Kr.2(9 Kvühaussade (82. Jahrgang Samstag, ,.Z. September (952 Erscheint täglich, außer Sonntag» und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle monatS'Bejagsprets: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. $ern|pred)anfd)lüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: $ranffurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrilck «nd Verlag: vrühl'sche Univer^lüts-Vuch« und Steinöruderei R. Lange in Stehen. Schnftleitung und Seschästsstelle: 5chulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspsennig, Platzvorschrist 20% mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich in Biegen. Oer europäische Kunde. Don Prof. Dr. Hermann Levy, Berlin. In der ganzen Nachkriegszeit, besonders aber in den Zeiten der sogenannten „prosperity“ von 1925/29, hat man in den USA. den amerikanischen Beziehungen zur europäischen Wirtschaft eine, fast möchte man sagen, sekundäre Beachtung geschenkt. Der Blick war auf das Eindringen der Union in andre und zwar nicht- europäische Uebersee Märkte gerichtet, man wollte sich in Südamerika, in Indien, Südafrika, vor allem aber auch im Fernen Osten, in Japan und China festsetzen und dort den Europäern den Rang streitig machen. Das Geschäst mit Europc^ wurde von den Amerikanern eigentlich als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, die sich von selbst weiterentwickelte, dagegen wurde jeder Erfolg auf den andern Gebieten als besonderer Sieg amerikanischer Ausfuhren gepriesen, eine Ausfuhr, die bekanntlich reichlich mit amerikanischem Gelbe und Golde gepeppclt worden war, — denn die Anleihen, welche die Union in der ersten Nachkriegszeit jenen, nicht-europäischen Ländern gewährt hatte, sollten dazu dienen, diese Länder den Wünschen der Amerikaner nach Konzessionen, Monopolen, Staatsaufträgen usw. gefügiger zu machen. Jetzt in der Zeit verschärfter Krisis sängt man in der Union an, die Verteilung des amerikanischen Welthandels van etwas andern Gesichtspunkten aus zu betrachten.» Die Aktivität der amerikanisä-en Handelsbilanz ist erheblich zurückgegangen, von 841 Millionen Dollars im Jahre 1929 auf 369 Millionen im Jahre 1931. Man muß sich jetzt in der Union überlegen, welchen internationalen Wirtschaftsgebieten die meiste Beachtung zu schenken ist, wenn man den Ausfuhrüberschuß wieder steigern will, und da hat sich die erstaunliche Tatsache ergeben, daß wirklich bedeutsame Gebiete, mit denen der Handel der Union aktiv ist, die also für die USA. a l s Ausfuhrüberschußgebicte in Frage kommen, in er st er Linie Europa und Kanada sind! Während nach den neuesten Berechnungen des amerikanischen Handelsministeriums im Jahre 1931 der Handel der USA. mit dem Fernen Osten um 153 Millionen Dollars, derjenige mit Lateinamerika um sogar 20) Millionen Dollars passiv gewesen ist, zeigte der Handel mit Europa ein Plus von 547, derjenige mit Nordamerika ein solches von 127 Millionen Dollars. Mit andern Worten: wenn überhaupt die amerikanische Handelsbilanz h?ute noch ein Saldo zugunsten der Union aufweist, so ist es deshalb, weil der Handel mit Europa und Kanada das Minus der Einsuhrüberschußgebiete der Handelsbilanz ausgleicht. Aber nach ein zweiter wichtiger Punkt erhellt aus der „Geographie" der amerikanischen Handelsbilanz. Es zeigt sich nämlich, wie geringfügig, absolut genommen, die Bedeutung der nicht-europäischen Wirtschaftsgebiete für die Union ist. Die zwei einzigen größeren Geb.ete, die außer Europa und Kanada der Union einen Ausfuhrüberschuß ermöglichen, sind Afrika und A u st r a l i e n. Das eine Gebiet mit einem Plus van 27. das andre mit Einern solchen von 22 Millionen Dollars für die USA. Was bedeuten diese geringfügigen Summen gegenüber den fast an 700 Millionen Dollars streifenden Plus des Handels der Union mit Europa und Kanada! Man dürfe jetzt wohl in Amerika erkennen, wie übereilig es war,'sich mit den kleinen Erfolgen amerikanischer Geschäftsleute in Kapstadt oder Melbourne zu brüten und in ihnen schon eine Art von „Enteuro- jäificrung" der amerikanischen Handelsbilanz zu ehen. Denn ganz abgesehen davon, daß diese „zu- ätzlichen" Erfolge amerikanischer Ausfuhr in gar keinem Verhältnis zu dem Grundstock des amerikanischen Exports nach Europa standen, find sie auch überraschend schnell wieder zurückgewichen, als die verschärfte Weltwirtschaftskrisis einsetzte. Die Ausfuhr im amerikanischen Handel mit Australien z. B. ist gegenüber 1925 um 61 o. H., die nach Südamerika um 53 v. H. zurückgegangen, diejenige nach Europa nur um 35 v. H. „In keinem Jahre seit 1925 ist der Anteil unsrer Ausfuhren nach Europa im Rahmen unsrer Gesamtausfuhr so groß gewesen wie im Jahre 1931", schreibt der amtliche amerikanische Bericht über die Zahlungsbilanz. Freilich bleibt eins zu bedenken: wenn auch der prozentuale Rückgang der amerikanischen Ausfuhren nach Europa geringer war als nach andern Gebieten, so sind'absolut genommen die Ausfuhrverluste Amerikas hier am bedeutend st en, eben weil die Ausfuhr nach Europa immer noch den überwiegenden Schwerpunkt des amerikanischen Ausfuhrgeschäftes überhaupt ausmacht. Das darf nicht übersehen werden. Allein nach England ist die amerikanische Ausfuhr im Jahre 1931 um über 500 Millionen Dollars geringer gewesen als im Jahre 1929, die Ausfuhr nach dem Deutschen Reichs um 240 Millionen Dollars! Solchen Ziffern gegenüber kann keine Ausfuhr der Union nach nicht-europäischen Gebieten auch nur einen annähernden Ersatz bieten. Vielmehr muß es jetzt Amerikas dringlichste Aufgabe fein, den Blick von den verlockenden Zielen südamerikanifcher oder fernöstlicher Ausfuhrexpansionen wieder auf das eigentliche Stammgebiet des Amerikageschäftes: auf Europa zu lenken. Dies um so mehr, als das zweitwichtigste Gebiet der aktiven amerikanischen Handelsbilaiiz, Kanada, möglicherweise durch die Beschlüsse der Konferenz von Ottawa seine Abwehr gegenüber dem Eindringen amerikanischer Erzeugnisse verstärken wird. Denn wenn England auf dieser Konferenz überhaupt zu praktischen Erfolgen kommen will, d:e nicht auf eine Belastung feiner Verbraucher, sondern auf eine Förderung seiner Industrie-Ausfuhr hin- auslaufen sollen, so wird es darauf sehen müssen, durch Vorzugsbehandlung auf dem kanadischen Markte den scharfen Wettbewerb des frachtgünstig Das Landwirtschastsprogramm der Reichöregierung Ergänzung des Wirschastsplans nach der agrarpotitifchen Gelte hin. — Heute beginnt die Kabinettsberatung. Berlin, 16. Sept (111.) Wie die „Telegraphen- Union“ von zuständiger Stelle erfährt, wird über verlauf und Ergebnis der für Samstag angefeßten Beratungen des Reichskabinetts über den zweiten Teil des Wirtfchafts- plane keinerlei Mitteilung ausgegeben werden. Die vielfachen Andeutungen über die voraussichtliche Entscheidung bet Reichsregierung werden als Kombinationen bezeichnet Es handelt sich, wie auch aus der am Donnerstag erfolgten Fühlungnahme des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers mit dem Präsidenten des deutschen Landwirtfchastsrates Dr. Brandes hervorgcht, vorwiegend um die landwirtschaftlichen Fragen, nachdem die besonderen Jndustriesragen schon durch die am 6. September in Kraft getretene umfangreiche Zollnovelle und im übrigen im ersten Teil des Wirt- fchaslsplans geklärt waren. Für diese Ergänzung des Wirtschaftsplans hatte der Reichskanzler in seiner letzten Rundfunkrede bereits den Fragenbereich der Linsuhrkontingentierung, Zinssenkung und Steuersenkung angekündigt Rach Mitteilung der „Landwirtschaftlichen Wochenschau" ist damit zu rechnen, daß darüber hinaus grundsätzliche landwirtschaftliche Fragen gelöst werden, so die Sicherung des Genossen- schaftskredits und die Reuorganisation der preußischen Zentralgenossenschaf t s k a s s e. Für die Durchführung spielt auch die vom Reichskanzler unter Hinweis auf den Plan der Landgemeinden erwähnte erweiterte Arbeitsbeschaffung auf dem Lande eine Rolle, wobei allerdings nach der gleichen Quelle im Einvernehmen mit allen maßgebenden landwirtschaftlichen Körperschaften gewagte Finanzierungsexperimente abgelehnt werden. Wie weiter von zuständiger Stelle erklärt wird, wird der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Freiherr von Braun, am 26. September auf der Vollversammlung des bayerischen Landwirtschastsrates in München in einer Rede, die auch auf sämtliche deutschen Sender übertragen wird, das Landwirtschaftsprogramm der Reichsregierung verkünden. Industrie gegen Kontingentierung der Einfuhr Berlin, 16. Sept. (CNB.) In einem Brief des geschäftssührenden Vorsitzenden des Reichsverbandes der deutschen Industrie, Geheimrats Kastl, an den Reichskanzler in der Frage der Kontingente, wird u. a. ausgeführt: „Die deutsche Industrie begrüßt das von der Reichsregierung begonnene Reformwerk mit größten Hoffnungen, da es geeignet ist, der privaten Initiative endlich wieder die Möglichkeit freier Entfaltung zu geben. Dem Leitgedanken der Rcichsregierung widersprechen aber Kontingentierungsmaßnahmen, da ihnen notwendigerweise außenhandelsmonopolistische Tendenzen inncwohnen. Der Landwirtschaft selbst kann mit Kontingenticrungsmaßnahmen eine wirksame Hilfe deshalb nicht gebracht werden, weil die zu erwartenden Gegenmaßnahmen des Auslandes gegen die deutsche Ausfuhr zu unmittelbaren Schädigungen der deutschen Industrie führen müßten. Die Adnehmerfchaft der deutschen Landwirtschaft würde damit in ihrer Kaufkraft erneut geschwächt. Der durch die Verminderung der Kaufkraft der Bevölkerung eintretende unmittelbare Schaden für die Landwirtschaft wird aber erheblich größer fein, als die Vorteile, die sich die Landwirtschaft aus einer Begrenzung der Einfuhr verspricht. Aus der ernsten Sorge, daß das sonst so begrüßenswerte Reformwerk schwerster Gefährdung ausgesetzt wird, bittet der Reichsverband der deutschen Industrie die Reichsregierung, ihren Beschluß, zu Kontingentierungsmaßnahmen überzugehen, einer nochmaligen Prüfung unter Würdigung der auf dem Spiel stehenden ©efamtintereffen zu unterziehen." Oie Förderung der Hausreparainren. Berlin, 16. Sept. (Sil.) Wie der Parlamentsdienst der Telegraphen-älnion erfährt, dürften in der nächsten Zeit Bestimmungen veröffentlicht werden, die die Berteilung der Mittel aus dem 5 0 - M i l l i o ne n f o n d s für Hausrc par tfturen, der in der neuen Notverordnung vorgesehen ist, regeln. Es besteht die Möglichkeit, daß der beabsichtigte Zuschuß von 20 v. Sy zu dem Kostenaufwand für die Reparaturen überschritten wird. Bon verschiedenen Seiten ist eine Erhöhung angeregt worden, um einen größeren Anreiz zu schaffen. Es verlautet weiter, daß die Hauseigentümer, die große Wohnungen aufteilen und verkleinern, bjto. gewerbliche Räume für Wohnzwecke instand sehen lassen, 50 v. Sy der dafür aufgewendcten Reparaturkosten aus dem 50-Millionenfonds zurückerhalten sollen. Allerdings soll dabei die Summe von 600 Mk. nicht überschritten werden. Wie wir hören, soll der Termin für die Ausführungen derjenigen Hausreparaturen, denen Zuschuß gewährt werden kann, der 1. Juni 1932 sein. Reparaturen, die vorher c^usgeführt worden sind, sollen nicht unter die Bestimmungen fallen. Eine Amortisationskaffe für Banken. Frankfurt