Nr. 218 Erstes Blatt 182. Jahrgang Zreitag, 16. September 1952 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustriert« Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle WonatS’Bejugsprets: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Kernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Jranffurt am Main 11686. Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnlck und Verlag: vrühl'sche Univer^läts-Vllch' und Zteindruckerei K Lange in Gletzen. 8chriftleitung und Geschastrstelle: Schulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig.- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playoorschrist 200/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Biehen. Die Konferenz von Stresa. Don unserem O-Korrespondenten. Stresa, den 14.September 1932. Wie lange ist es her, dah wir im Geleite Strese- manns und Driands von Locarno südwärts fuhren, um an einem Septembernachmittag wie jetzt Gaste der italienischen Regierung zu fein? Wirklich schon sieben Jahre? Stresemann und Driand sind längst dahingegangen, die Probleme aber, um die es vor sieben Jahren ging, sind d i e gleichen geblieben. And im Hintergrund aller europäischen Röte und wirtschaftlichen Verwicklungen steht der Schatten des Versail- lerVertrages, jenes aus Siegerübermut uns auf gezwungenen Diktates, das den Krieg nicht beendete, sondern nur die Drachensaat neuer Kriege fäte. Wieder einmal sitzen die Vertreter aller europäischen Staaten in dem schönen Orte Stresa am Langen See, um in nicht allzu förmlichen Besprechungen über die wirtschaftlichen Mahnahmen zu beraten, Südosteuropa aus der Krise zu erretten. Duntbcwimpelte Schiffe durchfurchen jeden Rachmittag die unwahrscheinlich klaren und durchsichtigen Wasser des Sees, bei Kaffee und Kuchen unterhält man sich darüber, wie sich die Konferenz zu einem Erfolg ausgestalten läßt. Die allgemeine Stimmung ist günstig, und während sich in Berlin die innenpolitische Situation Deutschlands außerordentlich »uzuspihen scheint, ist es wirklich nicht ausgeschlossen, daß der deutsche Vertreter, Ministerialdirektor Posse, den deutschen Ansichten zum Durchbruch verhilft. Der Holländer Bruyns hat festgestellt: „Zunächst sind alle Methoden der Vergangenheit zu liquidieren!" Der Engländer Addison ging noch weiter und nannte alle wirtschaftserwürgcn- den Einfuhrbehinderungen der Staaten untereinander lächerlich. Der Schweizer S t u ck i nannte diese Bestimmungen zwar nicht lächerlich, sondern sogar unter den gegewärtigen Umständen unvermeidlich, aber unheilvoll, ilnb ehe die Debatte in die Fragen der hohen Politik abgleiten konnte, beschränkte sie der deutsche Vertreter Posse auf den Grundsatz: „D ie wirtschaftlichen Fragen stehen im Vordergrund." Man ist also bei den wirtschaftlichen Fra. gen stehengeblieben, und man sucht nach einer befriedigenden Lösung zwischen Deutschland, Frankreich und Italien. Das Berliner Auswärtige Amt und das Reichswirtschaftsministerium haben ausgezeichnet vorgearbeitet. Das Material, mit dem die deutschen Vertreter aufzuwarten haben, ist das stichhaltigste aller Staaten. Cs erledigte ohne weiteres den T a r d i e u - P l a n, der die „kleine Entente" mit Oesterreich und Ungarn unter französischer Führung in einem Dorzugszollsystem zusammenschließen sollte. Diese Vorzugszölle hätten weder Rumänien, noch Südslawien oder Ungarn auch nur das mindeste genutzt. Dafür aber wären d i e politischen Bindungen um so unerträglicher geworden. Italien und Deutschland widersprachen, und der Tardieu-Plan wurde stillschweigend beiseite gelegt. Wer Deutschland von Südosteuropa ausschalten will treibt die südosteuropäischen Staaten in den Zusammenbruch hinein. Einige Zahlen sollen dies beweisen: 1930 war Deutschland an der Fertigwareneinfuhr Oesterreichs, Serbiens, Ungarns und Rumäniens mit fast 5 0 Prozent beteiligt. 3n sämtlichen Südvst- staaten steht das Reich an erster Stelle der Gesamteinfuhr. Unsere Handelsbilanz war selbst in den Jahren, in denen unsere Gesamtbilanz passiv war, mit den Donaustaaten immer aktiv. Die Zumutung Frankreichs, uns zugunsten der gar nicht wirtschaftlich bedrohten Tschechei verdrängen zu lassen, war also grotesk und scheiterte an den primitivsten wirtschaftlichen Voraussetzungen. Es ist ein unbestreitbarer Erfolg, daß es gelungen ist, Frankreich zum Verzicht auf die tschechische Dorzugsbehandlung zu bewegen. Allerdings waren es nicht allein die unwiderlegbaren deutschen Argumente, sondern auch das Drängen Rumäniens und Eüdslawiens, dem Prager Außenminister Benesch nicht mehr länger bedingungslos Gefolgschaft zu leisten, sondern end- lich die unverrückbaren Gesetze der Handelspolitik sich frei auswirken zu lassen. Frankreich weih, dah es durch ein solches freies Auswirken eine engere Verflechtung der deutschen und südofteuropäischen Wirtschaft in Kauf nehmen muh. Aber Frankreich kann nichts anderes, als nachgeben. Es sind allzu viele französische Milliarden in den südosteuropäischen Staaten angelegt, als dah man dieses Geld in Frage stellen dürfte. Das aber würde geschehen, wenn man den einen Staat auf Kosten der anderen unterstützte. Es kommt hinzu, dah die Schuldknechtschaft Südosteuropas sich allmählich 'in eine innere Abkehr von Frankreich verwandelt, und um nicht die letzten politischen Sicherungen zu verlieren, muh Frankreich entgegenkommen. Die Konferenz von Stresa ist noch nicht zu Ende. Der schwierigere Teil der Aufgabe steht sogar noch bevor. Er besteht in den eigentlichen praktischen Mahnahmen, die ergriffen werden müssen, um die gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umzusehcn. Immerhin bleibt schon jetzt die Tat- fache übrig, dah Frankreich, wenn auch notgedrungen, in die Linie der wirtschaftlichen Einsicht eingeschwenkt ist. Man hat begriffen, dah man sich einigen muh, soll der europäische Südosten nicht zu einem Brandherd der Revolutionen und des Bolschewismus werden. Deutschland hat an diesem bisherigen Erfolg der Konferenz den Hauptanteil. Wenn der gute Wille vorhält, dürfte auch in den praktischen Fragen eine Einigung auf der Grundlage mög- Oie Parteien rüsten zum Wahlkampf. Hitler vor der SA. und SS. München, 16. Sept. (TTl.) 3m Münchener Zirkus fand am Donnerstagabend ein Gene - ralappell der SA. und SS. statt, auf dem Adolf Hitler sprach und an dem keine zivilen Parteigenossen teilnehmen konnten. Adolf Hitler erklärte in seiner über einstündigen Rede u. a.: Ich denke gar nicht daran, derartiges, wie die Duldung des Papenschen Programms, zu tun, um meine Ruhe zu haben. Dann kämpfe ich lieber. Ich habe für die Abstimmung im Reichstag gesorgt, damit man sieht, wer hinter diesen Herrschaften steht. Dauernde Derfassungsbrüche auf der einen Seite heben auch die Legalität auf der anderen Seite schließ- lich auf, da es nur eine Legalität geben kann. Mit der Garnitur Popen mache ich nicht mit, denn man will auf ihrer Seite letzten Endes nicht die Rettung der Ration, sondern man will eben diese Rettung der Ration verhindern. Ich verkaufe mich und meine Partei nicht um ein Linsengericht. Das Volk wird in drei Wochen wild werden, und wir werden sehen, wer härter ist, die deutschen Grenadiere, oder ein paar Exzellenzen. Oie Volkspartei für überparteilicheStaatsfuhrung Dingcldcy fordert einen nationalen Wahlblock. Berlin, 15. Sept. (TU.) Der Parteiführer der Deutschen Volkspartei, Dingeldey, sprach am Donnerstag vor einer Vertrauensmänneroersamm- lung der Berliner Parteiorganisation im Saale des Reichswirtschaftsrates. Die Deutsche Dolkspartei begrüße den letzten Versuch, die wirtschaftliche Katastrophe und den Fluch der Arbeitslosigkeit durch einschneidende Maßnahmen zu überwinden, die im Gegensatz zu den früheren Vor- gangen nicht mit einer neuen Schrumpfung der noch vorhandenen Kräfte, sondern durch eine Belebung der Produktion eingeleitet werden sollen. Um so mehr sei es zu be- . klagen, daß die innerpolitische Entwicklung, die zur Auflösung des Reichstages geführt habe, geeignet fei, den erfreulichen Anlauf zu unterbrechen. Aus den Vorfällen der letzten Zeit sei ersichtlich, daß das P a r t e i w e f e n , wie es sich im letzten Reichstage gestaltet habe, nicht die Unabhängigkeit und den Mut habe aufbringen können, um die nötigen Reformen in Deutschland durchzuführen, die die Voraus- f e tz u n g für einen kraftvollen Staat und für wirtschaftliches Gedeihen seien. Vor Jahresfrist noch hätten Brüning und das Zentrum die Forderung der DVP. auf Heranziehung der Nationalsozialisten zur Mitverantwortung nicht gewollt. Jetzt habe aber gerade diese Partei alle Bedenken über Bord geworfen und wochenlang mit den Nationalsozialisten verhandelt, um einen ihr unbequemen Reichskanzler zu stür.zen. Die DVP. unterstütze einmütig den Ged'anken einer überparteilichen Regierung, die auf das Vertrauen des Reichspräsidenten gegründet sei und die mit starker Hand die Führung auf dem Wege der Reform behalten müsse. Deshalb fordere sie für die nächsten Wahlen die Unterstützung dieser Politik und bei aller Betonung der eigenen Parteigrundsätze den Darmstadt, 16. Sept. (WSR.) In der Darmstädter Festhalle fand gestern abend eine Kundgebung der RSDAP.. in der die zurück- gekehrten Reichstagsabgeordneten sprachen. Der Kreisleiter Heß leitete die Versammlung. M. d. R. Ringshausen polemisierte scharf gegen die Deutschnationalen, den Kastengeist, den Bildungsdünkel und das Präsidialkabinett. Der „Herrenklub" basiere lediglich auf Paragraphen, während die nationalsozialistische Bewegung den Willen des Volkes darstelle. Die Rationalsozialisten hätten durch den Stimmzettel gesiegt, sie würden aber auch siegen mit der Knarre in der Hand, wenn die anderen es wollten. (Bei dieser Redewendung wurde der Redner von dem überwachenden Polizeibeamten verwarnt.) Der nächste Redner, M. d. R. Wagner, beton'e, das deutsche Volk habe mit dem Stimmzettel instinktmäßig bereits gegen das Kabinett Papen entschieden. Er beleuchtete das Programm Papens von der landwirtschaftlichen Seite aus. M. d.R. Kern bezeichnete den Machtantritt des „Herrenklubs" in Deutschland als Vorstufe für den Bolschewismus. In Deutschland solle es keinem schlecht gehen, aber die Lasten müßten gemeinsam getragen werden. Der Gauleiter, M. d. R. Lenz, gab dann von den prominenten Mitgliedern des Herren-Klubs ein Bild an Hand der „Stammrollenauszüge". gemeinsamen Aufmarsch aller Parteien, die sich hinter das P r ä f i d i a l k a b i- nett gestellt hätten und es weiter unterstützen wollten. Der Parteivorstand der DVP. habe sich heute e i n st i m m i g für die Bildung eines solchen nationalen Wahlblocks ausgesprochen und erwarte, daß dieser Ruf im ganzen Vaterlande ein freudiges Echo finde. Die letzten Ereignisse hätten Millionen von Wählern die Augen geöffnet, die bisher Nationalsozialisten und Zentrum gewählt haben. Die Deutsche Volkspartei erwarte mit ihnen, daß alle Deutschen, denen der wirtschaftliche Ausstieg und die staatliche Ordnung am Herzen liegen, die parteipolitischen Eifersüchteleien zurückstcllen, und daß der große einheitliche Aufmarsch alle nationalen Kräjtc in den Kampf für das Programm Hindenburgs führen werde. Er erklärte, das Gespenst des Bolschewismus tauche in Deutschland immer schärfer auf. Die besten Zuhälter des Bolschewismus entstammten, wie einst in Rußland, jenen Cliquen, die nichts hinzugelernt und nichts vergessen hätten. Der Reichswehrminister v. Schleicher aber möge daran denken, was ihm die mitteldeutschen Kommandeure gesagt hätten: sie zweifelten daran, ob die Reichswehr auf einen Teil des deutschen Volkes schießen werde, der im Rationalsozialismus organisiert sei. Die Tage Hindenburgs als eines 85jährigen Greises dürften immerhin gezählt sein, und dann stehe Herr von Papen allein. Hinter ihm ständen nur d i e Person eines 85jährigen Greises, ein Adelsklub, einige korrupte Bankiers und 42 verkalkte Deutschnationale. Eine Bewegung wie die nationalsozialistische ließe sich weder von diesen noch von einer irregeleiteten Reichswehr an die Wand quetschen. Den alten Rationalsozialisten sei ein Stein vom Herzen gefallen, als man dje Leine los ließ, denn mehr alsden Marxismus, mehr als marxistische Bonzen, mehr als kommunistische Häuptlinge, hätten die Rationalsozialisten- immer die Spießer gehaßt, die 1918 zu feig waren, ihre Köpfe hinzuhalten. — Mit dem Horst-Wessel-Lied wurde die Kundgebung geschlossen. Kundgebung der ASDAp. in Darmstadt. lich sein, daß die einen Käuferstaaten Vorzugszölle, die anderen Käufer st aat en, aber auch die Richtkäuferstaaten den Derkäuferländem