nr. 114 Erstes Matt 182. Jahrgang Mittwoch, 18. Mai (952 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnttk und Verlag: vrühl'fche Universttätr-Vuch. und Stcinöruderei R. Lange in Stehen. 5chriftleitung und Seschäftrftelle: Schusfttahe 7. Die Aussichten für Lausanne 4 Der neue Gouverneur des Memellandes n a I c Reg Q3 o 11 m a d) Händen gelungen beschloß die Kundgebung. Anlchlie- ßend fand eine Kranzniederlegung am Abstim mungsdenkmal statt. 6 o ro n o , 17. Mai. (TU. Funkspruch.) Die die „Telegraphen-Union" erfährt, ist die Ernennung des bisherigen titauifchen Generalkonsuls in London. Gylys, zum neuen Gouverneur des Memelgebiete» erfolgt. Gylys ist heute in fiorono eingetroffen und dürfte schon in den nächsten Tagen sein Amt übernehmen. Gylys ist in der Konsularkarriere tätig gewesen. 3n den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit des litauischen Staates war er Kanzleiches imMi- nisterkabinetl. dann litauischer Vertreter für Finnland und Estland in helsingsor», später Konsul in Königsberg und Kopenhagen. Vach längerer Tätigkeit im Außenministerium wurde er 1936 zum Generalkonsul In London ernannt. Er stehl im 46. Lebensjahr. Herr Gylys ist noch ein unbeschriebenes Blatt. Die Annahme scheint jedoch berechtigt zu sein, daß er mit dem Kurs seines Vorgängers brechen und eine Verständigung anzubahnen suchen wird. Auch in Äorono hat man nach dem Ausgang der Memeler Wahlen kalte Füße bekommen. Die Wirtschaftskrise hat sich in den letzten Monaten wei- ierung mit diktatorischen t e n tritt. der Mißerfolg der Lausanner Änn- serenz si ch zu einer Weltkatastrophe au-wirken wurde. Deutschland würde in seinen Zusammenbruch die meisten Völker mit hinein ziehen. .Keine Großmacht, nicht einmal Frankreich, würde dem Wirbelsturm widerstehen können. Gläubiger und Schuldner würden insgesamt ruiniert, zwangsläufig sich gleichgestellt sehen. liche Ilnterhändlertätigkeit frei erfunden ist John Curtis gab zu, daß alle«, waS er über seine Verhandlungen erzählte, lediglich Produkt seiner Einbildungskrast gewesen sei und nur dazu bestimmt war. hohe Honorare sür Zeitungsartikel über den Fall und seine Rolle dabei herauszuschlagen CurllS spielt seit vielen Jahren in der Ror'olker Gesellschaft eine prominente Rolle. Das Schisssbau- unternehmen von Curtis hatte vor ungefähr einem Jahre bankrott gemacht Das Vertrauen zu CurtiS und seinen Mitteilungen war so groß, daß alle verfügbaren Küstenwach'chiffe zwischen Gloucester (Massachusetts) und Rorsolk (Virginia) mobil gemacht worden sind, um nach dem Voot zu suchen, aus dem sich angeblich die Verbrecher befänden. Oberst Lindbergh selbst halbe zahlreiche Flüge unternommen, um nach dem Fahrzeug Ausschau zu halten, aus dem er lein Kind vermutete, und die Polizei ist bei ihren Rachforlchungen aus eine falsche Fährte ge I o d t worden. Eine Ostpreußenkundgebung des VOA. in Marienburg. Abschluß der Elbingcr Tagung. Marienburg, 17. Mai. (HL) Tausende von Teilnehmern der (Eibinger VDA. Tagung fanden sich am Dienstag zu einer eindrucksvollen Festkund gebung in der Marienburg 3m großen Remter der Burg fand ein Festakt jtait RegieAnnahme von Anzeigen für die lagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis lur \ mm Hobe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- blameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrill 20*. mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Dill). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange: für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Eine sensationelle Verhaftung. — OaS Kind bei der Entführung versehentlich fallen gelassen. - Oer Mittelsmann Curtis als Schwindler entlarvt. ter zugespitzt. Litauen ist auf bc/r deutschen Absatz markt angewiesen. Es hat also guten Grund, durch eine Aenderung seiner Haltung den Memellandern gegenüber neue Brücken nach Deutschland zu schlagen. Dann sind die Machthaber in Storono eben erst an einem Putsch des Gouverneurs M e r k y s haarscharf vorbeigegangen. Merkys wollte einen Senfationsprozeß, in dem er eine recht un erfreuliche Rolle spielt, benutzen, um vom Memel gebiet aus die litauische Regierung zu stürzen. Das ist ihm mißglückt, weil die Kownuer Regierung im letzten Augenblick Kenntnis von seinen Plänen er hielt und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen er greifen konnte. Faßt man das alles zusammen, so laßt es sich schon verstehen, wenn die Kownoer Rc gierung jetzt mildere Saiten aufziehen möchte. Wir werden natürlich eine Umkehr begrüßen, werden aber nicht vergessen, daß im M e - melgebiet vorläufig noch rechtlose Zu stände herrschen. Erst wenn Litauen die internationalen Verträge wieder achtet, und dos an den Memelländern begangene Unrecht gutgemacht, also auch dafür gesorgt hat, daß das Memelland sich eine Regierung nach seinen Wünschen bilden darf, werden wir ebenfalls bereit fein, untere Einstellung einer Revision zu unterziehen. London. 18. Mai. rtschastlichen Programms werde zwar durch Geld be ft ritten werden müssen; das könne durch die Prämienanleihe geschehen. Im zweiten Teil wird die Organisation des hilfswirtschastlichkn Programm» skizziert, wobei als Beispiel die landwirtschaftliche Siedlung gewählt ist. Der Ausbau der Siedlung soll durch Erwerbslose in freiwillige m Arbeitsdienst geschehen bei aemcinlamer Verpflegung und Unterbringung. Die Arbeit-freiwilligen sollen in Gruppen ihre Siedlungen selbst erbauen. Innerhalb des Arbeitslagers ist Ausbildung der in der Landwirt Schaft Unerfahrenen vorgesehen. Für die «iedlungsbauten soll in möglichst umfangreichem Maße Hol» verwandt werden, das von den Gemeinden und Landern zunächst geldlos geliefert wird, gegebenenfalls Abgabe von ausrangierten Reichsbahnwagen. Für die Herstellung des Materials sollen gleichzeitig ft i 11 gelegte Betriebe durch Arbeitslose in Betrieb genommen werden („S c l b ft b i 1 f e- betriebe"). Die Einstellung in die Selbsthilfe- betriebe erfolgt gegen Weiterbezug der Arbeitslosenunter ft ützungohneLobn- anspruch, evtl, unter Gewährung gewisser Vergünstigungen Das in Anspruch genommene Land ist durch Reichsschuldoerschreibungen zu bezahlen, desgleichen das Holz und Reichsbahnwagen. Die Eigentümer der Selbsthilsebetriebe erhalten Anspruch aus Vergütung für Abnutzung der Anlagen Die Gestehungskosten der Selbsthilsebetriebe könnten infolge Fortfalls von Lohnkosten, Sozialbeitragen, Steuern usw. auf schätzungsweise ein Drittel des Produktion-wertes vermindert werden. Die hilsswirtschafttichcn Maßnahmen wären einem Reichskommissar mit großen Vollmachten zu unterstellen. Ausgabe des Reichskommissars sei auch, dafür zu sorgen, daß die Erzeugnisic der Selbsthilfebetriebe nicht auf den freien Markt gelangen. । Deutschnationale Dr. Ära atz. Aus der Tagung der SamStagsitzung steht die Wahl deS Staats- Ministers. Zuvor muß jedoch der nationalsozialistische Antrag beraten werden, der eine Aende- runa der Verfassung dergestalt fordert, daß künftig in Anhalt mit einem Minister regiert werden kann. Die Wafferkatastrophe im Moseltal. Gül» , 17. Mai. (TU.) Das Unwetter, das am Pfingstmontagnachmittag im unteren Moseltal nie- beraing, hat besonders große Verheerungen in der Ortschaft Güls angerichtet. Noch heute sichen die Einwohner unter dem lähmenden Eindruck der Naturkatastrophe. Wolkenbruchartiger Regen hatte die kleinen Bergbache in wüdreißende Flüsse verwandelt und von dem bei Güls gelegenen Mühlental ergossen sich breite schlammige KLasscrmassen zunächst 5^0! Die hauptsächlich von der Katastrophe betroffenen Moselorte. auf den GüIfer Friedhof und von hier auf die Ortschaft. Viele Schuppen und auch einige feste Hauser waren der Gewalt der heranwalzenden schlammigen Fluten nicht gewachsen und stürzten e i n. Feuerwehr und Technische Nothilfe sind ununterbrochen beschäftigt, um einigermaßen Ordnung zu schaffen und die Straßen von dem metertiefen Schlamm zu befreien. Aus den überschwemmten und verschlammten Ställen wird das ertrunkene Vieh fortgeräumt und in tiefe Gruben eingescharrt. Teilweise ist das ganze Klein - und Federvieh um gekommen. In der Hauptsache sind es kleinbäuerliche Anwesen, die schwer betroffen worden. Im Mühlental sind schwere Schäden hervorgerusen worden. Von den 4 mittelgroßen Mühlen, die hier gelegen sind, ist eine finge- stürz t. Ihr Besitzer wird noch vermißt. Die übrigen Mühlen sind unterspült und in ihrer Umgebung haben sich tiefe Trichter gebildet. In Guls sind viele tausend Besucher eingetroffen, um die Unglürfsftätte zu besichtigen. Die Einwohner kümmern sich wenig um die Fremden, sondern helfen tatkräftig der Feuerwehr und der N o t h i I f e bei den Aufräumungsarbeiten. Auch die Dörfer der Umgegend haben schwer gelitten, wenngleich auch das Ausmaß der Katastrophe bei weitem nicht an das von Güls heranreicht. Aus aller Well. Deutsche Lehreriagung in Rostock. In Rostock wurde die von über 2000 Delegierten besucht« Iahrestagung des Deutschen LehrervereinS eröffnet. Unter großem Beifall wurden die deutschen Lehrer auS dem Memelgebiet willkommen geheißen. An den Lehrerverein im Memeltal sandte die Versammlung ein Begrühungstelcgramm. in welchem dem Kamps um daS Recht der Selbstbestimmung im deutschen Memelland bester Erfolg gewünscht wird. Der Dertreter des Deutschen Beamten- bundeS, Dr. Richard, wandte sich besonders gegen diejenigen Bestrebungen, die dem deutschen Beamtentum daS passive Wahlrecht nehmen wollen Der Dorsihende des Deutschen Deamtenbun- des. Flügel, hielt einen Dortrag über „Die Deamtenschast in der Wirtschafts- und Finanz- krise". Seine Forderung nach Abschaffung der Reparationszahlungen sand bei der Derfammlung stürmischen Widerhall. Die mehrstündige Aussprache führte zur Annahme einer Entschließung, in der eine Steigerung der Kaufkraft der Arbeitnehmer und Verbraucher gefordert wird Alle Finanzmaßnahmcn und wirtschaftlichen Ausbaupläne seien so durchzuführen, daß das Realeinkommen keine weitere Einbuße erleidet und daß die Arbcits- lofen wieder in da- Wirtschaftsleben eingegliedert würden. vom Lund Königin Luise. Aus der alten Burg W e 11 i n über den früh- lingSgrünen Ufern der Saale tagte die Bundes- Vertretung des Bunde- Königin Lutte Zu Beginn der Tagung gedachte die LandeSverbandS- führerin von Sachsen-Thüringen, Frau Pohle, Erfurt, in herzlich warmen Worten der biSherigen Führerin des Bunde-. Frau Marie Retz und oegrüßte sodann Frcttrau von Hadcln. in deren Hände seit dem 1. April 1932 die Führung des Bundes gelegt ist. Diele machte sich in ihrer Programmrede die alten Ziele der Arbeit im Bunde zu eigen, indem sic den Kampf gegen bic Kriegsfchuldlüge. die Wiedererlangung der durch das Ikr’ailkr Diktat entrissenen Gebiete, die Befreiung von den Tributlasten und Deutschland- Wieder zu gewinnende Wehrhoheit als Ausgaben nannte. An Stelle des ertränkten 2. Bundes- führerS des Stahlhelms gab Herr von Lübbers. Drohgauführer im Stahlhelm, einen ileberblid über die augenblickliche politische Lage. Drei Landesführerinnen des Bundes brachten die verschiedenartigen Ausgaben Bayerns, des Rhein- lande- und de- Ostens den Kameradinnen nahe. Drei Dorträge von dem Landesbischof Dr. Rendtorfs, Dr. Stabiler und Au-muß wurden mit lebhaftem Verständnis aufgenommen. Tagung de- Weinheimer Srniorcn-tonotnl» (IPS6 ). Der Weinheimer SE hielt in Weinheim an der Bergstraße die Iahrestagung seiner 60 Corps der deutschen Technischen Hochschulen ab, um die besonders dringenden Fragen: der intensiven Durchführung des Wehrsport», der Studienverhältniss« an den deutschen Hochlchulen, der Maßnahmen gegen die Stellungslosigkeit der Hochschulabsolventen, und schließlich der in der Deutschen Studentenschaft notwendigen Mitarbeit, zu behandeln. In diese Arbeitstagung waren drei Vortrage eingebaut, die au» der lebendigen Corpvstudentischen Tradition des Schwertdienstes heraus die Verpslichtungen gegenüber der^ Jetztzeit behandelten. Die Tagung auf der dem WSE. gehörigen Wachenburg wurde mit der Gefallenengedenkfeier begonnen und mit einem schlichten sommers in Anwesenheit der Vertreter der Technischen Hochschulen Darmstadt und Karls- ruhe und anderer Gaste beschlossen. Vier Brüder nach einem Familienfest ertrunken. Ein erschütterndes Familiendrama spielte sich in der Nähe des jütlandischen Städtchens Worbe ab. In einer Arbeiterfamilie war das neunte SU n b getauft worden^ Aus diesem Grunde hatten die Eltern alle ihre Söhne um sich versammelt. Die ältesten vier Knaben im Alter von 17 bi» 10 Jahren unternahmen nach der laufe eine Bootsfahrt, von der sic nicht zurück- kamen. Abends wurde das Boot gekentert ausgesunden. Die vier Brüder wurden später al» Leichen geborgen. Tod eine» schwedischen Fallschirm-Künstler». Der schwedische Fattschirmkünstler Arnold Waldau sand bei einem Absprung in der Rähe von Oslo den Tob. da sich der Schirm nicht entfaltete unb der Flieger infolgedessen auS einer Höhe von 500 Meter abstürzte. Besorgnis um da» Schicksal der Flugexpedition Bertram. In Kocpang aus Timor ist man ohne Nachricht über dos unter Führung des Fliegers Bertram auf einem Weltsluge befindliche Junkers-Flugboot das am Sonntag früh von Kocpang nach Port Darwin gestartet war. Bertram war bis Montag früh in Port Darwin nicht eingetroffen. Die Behörden haben Nachforschungen eingeleitel. Drahtlose Biidübertragung nach dem Schnelldampfer „Bremen“. Dem technischen Direktor der Schweizcrilchen Radio-Typo-Gesellschast, Oberingenieur Adalbert Guth, ist es nach jahrelangen Dcrsuchen gelungen, auf drahtlosem Wege über Entfernungen von mehreren tausend Kilometer bildliche Darstellungen unb Wiedergabe von Dokumenten. Drucksachen usw so zu übertragen, daß sie als ohne weiteres verwendungsfähige Klischee- empfangen werden können Die Versuche, die bisher zwischen Zürich und Athen gemacht wurden, sind von der Radio-Typo-Gesellschast in Gemeinschaft mit dem Rorddeutschen Lloyd Bremen unb her Deutschen Betriebsgesellschast für drahtlose Telegraphie nun auch zwischen Zürich unb b c in aus hoher See befindlichen Lloydschncll- da m pser „'Bremen" mit Erfolg durchgeführt worden. Hebertragen wurde bei diesem ersten Versuch ein Schreiben des Rorddeutschen Lloyds an den Kapitän der „Bremen". Das neuartige Verfahren, das die Bezeichnung .Radio- Ty p o" führt, ist eine Verbindung von Tcleviskon und Bildtelegraphie Es leuchtet ein, daß bic neue Erfindung von größter Bedeutung für da« Rach- richtenwesen der Zukunft ist. Große Walbbränbc in Kanada. Buschbrände, bic von einem starken Wind angetrieben werben, haben durch den Bezirk von Rouyn eine elf Kilometer breite Straße getrieben unb alles, was in ihren Weg kam, zerstört. Mehrere Bergwerksanlagen sind zerstört worden. Der Schaben wird auf über eine halbe Million Dollars geschätzt. Wahrend der letzten zwei Tage haben Hunderte van Bergleuten vergeblich gegen die Flammen angekämpft. Kiel Curha> Gelsen ‘ Oendsbui Heiden##* Halle v SHELL AUT00II Eine Antwort auf Wo gibt es DYNAMIN ? bauten >S o Eilenburg Mersse* DYNAMIN, des unübertroffene SHtLL-Speilolgemisch für hochverdichtende Motoren, tankt man an allen SHtLL-Pumpen, die das charakteristische „Haue Band" tragen. Diese SHf LL-Statlonen liegen Insbesondere on den für den Kraftverkehr wichtigen Stütz- und Knotenpunkten des deutschen landstrc Ben-Netzes. Auskunft Im einzelnen geben hierüber die DYN AM I N-STBASSENKARTEN, die wir für die verschiedenen Bezirke Deutschlands herausgebrocht haben. Die Zusendung erfolgt , auf Wunsch kostenlos durch die RHENANIA-OSSAG MINERALÖLWERKE A-G Zweigniedertoitungen m Berlin. Bremen. B*e*lo*. OtemnH*. Oreiden. OütieldoH, Erfurt. Frankfurt e. M . Homburg. Hannover, K&ln. Mnigiberg. il.Leipzig, ludwigihaFen. Magdeburg. MOechea, Nürnberg. Stettin. Stuttgart ra viele F gen: »MM,AMs Roman von Gert Rothöerg. Copyright by Martin Aeuchtwanger, Hall«. 