Rr. io* Krühaussade 182. Jahrgang Dienstag, 16. Augi»^ (Er|d)eint täglich, autzei Sonntags und Frierlags. Beilagen: Die Illustrierte (Biebencr Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle IHonatsBejugspreis: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernsprechanschlüfse unter Sammclnummer 2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: firnnffurt am Main 11686. Sietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck nnd Verlag: vrühl'fche Univer^iütr-Vuch« und Stcinöruderei R. Lange in Stehen. Lchnftleitung und Sefchäftsstelle: 5chulstrahe 7. Annahme oon S für die Tagesnumri zum Nachmittag Preis für 1 mm hö», für Anzeigen von 27 n.... Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Ro- klarnean,eigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20', mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Randnoten. Ein paar Monate vor der Präsidentenwahl ist es höchste Zeit, daß auch der bisherige erste Beamte der Bereinigten Staaten, Präsident Hoover, sich darüber erklärt, wie weit er sich aktiv der zukünftigen Politik des Landes zur Der- sügung zu stellen gedenkt. Bor den Bertretern der Republikaner hat Hoover jetzt erst endgültig die Annahme seiner Präsidentschastskan- didatur erklärt, eine Meldung, die in Europa sicher nicht mehr sensationell wirken wird, nachdem dieser einstmals mit soviel Borschuhlorbeeren bepackte Mann während der Zeit seiner Amtstätigkeit in entscheidenden Angelegenheiten der Welt gründlich versagt hat. Das scheint auch Hoover einzulchen; jedenfalls benutzte er die Gelegenheit seiner Erklärung dazu, um auf lange Sicht hinaus Amerikas Politik wenigstens in großen Zügen zu umreisten, so wie sie sich ent- wickeln könnte, wenn die Wähler ihm erneut ihr Vertrauen aussprechen würden. Die Stellung des bisherigen Präsidenten zur Prohibition, zu-m Kellog-Pakl, zu den Handelsverträgen mit der Welt, mag gewiß von großem Interesse fein; augenblicklich berührt uns das alles aber noch nicht so stark wie die Aussprüche Hoovers, die so etwas wie eine Bereitschaft zur Schul- denrevision anbeuten, allerdings unter der Voraussetzung, daß Amerika dafür Kompensationen einhandeln könnte. Das ist immerhin schon ein Fortschritt. Denn bis vor kurzem war es gerade Hoover, der immer und immer wieder gar nicht eindeutig und klar genug betonen konnte, dast er nicht gewillt sei, den europäischen Staaten auch nur einen Pfennig ihrer Schulden nachzulassen, so lange sie ihre ungeheure R ü st u n g s t ä t i g ke i t weiter betrieben. Auch jetzt hat sich der Präsident Rückendeckung dadurch geschaffen, dast er sehr drastisch zum Ausdruck brachte, er würde es nicht dulden, die ganze finanzielle Last des Krieges aus den amerikanischen Bürger abzuwälzen. Aber schon allein aus dem Zugeständnis, dast über die Schuldenrevision in naher Zett einmal mit Amerika gesprochen werden könnte, wird die Welt mit Befriedigung lesen, dast Hoovers Haltung nicht mehr so intransigent sein dürfte, wenn er wieder Präsident werden sollte. Für die europäischen Schuldner» Itaatcn ergibt sich aus der Rede eine Fülle von Anregungen, über die beizeiten nachgedacht zu werden verdient. Amerika stellt ziemlich unverblümt fest, dast die Genfer Aktion zur Abrüstung ergebnislos verlausen würde. Bon neuen Standpunkten aus müssen Wege gefunden werden, um zu der Rüstungsminderung zu kommen, die von allen friedliebenden Staaten in der We.t angestrebt wird. Würde es möglich sein, anstatt viel von Friedenssicherung und Rüstungsminderung zu schwatzen, mit Taten auszuwarten, dann erscheint es doch nicht völlig aussichtslos, auch der Wirtschaftskrise endlich dadurch beizukommen, indem über die Schudenfrage einmal ein abschliestendes Wort gesprochen wird. Frankreichs Rolle ist allerdings in diesem Streit noch immer undurchsichtig; jedenfalls behält die Welt das Gefühl, dast von Paris aus in Sachen der Rüstungs-Herabsetzung nicht viel Entgegenkommen zu erwarten ist. Es läge im Interesse der Welt, den Druck auf Frankreich zu verstärken, damit es endlich zu einer vernünftigeren Haltung gelangen könnte. * Die Sowjetrussen können sich wirklich nicht über Treue ihrer Bauern und Arbeiter freuen. Täglich hört man von Grenzberichten, die klar und deutlich zum Ausdruck bringen, daß ganze Dörfer, kleine Städte und Gemeinden den Weg aus dem „Sowjet-Paradies" nehmen und einfach über d i e Grüne Grenze in andere Staaten fliehen. Alle Nachbarländer, die an das große russische Reich grenzen, sind in der nicht gerade glücklichen Lage, diese fliehenden Bolksscharen aufnehmen zu müssen. Sogar Deutschland hat von dieser Massenflucht schon oft Kenntnis nehmen können, besonders in der letzten Zeit sind deutsche Kriegsgefangene, die ihr Leben in Rußland beenden wollten, Knall und Fall in die Heimat zurückgekommen, weil es „einfach nicht mehr auszuhalten war!" Nun bringen die Warschauer Zeitungen Berichte in großer Ausmachung, die besonders deshalb interessieren, weil die polnischen Regierungsblätter seit der Unterzeichnung des Nichtangriffspaktes mit Moskau äußerst zurückhaltend geworden sind, jetzt aber plötzlich diese Zurückhaltung aufgeben und ausführlich über die russische innerpolitische Hochspannung berichten. Als Folge dieser in großen Teilen Räterußlands herrschenden gespannten Lage, will sich die Moskauer Regierung entschlossen haben, einen zwanzig Kilometer breiten Land- ft reifen an der russisch-polnischen Grenze auf ihrer Seite völlig menschenleer zu machen, um auf diese Weise die vollständige Verhinderung der zahlreichen illegalen Grenzübertritte durchzufetzen. Die Bevölkerung dieses Gebietes soll einfach ausgewiesen, die Gebäude, soweit sie nicht für die Grenzwachen und die GPU. verwendbar seien, verbrannt werden. Eine rigorose Maßnahme, die sehr wahrscheinlich erscheint, weil die amtlichen Stellen in Moskau ihre Meinung noch nicht kundgetan haben und auch noch keinerlei Dementis in die Welt jagten. Es scheint also zu stimmen, daß Rußland sich mit aller Macht gegen die Fluchtversuche ganzer Bevölkerungsgruppen wehren will. Daß eine solche Gegen Maßnahme schon bestanden hat, geht aus der Aufstellung eines d r e i fa ch e n Kordons von Wachttruppen hervor, die in sechs Kilometer und drei Kilometer Entfernung von der eigentlichen Das Kabinett Papen will durch Leistungen überzeugen Das große Wirtschastsprogramm. — Keine Angst vor dem Reichstag. — Unter Umständen Auflösung des Reichstags? Berlin, 15. Aug. (<£JIB.) Die wir erfahren, ist das Reichskabinett heute um 16.30 Uhr zu einer ZHinifterbefpredjung )ufammengetrelen, in der in erster Linie die Situation behandelt wird, die sich ans dcm Ergebnis der Verhandlungen vom Samstag für die Reichspolitik ergibt. Die Reichsregierung hat, wie bereits angekündigt wurde, die Absicht, nun mit aller Energie an d i e wirtschaftlichen Ausgaben heranzugehen, damit den Gefahren der Arbeitslosigkeit nach Kräften begegnet wird. Diese wirtschaftlichen Probleme spielen in die heutige Ministerbesprechung hinein. Man kann annehmen, daß schon heute in großen Zügen das Programm festgelegt wird, das in den nächsten 14 lagen vollständig ausgearbeitet werden soll, damit die R-sichsregierung mit ihm vor den Reichstag treten kann. was nach dem Reichstagszufammen- tritt werden wird, liegt heute im Dunkeln. Sicher ist nur, daß die Reichsregierung unter allen Umständen dafür sorgen wird, daß die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechterhalten wird. Dazu gehört auch die Sicherung des Rechtszustandes, wie er durch die geltenden Gesetze und Notverordnungen gegeben ist. Bekanntlich sind bereits Anträge angekündigt, die auf eine Aushebung der Notverordnungen abzielen. In politischen Kreisen wird als sicher angenommen, daß die Bemühungen der Reichsregierung in den nächsten Wochen auch dieser wesentlichen Frage gellen werden. Ob die Entwicklung schließlich zur Auslösung des gegenwärtigen Reichstags und zur Einberufung einer Nationalversammlung führen wird, wie ein Berliner Abendblatt es andeulel, ist schwer zu beurteilen in einem Augenblick, in dem die Beratungen der Reichsregierung erst beginnen. O e Arbeitsbeschaffungspläne Bon unierer Bcr. ncr Redaktion Es steht jetzt fest, daß die Reichsreqierung Den Reichstag pünktlich am3 0. August zu- sammentreten läßt. Bis dahin, und noch voraussichtlich im Laufe der Woche, wird die g r o ß e Wirtschaftsnotverordnung, die der Ankurbelung der deutschen Wirtschaft dienen soll, ver. öffentlicht werden. Das Präsidialkabineti vertraut daraus, daß sowohl Zentrum als auch Nationalsozialisten vom Augenblick an, wo das wirlschaflsprogramm bereits in Angriff genommen wurde, nicht mehr wagen werden, die Reichsregierung zu stürzen, Als letzte Reserve wird der Reichspräsident von Hindenburg nicht davor zurückscheuen, einem renitenten Reichstag seine sofortige De- Mission für den Fall anzubieien, daß sich für das Wirtschaftsprogramm des von feinem Ver- trauen berufenen Kabinettes keine Mehrheit findet. Rachdem Hindenburg nun einmal feinen Willen verkündet hat, die Regierungsgewalt nicht wieder den Parteien auszuliesern. gehört eine Präsidentschaftskrise allerdings zur möglichen Folgerung des Kurswechsels von der Parlamentsregierung zum Präsidialkabinett. Zur Ingangsetzung des auf Jahre hinaus berechneten wirlschaflsprogramms sind zuerst einmal rund 300 Millionen zusätzliche Mittel notwendig. Der Reichsbankpräsident Dr. Luther hat bisher diese Mittel nicht zur Verfügung stellen zu können geglaubt. Es scheint jedoch, daß unter dem Drucke der politischen Verhältnisse Luthers Widerstand sich erheblich abgeschwächt hat. Wie wir erfahren, ist Dr. Luther durchaus bereit, b i s zu 200 Millionen Mark flüssig zu machen. Die Regierung vermeint jedoch, mit dieser Summe nicht auskommen zu können und besteht auf 250 bis 300 Millionen. Auf keinen Fall dürfte jedoch das Aufbauprogramm an Luthers Einspruch scheitern. Es wird allgemein angenommen, daß sich die Reichsbank schon in den nächsten Tagen bereiterklären wird, die gewünschte Summe zur Verfügung zu stellen. Bon den angeforderten 300 Millionen Mark sind sofort 130 bis 150 Millionen für Straßen- und Kanalbauten vorgesehen. Der freiwillige Arbeitsdienst soll innerhalb von zwei Monaten von 85 000 auf 200 000 Mark erhöht werden. In der Sozialversicherung sieht das Regierungsprogramm Ersparnisse vorwiegend durch eine Dermal tungsreform vor. Auch das Reichsverkehrsministerium und das Reichspostministerium werden durch neue Aufträge die Wirtschaft zu beleben versuchen. Es soll planmäßig der gesamte Oberbau der deutschen Hauptstrecken erneuert werden, ferner hat sich bei fast allen Brücken in den letzten Jahren die Notwendigkeit ergeben, sie zu verstärken. Im ganzen werden für diese Arbeiten und Bestellungen ebenfalls 100 bis 130 Millionen Mark eingesetzt. Getrennt davon läuft das Projekt der H a u s r c • paraturen, gegen das sich kürzlich der starke Widerstand der Hausbesitzer geltend machte, das Abwrackprogramm, das 12 Millionen Mark vorsieht, um Schiffe im Gesamtbestand von 