Hr. 165 Krühaussabe 182. Jahrgang Samstag, 16. Juli 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle monatsiBcjugsprcis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Austellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Siehen. Postscheckkonto: Srantfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick vnd Verlag: vrühl'sche Univer^ttts-Vuch' und Zteindruckerei K Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspscnnig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Plaßvorschrist 20u , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Sie österreichische Anleihe vom Völlerbundsral genehmigt. gegeben hatte, in diesem Falle die Neuwahlen bereits für den 31. Juli auszuschreibcn und nachdem die gesetzlichen Möglichkeiten für eine verkürzte Wahlvorbereitung sichergestellt worden aus politischen und wirtschastlichen Anschluß an Deutschland als Gegenleistung? Neuer österreichischer Verzicht Gens, 15- Juli. ($11.) Der Völkerbund s- r a t nahm heute abend das Protokoll über die Anleihe an Oe st erreich, das von dem Ausschuß finanzieller Regicrungssachverständiger während der Lausanner Konferenz ausgearbeitet worden ist, einstimmig mit Stimmenthaltung Deutschlands an. Das Protokoll, das jetzt zur Unterzeichnung der an der Anleihe beteiligten sieben Staaten England, Frankreich, Italien, Belgien, Holland, Schweiz und Tschechoslowakei ausgelegt wird, enthält eine Präambel, die auf dem während der deutsch- österreichischen Zollunionsverhandlungen so viel erörterten Protokoll von 1922 ausgebaut ist. Es übernimmt damit das in diesem Protokoll enthaltene politische und finanzielle Anschlußverbol für Oesterreich. In der Präambel heißt es, daß die österreichische Negierung sich mit einem Hilfegesuch an den Völkerbund gewandt habe, um das Werk der finanziellen und wirtschaftlichen Wiederherstellung Oesterreichs in Verfolg der Entschließung des Völkerbundsrates vom 4. Oktober 1922 und dreier Protokolle vom gleichen Datum durchführen zu können. Der Vertreter Deutschlands, Gesandter G ö p - p e r t, wies in einer Erklärung darauf hin, daß das neue Anleiheprotokoll auf 1922 aufgebaut sei. Deutschland sei damals noch nicht Mitglied des Völkerbundes gewesen und habe daher an den Verhandlungen von 1922 nicht teilgenommen. Die deutsche Reichsregierung sei nicht in der Lage, dem gegenwärtigen Protokoll beizutreten. Der Internationale Gerichtshof sei in den Beratungen des vorigen Jahres keineswegs zu einer einmütigen Stellungnahme über die wahre Bedeutung dieses Protokolls gelangt. Die deutsche Negierung könne nicht an der Hilfsaktion für einen Staat teilnehmen, wenn die Aktion an politische Bindungen irgendwelcher Art gebunden sei. Um jedoch die Anleihe nicht zu verhindern, enthalte sich Deutschland bei der Abstimmung der Stimme. Die deutsche Negierung hoffe ihrerseits durch eine unabhängige finanzielle Transaktion an der finanziellen Sanierung Oesterreichs teilzunehmen. Das Protokoll für die neue Finanzhilfe für Oesterreich enthält folgende Bestimmungen: Die das Protokoll unterzeichnenden Staaten verpflichten sich, der österreichischen Regierung bei der Aufnahme einer internationalen Anleihe bis zur höhe von 300 Millionen Schilling zu helfen, indem sie diese Anleihe entweder garantieren, oder die notwendigen Beträge der österreichischen Negierung zur Verfügung stellen. Die Anleihe hat eine Lauffri st von 2 0 Jahren. Die Bedingungen der Anleihe werden von dem Ausschuß der Garantiestaaten festgesetzt. hessischen Landtagsabgeordncten Rechtsanwalt Jung namens der nationalsozialistischen Fraktion d?s Hessischen Landtags geführte Klage beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich auf Durchführung eines Landtagsbeschlusses, der die Abberufung des Innenministers Leuschner forderte, ist in der Sitzung des Staatsgerichtshofes vom 24. Juni unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Bumke abgcwiesen worden. Damit ist grundsätzlich entschieden, daß aus dem