17. Fortsetzung. 'Rachdruck verboten! Der alte Karl dachte an ein junges, schlankes Mädel, das für einen einzigen Abend hier die Herrin gewesen war, und meinte ernste „Jawohl, Herr Doktor, man muh abwarten." Ansbrück setzte sich. Verlockend duftete es zu ihm empor. Viel Hunger verspürte er nichts aber er durfte auch seine Köchin nicht kränken. Die gab sich gar so große Mühe. Also ah er von dem Huhn, leerte auch eine kleine Flasche Wein dazu und nahm dann noch von der Käseplatte. Das Telephon schrillte in seine Gedanken, als er nach dem Essen am Flügel stand. Er ging hinüber. „Hier Doktor Ansbrück!" __ „Guten Abend. Herr Doktor! Hier ist Mistreh Harrison. Mein Mann ist unten im Lesezimmer mit zwei amerikanischen Geschäftsfreunden. Es wird ein paar Stündchen dauern. Wie wäre es, wenn Sie mir ein bißchen Gesellschaft leisteten, Herr Doktor? Ich bin ja eine alte Frau, Sie laufen also nicht Gefahr — doch Scherz beiseite! Ich mochte Sie unbedingt einmal ohne meinen Herrn sehen und sprechen. Ich machte vor einigen Tagen Einkäufe im Atelier der bekannten Französin Madame Endiee!" „Gnädige Frau!" „Ja! Ich denke, daß Sie kommen werden. Ich will Ihre alte Freundin sein, Herr Doktor. Also, bitte kommen Sie, wenn es Ihnen möglich ist. Es paßt heute so vorzüglich." _ . „Ich komme selbstverständlich, gnädige Frau, unb ich danke Ihnen für die freundliche Einladung, die ich doch eigentlich nun nicht mehr verdiene!" „Hm: Run darüber wollen wir uns eben ein wenig unterhalten. Ich erwarte Sie in einer Stunde! Mit Ihrem Auto können Sie eventuell schon eher zur Stelle sein. Mir desto lieber." „Ich komme sofort!" „Schön — dann auf Wiedersehen!" „Gnädige Frau — Verzeihung, dah ich noch nicht fragte, wie Ihnen der „Weihe Hirsch" bekommen ist?" „Vorzüglich — ganz vorzüglich." „Das freut mich sehr. Dann also auf Wiedersehen!" Ansbrück legte den Hörer auf die Gabel. Mistreh Harrison hatte Aenne im Geschäft der Madame Endiee gesehen! Sie wuhte jetzt, dah lie nicht ferne Frau war. dah er und die kleine schöne Aenne sich erlaubt hatten, sie zu täuschen, llnb er hatte nicht einen Augenblick lang daran gedacht, dah Mistreh Harrison gerade dort, in jenem Modesalon, kaufte. Er hatte überhaupt an nichts weiter gedacht in diesen letzten Wochen, als daran, dah er sich krank sehnte nach der blonden Aenne! Und doch machte er nicht den geringsten Versuch, sich ihr zu nähern — nicht den geringsten! Er wollte frei fein, und würde es eines Tages! Dann ging er zu dem sühen, blonden Geschöpf, holte sie zu sich, wie er versprochen hatte. Doktor Ansbrück dehnte seine große elegante Figur. Wie er sich rettungslos in diese Liebe verrannt hatte! Und er war gebunden. Gebunden an eine Frau, die er weder lieben noch achten konnte. In aller Ewigkeit nicht mehr. Lisa hätte sich das ja doch sagen müssen, dah es ein Spiel um alles war. das sie eben verloren hatte. Daran lieh sich nun nichts mehr ändern. Er fließ seine einmal gefaßten Entschlüsse nicht mehr um. Ernst von Polzenhagen hatte auch noch ein paarmal versucht, ihn anderen Sinnes zu machen. Ratürlich, dem alten, anständigen Kerl war es um den Skandal! Aber hierin konnte man schließlich keine Rücksicht mehr nehmen, wenn es sich um einen derartigen Fall handelte. Lisa war schuld. Sie allein! Run mußte sie die Folgen tragen und mit ihr ihre Angehörigen, so leid ihm gerade letzteres auch tat. Rasch ging Ansbrück in sein Schlafzimmer hin- über, um sich für den Besuch fertigzumachen. Sein Auto trug ihn in kurzer Zeit zum Espla- Nade-Hotel. Er schritt durch die Halle. Sv ohne weiteres ging das aber nicht. Er hatte Aufent- halt, wurde einige Male erfreut begrüßt und konnte sich nicht gleich losreißen, durfte es nicht. Dilma Vandorff faß mit ihrem Vater in der Ecke unter den Lorbeerbüschen. Ihre dunklen Augen hatten ihn bereits erspäht, als der Diener vor ihm die Flügeltür aufriß. ‘ Sie liebte ihn! Sie liebte ihn feit langem! Sie hatte bisher wenig Gelegenheit gefunden, bei einer Gesellschaft mit ihm zusammenzutreffen. Und dann war er immer in Begleitung feiner Frau gewesen, der sie diesen Mann neidete. Weil sie das Glück hatte, ihn zu besitzen. Ausschließlich und allein zu besitzen, wie allgemein bekannt war. Vilma atmete tief auf. Und nun munkelte man plötzlich, daß diese Ehe getrübt fei! Eine Hoffnung! Eine winzige Hoffnung! Vilma sagte ihrem Vater leise, daß Dollor Ansbrück käme. Er möge ihn doch begrüßen und ihn aus einige Minuten mit an ihren Tisch bringen. Friedrich August Bandorif legte erstaunt seine gute Zigarre beiseite und sah genau in das Gesicht feiner Tochter. Er meinte dann nur . „Aha!" und ging. Das heißt, vorläufig kam er noch nicht an Doktor Ansbrück heran. Vorläufig schüttelte man ihm erst hier und dort die Hand. Herr Dandorff wußte, was die Glocke bei seiner Einzigen geschlagen hatte. Das wurmte ihn! Das hätte sie nötig, ihr Herz an einen verheirateten Mann zu hängen! Selbstverständlich war der Klatsch über die Ehetrübung Ansbrücks auch bis zu ihm gedrungen. Aber er gab auf solches Getuschel nichts Rein gar nichts. Ra, heranholen mußte er ihn. Vilma wünschte es nun einmal. Und was Vilma wünschte —! Freilich, er, Friedrich August Dandorff, hätte sich den Ansbrück als Schwiegersohn mit größter Freude gefallen lassen. Aber der Mann war doch nun mal verheiratet, und da blieb bei der ganzen Sache doch ein ekliger Geschmack zurück. Man konnte doch unmöglich noch dazu tun, daß die Scheidung zustande kam. Was wäre denn das schon gewesen?! Eine feige, hinterlistige Tat! Lisa Ansbrück hatte niemandem etwas getan. Trotzdem gönnten es ihr jetzt alle, und alle wünschten, daß das Gerücht recht haben möge. Herr Bandorff konnte seinen unerfreulichen Gedanken nicht mehr nachhängen. Doktor Ansbrück schritt auf ihn zu, begrüßte ihn. mit der ihm eigenen Herzlichkeit. Die Herren schüttelten sich die Hände. Ein schneller Orientierungsblick Ansbrücks, und er sah Vilma Bandorff. Da er sie vom letzten Ball bei der Gräfin Hechenberg her kannte, mußte er auch sie begrüßen und tat es jetzt mit tiefer Verbeugung und einem Handkuß. Erstaunt stellte er bei sich fest, daß die verwohnte junge Dame zu- sammenzuckte. Ein paar freundliche Worte. Aber was Vilma gehofft, traf nicht ein. Doktor Ansbrück setzte sich nicht er ft, sondern unterhielt sich im Stehen. Genau damit kennzeichnend, daß er keine Zeit für Vilma Bandorff habe. Dilmas Augen strahlten ihn an. „Herr Doktor, wir geben nächstens draußen in Bandorff eine größere Gesellschaft. Dürfen wir Sie auch bei uns begrüßen? Die offiziellen Einladungen sind noch nicht versandt' aber es wäre sehr schon, wenn ich Mama schon heute melden dürfte, daß Sie auch kommen." Das klang fröhlich-harmlos: aber der Vater hörte die innere Unruhe wohl heraus und wurde mit der ganzen Sachlage immer unzufriedener. Ein kurzes Ueberlegen, dann sagte Doktor Ansbrück höflich: „Vielen Dank, gnädiges Fräulein! Ich werde bestimmt kommen, wenn Sie mich der Ehre einer Einladung würdigen." In ihren dunklen Augen leuchtete es auf. ®r aber sagte jetzt hastig: „Ich muß leider jetzt weg. Habe noch eine Besprechung. Auf Wiedersehen!" Sie sah ihm nach, wie er sicher und elastisch die breite Treppe auf dem kostbaren Läufer hinaufschritt, und die Sehnsucht, ihn zu besitzen, wurde größer und heißer. Ihr Vater sah verstohlen in ihr Gesicht. Endlich wagte er eine Frage. Doch Vilma antwortete ihm nicht. Vielleicht hatte sie es auch nicht einmal gehört, was er sagte. Sie blickte noch immer auf die Treppe und dachte: Mit wem hat Doktor Ansbrück hier eine Besprechung? Und weshalb geht er zu den Zimmern hinauf? Herren machen Besprechungen doch meist an neutralem Ort ab. Besucht Doktor Ansbrück hier im Hotel eine Dame? Ein stechender Schmerz, bohrte sich in Vilma Dandorsss Herz. Wen besuchte er?.Wen? Sie blieb einsilbig und nippte nur ab und zu einmal an ihrem Kelch. Und ihr Vater verschanzte sich endlich ärgerlich hinter einer ~3ething. Später kamen Graf Osten und Fritz Hildebrandt: aber auch sie verzweifelten fast, weil ihre heimliche Liebe keinerlei Beachtung fand. Heb» rigens hatten sich die beiden jungen Lebemänner geeinigt. Der, der die reiche Braut bekam, hatte, sobald Vater Dandorff die Mitgift herausgerückt hatte, an den anderen fünfundzwanzigtausend Mark als Schmerzensgeld zu zahlen. Dabei soll nicht gesagt fein, daß ihre Liebe nur dem Geld Vater Dandorffs galt — nein, sie liebten Vilma wirklich. Aber ohne Geld war eine Heirat bei ihnen beiden nicht möglich. So standen die Sachen, und die beiden Freier legten sich gegenseitig nichts in den Weg: sie paßten nur wie Schießhunde auf, daß da nicht noch etwas unverhofft ein Dritter auftauchte und mehr Chancen hatte. Gleichgültig hörte Vilma auf die Komplimente Sie hörte ober vielleicht auch nicht zu. Graf Osten wurde blaß. Das sah nach Liebeskummer auS! Bestimmt! Darin kannte er sich aus. Und daß sein Freund Hildebrandt und er selbst bei dieser mutmaßlichen unglücklichen Liebe ausschieden, war ebenso klar. » Also Gefahr! Da hieß es aufpassen! So leicht sollte der schöne, dabei so reiche Goldfisch nicht entweichen, denn draußen in Schloß Ost erhöhen war es höchste Zeit, daß irgend etwas geschah! (Fortsetzung folgt.) Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an !♦ Bernard Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, seine treue Dienerin Fräulein Anna Landau im 74. Lebensjahre nach kurzer Krankheit, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, in die Ewigkeit abzurufen. Die Schwestern des St>Josephs-Krankenhauses. Gießen, den 17. Mai 1932, Die Beerdigung findet Freitag, den 20. Mai. nachmittags 3 Uhr. auf dem Neuen Friedhof statt. 03108 Donnerstag, den 19. Mai d. 3„ I nachm. 2 Llhr, versteigere ich im I „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung Donnerstag, 19.5.1932, abends 8.30 Uhr, i.Heirn Vortrag v. Herrn Hand- werksk.-Snndikus Rohr über: 3885 d Bata und sein Wirtschaftssystem 2 Bettstellen, 1 Damenmantel, 3 Büfetts, 2 Schreibtische, 4 Schreibmaschinen, 1 Eisschrank, 20 Kartons Pralinen, 1 Schreibmaschinentisch, 400 Hühner, 1 Hobelbank, 1 elektrische Haarschneidemaschine, 1 Radiogerät, 4 Chaiselongues, 1 Ausziehtisch, 6 Sofas, 1 Vertiko, 3 Nähmaschinen, 1 Gläserschrank, 2 Gläserschränkchen, 1 Wirtschaftsbüfett, 1 Badeofen mit Wanne, 1 Mille Zigarren, 2 Kredenzen, 1 Tisch mit 6 Stühlen, 1 Flurgarderobe, 1 Klavier, 1 Spiegel- schrank, 2 Diwane, 1 Grammophon, 1 Kommode, 2 Kleiderschränke, 1 Waschtisch, 1 Bett, 1 Damenfahrrad, 1 Motorrad, 1 Harmonium, 27 Zinkeimer, 25 Zinkwannen, 27 Schraubzwingen, 6 Wasserschiffe, 1 Bohrmaschine, 1 Rauchtisch, 1 Bücherschrank, 1 Schreibtisch, 1 Herrenzimmertisch, 1 Ständerlampe. Ferner bestimmt: 3893D 3,50 Meter grünes Kneipjackentuch, 1 Diwan, 1 Trumeauspiegel mit Konsole. 