400 000 Tonnen abzuwracken, wodurch 300 000 Arbeiter in den großen Hafenstädten Beschäftigung erhalten können und «as große Siedlungsprojekt, für das 100 Millionen Mark im Etat bereit gestellt find. Die Reichsregierung hat gestern nachmittag ihre Beratungen über die endgültige Festsetzung und Formulierung der großen Wirtschaftsnotverordnung begonnen. Es dürfte jetzt auch endlich der Passus in die Notverordnung hineingearbeitet werden, der angeblich von dem Reichswirtschaftsminister Dr. War mb old bisher verhindert wurde, und der eine Festsetzung der Höch st gehälter auf 40000 Mark in allen in den letzten Jahren vom Staate subventionierten Betrieben vorsieht. Durch eine teilweise Verwirklichung berechtigter Forderungen der Nationalsozialisten und besonders durch die vielleicht schon im Herbst geplante Inangriffnahme eines deutschen Rüstungsausgleichs hofft die Regierung, nach einigen Monaten eines reichstagslosen Regimes sowohl eine Neuordnung im deutschen Partei .! en anbahnen als auch eine spatere Rechtstiugung durch das Parlament sichern zu können. Hitlers Nein. Eine offizielle Erklärung der NSDAP. München, 15. Aug. (111.) Die Pressestelle der Reichslcilung der NSDAP, veröffentlicht in der „Nationalsozialistischen Korrespondenz" unter der Ueberschrifl „Hitlers Nein!" grundsätzliche Betrachtungen, in denen es heißt: „Hillers Ablehnung der vizekanzlerschafl unter der Herrschaft v. Papen war eine Tat! Diese Entscheidung des Führers ist dem nationalen Deutschland aus der Seele gesprochen. Der durchsichtige versuch, die NSDAP, durch einen wohlüberlegten Schrill, durch eine Belastung mit der Verantwortung ohne gleichzeitige Führungsmöglichkeil gewissermaßen auf kaltem Dege zu erledigen, ist an dem klaren und weitblickenden Entschluß des Führers restlos gescheitert. Der Führer ist sich selbst, der Bewegung und dem Volke treugeblieben. Die P o - l i I i f der Regierung v. Papen, hinreichend gekennzeichnet durch die die Aermslen der Armen aufs schwerste belastenden und für die NSDAP, untragbare Notverordnung, kann niemals die Politik der NSDAP, sein. Eine Regierung, in der die NSDAP, nicht führt, sondern nur vertreten ist, wird niemals eine Dende des deutschen Schicksals herbeisühren können. Eine natio- nalsozialislische Politik aber, d i e aufräuml mit dem ganzen verstaubten Plunder des bisherigen Systems und eine grundlegende Neuordnung der Dinge in Angriff nimmt, kann nicht von Leuten geführt werden, die die Zeichen der Zeit auch heule noch nicht verstanden haben; sondern nur von Nationalsozialisten. Das ist der Dille des deutschen Volkes, der bei den Wahlen seinen Ausdruck gefunden und dem nunmehr auch die Staatspolitik Rechnung zu fragen Hal. Demgemäß hat Adolf Hiller die Führung der Reichsregierung gefordert, von der alleinigen und ausschließlichen llebernahme der Regierung ist seitens der NSDAP, nicht die Rede gewesen. Aber was über allem politischem Leben eine Selbstverständlichkeit ist, das man selbst dem Marxismus zubilligt, wird der NSDAP, unter den fadenscheinigsten Begründungen vorenthallen. Darauf konnte es für den Führer der NSDAP, nur eine Antwort geben, und iroar: „71 ein!“ Wie richtig Adolf Hitler gehandelt hat, wird die Zukunft zeigen." darf damit gerechnet werden, daß dieses Mandat der Wirtschaftspartei zugestanden wird. Es wird dem Bewerber M o 11 a t h zugewiesen werden. Die Stärke der einzelnen Parteien stellt sich jetzt folgendermaßen: Sitze Sozialdemokratische Partei Deutschlands 133 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 230 Kommunisten 89 Zentrum 75 Deutschnationale Bolkspartei 37 Deutsche Bolkspartei 7 Deutsches Landvolk 1 Bayrische Bolkspartei 22 Wirtschaftspartei 2 Deutsche Staatspartei 4 Christlich-Sozialer Bvlksdienst 4 Deutsche Bauernpartei 2 Württembergischer Bauern- und Weingärtner- bund (Landbund) 2 Zusammen 608 Hessen und die Schlachlfieuer. WSR. Darmstadt, 15. Aug. Zu der Mitteilung, daß die preußische Regierung im Hinblick auf den regen Grenzverkehr, der an der preußisch-hessischen Grenze nach Einführung der Schlacht st euer in Preußen nach dem schlachtsteucrfreien Hessen eingesetzt hat, der hessischen Regierung nahegelegt habe, ebenfalls die Schlacht st euer einzuführen, wird von zuständiger Seite darauf aufmerksam gemacht, daß dies ohne den Landtag nicht möglich ist. Der hessische Landtag dürfte aber auf keinen Fall geneigt sein, einem solchen Wunsch der hessischen Regierung — falls er tatsächlich vvrlieacn sollte — zu entsprechen, da die hessische Bevölkerung und insbesondere auch das hessische Grenze und auf dieser Grenzlinie selbst stationiert waren. Es hat sich aber herausgestellt, daß diese Wachttruppen nicht in der Lage waren, die Flucht vor dem Kommunismus aufzuhalten, daß vielmehr große Menschenmassen es möglich machen konnten, trotz des Kordons aus dem russischen Paradies zu entfliehen. Es ist sogar sehr oft in letzter Zeit vorgekommen, daß flüchtige Gruppen sich manchmal den Weg mit der Waffe in der Hand bahnten, nur um den „glücklichen Tagen an russischen Kaminen" ein Ende zu bereiten. Die „Zone des Schweigens" muß man wohl als feststehende Tatsache hinnehmen, doch will nicht einleuchten, daß dieser 20 Kilometer breite, vollkommen unbewohnte Landstreifen der geeignete Schutz für eine Massenflucht aus Sowjetrußland sein soll. Konnten es die Flüchtlinge möglich machen, einen starken Militärkordon zu durchbrechen, bann werden sie über diesen entvölkerten Landstreifen erst recht hinwegkommen: Das amtliche Ergebnis der Reichstagswahl. Insgesamt 608 Litze. Berlin, 15. Aug. (WTB.) Der Reichswahlleiter teilt mit: Heute vormittag fand die Sitzung des Reichswahlausschusses statt, in der die Feststellung über die den Parteien zugefallenen Berbandssitze getroffen wurde. Der Reichswahlmisfchuß stellte fest, daß insgesamt 42 sog. Berbandssitze und 66 Sitze auf Reichswahloorschlägen den Parteien zufallen. Einschließlich der 500 Kreissitze stellt sich die G e s a m t - zahlderSitze nunmehr a u f 6 0 8. Die Zahl her Mandate ist also um eins höher als nach der vorläufigen Feststellung. Dieses eine Mandat ist dem Reichswahlvorschlag der Bayrischen Bolkspartei zu- gefallen. Bei Berücksichtigung des Abkommens zwischen Bayrischer Volkspartei und Wirtfchaftspartei Mehgergewerbe eine solche erneute steuerliche Belastung durchaus ablehnen würden. Es handelt sich hier also anscheinend um einen Versuchsballon; reale Möglichkeiten sind kaum gegeben. Fleschs Abberufung. Berlin, 15. Aug. (WTB.) Die Reichsrundfunkgesellschaft gibt bekannt: In einer außerordentlichen Generalversammlung der Berliner Funkstunde wurde heute der Beschluß gefaßt, Herrn Dr. Flesch von seinem Posten als Borstandsmitglied und I n - tenbant der Berliner Rundfunkgesellschaft a b - zuberufen. Bei dieser Gelegenheit wurde der Dank für die von Herrn Dr. Flesch in achtjähriger Tätigkeit für den deutschen Rundfunk geleistete Arbeit zum Ausdruck gebracht. Es wurde hervorge- hoben, daß sich Dr. Flesch durch Reichtum an Ideen ausgezeichnet und auf vielen Gebieten, insbesondere für die Verbindung des Rundfunks mit dem öffentlichen Musikleben und für die Aktualisierung des Programms, richtunggebend gewirkt habe. Streik in der englischen Textilindustrie? London, 15. Aug. (WTB.; Dex.^Zentral- aus^chuß des Verbandes der Arbeiter der Textil i n d u st r i e in den nördlichen Grafschaften hat heute nachmittag in Blackburn beschlossen, die dem Verbände ange'chlossenen Weber auszufordern, am 27. August die Arbeit niederzulegen, wenn sich die Laze bis spätestens zum 20. August nicht geä' 5ert hat. In diesem Falle würden 250 00(1' Arbeiter der Textilindustrie feiern. Die Daumwollindustrie wird von diesem Beschluß nicht berührt. Aähe der Küste, aber man muh doch äußerst vorsichtig sein. Ich hatte also die peinliche Aufgabe, nach Haien Ausschau zu halten, wenn Alice badete. Bekanntlich schwimmen diese Bischer bei gutem Wetter stets derart an der Oberfläche, daß die dreieckige Rückenflosse aus dem Wasser ragt. Sie zeichnet sich dunkel von der Umgebung ab und ist mit dem Glas gut zu erkennen. Alice kannte die Gefahr wohl, achtete ihrer aber nicht sehr, zumal sie sich nur eine ganz kurze Strecke ins Meer hinausbegab. Häufig schon hatten wir diese Badefahrten gemacht, es war nie etwas Passiert, kein Hai zeigte sich, und Alices Zuversicht in meine Betreuung war zu einer heiteren Unbekümmertheit ausgewachsen. Ich ließ jedoch das Glas nicht vom Auge, wenn auch darüber gescherzt wurde. Eines Tages ist Alice wieder im Wasser. Die See schläft, kaum ein Wellchen rührt sich. Alice crawlt hin und her, unweit des Elfers; meine Stimme kann sie jederzeit erreichen, wir können uns deutlich sehen, lachen und Winken uns zu. Da gewahre ich. etwa 150 Meter von Alice entfernt, eine dreieckige Rückenflosse. Wenn der Hai die Schwimmerin noch nicht bemerkt hat, wird er sie im nächsten Augenblick bemerken. Cs geht ums Leben. Alice kann sich auf den Strand retten. Aber sie muß sofort, in größter Eile, heranschwimmen. Ich überlege blitzschnell: Wenn ich jetzt schreie „ein Hai!" oder wenn ich ihr sonst irgendwie die Gefahr zu erkennen gebe, wird sie vielleicht verwirrt werden, der Schreck kann sie lähmen, es ist um sie geschehen. Rufe ich aber: „Alice, wir müssen fahren, rasch, es kommt ein Gewitter", dann wird sie totsicher antworten: „Blödsinn!". Es geht ihr wider den Strich, in den kleinen Dingen wunschgemäß zu reagieren, sie muß immer nein sagen, was anderes tun. Das hat sie zum Sport ausgebildet. Die Rückenflosse kreuzt. Mir scheint, daß sie näherkommt. Iede Sekunde ist ein Leben wert. Wieviele Sekunden sind schon vergangen? Ich liebe Alice, und Alice liebt mich. Ia, gewiß, sie liebt mich. Wenn ich in Gefahr wäre, würde sie alles, alles aufbieten, um mir zu helfen, bei mir zu sein. Dieser Gedanke saust durch den Kopf. Lind schon schmeiß' ich mich auf die Knie, schreie mordsmäßig meine Hand greift ans Herz, die unartikulierten Laute werden zu Worten, ich schreie wie ein Irrer: „Hilfe! Hilfe! Ich sterbe!" Meine Augen starren nach der Rückenflosse, Aff^J-Mioebbels fordert: Macht an Hitler. g srja'r lin, 15. Aug. (ERD.) Reichstagsabge- s^-Z'eter Dr. Ios. Goebbels sagt im „An- »griff“ in einem Artikel „Die Macht an - Hitler" u. a.: Die nationalsozialistische Bewegung und ihre Führer verfochten nur ihr gutes Recht, wenn sie bei der Belastung mit einer ungeheueren geschichtlichen Verantwortung, die sie für die kommende deutsche Politik zu übernehmen hatten, nun auch die Forderung aufstellten, daß man ihnen in eindeutiger Weise die Führung der Regierungsgeschäfte anvertraue und ihnen dadurch die -Möglichkeit gäbe, innere Reformen durchzuführen, die sie für die Wiedergeburt der Ration und für die Reinigung des öffentlichen Lebens in Deutschland für unerläßlich notwendig hielten. Man hat unserer Bewegung in der Vergangenheit oft den Borwurf gemacht, sie treibe eine Desperadopolitik, und wenn man sie vor die Verantwortung stelle, dann drücke sie sich scheu beiseite. hier war zum erstenmal die