Annahme von Anze,gen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm hohe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20", mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den An- zeigenteil i. V. TH.Kümmel sämtlich in Gieren. Nr.2^4 OsühauSgabe Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. General-Anzeiger für Oberhessen Prutf «nd Verlag: Vrühl'sche Unlversttats-Vvch- und Zteindruckerei H. Lange in Gießen. Schrlftleltung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Beilagen: Die Illusttierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse uriter Sammclnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: jsranlfurl am Main 11686. 182. Zahrgang Montag, 17. Oktober 1932 GietzenerAnzeiger Der Reichskanzler über die Wirlschasts- vnd Sozialpolitik. Ausblicke auf die außen- und innenpolitische Lage. Paderborn, 16. Oft (TU.) Am Sonntagvormittag sprach auf der Tagung der Bereinigten Wirtschaftsverbände Paderborns' und Umgebung Reichskanzler von Pap en. Zu Beginn der Versammlung bat der Borsitzende des Westfälisch-Lip- pischen Wirtschaftsverbandes und Präsident der Industrie- und Handelskammer für Lippe, Fabrikbesitzer Richard Müller- Oerlingshausen um die Ermächtigung, an den Reichspräsidenten v. Hindenburg ein Begrüßungstelegramm zu senden, in dem die Hoffnung ausgesprochen wird, daß unter Führung des Reichspräsidenten die deutsche Wirt- schast und damit das gesamte deutsche Baterland bald einer besseren Zukunft entgegengeführt werde. Sodann nahm ' Reichskanzler von Papen das Wort zu seinen mehr als einstündigen Ausführungen. Der Reichskanzler ging zunächst auf den W i r t s ch a f t s p l a n der R e i ch s r e g i e - r u n g und die Ziele der Wirtschaftspolitik ein. Arbeit und Brot zu schaffen und dem Wiederanstieg der Wirtschaft die Bahn frei zu machen ist das vornehmste Ziel. Der Wirtschaftskampf ist ein wichtiger Teil unseres nationalen Freiheitskampfes. Der führende Gedanke im Wirkschaftsplan der Regierung war, aus dem Stellungskrieg zur Bewegung überzugehen und die moralischen Energien der Ration wieder frei zu machen zum entschlossenen handeln. Die Staatsführung ist vorangegangen und drängt unaufhaltsam weiter. Die Wirtschaftsführung hat diesen Vorstoß schließlich ausgenommen und wird ihn hoffentlich immer weiter treiben. Wir haben uns kein besonderes „System" ausgeklügelt, sondern wir glauben, daß der Appell an die persönliche Verantwortung und den persönlichen Wagemut auch der Allgemeinheit den größten und nachhaltigsten Nutzen bringt. 3n diesem Sinne ist das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung auch von der Wirtschaft verstanden worden. Es soll und wird allen Wirtschaftenden zugute kommen. Was wir wollen, ist ausgesprochene Mittel st andspolitik, ist ein wirtschaftlicher Wiederaufbau auf breitester Grundlage. Rur so sind auch die Opfer zu rechtfertigen, die wir in Durchführung unseres Programms vom Lande fordern müssen. Der Reichskanzler ging dann auf die Arbeitsbeschaffungsfrage ein und betonte die Bereitschaft der Regierung, Arbeitsbeschaffungspläne, die aus dem starken Drang zu helfen, entstanden sind, zu erörtern. Eine Vorbedingung müssen aber alle vorgeschlagenen Maßnahmen erfüllen: Die Arbeiten müssen produktiv sein und dürfen Währung und Kredit nicht aufs Spiel setzen. Keine noch so große Ausweitung der öffentlichen Aufträge hätte für sich allein ein solches Maß von Arbeit und zusätzlicher Gütererzeugung schaffen können, wie es zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erforderlich ist. keine von oben her geleitete Wirtschaft, keine Sozialisierung, keine Planwirtschaft würde das Problem lösen können. Deutschland durch den nächsten Winter zu führen. Die Reichsregierung wird sich bemühen, ihren Wirtschaftsplan noch durch weitere Maßnahmen zu vervollständigen. Der Kanzler wies dabei auf die Auftragserteilung durch die öffentliche Hand, Reich, Länder und Gemeinden, sowie Reichsbahn und Reichspost hin und kennzeichnete dann die bereits in feiner Münchener Rede erwähnte Geschäftsbelebung und Entlastung des Arbeitsmarktes. Seit der Ankündigung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen ist der Kurs der Wertpapiere, die an den Börsen gehandelt werden, um rund 21 Milliarden Mark gestiegen. Dabei handelt es sich nicht um spekulative, sondern um reine Anlagekäufe womit die Kreditunterlage der deutschen Wirtschaft beträchtlich ausgeweitet worden ist. Infolge der Besserung der Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage hat sich der Reichsfinanzminister schon jetzt entschlossen, die monatliche Ausschüttung für die W o h l f a h r t s h i l f e an die Gemeinden im Oktober von 50 auf 60 Millionen Mark, im November um weitere 5 Millionen zu erhöhen. Uebergehend zur sog. Lohnsenkungs Verordnung vom 5. September betonte der Kanzler, daß die Schwierigkeiten, die zunächst entstanden, durch Zusammenwirken von Unternehmer und Arbeiterschaft bereits zum größten Teil gelöst seien, so daß eine Gefährdung des Wirtschaftsfriedens nicht mehr zu befürchten sei'. Der Kanzler wies in diesem Zusammenhang auf die Rotwendigkeit der Zusammenarbeit von Unternehmern, Arbeitern und Angestellten hin, da nur eine friedlick » Durchführung des wirtschasls- plans die Möglichkeit gebe, die Arbeilslosen- unterftühung für den Winter sowie gewisse Sozialleistungen zu erhöhen. Die stark kritisierte Ermächtigungsverordnung bezüglich der Sozialpolitik soll die sozialen Einrichtungen leistungsfähig erhalten und ihre Verwaltung zum Ruhen der Versicherten vereinfachen. Der Kanzler ging in. diesem Zusammenhang auf einen offenen Brief der Verbands- Präsides der katholischen Arbeitervereine ein und betonte unter starkem Beifall dor Versammlung, daß er gern an sein katholisches Gewissen ap- , pellieren lasse. Er müsse es aber als im höchsten Grade bedenklich bezeichnen, wenn von verantwortlichen geistlichen Leitern der katholischen Ar-' beiterschaft der Eindruck erweckt werde, als sei die Regierung daran, die Wohlfahrt aus dem Staat überhaupt zu vertreiben. Aus diesem offenen Bries spricht ein so krasses Verkennen der Absichten und Auswirkungen, die der Wirt- schastsplan der Reichsregierung in sozialer Hinsicht haben soll und haben wird, daß ich diese Verfälschung der Bestrebungen der Reichsregierung nicht scharf genug zurückweisen kann. Der Kanzler behandelte bann handelspolitische Frage n. Der Kritik an der Regelung der Einfuhr gewisser landwirtschafllicher Produkte stellte er die Schilderung der schweren Rotlage der Landwirtschaft gegenüber, die zu der Rotwendigkeit führe, die Einfuhr gewisser Lebensmittel einer Regelung zu unterwerfen. Gerade die Einfuhrkontingentierung trifft den Verbraucher am wenigsten und schützt die nationale Produktion. 3m Hinblick auf den Widerstand des Auslands gegen die Kontingentierungspläne sprach der Kanzler die Erwartung aus, daß die augenblid» lichen Schwierigkeiten bald überwunden sein werden, und zwar je schneller unsere Verhandlungspartner einsehen, daß wir diese Maßnahme nicht aus Schikane ergreifen, sondern, daß es sich um eine Rotistandsmaßnahme zur Rettung der deutschen Landwirtschaft handelt und daß unsere Maßnahmen zwingend sind. Ausdrücklich trat der Reichskanzler den Gerüchten entgegen, daß die Kontingentierungspolitik möglicherweise die Währung gefährden könne. Eine solche Gefahr liegt nicht vor, sie ist auch von keiner Stelle behauptet worden, die für die Währung Verantwortung trägt. Dem Vorwurf einer zwiespälttgen Wirtschaftspolittk begegnete der Kanzler mit dem Hinweis, daß eine Wirtschaftspolitik geführt werden muß, die alle Wirtschaftszweige im Rahmen des Möglichen vor der völligen Zerrüttung schützt. Aufgabe jeder Reichsregierung muß es fein, die Grundproduktion des Landes als Basis für die seelische und materielle Wiedergeburt der Ration zu schützen, von diesen Gesichtspunkten hat sich die Reichsregierung auch bei ihren jüngsten Maßnahmen leiten lassen, die sie dem Reichspräsidenten vorschlagen wird bei der Reorganisation der Preußenkasse und bei der Entschuldung des Osthilfegebietes. Die Reschsregierung hat im Einverständnis mit der preußischen Etaatsregierung trotz der Bereitstellung erheblicher Mittel geglaubt, auf das Leitungsrecht über das neue Institut die „Deutsche Zentralgenossenschaftskasse" zu verzichten und an seine Stelle eine körperschaftliche Willensbildung durch dessen Organe sehen zu töipien, da sie verantwortliche Selbstverwaltung an die Stelle des Staatskapitalis» m u s zu sehen wünscht. Die Einzelheiten über die zweite Entschuldungsverordnung, durch die das gesamte E n t s ch u l d u n g s p r o g r a m m sehr erheblich beschleunigt wird, werden demnächst veröffentlicht werden. Der Kanzler behandelte dann ausführlich die Frage der Auslandverschuldung. Wenn es auch gelungen ist, in kurzer Zeit über fünf Milliarden Mark ausländischen Leihkapitals zurückzuzahlen, so ist ein abermaliger Abzug fremder Gelder doch gegenwärtig nicht möglich. Cs muß daher erwartet werden, daß über das 'Bestehen des Stillhalteabkommens hinaus das Ausland die von ihm nach Deutschland geliehenen Gelder konsolidieren läßt. Der Reichskanzler wies dabei darauf hin, daß Deutschland auf der Weltwirtschaftskonferen; seinen Standpunkt dahin vertreten wird, daß der Schuldner seine Verbindlichkeiten nur durch Zahlung in waren erfüllen kann. Die Gläubigerländer können also nur dann mit der Abzahlung der deutschen Auslandschulden rechnen, wenn sie bereit sind, deutsche Waren als Zahlung dieser Schulden entgegenzunehmen. Das seht voraus, daß sie unseren Waren ihre Grenzen öffnen. Die Rückzahlung von Schulden zu verlangen und gleichzeitig die Grenzen gegenüber Waren zu verschließen, bedeutet den völligen Verzicht auf die zwingenden Gesetze wirtschaftlicher Logik. Der Kanzler streifte dabei die Ottawaer Konferenz, deren Ergebnisse in dieser Hinsicht nicht ermutigend sind. Gleichwohl darf die Hoffnung nicht aufgegeben werden, daß die Weltwirtschaftskonferenz in dieser Hinsicht Fortschritte bringt, ohne die eine 'Besserung der gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse in der Welt unmöglich ist. Zusammenfassend betonte der Reichskanzler nachdrücklichst, daß die Zusammenarbeit aller gutwilligen deutschen Männer aus allen Crwerbsständen und Gesellschaftsschichten im Sinne einer echten Rot- und Volksgemeinschaft notwendig ist zur ilebertoin- dung der Krise. Zum Schluß gab der Reichskanzler einen kurzen Ausblick auf die politische Lage. Eine starke Staatsgewalt ist dazu da. daß sie die Tlnsicher- heitsfaktoren nach Möglichkeit beteiligt und dem Volk das Gefühl gibt: W i r gehen voran. Wir fassen die Unsicherheiten an der Gurgel! Aus diesem Grunde haben wir außenpolitisch den Kampf um Deutschlands Recht und Freiheit aufnehmen müssen. Das Ziel ist nicht Aufrüstung auf den Rüstungsstand unserer Rachbarn, sondern Abrüstung in ganz Europa und in der Welt. Gleiches Recht und gleiche Sicherheit! Unser Ziel ist ein Zustand, in dem es innerhalb Europas keine Hegemonie und kein System politischer Bündnisse gibt, sondern wo die Völker in gegenseitiger Achtung ihren Menschheitszielen