geschäftsführenden Kabinett in Hessen ein einzelner Minister vom Landtag nicht abberufen werden kann. Der Staatsgerichtshof hat sich im wesentlichen der^Beweis- führung der hessischen Regierung angeschlossen. Selbstauslösung des Thüringer Landtages. Neuwahlen am 31 Juli. Weimar, 15. Juli. (TU.) Der Thüringer Landtag nahm heute nachmittag einen Antrag auf b e f r i stete Auflösung zum 3 0. Juli 1 9 3 2 mit den Stimmen sämtlicher Parteien bei Enthaltung der Deutschen Volkspartei an, nachdem die Regierung die Erklärung abwaren. Ein Strafantrag Brünings. Berlin, 15. Juli. (CNB.) Reichskanzler a. D. Dr. Brüning hat, der „Germania" zufolge, fei» nen Rechtsbeistand beauftragt, gegen den Führer der NSDAP, in Jena, Postinspektor S ch in i d t, Strafantrag zu stellen. Schmidt hatte behauptet, daß Dr. Brüning beabsichtigt habe, Ost p reu ß e n für zwei Milliarden Mark an Polen und das Saargebiet für 99 Jahre an Frankreich zu verpachten. Lord Cecil fordert wirksame Abrüstung. London, 16. Juli. (WTB. Funkspruch.) Lord Cecil sagte gestern abend in einer Rede im Bristol, der Lausanner Vertrag diene der Wiederversöhnung der Welt. Aber weitere Schritte seien nötig. Nichts werde, so betonte Lord Cecil, zum Frieden der Welt mehr beitragen, als ein wirkungsvoller Ab - rüstungsvertrag. Er sei tief enttäuscht über das britische Programm in Gens. Wenn England nicht eine energischere Politik betreibe als in diesem Programm zum Ausdruck komme, dann fürchte er, daß der Erfolg der A b - rüstungstonferenz in großer Gefahr sei. Seine Wiederherstellung des Aoung-Mechanismus Auseinandersetzung im österreichischen Finanzausschuß. Gegen die politische Bevormundung. -Sozialistische Angriffe gegen die deutsche Regierung. W i e n, 15. Juli. (TU.) In der Freitagssitzung des Finanz- und Haushaltsausschusses des österreichischen Nationalrates kam der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Bauer auf die Bemerkung Herriots in einer Sitzung des Außenausschusses der französischen Kammer zu sprechen, wonach Oesterreich in Lausanne und durch die Lausanner Abmachungen für20Jahre freiwillig auf den Anschluß verzichtet habe. Das deutsch-österreichische Volk habe ein Recht darauf, endlich zu erfahren, was in Lausanne nicht nur über die Anleihe, sondern über seine ganze Zukunft entschieden worden sei. Auf die Bestimmung, daß die Anleihe möglicherweise auch früher zurückgezahlt werden könne, sei kein Gewicht zu legen, da nicht anzunehmen sei, daß Oesterreich in der Lage sein werde, seine Anleihe vorzeitig zurückzuzahlen. Ls entstehe die sehr ernste Besorgnis, daß Oesterreich Verpflichtungen auf sich genommen habe, die nicht nur dem politischen Anschluß an Deutschland, sondern auch jeder anderen wirtschaftlichen Verbindung mit Deutschland für lange Jahre unüberwindbare Hindernisse ent- gegenstelle. Es sei selbstverständlich, daß das im ganzen Bolke die allergrößte Beunruhigung Hervorrufen müsse. In Kreisen der Regierung scheine die Meinung zu bestehen, aus der Uebernahme solcher Verpflichtungen könne man ihr keine Vorwürfe machen, weil die Reichsregierung dabei mittelbar mitgewirkt hätte. Das sei durchaus nicht die Meinung des Redners. Die Haltung der Reichsregierung in dieser Sache scheine aber sehr zweideutig zu sein. Sie habe sich zwar, wie man höre, in der Sitzung des Gemischten Ausschusses geweigert, das Protokoll zu unterschreiben, durch das Oesterreich diese Verpflichtungen auf sich nehme. Das bestätige nur den Verdacht gegen die Unhaltbarkeit dieses Protokolls. Auf der anderen Seite scheine die Reichsregierung aber selbst mitzuhelfen, daß diesem Protokoll keine Hindernisse entständen. Aus diesem Grunde habe sie ihren Vertreter im Völkerbundsrat, der ja nur einstimmig entscheiden könne, angewiesen, sich bei der Beschlußfassung der Stimme zu enthalten. Das wundere den Redner gar nicht. Die Herren, die in Deutschland jetzt regierten, seien Vertreter derselben Klassen, die sich seit 1848 für Oesterreich nie