Gelegenheit geboten, der nationalsozialistischen Bewegung die Chance der Opposition zu nehmen und sie mit der ganzen Würde und Last der Verantwortung zu beladen. Selbstverständliche Voraussetzung dafür aber muhte sein, daß man ihren Führer und seinen Mitarbeitern freie Hand gab, da ohne dies eine Uebernahme der Verantwortung vollkommen widersinnig war. Was haben die hohen Herren in der Wilhelm- straße sich eigentlich dabei gedacht, als sie Adolf Hitler aufsorderten, im Kabinett Papen die Vizek^rnzlerschaft zu übernehmen? Glaubte man dort in der Tat, daß die nationalsozialistische Bewegung sich eine beleidigende und kränkende Behandlung gefallen ließe, die man in der Vergangenheit nicht einmal der Sozialdemokratie zumutcte? Darüber aber soll kein Zweifel bestehen. Im Zwielicht bleiben wir nicht. Entweder gibt man uns die Macht, dann tragen wir die Verantwortung, oder man verweigert uns die Macht, dann stehen wir in der Opposition und fechten Es wird dann so sein, daß jene Regierung, die sich bei ihrem Beginn etwas voreilig mit dem schmückenden Beiwort der „nationalen Konzentration" ausstattete auf den erbitterten Widerstand des gesamten nationalen Deutschlands, dos heute unter unserer Führung stehl, stößt. Lieber den Ausgang dieses Kampfes braucht uns nicht bange zu sein. Was man uns heute verweigert, das wird man uns morgen geben müssen. In ruhiger und sicherer Entschlossenheit tritt die Bewegung an. Ihr Ziel ist unverändert wie immer: Die Macht an Hitler! Vertagung der Parlamentariertagung der NSDAP. Berlin, 15. Aug. (TU.) Die für Dienstag und Mittwoch in Aussicht genommene natio- nalsozialistische Pari am entart er t a - gung, an der alle nationalsozialistischen Reichstaasabgeordneten und alle nationalsozialistischen Abgeordneten der deutschen Länderparlamente teilnehmen sollten, ist. wie wir von nationalsozialistischer Seite hören, vorläufig abgesagt worden. Ein neuer Termin für die Tagung ist noch nicht bestimmt worden. Man nimmt jedoch an, daß sie noch im Laufe dieser Woche stattfinden wird. Opposition oder Koalition? Von unserer Berliner Redaktion. Die einzige Frage, die nach dem negativen Verlauf der Unterredung des Reichspräsidenten v. Hindenburg mit Adolf Hitler erörtert wird, ist die, was Hitler jetzt tun wird. Rachdem die Durchführung seiner Maximalforderungen nicht gelungen ist. gibt es für ihn nur ein Entweder-Oder. Entweder er entschließt sich, mit seiner durch 230 Köpfe im Reichstag vertretenen Partei in der Opposition zu bleiben in der Hoffnung, daß dadurch das Kabinett v. Papen gestürzt werden könnte, oder er streicht von dem Maximum seiner Forderungen soviel ab, daß zwischen den Parteien Koalitionsverhandlungen geführt werden können. Der dritte Weg. der Versuch einer gewaltsamen Erzwingung eines Kurswechsels im Sinne der Rationalsozialisten kommt nicht in Frage. Hitler und die Leitung der Partei legen selbst großen Wert daraus, etwaige Putschgerüchte gar nicht erst auffommen zu lassen. Daraus läßt die Anordnung schließen, die am Samstag nach einer Führerbesprechung in Berlin getroffen wurde und nach der die SA. auf acht Tage beurlaubt wird. In Regierungskreifen knüpft man daran die Hoffnung, daß Hitler den Kampf gegen Papen entsprechend der Mahnung des Reichspräsidenten sachlich und ritterlich zu führen beabsichtigt. Die einzige Gefahr für die Präsidial- Regierung von Papen wird von ihr in der Möglichkeit erblickt, daß sich Rationalso- z i a l i st e n und Zentrum über ihre und der Deutschnationalen Köpfe hinweg zu einer parlamentarischen Mehrheit, zu einem Aktionsprogramm und zur personellen Einigung in der Frage der Re- gierungszusammensehung finden könnten. Herr von Papen scheint diese Gefahr nicht besonders ernst zu nehmen. Im Gegensatz zu seinen Hoffnungen stehen aber ziemlich scharf um- riffene Gerüchte, nach denen schon seit einiger Zeit in zwischenparteilichen Besprechungen die K o a l i- tionsidee der praktischen Verwirklichung nähergeführt worden sei, als man bisher annahm. Es wird davon gesprochen — und diese Mitteilungen stammen von sehr seriöser Seite —, daß das Zentrum denRational- sozialisten weitgehende Zugeständnisse für den Fall machen wolle, daß die RSDAP. ihrerseits geneigt wäre, in eine parlamentarische Regierung mit dem Zentrum zu gehen. Es sind sogar schon Einzelheiten aus diesen angeblichen und vorerst auf ihren Wahrheitsgehalt schwer nachprüfbaren Vereinbarungen mitgeteilt worden. Danach soll an eine Führung der Regierung durch Schleicher im Reich und durch Bracht in Preußen gedacht fein, während die übrigen Ministersitze im Verhältnis von 2zu 1 auf Rationalsozialisten und Zentrum aufzuteilen wären. Man muß solchen Gerüchten zunächst mit Vorsicht gegenübertreten. „Revolution von oben." Die Stellungnahme der Deutschnationalen. Berlin, 15. Aug. (TLI.) Im „Tag" nimmt der deutschnationale Landtagsabgeordnete D o r ck zu der durch die Absage der RSDAP. geschaffenen Lage unter der Überschrift „Klärung?" in einem Artikel Stellung, der in einer Vorbemerkung als die Stellungnahme der DRVP. bezeichnet wird. Es heißt darin u. a.: „Die Regierung Papen wird sich jetzt klar werden müssen, daß es für sie keine Stützung auf parlamentarischem Gebiete mehr gibt. Von allen Fraktionen des Reichstages fände sie nur noch bei der Deutschnationalen Volkspartei Unterstützung, wenn sie wirklich gewillt ist, alle Konseqeunzen aus der Lage zu ziehen. Weder dieser Reichstag noch ein neuer, weder der preußische Landtag noch ein neuer bringen ihr Mehrheiten. Rachdem die größte nationale Partei sich der positiven Mitarbeit an der Befreiung vom Parlamentarismus versagt hat, muß die Regierung, gestützt auf ihre eigene Kritischer Augenblick. Von Victor Klages. Wir hatten eine halbe Rächt geplaudert. Rottebohm war aus Indien zurückgekommen. Aber wir sprachen längst nicht mehr über Indien. Wir waren bei den Frauen angelangt, und allerlei Weisheiten flatterten um die Tischlampe, die ein mildes Licht gab. „Frauen, die immer nein sagen", bemerkte Rottebohm, der Arzt, „müssen sehr geliebt werden, sonst kann es ihnen bös ergehen im Leben." Er stieß eine neue Zigarette auf dem Handrücken auf. machte dabei ein Gesicht, als sei er Plötzlich nicht mehr hier, unter seinen Freunden, sondern wieder in Indien. Quer durch die Kognakflasche ging sein ferner Blick. „Run erzähl' schon", sagte einer. Lind setzte vorsichtig hinzu: „Wenn es nicht deine eigene Frau betrifft." „Es betrifft sie", entgegnete Rottebohm. ..Aber ich werde euch doch erzählen. "Alice ist ein prächtiger Mensch. Rur hat sie eben die Eigenschaft. immer andersherum zu wollen. Rein, nicht immer. Ost. Man kann nie wissen,. Wenn Liebe und ein ruhiges Temperament dem gegen* überstehen, ist das nicht so schlimm. Wir haben alle unsere kuriosen Fehler. Man muß geistesgegenwärtig sein und das richtige tun im richtigen Augenblick. Tut man es nicht, ist das Bein ab." „Was ist ab?" fragte Lorenz und zögerte mit dem Kognakglas auf halbem Weg zum Munde. „Das Bein", wiederholte Rottebohm. „Hört zu." Lind er erzählte: „Alice ist eine glänzende Schwimmerin, es macht ihr einen Heidenspaß, im Wasser zu plantschen, und ich hab' weiß Gott nichts dagegen ein- zuwenden, obwohl ich selbst kein Verständnis für diese Beschäftigung aufbringe. Ich liebe die Badewanne, aber Flüsse oder gar das Meer genieße ich gern vom Bord eines Schiffes, ich habe nie das Verlangen gehabt, darin unterzutauchen. Daher kann ich auch nicht schwimmen. Das mußte^wohl zunächst einmal gesagt werden. Wir hatten am Meeresstrand, unweit von PondicherryXein^ hübsche einsame Stelle ausfindig gemaayfr, Dahin fuhren wir öfter mit dem 2luto. Alice badete, ich blieb im Sande sitzen. Das war nun kein reines Vergnügen. Im ben- galischen Meerbusen fühlen sich leider die Haie sehr wobl. fle kommen allerdings selten in die Verantwortung, auch vor der Revolution von oben nicht zurückschrecken. Dazu wird es aber notwendig sein, daß jetzt alle hemmenden Kräfte, die noch in den Regierungsstellen vorhanden sind, rücksichtslos ausgezeichnet werden. Es ist unmöglich, daß alle die Halben und Lauen jetzt herandrängen, weil „Objektivität" der Grundsatz einer überparteilichen Regierung sei. Rur rücksichtsloses Zupacken und Tatmenschen passen in diese Zeit. Formalien dürfen keine Hindernisgründe sein, um Deutschland zu retten. Der Kanzler, der heute eine so große Macht hat, wird, wenn er zeigt, daß er sie allen zum Trotz halten will, die Menschen, denen Partei nichts, Deutschland aber alles ist, hinter sich haben. Will die Reichsregierung so handeln, dann ist eine Klärung erfolgt. Nationalsozialistische Kampfansage an Hugenberg. Berlin, 15. Aug. (ERB.) Der „Angriff" zitiert die Bemerkung eines rechtsstehenden Berliner Blattes, es gelte jetzt, daß jeder in seinem Kreise und nach seinen Kräften dazu beitrage, zu verhüten, daß jetzt ein Kampf innerhalb des nationalen Lagers beginne und erklärt: „Die Herrschaften hätten sich das früher überlegen sollen." Im übrigen werde der Kampf innerhalb des nationalen Deutschlands nicht beginnen. Denn dieses nationale Deutschland fei in der RSDAP. geeint. Llmso rücksichtsloser dagegen werde und müsse der Kampf geführt werden gegen die Clique, die sich im H u g e n * berg-Lager zusammengefunden und die Machtergreifung Adolf Hitlers und die deutsche Freiheitssrhebung noch einmal hinausgeschoben habe. Die Wiedergeburt Deutschlands sei nur möglich, wenn mit den „reaktionären Dolchstößlern" restlos aufgeräumt werde. Sie seien im Augenblick gefährlicher als selbst der Marxismus und müßten ebenso wie dieser in die Knie gezwungen werden. Englische Stimmen über Hindenburg. London, 15. Aug. (WTB.) Die offiziöse Darstellung der Unterredung zwischen Hindenburg und Hitler, insbesondere Hitlers Ambitionen, der Mussolini Deutschlands zu werden, wird von der Abendpresse zum Teil in großer Aufmachung gebracht. „Eoening Standard" bezeichnet den Präsidenten als den „Mann von Granit", der durch sein Nein an Hitler sein Prestige ungeheuer vergrößert habe. Das Blatt schreibt, daß Hindenburgs Haltung streng verfassungsmäßig gewesen sei. Der Reichspräsident sei die einzige Institution in Deutschland, die sich einer verfassungsmäßigen Mehrheit erfreue. „Der Präsident weiß, was er will. Hitler weiß es nicht." Heute lerne die große Masse der deutschen Bevölkerung den Unterschied schätzen. Aus alter Welt. Absturz in den Bergen. — Zwei Tote. Am Wilden Kaiser bei Kufstein stürzten zwei Bergsteiger ab, von denen einer, ein kaufmännischer Angestellter aus München, später t o t aufgefunden wurde. Sein Begleiter, Graf L u x b u r g, ist auf dem Transport ins Krankenhaus geworben. Drei Touristen im Glocknergebiet abgestürzt. Im Glocknergebiet sind dieser Tage drei Touristen von der Glocknerscharte in die Pallavicini-Rinne a b g e st ü r z t. Da die Wand etwa 800 Meter abfällt. muß mit dem Tode der Verunglückten gerechnet werden. Die Damen der Touristen sind noch nicht bekannt. Eine Rettungsexpedition ist an die Unglücksstelle abgegangen. Schweres Autounglück in Ostpreußen. Dieser Tage verunglückte auf der Koppelner Chaussee nahe bei Preußisch-Holland (Reg.