finanzielle Hilfen gewähren. Die letzte Entscheidung über Südosteuropa wird allerdings, das muß allem allzu weit gespannten Optimismus entgegengehalten werden, nicht dieWirtschaft, sondern die Politik sprechen, ilnb damit wären wir am Anfang: so lange das unnatürliche System des Versailler Diktates besteht, bleiben alle wirtschaftlichen Lösungen nur Aushilfen und Uebergänge. England und die Einigung in Stresa. Noch keine Entscheidung. Stresa, 15. Sept. (TU.) In Stresa herrschte am Donnerstag große Ruhe. Die Entscheidung Englands zu dem deutsch-italienisch- französischen Uebereinkommensent- w u r s sieht noch aus. Doch wird die Möglichkeit einer Einigung mit England nicht mehr so pessimistisch beurteilt, wie bisher, da England am Mittwochabend seine scharfe Stellungnahme dahin ab« geschwächt hat, daß es betonte, gegenwärtig zu den geplanten Fonds nicht beisteuern zu können. Aus dem Worte „gegen- roärtig" wollen Optimisten entnehmen, daß sich ein Umschwung in der englischen Auffassung anbahne und die glauben, diese Meinung noch auf die Tatsache stützen zu können, daß England in den beiden Sonderausschüssen vertreten sein will, die am Donnerstag gebildet wurden, um das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen des Wirtschaftsausschusses und des Finanzausschusses zusammenzufassen und es am Montag der Vollversammlung vorzulegen. Im übrigen hat sich der Wirtschaftsausschuß am Donnerstag darauf beschränkt, allgemeine Fragen zu behandeln. Denn ohne die Kenntnis der endgültigen Stellungnahme der englischen Abordnung sind ja sämtliche Entschließungen von Bedeutung ein Schlag ins Leere, falls es bei der ablehnenden Haltung Englands bleiben sollte. Zu der im Wirtschaftsausschuß vorgebrachten Frage des A b b a u e s der Zoll- und sonstigen Handelsbeschränkungen erklärte Ministerialdirektor Posse, daß bei Anerkennung der Wichtigkeit dieser Dinge diese Fragen ein so starkes allgemein europäisches Interesse hätten, daß er sie lieber von der Weltwirtfchaftskonserenz behandelt wissen wolle. — Wie verlautet, wird die Konferenz Dienstag zu Ende gehen. Oer Llmsturz in Ehile. Blanco bildet ein neues Kabinett. 'Santiago d e Chile , 15. Sept. (TU.) Der neue chilenische Präsident, General Blanco, hat nunmehr sein neues Kabinett zusammen- aestellt. Er hatte am Donnerstag eine längere Konferenz über die politische Lage mit dem abgesetzten Präsidenten Dr. D a v i l a. Die Regierungsstreitkräfte haben die gegenrevolutionäre Bewegung des Fliegerkommandeurs Merino niedergeschlagen, der am Mittwoch infolge Meinungsverschiedenheiten mit Bianco mit 70 Militärflugzeugen spurlos verschwunden war. Bald stellte es sich heraus, daß er sich in Oveille aufhiell und von dort einen Lust- angriff auf b i e Haupt st adt plante. Die Regierung ließ sofort alle Flugplätze besetzen und die dort befindlichen Tankstellen z e r st ö r e n , um Merinos Flugzeugen die Brennstoffzufuhr zu entziehen. Schließlich wurden alle Flugzeuge von den Regierungstruppen beschlagnahmt, während Merino flüchtete. Drei Flieger wurden getötet. In ganz Chile herrscht nunmehr einer amtlichen Mitteilung zufolge Ruhe. Armee und Marine stehen hinter der Regierung. Anerkennung desmandschurischen Staates durch Zapan. Tschangtschun, 15. Sept. General Muto übermittelte am Donnerstag dem mandschurischen Präsidenten P u y i die offizielle Erklärung über die Anerkennung des mandschurischen Staatesdurch dasjapanischeKaiser- reich. Darauf fand die Unterzeichnung des japanisch-mandschurischen Protokolls statt. Die mandschurische Regierung bittet Japan, die mandschurischen Interessen beim Völkerbund zu vertreten. Der japanische Vertreter beim Völkerbund. Savado, überreichte dem Generalsekretär des Völkerbundes ein Schreiben, in dem die japanische Regierung ersucht, die ileberbrüfung des Lytton-Berichts durch den Völkerbundsrat bis aus den Zeitpunkt zu verschieben, wo Japan sich in der Lage sehe, seine Bemerkungen zum Bericht an- zubringen und einen Sondervertreter nach Genf zu entsenden. Eine Verschiebung um sechs Wochen vom Zeitpunkt der Vorlage des Berichts an werde genügen. Die Japaner haben jetzt enbgültig beit neuen Staat Mandschukuo anerkannt. Sic glauben, dah sie durch diesen Schachzug den fernöstlichen Konflikt auf eine völlig neue Basis stellen können. Denn von jetzt ab bleiben die Japaner offiziell außerhalb des Spiels, während der neue Staat berufen ist, sich mit der Ranking-Regie- rung auseinanderzusetzen. In Wirklichkeit ist natürlich alles beim alten geblieben. Die Mandschurei ist nach wie vor eine von den Japanern eroberte Provinz, die Scheinregierung, mit der jetzt der Tlnabhängigkeitsvertrag unter» zeichnet worden ist, hat den Befehlen, bie ihr von Tokio zugehen, unbedingt Folge zu leisten. Mit der Anerkennung des Mandschu-Staates sind aber die Japaner praktisch nicht viel weiter gekommen. Sie müssen nach wie vor mit der Waffe in der Hand ihre Eroberung verteidigen, während zu gleicher Zeit die Beobachtung zu machen ist, daß die angesiedelten Japaner in immer größerer Zahl das Land fluchtartig verlassen. Durch die Abwanderung der japanischen Bevölkerung wird ihre Position untergraben. Wollen sie diese Rückwärtsentwicklung verhindern, dann werden sie schließlich doch gewaltige Streitkräfte in das Land hineinschicken müssen, wobei es immer noch fraglich ist, ob ihnen eines Tages nicht finanziell der Atem ausgeht. Chinesischer Protest. Einberufung einer Konferenz verlangt. Ranking, 15. Sept. (WTB.) Unmittelbar nach der amtlichen Anerkennung des Mandschu- staates durch Japan richtete die chinesische Regierung Protestnoten nach London, Paris, Washington, Rom und Genf, die Japan beschuldigen, die Gebiets- und Verwaltungssouveränität Chinas verletzt zu haben und ein sofortiges internationales Vorgehen verlangen. In einem Telegramm an den Völkerbund erklärte die chinesische Regierung, die Handlungsweise Japans sei mit dem Geiste des Völkerbundspaktes unvereinbar und eine unmittelbare Verletzung der Beschlüsse der Dölkerbundsversammlung. In ähnlichen, an die anderen Unter$eid)ner des Reunmächtevertrages gerichteten Roten wird das Vorgehen Jchmns als eine Verletzung des Vertrages gekennzeichnet und die sofortige Berufung einer Konferenz verlangt. In einer Rote an Japan erklärt die chinesische Regierung die Qlncrfennung des Man- dschustaates könne nur als eine offene Verletzung der territorialen Integrität Chinas angesehen werden. Am 4. Oktober tritt der Hessische Landtag zusammen. WSR. Darmstadt, 15. Sept. Am Don- nersta-gnachmittag befaßte sich der Aelte- ft«nrat des Hessischen Landtags mit dem vorliegenden Material. Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt: doch ist wahrscheinlich, dah das Plenum des Landtags am Dienstag,4. Oktober vormittags zusannnentreten wird. Auch der sozialdemokratische Antrag auf Auflösung des Landtags wird dann auf der Tagesord^ nung stehen. Aus aller Welt Handhabung der Aus der Provinzialhauptstadt * Mit voller Offenheit bekennt sich schließlich die polnische Regierung von neuem zu dem Verlangen, an den Danziger Staatsgrenzen d i e völlige Herrschaft über Danzig auf dem Gebiete der Sicherheitspolizei, der Deterinärpolizei und auf allen anderen Gebieten der Innenverwaltung und der kulturellen Derwaltun, Hindenburg fährt zum Manöver. Berlin, 15-Sept. (CAB.) Reichspräfi- - e^t ^Hindenburg wird an den Manovern in der Gegend von F ü r st e n b e r g an der Oder terlnehmen und für den 20. und 21. September rn Furstenberg Standquartier nehmen. Bekämpfung der Schwarzarbeit. Berlin, 15. Sept. (TU.) In den Ausführungs» beftimmungen zu der neuen Notverordnung werden besondere Vorschriften enthalten sein, durch die die sogenannte Schwarzarbeit wirksam bekämpft werden soll. Wie von gutunterrichteter Seite erklärt wird, haben sich auf diesem Gebiet außerordentlich große Auswüchse breitgemacht. Schätzungsweise sollen 70 bis 80 o. H., in erster Linie der Hausreparaturen von Schwarzarbeitern ausgeführt werden. Bei Vergebung der Hausreparaturarbeiten, die aus dem im Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung vorgesehenen 50-Millionen°Fonds bestritten werden wird streng darauf geachtet werden, daß jegliche Schwarzarbeit a u s g e s ch a l- t et bleibt. Aufträge dürfen nur an Handwerker erteilt werden, die sich darüber ausweisen können, daß sie als selbständige Gewerbetreibende angemeldet sind. Auch bei Vorlegung der Rechnungen über diejenigen Reparaturarbeiten, die aus Mitteln des 50-Millionen-Fonds bezahlt werden, soll eine strenge Kontrolle erfolgen. Es ist ferner daran gedacht, örtliche Ausschüsse zu bilden, die die Durchführung der Bestimmungen zwischen Hausbesitz und Handwerk regeln und prüfen sollen. Srieffoffen öer Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Rr. 200. 1. Im Falle des Todes eines Elternteils tritt, wenn keine letztwilligen (testamentarischen) Be- stimmunaen des Verstorbenen allein oder in Gemein scka ft mit seinem überlebenden Ehegatten (gemeinschaftliches Testament oder Erbvertrag) vor- liegen das gesetzliche Erbrecht ein. In diesem Falle ist nach tz 1931 des BGB. der überlebende Ehegatte des Erblassers zu einem Vierteile als gesetzlicher Erbe berufen wahrend die Kinder als gesetzliche Erben- erster Ordnung zusammen drei Vierteile er- halten. 2. Zum Nachlaß gehören auch die Schul- den. Nur das, was nach Abzug der Schulden und ~e.rcnß..'\I9un9 übrig bleibt, kann verteilt werden. Kinder können die Herausgabe ihrer Erbpor» tion von dem überlebenden Ehegatten erst oerlan- gen wenn sie volljährig sind. — 3. Wer eine Erb- lmrltan Nachfolger in allen Rechten und Pflichten des Erblassers, haftet also, wenn er die Haftung nicht durch Errichtung eines Inventars auf beschränkt oder die Erbschaft rechtzeitig ausschlagt, auch für die Schulden. h. K. in G. Der seiner Zeit von Ihrem Vater für Sie geleistete Betrag bildete für Sie einen Voremp- " Sie sich bei der Erbauseinandersetzung aufrechnen lassen müssen. Heber die Höhe der der- Aeltig noch in Aufrechnung zu bringenden Summe ^ber besteht keine bestimmte gesetzliche Vorschrift. Es ™ ^*er ^e Lage der Familie usw., und es M Die Aufwertung unter den allgemeinen Gesichts, punkten von Treu und in Güte zu regeln. Es kann eine Aufwertung bis zu 100 Prozent in Frage kommen, wenn der Vater beispielsweise seiner Zeit gezwungen wurde, ein wertvolles Grundstück zu veräußern. Kommt unter den Erbbeteiligten eine Eint« flung nicht zustande, so entscheidet letzten Endes das Prozeßgencht. das sofortige Leerpumpen des Tankdampfers an- geordnet. Die Feuerwehr wird außerdem versuchen, das aus der Wasseroberfläche schwimmende Oel abzusaugen, um so jede weitere Gefahr zu beseitigen. Erdbeben auf Neuseeland. 3m Gebiet von Wairea und Gisborne an der Hawkes-Day ereignete sich ein schweres Erdbeben. Die Erschütterungen wurden im größten Teil der Rordinsel verspürt. Die Verbindung mit Gisborne ist unterbrochen, eine Anzahl H ä u- s e r sind beschädigt worden. Augsburger Afrika-Expedition verhaftet. Die Angehörigen des Leiters der Augsburger Afrikaexpedition teilen der Presse den Inhalt eines Telegramms mit, das dieser Tage in Augsburg eingetroffen ist: Augsburger Afrikaexpedition, Leiter Georg Müller, in der Festung Toca verhaftet und als politische Verbrecher nach Smyrna transportiert worden. — Die Cxpeditionsteilnehmer waren mit Motor- und Faltboot auf der Donau ins Schwarze Meer und nach Konstantinopel gefahren. Zur Haftentlassung Gandhis. Die englische Regierung betätigt nunmehr in einer amtlichen Verlautbarung, daß Gandhi entlassen und ihm eine Art Hausarrest auferlegt werden soll. Sollte Gandhi seine Freiheit zur Unterstützung der Tlngehorsamkeitsbewegung mißbrauchen, so müßte die Regierung weitere Veschränkungsmaßnahmen in Betracht ziehen. Eine Hitler-Partei in Siebenbürgen. 