a. M.. 16. Sept. (ERD.) Wie die „Frankfurter Zeitung" mitteilt, soll im Zuge der Bemühungen um eine Ankurbelung der deutschen Wirtschaft jetzt eine weitreichende Aktion vorgenommen werden, bei der man d i e kommende Bilanzaufstellung der Danken und die Rückgewinnung ihrer Liquidität erleichtern will, um ihnen dadurch mehr Spielraum für die G eWährung von Krediten an die übrige Wirtschaft zu verschaffen. Rach den Informationen des Blattes steht die Gründung einer Amortisationskasse bevor, welche eingefrorene Forderungen der Ban- k e n und bei Sanierung anfallende Aktienpakete übernehmen soll. Dabei sollen sich Colddiskontbank, Akzeptbank und Dank für deutsche Jndustrieobligationen mit Kapital beteiligen, und die Reichsbank soll einen Rückhalt für die Finanzierung gewähren. Die westdeutschen Handelskammern zum irtschastsprogramm. Warnung vor weiterer Skepsis und unfruchtbarer Kritik. Essen, 16. Sept. (LU.) Der Zweckver- band der Industrie- und Handels- k a rn rn e r n B och u m , D o r t m u n d, Essen, und M ü n st e r hat zu dem Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung, wir es in der Äot- vecordnung des Reichspräsidenten zur Verrneh-- rung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit niedergelegt ist, folgendermaßen Stellung genommen: „Das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung stellt einen groß angelegten Versuch dar, durch starkes Eingreifen der Staatsgewalt die privatwirtschaftliche Initiative wieder zu entfachen und eine Konjunkturwende herbeizuführen. Ein solches Eingreifen der Staatsgewalt war seit langemzurbitterstenRotwendigkeit geworden. Es ist auf eine Art durchgeführt worden, die in ihren Grundlinien durchaus als mutig, klug und erf o l g versp r ech end anzusehen ist. Deshalb ist auch zum ersten Male wieder seit Jahren ein starkes Maß von 03er trauen in die Wirtschaft eingekehrt. Man glaubt noch einmal an die Möglichkeit einer Rettung der deutschen Bollswirtschafl. Wenn dieses Bertrauen erneut durch wirtschaftswidrige Vorgänge vernichtet würde, käme dies einer Katastrophe gleich. Die Hauptsache an der neuen Rotverordnung scheint uns im Augenblick zu sein, Laß nach jahrelangem Zögern und Ueberlegen jetzt endlich — und anscheinend noch dazu in einem konjunkturell günstigen Augenblick — eine positive T a t wirklich gewagt worden ist. Angesichts dieser wichtigen Tatsache ist es nachträglich gänzlich unwichtig, ob der staatliche Eingriff etwa auch in anderer Form möglich gewesen wäre. Es wäre verhängnisvoll, wollte man, wie es vielfach noch geschieht, weiter in schlaff ma - chenderSkepsis immer nur auf die nicht abzuleugnende Wagnisseite des großangelegten Versuches blicken oder in der K r i t i k an Einzelheiten sich erschöpfen. Das deutsche Schicksal hängt davon ab, daß, nachdem einmal die Karte der neuen Rotverordnung ausgespielt worden ist, nunmehr das deutsche Volk, insbesondere das Unternehmertum ihre ganzen Energien daran setzen, in dem Sinne dieser Rotverordnung auch wirklich zu handeln, damit das Gemeinsame, die endliche Wiederbelebung der Wirtschaft, erreicht wird. Dem Unternehmertum obliegt als wichtigste Aufgabe die Lurch die Steuergutscheine geschaffenen Möglichkeiten einer erweiterten Auftragserteilung, soweit es immer angeht, in die Tat umzusetzen und jede Chance zur Mehrbeschäftigung von Arbeitern zu benutzen. Wir sind überzeugt, daß das deutsche Unternehmertum dies unter Hintansetzung jeden Eigennutzes freudig tun wird, denn ihm steht das Schicksalhafte desAugen- b l i ck s und die Verantwortung eines Leden vor der Ration klar vor Augen." gelegenen kanadifchen Nachbars, der USA., zu überwinden. Also auch von diesem Gesichtspunkte aus würde dann ein weiterer heute noch vorhandener Großkunde der Union an Bedeutung gegenüber europäischen Kunden zurücktreten. Bedenkt man schließlich noch, daß die starken Rückgänge amerikanischer Ausfuhren nach nicht-europäischen Gebieten, — etwa Argentinien, Brasilien, Australien —, zu einem großen Teil auf indirekter Weise dadurch mitbedingt sind, daß die geschwächte Kaufkraft Europas für überseeische Rohstoffe die Krisis in jenen überseeischen Gebieten mitoerursacht und ^damit wieder deren Kaufkraft gegenüber den USA. geschwächt hat, so wird man nicht umhin können, das „Geschäft mit Europa" in feiner vollen Tragweite für die Union zu erkennen. Und da heute die USA. auf ein gut Teil ihrer bisherigen Zinftn- eingänge verzichten müssen, andrerseits immer noch gewaltige Summen alljährlich durch amerikanische Reisende ins Ausland wandern — im Jahre 1931 allein 570 Millionen Dollars, also viel mehr als der gesamte Ausfuhrüberschuß, der 369 Millionen Dollars betrug — so wird die Verbesserung des Außenhandel-Status der Union immer zwingender, wenn sich die Zahlungsbilanz derselben nicht weiter verschlechtern soll. Für Europa würde dann die Zeit gekommen sein, wo es endlich wieder als „Kunde" jein Gewicht gegenüber den USA. in die Wagschale werfen kann. Um die Schiachisteuer in Hessen. Darmstadt, 16. Sept. (WSN.) Wegen der Gestaltung der hessischen Schlachtsteuer haben bereits zweimal im Finanzministerium Besprechungen zwischen Vertretern des Ministeriums und Vertretern der Metzgerschaft und der Landwirtschaft startgefunden. Es wurde nun angenommen, daß die Schlachtsteuer, von der sich das Finanzministerium eine jährliche Einnahme von 2,5 Millionen Mark errechnete, am 1. Oktober i n enger Anlehnung an d i e preußische, die ja jetzt durch Staffelungen einige Aenderungen erfahren hat, zur Einführung gelangen würde. Es scheint aber nun, daß durch die Absicht, in Hessen wieder Neuwahlen herbeizuführen, die Schlachtsteuerfrage wieder vertagt worden ist, so daß sie vermutlich erst dann wieder akut wird, wenn die Frage der Landtagsauflösung entschieden ist. Gpardiktat in Gera. Ein Saaislommiffar übernimmt die Ltadtverwaln ng. Gera, 16. Sept. (CRD.) Der vorn thüringischen Staatsministerium für Gera eingesetzte Staatskommissar Dr. Jahn hat eine umfassende Reorganisation der städtischen Verwaltung in Gera mit 85000 Einwohnern, der größten Stadt Les Landes Thüringen, vorgenommen. Künftig liegt die Führung der gesamten städtischen Verwaltung in seinen Händen. Oberbürgermeister Arnold sowie eine Anzahl Etadträte und Beigeordnete sind beurlaubt worden. Auch Versetzungen in den Warlestand sind in Erwägung gezogen. Die gesamte Stadtverwaltung führt künftig der Staatskommissar zusammen mit dem Bürgermeister und einem Stabt» Oberbaurat. Der Staatskommissar begründet seine Maßnahme mit der außerordentlich hohen Verschuldung der Stadt. Der Fehlbetrag beläuft sich zur Zeit noch auf 1,25 Millionen Mk., die G e s a m t s ch u l d der Stadt jedoch auf weit über 12 Millionen, von denen 2 Millionen kurzfristige Schulden seien. Gera könne sich bei dieser Verschuldung eine so groß aufgezogene Stadtverwaltung wie bisher nicht mehrleisten. Der Stadtrat müsse um 10 Köpfe verkleinert werden, die Verwaltung noch um 50 bis 70 Köpfe über die bereits eingesparten 130 hinaus. Das Wirtschaftsamt der Stadt sei aufzulösen und eines Tages werde wohl die Stadt auch die Gasanstalt nicht mehr halten können. Der Hauptausschuß des Stadtrates hat gegen diese Anordnungen des Staatsbeaus- tragten schärf st en Protest erhoben. Einer Abordnung des Hauptausschusses, in der alle Fraktionen vertreten waren, erklärte Staatsminister S a u k e l, er denke unter keinen Umständen, daran, die Maßnahmen aufzuheben, die Etaatskommissar Dr. Jahn in Gera angeordnet habe, weil in der Geraer Stadtverwaltung e i n aufgeblähter Derwaltungsapparat vorherrscht habe. Staatskommissar Dr. Jahn besitze sein volles und unbeschränktes Vertrauen. Dasselbe Vertrauen übertrage er auch auf den sozialdemokratischen zweiten Bürgermeister Dr. Barth, der sich im übrigen bereit erklärt habe, „endlich mit aufzuräumen". Im Geraer Stadtrat besteht eine Linksmehrheit. und zwar stehen 18 Sozialdemokraten und Kommunisten 16 Bürgerlichen gegenüber. Auch die Bürgerlichen stehen mit Ausnahme einer Gruppe von drei Stadtverordneten, die der Volkspartei nahestehen, auf Seiten des bisherigen Oberbürgermeisters. Oie Renienkonvertierung in Frankreich. Eine Maßnahme zur Senkung der Lebenshaliungs- und Kreditkosten. Paris. 16. Sept. (WTB.) Der Ministerrat hat kurz vor Beginn der Kammersihung die Vorlage über die Rentenkonvertierung gutgeheißen. Diese sieht die Ausbezahlung oder die Konvertierung in eine neue 4,5 - prozentige Rente für folgende Rententitel vor: 5Prozentige 1915 bis 1916. öprozentige 1920. 6prozentige 1927, 5prozentige 1928, 6prozentige Obligationen von 1927 und 7prozentige Schahbonds von 1927. Insgesamt handelt es sich um einen Kapitalbetrag von 85 Milliarden. Der neue 4,5prozentige Rententitel wird zu Pari ausgegeben werden und soll in 75 Jahren getilgt sein. Besondere Vergünstigungen finb_ f ü r Kleinrentner vorgesehen, die die Möglichkeit erhalten, ihre Rententitel in Leihrenten unter besonders günstigen Bedingungen umzuwandeln. Die Regierungsvorlage sieht weiter vor, daß die neue 4jprozentige Rente vom 1. November 1932 an Zinsen trägt und bis dahin die Zinssätze der zu konvertierenden Renten gelten. Bor dem 1. Januar 1939 darf der Staat mit der Amortisierung des neuen 4Lprozentigen Rententitels nicht beginnen. Die Amortisierung erfolgt entweder zu pari durch Auslosung oder durch Börsen- rückkauf. Zu diesem Zweck werden die Rententitel in zwei Tranchen geteilt. Die Inhaber der zu konvertierenden Renten, die innerhalb von sechs Tagen von einem noch festzusetzenden Datum ab nicht die Ausbezahlung beantragen, sind gesetzlich gehalten, die Konvertierung anzunehmen. Um eventuellen Ausbezahlungsanträgen zu genügen — die Regierung rechnet damit, daß sie wenig zahlreich sein werden — wird das Finanzministerium ermächtigt, Schatzbons ausgugeben oder die Mittel der Amortisierungkasse in Anspruch zu nehmen. Die für den Staat durch die Konvertierungsoperation entstehenden allgemeinen Unkosten werden auf insgesamt 20 Millionen Franks veranschlagt. Zu der Rentenkonvertierung wird eine ausführliche Begründung gegeben, in der u. a. darauf , hingewiesen wird, daß trotz der verhältnismäßig starken Preissenkung der letzten Iahre das Preisniveau in Frankreich immer n.och zu hoch bleibe. Eine Politik der Senkung der Lebensh altungsko st en sei also heute in Frankreich geboten, und die Rentenkonvertierung, die eine allgemeine Senkung des Geldsatzes herbeiführen solle, sei ein wesentliches Element hierzu. Es mühten für die nationale Wirtschaft in der Zeit einer Ankurbelung der Produktion in der ganzen Welt weniger kostspielige Kreditbedingun- g e n geschaffen werden, ilm die starke Grundlage der- französischen Währung aufrechtzuerhalten, müsse ein jeder zur Finanzsanierung beitragen. Die Regierung sei entschlossen, Frankreich die Rückkehr der aus dem Kriege geborenen Schwierigkeiten zu ersparen und das nach st jährige Budget restlos auszugleichen. Die Aentenkonvertierung sei nur ein Punkt eines weitergehenden Programms, für dessen Durchführung die Regierung auf die Unterstützung der gesamten Ration rechnet. Annahme in -er Kammer. Paris, 16. Sept. (WTB.) Das Parlament ist