-Bezirk Königsberg) in einer Kurve der praktische Arzt Dr. Götz aus Heilbronn mit seinem Kraftwagen, der gegen einen Baum prallte. In dem Auto des bei seinen Schwiegereltern zu Besuch weilenden Arztes befanden sich die Schwiegereltern, der Polizeiinspektor i. R. Jänisch und Frau, deren 18iährige Enkelin und Frau Dr. Götz. Alle Insassen wurden verletzt. Man brachte alle Verunglückten nach einer Klinik, wo die 78jährige Schwiegermutter des Arztes bald darauf v e r - starb. Das Befinden Dr. Götz' ist besorgniserregend, da er außer Schädelverletzungen schwere Quetschungen erlitten hat. Der Schwiegervater und Frau Dr. Götz wurden leichter verletzt. Das 18- jährige Mädchen erlitt einen schweren Schenkelbruch. Schwere Verkehrsunfälle im Korridorgebiet. — Sechs Tote. Aus Gdingen wird gemeldet: Auf dem Wege von Karwen nach Putzig wurde ein mit Aus* flüglern besetzter Autobus an einem ungeschützten Bahnübergang vom' Zuge erfaßt. Der Führer des Autobus, fein Mitfahrer auf dem Führersitz sowie drei Fahrgäste wurden getötet. — Zwischen Gdingen und Adlershorst stieß ein Auto in voller Fahrt gegen einen Daum. Bon den beiden Fahrgästen wurde der eine, ein Polizeibeamter, getötet, der zweite Fahrgast blieb unverletzt. Der Chauffeur erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Schwere Verkehrsunfälle in Schlesien. — vier Todesopfer. Bei Sagan ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Personenauto aus Sagan die kreuzend näher kommt. Ein Glas ist nicht nötig. Ich sehe sie scharf und klar. Lind schreie, schreie... Alice fährt wie ein Teufel aus dem Wasser, ich höre das Entsetzen kreischen: „Alfred! Alfred!" Alice ratolt mit aller Kraft zum Llfer. Ietzt ist die Rückenflosse nur noch fünfzig Meter von ihr entfernt. Ich werfe mich in den Sand, stelle mich tot. Ein letzter Blick gilt dem Hai. Er biegt ab. Alice watet bereits. Sie stürzt über mich. Es hat eine kleine Weile gedauert, bis ich den Finger ausstrecken konnte und aufs Meer weisen. Alice begriff zunächst nichts. Als sie den Toten sehr lebendig sah, machte sie sogar ein böses Gesicht. Dann aber begriff sie. Riemals, seit wir uns kennen, haben wir uns so fest umarmt.“ Lorenz trank einen Kognak. „Schade", brummte er, „daß all den Damen, die immer nein sagen, diese Haigeschichte nicht in jedem Augenblick gegenwärtig ist." „Meinst du, es würde nützen?" fragte Rottebohm lächelnd. Der Absatz in der Siraßenbahnschiene. Es kursieren zahllose Geschichten, die von einem Absatz handeln, der irgendwo steckengeblieben ist, während sich eine errötende junge Dame noch in dem Schuh befand, zu dem der Absatz gehört. Meistens verläßt die Dame in solchen Fällen den festgetretenen Schuh für einen Augenblick und übt sich in der Ruhestellung der Flamingos, bis hilfreiche Passanten die Störung beseitigen. Gottlob passiert es noch äußerst selten, daß nicht nur der Schuh, sondern auch der Fuß der Dame leidet, denn das Reichsgericht hat entschieden, daß bei solchen Unfällen die Trägerin des Schuhs für alle Schäden selbst verantwortlich ist. Schäden? Es gibt auch Damen, die Vorteile daraus zu ziehen wissen. Im Westen Berlins hat ein Verkehrsschuhmann eine merkwürdige Beobachtung gemacht: eines Abends überquerte eine junge hübsche Dame den Fahrdamm und bleibt mit ihrem Absatz in der Strahenbahnschiene haften. Sie macht vergebliche Anstrengungen, Fuß und Schuh frei zu bekommen. Es gelingt ihr auch nicht, als eine Elektrische naht und der Führer schon energisch und wütend auf den Glockenknopf tritt. Im letzten Augenblick springt ein Herr hinzu, befreit die Dame — und fährt mit ihr im Auto davon. Am nächsten Abend passiert derselbe Unfall mit demselben glücklichen Ausgang. Am dritten wieder. Am vierten auch und so zwölf Abende lang. Immer war stieß mit einem Motorrad zusammen. Das Auto wurde über den Straßengraben geschleudert und überschlug sich mehrmals. Der Chauffeur erlitt einen Bruch der Wirbelsäule und ft a r b bei der Ueberführung ins Krankenhaus. Die beiden Insassen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Der Motorradfahrer erlitt einen Schädelbruch und st a r b nach kurzer Zeit. — In Sprottau verunglückte bei einem Motorradzusammenstoß der Reichswehrsoldat Kurt Lehmann aus Sprottau tödlich. — In Breslau wurde der Musiklehrer Klose von einer Motorradfahrer überfahren und tödlich verletzt. Autounglück am Gotthard-Paß. — Cin Toter, mehrere Schwerverletzte. Am Gotthard-Paß ereignete sich ein schweres Autounglück. Ein mit sechs Personen besetzter Wagen stürzte 30 Meter in dieTief e. Eine Person war sofort tot, die anderen mußten mit mehr oder weniger schweren Verletzungen ins Krankenhaus emgetiefert werden. Der Führer des Wagens liegt hoffnungslos darnieder. Flugzeugabsturz in der Tschechoslowakei. — vier Tote. Im Elbetal bei Lobositz ist während eines Ver- gnügungsfluges ein Flugzeug der Masarik-Flug- linie in einen Luftwirbel geraten und a b g e - stürzt. Vier Personen waren sofort tot, während der Pilot so schwer verletzt wurde, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Autounglück in Wales. — vier Tote. Das heiße Wetter hat während des Wochenendes zu einer starken Belebung des Autoverkehrs und damit auch zu einer Steigerung der Zahl der Autounfälle geführt. Bei dem Ausflugsort Morgan (Südwales) wurden bei einem Autobus- Unfall vier Personen getötet, vier lebensgefährlich und drei leicht verletzt. Brandkatastrophe in Manila. In der malerischen, noch von ihrer Mauer umgebenen Altstadt von Manila sind drei ganze Häuserblocks durch einen gewaltigen Brand zerstört worden. U. a. find zwei katholische Hochschulen sowie das Ateneo-Museum in Flammen aufgegangen. Alle Gebäude stammten noch aus der Zeit der ersten spanischen Kolonisation auf den Philippinen. Der Brandschaden wird auf 5M i l- Honen Dollars geschäht. Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumschein. es dieselbe Geschichte und merkwürdigerweise immer dieselbe Dame, nur immer ein anderer Herr. Am dreizehnten Abend hatte die Dame wirklich Unglück, denn da verhinderte der Schuhmann, daß ihr mit ihrem Absatz wieder ein Malheur geschah. Zeitschriften. — Im Augustheft vom „K u n st w a r t“ (Verlag G. D. W. Callweh, München) findet man u. a. einen aktuellen, sehr ausführlichen Leit- aufsah „Der Mensch in der Gottlosigkeit" von Ioseph Dernhart: ferner eine Auswahl von Goethe-Briefen aus verschiedenen Lebensjahren und an verschiedene Empfänger: dann einen Artikel über sränzosische Kunst in London anläßlich der großen Ausstellung in der Königlichen Akademie, dazu eine Anzahl wenig bekannter Werke altfranzösischer Malerei in guten Reproduktionen: lesenswert erscheinen uns schließlich die Zeitungsausschnitte und die ziemlich bitteren Anekdoten au£ Sowjetrußland. — Das deutsche Volk steht noch unter dem erschütternden Eindruck der Rachricht vom Untergang der „Äiobe". Das Schiff und ein Großteil der Besatzung ruhen in der Tiefe. Wie wird man diese Opfer dem Meere entreißen können? Die Bergungsarbeiten sind im Gange. In welcher Weise sich ein solcher Kampf um die Opfer der See vollzieht, beschreibt in Text und Bild ein 'Beitrag von Karl Storch in der Reuen Rümmer der Leipziger „I l lu ft r i r t e rt Zeitung". Außerdem enthält das Heft u. a. einen Bildbericht von Elli Beinhorns Australienflug, eine Reportage „Hinter den Kulissen des Feuerwerks", einen äktuellen Aufsatz über „Weltwirtschaft mit oder ohne Gold", sowie zahlreiche Bilder zur Tagesgeschichte. Hochschulnachrichten. Der bekannte Berliner Staatsrechtler Professor Carl Schmitt, der an der Handels-Hoch- schule lehrt, hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für öffentliches Recht an der Universität Köln als Rachfolger des verstorbenen Professort Stier-Somlo erhalten. Der durch den Tod des jungverstorbenen Professors Helmut Rühl an der Universität Göttingen erledigte Lehrstuhl für bürgerliches Necht ist Professor Leo Raape in Hamburg angeboten worden. Oie (6d)1 3n der Aacht unsere Kompanie Regiment muhte den Erdlöchern — w dem morastisch Routillerie südwc schwarze Aacht ui rung größter Dor tung einrückten. Q Ausbau der ein L ander ein, die S lieg S dom Zischen ? schosse, 'al summten Platze »E da kommen sollt, in D°be zeigte ! von n Trup Jon Unruhe war 2 CntschW SM BD Sse 5teitoiHiQ(_. beleb besten T?were! J»SÄ1 Als ich p;2 Ml dingte »TÄ; kktoigt ‘ -ni iu * •« .in J>«Ä 6, S SS? -« ÄÄ WL dZsS wwV*, Arev • stammten noch aus der m Kolonisation auf -n schaden wird aus SMi l chA_____ "^sTernfTsiumi^f'"- Wammen. ,r$fcn fl^kubeit unb Lft1jf*cur °rliü ? ""d starb bei bet bcibtn 3"- SerieÖunqen b°. ’ litt einen edjabelbrud) n ®Pr°ttflU Der- JJlolorrab3u|ammen(toR Lehmann aus Gprot- 'I°u wurde der Musik- Motortadsahrer über. Steindrucken handelt. Als Pendant erscheinen drei Bubiköpfe. „Also ... wir möchten gern ein Buch zum schenken. — Wie meinen Sie? Natürlich für einen Herrn, der sehr viel liest. Etwas Modernes, aber nicht so verrückt modern, sondern Gültigkeitsdauer der allgemeinen Fahrpreisermäßigung für Orte, die 150 Kilometer und mehr von Leipzig entfernt liegen, genehmigt, so daß die Hinfahrt nach Leipzig mit den um 33Vz Prozent ermäßigten Fahrkarten bereits in der Zeit vom 23. August bis 1. September, nicht erst vom 25. August vis 1. September, erfolgen kann. Der Llmklarnmerung bewahrte. Diesem furor teutom- cus konnten die asiatischen Horden nicht Stand halten. Den Teilnehmern dieses alles nieder- reißenden Angriffs wird der 3. Dezember 1914 trotz schwerster Verluste in unauslöschlicher, stolzer Erinnerung bleiben. Don den vielen Heldentaten dieses glorreichen Tages nur das eine: cs mußte zu unserer Artillerie eine Meldung gebracht werden, daß sie das vor uns liegende Dors Mala Mierczonska unter Feuer nehmen und sturmreif machen sollte. Ls meldete sich Otto Schmidt (seht Stockhausen), um die Meldung durch das wahnsinnige Infanterie- und Artilleriefeuer nach hinken zu bringen. Er war verwundet, hatte einen Lungenschuß, wurde unterwegs nochmals am Arm verwundet und brachte die Meldung an Ort und Stelle. Eine fabelhafte Leistung. So war der Geist, der in unserer Truppe herrschte. Was dann unser Regiment von Icmuar bis Mai 1915 in den verschneiten und vereisten Karpathen, bei 25 Grad Kälte, mangelhafter Ernährung und Kleidung in dem nervenaufreibenden Kleinkrieg mit den Russen leistete, das zu schildern, geht über menschliches Können. Ob je- mals ein Dichter ersteht, der die Karpathenkämpfer im Heldengesang verewigt? Dort oben in dem wildromantischen, zerklüfteten Waldgebirge liegt der Rest der Freiwilligen unseres Regiments begraben, von denen kaum noch gesprochen wird, obwohl es in der Hauptsache deutsche Regimenter waren, die den Ansturm der Russen auf die Karpathen unb auf die ungarische Tiefebene zum Zusammenbruch brachten und damit Ungarn und Oesterreich vor der russischen Ueberflutung retteten. So waren unsere Freiwilligen, es waren nicht die weichlichen, sentimentalen