Donnerstag, 17. November (952 (82. Jahrgang Nr. 27 ( Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrv- rüstungsplans für wenig brauchbar. Simon hat dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz, Henderson, am Mittwochabend Mitteilen lassen, daß er seine angekündigte große Rede über die Abrüstungspolitikder englischen Regierung bereits amDonners- tagvormittag in einer Sondersitzung des Büros der Abrüstungskonferenz halten werde. Von maßgebender englischer Seite wird betont, daß die Rede Simons vor allem bezwecke, eine Drücke zwischen dem deutschen und dem französischen Standpunkt in der Abrüstungsfrage zu schlagen, um die baldige Rückkehr Deutschlands in die Abrüstungskonferenz au ermöglichen. Die Rede enthält jedoch keinen feft- umrissenen Vorschlag oder Plan und stellt nach englischer Crllärung keineswegs eine Ergänzung des französischen Planes dar. Rechte verzichten und sich iu den Wirtschaftskörper der Republik Polen völlig ein gliedern müsse. Die Freie Stadt verharrt auf dem stets eingenommenen Standpunkt, daß der von den alliierten und affociierfen Mächten geschloffene Vertrag von Versailles und der unter Mitwirkung dieser Mächte geschlossene Vertrag von Paris ihr die gegebene Selbständigkeit garantiere. Die Freie Stadt hat die ihr ^gefallene Aufgabe, Polen einen freien Zugang zum Meere zu verschaffen, erfüllt Die Freie Stadt beruft sich darauf, daß die geschlossenen Verträge, soweit sie auch abänderlich sind, nur mit Zustimmung beider Teile geändert werden dürfen. Gegenüber dem Vorgehen Polens ist die Freie Stadt entschlossen, die von Polen geforderte völlige Eingliederung in feinen Wirtschaftskörper aufs schärfste zurückzu- weisen. Die Freie Stadt ist sich bewußt, daß eine Erfüllung des vertragswidrigen Verlangens Polens die Aufhebung der Kultur und der politischen Selbständigkeit der Freien Stadt, welche einen Teil der Bestimmung des Vertrages von Versailles darstellen, zur Folge haben würde. Sache der Vvlkeroundsinstanzen wird es nunmehr sein, zur Wahrung der gefährdeten Rechte Danzigs die erforderlichen Entscheidungen schleunigst zu treffen und ihre Durchführung sicherzustellen. Danzigs Kamps um sein Recht. Warschau, 16. Rov. (WTB.) Die Danzig- polnischen Wirtschaftsber Handlungen, die hier stattfinden, sind heute ergebnislos abgebrochen worden. Von Danziger Seite wird dazu mitgeteilt: Die drückenden wirtschaftlichen Maßnahmen, hie die Republik Polen besonders in dem letzten Jahr unter Richtach tung der geschlossenen Verträge gegen die Freie Stadt Danzig verhängt hat, hatten die Freie Stadt veranlaßt, die Entscheidu ng des Völkerbundskommifsars anzurufen. Durch Beschluß des Vö'.kerbundsrats waren dem Kommissar neutrale Sachverständige von internationaler Geltung zur Verfügung gestellt worden, die über die Streitfragen ihr Gut- achten abgegeben haben. Die Freie Stadt hat chre Bereitschaft zur Annahme dieses Gutachtens bekundet, obwohl ihr dadurch erhebliche Opfer auferlegt werden. Da die Republik Polen sich dem erstatteten Gutachten zu beugen m ch t ge- 1d i111 war hat der Völkerbundskommissar noch einmal ben Versuch gemacht, im Wege fried icher Verhandlungen die Streitpunkte 5u beteiligen. Von beiden Seiten waren zu diesem Zweck Delegationen eingesetzt, deren Verhandlungen fetzt in Warschau ergebnislos abgebrochen werden mußten, da der von Polen in grundsätzlichen Fragen eingenommene Standpunkt eine Annäherung der gegenseitigen Auffassungen nicht mehr erhoffen ließ. Polen stehl auf dem Standpunkt, daß die Freie Stadl auf die ihr eingeräumlen die Amerika allerdings nicht direkt berührende Schaffung einer B ö l k e r b u n d s t r u p p c zur Erzwingung des Friedens in Europa. Trotz dieser Bedenken wird man aber auch diesen fron- zösischen Vorschlag sorgfältig erwägen und hofft auf die allmähliche Entstehung eines praktifchen Planes, wenn man auch den Enthusiasmus, der nach Zeitungsmeldungen bei der amerikanischen Delegation angeblich herrschen soll, diesmal nicht teilt. Floiienverhandlungen inGenf Heute spricht Simon über den britischen Abrüstunstsplan. London, 16. Rov. (211. Funkspruch.) Wie der Genfer Berichterstatter des »Daily Herald" meldet, nehmen die Verhandlungen zwischen Sir John Simon und dem Amerikaner Davis über die Flottenpläne einen befriedigenden Verlauf. Es bestehe die Hoffnung, daß sie zum Anschluß Frankreichs und Italiens an den Londoner Flottenvertrag führen wür- den. Das neue Abkommen werde sich sehr stark Oer französische Die Regierung verteidigt sich. Tas deutsche Berufsheer stört Frankreichs Sicherheit. Paris, 17. Rov. (WTB. Funkspruch.) Die scharfen Angriffe Tardieus gegen das Kabinett Herriot in der Frage des französischen Abrüstungsplanes finden starke Beachtung. Die Morgenpresse hat den Fangball aufgegnffen und die Polemik kräftig weitergeführt. Speziell di 7 Regierungspresse nimmt den Artikel nicht leicht. .Republigue" widmet ihm eine eingehende Kritik. Das Blatt schreibt, Tardieus Behauptung, Paul- Doncours Plan laufe auf eine Revision des Versailler Vertrags hinaus, sei geradezu verblüffend. Gewiß sehe der französische Plan eine Revision der militärischen Klauseln vor. Dies geschehe jedoch aus dem Grund, weil in Versailles Deutschland ein Berufsheer gegeben worden sei, das in den Händen eines organisatorisch begabten Volkes zu einer gefährlichen Armee habe werden müssen. Herriot und Paul-Doncour legten nun, um Den damals begangenen Fehler wieder gut- zumachen, einen berechtigten und praktischen Plan vor. mit dessen Hilfe Frankreich in der allgemeinen Sicherheit seine eigene definiert: „W ede». deutsch noch franzo- f i s ch". Die Flamen wollten, so heißt es weiter, weder ein lateinischer Vorposten mit germanischer Sprache noch ein germanischer Vorposten mit lateinischer Ausdrucksform fein. Die Aufgabe des flämischen Nattonalismus sei die Verteidigung gegen Deutsche, wie gegen Franzosen. Das nächste Ziel der flämischen Bewegung liegt in der Eroberung der Macht im belgi- Dei der Aufmerksamkeit, die die Oeffentlichkeit augenblicklich den großen, im Mittelpunkt des Interesses stehenden Fragen widmet, bet den inneren Kreisen, von denen heute in erster Linie Deutschland betroffen ist, ist ein Vorgang stark in den Hintergrund getreten, der, wenn er aucy nicht die Bedeutung hat, die jenen Dingen zugebilligt werden muß, doch voraussichtlich auch nicht so ganz ohne Einfluß auf die Lösung der internationalen Fragen bleiben wird: der stetig wachsende Einfluß des Flamentums auf die politische Haltung Belgiens und damit ein gewisses Freiwerden von dem überwiegenden französischen Einfluß, unter dem dieser Staat unausgesetzt seit dem Weltkriege und auch schon vorher in hohem Grade gestanden hat. Der Kampf zwischen den germanischen Flamen und den romanischen Wallonen, jenen beiden Volksgruppen, aus denen sich die Einwohnerschaft Belgiens zusammenseht, ist so alt, wie der belgische Staat selbst. Der belgische Freiheitskampf 1830 war ein Kampf des katholischen Südens gegen den protestantischen Rorden. den Flamen und Wallonen Seite an Seite ausfochten gegen die holländischen Bestrebungen, den Gesamtstaat nicht nur in der Verfassung und in der Verwaltung, sondern auch religiös zu vereinheitlichen. Dieser Kampf konnte nur gewonnen werden durch die Hilfe Frankreichs. Schon bei den Septemberkämpfen um Brüssel im Iahre 1830 gab der französische General Melli- net mit seinen Truppen den Ausschlag, ülnd auch als. schon nach der Wahl des Coburger Prinzen Leopold zum König des neuen selbständigen Belgiens, Holland im Herbst 1832 nochmals versuchte. Belgien mit Waffengewalt zurückzuer- obern, scheiterte das lediglich durch das Eingreifen eines französischen Heeres, das Antwerpen eroberte und die Holländer über die Grenze zurücktrieb. Ülnd nur der Druck Frankreichs. das Einschränkung der deutschen Einfuhr nach der Schweiz. Bern, 16. Rov. (WTB.) Der Bundesrat hat gestern beschlossen, die deutsche Einfuhr von Wolldecken und Damenhüten aus Stroh einzuschränken. Dazu erfährt die Schweizerische Depcschenagentur von zuständiger Seite, daß das kürzlich abgeschlossene neue Wirtschaftsabkommen mit Deutschland die Schweiz nicht verpflichte, von künftigen Einschrän- kungsmaßnahmen abzusehen. Dagegen sollen selbstverständlich solche Maßnahmen nur in den notwendigsten Fällen erlassen und die Einfuhr nickt stärker eingeschränkt werden, a ls notwendig ist. 2m Sinne und Geist dieses Abkommens wird für Wolldecken eine Einfuhr im Rahmen von 75 v. H. der letzt jährigen zugelassen werden. s ch e n Staate. Und sie ist diesem Ziele rn der jüngsten Zeit Schritt um Schritt näher gekommen. Anfang März dieses Jahres nahm die belgische Kammer ein Gesetz an, das in Flandern d i e flämische Sprache als alleinige Der- waltungssprache einführt. Der wettere Kampf geht jetzt dahin, durch ein neues Sprachengesetz auch die französische S ch u l s p r a ch e zu beseitigen. Der Strett hierüber hatte den Rücktritt des bisherigen Kabinetts Renkin herbeigeführt. Das neugebildete Kabinett, wieder unter der Führung Renkms, hatte eine katholische Mehrheit: 7 Katholiken gegen 5 Liberale. Wie weit sich das im Sinne der flämischen Bewegung auswirken wird, muß abgewartet werden. Gewiß ist der flämische Einfluß gestiegen, aber trotzdem wird auch dieses Kabinett auf ein Zustande- der Mandschureifrage beschäftigen soll. Der von der Reichsregierung in der Abrüstungs- frage eingenommene Standpunkt deckt sich so einheitlich mit der Auffassung des ganzen deutschen Volles, daß auch in diesem Punkte jede deutsche Vertretung in Genf Sprecherin des ganzen deutschen Volkes fein wird. Reichsaußen- minifter Freiherr v. Reurath wird deshalb auf alle Fälle am Samstag nach Genf fahren. Hitler kommt nach Berlin. Die Nationalsozialisteu wollen ein Regierungsprogramm überreichen. Berlin, 17. Nov. (VDZ.) Hitler hat sich im „Kaiserhof" in Berlin bereits angesagt, ist aber zur Stunde noch nicht eingetroffen, offenbar, weil er nach dem Ausgang der gestrigen Parteiführeroer. Handlungen eine so schnelle Reise nach Berlin nicht mehr für notwendig gehalten hat. Es verlautet, daß die maßgebllchen Persönlichkeiten der NSDAP, eine Denkschrift ausgearbeitet haben, die man a l s na t i o n a l s o z i a l i st i s ch e s Regierungs - Programm ansprechen könne, und daß es nicht ausgeschlossen sei, daß die Partei es vorziehen werde, statt einer persönlichen Unterredung Hitler-oon Papen dem Reichskanzler diese Denkschrift überreichen zu lassen. Die Einladung, die Herr von Papen zu einer Unterredung mit Adolf Hitler ergehen ließ, sei lediglich mit einer Empfangsbestätigung beantwortet worden. Der Führer der NSDAP, dürfte dagegen für eine Unterredung mit d e m Reichspräsidenten jederzeit zur Verfügung stehen und dürfte in einem solchen Falle auch persönlich beim Herrn Reichspräsidenten das von ihm vorgeschlagene Reaierungsprogramrn oer° I treten. Ein etwaiger Empfang Hillers durch den Reichspräsidenten von Hindenburg könne voraussichtlich erst morgen in Frage kommen. Washington, 16. Nov. (WTB.) Der französische Abrüstungsplan wird in den hiesigen Ministerien zur Zeit geprüft. Ein amtlicher Kommentar liegt noch nicht vor, jedoch wurde von maßgebender Stelle der erste Eindruck dahin zusammenge- faßt, daß der Plan „sehr kompliziert und in manchen Punkten bedenNich" er- scheine. Während allo die vor einigen Wochen be- kanntgewordenen Grundlinien des Herriotschen Planes hier durchaus begrüßt wurden, hält man die jetzt mitgeteilten Einzelheiten für kaum durchführbar. Nach ure vor ist man gewillt, -U-»........ Ö--M- wz. .. - > auf eine Konsultatton IM Falle der Kriegsgefahr haftete; es wäre sicher noch zu folgenschweren Er- ejn,uqeheni ejn Punkt, für den sich bekanntlich beide eignissen gekommen, wenn die belgische Regierung Parteiprogramme einsetzen, und man steht nach wie dem flämischen Ultimatum, die Verhafteten wieder DOr QUf &em Standpunkt, daß politische Aenderun- freizulassen und die Polizei sofort zurückzuziehen, gen, 6ie unter Verletzung des Kellogg-Paktes ge- nicht bedingungslos nachgekommen wäre. wal'tsam erreicht würden, international nicht aner- Die Flamen fordern ein neue s v prachen - tannt roeröcn sollten. Bedenken hat man jedoch geseh, das für die flämischen Provinzen das bie VerpfiichtungzuDoykottmaß- Französische als Sprache sowohl in der Justiz wie nahmen, was jedenfalls von der republikanischen auch in der Verwaltung und in den Schulen völlig Regierung'bisher stets strikt abgelehnt wurde und ■ beseitigt und an seine Stelle das Flämische setzt. aud. &en Demokraten auf starken Widerstand Sie verlangen aber — und das ist außenpolitisch »oßen dürfte. Für kompliziert häll man ferner das bedeutsame — weiter eine Kündigung des _________ ___ belgisch - französischen Militäroer- ——■■---- tr°gs und seiner Folgen wie in dem Ausbau ^men von Kompromissen angewiesen sein, die """ befejngungen zum Ausdruck kommen. In emer W Millionen Einwohnern Belgiens sind Entschließung, die der vor,ahrrge flam.sche Kongreh Millionen Flamen und 3,6 Millionen Wallonen; annahm -st sogar von e.ncr „mrlttar.schenDas°Ln- ^^Umueu^i StAnmesangehörige, dar- D°s I nnler allein 110 000 Deiche und 40 OOO.jjoHäni-er. Flamentum will eine völlige Loslösung von dem französischen Einfluß, ein freies, nur seinen eigenen nationalen Zielen nachjagendes finden wolle. „Petit Journal" veröffentlicht eine Erklärung des Kriegsministers P a u 1 - B o n c o u r, der die Notwendigkeit einer Reform des französischen Heeres betont. Diese Reform sei unerläßlich, ganz unabhängig von den Genfer Abrüstungsoer. Handlungen. Die Armee sei auf einer veralteten Rahmenorganisation aufgebaut, sie schleppe sich mühsam durchs Leben, da sie sich weder den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln noch den ------- ---- - - . । Fehlern des Krieges 1914, noch den internationalen zusammen mit England ein bewaffnetes Ernschrer- Notwendigkeiten angepaßt habe. Die unter den Fahlen androhte, zwang den holländischen Komg T^l- nen stehenden Eeffektiobestände würden es nicht er- Helm, endlich im Jahre 1839 die belgische lauben, den Heeresmechanismus, so wie er jetzt Selbständigkeit anzuerkennen. organisiert sei, in Gang zu halten. Also müffe man Daß unter diesen Umständen die ganze Orientie- schon jetzt entsprechende Vorkehrungen treffen, rung des neuen belgischen Staates nach Frank- zfo// reich hin tendierte, ist begreiflich. Die Verwaltung UtlV PtVCtlll U) • wurde nach französischem Muster eingerichtet, die trnwiniiSArti offizielle Staatssprache wurde die französische. Da- ÄUßle Aufnahme des ftanzoftfchcn gegen setzte aber bald der Widerstand bes| Avrustungsplans M Anter,?«, flämischen Bevölkerungsteils ein. Wenn es auch schon im Jahre 1898 den Flamen gelang, in den flämischen Gebietsteilen die Anerkennung des Flämischen als Gerichtssprache neben dem Französischen durchzusetzen, so kann man von einer wesentlichen Erstarkung der flämischen Bewegung doch eigentlich erst in der jüngsten Zeit sprechen. Tatkräftige Führer schufen eine fefte- flämische Organisation, die alljährlich zu besonderen Kongressen zusammentrat. Noch vor einem Jahr kam es bei dem flämischen Nattonalfest bei Brüssel zu blutigen Zusammenstößen mit der belgischen Polizei, die eine große Zahl flämischer Führer ver- Frischer Wind in Ungarn. Der neue Kurs -es Kabinetts Gömbös. Don unserem ungarischen V-Korrsspondenten. Budapest, Mitte Oktober 1932. Es weht ein frischer Wind in Ungarn. Er fegt öurgj ine Amtsstuben und scheucht ine Bureaukratie aus ihrem Trott. Erschienen die Ministerialbeamten bisher gegen halb zehn zum Dienst, so müssen sie jetzt bereits eine Stunde früher an iyren Schreibtischen sitzen. Kabinettsberatungen werden morgens statt nachmittags abgehalten, damit die Minister ausgeruht und freien Kopfes die notwendigen Beschlüsse fassen. Der neue Herr im Ministerpräsi« dium am Szent György ter, der sich mit Feuereifer, starker Initiative und Energie an seine große Aufaabe macht, hat — auch ein Zeichen bewußten Wechsels der Methoden — sich bei seiner ersten Rede des Rundfunks bedient, um die breitesten Massen des Volkes zu erfassen. Er hat darüber hinaus bei dem ihm zu Ehren veranstalteten gewaltigen Aufmarsch der Vereinigungen in Budapest gezeigt, daß er es meisterhaft versteht, auf dem Instrument der öffentlichen Meinung zu spielen und sich aller modernen Mittel der politischen Propaganda zu bedienen. So hatte er sich schon ebenso glänzend wie wirksam in Szene gesetzt, bevor er in das Parlament trat, um dort die Feuerprobe zu bestehen. „Kein Wunder, daß „das Märchenschloß" an der Donau am Tage der Eröffnung von einer dichten Menschenmenge belagert war, daß die Galerie, die Diplomaten- und Magnatenlogen eng besetzt waren, daß höchste Spannung über dem Hause lastete, als Gömbös an der Spitze der neuen „Regierung her Vierzigjährigen" im Saale erschien, durch stürmische Ovationen der Mitglieder der Einheitspartei begrüßt. Was er zu sagen hatte, zeigt, daß hinter der glänzenden Aufmachung, hinter der äußeren Sichtbarmachung einer andersartigen politischen Methode eine geistige Triebkraft steht, die unter Abkehr von den üblichen ausgetretenen Bahnen eigene Wege zu gehen entschlossen ist, daß sich der politische Horizont des neuen Ministerpräsidenten weit über das Parteigetriebe und die Tagesaufgaben hinaus erhebt, daß er die Ration auf einer höheren Ebene schicksalsverbundener brüderlicher Ge- meinsamkeit und volklicher Leistung zu sammeln, sich als letztes Ziel gesetzt hat. Man braucht nur die Hauptgedanken seiner Programmerklärung heraus- zugreifen, um diese seine Zielsetzung zu erfassen und die Größe seiner politischen Konzeption zu würdigen. „Meine Aufgabe wird es sein", so sagte er, „in Ungarn eine einheitliche politische Weltanschauung ohne Rücksicht auf die parteiischen Gesichtspunkte anzubahnen", und an anderer Stelle spricht er von der „Ausgeglichenheit der Seelen" als einer Hauptvoraussetzung hierfür. Man muß die sozialen, gesellschaftlichen und konfessionellen Schichtungen dieses Landes kennen, um die ganze Bedeutung dieser Worte richtig einzuschätzen. Hier der Gegensatz zwischen dem vorherrschenden Adel, dem Bauer und Bürger und der zahlenmäßig freilich nicht sehr starken, aber zum Teil radikalisierten industriellen Arbeiterschaft, dort der Gegensatz Epischen den Katholiken, Protestanten und Juden. Gömbös will diese Spannungen mildern. Um das Gleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit herzu- ftellen, verlangt er von der Arbeiterschaft ebenso eine Revision ihrer Ideen, wie vom Kapitalismus eine Beseitigung seiner Auswüchse. Und wie er durch die Aufhebung des von den Sozialdemokraten so bekämpften Standrechts einen versöhnenden Schritt getan hat, um hier einen Stein des Anstoßes zu beseitigen, so desgleichen in konfessioneller Beziehung durch die Abänderung seines früheren judengegnerischen Stundpunktes und die Anerken- nung der Judenschaft, soweit sie sich in die Volksgemeinschaft einordnet. Schließlich hat er sich auch noch zu größter Toleranz in der Nationalitätenfrage bekannt, um auch auf diesem Gebiete Ruhe zu schaffen. Den inneren Ausgleich, den Gömbös erstrebt, das Prinzip der Brüderlichkeit ohne Unterschied von Klasse, Rang und Konfession, das er verkündet, will er zwar mit starker Hand, aber keinesfalls diktato- risch durchführen. Er verläßt sich auf die Kraft der von ihm vertretenen Ideen und die Wirkung eines gerechten, von seinem starken Willen gelenkten und von parteipolitischen Einflüssen möglichst unab- hängigen Regiments. Er verschmäht künstliche Hilfsmittel, was er durch die Einführung des geheimen Stimmrechts unter Beweis stellt, und will sich „ohne Tricks", in offenem Wettbewerb mit feinen Gegnern durchsetzen. Es ist ein stolzes und selbstbewußtes Wort, wenn er sagt: „Ich brauche keine Macht, welche nicht auf den Seelen beruht. Ich weiß, daß die ungarische Ration ehrliche Arbeit zu werten versteht." Auf dieser gewiß nicht zu unterschätzenden psychologischen Grundlage, deren Skizzierung allein schon, gerade bei einem so stark auf das Stimmungs- und Gefühlsmäßige reagierenden Volke wie dem ungarischen erhebliche Wirkung ausübt, baut Gömbös sein konkretes politisches Programm auf. Es zeichnet sich in wirtschaftlicher Beziehung dadurch aus, daß Gömbös wohl gegenüber seinem Vorgänger Graf Karolyi ein schnelleres Tempo gepaart mit energischerem Zu fassen bei der Abstellung der Hauptübel- stände auf dem Gebiete der Agrarpolitik anschlägt, ohne indessen die gesamtwirtschaftlichen Belange aus dem Auge zu lasten. Er kündet eine Zinsensenkung an, schlägt Erstattung der Steuerrückstände durch Ueberlastung von Boden vor — eine ganz originelle Idee — setzt sich für eine großzügige Siedlungspolitik ein, lehnt aber ein allgemeines Moratorium ab, um das Wirtschaftsleben nicht zu erschüttern und die Währung unter allen Umständen zu sichern. Da die Gesundung der Wirtschaft aber nicht allein von innen heraus möglich ist, so hat er ganz besonderen Nachdruck auf die flügge ft altung her Außenhandelsbeziehungen gelegt, die gegenwärtig sehr unter dem ungeklärten Verhältnis zu Oesterreich und jur Tschechei leiden, und im Zusammenbange hiermit auf eine möglichst starke Stellung Ungarns im Donau« decken. In dem Bestreben, sich nach keiner Seite hin den Weg zu größerer wirtschaftlicher Elastizität zu verbauen, hat er auch eine freundliche Geste nach Frankreich hin gemacht, obgleich kein Zweifel daran besteben kann, daß er, mehr noch als es Ungarn bisher schon tat, auf d i e italienische Karte setzt, worauf sein Adressenwechsel mit Mussolini deutlich genug hinweist. Die Unterstreichung der ungarischen Forderung nach Gleichberechtigung und nach Sicherheit durch freie Verfügung über die staatlichen Machtmittel, Förderungen, die in ihrer Formulierung wohl nicht ganz zufällige Anklänge an die deutschen Ansprüche enthalten, erhärtet die Anlehnung an die italienisch-deutsche Front, wenigstens in diesen nationalen Lebensfragen. Gömbös kann mit der Aufnahme seiner Erklä- rungen im Parlament zufrieden sein. Die Einheitspartei steht geschlossen hinter ihm. Graf Bethlen, der ihm in den Sattel verhalfen hat, beglückwünschte ihn aufs herzlichste. Die Christlich-Sozialen und die unabhängigen Landwirte, welch letztere den Sturz Karolyis in erster Linie mit herbeigeführt hatten, verhalten sich wohlwollend abwartend. Selbst die Sozialdemokraten üben nur gedämpfte Opposition. Es muß sich nun Herausstellen, ob Gömbös die hochgeschraubten Erwartungen erfüllen wird und kann, und ob er recht mit seinem Worte behält: „Unser Weg ist steil, felsig und dornig, aber ich fühle und weiß, daß er zum Ziele führt/ Was jetzt in Ungarn geschieht, ist ein Gegenstück zu dem deutschen Regiment, wenn auch den abweichenden Veichältnissen entsprechend in anderer Form. Kaum