3n Schähburg haben die Siebenbürger Sachsen eine Hitler-Partei gegründet, die gleich nach der Ernte bzw. Weinlese ihre Tätigkeit aufnehmen soll. Die Partei nennt sich übrigens nur Arbeiterpartei. Die Mitglieder sollen nach dem Muster der SA. eine eigene Uniform erhalten. Ein Knabe als Opfer eines Brandunglücks. Aus München wird gemeldet: Dieser Tage brach in einem dem Oekonomierat Weinberger in Großhadern gehörenden, alleinstehenden Stadel, der mit Erntevorräten und Maschinen gefüllt war, ein Brand aus, der den ganzen Stadel in kurzer Zeit einäscherte. Bei den Aufräumungsarbeiten machten die Feuerwehrleute eine schreckliche Entdeckung. Zwischen den Heuresten fand man die ganz verkohlte Leiche eines Knaben. Es handelt sich um den Sohn des Hilfsarbeiters Grüner aus München. Der Knabe war bei den Großeltern in Großhadern untergebracht. Ob der Knabe an dem Brand schuld ist, oder ob der Brand von einer fremden Person gelegt wurde, steht noch nicht fest. Banküberfall in Altona. — Zwei Täter verhaftet. In Altona wurde auf eine Depositenkasse der Commerz- und Privatbank ein Raub- überfall verübt. Die Alarmanlage der Bank ertönte plötzlich schrill, und im Schaufenster erschienen auf einem Schild in roter Schrift die Worte „Hilfe! Ueberfall!" Vor der Dank versammelten sich mehrere mit Knüppeln bewaffnete Rachbarn. Als drei Männer in ruhigem Schritt die Bank verließen und sich in immer schnellerem Tempo einem in etwa 50 Meter Entfernung auf der anderen Straßenseite haltenden Auto näherten, wurden sie von den Passanten verfolgt. Sie schwangen sich schließlich auf den Kraftwagen und fuhren schnell davon, verfolgt von einem mit einer Pistole bewaffneten Bankbeamten und einem Polizisten, die sich ebenfalls eines Kraftwagens bemächtigt hatten. Wie es heißt, sollen bei dem Heberfall Gasmasken benutzt worden sein. Wie die Polizeibehörde mitteilt, ist den drei Räubern eine Kassette, die ein Sparkassenbuch und einen am folgenden Tag zu Protest gehenden Wechsel enthielt, in die Hände gefallen. Zwei der Räuber konnten bereits verhaftet werden. Zwei Toke bei einem Moiorradzusammensloh. Aus Neumarkt (Opf.) wird gemeldet: Dieser Tage rasten auf der Nürnberger Landstraße zwischen Pöl- finger Höhe und Pölling der 22jährige Bautechniker Theo Egner, der mit seinem Motorrad aus Nürnberg kam und ein Fräulein Grete Kröner aus Nürnberg auf dem Soziussitz hatte, und der von Neumarkt kommende Motorradfahrer Elektromonteur Adam Kreil, auf dessen Rad noch sein Freund Josef R ö d l saß, aufeinander. Egner erlitt einen komplizierten Oberschenkels ruch, und durch das Nummernschild wurde ihm der Bauch aufgeschlitzt, während Kreil eine Lungen- quetschung und mehrere Beinbrüche davontrug. Beide st a r b e n alsbald nach ihrer Einlieferung in das Neumarkter Krankenhaus. Fräulein Kröner erlitt einen komplizierten Oberschenkelbruch, während Rödl mit einer Fleischwunde am Unterschenkel noch glimpflich daoonkam. Tankdampfer im Hamburger petroleumhafen leck gesprungen. 3m Hamburger Petroleumhafen ist der italienische Tankdampfer „Portofino", ein 8000-To.- Schiff, das für die Derutra fährt, plötzlich leck gesprungen. Das Schiff verlor große Mengen Gasöl. Angesichts der dem Petroleumhafen drohenden Gefahr wurde die „Portofino" durch die Hamburger Feuerwehr mit einem schwimmenden Gestänge umgeben und so weiteres Abtreiben des gefährlichen Oeles verhütet. Ferner wurde Oberheffen. Lanotreis Gießen. ^Reiskirchen, 15. Sept. Gestern nachmittag hielt Herr Rechtsanwalt Lind (Grünberg) den Arbeitsdienstwilligen einen Vortrag über „Rechtsfragen des täglichen Lebens", dem von feiten der Zuhörer mit sichtlichem Interesse gefolgt wurde. An Hand von praktischen Beispielen zeigte der Redner die manchmal sehr verwickelte Rechtslage und die gefällten Entscheidungen. Der Vortragende wird demnächst hier über das Erbrecht oder über das Gerichtswesen sprechen. ,O Göbelnrod, 15. Sept. Dadurch, daß unser seitheriger Beigeordneter Heinrich Kern das Amt eines Polizeidieners übernahm, wurde die Wahl eines neuen Beigeordneten erforderlich, tjür diese war jedoch nur ein WahloorschlgL eingereicht worden, der auf den Namen Hermann Velten lautete. Dieser gilt somit als gewählt. k jungen, 15. Sept. In feiner jüngsten Sitzung oeschloh der Gemeinderat, daß der am 26. September stattfindende Schweine-, Rindvieh- und Krämermarkt wie alljährlich mit einer Prämiierung von Rindvieh verbunden werden fofi. Die Errichtung eines Gemeindehauses auf dem Grundstück in der Bihenstraße neben dem alten Gemeindehaus wurde ebenfalls beschlossen. Die Drainierung des Siedlungsgeländes vor dem Galgenwald soll durch Wohlfahrtsunterstühungsempfänger oder ™ zur Ausführung kommen. Verschiedene Mietunterstühungsgesuche wurden durch Befürwortung eines entsprechenden Rach- lasses genehmigt. Den Arbeitsdienstwilligen des Freiwilligen Arbeitsdienstes wurde eine Abnützungsgebühr für das von ihnen gestellte Arbeitsgerät gewährt. Der Stundenlohn der Rotstandsarbeiter wurde auf 55 Pfennig festgesetzt. Kreis Büdingen. , △ ® I o f e I b, 15. Sept. Am kommenden Sonn- tag. 18. Sept., findet hier Bürgermeister- Wahl statt. Als Bewerber für diesen Posten kandidieren Beigeordneter Gg. Wilhelm R o h l und Landwirt Hugo Schäfer. d" Ranstadt, 15. Seot. Dieser Tage spielten ^"?0ens auf dem Gelände des hiesigen Güter- bahnhofes. Sie benutzten dabei die zum Verladen von Vieh dienende, fahrbare Brücke als Schaukel. Der ungefähr 10jährige Sohn des Kaufmanns Bernhard W o l f kam dabei unglücklicher Weise mit dem Dein unter das niedergehende Drücken- t; S- too^ci sein Unterschenkel über dem Knöchel cS; telephonisch herbei gerufene Arzt aus vder-Mockstadt legte einen Rotverband an und brachte denn verunglückten Knaben zur Dahn. In Begleitung seines Vaters wurde er nach Gießen tn die Klinik gebracht. Kreis Schotten. .U^ichstein, 15. Sept. Die diesjährigen Ne i ch s j u gendwett kämpfe wurden bei denkbar günstigem Wetter auf dem Sportplatz in Ulrich» Item ausgetragen. Es nahmen folgende Schulen kulturellen Verwaltung, also auch durch Handhabung der Zensur auszuüben. Polen gesteht offen zu, daß es sich nach seinem Willen nicht mehr um einen Vertrag zwischen gleichberechtigten Partnern handele, sondern ist der Meinung, daß Danzig dem polnischen Zollgebiet „als ein untergeordneter Faktor" angehore, und verlangt llntertoerfung in kategorischer Form. daran teil: Ulrichstein, Babenhausen, Wohnfeld, Kölzenhain, Feldkrücken, Ober- und Unterfeibertent rod, Helpershain, Köddingen, Meiches und Stum» pertenrod. In der Oberstufe konnte Kölzenhain durch einen Knaben den ersten Preis belegen, der bei durchweg glänzenden Leistungen auch 1,25 Meter im Hochsprung erzielte. Entsprechend den Reichs» Vorschriften waren zur Pflicht gemacht: 100- bzw. 75-Meter-Lauf, Hochsprung, Ballweitwurf und eine Freiübung. Die Leistungen waren durchweg sehr befriedigend. Das Fest fand seinen Abschluß mit der 4-mal-100-Meter-Stafette um den Wanderpreis des Bezirks Ulrichstein. Zum dritten Male (und damit endgültig) konnte ihn sich die Schule Stumpertenrod sichern, in der guten Zeit von 61,3 Sekunden. Kreis Alsfeld. -er. Homberg, 15. Sept. In Mendorf a. d. Lumda fand am verflossenen Sonntag das Gau- schießen des Gaues Marburg statt. Zu diesem Schießen waren von der Hornberger Schützengilde die Kreismeister-Jungmannschaft und als Einzelschütze Schütze G o ß f e l d e r zugelassen. An diesem Wettkampfe nahmen im ganzen 18 Kreismeistermann- schaften und ungefähr 30 Einzelschützen teil. Die Wettkampfübung bestand wieder in der bekannten Uebung: 9 Schuß, ohne anzeigen, in den drei verschiedenen Anschlagsarten: liegend, kniend und stehend freihändig. Die Homberger Jungmannschaft (Bromm, Christ, Luch,'Pabst, Schön- hals) erreichte das stattliche Ergebnis von 333 Ningen und war mit dem Dexein Frohnhausen (Dillkreis) ringgleich. Von den Einzelschüßen errang Schutze Goßfelder mit 93 Ringen die beste Leistung, wodurch er zum Landesschlußschießen zugelassen ist. Gleichzeitig konkurrierten aber um die Gaueinzelmeisterschaft auch die Schützen der teilnehmenden Mannschaften mit, von denen Schütze M ä lter aus Buchenau ebenfalls mit 93 Ringen Bester wurde. Es war Pech, daß Schütze Goßfelder und die Jungmannschaft Hombergs das gleiche Miß- geschick traf, denn beide kamen an zweiter Stelle, weil nach den Wettkampfbestimmungen bei Ringgleichheit die meistgeschossenen 12, 11, 10 usw. entscheiden. Immerhin sind die Erfolge beachtenswert. • Preußen. Kreis Biedenkopf. * R o d h e i m, a. d. B i e b e r 13. Sept. In Rod- heim erfolgt gegenwärtig der fünfte Einsatz im freiwilligen Arbeitsdienst unter jungdeutscher Führung. 63 Mann werden 20 Wochen lang (7500 Tagewerke) beschäftigt sein. Ausgeführt werden Ar beiten des Straßen- baues für d i e Gemeinde Rodheim. Träger der Arbeit ist die Gemeinde, Träger des Dienstes die Bruderschaft Biebertal des Jungdeutschen Ordens. Von der Bruderschaft Biebertal wurden bisher vier Maßnahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes durchgeführt, die zum Teil schon beendet werden konnten. Oer kommissarische Kreisausschuß für den neuen Kreis Marburg-Kirchhain. ][ Marburg, 15. Sept. Dekanntlich soll in den zusammengelegten Kreisen bis zu den Kreistagsneuwahlen ein provisarischer Kreisausschuß die Belange der Kreisbevölkerung vertreten. Gestern nachmittag traten nunmehr im Kirchhainer Landratsamt die Areisdeputier- ten der seitherigen Kreise Marburg und Kirchhain unter dem Vorsitz von Regierungspräsident Dr. Friedensburg zu einer Sitzung zusammen, um Vorschläge zur Ernennung des kommissarischen Kreisausschusses für den zukünftigen Kreis Marburg-Kirchhain auszuarbeiten. Der Regierungspräsident hatte den Wunsch, daß die sechs zu ernennenden Kreisausschußmitglieder sich gleichmäßig auf die seitherigen Kreise Marburg und Kirchhain verteilten, trotzdem die Devölke- rungszahl des Kreises Marburg die größere ist. Diesem Wunsche wurde von den Kreisdeputierten einstimmig entsprochen. Rach längerer Verhandlung einigte man sich über folgende Zusammensetzung des provisorischen Kreisausschusses: Bürgermeister i. R. Grün (Kirchhain), Bürgermeister Linker (Reustadt) und Arbeiter Röder (Durgholz) aus dem Kreise Kirchhain, Gutsbesitzer Kaiser (Cyriaxweimar), Anstreicher Liebmann (Wetter) und Bürgermeister Preiß (Beltershausen) aus dem Kreis Marburg. Als die laut Rotverordnung vorgeschriebenen Stellvertreter kamen in Vorschlag: Bürgermeister Metzler (Kirchhain), Bürgermeister Martin (Allendorf) und Kreistagsmitglied Rau (Großleelheim) aus dem Kreis Kirchhain, Hegemeister i.R. Kaufmann (Marbach), Hn- terverbandsdirektor Preiß (Hachborn), Landwirt Wiegand (Ammönau) (erster Vorschlag). Preiß (Hachborn), Kaufmann (Marbach) und Schlienbecker (Lohra) (zweiter Vorschlag) aus dem Kreise Marburg. Die Ernennung der oben vorgeschlagenen Herren für den provisorischen Kreisausschutz des zukünftigen Kreises Marburg-Kirchhain ist nach den Aeuherungen des Herrn Regierungspräsidenten ziemlich sicher. Oer Zwangsvollstr-eckungsschutz für die Landwirischast. Berlin, 15. Sept. (WTB. Amtlich.) Der Landwirt genießt nach der Rotverordnung vom 8. Dezember 1931 und 14. Juni d. I. unter ge- totffen Voraussetzungen Schutz gegen Z w a n g s v ollstreckungenfürbestimmte Gegenstände seinesbeweglichenDer- m o g e n s. Zu diesen Gegenständen gehören insbesondere das landwirtschaftliche Inventar, die Erzeugnisse des Grundstücks sowie Forderungen aus der Lieferung von Milch oder Milcherzeug- nissen. Voraussetzung des Schuhes ist u. a., daß der gegen die Vollstreckung ge- schuhten Sachen und Forderungen bedarf um seine Wirtschaft bis zur Ernte ordnungsmäßig f o r t z u f ü h r e n. Es sind Zweifel dar- uber entstanden, wie hiernach der Zwangsvoll- ftr-ckungsschuy zeitlich abzu grenz en ift. Da oer Zweck der Schuhbestimmung ist, die Durchführung der Erntearbeiten und die Einbringung der Ernte zu sichern, wird man annehmen müssen, M der Vollstreckungsschutz bis zum völli. ernt?61?1U6 bcr Einbringung der Unrichtige Behauptungen über die Entstehung des Wirtschastsprogramms Berlin 16. Sept. (CNB. Funkspruch.) Amtlich. Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr r rA£eLs gestern in einer Rede im Sport- pataft die Frage an den Reichskanzler gerichtet, ob oor dem Erlaß der Notverordnung zur Belebung der Wirtschaft eine Unterredung zwischen dem R e l ch s k a n z l e r und dem Bankier Jakob G o l d- i ch m i d t in Neubabelsberg stattgefunden habe und ob dabei Jakob Goldschmidt Anregungen für das Wirtschaftsprogramm gegeben und weiter Die Auflösung der Gewerkschaften gefordert habe. Demgegenüber wird von amtlicher St'llc erklärt, daß der Bankier Jakob Goldschmidt mit dem Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung nicht dasGeringstezutun hat. Es hat aurf) feine Besprechung des Reichskanzlers mit Jakob Goldschmidt stattgefunden. Ein Dementi Görings. Berlin, 16. Sept. (CNB. Funkspruch.) Die Nachricht, Reichstagspräsident Göring hätte bei einer am Montagabend unmittelbar nach der Reichstagssitzung stattgefundenen Abendunterhaltung erklärt, er wäre fest entschlossen gewesen, den ReichskanzlerunterkeinenUm ständen Zu Worte kommen zu lassen, stimmt nach einer Mitteilung des Reichstaaspräsidenten weder dem Sinne noch dem Wortlaute nach. Gießen, den 16. September 1932. Sparkassen in der guten alten Zeit. Vor hundert und mehr Jahren war es für Danken ein schwieriges Problem, den für das Geldgeschäft unerläßlichen Bedingungen der Sicherheit und der KontroUe zu genügen. Geldschränke kannte man damals noch nicht. In Sparkassen diente eine eisenbeschlagene Kiste, die nachts mit einer Kette an das Bett des Rendanten angeschlossen wurde, als Aufbewahrungsort für Bargeld und Wertpapiere! Der Kunde mußte sich wohl oder übel mit Maßnahmen abfinden, die man zum Schutz der Sparkasse getroffen hatte. Man woUte z. D. Veruntreuungen der Beamten vorbeugen und ließ Kassierer und Vorsteher unabhängig voneinander in ihren Wohnungen arbeiten. Die Folge davon war, mit seinem Sparbuch mehrmals den Weg zwischen den beiden Wohnungen-zu machen, die oft weit voneinander entfernt lagen. Mit dem „Dienst am Kunden", den die Sparkassen und andere Geldinstitute heute leisten, hat dies nichts gemein! Kasfenzeiten. So gab es noch um 1850 Sparkassen, die Nur einmal im halben Jahr Dienststunden hatten, solche, die vierteljährlich dem Publikum zur Verfügung standen, und solche mit einmaliger Oeffnung im Monat. Am Ende des Jahres schlossen die Kassen mehrere Wochen um die Sparerkonten zu erledigen, vor allem die Zinsen zu berechnen. An den Oeffnungs- tagen stand der Kassierer oft nur wenige Stunden zur Verfügung. Durchaus etwas Besonderes stellt z.B. die Ankündigung der Sparkasse zu Freiberg i. Dr. von 1827 dar: „Die Kasse ist jeden Montag in der Woche von früh neun bis zwölf und nachmittags von zwei bis vier Uhr in der Behausung des Herrn Zunftmeisters Alohs Schlosser offen." . lieht, in der „guten, alten“ Zeit war DaS Sparen gar nicht so bequem gemacht. Bornotizen. fffg J a 1 e " rJ ü r 5 r € i t a g : Bund K1,u oA?)/e<^n9erlI9e Erziehung in Haus und ^ule, M.lS^fyr, So^ann^faat, Lichtbilder-Dor- traa über /2lht dem Monte Cervantes in Das Z'ttemachtssonne". - Lichtspielhaus, "f®“ Gräfin von Monte Christo"; 22.45 Uhr: „Rund um die Liebe". * Ömi“ EU Ä& ^Sdtisch-n ®“«' und Waffe?. r ienst j u b ilä u m. Der Drückende rschlos- Großer von hier kann am heuti- E 35jährige Tätigkeit bei der Reichsbahn zuruckblicken. " Auskunftspflicht des Verbreiters k r e d 11 g e f a h r d e n d e r Behauptungen Dem Rund,chreiben Nr. 18 der „Aktuellen Steuer- D£on Hermann Will, dem beeidigten Wirtschaftsprüfer und Bucherrevisor, dem Leiter der Steuerberatungsstelle der Industrie- und Handelskammer Gießen herausgegeben werden, entnehmen wir folgende Ausführungen: Das Reichsgericht ubrt m einem Urteil vom 6. April 1932 — IX 366/31 — aus, daß der durch widerlegte oder doch nicht er- wiesene ehrenrührige oder kreditgefährdende Behauptungen Verletzte gegen den Täter ein Recht auf Auskunft Darüber habe, gegenüber welchen Personen die Behauptungen erfolgt sind. Ohne dieses Auskunftsrecht sei das Recht auf Unterlassung, Widerruf und Schadensersatz praktisch wertlos. Ein anftänbiaer Mensch, der gutgläubig eine unwahre oder nicht erweislich wahre ehrverletzende Behauptung verbreitet habe, würde es selbstverständlich finden, daß er dem Verletzten behilflich sein müsse, das eingetretene Unheil nach Möglichkeit wieder auszugleichen und dem Gerede überall da entgegenzutreten, wohin es gelangt ist. Ein Verleumder verdiene aber nicht, von der Rechtsordnung anders gestellt zu werden. Nur an der Voraussetzung sei dabei festzuhalten, um nicht zu uferloser Ausdehnung derartiger Klagen die Möglichkeit zu geben, daß zunächst einmal bewiesen sein muß, daß überhaupt eine Verbreitung der ehrenrührigen oder kredit- gesährdenden Behauptungen erfolgt ist, und nur unaufgeklärt geblieben ist, welche Personen dabei als Empfänger in Frage kommen. Polen fordert Llnterwerfnng Danzigs. Einverleibung der Freien Stadt in das polnische Zollgebiet. ^Danzig, 15. Sept. (WTD.) Vom Senat der Freien Stadt Danzi-g wird mitgeteilt: Dekannt- llch Hut die Regierung der Freien Stadt Danzig vor zwei Monaten den Schuh des Völkerbund skommissars mit einem Antrag angerufen, der künftige Uebergriffe der polnischen Zoll - und Wirtschaftsge- setzgebung und Mißbräuche der polnischen De- fugniffe zur Benachteiligung Danzigs auf dem Gebiete des Zollrechtes vorbeugen soll. Die polnische Regierung hat nunmehr auf diesen Antrag Danzigs geantwortet mit eigenen Gegenforderungen. Polen will insbesondere den Umfang [eine? Kompetenzen künftig selbst und ausschließlich bestimmen. Es verlangt ferner die bedingungslose Anpassung der indirekten Steuern und Monopole an die polnische Gesetzgebung, ohne Danzig irgendeine Einwirkung auf diese Gesetzgebung zum Schutze der Danziger wirtschaftlichen Interessen und Bedürfnissen zuzugestehen. Wirtschaft geschlechts. China kann fick nur selbst erklären; es ist nie offenherziger gewesen als in diesen beiden Romanen. Mit der Ausgabe von Gustav Schwabs „Sagen des klassischen Altertums" in einem Bande (1120 Seiten) wird ein Werk wieder lebendig, das seit Generationen unserem Volk die versunkene Wett der griechischen Götter und Heroen näher gebracht hat. Zum 28. Male erscheint der Insel-Alma- nach. Die Insel-Bücherei wird um sieben neue Bände bereichert. rungen erfuhren. Don deutschen Anleihen lagen Neubesitz 0,25, Altbesitz 0,5 v. H. höher. Starke Schwankungen hatten später Reichsschuldbuchforderungen zu verzeichnen, die mit 62,25 v. H. unverändert cinsetztcn, dann bis aus 61,40 v. Sy nachgaben, um schließlich auf 61,75 v. Sy zu steigen. Don fremden Werten lagen Türken und Rumänen etwas höher. Im Verlaufe blieb die Tendenz fest. Der Umsatz war aber nach wie vor gering. Die Kurse erfuhren neue Besserungen von 0,5 bis 1 v. H. Gegen Schluß der Börse trat noch ein Rückschlag ein, da ein erneuter Rückgang für die AEG.-Aktie Verstimmung auslöste, und zu Abgaben der Spekulation führe. AEG. verloren 3 o. H., die übrigen Werte meist 1 bis 1,5 v. H. Tagesgeld war zu 4,5 o. H. zwar unver- ändert, aber noch knapp. Herbstprogramm de» Verlage» Lngelhorn. Bei I. Engelhorns Nachf., Verlag, Stuttgart, erscheinen im gerbst d. I. folgende Werke: Felix.Wil- Helm Beielstein: Rauch an der Ruhr. — Ach- ton Friis: Wilde weite Arktis. — Romain Rolland — Malwida von Meysenburg. Ein Briefwechsel 1890 bis 1891. — Carl Ha en- sel: Das war Münchhausen. Totsachenroman. — Jean PrLvost: Geschichte Frankreichs seit dem Weltkrieg. * Der Motorrodabsatz 1932. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden nur noch 39 570 Motorräder zugelassen gegenüber 69 046 in der gleichen Zeit des Vorjahres. Davon entfallen auf steuerpflichtige Krafträder 10 949 (i. 23. 22 956) und auf steuerfreie Räder 28 621 (i. 23. 46 090). Don diesen waren 5887 Fahrräder mit eingebautem Hilfs- motor. Berlin beruhigt und erholt. Berlin, 16.Sept. (WTB. Funkspruch.) Sckon an der gestrigen Abendbörse hatte eine stärkere Be- ruhigung Platz gegriffen, und es konnte sih soft allgemein eine Erholung durchsetzen. Diese Erholung machte im heutigen Dormittagsverkehr und bann auch an der Börse weitere Fortschritte. Dor ollem verschaffte die Wiederbefestigung an der gestrigen Neuyorker Börse und die stärkere Zunahme der dortigen Börsenkredite eine Anregung. Die Meldungen aus der Industrie lauteten oleichfalls freundlicher, so sind verschiedentlich neue Arbeitereinstellungen erfolgt auch an den internationalen Metallmärtten hat sich die Nachfrage beleben können. Dor allem beruhigte es aber, daß die gestern kursierenden Gerüchte über die bevorstehende Zinsaktion den Tat- fachen vorauseilen, zumal noch keine Beschlüsse von offizieller Seite gefaßt worden sind. Man wartet daher mit Spannung die morgige Kabinettssitzung ab, auf deren Tagesordnung Fragen der Kontingentie- rung und das Zinsproblem stehen. Die außerordentlich knappe Verfassung des Geldmarktes blieb einflußlos, da sie im Zusammenhang steht mit der kommenden Retchsbankdiskonlermäßigung, die man für nächsten Dienstag erwartet. Man glaubt wohl, daß sich auf der Montag stattfindenden Derwaltungsrats- sitzung der BIZ. kein Widerstand hiergegen erheben wird. Zu Beginn der Börse war das Geschäft noch nicht umfangreich und wurde erst im Verlaufe lebhafter. An einigen Märkten, so am Montanmarkt, am Elektro- und Kunstseidenmarkt wollte man wieder etwas Publikumsinteresse feststellen, und die Spekulation, die in den letzten Tagen Realisationen und verschie- deutlich auch Blankoabgaben vorgenommen hatte, schritt heute zu Rückkäufen. Da die Märkte ziemlich leer sind, ergaben sich natürlich Besserungen im Aus- maße von 1 bis 1,5 v. H., und nur ganz vereinzelt waren kleine Rückgänge, so bei Schubert & Salzer, Tietz- und Hoesch-Obligationen, festzustellen. Stärker befestigt waren Kunstseidenwerte, die bis 2,75 v.H. anzogen, sowie Chade, Laurahütte, AG. für Verkehrswesen, Goldschmidt, Felten Feldmühle und BMW. Bremer Wolle waren auf eine Zufallsorder 4,5 o. H. schwächer, während Lahmeyer ihre Auf- roärtsberoegung um 5,25 v. H. fortsetzten. In deutschen Anleihen war das Geschäft lebhafter, und die Kurse zogen ebenso wie bei Reichsschuldbuchforderungen etwas an, während die len- den; am P f a n d b r i e f m a r k t sehr abwartend blieb. Am Geldmarkt hat sich auch nach dem Medio keine Entspannung durchsetzen können, im Gegenteil, Tagesgeld blieb weiter steif und stellt sich 5,75 v. H. und darüber. Die Banken halten nach wie vor Wech- feimaterial zurück in Erwartung der Diskontsenkung, und infolgedessen ist das Geschäft in Prioatdiskonten sehr gering. Auch für Reichswcchsel und Reichsschatzanweisungen bestand kaum Nachfrage. Im Verlaufe zogen die Kurse bei leb- haftcren Umsätzen fast durchweg um 0,5 bis 1,5 o. H. an, Siemens befestigten sich um 2, Polyphon um 3 v. H. Kunst und Wissenschaft. Da» Herbstprogramm de» Insel-Verlage». Wiederum kündigt der Insel-Derlag in Leipzig eine Reihe interessanter und wichtiger Neuigkeiten an. Den Anfang macht Stefan Zweig mit seinem Buch über Marie Antoinette, worin eine der umstrittensten Gestalten der neueren Geschichte zu neuem Leben erweckt wird, lieber Marie Antoinette hinaus wächst dieses Bildnis unter dem Blick Stefan Zweigs, in dem der Dichter mit dem Historiker um den Rang streitet, zum Abbild eines der folgenschwersten und aufregendsten Abschnitte der Weltgeschichte überhaupt. Zwei neue Romandichter von hohem Rang führt der Insel-Derlag in die deutsche Literatur ein. Der erste ist Marcus L a u e se n mitjeinem Roman „Und nun warten wir auf das Schiff", einem Buche, das seinen Dichter über Nacht in seiner Heimat Däne- mark berühmt gemacht hat. Es ist die Geschichte von der Blüte und dem Verfall eines großen Geschlechts von Reedern und Kapitänen einer nordschleswigschen Hafenstadt. Ein Jahrhundert Familiengeschichte ist vor uns aufgeschlagen. Der andere Autor, F. E. S lila n p ä ä , ist ein finnischer Dichter, der die Geschichte eines jungen Mädchens geschrieben hat, das nach dem Tode der Eltern ins Leben hinausgestoßen wird, um bei fremden Menschen Magddienste zu tun."Die fürchterliche Verlassenheit eines guten und reinen Menschen inmitten einer von dumpfen Leidenschaften erfüllten und durch die Revolution aufgewühlten Welt könnte nicht zwingender gestaltet werden als es in diesem Roman geschehen ist. Das neue Buch von Felix Zimmermanns, „Franziskus", .ist die Frucht' der Arbeit mehrerer Jahre und wird den schönsten Büchern des Dichters zugezählt werden. Wieder ist er zu uns gekommen, der heilige Franz von Assisi, der Bräutigam der Armut, der Innigste und Liebendste von allen", um uns mit dem Glanz seines Innern zu erfüllen. Von Aldous Huxley, dem großen Ironiker, bringt der Insel-Derlag unter dem Titel „Welt — wohin?" einen Zukunftsroman, eine Utopie die uns aber kein unerreichbares Wunschbild vorzaubert, sondern mit unerbittlicher Folgerichtigkeit den „Fortschritt" zu Ende denkt Em im epischen Schrifttum noch nie bekundetes Fachwissen ist in einen Roman voll verblüffender Episoden und unvergleichlicher Wichtigkeit verwoben. Die „Apokalypse" ist das kostbare Vermächtnis des großen englischen Dichters D. H. Lawrence, eie ist während (einer Krankheit im Angesicht des Todes geschrieben. Der Dichter hat den kühnen Versuch gemacht, die Lehre Christi und die Offenbarung Jo- Hannes scharf voneinander zu trennen. Von allen Freunden Rainer Maria Rilkes und seiner Kunst willkommen geheißen wird das Buch „Rens Rilke" von Carl Sieber; es eröffnet den Blick in die bisher nahezu völlig im Dunkel liegenden Anfänge des Dichters, dessen Phänomen erst wahrhaft deut- lick' wird, wenn man seine Frühzeit kennt. Der Spielteufel ist der magische Herr der Welt; ihm