Gestalten, wie sie von gewisser Seite geschildert und Largestellt werden. Das deutsche Dolk, die deutschen Eltern haben ihre Besten hingegeben. Wenn heute die richtig moder n." Ich bin geduldig und empfehle dies und jenes. Unter anderen Gorki. „Nein, es kommen nur lebende Schriftsteller in Frage " Armer Gorki! Mit einem Reisebuch ziehen sie schließlich ab. Ein Buch liegt im Schaufenster, auf dessen Einband eine dürftig bekleidete Dame tanzt. Da kommt heute ein junger Bursche, Typus Mittelstürmer. „Sie, was kostet denn das Buch draußen mit dem komischen Mädel drauf?" „12,50 Mark." „Das i st mir b i e nicht wer t." Zwischendurch wird umgetauscht. Das besorgt die Volontärin: denn wer umtauscht, hat auch Interesse für Literatur. Ein Kandidat der Philosophie prüft zwei volle Stunden Neuerscheinungen, entdeckt Interessantes im Antiquariat, notiert sich Titel ... und schleppt schließlich ein umfangreiches Paket eigenhändig nach Hause. Ich bin überzeugt, daß er selten warm ißt, nur um die Bücher kaufen zu können. Ich schenke ihm manchmal ein paar literarische Zeitschriften Ein Aesthet, Typus bibliophiler Golfcrack, tritt auf. „Sagen Sie mal, da ist doch vor etwa 15 Jahren im Insel-Verlag ein Buch erschienen, oder war es bei Hans von Weber? Ich glaube, es war Lyrik, so was ä la Beardslcy. Ich habe den Namen vergessen. Der Titel fällt mir momentan nicht ein. Es ist übrigens möglich, daß ich das Buch in meiner Bibliothek in Paris habe. Das Buch wurde damals im „Pan" eingehend besprochen. Helfen Sie mir doch, den Namen ... Nein? Aber Sie als Buchhändler werden sich doch entsinnen. In zartblaues englisches Leinen gebunden mit weißer Vignette, vermutlich nach Vogeler-Worpswede." Ich lasse ihn ausreden und verkaufe ihm bann alles, was ich an ästhetischen Aufmachungen zwischen 1896 unb 1914 habe. — „Aufschreiben? Be- baure." — Na, bann wolle er sich bie Bücher morgen abholen. „Herr Wulke, stellen Sie bie Sachen roieber ans Punkt halb neun Uhr stolpere ich täglich über ben Eimer, ben bie Putzfrau immer roieber unter bie Tür stellt. Herr Wulke, ber Gehilfe, staubt bereits bie Neuerscheinungen ab. Die Volontärin schmökert ehrgeizig benn erstens steht sie mit Herrn Wulke auf Kriegsfuß unb zwei'ens hat fic ein halbes Dutzenb Lieblingskunden, mit denen sie stundenlang über eine neue Literatur zu diskutieren liebt. Dann erscheint der erste Kunde. Ein kleiner Stadtreisender mit schwerer Wachstuchtasche unb zwei Aktenmappen. „Bebaure, Kommissionsbücher sühren wir nicht." Der Friseur von nebenan läßt fragen, ob wir zwanzig Mark wechseln können. Wir können. Wieber ein Reisenber. Draußen wartet ber Dienstmann mit zwei Musterkästen. Er ersteht einen Stadtplan, der aber keineswegs feinen Wünschen entspricht. Er sei zu unübersichtlich. Aber leider liegt das an unserer historischen Entwicklung, was ich ihm nicht zu sagen wage. Halb zehn. Eine ältere Frau, gramvolle, ver- quollene Züge. Sie versucht umständlich, die Tür hinter sich zu schließen, als wolle sie Zeit gewinnen. Dann legt sie ein großes, mehrfach verschnürtes Paket auf den Tisch. Sie erzählt eine lange Geschichte von dem Buch, das sie gerne verkaufen möchte; daß es ein wertvolles Werk sei und obendrein ein Andenken. Wieviel solcher Bücher habe ich mir schon ansehen müssen! Zentnerschwere Prachtwerke in rotem Kaliko, Goldschnitt ringsherum Auf dem Deckel sprangen Turnier- ritter, Knappen, Wasserweib ch e n i n Gold geprägt zwischen goldenen Blättern, Früchten und Fabeltieren. Soll ich dieser vergrämten Frau einen Vortrag halten, warum dieses Buch heute keinen Menschen mehr etwas angeht, obwohl es so unberührt und neu aussieht, als sei es eben aus meinem Laden gekommen, in dem sich Einbände mit Photomontagen türmen? Dreißig Jahre hat das Prachtwerk in der guten Stube auf der Plüschdecke gelegen neben dem Photo- graphiealbum unb ber Meißener Obstschale. Die Frau ist ein Mensch jener entfernten Zeit . . unb boch lebt sie wie wir in ben Nöten unb Kämpfen bes Heute, bas sie nicht mehr versteht. „Was ich Ihnen bafür geben könnte, ist für mich zu viel unb für Sie zu wenig." Ich ekele mich schon selbst vor bieser Phrase. Enttäuscht unb nicht minder liebevoll- packt sie das Prachtwerk wieder ein. Zum wievielten Male? Die älteren Frauen beherrschen den Vormittag. Da kommt eine, streitbar, mit einer herausfordernden Stimme und einem Kneifer. Sie verlangt nach der Gedichtsammlung einer Autorin der achtziger Jahre, von der nicht einmal feststeht, daß mehr als hundert ihrer Zeitgenossen den Namen gekannt haben. „Wunschgärtlein der Musen". Ich gestehe, daß ich mir darunter nicht viel vorstellen kann. Der Gehilfe sucht im Antiquariat, ich wälze Kataloge. Die Volontärin macht ihr ironischstes Ge- sichtchen. Wir finden nichts. „Ich wundere mich sehr, daß Sie als Buchhändler das Werk nicht kennen." Das sitzt. Vermutlich ist sie die Autorin höchstselbst. Ich verspreche, im Buchhändlerblatt danach zu fahnden, aber sie braucht es sofort. „Es gibt ja noch mehr Buchhandlungen." Das stimmt. Leider hat meine ßabentur eine pneumatische Vorrichtung, die das Zuschmettern verhindert. Schade, die Zwickerdame hätte es gerne getan. Eine Kundin debattiert zwei Stunden lang mit der Volontärin über die Bedeutung Rimbauds für die deutsche Lyrik und bittet schließlich, ein Insel- bändchen zur Ansicht mitnehmen zu dürfen. Ein Stöpsel (Jahrgang 1925) schnorrt Retlame- marken und Abziehbilder. Ein ratloser junger Mann stellt die erschütternde Frage, ob er bei uns ein Buch kaufen könne. Es stellt sich heraus, daß er heute Nacht nach Königsberg fährt. Es soll etwas Gutes sein, aber nicht zu langweilig. Ich lege ihm Romane vor, er verläßt sich auf mich und wählt schließlich nach der Seitenzahl. Mein Gott, Königsberg ist weit. Inzwischen schwadroniert ein alter Herr mit Wulke aus Wesermünde. Schreit nach dem Chef. Kaum habe ich den ratlosen Jüngling nach Königsberg erpebie'rt, so stürzt er sich auf mich Er sei der Verfasser von „Weltseele und eugenische Körperkultur". „Ich wundere mich sehr, daß Sie mein Werk (er W - tin lolet, 'ttvnlehle. Mele sich ein schweres l sechs Personen beseh- keler indieTiese. Df, bic anderen muhten Deren Verlegungen sert werden. Der Füh- snungslvs darnieder. Tschechoslowakei. - lole. ist während eines Der- zeug der Masarik-Flug- I geraten und a b g e • naren sofort tot, wähne r letzt wurde, doh an feit wirö. 'S. — Hier Tote. tjrenb bes ffiodjenenbee des Autoverkehrs utf gerung btr W M dem Ausflugsort en bei einem Autobus- iet, vier lebensgefährlich (Schluß aus Rr. 189.) 3n der Rächt vom 3. zum 4. Rovember kam unsere Kompanie zum erstenmal ins Feuer. Linser Regiment mußte das Schwesterregiment 224 in den Erdlöchern — von Schützengräben konnte man in dem morastischen Boden nicht reden — vor La Boutillerie südwestlich von Lille ablösen. Tiefschwarze Rächt umgab uns. als wir unter Wah- rung größter Dorsicht und Ruhe in unsere Stellung einrüdten. Man ging noch in der Rächt an den Ausbau der Gräben, da trat plötzlich um 1 ilfjr nachts ein mächtiger Feuerüberfall der Engländer ein, die etwa 400 bis 450 Meter entfernt von uns liegen sollten. Die Luft war erfüllt vom Zischen, Brausen und Krachen der feind- liehen Geschosse, alles eilte an die vorher bestimmten Plätze und wartete auf die Dinge, die da kommen sollten. Lind schon bei dieser ersten Feuerprobe zeigte es sich, welch herrlicher Geist in der jungen Truppe herrschte. Kein Anzeichen von Linruhe war z ubemerken, dagegen aber leuchtete ernste Entschlossenheit aus jedem Auge, einen etwaigen Angriff der Engländer mit aller Kraft abzuwehren. Eine eiserne Feuerdisziplin wurde gewahrt. 3fl sogar der Humor trat in dieser ernsten Stunde in sein Recht. Als das Feuer immer mehr zunohm und der Geschohhagel immer dichter über unsere Köpfe dahinrauschte, da rief einer mit durchdringender Stimme über den Grabenrand den Engländern zu: „El hert doch uff mit der Schießerei, seht ihr denn nit, daß hier Leut stehn?" „ Lebensfreude, Sangesfreude, Sinn für Humor und tiefernste Auffassung des soldatischen Berufs, das waren die belebenden Elemente, die unseren Freiwilligen innere Kraft gaben, auch in den ernstesten Stunden ihren Mann zu stehen. Lind welch tiefer religiöser Sinn, frei von allen konfessionellen Schattierungen, belebte die Truppe! Als ich eines Morgens von Beaucamp nach Da- dinghem wanderte, das von den Engländern zum größten Teil in Trümmer geschossen war, da tönten aus der Kirche, von der nur noch der Turm und der anschließende Teil des Chors stand, mächtige Orgelklänge. 3d) kletterte über den Trümmerhaufen in das Innere und fand dort oben an der wenig beschädigten Orgel einen Freiwilligen sitzen, der mit Hilfe einer Leiter zum Orgelffanö geklettert war und ein feierliches Tedeum spielte zu Ehren des Sonntags, der heute begangen wurde. Da kam der alte weißhaarige Geistliche des Ortes, kletterte auch durch den Trümmerhaufen in seine Kirche und lauschte erschüttert den wundervollen Klängen, die unser Kamerad dem Instrument entlockte. 3a, „Les Allemands sont Boches“ sagte ich dem alten Herrn, der in Tränen ausgebrochen war. Als wir nach drei schweren Wochen auf einen Tag aus dem Graben in Ruhestellung nach Four- nes verlegt wurden, da sand am Abend auf Wunsch unserer Leute in der ebenfalls von den Engländern in Trümmer geschossenen Kirche ein Gottesdienst statt, der wohl allen in seiner Eigenart und eindrucksvollen Schlichtheit in dauern- trifte"- trschiedene» u* cincn ^K'ßonM * bekannter wW flen Repro- W m L schlicht witK” 5^- w er« im Dange- bet in ®j!i W*.' d in b?r qei ta Litte« Wfr •• Zug- und Gruppenführer-Prüfung bei der Sanitätskolonne. 3m Laufe des gestrigen Tages unterzogen sich 20 Mitglieder der Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz aus den Ortsgruppen Alsfeld, Homberg a. d. Ohm, Friedberg, Dad-Rauheim, Butzbach und Gießen einer Zua- bzw. Gruppenführerprüfung. Acht Sanitäter legten die Prüfungen als Zugführer, zwölf als Gruppenführer ab und konnten sämtlich bestehen. Der Dorsihende der Prüfungskommission, Hauptmann ä la suite Lotheisen. Darmstadt, sprach sich sehr lobend Über die bei der Prüfung gezeigten Leistungen aus. lich. tD^'^eburt Ie.tn" mren '^Mnbutg. 