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Da- Reichsgericht hat in ständiger Rechtsprechung Aum Ausdruck gebracht, der Kraftwagen- sührer dürfe sich nach den Erfahrungen deS Lebens nicht darauf verlassen, daß hd) jeder Benutzer deS WeaeS ihier im weitesten Sinne, einschlieh- lich der Fußgänger) mit der bei dem zunehmenden Verkehr erwünschten Umsicht bewegen wurde: vielmehr müsse die gegenteilige Erfahrung berücksichtigt werden. Die Gründe hierfür können verschiedenster Art sein, sei eS nun, daß eS einem Weg- Benutzer an den körperlichen oder geistigen Vor- aussctzungen für ein sicheres und sachgemäßes Der- halten aus der Straße mangelt, sei es auch, daß ,er un gegebenen Augenblick die gebotene und ihm auch mögliche Sorgfalt aus den Augen läßt: Mängel des Verhaltens, die beim Fußgänger, namentlich beim Kind, ober auch beim erwachsenen Menschen, erfahrungsgemäß vorkommen. Aber auch daS Verhallen anderer Wegbenutzer als der Fußgänger. beispielsweise der Radfahrer, der Motorradfahrer. der Kraftwagenführer bietet keineswegs allgemein eine Gewähr dafür, daß sie sich sachgemäß verhalten und sich genau an die stroßen- polizeiltchen Dorschriften kehren. obwohl eS sich bei ihnen um eine gewisse Auslese solcher Menschen handelt, bei denen eine höhere Rüstigkeit und DerkehrSgewandtheit und ein besseres Der- ständnis für die Bedürfnisse des DerkehrS erwartet werden könnte. Die Grenze zu finden, innerhalb deren sich im einzelnen Fall, nach dessen besonderer Beschaffenheit. ein Kraftwagenführer auf solche Unzulänglichkeiten im Derhalten anderer Wegbenuyer einrichten muß. läßt sich bei der Verschiedenheit der Sachlagen nicht allgemein und bindend sagen Hier kommt es in besonderem Grade auf die Lage deS einzelnen Falles an. Bedeutsam ist dabei vor allen Dingen die Frage, ob und wieweit die Fahrbahn des Kraftwagens übersichtlich ist. Wiederholt bat daS Reichsgericht ausgesprochen, der Krastwagenführer müsse hierbei nicht nur den von ihm befahrenen Straßenteil im Auge behalten, sondern die ganze Straßenbreite. Befindet sich auf der Fahrbahn ein Hindernis, etwa ein dort stehender oder fahrender Wogen, so muß der Kraftwagenführer mit der Möglichkeit rechnen, daß unversehens hinter dem Hindernis ein Mensch hervor und ihm vor den Wogen komme. Er muß ferner auch die zur Straße gehörenden Bürgersteige im Auge behalten, allgemeiner die Geländeteile recht- und link-der Fahrbahn, und sich bewußt bleiben, daß von hier, etwa aus einer einmündenden Straße, jederzeit ein Hindernis aus der Fahrbahn eintreten könne. Für die Frage, ob der Lieberblick über die Fahrbahn behindert sei, kann es nach dem Zweck der für den Kraftverkehr gegebenen Dorschriften und der Ratur der Sache nicht nur auf die Stelle der Fahrbahn anfommen, auf der sich der Wagen im Augenblick befindet: unbehindert ist vielmehr«der Ueberblick über die Fahrbahn nur dann, wenn der Fahrer beurteilen kann, ob die Fahrbahn jeweils auf der Strecke, die er sich eben anschickt zu befahren, dann von Hindernissen frei sein werde Solange er nicht in diesem Sinn den für die Sicherheit seiner Fahrt erforderlichen Ueberblick über die örtliche Lage gewinnen kann, muß er sich auf ihre Zweifelhaftigkeit einrichten, darf also nicht mit einer Schnelligkeit fahren, die ihn, nicht mehr ein so rasches und sicheres Anhalten erlaubt, wie es gegenüber dem als möglich anzunehmenden Hindernis geboten sein wird. Der tragende Gedanke ift also der, daß der Kraftwagenführer die auch bei mäßiger Geschwindigkeit noch hohe Wucht des bewegten schweren Wagens da nicht wirken lassen darf, wo er nicht nach der Erfahrung des täglichen LebenS mit einer hier- für freien Bahn sicher rechnen darf Das Reichsgericht (Jur. Wochenschr. Heft 47 60 Iahrg.) wendet fick in seiner Rechtsprechung dagegen, daß von Kraftfahrern vielfach die Auffassung vertreten wird, die Führung des Kraftfahrzeugs dürfe sich darauf einstellen, daß jeder Wegbenuher sich sachgemäß verhalte, die Folgen eines so entstandenen Unfalls träfen mithin immer und nur den Wegebenutzer, der nicht hinlänglich darauf Bedacht nähme, daß die Straße vom Kraftfahrverkehr mitbenutzt werde. Das liefe darauf hinaus, daß durch die sich hieraus für den Wegbenutzer ergebenden Gefahren der allgemeine Straßenverkehr zu einem stets sachgemäßen Derhalten erzogen und gezwungen werden müsse. Eine solche Auffassung hat das Reichsgericht ab- gelehnt. Als richtig läßt eS vielmehr nur die Auffassung gelten, daß jeder Wegbenutzer auf bic tatsächlich bestehenden Verhältnisse Rücksicht zu nehmen hat, also auch daraus, daß ein durchaus sachgemäßes Verhalten aller Deg- benuher bei der Unvollkommenheit der menschlichen Ratur überhaupt nicht erreichbar ift. Jedenfalls kann dem Kraftverkehr nicht der Beruf oder die Befugnis zugeftanden werden, den Ltra- ßcnbenutzer durch Gefährdung der körperlichen Sicherheit zu erziehen. Die nur schwer zu vereinbarenden Rücksichten auf die Bedürfnisse eines beweglichen Verkehrs einerseits und anderseits auf die Sicherheit aller Wegbenutzer können besonders stark da zusammen- ttollen, wo sich der Verkehr auf den vielfach verengten, bogen» und knickereichen, unübetfiijt- ljchen Straßen innerhalb von Ortschaften abspielen muß Aber auch hier kann nach ter Rechtsprechung des Reichsgerichts nicht davon abgesehen werden, daß die Sicherheit des Menschenlebens den Wün- schen des Verkehrs vorzugehen hat. Unzuträglichkeiten, die sich daraus für den Verkehr ergeben, müssen hingenommen werden, solange nicht für den Kraftverkehr, namentlich den Fernverkehr, eigene Straßen bestehen, oder wenigstens die allgemeine Verkehrsstraße aus Ortschaften mit winkligen Straßen hinausverlegt wird. Besonders bringt dos Reichsgericht weiterhin zum Ausdruck, daß der Kraftfahrer sich nicht darauf verlassen dürfe, daß jeder, der vom Fußsteig auf den Fahrkörper oder hinter einem Hause hervor unmittelbar auf den Straßenkörper tritt, sich erst umsieht, ob kein Kraftwagen nahe, wenn dies auch von einem ve^kehrsgewandten Weg- denutzer erwartet werden [arm. Dabei ist besonders zu beachten, daß da- plötzliche unvermutete Auf tauchen eines wenn auch mit mäßiger Geschwindigkeit nahenden Kraftwagen- bei dem Zuß- ?änger Bestürzung Hervorrufen und zu einem un- achgemäßen, ängstlich verwirrten Verhalten deS WegebenutzerS Anlaß geben kann. Oie Beleuchtungsanlage an Kraftfahrzeugen. Wie notwendig es ist, daß sich der Kraftfahrer vor Antritt jeder Fahrt bei Dunkelheit davon überzeugt, daß feine Beleuchtungsanlage ordnungsgemäß fünf- tioniert, wird durch zwei Verhandlungen bewiesen, in denen sich bas Reichsgericht mit dem Versagen der Beleuchtung der Kraftwagen zu beschäftigen hatte. In dem ersten Falle (3 D 395 31) hotte das zu- ständige Landgericht einen Angeklagten wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 200 RM verurteil! Dem Urteil lag folgender Tatbestand zugrundei In einer Herbstnacht beobachte, ten Straßenpassonten einen Kraftwagen, der ständig im Zickzack fuhr und dabei auch auf den Fußsteig geriet. Es blieb bei diesem Fahren nicht aus, daß er einen Benutzer des Fußsteigs anfuhr und verletzte. Diese Materie hat gegenwärtig noch chre Bedeutung. solange die Uebergangszeit vom früheren Recht zum Rechte deS Bürgerlichen Gesetzbuches sich noch auswirkt. Auch heute sind Rechtsstreite über Rechte an Grundstücken durchaus noch keine Seltenheiten, besonders in den ländlichen Verhältnissen und bei den landwirtschaftlich genutzten Grundstücken, hauptsächlich im Verhältnis der Rachbarn zueinander. Streitigkeiten über Ueberwondlungsrechte. Wenderechte, über De- und* Eiitwässerungsrechte und dergleichen mehr beschäftigen auch heute noch die Gerichte. Mancher Streit würde vermieden werden, wenn sich die Beteiligten über die vorhandene Rechtslage an richtiger Stelle Auskunft und Belehrung geben lassen würden Bei der Prüfung der Frage, inwieweit Rechte an Grundstücken in dinglich, also auch dritten Personen gegenüber, wirkenden Form ersessen werden können, muß man grundsätzlich unterscheiden zwischen der Zeit vor dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches, also vor dem 1 Januar 1900. und der Zeit nach dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches, also nach dem 1. Januar 1900. Dos BGB. schließt die Ersitzung von nicht eingetragenen Dienstbarkeiten an Grundstücken vollständig o u s. Dagegen bleiben d i e bei Inkrafttreten des BGB. bereits durch Ersitzung erworbenen Dienstbarkeiten auch ohne Eintragung bestehen. Eine Entstehung von Dienstbarkeiten durch Gesehesvorschrift sieht das BGB. nicht vor. Die Dorschristen des Einsüh- rungsgetetzes zum BGB ergänzen in den Art. 187 189 diese Grundsätze näher. Die Begründung eines Rechtes an einem Grundstück erfolgt auch nach dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches nach den bisherigen Gesetzen, bis das Grundbuch als angelegt anzusehen ist. Dieser Zeitpunkt wird heute nach 31 Jahren wohl aus- In ältester Zeit beruhte das Recht deS einzelnen allein auf der eigenen Kraft. Die fortschreitende Entwicklung brachte es mit sich, daß immer mehr die Durchsetzung von Rechtsansprüchen von der Macht des einzelnen auf die des Staates überging. Doch nicht immer können die Gerichte rechtzeitig angerufen werden, nicht immer ist die Polizei zur Stelle. Was dann aber tun? Der angegriffen wird, darf sich verteidigen. Das ergibt sich schon aus dem bekannten Rotwehrrecht. Rotwehrhandlung ist dabei die zur Abwendung eines gegenwärtigen rechtswidrigen Angriffs erforderliche Derteidigung. Die Derlei- digung muß sich gegen einen von einem Menschen ausgehenden Angriff richten, durch die irgendein Rechtsgut. wie Körperfreiheit. Eigentum u. ä. gefährdet wird. Gegen rechtsmäßige Handlungen gibt eS keine Rotwehr. Der Gerichtsvollzieher, der pfändet, der Polizeibeamte. der einen Dieb feftnimmt. beschränken zwar das Eigentum oder die Freiheit eines Menschen, sie handeln aber nicht rechtswidrig. sondern traft betonteren gesetzlichen Auftrages. 3m übrigen muß die Abwehr in einem zur Energie des Angriffs entsprechenden Der- hältnis stehen. Wer mich auf der Straße beleidigt. den darf ich dafür nicht etwa einfach nieder- schießen: dagegen hat unsere Rechtsprechung entschieden. daß ich mich gegen fortgeletzte Beleidigungen dadurch schützen kann, daß ich gegen den Beleidiger tätlich werde Im übrigen darf ich mich gegen den Angriff lo lange verteidigen, als er noch andauert Dabei hoben jedoch untere Gerichte wieder entschieden, daß beifpielsweite beim Diebstahl. aUo einem Angriff auf mein Eigentum, dieser so lange gegenwärtig ist. als der Dieb die Beute noch nicht endgültig in Sicherheit gebracht hat. Sehe ich beispielsweise den Einbrecher mit meinem Silber und den Schmuck^achen zum Fenster meiner Wohnung entfliehen. so darf ich. um ihn an seiner Flucht zu hindern und mein Eigentum zurückzuverlangen auf ihn schießen. Die Rotwehrhandlung ist weder strafbar noch begründet, sie ist eine zivilrechtliche Schadenersatzpflicht. Aber nicht nur unter Strafgesetzbuch kennt diese Begriffe der Rotwehr und des Rotstandes als Selbsthilfe, sondern auch im bürgerlichen Recht bei reinen zivilrechtlichen Streitigkeiten gibt eS eine Reihe von SelbftbilfcbcftinTmungcn Will der Mieter unter S)tntcrla*(ung von Miet- Der Grund für dieses eigentümliche Fahren des Kraftwagens war Pcht etwa Trunkenheit des Foh rers. wie festgestellt wurde, sondern ein L e r s a g e n der Beleuchtungsanlage Es brannte nurdasIinkeLicht. und infolgedessen war bei dieser für den Landstrahenverkehr keineswegs ausreichenden Bclcuchiung der Fahrer gezwungen, sich mühsam seine Fahrbahn zu iuchen. wobei er auf den Fußsteig geriet und das Unglück herbeifuhrte Dos Reichsgericht gelangte zu einer Billigung des land- gerichtstchen Urteils, in dem ousgesuhrt wurde, daß die Fahrgeschwindigkeit dev Angeklagten für normale Verhältnisse als durchaus angemewen zu beicichnen sei. sie hätte ober unter den vorliegenden abnormen Verhältnissen soweit gemindert werden müfsen, daß der Fahrer auf jeden Fall in der Lage geblieben sei, seinen Fohrcrpflichtcn in jeder Weise zu genügen Im zweiten Falle (1 D 580,31) war einem Lastkraftwagen bei seiner Rückfahrt in abendlicher Stunde infolge Kurzschlusses der rechte Scheinwerfer erloschen Der Fahrer hatte eine Anzahl Schulkinder auf seinem Wagen sitzen, die er vom Schulart wieder in ihr Heimatdorf fahren wollte Er verlangsamte sofort seine Fahr geschwindigkeit, geriet aber kurz vor seinem Ziel auf die linke Seite der Jahrstratze, und der Wagen blieb mit dem ftufenaufbau an einem Baume hängen. nohmslos für alle Gemeinden, wenigsten- soweit die hessischen Derhältnikfe in Betracht kommen, erfüllt tein. Eine Grunddienstbarkeit, die nach dem Zeitpunkt bestellt wird, in welchem daS Grundbuch in einem Bezirk als angelegt anzu- fehen ist. bedarf zu ihrer Entstehung der Eintragung in das Grundbuch. Es fragt sich nun. wann und unter welchen Voraussetzungen eine Dienstbarkeit vor diesem Zeitpunkt nach dem früheren Rechte ersessen werden konnte. Rach den Grundsätzen des gemeinen Rechts, die auch vielfach in Portikulargsketze übergegangen sind, war zum Erwerb einer Servitut durch Ersitzung eine zehnjährige Ausübung des Rechtes erforderlich, in AuSnohmefällen eine zwanzigjährige Ausübung, wenn der Ersitzende und der Eigentümer nicht m derselben Provinz (Bezirk des Oberlondesgerichts) wohnten. Weitere Voraussetzungen für den Erwerb einer Dienstbarkeit war. daß deren Ausübung als Recht geschah, und daß sie dem (Eigentümer gegenüber nicht gewaltsam, nicht heimlich oder bitt- toeife erfolgte, also weder eine llrfupation, noch weise erfolgte, also weder eine Usurpation, noch Dernburg. Pandekten § 252.) Daneben kannte das gemeine Recht die fog. unvordenkliche Verjährung. d. h. was seit Menschengedenken wie ein Recht bestand, galt als rechtmäßig begründet. Die Praxis forderte hierfür, daß der Zustand 40 Jahre ununterbrochen gedauert hatte. (Dgl. Dernburg a. a. O. § 160.) AIS eine besondere Aufg...