ist das Buch von Egon Cäsar Tonte Corti, „Der sauberer von Homburg und Monte Carlo", gewidmet. Nach bisher völlig unbekannten Quellen schildert der Verfasser die Geschichte der Gründung dieser beiden Spielbanken und hat damit ein kulturhistorisches Gemälde geschaffen, aus dem uns eine der ältesten unausrottbaren menschlichen Leidenschaften grell entgegenleuchtet. „Der Traum der roten Kam- mer" ist neben dem „Kin Ping Meh" eine der beiden großen Romanschöpfungen Chinas und der Gipfel des chinesischen Schrifttums überhaupt. Er schildert Glanz und Niedergang eines Fürsten$ranffurf fest. Frankfurt a. M., 16. Sept. (WTB. Drahtmeldung.) Au Grund der wieder festen TendenzWall- ftreets und des langsamen Anziehens der Warenpreise erö knete die heutige Börse in freundlicher Tendenz. Die Stimmung wurde nach den ersten Kursen ausgesprochen fest, doch wirkte sich diese auf einigen Spezialgebieten aus. Das Geschäft beschränkte sich auf Rückdeckungen der Spekulation, daneben wollte man auch Käufe von interessierter Seite beobachtet haben. Das Publikum hielt sich vom Börsen- geschäft nach wie vor vollkommen fern. Gegen die Abendbörse traten durchschnittlich Besserungen von 0,5 bis 1 v. H. ein. Schon anfangs stärker erhöht waren wieder Lahmeyer, die zunächst 4,25 v H. gewannen und dann weitere 1 v. H. anzogen. Ferner lagen am Kunstseidenmarkt Aku 2,5 v. H. und am Elektromarkt Felten 2,75 v.H. höher. Im Mittel- punkt des Interesses standen vor alt>m Montan- a!tien, von denen Klöcknerwerke 2,5. Mannesmann 1,25 d. Sy, sowie Rheinstahl und Bulkvus 1,5 v H. gewannen. Die übrigen Werte dieses Marktes waren bis zu 0,75 d. Sy gebessert. A.n Elektromarkt setzten Licht & Kraft 1,13 v. H., Schuckert 1 r. Sy, 'AEG. und Rheinische Elektro Mannheim bis zu 0,65 v. H freundlicher ein. Am Chemiemarkt eröffneten IG. zunächst 1 d. Sy höher und lagen bann ‘pä>er um weitere 1,5 v. H. höher. Goldschmidt sowi- Scheideanstalt verloren bis zu 1 d. Sy, letztere vermochten aber später um 2 v.H. wieder anzustehen. Schiffe lagen gut gehalten, Reichsbankanteile blieben behauptet. Am Bauunternehmungsmarkt ergaben sich Besserun- gen bis zu 1,25 d. Sy Am Rentenmarkt löste es Beruhigung aus, daß die Zinssenkungspläne der Reichsregierung stärker in den Hintergrund zu treten scheinen. Man gab jedoch die bisher geübte Zurückhaltung noch nicht auf, so daß bei kleinem Geschäft die Kurse der fest- verzinslichen Werte keine nennenswerten Derände- Bücheriisch. — Leuchtende Tage. Roman von Liesbet Dill. (Verlag Paul Franke, ‘BerlinSW. 11). — 146 — Eine mit hinreißendem Temperament erzählte Geschichte einer großen Liebe. Lieber allem bunten, lebendig geschilderten Geschehen auf den wechselnden Schauplätzen dieses Romans schwebt die Kraft dieser Liebe wie süßer Geigentvn über einem vollstimmigen Orchester, ergreifend in ihrer trotz allem Irren innersten Llnbeirrbarkeit. Wan liest diesen Roman der beliebten Autorin mit starker Anteilnahme und außerordentlicher Spannung, die bis zur letzten Zeile andauert. Eine gehaltvolle Lektüre, die der besten Empfehlung wert ist. Wettervoraussage Das über Mitteleuropa lagernde Hochdruckgebiet beherrscht die Wetterlage. 3n seinem Bereich treten weiterhin verbreitete Rebel- und Dunstbildungen auf, doch wird es tagsüber bei absinkender Luft zu Aufheiterung kommen. Die Temperaturgegensähe werden sich zwischen Tag und Rächt zunächst noch etwas verschärfen., Aussichten für Samstag: Rach kühler Rächt und Frühnebel tagsüber aufheiternd, trocken und warm. Lufttemperaturen. Am 15. September, mittags, 19,8 Grad Celsius, abends 15,4 Grad Celsius. Am 15. September, morgens, 13 Grad Celsius. Maximum 21,2 Grad, Minimum 11,5 Grad. Rieder- I schläge 0 Millimeter. — Erdtemveraturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 15. September, abends, 19,2 Grad Celsius. Am 16. September, morgens, 15,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer l1/* Stunde. (Schluß des redaktionellen Teils.) Die Verwendung der hochwertigen Ruhrkohl» ist für die Heizung der Deweis, daß das Veste immer das Billigste ist. An Heizkraft von keiner anderen europäischen Kohle übertroffen, erlaubt ihre Verwendung, mit der geringsten Menge bei stets ausreichender Wärmelieferung auszukommen, so daß wesentlich an den Heizungskosten gespart werden kann. Ein weiterer Vorteil, den kein anderes Kohlenrevier aufweisen tonn, liegt in der Mannigfaltigkeit der im Ruhrrevier geförderten Kohlenarten, so daß für alle gebräuchlichen häuslichen Oefen eine besonders geeignete Ruhrkohle verfeuert werden farm. 3e nach den vorliegenden Verhältnissen wird die schnellbrennende Ruhr- Gasftammkohle, die überaus kräftig heizende Ruhr-Fettkohle, die saubere, völlig rauchlose Ruhr-Ehkohle oder Ruhr-Anthrazit verwendet. Daneben sind Ruhr-SteinkohlenbrikettS und für Zentral-Heizungen Ruhr-Brechkoks geschätzte Brennstoffe. 6480V das bedeutet restlose Reinheit! ERNTEN «7 BIS 30 ♦ MUSTERCIGARETTEN ♦ MISCHUNGSNUMMER R6 o/M SSO1 REEMTSMA CIGARETTENFABRIKEN G.M.B.H. ALTONA-BAHRENFELD Diese Cigaretten werden Tn den neu» betriebe! in Altona-Bahrenfeld berg. 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Er war ihr Stütze und Trost, und seine feste Zuversicht, sein Vertrauen gaben ihr ein wenig Mut zu glauben, dah alles sich zum Vesten wenden könne. „Ich gebe Ihnen jetzt ein Brompulver, liebe, gnädige Frau, und Sie legen sich brav nieder. Sie werden schlafen und wieder Mut fassen, und ich werde inzwischen zu erfahren suchen, wer Eva-Maries Verteidiger ist und werde ihn unter allen Umständen sprechen. Dann bekommen Sie Nachricht. Ich telephoniere, wann Sie mich zurückerwarten können!" Frau von Diemen hatte das sichere Gefühl des Gebovgenseins, der Hilfe und Unterstützung, als Dr. Andresen ihr mit freundlichem Zureden das Drompulver in ein Glas Wasser rührte, sie ver- anlahte, sich auf den Diwan des Hotelzimmers zu legen und sich auszuruhen. „Verlassen Sie sich ganz auf mich, Exzellenz! Was mit Eva-Marie geschieht, geht mir so nahe wie Ihnen!" sagte er herzlich. Frau von Diemen fahte in diesem Augenblick eine so tiefe Zuneigung zu dem Mann, die ihm blieb für ihr ganzes Leben. Trotz des grenzenlosen Kummers um ihre geliebte Pflegetochter, muhte sie bewundern, wie sicher und zuverlässig dieser junge Mann war und wie unverbrüchlich treu. Er sorgte für sie und Eva-Marie, ohne das) irgendwelche Verpflichtung es von ihm forderte. Sie dachte daran, das) in ihren Kreisen jeder Mann sich ohne weiteres zurückgezogen haben würde, wenn ein solcher Verdacht auf dem Mädchen ruhte, nur dec Schatten einer solchen Möglichkeit! Dieser aber stand fest und treu wie ein Fels. Sie sah wohl, wie fein energisches Kinn oft zuckte, wie die stahlblauen Augen manchmal auf* blitzten in verhaltenem Grimm über das, was seinem Mädchen geschah. Da begriff Exzellenz von Diemen, das) ihrer Eva-Marie dieser Bauernsohn aus Schleswig-Holstein hundertmal lieber sein muhte, als der Herr von Bork mit der Glatze und der zierlichen Kavaliersart von Anno dazumal. Sie hatte plötzlich den innigen Wunsch, diesem prachtvollen Mann ihre Sympathie zu zeigen, ihm etwas Freundliches zu tun. „Herr Dr. Andresen", sagte sie weich und errötete wie ein junges Mädchen, „ich kann es verstehen, dah meine Eva-Marie sie lieben muh!" Da kam ein froher Glanz in Heinrich Andresens kluge Augen, als ob er einen Augenblick all die Finsternis vergähe, die ihn von seiner Liebe trennte. Er kühte die Hand der alten Dame und sagte mit unendlich gewinnendem Ton: „Herzlichen Dank, kleine Mama! Lind nun schlafen Sie ein wenig, wenn es möglich ist! Wenigstens bis ich wiederkomme!" Er deckte sie mit der Reisedecke von Fellplüsch zu, nahm seinen Hut, nickte ihr zu und ging. Zunächst nahm er seinen Weg zu der Redaktion der Zeitung, welche die Notiz gebracht hatte, und es gelang nach verschiedenen telephonischen Anfragen bei dem betreffenden Berichterstatter, Len Namen des Verteidigers zu erfahren. Heinrich Andresen setzte sich mit ihm in Verbindung, und der Anwalt war, nachdem er erfuhr, dah der Arzt möglicherweise Aufschlüsse über die Angeklagte geben konnte, zu einer Unterredung bereit. Heinrich Andresen machte sich unverzüglich auf den Weg. Leider sah in dem Vorzimmer des Rechtsanwalts eine ziemlich grohe Anzahl Leute, die vor ihm abgefertigt werden muhten. Seufzend setzte er sich in einen der wenig bequemen Wiener Rohrstühle und blätterte in Gedanken verloren in den Zeitungen, die auf dem Tisch lagen. Nur wenn wieder einer, der vor ihm dran war, sich entfernte, sah er auf und stellte fest, wieviele er noch vor sich hatte. Mehr als eine Stunde währte die Geduldsprobe, dann war auch er an der Reihe. Reimann hieh der Rechtsanwalt. Der Name war nicht ungewöhnlich, und Dr. Andresen hatte in seinen schweren Sorgen nicht über die Person des Mannes nachgedacht. Hm so mehr war er erstaunt, plötzlich ein bekanntes Gesicht vor sich zu sehen. Der Iurist war in seinem Alter. Ein kräftiger Durchzieher auf der linken Backe dokumentierte seine akademische Würde und korpsstudentischen Schneid. „Sind Sie das, Andresen? — Kennen Sie mich noch? — Sie habend mir doch damals bei der Westphalia in Kiel denSchmih geflickt!" Erreichte dem Doktor die Hände, die dieser erfreut nahm. „Reimann, Sie? — Wie geht es Ihnen?" „Danke, danke, Hinnerk Andresen! Haben wir beide noch unser Ende in der schönen Sünderin Berlin gefunden? Na, nehmen Sie Platz, da ist's bequem! Lassen wir die drei Zahlungsbefehlaufträge und Ehescheidungsklagen da drauhen ein bihchen warten! Nehmen Sie eine Zigarette! Wo arbeiten Sie denn?" „Ich war bis jetzt in der Hamburger Nervenabteilung, als Assistent natürlich!" Er versuchte zu scherzen. „Bis mir diese ganz abscheuliche Geschichte berichtet wurde, und ich sofort um Ablösung bat, um hier eingreifen zu können!" „Eingreifen? Ach so, Sie kommen wegen meiner kleinen Raubmörderin!" meinte ruhig der Anwalt. „Das wird ein Sensationsprozeh, der meinen Ruf als Verteidiger begründen kann? Tolle Sache, das!" „Mensch, wie behandeln Sie das!" sagte empört Heinrich Andresen. „Verzechen Sie, wenn die Dame Ihnen etwa nahestehen sollte! Aber.wir sind nun mal nichts anderes als Kriminalfälle gewöhnt! Sie weinen doch auch nicht jedesmal, wenn Ihnen ein hoffnungsloser Fall vor Ihre medizinischen Augen kommt!" Der Anwalt steckte sich ruhig seine Zigarette an. „Hoffnungslos kann dieser Fall mit Fräulein von Diemen, die gänzlich schuldlos ist, doch nicht sein", antwortete Heinrich, direkt auf sein Ziel losgehend. „Vielleicht nicht ganz hoffnungslos!" Der Anwalt wiegte den Kopf. „Aber es ist eine ganz infame, verzwickte Geschichte! Lind Sie meinen, Doktor, die Angeklagte sei ganz schuldlos?" „Sie meinen es etwa nicht?" fuhr Andresen auf. „Wenn Sie mich um meine persönliche Meinung fragen, Doktor, so muh ich Ihnen offen gestehen, dah es mir schwer wurde, dieses angenehme junge Mädchen mit den angstvollen Augen für eine abgefeimte Verbrecherin zu halten! Andererseits ..." „Run, andererseits?" forderte der Doktor dringend. „Die Beweise sind fast erdrückend!" „Das ist nicht möglich!" rief der Arzt. Der Rechtsanwalt zuckte die Achsel. „Teilweises Geständnis!" „Sie sind verrückt!" sagte der Doktor beinah brüsk. Der Anwalt legte begütigend seine Hand auf des anderen Schulter. „Alten Korpskameraden nimmt man ja wohl derartige Ausdrücke nicht übel! Lind eins kann ich Ihnen zur Beruhigung sagen, so ganz aussichtslos ist die Sache nicht, wenn das Fräulein bei ihrer Aussage beharrt, dah sie von einem Giftmord nichts weih. Denn nachweifen läht sich das nicht mehr. Die Tote ist eingeäschert. Der behandelnde Arzt glaubt nicht daran. Das ist viel wert. Lind sie leugnet es!" „Sie hat es nicht getan! Von Leugnen kann gar keine Rede sein! sagte Andresen heftig. Wieder klopfte der Anwalt beruhigend auf die Schulter des Doktors. „Gut, meinetwegen! Also, wenn sie dabei bleibt, dah sie es nicht getan hat, so wird sie von der Anklage des Giftmordes wegen Mangels an Beweisen frei- gesprochen!" „Mangel an Beweisen? Das heißt, sie trägt die Schuld an dem Giftmord in den Augen der Leute und verliert ihre Achtung!" Dr. Andresens Kinn zitterte vor Grimm. Der Rechtsanwalt zuckte bedauernd die Achsel. „Dagegen wird sich nichts tun lassen. Lind mit der Achtung wird es sowieso etwas vorbei sein, denn den Diebstahl hat sie ungefähr eingestan- den!" „Diebstahl?" Mit funkelnden Augen sah Heinrich Andresen sein Gegenüber an. „Diebstahl? — Fräulein von Diemen hat niemals gestohlen! Das kann sie nicht eingestanden haben!" „So? Na, lieber Doktor, sie