Ur. 166 Erstes Blatt 182. Jahrgang Montag, 18. Juli 1952 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Onirf und Verlag: vrühl'sche llnioerxi ist en bei den Unruhen zwei Tote und 3 0 Verletzte zu verzeichnen. Der preußische 3nnenminifter Severing, der gestern in Kiel sprach, begab sich auf der Durkreise noch in der Nacht nach Altona, um wegen der blutigen Zusammenstöße eingehende Besprechungen mit den Polizeibehörden zu führen. Der Minister überzeugte sich an Ort und Stelle vom Stand der Ermittlungen und vom Umfang der Unruhen sowie der Arbeit der Polizei und fuhr heute vormittag nach Berlin weiter. Eine am Montagmorgen mit einer Darstellung über die Vorfälle vom Sonntag von der kommunistischen „Hamburger Volkszeitung" herausgegebene Sonderausgabe ist von der Polizei beschlagnahmt worden. Schießerei in Itzehoe. Itzehoe. 18.3ult. (WTB. Funkspruch.) In der vergangenen Nacht kam es auch in Itzehoe zu schweren Schiehereien. Als SA.-Leute aus Altona durch die Stadt fuhren, wurden sie von Kommunisten beschossen. Dabei wurden zwei SA. - Leute schwer verletzt. Als die Schutzpolizei eingriff, wurde auch ein Schupobeamter durch einen Schutz in den Arm nicht unerheblich verletzt. Die Auhe konnte bald wieder hergestellt werden. Enlwaffnungsaktion der Reichswehr gegen Kommunisten. Fürstenwalde a. d. Spree, 17. Juli. (WTB.) Auf der Chaussee von Langewahl nach Ketschendorf bei Fürstenwalde wurde ein Lastauto mit Nationalsozialisten von einer großen Menge Ko in muni st en beschossen. Die Nationalsozialisten sprangen ab, und es entwickelte sich ein Handgemenge, bei dem vier National- f_o 3 i a I i ft e n durch Dolchstiche und Schläge verletzt wurden. Ein Kommunist wurde durch den Schutz eines Schupobeamten verletzt. Die Kommunisten zogen sich nach dem Ueberfall in das Lokal von Tininus in Ketschendorf zurück. Da sich außer dem Landjäger nur wenige kommandierte Schupobeamte in Ketschendorf befinden und anzunehmen war, daß die Kommunisten, die schwer bewaffnet schienen, weitere Ueber- fälle auf Nationalsozialisten unternehmen würden, erbat der Landrat in Beeskow vom Regierungspräsidenten in Potsdam den Einsatz eines Schupokommandos. Da jedoch ein rechtzeitiges Eintreffen der Beamten unmöglich war, wurde ein Zug der 1. Eskadron d e s Reiterregiments 9 in Fürstenwalde mit Maschinengewehren eingesetzt, der das Lokal in Ketschendor umstellte und bewachte. Die Landjäger und das Schupokommando durchsuchten dann das Lokal und die sich dort aufhaltenden 140 Kommunisten. Sie fanden bei diesen selbst keine Waffen mehr, dagegen wurden im Lokal eine Reihe von Revolvern, Brownings, Terzerolen, zahl- reiche Dolche, eine große Menge von Gummiknüppeln, Schlagringen und Stöcken und außerdem ein großer Posten Munition beschlagnahmt. Die Kommunisten wurden sämtlich zwangsgestellt. Die Reichswehr rückte sofort wieder ab. Sie brauchte nirgends aktiv einzugreifen. Bereits ihre Anwesenheit wirkte auf die Gemüter beruhigend. Zwei Todesopfer in Greifswald. Greifswald, 17.3uli. (WTB.) Aach einer nationalsozialistischen Kundgebung kam es zu schweren Zusammen st öhen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, bei denen sieben Nationafozialisten und ein Kommunist mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden muhten. Kurze Zeit später wurden heimkehrende Nationalsozialisten auf der Loitzer Landstraße von Kommunisten beschossen. 17 SA.-Leute mutzten mit Schuhverlehungen ins Krankenhaus gebracht werden. Zwei davon, der Greifs- Walder Student Reinhardt und der Landwirt Massow, sind bereits ihren schweren Verletzungen erlegen. Hitler beschwert sich bei Hindenburg über die Königsberger Polizei. Telegramm an den Reichspräsidenten und den Reichskanzler. Königsberg, 18. 3uli. (TU.) Adolf Hitler, der am Sonntag in Königsberg weilte, hat an den Reichspräsidenten v. Hindenburg nach Neudeck, an den Reichskanzler v. P a - pen, an den Reichsinnenminister und an den Reichswehrminister folgendes Telegramm gesandt: „Heute fand aus Anlah des Reichstagswahl- kampses eine gewaltige Kundgebung der nationalsozialistischen Bewegung statt. 3n mustergül- tiger Ordnung hielt die SA. einen Propagandamarsch durch die Stadt. Als die Kolonnen bei mir vorbeimarschierten, wurde ich Zeuge so ungeheuerlicher Provokationen von selten der Königsberger Polizei, datz nur die grenzenlose Disziplin meiner Anhänger eine Katastrophe verhinderte, die in ihren Folgen unabsehbar sein konnte, anscheinend aber von dem verantwortlichen Polizeioffizier Fischer beabsichtigt war. Eine Stunde lang lieh dieser Polizeioffizier berittene Polizei teils vor meinem Wagen, teils vor den Marschkolonnen am Platz des Vorbeimarsches sich Herumtreiben, lieh immer wieder in die Kolonnen hineinreiten, und als auch dies nicht zu dem gewünschten Ausstand führte, rücksichtslos in das Publikum hineinreiten. Als auch dies nicht fruchtete, erschienen plötzlich sechs schwere Tieberfallwagen und fuhren nun teils in die Marschkolonnen, teils in die Zuschauer. Ausländische Korrespondenten, die sich neben mir befanden, sind Zeugen eines Vorganges gewesen, der ebenso unerträglich wie unverantwortlich ist. 3ch habe diese ü b e l st e Kosakenmethoden übertresfendeBe- tätig ung dieses Polizeioffiziers durch zahlreiche Lichtbilder und Filmaufnahmen f e st - halten lassen. Sie sind ein nicht mehr zu widerlegendes Dokument für die unhaltbaren Zustände, in die die öffentliche Ordnung und Sicherheit durch die derzeitige preuhische Regierung und durch ihre Polizeiorgane gebracht wird. Als ich diesem Polizeimajor Fischer mitteilen lieh, dah ich gegen diesen unerhörten Versuch der Llnruhestiftung durch die Polizei mich bis zum Reichspräsidenten beschweren würde, gab dieser Herr meinem Gruppenführer Lihmann im Beisein weiterer SA-Führer folgende Antwort: „Sie dürfen sich über unser Benehmen hier nicht wundern, solange in Ostpreußen ein Gauleiter ist, der Koch heißt." Dieser Polizeioffizier erklärte zynisch das unverantwortliche Verhalten einfach damit, dah die Partei einen politischen Führer besitzt, der ihr persönlich nicht paht. Da sich diese Zustände je Den Tag wiederholen können, die Gewähr, dah die schutzlos angegriffene Bevölkerung immer die- felbe Disziplin und Zurückhaltung bewahren wird, aber nicht besteht, halte ich bei einer weiteren solchen Einstellung und Betätigung der preuhi- schen Polizei, die nur auf Befehl der derzeitigen Regierung denkbar ist, jederzeit den Ausbruch einet Mutigen Katastrophe für möglich. Es ist allerhöchste Zeit, dah von feiten der Reichsregierung diesem unverantwortlichen Treiben einer auf Tumult hin- steuernden Polizeipolitik ein Ende bereitet wird." — Das Telegramm an den Reichspräsidenten trug die Llnterschrift: Mit ergebenster Verehrung gz.: Adolf Hitler. Eine Darstellung der Polizei. Königsberg, 18. 3uli. (TLl.) Lieber den Zwischenfall bei dem Königsberger SA.-Marsch, der Hitler z.u> dem Deschwerdetelegramm an Hindenburg veranlahte, gibt die Polizei eine Darstellung heraus, in der es heiht: Als Hitler kurz vor dem Vorbeimarsch aus seinem Auto stieg, habe die SA. plötzlich eineSperrkette gezogen, um einen Platz für Hitler und sein Gefolge freizuhalten. Diese Sperrkette habe dann die Polizei übernommen. Da sich aber der Druck der Massen ständig verstärkte und auch die Spitze der SA. bereits anmarschierte, habe der leitende Polizeiosfizier berittene Polizei zu Hilfe nehmen mi^ssen, um die Sperrkette zu halten. 3rgendeine Behinderung des Vorbeimarsches fei nicht erfolgt. Dann sei der ostpreuhische Gauleiter der Rationalsozia- llsten, Koch, erschienen und habe gedroht, wenn nicht die berittene Polizei zurückgezogen würde wurde er sofort feine© 21. einfehen. Hierauf fei ihm bedeutet worden, dah er keine polizei- jid>en Funktionen hätte, sondern allein die Polizei. Koch habe darauf erklärt, er gebe eine Frist von fünf Minuten zur Entfernung der berittenen Polizei. 3hm sei gesagt worden, er werde festgenommen, wenn er sich nicht polizeilicher Mahnahmen enthielte. Da inzwischen genügend Polizei zu Fuß nachgerückt sei, fei die berittene Polizei nach und nach zurückgezogen worden. Die Maßnahmen hätten lediglich dazu gedient, eine ungestörte Durchführung bee> Vorbeimarsches zu gewährlisten. 25knn man sie von nationalsozialistischer Seite als Drangsalierung und Schikanierung aufgefaßt habe, so sei der Zweck der polizeilichen Mahnahmen völlig verkannt worden. Die nationalpolitische Bedeutung der Siedlung. Don Reichsminister a. O. Prof. D. Dr. Bredt. Der äußere Anlah zum Sturze des Reichs« kanzlers Dr. Brüning ist die Frage der Siedlung gewesen. Es bestanden längst tiefgehende Gegensätze zwischen ihm und den rechtsgerichteten Kreisen der ostdeutschen Grohgrundbesitzer, wie überhaupt das Kabinett Brüning mehr und mehr zu einem ausgesprochenen Kabinett der Linken geworden war. Träger der Opposition aber wurden mehr und mehr die agrarischen Kreise, vornehmlich im Norden und im Osten. Es ergab sich auch das groteske Schauspiel, dah die Partei des Landvolks in offene Opposition trat gegenüber dem Kabinett, dem zwei seiner Mitglieder als Minister angehörten, Schiele und S ch l a n g e » Schöningen. 2hm kam es zum Sturze des Kabinetts wesentlich über der Frage der Siedlung. Kein Mensch wird jemals bestreiten können, dah das Kabinett Brüning an Fürsorge für die Landwirtschaft das Möglichste getan und versucht hat. Die Zölle auf landwirtschaftliche Produkte haben eine Höhe erreicht, wie sie früher niemals für möglich gehalten worden wäre. Die ganze Schwierigkeit des Kabinetts beruhte überhaupt in letzter Linie daraus, daß es unmöglich war, gleichzeitig die Löhne und die Produktionskosten herabzusetzen, die Lebensmittel aber im Preise ständig zu erhöhen. 2lls sich nun herausstellte, daß die Verschuldung der Landwirtschaft trotz aller Maßnahmen immer weiter fortschritt, da blieb als letzter Ausweg nur der Gedanke an eine bäuerliche Besiedlung der Latifundien im Osten übrig. Hiermit sollte zunächst die Frage der Rentabilität der östlichen Landwirtschaft angeschnitten werden. Seit es nicht mehr möglich ist, die großen Güter nur mit den billigen ausländischen Wanderarbeitern zu bewirtschaften, muß die Frage der Siedlung naturgemäh in den Vordergrund treten, und schon seit 3ahrzehnten wird von wissenschaftlichen Kreisen die Siedlung als die einzig mögliche Lösung empfohlen. 3m übrigen ist die Siedlung auch in der neuen deutschen Reichsverfafsung, Artikel 155. als einer der wichtigsten Programmpunkte bezeichnet. Auch von nationalsozialistischer Seite wird eine große Agitation für die Siedlung betrieben. Die Frage hat aber auch ihre politische Seite. Gegenüber dem Andringen der Polen ist es not- toenöig, die Grenzgebiete int Osten mit einem leistungsfähigen, rein deutschen Bauernstand zu bevölkern, damit den Polen jede Aussicht schwindet, die dünnbevölkerten Latifundien im Osten jemals mit polnischen Bauern besiedeln zu können. Rur ein fest mit der Scholle verbundener Bauernstand kann die nationale und kulturelle Schuhwehr bilden, die wir im Osten brauchen. Nun stößt der Gedanke auf den begreiflichen Widerstand derer, die heute das Land besitzen das besiedelt werden soll. Trotz aller Klagen über mangelnde Rentabilität und wachsende Schulden wollen die Großgrundbesitzer ihren eigenen Boden behalten. Niemand wird ihnen das vom menschlichen Standpunkt aus verübeln, aber es kommt hier in erster Linie auf den nationalen Standpunkt des ganzen deutschen Volkes an. Wenn man heute die Lage überblickt, kann man nicht daran vorbeikommen, einen Vergleich zu ziehen mit einer ganz ähnlichen Lage in vergangenen 3ahren. Während des Krieges tauchte die Frage des preußischen Wahlrechts auf und wurde immer dringender. Das damals herrschende Dreiklaffen- Wahlrecht hatte den ostdeutschen Konservativen die Herrschaft im Preußischen Landtage verschafft und damit indirekt die Herrschaft nicht nur in Preußen, sondern auch im Reiche. 3eht sollte das allgemeine, gleiche Wahlrecht eingeführt werden, das ein Ende dieser Herrschaft bedeutete. Es war auch damals sehr begreiflich, daß die konservativen Kreise sich zur Wehr setzten, es war aber nicht gerade nützlich für die weiteren Geschicke des deutschen Volkes. Es war völlig klar, daß die heimkehrenden Krieger das all- gememe, gleiche Wahlrecht in Preußen verlangen würden, und mit vollem Rechte sagte damals der neuernannte Reichskanzler v.Hertling: -Das gleiche Wahlrecht kommt, es fragt sich nur, ob mit inneren Erschütterungen ober nicht!" Tatsächlich ist es gekommen mit schweren Er- chütterungen, denn die Ablehnung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts im Abgeordneten- Oaufe war der Beginn des kommenden Sturmes. 3etzt sind wir in einer ganz ähnlichen Lage. Das jetzige Kabinett v. Papen will nach aller Möglichkeit den Großgrundbesitz erhalten, und die neuen Minister entstammen zum großen Teile gerade jenen Konservativen, die 1917 das gleiche Wahlrecht ablehnten. Glaubt man jetzt im Ernste, der dringenden Forderung der Zeit mit mehr Erfolg gegenübertreten zu können, als damals? Man muh aber vor allem auch die nationale Frage im Auge halten. Aus dem Bauernstände nimmt das deutsche Volk feit undenklichen Zeiten ferne beste Kraft. Aus dem Bauernstände verjüngt sich ständig die Stadtbevölkerung. Es war eine wachsende Gefahr für Deutschland, dah die überschüssige ländliche Bevölkerung keinen Platz mehr sand im eigenen Elemente und sich immer mehr in die Stadt zog. 3eht öffnen sich weite 21kg_e für eine Sehhaftmachung jener bäuerlichen Bevölkerung auf dem Lande. Sollen wir jetzt aus diesem einzig möglichen Wege einen fünft- s'chen Halt machen? Lind weiter: Glaubt man ™ Ernste, Wahlen machen zu können mit 6™ mryrnmmL gegen bäuerliche Siedlung? Das tst bestimmt nicht der Fall, ebensowenig wie es SchWWng des Königsberger Stndenienlages komme. Hierauf Möglichkeit besprochen, den Streit we- and- Ann ui täten durch unmittel- Macdonald er- aber die Be- wurde die gen der L in den Gemeinde- Altenmittlau und einer Streife stieß ^^.tnöglich war, eine Politik zu treiben gegen dre Einführung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts in Preußen. Die Frage der Siedlung ist eine der wichtigsten in der heutigen Zeit, und dem deutschen Volke muh immer wieder vor Augen geführt werden, daß es sich dabei viel weniger um eine wirtschaftliche, als um eine eminent soziale und nationale Angelegenheit handelt. Folgen einer im Februar vorgenommenen Operation g e st o r b e n. Herbert Charles Plumer trat 1876 in die britische Infanterie ein und hat sich bereits im Sudan und während des Vurenkrieges ausgezeichnet. 