heute um 15 Uhr zu einer außerordentlichen Tagung zusammengetreten, in der die Regierungsvorlage über die Rentenkonvertierung verabschiedet werden soll. Rach rein formaler Sitzung vertagte sich der Senat auf morgen nachmittag, während in der Kammer der Finanzminister die sofortige Diskussion der Regierungsvorlage verlangte, die an den Finanzausschuß zur Prüfung überwiesen wurde. Der Finanzausschuß der Kammer hat die Kon- dertierungsvorlage im wesentlichen gebilligt und mit ganz geringfügigen Abänderungen der Vollversammlung zurückerstattet, die dann die Aussprache wieder aufnahm. Die Kammer hat nach einer Nachtsitzung kurz vor 5 Uhr mit 540 gegen 48 Stimmen die Regierungsvorlage über die Rentenkonvertierung mit einigen unwesentlichen Abänderungen mehr formaler Natur verabschiedet und sich darauf auf 18 Uhr vertagt. Der Senat beginnt die Beratung der Vorlage um 15 Uhr. Deutschlands Absage an Genf. Oer Reichsaußenminister teilt Henderson mit daß Deutschland an der Büro- sihung der Abrüstungskonferenz nicht teilnehmen wird. Berlin, 16. Sept. (WTB.) Der Reichsaußenminister hat unter dem 14. d. M. an den Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz, Herrn Henderson, das nachstehende Schreiben gerichtet: „In den Verhandlungen der Generalkommission, die der Annahme der Resolution vom 23. Iuli dieses Iahres vorausgingen, hat der Führer der deutschen Delegation die Gründe dargelegt, aus denen die deutsche Regierung diese Resolution ablehnen mußte. Er hat dabei aus- gesührt, daß nach dem Stande der Konferenzverhandlungen die Frage der Gleichberechtigung der entwaffneten Staatennichtmehrlänger ohne Lösung bleiben dürfte. Dementsprechend hat er bei diesem Anlaß die Erklärung abgegeben, daß sich die deutsche Regierung an den weiteren Arbeiten der Konferenz nicht beteiligen könne, bevor eine befriedigende Klärung der Frage der Gleichberechtigung Deutschlands erfolgt sei. Nachdem die Resolution gleichwohl zur Annahme gelangte, steht schon jetzt fest, daß die künftige Abrüstungskonvention außerordentlich weit hinter dem Lnkwaffnungs- regime des Versailler Vertrages Zurückbleiben und daß sie sich von diesem hinsichtlich der Art und Weise der Abrüstung wesentlich unterscheiden wird. Da ist Die Zubiläums-Gpielzeii -es Gießener Gta-ftheaters. Was der Spielplan 1932/33 bringen w rd 2lus dem Stadttheaterbureau werden uns die folgenden Ausführungen zur Verfügung gestellt: Erinnern Sie sich noch, welche künstlerischen Ereignisse Ihnen das Stadttheater in der vorigen Spielzeit vermittelte und welche Freuden es Ihnen in den schweren Zeiten des Vorjahres bereitete? Unter der Leitung des Intendanten Dr. Prasch arbeitete eine Schar tüchtiger Künstler, die sich wegen der unermüdlichen Schaffensfreude aller bald die Herzen ihrer Zuschauer eroberte. Der unverwüstliche Wille zum Werk, der alle beseelte, vom Intendanten bis zum Bühnenarbeiter, und nicht zuletzt ihre frohe Laune und ihr Humor übertrugen sich auf die Zuhörerschaft, so daß sich der Theaterbesuch stets steigerte. Darum hielt die Intendanz diese wackeren Mitarbeiter — bis auf wenige, die uns verlassen — auch wieder für die nächste Spielzeit in Gießen und vergrößerte das Schauspielensemble sogar, indem er ein eigenes Ope- rettenenjemble angliederte. Somit verspricht die kommende Spielzeit, die Jubiläumssvielzeit des 25jährigen B e st e h e n s sich besonders ereignisreich zu gestalten. Intendanz und Ensemble sind von dem festen Willen beseelt, weiter zu arbeiten, daß das Theater die Kulturstätte Oberhessens und der hessischen Lan- desunioersität bleibt. Höchstleistungen im Spielplan und weitgehende Vielseitigkeit werden es auch dem hartnäckigsten Theatergegner zeigen, daß die oft erwähnte Theaterkrise keine Krise der Kunst, sondern lediglich eine Begleiterscheinung der allgemeinen Wirtschaftskrise ist. Darum sind die Abonnements- und Eintrittspreise so herunter g e s e tz t worden, daß auch derjenige, derdurch finanzielle Not der Zeit auf vieles zu verzichten gezwungen ist, doch sein Stadttheater besuchen kann. Der S p i e l p l a n ist so gestaltet, daß jeder, der unser Theater regelmäßig besucht, zeitoerbunden bleibt. Dem starken Zug der Zeit, in der Verworrenheit der Jetztzeit an den klassischen Literaturgütern unserer Dramatik einen Halt zu suchen, wird in vollem Maße Rechnung getragen. Den Klassiker bringt gleich zur Eröffnung der Jubilaumsspielzeit die Festvorstellung am 2. Oktober mit Goethes „E g m o n t" in der Inszenierung F'oa Intendant Dr. Prasch und unter der musi- rali|d>en Leitung von Universitätsmusikdirektor Dr. Temesvary. die Frage unmittelbar aktuell geworden, wie es mit der Anwendung des künftigen Regimes auf Deutschland werden soll. Es liegt auf der Hand, daß ohne Beantwortung dieser Frage eine Regelung der einzelnen konkreten Punkte des Abrüstungsproblems nicht möglich ist. Nach Ansicht der deutschen Regierung kann nur eine Lösung in Betracht kommen, die Lösung nämlich, daß alle Staaten in bezug auf die Abrüstung denselben Regeln und Grundsätzen unterworfen werden,, und daß für keinen Staat ein diskriminierendes Ausnahmeregime gilt. Es kann Deutschland nicht zugemutet werden, an den Verhandlungen über die in der Konvention festzulegenden Ab- rüstungsmaßnahmen teilzunehmen, solange nicht feststeht, daß die gefundenen Lösungen auch auf Deutschland Anwendung finden sollen. Um diese Voraussetzung für ihre weitere Mitarbeit in der Konferenz so schnell als möglich zu verwirklichen, hat sich die deutsche Regierung inzwischen bemüht, eine Klärung der Frage der Gleichberechtigung auf diploma- tisch em Wege herbeizuführen. Leider muß festgestellt werden, daß die deutschen Bemühungen bisher zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt haben. Weiter ist ein Zyklus hessischer Dramatiker beabsichtigt, in dem unter anderem „Dan« ton 3 To d von Büchner zur Aufführung kommt: „Der tolle Hund des Darmstädter Lokaldich- ters Niebergall und außer Abonnement auch „Der Datterich" sollen innerhalb dieses Zyklus hessischer Heimatdichter im Spielplau erscheinen: von den lebenden hessischen Dramatikern wird Zuck - mayers neuestes dramatisches Werk zur Aufführung angenommen. 2m Rahmen der anläßlich des Jubiläumsjahres vorgesehenen Gastspiele prominenter Künstler, dürfte das Gastspiel von Werner Krauß lebhaften Widerhall finden. Der große Schauspieler, der vor 25 Jahren der Gießener Bühne als Mitglied an« gehörte und in der Eröffnungsvorstellung mitwirkte, wird in der zweiten Hälfte der Spielzeit als „Faust" gastieren. Neben den Klassikern und Dichtern der engeren Heimat wird das Schaffen anerkannter Dichter der Moderne wesentlich Beachtung finden in der Gestaltung des Spielplanes. Die Intendanz erachtet es als selbstverständliche Pflicht, den Mann zu ehren, der epochemachend in das dramatische Schaffen der Neuzeit eingri-sf. Der 70jährige Gerhart Hauptmann soll durch Aufführung seines letzten Werkes „Vor Sonnenuntergang" geehrt werden. Ebenso werden die Jubiläen von Fulda und Björns on durch Aufführung eines ihrer Werke gefeiert. Daneben kommen nur aktuelle Werke der laufenden Spielzeit zu Wort, die literarisch und künstlerisch Anspruch darauf haben, dem Publikum als wertvolle Erscheinung des Zeittheaters vorge- führt zu werden. Unter die Rubrik jener Bühnenstücke, die die Aufgabe haben, die nötige Unterhaltung zu bringen und 3U erheitern, muß auch die in dieser Spielzeit seit langen Jahren wieder erstmalig auftretende Erscheinung registriert werden, daß fortab zur Pflege der Operette und leichten musikalischen Muse das eigene Operettenensemble auf dem Plane erscheinen wird. Mit der musikalischen Neuheit und der erfolgreichen ^Repertoire-Operette „Die Toni aus Wien" werden sich unsere Sänger und Sängerinnen vorstellen. Außerdem soll jetzt bereits darauf aufmerksam gemacht werden, daß zum 25. Jubiläum des Gießener Stadttheaters eine reichhaltige Festschrift erscheinen wird, die wegen ihres zum Teil bisher unveröffentlichten Bild- und Textmaterials das Interesse oller Theaterfreunde finden dürfte. Anmeldungen von Abonnements werden täglich entgegengenommen. Unter diesen Umständen sehe ich mich zu meinem Bedauern genötigt, Sie davon in Kenntnis zu sehen, daß die deutsche Regierung der Einladung zu der am 21. September d. 3. beginnenden Tagung des Bureaus der Konferenz nicht Folge leisten kann. Die deutsche Regierung ist nach wie vor der Ueberzeugung, daß eine radikale Durchführung der allgemeinen Abrüstung im Interesse der Sicherung des Friedens dringend geboten ist. Sie wird die Arbeiten der Konferenz mit Interesse verfolgen und sich je nach deren Verlauf über ihr weiteres Verhalten schlüssig werden." Heber die weitere Behandlung der Frage der Gleichberechtigung Deutschlands erfahren wir von zuständiger Seite, daß die Reichsregierung nicht beabsichtigt, die am letzten Sonntag überreichte französische Rote schriftlich zu beantworten. Sie bedauert, feststellen zu müssen, daß diese Rote das Problem der Gleichberechtigung sowohl in seinen Voraussetzungen wie in seinen Folgen unrichtig auf faßt, und daß sie in keinem wesentlichen Punkte eine Annäherung an den deutschen Standpunkt zeigt, wie er in dem deutschen Memorandum vom 29. August dar- gelegt wurde. Von einer Fortsetzung des Meinungsaustausches auf dem Wege des Rotenwechsels glaubt die Reichsregierung sich keine Förderung der Sache versprechen zu können. Selbstverständlich ist sie aber nach w ie vor zu einem Meinungsaustausch auf dem Wege mündlicher diplomatischer Unterhaltungen bereit. Der Reichsaußenminister hat heute den französischen Botschafter Herrn Francois Poncet empfangen und ihm eine entsprechende Mitteilung gemacht. Im gleichen Sinne sind auch die übrigen Regierungen verständigt worden, die von der Reichsregierung mit der Angelegenheit befaßt worden waren. Aus aller Well. herbsimanöver der Marine. Vom 19. bis 21. September findet unter Leitung des Chefs der Marineleitung in der Rord- see das diesjährige Herb st manöver der Marine statt. Dem Manöver liegt der Schutz der Seeschiffahrt in der Rordsee zugrunde, die durch eine Reihe gecharterter Handelsschiffe dargestellt wird. Das Manövergebiet erstreckt sich auf die Gewässer südlich und südwestlich Ror- wegens, das Skagerrak, das Seegebiet westlich Iütlands und die Deutsche Bucht. Im Laufe des 21. September werden die beteiligten Seestreitkräfte nach Wilhelmshaven gehen, wo der Chef der Marineleitung am 23. September die Kritik abhalten wird. Ein bestialischer Mord. Das Schwurgericht in Paderborn verhandelte gegen den Viehhändler Kurt Meyer, der unter der Anklage der vorsätzlichen Tötung, der Beihilfe zur Abtreibung und der Beseitigung eines Leichnams ohne Wissen der Behörden steht. Der Anklage liegt die mutmaßliche Ermordung der bei dem Vater des Angeklagten beschäftigt gewesenen Hausangestellten Marta Caspar im März d. I. zu Grunde, der man durch den Fundblutiger Fleisch stücke eines menschlichen Körpers in der Umgebung von Paderborn iauf die Spur kam. Die damals von Spaziergängern gemachte grauenhafte Entdeckung hat die Oeffentlichkeit weit über den Tatort hinaus erregt. Durch Funde in der Wohnung der Dienstherren