interessiert hätten und einen Anschluß Deutsch-Oesterreichs an Deutschland immer nur sozusagen für eine Verlängerung ihrer bayerischen Front gehalten hätten, die ihnen jetzt Schwierigkeiten bereite. Die Sozialdemokratie könne den Genfer Abmachungen in keiner Weise zustimmen. Bundeskanzler Dollfuß erklärte darauf, daß geheime Abmachungennichtvorliegen. Er ging dann auf die Ausführungen des Abgeordneten B a u e r ein und erklärte, er könne aus Grund der inzwischen angelangten Nachrichten folgendes mitteilen: »Die angebliche Aeußerung Herriots kann sich nur auf jene Antworten beziehen, die H e r r i o t in der vorgestrigen vertraulichen Sitzung des Ausschusses auf Anfrage gegeben hat. Das französische Außenamt erklärt, daß die in ihm diesbezüglich erschienenen Publikationen erstens ganz und gar inoffiziell, also nicht offiziell, zweitens sicher in deformierter Form erschienen sind. In der Sitzung wurde, wie immer in vertraulichen Ausschußsitzungen, kein Protokoll geführt. Er sei daher aifdj niemals imstande, den Wortlaut einer solchen Antwort zu kennen bzw. wiederzugeben. Es handelt sich daher ohne Zweifel um eine von unberufener Seite mißverstandene Interpretation einer im Wortlaut nicht bekannten Aeußerung des Ministerpräsidenten. Abg. Bauer bemerkte, in dieser Frage könnten vertrauliche Mitteilungen nicht genügen, sondern die Angelegenheit müsse sobald als möglich öffentlich geklärt werden. Bundeskanzler Dr. Dollfuß erwiderte, er werde in der nächsten Sitzung des Ausschusses antworten. Oesterreichs Transfer-Moratorium. Wien, 15. Juli. (TU.) Die österreichische Nationalbank hat bekanntlich unter Hinweis auf die Lausanner Verhandlungen seit dem 23. Juni die Zuteilung von ausländischen Zahlungsmitteln für die Verzinsung und Tilgung von Finanzschulden vorübergehend eingestellt, die in fremder Währung gegenüber ausländischen Gläubigern eingegangen wurden. Der Hauptausschuß des österreichischen Nationalrates hat nun auf Grund des zweiten währungspolitischen Ermächtigungsgesetzes einer Regierungsverordnung zugestimmt, die die Ucber- gangsbcstimmungen für die Zeit dieser Devisensperre für ausländische Schulden trifft. Es wird angeordnet, daß der Gegenwert der jeweils valutarischen Fälligkeiten zum Umrechnungskurs der Rationalbank in Schillingen in einem Fonds zu hinterlegen Ist, der bei der Oesterreichischen Rationatbank gebildet und von ihr unter Mitwirkung ihres Beraters verwaltet wird. Diese Bestimmung führt aber zur Befreiung des Schuldners von seiner Zahlungspflicht nur dann, wenn der Gläubiger selbst zustimmt. Dieser kann sein so entstandenes Schillingguthabenim österreichischen Jnlande für Zahlungen, die er in Oesterreich zu leisten hat, nach Maßgabe der jeweiligen Verfügungen der österreichischen Nationalbank z. B. zur Bezahlung in Oesterreich gekaufter Waren, im Reise- und Fremdenverkehr usw. verwerten. Der An le i h e d i e n st der österreichischen Dölkerbundsanleihe 1923 wird von dieser Verordnung nicht berührt. Für die Fälligkeiten der internationalen Bundesanleihe vom Jahre 1930, vom 1. Juli 1932 und vom 1. Januar 1933 ist bereits prospektgemäh vorgesorgt. Die österreichischen Zahlungen an die caisse commune in Paris für den auf Oesterreich entfallenen Dienst der alten österreichischen Staatsschuld werden jedoch bis auf weiteres im Sinne dieser Verordnung in Zinsen hinterlegt werden. Keine Abberufung Leuschners Entscheidung des Ttaatsgerichtshofes. Darmstadt, 15. Juli. (WSR.) Die amtliche Darmstädter Zeitung teilt mit: Die von dem Deutschlands Stellung zum Gentlemen Agreement. Berlin, 15. Juli. (OB.) Angesichts der widerspruchsvollen Auslegung, die das Gentlemen Agreement der Gläubigermächte und feine Tragweite für Deutschland noch immer in einem Teil der Presse findet, wird von zuständiger Stelle erneut mit allem Rachdruck daraus hingewiesen, daß für Deutschland lediglich die Abmachungen bindend sind, an denen es beteiligt ist. Die deutsche Delegation in Lausanne hat