3m Weltkriege führte er das 5. Armeekorps und später das englische Hilfskorps in Italien. Dann wurde er Oberbefehlshaber der 2. britischen Armee und nach Kriegsende Oberbefehlshaber der Aheinarmee in Köln. Von April 1919 bis 1924 war Plumer Gouverneur von Malta, und von Mai 1925 bis zu seinem Abschied im Iuli 1928 Oberkommisfar von Palästina. Waldungen Aeuses, Albstadt, Somborn zu bekämpfen. Bei heit. de Dalera beharrte auf seiner Forderung, daß das Schiedsgericht auch einen Auslands- Englisch-irischer Handelskrieg. Konferenz zwischen Macdonald und de Balera erfolglos abgebrochen. London, 16. Juli. (WTB.) Die ergebnislos gebliebene Besprechung zwischen Macdonald und iit. "ach dreistündiger Dauer um 23 r v» Pfunden. Wie verlautet, wurde zu- nachst die Frage der Einsetzung eines Schiedsgerichts zur Beilegung der Streit- fragen erörtert Hierbei ergab sich sofort eine grundsätzliche Meinungsverschieden- Jn der Nacht zum Freitag waren die englischen Zuschlagszölle auf irische Waren in Kraft g e - t r e t e^n. Da diese Maßnahme zu einem v ö l l i - gen S t o ck e n des englisch-irischen Handels geführt hat, hat der Aufsichtsratsoorsitzende der British and Irish Steam-PacketCompany erklärt, daß er seine Schiffe st i l l e g e n und die Besatzungen entlassen müßte, falls die Geschäftsflaute von längerer Dauer sein werde. Dem Senat des irischen Freistaates wird heute eine Notverordnung über Zolle unterbreitet werden, die auf Waren aus England gelegt werden sollen. Es handelt sich um eine Antwort auf die gleiche Maßnahme der britischen Regierung gegenüber der irischen Einfuhr nach Eng- Vertreter hinzuziehen müsse, während Macdonald auf dem bisherigen Standpunkt der britischen Regierung verblieb, daß nur ein Schiedsgericht aus Vertretern des Britischen Reichs in Frage Die preußischen und bayerischen Forstbeamten im Kreis Gelnhausen haben sich seit Wochen zu gemeinsamen Streifen zusammengeschlossen, um das Wildererunwesen Berufung von Professoren erhalten in der Weise, daß sie ein Veto gegen sittlich und national nicht qualifizierte Dozenten einlegen könne. Scharfe Worte richtete Krüger besonders gegen die Professoren Gumpel, Dehn und Vawiaski. Er er- fickte weiter, daß alle diese Reformen versuchsweise in Rostock durchgeführt werden sollten. Im Anschluß an seine Ausführungen wurde ern Antrag angenommen, wonach der Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft die Vorarbeiten zur Ausarbeitung und Durchführung des Veu- aufbaues leisten solle. Vach lebhafter Aussprache über die Frage des Führergedankens und über die Auffassung, ob ein föderalistisches oder ern diktatorisches System in der Studentenschaft Platz greifen solle, fanden die Wahlen des Vorstandes der Deutschen Studentenschaft statt. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Vorsitzender Krüger- Berlin, Vorstandsmitglieder: S ch i e ck e r t°Berlin, Weida u e r »Braunschweig, Grenzlandamt: Venk- n e r - Berlin, Hochschulreform: F e i ck e r t - Ham- bürg, Fachamt: Dr. Wend-Verlin, Langemarck- spende: Dr. Moka-Derlin, Leibesübungen: Weber-Berlin: Aelteste: Blahut-Wien, K r ö d e l - Leipzig, Schade-Hannover. Ein Ausschußbericht gab Kenntnis von den Beratungen über Verwaltungsfragen, nach denen der Kopfbeitrag mit 75 Pf. je Semester b e st e h e n bleibt. Der Ausschuß für Leibesübungen legte der Hauptversammlung eine Entschließung vor, die sich gegen den Vekordgedanken wendet und erwartet, daß alle Studentenschaften sich auf eine möglichst vielseitige Durchbildung einstellen. Im Ausschuß für Wirtschaftsund soziale studentische Arbeit bekannte man sich einmütig zu dem Gedanken des deutschen Arbeitsdienstes als Dienst der Iugend an Volk und Staat und empfahl bis zur Einführung der Arbeitsdienstpflicht den Regierungen, nur solche Abiturienten zum Studium an den Hochschulen zuzulassen, die vorherein Iahr im Arbeitsdienst gestanden haben. Berlin, 17. Iuli. (CVD.) Herriots Antwort in der Kammer in der er die Lausanner Regelung lediglich als Provisorium hinstellte, dessen Endgültigkeit von den Ergebnissen der S ch u l - denregelung mit Amerika abhänge, hat in den Berliner amtlichen Kreisen Aufsehen erregt, ist es doch höchst merkwürdig, daß Herriot unmittelbar nach der Lausanner Konferenz, auf der man doch allseits bemüht war, die großen entscheidenden Fragen mit dem gleichen Ernst zu bereinigen und sie einer endgültigen Lösung entgegenzuführen, nunmehr diesen Standpunkt einnimmt. Herriots Interpretation der Lausanner Regelung läßt sich jedenfalls nur schwer mit jenen Worten in Einklang bringen, die Herriot fand, als es nach langen Bemühungen gelungen war, einen Abschluß der Konferenz zu erzielen. Ebenso steht seine Ansicht, daß, wenn die Lausanner Regelung nicht endgültig würde der Voung ° Plan eben Rechtsgültigkeit behielte, in vollem Widerspruch zu dem Standpunkt der auf der Konferenz von ihm selber eingenommen wurde. Der Präsident der Lausanner Konferenz, Macdonald, erklärte in der Vollversammlung vom 8. Iuli ausdrücklich auf eine Anfrage des Reichskanzlers, daß vor irgendwelchen Maßnahmen eine neue Konferenz einberufen werden müßte. Diesen Standpunkt hat Macdonald erneut in seiner letzten Änterhausrede zum Ausdruck gebracht. Wenn man bedenkt, tote yvcy seinerzeit Herriot den moralischen Erfolg der Lausanner Konferenz schätzte, so erregt es zweifellos Befremden, daß der französische Ministerpräsident letzt eine Stellung einnimmt, die nachgerade geeignet sein wird, die von der Konferenz und ihrem Ergebnis erwarteten psychologischen Wirkungen, die letzten Endes der gesamten Wirtschaft zugute kommen, abzuschwächen, wenn nicht gar vollkommen aufzuheben. In Berliner amtlichen Kreisen werden daher Herriots Aeußerungen mit Bedauern ausgenommen, weil sie mit der in Lausanne so heiß umkämpften Linie der i nter- nationalen Politik nicht in Einklang zu bringen sind. Eine zweite Brüning-Rede in Frankfurt. Frankfurt a.M., 17. Juli. (WSN.) Mit einer Brüning-Kundgebung im Hippodrom eröffnete am Sonntag die Zentrumspartei den Wahlkampf in Frankfurt a. M. Da infolge des in dieser Woche stattfindenden Sängerbundesfestes die Frankfurter Fcsthalle den politischen Parteien nicht zur Verfügung steht, mußte man sich mit dem zirka 6000 Personen fassenden Saal im Hippodrom begnügen, der aber schon lange vor Beginn der Versammlung von der Polizei gesperrt werden mußte. Es fand daher noch eine zweite Versammlung im Saalbau statt. Dr. Brüning rechtfertigte seine Politik als Reichskanzler und die schweren Opfer, die dem Volke während dieser Zeit auferlegt werden mußten. Die Regierung, die dem Reichspräsidenten eine Verordnung auf Grund des § 48 der Reichsverfassung zur Unterschrift vorlege, müsse mindestens den Mut ge- habt haben, sich wenigstens einmal dem Parlament zu stellen und zu versuchen, innen- und außen- politisch zu zeigen, welche Kräfte in Wirklichkeit hinter ihr stehen. Das sei bei der Regierung von Papen nicht klar. Die Rechte werde das Abkommen von Lausanne nicht unterzeichnen; wenigstens nicht, solange der Wahlkampf im Gange < fei. Dr. Brüning wies dann energisch die Behaup- | tung zurück, daß er seinerzeit durch den Staatssekre- tär Bergmann den Feindmächten noch ein höheres Angebot als Schlußzahlung der deut- schen Regierung gemacht habe. Im kommenden Reichstag werde sich die Rechte auch darüber klar werden müssen, wie sie mit der Politik der Regie- rung von Papen gegenüber Oesterreich, das man jetzt, wenigstens für die nächsten 20 Jahre, fallen gelassen habe, einig werde. Der Redner machte dann der gegenwärtigen Regierung zum Vorwurf, daß sie in Lausanne Abmachungen getroffen, ohne vor allen Dingen die Gleichberechtigung Deutschlands durchgesetzt zu haben. Die neue Regierung scheine aber zu hoffen, daß wechselseitig für ihre Außenpolitik und für Innenpolitik eine Mehrheit zu erzielen fei. Die Zentrums- Partei werde den Weg einer sachlichen und verantwortungsbewußten Politik weitergehen, ob sie sich in der Regierung befinde, ober, wie gegenwärtig in der Opposition verharre. Die Partei sei an diesen Wea gebunden auf Grund ihrer Weltanschauung. Dieser Weg werde sich in Deutschland eines Tages doch durchsetzen. Wenn aber als Parallele zur Zentrumspartei eines Tages eine von gleicher christlicher Weltanschauung getragene Partei des d eu t s ch e n Protestantismus entstehen wurde, dann wäre das Zentrum unter den ersten, die diese Partei begrüßen würde, denn dann wäre die deutsche Frage gelöst. Ein Wahlaufruf des GOA. Berlin über Herriots Auslegung befremdet 3m Widerspruch mit der Linie von Lausanne. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 18. Iuli 1932. Bewundert viel und viel gescholten ... vom Geiste der Medizin^ Im Goethesahr ein Goethewort! ... Doch nicht die schiefe Wahrheit des teuflischen Zynikers, der trotz allem den Geist der Medizin nicht faßt, weil ißm ihre tiefste Wurzel, die helfende Liebe unfaßbar bleibt. Aber doch ein Goethewort; zwar nicht dem Arzt zugedacht, aber auf ihn passend: »Bewundert viel und viel gescholten ." Wer aus eigenem Antriebe den' Arzt aufsucht handelt im ursprünglichsten, nicht tadelnden Sinne des Wortes eigen-nützig, zum Wohl der eigenen Person. Sein Eigenwohl ist ihm dabei ausschlaggebend. Vur in den seltenen Zeiten seelischer Hochspannung können Massen unter Zurückdrängung von Einzelwünschen als Volk gemeinsamen hö^ren Zielen nahegebracht werden. Im Alltagstrott ist fast jeder so fest in eigene Sorgen eingesponnen, daß er sie als das wichtigste auf der Welt behandelt wissen will. Vicht ganz zu Unrecht ist dem Menschen solcher Wunsch eingeboren. Mit Sorgen und Freuden, mit Krankheit und Gesundheit, mit Schaffenskraft und Arbeitsunfähigkeit ist schließlich die Gesamtheit ter Menschen der Baustoff, aus dem sich das Volk bildet. So dient letzthin jeder dem Ganzen, wenn er auf seine eigene Erhaltung bedacht ist. Darüber aber herrscht wohl Einstimmigkeit, daß ter Mehrzahl der Menschen die Erhaltung der Gesundheit am höchsten steht. Und da es den meisten nicht gelingt, aus eigener Kraft gesund zu bleiben oder oder gesund zu werden, so spielt in der Aufrechnung ihres Lebens ter Arzt eine wichtige Rolle. Gesund werten, geheilt werten will jeder ... ein begreiflicher Wunsch, und doch gar zu häufig nicht erfüllbar. Wen trifft die Schuld daran, wenn die Krankheit sich mächtiger erweist als das Heilungsbestreben? weit ist ter Arzt dafür verantwortlich? Cs wird viel zu oft übersehen, oder bei vorhandener Einsicht nicht genügend berücksichtigt, daß die Lebensvorgänge in ihrer Ganzheit nicht auf einfache physikalische und chemische Formeln zu bringen sind. Man kann nicht alles mit dem Schlagwort »Harnsäure" oder »Dlutreinigung" oder „Sauerstoffmangel" erklären und heilen wollen. Immer zarter verwickelter enthüllen sich die Ote- ziehungen, die das Wirken des einen Organs an das der anderen und an das Gesamtwesen knüpfen. Innere Absonderungen von Organen, von Organteilen, fast kann man sagen von kleinsten Zellverbänden üben entscheidende Einflüsse auf wichtigste Lebenstätigkeiten, auf die Schlagfolge des Herzens, auf die Spannung ter Blutgefäße, auf die verstärkende oder abwehrende Absonderung anderer ebenso wichtiger Säfte aus. Von ihnen hängt es ab, ob Vervenzellen und -stränge auf empfangene Reize ansprechen und sie weiterleiten; aber ebenso kann umgekehrt die seelische Verfassung dahin wirken, daß jene körperlichen Vorgänge ganz anders zur Geltung kommen, als sie ter Arzt in feinen Heilplan eingesetzt hat. So ist das ärztliche Hanteln vielfach von Bedingungen abhängig, deren endgültige Gestaltung nicht immer in feiner Hand liegt oder in ihrem Ergebnis vorauszusehen ist. einer ter Beamten mit einem Wilderer zusammen. Der Wilderer hatte.fein Gewehr in der rechten Hand schußbereit. Der Forstbeamte forderte den Wilderer dreimal auf, die Waffe wegzuwerfen. Dieser leistete ter Aufforderung des Beamten keine Folge und sprang mit schußbereitem Gewehr in den nächsten Dusch. Der Beamte, ter ohne Deckung war, mußte von seiner Waffe Gebrauch machen und verletzte den Wilderer am rechten Oberschenkel. Auf dem Transport ins Krankenhaus isterseinenVerlehungenerlegen. Schwere Dynamilexplosion in Transvaal. — Acht Take. Bei einer schweren Dhnamitexplosivn tourten in ter Vähe von Maquassi (Transvaal) 8 Personen getötet. 