nach- streben können. Der Gedanke des sacrum Imperium ist nicht geboren im „Jahrhundert der Rationalitäten". Er ist nicht, wie ein Teil der Auslandpresse es dar- gestellt hat, „imperialistisch" im Sinne hegemonialer Herrschaftswünsche, er ist vielmehr der Ausdruck der großen abendländischen Völkerverbundenheit, wie ihn gerade die katholische Kirche durch Jahrhunderte ausgestalten half. Unter star em Beifall erklärte der Kanzler, es wäre empfehlenswert, wenn manche Auslandredaktionen ihre geographischen Kenntnisse dahin vervollkommnen wollten, daß es deutsche Alpen und eine deutsche Memel gibt. Uebergehend auf die innere Politik verwies der Kanzler auf seine Münchener Ausführungen, in denen er den Neubau des Staates umrissen hat. Seit der notwendig gewordenen Einsetzung eines Reichskommissars über Preußen ist die Erkenntnis von der Rotwendigkeit einer Reichsreform auf dem Marsch. Der Reichskanzler widerlegte bann den Vorwurf, daß die Regierung den normalen Weg und die Beständigkeit der politischen Verhältnisse verlassen habe mit dem Hinweis darauf, daß diese anormale Situation längst bestanden hat und das Produkt der V e r a n t w o r tu n g s s ch e u und Unbeständigkeit des deutschen Parteiwesens. ist. Wer fordert, zu den sogenannten normalen Verfassungszuständen zurückzukehren, der vergißt, daß wir leider solche normalen Zustände eines inneren Gleichgewichts schon lange nicht besessen haben. Der Kanzler erntete stürmische Zustimmung, als er fragte, wie lange Deutschland noch auf die Vernunft seiner Parteien warten wolle, nachdem dies 13 Jahre lang vergeblich gewesen sei. Wer von uns ein Zurück fordert, der fordert das schlimmste Experiment, das heute gemacht werden könnte. Es ist vielmehr nötig, daß wir uns rasch für eine neue, bessere Form der Staatsführung entschließen. Der Kanzler zitierte in diesem Zusammenhang Ausführungen des Zentrumsabgeordneten Prälaten Dr. Schreiber, die dieser vor einem halben Jahr gemacht habe und in denen er darauf hingewiesen hat, daß der Staat auch jenseits der parlamentarischen Regierungsform in Notzeiten ein Existenzrecht in sich besitzt. Wenn das Parlament in der Aufgabe des Reubaues des Reichs versagen sollte, dann werden wir mit Dr. Schreiber und vermutlich mit der großen Mehrheit des deutschen Volkes die Ansicht vertreten, „daß der Staat auch jenseits der parlamentarischen Regierungsform Exisienzrecht in sich besitzt". Aus der Verwirrung der parleipolittschen Meinungen und Phrasen muß das deutsche Volk heraus und sich auf die ständischen Ordnungen seiner Existenz besinnen. Der Kanzler wies dann den Vorwurf zurück, daß er eigentlich doch den Liberalismus verteidige. Cs gibt eine des Gemeinschaftssinnes bare Freiheit, die notwendig gegen den Staat gerichtet ist. Die werde ich niemals vertreten und niemals dulden, aber es gibt auch eine Freiheit z um Dien st am Staat und an der Volksgemeinschaft. Diese Freiheit wünsche ich unseren Wirtschaftsführern und allen Unternehmern. Der Kanzler schloß seine Ausführungen mit einer Mahnung an die Wirtschafts- führer, auf die große Erwartungen gesetzt worden sind. Persönliche Verantwortung heißt nicht nur seinem eigenen Gewissen folgen, sondern auch dem Volke und seiner Regierung für alles wirtschaftliche Tun persönlich haften. Echter deutscher Staatsgeist besagt: 3n dieser Rotzeit ist nur eine politische Weltanschauung berechtigt, der Glaube an das deutsche Volk, der glaube an das Deutsche Reich? 3hm gelten in dieser Stunde alle unsere Kräfte, unser Denken und Handeln und unser Gebet: „Mit Hindenburg für ein neues Deutschland!" Die Rede des Reichskanzlers wurde von der Versammlung während und am Schlüsse der Ausführungen mit außerordentlichem Beifall ausgenommen. Abschließend wurde ein An twort- telegramm des Reichspräsidenten bekanntgegeben, in dem der Reichspräsident der Tagung für den Willen zur Mitarbeit dankt und der Hoffnung Ausdruck gibt, daß es gelingen möge, bald aus der schwierigen Lage herauszukommen. Das Deutschlandlied beschloß die Tagung. Dor der Schützenhalle hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, die den Kanzler bei seiner Abfahrt mit lautem Händeklatschen und Bravorufen empfing. Lin Franzose als Mkerdnn-s-Generalsekretär? Wird Deutschland zustimmen? - Ein Deutscher als Leiter der Zinanz- und Wirtschastsabteilung. Genf, 15. Oft. (TL1.) 3n dem geheimen 14- gliebrigen Ausschuß der Dölkerbundsversainrn- lung für die Reform des Dölkerbunds- s e k r e t a r i a t s ist am Samstagnachmittag nach ungewöhnlich schwierigen Verhandlungen, die zu fortgesetzten telephonischen Gesprächen mit Paris, Rom, London und Berlin führten, eine Einigung zustandegekommen, in der die grundsätzliche deutsche Forderung über eine gerechte Verteilung sämtlicher Mitgliedsstaaten im Völkerbundssekretariat angenommen worden ist. 3n der Entschließung wird festgestellt, daß in Zukunft sich nicht mehr als zwei nationale Vertreter irgendeiner Völkerbundsmacht unter der hohen politischen Leitung befinden dürfen, die nach der Entschließung aus dem Generalsekretär, zwei stellvertretenden Generalsekretären, drei Untergeneralfefretären, dem Rechtsberater und den zwölf Direktoren der einzelnen Abteilungen besteht. Dieser Grundsatz führt dazu, daß nunmehr je ein hoher französischer und italienischer Beamter ausscheiden müssen. Die deutsche Regierung hat auch nach dieser Reuregelung als ständige Ratsmacht das uneingeschränkte Recht, ihre Zustimmung bei jeder Reuernennung oder Verlängerung eines bestehenden Vertrages eines hohen Beamten zu verweigern und kann hiermit maßgebenden Einfluß auf freiwerdende Posten ausüben. Generalsekretär Drummond machte in der Samstagabendsitzung des Haushaltsausschusses der Völkerbundsversammlung die Mitteilung, daß bei der neuen Einteilung der Arbeitsgebiete in Zukunft dem deutschen Unfergeneralfefretär die Leitung der Finanz- und Wirtschaftsabteilung übertragen werden würde. Diese Zusicherung entspricht den deutschenWün- schen, daß der neue deutsche llntergcneralfefretär nicht wieder, wie bisher, die politisch bedeutungslose Abteilung für geistige Zusammenarbeit leitet, sondern mit der Führung einer maßgebenden Abteilung beauftragt wird. Die Leitung der Finanz- und Wirtschaftsabteilung wird dem deutschen Llntergeneralsekretär die Möglichkeit geben, maßgebend an den gesamten finanz- und wirtschaftspolitischen Verhandlungen des Völkerbundes mitzuwirken. Der Völkerbund trat Samstag um 23 Uhr zu einer geheimen Nachtsitzung in den Privaträumen des Generalsekretärs zusammen, an der ausschließlich die 14 Ratsvertreter teilnahmen. Deutschland wurde durch den Gesandten von Rosenberg vertreten. Die ursprüngliche vorgesehene Wahl des gegenwärtigen stellvertretenden Generalsekretärs A o e n o l (Franzose. D. Red.) zum Generalsekretär des Völkerbundes ist in der heutigen Nachtsitzung entgegen allen Erwartungen nicht erfolgt. Es wurde nur eine provisorische Einigung über die Kandidatur Avenols erzielt. Die provisorische Regelung erfolgte auf Vorschlag Deutschlands und Norwegens, die verfassungsmäßige Bedenken gegen eine sofortige Wahl geltend machten. Die Wahl soll am Montag formell vorgenommen werden. A v e n o l würde sein Amt im Juli 1933 antreten, bis dahin würde Sir Eric Drummond weiter amtieren. Erster stellvertretender Generalsekretär wird voraussichtlich der Norweger Hanson, zweiter stellvertretender Generalsekretär dürste der italienische Gesandte Auriti werden. Der vierte Vollausschuß der Völkerbundsversammlung nahm am Samstagabend den Vorschlag des 14gliebrigen Ausschusses über die Neuregelung der politischen Leitung des Völkerbundssekretariats, sowie die Herabsetzung der Gehälter der Generalsekretäre des Völkerbundes an. Ferner wurde beschlossen, daß in Zukunst sämtliche leitenden Beamten bei ihrer Anstellung in öffentlicher Sitzung eine Loyalitätserklärung abgeben müssen, in der sie sich zu vollständiger Verschwiegenheit, Loyalität und Gewissenhaftigkeit ver- pflichten und ferner dazu, keine Anweisun - gen von einerRegierunq anzunehmen oder nachzusuchen und in ihrer Tätigkeit ausschließlich den Interessen des D ö l k e r b n d e s zu dienen. Gießener Gtadttheater. „Tatterich". — Nacht-Kabarett. I. 'Ser für die Winterspielzeit angekündigte Zyklus hcisischcr Dramatiter wurde gestern abend mit der Darmstädter Üokalposse „Datterich" von Ernst Elias NiebergaIl eröffnet. Sie bildete hier den Auftakt, wie sie als Benefizvorstellung die alte Saison mit einem heiteren Akkord beschlossen hatte: wir kennen die Aufführung und haben sie im Juni d. 3. bereits nach Gebühr gewürdigt. Sie ist, unter Hubs Regie und mit Hub in der Titelrolle, getragen von den guten Geistern bodenständigen Humors, umgeben von der bürgerlich-behäbigen Grazie des verschollenen Biedermeier und erwies sich als jung und zugkräftig wie am ersten Lage. Wer sie nicht gesehen hat, wird es bedauern, denn es war eine einmalige Vorstellung. Zwei neue Gesichter im alten Ensemble: Fräulein Liefe! Bcling als Evchen, sehr frisch und kouragiert, auch der schwierigen ..Mundart der Darmstädter" nicht ohne Talent gewachsen: und Kurt Peter Hamel, der sich in zwei kleinen Partien angenehm in die Aufführung einfügte. Den Löwenanteil des reichen Beifalls erhielt verdientermaßen als Hauptperson des Abends Herr Hub. II. Kaum eine Stunde, nachdem sich der Vorhang über dem stürmischen Finale des „Datterich" gesenkt hatte, startete das neueingerichtete Nacht- Äabarett unter der künstlerischen Leitung der Herren Hub und Dolck mit einem Riefenwelt- stadtprogramm. Herr Volck leitete den Abend mit einem Vorspruch ein; er sprach vom Sinn dieser Veranstaltung, die der Werbung dienen solle für daS Theater in dieser Zeit — den Böten der Zeit zum Troy. Er betonte die Lebensnotwendigkeit der Bühne, er wies auch auf ihre großen Erfolge während des sommerlichen Abstechers nach Darmstadt hin und bat um Unterstützung in der 3u- bdläumszeit: Unser Theater, es lebe! Es darf Nicht untergehen. • Hub konferierte. Er kündigte die neuen Mitglieder an, er stellte die Hauskapelle unter Leitung von Herrn Moehl vor, er führte ein Telephongespräch vor dem Vorhang und erzählte das Märchen vom Froschkönig und von Willy Fritsch. Dann erschien Fräulein Sibylle Flemming und sang zwei Lieder: „Duschenka" von Benatzky und „Cocktail-Fredy": das erste halb seriös und etwas romantisch: das zweite spritzig im Kabarett- Ton: beide mit apartem Vortrag und gutgeschulter Stimme. Zugabe: „Wenn der Himmel voller schwarzer Wolken hängt" aus der Operette „3im und 3ill". Nächste Nummer, von Hub geleitet, Herr Hamel, das Nesthäkchen des Ensembles, mit zwei Chansons: „Man müßte wieder" aus .Leben in dieser Zeit" von Kästner und „Lied von der Familie" aus „Ein entzückender Mensch". Das Nesthäkchen zeigte eine hübsche Begabung für diese pointierten kleinen Podiumsnummern und machte seine Sache sehr nett. Auch eine Zugabe. Dann wieder Herr Hub mit Kapelle: „Heute Nacht oder nie", anschließend Herr und Frau Bä ulke mit einer mondänen Tanznummer. Hub mit einem prächtig gesungenen Matrosen- lied „Schiff ahoi" (Hintergrund: „ Fliegender Holländer") und mit dem gar nicht märchenhaften Schluß