minder groß als für Deutschland der Systemwechsel ist jedenfalls die Bedeutung der neuen Aera für Ungarn. Rom-Budapest. Cömbös berichtet über feinen Besuch bei Mussolini. B u b ape st. 16. Rov. (£U.) 3m Auswärtigen Ausschuß des Abgeordnetenhauses erstattete Ministerpräsident Gömbös Bericht über seine Aomre.ie. Das gute Be.yältms zu Italien habe ihn veranlaßt, seine erste Auslandreise als Ministerpräsident nach Rom zu machen, um dem Freundschaftsvertrag einen tieferen wirtschaftlichen Inhalt zu geben und damit die schwere Lage der ungarischen Landwirtschaft zu erle.chte.n. Ein ita eni ch-. nzarischer (Hirt ch fts- aus'chuy zur Belebung der wirtichaftlichen Beziehungen werde eingesetzt. Italien sei das erste Land gewesen, das sowohl zur R e o i s i o n s - wie in der Abrüstungsfrage offen Stellung genommen habe, wofür Ungarn Italien dankbar sei. In Rom sei auch über die Weltwirtschaftston f e r e n sowie über die Ostreparationskonferenz gesprochen worden. Es habe sich herausgestellt, daß die Außenpolitik der beiden Länder auch in diesen Fragen vollkom- men ü 6 e r e t n ft i m m e. Auch sei eine Einigung in mehreren seit langem schwebenden Finanzfragen erzielt worden, die mit der Liquidierung des Weltkrieges zusammenhingen. Zu ihnen gehöre die Frage der sog. administrativen Schulden. Mit seinem Besuch beim Papst habe er als Protestant seine Ehrerbietung dem Heiligen Stuhle gegenüber ausdrücken wollen, der immer großes Berständnis für die ungarischen Interessen gehabt habe. Die faschistische Zehnjahresseier. Seldte, Göring und Schacht wohnen dem Festakt bei. Rom, 16.Rov. (TU.) Am Mittwoch wurde der Winter-Tagungsabschnitt der italienischen Abgeordnetenkammer mit einem kurzen Festakt anläßlich der faschistischen Zehnjahresfeier eröffnet. Äach einer Begrüßungsansprache des Kammerpräsidenten G i u r i st i hielt Mussolini, dem bei seinem Erscheinen begeisterte Kundgebungen dargebracht worden waren, eine kurze Rede. Die Bedeutung der Zehnjahresfeier, so sagte er, sei eine doppelte: Einerseits habe das italienische Volk in seiner geschlossenen ungeheuren Masse einen entschiedenen Sprung nach vorwärts gemacht. Auf der anderen Seite stehen die Lehren, die Einrichtungen und die Werke der faschistischen Revolution bei allen Ländern auf der Tagesordnung. Denn in dieser dunklen gequälten und wankenden Welt könne die Rettung nur von der Wahrheit Roms kommen und von Rom werde sie auch kommen. Auf Einladung der faschistischen Partei wohnten dem Festakt auch der erste Bundesführer des Stahlhelm, S e l d t e, ferner der frühere nationalsozialistische Reichstagspräsident G bring und Reichsbankpräsident a. D. Schacht, bei. Frankreich baut das kampfkräftigste Schiff der Welt. London, 16. Rov. (TU. Funkspruch.) „Daily Telegraph" bringt einen neuen scharfen Angriff gegen den Bau des französischen Panzerkreuzers „Dünkirchen". Dom englischen Standpunkt aus müsse diese französische Floltenbaupolitik deswegen kritisiert werden, weil er den Plänen zur Herabsetzung der Linienschiff-Tonnage auf 22 OOO Tonnen, wie sie von der englischen Admiralität gehegt würden, vorgreife. Die Baupläne seien im letzten Augenblick noch so geändert worden, daß das Schiff 26 500 Tonnen statt 23 000 Tonnen und statt der 30,5-cm-Geschütze acht 33-cm-Geschütze tragen soll«. Damit werde die „Dünkirchen", abgesehen von dem englischen Schlachtkreuzer „Hood", das kampfkräftigste Schiff der Welt fein und „Ranon" und „Repulse", sowie den japanischen Schiffen der Kongoklasse überlegen sein. Das 33-cm-Geschütz feuere Granaten von 1000 Pfund Gewicht auf eine Entfernung von 40 000 Metern. Der „Daily Telegraph" bringt dann eine DergleichStabelle zwischen der „Dünkirchen" und der „Deutschland^ und erklärt, daß die „Dünkirchen" dem deutschen Panzerschiff weit überlegen sei. Aus der provmzialhaupistadi. Gießen, den 17. November 1932. 3d) sammle,du samme1st,er sammelt... Reklamebilder natürlich! Es ist ja jetzt so, daß nicht nur Schokoladeerzeugnisse mit solchen BeilagAi versehen sind, sondern auch Zigaretten, Margarine, Kornkaffee und alle möglichen andern Fabrikate. Die Auswahl ist wirklich auch groß, und man muß fugen, daß heute allerlei geboten wird mit diesen kleinen bunten Bildchen. Die Bildchen sorgen für bie Erweiterung unseres Anschauungskreises, bringen uns fremde Erdteile und ihre Bewohner näher, führen uns in die deutsche Geschichte zurück usw. Sammeln nur unsere Kinder? Bewahre! Eine Sammelwelle geht durch Deutschland, man kann beinahe von einer Sammelwut sprechen. Kaum hat das harmlose Jo-Io-Spiel etwas nachgelassen, da setzt das Sammeln von Reklamebildern um so fjef« tiger ein. In allen täglichen Nichtigkeiten gibt es wie beim Meere Wellentäler und Wellenberge. Zur Zeit sind wir auf einem Berge. In den Geschäften liegen Tauschlisten auf, in der jeder sehen kann, was auf diesem Wege umzusetzen ist, unsere Jungens sprechen in den Schulpausen nicht nur vom Weltmeister im Radsport, sondern sind in der Hauptsache mit dem Sammeln und Austauschen der Bilder beschäftigt. Sieh nur, wie sie die Köpfe zusammenstecken, wie sie fachmännisch den Wert der gezeigten Bilder erläutern! Nun greifen sie in ihre eigenen Taschen und holen neue Schätze hervor. Da wird gehandelt, da wird geboten, für zwei kleine ein großes, für eine bestimmte Nummer drei andere... Es ist wie auf der Börse. Manchmal geht es sogar noch hitziger zu. Auch sonst helfen diese kleinen Bilder bei manchem Geschäft. „Wenn du mir die Mathematik- aufgaben machst, bekommst du..." „Für die Nummern 11 und 45 helfe ich dir beim Aufsatz" usw. Unb bie Großen, bie keine Aufsätze mehr zu schreiben brauchen? Es wurde einmal behauptet, daß d i e Menschen am glücklichsten wären, die sich einen Hang zum Kindlichen bewahrt hätten. Ich will es beinahe glauben. Wer noch mit feinen Kindern Purzelbäume schlagen kann, wer von Zeit zu Zeit wieder einmal einen alten Indianerschmöker mit Genuß lieft, der gehört wohl auch zu den Glücklichen. Ich z. B. nehme auch einmal bie alten Briefmarkenalben vor unb sitze finnenb vor den kleinen Bildchen. Ich weiß noch ganz genau, wann unb von wem ich diese bestimmte „wertvolle" Marke erhielt. Lange, lange ift's her! Aber geht es uns Erwachsenen mit dem Sammeln der Reklamebilder nicht ebenso? Setzen wir uns nicht auch — wie die Kinder — ein Ziel: Die Serie jetzt zu vervollständigen? Iaaen wir nicht einer bestimmten Nummer tage-, wochenlang nach? Gönnen wir allen die Freude am Sammeln, besonders unfern Buben, denn wenn sie dadurch von einigen Summen Streichen abgehalten werben, soll es uns recht sein. F-d. Oer preußische Buh' und Bettag. Der Buh- und Dettag in Preußen ist gestern in althergebrachter Weise begangen worden. Dieser vom Staat eingesetzte Feiertag soll bekanntlich der Devolierung als Ruhepunkt dienen. an dem der einzelne Mensch sich auf sich selbst besinnen soll, an dem er feine Jahresbilanz zieht. Keine Zeit im ganzen Jahre ist für einen solchen Tag besser geeignet als der Rovember mit seinen trüben Tagen. Auch am gestrigen Buh- unb Bettag war die Sonne dicht verschleiert und feiner Rebel lag über der Erde, der richtige Rahmen für den Tag der inneren Einkehr. Die mit diesem Feiertag verbundene allgemeine Stille im öffentlichen Leben brachte eine Ruhe mit sich, die gerade in dieser Zeit des aufregenden wirtschaftlichen und politischen Kampfes so wohltuend wirkte. Die Gottesdienste und die vielerlei geistlichen Konzerte erfreuten sich eines außerordentlich starken Besuchs, ein Zeichen, daß auch heute noch von vielen Menschen der Sinn des Buß* und Dettags wohl begriffen wird. Don den Mittagsstunden ab trat in den hessischen Grenzstädten das gewohnte Bußtags-Bild in Erscheinung. In Gießen gab es wieder starken Besuch aus den benachbarten preußischen Kreisen, durch den die Reichsbahn und die Kraftomnibusse rege in Anspruch genommen wurden. 3m Strahenbild und im Geschäftsverkehr wurde der Besuch aus Preußen stark fühlbar, die Geschäftswelt und die Gaststätten hatten dadurch erwünschte zusätzliche Umsahmöglichkeiten, die bei zahlreichen Firmen ein sehr erfreuliches Ausmaß ZauberflöteunddunkiesAngesichf Don Hans Thyriot. Das ist noch gar nicht so lange her: vor lieben ober acht 3ahren. Da kamen an einem frühen W.nterabend zwei Herren ins Berliner Redaktionszimmer, uns zu besuchen. Sie stellten sich vor: sie wären von einem Radiogeschäst in .....Straße. Unb sie hatten allerlei merkwürdiges Gerät mitgebracht. Alsbald begannen fie Unisono einen beschwörenden Dortrag zu halten über das Wunder des Funks. 3n aller Kürze würden wir etwas gewahr werden, was wir noch nie erlebt hätten. (Hier wagten etliche ergraute Kollegen nachsichtig zu lächeln.) Dann begannen die beiden Herren ernst und angestrengt zu arbeiten. Sie packten ihre geheimnisvollen Gerätschaften aus und bauten einen Apparat auf. Dann schauten fie auf di« Uhr und erklärten: „Es ist jetzt dreivierte lacht. 3n einer Viertel- stunde beginnt in der Staatsoper Unter den Linden „Die Zauberflöte"k Sie werden bann mit diesem Apparat di« erste Opernübertragung von Berlin hören. Hier in diesem Zimmer." Dies schien uns eine Sensation von beträchtlichen Ausmaßen. Unsere Phantasie begann sich zu erhitzen. Und ein schwungvoller Artikel wurde in die Schreibmaschine diktiert: er trug die immerhin unaewöhnliche Ueberschrift „Sauber flöte zuhause" unö sollte natürlich noch in die Morgen-Ausgabe, damit die Staatsopembesucher am Frühstücks tisch was zu staunen hätten. Wir schwelgten stuckstisch was zu staunen hätten. Wir schwelgten rn der Vorstellung, daß durch die neue Erfindung der müde aus dem Bureau heimlebrende Hausherr der von vielen Männern gehaßten Rotwendigkeit enthoben sei, sich in stürmischer 6moflnfl zu stürzen und unter abscheulichen Grimassen einen schlecht sitzenden BindeschlipS um den Hals zu würgen: und baß Vie gnädige Frau keineswegs mit gepreßter Stimme und ängstlichen Seitenblicken auf bie älbt zu erklären brauche, sie hätte nichts an- Äiw eben ob keineswegs: bieses Ehepaar konnte Pantoffeln, mit einem M *L®ID9 b«voffnet, aufs Sofa setzen (Touch äab es damals noch nicht) — am Knöpfchen Drehen unb alsbalb bie „Zauberflöte" hören b,c vielleicht volle zehn Kilometer entfernt Unter ben Linben aufgeführt wurde. — Es war wirklich ein schöner Artikel, unb er war mit jugendlicher Begeisterung geschrieben. Aber die ergrauten Kollegen, bie vorhin nachsichtig lächeln mußten, hatten auch nicht ganz ohne Grund gelächelt. Denn als es acht schlug unb wir, zitternd vor Erwartung, die Kopfhörer über die Obren klemmten, erscholl zwar zunächst ein ziemlich echtes Rhabarber-Gemurmel (aus dem Parkett) bald danach aber eine wenig klassische Katzenmusik, welche nicht nur die Mozart-Kenner in Erstaunen setzte: ein wirres Gebrodel von unreinen Tönen drang von den Linden zu uns herüber. Und nut für Sekunden einmal erhob Nch daraus süß und hell und mozartisch die silberne Kantitene einer jubilierenden Frauenstimme. Doch behielt das Gebrodel die Ueber- banb, unb das Einzige, was wirklich klar, schön und vollkommen gelang bei dieser ersten Opern- ubertragung in Berlin, war das metallisch schmetternde Beifallklatschen am Aktschluß: es klang wie Masch.nengewehrseuer. Wir nahmen enttäuscht die Hörer von den Ohren. Aber die beiden betriebsamen Herrn trösteten uns. Es müsse am Wetter liegen ober an ben vielen Straßenbahnen: das wären Störungen, die bald behoben seien: Kinderkrankheiten, die jeder großen Erfindung anhafteten. „3n ein paar 3ahren", sagten die Herren, Jollnfe mal sehn! —" • Wenig« Wochen später wollten wir mit der Untergrundbahn zum Bülowplah. Stiegen in den Schacht hinunter — grab fuhr bet Zug bavon. »Zuhrückbleim!" brüllten bie Schaffner. Keine große Lache: kommt alle Tag« vor. 3n zehn Minuten geht der nächste. Die zehn Minuten totzuschlagen, stellten wir uns an einen Zeitungskiosk im U-Bahnhof. Zeitungen, Zeitschriften, Magazine. Manche davon emittieren gar nicht wehr. Aber auf einem Titelblatt fand sich ein Dild, das wir bis heute nicht vergessen haben: bie^Photographie eines zentralafrikanischen Re- gepkopfeS beinah lebensgroß, die ganze Seite bedeckend. Den Ausdruck im dunklen Angesicht dieses armen, wilden unb nackten Menschen haben wir nicht vergessen: den verstörten Ausdruck völlig fassungslosen Staunens, der g enzenlosen. an Ent- fetjen streifenden Erschütterung vor etwas Unbegreiflichem, vor einer Raturgewalt, die weit über ben harmlosen Zauber des eingeborenen Medizinmannes hinausreicht. An den Ohren trägt dieser Afrikaner zwei Kopfhörer: der Metallbügel schmiegt sich tief in sein dichtes wolliges Haar. Die Augen sind wett aufgeriffen, als ob etwas Schreckliches langsam auf ihn zukäme: bie wulstigen Lippen, zu törichtem Stammeln geöffnet, las- fen das weihe Debih sehen... Der Vorgang ist völlig klar unb von unmißverstänblicher Eindringlichkeit. Diesem äthiopischen Raturkinde hat ein toeifrer Mann, halb spielerisch vielleicht, den Metallbügel mit den Hörem über den wolligen Schädel gedrückt: öqnn hat er sein Kästchen auf- gestellt, an ein paar Drähten gefingert, an einem Schräubchen gedreht — unb auf einmal füllen sich bie Ohrmuscheln des erst neugierig-kinblich grinsenden Wilden mit einem eintönigen, immer beut* sicher anschwellenden Geräusch: das grinsende Gesicht wird starr, verzerrt sich, wird gebannt unb Überwältigt vom großen Zauber des weihen Man- nes: der Blick der dunklen Augen Irrt geängstigt über bie grenzenlose Steppe und sieht doch nichts "Ats außer dem weihen Mann und dem kleinen Kästchen. Aber das Ohr hört, taktfest und un- verwechfelbar, aus nächster Rähe den zermürbend eintönigen Holzrhythmus der Signaltrommel seines heimatlichen Stammes... Du glaubst es selber zu Horen hier unter der Erbe, im Bauch von Der- lin. Aber es ist nur dein Zug, der eben klirrend in Den Bahnhof einläuft. Wenn du nicht acht gibst, verfäumst du ihn zum zweitenmal. „Zuhrück- bleim!" brüllen die Schaffner. sst noch gar nicht so lange her. Die paar , ?ure sind inzwischen vergangen, „ätollnfc mal •nn??ttcn bie beiden betriebsamen Zaubcr- .ftoten-Manner zu uns gesagt. Sie haben recht veyalten. Aus dem Experimentierkästchen von ctn Gebrauchsgegenstand geworden — wie Telephon und Grammophon und Glühbirne, r k cincf Handgriffs, einer Schaltung. Wo inb die zehn armseligen Kilometer ßuftlinie an tenem winterlichen DersuchSabend in Berlin ge- blteben? Die Welt ist zusammengeschrumpft. Sie ttnd näher aneinander gerückt. Und bie Wett ist auch großer geworben. Du drehst einen ^£>^L’,.unI> bie Wände deines Zimmers öffnen fi^, Stimmen bet Völker bringen zu dir herein, Musck aus allen Zonen überflutet dein Ohr, leise und laut, erregend unb tröftenb, bezaubernd und nachschwingend. Da laufen bie magischen Wellen, geheimnisvollen Gesehen untertan, über den alten Erdball. Geheimnisvoll? Keine Spur: wir können es ja erklären, wir begreifen ja, wie das vor sich geht: wir wissen Bescheid mit Wellenlänge unb Trennschärfe, mit Antenne unb Erdung. Und wir lächeln heute über bie verschollene Opernübertragung und über die ausschweifenden Phantasien, zu denen sie uns in der ersten Aufregung erhitzte. Aber auch wenn wir das alles wissen und manches dazu gelernt haben unb noch gar nicht ahnen können, wie das weiter gebt, und ob wir nicht in ein paar Jahren auch durch bie Wänb« hindurch unb über Länder und Ströme und Berge unb Meere hinweg zu sehen vermögen — das dunkle Angesicht eine- namenlosen Menschen aus der weiten, sonnendurchglühten, afrikanischen Steppe steht uns noch immer lebendig vor Augen ... in Schreck und fassungsloser Verzauberung. Und vielleicht ist es gut sich von Zeit zu Zeit daran zu erinnern. Robert unb Bertram in Mecklenburg. Es gab eine Zeit, wo das fidele Gefängnis das beliebteste Motiv für Operetten unb Lustspiele war. Don dem Schwurgericht in Güstrow wurden zwei Arbeiter verurteilt, die den Vorzug, in einem sog. sidelen Gefängnis weilen zu dürfen, zu weitgehend ausgenutzt hatten. Sie faßen in dem Städtchen P. in Strafhaft. Sie hatten sich Nachschlüssel verschafft, und wenn der Wärter des Gefängnisses zu Bett gegangen war und behaglich schlief, schlossen sie ihre Zellen auf und gingen auf nächtliche Diebsfahrten, öegen Morgen kehrten sie in ihre Zellen zurück. Was sie an Eßwaren erbeutet hatten, wurde in der 3elle versteckt, alles andere suchte ein im Ort an- sofstger Hehler zu Geld zu machen. Einmal brachen >e sogar in das Amtsgericht ein und versorgten sich )ort mit einem Browning und einem Trommel- reooloer. Dem Amtsanwalt stahlen sie die Wäsche. Sie haben auch mehrfach Personen befreit, die als Unterfudjungs- oder Strafgefangene im Amtsgericht untergebradjt waren. Die beiden konnten ihr »eiben faft ein halbes Jahr ungehindert fortfetzen, ehe die Polizei diese fast beispiellose Diebesftechheit auf- deckte. OBERST. <\XW.\\\»»\\\\\W WVAXXWWiOXyj QV»\XVS\ >\\\ ■ k W 9 U h kn bi» n , ?« der Mt »nbejJ^WtJ A?tzL äy1*» rS$ä Esse r>2 ‘(T?m sMx «S'.7L jÄ M>ta alt Än und ' bi- "L^chühe ■x*e "Dünkirchen" 'SsteSchiUhvI “nö. M ko, uto^ Kongoklakkc Mutz feuere @ta. auf eine 6nt, Ar „Daily Tele- rgleichstabelle zwi. bv AuWanL" W dem deut, ^überlegen sei. W. ;nenb vor den kleinen genau, wann und von tvolle" Marke erhielt, lenen mit dem Tarn- [ ebenso? Sehen wir ober - ein Ziel: Die n? Jaaen wir nicht st-, wochenlang nach'? am Sammeln, bt|on- ienn sie dadurch von geholten werden, soll F-d. 1« und Letiag. ag in Preußen ist Seife begangen Wor« gefeilte Feiertag soll als Auheyunkt die« Mensch sich auf sich r feine Jahresbilanz Jahre ist für einen s her Dooember mit am gelingen W Tf)t Det^Ieicrf unb Srde, der richtige Lren Linlehr. Die ne allgemeine Liiiie eine Me mit sich, s aufregenden wirt' impses |v wohltuend d) die vielerlei gcift« h eines auherordenl- chen, dah auch He der Sinn deS 2ub' toitb. ,... ab trat in den HK ohnte Duhtags-M en gab es wieher ^barten preuhWn bahn unb bie Kraft« genommen würben. Mftsverlehr vurk rf fühlbar, die Seien hatten dadurch Möglichkeiten, die be> Zruiiches Ausmah tröstenb. tey*"£ Sen bie magische" JLn? Aeme vpur- SSE •ries säSS WW «/Ä namen* e innnenbut<5* WK zu erinnern. n •gititäiW' Es £5« S« ws Welch die 3 ’/3 Pfg-Zigarette n D/7D CT 'beider nach teurer starken Jlrt U D Lil kJ 1 sich jiilde mit AROMA paart. S)as hat nochjeder Z igaretten-Raucher empfunden, deR» zum ersten Male die Zigarette probierte. Und das ist januR» natürlich: es muss doch spürbar sein, wenn eine Zigarette aus genau demselben echt ma- cedonischen Tabak gemacht wird, der früher für eine 5 Pfg- Zigarette eingekauft wurde! Oie Eieuerguischeine. Zweckmäßigste Verwendung zur Neubelebung der produktiven Wirtschaft. Hause Neuenweg 14 dn Herren-Friseurgeschäst. Am 1. Oktober 1928 wurde das Geschäft nach dem Haufe Neuenweg 22 verlegt und gleichzeitig ein Damensalon angegliedert. Der Gründer führt fein Geschäft zusammen mit feinem Sohn noch heute und erfreut sich der Wertschätzung und des Vertrauens feiner Kundschaft. •• Konzert in der 2!ervenklin 1 r. Am vorigen Sonntag wurde den Patienten und oem Personal der Aniversitäts-Rervcnklinik von dem Musikchor der Reuapostolifchen Gemeinde Gießen ein wohlgelungenes Konzert in religiösen und weltlichen Liedern und Musikstücken dargeboten. •• Gewährung langfristiger gewerblicher Kredite. Don der Industrie- und Handelskammer wird uns geschrieben: Die bisherige Deschränkung der Gewährung gewerb» licher Kredite auf das Osthilfegebiet ist fortgefallen. Die Dank für deutsche Industrie» cbligat on:n (Industriebank) vergibt nunmehr zur (jotucrung der Ertragsfähigkeit der deutschen Wirtschaft langfristige Kredite an gewerbliche Betriebe, insbesondere an solche kleineren und mittleren LImfangs. Die Kreditanträge sind bei der Bank für deutsche Industrieobligationen in Berlin W 8. Schinkelplah 3 4 einzureichen, welche auch nähere Auskunft über die Voraussetzungen für Gewährung. Höhe, Dauer, Verzinsung und Tilgung des Kredits erteilt ** Ungültiger Polizeiausweis. Das Polizeiamt Gießen teilt uns mit: Der Dienstausweis Nr. 123 des Kriminalinfpektors Sambaß, ausgestellt am 1. September 1930 vom Polizeiomt Worms ist verloren gegangen. Er berechtigte gleichzeitig zum Führen von Schußwaffen. Der Dienst- ausweis wird für ungültig erklärt ** Gefchästsjubiläum. Am 16. November vor 35 Jahren eröffnete der Friseurmeister Ferdi- nand Wißner. ein gebürtiger Gießener, im Meck-leb! annahmen Immerhin blieb der preußische Besuch nach übereinstimmenden Beobachtungen von verschiedenen Seiten her, hinter dem Ausmaß des Vorjahres zurück, wohl unzweifelhaft eine Auswirkung der aUgcmchen W rtschaftsnot. Aus anderen hessischen Städten in -der Rachbarschaft Preußens werden die gleichen Beobachtungen berichtet. Bode-Gymnastik und Industrie-Film bei der Hausfrauenberatung. Die Sj a u 9 f r a u e n b e r a t u n g hat es sich ungelegen fein lassen, den Gästen durch die Vorführung der Bode-Gymnastik im Rahmen der Ausstellung im Cafs Leib ein Gebiet nahezubringen das den Hausfrauen ferner liegt und oftmals überflüffig erscheint, da manche Hausfrau der Meinung ist, sie habe im allgemeinen genug Bewegung und Gymnastik durch die Arbeit tm Haushalt. Dieser Meinung entgegenzutreten bzw. eine andere Auffassung von Bewegung zu vermitteln, hielt zunächst stud. Heil (Butzbach) einen eingehenden Vortrag, in dem er das Gebiet gymnastischer Betätigung umriß und die wesentlichsten Grundsätze der Bode-Gymnastik darlegte. Das Ziel der Bode- gymnaftik sei die Beseitigung aller durch falsche Be- wegeungsgewohnheiten dauernd gewordenen, die Elastizität des Körpers und den Ablauf der Bewegung störenden Muskelspannungen. Ferner gehe es um die Wiederherstellung der natürlichen Elastizität des Körpers, die in dem federnden 21 uffangen des ganzen Körpergewichts durch Fuß-, Knie- und Hüftgelenke besteht Ziel ist weiter die Schaffung eines einheitlich geformten Ablaufs der Bewegung durch Ausschaltung aller isolierten Bewegungen und durchgreifende Mitwirkung der Rumpfmuskeln. Außerdem wird bei der Bode-Gymnastiks noch bie Ausbildung der für berufliche, oder künstlerische Tätigkeit notwendigen Zielbewegungen erstrebt. Der Redner befaßte sich eingehend mit den geistigen Grundlagen für die Arbeit der Bode-Gymnastik. Die Zuhörerinnen folgten mit gespannter Aufmerksamkeit. Was im Vortrag theoretisch behandelt wurde, setzte Fräulein Dora Schulze' mit einigen Schülerinnen der Bode-Schule in die Praxis um, und zeigte eine Reihe von Bewegungsübungen, Danz, Leistungsübungen, Sprünge ufro., die den Besucherinnen den Sinn der Gymnastik klar werden ließen Die Darbietungen bedeuteten gleichzeitig einen hohen ästhetischen Genuß. Grundsätzlich anderer Art in seiner Ausgestaltung war der dritte Mittwochabend. Er stand im Zeichen der Maggi-Werke. Es war Gelegenheit gegeben, im Film ei ss der bedeutendsten deutschen