312 Tonnen Dynamit, die mit ter Eisenbahn nach dem „Goldrand" befördert wurden, entzündeten sich aus bisher noch unbekannter Arsache. Die furchtbare Detonation tourte in meUentoeitem Umkreis gespürt. Die 34 Wagen des Güterzuges tourten aus den Geleisen/ geworfen. Wie durch ein Wunder blieb die Maschine unbeschädigt. Mit furchtbarer Gewalt riß die Explosion einen 15 Fuß tiefen und 300 Meter langen Graben in die Erde. — Zu der Explosion werten noch folgende Einzelheiten berichtet: Die 8 Toten sind drei Kinder, eine Frau, ein Dorfschullehrer, zwei Eingeborene und der Zugführer. Die Explosion erfolgte gerate in dem Augenblick, als der Zug die Ortschaft Leeuwdooms, 250 Kilometer von Kimberley, passierte. Die Getöteten waren mit Ausnahme des Zugbegleiters Einwohner von Leeuwdooms, die die Durchfahrt der „größten Dynamitsendung der Welt" hatten ansehen wollen. Ein 150 Meter von ter Explosionsstelle entfernt stehendes Haus wurde völlig zerstört, wobei die Bewohnerin den Tod fand. Die Zerstörung aller Tele- graphen - und Telefonleitungen in ter Umgebung der Katastrophe hat den Vachrichtenverkehr sehr behindert. Schießunglück auf einem italienischen Kreuzer. — Drei Tote, 13 verletzte. Während einer Schießübung mit Flugabwehr- geschähen auf dem Kreuzer „Triefte" explodierte eine Granate vorzeitig kurz nach dem Verlassen des Geschützes. Drei Artilleristen wurden getötet und 13 Mann ter Besatzung verletzt, darunter drei schwer. Zwei Tote auf einer Autorennbahn. Auf der belgischen Automobil-Rennbahn in Spa hat sich beim Training für ein großes Rennen ein schweres Unglück zugetragen. Der bekannte Aachener Motorrad-Rennfahrer Iecker stieß in einer Trainingsrunde mit einem italienischen Fahrer zusammen. Der Italiener war auf der Stelle t o t. Iecker fta r b nach kurzer Zeit an schweren inneren Verletzungen. Der britische Feldmarschall Lord Plumer f. Der britische Feldmarschall Lord Plumer ist in London im Alter von 73 Iahren an den Gewiß kann ter Arzt aus seiner und feiner De- rufsgenossen Erfahrung heraus das Eintreten dieser oder jener Erscheinungen mit einiger Wahrscheinlichkeit erwarten. Aber je großer feine Erfahrung ist, um fo vorsichtiger wird er in feinen Voraussagen sein. Versprechungen ohne Vorbehalt sind noch immer das sicherste Erkennungszeichen des Quacksalbers! So wird man nur in ten seltensten Fällen dem Arzte mit Recht einen Kunstfehler vorwerfen dürfen, wenn seine Behandlung nicht den gewünschten Erfolg hat. Selbst- verftqndlich kann und muß dabei vorausgesetzt toerten, daß der Arzt in. ter Erkennung und Behandlung ter Erkrankung mit aller ihm zu Gebote stehenden Sorgfalt und mit Aufbietung seines ganzen Könnens gearbeitet hat. Verhältnismäßig übersichtlich ist der Anteil ter ärztlichen Arbeit am endgültigen Ausgang bei chirurgischen Eingriffen. Aber auch auf diesem Felde sind dem ärztlichen Erfolge oft enge Grenzen gesetzt. Selbst wenn man von den Fällen ab- sicht, in denen die Art des Leitens, etwa eine nicht mehr völlig zu beseitigende Krebsgeschwulst oder eitrige Entzündungen an lebenswichtigen Körperteilen die Heilung vereiteln, können nicht zu vermeidende Zwischenfälle nach gelungener Operation (Dlutgefäßverstopfungen, Lungenentzündung) die berechtigte Hoffnung auf Genesung vernichten. In sehr viel höherem Grate greifen diese dunklen, unheilvollen Gewalten bei Krankheiten ein, die nicht durch äußere Eingriffe beseitigt werten können. Da wird ein älterer oder schwächlicher Mensch von einer anscheinend leichten Grippe gepackt. Vorsichtshalber verabreicht der Arzt herzanregende Arzneien, die in ähnlichen früheren Fällen gute Dienste geleistet haben. Aber in diesem einen Falle versagt das Herz! Schuld des Arztes? Vein. Abgenützte Körperteile können wohl zeitweise wieder etwas aufgefrischt, aber nicht dauernd wieder jugendkräftig gemacht werden. Das Naturgesetz, das allem Gewordenen unerbittlich auch ein Ente bereitet, läßt sich nicht beiseite schieben. Ieder Mensch gibt diese banalste Wahrheit ohne weiteres zu. Vur für sich selbst glaubt er ihr entschlüpfen zu können, wenn er das Nahen des Alters spürt. And wenn dann die ärztliche Kunst nur Linderung ter Beschwerden, aber keine neue Iugendkrast, keine wiederkehrente Arbeitsfähigkeit schaffen kann, dann wird unter ärgerlichem Kopfschütteln das Können des Arz- »Bewundert viel und... mehr ge» choltenl Darin liegt die Tragik des ärztlichen Berufes, daß der Arzt kraft seiner beruflichen Erfahrung weiß, tote enge nie wesentlich zu beseitigende Schranken ihm das Wunder des Lebens zieht und oav er trotz des Wissens darum immer wieder im Helfer dr ang gegen sie anzurennen versuchen muß. Das ist in Wahrheit der Geist der Medizin, daß „ in helfender Liebe nach Menschenmöglichkeit Leid zu lindern sucht, aber dabei sich bewußt bleibt, daß Leid und Tod so notwendig zum Leben gehören wie Schatten zum Licht. Berlin, 16. Juli. (CNB.) Der Gewerkschafts- bund der Angestellten fordert in einem Ausruf alle deutlchen Angestellten auf, nur den «Parteien ihre Stimme zu geben, die sich nicht in Gegensatz stellen Su den sozialen und wirtschaftlichen Kampfzielen, wie sie die freiheitlich-nationale Gewerkschaftsbewegung auf ihre Fahnen geschrieben hat. Grundlage dieses Kampfes muffe stets die politische und kulturelle Freiheit sein, die nur im sozialen, freiheit- liehen Dolksstaat gesichert ist. Folgende Grund- forderungen werden herausgestellt: Soziale, gerechte Lastenoerteilung; dazu ist notwendig die Auf- Hebung der Notverordnung vom 14. Juni und die Heranziehung aller.in der Wirtschaft verdienenden zu ausreichender Unterstützung der schuld- los Erwerbslosen; Erhaltung der vollen Selbstän- digkeit der Angestelltenversicherung; Schluß mit dem wirtschastszerstörenden Gehalts- und Lohnabbau, der die Massenkaufkraft zerschla- gen habe; Ausbau des Tarifoettragsrechtes und der Schlichtungsordnung. Sicherung gegen neue Preisdiktate der Kartelle und Truste durch Kontrolle aller preis- und marktbeeinflussenden monopolartigen Gebilde; radikaler Bruch mit der freigebigen Suboentionspolitik. Weiter wird unverzügliche Inangriffnahme eines großzügigen öffentlichen Ar- beitsbefchaffungsprogrammes noch vor dem Winter verlangt; Führung der Handelspolitik nach ten Erfordernissen der deutlchen Gesamtwirt- schaft; beschleunigte Besiedlung des men- schenleeren O st raumes; freie Bahn für den Mitgestaltungswillen ter Arbeitnehmer in der i Wirtschaft. OieHastentlaffung des Abg.Hammann. D a r m st a d t, 16. Iuli. (Amtlich.) Einige Blätter hatten behauptet, daß für die Haftentlassung des kommunistischen Landtagsabgeordneten Ham- mann allein Staatspräsident Adelung verantwortlich fei, da er, obwohl die vorherigen Instanzen, darunter auch der Referent im Iustizministeriuni, Ministerialdirektor Veu- roth, die Freilassung ablehnten, völlig selbständig dafür eingetreten sei und H. damit das Erscheinen im Landtag ermöglicht habe. Diese Behauptung wird an amtlicher Stelle als völlig un- wahr bezeichnet. Richtig sei vielmehr, daß es die einmütige dem Herrn Staatspräsidenten durch Ministerialdirektor V e u r o t h zum Vortrag ge- brachte Meinung des Iustizministeri- u m s war, daß dem wegen eines politischen Vergehens in Haft befindlichen Abgeordneten Ham- mann zur Ausübung einer öffentlichen Funktion Strafunterbrechung e b e n s o zu gewähren fei, wie fiejedemandernStrafgefangenenaus einem wichtigen Anlaß auch stets genehmigt wird. Die Behauptungen in ter Meldung über die Rolle des Staatspräsidenten und die Auffassung des Ministerialdirektors Veuroth in dieser Frage entbehren also jeder Grundlage. Aus aller Welt. Omnibus rast gegen ein Haus. — 14 verletzte. 2(uf der abschüssigen Straße Singhofen — Berg. Nassau ereignete sich ein schweres Omnibus« unglü ck. auf einem Frankfurter Ausflugswagen, der mit 40 Personen besetzt war, versagten die B r c mje n. Dem Wagenführer gelang es noch, eine scharfe Kurve zu nehmen und in eine langsam ansteigende Seitenstraße zu lenken. Dabei rannte der Wagen gegen die Stützen eines Hauses und knickte diese um. Dann fuhr er mehrere Meter weiter und gegen gegen die Eckwand eines zweiten Hauses. Durch den Anprall wurde das Auto schwer b e = schädiat. 14 Insassen mußten mit mehr oder minder schweren Verletzungen dem Krankenbaus zugeführt werden. Die beiden Häuser wurden so stark beschädigt, daß die Feuerwehr sie ab- stützen mußte, um die bestehende Einsturzgefahr zu beseitigen. Lin Jorffbeamter erschießt in der Notwehr einen Wilddieb. bare Verhandlungen beizulegen. klärte sein Einverständnis, stellte ____ ...__ dingung, daß die Teilzahlung, die am 30. Juni fällig war, g e l e i st e t werden müsse, da sich eine etwa zu erzielende Vereinbarung nur auf künftige Zahlungen beziehen könne. Davon wollte de Dalera nichts wissen, worauf die Verhandlungen a b - gebrochen wurden. Königsberg, 16. Iuli. (TA.) Am Samstag fand die letzte Vollsitzung des 15. Deutschen Studententages statt. Der Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft, Krüger, Berlin, sprach über die Hochschulpolitik im Rahmen der Gesamtpolitik. Aufgabe ter Hochschulpolitik sei es, nicht nur geistig, sondern auch praktisch Vorläuferin und Wegbereiterin neuer Ideen in der | großen Politik zu sein. Der Redner streifte dann die Fragen der Auslandarbeit und der Außenpolitik. Anschließend kam er auf die neuen Aufgaben der Studenten zu sprechen. Die Uni- versität Rostock werde mit Genehmigung des neuen mecklenburgischen Staatsministeriums zum ersten Male den Versuch machen, die von der Studentenschaft angestrebten Reformen durchzuführen. Bei Besprechung der Richtlinien für den Umbau der Deutschen Studentenschaft betonte Krüger, daß der grohdeutsche Gedanke im Vordergrund stehen müsse. Vor allem müsse das Führerprinzip vertreten werden, wonach ein verantwortlicher Mann die Studentenschaft führen solle. Als Kontrollorgan würden die d r e i Aeltesten bestehen bleiben. Die Kreisleiter würden von dem Führer der Studentenschaft ernannt und abberufen. Die Leiter der Einzelstudentenschaften würden bei ihrem Rücktritt ihre Vachfolger ernennen, die durch den Kreisleiter bestätigt werden müßten. Die von den Führern der Einzel- stutentenschaften ernannten Amtsleiter bildeten Kammern, die als beratendes Organ fungierten. Eine Vollversammlung in der Einzelstudentenschaft würde im Semester einmal berufen, einmal im Iahre trete der deutsche Studententag zusammen. An die Stelle der Hochschulautonomie solle die Selbstverwaltung der Hochschule treten. Es würde eine rein studentische Kammer an jeder Hochschule gebildet werden, an deren Sitzungen zwei Vertreter des Senats be ratend teilnehmen sollen. Diese Kammer habe das Recht der schwersten Strafen, u. a. auch der Verweisung von der Hochschule. Die Berufungsinstanz sei eine paritätisch aus Studenten und Dozenten zusammengesetzte Kammer. Die Studentenschaft müsse auch Einfluß auf die Taten für Montag, 18. Juli. 1864: die Dichterin Ricarda Huch in Braunschweig geboren; — 1870: Verkündigung des päpstlichen Un- fehlbarkeitsdogmas auf dem Vatikanischen Konzil in Rom. Vornotizen. — Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Lied — ein Kuß — ein Mädel". — DasRomanischeSeminarder Universität veranstaltet auch in diesem Sommer wieder einen Vortrags- und Theaterabend. Zum Vortrag gelangen französische Lieder und Gedichte sowie italienische und spanische Gedickte. Ferner gelangen zwei französische Theaterstücke zur Aufführung. Der Reinertrag der Veranstaltung, die am Mittwoch, 20. Juli, im Musiksaal des Realgymna- siums stattfindet, soll der Gießener Studentenhilfe zugeführt werden. Näheres ist aus der heutigen An- zeige ersichtlich. — Eine öffentliche Kundgebung der NSDAP, findet morgen, Dienstag, abend im Cafö Leib statt. Es werden sprechen Unioersitätsprofessor Kade (Hamburg) über „Völkische Schulreform" und Reichstagsabg. Ringshausen über „Volkswille und Rcichstagswahl". (Siehe heutige Anzeige.) •• W i t dem M^> torrad gestürzt. Gestern früh morgens kam in der Sicher Straße, in der Nähe der Bahnüberführung der Strecke Gießen—Fulda, der Motorradfahrer Otto Römer aus Wieseck infolge Rutschens seiner Maschine zum Sturz. Der bedauernswerte Mann erlitt dabei einen Bruch des linken Unterarmes. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz leistete dem Verunglückten die erste Hilfe. ** Keine öffentlichen Wahlkund - gedungen in Frankfurt während des Sängerbundessestes. Während des Sänger- bundesfestes werden in Frankfurt alle politischen Umzüge und öffentlichen Kundgebungen unter freiem Himmel verboten werden. Das Verbot wird sich auf die Zeit vom 21. bis einschließlich 26. Juli erstrecken. Damit ist die Gewähr gegeben, daß das Sänger- bundesfest keine Beeinträchtigung durch den Wahlkampf erfahren wird. •• Der Geflügel- und Dogelzucht- ve re in Gießen undLlmgegend 1897 « 77 vielt, wie man uns berichtet, im .Pfälzer Hof seine außerordentliche Generalversammlung ab, die gut besucht war. Der erste Vorsitzende August Felsing leitete die Versammlung, die sich hauptsächlich mit der bevorstehenden Ausstellung beschäftigte. Die diesjährige Subiläums- Schau aus Anlaß des 35jährigen Bestehens des Geflügel- und Dogelzuchtvereins Gießen findet vom 21. bis 23. Oktober in sämtlichen Räumen der Liebigshöhe statt. Die Ausstellungsleitung liegt in den bewährten Händen der Herren August Schwan, Ehrenvorsitzender, und August Felsing, 1. Vorsitzender. Die Hamen dieser beiden Herren bürgen dafür, daß trotz der großen wirtschaftlichen Rot, unter der auch die Geflügelzüchter zu leiden haben, doch eine Ausstellung veranstaltet wird, die den Wünschen der Aussteller in jeder Weise Rechnung tragen wird. Aus Anlaß des 35jährigen Bestehens stiftete der Geflügelzuchtverein 10 Ehrenpreise. Die Vorarbeiten zur Ausstellung sind durch den Vorstand schon gut vorangebracht worden. Die Lokal- und Preisrichterfrage ist abgeschlossen. Der Vorstand ist bestrebt, eine Ausstellung zu veranstalten, die sich würdig den früheren Ausstellungen anreihen kann. Alle Anfragen sind an den 1. Vorsitzenden August Felsing, Gießen, Marktstrahe 22, zu richten. Die Ausstellung findet umständehalber sehr frühzeitig statt und ist als eine Vorschau für die beginnende Ausstellungssaison zu betrachten, so daß jeder Züchter Gelegenheit hat, sich zeitig über die Qualität seiner Tiere zu unterrichten. Rur erstklassige Preisrichter haben das Richteramt Übernommen. Die Prämiierung wird nach den Vorschriften des DDG. vorgenommen. Rachdem die Wahl der verschiedenen Ausschüsse vorgenommen worden war, fanden noch einige Reuaufnahmen von Mitgliedern statt. Der 1. Vorsitzende dankte sodann den Mitgliedern für das dem Verein entgegengebrachte Interesse und bat, auch weiterhin und speziell bei der Ausstellung dem Verein die Mitarbeit nicht zu versagen, damit eine in jeder Weise würdige Ausstellung veranstaltet werden kann. SJ.