kam es zur Verhaftung der Viehhändler Meyer, Vater und Sohn. Es wurde jedoch {nur gegen den Sohn Anklage erhoben. Bei seiner Vernehmung gab Kurt Meyer zu, daß -er zu der Caspar intime Beziehungen unterhalten hatte, ilm die Folgen zu beseitigen, will er auf ausdrücklichen Wunsch des Mädchens einen Eingriff vor- genommen haben. Dabei sei das Mädchen infolge Verblutens gestorben. Den Leichnam habe er auf dem Heuboden versteckt. Er,st als die Rachforschungen nach der Verschwundenen einsetzten, habe er die Leiche zers chnitten und die einzelnen Teile zu zehn Paketen zusammengepackt. Eines der Päckchen habe er in einen Schon wieder Herbst. Von Hermann Hesse. Für eine Stunde bin ich dem Hause entronnen, dem kühlen schattigen Zimmer, wo am Boden mein großer alter Neisekoffer liegt, schon mehr als halb vollgepackt mit Wäsche, Büchern, Schreibzeug, Mal- zeug, Briefschaften und all dem gewohnten Kram; denn es ist Herbst geworden, es beginnt in meinem kleinen Dorf und in meinem Sommerhause unwirtlich zu werden, und ich will wie jedes Jahr die Flucht vor dem Winter antreten — nicht südwärts zur wärmeren Sonne, sondern nordwärts zu den Städten und Häusern, wo man warme Defen und warme Badezimmer findet, wo es zwar Schnee und Nebel gibt, dafür aber auch befreundete Menschen, Aufführungen von Mozart und Schubert und dergleichen geliebte Dinge. O wie schnell ist das wieder gegangen mit dem Herbstwerden! Dies Jahr war es wieder ein wunderbar schöner Spätsommer, er schien nie ein Ende nehmen zu können. Tag um Tag wartete man, nach scheinbar sicheren Anzeichen, auf Regen, auf Wind, auf Nebel, aber Tag und Tag stieg klar, golden und warm aus dem Luganeser Seetal herauf, nur daß die Sonne Tag für Tag um ein Unmerkliches später kam, sie kam nun nicht mehr über dieselben Berge herangestiegen wie die Sommersonne, sondern ihr Ausgangspunkt war weit vorgeschoben, gegen Como hin — aber all dies bemerkte man nur, wenn man nachrechnete und kontrollierte, die Tage selbst waren einer wie der andere Sonnentage, die Morgen fräftia leuchtend, die Mittage heiß und brennend, die Abende farbig verglühend. Und jetzt ist, nach einem ganz kurzen Wetterwechsel, der bloß zwei Tage dauerte, dennoch auf einmal der Herbst herangeschlichen, und es kann nun am Mittag noch so warm und am Abend noch so strahlend farbig werden, es ist doch längst kein Sommer mehr, es ift Sterben und Abschied in der Luft, und die Nächte sind kalt. Abschied nehmend — denn morgen will ich für iDconate fortreisen — schlenderte ich durch den Wald. Von weitem sieht dieser Wald noch beinahe grün aus, in der Nähe aber sieht man wohl, daß auch er alt geworden und nah am Sterben ist, das Laub der Kastanien knistert trocken und wird immer gel- ber, das feine spielende Laub der Akazien blickt zwar an manchen feuchten, kühlen Waldftellen und Schluchten noch tief und bläulich, aber überall schon durchstreift und durchglänzt von welken Zweigen, pn denen di« grellgoldenen Blättchen einzeln schim- Teich geworfen, ein anderes in einer Sandgrube vergraben. Später sei er mit seinem Wagen in die Heide gefahren, wo er weitere Leichenteile zerstreute. 3m Laufe der Verhandlung verwickelte sich Meyer mehrfach in Widersprüche. Am vierten Derhandlungstag legte der Angeklagte unter der Wucht der vernichtenden Gutachten der medizinischen Sachverständigen und der stark belastenden Zeugenaussagen em umfassendes Geständnis ab und erklärte, daß er an der Caspar keinen Eingriff vorgenommen, sondern sie im Kuh st all erschlagen habe, als sie gerade mit dem Melken beschäftigt war. Der Angeklagte, Viehhändler Kurt Meyer, wurde wegen Totschlags an der Hausangestellten Marta Caspar zu 15 Iahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Iahren verurteilt. Der Staatsanwalt hatte auf Mord plädiert und die Todesstrafe beantragt. UeberfaU auf einen Kassen boten. — 3100 Mark geraubt. 5n Hamburg, das seit mehreren Tagen Schauplatz toller Raubüberfälle ist, hat sich jetzt wieder ein Räuberstreich zugetragen. Ein 30jähriger Epa-Angestellter namens Lenkvenus hatte den Auftrag, für seine Firma 3100 Mark bei dem Bankhaus Warburg in der Ferdinandstraße einzu- liefern. Er fuhr mit der Straßenbahn von Eimsbüttel bis nach dem Pferdemarkt in Begleitung einer weiblichen Angestellten. Dort stieg er aus und wollte zu Fuß nach dem Bankhaus in der Nähe des Alster- tores gehen, wo er von einem Kraftwagen eingeholt wurde. Diesem entstieg ein Mann, der den Boten in den Leib schoß. Der Räuber entriß dem Ueberfallenen einen ßebertoffer mit 3100 Mark Inhalt, sprang in einen Kraftwagen und fuhr mit einem Genossen davon. Während der Verfolgung gab er noch weitere Schüsse ab, durch die eine 20- Mrige Frau einen Beinschuß davontrug. Die Räuber sind entkommen. Die Eisenbahnkatastrophe in Algerien. Oran, 17.Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Aus- räumungsarbeiten an der Stelle der Eisenbahnkatastrophe sind noch nicht abgeschlossen. Gestern sind wiederum 14 Leichen geborgen worden. Die Gesamtzahl der bisher geborgenen Toten beträgt 60. Heute werden die Opfer beigefetzt werden. Schweres Autounglück bei Brünn. — Ein Toter. 38 verletzte. Auf der Staatsstraße Brünn—Olmütz ereignete sich dieser Tage ein schweres Auto-äln- g l ü ck. Ein mit mehr als 40 heimkehrenden Arbeitern besetzter Autobus suchte einem alten Mann, der die Straße überqueren -wollte, aus- zuweichen. Der Chauffeur riß den Autobus zur Seite. Trotzdem wurde der Passant vom Autobus erfaßt und auf der Stelle getötet. Der Autobus fuhr infolge der raschen Wendung in den Straßengraben, stieß an einen Baum und überschlug sich. Dabei wurden 38 Personen verletzt, darunter nach den bisherigen Feststellungen 12 schwer. In dec f.uff zusammengestoßen. Bei einem Geschwaderflug von drei Flugzeugen der Deutschen Verkehrsfliegerschule in Braunschweig tarnen beim Wechsel der Formation zwei Maschinen miteinander in Berührung, wobei das Querruder der einen Maschine stark beschädigt wurde. Beide Flugzeuge waren gezwungen, im Gleitflug niederzugehen. Bei der Notlandung in unebenem Gelände ging die eine Maschine völlig zu Bruch. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. Kunst und Wissenschaft. Der {Nobelpreisträger Sir Ronald Roh f. Der Bakteriologe Sir Ronald Roß, dem im Jahre 1902 auf Grund seiner Malariaforsch u n g e n der medizinische Nobelpreis verliehen worden war, ist in London nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren g e ft o r b e n. Roß, dessen Forschungen sich für viele hunderttausend Menschen segensreich ausgewirkt haben, geriet später in finanzielle Bedrängnis, aber eine Spende, die durch öffentliche Subskription aufgebracht worden war, sicherte ihm ein ruhiges Alter. mern, und bei jedem Windhauch herabzutropfen beginnen. Hier beim Graben, wo das welke Laub sich schon häuft, obwohl die Wipfel alle noch voll scheinen, hier habe ich im vergangenen Frühling, in der Zeit vor Ostern, die ersten zweifarbigen Blüten des Lungenkrauts gefunden, und große Flächen voll Waldanemonen, wie roch es damals feucht und krautig hier, wie gärte es im Holz, wie tropfte und keimte es in den Moosen! Und jetzt ist alles knisternd trocken, tot und starr verbrannt, das welke holzige Gras und die welken dürren Brombeerranken, alles klirrt, wenn der Wind anhebt, dünn und spröde aneinander. Nur pfeifen überall in den Bäumen noch die Siebenschläfer; die werden im Winter schweigen. Ah, da rieche ich etwas, das Freude macht. Ein feuchter, dicklicher, etwas dumpfer, nahrhaft fetter Geruch zeigt mir Pilze an, Steinpilze. Sie wachsen hier nicht eben selten, doch findet man sie nicht leicht, denn auch der Tessiner ißt Steinpilze sehr gern (im Risotto schmecken sie wundervoll) und sucht sie mit Leidenschaft. Eben habe ich einen Mann angetreffen, es war der Cavadini von Certenago, der schlich gespannt und lauernd wie ein Jäger an mir vorbei durchs Gehölz, den Blick scharf am Boden, in der Hand eine lange dünne Gerte, mit welcher er an jeder Stelle, die ihm Pilze zu versprechen scheint, das dürre Laub beiseite fegt. Aber diesen hübschen Steinpilz hier mit dem kräftigen dicken Kopf hat er also nicht gefunden, der gehört mir, heute abend mirb er gegessen. Und morgen also reife ich davon, fleibe mich nach Monaten wieder einmal städtisch, ziehe nach Monaten wieder einmal einen Kragen, eine Kravatte, eine Weste, einen Mantel an, und bringe dann in solcher Verkleidung den Winter unter Öen Menschen zu, in den Städten, in den Restaurants und Theatern, wo es keine Steinpilze gibt, wo im Frühling fein rot und blaues Lungenkraut blüht, im Herbst kein rostrotes Farnkraut rauscht. Nun in Gottes Namen! Ueberall blühen noch die kleinen, roten Stein- Nelken, feurig nicken sie aus dem welken Gras, hinter dem braunen Laub hervor, sie allein sind noch frisch und jung, sie fingen das Lied vom Untergang nicht mit, sie lachen und brennen und taffen ihre kleine rote Flagge wehen, erst vom ersten Frost lassen sie sich umbringen. Euch liebe ich, kleine fröhliche Brüder, ihr gefallet mir sehr. Eine von euch, kleine, rotbrennende Nelken, nehme ich mit mir, stecke sie an und bringe sie mit dort hinüber in die andere Welt, in die Städte, in den Winter, in die Zivilisation. Aus der Provinzialhauptstadt Geschichten aus aller Welt dienen. teilt angelegt und zum Preise von 25 Pf. pro Qua- 1 Umfangreiche Waffenfunde bei der KpO. in WormS. Worms. 16. Sept. (WSR.l Die Polizei bekannt machen. . , _ von 12 bis 15 Uhr auf dem Hoherodskopf, von 16.30 bis 18 Uhr in Bad Salzhausen. Näheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. *• Handel in Kasernen grundsätzlich verboten. Es ist bekannt geworden, daß Handlungsreisende unter Berufung auf angebliche Empfehlungen oder Genehmigungen sowie Ausweise des Reichswehrministeriums sich Eingang in Kasernen verschosst und mit Erlaubnis des Truppenteils die von ihnen vertriebenen Waren, Bücher, Bersicherungsangebvte usw. vor versammelter Mannschaft angepriesen und zahlreiche Bestellungen cntgegengenommen haben. Da das Reichswehrministerium Genehmigungen oder Ausweise zum Betreten von Kasernen nicht erteilt, sollen nach Mitteilung der Deutschen Teamtenbund- Korrespondenz entsprechend einem Erlaß des Reichswehrministeriums vom 28. 3uli 1932 etwa zur Vorlage kommende Schriftstücke dieser Art den Handlungsreisenden abgefordert und mit Bericht auf dem Dienstwege dem Wehrministerium vorgelegt werden. Jeder Handel in Kasernen und Truppenunterkünften einschließlich der Truppenübungsplätze bleibt auch weiterhin grundsäh- lich verboten und ist mit allen Mitteln zu unterdrücken. Unter dieses Verbot fallen auch Vorträge oder Vorführungen, die dem gleichen Zweck bekleidet hat. " 3m Omnibus durch den Vogelsberg. Die nächste Kraftpostgesellschaftssahrt, welche die Reichspost veranstaltet, wird die Teilnehmer mit den Schönheiten des Vogelsberges Aufenthalte sind vorgesehen nicht endgültig festgestellt werden. Die Ermittlungen der Polizei und der Gendarmerie sind im Gange. Taten für Sameiaa, 17. September. 1805: Der preußische Staatsmann Karl Otto von Raumer in Stargard geboren; — 1917: der Landschaftsmaler Toni von Stadler in München gestorben. Taten für Sonnto., 18. September. 