vom „Froschkömg". Zweites Tonzduett von Herrn und Frau Bä ulke: ein Step mit Song: letzter Schrei aus dem Berliner Wintergarten. Hub mit Vollbart als uraltes Mitglied. Eaxophonsolo von Herrn Würzburger. Dann kurze Pause. (Auch das Foyer hat seine Reize.) Nach der Pause: Herr Hub, der versprochen hatte, einmal heimatlich-sranksurterisch zu kommen, diesmal war's der „Parre Kännche" von Stoltze. Sehr lustig. Fräulein B e l i ng hatte ihr Herz für den Tonfilm entdeckt und brachte di^ neuesten Schlager „Was kann so schön sein" und „Ein bißchen Liebe für dich": drohende Konkurrenz für die Alpar. Bäulkes tanzten einen Tango in dreifacher Auslage: modern, auf amerikanisch und auf vberbayerisch: große Heiterkeit. Den Beschluß machte die Hauskapelle mit alten Schlagern und die Herren Hub, Volck und Hamel in dem Sketsch von der Hasenpfote. Alles in allem war dieser erste Versuch wohl- gelungen: starker Besuch trotz später Stunde, viel Beifall und Wiederholungen. hth. ----------------- v 4 < Das Haus des Tizian. Am Fuß der Dolomiten, im Norden von Venedig, liegt das kleine Bergstädtchen Pieve di Eadore, heute ''in beliebter Ausflugsort und Wintersport, platz. j)icr wurde im Jahre 1477 in einem bescheidenen Häuschen dem Gregor und der Lucia De- ccllio ein Söhnchen geboren, daß sie Tizian nannten. Jahrhundertelang war das Geburtshaus des großen Malers der Vergessenheit überantwortet und durch Umbauten entstellt, bis es in diesem August feierlich seiner neuen Bestimmung als Tizianmuseum zugeführt wurde. Nach dem Tode der Eltern und Geschwister Ti- gians ging das Stammhaus der Decellio in den Besitz des Malers über, der feine heimatlichen Berge stets liebte und fern Häuschen im Laufe seines fast hundertjährigen Lebens oft besuchte, — auch als Ruhm und Reichtum ihn umgaben und er der Freund von Fürsten und Päpsten geworden war. Nach dem Tode Tizians, der im Jahre 1576, also 99jährig, — von der Pest in Venedig hingerafft wurde, fiel das Haus in den Besitz seines nichtsnutzigen Sohnes Pomponio, der es bald verkaufte. Bon nun an ging das Geburtshaus des Meisters aus einer Hand in die andere über, wurde verwohnt und entstellt, aber glücklicherweise gelang es nach mehreren Jahrhunderten einem Gelehrten, es der Vergessenheit zu entreißen. Die faschistische Regierung erklärte es im Jahre 1922 zum Nationaldenkmal, 1926 erwarb es die Gemeinde von Cadore und ließ es nach noch vorhandenen Spuren in feinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Es ist danach ersichtlich, daß die Häuser der Bergbewohner des 15. Jahrhunderts sich kaum merklich von denen der heutigen Einwohner unterscheiden. Ein hölzerner Altan, zu dem eine freiliegende Holztreppe hin- aufführt, ein weitausladendes Giebeldach, rm inneren ein fflohnraum mit einem gemütlichen Kachelofen, ein weiterer Raum mit Holztäfelung und einer Mattierten Decke, eine Küche und mehrere Sammern, — das ist alles. In diesen Räumen wird eine kleine Sammlung von Dokumenten untergebracht, die sich auf den großen Sohn des Hauses beziehen, darunter auch einige Handschriften des Meisters selbst. Ein Ehrenplatz gebührt einer Urkunde aus Pergament mit einem roten Wachssiegel, auf der zu lesen steht, daß Kaiser Kari V. zu Barcelona den Meister zum Pfalzgrafen, zum Ritter der Goldenen Miliz und zum Edlen des Heiligen Römischen Reiches ernannt habe. Außerdem wird das kleine Museum fast 500 Bücher und Schriften in allen Sprachen über Tizian umfassen, die den Tiziansorschein zugänglich gemacht werden sollen. Kein Handelskrieg mit Italien. Annäherung in der Kontingeniierungssrage. — Aufhebung des italienischen Oevisenerlaffes. Rom, 15. Off. (MTB.) Lin heute abend her- ausgegebenes, zwischen den deutschen und italienischen Vertretern vereinbartes Eom- muniqus über die deutschen und die italienischen Devisen - und konfingentierungsver- handlungen hat folgenden IDortlaul: „Die seit einigen Tagen zwischen Vertretern der deutschen und der italienischen Regierung in Rom g führten Besprechungen über Fragen des Warenverkehrs sind heule zum Abschluß gekommen. Zur Frage der Linfuhrkonlin- gentierung haben die deutschen Vertreter die Auffassung ihrer Regierung eingehend dargelegt und die Ansichten der italienischen Regierung hierüber zur Kenntnis genommen. Sie werden ihrer Regierung über das Ergebnis der Besprechungen berichten. Hinsichtlich der Regelung der Zahlungen aus dem Warenverkehr dauern die Verhandlungen noch fort. Es besteht Aussicht auf eine baldige befriedigende Lösung." Die deutsche Delegation für die Kontingentierungen wird sich von Rom nach Paris begeben. OieVerständigungsgrundlage Rom, 15. Oft (CNB.) Die deutsche Delegation für die De Vifenfrage und die deutschen Kontingentierungsabsichten verläßt heute die italienische Hauptstadt. Mit der baldigen Unterzeichnung eines Hier vereinbarten neuen deutsch-italienischen Devisenabkommens, und zwar schon vor weiteren Kontingentierungsbesprechungen, ist zu rechnen. Ein abschließendes Ergebnis über die Kontingentierungsfrage liegt nicht vor, war auch nicht das Ziel der hiesigen Beiprechungen. Es haben sich in dieser Frage selbstverständlich Meinungsverschiedenheiten nicht leichter Art ergeben. Die Besprechungen haben sich aber, wie übrigens auch die Devisenverhand- lungen, in einer sehr angenehmen und freundschaftlichen Atmosphäre abgespielt. Bon einem Scheitern der Verhandlungen über die Kontingentierungsfrage kann keineswegs gesprochen werden. Aus unterrichteten deutschen Kreisen erfährt man über das Abkommen folgende Einzelheiten: 3n bas neue Deoifenabfommen soll eine neue Bestimmung ausgenommen werden, die die Beibehaltung des Verhältnisses von Aus- und Einfuhr ermöglicht, wie es sich aus der handels- statistif von 1931 ergibt. Italien würbe damit die Möglichkeit gegeben, über den Rahmen der allgemeinen Dcvisengesehgebung hinaus den Warenverkehr nach Deutschland aufrechtzuerhalten, während Deutschland gewisse Sicherungen erhielte, daß seine Handelsbilanz mit Italien weiterhin aktiv bleibt. Das vor einigen Wochen erlaßene italienische Devisendekret soll mit rückwirkender Kraft ausgehoben werden. Bei den Besprechungen über die deutschen Kontingentierungsabsichten konnte in einer Reihe von Fällen eine Annäherung erzielt werden. Auch wurde die Möglichkeit von deutschen Gcgenleistunge n erörtert. Konnte dieses Problem auch nur in großem Rahmen gestreift werden, so wird sich doch ergeben können, in welcher Weise gegebenenfalls die Besprechungen fortgeführt werden können. Mit Interesse sieht man solchen in Berlin geplanten Besprechungen entgegen, so z. B. in bezug auf bit Möglichkeit einer verstärkten Einfuhr von italienischem Reis nach Deutschland, das im vergangenen Iahr bei einem Gefamt- bezug im Wert von 38 Millionen Mark von Italien nur für 70 000 Mk. bezogen hat. Einigung im deutsch-italienischen Zahlungsverkehr. Rom, 16.OIL (CNB.) Wie verlautet, ist bei den weiteren Besprechungen zwischen deutschen und italienischen Vertretern über die Frage der Zahlungen im Handelsverkehr eine völlige Einigung erzielt worden. Danach können die Zahlungen von beiden Seiten vom 17. d. W. ab in der Form wieder ausgenommen werden, in der sie sich bis zum 30. September abgewickelt haben. Die Wahrheit über die deutsche Polizei. Erklärungen des Vorsitzenden der Deutschen Völkerbundsdelegation vor der Weltpresse. Gens. 15. Oki. (WTD.) Der Vorsitzende der deutschen Völkcrbundsdelegation, Gesandter v. Rosenberg, nahm heute vor den Vertretern der Weltpresse zu den gestrigen Ausführungen des französischen Delegierten M a s s i g l i über die deutsche Polizei Stellung. Gesandter v. Rosenberg führte u. a. aus: Der französische Delegierte M a s s i g l i hat gestern in dem ilnterfomitee der Abrüstungs- konserenz für die Personalbestände Ausführungen über die deutsche Polizei gemacht, die er vorsichtigerweise unterließ, solange deutsche Vertreter an der Abrüstungskonferenz teilnahmen. Herr Massigli gibt die Gesamtstärke der deutschen Polizei mit 140 000 Mann an und erwähnt nur beiläufig, daß hiervon 35 000 Mann als rein kommunale Polizei abgehen und daß ferner 18 000 Beamte in Zivil sind, die nur in den Büros und im Kriminaldienst tätig sind. Er unterläßt es dabei zu betonen, daß die deutsche Polizei keine einheitliche Organisation unter einheitlichem Kommando ist. Die Polizei untersteht bekanntlich nicht demReich, sondern den 17 deutschen Ländern. Die gesamte Organisation und Bewaffnung der Polizei ist in jahrelangen Verhandlungen mit der votschasterkonferen; und der Interalliierten Militärkontrollkommission unter dem besonderen Gesichtspunkt festgelegt worden, daß eine militärische Verwendung der Polizei ausgeschlossen ist. Die Schutzpolizei besitzt demnach keine schweren Waffen, wie Minenwerfer und Geschütze, ohne die eine militärische Verwendung undenkbar ist. Die von Massigli erwähnten Maschinengewehre sind in einer beschränkten Zahl von der Interalliierten Militärkontrollkommission zugeslanden worden, weil sie für die polizeilichen Ausgaben erforderlich sind. Bei den Panzerwagen handelt es sich nicht um kriegsmäßig verwendbare Tanks, sondern um geschützte Automobile, bre nur auf guten Straßen fahren können. Die Ausbildung der Polizei in allen deutschen Ländern dient lediglich polizeilichen Zwecken, wie aus dem Inhalt der Polizeivorschriften ohne weiteres hervorgeht. Disse werde keineswegs geheimgehalten. Eigenartig ist es, daß Herr Massigli die Polizeischulen als Organisation militärischen Charakters bezeichnen will, ob- wohl die französische Abordnung auf der Abrüstungskonferenz den Standpunkt vertreten hat, daß die Rekruten des französischen feeres, die doch ,zweifellos eine rein militärische Ansbilduna genießen, nicht als militärisch oerroe nobar angesehen werden können. Es ist unverständlich, wenn Massigli daran Anstoß nimmt, daß die Polizei auch im Gelände ausgebildet wird. Leider hat die Polizei der deutschen Länder im Lause der letzten 12 Jahre wiederholt bei Aufruhroersuchen und Störungen der öffentlichen Ordnung in geschlossenem Einsatz Aktionen größeren Stils zur Wiederherstellung der Ordnung durchführen muffen. Es versteht sich von selbst, daß sich ihre Ausbildung auf derartige Verwendungszwecke ausdehnen muß. Die Ausbildung für solche Aufgaben trägt aber rein polizeilichen und keinen militärischen Charakter. Wenn Massigli in dem Bestreben, polizeiliche Hebungen im Gelände als militärische Hebungen dgrzustellen, eine Anzahl von Äußerungen und Illustrationen aus der deutschen Presse oorgelegt hat, so kann ihm nicht entgangen sein, daß in einer Fülle von anderen deutschen Presseäußerungen lebhafte Klage darüber geführt wird, daß die PolizH für den Fall größerer Unruhen nicht genügend aus? gebildet werde. Herr Massigli ist ein Opfer der Romantik der Lokalberichterstatter geworden. Wie wenig zuverlässig die Quellen find, auf die er sich stützt, geht schon daraus hervor, daß er von einer Hebung der badischen Polizei in einer Stärke von 2000 Mann spricht, während die ganze badische Vereitschafkspolizei nur 1700 Beamte zählt, hierbei ist nicht zu vergessen, daß im demilitarisierten ©ebieL zu dem säst ganz Baden gehört, die Polizei Vas einzige Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung darslelll. Seit der Sommerpause der Abrüstungskonferenz ist offenbar das Ziel und die Ausgabe dieser Konferenz in Vergessenheit geraten. Es handelt sich nicht um die 35 000 oder 140 000 Beamte der deutschen Polizei und nicht um die Ausbildungsvorschriften für die Polizei von Anhalt und Lübeck, sondern um die Abrüstung von Millionenheeren und die Friedenssicherung durch Beseitigung der gewaltigsten Wehrsysteme und riesigsten Bestände an modernen Kriegsmitteln, die die Welt je gesehen hat. Bor der „Einheit der deutschen Wirtschaft" Oie Kanzlerrede in Dortmund. Dortmund. 