-fpor/ Universitäts-Meisterschaft im Kleinkaliber schießen. Dieser Tage wurde die Meisterschaft der Universität im Kleinkaliberschießen ausgetragen. Ausgeschrieben waren 15 Schuß in den drei Anschlagsarten (stehend, knieend oder sitzend, liegend) auf die Entfernung von 50 Meter. Die Beteiligung der Studierenden war gut. Für den Mannschaftskampf waren 10 Mannschaften gemeldet, außerdem eine Anzahl von Einzelschüßen. Den Mannschaftssieg errang die Turnerschaft Hasso-Nasjovia mit der Mannschaft: E. Hirzel, W. Hirzel, O. Jüngst, F. Schmidt mit 478 Ringen, gefolgt vom Corps Siloania, dos den Wanderpreis in diesem Jahre an die Hessen-Nassauer abgeben mußte. „Siloania" wurde 2. mit 445 Ringen, Burschenschaft „Germania" 3. mit 441 Ringen, 4. wurde „Frankonia" und 5. „Mero- oingia". Den Mehrkampf für Einzelschützen und den dafür gestifteten Wanderpreis errang cand. med. G. Janke (Corps Silvania) mit dem guten Ergebnis von 152 Ringen. Zweiter wurde stud. Schilling (Adelphia) mit 148 Ringen. Olympia — einst und jetzt. Oie kulturelle und religiöse Grundlage des olympischen Gedankens. Die Welt rüstet sich in diesen Tagen, die Olympischen Spiele in Los Angeles feierlich zu begehen Gegründet in dem Gedanken, eineu gemeinsamen Mittelpunkt für d i e Sportbewegung in allen Landern zu schaffen und die Reinheit des Wettkampfgedankens zu verbürgen, knüpfen die modernen olympischen Spiele unmittelbar an die große Tradition an, die die Griechen geschaffen haben. Freilich unterscheiden sie sich in einigen wichtigen Punkten sehr wesentlich von den antiken epielen. Aber gerade darum lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Aus seiner Landschaft, aus seinem Volkstum, aus feiner Religion heraus hat sich das griechische Volk seine großen Nationalspiele geschaffen. Infolge der Vielgestaltigkeit seines Landes und der politischen Zerrissenheit seiner Stämme vermochte dieses Volk nur selten den Gedanken eines einheitlichen und großen Griechenlands zu denken — die olympischen Spiele waren lange Zeit das einzige einigende Band, das die ungebärdig auseinanderstrebenden griechischen Stämme ju- sarnmenhielt. pia zum Austrag gebracht wurden. Dichter, Redner, Philosophen, Komponisten eilten dorthin, um den versammelten Griechen ihre Werke zu Gehör zu bringen. Dieses Vorbild gab die Veranlassung, im Jahre 1912 auch bei den modernen Olympischen Spielen Preise für Architektur, Bildhauerei, Malerei, Literatur und Musik einzusühren. Welche Stellung die Olympischen Spiele im griechischen Leben einnahmen, ergibt sich wohl am besten aus der Tatsache, daß die Zeitrechnung der Griechen auf sie gegründet war. Den Zeitraum von vier Jahren, der zwischen den einzelnen Spielen lag, bezeichnete man als eine Olympiade und nahm als Ausgangspunkt die Olympischen Spiele des Jahres 776 o. Chr. an. Don jeher haben die Menschen gerne religiöse Ereignisse zum Ausgangspunkt ihrer Zeitrechnung gewählt. Schon die Tatsache allein, daß die Griechen nach Olympiaden rechneten, legt die Vermutung nahe, daß zwischen diesen gro- ßen Nationalspielen und dem religiösen Denken in Griechenland ein enger Zusammenhang bestand. Schon in den frühesten Zeiten finden wir bei den Griechen eine begeisterte Freude an allen Arten körperlicher Wettkämpfe und eine hohe Wertschätzung der Sieger, die aus ihnen hervorgingen. fr \i Selbst kriegerische Verwicklungen mit dem Auslande gaben kein Recht, die Spiele ausfallen zu lassen. Berühmt ist das Wort eines persischen Heerführers zu seinem König, als er erfuhr, daß die Griechen auch in der Not der Perserkriege in Olympia ihre Spiele abhielten: „D weh Mardonios! Gegen welche Leute führst du Krieg! Gegen Menschen, die nicht um Geld, sondern um die Ehre kämpfen." Es waren nicht nur Wettkämpfe sportlicher Art, sondern auch Wettkämpfe des Geistes, die in Olym- Dle Pflege der Leibesübungen hatte aber trotzdem niemals in den zentralen Bereich der griechischen Kultur einrücken können, wenn sie nicht im religiösen Denken ihre Verankerung gefunden hatte. Ihre Götter und Helden waren ja nichts anderes, als idealisierte Menschen und darum war es für die Griechen unvorstellbar, daß diese an den Wettkämpfen nicht die gleiche Freude haben sollten, wie Das olympische Ideal des klassischen Altertums. — Links: „Der Disku sw erfer oo n Myron"; rechts: „Der Schaber", eines der schönsten Werke griechischer Plastik. die Menschen. Man zollte den Göllern Verehrung durch die großen griechischen Nationalspiele in Olympia Nicht nur der Boden, auf dem diese Spiele stattsanden, war heilig und geweiht, auch die gesamte Durchführung der Wettkämpfe vollzog sich nach einem genau fe ft gelegten religio- (en Zeremoniell, angefangen von der Wall- fahrt in das heilige Gebiet und dem olympischen Schwur, bis zur feierlichen Bekränzung der Sieger. Heute erscheinen uns vielleicht die überschwenglichen Ehren, die den olympischen Siegern zuteil wurden, als unverständlich übertrieben. Die Lösung dieses Problems liegt wiederum einzig und allein in dem religiösen Denken begründet. Ein Zweig von dem gottgeweihten Baume erklärte den Sieger zu dem beglaubigten Liebling der Gottheit und rückte ihn damit, ähnlich den Heroen, in eine besondere Nähe der Ueberirbrfdjen. In dem religiösen Glauben tief verankert, sind die Olympischen Spiele die Seele der griechischen G y m n a st i k geworden, die ohne sie niemals zu einer so hohen kulturellen Bedeutung hätte gelangen können. Nach den grundlegenden Untersuchungen des großen Archäologen Furtwängler steht heute über jeden Zweifel erhaben fest, daß die griechische Plastik ohne die körperliche Erziehung, wie sie in der Antike durchgeführt wurde, undenkbar ist. Die Griechen haben als das erste Volk der Geschichte die Pflege bet Leibesübungen planmäßig ausgebaut: ber Gesamtheit ber körperlichen Hebungen gaben sie den Namen „Gymnastik". Dieses Wort verdankt seinen Ursprung dem Umstande, daß die ßeibesübun- gen in Griechenland ohne Bekleidung ausgeführt wurden; die Künstler hatten also Gelegenheit, auf den Sportplätzen und in den „Gymnasien" bas Muskelspiel harmonisch durchgebilbeter Körper zu beobachten unb bort Anregungen zu ihrem Schassen zu empfangen. In ber älteren Kunst, wie wir sie beispielsweise bei ben Aegyptern finden, machen alle plasttschen Darstellungen des Menschen einen völlig' unbewegten, ja beinahe versteinerten Eindruck. Es ist das ganz große Verdienst ber griechischen Kunst, bie Darstellungen des menschlichen Körpers aus biefer Starre befreit und lebendige Bewegung in ihre marmornen Plastiken gebracht zu haben. Diese Bewegung ist mehr als eine rein kör- perliche: aus ben Werken ber griechischen Plastiker sprechen seelische Werte, Frische und Kraft, Mut unb Entschlossenheit, Energie und Freiheit 3if uns. Es kann heute keinem Zweifel mehr unterliegen, baß bie griechischen Künstler in ihren Darstellungen von Göttern unb Helden, von Königen und Staatsmännern, kurz in jeder Darstellung des unbekleideten menschlichen Körpers bas gymnastische Äörperibeal gestaltet haben. Der Einfluß bes harmonisch burdjgebilbden männlichen Körpers ging übrigens so weit, daß lange Zeit in der Plastik auch der weibliche Körper nach diesem Ideal gebildet wurde. und daß es verhältnismäßig lange bauerte, bis man ber weiblichen Eigenart in ber bilbenben Kunst wirklich gerecht wurde. So verdankt die griechische Stunft ihren Fort- schritt unb ihre Vollenbung in erster Linie ber griechischen Gymnastik. Aber wie bie griechische Kunst undenkbar ist ohne bie planmäßige Pflege ber Leibesübungen, so wäre auch bie Entwicklung der griechischen Gymnastik ohne bie Olympischen Spiele unmöglich gewesen. So gewann dieses große griechische Nationalfest größte Bedeutung für bie Kultur ber ganzen Menschheit unb hat biese Bebeutung behalten — heute wie einst. Gerade in unserer Zeit, in ber sich die Gegensätze zwischen den Völkern so besonders stark fühlbar machen, können bie neu zum Leben erweckten olympischen Spiele bazu beitragen, ein einigenbes Band um alle Nationen zu flechten, deren Vertreter sich im friedlichen Wettkampf gegenüberstehen — fern von allen politischen und wirtschaftlichen Streitfragen des Tages. Dr. Ludwig (Englert Deutschlands großer Daviscupsieg. Oie Italiener 5:0 geschlagen. Sie erkämpften den Sieg: Gottfried von Stamm und Daniel Prenn. Bezirksfest des 3. Bezirks im Arberier-Turn-- und Sporibund. Der 3. Bezirk im Arbeiter-Turn- und Sportbund hatte feine Turner, Turnerinnen, Sportler und Sportlerinnen zur Austragung von Wettkämpfen nach Großen-Linben aufgefordert. Bereits am Samstagnachmittag begannen die leichtathletischen Wettkämpfe. Kurz nach 18 Uhr kam bas Enbspiel um bie Festmeisterschuft im Fußball zwischen ben Mannschaften von Naunheim unb Wieseck zum Austrag. Sieg unb Titel fiel an bie Wiesecker Mannschaft. Der Sams- tagabenb war der Begrüßung ber bereits erschienenen Wettkämpfer gewidmet. Ferner fanden noch Vorführungen von Abteilungen unb Vereinen statt, bie auf beachtlicher Höhe stanben. Das Bezirkstrommlerkorps trat mit fast 100 Mann an unb wartete mit schneibigen Märschen auf. Die Vereine Lollar, Launsbach, Heuchelheim, Wieseck unb besonders der Rabfahreroerein „Solidarität" Gro- ßen-Linben" boten hervorragende Leistungen. Besonderer Erwähnung bedarf die Bezirksriege, die an Barren und Pferd prächtige Uebungen zeigte. Am Sonntagmorgen wurden Wettkämpfer und Bevölkerung durch das Bezirks-Trommlerkvrps wachgerufen. Bereits um 7 Uhr wurden bie leichtathletischen Wettkämpfe fortgesetzt, benen sich bie Wettkämpfe ber Geräteturner und Turnerinnen, sowie die Fußballer anschlossen. Nahezu 600 Teilnehmer traten zu allen Wettkämpfen an. Auch hier wurden sehr gute Leistungen geboten unb viele Bestleistungen erzielt. Um Mittag fanben bie Wettkampfe ihr Enbe. Gegen 13 Uhr bewegte sich bann der Festzug durch den Ort. Voran das Bezirks- trommlerkorps, bie Fahnengruppe unb bie Sportlerinnen unb Sportler in ihrem bunten Dreß. Im Anschluß baran marschierte das Trommlerkorps des Reichsbanners Gießen unb in langem Zuge folgten bie Bezirks- und Gastvereine. Es mögen fast 2000 Festzugsteilnehmer gewesen sein. Nach bem • Eintreffen auf bem Festplatz fanden bie Massenfreiübungen (gymnastische Uebungen) ber Sportlerinnen unb »portier statt, bie einen guten Eindruck hinterließen. Die Begrüßungsansprachen von Schneider- Krofdorf, Dberregierungsrat Ritzel und Kreisturnwart Herty wiesen auf bie Bebeutung bes Tages für bie Arbeitersportbewegung unb die Stellung der Arbeitsportier in ber Arbeiterbewegung hin. An- schließenb fanden noch einige Sonde rvorfüh- r u n g e n statt. Die Ergebnisse der Wettkämpfe folgen in einer ber nächsten Ausgaben. Oberheffen. Kreis Alsfeld. WER. Alsfeld. 16. Suli. Der Arbeiter Heinrich Meckbach aus Rieder-Sossa stürzte beim Dau eines Aussichtsturmes auf der 500 Meter hohen Mengshäuser Kuppe infolge Reihens eines Halteseiles aus 25 Meter Höhe ab unb erlitt dabei so schwere Verletzungen, dah er nach wenigen Minuten verstarb. Der Verunglückte hinterläßt seine Frau und vier unmündige Kinder. * Ober-Ohmen, 16. Juli. Gestern abend beschloß der Gemeinderat mit großer Mehrheit, dem Führer der NSDAP. Adolf Hitler das Ehrenbürgerrecht unseres Ortes zu verleihen. * Windhausen, 16. Juli. Der Gemeinderat unseres Ortes ernannte Adolf Hitler zum Ehren, b ü r g e r unseres Dorfes. Die Ehrung erfolgte durch Mehrheitsbeschluß. Kreis Lauterbach. WER. Lauterbach, 16. Suli. Sn dem Kreisorte Dirlammen stürzte das drei Sahre alte Söhnchen der Witwe Söll, als es kurze Zeit unbeaufsichtigt war, in einem Rachbarhause in d i e Sauchegrube. Als man den Änglückssall entdeckte und das Kind herausholte, war es bereits zu spät; Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. Maingau. WSN. Frankfurt a. M., 17. Juli. Der gefährliche Kartoffelkäfer wurde in einem Kartoffel- stück zwischen Frankfurt und Offenbach festgestellt Die Larven wurden sofort den behördlichen Stellen übersandt und bie entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Wettervoraussage. Die Störung zieht in nordöstlicher Richtung über der Ostsee und Skandinavien ab. Shre Rückseite brachte den Vorstoh kühler Luft mit wechselhaftem Wetter und vereinzelten Schauern. Wenn auch durch die kühle Luft der herrschende Witterunas- charakter vorerst noch anhält, so wird der über tem Atlantik lagernde hohe Druck, welcher bereits nach den britischen Snseln vorgreift beeinflussend wirken, so daß Llebergang zu wieder beständigerem und in den nächsten Tagen auch wärmerem Wetter bevorsteht. Aussichten für Dienstag: Deständi- ger, aber noch wechselnd wolkig mit Aufheiterung, nur vereinzelt leichte Schauer, nachts kühl, tagsüber etwas wärmer. Aussichten für Mittwoch: Weitere Besserung, mehr aufheiternd und trocken, tagsüber forftchreitende Erwärmung. Schöne weiße Zähne schon nach einmaligem Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden „Chlorodont-Zahnpasle", schreibt uns ein Raucher. Tube 50 Pf. und 80 Ps. Original»Roman von Anny von panhuys. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 10 Fckrtsch. g. Nachdruck verboten! Werner wünschte, sie sollte wie seine Mutter werden, und sie dachte: Niemals würde sie so werden, nie! Cs klopfte. Das Mädchen meldete, sie möge hinunterkommen, es wäre Abendbrotzeit. Sie antwortete, sie fühle sich nicht wohl und möchte schlafen gehen. Kurz darauf klopfte es wieder. Werner trat ein. „Was fehlt dir, Lll? Ich möchte dir helfen." Sie machte eine abwehrende Bewegung. „Ich habe nur Kopfweh, bis morgen werde ich es verschlafen haben." Er lächelte: „Ich hörte von der Mutter, wie temperamentvoll du gegen Frau von Welp losgefahren bist, davon kommen wohl die Kopfschmerzen?" — Sie erwiderte bebend: „Frau von Welp hat mich beleidigt. Sie nannte Bater «inen Selbstmörder, redete von der Schande des Bankerotts!" „Aber sie dachte sicher nicht daran, dich zu kränken, Lil. Mutter hat mir den Sachverhalt genau erklärt. Du lieber Himmel, eine Frau von Welp ist nicht allzu feinfühlig, Liebling, aber das muß man dir lassen, ein kleiner Draufgänger bist du wirklich. Daß du der Meta den Mund verboxt hast, ist auch allerhand." Er wurde ernst. „Sieh mal, Lil, das Weibsbild, die Meta, erzählt die Geschichte nun jedem, der es hören will und sie schadet dir dadurch. Mir gefallt dergleichen nicht an meiner zukünftigen Frau, das erkläre ich dir ganz ehrlich. Ich habe dich lieb, Lil, aber zu ähnlichen Stücklein darfst du dich nie mehr hin- reihen lassen. Wenn alle gleich boxen wollten, die sich gekränkt fühlen, gäbe das schöne Zustände. Auch muht du bedenken, du bist kein Mann, bei dem man vielleicht noch eher Derständnis für so etwas hätte." Gil sah ihn seltsam an. Ihr schien, es war mit einem Male etwas Fremdes da, das sich zwischen ihn und sie schob. Sie gab erregt zurück: „Ich muh mich also von jedermann beledigen lassen, nicht wahr? Nein, Werner, ich stecke solche deullichen Beleidigungen nicht ruhig ein, ich wehre mich. Ich mag es nicht hören, wenn schlechte Menschen in abfälliger Weise über den Vater sprechen, ich dulde es nicht! Vater hat Hnglüd gehabt, er ist zu beklagen, zu mehr hat man kein Necht." Werner Sturm blickte Lil nachdenklich an. „Du bist seine Tochter, du muht so über ihn denken und gut von ihm sprechen, aber Fremde, die durch ihn geschädigt wurden, sehen das Geschehene eben von einem völlig anderen Standpunkt an. Es sind doch tatsächlich Leute durch deinen Vater schwer geschädigt worden, Lil. das läht sich nicht ungeschehen machen. Ich stelle nur Tatsachen fest." Lils Augen schimmerten ganz dunkel, fast schwarz. „Wenn du mich lieb hättest, würdest du nicht in der Weise vom Vater zu mir reden. Werner." Er wollte ihre Hände fassen, doch sie wehrte ihm fast heftig: „Laß mich, bitte." Er lächelte: „Lil, sei doch vernünftig. Ich wollte dir nur klar machen, wie andere Menschen das Geschehene betrachten. Es liegt mir völlig fern, deinen Vater zu beleidigen." Sie blickte ihn mit verzweifelten Augen an. „Lind doch beleidigst du ihn, wenn du so von ihm zu mir sprichst. Ich wiederhole dir. Vater hat Änglück gehabt, und wie andere Leute es betrachten, ist mir in diesem Augenblick völlig gleich, ich kann mich nur darum kümmern, wie ich es betrachte. Für mich ist Vater ein armer lieber Mensch, der Irrtümer beging und sich selbst zu hart dafür bestrafte. Solltest du es anders ansehen, kann ich nicht deine Frau werden." „Lll, du darfst dergleichen nicht so hinsprechen", gab er, jetzt auch etwas erregt, zurück. „Ich habe ja nichts gegen deinen Vater geäußert, sondern nur Tatsachen festgestellt, verstehe mich doch richtig! Ietzt komm' mit nach unten, Lil, sei vernünftig." „Ich kann und will heute abend nicht mehr nach unten. Nichts will ich, nur Ruhe." Er schüttelte den Kopf. „Du gibst dir alle Mühe, mich zu quälen, und mir die paar Abendstunden, die ich so gern habe, zu verderben", sagte er, ärgerlich darüber, dast sie nicht mit ihm ins Eßzimmer gehen wollte. „Aber wie du magst, bleibe hier, bis morgen früh wirst du dich ja wohl besonnen haben und vernünftigen Worten zugänglich sein. Gute Nacht, Lil!" Er bot chr die Hand. Sie war ganz durcheinander, ihr war es, als läge Werner daran, wieder von ihr freizukommen. Sie nahm die dargereichte Hand nicht und wandte sich zum Fenster. Da ging er schnellen Schrittes hinunter. Seine Mutter sah ihn erwartungsvoll entgegen, aber sie fragte nichts. Er sagte verstimmt: „Lil ist ziemlich starrköpfig, das ist mir an chr früher gar nicht besonders ausgefallen." Die Baronin empfand ein Gefühl von Zufriedenheit. Es war gut so, wenn Werner endlich auch Fehler an seinem kleinen Götzenbild entdeckte, vielleicht brauchte sie die Hoffnung noch nicht aufgeben, daß die beiden kein Paar wurden. Lil aber saß verzweifelt auf dem Dettrand m ihrem Stübchen und war davon überzeugt, Werner hatte sie nicht richtig lieb, so wie sie geglaubt, sonst wäre er vorhin ganz anders zu ihr gewesen. 9. Kapitel. WasdieZofeMetasah! Lil liebte es von jeh, frühe Spaziergänge zu unternehmen. Nach einer schlecht verbrachten Nacht schlüpfte sie schon vor sieben Llhr aus dem Hause und fuhr mit der Elektrischen in die Nähe ihres Vaterhauses. Warum? Sie wußte es selbst nicht. Als sie das schöne vornehme Haus sah, lief sie davon mit Tränen in den Augen. Sie lief aufs Geratewohl in der Richtung des sogenannten Schönhofs. Die ganze Gegend hier draußen, wo sich die Häuser dünn hinzogen und vereinzelt zeigten, hieß so nach einem alten Gutshof. Der Blick schweifte von hier über freies Land und plötzlich erweckte ein kleiner Wanderzirkus Lils Aufmerksamkeit, lenkte sie von ihren trüben Gedanken ab. Wie selten sah man doch so einen kleinen Zirkus in der Nähe der Großstadt! Nur noch ganz weit draußen, an den Ausläufern der Stadt, baute sich manchmal so ein kleines Unternehmen auf. Lil ging ganz nahe an den grünen Wohnwagen vorbei, die etwas abseits standen und da sah sie einen alten Mann auf einer Wagentreppe sitzen, der still vor sich hinweinte. Lil konnte sich nicht erinnern, schon jemals einen Mann weinen gesehen zu haben. Der alte Mann tat ihr leid. Sie schritt auf ihn zu, fragte: „Warum weinen Sie? Vielleicht kann ich Ihnen irgendwie helfen." Sie dachte daran, daß sie zwanzig Mark bei sich trug. Vielleicht war dem armen Menschen mit etwas Geld geholfen. Er gehörte sicher zum Zirkus, billige Schminke hatte seine Haut häßlich zerstört. Der Alte blickte erschreckt auf, dann versiegten seine Tränen, und er fuhr Lil an: „Was wollen Sie von mir? Sie haben hier so nahe am Zirkus nichts zu suchen!" Lil lächelte ein wenig. „Sehe ich etwa aus, als ob ich hier etwas stehlen wollte?" Er betrachtete sie von oben bis unten. „Nein, kleines Fräulein, so sehen Sie wirklich nicht aus, und bei uns gibt es auch nichts zu stehlen, wir vom Zirkus Gerhard sind alle arme Teufel, aber der ärmste von der kleinen Bande bin ich, Melchior Stampfer!." Sein fältchendurchzogenes Gesicht war ungemein beweglich. „Haben Sie schon mal was von Melchior Stampfer! gehört?" Sie schüttelte den Kopf und das heißt: Nein? „Ich glaube es Ihnen. Melchior Stampfer! ist auch nichts Besonderes, und darum fliegt er jetzt aus dem Zirkus Gerhard raus, der Kerl ist überzählig und überflüssig geworden. Selbst für bett Iammertzirkus reicht sein Können nicht mehr aus. Lind da sitzt der alte Esel nun hier in der schönen frischen Morgenluft, heult und überlegt dabei, ob er sich lieber aufhängen oder erschießen soll. Erschießen ist wohl moderner? Was meinen Sie, meine schöne junge Dame?" Lil erwiderte mit mattem Seufzer: „Ich rate Ihnen nicht dazu, mein Vater erschoß sich auch es ist etwas Schreckliches." Der 2llte blickte sie fast scheu an. „Da habe ich Sie, ohne es zu ahnen, durch mein albernes Geschnack an etwas sehr Trauriges erinnert. Das tut mir leid. Lind nun gehen Sie weiter, meine Derehrteste, ich bin nicht wert, daß Sie sich mit mir aufhalten. Aber ich danke Ihnen schön für Ihre Freundlichkeit." Lil blieb stehen. „Was arbeiten Sie denn im Zirkus?" Der Alte rieb seine Hände aneinander. Er schien zu frieren. „Ich bin bloß ein Clown. Der Direktor findet, ich leiste nix mehr, das Publikum lache nicht wehr genug über mich." Er hüstelte. „Ich bin achttmdsechzrg Iahre, schönes Fräulein, da rutschen die Deine nicht mehr so wie sie sollen und die Witze scheinen stumpf." 2il riet: „Suchen Sie sich doch ein anderes Engagement." Er zog den vom ständigen Verziehen etwas zu großen Mund zu einem traurigen Lächeln. „Was für kindliche Anschauungen Sie noch haben! Wo soll i ch noch ein anderes Engagement herkriegen? Solch ein altes verbrauchtes Männchen möchte keiner mehr, nicht mal ohne Geld, nur gegen Kost und Logis. Der Direktor will jetzt meinen Platz neubesehen. Einen ganz jungen Kerl will er haben, so einen, der moderne Sachen macht. Modern bin ich nicht, unsereins kann so schwer umlernen." Ein seltsamer, sie anfangs selbst befremdender Gedanke, schoß Lil durch den Kopf, und trotzdem sie den Gedanken fortjagen wollte, blieb er hartnäckig da, bedrängte sie. Der alte Mann nickte ein paarmal vor sich hin. „Ietzt sollten Sie sich aber hier nicht mehr Kinger aufhalten. Sie sehen vornehm aus wie ein leibhaftiges Prinzeßchen, wenn's auch ein bißchen komisch ist, daß Sie um diese Zeit hier draußen auf der Landstraße herumspazieren. Wahrscheinlich sind Sie «in Gutsfräulein oder wohnen gar im Rödelheimer Schloß und haben 'ne heimliche Morgenpromenade gemacht, sind Ihrer Erzieherin ausgerückl." Lil mußte lächeln. Sie wurde, besonders wegen ihrer zierlichen Figur, immer für viel jünger gehalten. Sie fragte: „Für wie alt halten Sie mich denn, Herr Stampfer!?" (Fortsetzung folgt.) Unser Saison-Schluß-Verkauf beginnt Dienstag, den 19. Juli Günstige Gelegenheit zum Einkauf meiner bekannten Qualitäts- Schuhe! Die Preise sämtlicher Artikel sind auf das A äußerste ermäßigt. — Bestund Einzelpaare weit unter Preis Damen-Schuhe..................von Mk. 3.90 an Herren-Schuhe..................von Mk. 6.50 an Kinder-Schuhe..................von Mk. 1.75 an Dr.-Diehl-Einzelpaare..........von Mk. 8.25 an Schuhhaus L. Bernhardt Schulstraße 10 S343 C Romanisches Seminar Mittwoch, 20. Juli, 8 Uhr pünktlich im Musiksaal des Realgymnasiums Französischer Vortrags- u. Theaterabend Eintritt 1 M., für Studenten 0.50 M., für Schüler 0.40 M. Vorverkauf bei Herrn Cha liier, Musikalienhandlung, Neuenweg 10 Der Reinertrag ist für die Studentenhilfe Gießen bestimmt. Geledenheitskauf. ,„„D Bloß. Schlafzimmer in Birke poliert. . . 550 M. Schlafzimmer in Eiche mit Nufcb. 380 u. 400 M. Schlafzimmer in Schleiflack imit oder mit de- liebißem Anstrich, voll abgesp. 275, 300 M. Speisezimmer in Eiche mit Nnftb. (grob) 385 M. Zimmer in kauk. Nabbaom, bestausSchreibschrauk 2,00 m breit, Klapptisch, 4 Stühle . . 440 M. Louis Vetter, Kaiserallee 19. Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Siegfried Haas in Gießen, Inhabers der Firma h. Lehmann in Gießen, wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. 5332D Gießen, den 13. Juli 1932. hessisches Amtsgericht. Dienstag, den 19. Juli 1932, nachmittags 2 Uhr, sollen im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, bzw. an Ort und Stelle (Befannt- gabe erfolgt im versteigerungslokal) gegen sofortige Barzahlung versteigert werden: 1. zwansweise: Bureau-, Haus- und Ladenmöbel, Bureaumaschinen, Schuhe und Spielsachen aller Art, Standuhren, Schirme, Stöcke, 1 Spindelpresse, 1 Vervielfältigungsapparat, 1 Vulkanisier-Anlage, hüte, Stoffe, 1 Registrierkasse, 1 Spezial-Mützenmachermaschine, 1 Handwerker-Nähmaschine, 3 Fremdenzimmer, 1 Gasbackherd, Anzüge, 1 Friseur-Ladeneinrichtung, Damenwaschtische, Rasierstühle, Mistbeetfenster, 1 Heftmaschine, 1 Badewanne, 1 Zentralheizungs-Küchenherd, 1 Kassenschrank, 1 Motor, Kesselglieder, 1 Auto, 1 Feuertonspülstein, 1 elektrische Backhaube, 1 Radioapparat. 2 Freiwillig: 1 Lederwalze. 5336D Hebbel. Gerichtsvollzieher in Gießen I Telephon 4039. Zwangsversteigerung 81/30 Am Montag, dem 8. August, vormittags 9 Uhr. wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Ferdinand Alffen und Ehefrau Amalie, geb. Hahn, in Gießen zugeschriebene Anwesen Licherstraße 29, Flur III, Nr. 2735/10 - 186 qm hofreite, Flur III, Nr. 273®/w = 159 qm Grabgarten, geschätzt 25 263 RM., versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 1. Juli 1932. 5004D I. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen. Leo, Ortsgerichtsoorsteher. Herzlichster, wärmster Dank allen, die meiner zum 60. Geburtstage in so liebevoller Weise gedacht. Gießen, 5340 d im 3uli 1932. Gg. Kling. Seschäftsdrucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten bei Brühl. SchulstraBe 1 Ein Tonfilm von Liebe, SchaUplatten, Sekretärinnen und Chefs. Hauptroll.: Gustav Fröhlich, Martha Eccerth, Gretl Theimer, Paul Morgan, Tibor v. Halmay. Eine Bombenbesetzung, ein Bombenschlager. Ein Film, der unterhält, aus dem Alltag herausreißt und fröhlichste Stimmung auslöst, der Stunden unbeschwerter Heiterkeit cibt. 5339C Lichtspielhaus Heute bis Mittwoch: Wieder ein Groß-Lustspiel I IN RM. 245— (Herrenrad) LADENPREIS RM. 260.— (Damen rad) mit kompletter Ausrüstung, einschließlich elektrischer Beleuchtung. Günstige Raten- und Zahlungsbedingungen. NSU VEREINIGTE FAHRZEUGWERKE AG. —. .—, NECKARSULM - ( WÜRTT. ) FÜR DIE DRfflE gibt es kein geeigneteres Motorfahrrad als das morosuun Es bietet die Bequemlichkeit der mechanischen Fortbewegung zu einem erstaunlich billigen Preis. Durch Vorderrad-Antrieb und BeinschOtzer Ist größte Sauberkeit beim Fahren gewährleistet Das Damen-Rad mit seinem Spezial rahmen macht das „Motosulm*4 zum ausgesprochenen Motorfahrrad für die Dame und gestattet das Fahren in jeder Kleidung. 1t Nationalsozialist. Deutsche Arbeiterpartei Oeffentliche Kundgebung am Dienstag, dem 19. Jlui, abends 8.30 Uhr im Caf6 Leib 1. Redner: Universitäts-Professor Kade-Homburg Thema: Völkische Schulreform 2. Redner: Ringshausen, M.d.R., Offenbach am Main Thema: Volkswille und Reichstagswahl 04295 Unkostenbeitrag 40 Pf. KIOA D Ortsgruppe Mitglieder 20 Pf. NOUAr। Gießen. Saison-Schluß-Verkauf I Der Schluß der Saison ist da, nun gilt es die Saisonwaren bis zum letzten Rest zu räumen. Das ist nur möglich durch grenzenlose Herabsetzung der Preise, die jeder anlegen kann. Trotz der schon billigen Restpreise haben wir die Preiseganz bedeutend herabgesetzt Reste von * Kunstseiden - Druck, • Wollmusseline,Zefir, Waschleinen, Kunstseidenbeiderw.,Künstlerdruck,Waschrips,CrepeMaroc,Voile, Kleiderstoffen,Seide,Schürzenstoff,Buckskin,Kamm- garn, Wildleder und vielen anderen Stoffarten. EM- RESTE Gießen, Mäusburg 4 Nr. 166 Zweiter Blatt Tießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Montag, 18. Zuli 1952 Die neue berliner MverWs-zraiienklinik. Die Außenansicht Ver neuen Klinik, die eine Front von 135 Meter Länge besitzt. — Unten rechts: Der bekannte Gynäkologe Geheimrat Professor Dr. Stöckel, der die Leitung des Instituts übernimmt. Alle Raume besitzen große Schiebefenster, wodurch die Zimmer in ganz kurzer Zeit in eine offene Liege- Holle umgewandelt werden können. Das Dach ist als Promenade und Freiluft-Liegeplatz für Genesende gedacht. Es wird weniger geraucht. Starker Konsumrückgang im Tabakgewerbe als Folge von Wirischaflönoi und verfehlter Steuerpolitik. 