1426: der Maler Hubert van Eyck in Gent gestorben: — 1786: der Dichter Iustinus Kerner in Ludwigsburg geboren. — 1860: Besetzung des Kirchenstaates durch Viktor Emanuel. dratmetcr den Siedlern in Anrechnung gebracht werden. Geplant ist die Errichtung LJn Doppelwohnhäusern mit Wohnküche, Elternschlafzimmer. 1 bis 2 Kinderzimmern, Kleinviehstall und Wirt» schaftsflur für jede Wohnung. Zur Finanzierung der Siedlung genehmigten die Stadtverordneten .einstimmig die Aufnahme eines Darlehens von 50 000 Mark bei der Deutschen Bau- und Bodenbank. Die Errichtung einer Stadtrandsiedlung wird in Marburg begrüßt. Oo X wird bei Sindlingen wassern. WSR. F r a n k s u r t a. M„ 16. Sept. Wie Flugkapitän Christiansen heute dem General, direktor Dr. Casparin Sindlingen mitteilte, hat er die Absicht, bei seinem Fluge mit dem Do X nach Frankfurt a. M. evtl, eine Wasserung auf dem Main bei Sindlingen, und zwar in unmittelbarer mit: 3n Len vorgestrigen Vorrn tiagsstunden wurden sämtliche Räume des Parteihauses der hiesigen Kommunistischen Partei und ihrer Rebenorganisationen in der Mähgasse sowie die Wohnung des dort wohnenden Funktionärs B i t t - mann von einem größeren Aufgebot von Kriminalbeamten nach Waffen und schriftlichem Material durchsucht. 3n zwei Verstecken wurden zwei 3nfanterie- g e w e h r e (Mod. 93). ein Karabiner, eine doppelläufige Kugelbüchse, zwei abgeänderte 3agdgewehre. zwei größere Wingert- pi st ölen. 21 Stahlrohre verschiedener Gröhe, die zur Verwendung als Sprengkörper hergerichtet und mit dazu passenden Schloßschrauben versehen waren, ein 3nfanterieseiten- gewehr und eine Flasch: Salzsäure vorgefunden. 3n der Wohnung des Dittmann. der seit dem 12. d. M. wegen Fahrraddiebstahls in Untersuchungshaft ist. wurden drei Militärpistolen (08), eine Selbstladepistole. Trommelrevolver und 70 Schuß Pistolenmunition gefunden. Das beschlagnahmte schriftliche Material wird zur Zeit noch durchgeschen. Das kommunistische Stadtratsmitglied Habermehl wurde wegen dringenden Verdachtes der Mittäterschaft während der Durchsuchung festgenommen. Ein 50000-Mark-Oarlehen für Stadtrandsiedlung genehmigt. Rähe der Dilta von Dr. Caspar vorzunehmen. Der Main dürste an dieser Stelle breit genug sein tunb auch eine genügend lange Startbahn abgeben. Dr. Caspar, der früher eine Flugzeugsabrik besaß, ist ein persönlicher Freund von FlugkchKtän Christiansen. Er hat sich sofort mit den zuständigen Steilen zur eventuellen Vorbereitung der Wasserung des Do X in Verbindung gesetzt. Zwei glückliche Westerwaldgemeinden. WSR. W e ft c r E> u r 16. Sept. Von den Gemeinden des Kreises Westerburg erhoben im Rechnungsjahr 1931 32 zwei Gemeinden, und zwar Berzhahn und Wiltmerod. keine Steuern. Die Gemeinde Gershafen erhob ebenfalls keine Realsteuern, sondern nur die Tiersteuer zum einfachen Satze. Henry in Pantoffeln. (r) Brüssel. Henry Devhvere in Mecheln ging dieser Tage abends, in Hemdsärmeln und Pantosfeln, nur mal eben so über die Straße, einen Gloskrug in der Hand, um für seine Frau beim Kaufmann Leinöl einzukaufen. Bor der Ladentür stieß er mit einem anderen Passanten zusammen, der es offenbar sehr eilig hatte und den Zusammenprall mit einem entsetzlichen Fluch quittierte. Henry sah aus seinen Träumereien auf. sein Gesicht erhellte sich und er schrie freudig überrascht: „Gaston, bist du es wirklich, du alte Rübe?" Er betitelte den anderen sogar noch kräftiger, aber das hat mit dieser wahren Geschichte nichts zu tun. Und wirklich, es war Gaston, der alte Regimentskamerad aus Ramur. den Henry seit dem Ende des Weltkrieges nicht mehr gesehen hatte und der sich einen Rachmittag lang geschäftehalber in Mecheln aufgehalten hatte. Die Freude war auf beiden Seiten sehr groß, und wenn sich alte Regimentskameraden treffen, muß selbstverständlich das Wiedersehen begossen werden. Ohne weiter an den Auftrag seiner Frau zu denken, zog Henry, wie er war, in Pantosfeln und Hemdsärmeln, mit dem Glaskruge bewehrt, mit dem Kameraden in ein nahe gelegenes Restaurant und feierte mit ihm ausgiebig alte Feldzugserinnerungen. — Er kam wieder zu Bewußtsein, als er ziemlich unsanft aus einem bleiernen Schlummer wachgerüttelt wurde. Der ihn weckte, war ein Eisenbahnschaffner, und der Schauplatz war ein Abteil des Nachtzuges Mecheln—Brüssel, der gerade im Brüsseler Westbahnhof, seiner Endstation, eingetroffen war. 3n spätester Abendstunde hatte Henry, so wie er war: in Hemdsärmeln und Pantoffeln, bewehrt mit dem Glaskruge, feinen Kameraden Gaston aus lauter Kameradschaft im Zuge nach Brüssel begleitet. — Bon diesem Tage an soll der Pantoffel in Henrys Ehe eine noch größere Rolle spielen als vorher. Ein merkwürdiger Schiffbruch. (r) Amsterdam. Rach dem „Soerabaja-Handelsblad" hat sich in dieser niederländisch-indischen Hafenstadt eine sehr merkwürdige Geschichte zugetragen: Mit dem holländischen Dampfer „De Klerk" trafen dort Ende 3uli neun Portugiesen ein, frühere Offiziere und Beamte, die aus ihrer politischen Verbannung in Timor entflohen waren, um sich in das Land aller modernen politischen Flüchtlinge, nach Frankreich, zu begeben. 3hre Reise sollte von Soerabaja nach Singapore weitergehen, zu welchem Zweck sie natürlich eine englische Einreiseerlaubnis bzw. ein englisches Visum auf ihren Pässen benötigten. J2iun besitzen jedoch, wie das ja in den Umftänöen begründet liegt, politische Flüchtlinge im allgemeinen überhaupt keine gültigen Pässe, und das traf auch für diese neun Männer zu. Der englische Konsul in Soerabaja, ein Mr. Henderson, weigerte sich daher hartnäckig, irgend etwas für sie zu tun. ehe sie ihm richtige portugiesische Pässe vorgelegt hätten. Als Retter der neun trat nun der portugiesische Konsul auf den Plan. Dieser Beamte nämlich ist. wie er schon vor Monaten aus der heimischen Presse erfahren hatte, längst abgeseht, hat aber, da St. Bureaukratius in Portugal noch langsamer arbeitet als anderswo, die amtliche Absetzungsorder noch nicht erhalten. Infolgeir Marburg, 16. Sept. 3n umfangreicher Aussprache beschäftigten sich die Stadtverordneten heute u. a. mit der Errichtung einer Stadtrandsiedlung für 20 Siedler. Als Siedlungsgelände sind 24 000 Quadratmeter der Stadt gehörigen Grund und Bodens auf der Höhe oberhalb des Stadtteils Ockershausen vorgesehen, zu welchem noch 16C0 Quadratmeter vom Schenklengsfeldschen Stistungsgut kommen. Die einzelnen Siedlerstellen sollen etwa 1000 bis 1200 Quadratmeter groß (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Das Ladenmädchen und der junge Herr. (—) Paris. Der junge Herr war ein ausgesprochener Gent, der großen Wert daraus legte, immer stilgemäß, der Jahreszeit entsprechend, angezogen zu fein. Er fuhr nach Cannes, um dort den Spätsommer zu verbringen. Die flüchtige Revision der Gar- Aerobe ergab, daß er nicht genügend Seidenhemden mitgenommen hatte. Diesem ilnglüd mußte schleunigst abgeholfen werden. Der 3üng- ling begab sich also in ein Herrenmodengeschäst und ließ sich Hemden zeigen. Die Verkäuferin, eine kleine Blondine, zeigte dem Kunden die besten Stücke des Lagers, und der Kunde suchte nach dem Passenden. Er suchte lange und gewissenhaft. So lange, daß es dem kleinen Fräulein zu bunt wurde: „Run haben Sie die Waren zerknüllt, gedrückt nach Strich und Faden, einige Stücke sogar beschmutzt, und immer noch nicht gewählt. Ein so feiner Mann wie Sie müßte rücksichtsvoller fein; Leute wie Sie sind der Schrecken des Kaufmanns! Tun Sie mir den einzigen Gefallen und hören Sie auf!" Der junge Mann entschuldigte sich errötend, suchte schnell sechs Hemden aus, zahlte und verließ den Laden. Er erzählte dann seinen Bekannten, wie ihm die Kleine eine Lektion erteilt habe. Die Freunde erzählten den Vorfall weiter und zuguterletzt erfuhr auch das energische kleine Fräulein, — dah es ausgerechnet dem Erben der englischen Königskrone, bem Prinee o s Wales die Lektion erteilt hatte. Bis zu diesem Punkte handelt es sich um einen wirklichen Vorfall, nicht um eine der zahlreichen Anekdoten rund um den Thronfolger. Ob die Pointe mit dem Entschuldigungsbries des kleinen Mädchens und mit dem Rosenstrauß des Kronprinzen auch wahr ist, („3d) habe die Lektion verdient!", soll es darin geheißen haben), kann man schwer sagen. Auf alle Fälle soll es dem Geschäft feit der Veröffentlichung der kleinen Geschichte ausgezeichnet gehen: jeder will von der Verkäuferin kaufen, die dem Prinzen die „dicke Zigarre" verabreicht hat... ** Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Eintrittspreisen geöffnet. " Tei Inehm e r der Konferenz des Weltstudentenwerks im Flughafen. Die Teilnehmer der Weltstudentenlonserenz weilten am gestrigen Rachmittag als Gäste der Stadt zu einer unterhaltsamen Stunde im Gießener Flughafen. Oberbürgermeister Dr. Keller begrüßte die Teilnehmer der Konferenz, insbesondere die englischen Gäste, dankte dafür, daß man gerade Gießen zum Tagungsort gewäh.t habe und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es den Gästen in unserer Stadt recht gut gefallen möge. Die Engländer dankten für Begrüßung und freundlichen Empfang. Rach einer Kafseepause stieg Flugzeugführer Moog in seiner Klemm-Maschine zum Kunstflug auf und zeigte verschiedene kühne Figuren, die den Gästen ehrliche Bewunderung abnötigten. Loopings. Rollings, Rückenflüge usw. wurden gezeigt und mit großer Sicherheit geflogen. Zum Abschluß war eine Anzahl der auswärtigen Gäste zu Passagierflügen eingeladen, die noch geraume Zeit in Anspruch nahmen. Photowettbewerb des Verkehrs- und 'Verschönerungsvereins. Der Verkehrs- und Verfchönerungsverein weist heute durch eine Bekanntmachung darauf hin, daß er einen Photographischen Wettbewerb zur Erlangung oon guten Aufnahmen von Gießen und Umgebung veranstaltet. Der Wettbewerb ist für jedermann offen. Handgefertigte Ansichten werden in dem Wettbewerb zugelassen. Die Bedingungen für die Beteiligung an dem Wettbewerb sind erhältlich im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer 14, und im Bureau des Verkehrsvereins, Seltersweg 89. Der Einsendungstermin endet am 15. Oktober 1932. *♦ Neuwahl des Vorsitzenden der Hessischen Handwerskamrner. Da der Vorsitzende der Hessischen Handwerkskammer, No hl (Darmstadt), sein Amt niedergelegt hat, ist eine Neuwahl vorzunehmen. Wie verlautet, ist als Nachfolger der Mainzer Stadtverordnete Josef Falk in Aussicht genommen, dessen Vater, der verstorbene Geh. Gewerberat Falk, dieses Ehrenamt viele Jahre dessen ergriff er die Gelegenheit, feiner heimischen Regierung, die nichts mehr von ihm wissen will, ein Schnippchen zu schlagen dadurch, daß er diesen politischen Flüchtlingen weiterhals. Richtiggehende Pässe konnte er ihnen nicht ausstellen, ohne sich strafbar zu machen, und so stellte er ihnen kurzerhand Dehelsspässe für — Schisfbrüchige aus, denen der englische Konsul auch anstandslos das Visum für Singapore und sämtliche indischen Häsen verlieh, llnd da Schiffbrüchige, nicht wahr, meistens doch kein Geld mehr besitzen, brauchten die neun für ihre Pässe und die Visa auch keinen Heller zu bezahlen. Tcr wildgcwordcne Mafchinenmcnfch. (g) London. Der „Robot", der mechanische Mensch