Nahrungsmittelwerke, die Maggi-Werke in Singen am Hohentwiel, zu sehen und den komplizierten Arbeitsgängen zu folgen, denen die Erzeugnisse dieser Firma unterworfen sind. Man sah in schönen Bildern die Landschaft um den Hohentwiel, das Städtchen Singen im Tal, dessen Bild von den Werken bestimmt wird, man wurde im Geiste hinausgeführt auf die Weiden und Güter, zu den Viehherden und auf die Aecker. Bilder aus dem auf das modernste eingerichteten Mühlenbetrieb, in dem große Mengen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen ihren Umwandlungsprozeh erfahren, ohne daß sie eines Menschen Hand berührt, interessierten allgemein. Man sah die vielen Maschinen im ehernen Rhythmus mischen, preßen, formen, packen, und man bewunderte dabei gleichzeitig den Siegeszug der Technik, der sich hier offenbarte. Im Laufe des Abends, wie auch während der Vorführungen am Nachmittag wurden Kostproben von Magai-Erzeug. nisten ausgegeben. Herr Koch (Gießen) sprach als Dezirksoertreter der Maggi-Werke einige einführende Worte. Frau Kalbfleisch wartete wieder mit Vorführungen auf und zeigte diesmal die Herstellung von Schaumgebäck. Don der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns geschrieben: Die großen wirtschaftlichen Ziele, welche^ dte Verordnung des Reichspräsidenten vom 4. eeptember d. I. verfolgt, können — so wird in einem «chrei- ben des Reichsbankdirektoriums an den Zentral- verband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes ausgeführt — nur bann erreicht werden, wenn die Steuergutfcheine, bas Kernstück des Wirt- sthaftsprogramms der Reichsregierung, die zweckmäßigste Verwendung im Sinne einer 7leu- belebung bet produktiven Wirtschaft erhalten. Um eine solche Verwendung sicherzustellen, hat die Reichsbank weitgehende Mobilisierungsmöglichkeiten für die Steuergutscheine vorgesehen. Im normalen Diskontoerkehr werden die Steuergutscheine insofern eine nicht unerhebliche Rolle spielen, als sie, wie andere Wertpapiere auch, unter Verwendung als Sicherheiten bei der Reichsbank Mängel Ausgleichen können, die den zum Diskont angebotenen Wechseln nach der Qualität der Unterschriften anhaften mögen. Ferner wird die Reichsbank eine Erweiterung der Kreditmöglichkeiten der mit ihr im Diskontver- kehr stehenden Firmen zulassen, soweit Steuergutcheine bei ihr fjintMegt werden; es können also gegen Hinterlegung von Steuergutscheinen über bie bestehenden normalen Kreditsazilitäten hinaus w e i- tere Kredite bei der Reichsbank genommen werden, soweit sie nach Zweck und Ausmaß vertretbar sind. Die Bewertung der Steuergutscheine als Grundlage für die zusätzliche Kreditgewährung wird von der Reichsbank intern zu Sätzen vor- genommen werden, welche die Börsenkurse nicht unerheblich überschreiten. Diese Sätze betragen für die erste Serie 95 0. H. und stufen sich für jeden späteren Jährgang um 5 v.H. ab; ihre Aenderung bleibt Vorbehalten. . , Außer den Handelswechseln wird die Reichsbank unter den gleichen Voraussetzungen, d. h. gegen volle Bedeckung durch Steuergutscheine zu den von der Dank intern vorgesehenen Kursen, für Umschlags- oder Betriebskredite auch Debitorenwechsel unb zur Mobilisierung ber Steuergutscheine ge- schaffens Finanzwechsel vor firebitinftituten herein- nehmen. Die Reichsbank wirb auch in geeigneten Einzelfällen gegen Prolongationen dann nichts ein« wenden, wenn der Ablauf des dem Wechsel zugrunde liegenden wirtschaftlichen Voraanges dies rechtfertigt. Sow«t eine Verwertung der Steuer- qutscheine im Wechselgeschäft nicht beabsichtigt ist, hat sich bie Reichsbank bereiterklärt, bie Steuergutscheine ber Gruppe II, b. h. solche im Nennbeträge von 100 RM. unb barüber, zum Lombarbverkehr bei ber Reichsbank, unb zwar in Klasse I, beleihbar bis zu 75 v.H. bes sich auf Grund ber amtlichen Notiz ergebenden Kurswertes zuzulasten. Hinsichtlich ber Laufzeit ber auf Steuergutscheine entnom- Buntes Beim Landstreicher-Figaro. Auch Vagabunden Wollen nicht völlig auf die Errungenschaften des modernen Gesellschaftsmenschen verzichten unb sich hin und wieder von den allzu lästigen Bartstoppeln befreien lassen. Dieses Bedürfnis der Landstraße hat ein Pariser Vagabund ausgenuht, der seit Jahren obdachlos ist und seinen Unterschlupf unter einer der vielen Drücken der Seine gefunden hat. Dieser Figaro eröffnete einen Barbier-Laden unter freiem Himmel. Cs ist begreiflich, daß seine Kunden nicht mit einem allzu großen Komfort rechnen durften. Alles, was er für sein Geschäft besah, war ein Siegel Haushaltsseife und ein Rasiermesser, das früher einmal bessere Tage gesehen hatte. Das Master lieferte ihm der Kanal, der unter seiner Schlafstelle, dem Pont de Pantin, im Bezirk von Billette fließt. Das Kanalufer diente afe Sessel für seine Kunden, aber dafür waren seine Preise durchaus zeitgemäß, denn er rasierte für 2 Sous, also wenig mehr als einen Pfennig. Doch nicht alle seine Kunden wurden von ihm zu ihrer Zufriedenheit bedient. Ein anderer Vagabund, der sich bei ihm rasieren ließ, schimpfte, weil er lange warten muhte, und sein Zorn stieg noch höher, als er, nachdem et P!ah genommen, durch einen ungeschickten Pinselstrich eine wenig schmackhafte Mischung von Kanalwasser und Seife in den Mund bekam. Auf seine Beschwerden erwiderte der Figaro der Landstrahe, für einen Pfennig könne man nicht mehr beanspruchen. Ein Wort gab das andere, und der Disput endete schliehlich damit, daß der Kunde in den kalten Wassern des Kanals verschwand. Wie er später behauptete, war er von dem Barbier hineingestohen worden. Die Polizei, die ihn herausf'.schte. hat jedenfalls den Landstreicher- Friseur verhaftet und unter Anklage wegen versuchten Mordes gestellt. Trüffel-Jahrmarkt. In der schönen alten Stadt Alba in Piemont hat der alljährliche „Trüffel-Jahrmarkt" statt- gesunden, zu dem mehr als 50 000 Besucher aus Turin und anderen Städten der Umgegend herbeiströmen. Es findet hier ein eifriges Trüffelsuchen statt, bei dem die besten Leistungen preisgekrönt werden, und bann ein schwunghafter Verkauf der lederen Pilze. Innerhalb von wenigen Stunden war der ganze Vorrat von mehr als 450 Pfund zu stattlichen Preisen abgelebt. Wenn man bedenkt, welch würzigen Geruch schon ein Trüffelstückchen einem Gericht verleiht. so kann man sich vorstellen, welch ein starker Dust die Stadt und ihre Umgebung erfüllte. In diesem Lahr war die Trüffelernte besonders gut infolge des vielen Regens im Sommer und der Aufforstung mancher Wälder, menen Lombarddarlehen unb hinsichtlich ber Höhe der in Anspruch zu nehmenden Lombarbkredite hat bie Reichsbank gegenüber ben im allgemeinen Lorn- barbverkehr bestehenden Beschränkungen Erleichterungen vorgesehen. Die Kurspflege ber an der Börse notierten Steuergutscheine von 100 RM. aufwärts wirb von einem unter Leitung ber Reichsbank stehenden Kursregulierungs-Konsortium vor- genommen. Die Steuergutscheine von 50 R2TI. und darunter sowie die Awischenscheine werden von ben Lanken, Sparkassen und Genossenschaften jam jeweiligen rechnerischen Durchschnittskurse der fünf Notierungen mit einem kleinen Abschlag angekauft, in der Provinz zum Durchschnitts- kurse des lehtvergangenen Lörsentages. Angesichts dieser weitgehenden Mitwirkung an einer Belebung des Neugeschäfts legt die Reichs- bank den wirtschaftlichen Verbänden dringend nahe, ihrerseits die von der Reichsregierung im Gesamt- intereffe der deutschen Wirtschaft getroffenen Maßnahmen nach Kräften zu unterstützen. Eine gewisse wirtschaftliche Anregung kann auch darin liegen, daß bie Empfänger der Steuergut- scheine diese als Liquiditätsreserve im Portefeuille behalten unb daburch Guthaben unb sonstige Aktiven, die sie bisher als Liguiditäts- ficherung zurückbehalten hatten, zur Erteilung von Aufträgen ober zur Tilgung von Schulben frei bekommen Keinesfalls aber sollten bie Steuergut- scheine für eine übermäßige Reservehaltung ocr- wendet werden. Auch die unmittelbare Hingabe der Steuergutfcheine an Zahlungs Statt oder zur Schuldentilgung verträgt sich noch mit dem mit der Ausgabe ber Scheine verfolgten Zweck; bagegen ist es unerwünscht, wenn große Firmen ober Verbände Bestellungen ober bie Erteilung von Aufträgen von ber ganzen ober teilweisen Zahlung bes Kaufpreises in Steuergutscheinen abhängig machen. Eine Der- ftänbmsDoUe Unterstützung seitens ber Verbände bei ber Abwehr solcher Praktiken würbe ber Sache besonbers bienlich sein. Die Steuergutfcheine würden den mit ihnen be-bsichtigten Zweck völlig verfehlen, wenn sie in Prolongationsfällen oder bei anderen (Belegenheiten von den Kreditinstituten lediglich zur Verstärkung der Sicherheit für bereits gewährte Kredite herangezogen werden. Eine solche Verwendung würde nach den Inten- Honen der Reichsregierung als ein Mißbrauch der Steuergutscheine und als Versuch ber Vereitelung der mit ihnen beabsichtigten Zwecke anzusehen sein. Die Verwertung ber Steuergutscheine als Srebit- unterläge ist so erleichtert, baß die Eigentümer an einen Verkauf erst in letzter Linie denken sollten. Die Direktion der Klinik dankt auch aus diesem Wege dem Masikchor der Reuapostolischen Gemeinde sür die schönen Darbietungen, die bei den Patienten unb dem Personal große Freude erweckten. kirchliche Jiocbricbfen. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 19. November. Freitag abend 4 10 Uhr; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 4.45; Sabbatausgang 5.25. — Wochengottesdienst: morgens 6.45; abends 4.30 Uhr. Heute nachmittag finden unter dem vielversprechenden Titel „Aus 1 mach' 8* weitere Kvchvor- führungen statt. Die Ausstellung wird heute um 19 Uhr geschlossen. Dem Bericht über bie Ausstellung, den mir am Dienstag veröffentlichten, ift nachzutragen, daß dort auch die Finna Löwer & Bechstein mit einer reizvollen Schau kunstgewerblicher, wie auch rem praktischer Erzeugnisse der Porzellan- unb Glasindustrie vertreten war. Gictzcncr ^ochenmarttprcisc. • Gießen, 17. Rov. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf-, Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing 6 bis 8 (pro Zentner 4 bis 4,50 Mk.), Weißkraut 5 bis 6 (pro Zentner 2,50 Mk.), Rottraut 8 bis 10 (pro Zentner 5 Mk), gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15, Tomaten 35 bis 40. Kürbis 5 bis 6, llnterkohlrabi 5 bis 6, Zwiebeln 8 bis 10, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 80 bis 100, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3 (pro Zentner 2,50 Mark), Aepfel 15 bis 30 (pro Zentner 12 bis 25 Mk.), Birnen 10 bis 20, Dörrobst 30 bis 35, Rüsse 35, Honig 40 bis 45, Enten 80 bis 90, Gänse 65 bis 75, Suppenhühner 60 bis 80, junge Hähne 70 bis 90 Pfennig pro Pfund; Tauben 50 bis 60, Eier (ausländische) 12 bis 14, Eier (inländische) 14, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 15. Oberkohlrabi 5 bis 8. Lauch 5 bis 10. Sellerie 10 bis 35, Rettich 8 bis 10, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück; Radieschen 10 Pf. pro Bund- Bornotizen. •* lagestalenber für Donnerstag. Gießener Konzertoerein: 19.30 Uhr, Stadttheater, Symphoniekonzert. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 20.15 Ühr, Neue Aula, Lichtbilderoortrag über „Reisen in Angola". — Hausfrauen-Beratung: Cafö Leib, Dor-Weihnachts-Ausstellung. — DHV.: 20.30 Uhr, im Heim, Monats-Hauptoersammlung. — Kriegeroerein Gießen: 20.30 Uhr, „Postkeller", Familienfeier mit Lichtbilderogrtrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der blond- Traum". — Astoria- Lic'tspiele, Seltersroeg: „Lord Aldini, der Schrecken der Verbrecher" und „Die Sünde der Lisiy Kraft". Allerlei. die während des Weltkrieges zerstört worden waren. Der Preis war etwa 20 Lire für das Kilo, aber das sind die Engrospreise, und wenn dann die Trüffel nach den fernen Großstädten gelangt, ist sie sehr viel teurer geworden, und ihr Gewicht wird fast mit Gold ausgewogen. Der Jahrmarkt ist ein uraltes Volksfest, bei tem man den weißen und roten Weinen von Alba sehr fleißig zuspricht. Die Sammler der besten Trüffeln wurden wie stets mit Preisen ausgezeichnet, die von einer goldenen Medaille bis zu ein paar Liren hinabgehen. Lieber den Ursprung des Bridge-Spiels. Das Erscheinen eines neuen Gesetzbuches des Bridge, da dieses in den letzten Jahrzehnten zur Weltherrschaft gelangte Spiel umgestaltet, lenkt das Interesse auf die Frage nach der Stätte seiner Geburt und nach den ersten Spielern, die ihm gehuldigt haben. Die ältesten gedruckten Spielregeln, die sich erhalten haben, nennen Konstantinopel als den Ursprungsort »hye aber nähere Angaben zu machen. Diese werden nunmehr von dem englischen Major O. H. Van-Millingen auf Grund des Berichtes eines der ersten Bridge- Partie angehörigen Mitspielers in einem Londoner Blatt gegeben- Cs war dies der Dolmetscher der italienischen Botschaft zu Konstantinopel, Edouard Graziani, den der britische Offizier während der Besetzung Konstantinope's im Jahre 1918 als Neunzigjährigen kennenlernte. Rach ihm stand der erste Bridgettsch im August 1873 in der Villa Coronio in Buyutdere am Oberen Bosporus, wo ein Rumäne namens Serghiadi seinen drei Mitspielern, darunter dem Chevalier Graziani, die Regeln des neuen Spiels darlegte. Die Begeisterung, die er damit erweckte, war so groß, daß die Teilnehmer einen geplanten Mondschein- spaziergang in der zauberischen Landschaft des Bosporus aufgaben und sich an den Spieltisch fesseln ließen, während ringsum neugierige Zuschauer gespannt den ersten Bridgepartien zusahen. Ende des Jahres wurde dann das neue Spiel in dem Orientalischen Sportklub einge'übrt, und bald daraus arbeitete ein zu diesem Zweck eingesetztes Komitee des Cercle d’Orient die Regeln des Bridge aus. 3m Jahre 1899 erfuhren sie einige Qlenberungen. Kaum aber hatte das Dridgespiel in Konstantinopel festen Fuß gefaßt, als es sich auch in den Spielerkreifen von Kairo einbürgerte und von dort aus seinen Siegeszug über die Riviera nach Paris, London unb der übrigen Welt antrat _____________K. $. Schöne weiße Zähne erhallen Sie bei täglichem Gebrauch von Chlorodonf, bet : Zahnpaste von höchster Qunlitäjt. Sparsam im Verbrauch. Tube b0Pf.unb80M. Verlangen Sie nur Lhlorooom unb Leisen Sic jeden Ersatz dasür zurüL 7752 V Seltersweg 83 II l. Lichlspieltiaos Gicften/Ooetbe-Bond Rieften 8O94A Warenabgabe nur an Mitglieder. 8102 A Vereine Preiswerte Spirituosen und Liköre in reicher Auswahl Tnesitcfa"/’ außer RM. 3.- Rückvergütung 8100A eine schöne Weihnachts-Ueberraschung! | Finalen In allen StadtteilenTJ—| 8101 V S L F-Weinbrand S L F-Edelbrand Margarine, gute Qualität.... Pfd. 25, 30,40 Moenus-Gold, Feinkost-Margarine, Pfd. 60 3.00 4.00 •*/,FL 1.35 1.60 2.20 4-,5-1. ß-Zim.-Wting. (Friedensm.) Näh. J. Baer, Östanl. 43 I •weece. Diuo B^dee «inl Udiwfarw Tablette» «er leichte« ■< etfeaaUc» Hcw Sultaninen......... Korinthen........... Haselnußkerne_____ Koko nuß, geraspelt Mandeln, süß........ , 24 06776 Erbsen, gelb......... Erbsen, gelb......... Erbsen, gelb.......... Erbsen, grün......... Erbsen, grün, geschält Bohnen, weiß........ Linsen (Tellerlinsen).. Linsen............... Schnittnudeln......... Schnittnudeln, Eierwar Schnittnudeln, Eierwar Makkaroni........... .Makkaroni, Eierware.. Hörnchen, lose....... Schleifchen............ Div. Suppeneinlagen .. | Stellenangebote| Putzfrau für 2 Stunden der Woche gesucht. 06778 Wolkengasse 17 GEG -T eig waren der Grobeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine, Hamburg Schöne 2-3=3imm.* Wohnung Nähe Giehen, sofort od.z.1. Dez. zu vermieten. Zu erfr. im Gieh. Anzeiger. 00780 cd gißi- K&k ßMe/iet Die Schreckenswanderuvg des deutschen Weltfliegers Bertram und seines Begleiters Älaußmann durch die ausiralischeWüste. Lesen Sie die auftegende Schilderung heute in der Berliner Jlluftrirten Zeitung Ueberall für 20 Pfennig! 18. XL ge- schlossen. 20 ü.: Olnstk* Abd. m. Schw.n.Ang. l/tFL S& F-Weinbrand-Verschnitt.. 2.50 1 Fahrrad Horn. Umzugshalber gut erhalt, elektrischer „ßtoios"-0etö billig zu verkaufen. Weserstr. 23 v. 06765 „Linse“ spricht aus Erfahrung: Nicht am falschen Ende sparen! Ich scheue den Relnfall und benutze heute für meine sämtlichen Aufnahmen einen optischen Belichtungsmesser. Die einmalige Ausgabe von M. 4.05 macht sich bestimmt bezahlt. Dann gelingt aber auch alles! Sehen Sie sieb doch mal diese praktischen, handlichen Dinger an bei meinem Freund und Berater Geschäfts-Drucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge . Postkarten bei Bruhl, Schulstrafle? Geschäftskarten Pfund 32, 50. 64 ........ Pfund 52 ........Pfund 72 ........P und 32 . Pfund 1.10,1.40 Sveise-MM schwer Eiche, z. jed. annehmbaren Preis weg.Ausg.d.Haush. zu verkaufen. Ebenso Photoapparat und Violine, ^schr. Ang. u. 06769 a.d. G. A. .Pfd. 0.15 .Pfd. 0 22 .Pfd. 0.25 .Pfd 0.25 .Pfd. 0.32 .Pfd. 0.13 .Pfd, 0.35 .Pfd. 0,24 Sie muffen fparfam haushalten! Der Konsumverein bietet Ihnen günstige Gelegenheit hierzu! Hülsenfrüchte Verkauf durch alle Bäckereien und Lebensmittelgeschäfte. FrankforterMiUilenwerke Gebrtder W,Franldiirl/M. Zur alle Wasch- und alle Abseif-Arbeiren nr. Thampson’s Seilenpulver marke Schwan verwenden. Ls ist billig und sparsam. Paket 24 Dfg.» Doppel-Paket nur 44 Pfg- Schwan-Pulver ist mild u. gibt eine gute, schonende, reinigungskräftige Lauge. Zum Bleichen und Klarspülen der Wäsche Seifix, Paket 14 Pfg. SdMMa | Zum Totenfest empfehle Kränze und Buketts in großer Auswahl von der einfachsten bis zur geschmackvollsten Ausführung zu zeitgemäßen Preisen, oevso Friedhofsgartnerei Eduard Rieger Marburg. Straße 84. am Neuen Friedhof. Bei Husten, Erkaltung Jungs Honig! 06/81 Kräuter-Jung l.d. Schnlstraße Fachgeschäft f. Könige. Vers. n. ausw. Leeres Zimmer an einz. Frau o. Herrn zu vermieten. 067sr ___Steinstrahe 72. | Mietgesuche | Zu Anfang nächsten Jahres gröh. schöne Wohnung in ruhiger Lage ges. eventl. mit Garage. Sckriftl. Ang. uht. 8095 D a. d. G. A. la Speise-und 1 SalatkartoReln gesund undhandver- lesen, stets aus Lager H. Trechster Steinstr. 73, Tel. 3581 Wiederverkäufer Vorzugsvreise. Stadttheatc" Gießen. tjjbD Freitag, 18.Novbr 20—22 Uhr 7. Freitag - Abonn. Gewöhn!. Preise Sechs Personen suchen einen Autor (Sei personaggi in cerca d’autore). Ein Stück, das ge» macht werden soll vonLuigiPirandello Oelsardinen große Dose | Empfehlungen | Detektiv K. Gerz, Bad-Maeheün, Kur- RtraSe 17 erledigt alle vertrauliche Privat» ii. Geschäktsanaele» genbeiten.wieAus» künfte, Beobachtungen, Ermittlungen, Beschaffung v Be» weismat. in Straf» u. Zivilvroz. streng diskr Svrechsf.:9b 12'/, u 8—fi 11 br Erbsen aelbehabeohnespchuande 16 Fleischsülze fein.... Pfund 40 Bullenverkauf. Die Gemeinde Londorf verkauft im Wege schriftlichen Angebots einen fetten Vogelsberger Lullen. Angebote per Zentner Lebendgewicht sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift bis zum Samstag, dem 19. d. HL, vormittags 11 Uhr, bei unterzeichneter Bürgermeisterei einzureichen, woselbst auch die Derkaufsbedingungen eingesehen werden können. 80690 Londorf, den 14. November 1932. Bürgermeisterei Londorf. Au m ann. ................Pfd. 0.36 ................Pfd 0.42 ....Pfd. 0 68, 1/2 Pfd. 0.35 ....Pfd. 0.56. i/2 Ptd. 0.32 ....Pfd. 0.68, '/o Pfd 0.38 ....Pfd. 0.42. % Pfd. 0 35 ....Pfd. 0.68, '/2 Pld. 0.48 . '/2 Pfd. 0.35, y4 Pfd. 0.18 Mähmaschine gut arbeitend, für Mk. 35.— abzugeb. Asterweg 44, 1. 007« Heribe»-*-erden. Mlefioetgkcil. Ci*«, Rbcvae. Udüeei el, Vorbeuireng gerne ArtrnwcIrroM: eh bete Bürmduit lute RADIO SCLERiN in all.Apothek. erh. Probetabletten koitenloe d. Ktüpederi» . Geoen»ch«n Berlin SW 0/280 Haustüre gut erhalten, billig zu verkaufen. o6?8g Conr.Malkomesius Mäusburg 19__ | Kaufqesuche | FeldgraueUniformteile (auch zerschlissene) Feldmützen, Stahlhelme usw. werden gesucht. Angebote a. das Stadttheater Giehen. 8099V Der weiße Tod im Himalaya (Himatschall) Tönende Bild-Reportage der internationalen Himalaya - Expedition 1930 unter Prof. Dyhrenfurth. Diesen Film gesehen zu haben, bedeutet ein Erlebnis. Bilder von ungeahnter Schönheit, von dramatischer Gespanntheit und stärkster Eindringlichkeit rollen vor uns ab. Diesen Filmbericht, die Reise durch Indien und der Kampf mit dem Riesen dieser wilden Gebirgswelt, fand überall größte Anerkennung und stärksten Beifall. Niemand sollte dieses hochinteressante Kulturfilm werk versäumen! Kleine Preise: Mk. 0.50 bis 1.40. Jugendliche unter 14 Jahren und Schüler zahlen halbe Preise. Mit- Slieder des Goethe-Bundes zahlen gegen Einlösung es Gutscheines Nr. 9 Mk. 0.50 und 1.—. Vorverkauf: Musikalienhandlung ChalUer, Hapag- Reisebüro und Lichtspielhaus. 8103C Nur Sonntag, den 20. Nov. (Totensonntag), 11.15 Uhr vormittags BröSeKnUuriilm-Früli-Vörstellnna «3M Konsumverein Giehen und Umgegend, e.G.m.b.H. Sammeln Sie fleißig 8 & F-Sparmarken! Ab I.Dez. erhalten Sie für jedes volle 8 & F-Sparbuch Excelslor ///////////z„. 4 . . . - Jtikm IVeize*. £ *____*> _ | Verkäufe | Berk, wrungfätug. VogeIsbere.Bullen W. Seuling. Alten-Buseck. v67ss Prima Erstlings- Zuchtschwein hochträchtig, billig abzugeben. 06767 Rodheim a.dJLieb. GiehenerStrahe 18. Schreibtisch Mk. 33 Kontorregal „ 25 Photoavvarat,, 25 Bienenhonig feinster Qual., Pfd. l,20Mk.o.Gl.,verk. solange Vorrat 7177V :d. Schäfer, Imker Am Naürungsb. 10. |Verschiedenes| Student ert. Nach» Hilfe bei mäßig.Ansprüchen. Schr.Ang. unt. 06772 a.d.G.A. Näherin hier fremd, s. Kundschaft inall.Näharb. Gute Arbeit, Refer. Tag 2 Mk. Zu erfr.i. Gieh. Anzeiger. 06771 Mädchen mit etwas barem Vermög, kann einheiraten. Sichere Zukunft. Schr. Angebote unter 06771 a. d. Gieh.Anzeiger. Nachruf. Nach langjähriger treuer Mitgliedschaft unserer Bezirksgruppe verstarb unser lieber Kollege Wilhelm BemhanH, Gaiinereihesilzer Wir werden dem Heim gegangenen allezeit ein treues Gedenken bewahren. Bezirksgruppe Gienen lw Reichsverband des Deutschen Gartenbaues. 