50 Jahre Landsmannschaft Chattia. Oer Festkommers. — Oer Festakt in der Aula. Je länger die Wirtschaftskrise andauert, je mehr Menschen aus dem Produktionsprozeß ausgeschaltet werden, je stärker die Einkommen der Erwerbstätigen absinken, desto mehr schrumpft der Konsum zusammen. Alle Derbrauchsmittelindustrien bekommen heute diese Rückwirkungen der Minderung des Volkseinkommens zu spüren. Cs ist jedoch auch selbstverständlich, daß in bezug auf den Grad des Verbrauchsrückgangs ein Llnterschieb besteht zwischen Industrie- und Handelszweigen, die den unentbehrlichen Bedarf der Vevölkerung befriedigen, und solchen, die Genußmittel oder gar Luxusgegenstände erzeugen und vertreiben. Freilich ist der Cßegriff der Llnentbehrlichkeit auf dem Gebiet des Konsums oft ziemlich kompliziert. Der eine Verbraucher sieht Dinge als lebensnotwendig an, die dem andern als durchaus entbehrlich erscheinen.' Der Raucher z. B. wird erst sehr viele anderen Sparversuche machen, bevor er sich die gewohnte Zigarre, Zigarette oder Pfeife versagt. Seine wirtschaftliche Lage muß sich schon sehr erheblich verschlechtert haben, wenn er sich dazu entschließt, feinen Rauchwarcnkvnsum einzuschränken. Aber bei einer Minderung des Volks- eineommens, wie sie sich gegenwärtig in Deutschland vollzieht, mutz notwendigerweise auch der Tabakronsum in fühlbarer Weife zurückgehen, und das um so mehr, als ja der Staat bei seiner Steuerpolitik auf die leeren Geldbeutel der Raucher keine Rücksicht nimmt, sondern den Tabak mit Len denkbar höchsten Steuersätzen belastet. Ob das heute noch richtig und klug ist, darüber wird der Finanzminister künftig sehr angestrengt nachdenken müssen, denn die zu hohe Labalsteuer bewirkt in schlechten Zeiten, wie wir sie gegenwärtig durchleben, einen so starken Verbrauchsrückgang. daß die Steuererträge weit hinter den gehegten Erwartungen zurückbleiben. Tas Gesamtaufkommen aus der Tabak st c u e r ist im Rechnungsjahre 1931 z32 bereits um 106,09 Millionen Mk. gefallen. Es bleibt um 13,6 Prozent hinter dem des Vorjahrs zurück. 3n diesem Ausmaß haben also die Raucher ihren Konsum trotz Rauchgewöhnung unter dem Druck des Mindereinkommens bereits ein» schränken müssen. Die meisten hören zwar nicht auf, dem geliebten „Laster" zu fröhnen, aber sie rauchen weniger und vor allem billigere Rauchwaren. Der Wert der versteuerten Tabak- erzeugnisse ist im letzten Rechnungsjahre von insgesamt 2,73 auf 2,24 Milliarden Mark gesunken. Am stärksten war der Konsumrückgang der Zigarre, der 23,4 Prozent betrug . Der Verbrauch an Zigaretten ist um 16 Prozent, der an Rauchtabak um 11 Prozent zurückgegangen. Was das für die betroffenen 3n» dustrien und den Handel bedeutet, geht daraus hervor, daß der Ausfall an Llinsah bei der Zigarre 215, bei der Zigarette 233 und beim Rauchtabak 33 Millionen Mark ausmacht. Dem Staate entging dadurch eine Einnahme von beinahe 117 Millionen Mark. Ein etwas anderes Bild zeigt der mengenmäßige Rückgang des Tabakverbrauchs. Es sind im letzten (Jahre beinahe 990 Millionen Stück Zigarren, 1367 Millionen Stück Zigaretten und 70000 Doppelzentner Rauchtabak weniger als im Vorjahre versteuert, also geraucht worden. Weitaus am geringsten war die mengenmäßige Verbrauchseinbuße bei der Zigarette. Sie machte nur 4,7 Prozent aus gegenüber 13,8 Prozent bei der Zigarre. Entweder sind also die Zigarettenraucher weniger sparsam als die Zigarrenraucher, oder aber es sind noch mehr Raucher von der Zigarre zur Zigarette übergegangen. Sicherlich beschleunigt auch die Wirtschaftsnot das Vordringen der Zigarette, denn die Ausgabe ist hier beim Ginzeleinkauf meist weniger fühlbar. Geldmangel und Sparnotwendigkeit wirken sich jedoch auch im Zigarettenhandel heute ganz erheblich aus, aber vorwiegend in der Weife, daß immer billigere Zigaretten gekauft werden. Während im Vorjahr noch über die Hälfte des Gefamtverbrauchs auf die 5-Pfennig-Zigarette entfiel, sind jetzt schon 45 Prozent der Zigarettenraucher zur 3,5-Pfennig-Zigarette übergegangen. Der Rückgang des Tabakkonsums und die Wendung der Verbraucher zu immer billigeren Tabaksorten wird andauern, bis der Steuerfiskus vielleicht einmal einsehen wird, daß eine Liebersteigerung der Verbrauchsteuersätze in wirtschaftlich schweren Zeiten ein Fehler ist, weil sie zu übermäßiger Konsumschrumpfung führt. Es ist zwar ein alter Grundsatz, daß der Tabak bluten muh, wenn der Staat Geld braucht. Läßt man aber den Raucher wirtschaftlich verbluten, so versiegt schließlich auch diese einträgliche Steuerquelle. Am Samstagabend und am gestrigen Sonntagmittag trat die Landsmannschaft Chat» t i a anläßlich ihres 5 0. S t i f t u ngs s e st e s mit zwei Veranstaltungen über den Rahmen ifjrer Verbindung heraus. Bei dem stark besuchten Festkommers im Klub am Samstagabend weilten zahlreiche Gäste unter den Chatten, bei denen man denkwürdige, schöne Stunden deutscher studentischer Geselligkeit verleben konnte. Rach dem Einzug der Chargen entbot der Erstchargierte stud. theol. Wagner mit herzlichen Worten den Willkommengruh, mit dem er eine Huldigung für die starke Kraft des Dundesgcdankens und ein Bekenntnis zum deutschen studentischen Geist verband. Besonderen Gruß brachte er dem einzigen noch lebenden Gründer, ferner dem A H. Landtagspräsidenten Prof. Dr. Werner (Butzbach), Sr. Magnifizenz dem Rektor Prof. Dr. V a n s e l o w, und den übrigen Herren des Lehrkörpers, wobei er das gute Einvernehmen zwischen der Dozentenschaft und den Studenten, insbesondere mit den Chatten feierte, Bürgermeister Dr. Seid als Vertreter der Stadt Gießen, der die Chattia viel zu danken habe und mit der er sich eng verbunden fühle, weiter den Vertretern der befreundeten Landsmannschaften und den übrigen Ehrengästen. Die Rede auf die Alten Herren und die Deutsche Landsmannschaft hielt stud. phil. Gräf. Er wies zunächst kurz auf die Gründungsgeschichte der Landsmannschaft Chattia hin und betonte bann, daß aus dem kleinen „Blümchen" mittlerweile ein großer knorriger Baum geworden sei, der fest in der hessischen Heimat verwurzelt sei. Mit dem Ausdruck der Anerkennung und des Stolzes feierte er weiter die Leistungen der Altherrenschaft für den Bund und feine ideale, und er dankte dabei namens der Altivivas den Alten Herren für alles, was sie an den (Jungen und an dem Bunde bisher getan haben. Er versprach im Ramen der Aktiven, daß sie unter dem Wahlspruch „ Freundschaft und Treue" nach dem Vorbild der Alten Herren wirken würden, um das Werk der Alten Herren fortzu- führen. Sodann feierte er die Deutsche Landsmannschaft mit ihrem vorbildlichen Wirken, das darauf gerichtet fei, die echte deutsche Volksgemeinschaft innerhalb der Landsmannschaf ter zu schaffen und zu vertiefen. Der hohe Geist der Deutschen Landsmannschaft fei heutzutage besonders nötig, wo zahlreiche Deutsche immer noch nur an Völkerverbrüderung dächten. Der Deutsche Landsmannschaftergeist wolle das Rationale in der Erfassung aller Deutschen, das Soziale in der Erfassung aller Volksgenossen ohne Änterschied des Standes und der Partei zur Pflege echt deutscher Art und Sitte, in einer wahren Volksgenreinschaft im (Innern und in einem mächtigen Deutschen Reich nach außen. Zur Erreichung dieser Ziele widme sich die Landsmannschaft eifrig der körperlichen Stählung ihrer Mitglieder. (Ihre Schlägermensuren werde sie sich von niemand verbieten lassen, am wenigsten von Leuten, mit denen sie nichts zu tun habe und deren Weltanschauung im Wider- spruch zu der ihrigen stehe. Er feierte zum Schluffe die enge landsmannschaftliche Verbundenheit, betonte die Ablehnung von parteipolitischen und religiösen Bindungen, den Ausschluß von Weltanschauungen. die mit dem deutschen Wesen unvereinbar sind, den Schuh und die Erhaltung unserer Kulturgüter durch Wahrung des rassischen Grundsatzes und das vorbehaltliche Bekenntnis zu dieser Zielsetzung. Hierauf sprach der Vorsitzende des Alt-Herren- verbandes, Zahnarzt Dr. Kühne, Wetzlar, zunächst in Ehrfurcht und Dankbarkeit der Gründer des Bundes gedachte und sodann mit Genugtuung hervorhob, daß der Geist, der bei der Gründung des Bundes herrschte, sich erfreulicherweise von Generativn zu Generation fortgepflanzt habe bis auf den heutigen Tag. Er würdigte sodann die Schwierigkeiten dieser Rotzeit für die Aktivitas und deren trübe Aussichten für die Zukunft, wobei er namens der Alten Herren die Zusage gab, daß sie den Aktiven stets nach bester Möglichkeit als Förderer, Helfer und Berater zur Seite stehen würden. Weiter wies er auf die opferbereite Chattentreue für Volk und Vaterland hin, die sich in den Kriegsjahren besonders leuchtend offenbarte, und die auch für immer unverbrüchlich bestehen bleiben werde. Mit dem Wunsche, daß das Vaterland recht bald wieder groß, frei und stark werden ünd der (Jugend besser als heute Lebensraum und Kraft zum Wirken, starke Liebe zur heimatlichen Scholle schenken möchte, verband der Redner die Aufforderung zu einem kräftigen Salamander auf das geliebte deutsche Vaterland. Anschließend folgte der gemeinsame Gesang des ersten Verse« der Rationalhymne. Die Glückwünsche und Grüße der Landesuniversität überbrachte Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. V a n s e l o w. Er erinnerte einleitend daran, daß er vor kurzem der Darmstadtia> gesagt habe sie fei eines der liebsten und angesehensten Kinder der Alma mater Ludoviciana, und betonte bann, bas gleiche könne er auch ber Lanbsrnannschaft Chattia sagen. Die Universität fühle sich mit den Chatten eng verbunden und wünsche, daß der Chattia nach dem ersten Halbjahrhundert, das reich an stolzer Tradition war, weiterhin alles Glück zuteil werde, das der Bund erhoffe, daß ihm die hoch angesehene Stellung im Rahmen ber Universität auch in Zukunft erhalten bleiben möchte. Der Rebner ging benn noch kurz auf die Stellung bes Verbindungswesens und des Wasfenstudententums im Rahmen der Universität ein, die sich der Erziehung des jungen Mannes zum Bürger und zur Persönlichkeit zu widmen hätten und damit eine Lücke ausfüllen müßten, die von der Universität nicht geschlossen werden könne. Darum sei die Gemeinschaft der (Jugend in der Verbindung und insbesondere im Waffenstudententum zu begrüßen Die Verbindung, für die natürlich auch die Altherrenfchaft maßgebende Bedeutung habe, fei der Hort, wo die (Jugend unter Gleichgesinnten wahre Lebensfreude und Erholung nach ber Arbeit finde. Mit ber Qlufforberung an bie (Jugenb, trotz ber Schwere ber Zeit den Optimismus nicht zu verlieren, verband der Redner noch den Wunsch, daß bald wieder bessere Zeiten kommen möchten, in denen auch die (Jugend wieder mehr Freude als jetzt empfinden könne. Bürgermeister Dr. Seid brachte die Grüße und Glückwünsche der Stadt und der Bürgerschaft zum Ausdruck, wies auf die guten und inniaen Beziehungen zwischen der Chattia und der Gießener Einwohnerschaft hin, feierte die wertvolle Erziehungs- arbeit in den studentischen Korporationen an der Jugend, die Pflege des Gemeinschaftsgeistes und wünschte der Chattia eine weitere gute Aufwärtsentwickelung und den Fortbestand des bisherigen guten Verhältnisses zwischen den Bürgern und den Chatten. Weitere Glückwunschansprachen hielten sodann Vertreter der Landsmannschaften Teutonia auf der Schanz-Frankfurt a. M., Hasso-Borussia-Darmstadt, OLC., Merovingia und Darmstadtia-Gießen, VAL.« Gießen, VAL.-Friedberg und OLC.-Marburg. Frohgestimmte Geselligkeit bei frisch-frohem Gesang von Studentenliedern umrahmte die Ansprachen und füllte weiterhin die Stunden des Beisammenseins in schönster Weise aus. Oer Festakt in -er Aula. Am Sonntagmittag 12 Llhr setzte sich vom Chattenhause in der Licher Straße ein Festzug von imponierender Größe durch eine Anzahl Straßen nach der Llniversität in Bewegung. In der Aula begann dann um 12.30 Llhr ein eindrucksvoller Festakt. Rach dem feierlichen Einzug der Chargen mit der Fahne und dem Festmarsch von C. M. von Weber sprach A.H. Professor Dr. Gräf (Offenbach) einen von Frau Dekan Lehn (OffenMein erster Adler. Von Ernst Wiechert. (Ich war dreizehn Jahre alt und aus der Stadt zu den Sommerferien nach Hause gekommen. Gs war so, als hätte der Engel vor dem Tor des Paradieses das Schwert geserckt und zu Adam gesagt: „Komm zurück, es war ein Irrtum". Wir hatten einen neuen Forstaufseher bekommen, und er empfing uns, meinen Bruder und mich, mit den Worten: „Guten Tag. Einer von euch darf einen Adler schießen". Es gab Wunder genug in unseren Wäldern, aber es dauerte eine Weile, bis wir dieses Wunder begriffen. Wir sahen uns an, mein Bruder und ich, und in diesem Blick fühlten wir, daß Böses und Schmerzliches unter diesem Wunder lag: einer mußte verzichten. Keiner würde es freiwillig tun, benn für einen Adler hätten wir unsre Seligkeit verkauft. Wir sprachen wenig miteinander, aber mit jedem Blick wußten wir, was jeder dachte. Am zweiten Tag mußten wir losen. Mit Grashalmen, wie sich das im Walde gehörte. Lind ich verlor. (Ich starrte auf meinen Halm und bann auf ben meines Brubers: es war kein Zweifel, bah ich verloren hatte. Es war selbstverständlich, baß ich weinte. Lind heute, wenn ich die dreißig Jahre zurückblicke, ist es mir auch selbstverständlich, daß ich mich gegen mein Schicksal auflehnte. Ich wußte damals noch nicht, daß jedes Schicksal gut ist. (Ich sah auf meinen Lieblingsplähen in ben Wäldern und grübelte. Drei Tage lang. Lind am dritten nahm ich einen großen weihen Bogen aus dem Schreibtisch meines Vaters und schrieb: „(Ich verspreche und gelobe bei meiner heiligen Ehre..." So fing es an. Lind bann folgte die Liste aller Dinge, Besitztümer, Privilegien und Gerechtsame, die ich auf meinen Bruder übertrug, wenn er mir den Adler überlieh. Es waren vier Dogenseiten. So reich ist ein Kind. Don zwei Zauberringen, die ineinander zu schieben und wieder zu lösen waren, bis zu dem unbeschränkten Recht auf Führung meines gezogenen Tefchings, 6Millim., belgisches Fabrikat, Fleck- schuß auf 100 Met. mit bet 3 Zentim. langen Win» chesterpatrone, fehlte nichts. (Ich war ein Bettler nach diesem Vertrag, ein waffenloser Krieger, ein Steinzeitparia. Aber ich würde eine Adlerfeder an der Mühe tragen. Lind mein Bruder verkaufte feine Erstgeburt. Lim mehr als ein Linsengericht, aber er oerfaufte sie. (Ich glaube, daß er es mehr aus Güte tat als aus Lust an meinem Besitz. Lind ich schämte mich ein wenig. Richt so sehr, daß es quälend war, aber ganz unten in meiner Seele war eine dunkle Kammer an der ich scheu vor- überging. Erst viele (Jahre später habe ich sie aufgemacht. Lind bann gingen wir eines (Julimocgens los, der große (Jäger und ich. Es war weiter als eine Meile. Betaute Wälder, über die die Sonne sich hob und in denen jede Spur und jede Stimme mir vertraut war. (Ich trug meines Vaters Doppelflinte und seine (Jagdtasche, und mein Herz schlug schon, als ich über die Schwelle unseres Hauses trat. Auch die Eroberung Amerikas konnte nicht viel anders gewesen fein. Ein Gang mit dem großen (Jäger war nicht leicht. Vieles mußte gewußt werden: jeder