-? staatswirtschaftlicher Fürsorge erscheint die Bereinigung der Grundstücke von unnützen, die wirtschaftliche Benutzung hemmenden Dienstbarkeiten. Die Abstoßung altüberkommener, den heutigen Rechts- anfchauungen oder landwirtschaftlichen Grundsätzen widersprechender Belastungen ist in neuerer Zeit durch die Feldbereinigungen, welche die Aufhebung der Feldgemeinschaften brachten, erfreulicherweise wesentlich gefördert worden. schulden heimlich die Wohnräume ocrlaHen. dann kann der Hauswirt fein ..Rückbahaltungsrecht" geltend machen, d. h. er kann dem Mieter gegenüber erklären, die Möbel oder sonstige Sachen des Mieters bleiben bei ihm, bis seine Forderung beglichen ist. Will der Mieter die Sachen trotzdem sortnehmen, so darf der Dermieter die unbefugte Entfernung der seinem Pfandrecht unterliegenden Sachen auch ohne Anrufen deS Gerichts mit Gewalt verhindern. So einfach wie diese Bestimmung klingt, so schwer ist sie allerdings in der Praxis durch- zusetzen. Das Selbschilferecht gründet sich aus dem alten Machtstandpunkt: ist der andere stärker als ich. lo ,st es nur ratsam, mein Selbsthilferecht nicht gelten machen zu wollen, weil ich bei der jo leicht möglichen handgreiflichen Auseinandersetzung doch den kürzeren ziehen würde. Grundsätzlich ist Selbsthilfe zulässig, wenn es sich um die Durchsetzung privatrechtlicher An- 'prüche handelt, die sonst gerichtlich zu geschehen hätte, obrigkeitliche Hilfe aber nicht rechtzeitig zu erlangen ist und die Gefahr besteht, daß die Derwirklichung des Anspruches ohne sofortigen Eingriff vereitelt und erschwert werde. Die Selbsthilfe kann dabei je nach der Ratur des zu erreichenden Zweckes in verschiedener Art und Weise durchgeführt werden. Einmal durch Wegnahme oder Zerstörung der Sache. Ein Beispiel: Ich nehme meinem Schuldner das Motorrad weg. mit dem er grabe die Flucht ergreifen will: ober ich zerstöre einen Reifen des Autos. Bei Fluchtverdacht kann der Berechtigte in Ausübung der Selbsthilfe fogar den Verpflichteten festnehmen. Den Widerstand deS Verpflichteten darf ich mit Gewalt beseitigen — wenn ich der Stärkere bin —. sonst ist es weniger ratsam. Droht mir ober einem anberen von einer fremden Sache eine Gefahr, fo kann ich biete behäbigen ober zerstören, wenn das zur Abwendung der Gefahr erlorderlich ist unb der Schaden nicht außer Verhältnis zu der Gefahr steht. Derbe ich von einem Hunde angefallen und schieße bieten nieder, so handle ich in berechtigter Sachwehr: ich brauche noch nicht einmal Schadenersatz zu leisten, es sei denn, daß ich die Gefahr verschuldet Hobe. z. D den Hund gereizt habe, ober aber mich ohne Erlaubnis auf ein fremdes Grundstück begeben habe und hier von dem Hunde artgcfaUen werde. wobei mehrere Schulkinder schwer verletzt wurden Die Sache kam vor das Schöffengericht und die Strafkammer, der Fahrer wurde wegen fahrlässiger Körper Verlegung und unvorschriftsinahiger Beleuchtung seines Fahrzeug;, unter Anklage gestellt. Das Schöffengericht sprach ib i frei, und die Strafkammer schloß sich dem Urteil der Borinsianz an In der Verhandlung wurde festgestellt, daß der Angeklagte nicht Hobe weiterfahren durfen, nachdem der rechte Scheinwerfer des Wagens versagt habe (§ 4 Ziffer 5 KWO ). eine Schuld treffe ihn aber nicht, da er die Aufgabe hatte, die von ihren Eltern erwarteten Schulkinder rech)eitig nach Hause zu dringen. Er befand sich mithin in einer Zwangslage, der er noch dazu durch sein langsames Fahren gerecht zu werden suchte. Auch das Linksfahren fei ihm nicht als Schuld anzurechnen, denn das Lmks- abwcichcn von der geraden Fahrbahn sei eine topische Erscheinung für ermüdete Fahrer — der Angeklagte hatte den ganzen Tag am Steuer gesessen —, und dieses Abwcichens mürben sich dj§ ermüdeten Fahrer nicht einmal bewußt. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein, und das Reichsgericht hob das freisprechende Urteil auf .'lach der Begründung des Urteils ist die Bestimmung, daß zweispurige Kraftfahrzeuge Zwei Scheinwerfer haben müssen,zwingend, sie dienen sowohl dem eigenen Interesie. als auch dem anderer Wegbenutzer Der Angeklagte mußte mit seinem Wagen stehenbleiben, wenn es ihm nicht gelang, den Kurzschluß im rechten Scheinwerser zu beseitigen. Don einem Rotstandc könne nicht geredet werden. Gegenüber dem gefährlichen Wetterfahren mit ungenügender Beleuchtung trete das Warten der Eltern aus ihre über die Zeit hinaus ausbleibenden Kinder in den Hintergrund. Keine Aefeitigung des Vorsahrt- rech's der Efraßenbahnen. Kürzlich ist in verschiedenen Tageszeitungen mehr- fach die Nachricht verbreitet worden, daß das V o r • fahrtrecht der Straßenbahnen beseitigt worden sei. Diese Nachricht trifft in dieser Form nicht zu und bedarf daher, schon im Interesse der Verkehrssicherheit der Richtigstellung. Die Verkehrsregelung an Wegekreuzungen ift seit mehreren Jahren eine stark erörterte «treitsrage, die im Laufe der Zeit zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit und damit zu einer akuten Gefahr für die Verkehrssicherheit geführt hatte. Die Straßen- bahnen verlangten unter Berufung auf ihre Bedeu tung als Massenverkehrsmittel unb nicht zuletzt auch aus allgemeinen Sicherheitsgründen die reichsgesetzliche Anerkennung des seit Jahrzehnten bewahrten und im Landesrecht sowie in örtlichen Polizeioor- schriften festgelegten Verkehrsgrundsatzes, daß Schic- nenfahrzcugen da, wo keine örtliche Derlehrsrege- lung durch Polizeibcamte oder Dcrkehrssignale statt- fin ... vor anderen Wegebenutzern das Dorfahrtrecht ,U|tcl)t. Demgegenüber stand die insbesondere von den Einzelkrastfahrern erhobene Forderung nach einer gleichmäßigen Behandlung aller Wegebenutzer mit Einschluß der Schienenfahrzcuge im Straßenverkehr, wobei die Verkehrsbedeutung der einzelnen Verkehrsmittel, insbesondere die berechtigte Sonderstellung der Massenoerkehrsmittcl, geflissentlich außer acht gelassen wurde. Der Reichsverkehrsminister hat geglaubt, in seiner Vorlage an den Reichsrat zur Ergänzung der Verordnung über Kraftfahrzeugoerkehr eine Regelung treffen zu sollen, die zwar praktisch im wesentlichen das Vorfahrtrecht der Straßenbahnen sicherstellt, ohne jedoch diese Tatsache klar und eindeutig zum Ausdruck zu bringen. Er hat nämlich an dem Vorrecht des Hauptoerkehrsweges gegenüber dem Sei- tenroege, das schon seit dem Jahre 1926 in der Der- orbnung über Kraftfahrzeugoerkehr enthalten ist, fest- gehalten und -nunmehr dahin ergänzt, daß ähnlich wie schon in einzelnen Ländern alle mitSchie nengfeifen belegten Straßen grundsätzlich z u Hauptoerkehr s w egen er- klart werden Gleichzeitig wurde auf die fort- gesetzten Vorstellungen der Straßenbahnen hin durch genaue Festlegung der Begriffe „Hauptoerkehrsweg" und „Seitenweg" wenigstens für die geschlossenen Ortsteile jede Auslegungsmoglichkeit dieser Begriffe durch eine sich häufig widersprechende Rechtsprechung beseitigt. Durch die Erklärung der mit Schienenglessen belegten Straßen zu Hauptverkehrswegen, die nunmehr für das ganze Reichsgebiet gilt, besitzen die S t r a • ßenbahnen nach w i e vor das Vorfahrt- recht an allen Wegekreuzungen zwischen einem Hauptoerkehrsweg und einem Seitenweg. Das ift der ausgesprochene Sinn dieser Begriffsbestimmung, die, roie der Reichsoerkehrsminister in der Begründung zu seinem Vorschläge selbst ausführt, „im Interesse einer raschen Abwicklung des Straßenbahn- Verkehrs zweckmäßig erscheint". Es bleiben danach allein diejenigen Fälle offen, in denen sich zwei Hauptverkehrswege kreuzen Aber auch in solchen Fällen kann nach der neuen Fassung der Verordnung über Kraftfahrzeugoerkehr den Straßenbahnen ein Vorfahrtrecht auf Grund entsprechender Polizeivorschriften zugestanden werden, nur muh in derartigen Fallen den übrigen Wegebenutzern an solchen Stellen das jedesmalige Nahen der Straßenbahn durch geeignete DerkcHrseinrichtungen sichtbar gemacht werden. Die ganze Regelung findet, was noch ausdrücklich zu betonen ist, nicht auf Eisenbahnen, soweit sie nicht Straßenbahnen sind. Anwendung. Diesen Bahnen steht, auch wenn sie elektrisch betrieben werden, also wenn sie straßenbahnähnlichen Charakter haben, nach wie vor in jedem Falle die Vorfahrt zu Die Straßenbahnen haben sich von Anfang an gegen eine derartig verklausulierte Formulierung der Borfahrtrechtsbestimmung gewandt. Auch haben sie immer wieder darauf hingewieten, daß die (Einführung der Lichtzeichen an einzelnen stellen, abgesehen von der Derur'achung unnötiger Kosten, eine ständige Gefahrenquelle bilden werde, weil ein jederzeit sicheres und cinwand'reies Funktionieren der Licht- Zeichen nicht gewährleistet werden kann. Der Reichs- oerkehrsminister hat diesem Bedenken nicht Rechnung getragen, und der Reichsrat hat gegen eine erheb- liche Minderheit, die sich für die klare Festlegung des Dorfahrtrechts der Schienenfahrzeuge eingesetzt hat, durch Mehrheitsbefchluß den Äompromißvorfchlag des Reichsverkehrsministers angenommen. Es wird nunmehr obzuwarten fein, welche Auswirkungen in der Ppaxis die getroffene Regelung haben wird. Die Ersitzung vonRechlenanGnmdsMen. Von Bürgermeister Or. Dölsing, Alsfeld. Selbstschutz und Selbsthilfe. Don Or. jur. G Berndt. Wirtschaft Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a.M. Banknoten. Sie hessischen landwirlschastlichenGenossenschasten im Zähre 1931. Veranlassung gab. Der heute erschienene gebesserte Reichsbankcmsweis fand nur wenig Beachtung, da die Börse von dem Ernst der innerpolitischen Lage überschattet wird. Die Llmsatztatigkeit hielt sich in sehr engen Grenzen und beschränkte sich in der Hauptsache nur auf Spezialwerte, wahrend die Rebenmärkte nahezu stagnierten. Merkliche Kursrückgänge verzeichneten von Elektroaktien Schuckert, Siemens und Lahmeyer. die bis zu 2 Prozent nachgaben, ebenso bröckelten AEG. weiter etwas ab. IG. eröffneten 0,25 Prozent niedriger, Rütgerswerke gaben 2 Prozent nach. Montanaktien lagen ziem- schäften übten bie dauernd fallenden Verkaufs- preise für Obst und Gemüse, größtenteils bedingt durch die starke Konkurrenz des Auslandes, einen nachteiligen Einfluß auf die Geschäftstätigkeit aus. In der Eierverwertung verspricht man sich von der Einführung des Handelsklassen- gesehes und von der Kennzeichnung von Hühnereiern eine wesentliche Besserung. Die B i e h v e r- wertungsgenossenschaften, deren Bestand sich im Berichtsjahre um acht vermehrte, brachten den angefchlossenen Landwirten erfreuliche Vorteile. Briefkasten der Kedakiion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Otto Sch. in Gießen. 1. Das Jagdflugzeug des Freiherrn von Richthofen war ein FokkerDrei- decker. Die Maschine befindet sich z. Z. im Zeughaus Berlin. Es gab auch einsitzige Jagdflugzeuge in Form eines Doppeldeckers. — 2. Die Höhe, die von den Bombenflugzeugen erreicht oder innegehalten werden mußte, hing von den feindlichen Abwehrmaßnahmen ab und ferner davon, ob die Flüge zur Tages- oder Aachtzevt ausgesührt wurden. Für die Tagesflüge muhten die Bombenflugzeuge eine Steighöhe von 7000 m, für die Vachtflüge eine solche von 4000 m besitzen. Die Fliegertruppen waren bereits im Frieden mit einer Kugelbombe von 5—10 kg Gewicht versehen, die aber wegen ihrer geringen Wirkung im Felde keine Verwendung fanden. Erst Anfang 1916 gingen neue, wirkungsvollere Bomben an die Front, die allmählich ihr Gewicht von 12 auf 50 und zuletzt auf 1000 kg steigerten. Der erste erfolgreiche Bombenangriff auf England fand am 23. Mai 1917 auf Doover und Folkestone statt. — Die Fahrt mit dem Zeppelinluftschiff von Friedrichshafen nach Pernambucv kostet z. Z. 2000 Mark. Für die früheren Flüge, die nicht nach einem bestimmten Fahrplan festgesetzt waren, bestanden auch keine feststehenden Aeberfahrkosten. Unseres Wissens betrugen sie das Mehrfache des vorgenannten Preises, nämlich etwa 2000 Dollar. Die hinter den OieArbeitSmarktlageinOberheffen Oie Verhältnisse in den einzelnen Berufsgruppen. ältere, schon im Berufsleben tätig gewesene und nun Arbeitslose, waren darunter, lieber 46 verschiedene Berufe muhte Rat und Auskunft erteilt werden. Die verhältnismäßig meisten Ratsuchenden hatten wieder, um keinen bestimmten Berufswunsch. Von den Knaben wurden die Berufe des Kaufmanns, Bäckers und Schlossers, von den Mädchen ebenfalls die kaufmännischen Berufe, dann die der Schneiderin und Hausgehilfin bevorzugt begehrt. Verschiedenen Schulentlassenen konnte wegen körperlicher Unterentwicklung eine Berufsausbildung noch nicht empfohlen werden, und einigen geistig Zurückgebliebenen war überhaupt von einem gelernten Beruf abzuraten. In manchen früheren Fällen wurde unser Rat leider nicht befolgt. Solch körperlich oder geistig Unreife suchten und fanden trotzdem Lehrstellen und fallen nun den Meistern, welche die versäumte Erkundigung bei uns jetzt sehr bedauern schwer zur Last, zur Last auch nicht zuletzt den Sozialversicherungträgern und der Wirtschaft, die bei dem Lehrstellenunterangebot bessere Berufsanwärter auf dem rechten Platz hätte haben können. Es scheint den Arbeitgebern noch zu wenig bekannt zu fein, daß wir auch solche Jugendliche, die wir nicht selbst in Lehrstellen vermittelt haben, auf ihre voraussichtliche körperliche und geistige Berufseignung kostenlos begutachten. Reue Lehrstellen kamen 29 zur Anmeldung, 34 Knaben und Mädchen wurden in solche vermittelt. In den Außenbezirkssprechstunden fanden 71 Beratungen sowie 13 Lehrstellenoermittlungen statt. lich widerstandsfähig, Otavi-Minen büßten etwa 1 Prozent ein. Schiffahrtswerte blieben behauptet, desgleichen Zellstoff Waldhof. Fester tendierten Reichsbankanteile mit plus 1,25 Prozent und Holzmann mit plus l3/s Prozent, für die günstige Abschlußziffern anregten. Der Renten- markt lag weiter still. Altbesitzanleihe zogen zunächst etwa 0,5 Prozent an, gingen später aber wieder auf das Vortagsniveau zurück. Jndustrie- obligationen und Reichsschuldbuchsorderungen gaben bis zu 0,75 Prozent nach. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 18. Mai. Es wurden notiert: Weizen 285 Mark, Roggen 225, Sommergerste für Brauzwecke 200 (nominell), Hafer (inländischer) 172,50 bis 177,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschweizen) 40 bis 40,95, Weizenmehl (niederrheinisches, mit Austauschweizen) 40 bis 40,70, Roggenmehl 28 bis 29,7!? Weizenkleie 10,40 bis 10,30, Roggenkleie 10,50 Mark. — Tendenz: stetig. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v.H, Lombardzinsfuß 6 v.H. Berlin zurückhaltend, dann uneinheitlich Berlin, 18. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Tatsache, daß die innerpolitische Situation noch immer keine Klärung erfahren hat, sowie Gerüchte über die Möglichkeit einer Dertagungder Lausanner Reparationskonferenz veranlaßten die Spekulation, auch weiterhin Zurückhaltung zu üben, zumal die Nachrichten aus der Wirtschaft und die Meldungen von den meisten Auslandbörsen keinerlei Anregung boten. Eine recht unliebsame Ueberraschung brachte die Außenhandelsbilanz für den Monat April, in der ein Rückgang des Ausfuhrüberschusses von 152 Millionen im März auf nur noch 45 Millionen ausgewiesen wird. Diese Verschlechterung ist zu etwa zwei Drittel auf Steigerung des Imports und zu etwa ein Drittel auf weiteres Nachlassen des Exports zurückzuführen. Der Reichsbankausweis für die zweite Maiwoche mit einer Gesamtentlaftung von rund 150 Millionen, einer Zunahme der Gold- und Devisenbestände um 6,3 Millionen und einer Besserung der Deckung von 24,7 auf 25,3 v.H. war zwar an sich günstig, vermochte aber den schlechten Eindruck der Außenhandelsziffern kaum abzuschwächen. Zu den Anfangsnotierungen ergaben sich überwiegend A b - schwächungen bis zu 1 v. H. Darüber hinaus waren Licht & Kraft 3 v. H. und Lahmeyer 5,25 v. H. gedrückt, da ein Zufallsangebot von je etwa 8 Mille nur schwer Unterkunst fand. Außerdem gaben Har- pener, Vogeldraht und Dessauer Gas je 1,75 v. H. noch Contigummi, Holzmann und Svenska waren dagegen auffallend fest, letztere erschienen sogar mit Plus-Plus-Zeichen. Im Verlaufe war die Tendenz uneinheitlich. Farben und Montane zogen bis zu etwa 1 o. H. an. Elektrowerte lagen überwiegend schwächer. Chade- cftien büßten 3 Mark ein. Auch Aku und Niederlaufitzer Kohle gaben 1 bzw. 1,75 v. H. nach. Feld- wühle wurden verspätet 2,75 v. H. niedriger festgesetzt, konnten aber sehr bald 1,5 v. H. wieder auf- hole'n. Deutsche Anleihen bröckelten leicht ab. Festverzinsliche Werte und Reichsschuldbuchforderungen gaben bis zu 0,5 v. H. nach, Reichsbahnvorzugsaktien lagen dagegen anfangs gut behauptet, bröckelten allerdings dann im Verlaufe ebenfalls ab. Ausländer lagen sehr ruhig. Am Geldmarkt konnte sich heute wieder eine Erleichterung durchsetzen, Tagesgeld ging in der unteren Grenze auf 5,40 v. H. zurück. Monatsgeld blieb unverändert 6 bis 8 v. H. nominell. Frankfurt zurückhaltend. Frankfurt a. M.. 18. Mai. (WTB. Drahtmeldung.) Die unverändert gespannte innerpolitische Lage drückte sich auch heute in einer Karten Zurückhaltung der Börsen» k reise aus. Don der Kundschaft lagen keine Kausorders vor, und die Spekulation trat eher als Ab gebe r auf, so daß die Tendenz zu Beginn des amtlichen Verkehrs überwiegend etwas zur Schwäche neigte, nachdem an der Vorbörse die gestrigen Abendbörsenkurse ziemlich behauptet gesprochen worden waren. Zur ersten Kursfestsetzung lag etwas Angebot vor, das nur auf I ermäßigter Basis ausgenommen wurde, zumal die schwache Veranlagung der deutschen Werte an den wichtigsten Auslandplähen zur Zurückhaltung Pfingsirnarkt in Lich. j) Lich , 17. Mai. Auf dem heutigen Pfingstl markt in unserer Stadt standen 656 Ferkel zum Verkauf. Bei starkem Andrang von Kaufliebhabern wurde der gesamte Auftrieb in kurzer-Zeit verkauft. Es kosteten Ferkel bis zu 6 Wochen alt 12 bis 13 Mark, 6 bis 8 Wochen alte Tiere 14 bis 17 Mark, Springer 22 bis 24 Mark pro Stück. Gleichzeitig fand eine vom Kreisziegenzuchtverein Gießen veranstaltete Ziegenschau mit Prämiierung statt, auf der 104 Ziegen aufgetrieben waren. Biehmarkt in Schotten. > Schotten, 18. Mai. Gestern fand hier der altbekannte Schottener Pfing st markt statt. Auf dem Schweinemarkt waren über 700 Ferkel und Läuferschweine zum Verkauf aufgetrieben. Man bezahlte für Ferkel bis zu 6 Wochen alt 10 bis 12 Mark, 6 bis 8 Wochen alte Tiere 12 bis 16 Mark, 8 bis 13 Wochen alte 16 bis 18 Mark, für Läuferschweine etwa 25 Mark pro Stück. Das Handelsgeschäft war flott. Der Markt hinterließ geringen Üeberftanb. Ferner waren aufgetrieben etwa 200 Stück Rindvieh, ungefähr 30 Kälber, 20 Ziegen und 20 Pferde. Bei diesen Viehgattungen handelte es sich meist um Vieh zur Prämiierung-, soweit Verkäufe stattfanden, waren die Preise unterschiedlich, je nach der Qualität des Tieres. Der Verband der hessischen landwirtschastlichen Genossenschaften hat seinen 68. Verbandstag auf den 20. Mai nach Darmstadt einberufen. Am gleichen Tage finden auch die ordentlichen Generalversammlungen der Landesgenossenschaftsbank und der Landwirtschaftlichen Zentralgenossen- schast statt. Aus dem Jahresbericht ist ersichtlich, daß trotz der allgemeinen Aotlage, die naturgemäß auch an den Genossenschaften nicht spurlos vorübergehen konnte, das Gefüge der genossenschaftlichen Organisation fe st blieb. Der landwirtschaftliche Genossenschaflsbau erwies sich durchweg als widerstandsfähig und zäh. Einzelvorkommnisse sollte man nicht verallgemeinern. Die Zahl der dem Verband angeschlossenen Genossenschaften stieg im Jahre 1931 um 20 auf 1115. Die größte Zunahme haben die Verwertungsgenossenschaften aufzuweisen, vor allem die Milchabsahgenossenschaften und Dieh- verwertungsgenossenschaften. In der zahlenmäßig stärksten Gruppe, den Kreditgenossenscha ften, war die Entwickelung in der ersten Hälfte des Berichtsjahres normal. Sie überstanden ohne fremde Hilfe und ohne namhafte neue Bankkredite die nach dem Zusammenbruch im Juli v. I. allgemein einsetzende Vertrauenskrise. Der Stärkung der eigenen Mittel wurde besondere Beachtung geschenkt. Die Reserven konnten den Stand der Vorkriegszeit überholen. Das genossenschaftliche Absahgeschäft hat trotz der Ungunst der Verhältnisse erfreuliche Fortschritte gemacht. Bei den Molkereigenossenschaften stieg die Anlieferung gegenüber 1930 um 13,1 Millionen Liter (rund 20 v. H.) auf 81,9 Millionen Liter. Auch die Milchabsahorganisation zeigt eine erfreuliche Weiterentwicklung. Hier haben die Organisationsbestrebungen durch das neue Milch- gesetz einen weiteren Auftrieb erhalten. Die Winzeraenossenschaften hatten gegen Ende des 5ahres in mengenmäßiger Hinsicht befriedigenden Absatz, die erzielten Preise deckten jedoch kaum die Gestehungskosten. Bei den O b st - und G emü severwertungsgenossen- Jn den Kurorten wird mit Einstellung von Fachkräften noch allgemein zurückaehalten. Wir zählten am Ende der Berichtszeit 138 Arbeitsuchende, gegenüber 160 des Vormonats und 85 des Vorjahrs. Lohnarbeit wechselnder Art. Die Beschäftigungsmöglichkeiton für Ungelernte haben sich etwas gebessert. Verschiedentlich haben Ge. meinben Arbeitslose mit Feldbereinigungs. unb Wegebauarbeiten beschäftigt. Auch konnten Ungelernte bei Bauarbeiten unternommen. Als arbeitsuchend meldeten sich 2865 Personen, gegenüber 3131 des Vormonats und 2355 des Vorjahrs. Angestelltenberufe. Auf dem Angestelltenmarkt ist keine bemerkenswerte Veränderung eingetreten. Die Unterbringungen Möglichkeiten sind zur Zeit noch sehr gering. Den Stellenmarkt belasteten 1155 Personen, gegenüber 1120 des Vormonats und 859 des Vorjahrs. Berufsberatung. Im Berichtsmonat nahmen 269 Ratsuchende (165 männliche, 104 weibliche) aus Volks- und Handelsschulen sowie höheren Lehranstalten die Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung in Anspruch. Auch Ueber die Arbeitsmarktlage in ben einzelnen Berussgruppen in Öberhessen berichtet das Arbeitsamt Gießen in seinem April-Bericht folgendes: Land- und Forstwirtschaft. Infolge der eingetretenen milden Witterung haben Landwirte für die Frühjährsarbeiten verschiedentlich Arbeitskräfte angefordert. Die Vermittlungstätigkeit ist verhältnismäßig gering. Im Berichtszeitraum wurden in geringem Maße Melker, Melkmädchen und Gespannführer angefordert. Verschiedene ober- hessische Forstämter haben für die nunmehr begonnenen Kulturarbeiten Kulturarbeiter und Kultur, arbeiterinnen zurückgerufen. Ein Forftamt und eine Gemeinde haben den Holzeinschlag fortgesetzt und Einstellungen von Holzhauern vorgenommen. Gärt- nereien, hauptsächlich die Rosenkultur-Gärtnereien, haben zum Teil ihre Stammgärtner zuriickgerusen. Am Ende der Berichtszeit waren 406 Arbeitsuchende, gegenüber 537 des Vormonats und 335 des Vorjahres verfügbar. Industrie der Steine und (Erben. Die Arbeitsmarktlage hat eine Besserung erfahren. Ein großer Teil der oberhessischen ©teinbrudjbetnebe hat die Arbeit roicbev ausgenommen unb den größten Teil der Belegschaft zurückgerufen. Vorherrschend sind hier die Reichsbahnaufträge. Auch bie ober- hessischen Ziegeleien haben im Berichtszeitraum die Arbeit wieder ausgenommen und dem Auftragsein, gang entsprechend Arbeitskräfte eingestellt. Wir zähl, ten am Schlüsse der Berichtszeit 1539 Arbeitsuchende, gegenüber 1872 des Vormonats unb 1209 des Vor- jahres. Metallindustrie. Die Arbeitsmarktlage hat keine Aenderung er- fahren. Zu- und Abgänge haben sich im Berichtszeitraum nahezu ausgeglichen. Ein Industriebetrieb hat nach Eingang eines größeren Auftrags einige Fachkräfte eingestellt, während ein anderer Betrieb wegen Arbeitsmangels Arbeitskräfte entlassen mußte. Hand. Werksbetriebe haben zur Zeit nur Reparaturaufträge. Verfügbar waren 2669 Metallarbeiten, gegenüber 2690 des Vormonats und 2195 öe| Vorjahres. Spinnstoffgewerbe. Die Arbeitsmarktlage ist uneinheitlich zu bezeichnen. Während im Alsfelder Bezirk die Webereien über Auftragsmangel klagen und verkürzt arbeiten, sind die Leinwebereien im Schottener Bezirk zur Zeit verhältnismäßig gut beschäftigt. Arbeitslos waren 93 Personen, gegenüber 98 des Vormonats unb 24 des Vorjahres. Papierindustrie. Die Arbeitsmarktlage ist als gut zu bezeichnen. Die oberhessischen Papierfabriken sind durch Ausland- aufträge zur Zeit vollbeschäftigt. Als Arbeitsuchende meldeten sich 31 Personen, gegenüber 30 des Dor- monats und 24 des Vorjahres. Holz- und Schnihstoffgewerbe. , Die Lage des Arbeitsmarktes hat eine leichte Besserung erfahren. Die Sägewerksbetriebe im nördlichen Oberhessen konnten durch Hereinnahme größerer Aufträge Arbeitskräfte zurückrusen. Auch eine Möbel- fabrit hat nach Eingang eines größeren Auftrags die gesamte Belegschaft wieder eingestellt. Wir zählten 665 Holzarbeiter, gegenüber 921 des Vormonats und 822 des Vorjahrs. Rahrungs- und Genuhmittelgewerbc. Die Marktlage hat keine Besserung erfahren. Allenthalben wird über Auftragsmangel geklagt. Ein Betrieb sah sich genötigt, einen seiner Filialbetnebe stillzulegen. Dem Arbeitsmarkt standen 810 Personen zur Verfügung, gegenüber 812 des Vormonats und 809 des Vorjahrs. Bekleidungsgewerbe. Auch in dieser Berufsgruppe ist eine Besserung nicht eingetreten. Die Handwerksbetriebe klagen nach wie vor über Arbeitsmangel. Die sonst in früheren Jahren eingehenden Saisonaufträge sind in diesem Jahre nahezu ausgeblieben. Auch die Psingstfeiertage brachten keine Belebung. Verfügbar waren 362 Personen, gegenüber 391 des Vormonats und 306 des Vorjahrs. Baugewerbe. Die Lage des Baumarktes hat in d7r Berichtszeit eine wesentliche Besserung erfahren. Für das Bau- Handwerk liegen hauptsächlich Aufträge für Reparaturen und. Renovierungsaroeiten vor. Von neuen Bauvorhaben ist in der Berichtszeit nichts bekannt geworden. Besonders schlecht ist die Lage für das Schindlerhandwerk. Hier konnte die alljährlich frühzeitige Entlastung des Arbeitsmarkes durch dieses Handwerk nicht eintreten, da der Geldmangel eine wesentliche Rolle hierbei spielt. Verfügbar waren 2546 Bauarbeiter, gegenüber 3237 des Vormonats und 2233 des Vorjahrs. (Baff- und Schankwirffchaffsgewerbe. Die Marktlage ist nahezu unverändert geblieben. Jronffurt a. DI. Berlin Frankfurt a. 271. Berlin Frankfurt o. M. Berlin Schluß- kurk Schluß Iure । l-Uhr- Äur< Schluß-1 Ansang- Iur4 flurf Schluß- fur4 t-uhr- flur# Schluß-! Ansang- kuro | Kurv i-uyr- flurd fünf ffurd Dalum 17.5. 18.5. 17.5. 18.5. Dalum ,7.3. 18.5 ,7.3 18.5. Dalum 17.5. 18.5. 17-5. 18.5. 6% Seutfdje tRetdjSanleihe d.192'. 7% Deutsche Reichsanleihe v. 1939 5V,% Doung-Anlelhe von 1930 . $eut|d)e Anl.-Ablös.-Schuld ml! Auslol..Rechten....... Tetgl. dtjnc AuSlos.-Rechie . . . 8% Hell, eoltfifiaat von 1929 lrückzahlb. 102%)...... Lverheilen Provinz-Anleihe mll Auölos.-Rechien....... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 .... 1% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. unkündbar bis-1936 Serie 16 . *J$% Franks. Hyp.-Bank Siqu.. Psandbrieje......... <•/,% R dänische Hyv -Bank-LIqu Goldpse........... 8% Pr. L andeSpsandbriesanstalt, PsandbrieseN.il) ...... f% Pr. LandeSpsandbriesonslali, Bsandbriele DL 10...... 4% Oeslerreichllche Goldrenie . . 4,20% Oesterrelchllche Sllberrente 4% Ungarische Goldrenie . . . . 4% Ungarische Staatirenie v. 1910 4'.3% ticegl. Don 1913..... 5% abgekl. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe S«ie 1........... 4% deSgL Serif II....... 6% RumSn. vercinh.Renie 6.1903 4^>%Ruma».vereinh.RenieD.1913 4% wimänische vuetnh. Rente t ¥*,% L Anatolier...... 57 65.5 54,5 43 3,5 35 38,25 73,75 73,25 78,5 77,25 73 5,2 5 5,75 2,1 2,15 8,05 3,8 H 1 1 11 1 1 1 11 1 1 1 1 1 1 1 1 । । । 1^ H 1 55.5 66 54,4 43,25 3.65 38,5 73,25 1,13 5.3 5,35 5 2,2 4,25 8,25 3,75 14,4 1 1 £ 1 K 1 1 1 S 1 I 1 I I 1 1 1 1 1 1 Sh |||| »amvurg-AmerUa Pater ... 6 -amburg-Südam.Dampsschiss. 0 ,ansa Dampsschiss .....0 iorddeuischer Lloyd.....6 a.@. für Verkehrswesen Aki. . . Berliner HandelSgesellschasi. 8 Kommerz- und Privat-Bank. 7 DarmsiSdier und Naiionalbanl 8 Deutsche Bank und DiSconio^Sesellschast... 6 Dresdner Bank...... 6 ReichSbank........12 A.E.G............7 Bergmann.........9 Slektr. LieserungSgesestschast. 10 Jldjt und Krasi......10 Fellen 8 Guilleaume. . . . 67* Scsellschasi für Elektrische Unternehmungen .... 9 Rheinische Elektrizität .... 9 Lahmeyer« So.. • • • • . 12 Suberu»..........4 Deutsche Erdöl .......6 Gelsenkirchener.......8 Harpener..........0 Hoesch Eisen. ........ 6 Ilse Bergbau.......10 Klücknerwerke........6 KSln-Neuessen....... RanneSmann-Röhren .... 6 ManSselder Bergbau.....0 Oberschles. kolSwerke .... 8 Phönir Bergbau......4% Rheinische Braunkohlen... 10 13 20,25 36 20.25 116 23,25 73 41 55,5 60,25 83,5 40,5 27^5 14,5 18,75 12 12,75 117,25 23 65,5 70.9 54,5 — 58,25 109.5 81,5 59,75 12 40 21 12,75 33 84 18.5 20,5 36 20.5 116,9 23,25 18 65.5 73 40.75 55,75 72 59.75 110,5 83,75 27,25 60 40,4 43,75 27 126 263 39,5 15 35,25 19,25 160 41,65 11,5 12.5 32,75 116,9 23 65 70 39 55 58.65 109,9 78,5 59,75 40,4 42 27,25 26,25 38,9 35.5 19,13 160 413 tRtcbed Montan......7,2 Bereinigte Stahlwerke .... 4 Otavi Minen......16'/, Kaliwerke Ascherkleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 I. ®. Yarben-Industrie... 12 Verein, chem. Industrie Frank- furt a.M........... Scheideanstali.......1° Goldschmidt. ........ 0 RütgerSwerke ........ 5 Metallgesellschast.......5 Philipp Holzmann......6 Zementwerk Heidelberg. ... 7 Cementwerk Karlstadt.....7 WaqbLgrehtag......0 Schultheis Papenhoser ... 15 Aku (Allgemeine Kunstseide) 0 Bemberg......... 0 Zellstoss Waldhos.....12 Zellstoff Aschaffenburg ... 6 Dessauer Go« . .... 