aus der Funkausstellung in London, hat gegen feinen Schöpfer rebelliert. Er hat zwar nicht die riefigen Verwüstungen angcftcllt wie fein sagenhafter Vorgänger, der Golem, sich aber nichtsdestoweniger doch recht fühlbar in Erinnerung gebracht. Alpha. — so heißt dieser Robot, hatte gerade einem staunenden Publikum wieder einmal seine Künste gezeigt, und sein Schöpfer, der junge 3n- acnieur Harty May, stand noch neben ihm. Dem Erfinder schien auf einmal etwas in dem verwickelten Mechanismus seines Werkes nicht ganz in Ordnung zu sein, und er bog das Gesicht näher an die Brust des Robots, in der. genau wie beim Menschen von Fleisch und Blut, das motorische Zentrum liegt, das das Ganze treibt. Cs gab einen leisen Knacks, ein elektrischer Funke sprang aus dem metallenen Munde, langsam, aber unsichtbar für den niedergebeugten Ingenieur, ging der eiserne Arm des Robots in die Höhe und krachte mit Gewalt auf den gesenkten Schädel des 3ngenieurs herab, der knockout geschlagen wurde. Eine ganze Stunde lag May bewußtlos. Als er bann wieder bei Besinnung war, konnte er seinem Gegner nicht einmal auf den Leib rücken, denn der stand vollkommen ruhig, bewegungs- und harmlos da. als ob er fein Wässerchen trüben könne. Mister May hat durch diesen Unfall aber vielleicht eine neue geschäftliche 3dee empfangen und wird einen zweiten Robot bauen, der JBeta heißen wird, und wird die beiden eisernen Männer einen Doxmatch miteinander austragen lassen. Schwergewichtsboxer sind heute sehr gefragt... Der Wäscheanglcr. (aok) Budapest. Angler sind in der Regel friedliche Leute, die kaum mit dem Strafgesetzbuch in Konflikte geraten: es sei denn, dah sie an verbotenen Plätzen „arbeiten" und dann behaupten, sie hätten nicht geangelt, sondern lediglich der Fliege Schwimmunterricht erteilt... Herr Michael Kerekgharto in der schönen ungarischen Stadt Debreczen war allerdings auf gar eigenartige „ Fische" scharf: Er angelte grundsätzlich nur Wäsche. Mit einem sinnreich konstruierten Anglerwerkzeug bewaffnet zog dieser „Erfinder" von Straße zu Straße und angelte nach allen Regeln der Kunst Hemden, Taschentücher und sonstige Wäschestücke aus Kellern und aus Wäschekammern. Er betätigte sich also sozusagen gleichzeitig als Tief- und Hochnagler und ging diesem seltsamen Handwerk mehrere 3ahre hindurch ungestört nach, indem eben Angler, wie eingangs erwähnt, friedliche, und der Polizei nicht verdächtige Leute find... 6000 Hemden für Herren und Damen, über 3000 Leintücher, und unzählige Taschen-, Hand- und sonstige Tücher mußten daran glauben, dah Herr Kerekgharto im Sinne der These „Hebung macht den Meister" sich zu einem Meisterangler entwickelt hatte. Dis man ihn zufällig beim verbotenen Angeln erwischte. Da half die Ausrede mit der „Fliege" nichts; der Mann bekam dreieinhalb 3ahre. Seine Ehehälfte sechs Monate und feine Schwiegermutter ebensoviel. Sogar die Kinder waren an den „ Fischzügen" beteiligt. Run wurde die ehrwürdige Firma von der Polizei geschlossen... Eine Erfindung,die uns noch gefehlt hat... (ht) Bukarest. Rumänien hat bisher noch keinen Erfinder von Ruf hervorgebracht, so daß man die Freude der Zeitung „Dimineatza" begreifen wird, die ausführlich von dem kommenden rumänischen Anwärter auf den "Nobelpreis berichtete. Dieser junge Mann hat nämlich nichts mehr und nichts weniger als einen „Apparat zum Anzünden von Streichhölzern" erfunden! — Die neue Maschine ist außerordentlich originell: in ihren konstruktiven Grundzügen gleicht sie den bekannten Benzinfeuerzeugen, nur ist das Gehäuse nicht mit Benzin, sondern mit Streichhölzern gefüllt. Drückt man auf einen Knopf, dann tritt ein Streichholz heraus, drückt man auf einen zweiten Knopf, dann seht eine herausschnellende Reibfläche den Kopf des Hölzchens in Brand, drückt man dann auf einen dritten Knopf, so fällt das abgebrannte Hölzchen heraus und das Spiel kann von neuem beginnen. — Fabelhaft, was? Wir gestehen, daß wir auf diese Erfindung schon lange gewartet haben, denn das Anzünden eines Streichhölzchens an der Reibfläche der Schachtel ist bei Lichte betrachtet ein durchaus altmodisches Verfahren gewesen. Allerdings: ganz vollkommen ist die neue Erfindung wohl noch nicht: da die abgebrannten Hölzchen automatisch wie leere Patronenhülsen ausgeworfen werden, müßte an der sinnreichen Maschine wohl noch irgendeine Art „Aushebe-Vorrichtung" angebracht werden, sonst dürfte der Apparat als „Geschenk für den Herrn" kaum den Beifall teppichliebender Hausfrauen finden.,. Gießen, den 17.September 1932. Kleine Stunde unter dem Dach. 3edeS Haus ist eine kleine Welt, ein Mikrokosmos sozusagen, ein Extrakt des Schicksals. Häuser sind die Küchen des Weltgeschehens, in denen täglich brodelnd die Speisen des Lebens gekocht werden, die dann so schwer zu löffeln sind und so selten schmecken. Häuser sind die Brennpunkte des Stirb und Werde. Täglich erleben die Stuben, die Flure, die Küchen und Treppen Schicksale en miniature, hart stoßen sich die Charaktere der Familien im Raum von ein paar Hundert Kubikmetern, und hätten wir Augen, die durch Türen und Wände bringen, wären wir bald alle Meister der Psychologie. Glück und Liebe im ersten Stock, Haß und Tränen im zweiten Stock, Behäbigkeit im Parterre und Nervosität in der dritten Etage, üble Nachrede im Treppenhaus und süße Schwüre und zärtliche Lyrik abends vor der Haustür. Morgens um sechs älhr klingelt der erste Wecker und das Schicksal erwacht gähnend im Keller, wo es die Nacht mit halbem Auge geschlafen hat. Wie ein Gespenst huscht es nun über die Treppen, läßt Frau Pammels Milch anbrennen und versteckt den Schuhlöffel ihres Untermieters, steigt ins Parterre und läßt Herrn Redlich die -Zeit verschlafen. (Das ist nun schon das drittemal und demnächst wird man dem Redlich wegen äln- pünktlichkeit kündigen.) Ungerührt aber steigt das Schicksal wieder in die oberen Regionen und schickt den Geldbriefträger zum Dichter Blütebaum mit zwanzig Mark — und so huscht es umher, sät Liebe und Haß, stiftet Zank und Friede, läßt den Dotenjungen aus der Treppe hinschlagen und wirbelt aus des Architekten Schreibtisch den Brief seiner heimlichen Freundin hinter das Sofa, wo ihn morgen seine Frau finden wird, wenn sie von der Reise zurückkommt. So treibt es das Schicksal den ganzen Tag, lautlos und unheimlich, und es ist längst nach Mitternacht, als es sich endlich zur Ruhe legt, nicht ohne zuvor Kurzschluß in der Treppenbeleuchtung zu machen und bei den Schorles ein kleines Kind mit den Masern zu bedenken. Nur einen Winkel in dieser kleinen Welt gibt es. den das Schicksal nicht betritt. Nur ein Winkel. in dem nicht Lärm ist. nicht Unruhe noch Geschrei. Co wie die große Welt verträumte Waldseen hat und lautlose Wiesentäler, so hat das Haus einen Boden. Der Boden, das ist das buen rctiro, das Schweigeparadies, das Allerheiligste der Stille. Hier vollzieht sich nicht der Lärm wichtiger Geschehnisse, kein Lachen, fein Weinen ertönt — nur die Dinge sprechen ihre stumme Sprache. Unb was für interessante Dinge es sind! Hier unter den Sparren und Ziegeln das Daches ist cs versammelt, bas Strandgut des Lebens, das von den stürmischen Ereignissen des Hauses hinausgesvült wurde und nun in der vergessenen Einsamkeit des Bodens träumt. Da steht ein brüchiger Lehnstuhl mit wackligen Lehnen — niemand sitzt mehr auf ihm, nur die Brummsliege putzt sich die müden Flügel auf seinen Knäufen und nachts pfeift auf dem zerschlissenen Polster ein graues Mäuschen. Da wuchten uralte Schränke, in denen der Holzwurm tickt und tickt wie eine Geisteruhr, eine riesige Gießkanne gähnt mit verbogenem Maul, in dem zerbrochenen W andipieqcl bewundern sich die eitlen Motten und ein alles Veloz'llxd träumt von Dunlop und len alten guten, rücktrittlosen Zeiten, Slnb dann sind da die Truhen und Kisten, in denen ehrwürdig knisternde Roben und verbeulte Strohhüte der Großmutter schlummern, in denen alte, stockfleckige Bucher und vergilbte Briefe sich selber lesen, weil es sonst niemand mehr tut — da ist der romantische Plunder ganzer Generationen, der hier verstaubt und zerfällt... Li den Winkeln der rissigen Dalken hocken grc.v.c Spinnen in den Schleiern ihrer Netze, und im fahlen Glanz der Abendsonne tanzen die Motten. Wenn aber der Sturm über die Stadt faucht, klappern die Dachpfannen gespenstische Lieder, wenn die Sonne ihr glühendes Feuer durch die Luken gießt, knacken und knistern die audgebörrten Sparren, und wenn bie Tropfen des Regens über das Dach rieseln, ist's hier oben wie in einem verzauberten Schloß, in dem eine uralte Frau traurige Träume webt. . Unter den Dächern der Häuser wohnt die Romantik, huscht auf leisen Sohlen die Stille, träumt auf wurmstichigen Stühlen die Vergangenheit im Mondlicht einsamer Nächte. H. C. von M. Aus dem Manöver zurück. Nach anstrengenden, aber auch erfolgreichen Manövertagen ist gestern unser Bataillon unter der Führung seines Kommandeurs, Oberstleutnant Klepke, wieder in die Garnisonstadt zu» rückgekehrt. Um 17.33 Uhr traf der Transportzug. aus Langensalza kommend, hier ein. Sofort g ng es an das Ausladen der Fahrzeuge und der Pserde, dann traten die Kompanien zum Einmarsch in die Stadt an. Vor dem Bataillon zog die übliche große Radfahrerkolonne einher, auf Len Bürgersteigen folgten weitere Menschenmassen den Truppen, und zu beiden Seiten der Marschstraßen standen große Scharen von Bürgern und Bürgerinnen, die den Soldaten herzlichen Gruß darbrachten. 3n schneidiger Marschordnung zogen bie Kompanien zu den Kasernen. Die Solbaten liehen nicht im mindesten erkennen, welche großen Strapazen sie bei den Regimentsübungen und den anschließenden Drigade-Manövern zu ertragen hatten. Der frohgestimmte und herzliche Empfang in der ®ar- nisonstabt mag ihnen Ausbruck dafür sein, dah ihre Leistungen bei dem Friedenskrieg von der Gießener Bürgerschaft hoch eingeschätzt werden. Schwerer Verkehrsunfall. Flugleiler und Pilot aus dem Gießener Flughafen verunglückt. Heute nacht gegen 2 Uhr verunglückten der Flug- leiter der Lufthansa im Gießener Flughafen, Herr Vongeher, sowie der Pilot des Zubringerflugzeugs Gießen—Frankfurt, Herr H a n b t c, im zweisitzigen Kleinkraftwagen auf ber Straße zwischen Kirch-Gons und Lang-Gons, als sie sich auf ber Fahrt von Frankfurt nach Gießen befanden. In einer Kurve fuhr ber von Herrn Handke geführte Wagen mit großer Wucht gegen einen Baum. Herr Vongeher wurde aus bem Wagen geschleudert und stürzte so heftig daß er anscheinend einen schweren Schädelbruch erlitt und auf der Stelle tot war. Herr Handke erlitt nur leichtere Verletzungen. Wie der Unfall zustande kam, konnte bisher noch VfB. Gießen. Die vfBer in Breidenbach. Das Spiel war von feiten des Verbandes ursprünglich zur Austragung in Gießen angejetzt. Man kann es aber verstehen, daß die Breidenbacher am kommenden Sonntag nicht gerne nach Gießen fahren wollen, denn in ihrem Dorfe ist Kirchweih und da will auch die Fußballmannschaft nicht fehlen. In schöner Geste haben sie deshalb die Grünweißen nach Breidenbach eingeladen, um das Verbandsspiel auszutragen und, so nebenbei, am Kirchweihfest teilzunehmen. Die Mannschaft von Breidenbach ist ein gefähr- licher Gegner. toie hat sich im Vorjahre gegen die Spielvereinigung 1900 ausgezeichnet gehalten: die Elf hat Verbandsspiele gegen Wetzlar und Wallau gewonnen. Auf eigenem Platze, auf dem sich sremde Mannschaften nie so ganz zurechtfinden, haben die Gastgeber ein besonderes Prä. Zwar verfügt die Mannschaft nicht über jene geschliffene Technik, die den Gießenern bei einigermaßen guter Verfassung zu eigen ist, dafür aber über ein Stehvermögen, das sie unbedingt beide Halbzeiten selbst bei schärfstem Tempo gewachsen sein läßt. Im übrigen: eine Mannschaft, die fair kämpft, sehr eifrig ist und bestimmt nicht dem Gegner von gutem Ruf von vornherein den Sieg überlassen wird. In der Läuferreihe sind einige gute Kräfte. Die 1. Mannschaft des VfB. muß wieder ohne Bingel fahren, sie wird sich aber zu behaupten wissen, nachdem sie schon gegen den gefürchtetsten Derbandsspielgegner, die Mannschaft des Sportvereins Wetzlar, über Erwarten gut abzuschneiden vermochte. Lorbeeren ernten können, da die Licher Mannschaft über eine recht beachtliche Spielstarke verfügt. Die 1. Iugendmannschaft hat einen schweren Gang vor sich. Die Mtv.