Vogelruf, jeder Dogelf lug, was es bedeutete, daß die Kiefernzapfen weit geöffnet auf dem Moos lagen und daß der Tau auf ben Spinngeweben funkelte, Windrichtungen unb jebe Fährte im Sanb: bas Alter der Bruchstelle an einem geknickten Zweig und das Alter der Schonung, durch die wir gingen. Es war nicht leicht, aber heute will mir scheinen, als ob ein Mensch in zwei solchen Stunden mehr lernen konnte als in einem ganzen Jahr der Untertertia. Der Horst lag an einem See, einem dunklen Waldgewässer mit sumpfigen Rändern, von dem die Leute sagten, daß seine Liefe nicht zu messen sei. Kraniche riefen von seinem Ufer, Bäume waren übereinandergestürzt Forstbüsche wucherten, und die Luft war schwer und fremd, die Dschungelluft eines andren Erdteils. Lautlos schlich ich in ber Spur des großen (Jägers. Wir horten ben Adler schreien und lauschten. Es ist ein klagender, traurig fallender, ergreifender Schrei. Der Wald steht wie ein finsteres Gewölbe und fängt den Schrei auf. Seltsam ist es und rührt das Herz mit schwerem Atem an. Wie ein verbotener Weg ist nun alles, ein Einbruch in ein Heiligtum. Aber der Jäger winkt, und der. Adlerschrei ist verstummt. Wir stehen unter dem Horst, gedeckt von einem ßinbenbufd), unbeweglich, eine halbe Stunde lang. Roch einmal ruft in der Feme der Adler, und über uns, aus dem riesigen, dunklen Horst, antwortet die klagende Stimme des (Jungen, hoch und ängstlich wie die Stimme eines Rehkitzes. Ein weißer Kopf schiebt sich über ben Horstrand, fahl und häßlich wie ber Kopf eines Meergespenstes. Mahnend hebt der (Jäger die Hand, und dann pflückt er ein junges ßinbenblatt, hebt es an bie Lippen, und nun ruft es von unten herauf wie ein junger Adler, klagender noch und wie in Not. Meine Augen fliegen durch den rötlich bestrahlten Wald. Mein Herz klopft, und ich sehe Adler überall. „Ganz ... rutygr' sagt der Jäger leise. Und dann ist er da. Lautlos Zuerst ein Schatten, der dunkel und groß über die Wipfel jagt. Und bann er selbst. Die riesigen Schwingen, der herabschießende Leib. Etwas Dunkles fällt in den Horst. Sekundenlang das Bild des Vogels auf einen grauen Eichenast. Sich öffnende Schwingen ... der Ast, der hinter ihm erbebt ... der Donner des verstörten Schusses ... Widerhall ... Schweigen ... vorbei ... Was hilft es, daß der Jäger mich tröstet? Wir gehen zurück. Jeder Schritt ist ein Schritt durch ein Meer von Schande, Schmerz und Verstoßung. Vorbei. Der erste Adler vorbei. Mein Bruder lächelt nicht, aber in der Nacht in unserer Oberstube, als er mich leise meinen hört, sagt er ruhig: „Wenn du willst, kannst du noch einmal gehen!". Er hat seine Erstgeburt verkauft, aber nun verschenkt er sie. Ich weiß, daß er besser ist als ich, und ich liebe ihn sehr. Es ist dunkel, und er kann es ja nicht sehen, und so brauche ich mich nicht so sehr zu fdjämen. Zwei Wochen später habe ich den Adler geschossen. Aber es hat mich nicht mehr gefreut. Er starb oor mir auf dem Moos, und die kleinen dreieckigen Federn in seinem Nacken bebten leise in seinem Tod. Es war die erste große Erfahrung meines Lebens: daß die Sehnsucht besser ist als der Besitz. Ich habe [eine Adler mehr geschossen, und wenn ich heute den großen und traurigen Schrei noch einmal höre, dann stehe ich lange still und lausche, und aus dem dunklen Tal der Erinnerung steht eine zweite Stimme auf, eine tiefe und ernste Stimme, die sich mit der hellen des Vogels verflicht: „Wenn bu willst, kannst du noch einmal gehen ..." Aber ich weiß nun, daß es nicht gut ist, noch einmal zu gehen. Was die alten Staup-Säulen erzählen. 3n manchem Dörfchen ober Marktflecken steht noch eine alte Säule, oft schon verwittert unb verfallen, manchmal auch mit einer Figur geziert, bie eine Rute in der Hand hält Das sind Staup-Säulen. steinerne Zeugen einer fernen ®e- richtsbarleit, bie früher als Schanbmäler bes finsteren Mittelalters wohl versteckt unb vernichtet wurden, heute aber von ber Heirnat- forschung sorgfältig gepflegt unb erhalten werben. Wit ben schlesischen Staup-Säulen, die noch in reicher Zahl vorhanden sind, hat sich in neuester Zeit bie Wissenschaft eingehender beschäftigt, unb man hat auch verschiedene dieser eigenartigen Denkmäler wieder hergestellt, so daß die alten Wahrzeichen jetzt einen neuen Glanz verbreiten. 3n den „Schlesischen Monatsheften" berichtet Architekt Fritz Wiedermann von dieser Erneuerung schlesischer Staup-Säulen unb erzählt dabei von diesen merkwürdigen Zeichen mittelalterlicher Gerichtsbarkeit. Sie finden sich in den Städten, aber auch in größeren Dörfern, die früher als Marktflecken die freie Gerichtsbarkeit besaßen. An dieses Dorrecht war der Begriff der Hoheit und Würde geknüpft, und die Staup-Säule war der sichtbare Ausdruck eines solchen Privilegs. Sie diente dazu, die kleinen Sünder zu bestrafen, während die großen der „peinlichen" Gerichtsordnung verfielen, die nur den Städten und den Landesfürsten zustand. Diebe, die zum erstenmal bei geringeren Vergehen betroffen wurden, Bäcker, die zu leichtes Brot verkauften, Weiber, die es mit der ehelichen Treue nicht genau nahmen, sie alle mußten mit der Staup-Säule Bekanntschaft machen, wurden mit Ketten oder Riemen an den Schaft der Säule gebunden und bekamen vom Scharfrichter, dem „Ruten-Mann", der manchmal auf der Spitze der Säule dargestellt ist, ihre Tracht Prügel. Schlimmer aber noch als diese Strafe war der Spott, mit dem die lieben Mitbürger den Sünder oder die Sünderin in ausgiebiger Weise bedachten. 3n jener derben Zeit, in der ein handfester Spaß erlaubt war unb das Schimpf-Lexikon einen großen Reichtum aufwies, war bie Verhöhnung bes ..Angeprangerten" ein Volksfest, an dem sich die Gassenjungen besonders eifrig beteiligten. Das Strafmaß richtete sich nach dem Dergehen. Die harmloseste Bekanntschaft mit dem Pranger bestand in einem Gang um die Säule, der einem Spießrutenlaufen nicht nachstand Schlimmer war es schon, wenn der arme Sünder einmal ober mehrere Male mehrere Stunden angebunden wurde und die ärgste Pein bestand in einem tagelangen Elnschmieden in den Halsring und die eisernen Stulpen des Prangers. Diese Prozedur muß zu ben qualvollsten Schindereien gerechnet werden. und so erzählen die heute so harmlos und würdig dastehenden Säulen von den Qualen unb Sragöbicn einer Zeit, die roher unb mitleibloser waren, als bie unsere. L Geheimrat Syrup, bisher Präsident der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung, ist zum künftigen Reichskommissar für die Arbeitsdienstpflicht ausersehen. buch) verfaßten Prolog, in dem den hohen Idealen der Chattia und ihrer vorbildlichen Arbeit gehuldigt wurde. Sodann hielt A.H. Dr. med. Müller die Festr« de , in der er zunächst einen Heber- blick über die Geschichte der Chattia gab und dann als Sinn und Zweck der Stiftungsfestveranstaltung das Bekenntnis zum studentischen Geist und zum Deutschtum nannte. Er pries sodann die guten Beziehungen zwischen der Studentenschaft und der Bürgerschaft und forderte auf, den Glauben der Jugend an ihre Ideale zu stärken und zu stützen, die jungen Leute mit der Waffe der Arbeit auszurüsten und durch die Erschließung der Arbeit unsere Jugend vor dem Verkümmern zu bewahren. Getreu dem Wahlspruch „Freundschaft und Treue" werde die Verbindung ihren Anteil an der Erziehung der jungen Menschen beitragen um sie zu befähigen zu restloser Pflichterfüllung und zum Einsatz aller Kraft für die hohen Ideale. Durch die Mensur erstrebe man die Ertüchtigung der Jugend, ihre Erziehung zum Selbstbewußtsein und zur Selbständigkeit, zur steten Bereitschaft, voll und ganz für alles Hohe und Heilige, für die eigene und für die deutsche Ehre einzutreten. Im nationalen Gedanken wolle man die Zusammenfassung aller deutschdenkenden Menschen fördern und erreichen, das Rationalbewußtsein des deutschen Volkes wolle man ausbreiten und vertiefen, damit das deutsche Volk wieder gleichberechtigt werde unter den Völkern. Mit dem Mahnruf: „Seid wehrhaft, seid Freunde, seid Deutsch«, dann halten wir in Händen das Glück des Vaterlandes" schloß der Redner seine eindrucksvollen Worte. Nach dem Spiel des Ave verum von Mozart hielt A. S). Pfarrer Knab ° Gustavsburg die Ge- fallenen-Gedenkrede. Er wies darauf hin, daß das Opfer der Gefallenen uns Lebende aufrufe zu gleich tapferen Taten für das Vaterland. Nach dem Vorbild der Gefallenen müßten mir unser Leben neu- und umgestalten. Es gehe nicht um den Einzelnen, sondern um die Gesamtheit: es solle auch kein neuer Krieg, kein neues Blutvergießen herbeigeführt weiten, sondern in gemeinsamem Leben und in herzinniger Volksverbundenheit alles zusammenwirken, um das Vaterland aus der jetzigen Not und Tiefe heraus zum Glück und zum Licht zu bringen, aus der Knechtschaft und Schmach wieder zur goldenen Freiheit zu führen. Dieser Kampf sei mit den Waffen des Geistes zu führen, im Hinblick auf Gott und Volk und im Besitz eines reinen Herzens. „Wir wehren uns gegen die Lüge, weil wir die Wahrheit lieben, wir wehren uns gegen die Knechtschaft, weil wir die Freiheit lieben, wir wehren uns gegen Lüge und Knechtschaft, weil wir den Frieden lieben. Die Freiheit verbürgt den Frieden, und wir wollen frei sein, wie die Väter waren." Das sei der große Kampf, den wir zu führen hätten und wir unseren Gefallenen schuldig seien. — Während einer kurzen Pause in der Gedenkrede wurde bei den leisen Klängen der Melodie ,Ich halt einen Kameraden" von den Chargen ein Kranz am Ehrenmal im Vorraum der Aula niedergelegt. — Nach der Rückkehr der Chargen in die Aula wünschte der Redner unserem Volke die Einkehr des Helden- und Opfergeistes unserer Gefallenen in alle deutschen Herzen, damit daraus die völlige Hingabe aller Volksgenossen an die Wiederaufrichtung eines großen und freien Vaterlandes hervorgehe. Mit Beethovens Adagio aus der Sonata patdthi- que fand die würdige und gehaltvolle Feierstunde ihren Ausklang. Wirtschaft Berlin unsicher und verstimmt. Berlin, 18. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die erste Börse der neuen Woche eröffnete — hauptsächlich infolge der scharfen Zuspitzung der inner- politischen Derhältnisse vor den Wahlen — in sehr unsicherer und überwiegend schwächerer Haltung. Auch durch den Erlaß der Reichsregierung, der Demonstrationen unter freiem Himmel fortab verbietet, wurde die bestehende Verstimmung nicht ganz behoben, so daß auf Grund kleinen Publikumsangebots meist Kursrückgänge bis zu 1 Proz. eintraten. Hinzu kam ein schwächerer Schluß der Reuhorker Samstagbörse, ferner trug der heute zur Veröffentlichung gekommene Reichsbankausweis für die zweite Iuliwoche zu der Herr- chenden Zurückhaltung bei, da zwar die ausgewiesene Entlastunz um 124,8 Millionen als ganz günstig zu bezeichnen war, die Verminderung der Gold- und Devisenbestände um 53,3 Millionen (Teilrückzahlungen des äleber- brückungskredites des Reiches an Lee, Higginson & Co.) aber überraschte. Die Deckung der Roten erfuhr dadurch naturgemäß eine ziemlich empfindliche Einschrumpfung auf 23,5 nach 24,4 Prozent. Kursveränderungen von Belang waren aber nur ganz vereinzelt. Ilse Genuhscheine hatten mit einem Verlust von 3 Prozent die Spitze, während onst nur einzelne Papiere, wie Klöckner, Licht & Kraft, Oberkoks, Siemens, Schultheis und Aschaf- enburger Zellstoff bis 1,89 Prozent einbützten. Auch in Reichsbankanteilen und Farben bestand etwas größeres Angebot. Bei Dessauer Gas ist der Dividendenabschlag zu berücksichtigen, nachdem sich gegenüber dem letzten Kurs vom Samstag noch ein kleines Plus von 6,75 Prozent ergibt Am Rentenmarkt war die Tendenz ebenfalls eher leichter. Reichsschuldbuchforderun- Zauemnotkinidgebmig in Oberhessen und GA.-Aufmarsch in Ettingshausen. • Ettingshausen, 17. Juli. Für den heutigen Sonntagnachmittag war in unserer Gemeinde eine Bauernnotkundgebung auf 15 Uhr angesagt. Schon in den ersten Rachmittagsstunden herrschte in dem Dorfe ein bewegtes Treiben, das das sonst so ruhige Sonntagsbild unserer Straße gründlich veränderte. Hitler-Organisationen marschierten ein, unter denen die Scharen der Hitler- Jugend besonders begrüßt wurden. Don den umliegenden Dörfern kamen die Fremden, und Alte und Junge warteten auf den Beginn der Veranstaltung. Aber die auf 15 Uhr festgesetzte Kundgebung wurde verschoben. Wie man erfuhr, soll das Kreisamt den Anfang nicht vor 17 Uhr erlaubt haben, weil — erst da die 48 Stunden verflossen waren, die feit der Anmeldung der Veranstaltung verstrichen sein mußten. Deshalb fuhr auch der erste vorgesehene Redner, Graf Bernhard von Solms - Laubach noch einmal weg, um in einer Versammlung in Dad- Rauheim zu sprechen. Die Menschenmassen aber wanderten inzwischen nach unserer „Hardt", dem freien Platze südlich des Dorfes am hochgelegenen Waldesrand, wo man das schöne Bild der engeren Heimat vor sich hat mit ihren Hügeln uni> Wäldern, das abgeschlossen wird durch das wuchtige Dogelsbergmassiv, das durch den Hoherodskopf, den Taufstein und die anderen Höhen gekrönt wird. Gin schönerer Platz für eine Heimatkundgebung ist nicht gut in unserer Gegend zu finden. Nachdem man auch dort noch geduldig fast 11 Stunden gewartet hatte, traf der erste Redner, der Vizepräsident des Landtags, Lehrer Kl oste r- mann aus Vockenrod ein. Bald stand auch die etwa 1500 bis 2000 Menschen zählende Gemeinde unter der Redegemalt dieses Volksredners. Mit wuchtigen Worten, mit handgreiflich deutlichen Bildern und mit glänzender Dra-stik zeichnete der Redner die Not von heute, die er als V o l k s n o t schilderte, die alle Stände zu verschlingen drohe. Er zeigte auch, daß in den letzten 14 Jahren es nicht gelungen sei, dieser Not ein Ende zu machen, daß alle Regierungen versagt hätten und daß auch die jetzige Regierung des Reichskanzlers o. P a p e n in gleicher Weise enttäuscht habe. Die falsche Einstellung aller Regierungen auf Weltwirtschaft und Exporthandel habe das vaterländische Elend heroorgerufen, das sich gerade in der Bauern- n o t so deullich zeige, in das aber alle Stände unseres Volkes hineingezogen morden seien. Demgegenüber wolle der Nationalsozialismus die heimatliche Wirtschaft stärken, indem er die Binnen- koufkraft hebe. Das müsse dadurch geschehen, daß unsere deutsche