9 Daimler Motoren .....0 Deutsche Linoleum.....6 Orensiein & Koppel.....0 Leonhard Tietz ...... .8 SvenSka...... 15 Chad«............ Frankfurter Maschine» . . . . ( Gritzner......... . 0 Mainkrastwerke Höchst S.M.. . 6 Süddeutscher Zucker .... 10 17 92,75 128,5 18 28,75 40,65 39,5 22,25 35 98,17 H|| | | | 1 1 1 1 1 S 1 1 1 IMS LL 1^ 1 1 1 1 1 ü 10,75 89,5 100 150 92,5 18.65 30 28,5 40,75 59,75 40 38,75 31,9 23 90 11,9 34 24,9 56 9,75 203,5 19 1 98,5 16,75 99,75 149,5 92 Z 43,75 59,13 39 37 31.5 88.25 11.75 33.9 24,25 55,13 12,25 204 - — 1 100 17.Mai 18.Mai Amtliche Dotierung Geld 1 Srief Amtliche Notierung Geld | Brief ^elsingsor» . 7,133 51,95 7.147 52.05 7,123 51.95 7,137 52.05 Prag . . . Budapest. . 12,465 12.485 12,465 12.485 — — — — Sofia . . . 3,057 3.063 3,057 3.063 Holland . . 170.88 171,22 170.88 174,22 Oslo. . . . 77,12 77,28 76.97 77,13 Kopenhagen. 84,22 84,38 84,27 84,43 Stockholm . 78,32 78.48 78,12 78.28 London. . . Buenos Airek 15,38 15,42 15,41 15.45 1,013 1,017 1,013 1,017 Neuyork . . 4.209 4.217 4,209 4,217 Brüssel. . . 59,12 59,24 59,04 59,16 Italien. . . 21,67 21,71 21.67 21,71 Paris . . . 16,605 16,645 16.605 16.645 Schwei, . . 82,32 82,48 82,32 82.48 Spanien . . 34,47 34,53 34.47 34,53 Danzig. . . 82,62 82,78 82,72 82.88 Japan . . . 1,339 1,341 1,329 1,331 Rlv de Ian.. 0.314 0,316 0,314 0,316 Iugostawi«. euidtoi . . 7.423 7,437 7,423 7,437 14,09 14.11 14,09 14,11 Berlin, 17.Mai Geld Bries Amerikanische Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58.96 59,20 Dänische Noten......... 84,03 ö4,37 Englische Noten . ........ 15,34 15,40 Französische Noten........ 16,57 16,63 Holländische Noten........ 170,51 171,19 Italienische Noten........ 21,68 21,76 Norwegische Noten........ 76,95 77,25 Deutsch-Oesterreich, i 100 Schwing — — Rumänische Noten........ 2,49 2,51 Schwedische Noten........ 78,14 78.46 Schweizer Noten. ........ 82,14 82.46 Spanische Noten. ........ 34,33 34,47 Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 18. Mai 1932. Das Gießener Mietvertragsfonnular vor Gericht. Der Wietervcrein Gießen schult un« eine längere Zuschrift über da- Ergebnis einer Gerichtsverhandlung, in der über den § 11 des vom Gießener HauSbesiyerverein herauSgegebenen Mietvertragsformulars entschieden wurde. Dieser Paragraph des Mietvertrages lautet: „Für allgemeine Abnutzung der Mieträume find bei dem Auszug im Laute des ersten ZahreS 20 Prozent, im zweiten Jahre 15 Prozent, im dritten Jahre 12 Prozent, im vierten Jahre 9 Prozent der IahreSmiete be- fonderS zu vergüten. Hierdurch werden jedoch Ansprüche auS einer ordnungswidrigen De* Nutzung der Mieträume nicht berührt." Wie der Mieterverein uns schreibt, haben Ende vorigen IahreS anläßlich deS Auszugs zweier Mieter im ersten bzw. zweiten Dertragsjahr zwei hiesige Hausbesitzer, getrennt voneinander und jeder durch einen anderen Anwalt vertreten, den Versuch gemacht, aus dem § 11 des Mietvertrages Ersatzansprüche in Höhe von je etwa 200 Mark geltend zu machen. Die beiden beklagten Mieter wandten sich an den Mieterverein, mit dessen Hilfe die Prozesse durchgeführt wurden. In beiden Fällen hat das Amtsgericht durch zwei verschiedene Richter die Klagen abgewiesen. Auf die Berufung der Hausbesitzer wurden die Prozesse erneut vor dem Landgericht verhandelt, das die Berufung deS einen Hausbesitzers kostenpflichtig verwarf, die Klage also abwies, woraus der andere Hausbesitzer seine Berufung zurücknahm. AuS der Urteilsbegründung des Landgerichts sind folgende Sätze bemerkenswert: „Rach tz 535 BGB wird durch den Mietvertrag der Vermieter verpflichtet, den Gebrauch der vermieteten Sachen während der Mietzeit zu gewähren, während der Mieter den vereinbarten Mietzins zu entrichten hat. Der Vermieter hat ferner Di« Sache nach § 536 in vertragsmäßigem Zustand zu übergeben und darin zu erhalten, letzteres selbstverständlich auch dann, wenn die Sache eben durch den regelmäßigen Gebrauch nicht mehr in vertragsmäßigem Zustand, also abgenutzt, ist. Diese und noch eine Reihe anderer Verpflichtungen des Vermieter- sollen nach dem Willen des Gesetzes durch die Zahlung deS Mietpreises abgegolten werden. Dieser ist also als Entgelt für den Gebrauch der Sache und die durch diesen Gebrauch verursachte Abnutzung. Ebensowenig, wie der Vermieter während des Mietverhält- nisseS vom Mieter die Reparatur der abgenutzten Mietsache verlangen kann, kann er dies Verlangen nach Beendigung des MietverhältnisseS stellen. Im vorliegenden Fall hat sich der Mieter verpflichtet, alle nötig werdenden Reparaturen bis zu 25 Mark im Ginzelsalle zu zahlen. Dadurch ist der Vermieter gegen ollen Schaden gedeckt. Daß er daneben eine Vergütung für etwas bekommt. was durch die Entrichtung des Mietpreises bereits bezahlt worden ist, entspricht nicht der Auffassung eineS billig und gerecht denkenden Menschen, verstößt also gegen die guten Sitten. Eine derartige Bestimmung ließe sich noch halten, wenn vor dem Einzug eines jeden Mieters die Wohnung von Grund auf neu hergerichtet würde und die beim Auszug fällig werdenden Beträge dann jeweils wieder zur Reuherrich- tung der Wohnung verwendet würden. Daß diese- im vorliegenden Fall nicht geschehen ist. daß insbesondere der Beklagte keine neuhergerichtete Wohnung bezogen hat, hat der Kläger ausdrücklich zugegeben. e Hinzu kommt noch, daß der Zweck von Abmachungen, wie der vorliegenden, weniger dahin gebt, den Vermieter, der ja. wie schon ausgc» fübrt, durch andere Vertragsbestimmungen gegen Schäden an der Wohnung sichergestellt ist. wegen der Abnutzung der Wohnung schadlos zu halten, sondern vielmehr, »dem Mieter das ihm zustehende Kündigungsrecht in ungebührlicher Weise äu erschweren, während der Vermieter in dieser Richtung freie Hand behält" (LG München in DIZ. Spalte 460 ff). 3m vorliegenden Falle ist Daneben noch zu beachten, daß nach § 11 des Mietvertrages die Abnutzungsgebühr „‘Beim Auszug", nicht etwa „beim Einzug auf Kündigung des Mieters" zu entrichten ist. Der Vermieter kann also nach dieser Bestimmung die ..AbnuhungSentschädigung" auch dann verlangen, wenn er dem Mieter gekündigt hat. Der Kläger hat den Beklagten zum Abschluß des Vertrages unter Ausnutzung der in Gießen bezüglich kleiner Wohnungen noch immer herrschenden Wohnungsnot veranlaßt. Letzterer befand sich auch insofern in einer Rotlage, als die Mehrzahl der Gießener Hausbesitzer im Hausbesitzerverein Gießen sind, der alle seine Mitglieder Derartige Verträge schließen läßt unD ein entsprechenDes Formular herausgegeben hat. Diese beinahe eine Monopolstellung darstellende Position des Hausbesitzervereins war einer Der Hauptgründe zum Abschluß deS Vertrages. Eine VertragSabrede. wie Die hier vorliegende, ist also in jedem Fall als gegen § 138 BGB. verstoßend, als nichtig zu betrachten. Der Kläger hat keinen Anspruch aus Zahlung des „Abnuhungsgeldes“. Die Berufung war demnach als unbegründet zurückzuweisen." Der Mieterverein zieht aus dieser Gerichtsentscheidung Die Schlußfolgerung, daß Die bisherigen Mietverträge auf Grund Der vom Hausbesitzerverein herausgegebenen Formulare ungültig seien. Er macht deshalb Dem Hausbesitzerverein Den Vorschlag, das bisherige Dertragssormular und die entsprechenden Verträge aufzugeben und gemeinsam mit dem Mieterverein ein lokalgültiges Vertragsformular zu schaffen, wodurch viele Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten, sowie Prozesse beseitigt werden könnten. Zuschlagfreie Bermögensteuerzahlung bis 23. Mai. Vom Landessinanzamt Darmstadt wird mitgeteilt: Da Die Finanzämter angewiesen fmD, in Den nächsten Tagen noch eine möglichst große Zahl von Steuerbescheiden zur Absendung zu 50.®tifhingsfefl her Landsmannschaft Dannftadlia DaS 50. StiftungSsest der Darmstadtia, von alten und jungen Darmstädtern in sehr großer Zahl besucht, wurde am Pfingstsonntag abend im internet KreiS mit einem Begrüßung«- abeno eingeleitet, der eine frohgestimmte Schar in dem in frischen Farben leuchtenden Darm- städterhauS versammelte. Am Psingstmontag vereinigte eine ernste Feierst unde die Festteilnehmer mit Angehörigen verstorbener DundeSbrüder vor Der Ehrentafel im großen Kneipsaal, wo A. H. Pfarrer Berck in Roßdorf all derer «dachte, die in Der Heimat seit Der Gründuna gestorben, oder im Weltkrieg in Oft und West gefallen sind. Der von dem Vorsitzenden des Altherrenverban- deS. Dr. R e i n e w a l d. geleitete Festkonvent versammelte alle Träger de- violett-weiß-rvten DandeS. Rach der Bewillkommnung aller von nah und fern herbeigeeilten BundeSbrüder nahm der l.Ehargierte die Verleihung des DandeS an zwei Alte Herren vor und nahm selber auS Der Hinterlassenschaft eine« jüngst verstorbenen Darmstädters einen Ring entgegen. Der in Zukunft bei allen festlichen Anlässen an Der Hand deS jeweiligen „Ersten" Die Erinnerung an Die lebendige Verbundenheit Der Toten unD der Lebenden wachhalten wird. Don feilen anderer Alter Herren wurden wertvolle Erinnerungsstücke auS der Vergangenheit der Darmstadtia überreicht. Der Festkonvent fand feinen Abschluß mit dem feierlichen LandeSvater als Dem Treugelöbni« für Dater- lanD unD Freundschaft. In einer Universitätsstadt wie Gießen find Korporationen mit langer Geschichte mit der Bürgerschaft eng verknüpft, und jie nimmt Anteil an der Festfreude. DaS kam bei dem Sestzug zum Ausdruck, der sich nach 19 Uhr vom Darmstädterhaus aus durch die Stadt zumGesellschastS- cerein bewegte und an Dem an 200 Alte Herren unD fast 100 Aktive mit ihren Gästen teilnahmen. Tücherschwenken und viele Blumen grüßten Die alten Studenten, Die es wieder einmal hingezogen hatte zur alten Musenstadt, wo die meisten Die sorgloseste Zeit ihres LebenS verbracht hatten. Oer Festlommers. 3m Saale des Gesellschaftsvereins fand an- fchließend Der FestkornrnerS statt. Dem u. a. Der Rektor und eine Anzahl Professoren der Universität. Bürgermeister Dr. Seid. Oberstleutnant K l e p k e und zahlreiche weitere Ehrengäste beiwohnten. Der l.Ehargierte cand. med. Koch eröffnete den Kommers mit herzlichen Worten Der Begrüßung. Sr. Magnifizenz dem Rektor Prof. Dr. V a n s e l o w und den übrigen Herren des akademischen Lehrkörpers erklärte er. daß ihre freudig begrüßte Anwesenheit dazu angetan sei, die geistige Bindung zwischen Professoren und Hörern noch zu festigen. Bürgermeister Dr. S e i b als Vertreter Der Stadt versicherte er. daß die Darmstadtia sich allezeit innig verbunden fühle mit der Stadt Gießen. Dem Landeskommandanten in Helsen und Kommandeur unseres Bataillons. Oberstleutnant K 1 e p k e. sagte er. daß Mannesmut und kämpferischer Geist, die von jeher Militär und Studentenschaft verbanden, in der Darm- stadtia lebendig seien. Der Redner begrüßte dann zusammenfassend alle Landsmannschaster und die übrigen Ehrengäste Der Vorsitzende des AltherrenverbandeS. Dr. R e i n e w a l d (Gießen), erklärte in seiner Ansprache u. a., daß man bei aller Würdigung Der schwierigen Zeitverhältnisse doch gerne Den 50. Gedenktag der Dundesgründung festlich begehe, um aus dieser Feier neue Kraft zu schöpfen unh daran den festen Willen zu stählen, sich von Der Rot Der Zeit nicht beugen zu lassen. Er betonte weiter die Rotwendigkeit des gegenseitigen Verstehens und des festen Zusammen- haltens als stärkstes Bollwerk in Sturm und Rot. Sodann wies er kurz auf die Geschichte der Darmstadtia hin und erwähnte dabei u. a., daß Die Landsmannschaft Darmstadtia 328 Kriegsteilnehmer aufzuweisen hat, von denen 43 den Heldentod fürs Vaterland gefunden haben. Er würdigte hierauf das schwere Ringen der akademischen 3ugent> in der Rachkriegszeit und heute, erinnerte an Die willige Opferbereitschaft der Alten Herren, ferner an die Pflege Der wertvollen geistigen Güter deS Bundes unD betonte die besondere Ausgabe des Altherren- verbandes, die jungen BundeSbrüder Durch weisen Rat unD gutes Beispiel zu führen unD zu erziehen in ihrem schweren Kampfe um die Gewinnung DeS LebenSraumeS. Das Gebot der Stunde sei heute mehr beim je. eine feste Brücke zwischen alt und jung zu bauen, sich in die soziale und in Die geistige Rot Der 3ugenb ein- zufühlen und sie mitzuverftehen. Dieser Weg werde stets zu harmonischer Zusammenarbeit führen und daS weitere Blühen deS Bundes zur Folge haben AH. Geh. Hofkammerrat a. D 11 e b e r l e (®ie$baben) feierte in einer längeren Ansprache u a. zunächst die hervorragende Stellung der Darm- ftabtia im Verbände Der deutschen Landsmannschaften und an unserer Alma Mater Ludoviciana. Er wies dann auf die wachsende Geltung de» landsmannschaftlichen Gedankens on den deutschen Hochschulen hin und pries den starken Halt, den die deutsche Landsmannschast mit ihren Idealen „Ehre, Freundschaft, Vaterland" der akademischen Jugend und auch den 2Ilten Herren gebe und die Erziehung einer akademischen Jugend ermögliche, die von hohen Gedanken erfüllt, körperlich ertüchtigt durch Mensur und Sport, aus der Not unserer Zeit herausführen könne. Er feierte dann den Geist der Landsmannslbaften, sowie den Reichtum de» landsmannschaftlichen Gedankens und forderte, daß von dieser Grundlage aus an der Wiedererstarkung be» deutschen Geistes gearbeitet und der Glaube an die Wiedergeburt unteres Volkes nicht verloren werde. Das deutsche Volk könne nicht untergehen, wenn es sich immer mehr auf seine nationale Berufung besinne, wenn es sich immer bewußt bleibe, daß vor allem der Geist und bann erst bie vom Geist burdjbrungene Materie nach oben führe. Ieber Landsmannschaster müsse das landsmannschafUiche Gedankengut in unser Volk hinelntragen. Die Landsmannschaften wollten unserem entrechteten und mißhandelten Volke helfen, au» Not und Knechtschaft herauszukommen, damit es wieder werde ein Volk mit Recht, ein Volk mit Wehr, ein einig Volk ein Volk mit Ehr. Mit einem Treuegelobnis zur deutschen Landsmannschaft und zum deutschen Vaterland schloß der Redner feine 'Ansprache. Anschließend fang bie Festkorona bas Deutschlanblieb. 6e. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Danse- l o w brachte im Namen der Universität der Darm- ftabtia, „einem ihrer liebsten unb angesehensten Amber", herzliche Glückwünsche zum 50jährigen Be- stehen bar und betonte, worauf die Darmstadtia stolz sei, das fei auch der Stolz der Universität. Nach kurzem Hinweis auf Die ruhmreiche Deraanaenheit Der Darmstadtia pries er als alter Wasfenstudent Die hohe Bedeutung des Waffenstudententums, das höchste Manneszucht und gute Selbstbeherrschung als Grundlage der studentischen Erziehung ansehe. Wer fair play auf Mensur stehe, werde auch fair play im Leben stehen. Er ermahnte zum Schluffe die Kommilitonen, an sich selbst und am deutschen Vaterland nicht zu verzweifeln, sondern in verantwortungsbewußter Pflichterfüllung eifrig weiterzu- arbeiten. Bürgermeister Dr Seid brachte die herzlichen Glückwünsche der Stadt Gießen zum Ausdruck unb rühmte Dabei bie enge Derbunbenheit zwischen der Darmstadtia und der Gießener Bürgerschaft. Er betonte weiter, daß die Leistungen Der Darmstadtia in Krieg und Frieden Anlaß zu berechtigtem Stolz geben unb auch für bie Zukunft Hervorragenbes Erwarten ließen. Er wünschte, daß in ber Landsmann- schäft Darmstadtia allezeit tüchtige Männer und wertvolle Staatsbürger zum Wohle des Volkes herangebildet werden möchten. Oberstleutnant K l e p k e beglückwünschte bie Jubilarin in seiner Eigenschaft als Lanbeskommandant in Hessen und namens des Offizierkorps unseres Bataillons. Er betonte bie allezeit enge Verbunden- beit zwischen Offizierkorps und dem deutschen Was- fenftubententum, sowie bie gleiche Auffassung von den Aufgaben, Rechten unb Pflichten ber Wassen-> träger. Weiter begrüßte er, baß ber Waffenstudent auch ber Träger bes Wehrgebankens unb des Wehr- willens ist, ben ber Geist ber Kampf- unb Opferbe- reitschaft beseele. Zum Schluß feierte er die Käme- rabschaft zwischen Waffenstubenten unb Offizierkorps. Weiter sprachen noch einige Vertreter von aus- märtigen Landsmannschaften, bie bie herzlichen Beziehungen zur Darmstabtia feierten unb der Jubilarin zur 50-Iahr-Feier aufrichtige Glückwünsche barbrachten. Bei frohem Liebersang unb ben Klängen Der Musik, bie von Angehörigen unferer Bataillonskapelle gestellt würbe, hielt der Kommers Die große teil- nehmerschar in festlich froher Stimmung lange beisammen Der ganze Verlauf des Abends war für jeden Teilnehmer, insbesondere aber für bie Lands- Mannschaft Darmstadtia ein starkes und würdiges Erlebnis, dessen man sich immer gerne erinnern wird. bringen, dies aber nicht überall bis zum 20. Mai 1932 durchgesührt sein wird, werden ausnahmsweise Zuschläge nicht erhoben werden, wenn die Steuerpflichtigen ihre Vermögensteuerzahlung bis zum 23. Mai 1932 entrichten. Oer Empfang der Salzburger Emigranten in Gießen am-18 Mai-1732 Al« vor 200 Fahren am Geburtstag Luther- Der Erzbischof Firmian 20 000 Evangelische mitten im Winter Der Alpen binnen Drei Monaten aus seinem Lande auszuwandern zwang, regten Die traurigen Züge Der armen Vertriebenen ganz Europa auf. Bekanntlich eröffnete ihnen Der König Friedrich Wilhelm I von Preußen in Litauen eine Zuflucht Aul Der langen Danberung dahin kam auch ein Trupp durch Gießen. Wie rührend die Einwohner unserer Stadt damals ihre vertriebenen Glaubensgenossen aufgeeommen haben, können wir au« einem gleichzeitigen Bericht erfahren. Er findet sich in der Erfurter Zeitschrift, die Den bombastischen Titel führt: „Reu eröffnete« Welt unb Staats Theatrum, welches Die in allen Thcilen Der Welt vorsollende Staat«-. Kriegs- und Friedens-Afsairen ... oorftellet unD zugleich mit gehörigen Dokumenten hinlänglich erläutert" Da lesen wir in Der „Siebenden Eröffnung Monat 3ul 1732“: „Also meldet man unS au« Der Wet- terau: Rach dem die von Frankfurt über Friedberg reisende 250 Salzburgische Emigranten sich nachmittags der Stadt Gießen genähert, »erfügten sich nebst Dem Herrn Polizeirat einige Glieder de« Rats hinaus, selbige zu empfangen." Aus dem Selhersberg werden sie mit weiß Brot und Bier erquidt, von sämtlichen Präzeptores samt ihren Schülern begrüßt, paarweis ausgestellt und unter Glockengeläut und Absingung geistlicher Lieder in die Stadtkirche geführt, „allwo der Herr Stadt- unb Garnisonsprediger Schilling eine erbauliche Rede an sie getan“. Darnach brachte man sie in Prozession auf das Rathaus, wo sich Die Gießer Bürger 10, 20 auf einmal zur Herberge ausbaten. „Ein jeder Zunftmeister führte die Gäste an den vor sie bestellten Ort, die Vornehmen ließen solche durch ihre Bediente abholen, wiewohl man deren auch sähe, die sich nicht schämten, ihre Glaubensbrüder selbst durch die Stadt nach Hause zu bringen.“ Andern Tags hielt ihnen der Herr Superintendent D. Roll eine Predigt über Math. X, VerS 32 33, auf dem Rathaus teilte man ihnen Almosen aus. nachmittags wurden sie von Herrn Pfarrer Schilling examiniert, „da man sich denn gewundert, daß sie so gute Rechenschaft von ihrem Glauben geben können". Diese GlaubenS- prüsung ist besonders bezeichnend: man wollte sich vergewissern, ob man feine Wohltat auch wirklich lutherischen GlaubenSbrüdern und nicht etwa „Schwärmern oder Sektierern" Autoenbcte. hatte doch Firmian die Vertreibung bald damit begründet. daß sie Rebellen, halb daß sie Sektierer seien. Es ist auch ganz auffallend, daß in Kassel z. D. Die reformierte Geistlichkeit keine Rotiz von ben Salzburgern nimmt, um so begeisterter der einzige lutherische Pfarrer Schlosser sie begrüßt. Am Abend wurden auf Dem Rathaus schon wieder gesammelte Gaben ausgeteilt, unter anderem 300 Gulden, Jo De« Herrn Landgrafen von Hesten-Darmstadt Hochfürstliche Durchsucht diesen Leuten in Gießen au reichen gnädigst verordnet '. Am dritten Tag * il&r „zogen sie unter herbei gebrachtem Vorspann unb anberen Behältnissen, unter Lüutung aller Glocken, Begleitung Der Herrn Beamten und Rathaus-Glieder. auch der beständig mit Singen anhaltenden Stadt-Schule mit Vergießung vieler Thronen, herylicber Danksagung und Srkanntlich- keit vor da« viele Gute ab bi« auf Die Hessen- Eastelische Grenhen. woraus man sie noch einmal Aum Valet traktierte unb Darauf sie bem König- lich-Schweb sch-Fürstlich-Hessen-Easselischen Herrn Kommissariu- überlief fert“ Der Landgraf zu Hes- fen-ÄaHel war damals zugleich König von Schweden. „Wie sehr diese einfältige, aber treue Zeugen der Wahrheit die Gemüther derer hiesigen Einwohner eingenommen, löffel sich nicht wohl beschreiben. 3a. man muh zum Preist Gotte« sagen, daß Römisch-Katholische und selbst die Judenschaft ganh frehtoilhg milde Almosen eingesammelt". Der Bericht schließt mit dem Wunsche, e« möge die Rot der Glaubensgenossen nallc Evangelischen zu gleicher Liebe erwecken, damit sie von denen, die draussen sind, nicht beschämet oder im Guten übertroffen werden". A. Shringhau-. Daten für Mittwoch, 18. Mai. 1782. Der Freischarenführer Major Adolf Freiherr von Lützow in Berlin geboren; — 1799: der fron- höfische Schriftsteller Pierre De Beaumarchais in Paris gestorben; — 1804: Napoleon I. wird erblicher Kaiser; — 1848: Eröffnung der ersten Deutschen Na- lionaloerfammlung in Frankfurt a. 'DL; — 1869: Der ehemalige Kronprinz Rupprecht von Bayern in München geboren. Taten für Donnerstag, 19. Mai. 1607: Gründung der Universität Gießen; — 1762: der Philofoph Gottlieb Fichte in Rammenau geboren. Vornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Lichtspielhaus: Bahnhofstraße: „Es war einmal ein Walzer". — Au« dem S t a d t t h e a t e rb u r e a u wird uns geschrieben: Heute, Mittwoch, bleibt da« Theater geschloffen. — Donnerstag, 19. Mai, 19.30, al- 31. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement Operetteirgastfpiel des Stadttheaters Mainz mit der Operette „Der fidele Bauer". Ein Vorspiel und 2 Akte von Viktor Leon. Musik von Leo Fall. Eine luftige Angelegenheit, die in wahrhaft fideler Wei^e den Gegensatz von Stadt und Land gestaltet. Ende 22 Uhr. Operettenpreise, -r Die Intendanz teilt weiter mit. daß auf viele Zuschriften aus dem Publikum hin noch eine letzte Vorstellung des „Hauptmanns von Köpenick" am Samstag, 21 Mai, um 19.30 Uhr, angesetzt ist. Diese Ausführung wird zu kleinen Preisen stattfinden. Die letzte Gelegenheit, dieses Stück zu sehen! — Vortrag im DHD- Morgen, Donnerstag, abend spricht im Heim des Deutschnationalen Hand- lungsgehilfen-Verbandes Handwerkskammersyndikus Röhr über „Bata und fein Wirlfchaftssystem'^. Zu bem Vortrag sind auch Gäste willkommen. (Siehe heutige Anzeige.) ** Zweijährige Konzessionsfperre sürSchankwirtschaften inHefsen. Der hessische Minister des Innern hat auf Grund des § 21 Abs. 2 des Gaststättengesehes vom 28. April 1930 angeordnet, daß bi« zum 1. Oktober 1934 im Volksstaat Hessen Erlaubnisse für neu zu errichtende Schankwirtschasten jeder Art grundsätzlich nicht erteilt werden Dürfen Ausnahmen Dürfen nur in ganz besonders gelagerten Fällen von Den Kreisämtern zu gelassen werden Die Anordnung gilt nicht für Anträge, die am Tage des Inkrafttreten- <17. Mai 1932) der Erlaubni-behörde erster Instanz Vorgelegen haben. * • Starke Steigerung der Mehl- preise. 3m Laufe ber letzten Monate ist eine erhebliche Steigerung ber Mehlpreise eingetreten, mit ber die Bestrebungen Aur Riedrighaltung der Dackwarenpreise nicht in Einklang zu bringen sind. Während man in Gießen am 15. Februar für den Doppelzentner „Triumpf'-Mebl 42,50 Mk. zahlte, kostete Diese- Mehl am 12. Mai 46 Mk., Mehl der Marke „Alaska" wurde am 15. Februar mit 38,50 Mk. je Doppel^ntner bezahlt, am 12. Mai kostete es aber 42 Mk., Mehl Der Marke „Bäckerstolz" erhielt man am 15. Februar zu 35 Mk. je Doppelzentner, am 12. Mai Dagegen mußte man hierfür 38,50 Mk bezahlen. Es wäre angebracht, wenn die Preisbewegung auf Dem Mehlmarktc von Den zuständigen behördlichen Stellen einmal gründlich unter die Lupe genommen würde. • • Eine Bitte an Die Spaziergänger! Laßt die Maiglöckchen erst aufblühen und reifet nicht schon die kaum erldjienenen Knojpen ab' • • E i n Militär-Groß-Konzert soll, wie in früheren 3ahren. am Sonntag. 29. Mai, in der Volk-Halle von unserer Reichswehr veranstaltet werden. Der erste Teil de« Programm« wird klassische Musikstücke von G. Perdi. L. v. Beethoven. Eua. d Albert unb Fran.; Lllzt, ber -weite Teil alte hessische Präsentiermärsche, alte deutsche Volkslieder und -um Abschluß den Großen Zapfenstreich bringen. Da« Konzert wird ausgeführt von den vereinigten Mufikkorp- de« 15. 3nfanterie»Regiment«, und -war dem 1. Bataillon Gießen. 3. Bataillon Kassel, Ausbildungs- Bataillon Marburg und dem Spielmann-Aus-ug des Ausbildungs-Bataillon«. Die Leitung des Konzert« wird der Heere-musikinspizient H. Schmidt- Berlin übernehmen. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Der Prri» für städtische Mülleimer unb Notverordnung. Dor einigen Tagen kaufte ich in einem hiesigen Geschäft einen von der Stadt vorgeschriebenen Mülleimer; Preis — nach wie vor der Rotverordnung — 7,50 Mark, durch Die Stadtverwaltung festgesetzt Vielleicht erklärt die Stadtverwaltung der Öffentlichkeit einmal, warum sie die Rotverordnung des Herrn Reichspräsidenten mißachtet. Was hat der Herr Reichskommissar für Preisüberwachung dazu zu sagen ge- gehabt? W. SJ.Jpor< Zum letzten Male: Spielabsage 1900 —Friedberg. Nachspiel und Friedenskundgebung. 3n der Angelegenheit der Spiclabsage 1900 gegen Friedberg fällte der Bezirksvorstand eine Entscheidung, die wir im Wortlaut der amtlichen Mitteilungen des WSD. am Donnerstag, 24. März, in unseren Spalten Wiedergaben. Aach dieser Entscheidung wurde die Spielvcreinigung mit einer ernsthaften Verwarnung und wegen eines Verstoßes gegen die Satzungen mit einer Geldstrafe von 20 Mark bestraft. Dagegen erhob die Spielvereinigung bei der Spruchkammer des WSD. Einspruch, der Erfolg hatte. Sn den amtlichen Mitteilungen vom 10. Mai veröffentlicht die Verbands-Spruchkammer folgende Entscheidung, die wir hiermit (ebenfalls im Wortlaut) wiedergeben: „Die Berufung der Spiclvereinigung 1900 gegen die Entscheidung des Bezirksvorstandes von Hessen-Hannover in den Amtlichen Mitteilungen vom 22. März 1932 wird anerkannt, und die verhängte Strafe mit 2O Mork wegen „Abschluss eines Gesellschaftsspieles" sowie die Bestrafung mit einem Verweis wegen „Anhängigmachung eines Falles vor dem ordentlichen Gericht vor Erteilung der Genehmigung" aufgehoben. Die Feststellungen haben ergeben, dah die Spielvereinigung 1900 an dem fraglichen Tage ein Gesellschaftsspiel in Friedberg austragen wollte und demgemäß bereits Abmachungen getroffen hatte. Da aber in ganz Süddeutschland Rotopferspiele stattfanden und daneben Gesellschaftsspiele verboten waren, wurde das vereinbarte Spiel nach Gießen verlegt. Das Spiel in Gießen ist zunächst von unbekannten Leuten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen abgesagt worden, so daß der Spiel- vercinigung ein beachtlicher Schaden entstand. Letztere hat unverzüglich in Wahrung berechtigter Insteressen Ermittlungen durch die Polizei veranlaßt, die dann auch zur Ermittlung der Täter führten. Eine solche Anzeige, die sich zunächst gegen Unbekannt richtete, kann nicht als Verstoß gegen die Verbandssatzungen angesprochen werden. Die Derufungsgebühr ist zurückzuzahlen." Zum ergänzenden Abschluß ging uns von den Vorsitzenden der beiden hiesigen Sportvereine folgendes Schreiben zu: „Am 16. April ist durch Vermittlung des WSV. in Anwesenheit des Der- bandsdirektors v. Mcngden zwischen den Dorsitzenden der beiden Gießener Sportvereine eine Einigung dahin zustande gekommen, in Zukunft durch verträgliche Aebeneinander-Arbeit die gemeinsamen Interessen des Sportes zu fördern und alle Gegensätze zu vermeiden. Die laufenden Strafanträge wurden zurückgezogen, Anzeigen bei den Sportbehörden bedürfen in Zukunft der Genehmigung des betreffenden Dereinsvorstandes. Es sollte für die Mitglieder beider Vereine eine Selbstverständlichkeit bedeuten, diese Vereinbarung im Interesse der Sportsache zu respektieren." Sportabteilung des Tv. Wieseck. Wieseckl — 1900 Gießen ll 6:0 (2:0). Wieseck 1. Schüler — 1900 1. Schüler 3:3. Wieseck 2. Schüler — DsB. Gießen 2. Schüler 3:2. Wieseckl und 1900 Gießen ll lieferten sich am ersten Feiertage ein Spiel. Beide Mannschaften waren nicht vollzählig. Der Sturm der Wiesecker klappte teilweise, und der Erfolg blieb nicht aus. In kurzen Abständen sandte Wieseck zweimal bis Halbzeit ein. Aach der Halbzeit drängte 1900 kurze Zeit, gelangte aber zu keinem Erfolg. Wieseck kam wieder auf und konnte in kurzen Abständen noch vier Tore erzielen. Bei Wieseck zeigte der Mittelläufer großes Können. Bei 1900 konnte der sonst so gute Aechtsaußen nicht recht zur Entfaltung kommen, seinen Aeben- leuten fehlte das richtige Verständnis, auf seine Spielweise einzugehen. FB. „Teutonia" Laubach. Teutonia I — Rot-weiß Frankfurt 6:7 (3:2). Am ersten Pfingstfeiertag weilte die Pokalmannschaft von Rot-Weiß Frankfurt in Laubach. Bereits in der achten Minute gingen die Teutonen in Führung. Die Gäste glichen in der 15. Minute aus. Im weiteren Verlaufe der ersten Halbzeit konnten die Gastgeber noch zwei Tore erzielen, denen die Frankfurter nur einen Treffer entgegensetzen konnten. In der zweiten Halbzeit fielen abwechselnd fünf weitere Tore für Rot-Weiß und nur noch drei Treffer für die Einheimischen. Handball im Männerturnverein (O.T). Tv. Kirchhain I — Mtv. Gießen 1 9:4 (4:3). Das Handball-Freundschaftsspiel am Pfingstmontag in Kirchhain zwischen den. ersten Mannschaften des Turnvereins Kirchhain und des Männer-Turn- vereins Gießen endete erwartungsgemäß mit einer Niederlage der Gießener. Die Mlv.