16.01t. (TU.) Die Veranstaltung des Zweckoerbandes der Industrie- und Handelskammern Bochum, Dortmund, Essen und Münster auf der Reichskanzler von Papen «sprach, wurde vom Vorsitzenden des Zweckoerbandes, Bergassessor a. D. Stein (Recklinghausen), mit einer Begrüßungsansprache eingeleitet, in der er einige Wünsche und Forderungen der westdeutschen Industrie oorbrachte. Der Zweckvervanid «sehe in dem Programm der Reichsregierung einen e r n ft e n und erfolgversprechenden Versuch. die Wirtschaftslage zu bestem. Er freue sich, feststellen zu -können, daß der Standpunkt des Zweckoerban'des von allen Kreisen der Wirtschaft geteilt werde. Warnen müsse er vor einer zu einseitigen Außenhandelspolitik. Bei seiner Rede in Dortmund l lt sich der Reichskanzler im wosenttichen -m Rahmen der Ausführungen, die er am Vormittag in Paderborn gemacht hatte. Darüber «hinaus brachte die Robe noch einen kurzen Hinweis auf die besonderen Verhältnisse im Ruhrgebiet. Hier ist, so betonte der Reichskanzler, der Ort. wo ich über die wirtschaftlichen Probleme zu der Einheit der deutschen Wirtschaft, dem Arbeiter un«d Hnternehmer, sprechen kann. Im Zusammenhang mit seinen Ausführungen über die öffentliche Auftragserteilung erklärte der Reichskanzler, daß diese in erster Linie dort in Frage komme, wo die Wirtschaftsnot Ausmaße angenommen hat, die über den allgemeinen Durchschnitt weit hinausgehen. Wenn in der Stadt Dortmund die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen auf 72 — gerechnet auf 1000 Köpfe der Bevölkerung — gestiegen ist, während die gleiche Ziffer für das ganze Reichsgebiet 33 beträgt, so zeigt das mit grausamer Deutlichkeit das Elend dieser Stadt. Darum wird in Fällen dieser und ähnlicher Art versucht werden müssen, die Auftragserteilung der öffentlichen Hand soweit irgend möglich der Linderung dieser besonderen Not dienstbar zu machen. Der Reichskanzler ging dann noch auf die Frage der P r e i s b r l - düng ein. Ich möchte nicht den geringsten Zwei- fel darüber lassen, erklärte der Reichskanzler, daß die Reichsregierung keinerlei ungerechtfertigte Preissteigerung zulasten wird. Sie wird jeden Versuch in dieser Richtung un- nachsichtlich unterbinden. Ganz allgemein muß zur Frage der Preisbildung mit allem Nachdruck gefordert werden, daß auf dem Wege vom Erzeuger zum letzten Verbraucher dieEpannedcs Zwischengewinnes auf das äußerste kalkulatorische Maß beschränkt wird, denn nur so kann der Mittelstand auf die Dauer mit einer Aufrechterhaltung und Besserung feines Umsatzes rechnen. Lieber 200 000 Arbeitsdienstfreiwillige Berlin , 15. Oft. (WTB ) Nach Mitteilungen des Reichskommissars für den Freiwilligen Arbeitsdienst waren am 30. September 1932 2 0 7 3 7 5 2£ r b c i t s- dien ft willige beschäftigt, also doppelt so viel als am 1. August und die fast dreifache Zahl gegenüber den vor Erlaß der Verordnung vom 16. Juli Beschäftigten. Unter den Landesarbeitsamtsbezirken .steht bas Rheinland an erster Stelle. Ihm folgen Hessen und Westfalen. Landkreis-Neugliederung in preuhen abgeschlossen. Berlin, 15.Okt. (TU.) In einer Kleinen An- frage der deutschnationalen Landtagsfraktion war bas Preußische Staatsministerium gefragt worden, ob es bereit sei. die Aufteilung des Kreises Biedenkopf rückgängig zu machen, wie bas in der Bevölkerung gewünscht werbe. Daraufhin hat ber mit der Wahrnehmung der Geschäfte des preußischen Ministers des Innern beauftragte Reichskom- miffar Dr. Bracht geantwortet, daß die N e H« glieberung der Landkreise mit der die Verordnung vom 1. 8. 1932 ergänzenden Verordnung vom 27. September 1932 endgültig ab- geschloffen worden ist. Nationalsozialistische rheinische presse verboten. Berlin, 15. Okt. (TU.) Der Oberpräsident der Rheinprovinz F u ch s hat diegesamtena- tionalsozialistischerheinischePre)se auf die Dauer von fünf Tagen verböte n Wie die Pressestelle des Oberpräsidiums mitteilt, erfolgte das Verbot wegen Beschimpfung und böswilliger Verächtlichmachung der Gerichte und der gesamten Iustizgewalt in einem aus Anlaß des Berliner Kommunistenprozesses wegen der Ausschreitungen in der Röntgenstraße in Char- lottenburg veröffentlichten Artikels vom 7. Oktober. Die unsterblichen Werke des Meisters aber fehlen; sie schmücken die berühmtesten Museen der Welt... Das älteste Lehrbuch der Chirurgie. Ein Amerikaner namens Edwin Smith, der sich sehr für Aeghptologie interessierte, kaufte vor 40 Iahren in Luxor eine gut erhaltene Papyrus- Rolle, die von Gelehrten als eine medizinische Handschrift erkannt wurde. Doch vermochte man damals die Hieroglyphen nicht recht zu entziffern, und so blieben die Geheimnisse einer fast 5000 Iahre alten Heilkunst zunächst verborgen. Erst nachdem die kostbare Handschrift aus dein Nachlaß des Besitzers an die Neuyorker Historische Gesellschaft gekommen war, wurde von dieser der amerikanische Aegyptologe Professor Breasted mit der Bearbeitung des Werkes beauftragt, die er nach achtjähriger Arbeit jetzt vollendet yat. Wie Dr. I. Seide in der Leipziger „Illustrirten Zeitung" mitteilt, erregt der Inhalt des Buches besonderes Aufsehen bei den Historikern der Medizin, denn wir haben hier das älteste Lehrbuch der Chirurgie vor uns, das ums Iahr 2800 vor Christi verfaßt wurde. Leider ist die Handschrift unvollständig und bricht mitten in der Besprechung des 48. Krankheitsfalles ab. Die aufgezählten Fälle behandeln chirurgische Erkrankungen und beginnen mit der Verletzung des Scheitels: dann folgen, nach den Organen geordnet. die Beschreibungen verschiedener Krankheitsfälle. Da nur von Männern die Rede ist und es sich fast nur um Verletzungen handelt, nimmt man an. daß man es hier mit einem Lehrbuch der Kriegs-Chirurgie zu tun hat. Augenscheinlich sollten die Wundärzte, die die Heere der Pharaonen begleiteten, eine Anleitung für die Behandlung der Verwundeten erhalten. Iedesmal wird zunächst eine genaue Bezeichnung der Krankheit, bann eine Voraussage und schließlich eine Vorschrift für die Behandlung gegeben. Einer sorgfältigen Untersuchung der einzelnen Erscheinungen folgt die Prognose-Stellung: ist sie günstig, bann heißt es: „Ein Leiden, das ich behandeln werde": ist sie zweifelhaft: „Ein Leiden, das ich bekämpfen werde": ist sie ungünstig: „Ein Leiden, das nicht behandelt werden soll". Die Krankheiten sind u. a Wunden der Weichteile. Knochenbrüche, Verstauchungen, Blutungen. Geschwüre. Als Heilmittel werden Auflegen von rohem Fleisch, Verbände von Fett und Honig, warme und kalte Umschläge usw empfohlen. Auch die Wundnaht und das Ausbrennen mit einem Feuerbohrer ist bekannt. *. 2lll d vird a" Die im im gebuP b-sga Alsfofo bungi^ Jehörv? schäften, gesaE SebuM Sebras, MN f Msveos I-htsN Aren' _ aufetf Äeichspra lartc -1 diesmal , 12, 25 M ginnt am derjenige bruar W Karten a kche b« »erben au Ml-halte für die D int vergan folge M insgesamt Karten vc Ro'hilfe betrag: Micyall und »kart Dohlsahi bis 1931 schen Not Anstl Pom Aus 21 Orten au Lindei worden, leiden, n gejahr n teln b schen Re 30.3anu Heiken oc jeder Ai hoben fü 3r Die J) 6er Land: Sfm » Lndesaerj für Wen Sie 3n de beitsa Samstag die Lag Hessen oeflt r Rich 1 ui Arbeit des Bild,- fiauptunte Wohlfahrt- Ratstandsa Arbeitsdier Nichtunterf Arbeitsuche, Die am Jauptun Arbeitsl folgt: $ei den hauptunter! Rundet über 6 ,, 13 Ölieberf mai Ortlla(te A » Bi *W als ^übrige, D'e 278C ^rstützu. folgende H über 13 » 26 nÄ*a &?.- S?S rK SS* des 9jor 3nt ' “e der Aus der Provinzialhauptstadt. Giehen. den 17. Oktober 1932. ReichSpost und Winterhilfe. 2ln dem kommenden großen Winterhilfswerk wird auch die Deutsche Reichspost beteiligt sein. Wie im vorigen Jahre, hat sie sich bereit erklärt, im Kraftpost-äleberlandverkehr die gebührenfreie Beförderung von Liebesgaben für die Winterhilfe zu übernehmen. Als solche Liebesgaben gelten Lebensmittel, Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände, die von Behörden, anerkannten gemeinnützigen Gesellschaften, Bereinen, Ausschüssen usw. beschafft oder gesammelt und von ihnen an Notleidende oder Bedürftige zum unmittelbaren Verbrauch oder Gebrauch abgegeben werden. Einen wichtigen Teil des diesjährigen Winterhilfswerks wird auch der Vertrieb der Wohlfahrtsmarken bilden. Wie in den früheren Jahren, gibt das Reichspostministerium — außer der bereits zum LS. Geburtstag des Reichspräsidenten erschienenen Wohlfahrtspostkarte — Wohlfahrtsbriefmarken heraus, und zwar diesmal zum Freimachungsbetrage von 4, 6 12, 25 und 40 Pf. Der Vertrieb der Marken beginnt am 1. November 1932 und endet, ebenso wie derjenige dec Wohlfahrtspostkarten, am 28. Februar 1933; Gültigkeit behalten Marken und Karten aber bis zum 30. Juni 1933. Diese Wohlfahrtspostwertzeichen, deren Vertrieb vor allem Sache der Ausschüsse dec Deutschen Nothilfe ist, werden auch bei allen Postanstalten verkauft. Die Postschalterbeamten werden in geeigneter Form für die Wohlfahrtsmarken werben, wie es schon im vergangenen Jahre mit recht günstigem Erfolge geschehen ist. Im Winter 1931/32 wurden insgesamt 11 916 995 Stück solcher Marken und Karten verkauft, was einen Gesamtertrag für die No'Hilfe von 610100 Mk. brachte. Von diesem Betrag: entf e.'en 139 743 Mk. auf die an den P ost ^cy altern erkauften Wohlfahrts-Briefmarken und -karten. Insgesamt hat die Einrichtung der Wohlfahrts-Briefmarken in den Jahren 1924 bis 1931 rund 7 803 000 Mk. zugunsten der Deutschen Nothilfe erbracht. Ansteckungskranke von Krastposten ausgeschlossen. Vom Po st amt Gießen wird uns mitgeteilt: Aus Anlaß der in letzter Zeit in verschiedenen Orten aufgetretenen Erkrankungen an spinaler Kinderlähmung ist die Frage aufgeworfen worden, ob Personen, die an einer solchen Krankheit leiden, wegen der damit verbundenen Ansteckungsgefahr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln befördert werden dürfen. Bei der Deutschen Reichspost sind nach § 53 der Postordnung vom 30. Januar 1929 Personen mit ansteckenden Krankheiten von der Beförderung in den K r a f t p o st e n jeder Art ausgeschlossen. Zuwiderhandelnde haben für die daraus entstehenden Folgen zu haften. Braugerstenfchau in Friedberg. Die Hessische Landesgersten st eile bei der Landwirtschaftskammer für Hessen teilt uns mit: Am Mittwoch, 26. Oktober, veranstaltet die Hessische Landesgerstenstelle bei der Landwirtschaftskammer für Hessen in der Turnhalle der Musterschule zu Friedberg eine Braugerstenfchau, verbunden mit öffentlichem Braugerftentag. Die Landwirte aus Oberhessen werden aufgefor- dert, sich durch Einsendung von