1105D Seiner Hände Werk von wenn sie ins ihm besichtigt. :rm kamen und sein, Herr", sagte er be- eine eine L-enl Prokuristen wie dem Detriebsingenieur war es immer wie ein Schlag, v"'wn 1,0 5nÄ Privatkontor des verstorbenen He, den glatten, geschmeidigen Fremden da sitzen sahen, gegen den die beiden alten Werksangestellten eine instinktive Abneigung hatten. Und als ob er diese Abneigung dieser alten treuen Beamten spürte: Axel Jvarsen legte nach den ersten Wvchen seine geschmeidige Liebenswürdig, leit mehr und mehr ob. Ein brutaler, herrischer Vorgesetzter kam zum Vsrscheiir Als Prokurist Degener .ich einmal den Ton des jungen Herrn energisch verbat, da hatte der ihn mit seinen eigentümlich grünlichen Augen von oben bis unten „Sie sollten vorsichtig sein, Herr , sagte er höhnisch: „in dem Testament steht zwar, daß die Firma Sie nicht entlassen darf, aber es steht kein Wort darin, daß Sie nicht pensioniert werden dürfen. Och habe von meiner Schwiegermutter Vollmachten, das wissen Sie ganz genau. Je mehr Sie daran denken und je mehr Sie sich danach richten, um so besser für Sie! Wer hier nicht für mich ist, der ist gegen mich — und den werde ich zu entfernen wissen. Vielleicht überlegen Sie sich das und teilen es auch den anderen Angestellten mit. Ich habe so manchen im Verdacht, dah er zu gern gegen die neue Leitung arbeiten der Kalkulation annulliert wurde? Dah zugleich in ausländischen Fachzeitschriften, die Degener aufmerksam verfolgte, die Rachricht von der Bestellung der Motoren bei einer norwegischen Firma zu finden war. Man sollte ihn nicht für dumm halten. Er hatte auch so seine Beziehungen. Es war doch ein auffälliges Zusammentreffen, dah die Motorenfabrik, die einst Jvarsens Vater gehört hatte, auf einmal wieder florierte. Einmal versuchte Degener, bei Frau Melanie etwas davon verlauten zu lassen. Aber sie sah ihn mit einem so kühl verwunderten Vltck an, dah er spürte: Hier war nichts zu errerchen. Man muhte weiter aushalten, sehen, und wenn es zu schlimm wurde, den jungen Herrn benachrichtigen. Freilich, was konnte der dagegen tun? Wenn er volljährig gewesen wäre: aber bis da» hin konnte hier alles in Grund und Boden ge- wirtschaftet sein. Und so mochte er auch den jungen Herrn nicht beunruhigen, wenn er doch nicht helfen konnte. mochte." Mit zusammengebissenen Zähnen war der alte Prokurist hinausgegangen. Die einzige Antwort, die man auf solche Unverschämtheit dieses herem- a:schneiten Menschen hätte geben können, wäre die Kündigung gewesen. Aber wo wollte man jetzt in diesen schweren Zeiten hin? Und davon abg'sehen er hatte es dem armen verstorbenen Herrn versprochen, hier auszuhalten um Kurts willen. Das war jetzt notrger denn je. Der alte, Herr hatte sein Testament nicht mehr so ändern können. Es war kurz nach Kurts Abreise, alS Ercka das Reifezeugnis von der Handelsschule erhielt. Gleich am nächsten Tage meldete sie sich ber dem Prokuristen des Bremerwerks. „Run, Erika, was bringst du mir Schönes?" fragte dieser, wohlgefällig auf das blühende junge Mädchen blickend, das unter seinen Augen herangewachsen war. Der Prokurist Degener hatte so seinen stimmten Verdacht. Wie kam es denn, dah Bestellung eines griechischen Millionärs auf Ausrüstung seiner Luxusjacht mit den neuen Motorenmodellen der Dremerwerke alsbald nach Die Bäume 'im Park trugen leuchtend rotes Laub. Die ersten Herbstfäden schwangen durch die stille blaue Luft: die letzten Rosen aus dem Garten von Bremerschloh atmeten den schwermütigen Duft der letzten Blüte, die Astern und Dahlien prunkten in grellen und gleihenden Farben in der matter werdenden Sonne. Der Herr vom Bremerwerk war nun schon viele Wochen tot. Und im Werk hatte sich vieles geändert. Axel Jvarsen hatte es mehr und mehr verstanden, sich an Stelle des Kommerzienrats zu setzen, und Frau Melanie sowie Hans Egon, die keine Ahnung von den Geschäften hatten und auch keine Lust, sich damit zu befassen, ließen Axel nur zu gern gewähren. Längst hatte er die Gewohnheit angenommen, viele Stunden drüben im Arbeitszimmer des Kommerzienrats zu arbeiten, die Post durchzusehen, Geschäfte zu leiten und zu bestimmen. Und fragwürdige Gestalten tauchten auf, wie die jenes Rorwegers, den der Betriebsingenieur damals bei der Regatta in K... bestimmt gesehen hatte. Richts war sicher vor den spähenden Augen dieses Fremden mit dem stechenden Blick und dem grellen Lachen. Jvarsen führte ihn in sämtliche Fabrikationsräume und Werkstätten, und selbst die Zeichenräume mit den streng geheim gehaltenen Motorenentwürfen wurden dah man ihm und seinem Jungen das Dremer- werk nicht ruinierte. Um so mehr war es jetzt notig, auszuhalten. Denn dah hier alles nicht mehr so sauber und korrekt zuging wie zu den Zeiten des alten Herrn, das war sicher. Reue Geschäftsverbindungen wurden angeknüpft, über die Axel Jvarsen nicht einmal den Prokuristen informierte. Briefe kamen und gingen, die niemand außer Jvarsen zu Gesicht bekam, denn viele dieser Schreiben wurden von dem neuen Herrn selbst geschrieben und befördert. Kauf deutsche Waren! - Dein Beitrag zum Wiederaufbau. Don Dr. August Küster. Woche" als wirkungsvolle Aktion der Selbsthilfe der deutschen Berufsstände zu einer willkommenen Entlastung der handelspolitischen Regierungsausgaben beitragen. Wenn das deutsche Volk selbst auf Grund nationaler D sziplin und besserer Einsicht in die Zusammenhänge der deutschen Volkswirtschaft der deutschen Ware den Vorzug gibt, kann keine fremde Regierung uns daraus einen Strick drehen. Schließlich ist es ja das gute Recht jedes Volkes, das nationale Derant- wortungsbewuhtsein seiner Staatsbürger für die eigene Wirtschaft auf ein Höchstmaß zu entwickeln. Es kann nur mit Bedauern festgestellt werden, daß uns andere Länder in dieser Beziehung weit voraus sind. Es wäre Scheinheiligkeit, wollten uns derartige Länder verübeln, was sie uns selbst in geradezu vorbildlicher Weise vorgelebt haben. Deutsche Jndustrievertreter haben gerade in der letzten Zeit immer wieder davon berichten müssen, daß die deutsche Ware im Ausland mit dem Bemerken-zurückgewlefen wurde, daß ein eigenes inländisches Erzeugnis zur Verfügung stände und se l b ft Dc r ft ä n ö 11$ Hr- gezogen werde. Auch höhere Preise und duali» tätsmängel sind dabei häufig kein Hindernis. Bei fast allen Jndustriesirmen und Jndustrieverban- den häufen sich die Akten, die von derartigen Vor- gängen, sei es aus England, Holland, Italien, Schweden oder Dänemark usw. Meldung machen. In diesem Lichte gesehen ist die Werbung für den Absatz der deutschen Ware nichts anderes als eine Gegenwehr, die wir selbstverständlich mit allem Rachdruck zu führen haben. Gleich neben diesen Auslandsberichten liegen leider sehr häufig die Meldungen, die beweisen, daß manchmal in Deutschland auch heute noch in unverantwortlicher Weise selbst dann das ausländische Produkt gekauft wird, wenn Waren gleicher Güte und gleicher Preiswürdigkeit von deutschen Firmen angeboten werden. Man braucht hier mir an Haushaltsmaschinen, Rasierklingen, elektrotechnische Erzeugnisse, Tuche und andere Produkte der Textilindustrie, an Farben, Papierwaren und Kohle zu erinnern, um damit Waren zu nennen, bei deren Absatz die deutsche Industrie durch die Unbedachtsamkeit des deutschen Käufers fortlaufend schwere Schädigungen erleidet. Anscheinend hat die Arbeitslosigkeit, die unser dichtbesiedeltes Industriegebiet in besonders erschütternder Weise heimgesucht hat, das soziale Verantwortungsgefühl derer, die noch kaufen können, immer noch nicht in genügendem Ausmaße wachgerüttelt. Bei dem außerordentlich niedrigen Deschäfti- gungsstand der meisten deutschen Industriezweige sollte jeder Auftrag, der in Deutschland befriedigend ausgeführt werden kann, auch unter allen Umständen im Lande bleiben. Heute fallen schon kleinste Summen, besonders wenn sie durch gleichgerichtetes Verhalten Vieler verstärkt werden, entscheidend ins Gewicht. Wer mithelfen will, das Gespenst der Arbeitslosigkeit und des Zusammenbruches in Landwirtschaft, Industrie und Handel zu bannen, muß mit dazu beitragen, daß jeder, auch der kleinste Betrag, den et ausgibt, nach Möglichkeit i m Kreislauf der deutschen Wirtschaft b l e i b t und damit anderen Dollzgenofsen zu Arbeit und Brot verhilft. Nur Qualität bei der Bekleidung! Der Spätherbst und die ersten Nachtfröste ernt, nern daran, daß es jetzt höchste Zeit ist, sich mit warmer Winterkleidung zu versehen. In den ßa‘ gern und Schaufenstern der Bekleidungsgeschäste sieht man Ware in allen Preislagen ausgestellt, die den Konsumenten zum Kaufen anregen sollen. Diele haben in den letzten Jahren die Anschaffung mancher Bekleidungsstücke immer wieder hinausgescho- lassen sollte. Das tut sie auch nicht. Die Buren- farmer bekommen dauernd sogenannte Kredite, oie ursprünglich aus den Ueberschüssen herrührten, die Südwest unter deutscher Verwaltung erwirtschaften tonnte. Diese Kredite, die nie zurückgezahlt und verzinst werden, sind längst zu (Belöge* schenken geworden, und auf diese Weise erhält man das Burenelement wirtschaftlich am Leben. Das überaus starke Deutschtum in Südwest muß bei einer derartigen Politik aber zugrunde gehen. Und da fragt sich dann der deutsche Farmer voll Verzweiflung, ob denn das deutsche Mutterlands gar nichts für ihn tun könnte und ob man sich in Deutschland denn nicht^darübcr klar ist, daß Südwest beinahe die einzige Siedlung in den Kolonicügebieten ist, in der das Deutsch- tum als geschlossenes Ganzes auftritt. Man ist sich statürlich völlig klar darüber, daß das verarmte Deutschland mit Geld nicht Helsen kann. Auch hier hat man Öen Glauben an Öen DölkerbunÖ verloren unö erhofft von deutschen Borstößen vor dem Bölkerbundsrat nichts. Hier hofft man vielmehr, daß Deutschland endlich einmal erkennt, Öaß die Handelspolitik auch als Schußwaffe für Öas Auslands-Deutschtum eingesetzt werden kann. Deutschland ist doch auch heute noch ein bedeutender internationa- ler Markt, an dem auch die Union interessiert ist. Und da ließe sich vielleicht auf dem Umweg über handelspolitische Verträge auch eine Erleichterung der wirtschaftlichen Lage der Deutschen in Südwest erreichen. In den Nachkriegsjahren Hal sich in Deutschland eine andere Auffassung von dem Reich der Deutschen durchgefetzt. Danach ist nicht nur der berechtigt, von Deutschland Schutz zu erwarten, der innerhalb der Reichsgrenzen wohnt, sondern das gesamte Ausland deutschtum, all die vielen Siedlungen rm Auslande, in denen deutsch gesprochen und gedacht wird, sie alle sehen im Reich ihren Hort und ihre Zuflucht. Deutschland hat gewiß viel für das Au-landdeutschtum jenseits der Grenzen, vor allem im Osten des Reichs, getan. Wann aber wird Deutschland sich seiner Söhne anneßmen, die deutsche Kolonialpolitik treiben, eine Kolonialpolitik, die auf weite Sicht gedacht ist? Das Unrecht der Friedensoerträge wird erst dann gesühnt sein, wenn man Deutschland auch wieder das Recht auf Kolonien zuerkennt. Und da sollte es doch auch im deutschen Interesse liegen, deutsche Maffensiedlungen, die sich in Öen Kolonialgebieten erhallen haben, zu stützen, zumal wenn es sich um SieÖlungen handelt, öie, wie in Südwest, immerhin auch einen recht bedeutenden politischen Einfluß haben. 