-Mannschaft war in allen Mannschaftsteilen stark durch Ersatz geschwächt. Die Hauptschuld an der hohen Niederlage hat die Hintermannschaft, die immer wieder die gegnerische Stürmerreihe in ungedeckter Stellung zum Wurf kommen ließ. Die Kirchhainer lagen von Anfang an in Führung und standen bei Halbzeit mit 4:3 gegenüber Gießen. Das am gleichen Tage durchgeführte Uebungsspiel einer komb. Jugendmannschaft des Mtv. gegen die erste aktive Mannschaft des Turnvereins Lützellinden endete mit 9:3 Toren für Lützellinden. In der ersten Halbzeit war das Spiel ziemlich ausgeglichen. Halbzeit 3:3. Handball im Gau Hessen (O.T.) Tv. Großen-Linden siegt in Frankfurt a. 211. gegen Schwanheim 8:4 (2:2). Auch im Aückspiel gelang es den Großen-Lin- denern. den Tv. Frankfurt a. M.-Schwanheim zu besiegen. Bis zur Pause konnten beide Mannschaften je zweimal erfolgreich sein. Die zweite Spielhälfte brachte die Gastgeber zunächst mit zwei weiteren Treffern in Führung. Die Gäste gaben sich aber noch nicht geschlagen, erzielten bald den Ausgleich und konnten in den letzten Minuten durch vier weitere Tore den Sieg sicherstellen. Großen-Lindens zweite und Schülermannschaft hatten die gleichen Mannschaften des Tv. Münchholzhausen zu Gast und gewannen 11:5 bzw. 10: 2. Deutsche Ruderersiege in Belgien. Am ersten Tage der zweitägigen internationalen Ruderregatta in dem belgischen Seebad Ostende konnten die teilnehmenden westdeutschen Ruderer alle von ihnen bestrittenen Rennen an sich bringen. Im Riemen-Zweier gab es einen leichten Sieg von Happ-Stange vom RV. Bayer-Leverkusen in 10:42 vor Royal Union Aautique Brüssel in 11:03. Der Wässe r s p o r t v e r e i n Godesberg kam zu zwei schönen Erfolgen. Aach scharfem Kampf holten sich die Westdeutschen zunächst den Senior- Doppelzweier knapp in 7:50 vor Societe Aautique Brügge und später den Vierer ohne Steuermann, der ohne Zeit gefahren wurde. Auf den nächsten Plätzen endeten der Cercle des Regattes Brüssel und der Societe Aautique Gent. Die deutschen Farben kamen auch am zweiten Tage zu Erfolgen. Der Kölner Ruderclub gewann den Vierer mit Steuermann in 8:25 überlegen vor SA. Brüssel (8:38) und SA. Gent. Einen weiteren schönen Sieg konnte der junge Kölner Klub auch im Achter feiern, wo seine Mannschaft in 7:10 den ersten Platz vor Union Lüttich in 7:12 und dem Universitäts-Achter von Louvain belegte. Leichtathletikrekorde. Aeue Leichtathletikrekorde werden aus dem Auslande gemeldet. 2n Warschau gelang es der Polin Weiß, zweimal den von ihr erst vor einer Woche ausgestellten Weltrekord im Diskuswerfen von 39,71 Meter zu verbessern; zunächst auf 40,34 und am Tage darauf nochmals auf 40,39 Meter, so daß sie also innerhalb acht Tagen dreimal Weltrekord warf. In Buenos Aires gewann der Argentinier R i b a s ein Olympia-Ausscheidungslausen über 25 Kilometer in der südamerikanischen Rekordzeit von 1:23,15. Oberhessen. Landkreis Gießen. CO Klein . Linden, 17. Mai. An der Straßengabelung Frankfurter Wetzlarer Straße rannte am zweiten Pfingstfeiertagmittag ein aus der Richtung Wetzlar kommendes Motorrad mit einem aus der Richtung Gießen kommenden Viersitzer-Auto zusammen. Der Mo- torradfcuhrer und die auf dem Soziussitz mit» fahrende Same, beide aus Sachsen, kamen zu Fall, zum Glück ohne Schaden zu nehmen. Das Motorrad wurde völlig zertrümmert. Das Auto, in der Provinz Sachsen beheimatet, wurde nur leicht beschädigt und konnte nach Behebung des Schadens für seine Fahrt fortsehen. Heute mittag rannte ein von Gießen kommender Lastkraftwagen einer Frankfurter Firma auf ein aus der Richtung Wetzlar kommendes vollbesetztes Kasseler Personenauto von vorne auf, so daß der Vorderteil des Personenautos stark beschädigt wurde. Das Lastauto wurde nur leicht beschädigt und konnte seine Fahrt fortsetzen. ch Lang-Göns, 17. Mai. Unser Dorf war an den Pfingstfeiertagen das Ziel der männlichen Jugend des „H e s s e n b u n d e s", der Vereinigung der evangelischen Jugend unseres Hessen- lani^s. die eine Freizeit hier beging. Das Grundthema der Tagung, die von cand. theol. Mar Weber (Friedberg) geleitet wurde. lautete „Der Einzelne und die Gemeinschaft". In freien Besprechungen bei gegenseitigem Meinungsaustausch wurde das Thema gründlich erschöpft. Die Gottesdienste. denen die Tagungsteilnehmer beiwohnten, wurden durch die Mitwirkung des hiesigen Posaunenchores und des Gemischten Chores, beide unter der Leitung von Weißbindermeister Boller, verschönert. Die Tagung fand ihren Ausklang im gemeinsamen Abendmahlsgang der Freizeitteiknehmer mit den vor sünfzig Jahren in unserer Gemeinde konfirmierten Gemeindegliedern. Pfarrer Wahl hielt eine packende Predigt, ©ämtlidx Tagungsteilnehmer genossen die Gastfreundschaft der hiesigen Einwohner. < Saasen, 17. Mai. Dieser Tage feierte der älteste Einwohner unserer Gemeinde, Herr Johannes Mangel, seinen 9 O. Geburtstag. Der Greis liegt leider schon über fünf Jahre ständig zu Bett und ist schon über zwölf Jahre vollständig erblindet. < Lich, 17. Mai. Heute gegen 14 Uhr hat sich im Betriebe der Brauerei I h r i n g - M e l ch i o r in Lich ein tragischer Unglücksfall ereignet, dem der 31 Jahre alte Chauffeur Aug. Kraus von hier, gebürtig aus Laubach, z u m L) p f e r fiel. Der bedauernswerte Mann war mit Tankarbeiten in der Grube des Benzinbehälters beschäftigt. Hierbei muß er durch plötzlich auftretende Bcnzin- gase die Besinnung verloren haben und zusammengebrochen sein, worauf er den Tod durch Ersticken fand. D.er Berunglückte war gegen 13.30 Uhr von seinen Arbeitskollegen noch gesehen worden. Als man ihn nach Verlauf von einer Stunde vermißte, wurde Nachschau gehalten und er dabei in der Grube des Tankbehälters bereits tot aufgefunden. Der auf so tragische Weise aus dem Leben abberufene junge Mann war als braver, fleißiger Arbeiter allgemein geschätzt. Der Verunglückte hinterläßt eine junge Frau und ein kleines Kind. Kreis Büdingen. Aidda, 17. Mai. Zu Pfingsten konnte eine neue städtische Anlage dem Verkehr übergeben werden. Der seit 1890 geschlossene alte Friedhof in der Bahnhofstraße wurde durch Beschäftigung von Arbeitslosen geebnet, mit Treppenaufgängen, freien Plätzen und Wegen ausgestattet, die von' herrlichen alten Bäumen überschattet werden. Ruhebänke sind ausgestellt, Buschwerk umrankt die Umfassungsmauern und die Pfade. Störend wirkt nur noch die ehemalige Leichenhalle, über deren Verwendung der Gemeinderat sich noch nicht schlüssig ist. Die neue Anlage, eine Zierde des Stadtbildes, dürfte der Bewohnerschaft bald ein gern besuchter Aufenthaltsort werden. Kreis Schotten. -4- Schotten, 17. Mai. In der Aacht zum Donnerstag der vergangenen Woche wurde das Schlachthaus einer hiesigen Schlächterei erbrochen und größere Fleischmengen entwendet. Die Diebe bogen die dicken Eisenstcrngen vor dem Fenster auseinander und stiegen durch das Fenster ein. Der Geschäftsinhaber setzte eine hohe Belohnung auf die Ermittelung der Täter aus. Kreis Alsfeld. 88. G r e b e n a u , 17. Mai. Am ersten Pfingstfeiertag stürzte der Landwirt Hch. Allen- d o r f aus Reimenrod auf der Straße Eifa—Alsfeld mit seinem Motorrad so unglücklich, daß er mit sch weren inneren Verletzungen und einem Schlüsselbeinbruch darniederliegt. Preußen. Kreis Wetzlar. 0 Wetzlar, 17. Mai. Nachdem im vergangenen Jahre die Kreisbauernschaft verschiedene Eingaben an den Landeshauptmann der Rheinprovinz wegen Herabsetzung des Beitrags zum Viehseuchenentschädigungsfonds richtete, hat der Provinzialausschuß jetzt beschlossen, die Provinzialviehabgabe von 1,50 Mark auf 1 Mk. für Rindvieh und-von 0,75 Mk. auf 0,30 Mark für Pferde zu ermäßigen. Wirklich 100 000 stellungslose Akademiker? Wie von der Pressestelle des Hessischen Philologenvereins mitgeteilt wird, werden beunruhigende Aachrichten gebracht über ein dauerndes riesenhaftes Ansteigen der Zahl der stellungslosen Akademiker, man spricht von 100—200 000. Es erscheinen statistische Berechnungen, durch welche diese Behauptung bewiesen werden soll. Auf Grund dieser Zahlen werden dann Forderungen nach radikaler Einschränkung der höheren Schulen, nach Sperre der Hochschulen, nach Arbeitsstreckung in den akademischen Berufen erhoben. die von den einschneidendsten Folgen sein müßten. Die Berechnungen beruhen auf Arbeiten von Dr. Achner. München, und Prof. Müller. Mannheim. Der erstere berechnet die voraussichtlichen Schülerzahlen der höheren Schulen bis zu dem Jahre 1934. und Prof. Müller unternimmt es, auf Grund dieser Berechnungen die Zahl der Abittirienten und der berulsreifen Akademiker bis zum Jahre 1947 (!) vorauszuschätzen. Die Zahlen, zu denen er kommt, wären niederschmetternd. wenn es nicht eben bloß „Schätzungen" wären. Der Geschäftsführer des Deutschen Philologenverbandes hat die Ergebnisse Achners und Müllers eingehend untersucht und betont, daß Berechnungen, die die wirtschaltliche Depression, den Geburtenrückgang, die Verschlechterung der Aussichten des akademischen Arbeitsmarktes, die schulpolitische Entwicklung, den Schrumpfungsprozeß der höheren Schule, die Sparmaßnahmen usw. außer acht lassen, zu falschen Ergebnissen kommen müssen. Er zeigt dann an dem vorliegenden Tatsachenmaterial für die Jahre 1930 und 1931, wie falsch die Zahlen im einzelnen sind. Für 1930 hat z. B Achner 32 000 Sextaner mehr angenommen, als es in Wirklichkeit waren, für 1931 28 000. d. h. in zwei Jahren 60 000 zuviel. Ebenso haben viel mehr Schüler die Schule verlassen, als Achner annimmt. Wenn man da- zunimmt. daß alle Zahlen über die vorhandenen Akademiker reine Schätzungen sind, so ist ohne weiteres ersichtlich, welchen Wert derartige Ausstellungen haben. Wettervoraussage. Deutschland liegt im Bereich hohen Druckes, der uns zunächst noch heiteres Wetter mit erneutem Temperaturanstieg bringt. Mit dem Vorwärtsschreiten der neuen Atlantikstörung erfolgt wieder Zustrom warmer Luft, die in Gemeinschaft mit der zunehmenden Erwärmung auf dem Festlande später Anlaß zu Gewitterstörungen geben wird. Aussichten für Donnerstag: Weitere Erwärmung, meist Heitel und trocken. Aussichten für Freitag: Anfangs noch meist heiter, schwül, aufkommende Gewitterstörung oder vereinzelte Niederschläge. Lufttemperaturen am 17. Mai: mittags 15,6 Grad Celsius, abends 13,6 Grad; am 18. Mai: morgens 11,1 Grad. Maximum 19 Grad, Minimum 9,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. Mai: abends 16,6 Grad , am 18. Mai: morgens 13,8 Grad Celsius. — Niederschläge 5,6 mm. L.« IP IF IE M M11G * SIPAXIRBU C H H AUS FR A\ U wird mit 3 Mark in bar eingelöst! 3030a ...................................................................................................... irt fr» sagte Tante Matchen, als sie neulich zu Besuch beim Onkel Mollig war. Und das wollte viel heißen, denn Tante Malchen ist nun mal sehr kritisch in Bezug auf einen guten Küchenherd. Lächelnd stand Onkel Mollig dabei. Ja, er wußte, was er gekauft hatte. Es war ja ein Roeder- Kombinationsherd, ausgestattet mit allen Schikanen der neuzeitlichen Technik und er war auch gar nicht teuer, denn er stammte von der Firma Häuser am Oswaldsgarten. 3661 A Sehen auch Sie sich einmal solch ein Muster von Küchenherd an, Sie werden bestimmt Ihre Freude daran haben. Und wenn Sie so wie so einen neuen Herd kaufen wollen, dann kaufen Sie ihn ruhig beim Häuser, die Firma gibt eine Gewähr dafür, daß Sie fachmännisch beraten werden und stets zufrieden mit Ihrem Kauf sind. Wann dürfen wir Sie erwarten ? 3. B. HXUSER, GIESSEN AM OSWALDSCARTEM Statt Karten! Domäne Schiffenberg b. Gießen, 18. Mai 1932 03103 Fürdie Braut: Garrtenttes aller Art billigst 2996 D das Oberhemd - die Handschuhe den Kragen - die Krawatte den Schleier - den Kranz den Stoff zum Kleid - die Wäsche die Strümpfe - die Handschuhe Kataloge liefert Brühl. Gießen Für den Bräutigam: Bekanntmachung. Die Maurerarbeiten zur Neubefestigung der Sonnenstraße zwischen der Schulstraße und dem Kreuzplatz sollen auf Grund der Rcichsverdingungsordnung öffentlich vergeben werden. 3878C Die Unterlagen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote sind bis zum Eröffnungstermin am Mittwoch, dem 25. Mai 1932, vormittags 10 Uhr, verschlossen, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen an das Städtische Tiefbauamt Gießen, Asterweg Nr. 27, abzugeben. Zuschlags- und Bindefrist 14 Tage. Gießen, den 13. Mai 1932. Städtisches Tiefbauamt: G r a o e r t. Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Ewald Lyncker und Frau Minna, geb. 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