von Anfang an sich den Bemühungen, die insbesondere von den Franzosen ausgehen, widersetzt, eine Verquickung zwischen der Reparationssrage und der Frage der i n - teralliierten Schulden an Amerika sicher- zuslellcn, und alle versuche, den Lausanner Pakt von der Regelung der Schuldenzahlungen an Amerika abhängig zu machen, kategorisch abgelehnt. Maßgebend für diese Haltung war, wie nur immer wieder betont werden kann, daß Deutschland die Schuldenfrage nichts angeht und daß sich Deutschland nicht in eine Einheitsfront der Gläubigermächte gegen Amerika einspannen lassen wird. Als dann am 8. Juli der deutschen Delegation die Erklärung der fünf Gläubigermächte mitgeteilt wurde, daß der zahlungslofe Zeitraum, der zu Beginn der Konferenz erklärt worden ist, solange bestehen bleiben soll, bis die Frage der Ratifizierung geregelt sein würde, und daß für den Fall der Richtratifizierung der alte Z u st a n d wieder hergestellt fein solle, hat Deutschland sofort gegen die Idee, dann wieder den Mechanismus des Poungplanes in Kraft zu sehen, Einspruch erhoben. Zur Klärung dieser Frage erfolgte die deutsche Anfrage an den Präsidenten der Konferenz Macdonald, der daraus die Erklärung abgab, daß im Falle der Richtratifizierung eine neue Lage geschaffen sei und eine neue Konferenz stattsinden müsse. Das bedeutet, wie in hiesigen unterrichteten Kreisen betont wird, keinesfalls eine Wiederherstellung des Poungmechanis- m u s. Durch diese Erklärung Macdonalds ist lediglich festgestellt, daß im Falle der Richtratifizierung die Situation vor Beginn des hooverjahres den Ausgangspunkt für neue Verhandlungen bilden wird, die der Beseitigung des entstandenen Vakuums zu dienen hätten. Der Konsultativpakt (Vertrauensabkommen) ist in Lausanne nur zwischen den Engländern und Franzosen getroffen und von her - r i o f bekanntlich als die Wiedergeburt der entente cordiaJe bezeichnet worden. Inzwischen haben auf Einladung Italien und Belgien ihre Bereitwilligkeit erklärt, dem Abkommen beizutreten. Deutschland, dem der Beitritt ebenfalls nahegelegt worden ist, hat noch nicht endgültig Stellung genommen. Der englische Außenminister Simon hat im Unterhaus Zweck und Bedeutung dieses Abkommens wie folgt umrissen: „Die unterzeichneten Mächte verpflichten sich, keinerlei Maßnahmen in wesentlichen Fragen der europäischen Politik zu treffen, ohne sich vorher gegenseitig unterrichtet oder befragt zu haben." Das bezieht sich nach den Andeutungen Simons sowohl auf politische, als auch auf wirtschaftliche Dinge. Darunter fallen also die A b r ü ft a n g s - frage ebensogut wie Fragen der Handelspolitik. Ob und inwieweit auch die Revision des Versailler Vertrages hiermit gemeint ist, geht aus den bisherigen Veröffentlichungen nicht eindeutig hervor. Oie deutschen Schuldverschreibungen. Ausschluß fremder Garantie«. Berlin, 15. Juli. (WTB.) Um ausdrücklich sicherzu st eilen, daß die Unterbringung der Schuldverschreibungen des Lausanner Abkommens nicht durch Garantien fremder Länder oder auf ähnliche Weise ermöglicht oder erleichtert wird, ist am 8. Juli in Lausanne von den Sachverständigen der sechs einladenden Mächte protokollarisch fest gestellt worden, daß jede Ausgabe deut- scherRcgierungsschuldverschreibun- gen ausschließlich auf der Grundlage des deutschen Kredites erfolgen muß. Erklärungen Herriots. Paris, 15.Juli. (WTB.) Am Schluß der heutigen Kammersitzung sprach Ministerpräsident H e r - r i o t über die Lausanner Konferenz. Her- riot erklärte, daß am 6. Juni die Lage ernst gewesen sei. Frankreich habe zunächst nicht geplant, das Moratoriums - Problem herauszuschälen. Deutschland habe durch seine qualifizierten Vertreter erklärt, daß es niemals mehr bezahlen wolle. Frankreich habe dafür gesorgt, daß der Begriff desMoratoriumsoufdie Dauer der Konferenz beschränkt bleibe, und habe den Grundsatz der Verbindung zwischen dem Reparationsproblem und dem Problem der französischen Schulden bei Amerika durchsetzen wollen. Dies