hat eingestanden, dah sie den Schmuckkasten in jener Nacht an sich genommen hat, in der Nacht, in der sie als einzige Wache am Bett der Verstorbenen sozusagen Dienst hatte. Sie hat ihn an sich genommen und schweigt hartnäckig darüber, wo sie ihn gelassen hat. Ein schöner Brillantring, der der Verstorbenen gehört hat, wurde bei ihr gefunden, und das Geld, das in dem Kästchen mit aufbewahrt worden ist, wurde zum gröhten Teil noch bei ihr gefunden. Sogar das Kuvert, in dem es gewesen war. Gestohlen oder weggenommen, ich weih nicht, ob da solch großer Unter* schied ist, Andresen!" „Wenn sie es genommen hat, ist sie zweifellos dazu berechtigt gewesen. Das Geld kann meine Schwägerin ihr zu irgendeinem Zweck gegeben haben!" sagte der Doktor. „Lind warum nicht in dem Kuvert, das ihre Adresse trug! Was ist ein Stück Papier?" „Kann, kann!" zweifelte der Rechtsanwalt. „Aber warum sagt sie das nicht? Schweigt darüber, wenn sie irgendeinen Auftrag mit dem Deld auszuführen hatte? — Lind der Brillant- ring? Sie sagt zwar, daß Frau Andresen ihr den Ring als Andenken geschenkt habe ..." „Dann ist es auch unbedingt so! Ich kann beschwören, dah die beiden Damen eng befreundet waren, und dah meine Schwägerin Renate jede Gelegenheit benutzte, Lern ihr so lieb gewordenen, jungen Mädchen eine Freude zu machen!" „Ich bin nicht der Richter der Angeklagten, lieber Doktor, ich bin ihr Verteidiger, und mich soll es wahrhaftig freuen, wenn bei der Sache etwas anderes herauskommt, als was es den Anschein hat, werden zu wollen! — Denn der Verteidiger kommt sich immer ein bihchen mit* blamiert vor. Aber was in aller Welt denken Sie sich von der Geschichte?" „Sie ist das Ergebnis eines bewußt ausgearbeiteten Planes, um Fräulein von Diemen zu verderben", sagte der Arzt fest. „Lind wer hätte den Plan?" „Ich kenne den Dämon, der das arme Mädel in diese verworrenen Wege trieb, die damalige Pflegerin Elisabeth ©Untermann!“ „Die hat allerdings die Anzeige gemacht!" sagte der Rechtsanwalt interessiert. „Lind was sollte die Lirsache fein?“ „Eifersucht!" knirschte Heinrich Andresen böse. Sie sprachen noch manches, aber Licht kam nicht in die Finsternis, die sich um Eva-Maries Haupt zusammenzog, wie ein schweres Wetter, wie ein unerbittliches Verhängnis. Morgen war Termin!---— Es war wenig Trost, den Heinrich Andresen der in LInruhe wartenden Mutter mitbringen konnte! — Wenig Hoffnung, die ihm selber wurde! (Fortsetzung folgt.) Nervös? - Dann Kaffee Hag Die letzten Conti-Gummimäntel Es stehen nur noch kleine Restposten von diesen guten Mänteln zum Verkauf Nur 15.-RI. 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Alllei- tigesErscheinennot- Nr. 218 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Freitag, 16. September 1952 ©er einsame ©anebrog. Dänische Sorgen um Butter, Eier und Speck. Von unserem A. S.*®erid)terftatter. 9tad)bru(f, auch mit Quellenangabe, verboten! . Kopenhagen, September 1932. In der Vester-brogabe und am Rathausplatz, am Kongens-Nytoro und durch die lange, schöne Go- thersgade pulsiert das Leben der „Stadt des heiteren Lächelns", wie man Kopenhagen genannt hat. Pulsiert unverdrossen, läßt die Theater sich füllen und die Schankstätten, wo nach wie vor die „klassischen" Butterbrote, die ein nordischer Sohn des Lucullus hierher verpflanzt haben mag, mit dänischem Schnaps und einheimischem Pilsner Bier ver- tilgt werden, auf dessen Flaschen ein ganz unpoli- tisches Hakenkreuz prangt. Aber wer kann heute noch Kopenhagen entdecken? — Das haben schon andere getan! Und dennoch vermag man schwerlich zu behaupten, daß es nichts Neues gäbe am Oere- Sund. Allerdings wird der Deutsche, dessen Nerven von der dauernden Häufung politischer und anderer Sensationen abgestumpft sind, staunend bemerken, für welche „Ereignisse" man jenseits des Fehmarn-Belt Interesse bezeigt. Daß der gegenwärtig hier tagende Psychologen-Kongreß dem Kopenhagener Gesellschaftsleben den Stempel ausdrückt, das mag noch angehcn. Eigenartig berührt es aber, wenn man z. B. ausführliche Berichte darüber in den Blättern liest, wie der japanische Prinz Matsu- daina in Hyattsville (Maryland, US2L) Herrn Charles Christensen, einen Dänisch-Amerikaner, mit einem Automobil überfahren Hot. Das sind so Sorgen, die wir nicht verstehen. Und wäre das Haager Urteil über den dänisch-norwegj- schen Konflikt wegen der Ostküste Grönlands nicht auch anderwärts bekannt geworden, man stände den spaltenlangen Aufsätzen der dänischen Blätter über die jüngsten Vorgänge in der Arktis ein wenig fassungslos gegenüber. Aber da fällt bereits bei näherem Zusehen auf, mit welchem Eifer sich die dänischen Behörden für eine britische Expedition einsetzen, die am Lake Fjord im grönländischen Eis, 100 Meilen nördlich von Angmassalik, den Winter verbringen will. Und eine gewisse Jdeen- verbindung lenkt dann auch den Blick auf die vielen Schilder mit dem britischen Leu und dem Union Jack, die die kommende englische Ausstellung in Kopenhagen ankündigen. Also ausgesprochene Britenfreundlichkeit! Und hier beginnt allerdings das, was man Hohe Politik zu nennen beliebt. Dieses Anglophilie hat nämlich mit dem Herzen gar nichts zu tun. Man mag es Selbstsucht oder anders nennen. Jedenfalls geht es in Wirklichkeit nur um drei Dinge: Um Butter, Eier und Speck. Ein politisches Gespräch fängt heute in Kopenhagen mit Ottawa an und hört mit Ottawa auf. Und der übrige Teil der Debatte dreht sich um besagte drei Nahrungsmittel und um die Angst, der Engländer würde diese wichtigsten Bestandteile seines Frühstücks jetzt, nach der britischen Reichskonferenz in der kanadischen Hauptstadt nur mehr aus den Dominien beziehen. Das ist natürlich eine große Sorge für jeden Dänen, eine so große Sorge, daß man mitunter die gegenwärtige Englandfreundlichkeit vergißt und Drohungen ausstöht. Seltsamerweise Drohungen mit — Deutschland. Dänemark hat feine Einfuhr aus dem Ausland in der letzten Zeit in der gleichen Weise gedrosselt, wie es Zeter und Mordio über die schrie, die gleiche oder ähnliche Abwehrmaßnahmen trafen. Diese dänische Einfuhr ist — man kommt heute ohne Statistik so schwer aus! — in den ersten sieben Monaten des Jahres auf 670 Millionen Kronen zurück- gegangen, was eine Verminderung um nicht weniger als 20 v. H. gegenüber der Einfuhr in der entsprechenden Zeit des Vorjahres bedeutet. Und am stärksten ist von dieser Drosselung Deutschland betroffen worden. Die deutsche Ausfuhr nach Dänemark ging in der erwähnten Zeit von 276 auf 178 Millionen Kronen, also um mehr als 35 v.H. zurück. Dafür bat sich dann, allerdings hauptsächlich infolge der Angleichung der Krone an das englische Lm Herzen des schwarzen Erdteils. Ein Vorstoß ins Innere Afrikas vor 100 Jahren Ein Jahrhundert ist in diesen Tagen vergangen, seit die erste Expedition von Liverpool abfuhr die den Niger-Fluh hinauffuhr, um den Handel mit dem Inneren Afrikas zu eröffnen. Dieses Jubiläum, das in England jetzt feierlich begangen wird, verdient allgemeine Beachtung, da es einen Markstein in der Erschließung des schwarzen Erdteils in Erinnerung bringt. Der Leiter dieses kühnen Unternehmens war ein junger Schotte, MacGregor L a i r d, und er war auf diesen Gedanken gebracht worden durch die Entdeckung des unteren Laufes und der Mündung des Niger, die kurz vorher den Brüdern Richard und John Lander gelungen war. Als diese beiden im Sommer 1831 aus Westafrika nach England zurückkehrten, war Laird erst 22 Jahre, der jüngere Sohn eines Schiffbauers von Birkenhead. Er hatte sich aber mit tarn Geschäft des Baters schon recht vertraut gemacht und wollte seine Kenntnisse bei diesem Borstoh in das Herz des schwarzen Erdteils verwerten. Der Anlaß für seine Tat war nach seinen eigenen Worten ..der unwiderstehliche Reiz des Mnbe- kannten für die jugendliche Phantasie". Die Fahrzeuge, die er zu diesem Zweck erbaute, stellten eine Neuheit dar: es waren zwei kleine Dampfer, die „Quorra". d. h. Großer Fluh und „Alburkah" d. h. Segen, genannt wurden. Das kleinere der Schiffe, „Alburkah". war ganz aus Eisen, hatte nur 55 Tonnen und war von Laird selbst entworfen. Es war das erste Eisenschiff, das eine Seereise unternahm. Die älteren Herren schüttelten bedenklich den Kopf und sagten dem jungen Wagehals das sichere Ende auf diesem Schiff voraus, denn in ihm werde die Mannschaft unter der tropischen Sonne wie in einem Ofen bei lebendigem Leibe gebraten werden. wenn nicht schon vorher der Blitz, der von dem Eisen uiiweigerlich angezogen werden müsse, ihren Untergang herbeigeführt habe. Laird ließ sich aber nicht ins Bockshorn jagen und das Eisenschiff bestätigte alle die günstigen Erwar- tungen, die er an den Dau geknüpft hatte. Die Dorbereitungen für die Expedition wurden mit großer Sorgfalt getroffen, und der eine der Entdecker der Niger-Mündung, Richard Lander, fanö sich bereit, die Führung zu übernehmen. Pfund, die Einfuhr Dänemarks aus England ein wenig erhöht. Und nun stand vor einigen Tagen in einer dänischen Zeitung zu lesen, Kopenhagen werde sich gezwungen sehen, die Einfuhr aus England ju drosseln, wenn London jetzt nach Ottawa keine Einsicht zeige und warten, bis, nun ja b i s Deutschland sich soweit erholt habe, daß es wieder in „angemesiener" Weise von Dänemark Eier, Butter und Speck kaufen könne. Diese Betrachtung ging dann auch durch alle großen eng- lischen Zeitungen, aber nur in Kompreßdruck. ohne irgendwelches Auflehen jenseits des Kanals zu erregen. Denn — England ist mächtig und stellt ein Weltreich dar, und der Danebrog, die dänische Nationalflagge, weht über ein paar gar zu kleinen Brocken Erde. So ist das nun einmal in dieser Wett, wo das Recht des Stärkeren schon vor des Galliers Brennus Zeiten immer galt und wohl auch weiterhin immer gelten wird. So befindet sich also Dänemark in keiner beneidenswerten Lage. Der große Nachbar, Deutschland, kämpft um das Bestehen seiner eigenen Landwirtschaft. England, das vielumworbene. wird bei der Ausführung der Beschlüße von Ottawa schwerlich Dänemarks gedenken können. Mit N o r» wegen hat man sich Ostgrönlands wegen endgüttig überworfen, und Schweden hat ebenfalls selbst mehr als schwer zu kämpfen. Und darum schmeckt das Butterbrot nicht mehr so gut wie früher in den Gaststätten der großen Plätze Kopenhagens und in den Anlagen am Tivoli und um Schloß Rosenborg. Es ist einsam geworden um den Danebrog, und es gilt, Butter, Eier und Speck vor dem Verderben zu schützen... Verfolgung und Verteidigung im Manöver-Krieg. ©ie Fronten bei den Brigadeübungen der 5. ©ivision Tag und Nacht in Bewegung. — Vormarsch aus der Gegend von Gondershausen bis vor Langensalza. — ©as Gießener Bataillon in vorderster Linie. Eigener Bericht unseres E. 8.-Redaktionsmitgliedes. Pressequartier Mühlhausen i. Thür., 14. September 1932. Am heutigen zweiten Tage der D r i g a d e - Übungen der 5. Division inNordthü- ringen hat das Kampf bild ein ganz anderes Gesicht, al£ gestern. Handelte es sich bei den gestrigen Kämpfen um die Höhe Mehlisch um ein De- gegnungsgefecht, so soll, wie die Führer der Pressevertreter — Major Jahn und Hauptmann Faulenbach — heute früh in der Pressekonferenz bei der Erläuterung der Kriegslage mitteilern das Ringen am heutigen Tage, m der folgenden Nacht und am Donnerstag im Zeichen der hinhaltenden Verteidigung schwacher Kräfte gegen nachdrängenden überlegenen Feind stehen. Da für die zweitägige Hebung der Raum von Sondershausen bis Langensalza vorgesehen ist, wird es also einen richtigen De- wegungskrieg geben, da ja der Führer von Dlau befehlsgemäß vor dem stark überlegenen Führer von Rot zurückgehen wird. Oie Kriegslage für den 14. und IS. September ist nach den Weisungen des „Leitenden" Generalmajors Muff folgende: Rote Hauptkräfte (nur Befehlsstellen dargestellt) aus nordostwestlicher Richtung im Angriff gegen eine blaue Verteidigungsstellung auf den Höhen westlich Sondershausen haben bis uim 13. September abends die Linie Rabenmühle—Kuhberg—Nordhang Höhe Herrenrode A 338—Gr. Weinberg (ostwärts Wiedermuth) erreicht. Die Fortsetzung des Angriffs ist für den 14. September, 9.30 Mhr, mit linkem Flügel vom Gr. Weinberg aus, über Ebeleben West auf Schlotheim West befohlen. Hinter dem offenen Südslügrl hat das bisher nicht eingesetzte 12. Jnf.