'N" °°» n Dres»:.. " - der '^mäßigen ^i>r. WeIB, was er miii Malst _ nferW schätzen. vorragenden Wirken tn die Weite — seine großen wissenschaftlichen Derdienste wurden u. a. im Februar 1929 von der amerikanischen Gesellschaft für Dererbungswissenschaft durch die Ernennung zum Mitglied der Gesellschaft anerkannt — hat Prof. K r a e m e r aber niemals die Förderung der Landwirtschaft in der engeren Heimat vernachlässigt. Sein reiches Wissen und seine großen praktischen Erfahrungen hat er als Sachverständiger bei der Hessischen Landwirtschaftskammer in Darmstadt zum Besten der hessischen Landwirte zur Beifügung gestellt. Daneben hat er sich durch Dorträge, Beratungen und Anregungen in unmittelbarem Zusammenwirken von Wissenschaft und Praxis um die Schaflung besserer Existenzgrundlagen für unsere heimische Landwirtschaft bemüht. Seine besondere Fürsorge galt dabei allen Fragen der Zucht des Dogelsberger Rindes, die ihm für feine guten Ratschläge besonders viel zu danken hat. Gerne machte er Interessenten mit den Arbeiten und Ergebnissen in feinerfi Institut bekannt, um auch auf diesem Wege Aur Belehrung und zur Auswärtsentwickelung unserer Landwirtschaft beizutragen. So ausgezeichnet und vorbildlich das Wirken des Gelehrten Kraemer ist, in gleicher Weise hervorragend ist das Walten des Menschen Kraemer. Ausgestattet mit ungemein hohen Geistesgaben, großer und fesselnder Beredsamkeit, tiefer Menschenliebe und reicher Güte des Herzens, freundlich und gefällig gegen jedermann, dabei von lauterstem Charakter und aufrechter nationaler Gesinnung, hat er sich in weiten Bevölkerungskreisen von Gießen, Oberhessen und weit darüber hinaus allgemeine Sympathie und hohe Wertschätzung erworben. Möchten dem um unsere Landwirtschaft und damit auch um unser Dolk verdienten Manne noch viele Iahre erfolgreichen Schaffens in Frische und Gesundheit beschieden sein. Buntes Allerlei. Das Motorrad in der Stierkampsarena In London lebte Mister Parkinson. Besitzer eines Motorrades und von dem Ehrgeiz beseelt, einmal Sieger auf der Rennbahn in Wembley zu sein. Mit dem Lorbeerkranz über der Schulter von Tausenden umjubelt zu toerben, das war der Traum seines Lebens, der aber leider niemals in Erfüllung gehen wollte. Schweren Herzens verzichtete er auf die Laufbahn eines Rennfahrers und suchte ein neues Betätigungsfeld für sich und sein Stahlroß. Da las er in der Zeitung einen Artikel über die furchtbare Tierquälerei bei spanischen Stierkämpfen, er las voll Abscheu, wie Masse herrscht, so liegt die Llrsache in der Hauptsache darin, daß wir unseren edelsten Rachwuchs, der später unserem Dolke Dorbild und Führer gewesen wäre, im Kriege verloren haben. Unsere Jugend ist im Felde auf Grund des Geistes, der in unserem alten Heere lebte, und der ihr eingeimpft wurde, zum Manne geworden. Unb wenn sie selbst nicht mehr unter uns weilen, so muß aber der Geist dieser Tapferen wieder in uns und unserer heutigen Iugend wach werden, das kann aber nur geschehen, wenn wir wieder ein Heer haben, das diesen Geist pflegt und das für unser Dolk Lebensbedingung ist. Rur so können wir wieder von der Masse zum Menschen, vom Knecht zum Herrn werden. Der Gott, der Eisen wachsen ließ, Der wollte keine Knechte, Drum gab er Säbel, Schwert unb Spieß Dem Maron in seine Rechte. Drum gab er ihm ben kühnen Mut Ten Zorn ber freien Rede, Daß er bestünde bis aufs Blut Tis in ben Tob bie Fehde. L. G. Aus der provinzialhaupistadl. Gießen, ben 16. August 1932. Prof. Or. Herm. Kraemer 60 Jahre alt. Der Direktor bes Tierzuchtinstituts unserer Llni- versität, Prof Dr. Hermann Kraemer. kann am morgigen 17. August in blühenber Gesund- beit und vollster Schaffenskraft seinen 6 0. Geburtstag begehen. In Zürich als Sohn des aus Berleburg lWittgenstein) stammenden, an der Technischen Hochschule Zürich wirkenden Prof. Dr. Adolf Kraemer geboren, ist der (Jubilar doch stets Deutscher geblieben. Hermann Kraemer bestand im Iahre 1890 nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Zürich baS Maturitätsexamen. Rach kurzem Dienst in Mainz durch einen Sturz für bie Offizierslaufbahn untauglich geworden, studierte er in Zürich zwei Semester Iura. Dann widmete er sich während drei Semester dem Studium der Lolkswirtschast und der Raturwissenschaften, als Grundlage des landwirtschaftlichen Studiums, in Gießen. Seiner Tätigkeit in der landwirtschaftlichen Praxis in der Schweiz und in Deutschland folgte vom Herbst 1895 an das Studium der Landwirtschaft an ber Technischen Hochschule in Zürich, im Herbst 1898 schloß sich bie Diplomprüfung an. im Herbst 1899 folgte bic Promotion zum Dr. phil. an ber Llniversität Zürich. Hierauf war er als Landwirtschaftslehrer in Hagen (Westfalen) tätig. 1901 habilitierte er sich in Bonn-Poppelsdorf, anschließend folgte am 1. März 1901 seine Berufung nach Bern (Schweiz) als Ordinarius für Tierzucht, Deurteilungslehre. Hygiene der Tiere und allgemeine Biologie. Dom l .März 1908 bis 1. Oktober 1909 war er als Geschäftsführer der neugegründeten Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde unb zugleich als Dozent an ber Tierärztlichen Hochschule in Berlin tätig. Sodann wirkte er vom 1. Oktober 1909 bis 1. März 1921 als Ordinarius für Tierzucht an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim und als Dozent an der Tierärztlichen Hochschule Stuttgart bis zu deren Aushebung. Seit dem Sommersemester 1921 gehört er als Ordinarius für Tierzucht und Direktor des Tierzuchtinstituts Oberer Hardthof dem Lehrkörper unserer Lan- desuniversität an. Mehrere Berufungen ins Ausland, so z. B. nach Montevideo, hat er abgelebt. Während seiner Tätigkeit in Hohenheim und Stuttgart war er Dorsihender des Keplerbundes Württemberg; in den Kriegsjahren wirkte er in der Presseobteilung des Generalkommandos in Stuttgart, zugleich war er Landes- Vorsitzender des Deutschen Dereins für Dolks- ernährung. Prof. Kraemer entfaltete eine außerordentliche rege und umfangreiche wissenschaftliche Tätigkeit. Er hat nicht nur den Studierenden durch seine theoretische und praktische Lehrtätigkeit als Hochschullehrer bestes geistiges Rüstzeug für ihr Leben mitgegeben, sondern auch durch eine stattliche Anzahl bedeutsamer wissenschaftlicher Bücher, durch vielfache Mitarbeit in Fachblättern, durch fein jahrelanges Wirken als Berichterstatter für Tierzucht in den „Mitteilungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft" in Berlin und durch eine geradezu erstaunlich umfangreiche Dor- tragStätigfcit sehr viel zur Hebung der deutschen Landwirtschaft beigetragen. Reben seinem her- ßager!" Auch Klassiker werden verkauft. Als Geburtstagsgeschenke. Natürlich bevorzugt das Publikum aus wirtschaftlichen Gründen die Frühoerstor- benen SU ei ft, Hauff, Novalis. Die Haupt- fache ist, daß es sämtliche und nicht ausgeroählte Werke sind. Auch Nichtleser legen Wert aus philologische Gründlichkeit. Aber die Standard-Werke sind die Memoiren und wirtschaftspolitischen Schriften der Diplomaten, Industriesürsten und Revolutionäre. Wie einst die gesammelten, pardon sämtlichen Werke von Goethe, Lessing, Hauff, jo bilden heute die Bücher von Bismarck, Ford, Lenin und zahllosen anderen Größen des öffentlichen die eiserne Ration des Bücherschrankes, vor Ladenschluß kommen immer die Leute, längsten aussuchen. Die 200 Bände Lyrik sich noch etwas gedulden müssen, denn erst noch Bestellungen ausgeschrieben werden. Der letzte Kunde verläßt triumphierend mit einem Reclarn-Hestchen um 7.40 Uhr die Buchhandlung. Beim Zahlen sogt er: „Na, • seh'n Sie, jetzt haben Sie noch ein Geschäft gemacht." ber Erinnerung bleiben wirb. Divisionspfarrer Haupt wußte in ber ihm eigenen kraftvollen Weise die Gemüter zu packen und jeden inn rlich zu erheben. Mit einigen Stearinkerzen war die Kirche beleuchtet, durch das zertrümmerte Dach leuchteten bie Sterne hinein unb 3 Kilometer von uns entfernt, tobte das Artilleriefeuer und prasselten Infanterie- unb Maschinengewehre. Linser lieber Kamerad Eberle, der am Ostry in den Karpathen den Heldentod starb, entlodbe der beschädigten Orgel bie Begleitung zu ben Kirchenliedern. Lind trotz Strapazen unb Mühsalen, trotz Hunger unb Entbehrungen, trotz seelischer Spannungen unb schlafloser Rächte lebte in unseren Leuten ber Drang, nach Weiterbilbung. Sobalb nur eine ruhigere Stunde eintrat, konnte man feststellen, daß theologische oder philosophische oder naturwissenschaftliche Bücher aus den Tornistern geholt wurden, um keine Minute unbenutzt verstreichen au lassen. Besonders stark vertreten war auch Goethes „Zaust" als Schühengrabenliteratur. Erhebend war es, wenn am Abend die Patrouillengänge für die Rächt eingeteilt wurden. Da wollte immer die ganze Kompanie mit hinaus. An „ Freiwilligen" für diese gefährlichen Gänge hat es niemals gefehlt. Als ich einmal selbst in der Rächt auf Patrouille ging, um die Stellung eines englischen Maschinengewehrs festzustellen, das uns nachts den Aufenthalt in einem Teilstück unseres Grabens fast unmöglich machte, da war der Andrang zu diesem Gang so stark, daß nur ein Machtwort bie Entscheidung treffen konnte. Man mußte die strengsten Befehle ergehen lassen, um die Leute von allzu tollkühnen Streichen abzuhaiten. Trotzdem lag eines schönen Morgens eine Rolle englischen Stacheldrahts vor meinem ilnterftanb, bic eine Rachtpatrouille von brüben „besorgt" hatte, weil wir damals noch keinen hatten. Man könnte buhende solcher Streiche berichten. Eines Sonntags stand auf dem dreibeinigen Tisch des Offizierkasinos" (ein etwas größeres nach oben "offenes Erdloch) ein Blumenstrauß, ben einige Leute trotz Derbots aus den hinter uns liegenden Gärten im englischen Feuer geholt hatten. „um ihren Vorgesetzten eine Freude zu bereiten“. Mit der Fortdauer des Krieges wuchsen Strapazen, Entbehrungen und Aufregungen. Gegen Ende Rovember ging es aus ben Gräben Frankreichs nach Rußland, wo unsere Division m bie schweren Kämpfe um Lobz eingreifen mußte. Der Bewegungskrieg begann. Wenn man bie Freiwilligcnrcgimenter erwähnt, bie bei Langemark mit „Deutschland. Deutschland über alles" gegen die feindlichen Stellungen stürmten dann sollte man auch derer nicht ver- aessen die am 3. Dezember ebenfalls mit diesem Schlachtgesang die russische Stellung bei Mala- und Duza Mierczonska aus den Angeln hob, unb bie wie sich später herausstcllte, durch die Eroberung der russischen Artilleriestellung, die in schwerer Bedrängnis befindliche 5. Brigade vor ber der a" s M..,-bl» %aat>e Ich freue mich insgeheim, daß das 20. Jahrhundert noch nicht zu Ende ist. Nach einer halbstündigen Unterredung halte ich einen Bestellzet - t e l für 10 „Weltseelen" in der Hand, aber eine Anzahlung lehne ich standhaft ab. Wieder einer für den Chef persönlich. Gr will aus seiner Bibliothek 200 Bände Lyrik verkaufen. Gerade jetzt, wo der Laden proppenvoll ist, und die Stapel der jungen Kriegsbücher zu kleinen Häufchen zusammenschrumpfen. Ich verspreche ihm, nach Ladenschluß die Lyrik zu besichtigen. Drei Verlagsreisende harren in einer Ecke Konkurrenzneid, denn der eine führt moderne goldener, edelsteingeschinückter Ring. Dies scheinbare Wunder geschah in der Sladt der Wunder von Byzanz, in Ravenna, das außer zauberhaften Kirchenschätzen viele unansehnliche Gemüsegärten birgt. Dort lebt ein biederer Bauer, der nebenbei auch Kohlrüben pflanzt. Dieser Tage holte besagter Gcmüsegärtner und Familienvater ein Geriet Kohlrüben aus feinem Garten, nahm eine schöne große gelbe Rübe, schnitt sie mitten durch — und heraus rollte der Ring. Ein Wunder?! — Die ganze Familie, die Rachbarn und die halbe Stadt bestaunten den Ring. Der glückliche Finder eilte zum Goldschmied, der den Ring für echt und den darin gefaßten Stein für kostbar erklärte. Das Kleinod aus der Kohlrübe soll nun als Talisman in der Familie bleiben. Dieser Talisman hatte einst wahrscheinlich