertritt die Universität Gießen am morgigen Dienstag gegen einen Gigvierer der Universität Marburg. Der Start erfolgt um 15.30 Uf)r am Rübsamschen Haus. Das Ziel liegt an der Anlegestelle des Ruderklubs Hassia. Da die Marburger eine kräftige Mannschaft stellen, die sich in schweren Ausscheidungskämpfen gehärtet hat, steht die Mannschaft des Gießener Vierers vor einer schweren Aufgabe. Deutsche Radmeisterschasten in Nürnberg. Die deutsche Stehermei st er schäft wurde in Nürnberg vor 12 000 Zuschauern von Erich Möller vor dem Titelverteidiger Walter S a - wall, Kremer, Schindler, Dederichs, Wißbröcker, Schäfer und Hille gewonnen. Bei den deutschen Radmeisterschaften wurden am Sonntag weiter noch die folgenden neuen Meister ermittelt: Zweier-Radball: Wander lust Frankfurt a. M.: Amateurmeisterschaft über 1000 Meter: Dasch-Berlin; Zweisitzermeisterschaft der Amateure: Frach-Breslau/Merkens-Köln: Vereins - Mannschaftsmeisterschaft über eine Deutsche Meile: Exzelsior Dresden. Kurze Sporinoiizen. Oesterreich siegte im Fußball-Länderkampf im Stockholmer Stadion über Schweden mit einer zweiten Garnitur knapp 4:3 (2:1). Glänzende Leistungen gab es bei den amerikanischen Olympia-Ausscheidungen. So stellte Dill Graber mit der phänomenalen Leistung von 4,38 Meter im Stabhochsprung einen Weltrekord auf. * München 99 holte sich vor Bayern 07Rürn- berg, 3ungdeutschland Darmstadt und Göppingen 04 die süddeutsche Wasserballmeisterschaft. 3mMitropa-Cupspiel fertigte Vienna- Wien auf der „Hohen Warthe" in Wien vor 50 000 Zuschauern den FC. Bologna mit 1:0 ab. Da die Italiener das Vorspiel 2:0 gewannen, so haben sie sich für das Mitropa-Cup-Endspiel qualifiziert. * Sonntagsrückfahrkarten zur Mainzer Regatta. Am Samstag, 23. und Sonntag 24. Juli findet die Mainzer Regatta statt. Zu dieser Veranstaltung werden, wie uns vom Bahnhof Gießen mitgeteilt wird, von allen Orten im Umkreis von 150 Kilometer um Mainz und Myinz-Kastel — also auch von Gießen und umliegenden Bahnhöfen — Sonntagsrückfahrkarten nach Mainz und Mainz-Kastel ausgegeben. Die Karten gelten vom Samstag, 23. Juli, 0 Uhr bis Montag, 25. Juli, 9 Uhr. Bis 9 Uhr muß die Rückfahrt angetreten sein. Rundfunkprogramm. Samstag, 23. Juli. 7.05: Bad Homburg: Frühkonzert. 9.30 bis 10.30: Paulskirche: XI. Deutsches Sängerbünde s- fest. Volksdeutsche Kundgebung. 11.00 (M, Berlin): XI. Deutsches Sängerbundesfest. 1. Hauptkonzert. 12.20: Unterhaltungskonzert. 13.30: Mannheim: Märsche und Tänze. 15.30: Stunde der 3ugend. 17.00: Konzert des Rundfunk-Orchesters. 18.25: „Goldwährung oder 3ndexwäh- rung?“, Vortrag von Dr. A. Graf Brockdorff. 19.00: Konzert. Steirische Volkslieder und 3odler. 20.00: Don Wien: Dunter Abend. 22.00: Mosel- sahrt aus Liebeskummer. Rovelle einer Landschaft. Don Rudolf G. Dinding. 22.45 bis 0.30: Konzert des Philharmon. Orchesters Stuttgart. Wirifchast. * Die Indexziffer der Großhandelspreise. Die vorn Statistischen Reichsamt für den 13. 3uli berechnete Grohhandelsindex- ziffer ist mit 95,8 gegenüber der Vorwoche (95,9) wenig verändert. Die Indexziffern der Haupt- gruppen lauten: Agrarstoffe 92,1 (minus 0,4 v. H.), Kolonialwaren 84,9 (unv.