-Regt. 8.30 Uhr mit der Masse die Höhen ostw. Schernberg (beiderseits Straße Sondershausen—Thalebra), mit dem 111. Datl. (bisher Divisionsreserve) die Dorfstelle Datzgerode (zwei Kilometer südlich Himmelsberg) erreicht. Das Regiment hat Befehl erhalten, über Ebeleber-Derg und Hoher-Derg vorgehend, sich in 'Besitz des Almenhäuser-Derges (südostwärts Schlotheim) zu sehen. Für den Angriff sind dem Regiment unterstellt: Aufkl. -Abt. 5, die sich seit 6.30 Mhr von Sondershausen aus im Dorgehen auf den Gänse-Derg (südlich Thalebra) befindet und gegen die Linie Mühlhausen— Langensalza aufklärt. I. Abt. Art.-Regt. 5, die bei Immenrode in Stellung steht, 1. Komp. Pion.- Datl. 5, die mit der Beseitigung von Sperren (Annahme) an Straße Sondershausen—Hohen» Waren wurden eingekauft für den Tauschhandel mit den Negern, von denen man hauptsächlich Elfenbein und Indigo zu erlangen hoffte. Die Mannschaft der beiden Schiffe bestand aus 51 aus- erwählten seetüchtigen Leuten ... Laird selbst war auf der „Quorra", während Lander auf der „Alburkah" kommandierte. Als man glücklich an der afrikanischen Westküste gelandet und die Fahrt den Niger hinauf angetreten hatte, wurden die Schiffe häufig voneinander getrennt und Laird mußte allein handeln. Mit großen Schwierigkeiten bahnte man sich den Weg bis zu dem Zusammenfluß des Niger mit dem Denue, wo Laird eine Niederlassung gründen wollte. Aber das Fieber hatte unterdessen schon stark unter den Seinen aufgeräumt. Der Mann, der die Siedlung einrichten sollte, war tot, und in sieben Tagen starben auf der „Quorra“ 13 Menschen. Auch die „Alburkah" wurde schwer heimgesucht. Der Handel mit den Eingeborenen war unbefriedigend.. Das Elfenbein, das sie zum Berkaus brachten, war minderwertig und der Indigo voller Schmutz. Aber weder Tod noch Krankheit noch Fehlschläge konnten den Geist der beiden Führer niederdrücken. Lander versuchte ohne Erfolg auf dem Niger bis Boussa vorzudringen: Laird, dessen Schiff auf eine Sandbank aufgefahrea war, fuhr in einem kleinen Doot den Denue hinauf — der erste Weiße, der diesen Fluh hinausfuhr —, und kam nach dem Reiche Fundah, dessen König er für Handelsbeziehungen zu gewinnen hoffte. Der König aber zeigte sich abgeneigt und hielt Laird gefangen. In dieser peinlichen Lage fand er, wie er selbst erzählt hat, einen großen Trost in dem Geplauder mit einem eingeborenen Arzt und Darbier, der in beiden Eigenschaften den Engländer trefflich bediente. „Er war", schrieb Laird in sein Tagebuch, „die Zeitung von ganz Fundah. aufs beste unterrichtet über alle Torgänge und Neuigkeiten, und seine Frau war nicht weniger gesprächig." Schließlich erlangte Laird seine Freiheit durch eine List, indem er nämlich bei einem feierlichen Palaver mit dem Herrscher und seinen Großen vier zwei- pfündige Raketen und sechs blaue Lichter abbrannte: „Die Wirkung war wirllich elektrisch: die Eingeborenen hatten keine Ahnung, woher diese Erscheinung kam und flohen nach allen Richtungen. Der König, von Schrecken erfüllt, warf sich vor mir auf die Erde, und indem ich einen meiner Füße auf seinen Kopf stellte, versprach ich ihm, daß ich ihn vor aller Gefahr beschützen werde." ebra beschäftigt ist, sowie Kampfwagenkomp. 5, die 10.30 Mhr auf Straße Sondershausen—Ebeleben mit Anfang am Südausgang Debra eintrifft. Führer Rot: Oberst Kienitz (Kornrnand. des 15. Jnf.-Regts.). Truppen: 15. Jnf.-Regt. (Kassel, Gießen, Eisenach, Weimar) verstärkt durch 111. Datl. J.-R. 14 (Konstanz): R.-R. 18 (Cannstatt, Ludwigsburg) verstärkt durch einen Zug der 3. Komp. Äraftf.» Abt. 5 mit Panzerkraftwagennachbildungen als Ausklär.-Abt. 5; 1. Abt. Artl.-Regt. 5 föulba); 1. Komp. Kraft.-Abt. 5 (Mim) mit Kampfwagennachbildungen. Die blauen Hauptkräfte (ebenfalls nur Befehlsstellen dargestellt) haben sich in der Nacht vom 13. zum 14. September unter Belassung von Nachtruppen in den bisherigen Stellungen vom Feinde abgesetzt. Sie beabsichtigen in dem Gelände bis zur Mnftrut hinhaltend, so zu kämpfen, daß Rot die Mnftrut nicht vor dem 16. September früh erreichen kann. Den ersten Widerstand beabsichtigen die blauen Hauptkräfte am 14. September in der Linie: Mäuse-Derg — B314 — Hardt 335 — Waldstücke nördlich Dom. Peuckendorf—Waldstück Hausholz— Mehlisch 430—Die Watte 443 zu leisten. Das am 14. September, 6 Mhr, in den Raum Schlotheim—Marolterode neu herangeführte 14. Jnf.-Regt. hat Befehl erhalten, die erste Widerstandslinie nach Osten zu verlängern und hierzu die Höhen südlich der Helbe zwischen Großenehrich und Ebeleben $u gewinnen. Am Helbe- abschnitt zwischen Phüringenhausen und Mark- sußra stehen seit 6 Mhr schwache blaue Sicherungen (Teile des 11. Datls. J.-R. 14). Nach Weisung der blauen Führung ist der Kampf so zu führen, daß am Abend des 14. September die Linie: Wälder Gr. Horn—Eichholz— Oberholz—Almenhäuser Berg—Alte Schanze — Nordostrand Dolkenroder Wald gehalten wird. Führer Blau: Oberstl. S iegIin (b.Stab J.-R. 14): Truppen: J.-R. 14 (Konstanz, Tübingen, Meiningen) ohne 111. Datl. (bei Rot), 1II./A.-R. 5 (Ludwigsburg): Pion.-Datl. 5 (Mim) ohne 1. Komp, (bei Rot): 1 Zug R.-R. 18: ein Holzgeschühzug J.-R. 15: 3. Komp. Krastf.-Abt. 5 (Kassel) (ohne 1 Zug) mit Panzerkraftwagennachbildung. Die Luftstreitkräfte bei Dlau und Rot sind annähernd gleich stark. Auf dem Gchlachienbummel. Mnmittelbar nach der Pressekonferenz, kurz nach 7 Mhr, gehts mit Kraftwagen ins Gelände. Die Wolken liegen als einziges graues Regenreservoir über der ganzen Landschaft, dazu macht sich der Als Laird nach der „Quorra“ zurückgekehrt war, glaubte er, das Land für eine weitere Erschließung genügend erforscht zu haben, und entschloß sich für den Rückweg. Ende August 1833 kam er an der Mündung des Niger an und war Neujahr 1834 zu Hause in Liverpool. Lander, der unterdessen den Niger weiter hinaufgefahren war, wurde von den Eingeborenen angegriffen, verwundet und nach Fernando Po gebracht, wo er ft ar b. Die tragischen Opfer und die kümmerlichen Handelserfolge seiner Expedition konnten aber Laird nicht entmutigen. Er wandte sich jetzt dem Schiffsbau zu, und der von ihm 1838 erbaute „Sirius" war das erste Schiff, das den Atlantischen Ozean ganz unter Dampf überquerte. Er rüstete mit Unterstützung der Regierung regelmäßige Handelsreisen nach Westafrika und dem Niger auf seinen Schiffen aus und bereitete so den Weg für die Erschließung des Landes- Als et 1861 starb, war der Grund gelegt für die Einverleibung Nige- riens in das britische Weltreich, die 1877 von Sir George Goldie vollzogen wurde. toeinem$rauenleiifont)Dnl7i5 Mitgeieitt von Lore Stetten. Mensch: „bedeutet spviel als ein Weibsbild von gemeinem Stande. Der alberne Streit, ob die Weiber auch Menschen sind, ist längstens beygelegt worden, weil die von denen Gegenteilen angeführten Argumente auf schlechten Füßen beruhen und gar leicht zu refütieren sind." Gedächtnisschwund begegnet man mit folgendem Rezept: „Man nimmt Ambrae grys- saeae 20 Cran, des besten Bisams 10 Cran, weihen Kandenzucker 2 Loth, vermischet und reibet alles auf das subtilste untereinander. So man nun alle Morgen von diesem Pulver ein paar Messerspitzen voll in gutem Wein einnimmt, bringt es mit Verwunderung das verlorene Gedächtnis wieder." Kuh nennt man „eine aus Liebe herrührende Vereinigung der Lippen, bei der der Wund von zwei Personen so fest aneinandergedrückt wird, daß die Livpen beim Loslassen einen deutlichen Nachklang zum Zeichen des Wohlgeschmacks von sich geben.“ Bodennebel wieder stark bemerkbar, so dah die Sicht nur sehr beschränkt möglich ist und allgemein mit baldigem Regen gerechnet wird, der aber dann doch erfreulicherweise ausbleibt? Die Landstrahen und Feldwege im Mebungsgelände sind von Tausenden von Zuschauern besucht, und auf den Anmarschstrahen rücken immer mehr Schlachtenbummler, darunter viele Schulklassen, heran. Wir schlängeln uns zunächst mit unseren Wagen durch den Hochbetrieb auf den Landstrahen bis zu dem Waldrand vor Sondershausen vor. müssen dort aber feststellen, dah die Masse der Roten schon auf dem Vormarsch und einstweilen in dem Nebelmeer untergetaucht ist. Wir fahren wieder ein Stück des Wegs zurück und warten geduldig. („Die halbe Zeit seines Lebens, steht der Soldat vergebens.") An dieses Witzwort muß ich in diesem Augenblick denken. Schließlich kommt eine rote Offiziers-Patrouille zum Vorschein, und bald darauf tauchen auch rote Schützenlinien (2- Datl. J.-R. 15) und Minenwerfer aus dem Nebelmeer auf. Wir hören noch, dah das Gießener Bataillon auf den Ganfeberg losmarschieren soll, der eine weit umfassende Uebersicht über das Gelände ermöglicht. Auf dem rechten Flügel der roten Vormarschlinie operiert das III. Ball. J.-R. 14, nach links anschließend folgen dann I. Batl. J.-R. 15 und II. Batl. J.-R. 15, während das III. Batl. J.-R. 15 zunächst als Reserve zur Verfügung des Führers bleibt. Nun fahren wir einstweilen einmal zu den Blauen hinüber, um zu sehen, was die alles „angedreht" haben, lieber die gesprengte (selbstverständlich nur in der Annahme! Die Sprengung wird durch ein weißes Band quer über die Brücke mar- Eiert, ein Schiedsrichter hält Wache, daß die „Sprengung" auch beachtet wird, natürlich nur vom roten Kampfgegner!) Brücke passieren wir den Helbe-Abschnttt und nun gehts in der blauen Verteidigungszone umher, die mit viel Geschick unter zweckmäßiger Auswertung des Ge- ländes eingerichtet ist. Versteckte Maschinengewehrnester, ausgezeichnete Beobachter für das nur von schwachen blauen Patrouillen abgegrafte blaue Vorfeld sind in der ersten Linie zu sehen, sonst nichts. Etwas mehr Gewicht liegt in der blauen Hauptstellung beim Hohenberg, die aber auch nur hinhaltend verteidigt werden soll, um den roten Angreifer zur Entfaltung seiner Kräfte zu zwingen und ihm schließlich das Nest leer zu überlassen, wenn er alle seine schweren Waffen vorgezogen und erst mühsam wieder aufgebaut hat. Dann gehts wieder zu R o t zurück, dessen Vormarsch jetzt auf der ganzen Front im Gange ist. Der Nebel hat sich mittlerweile verzogen, auch die Allerlei Aberglauben: Freitags soll man sein Haar nicht bürsten oder flechten, weil man sonst Mngeziefer bekommt. Deim Abkosten von Speisen darf ein Mädchen beileibe nicht am Quirl lecken, sonst wird es am Hochzeitstage bestimmt regnen. Kinder vor einem Jahr in den Spiegel sehen zu lassen, ist nicht ratsam. Sie werden leicht stolz. Eine Draut soll sich hüten, dem (Bräutigam ein Messer zu schenken: die Liebe wird damit durchschnitten. Chaplin und seine Söhne. Armut zwang den amerikanischen Filmschauspieler Charlie Chaplin, schon in zarter Kindheit die Laufbahn zu wählen, die ihn später auf die Höhe des Ruhmes führte. Aber im Rückblick auf die Erlebnisse, die er als Kind gehabt hat, wünscht er unter allen Umständen zu verhindern, daß seine beiden Söhne einem ähnlichen Schicksal ausgesetzt sein sollen. Dem gab er dieser Tage vor dem Gericht in Los Angeles unzweideutigen Ausdruck. Seine frühere Gattin, fiita Grey, hat einen Vertrag mit der Fox-Film-Gesellschaft abgeschlossen, durch den sie mit Ihren Söhnen, dem 7jahrigen Charles und dem 6jährigen Sydney, zur Mitwirkung in fünf Filmen verpflichtet wird. Lita Grey sollte für den ersten Film 15 000 Dollar und jeder ihrer Söhne 10 000 Dollar erhalten. Der Vertrag ist aber für die Kinder ohne Genehmigung des Vaters ungültig, und Chaplin erhob nun vor Gericht Einspruch gegen diese frühe Ausbeutung seiner Spröß- finge. Er erklärte, daß er keinen Anlaß dazu sehe, aus dem seine Kinder gezwungen sein sollten, sich schon so früh der Filmlaufbahn zu widmen: er habe für ihre Erziehung eine Summe von 150 000 Dollar ausgeworfen, die wohl genügen würde. „Ich mußte schon als Kind Geld verdienen, aber sie haben es nicht nötig", sagte er. ,Lch sehe zwar keine körperliche Gefahr für sie in ihrem Auftreten, aber ich fürchte, daß sie infolge des vorzeitigen Hervorzerrens in die Öffentlichkeit geistigen Schaden nehmen könnten. Ich will nicht, daß meine Kinder zu rasch das Leben kennenlernen. Sie sollen sich ihrer Jugend erfreuen. Ihr Glück liegt mir am Herzen. Als der Vertreter der Frau ihn fragte, ob er denn glaube, daß die Erziehung der Kinder durch den Vertrag leiden könne, erwiderte er: „Jawohl, sie würden ihre Lebenskraft verschwenden durch die Konzentration auf diese Arbeit. Ich will sie davor beschützen." Wolken sind etwas lichter geworden, so daß man bessere Sicht hat. Auf dem Gänseberg, den die Gießener 15er schon lange in der Richtung feindwärls passiert haben, treffen wir den „Leitenden". Jnfanterie- • führer Generalmajor Muff mit seinem Stabe, der von hier aus die Operationen längere Zelt verfolgt. Im Talgrund hinter der Hohe steht eine Batterie. die auf den Helbe-Abschnitt feuert, gegen den eben der Angriff von 'Rot im Gange ist, während die Blauen schon längst befehlsgemäß „die Platt geputzt" haben: dann geht's