Braugerstenproben recht zahlreich an der Braugerstenschau zu beteiligen. Die besten Proben werden mit Preisen ausgezeichnet. Es stehen hierfür Geldpreise, Anerkennungen und eine Anzahl Ehrenpreise zur Verfügung. Die Ausstellungsmuster im Gewicht von 5 kg finö bis spätestens Montag, 24. Oktober, abends, in öer Turnhalle der Musterschule in Friedberg abzu- geben oder einzusenden, da die Bonitierung bereits am Dienstag, 25. Oktober, vorgenommen wird. Die Muster sind mit dem Vermerk „Braugerstenschau Friedberg" zu versehen. Beizufügen sind genaue Angaben über Name und Wohnort des Ausstellers, Sorte und Abfaat des Musters, sowie die Menge der dem Muster entsprechenden Verkaufsware. Bei der Schau können nur Proben aus Ober- h e f s e n am Preisbewerb teilnehmen. Der öffentliche Braugerftentag, zu dem alle Landwirte und Interessenten eingeladen find, beginnt am Mittwoch, 26. Oktober, 14 Uhr. Es werben folgende Referate erstattet: 1. Besprechung der Schauergebnisse und ihre Auswertung hinsichtlich der Sortenfrage von Abteilungsvorstand Dr. Finger, Landwirtschaftskammer Darmstadt; 2. landwirtschaftlich-technische Maßnahmen im Braugerstenbau von Landwirtschaftsrat Dr. Schneider, Hessisches Landwirtschaftsamt Lich. Im Anschluß daran findet eine Diskussion und die Bekanntgabe der Preisträger stall. ** Keine Partei-Uniform Lei kirchlichen Trauungen. In einem Ausschreiben des Prälates der Hessischen Landeskirche an die Dekane, Kirchenvorstände und Pfarrämter wird darauf hingewiesen, daß — einer althessischen Sille entsprechend — es nicht gestattet ist, daß der Bräutigam in der Uniform eines politischen Verbandes zur Trauung erscheint. Bei der Zulassung solcher Kleidung zu der gollesdienst- lichen Handlung würde die Kirche ihre überparteiliche Haltung aufgeben und darauf verzichten, ihrerseits die kirchliche Ordnung zu wahren. ** Ein Achtzigjähriger. Heute, Montag, 17. Oktober, kann der Privatier Georg Unverzagt, wohnhaft Lieb.gstratze 62, II, in aller körperlichen und geistigen Frische seinen 80. Geburtstag feiern. ** Anerkennungsschreiben bei Dienst- jubiläen der Beamten. Das Hessische Ge- samtministerium hat beschlossen, den hessischen Beamten bei 40jährigen Dienstjubiläen im Namen der Hessischen Staatsregierung ein Glückwunschschreiben des zuständigen Ministers überreichen zu lassen. ** Handarbeitsausstellung der Alic e- schule. In den Räumen der Aliceschule am Kanzleiberg wurde am Freitag eine. Ausstellung von Arbeiten der Schülerinnen gezeigt, die dem Besucher viel Aufschluß über die Arbeit gab, die in diesem Institut geleistet wird. Aus den verschiedenen Kursen der Schülerinnen sah man Arbeiten, die aller Beachtung wert waren. Insbesondere die Arbeiten aus dem Schneider-Kursus waren sehr vielseitig. Nicht nur eine Anzahl vollständig neuer Kleider wurde, zum Teil nach eigenem Entwurf, hergestellt und sorgfältig ausgeführt, es wurden auch Kleider abgeändert und damit einem wirtschaftlichen Erfordernis der Gegenwart Rechnung getragen. In Die Lage des oberhessischenArbeitsmarktes In dem September-Bericht des Arbeitsamts Gießen, aus dem wir bereits am Samstag einige Abschnitte veröffentlichten, wird über die Lage des Arbeitsmarktes in Oder- Hessen noch folgendes mitgeteilt: Setzt man die Zahl der Unter ft ü^ten und Nichtunter stützten ins Prozentoerhältnis zur Arbeitsuchendenzahl, so ergibt sich folgendes Bild. o. H. Hauptunterstützungsempfänger in Alu 1665 = 11,4 „ • in Kru 2871 - 19,7 Wohlfahrtsunterstützungsempfänger 3069 = 21,0 Notstandsarbeiter 1751 = 12,0 Arbeitsdienftwillige 4190 = 28,7 Nichtunterstützte 1051 = 7,2 Arbeitsuchende 14597 = 100 Die am 15. September gemeldete Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in dec Arbeitslosenversicherung gliedert sich wie folgt: Bei den 1613 männlichen und 213 weiblichen Hauptunterstützungsempfängern waren hie Unterstützungszeiten wie folgt: bis 6 Wochen 602 männlich 55 weiblich über 6 „ 13 „ 631 „ 74 „ 13 „ 20 „ 380 „ 89 Gliedert man die Hauptunterftützungsempfänger nach den Ortsklassen der Wohnorte, so ergibt sich folgendes Bild: Ortklasse A 189 männlich 57 weiblich „ B in Orten mit mehr als 10000 Einwohnern 45 „ 9 „ Alle übrigen Orte 1379 „ 152 „ Die Zahl der Familienzuschlagsempfänger in der Arbeitslosenversicherung 2732. Die 2780 männlichen und 228 weiblichen Haupt- unterstützungsempsänger in der Krisenfürsorge hatten folgende Unterstützungszeiten zurückgelegt: bis 13 Wochen 741 männlich 70 weidlich über 13 „ 26 „ 1035 „ 91 „ 26 „ 39 „ 778 „ 45 über 39 „ 226 „ 22 Die Zahl der Familienzufchlagsempfänger in der Krisenfürsorge betrug 4983. Aus einzelnen Berufsgruppen ist wie folgt zu be- richten: Land- und Forstwirtschaft. Zur Herdsternte bestand von feiten der Landwirtschaft oerhältnismäk a wenig Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Fruchternte ist vollkommen beendet, so daß landwirtschaftliche Arbeitskräfte zur Entlassung gekommen sind. Für die Kartoffelernte wurden verschiedentlich Arbeitskräfte angefordert. Die Zuckerrübenernte hat bereits begonnen. Dem Arbeitsmarkt standen am Ende der Berichtszeit 4338 Arbeitsuchende, gegenüber 366 des Vormonats und 249 des Vorjahres zur Verfügung. Industrie der Steine und Erden. Der Rückgang der Arbeitsuchendenzahl in der In- buftrie der Steine und Erden ist in erster Linie auf das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung zurückzuführen. Ein großer Teil der o b e r h e f f i f ch c n Steinbrüche hat Aufträge von der Provinzialdirek t i o n zur Lieferung von Kleinpflafter erhalten. Dadurch war es möglich, daß wir sämtliche Steinrichter unseres Bezirks, die den Voraussetzungen zur Beschäftigung in Notstandsarbeiten entsprachen, unterbringen konnten, und daß wir darüber hinaus weitere Steinrichter aus den anliegenden Arbeitsamtsbezirken zur Erledigung der vorliegenden Arbeiten heranholen mußten. Verschiedene oberhesfiscke Ziegeleien mußten wegen Auftragsmangels Kräfte entlassen. Wir zählten 1450 Arbeitsuchende, gegenüber 1506 des Vormonats und 1056 des Vorjahres. Metallindustrie. Die Arbeitsmarktlage hat im Berichtszeitraum eine Besserung erfahren, eine Maschinenfabrik konnte, nachdem sie größere Aufträge erhalten hat, mit dec gesamten Belegschaft von der Kurzarbeit zur Voll- arbeit übergehen. Einige andere Firmen warten noch auf die Erteilung der ihnen in Aussicht gestellten Aufträge. Verfügbar waren 2396 Metallarbeiter, gegenüber 2635 des Vormonats und 1766 des Vorjahres. Holz- und schnlhstoffgewerbe. Auch in dieser Berufsgruppe ist eine leichte Besserung der Marktlage eingetreten. Während einige Sägewerksbetriebe über Arbeitsmangel klagen, hat eine Möbelfabrik einen größeren Auftrag zur Herstellung von Radiokaften erhalten und konnte daher von der Kurzarbeit zur Vollarbeit übergehen. Dem Arbeitsmarkt standen am Ende der Berichtszeit 891 Arbeitsuchende zur Verfügung, gegenüber 921 des Vormonats und 605 des Vorjahres. Berufsberatung. Die Berufsberatungsabteilung wurde im Berichtsmonat von 138 (89 männliche, 49 weibliche) Ratsuchenden mit verschiedenster Schulbildung in Anspruch genommen. Ihre Wünsche bezogen sich auf 40 verschiedene (30 männliche, 10 weibliche) Berufe. Die verhältnismäßig meisten männlichen und weiblichen Ratsuchenden hatten keinen bestimmten Be- russwunsch. Von den Knaben wurden kaufmännische und Lebensmittelberufe am häufigsten, von den Mädchen keine Berufe besonders bevorzugt begehrt. Viele an Ostern 1933 zur Schulentlassung kommende Knaben und Mädchen suchen jetzt schon die Berufsberatung auf, um sich rechtzeitig für passende Lehrstellen vormerken zu lassen. Es wäre zu wünschen, daß die Arbeitgeber in der Lage sein würden, die zu besetzenden Lehrstellen möglichst frühzeitig anzumelden, damit die rechte Auswahl unter den vorhandenen Berufsanwärtern getroffen werden könnte. Verlegenheitsstudenten, die das Studium nicht mehr durchhalten können und vergebens zwei und drei Semester lang auf eine Beamtenanwärterstelle ober Unterkommen bei der Reichswehr gehofft haben, kommen nun zur Beratung und wünschen Berufe, die sie als Abiturient noch abgelehnt haben. Zunächst ist der freiwillige Arbeitsdienst ihre Rettung vor erzwungener Untätigkeit. Treibjagd im Herbst Von Ernst Hölzel. den alten 3en, aber kommen zu heißen... „Eigentlich brauchte ich bei guten Farbenzusammenstellungen, in der oft sehr geschickten Verwendung von Putzmaterial und in der guten handwerklichen Ausführung dokumentierte sich eine sorgfältige Ausbildung, die den Schülerinnen für ihr späteres Leben sehr wertvoll sein kann. Blusen, Kleider, Gesellschafts- und Hauskleider Schürzen, Kinderkleidchen, ganze Kostüme, Jacken, aus dem verschiedensten Material und in verschiedenen Macharten, bewiesen ernsthaftes Bemühen. In den übrigen Kursen wurde nicht weniger strebsame Arbeit geleistet. Besondere Aufmerksamkeit verdiente die Weißnäherei, in der die Schülerinnen die mannigfaltigsten Bekleidungsstücke hergestellt hatten, wie sie für den täglichen Gebrauch nötig sind. Unter» Ihnen nichts mehr hinzusetzen. Doch Ordnung und Klarheit schützen vor Merger und Mißton. Geschossen werden also wie immer Has und Fuchs, Fasan und Schnepfe. Rehe werden selbstverständlich geschont. Leider hat mir vorhin mein Förster eine betrübliche Meldung gemacht. Drüben in Kirchhausen ist vorgestern Treibjagd gewesen. Das ganze Dorf war auf den Beinen, über 40 Schützen sind es gewesen, teils aus dem Dorf, teils Stadtgäste des dicken Pächters aus der Kreisstadt. Nach alter Gewohnheit hat man wieder auf den Rehen, die wir alle mit viel Entsagung nach Kriegsende wieder herangehegt haben, herumgefunkt, daß es eine Schande war. Acht Stücke lagen glücklich auf der Strecke. Darunter war der kapitale Bock aus der Grenzdickung, der natürlich schon abgeroorfen hatte. Den glücklichen' Erleger eines Spießbockes schmückte man sogar mit einem Fichtenbruch. Ferner lagen drei Kitzböcke auf der Strecke, der Rest aber waren führende Ricken, wahrscheinlich auch die brave Ricke darunter aus der .Kreuzschneisendickung', die seit drei Jahren alljährlich drei Kitze führte. Was aber von der Sorte Jäger alles gefehlt, in Wirklichkeit krank geschossen wurde, wissen mir nicht. Jedenfalls führte der „Roland" meines Försters gestern ^rüh seinen Herrn zu einer Ricke, die 300 Meter über meiner Grenze lag und vom Fuchs schon angeschnitten war, und der Rottenmeister der Holzhauer ließ mir sagen, daß in der ,Rehhecke' seit gestern eine schwer kranke Geiß stünde. Das ist dort, wo im Vorjahr nach der gleichen Treibjagd einer der Köter jener Herren einen krank geschossenen Bock bei lebendigem Leib anschnitt. Pfui Teufel! Es ist nicht zu verstehen, daß der Staat etwas derartiges bei uns noch zuläßt, was gegen alle Gesetze der Humanität, des Tierschutzes und auch der Jagdwirtschaft geht. Hier kann nur Aufklärung helfen. Bringen wir alle jene Helden an den Pranger, die den Namen des deutschen Jägers verunehren und verhängen wir den jagdlichen Boykott über sie, Dann wird uns vielleicht auch der Staat einmal helfen. Doch genug davon. Kommt das kranke Stück einem von Ihnen, so gönnen Sie ihm bitte eine rasche, saubere Kugel! ... Und nun freuen wir