das Schicksal seines Artgenossen aus Lessings „Rathan" — er ging verloren. Der Verlierer mag über ein Feld gewandelt sein. Der Ring sank ins Erdreich. Dort ruhte er, bis das Samenkorn dieser Kohlrübe darauf fiel — den Ring umschloß und zur Kohlrübe her- anreifte. die Pferde der Toreadors den Hörnern des wütenden Stiers preisgegeben werden. Warum, fragte er sich, wird das Pferd» in der Arena nicht durch ein Motorrad erseht? Die Idee schien ihm eine Reise nach Madrid wert. Dort angekominen, ließ er den Mister fallen und nannte sich Eenor Don Parkinson. Er unterbreitete der Direktion der Stierkampfarena von Madrid seinen Vorschlag. Die Direktoren erklärtest das für eine glänzende Idee und engagierten den Londoner Senor. Das Publikum läuft zu den Sticrkämpfcn, auch wenn der Toreador auf dem Motorrad sitzt und, wie die Blätter schreiben, eigentlich ein Motoreador ist, und die Unternehmer sparen Geld, denn der Stier hütet sich, gegen ein Motorrad anzurennen. Sie werden wohl auch die roten Tücher sparen, denn wenn die Arena von Benzingestank erfüllt ist, wie soll da ein Stier nicht wütend werden? Oer Ring in der Rübe. Ein altes italienisches Sprichwort sagt: „Aus einer Kohlrübe wird niemals Blut tröpfeln." Das mag wahr sein, aber kürzlich rollte aus einer italienischen Kohlrübe nichts geringeres als ein Deutschlands erfolgreicher pistolenschlihe. , WM WW Oberleutnant Hax errang im Pistolenschießen den zweiten Sieg und damit eine Silberne Medaille. Deutsche Kanu-Langstrecken- Meisterschasten. Unter Teilnahme von 48 Vereinen mit 156 Booten kam am Sonntag auf der Kachletstufe bei Passau die Deutsche Kanu-Langstreckenmeisterschaft zum Austrag. Herrlichstes Wetter begünstigte die Veranstaltung, die zum Teil sehr guten Sport brachte. Die deutsche Meisterschaft im Einer holte sich Ludwig Landen-Köln in 47:17,2 Min. vor dem Wiener Hradehky, der 47:44,8 Min. benötigte. Meister im Zweier wurden Erich H a n i s ch und Willi Horn- Berlin in 44:30,5 Min. vor den Wienern V. Kalisch und K. Steinhuber (44:36,5). Lleberraschungen in der Gruppe Main. Schon am zweiten Spielsonntag nahmen die Meifterschaftskämpfe der Gruppe Main einen nicht ganz programmäßigen Verlaus. So mußte der SC. Rotweiß eine 2:1-Niederlage durch Bieber hinnehmen, während die beiden Unentschieden in Niederrad und Isenburg für die Platzbesitzer ebenfalls nicht besonders angenehm sind. FSV. Frankfurt spielte in Niederrad 2:2 und Hanau 93 in Isenburg 0:0. Eintracht machte mit dem Neuling Friedberg nicht viel Aufhebens, der 9:1-Sieg ist deutlich genug. Besser hielten sich die Frankfurter Sportfreunde, die gegen Kickers Offenbach nur knapp 2:1 verloren. * Eintracht Frankfurt — DfB. Friedberg 9:1 (4:1). Der Neuling trat vor 1500 Zuschauer mit kompletter Mannschaft an, hatte aber nur wenig zu bestellen. Eintracht mit Dietrich in der Verteidigung, Stubb als Linksaußen und Kron in der Läuferreihe machte sich von einer anfänglichen Unsicherheit bald frei und schoß in gleichen Abständen neun Tore durch Schaller (3) Stubb, Ehmer (je 2), Mobs und Trumpler. Hax (Ludwigshafen) löste seine Aufgabe gut. Punktkämpfe in der Gruppe Hessen. Die beiden Spitzenmannschaften der Gruppe, Wormatia und Mainz 05, siegten sicher. Wor- matia besiegte Kastel 4:2, war aber überlegener als das Resultat besagt. Mainz 05 war gegen Urberach deutlich mit 7:2 erfolgreich. Die Wormser Kombination Alemannia/Olhmpia holte sich in Lorsch einen bemerkenswerten 2:0-Ersolg. Einigermaßen überraschend kommen auch die Riederlagen von Langen gegen den Reuling Bürstadt (0:2) 'und von Wiesbaden gegen den anderen Reuling, Mombach (1:2). Drei sWallspiele am Wochenende.... Gießener Mannschaften über Erwarten erfolgreich. Spog. 1900 — Spv. Wetzlar 2:2 (1:0). Schon das Spiel des Samstagabends brachte eine lleberraschung. üieberrascht war man zunächst etwas von dem planlosen Spiel, das die beiden Mannschaften, die Liga der Spielvereinigung 1900, wie auch die Liga *>zi Sportvereins Wetzlar vorsührten. Don Komb, ation war während der ersten halben Stunde nahezu nichts zu sehen. So war man also zunächst etwas enttäuscht. Erst nach der dreißigsten Minute kam Leben ins Spielfeld und in die Zuschauer, die bisher sehr resigniert verharrten. 1900 taute merklich auf, die Angriffe wurden klarer, energischer vorgetragen — Wetzlar reagierte sofort und schnell entwickelte sich nun ein außerordentlich spannendes Spiel. Rach einer kritischen Situation vor dem 1900er Tor, die aber von den Gästen nicht aus- genüht werden konnte, kamen die Blauweißen mit einem flotten Angriff durch, Lippert stand plötzlich 8 Meter vom Tor entfernt frei, er erhielt den Ball und schoß resolut und überraschend, für den gegnerischen Tormann unhaltbar, in die rechte untere Ecke. Frenetischer Beifall. 1900 führte 1:0. Bald darauf vermasselten die Wetzlarer eine glänzende Chance. Roch mancher Ball wurde während der ersten Halbzeit über und neben die Latte gejagt. Verheißungsvoll begann die zweite Halbzeit. In scharfem Tempo wurde der Kampf weitergeführt. Wetzlar bemühte sich energisch um den Ausgleich. Cs dauerte nicht lange. In der 10. Minute mußte Schlarb einen scharfen Schuß des gegnerischen Halblinken in der unteren rechten Ecke passieren lassen. 1:1! Bei dem Anentschieden blieb es wiederum nicht lange. In der 15. Minute setzte Göbel den Ball an die untere Kante des Querbalkens. Das Tor war nicht zu verhindern. 1900 führte also wieder. Das ließ die Gäste nicht ruhen. In unverminderter Heftigkeit wurde das Spiel fortgesetzt. 1900 legte einen prächtigen Angriff vor. Schlarb gab genau zu Arnold, Arnold zu Lippert, Lippert, wiederum sehr entschlossen, schoß auf das Tor, der Ball ging aber nur ganz knapp über die Latte. 1900 hatte noch verschiedene Chancen. Göbel gab einen Ball aus dem Laufe scharf auf das Tor. Der Wetzlarer hielt aber sehr sicher. Die Wetzlarer waren dann glücklicher. Der Halblinke verwandelte im Anschluß an eine kritische Situation vor dem Gießener Tor zum zweiten Treffer, zum Ausgleich, zum Endresultat, an dem sich in der Folge nichts mehr ändern sollte. • Erwähnenswert ist, daß die 1900er weitaus besser waren, als am Vorsonntag. Die Wetzlarer, verjüngt und verstärkt, gefielen durch ihre gegen früher weitaus verbesserte Technik gut, wenn auch ihr halbhohes Spiel weniger ansprach. Sie hatten einen sehr befähigten Spieler in ihrem Mittelläufer, der lediglich gegen das Ende etwas abfiel. Die Verteidigung war sehr schlagsicher: der Sturm ist immer aggressiv genug, um sehr gefährlich zu sein. Angenehm fiel auf, daß die Gäste sehr fair spielten. Vei 1900 war Schlarb etwas unsicher im Tor. In der Verteidigung war Luft über Erwarten gut, die Läuferreihe war ausgezeichnet in Form. Im Sturm war nur der linke Flügelmann sehr schwach. Die Mannschaft sollte für die Derbandsspiele einiges erhoffen lassen. Der Schiedsrichter war dem Spiele nicht ganz gewachsen. Die Gäste spielten in einem wunderschönen rot-weißen Dreh. Die 1900er gefielen weniger. Vielleicht reicht es doch einmal zu einer zweiten weiß-blauen Garnitur... 1900 (Liga) — Alsfeld 06 (Liga) 8:7 (6:3). Dieses torreiche Treffen lieferten sich beide Kontrahenten auf dem Alsfelder Sportplatz. 1900 hatte nach dem schweren Spiel am Vortage gegen Wetzlar einige Ausfälle und bestritt das Spiel mit Wißner: Zeiler, Iäckel: Glitsch, Langsdorf, Schomber: Heilmann, Arnold, Lippert, Göbel und Best. Die Blauweißen boten diesmal ein ausgezeichnetes Angriffsspiel. Die Stürmer waren groß in Fahrt, prächtig unterstützt von der ausdauernden Läuferreihe. Rur das Schlußdreieck zeigte hin und wider bedenkliche Schwächen und war vor allem zu langsam in seinen Handlungen, wodurch der auf Grund einer überlegenen Spielweise verdiente hohe Sieg oftmals auf des Messers Schneide stand. Bei den Alsfeldern versagte der rechte Verteidiger, außerdem schied kurz vor der Pause der Torwart aus, der sich bei einer kühnen Abwehr verletzte. Rach der Pause trat ein neuer Spieler auf dem Posten des Mittelläufers ein, während der frühere Mittelläufer noch kurz vor Spielende wegen einer Tätlichkeit des Feldes verwiesen werden muhte. Der Schiedsrichter, ein Herr vom Platzverein, leitete zufriedenstellend. 1900 erzielt nach glänzendem Durchspiel den Führungstreffer. 10 Minuten später heißt es 3:1 für Alsfeld. Dann kommt Gießen in große Fahrt und fchießt hintereinander fünf Tore. Halbzeit 6:3 für 1900. Nach dem Wechsel fand sich die Spielvereinigung nicht gleich richtig zusammen und 15 Mi- nuten später stand das Spiel 6:6. 1900 holt erneut die Führung und Alsfeld schießt prompt bei einem schnellen Durchbruch den Ausgleich. Sechs Minuten vor Spielende schießen die Blauweißen den Siegestreffer. Die Tore für 1900 erzielten Arnold 4, Lippert 2, Göbel und Heilmann je 1. Die Ligareseroe kehrte von Ehringshausen (Kreis Wetzlar) mit einem Unentschieden (3:3) zurück. Der Gastgeber stellte seine spielstarke Liga- Mannschaft, die der 2. Bezirksklasse angehört. 1900 mußte noch in letzter Minute drei gute Spieler ersetzen und kam nur durch großes Pech des Torwarts in' letzter Minute um den verdienten Sieg. Beim Seitenwechsel führte 1900 mit 3:1 Toren. Die verstärkte 4. Mannschaft ist mit ihrer Revanche gegen Werdorfs 1. Elf hercingefallen. Werdorfs eifrige Vertretung siegte über die Gieße- ner schlappe Elf 5:0 verdient. DfB. Liga — FL. Fronhausen 4:2 (2:0). Das Rückspiel gegen Fronhausen brachte den DfB.ern eine kleine Enttäuschung. Wer da erwartet hatte, daß die Grün-Weihen auf dem Waldsportplah ein höheres Resultat herausholen würden, sah sich getäuscht. Das lag einmal an der Aneinheitlichkeit des VfD.-SPiels, anderseits aber auch am frischen und durchschlagskräftigen Spiel der Gäste, welch letzteren es gelang, dem Gegner das hohe Spiel aufzudrängen. Die Grün-Weihen waren technisch besser als ihr Gegner, aber trotzdem war ihr Spiel keine Offenbarung. Es wollte nichts klappen, ob hieran nur die Hitze des Tages schuld war ...? In der ersten Spielhälfte sah man beiderseits ansprechende Leistungen. Balser bekam nicht allzu viel zu tun. Rach viertelstündiger Spieldauer ging DfB. durch einen schönen Kvpfball von Wilhelm in Führung. Ebenfalls durch Kvpfball (Lehrmund) wurde bis zur Pause die Partie auf 2:0 gestellt. Fronhausen hatte bis dahin sehr energischen Widerstand geleistet. Dem DfB.