Landwirtschaft und Industrie geschützt werde gegen die Einfuhr der Auslandserzeugnisse, so daß Bauern und Arbeiter wieder zu Verdienst kämen. Weil man aber nur durch Arbeit verdienen könne, stünde der Nationalsozialismus zur Arbeitsdienstpflicht, die sich reichlich betätigen könne durch Urbarmachung von Gelände, Herstellung unserer so sehr im Argen liegenden Straßen usw. Denn eine Menge von Arbeit ließe sich schaffen, für die Geld vorhanden sein müsse, wenn man Milliarden aufgebracht habe für Bankensanierungen. So allein könne man den kommenden Geschlechtern das Erbe an deutschem Gut erhalten, das vorangegangene Generationen uns erarbeitet hätten und für das wir verantwortlich wären. Das sei das Ziel des Nationalsozialismus, und das führe zu der Volksgemeinschaft, die Adolf Hiller uns erkämpfen wolle. Der zweite Redner, Borchert aus Hannover, führte diese Gedanken weiter aus. Er zeigte, daß das Ziel aller nationalsozialistischen Bestrebungen die Volksgemeinschaft sei, wie sie in den Augusttagen des Jahres 1914 sich so erhebend gezeigt habe. Damals sei aller Standes- und Klassenunterschied, alle Gegensätze der Konfessionen verschwunden vor dem einen Gefühle: „Ich bin ein Deutscher". Damals dachte man nicht an die Gegensätze von „reich und arm", „gebildet oder ungebildet", sondern man lebte in dem gemeinsamen Gefühle der Verantwortlichkeit für das Vaterland. Diese Volksgemeinschaft wolle Adolf Hitler wiederbringen, dessen Werk geboren sei aus der heißen Liebe zum Vaterlande, der der Führer sei in dem Kampfe, den jeder Deutsche mitkämpfen müsse, wenn er vor seinen Nachkommen bestehen wolle. Nachdem noch Studienrat Blank (Gießen) eine offene Absage an das Kabinett von P a p e n gerichtet hatte, war inzwischen Graf Solms wieder erschienen, der sich mit scharfen Worten gegen das System wandte, das die große Not, auch die Bauernnot habe enstehen lassen. Sehr drastisch wies der Redner darauf hin, daß es soweit gekommen sei, daß neben dem 100 000 Mann starken Reichsheer ein Heer von 120 000 Gerichtsvollziehern stände, das in der Zeit der Arbeitslosigkeit an Arbeitsüberlastung leide. Der Redner suchte die Der- sammelten aufzurütteln, am 31. Juli durch Stimmabgabe für Hitler ihr Teil dazu zu tun, daß die Not ein Ende nähme, ehe die Wogen des Verderbens unser ganzes Volk und damit auch jeden einzelnen in die Tiefe rissen. „Gott, der Allmächtige, gebe, daß es noch nicht zu spät ist, ihr aber tut eure Schuldig- keit", so schloß der Redner seine eindrucksvollen Aus- führungen, mit denen die Veranstaltung zu Ende ging- I gen büßten 0,50 bis 0,75 Prozent ein, Altbesitz ging um 1 Prozent zurück, Reubesitz verlor 0,35 ’ Prozent In Pfandbriefen, die ebenfalls schwächer taxiert werden, war Das Angebot im Verlaufe nicht so erheblich, wie befürchtet, das später zu einer gewissen Beruhigung führte. Auch Aktten- werte waren teilweise leicht erholt. Angeblich auf Hamburger Arbitrage-Käufe lagen Deutsche Erdöl fester und glichen ihren Anfangsverlust mehr als aus. (Plus 2 Prozent.) Von Auslandsrenten waren Bosnier erholt. Sranffurf unsicher. Frankfurt a. M., 18. Juli. (WTB. Drcchtmel- dung.) Die Börse zeigte zum Wochenbeginn das gleiche ruhige Aussehen der letzten Tage, da das Publikum dem Markte fernbleibt, zumal die ganze innerpolitische Situation eine weitereVerschärfung erfahren hat und daher starke Zurückhaltung aller am Börsengeschäft beteiligten Kreise auslöste. Bei sehr geringer Umsatztätigkeit war die Stimmung sehr unsicher und eher schwächer. Auf Abgaben der Spekulation setzten die ersten Kurse durchweg niedriger ein. So eröffneten IG., Licht und Kraft, Reichsbank bis zu 1% Prozent, Stahloerein, Zellstoff Waldhof, AEG. und Reichsbahnvorzugsaktien bis zu Prozent schwächer. Etwas fester lagen nur Deutsche Erdöl mit plus 1% Prozent. Süddeutsche Zucker waren mit 105 Prozent gut behauptet. Nach den ersten Kursen zeigte sich einige Deckungsnachfrage, und die Kurse konnten sich verschiedentlich um etwa bis % Prozent erholen, wobei die Nachricht daß die Reichsregierung ein Demonstrationsverbot erlassen werde, etwas beruhigte. Am Rentenmarkt neigte die Tendenz ebenfalls zur Schwäche, besonders Altbesitz lagen mit minus 1$ v. H. schwach, und auch Neubesitz und Reichsschuldbuchforderungen büßten etwas M. Am Pfandbriefmarkt war die Lage nur wenig verändert. Liquidationspfandbriefe lagen zum Teil etwas freundlicher. Frankfurter Getreidebörse. F r a n k f u r t a. M., 18. Juli. Zum Wochenbeginn war die Tendenz an der Getreidebörse sehr ruhig. Die Nachfrage für Neugetreide hat sich infolge der regnerischen Witterung etwas gebessert, dagegen wirkt die innerpolitische Lage sehr geschäftshemmend. Das Angebot von Brotgetreide aus erster Hand (Landwirtschaft) blieb knapp. Am Mehlmarkt war die Umsatztätigkeit weiterhin schleppend, da sich die Deckung nur auf den notwendigsten Tagesbedarf beschränkte. Am Futtermittelmarkt ist die Tendenz merklich ruhiger geworden und die Preise für Kleie bröckelten zum Teil etwas ab. Erstmals notiert wurde neue Wintergerste, wobei sich keine größeren Umsätze ergaben. — Es wurden notiert: Weizen 255 bis 253,50; Roggen 215 bis 217,50; Wintergerste 170 bis 180; Hafer, inländischer 170 bis 180; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 38 bis 39,05; Roggenm'-Hl (70 v.H.) 28,50 bis 29,25; Weizenkleie 9; Roggenkleie 9,25; Erbsen 24 bis 35; Linsen 22 bis 48; Heu 3 bis 3,40; Weiten- und Roggenstroh, drahtgepreßt 3,50; Weizen- und Roggenstroh, gebündelt 3,20 bis 3,50; Treber, getrocknet 10,50; Weizenmehl, niederrh. 38 bis 38,80 Mark. Kartoffeln: Erstlinge, hiesiger Gegend, 3,40 bis 3,50; Böhms allerfrüheste gelbe 2,65 bis 2,75 Mark. — Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. F r a n k f u r t a. M., 18. Juni. Auftrieb: 1528 Rinder, darunter 332 Ochsen, 171 Bullen, 537 Kühe, 442 Färsen, 768 Kälber, 95 Schafe. 5412 Schweine, darunter 160 Litauer. Es kosteten: Ochsen, vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere, 31 bis 34, ältere 27 bis 30, sonstige vollfleischiqe jüngere 24 bis 26 Mark; Bullen jüngere, vollst./ höchsten Schlachtwerts 26 bis 29, sonstige vollfl. oder ausge- mästete 22 bis 25 Mark; Kühe, jüngere,vollfl. höchsten Schlachtwerts 23 bis 27, sonstige vollst', oder ausgemästete 18 bis 22, fleischige 14 bis 17 Mark; Färsen, vollfl., ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 31 bis 34, vollfleischige 26 bis 30. fleischige 21 bis 25 Mark; Kälber beste Mast- und Saugkälber 34 bis 37, mittlere Mast- und Saugkälber 29 bis 33, geringe Kälber 23 bis 28 Mark; Schafe, Mastläm- mer und jüngere Masthämmel. Weidemast 27 bis 30 Mark; Schweine, Fettschweine über 300 Pfund Lebendewicht 41 bis 44, vollfleischige von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 41 bis 44, von etwa 200 bis 240 Pfund 42 bis 45, von etwa 160 bis 200 Pfd. 40 bis 44; fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 36 bis 42 Mark. — Marktverkauf: Rinder und Schweine ruhig, Ueberstand, Kälber und Schafe ruhig, ausoertauft. Aus aller Wett. Alarga von Lhdorf in Dien eingetroffen. Die Ostqsienfliegerin Marga von Etzdorf traf auf ihrem Rückfluge von Bangkok im Budapester Verkehrsflugzeug auf dem Flugfelde Aspern ein. Ein Geschwader der deutschen Sportfliegerei, das sie von Berlin einholen wollte, hatte wegen ungünstiger Witterung im Gebirge den Flug von Dresden aus nicht - rechtzeitig fortsetzen können. Autounfall Dr. Eckeners. Wie Di« „Deutsche Allgemeine Zeitung" berichtet. erlitt Dr. E ck e n e r bei einer Autofahrt einen äl n f a l l. Dr. Eckener. Der sich in Begleitung seiner Frau und seiner Tochter befand, steuerte selbst einen schweren Maybach-Wagen. Bei dem Dorfe Missen in der Rahe von Kempten wollte er in rascher Fahrt einen anderen Kraftwagen überholen. Eckeners Auto geriet dabei mit dem Vorderrad über die Straßenböschung, wurde seitwärts gerissen und mit solcher Wucht an einen Daum geschleudert, daß dieser glatt umgebogen wurde. Dr. Eckener wurde mit Frau und Tochter aus dem Wagen geschleudert. Wie durch ein Wunder kam die ganze Familie mit leichten Hautabschürfungen und Prellungen davon. Das schwer beschädigte Auto mußte abgeschleppt werden. Dr. Eckener begab sich mit feinen Angehörigen nach Missen. Auch die Dame kann Motorrad fahren. Es gibt heute wenig Damen, die nicht radfahren können. Mo- torradfahrende Damen sind dagegen noch selten. Gar viele bleiben nur deshalb beim Fahrrad, weil sie sich an ein Motorrad nicht recht herantrauen. Das Rad- ähren auf weitere Strecken oder gar in bergigem Gelände erfordert aber eine bedeutende körperliche Anstrengung, so daß es gerade für die Damenwett erwünscht ist, sich die Motorkraft nutzbar zu machen. Am einfachsten, bequemsten, gefahrlosesten und bil» lgsten geschieht dies durch Gebrauch eines motori« ierten Fahrrades. Ein solches ist das „M o t o f u I m" der Firma NSU Vereinigte Fahrzeugwerke AG^ Neckarsulm. Neben seinem Vorteil im Preis — es ist das billigste Motorfahrzeug der Welt — hat es noch den Vorzug der besonderen Eignung für die Dame, zumal eine sog. Motorradkleidung unnötig ist, da der offene Rahmen das Fahren in jeder Kleidung zuläßt. 5157V Samstag abend 10 Uhr verschied sanft und unerwartet, nach kurzer schwerer Krankheit, meine gute Mutter. Schwiegermutter. Großmutter, Schwägerin und Tante Marie Wagner Wwe. geb. Deibel im 64. Lebensjahre. Im Namen aller trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Wagner IQ. Wieseck, den 17. Juli 1932. Die Beerdigung findet Dienstag, den 19. Juli, nachmittags 3 Uhr vom Sterbehause Gießener Straße 170 aus statt _ Vermietungen I Stellenangebote S.-Betten Schliffzbn .Kinderbetten. Polet. 8 nhlmatr^ChalneL.uD jeden, TelLzahla. KataL fr. Q/senniöbelfabrik Suhl Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen Vermählungsanzeigen Geburtsanzeigen be> Brühl, Schulstraße 1 । x.x x j juonrymonranr, 2 Zimmer und Küche (beschlagnahmefrei) abl.August z.verm. Marktvlatz 20. (ome Auskunft parterre. Mädchen f. frauenlosen Haushalt sofort gesucht. Waldbaus Seitz, Gndbach (mwd Kreis Biedenkopf. | Verkäufe Ml bat Bargeld? Modern, vornehm. SeMalsimmer. echt Elche m.Mnflb.,(Sd)rL 180cm. insg.tzTeile, nnr390Mk.barl2tf)r. Ang.u.5334va.G.A. Von der Reise zurück Dr. Szubinski ____________________________________________5341 b Zwangsversteigerung 17/32 Am Montag, dem 29. August 1932, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichts- geböude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Pferdehändler Leopold Löb in Gießen zugeschriebene Anwesen Korbanlage 1, 5330D Flur 1, Nr. 123613/ioo - 446 qm hofreite, geschätzt 35 000 RM., versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 15. Juli 1932. 2 A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Ingenieurschule . Flugzeugbau,Flieger- schule, Papiertechnik - öChUle Elg. Lehrwerkstätten Maschinenbau, --- . Elektrotechnik, IM ß 1 NI 9 ■ Automobilbau Ww C I III Q I Auto- Gelegenheitskäufe 8/40 PS Opel-Limon- sine, generalüberh., tadelloser Wagen, sehr billig. ”ieA Opel Gießen, Frank- Inrter Str.52,Tel.2847 5000 geoiMke WtliMW- Wen günstig abzugeben. Schrift». Angebote unter 04294 an den Gießener Anzeiger. Gebraucht., tief gebauter,weiß.emaill. 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Hessisches Amtsgericht. 5331D Für die Braut das Oberhemd - die Handschuhe den Kragen - die Krawatte den Schleier — den Kranz den Stoff zum Kleid - die Wäsche die Strümpfe - die Handschuhe Für den Bräutigam großer Auswahl im Modehaus SälOfflOll r-> o L® IO E E =5 « s <-» ZS SS r*> oö en o •*— SS o 8 CM HO s> eZ Jr-ee^ Höö = «5 » L.G 8 3 E E --3© E c £ = 3 ö L^Z = 2 .«'M 55© A- x€» iö OÖ 19 X - a 53 fr E=2 = 5 5«© E Hä R~ E.x£ ä^lD ® x -e ® a. — ci SL E f.e 8 B m - aeBs3 D(5) 3e = E89S 3JS EScä SS-ä.3 =Q 8 BÄ X.1919 in SEe = E o KZ = N N -2 X. = "8 KZ 4 9 ®s- 3 ■e 2?. 'S-; N LZ -§ £ = <# geo J»«?8 e « E -° ««’SE e ä eg e = -e ZA «19 •Söt^S ©ssa 8S ? N VANS-; (9S3S öAc?K ÖSSOS» crtiDScy to 5.1 8 s S) 5 Ex e?N 8 8s «» = 2’Ä‘SS trO;C 19 E AZ XA A1919 3 = e a£3 H •e E E 82 E 5 «Ä E« X« E E o © ■o ü) 0*6" »-A = >r> a Q B € «Z ■®19 Aß' 5 E K ‘Ec E O:= E°L .2 <=3^. E ®X ÜB We E®^a «.§ Sä Q AS*Q X. 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IZL? uffi » - 3 L «53 ^L-K e 8 i 8 -Li er e L IO e 5 a o •ö — G) §8^-0 E 'S o ea Z-! e = A L a 'S -• B e o 3 V E A N - 8 ■W w* C e .Ä N V Q.X V EA u)^Z ° E •ei 8JS ■e T5 h g ■5 £ e 2© E-eco W.X^O. a 5 -ZZL p s E e 5 S.SF' ZL' ®,5.(9i§ X- .L -s s rf3*"C E Q © Ö.2- W 3 oN 1 2 o g ■c © x X s: © 5 A A 1 Q S£Ö LG^ g N 8 L g ’® 2 p E E o» e g <9 « a Q •e E 3 A s 3 N A E £ Js u.-eM Xl9 • 1 s 19 G Z i K AZ E 5 o B H L Ä- x E S Z o a 5 8 a-.E g-» •ti 5 5 s§ ;e LZ 'T i 5 a ä-.e . o a 3 ll re o 5» g tf> Sa p Ö) e 3 P •» iO 5? « 3 N.E c-e^v 2^5 2" ^-0(9® te t e L sej :O e« S. fl SS = S J« “"pW o- ec = » S = =$•§ Esg) E «5* o-O :O Z E :?L « s u^: ZZL ö=£ «i ns8ti Mi'üi W®6 x r- —• *“ 3 X « Xi ? S u Zks^^ O-E 3 „ 3 3 _ Z° N X 2-5 3 M«-g I-ZSZ^K a G Sse ^to5 B§ t u x o e EP^Sx 52 Z-B « =-Shx€= Msi ®-s -*a HZ Sf=E»sÄSL z!4 Tg§ -8>gc *05 "9 :O £ N g « _ A S Ü-E5S2 c X. 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Ott r« fiSposs "lu5:? a§, x'to Z -D -’S’C.E 2 O ’C r- F M--=ÄaZ2x-KZs £^■5 L--L - _ _• .Z 1,19 at9 E = Sh2S E Z e --DZ — — o >:C =—- «sx 5c. = jjX Hx 5$ ©LE '£ZE X2-C LL-Z LZ _ s SZ !s i-£~E :O e a-E3O-!f «x 3 ■— — C r;. tt X « „ — 3 X to -5 S X X.S So = 5e .*5 3 % aro5i9 ogx - '=^=1-? ,K4ss»ts O >V C c?e—x c’E--g 5 ^£tt if*8 HZM liy ,-B-a«h " 5 isS2 ’H = i S g N = v a c ZL§^ «S ^® XA i§g< c'eS.e 2 22 = £ ® «1*1 lllji q e “-e^ e- ux -2-^2« 2 =Z-eL WoZ X cx.— x 3o^oSgSo i&Hl’J 5 5-LZÄH^,L S'ä5’°ä^-® O5^e " 9 X-r ‘e7*C' . 3 X 3 „ E -UpZ-S^^® 2 LSÄ 312 53 tttSJ X-* - 52 E ? - «?= Eü 3 O rr -P, « E « L.Q - « LZ JE -ea ä 2 = 5 o-rSXg3 p^lx^ A | 8Z5 ^2 5 oä =^-2 5 S >o <$jO s^L-ZZ 0» » 3 e» ä SiSU-s 5 -p- w - = t «S^33 L D§ e-e gl®3<|g5a E:=2B§i^= x O £ o 3-p- CfS-S 2s^Z5-«^Z ®eg ZLZZoLL____ Ä . E £ c o 5.-0 e „2 |1 s ö LZLK®§© a-^©z-s \X 2 5 ;3 = e^ 3 3 «»■aä ~ -eg o 3 ;rkO 2 — C O B E(9«-B LsZ^HKZ MC 5 'B' ZS3ZX GZ K? c o 3« is 3 L X 3 LZ c^-gr 5 x 8 e- u4. 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