-Mannschaft hat in Wetzlar gegen die 1. Jugend des Tv. Wetzlar, den Gaumeister 1931/32, anzutreten. Auch in diesem Spiel werden die Gießener keine großen Gewinnchancen haben. Siudenten-Wettmersterschasten 1933. Die 5. Weltmeisterschaften der Studenten, die 4. wurden 1930 in Darmstadt ausgetragen, wurden für 1933 von der Confederation Internationale des Estudiants nach Italien in die „Ausländer-Llniversitäts-Stadt" Turin vergeben. Stuttgarts Amateurboxer in Frankfurt siegreich. Am Donnerstagabend waren beim FSB. Frankfurt die Amateurboxer des Boxclub „Prag"- Stuttgart zu Gast. Die Stuttgarter entpuppten sich als sehr gute Boxer — sie waren vor allem sehr gut durchtrainiert — und siegten nach spannenden Kämpfen mit 10:6 Punkten. Da die Frankfurter ebenfalls eine sehr gute Durchschnittsleistung boten, bekamen die sehr zahlreichen Besucher sehr schönen Sport zu sehen. Deutsche Ruderer in Amsterdam. Zum letzten Male in diesem Iahre gehen deutsche Anderer am 23. und 24. September bei der internationalen Aegatta in Amsterdam an den Start. Die Regatta, die von der Holland- Deker-Wettstryd-Bereenigung in Gemeinschaft mit dem Amsterdamer Roeibond durchführt, wird von sechs deutschen Vereinen beschickt. Die deutschen Vertreter sind ilnöine Saarbrücken, Willy Dohme-Guben, der um den Hollandbecher kämpft, Mannheimer RV. Baden (Dr. Frisch), RC. Werder Magdeburg (W. Krakau), RG. Ruhrort (Thomas) und Schweinfurter RC. Franken (Kai- del). Frankreich siegt im Steherländerkampf. Auf der ausverkauften Pariser Buffalobahn wurde am Donnerstag ein Steherländerkamp zwischen Frankreich und Deutschland ausgetragen, der die Franzosen mit 13:8 Punkten siegreich sah. Die deutschen Fahrer Sawall, Möller und K re wer konnten also ihren erst kürzlich in Berlin errungenen Erfolg nicht wiederholen. Das erste Verfolgungsrennen holte sich M a r e ch a l gegen Krewer, im zweiten siegte Sawall über G r a s s i n und im dritten olieb Paillard über Müller erfolgreich. Im 80-km-Dauerrennen siegte Mar 6 chal etwas überraschend vor G r a s - sin, Sawall, Krewer und dem weit zurückliegenden Paillard. Möller mußte wegen Sitzbeschwerden aufgeben. Straßenfahrer-Kritenum in Nizza. Auf der berühmten Promenade des Anglais in Rizza wurde am Donnerstag das Curoda- Kriterium der Straßenfahrer ausgetragen. Sieger wurde über die 100 Kilometer lange Strecke der Belgier Iean Aerts mit 32 Punkten. Auf dem zweiten Platz endete der Tour de France- Sieger Leducq vor Droccardp und dem Belgier Ghyssels. Der Berliner S t ö p e l wurde Reunter, während Sieronski mit noch fünf Fahrern auf den zehnten Platz gesetzt wurde. Die Reserve empfängt auf eigenem Platz die erste Elf von Leihgestern zum Verbandsspiel, das sie schwerlich als Sieger fehsn wird. Die Leibgesterner sind im Kampfe erprobt. Ihre körperliche Leistungsfähigkeit schafft ihnen von vornherein ein Ueb'er- gcwicht und ihrem druckvollen Spiel werden die VfBer allen Eifer und alle Technik entgegensetzen müssen. Ein weiteres Verbandsspiel hat die 3. Mannschaft auf eigenem Platz gegen die 1. von Rieder- Weisel zu bestreiten. Gleichwertige Gegner ringen um den Sieg. Die 1. Jugend ist spielfrei. Die Schüler haben die Schiller von Leihgestern zu Gast und sollten in Anbetracht der ausgezeichneten Form, in der sich die Jüngsten befinden, den Sieger stellen. Spielvereimgung 1900 Gießen. .Tas Programm der Spielvereinigung 1900 ist für diesen Sonntag nicht allzu umfangreich. Die erste Mannschaft ist spielfrei, das Spiel der zweiten Mannschaft (evtl, gegen die Erste des Vereins „Sportfreunde" Wetzlar) ist noch nicht endgültig abgeschlossen, die 3. Mannschaft tritt gegen die -Zweite des DfR. Butzbach an und h-at einen Gegner vor sich, den sie eigentlich noch zu brsiegeni imstande sein müßte. Die vierte Mannschaft spielt gegen Lollars Dritte und sollte sich ebenfalls einen Sieg sichern können. Die erste Mannschaft tritt erst am nächsten Sonntag und zwar gegen die erste Elf von Breidenbach in Aktion. Handbatt im Turnverein 1846 Gießen. Die 1. Mannschaft empfängt am Sonntag auf dem Anivecsitätssportplatz die gleiche Elf des Tv. Münchholzhausen. Die 1845er greifen damit zum erstenmal in die Verbandsrunde der Meisterklasse An, da das erste Spiel gegen Tg. Friedberg der Wi-tcrung zum Opfer fiel. Die Gäste sind in diesem Iahre aufgestiegen und stellen einen beacht- licken Gegner dar, dem selbst Vereine der Kreisklasse in letzter Zeit unterlagen. Da die Hiesigen wieder mit altbewährten Kräften antreten, ist ein spannender Kampf zu erwarten. Harrdbatt im Männer turnverein (D.T). Am kommenden Sonntag stehen wieder drei Hano^al.Mannschaften des Gießener Männer- Turnvcreins im Terbandsspicl. Die 1. Mann- fcra,t empfängt auf eigenem Platze die gleiche .Turnvereins Wetzlar. Dies ist das erste V.rbandsspiel, das zwischen den Kreisklassemann chaf en auf hiesigem Platze zum Austrag kcmmb Die Mtv.-Mannschaft hat sich zwar in Iuvilaumsspielen den Wetzlarer Turnern glatt überlegen gezeigt, muß aber am kommen- uen Sonntag in viel schwächerer Aufstellung an- trcten. Cs werden sich dementsprechend zwei vcl kommen gleichstarke Mannschaften gegenüber- NLyen, so raß em interessantes Spiel, dessen t^ussang noch vollkommen offen ist, zu erwar- - ^A.Aubballmannschaft des Mtv. Gießen tragt in Lich gegen die 1. des dortigen Turn- verelns ebenfalls ein Verbandsspiel aus. In diesem Spiel werden die Gießener wohl kaum Wirtschaft. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Frankfurt a. M., 16. Sept. Die Börse unterlag im abgelaufenen Berichtsabschnitt mehrfachen, heftigen Zuckungen. Rach der für die kapitalarme Zeit beispiellosen Hausse vor zwei Wochen und dem vorübergehenden Rückschlag schien es zu Beginn der neuen Woche, als ob sich eine stetigere Aufwärtsbewegung durchsetzen wollte. Aus der Wirtschaft lagen unterschiedliche Momente vor. Rachrichtcn über angeblich bevorstehende Arbeitereinstellungen in der Montanindustrie, Mitteilungen über eine gebesserte Lage in der Maschinen- und Metallwarenbranche und Preiserhöhungen für Textilwaren auf Grund der Rohstosfhausse, stand vor allem der auffällige Kursrückgang der AEG.-Aktie gegenüber. Der Kurs ging von 46,5 Prozent auf niedrigst 30 Prozent zurück, um dann später wieder auf 33 Prozent anzusteigen. Von diesem Moment aus fing es an sehr unsicher und überwiegend schwach zu werden, kamen doch auch von der innerpolitischen Seite her empfindliche Schläge. Die Vorfälle beim ersten Reichstagszusammentritt nach der letzten Vertagung ließen starke Verstimmung auf» kommen und lösten bei der Spekulation neben Glattstellungen starke Blankoverkäufe aus, so daß erhebliche Kurseinbuhen die Folge waren. So gingen z. B. IG.-Farben nach einem Kursstand von 104 Prozent innerhalb eines Börsentages noch 5 Prozent unter Pari. Zu der verstimmenden innerpolitischen Situation trug noch der schwere Konflikt zwischen der Reichsregierung und dem Lleberwachungsausschuß des Reichstages bei. Später trat aber dann doch eine merkliche Besserung ein, wobei vor allem befriedigte, daß das Publikum an seinem neuerworbenen Besitz festhielt. Daneben ließ sich die Spekulation von wieder festen Kursmeldungen aus dem Auslande beeinflussen. Am letzten Tage des Berichtsabschnitts wurde die Haltung jedoch wieder schwächer. Per Saldo lag das Kursniveau doch überwiegend schwach. Die durchschnittlichen Rückgänge betrugen von 2 bis 5, bei Kunstseideaktien bis zu 7 Prozent und Chade- aktien verloren 11 Mk. IG.-Farben hatten nachstehende Bewegung: 105,75 bis 95,50 bis 100 25 Prozent und AEG.: 46,75 bis 30 bis 32,25 Prozent. Eine Sonderbewegung hatten Lahmeyer die auf den wieder lOprozentigen Dioidendenvor- schlag 16 Prozent gewannen. Als „krisenfest" *aiLn Zellstoffaktien, Bauwerte, ferner Licht und Kraft, Felten, Rheinstahl und Südd. Zucker bezeichnen. . Am Rentenmarkt blieben deutsche Anleihen behauptet, Goldpfandbriese, Kommunal- Obl.gationen und Rcichsschuldbuchforderungen verloren bis zu 1,5 Prozent. Stadt-Anleihen und Industrie-Obligationen tendierten uneinheitlich, bei Abweichungen von etwa 2 bis 5 Prozent nach beiden Seiten. Die Hilferding- und Reinhold-Anleihen lagen etwa bis zu 3 Prozent höher, und auch andere Länder-Anleihen waren meist noch bis zu 2 Prozent fester. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 15. Sept. Am Frankfurter Schlachtviehmarkt setzte sich der Preisrückgang auf allen Märkten in zum Teil verschärfter Form fort. Die Ursachen blieben dieselben wie bisher: zu starke Auftriebe im Verhältnis zur schwachen Kaufkraft der breiten Masse. Bei meist sehr ruhigem Geschäftsgang verblieb überwiegend Lieberstand, woran nicht zuletzt auch die verschär- ten Absperrungsmaßnahmen einiger Länder, z. D. Frankreich, Holland u. a., die früher nicht zu verachtende Exportgebiete für deutsches Vieh waren, schuld sind. Andererseits darf nicht übersehen werden, daß die Landwirtschaft nach der Ernte sich wieder mehr der Viehzucht und dem Verkauf von Vieh zuwendet, und auch der nahende Herbst schon merkliche Abtriebe von den Weiden zur Folge hat. Am Rinder markt gaben die Preise nach schleppendem Geschäftsgang 1 bis 2 Mk. nach. Der erhöhte Auftrieb von 1891 Stück gegen 1818 Stück konnte nicht geräumt werden, so daß Lieberstand verblieb. Ochsen al) 30 bis 32, a2) 26 bis 29, bl) 22 bis 25; Bullen a) 25 bis 27, b) 20 bis 24; Kühe a) 24 bis 23, b) 20 bis 23, c) 14 bis 19; Färsen a) 30 bis 33, b) 27 bis 29, c) 23 bis 26. Der Kälbermarkt war mit 1568 (gegen 1585) Stück zwar etwas schwächer beschickt, doch konnte der Markt nach anfangs mittelmäßigem, später aber schleppendem Geschäft nur unter Preisnachlässen von 2 bis 3 Mk. geräumt werden. Kälber b) 39 bis 41, c) 35 bis 38, d) 26 bis 34. Der weiter erhöhten Schafzufuhr von 394 gegen 361 Stück stand nur geringe Rachfrage gegenüber, so daß die Preise erneut 1 Mk. nachliehen. Das Geschäft war schleppend, doch wurde ausverkauft. Schafe al) 23 bis 26, b) 20 bis 22, c) 15 bis 19. Am Schweinemarkt trat eine Abschwächung der Preise um 3 bis 4 Mk. ein. Die