gegen den Hohenberg. Der Führer Rot hat mittlerweile eine Kräfteverschiebung vorgenommen, durch die sein linker Flügel verstärkt wird. In vorder st er Linie greift das I. Bataillon 3.21.15 (Gießen) an. Auf der weiteren Fahrt durch das Bormarschgelände sehen wir überall eifrigen Drang nach vorne. Rot verstärkt seinen linken Flügel immer mehr. Bon der Kavallerie sieht man nichts, später wird bekannt, daß sie durch das Machtwort eines Schiedsrichters angehalten worden ist. Auf die einzelnen Phasen des Kampfes kann hier nicht näher eingegangen werden, es mag genügen, wenn vermerkt wird, daß Rot überall gut vorankommt, da eben Blau ganz planmäßig abbaut und zurückgeht. Gegen 14 älhr kommt es zu einem Stillstand bei Rot, den das Pressequartier zu einer Imbißpause in Ebeleben benutzt. Borher treffen Hauptmann Faulenbach und ich in der Rähe des Schorfberges die 3. Kompanie der Gießener 15er. die „alte Dritte", wobei es natürlich herzliche Begrüßung auf beiden Seiten gibt. Gegen 15 Ahr taucht das Pressequartier auf dem Windmühlenberg in der Rähe von All- menhausen, mehr nach Blau hin gelegen, auf. Tausende von Menschen sind hier, wie überall im Manövergelände, auf den hochgelegenen Punkten versammelt, riesige Fahrzeugparks aller Arten und Kaliber sind zusammengestellt, um das Zivil schnell befördern zu können. Der Vormarsch von Rok ist wieder flokk im Gange. Das Gießener Bataillon hat nach wie vor die Spitze. Zahlreiche bekannte Herren des Offizierskorps unserer 15er, an der Spitze der Kommandeur Oberstleutnant K l e p k e, mit denen ich tags zuvor auf dem von den Gießener Grenadieren stramm gehaltenen Mehlisch herzliche Begrüßung austauschte, werden auch hier auf dem Windmühlenberg wieder mit herzlichem Gruß und kräftigem Händedruck empfangen, und sie teilen mir das nächste Angriffsziel mit. Auch mit zahlreichen Mannschaften wird freundliche Begrüßung ausgetauscht. Die Offiziere und Mannschaften unserer 15er haben zwar mit dem Anmarsch und auf diesem Dormarsch im Laufe des Tages schon „e i n e n t ü ch t i g e n Stich verdrückt", d. h. eine gehörige Anzahl Kilometer über Sturzäcker, Kraut- und Kartoffelfelder, Wiesen usw. hinter sich gebracht: der Kommandeur und einige andere Offiziere müssen auf Fahrrädern mühselig durch das Gelände ziehen. Wenn sie alle auch schon erheblich strapaziert sind, so gehts aber doch immer flott und wohlgemut weiter vorwärts, bergaufwärts in Richtung des Waldrandes bei Marolterode, wo am Abend von der roten Infanterie dieses Abschnitts noch angegriffen und Der blaue Feind geworfen werden soll. 3n der Abenddämmerung bricht der Angriff, durch Kampfwagen (Attrappe) gut unterstützt, los, und er ist so kräftig, daß der Durchbruch durch die von Blau im Walde eingerichtete Verteidigungsstellung glatt gelingt, Blau aus dem großen Waldstück nach Lüden in das freie Gelände herausgeworfen und sich unter dem Verfolgungsfeuer von Rot schnellstens davonmachen muh. Die roten Truppen richten sich für die Rächt in dem Waldstück ein, wo sie bis zum neuen Angriff am folgenden Morgen verbleiben. Run tritt für ein paar Stunden Ruhe ein, in der natürlich auch Patrouillentätigkeit usw. herrscht. Mittlerweile ist auch an den Flügeln der rote Angriff gut voran- gekommen. Der folgende Morgen bringt den Abschluß. Oer letzte Manövertag. Mühlhausen, 15. September. Das Pressequartier rückt am letzten Manövertag (Donnerstag) schon vor 5 Uhr in tockdunkler Nacht aus Mühlhausen ab. um recht rüh im Kampfgelände anwesend zu sein. Nach dreiviertelstündiger Autofahrt kommen wir auf den Höhen zwischen Marolterode und Kirchheilingen an. Starker Bodennebel behindert die Sicht. Der blaue Kommandeur hat seine Truppen schon um 3 Uhr früh vom roten Gegner abgesetzt und sie in eine Borfeldlinie bei Bothenheilingen und Kirchheilingen zurückgenommen, während die Hauptwiderstandslinie etwas weiter zurück mit dem Hoppenberg, der eine weite Sicht in das Gelände ringsum gestattet, als Schlüsselpunkt liegt. Der Angriff für Rot ist auf 6.45 Uhr befohlen. Schon eine Stunde vorher klingt vom linken Flügel der roten Truppen starkes Maschinengewehrfeuer herüber: dort sind Teile der linken roten Flanke mit blauen Sicherungen aneinandergeraten. In der Mitte der Front klären rote Patrouillen in dem durch Bodennebel verhängten Dorgelände auf. Das Pressequartier hat seinen Standort auf einem Hügel vor der roten Linie gewählt, etwa halbwegs zur blauen Front, um von hier aus den Beginn des Bormarsches und die Entfaltung der roten Truppen beobachten zu können. Den gleichen Standort hat für einige Zeit auch der Leitende, Generalmajor Muff, mit seinem Stabe inne. Bald nach 6.45 Uhr sieht man die roten Angriffswellen aus den Waldstücken heraustreten und das freie Gelände in Schützenlinien überschreiten. Lin eindrucksvolles Stück Bewegungskrieg entrollt sich vor den Augen der Zuschauer. Auf den Landstraßen, Feldwegen und Höhen verfolgen trotz der frühen Morgenstunde schon gewaltige Zuschauermassen das interessante militärische Schauspiel, und im Laufe des Vormittags w-ird der Zustrom der Schlachtenbummler immer stärker; viele Tausende von Männern, Frauen und Kindern beobachten mit starkem Interesse die Kämpfe der beiden Parteien. Die Mitte der roten Front kommt zunächst ohne Widerstand der Blauen gut voran. Das Pressequartier hat mittlerweile Stellungswechsel vollzogen und beobachtet den roten Anmarsch nun aus der blauen Vorfeldlinie heraus. In ausgezeichneter Kampfordnung kommen die roten Truppen über die Höhenzüge und steigen in den Talgrund vor der blauen Vorpostenlinie herunter. Auf der blauen Seite ist noch alles ruhig, fein Schuß fällt. Die roten Truppen nähern sich in flottem Marsch. Plötzlich fangen blaue Maschinengewehre aus mehreren Strohhaufen heraus zu feuern an. Artillerie mischt sich ebenfalls in das Morgenkonzert ein. Im Handumdrehen ist die rote Marschlinie von der Bildfläche verschwunden, alles liegt in den Sturzäckern, in den Kartoffel- und Rübenfeldern zum Schützenfeuerkampf bereit. Natürlich kann Rot gegen das MG.-Feuer im ersten Augenblick nicht ankommen. Jedoch sieht man, daß in der Mitte und am rechten Flügel der rote Vormarsch zunächst aufgehalten ist. Auf dem rechten Flügel liegen die hessischen Grenadiere aus Gießen, die ich im Laufe des Tages leider aus dem Blickfeld verlor, die Mitte der Front haben die Thüringer 15er (Eisenach und Weimar) inne, den linken Flügel bildet das Kasseler Jägerbataillon (III./15). Die Konstanzer Jäger (III./14) sind, bis auf die Maschinengewehre, zur Verfügung des roten Führers zunächst aus der Front herausgezogen. Der Schwerpunkt des roten Angriffs liegt in der Mitte bei den Thüringern. Da es zunächst in der Mitte nicht mehr viel zu sehen gibt, geht die Fahrt des Pressequartiers hinüber zum linken Flügel von Rot zur Auf- flärungsabteilung, ufn dort die rote Kavallerie und natürlich auch die blaue wirken zu sehen. Am Südausgang von Sundhausen können wir beobachten, wie eine blaue Kavalleriepatrouille ganz unvermutet vor einen roten Kavallerie-Unteroffizierposten gerät und wegen Unterlegenheit schleunigst flüchtet. Der rote Kavallerieposten jagt in gestrecktem Galopp hinterher, die wilde Jagd geht durch das Dorf hindurch, aber die Blauen können entwischen; später kommt die gleiche Patrouille quiischvergnügt durch rote Kavallerieschützenlinie hindurchgeritten, es gibt allerlei „Zunder", aber die Blauen machen sich auf und davon. Auf den Höhen südlich von Sundhausen kann man die rote Kavallerie in prächtigem Vormarsch beobachten. Ueberall sieht man die Reiterei ausgeschwärmt gegen die rechte blaue Flanke vorgehen. Da Blau nur ganz schwache Sicherungskräfte hat, kommt Rot natürlich gut voran. Lin interessanter Kampf zwischen Straßen- Panzerwagen und Tankabwehrgeschüh (beides leider nur Attrappen) entfpinnt sich im Handumdrehen an einer Straßenkreuzung auf der Landstraße Merxleben — Klett st edt (in der Nähe von Langensalza). Die rote Kavallerie hat hier, nachdem sie gegen blaue Kräfte zum Feuer- gefechtzu Fuß abgesessen und ferner einen wichtigen Hügel bei Sundhäusen besetzt hat, ein Tankabwehrgeschütz zur Sperrung der Straße postiert. Dieses Geschütz wird unvermutet von Straßen-Panzerwagen überfallen, die von rückwärts herangekommen und durch die große Zu- schauermenge der Tankabwehrmannschaft bis zum allerletzten verborgen bleiben. Im Nu wird das Tankabwehrgeschütz herumgeworfen, aber zum Feuern ist es schon z u spät, denn die beiden Kampfwagen sind bereits heran. Uebrigens hat der Führer des vorderen Straßen-Panzerwagens eine nicht erlaubte Kriegslist angewandt, da er an seinem Wagen fein Erfennungszeichen seiner Partei (blaues Band) trug, das er angeblich verloren haben wollte. Den Führern der Kampfwagen ist jedenfalls die Sache auch zu sengerig geworden, da sie bei der zufällig anwesen- den Presse unparteiische Offiziere sehen; die beiden Kampffahrzeuge machen sich denn auch schleunigst aus dem Staube. Weiter geht die Fahrt. Wir bemerfen auf den Höhen beim Hoppenberg, dem Mittelpunkt der blauen Front, starke blaue Flankensicherung durch Artillerie und Maschinengewehre und kommen schließlich zum Standort des Leitenden auf dem Hoppenberg. Von hier aus beobachtet das Pressequartier die nun einsetzenden Schlußkämpse. Unter dem Eindruck der ständig anwachsenden Bedrohung seiner rechten Flanke hat der Führer von Blau, noch vor der Wiederaufnahme des roten Frontalangriffs, einen Vorstoß der blauen Kampfwagen zur Entlastung seiner Front angeordnet. Unter dem Schutze dieses Kampfwagenoorstoßes über Sundhausen auf Kirchheilingen will er feine übrigen Truppen hinter den Unstrut-Abschnitt Thamsbrück — Altengottern zu- rücknehmen. Dieser Kampf soll um 10 Uhr eingeleitet werden. Noch ehe es aber dazu kommt, läßt der Leitende, Generalmajor Muff, das Signal „Das Ganze halt!" blasen, womit das Ende des Manövers gekommen ist. Oie Schlußlage ist nach der Erklärung der Begleitoffiziere des Preffe- quartiers folgende: Es kann angenommen werden, daß es dem blauen Führer unter dem Schutze des Kampfwagenangriffs an seinem rechten Flügel gelungen ist, ohne schwere Verluste das Südufer der Unstrut zu erreichen. Dagegen ist anzunehmen daß auf dem linken blauen Flügel, gegen den sich Der rote Hauptstoß richtete, es Roi gelungen ist, namhafte Teile von blauen Truppen auf dem Nordufer der Unstrut noch zu fassen. Bei dieser Sachlage wäre also der Wettlauf um die Unstrut-Linie auf dem roten rechten Flügel von vollem Erfolg gewesen. OaS Ende. Die Kritik über den zweitägigen Kampf geht im Kreise der Offiziere vor sich. Die Presse versammelt sich zur Schlußkonferenz in Groß-Welsbach, wo Major Jahn der Presse den Dank und nochn'aligen Gruß des Divisionskommandeurs, Generalleutnant Liebmann, übermittelt. Ferner teilt Major Jahn mit, daß die Truppen überall im Manövergelände bei der Bevölkerung in herzlichster weise ausgenommen wurden, wofür der Divisionskommandeur den Ortseinwoh- nern noch besonderen Dank übermitteln ließ. Dann nahmen die beiden Offiziere, Major Jahn und Hauptmann Faulenbach, vom Pressequartier Abschied, nachdem zuvor der 23ertretet eines Erfurter Blattes, Major a. D. Wiese, als Ael- tefter des Presfequartiers, den beiden Offizieren für die aufmetifame, stets hilfsbereite und liebenswürdige Führung den wohlverdienten herzlichen Dank ausgesprochen hatte. An dem Manöver nahmen nach Mitteilung in der Pressekonferenz etwa 6 bis 7 000 Mann aller Waffengattungen teil. Die Truppen bezogen im Raume Langensalza-Mühlhausen in Stadt und Dörfern Quartier bis zum Abtransport am Freitag. In zahlreichen Orten sah man die üblichen Manöverbälle für den heutigen Abend bereits angekündiat. Die Soldatenuniform übt eben immer noch erfreulicherweise ihren starken Reiz aus, wenn sie auch mittlerweile schlichter geworden ist als früher. Das Manöver ist vorbei. Es hat gezeigt, daß unsere Reichswehr vom obersten Führer bis zum letzten Mann in eifrigster Weife an der Erfüllung ihrer hohen Aufgabe arbeitet. Reiche Früchte dieses unermüdlichen Strebens nach bester militärischer Schlagfertigkeit sind bei diesen Manöverübungen erneut sichtbar geworden. Möchte unsere Reichswehr auf diesen guten Wegen weiterhin von Erfolg zu Erfolg schreiten und dabei immer dievolleLiebe>und rückhaltlose Llnterstützung der Bevölkerung finden! Darrn wird es auch um unser Vaterland in absehbarer Zeit wieder besser bestellt sein. 6482 A Preise teils bis zu Auf die nicht mit roten Etiketts ausgezeichneten Waren lO°/o Exfra-Rabatt! 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