15 v. H. ihrer Gesamterzeugung veranschlagen. Es wäre ein Wahnsinn, ausschließlich diese 15 v.H. im Auge zu haben und dabei die viel wichtigere Größe von 85 v. H. au übersehen. Die deutsche Handelspolitik hat in den vergangenen Jahren zum Teil diesen Fehler gemacht und manchmal in ungesunder Weise den Gedanken der Ausfuhrsteige- rung um jeden Preis zu verwirklichen versucht. Die Folgen dieser Politik sehen wir heute in der Schwäche des deutschen inneren Marktes, die auch vom Standpunkt der Industrie außerordentliche Gefahren in sich trägt. Selbstverständlich wäre es falsch, aus dieser Tatsache nun die Folgerung zu ziehen und etwa in den entgegengesetzten Fehler der völligen Vernachlässigung unserer Ausfuhr zu verfallen, auf die ein rohstoffarmes Land wie Deutschland schon im Interesse der Bezahlung der notwendigen Ergänzungseinfuhren gar nicht verzichten kann. Es muß unter allen Umständen gemeinsames Gedankengut aller Wirtschaftsgruppen sein, den besten Kunden, den deutschen inneren Markt, bevorzugt zu pflegen und zu kräftigen. Hier gibt es grundsätzlich auch keinen Gegensatz zwischen Landwirtschast und Industrie und es ist daher auch kein Zufall, daß auch die Industrie trotz der Bedeutung, die der Ausfuhrmarkt für sie immer behalten wird, die Wiederaufrichtung des inneren Marktes und insbesondere auch der Landwirtschaft schon seit langem als wichtigste Aufgabe der deutschen Wirtschaft herausgefteNt hat. Es ist ein dringendes Gebot der Stunde, daß Landwirtschaft und Industrie sich auch in der praktischen Beratung der Regierung bei den gegenwärtigen handelspolitischen Re.ormmasinah- men auf einer gemeinsamen Linie finden. Es erscheint zweckmäßig, auf diese handelspolitischen Sorgen und Schwierigkeiten zu verweisen, obwohl die „Deutsche Woche", deren Bedeutung diese Betrachtung gelten soll, sich mit voller Berechtigung aus dem handelspolitischen Streit der Gegenwart heraushält, denn gerade infolge dieser Zurückhaltung kann und sollte die „Deutsche „Ich wollte fragen, Herr Degener, ob,ich auf eine Einstellung hier im Werk hoffen dürfte — ich habe nun ausgelernt", sagte Erika bescheiden. Der Prokurist machte ein unbehagliches Gesicht. „Ja. mein Kindchen, wenn es nach mir ginge, stellte ich dich sofort ein. Ich kenne dich ja, und ich habe von dem Direktor der Handelsschule allerhaich Rettes über dich gehört — nun, du brauchst ja nicht rot zu werden: wenn einer was kann, dann braucht er sich deffen nicht za schämen. Ja. aber ich entscheide da nicht mehr allein, ich muß erst dem Schwiegersohn der gnädigen Frau die Sache vortragen. Wart mal einen Augenblick, Kind! Ich muß sowieso noch ein paar Akten hinübertragen, da kann ich gleich mal fragen." In unruhiger Erwartung ging Erika in dem Wartezimmer der Personalabteilung auf und ab. Sie kannte Hiltruds Verlobten nur vom Sehen, aber sie hatte die Abneigung Kurts vom ersten Augenblick an geteilt. Und wenn sie dem neuen Leiter auf dem Werkshofe einmal begegnete, lag in seinem musternden Blick immer ein so freches Irschen, daß es ihr glühend heiß in die Stirn stieg. Aber wenn man Arbeit suchte, durfte man nicht empfindlich sein: sie würde ja mit diesem Herrn nichts weiter zu tun haben. Endlich kam der Prokurist wieder. „Du sollst mal zu Herrn Jvarsen hereinkommen, Kind. Er will zur Probe diktieren, nimm hier das Stenogrammheft mit!“ Er drückte ihr Heft und Bleistift in die Hand. Erika ging über den Hof bis zu dem Lluer- gebäude, in dem das Privatkontor des Werke- sich befand. Sie klopfte zaghaft an die Tür, Hinte» der sonst der Kommerzienrat Bremer immer ge< sessen. Ein lautes „Herein!" ertönte, und null stand sie dem Schwiegersöhne Frau Melanie- gegenüber. Axel Jvarsen faß zurückgelehnt in dem großen Schreibtischsessel und seine grünlichen -äugen musterten mit lächelnder Eindringlichkeit Erika von Kopf bis Fuß. so daß sie in tiefer DerlMi- heit errötete und den Kopf senkte. Ein häßliches Lächeln glomm um die Mundwinkel des Manne-, als er mm lässig sagte: ,Mso Sie bewerben sich um eine Stellung hier im Werk, Fräulein--Fräulein Schmitt. Also schön, setzen Sie sich dorthin. Wollen mal sehen, was Sie können." Langsam erhob er sich und trat näher, dicht an Erika heran, die jetzt an dem kleinen Schreibmaschinentische faß, auf das Diktat wartend. Sie fühlte die Rähe des Mannes wie körperlich ein Schauer der Angst jagte durch sie hin: und nun fern auch schon die Stimme des Mannes an sie herangekrochen, wie ein böse lauerndes Tier. (Fortsetzung folgt) Roman von Klothilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Feuchtwangrr, Halle (Saale) 18 Fortsetzung 'Jladjörud verboten. Und sie, nach dem ersten scheuen Zurückweichen, beugte sich wie in einem holden-Lraum rhm ent- oegen; ihre Lippen öffneten sich durstend unter seinem Kusse, tranken die erste Zärtlichkeit eines Mannes mit selbstvergessener .Seligkeit. Kurt fühlte, wie heiße Glut ißn durchstromte ein Rausch überfiel ihn, heißer und wilder druckte er das zitternde Mädchen mr sich- Mer nun ein Ruck ging durch seine Gestalt — ftraffte er sich, leise löste er sich von denLichPenderGe- liebten — einen zarten Kuß druckte er in ihr duftendes Haar, auf ihre zarte, noch so kindliche ^Run müssen wir Abschied nehmen, kleine Erika", sagte er mit Innigkeit, »nun bist du meine Braut, mein Alles auf der Well Wirst du auf mich warten, Erika, auch wenn es lange dauert, bis wir uns zueinander bekennen dürfen? „Und wenn ich bis ans Ende des Lebens warten sollte, mein Kurt", flüsterte sie und sah mit einem frommen und gläubigen Vlick zu ihm auf. Da beugte er sich und küßte die kleine verarbeitete Mädchenhand, die sich ihm erschreckt entzog. . Dann gingen sie zurück. Er brachte sie bis an das Tor, das die Fabrik von der dunklen Straße trennte. Sie spräche" kein Wort mehr, nichts von Abschied, nichts t>u. der Zukunft und ihrer Ungewißheit. Sie gingen Hand in Hand, fühlten den gleichen Takt ihres Blutes wie den gleichen Takt chrer Schritte: sie wußten, nichts konnte sie trennen. Sie küßten sich auch nicht mehr zum Abschied: zu viel Keuschheit war noch in den Empfindungen dieser beiden jungen Menschen, als öaß sie diese Abschiedsstunde durch zuviel Glut hätten trüben mögen. Sie sahen sich nur noch einmal still in die Rügen, ihre Hände faßten sich noch einmal zu einem festen und gelobenden Truch — dann, ehe der Schmerz der Trennung sie überwältigen konnte, nickte Kurt der Geliebten noch einmal zu unb war gleich darauf im Dunkel des Abends verschwunden. = Erika stand noch an die Mauer ihres Häuschens gelehnt und hörte auf die festen Schritte des Geliebten, die sich mehr und mehr entfernten. Sie legte die Hände tote zum Gebet gefaltet auf die Brust: ihr Gesicht sah mit einem entrückten Ausdruck in die Ferne, als sähe sie in der Dunkelheit ein helles, tröstendes Lichtstrahlen. In Deutschland werden gegenwärtig lebhafte und manchmal recht erbitterte Aussprachen darüber geführt, bis zu welchem Grade wir uns durch Regierungsmaßnahmen gegen den preis- und ab- sahdrückenden Wettbewerb der ausländischen Waren auf dem eigenen Markt wehren dürfen. Es ist in der Tat eine der schwierigsten Aufgaben der deutschen Wirtschaftspolitik, in dieser Frage zu Lösungen zu kommen, die das wünschenswerte Höchstmaß an Leistungsfähigkeit und innerer gesunder Ausgeglichenheit der deutschen Wirtschaft sicherstellen. Vorteile und Rachteile sind m manchen Fällen nur außerordentlich schwer zu übersehen. Der hohe Zollschutz eines Zwerges der deutschen Erzeugung kann häufig den Rachteil haben, daß andere deutsche Erzeugnisse schwere Schädigungen ihres Absatzes erleiden. Gerade die deutsche Industrie, die in wesentlichen Teilen ihres Absatzes von der Aufnahmefähigkeit und Willigkeit des Weltmarktes abhängig ist, kann mit voller Berechtigung verlangen, daß die handelspolitischen Schutzmaßnahmen aufs Sorgfältigste tm Hinblick auf die zu erwartenden Rückwirkungen auf ihren Auslandabsah geprüft teerten. Dieser Grundsatz verdient heute um so mehr Beachtung, als gerade in der Zeit des wirtschaftlichen Ried'erganges sich der Auslandabsatz für wichtige Industriezweige als verhältnismäßig widerstandsfähig erwiesen hat. . Es wäre aber trotzdem falsch, die Industrie ohne weiteres in allen Fällen auf der Seite der Exportfanatiker zu vermuten, die das Heil für dje Zukunft der deutschen Wirtschaft in merftoürbiqer Verkennung der entscheidenden Grundlagen der wirtschaftlichen Lebens m glich ketten unseres Vaterlandes au s schließ li ch auf dem Weltmarkt suchen. Mögen auch in einzelnen Industriezweigen die Verhältnisse anders liegen: für die Gesamtheit der deutschen Industrie bleibt es eine unbezweifelbare Tatsache, daß ihr eigen11iches und erstes Absatzfeld der innere Markt ist Für normale Zeiten kann man den Auslandabsatz der deutschen Industrie etwa mit rund Notzeit in Südwest. Von unserem H. C.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Der nachfolgende Artikel ist besonders im Hinblick auf das handelspolitische Entgegenkommen wichtig, das Deuffchland der südafrikanischen Union kürzlich gezeigt hat, um ihr die Durchführung der Ottawa-Vertrage zu ermöglichen. Die.Schriftleltung. Windhuk, Oktober 1932. Notzeit in südwest. Der deutsche Farmer in der ehemals deutschen Kolonie Sudwestasnka weiß sehr wohl, daß er wenig Widerhall im Mutterland öamit inöet, wenn er einfach von Öen schweren wirt- chaftlichen Nöten redet, unter denen zur Zeit ganz Südwest leidet. Man sollte sich aber m Deutsch- anb darüber klar sein, öaß, wenn ein Farmer m Süöwest über Not redet, diese Not dann auch sehr groß sein muß. Die schwierigen Verhältnisse gerade in dieser Kolonie haben es mit sich gebracht, daß öie Menschen hart werden und das Klagen verlernt haben. Dürrejahre, Heuschrecken und sonstige unvor- gesehene Nackenschläge haben häufig genug den wirtschaftlichen Gewinn vieler Jahre mit einem Schlage vernichtet. Das ist aber nichts gegen das, was sich nunmehr seit Jahren in Sudwest abspielt, seit dem Zeitpunkt, da man dieses Stuck deutscher Erde ber Südafrikanischen U nio n aLs Mandatsland übereignete. Mit diesem Moment kam das burische Beamtenheer nach sud° west, bemächtigte sich hier der Verwaltung und führte ein Regiment, das mit allen Zeichen deffen behaftet war, was man in Deutschland v^rtei- buchbeamtentum nennt. Nur daß es sich hier nicht um die Vertreter einer Partei handelt, sondern um Buren, die das Mutterland auf bequeme Art abgeschoben hat. Siefen Leuten ist Sudwest ausaeliesert worden und sie können es als ihr Ber- dienst buchen, daß diese Kolonie, die früher als einzige deutsche Kolonie bereits in der Lage mar, jüi) selbst zu erhalten, heute in ®runb unb fboiTen gewirtschaftet ist. sie buchen es sich als Verdienst und das mit Recht. Die Südafrikanische Union geht zweifellos darauf aus, Süöwest so oerelenöen $u laßen, baß -kein anderer Staat mehr Interesse an diesem Mandatsgebiet hat und es so billig ber Südafrikanischen Union einverleibt werden kann. Diesem politischen Ziel werden alle Maßnahmen, gleichgültig ob wirtschafllicher, kultureller oder politischer Art, untergeordnet. Schon die Tatsache, daß man Sudwest eine Zollunion mit Südafrika auf- gezwungen hat, mußte zum Rum dieses Landesführen. Süöwest ist in der Hauptsache auf Lieh- zücht angewiesen und findet für diese ferne Erzeugnisse in Südafrika feinen Markt. Hier braudj man keine Erzeugnisse aus Südwest, dafür aber benutzt man dieses Mairdatsgebiet als Abladeplatz für südafrikanische Erzeugnisse. Nicht genug .damtt, daß man auf dem Umwege über die Zollunion ^udwest wirtschaftlich an Südafrika ungegliedert hat, betrag tet Südafrika dieses Gebiet, wenn es ihm paßt, auch wieder als Zollausland. Um fernen Absatz zu erhöhen, zahlt die Union für verschiedene .Erzeugmsie Ausfuhrprämien, auch wenn sie in bas eigene Mandatsgebiet exportiert werben. Und schließlich muß auch d'e Tarifpolitik der Eisenbahn dazu herhalten, Südwest wirtschaftllch totzumachen. Die Frachten werden hier künstlich so hoch gehalten, baß der Farmer in Südwest sein Vieh kaum m die Union, sein einziges Absatzgebiet, verfrachten kann. Diese Schilderung mag für den Reichsdeutschen zunächst etwas unglaubhaft klingen, denn man weiß doch, baß auch zahlreiche Buren tn Sudwest angesiedelt sind unb wird sich kaum denken können baß die Südafrikanische Union auch ihre eigenen Staatsangehörigen wissentlich wirtschaftlich zugrunde gehen WH 3 vJ ' KMM 0ii öerlir kaazlek präjlbt Lchrechon Wrpräii jut Itjleh len Son öle W volkrpc sie jede 1 mierSamu ME sich'-"- ; psvl Ml "atzt ungi {reib E-h- Oer H auf ßr.-' Ski»-'" 56flfl|fl56 Mt"' SitSe»^ mönfl1* M