Beschickung war mit 5844 Stück um fast 400 Stück größer. Rach schleppendem Handel verblieb Lieberstand. Schweine b) 44 bis 45, c) 42 bis 45, d) 39 bis 45. Die Notierungen verstehen sich in Mark pro Zentner Lebendgewicht. Continental-Gummiwerke A G., Hannover. Die Continental-Gummiwerke AG., Hannover, hat heute eine Mitteilung veröffentlicht, in der sie jicy oereir cniati, Matznah« men der Regierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dadurch zu unterstützen, daß si« einerseits das Arbeitsvolumen vermehrt (wobei das Risiko der vergrößerten Lagerhaltung übernommen werden soll), andererseits die Arbeits- zeit verkürzt wird, soweit dies für den einzelnen wirtschaftlich erträglich ist. Die Firma hofft, auf diese Weise nach und nach 500 bis 1000 Arbeite« einstellen zu können. * Brandschaden statt st ik der öffentlichen Feuerversicherungsan st alten. Rach der Feststellung des Verbandes öffentliche« Feuerversicherungsanstalten in Deutschland sind die Leistungen für Brandschäden bei den öffentlichen Feuerversicherungsanstalten (Brandversicherungsanstalten, Sozietäten, Brandkassen) int August 1932 auf 12 593 363 Mark (Iuli 7 795 215 Mark) gestiegen. Die Anzahl der Schäden (Schadenshäufigkeit) war im August dieses Iahres mit 6940 Schäden größer als im gleichen Monat des Vorjahres (6446). Die Gesamtschadensleistungen der öffentlichen Feuerversicherungsanstalten für Brandschäden betrugen bis Ende August des laufenden Iahres 64 307 766 Mark (1931: 70 447 003 Mark). * Fast 30 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Nach der Ende Mai durchgeführten Anbauflächen-Erhebunq betrug die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Deutschen Reich rund 29,37 Millionen Hektar. Das bedeutet, daß nicht weniger als 62,7 v. H. des gesamten Grund und Bodens unseres Vaterlandes für landwirtschaftliche Zwecke verwandt wird. Einen recht beträchtlichen Anteil der Bodenfläche beansprucht natürlich auch der deutsche Wald: 12,77 Millionen Hektar Forstfläche zählte die amtliche Statistik. Interessant ist auch die Tatsache, daß es in Deutsch, land noch 410 000 Hektar Moorböden und 1,44 Millionen Hektar Oedland gibt. Gegenüber diesen großen Flächen spielt natürlich der Anteil des n;:t Grundstücken bebauten Bodens eine geringe Rolle. Nur 1,4 o. H. des gesamten deutschen Grund und Bodens oder 640 000 Hektar entfällt auf Haus- und Hofräume. Größer ist die Fläche, die von Straßen, Wegen, Parks, Gewässern usw. eingenommen wird, nämlich 2 240 000 Hektar. Weit mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche entfalt auf das Ackerland (20,47 Millionen Hektar), von dem ein Drittel mit Brotgetreide bestellt war. 5,5 Millionen Hektar Wiesen und 2,66 Millionen Hektar Weideland gehören zur landwirtschaftlich genutzten Fläche. Die übrige Fläche von 735 000 Hektor wurde zu mehr als vier Fünfteln als Gartenland genutzt. Weinberge und feldmäßig betriebener Obst, bau bedeckten 83 000 Hektar bzw. 53 000 Hektar der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Frankfurter Abendbörse freundlich. Frankfurt a. M., 16. Sept. Nach dem im Mittagsschluhverkehr erfolgten Rückschlag war die Abendbörse wieder freundlicher, doch hielt sich das Geschäft in engen Grenzen. Etwas Anregung bot die Meldung von einer bevorstehenden Amorti- sationskassen-Gründung zur Erleichterung der Kreditgcwährung der Banken unter Hilfestellung der Reichsbank. Die Kursgestaltung war zunächst nicht ganz einheitlich, später aber überwiegend befestigt. Bis zu 1 Prozent höher eröffneten Reichsbank, Gessürel, Metallgesellschaft und De- kula, während Montanaktien und I.-G.-Farben nur behauptet waren und Zellstoff Waldhof ein Prozent verloren. Im Verlaufe machte sich vermehrtes Interesse für einige Montanwerte bemerkbar, so für Mannesmann, Rheinstahl und Gelsenkirchen, die bis zu 1,5 Prozent anzogen, ferner waren Bemberg 1,5 Prozent und I.-G.-Farben 1 Prozent höher. Am Rentenmarkt waren Schuldbuchforderungen angeboten und 0,75 Prozent schwächer, Reubesihanleihe waren etwas höher, im übrigen herrschte Geschäftsstille. Reubefitz 6,95, Altbesih 54,25, Reichsbank 130,39—65, Gelsenkirchen 44 bis 43,75, Mannesmann 56,50, Rheinstahl 71, Stahlverein 20,65, AEG. 30,65, Tekula 108—39, I.-G.- Farben 101,13—102, Gesfürel 75,75, Lahmeyer 117, Metallges. 39,13, Zellstoff Waldhof 39,50—40. Bemberg 68, Hapag 18,25, Lloyd 19,13. Schweinemarkt in Homberg. Homberg, 15. Sept. Der Auftrieb zum gestrigen Schweinemarkt betrug 371 Stück Ferkel. Für 6 bis 8 Wochen alte Ferkel zahlte man pro Kopf 8 bis 15 Ml. und für 8 bis 13 Wochen alte 12 bis 25 Mk. Die Tendenz des Marktes war schleppend, es verblieb Lieberstand. Verantwortlich für Lokales, Provinz, Sport und Wirtschaft i. V.: H. L. Neuner. Sprechstunvcn der üledaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen An, eigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle ,u richten. Srantfurt a. Dl. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. turt 15-9. 67,5 o 63,5 62,5 62,5 50 50 50 50 72,75 72,75 72,5 72,25 78,4 78,5 68 71 ! 70,5 70,5 70,5 Banknoten. 10 10 47 179 175,5 178,5 26 26,75 L 126 o 01 0 20 44 78,5 79 ! 6,75 3,85 . 6 . 8 , 0 , 6 10 0 0 6 ii (i 20,25 44,75 56,5 68 40 29 54,13 56,25 66,5 40,5 28,4 92,65 19,75 45,5 36,5 47 10 , 6 9 10 o ■i o 0 0 0 0 0 0 . 7 . 0 p . 6 0 12 7,45 7 Buderu-...... Deutsche Erdöl . . . Gelsenkirchener . . . Harpener...... Hocjch Eisen..... iXHc Bergbau .... Ilse Bergbau Genüsse Klocknerwerle........6 Manncomann-Röhren .... 6 Mansselder Bergbau.....o Oberschiei. KokSwcrkr .... 8 54,5 65,5 frankfurter Maschinen Grihner...... ' Maintrasiwerie HöchstU Süddeutscher Zucker . . 54,25 6,95 A.E.G........... Bergmann........ Elektr. LieserungSgeiellschast.' Licht und Straft...... Zellen & Guilleaume. . . . Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen . . . Rheinische Elektrizität . . . Schurken L Co....... Siemens L HalSke..... Lahmeyer L Co....... 4 6,1 11,6 5.5 18,75 6,75 3,8 Phönlr Bergbau. . . Rheinische Braunkohlen Rheinstahl..... 7,4 7 55 54,65 65 40 28,25 91,75 19,75 43,5 35,5 47 4,15 4,25 6,1 11,4 5,5 18,751 67,75 78 I 63,5 53,9 6,75 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. nen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H, Lombardzinsfuß 6 o. H. Z)atum Vaniburn-'anierua Pau Hamburg-Südam. Dampfschiff. Hama Dampsschjst . . Norddeutscher Lloyd .... A.G. für Verkehrswesen Akt.' Berliner Hanbelögesellschaft . Commerz, und Privat-Bank. Darmstädter und Nattonalbank Deutsche Bank und Disronto-Gesellschaft . Dresdner Banl...... Reichsbant....... 124,5 1 124,75 Schluß- 4% Oesterreich» che Goldreute . 4,20% Ocsterreichische Silbcrrente 4% Ungarische GoldreNte . . . . 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4/2% dcsgl. von 1913..... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanlejhe von 1911 ^Türkische Bagdadbahn-Anleih. 4% »es«,.'Serie II ..... . 5% Rumän. vercinh. Rente v. 1903 454 ?6Rumän.vereinh.Rentev.1913 4% Rumänische vereinh. Rente 2»% > Anatolier...... Schultheis Patzenhofer . . . ™u «Allgemeine Kunstseide, Bemberg. . . Zellstoff Waldhof j j I ' ' Zellstoff Aschaffenburg . " ’ Dessauer GaS . . Daimler Motoren Deutsche Linoleum Lrenstcin & Koppel Leonhard Tieg Svenska ... Chade..... böi-s. 16-9. Datum 6% Deutictu- RetchSameihe o. iu_-, '•% ehcm.7%Tt.Reichsanl.v.l929 5*4% Douug-Anlcihe von 1930 Deutsche Anl.-Ablös.-Schulü mi, Ausloi.-Rechien...... Dcsgl. ohne Ausloj.-Rechte . . S% ehem 8%Hei, Volküslaat 1929 «rültzahld. 1O2%)...... Oberhesjen Provinz.Anleihe mii Auslos.-Rechten ..... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie t...... 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Banl Golow . i."> unkündbar bis 1935 6% ehem 7% Franks. Hyv.-Banl Golov 16 unkündbar bls 1936 6*4% ehem. 4*4% Frankf.Hyp.- Bank Lian Pumobrlefe . . . 6VZ% ehem. 4*4% Rheinische Huv -Ban!-Liga -Goldp.e. . 6% ehem 8% Pr. Landespsand- brlejanftai: Pfandbriefe R. 19 «% ehem. 7% Pr. Landespfandbriefanstalt Pfandbriefe R. 1< Irranfiurl a. M. Aerlm Schluß« kurs Schluß!. Abend« börse Schluß« turs Schluß!. Mittag« bör e 15.9. 16.9. 15.9. 16.9. 18 18,25 18,13 18,25 — — — 37 — — — 32 19 19,13 18.9 19 — 43 41 43,25 91 91 91 91 56 56 56 56 — — — 76 76 76 76 63 62,75 63 63 129,5 130,65 129 129,65 31,75 30,65 31,25 30 — — 21 20,75 71,9 73,5 72 72 86,4 86,5 85,5 86 56,5 59 57,4 59 73,5 75,75 73,25 74,5 70 70,65 71 — 79 77 77,5 — 137,9 135,25 138 112 117 111,75 117 39 40 39,5 39,5 — 78,25 77 78 40,75 43,75 40,75 43,5 77 78,25 76.75 78,5 — — 36,5 37,13 — — 131 — — 97,5 97 96,75 34 35 34,5 35 53,75 56,5 54,4 55,9 24 23 23,75 22,5 — —> 38,5 39,4 26,25 27,5 25 27 — 176,5 171.5 177.5 63 11 69,13 69,5 Srantjurt a. 2)l. Berlin Schluß« kurs Schluß!. Abend« börse Schluß« lurs Schluß!. Miliag- börse ■Datum 15.9. 16.9. 15.9. 16.9. Riebeck Montan . . . — — — — Bereinigte Stahlwerke . . . . 0 20 20,65 19,65 20,9 Olavi Minen .... . . 0 — 17,75 16,75 17,75 Kaliwerke Aschersleben . . . 6 — 108 106 108,25 Kaliwerke Westeregeln . . . 6 114 112 114 Kaliwerke Salzdetfurth . . 9 — 179 174,5 176,25 3- G. Farven-Industrie . . . 7 100 102 100,13 101,4 Schcideanslalt.... . . . in 135,5 135.5 Goldschmidt..... . . . . 0 29 30 28,5 30 Rülgerswerke .... . . . . 0 38 39,25 37,5 39 Metallgesellschaft. . . . . . . 0 37,5 39,13 37,5 38,5 Philipp Holzmann . . . . . . 0 53,5 55 53,25 55 Zementwerk Heidelberg Ccmentweri Karlstadt. . . . . 4 . . . . 0 52,5 53,5 50 WayhL Freytag . . . . . 0 5 5,13 6 — Schluß« lurd Schluß!. Miilag- bö-sc 15.9. 16.9. 67,75 67,75 77,5 76,65 63,5 63,5 53,5 54,25 6,75 6,85 63,25 63,25 - — 49,75 49.9 - — - — - — - — 71 71 - — 10 9,8 1,3 1,3 7,45 7,4 6,8 6,8 5,95 11,25 7 3,8 3,85 4,25 4,25 4,05 6,25 —— 11,5 11,25 5,35 5,5 18,4 18,75 15-September 16. September Amtliche Notierung Geld | Artet Amtliche Notierung Geld | Briet Heisings orS . Wien. . . . Prag . . . Budapest. . Sofia . . . Holland . . Oslo.... Kopenhagen. Stockholm . London. . . Buenos Aires Ncuyork . . Brüssel. . . Italien. . . Paris . . . Schweiz . . Spanien . . Danzig. . . Japan . . . Rio de Jan.. Jugoslawien. Lissabon . . 6,304 51,95 12,465 3,057 169,28 73,63 75,87 75,02 14,64 0,913 4,209 58,31 21,62 16,49 81,23 33,87 81,87 0,989 0,311 6,493 13,34 6,316 52,05 12,485 3,063 169,62 73,77 76,03 75,18 14,68 0,917 4,217 58,43 21,66 16,53 81,39 33,93 82,03 0,991 0,313 6,507 13,36 6,294 51,95 12,465 3,057 169,23 73,53 75,77 74,92 14,62 0,908 4,209 58,31 21,62 16,49 81,21 33,90 81,82 0,999 0,311 6,444 13,32 I 6,306 ’ 52,05 12,485 3,063 169,57 73,67 75,93 75,08 14,66 0,912 4,217 58,43 21,66 16,52 81,37 33,96 81.98 1,001 0,313 6,456 13,34 Berlin, 16. September | Geld ~ Aries Amerikanische Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58,15 Dänische Noten......... 75,60 Englische Noten......... 14,58 u'fiä Französische Noten........ 16,45 i r ’ 5] Holländische Noten........ 168,86 169 54 Italienische Noten....... 21,56 91 $4 Norwegische Noten........ 73,35 Deutsch. Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten........ 2,49 Schwedische Noten........ 74,75 Schweizer Noten......... Spanische Noten......... 33,76 81,35 Ungarische Noten ........ 33,90