uns des schonen Sonnentages! Weidmannsheil!" ... „Weidmannsdank!" schallt es zurück... Der Jagdherr führt selbst die eine Hälfte der Gäste auf die Stände, der Forster die andere. Bald kündet das Horn den Beginn des ersten Triebes. Häher rätschen, Amseln zetern, Zeichen, daß die Treibwehr langsam durch bas Stangenholz vor- rückt, immer wieder stehen bleibend, Richtung suchend, indes die derben Stocke an die Bäume klappern. „Bumm" geht es oben, „Harro links" kündet Treiberruf einen Mümmelmann an, und kurz darauf knallt es unten am Hang, und radschlagend macht der Hase dem Schützen fein Kompliment. Es knallt noch hier und dort, und der Trieb naht sich seinem Ende. Da schlägt „Waldmann", der Dackel, giftig an und lauthals jagt er rückwärts. „Fuchs" schießt es dem Jagdherrn blitzschnell durch den Kopf, und schon hört er den Obertreiber „Achtung, Fuchs rückwärts!" Der Jagdherr schmunzelt. Denn dec Rätschend fliegen die Häher, die in den Obstbäumen norm Walde die letzten Zwedschen suchten, dem Waldrand zu. In weiten, federnden Sprüngen fliegt der schnittige Kurzhaar über Sturz und Stoppel. Man sieht chm die Freude darüber an, Hof und Zwinger wieder einmal entronnen zu fein. Es geht ihm ^eich feinem Herrn, der dort, den Drilling über der Schulter den Feldweg entlang schreitet, waldwärts. Die Jägeraugen leuchten, denn kalt war die Nacht, leicht gefroren ist der Boden, an allen Grashalmen aber hängt der Reif, und die Eiskriftalle glitzern diamantengleich im Frühlicht der Sonne, die glutrot hinterm Walde emporsteigt. Ein blanker Tag, der gute Jagd verheißt. Heute ist der Fuchs über der Erde, und der Hase läuft besser, wenn das Fallaub unter den Schritten dec Treiber kracht. Dort an der Waldecke ist Stelldichein. Er hätte es kaum anzugeben brauchen. Denn die heute feine Gäste find, wissen das schon. Alte Freunde sind es, einer kennt den anderen und auch den Wald, dec heute getrieben werden soll. Da tritt auch schon der Förster hinter den Randfichten hervor, den braven Drahthaar, feinen ständigen Begleiter, am Riemen. Er hat die Treiber noch einmal ins Gebet genommen. Es wäre vielleicht nicht nötig gewesen, denn auch sie sind alte Garde, die ihr Handwerk kennt. Jeder von ihnen ist überzeugt, daß die Jagd ohne ihn mißlingen muß. So geht es auch „Waldmann", dem Krummbein, den der Obertreiber dort an der Leine hat, und der seinen Herrn mit freudigem Laut begrüßt. Der liebelt den Hund ab, tauscht mit den alten Treibern Gruß und Handschlag, wechselt hier ein Scherzwort und stellt dort eine Frage, die verrät, daß er auch am Schicksal des einzelnen Anteil nimmt. Dann tritt er mit dem Förster zur Seite, der ihm die neuesten Meldungen aus dem Revier erstattet. Es scheint nicht alles freudiger Art zu sein. Stimmen nahen. Von zwei Seiten kommen sie zu Fuß oder mit Wagen heran, die alten Weidgesellen, der Arzt und der Apotheker aus dem Städtchen, der weißbärtige Müller aus der Mühle im Grunde, der Gutspächter und sein Schwiegervater, der alte Oberst, der immer noch die saubere Flinte schießt, der Bürgermeister des Dorfes, Bauer von Beruf, mit warmem Herzen für Wild und Weidwerk und überall gern gesehen, und schließlich der Nachbar von der Staatsjagd, der Oberförster. Wohlgefällig ruht das Auge des Jagdherrn auf den frischen Zügen des Referendars, den der Forstmann mitbrachte. Das Jagdhorn an der Seite zeigt, «daß der junge Mann alte Jägersitte heilig hält. Autohupen und sonstige Lärminstrumente als Signal'geräte bei der Waldjagd sind dem Jagdherrn, der selbst das Pleß- horn tragt und meistert, ein Greuel. Und auch heute läßt er es sich nicht nehmen, seine Gäste selbst mit Hornruf zu grüßen. Die Treiber sind angetreten, die Jäger haben sich um den Jagdherrn gesammelt, der ehrwürdigen Iagdsilz lüftet, um mit kur- warmen Worten die alten Freunde will- Rückwechsel ist in Vorahnung der Ereignisse richtig besetzt. Unbeweglich wie eine Bildsäule steht dort der alte Weißbart, die Flinte zum Anbacken halb angezogen, nur mit halbem Auge tönhte man sagen, bald rechts bald links das schmale Gestell beobachtend. Immer näher kommt der Hatzlaut des Hundes, ein roter Strich fährt über die Schneise, doch mit Gedankenschnelle flog die Flinte, die alterprobte Iagdgefährtin des Alten, hoch, es knallt, und schon hängt Waldmann in den Jungfichten dem roten Räuber an der Drossel und beutelt ihn ab, als wenn er ihn ganz allein zur Strecke gebracht hätte. Hornruf! Die Schützen sammeln sich an verabredeter Stelle. Drei Hasen sind bereits zur Strecke gelegt, als dec Weißbart seinen Fuchs, eine Iungfähe, als höher zu bewertendes Stück ans Kopfende legt. Mit „Weidmannsheil" überreicht ihm der Jagdherr den Fichtenbruch. Alle Schützen find da. nur der Referendar, der an einem etwas verlorenen Posten stand, fehlt noch. Doch es hat bei ihm geknallt. Da kommt er schon, strahlend über das ganze Gesicht. „Na ja, die Jugend", meint der Iagdherr, denn er hat den Fuchs schon ernannt, den der junge Jäger gern zur Erhöhung der Überraschung verbergen möchte. Der alte Rüde mit den abgeschliffenen Fängen kommt ganz oben hin, und den Forsthut schmückt der grüne Bruch. Weiter geht die Jagd, Trieb reiht sich an Trieb. Die Zahl der Hasen auf dem Wildwagen, wo diese sauber aufgehängt richtig auskühlen, wächst zusehends. Nun kommt eine große Kiefernkultur an die Reihe. „Jetzt, meine Herren, kommen bestimmt Fasanen vor. Aber bitte nur Hähne schießen! Die Hennen schießt der Herr Nachbar da drüben. Wollten wir es auch so machen, wäre es mit der Herrlichkeit bald zu Ende!" ... Das Treiben hat kaum begonnen, da wird der erste Hahn vor dem Dackel schon hoch, laut gockend, kommt in Fahrt und in der Herbstsonne glitzernd und funkelt gleitet er über die Kiefern fast haushoch dahin. Da knallt es, Federn wirbeln, und schräg ab sinkt dec stolze Vogel jenseits des Standes des Jagdherrn zu Boden. Dumpf klingt es im Aufschlag: „Apport!" Schon ist der Kurzhaarige in der Buchenverjüngung verschwunden, und bald sitzt er, den Hahn im Fang, stolz vor feinem Herrn. „Tiro. Hahn!" oder „Achtung, Henne!" rufen die Treiber, es knallt noch hier und dort, und als der Trieb zu Ende ging, lagen neben vier Löffelmännern sieben Hähne auf dec Strecke. „Wo bleibt denn der Forster?" fragt dec Jagdherr. Der Nachbarschütze hatte ihn schießen und dann den Hund mit heftigem Hatzruf schnallen sehen. Weiter wußte er nichts. Doch dort kommt er schon, und stolz trägt der stramme Drahthaar einen starken Kater im Fang. „Endlich habe ich ihn", meldete dec Forstmann dem Iagdherrn. „Noch jedesmal ist mir der Kerl entwischt. Sehen Sie ihn an, ein Dorfkater, aber stark wie ein Wildkuder. Schon über ein Jahr treibt er sich draußen herum. Alle möglichen Katzen gingen mir hier mitten im Wald fernab jeder menschlichen Wohnung in die Kastenfalle, aber er nie. Junghasen, Fasanen und Kitze sind ihm gut bekommen, von Singvögeln gar nicht zu reden." — Die „Rehhecke" ist erreicht, von der der Iagdherr beim Stelldichein sprach. Hier soll die angebleite Ricke stehen. Auf der Schneise, da wo Jungholz und Buchonaltholz aneinanderstoßen, hat der Iagdherr seinen Stand. Das Treiben ist im Gang. Vor ihm im Bestand tappte es schwer im Fallaub, dann stand es still. Treiberruf kommt näher, das Tappen setzt wieder ein, er hort ein Stück ziehen. Jetzt tritt es auf die Schneise. Der rechte Vorderlauf schlenkert, der Kopf wird tief getragen. Es ist die kranke Ricke. Noch ein paar Schritte muß sie tun, damit der Schuß den Nachbar nicht gefährdet. Mühsam humpelt das Stück über den kleinen Graben. Längst ist der Drilling auf Kugel gestellt, und im Schuß sackt die Geiß quallos zusammen. Der Trieb ist vorbei. Der Iagdherr tritt an das Stück heran. Ekel würgt ihn und ein bitterer Geschmack tritt auf die Zunge. Lauf zerschossen, Schrote auf Blatt und Hals, sicherlich auch in der Lunge, das rechte Licht ausgefchos- fen, und das Gesäuge voll Milch — mutterlose Kitze! „Schinder", knirscht der Weidmann zwischen den Zähnen. Er ist dankbar dafür, daß er die Qual des Stückes abkürzen konnte. Mm sonnigen Hang wird gerastet. Jagen macht Hunger; alle sind zufrieden, denn jeder kam zu Schuß. Mud) die Treiber weichen gelobt, und dann schmeckt ihnen der „Korn", den ihnen der Iagdherr stiftet, zu Brot und Hausgöschlachtetem noch einmal so gut. — Mls die Sonne sinkt, ist die Jagd vorbei. Am Waldrand auf sauberem Moos wird Strecke gelegt, wie das Weidmannsbrauch erheischt. Sauber liegen die Hasen in einer Reihe, jeder zehnte etwas vorgezogen. Fuchs, Fasan und Reh schließen sich zum rechten Flügel hin an. Die Treiber sind in einer Reihe angetreten, wie es sich für alte Soldaten geziemt. Den Jagdherrn trennt die Strecke von seinen Gästen, die ihm gegenüber Mitteilung nahmen. „Die Jagd ist zu Ende. Zur Strecke kamen ein Reh, zehn Fasanenhähne, drei Füllte und 39 Hasen, sowie ein Kater. Nun herrscht dort, wo wir heute jagten, wieder ,Hahn in Ruh', damit wir alle hoffentlich im nächsten Jahr wieder in gleicher Weiss zusammen weidwerken können. Für Ihre Unterstützung, Ihnen, meine Herren Gäste, herzlichen Weidmannsdank und für bevorstehende Jagden Weidmannsheil!" „Weidmannsdank!" Und dann Verblasen Iagdherr, Forster und Referendar die Strecke. Das läßt sich der alte Weidmann nicht nehmen. „Reh tot", „Federwild tot", „Fuchs tot" und „Has tot" künden die Horner, „Halali" und „Jagd vorbei" bilden den Beschluß. Mit Dank scheiden die Gäste. Dem Förster aber reicht der Iagdherr die Hand und drückt ihm seinen Dank aus für den Eifer, mit dem er sich für den Schutz des Reviers eingesetzt hat und dec solche Jagden ermöglicht. Dann schreitet er mit seinem treuen „Treff" dem Dorfe zu. Guten Mnblitf hat er heute gehabt, es war eine Mrt Musterung für ihn. Entsagung und Hege haben sich wie immer gelohnt. wäsche, Damen- und Herrenhemden, Schlafanzüge, Bettwäsche, Decken usw. sah man in guter Ausfüh» rung, und wenn auch nicht jede Mrbeit schon eia Meisterstück mar, so doch ein Zeugnis guten Wittens, das nach Maßgabe der Geschicklichkeit der jugendlichen Verfertigern alle Ehre machte. Reizvolle Mrbeiten wurden im Kursus für Stickerei her- gestellt und unter Mnwendung selbst schwieriger Techniken manches schöne Zierstück (Tischdecke Kissen, Stickereien an Blusen und Kleidern) geschaffen. Die Musftellung bewies, daß die Alice-Schule mit ihrem Mrbeitsplan den richtigen Weg geht und ihren Schülerinnen wertvollstes praktisches Können mitzugeben vermag. S.Jl.