-Schluh- dreieck, in dem Bingel taktisch sehr gut arbeitete, war es zu danken, dah die Attacken der Gäste zunichte gemacht wurden. In der zweiten Hälfte erwartete man ein Rachlassen der Gäste und eine Formverbesserung der Grün-Weißen. Es kam jedoch umgekehrt, wenigstens für den ersten Teil den zweiten Spielhälfte. Fronhausen legte mächtig los und zu wiederholten Malen war Balser der rttende Mann. 2 Tore waren die Ausbeute dieser Aktion der Gäste. DfB. hatte durch Wilhelm ein 3. Tor erzielt. Beim Stand von 3:2 für DfB. setzten nunmehr wieder die Grün-Weißen mehr Dampf auf und liehen die Gäste kaum noch über die Mittellinie. Schuh auf Schuh kam auf das Gästetor, aber- nur einer fand den Weg durch die zahllosen Beine ins Tor (Seibel war der Schütze). Mit 4:2 für DfB. ging die Partie zu Ende. DfB. zeigte Sommerfuhball, der eigentlich nichts J)on Training merken lieh. Wirtschaft. Oie Krastfahrzeugproduktion im Juni und im ersten Halbjahr 1932. Im Iuni sind in den meisten Zweigen der Kraftfahrzeugindustrie Produktion und Absatz gegenüber dem Dormonat saisonmähig etwas zurückgegangen. Das Ergebnis des ersten Halbjahres 1932 zeigte im Vergleich zu 1931 laut „Wirtschaft und Statistik" eine weitere auher- ordentliche Schrumpfung des Produktionsvolumens. Gegenüber der gleichen Dorjahreszeit ist die Produktion der Lastkraftwagen weit über die Hälfte, die der Personenkraftwagen um etwa 40 Prozent vermindert worden. In der Kraftradindustrie hat sich die Produktion der steuerfreien Kleinkrafträder nahezu auf dem Dorjahresstande gehalten, während die Herstellung der Grohkraft» räder um rund die Hälfte gesunken ist. Der Inlandabsah an Kraftwagen ist seit 1930 noch stärker als die Produktion zurückgegangen, während die Ausfuhr eine beträchtliche Erhöhung aufzuweisen hat. Die Ausfuhr chat sich Verhältnis- mäßig günstig entwickelt. Ihr Anteil am Gesamtabsatz von Personenkraftwagen betrug fast ein Fünftel, an dem der Lastkraftwagen nahezu ein Viertel. Die Kraftradausfuhr erreichte demgegenüber nur rund 6 Prozent der Produktion. * *EmagElektrizitätsAG., Frankfurt a. M. Die Verwaltung der Emag Elektrizitäts AG., Frankfurt a. M., teilt mit. Die Gesellschaft hat sich gezwungen gesehen, die Zahlungen einzustellen. Es ist beabsichtigt, eine Auffanggesellschaft zu gründen zur Ausführung der vorhandenen Aufträge bezw. zur Fortführung des Betriebes. Der Status befindet sich in Bearbeitung. Eine Gläubigerversammlung soll am 20. August stattfinden. Wie wir hierzu erfahren, ist die Zählungseinstellung hauptsächlich mit darauf zurückzuführen, daß die Dresdner Bank die Finanzierung der Russenaufträge der Firma nun doch nicht übernehmen konnte. frankfurter Abendbörse sehr still. Frankfurt a.M., 15. Aug. Die Abendbörse verkehrte bei freundlicher Tendenz in sehr stiller Haltung. Gegen den Berliner Schluß lagen I. G. Farben und Stahlverein je 0,25 Proz. höher, während an den übrigen Marktgebieten die Kurse meist gut behauptet blieben. Die ilm- sähe hielten sich in engen Grenzen, da Anregungen nicht Vorlagen und auch das Publikum sich weiter abwartend verhielt. Im freien Markt fanden kleine Amsätze in Bekula zu Pari statt. Am Rentenmarkt lagen Altbesih 0,25 Proz. höher, Reubesitz blieben gegen den Schlußkurs behauptet. Reichsschuldbuchforderungen lagen eher etwas höher. Altbesitzanleihe 49, Reubesitz 5,75, Reichsbank 125.50, Gelsenkirchen 36, Salz- detfurth 168, Stahlverein 13,25, AEG. 31,50, Chade 172, Scheideanstalt 139,50, Licht & Kraft 80,13, I. G. Farben 89,75—89,63. Schuckert 71,25, Siemens 129, Zellstoff Waldhof 31, Reichsbahn- DA. 77,25, Rordd. Lloyd 16,13. Langfristige Wettervoraussage für die Zeit vom 16. bis 25. August 1932. Herausgegeben von der Staatlichen Forschungsstelle für langfristige Wettervorhersage in Frankfurt a. M. Vorwiegend heiter, tagsüber warm bis sehr warm und im allgemeinen trocken. Gegen Ende der Woche neu aufkommende Gewitterneigung und Abkühlung. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzl befdjloffenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 5 o. H. Lombardzinsfuß 6 o. H. Frankfurt a. 2JI. Berlin Schluß» kurs Schloßt. Abend» börse Schluß- lurd Schlußk. Mittag- börfe Datum 13.8. 15-8. 13.8. 15-8. 6% Snmdje :lietd)5anieiheD.i-r2. 62 62 62,25 62 u% ehem. 7 %Dt. Reichsanl. v. 1S2S 68,5 68,5 68,25 68,75 6’/i% Boung-Anleihe von 1930 58,25 60 58 60 Deutsche Anl..Ablös.»Schuld mH Auslol..Rechten...... Desai. ohne Anslos.-Rechte . • 48,4 5,675 — 48 5,65 49,13 5,75 6% ebem 8%£>eli. Bolksstaat 1929 53,4 irückzahib. 102%)...... 53 53 53 Oberhejsen Provinz-Anleihe mit 47 47,25 Auslos.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammeiabl. 45 44,5 - 44,25 45,25 Anleihe Serie 1...... 6% ehern. 8% Franks Hyp.-Bani 69,4 69,75 Goldvie. 15 unkündbar bis 1935 — 6% ehern. 7% Franks. Hyp.-Bani 68,5 Golvvte 16 unkündbar bis 1936 69 — 6>/2oo ehem. 4'/-% Frants.Hyp.- 77,9 77,75 B-n^'Ligu Piandbriese . • • — — b-4% ehem. 4Yt% Rhetniiche 78,5 78,25 Hvv.-Bant Liqu -Goldpse. . — 6% ehem. 8% Pr. Landespfand. 67,5 67,5 67,5 67,5 öriefanstcu Psandbriese R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespsand- 67,5 briesanstaU. Psandbriese R. 10 68 4% Oesterreichische Goldrente . 10,25 10,25 10,4 — 4,20% Oesterretchiiche Silberrente — 1,05 — — 4% Ungarische Goldrente .... 6,05 6 6,05 6,05 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 6,5 6,25 6,1 6,2 4>/2% desgt. von 1913..... 5% abzest. Goldmerikaner von 99 — — 5,3 — 5,5 —- 5,75 6 4% Türkische Zvllanleihe von 1911 3,3 3,2 3,3 — 4% Türkische Bagdadbahn Anleihe Serie 1 . . . 3,4 3,4 3,3 — 4% beflfll. Serie H . 5% Rumän. vereini, Rente v. 1903 3,4 3,4 3,4 —— — 5 5 5,1 4'/,%Ruman.vereino. ’lenteo.rn: 9,1 8,9 8,95 9,1 4% Numamj^v r>ereir Heute 4,2 4,3 4,25 4,3 2 J4% . Anatolier 17,13 — 13,25 i 17,2 Frankfurt a.M. Berlin Echluß- kurs Schlußk. «benv- börfe Schluß» kurs Schlußk. Mittag, börie Datum 13.8. | 15.8. 13-8. | 15-8. Hamvurg-Amerua Pare. V 15 15 14,9 — Hamburg» Südam. Dampsschis, 0 — — 27 —— Hansa Dampsschiss 1 — — —— — Norddeutscher Lloyd .... 1 15,9 16,13 15,9 — A.G. für Verkehrswesen Akt. 0 39,25 — 38,5 —— Berliner Handelsgesellschast . 4 88,65 88,75 88 88,5 Commerz- und Privat-Bank . 0 16 —— 53,5 53,5 Darmstädter und Nakionalbant 0 18,5 — — Deutsche Bank und Disconto-Gesellschast. 0 75 75 75 75 Dresdner Bant...... 0 18,5 — 61,75 61,75 Reichsbaut ...... 1: 125,5 125,5 126,13 126,25 A.E.G.......... . 0 30 31,5 30 31,13 Bergmann........ . 0 — — 20,65 — Elektr. Lieferungsgelellschaft. 5 63 — 65,5 65,75 Licht und Kraft...... 6 79 80,13 79,5 80,13 Felten L Guilleaume'. . . . 0 43,5 44 43,25 44 Gesellfchast für Elektrische Unternehmungen .... 4 64 64,9 64,9 65 Rheinische Elektrizität . . . bB 71,75 72,5 72 — Schuckert & Go....... C 69 71,25 69,5 70,5 Siemens L Halske..... 9 125 129 125,4 128,75 Lahmeyer & Go....... 10 90,25 — 90,25 93 Buderus......... . 4 29,5 31 30 30,5 Deutsche Erdöl...... . 5 72 — 72,5 72,9 Gelsenkirchener...... . 8 35 36 35 36,13 Harpener......... . 0 55,25 57 55,5 57,25 Hoejch Eisen........ . 8 — —— 29 28,9 Ille Bergbau....... 10 — — — —- Ilse Bergbau Genüsse . . . — — 94,75 94,75 llludnetiverle....... . 6 — — 23,75 — Mannesmann-Röhren . . . . 6 '0,75 — 40 40,5 Mansselder Bergbau .... . 0 — —- — L berschles. Kolswerke . . . . 8 — — 31,65 32,5 Phönix Bergbau...... 4’/, 16,75 16,75 17 16,9 Rheinische Braunkohlen. . . 10 171 171,75 170,5 171,9 Rheinstahl........ . 6 51 52,9 51 52,5 Frankfun a. M. Schluß» kurs Schlußk. Abend- börfc Schluß, furd Schlußk. Mittag» böcse Datum 13.8. 15-8. 13.8. 15.8. Riebecl Montan...... 7,: — — — — Bereinigte Stahlwerke . . . . 0 13,4 13,25 13,13 13 Otavi Minen....... 0 14 —— 13,9 14 Kaliwerke Aschersleben . . . 6 96 — 98 99 Kaliwerke Westeregeln . . . 6 103 — 103 104,75 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 9 165,5 168 165 167 I. G. Farben-Industrie . . . 7 88,5 89,65 88,13 89,5 Tchetdeanstalt....... 10 139,5 — Goldschmidt........ . 0 18,5 20 18,5 20,25 Rütgerswerke....... . 0 36 37,25 35,9 37 Metällgesellfchast...... . 0 29 29,5 29,25 29,25 Philipp Holzmann..... . 0 40,5 — 41,5 44,5 Zementwerk Heidelberg. . . Gement wert Karlstadt. . . . . 4 . 0 39,75 41 — — Wayb L Freytag . . . . 0 4 Schultheis Pahenhoser . . . Mu lAllgemeine Kunstseide) Bemberg........ Zellstoss Waldhos..... 0 0 0 0 38,5 34 29 40 31 56 38,75 33,5 29 57,25 40,75 35 31,25 Zellstoss Aschaffenburg . . . Dessauer Gas....... 0 . 7 17,5 — 85,75 18 85,5 Daimler Motoren..... . 0 14,75 14,25 14,75 13,75 Deutsche Linoleum .... . 0 36,75 37 36,25 36,5 Orenstein & Koppel .... . 0 — —— 25,9 27,9 Leonhard Tietz...... . 6 39 — 39,5 40 Cvenska......... 0 ■ - — — — Ehade.......... 12 171,5 172 172.75 172,5 Frankfurter Maschinen . . . Gritzner......... . 0 . 0 17,5 — _ Maiukrastwerke Höchst a. M.. . A 48,2 — — —— Süddeutscher Zucker .... . 8 108 —— — 108,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurl a. 2H. 13.August 15-August Amtliche Notierung Amtliche Notierung __Geld | Brie' Geld Brie' Helsingsor» . Wien. . . . 6,284 51,95 6,296 52,05 6,293 51,95 6,306 52.05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest. . — — — — Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 169,73 170,07 169,73 170,07 OSlo.... 73,23 73,37 73,23 73,37 Kopenhagen. 78,07 78,23 78.07 78,23 Stockholm 75,07 75,23 75,07 75,23 London. . . 14,635 14,675 14.635 14,675 Buenos Aires 0,878 0,882 0,878 0,882 Neuyork . . 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel. . . 58,39 58,61 58.40 58.52 Italien. . . 21,53 21,57 21,53 21,57 Paris . . . 16,48 16,52 16,48 16,52 Schweiz . . 81,92 82,08 81,97 82,13 Svmiien . . 33,87 33,93 33,82 33,88 Danzig. . . 81,97 82,13 81,97 82,13 Japan . . . 1,069 1,071 1.049 1,051 Rio oe Jan.. 0,324 0,326 0,324 0,326 Jugoslawien. Lissabon . . 6,693 6,707 6,693 6.707 13,34 13.36 13,34 13,36 Banknoten. Berlin, 15.August Seid Bries Amerikanische Roten . . . 4,20 4,22 Belgische Roten..... 58,24 58.48 Dänische Roten..... 77,89 78,21 Englische Roten..... 14,595 14,655 Französische Roten .... 16,44 16,50 Holländische Roten .... 169,36 170.04 Italienische Roten .... 21,49 21,57 Norwegische Noten.... 73.05 73,35 Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten .... 2.49 2,51 Schwedische Noten.... 74.90 75,20 Schweizer Noten..... 81,79 82,11 Spanische Noten..... 33,68 33,82 Ungarische Noten .... — wnflts',8 Lw M 4 SeiWn Ä S’Ae.’s |nfAnW Sitl AM der deMn $onp*r@ Die nachfol! deutenden sch dellen Autor schaftsfragen stellen eine deutschen 6ta Nachdem die Knei sanner Uebeteinjom ntoige»- *1««' der privaten o pflichtungen u hat viele Auseinar langen Zeit, da D parationszahlungen einer Auslände dienst jetzt einen 7 halb Milliard jetzigen Verhältnis äußerst zweifelhaft Summe von ausll bringen kann. Ma: sprechen, daß es f wird, eine herc pflichtungen g bigern zustande zu b Es darf jedoch ni Gläubiger in diesem nen sind, die ihre 1 wirtschaftlichen Ent! haben. Diese Gläubic lich, daß Deutschland Ländern ausgeblutet ren haben sie keir Wenn man in Deul unmöglich sind, und der jährlichen Schu eine Frage ousgerol sondern so gut wie der Welt 'berührt nalen Schulden, die nen, ist eine roeltmi einheitlich behandelt i Müschen wir eine M etwa; wirtlich ”E tcmtwle Hahtuii |o ist vssenbar die UNS die wrseMcher die zu der gegena venz geführt Haber gende: Die kolossalen R schuldensordk einseitigen A den vornehmsten i den Vereinigten S übrigen Welt vc Fall des all Niveaus. Diese realen Schuld Unzahl von Schuir Lage, daß sie ihre lullen konnten. D außerdem die Wirl 'mmer vorhandene gegenüber der Aus °Krft wurden. ( lektionismus Nor der Konkui Welthandel äußerlt r N? uhr und d SlV ’° rerstück KW LZZ UK » Nah lun^-nen? 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