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 86,6 (minus 0,1 v. H.) und industrielle Fertigwaren 117,0 (unv.). Der 3ndex für Produktionsmittel betrug unverändert 118,1, der für Konsumgüter 116,1 (minus 0,1 v. H.). * Frankfurter Maschinenbau - AG. vorm. Pokorny & Wittekind, Frankfurt a. M. Der Abschluß der Franffurter Ma- schinenbau-AG. vorm. Pokorny & Wittekind, Frankfurt a. M., weist per 31. Dezember 1931 bei Abschreibungen von 120 980 (422 700) Mark, Sonderabschreibungen von 820 359 (2 102 805) Mark und einem Rohertrag von 4 008 631 Mark einen Verlust von 1 431 293 (3 301 230) Mark aus, zu dessen Deckung der im Vorjahre geschaffene Spezialreservefonds von 2,16 Millionen Mark herangezogen werden soll. Der Geschäftsbericht führt aus, daß unter dem veränderten Verhältnissen der Großmaschinenbau für ein Werk im Umfange der FMA. nicht rentabel sei, da das mit diesem Geschäft verbundene Risiko die Kapitalkraft des Unternehmens überstiege. Fabriziert werden nunmehr lediglich ftationare Klein- und Mittelkompressoren, Hochdruckkompressoren, fahrbare Preßluftanlagen und Preßluftwerkzeuge. Der Auftragseingang in den ersten fünf Monaten des Jahres 1932 sei zwar befriedigend, aber annähernd konstant. Er habe sich gegenüber dem Durch- fchnitt des 3ahres 1931 vermindert. • Deutsche Continental - Gas - Ge- sellschast, Dessau. Die Generalversammlung der Deutschen Continental-Gas-Gesellfchaft, Dessau, erledigte die Regularien und beschloß die Verteilung einer Dividende von 7 Prozent (im Vorvahre 0 Prozent). Zum Geschäftsbericht führte die Verwaltung u. a. noch aus, daß der diesjährige Abschluß in der Finanzierung der Gesellschaft eine Epoche beende, die durch die Zahlung der Entschädigung für Warschau gegeben war. 3n Erwartung einer größeren Entschädigungszahlung für die enteigneten Warschauer Werke habe man den für Warschau zu schaffenden Ersatz aus eigenen Mitteln finanziert und sei lediglich im letzten Jahre dazu übergegangen, einen Kredit bei dem eigenen Tankenkonsortium in Anspruch zu nehmen. Das große Paket Reichsschuldbuchforderungen versetze die Gesellschaft in die Lage, die aufgenommenen Bankschulden wieder abzutragen. Darüber hinaus müsse die Gesellschaft bestrebt fein, die Reichsschuldbuchforderungen entweder in der Gas-, oder in der Elektrizitäts-Substanz anzulegen. Es seien mit verschiedenen Stellen Verhandlungen eingeleitet, und gerade gestern sei eine solche Verhandlung zu einem glücklichen Ende gebracht worden, indem die Beteiligung der Stadt Magdeburg an der Großgaserei Mitteldeutschland AG. von rund 2,5 Millionen Mark gegen Reichsschuldbuchforderungen zu pari eingetauscht worden sei. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 16. 3uli. Die Tendenz am hiesigen Markt hat wegen der geringen Zufuhren eine gewisse Stabilität erfahren. Das Geschäft hielt sich aber nach wie vor in sehr engen Grenzen, auch blieben die Preise gegenüber der Vorwoche unverändert. Es notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Russen 5,5 bis 6, Holländer 5,75 bis 7,75, Dänen 5 bis 7,5, Flandern 6,75 bis 7, deutsche Landeier 7 bis 7,5 deutsche Frischeier 6,5 bis 8,5. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt betroffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankmr. u. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Sranttun a. 0)1. ■Berlin Deoifenmarfl Berlin — Frankfurt a. 2TL Schluß- kurs Schluß!. Abend- dürfe Schlußkurs Schlußk. Mitiaa- börse Schlußkurs Schlußk. Mtitag- börse Schluß« kurS Abendbörse Gchluß- kurs Abendbörse Schlußkurs oeptupr. Mittag- börse 15.3u1i 16. Juli Amtliche Notierung Geld | Drlei Datum 15 7 16.7. 15.7. 16.7. Datum 157. 16.7. 15.7. 16.7. Datum 15.7. 16.7. 15 7. 16.7. Geld | Brie 6% Deutsche Retchsanleihe V.1S2: 7% Deutsche Retchsanleihe b.1929 572% ?)oung-Anlethe von 1930 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten....... Desgl. ohne Auslos^Rechte . . . 