-'Sport Oie Koblenzer Schwimmer mit 12:2 Punffcn geschlagen. Der Gießener Schwimmverein empfing gestern die Mannschaften des Koblenzer Schwimmvereins „Poseidon" au einem Klubwettkampf, der die Gießener überlegen siegreich sah. Sämtliche Schwimmwettbewerbe konnten die Gießener gewinnen. Lediglich das Wasserballspiel konnten die Gäste mit 11:2 Toren für sich entscheiden. Wir berichten noch über die Veranstaltung. Oie Punktekämpfe am Main. VfB. Friedberg — Eintracht 1:1 (!). Dieser Sonntag brachte bei den Meisterschafts- kämpfen der Gruppe Main wieder eine Bombenüberraschung. Eintracht Frankfurt konnte bei dem Neuling VfB. Friedberg nur ein l:l-Unentschieden herausholen. Dadurch hat der Fußballsportverein, der Union Niederrad deutlich mit 4:0 hinter sich ließ, nunmehr einen Vorsprung von zwei Punkten, den aufzuholen der Eintracht sehr schwer fallen dürfte. Einen hohen Sieg feierten die Offenbacher Kickers gegen die Sportfreunde Frankfurt. Mit 6:0 wurde der Neuling auf eigenem Platze geschlagen. Hanau 93 hat sich durch seine 2.4-Heimniederlage gegen Neu-Isenburg in eine sehr böse Lage gebracht. Der Abstieg der Hanauer ist kaum mehr abzu- wcnden. In Bieber gab es einen 2:1-Sieg der Germanen über Rotweiß Frankfurt. Fußball in Hessen Hannover. Die Spiele des Sonntags litten sehr unter dem regnerischen Wetter. Der Tabellenführer, Borussia Fulda, fertigte auf eigenem Platze Iura Kassel sicher mit 5:0 ab. SC. 03 Kassel schlug Hermannia knapp mit 5:4 Toren, Spieloerein Kassel bezwang die Marburger Germanen mit 2 Elfmeterbällen 2:0, während Kurhesjen Marburg und Hessen Hersfeld sich unentschieden 2:2 trennten. Die Tabelle, die durch die Ergebnisse nicht wesentlich geändert wird, wird nach wie vor von Borussia Fulda mit 14:0 Punkten angeführt, vor Kurhessen Kassel mit 10:2 und SC. 03 Kassel mit 8:4 Punkten. Westdeutschland — Ostholland 4:1. In 2lpel,doorn kam am Sonntag ber traditionelle Fußoall-Länderkampf zwischen Ostholland und Westdeutschland zum Austrag. Den 10 000 Zuschauern stellten sich zwei Mannschaften, die zwar nicht die besten Vertretungen ihrer Verbände waren, die aber trotz des strömenden Regens ein recht gutes Spiel lieferten. Der Sieg der Westdeutschen war mit 4:1 (1:1) verdient. Anfänglich haperte es allerdings etwas mit dem Zusammenspiel der „Grün-Weißen", auch einige Umstellungen änderten daran nichts. Die Holländer konnten sogar durch einen haltbaren Dall von Koopman die Führung an sich reißen. Der Mittelstürmer der Gäste, Hutter (Bonn), sorgte allerdings bald für den Ausgleich. Rach der Pau'e klappte es bei den Westdeutschen belfer. Eie spielten jetzt auch überlegen unö kamen durch Tore von Schreiber (Weiderich), Stadler (Bonn) und Wigold (Düsseldorf) zum verdienten Sieg. Kurze Sportnotizen. Norwegi-scher Fußballmeister wurde Fredrikstad durch einen 6:l»Sieg über den Titelverteidiger Dem Horten. Arthur Iona 1 h konnte in Paris beim Jean- Bouin-Sportfest den Holländer Berger über 100 Meter schlagen, unterlag dagegen über 200 Meter dem Holländer knapp. Beim DFD. - Vundestag in Wies- baden wurde anstelle von Dr. S ch r i ck e r der bisherige süddeutsche Schatzmeister Dr. W. Raß - b a ch (Wiesbaden) zum dritten Vorsitzenden gewählt. Im klebrigen fand der Vundesvorstand Wiederwahl. In der Frage des Verufsfpieler- tums wurde der Vundesvorstand ermächtigt, alsbald die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um diese Frage endgültig zu regeln * Walter Sawall siegte im Pariser Winter- oelodrom im Steherrennen vor den Franzosen Crassin, Maröchal und Raynaud- * I n Paris erzielte der Berliner Schlittschuh- Club im Eishockeykampf gegen Racing Club de France Paris ein Unentschieden von 2:2. * Rausch/Hürtgen gewannen in Brüssel ein Dreistunden - Mannschaftsrennen gegen die besten belgischen Mannschaften. Als ein wirklicher Weltmeister erwies sich der Kölner Radweltmeister der Amateur-Flieger Albert R i ch t e r am Freitag in Köln bei seinem ersten Start als Berufsfahrer. Er schlug die getarnte internationale Klasse, darunter auch den Weltmeister der Berufsfahrer, den Belgier Scherens. Ernst P i st u l l a , der ehemalige Europameister im Halbschwergewichtsboxen, wurde in Hamburg von Stich-Hagen in der dritten Runde k. o. geschlagen. Pistullas Boxerlaufbahn, die er nach seiner schweren Erkrankung am besten gar nicht mehr ausgenommen hätte, dürfte damit endgültig abgeschlos- fen sein. DfB. -19001:1 (1:0) Kampf vor 1500 Zuschauem. — Eine harte Elfmeterentscheidung. Rach langer Zeit trafen sich die beiden ersten Mannschaften der hiesigen Vereine im Verbandsspiel. Mit großer Spannung sah man dem Lokalderby entgegen. Unentschieden endete das Spiel. Das Ergebnis ist nicht gerecht. VfB. hätte das Spiel gewinnen müssen. Eine harte Elfmeterentscheidung gab den Ausschlag zum Unentschieden. So teilt man sich nun in die Punkte. 1500 Menschen wurden Zeuge eines spannenden Kampfes. Teils gingen die Wogen der Erregung sehr hoch. Zu ernsteren Zwischenfällen kam es aber nicht und man trennte sich allseits in Frieden. Mit dem Schiedsrichter gab es eine kleine Auseinandersetzung, der aber keiyerlei Bedeutung zuzumessen war. Das endet meist harmlos. Freilich, so ganz verwinden kann die VfB.-Mannschaft die etwas fragwürdige Elfmeterentscheidung nicht. Einige Entscheidungen des Schiedsrichters Win- gen.feld (Fulda) waren anfechtbar. Tie Mannschaften traten in der gemeldeten Aufstellung an. Lediglich im Sturm des VfB. stand für Sauer der kleine Schmidt auf Rechtsaußen. (Man hatte ihn nicht entbehren können.) Allerdings kam er zu spät und die VfDer mußten einige Zeit mit zehn Monn spielen. Oer Spielverlauf. Der Kampf wurde von Anfang an nicht hart, aber mit aller Energie geführt. Die VfDer fanden sich schneller, lagen bald einige Male gefährlich vor dem Tor des Gegners. Zwei Torschüsse wurden von Schlarb gehalten. Dann rückte 1900 auf. Balser muhte zweimal eingreifen. Die Grünweihen gerieten nun in große Fahrt. Vor dem 1900er Tor wurde es brenzlich. Die Verteidigung Zeiler-Luft muhte schwer arbeiten. Ritter schoß scharf auf Schlarb. Schmidt schoh von Rechtsauhen ebenso scharf an die Latte. In sauberer Kombination arbeiteten die Grün-Weihen zusammen. Die Blau-Weihen kamen einige Male zu gefährlichen Durchbrüchen, konnten sich aber nie ganz durchsetzen. Balser bekam in der 16. Minute einen sehr gefährlichen, halbhohen Dall. 4 Minuten später fiel das erste und einzige Tor für VfB. Ritter, Haupt und Wilhelm arbeiteten in vorbildlicher Kombination zusammen. Wilhelm köpfte entschlossen ein. (Lebh. Beifall!) VfB. blieb tonangebend. Zeitweise waren die Grün-Weihen drückend überlegen. Der Sturm lieh aber den letzten Einsatz vermissen. Haupt schoh zweimal daneben. Ecken für VfB. wie für 1900 brachten nichts ein. Es ging auf das Ende der ersten Halbzeit zu. Die Blau-Weihen bemühten sich energisch um den Ausgleich. Vergeblich! Die Verteidigung des Plahbesitzers (Bin- gel-Leutheuser) war unüberwindlich. In unvermindertem Tempo wurde nach der Pause das Spiel fortgeführt. 1900 drängte zunächst sehr, aber vorläufig noch immer ohne jede Aussicht auf Erfolg. Die Grünweihen hatten etwas nachgelassen. Der Sturm verlor etwas an Zusammenhang. Chancen wurden vergeben. Der Dall ging an die Latte oder ins Aus. Der Schiedsrichter übersah verschiedentlich glattes Handspiel. Dadurch kam von außerhalb der Darriere etwas Unruhe in das Spiel. Dann kam Schmidt plötzlich vor das Tor, Schlarb lief aus dem Kasten, verfehlte den Ball, aber nun sah sich der Angreifer drei Mann gegenüber. Die Gefahr wurde abgewandt. Roch manche Chance ging für VfB. auf ähnliche Weise verloren, da der Sturm nie genügend aufrückte. In der 30. Minute rettete die Latte für VfB. Unmittelbar danach muhte Balser sein Können beweisen. In der 35. Minute fiel der Ausgleich. Leutheuser kam mit Iäckel in Konflikt. Der Schiedsrichter gab Elfmeter für 1900. Arnold trat zum Schuh an. Balser stand nervös im Tor. Der Ball ging knapp neben den Mann. Balser war der Situation nicht ganz gewachsen, sonst Hütte er den Ball halten müssen. Die Mannschaften setzten nun zum Endspurt ein — das Publikum versuchte die Entscheidung zu unterstützen. Der Schiedsrichter machte (anscheinend im Bewußtsein seiner etwas harten Elfmeter-Entscheidung) den DfBern einige Konzessionen. Am Ergebnis änderte sich aber nichts mehr. Ritter vergab noch eine Chance. Balser muhte auch noch einige Male eingreifen. Das Spiel litt sehr unter den schlechten Bodenverhältnissen. Der glatte Boden verhinderte klare Kombinationsarbeit. Kritik der Mannschaften. Die D f B e r waren unzweifelhaft besser und hätten einen knappen Sieg verdient. Zur Halbzeit mußten sie eigentlich auf Grund ihres überlegenen Spieles mit 2:0 führen. Man sah gerade in der ersten Halbzeit bei den Grünweißen sehr gute Kombinationsarbeit. Der Sturm ließ es aber an der nötigen Durchschlagskraft fehlen. Die Verteidigung war der beste Mannschaftsteil. Die Läuferreihe war gut. Der Mittelläufer Kreß überraschte nach der angenehmsten Seite. Balser im Tor war zuverlässig. Bei der Spielvereinigung fehlte es insgesamt an der ZusammenarMit. Es wurde reichlich zerfahren gespielt. Heilmann als Mittelläufer, einer der Besten in der Mannschaft, bemühte sich verzweiselt um einen geordneten Spielaufbau. Man hat die Blauweihen schon weitaus besser gesehen. Der Sturm war sehr schwach. In der Verteidigung gefiel Luft wieder sehr gut. Schlarb im Tor war einigemale nicht sehr bestimmt in seinem Handeln, füllte aber seinen Posten doch aus. Der Schiedsrichter hatte keinen schweren Stand, denn die Mannschaften spielten, von einigen kleinen Zwischenfällen abgesehen, sehr fair. weitere Fußballergebniste der Spieloereinigung. 1900 II — Wetzlarer Sportfreunde I 4:1; IV — Dutenhofen II 3:1: AI-3ugenö —Lich AI-Iugend 20:0 (!); All — AI Watzenborn- Steinberg 2:0; 6-Iugend — Klein-Linden Iu- gend 1:3; 1900 1. Schüler — Lollar 1. Schüler 0:4; 2. Schüler — VfB. 1. Schüler 1:0. Wirtschaft. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Die Getreidebörse verkehrte in der verflossenen Woche in ausgesprochen matter Tendenz und lieh fast jegliche GAchäftstätigkeit vermissen. Das Angebot hielt sich in relativ engen Grenzen, zumal die Landwirtschaft durch dringende Feld, arbeiten an einer größeren Derkaufstätigkeit stark gehindert ist. Die ungünstige Preisgestaltung cheint ihre Ursache im Versagen der Rachfrage- eite zu haben. Die Beendigung der Pflichteinlagerungskäufe und die Tatsache, daß die Mühlen, da sie nun einmal Pflichtläger in Weizen haben, ihre freiwilligen Läger nach Möglichkeit einschränken und nur das an Getreide einkaufen, was' sie an Mehl laufend absetzen können, dürfte am meisten maßgebend gewesen fein. Der Mehl- absah war aber trotz ermäßigter Forderungen weiterhin sehr schleppend, wobei die geringe Kaufkraft des Publikums stark mitgesprochen haben dürfte. Die Mühlen halten offenbar auch deshalb im Einkauf zurück, da sie mit zunehmendem Angebotsdruck rechnen. Am Weizenmarkt beschränkte sich das Geschäft nur auf die Deckung des notwendigsten Bedarfs. Der Preis ging um 3 Mark auf 212,50 bis 213 Mark je Tonne zurück. Der Roggenmarkt lag vollkommen vernachlässigt und ausgesprochen schwach, zumal die halbstaatliche Stelle nur in dem Umfange Ware aufnimmt, in dem sie ihren Eosinroggen abseht. Mit 163 Mark Brief für die Tonne erlitt Roggen eine Einbuße von 5 Mark. Der Gerste- und Hafermarkt hatte zwar nur wenig Geschäft, aber unveränderte Preise. Bei letzterem dürfte die Aufkaufaktion in Bayern preisstühend gewirkt haben. Gerste 180 bis 190, Hafer 142,50 bis 147,50 Mark. Am Mehlm arkt gingen die Preise sowohl für Weizen- als auch für Roggenmehl um je 0,50 Mark zurück. Der Absatz blieb schleppend. Weizenmehl, südd., 31 bis 32,45, dasselbe, nieder- rhein., 31 bis 32,20, Roggenmehl, 60proz. Ausmahlung, 23,75 bis 25 Mark je 100 Kilo ab Frankfurt a. M. Futtermittel lagen allgemein sehr ruhig und schwächer. Kraftfuttermittel lagen etwas stetiger. Weizenkleie 7,75, Roggenkleie 7,90, Treber 11 bis 11,25, Sojaschrot 10,75 bis 11, Erdnuß- kuchen 12,50 Mark. Kartoffeln tendierten ruhig bei leicht anziehenden Preisen. Industrie hiesiger Gegend 1,90 Mark per 50 Kilo bei Waggonbezug ab Frankfurt a. M. ♦ D i e Indexziffer der Großhandelspreise. Die vom Statistischen Reichsamt für den 12. Oktober berechnete Großhandelsindexziffer ist mit 94,6 gegenüber der Vorwoche um 0,2 v. H. gesunken. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrar- stoffe 88,4 (minus 0,1 o. H.), Kolonialwaren 83,6 (minus 0,7 o. H ), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 88,5 (minus 0,3 o. H. und industrielle Fertigwaren 114,8 (unverändert). Für Produktionsmittel beträgt der Index 116,9 (unverändert), für Konsumgüter 113,2 (minus 0,1 v. H.). * H. Fuchs, WaggonfabrikAG. .Heide l be r g. Die H. Fuchs Waggonfabrik AG. Heidelberg, bleibt, wie mitgeteilt wird, für das mit dem 30. Iuni 1932 beendete Geschäftsjahr dividen- Denlos (i.D. wurden aus einem Gewinn von 43 056 Mark 40 000 Mark der Reserve zugeführt, der Rest vorgetragen). * Aus dem Aku-Konzern. Wie die Verwaltung der Allgemeinen Kunstzijde Unie (Aku) mitteilt, hat sich die Geschäftslage in der letzten Zeit weiter gebessert, die Produktionseinschränkungen müßten jedoch zunächst noch bestehen bleiben. Der Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt habe eine Minderung nicht erfahren. Man hoffe jedoch, unter den europäischen Produzenten zu einer Verständigung zu gelangen. * Metallgesellschaft A G., Frankfurt a. M. Nach mehrmonatigem Stilliegen hat die im Besitz der Metallgesellschaft befindliche Hans-Heinrich- Hütte in Langelsheim (Braunschweig) den Betrieb wieder ausgenommen. Die Stillegung wurde seinerzeit Dorgenommen, um ein übermäßiges Anwachsen des Vorratsbestandes zu vermeiden. Die Hütte, bw der gegenwärtig rund 100 Arbeiter beschäftigt werden (normale Belegschaft rund 400 Mann), wird vorausaussichtlich zum mindesten den Winter über in Betrieb bleiben. * Norddeutscher Lloyd, Bremen. Zu Gerüchten über Dezentralisationsbestrebungen hn Betriebe des Norddeutschen Lloyd wird dem WTB.- Handelsdienst von Verwaltungsseite mitgeteilt, daß zwar über eine Neuregelung der Betriebsverhältnisse in den Tochtergesellschaften interne Verhandlungen ftattfirtöen -daß jedoch irgendwelche Beschlüsse hinsichtlich einer Neuorganisation für die nächste Zeit nicht zu erwarten sind. Die Kombinationen hinsichtlich einer Aenderung des Union-Verhältnisses zur Hapag entbehren jeher Grundlage. Frankfurter Buttermarkt. Frankfurt a. M., 15. Okt. Am Buttermarkt blieb das Geschäft trotz sehr geringer Zufuhren sowohl von In- als auch vom Auslande sehr klein und beschränkte sich nur auf die Deckung deS notwendigsten Bedarfs. Die bessere Qualität für deutsche Butter gestaltete für diese den Absatz jedoch etwas besser. Die Preise erfuhren indessen keine nennenswerte Veränderung. Die Verkaufspreise des Großhandels lauten (in 1 Ztr.-Tonnen): holländische Butter 124 bis 128, deutsche Butter 120 bis 125 Mark. h Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M, 15. Okt. Infolge der knappen Zukuhren haben die Preise eine weitere Erhöhung erfahren. Deutsche Eier waren besonders knapp angeboten und um über 1 Pf. per Stück höher. Der Absatz war zunächst sehr ruhig, formte sich aber gegen das Wochenende etwas beleben, weil jeder noch möglichst billig einkaufcn möchte. Auch in Kühlhauseiern, die in dieser Woche erstmals zum Verkauf gestellt wurden, entwickelte sich befriedigendes Geschäft. Die Belastung, die in früheren Iahren Kühleier auf den Markt ausübten, dürfte in dieser Kampagne infolge der nur geringen Einlegung Wegfällen. ES- notierten in Pf. per Stück ab loco Frankfurt am Main: Bulgaren 8,25 bis 8,75, Iugoslawen 8,25 bis 8,75, Rumänen 7,25 bis 8, Russen 7 bis 7,75, Polen 6,50 bis 8, Holländer 8,50 bis 11. Flandern 9,75 bis 10, Bayern 9,50 bis 10, deutsche Frischeier 11 bis 13,50. Kühlhauseier: Holländer 8 bis 8,50, Bulgaren 7,50, Rumänen und Iugoslawen je 7. In- und ausländische Mittelund Schmuheier 6,50 bis 7/ Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. D). Berlin Schluß, furd Schlußk. Abend« bSrse Schluß« fürs Schlußk. Mittag« börsc Datum 14.10. 15.10. 14-10. 15-10. 6% Dcutiche RclchSanlethe v.lSL. 6% ehcm.7%Dt.Retchranl.v.1sr9 „ 73 — 73,13 73 86.5 — 87,5 90 b%% Dvung-Anlethc von 1930 . Deutsche Anl.-Ablüs^Schuld mit 72 71,5 72 71,75 Auslos.-Rechlen....... 48,13 47,4 48 47,4 Desgl. ohne Auülos.-Rechte . . C% ebfm 8%.0cf|. «oltaftaat 1929 (rüdxafjU). 102%)...... Obcrhessen Provinz-Anleihe mit 6,75 6,7 6,75 6,7 68 63,5 68.4 68,65 AuSIos.-Rechten...... Dcutiche Komm. Gammclabl. “'5 68,65 — •— Anleihe Serie 1...... 6% ehem. 8% jyranlf. Hyp.-Bani 50,9 75,25 — 51,25 —- Boldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6% chcm. 7% Franks. Hyp.-Bank 75,5 — — Golbpke 16 unkündbar bis 1938 6y,% chem. 4'/,% Frankf.Hyp.- Bank Ltqu. Ptandbricle . . . 75 — — — 79,9 79,9 — — 6)':% ehem. V/*% Rbcintiche Hov.-Bank-Ltqu-Goldpsc. . . 6% ehem. 8% Pr. LandeSpiand- 79,9 79,9 — — brtcianstal! Pfandbriefe R. 19 •% ehem. 7% Br. Landespfand. bricfanflalt, Pfandbriefe R. 10 73 73 73 73 73 73 — - 4% Oesterreichllche Goldrcnl« . 4,20% Oesterreichische Sllderrentc 10,25 1,05 10,25 1,15 10,8 1,05 4% Uugarijchr Goldrcnlc .... 6,75 6,65 6.85 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 6,5 6,75 6.9 6.85 4*4% deSgi. von 1913..... — 6,8 6.8 5% abgcst. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanletdc von 1911 6,75 3,5 6,75 3,5 6,75 3,45 3,45 4% Türkische Bagbadbahn-Anleihe Serie 1........... — 3,6 3,5 3,5 4% bei'fll. Serie H....... 3,5 4,7 3,4 4,55 3.4 4.75 6% Rumün. vercinh. Rente v. 1903 4,5 4^%Rumün.verrtnh.Reniev.i912 7,6 7,75 8 Rumänische vereinh. Rente . »Ä% 1. Änatoll«....... 4,13 4,2 18,25 4,2 16,25 4.3 . 18,25 Frankfurt a.M. Berlin Schluß« hird Schlußk. Abend« börse Echluß« kurS Schluß!. Mittag« börle Datum 14.10. 15.10. 14.10. 15.10. Vamburg-AmeMa Pare^ . . . 0 17,13 17,9 17.13 17,65 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 28,5 Hansa Dampfschiff .... . 0 — 28.5 28,25 Norddeutscher Llopd .... . 0 17,5 18 17,13 18.13 91.®. füt Berkehrrwesen ent. . 0 42 41,75 42,5 Berliner Handelsgesellschaft . 4 90 90,5 90 91,5 Commerz, und Privai-Bcmk . 0 53,5 53,5 53,5 53,5 Darmstädter und Nationalbanl Deutsche Bank und 0 DtSconto-Besellschast. . . 0 75 75 75 75 Dresdner Bank...... 0 61,75 61.75 61,75 61,75 ReichSbauk........ i: 124,5 125,25 123,5 125,75 9I.e.®........... . 0 34,1 34,75 34 34,13 20,75 Bergmann........ . 0 20,75 Elekir. Lieserungsgesellschast. 5 67,5 67,5 — 68,5 Licht und Kraft...... 6 86.5 87.5 86.5 87.5 gelten & Guilleaume.... Gesellschaft für Elektrische 0 57 58 57,75 57,25 Unternehmungen .... 4 71,25 72 71,13 72,13 Rheinische Elektrizität . . . 62' 73 73,75 73 73,75 Schuckert L Eo....... 0 71 73.5 71.75 73 Siemens & Halske..... 9 117 117,2j 118 117,5 Lahmeycr & Eo....... 10 119 119,5 119 120,5 Buderus .... . 4 40,5 40,9 40.5 41 Deutsche Grdbl...... . 5 72,5 72,75 72,65 Gelsenkirchener...... . 8 38.5 40 39 39,75 Harixmer......... Hoejch Eisen........ Alse Bergbau....... . 0 . 6 10 74.5 75 73,5 38 124 98,75 34 52,9 74,75 38,5 123,25 98,5 34,25 53 Ilse Bergbau Genüsse . . . RlödncnDcrte..... . ' 6 98,13 34 53 99,25 34 53,9 Mannesmann-Rühren ... . 6 ManSselder Bergdan .... . C 20,5 21 20,75 Oberschles. Koks werke ... . 8 38.75 27.5 166 Phonrr Bergbau...... 4'. 27,5 167 28,25 168.25 28 167,5 riihemische-Brannkohten. . . 10 R hench ahl . ....... • <1 67.5 68,25 67.75 68 Frankfurt a. M. Äerlin Schluß» hird Schlußk. Abendbörse Schluß« furd Schlußk. Mittag» börse Datum 14.10. 15.10. 14.10. 15.10. Riebeck Montan . . . — — — Bereinigte Stahlwerke Otavt Minen .... . 0 — 24 22.9 23 J5 0 17 17,25 17 17 Kaliwerke Ajcherlleben 6 104,5 103 103 105 Kaliwerke Westeregeln Kaliwerke Salzdetfurth 6 108,75 109,5 108,75 109.5 • • • S 164 164 165 166 I. ®. Farben-Industrle 7 95 95,25 94,25 95,5 Echeideanslalt.... 10 139,5 139,25 —— — Goldschmidt..... e ■ e . 0 26,5 27,25 26,5 27,5 Rütgcröwerke .... . 0 41,5 41,5 41,25 41.5 Metällgcsellschast. . . . 0 35,75 35,5 36 Philipp Hohmann . . Zementwerk Heidelberg . Oi 57,5 57.5 58 58 e • i. . 4 49,75 50 - - Zementwerk Karlstadt. . o 52,25 - WaytzL Freytag . . . u 5,6 4,5 — - Schultheis Patzenhoser . . . Aku «Allgemeine Kunstseide) 0 0 56,5 58.5 56,25 56.65 56 58,13 Bcmberg...... 0 54,25 56,5 55,5 56.75 Zellstoss Waldhof . . 0 44,75 45.25 44,75 45.4 Hellstoss Aschasfenbmg e . 0 31 30,5 31 29,25 Dessauer Gas .... Daimler Motoren . . - . 7 — 89,75 90.25 . 0 20,5 21,4 20,5 21 Dcutiche Linoleum . . 0 46,25 45,75 45,9 46,5 Orenstcin & koppel . - - . 0 — 35 34,75 Leonhard Dietz . . . 47 47,5 47,75 47,25 Svenska...... . 0 — — Chade ....... 12 170 170 170 171 frankfurter Maschinen _ _ _ _ Grikner...... . 0 1 27,75 27.5 27,75 27,25 Mainkraslwerke Höchst >.M . 4 54,5 55 «uddemsch« Ziuler . • e . • o 128,5 128 — 127,5 Banknoten. Deoi enmartt Berlin — Frankfurt a. M. 14.Oktober 15-Oktober Amtliche Dotierung Amtliche Rotierung Geld Arie, Geld »riet Helstngsorö . 6,254 6,266 6,254 6.266 Wien. . . . 51,95 52,05 51,95 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest. . — — —— Sofia ... 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 169,33 169,67 169,38 169,72 £#lo .... 72,88 73,02 72,83 72,97 Kopenhagen. 75,12 75,28 75,12 75,28 Stockholm 74,43 74,57 74,43 74,57 London. . . 14,485 14,525 14,485 14,525 Buenos Aires 0,890 0,894 0,890 0,894 Neuvork . . 4.209 4,217 4.209 4,217 Brüssel. . . 58,44 58,56 58.45 58,57 Italien. . . 21,55 21,59 21,55 21,59 Paris . . . 16,505 16,545 16,51 16,55 Schweiz . . 81,19 81,35 81,22 81,38 Spanien . . 34,47 34,53 34,47 34,53 Danzig. . . 81,92 82,08 81,92 82.08 Japan . . . 0,989 0,991 0.989 0,991 Rio dc Jan.. 0.294 0,296 0 294 0,296 Iugoflawten. 5.894 5,906 5.794 5,806 Lissabon . . 13,19 13,21 13,19 13,21 Serkin, 15. Oktober Geik Sries - Amerikanische Roten....... Belgische Roten......... Tonische Roten......... Englische Noten ......... üronzösischc Roten........ 4,20 58,29 74,90 14,445 16,47 169,01 21,51 72,65 2,44 74,25 81,04 34,33 4,22 58,53 75,20 14,505 16,53 169,69 21,59 72,95 2,46 74,55 81,36 34,47 Italienische Noten ....... Norwegische Roten........ Deutsch.Oesterreich, i 100 Lchvltng Rumänische Roten........ Schwedische Noten........ Schweizer Noten......... Spanische Noten......... Ungarische Äotex........ m. 2 Vell< Heimat Dloiifl1 ■ Dl)nV Zufalls Auch D von eM- infolge jtrtfi un1-rS<-" Anschnst richt-"-1 pol Sie Hitler Kob" oieW Diedemk München die Pro Teilen dc Hemden ei fand am auf tzch meister $ Dietrich stellung tci finger von fer tDUtbt begrüßt zehn 2a bürg teil Festalt br Die Kund mittag toi auf. Oluf einer Plc kündet Hitler' in der e zehn Jak wachsen Aus den Bewegun machen. 1 die Gegr griffen. L kampf he wurde dc 1922 hat zum erst« Großstadt zuwenden, brachiai (fetale & gehöre nie glaubten, s sähen. In die Tewe davvngetr Leute fläi gewaltige lion Part sche. 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