8% Hess. Bolksstaat von 1929 (rückzahlb. 102%)...... Oberhcssen Provinz-Anlethe mit Auslos.-Rechten....... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1...... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldvse 15 unkündbar bis 1935 .... 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. unkündbar bis 1936 Serie 16 . i¥i% Franks. Hyp.-Bank fiiqu.. Pfandbriefe......... . ;t .... 6 ManSselder Bergbau.....0 Oberschles. Kokswerke .... 8 Phönix Bergbau......4’/s Rheinische Braunkohlen... 10 Rhetnstahl.........6 12 13 26 89 16 18,25 30 18,25 124,25 23,25 70 54,5 61 59,25 119 76,5 12 13 27 90 16 18.5 30,25 18 5 124,25 23.25 59 71 54,5 62 60,5 119,25 77 12 13 26 90 16 18,5 30 18,5 124 23,75 20,25 37,9 54,75 62 60,25 119,9 78 11,75 12,75 26 90 16 18.5 30 18,5 124,4 23,13 57,5 54,25 59.5 120.5 76 Riebeck Monlan......7,2 Bereinigte Stahlwerke .... 4 Otavi Minen......16'/, Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 16 I. G. Farben-Industrie . . . 12 Verein, chem. Industrie Frankfurt a. M........... Schetdegnstalt.......10 Goldschmidt.........0 RütgerSwerkc........6 Metallgesellschaft.......5 Philipp Hotzmann......8 Zementwerk Heidelberg. ... 7 Gementtocrt Karlstadt.....7 Wayb & Freytag......0 Schultheis Patzenhofer ... 15 Aku ('Allgemeine Kunstseide) 0 Bemberg........ 0 Zellstoff Waldhos.....12 Zellstoff Aschaffenburg ... 6 Dessauer GaS........9 Daimler Motoren......0 Deutsche Linoleum.....6 Orenstetn & Koppel ..... 0 Leonhard Tietz...... 8 Svenska.........16 Chade............ Frankfurter Maschinen . . . . 0 Gripner..........0 Mainkraftwerke Höchst a. 2R.. . 6 Süddeutscher Zucker .... 10 13,75 10,25 87 93,5 154 86,9 132 17 30,75 25 31,5 36 5 34 4 34 29 29 21 10,75 30,75 52 169 17,5 49 105 13,75 9,9 87,5 96,5 156 87.9 132 17 31 24,5 31 36,25 4,13 34 29 28.25 20 10.75 30 5 47 172-5 17,5 105 13,4 10.25 86 94,13 153,5 87,13 17 30,75 25 31,5 4,25 56,25 34,5 28,5 29 20 86,4 11 30 22,5 53 7 170 18,5 13.5 10,13 87,5 17,25 31 33,75 28 87 10,75 46,65 7,25 172,75 18,5 Helsingsors Wien. . . Prag . . Budapest . Sofia . . Holland . Oslo. . . Kopenhagen Stockholm . London. . . Buenos Aires Neuyork . . Brüssel. . . Italien. . . Paris . . . Schweiz . . Spanien . . Danzig. . . Japan . . . Rio de Jan.. Jugoslawien. Lissabon . . 6,354 51,95 12,465 3,057 169,93 74.08 80,82 76.67 14.925 0.923 4.209 58,40 21.51 16,51 81,94 33,77 82,10 1.169 0,325 6,693 13,61 I 6,366 52,05 12.485 3.063 170,27 74,22 80,98 76,83 14.965 0,927 4,217 58,52 21,55 16,55 82,10 33.83 82,26 1,171 0,327 6.707 13,63 Janfnofen 6,354 51.95 12,465 3.057 169.83 74.08 80,82 76.67 14.925 0,923 4,209 58,34 21,51 16,49 81,92 33,77 82,02 1,169 0.325 6,693 13,59 6,366 52,05 12.485 3.063 170,17 74,22 80,98 76.83 14.965 0,927 4,217 58,46 21,55 16,53 82,08 33,83 82,18 1,171 0.327 6,707 13,61 Serlln, 16. Juli Geld | Bries Zt) #u 65,13 32,5 49 10,5 15 170 45,5 26 66,25 32 49 23 10,5 15 169 45,5 26,75 66.25 32,9 49,13 24,25 22,65 37 29,9 15,13 168 45 66,75 31.65 48,5 24 91.5 36.5 11 29.5 44,75 Amerikanische Noten....... Belgische Noten......... Dänische Noten......... Englische Noten......... Französische Noten........ Holländische Noten........ Italienische Noten........ Norwegische Noten........ Deutsch-Oesterreich, I 1OO Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten........ Schweizer Noten......... Spanische Noten......... Ungarische Noten........ 4,20 58.18 80.64 14,885 ' 16,45 169.46 21.48 73,90 2,49 76,50 81,74 33,63 4,22 58,42 80,96 14.945 16.51 170,14 21 .56 74.20 2,51 76,80 82,06 33,77