sei in Lausanne gleich zu Beginn der Konferenz geglückt Auch für andere Staaten offen... Erklärung des englischen Außenministers. Genf, 15. Juli. (WTB.) Der Völker- bu ndsrat trat heute nachmittag zu einer öffentlichen Sitzung zusammen, um zu der Frage der Einberufung der Weltwirtschastskon- serenz und der finanziellen Hilfsaktion für Oesterreich Stellung zu nehmen. Dor dem Eintritt in die Tagesordnung gab der englische Außenminister Sir John Simon eine Erklärung über die englisch-französische Vereinbarung ab. Er gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß Italien und Belgien der Einladung zum Beitritt bereits gefolgt seien, und betonte, daß die Einladung sich nicht etwa auf die Lausanner einladenden Mächte beschränke, sondern auch für andere Staaten gelte. Sir John Simon erklärte, er sei überzeugt, daß die von Großbritannien inaugurierte Methode der Zusammenarbeit zu einer Stärkung dcs Völkerbundes führen werde und in diesem Rahmen insbesondere zu einer Vertiefung der Arbeiten der Europäischen Studienkommission, deren Begründer Briand sicherlich als einen neuen Schritt zu einer europäischen Zusammenarbeit begrüßt haben würde. Der Vertreter Frankreichs, M a s s i g l i, erklärte, daß er sich den Erklärungen des englischen Außenministers voll und ganz ansch ließ e. Der Wahlkampf. Batas Flugzeugabsturz. Hitler spricht in Tilsit. Volksgemeinschaft durch Nationalismus und Lozialismns. Tilsit. 15.3uli. (511.) Adolf Hitler begann seine große Propagandareise durch Deutschland am Freitag im äußersten Nord- osten des Reiches, in T i l s i t. Hier sprach er vor einer großen Menschenmenge, die von nationalsozialistischer Seite mit 40 000 angegeben wird. Die gan^e Stadt Tilsit, die schon vom frühen Morgen im -Zeichen dieser Kundgebung stand, war auf den Deinen. Am Nachmittag hatten Geschäftsleute in erheblicher Zahl ihre Läden geschlossen. Hitler führte in seiner Rede u. a. aus, daß er über die letzten sechs Wochen nicht sprechen wolle, daß überlasse er den Leuten mit dem kurzen Blick. Man müsse das Verbrechen der letzten 13 Jahre diskutieren. Während das deutsche Vaterland in Grund und Boden gewirtschaftet worden sei, und während alle Organisationen verschmelzen und verfielen, sei die gewaltige Bewegung der NSDAP, entstanden. Immer hätten die Gegner gehofft, die Bewegung würde gleich wieder verfallen. Immer und immer wieder hätten sie betont, der Höhepunkt sei erreicht und doch hätte sich die Bewegung immer wieder verdoppelt. Jetzt wählen wir wieder und auch jetzt werde wieder der Tag kommen, wo die NSDAP, weiter wachse und einst auch der Tag, an dem sie sich verdoppelt habe. Das Wunder der Bewegung liege begründet in der klaren Zielsetzung: Volksgemeinschaft durch Nationalismus und Sozialismus, Ehre, Freiheit und Brot seien die Grundpfeiler des neuen Staates, den die NSDAP, wolle. Hitler, oft von brausendem Beifall unterbrochen, schloß mit einem Treuebekenntnis zu Volk und Staat. Um 19 Uhr fuhr er im Kraftwagen von Tilsit nach Gumbinnen. Or. Goebbels in Köln. Zur Verantwortung bereit, aber ohne jedes Kompromiß. Köln, 15. Juli. (ERB.) Die NSDAP, veranstaltete am Donnerstagabend auf der Radrennbahn in Köln-Riehl eine Wahlkundgebung, an der etwa 3000 Personen teilnahmen. Nach kurzen De- grühungsworten des Gauleiters Grohe führte Dr. Go e b b e l s u. a. aus, daß es jetzt endlich an der Zeit sei, mit dem Novembersystem Schluß zu machen, das deu deutschen Mittelstand zugrunde gerichtet, den Dauern von seiner Scholle getrieben und die Arbeitslosigkeit ins ungemessene gesteigert habe. Nicht nur die früheren Regierungen hätten mit falschen Methoden gearbeitet, sondern auch das Kabinett Papen habe enttäuscht, und zwar außenpolitisch durch sein Verhalten in Lausanne. Innenpolitisch sei die Unentschlossenheit der jetzigen Regierung gegen den blutigen Terror zu tadeln. Zu dem bevorstehenden Wahlkampf übergehend betonte Dr. Goebbels, daß der 31. Juli zwischen den beiden Fronten, den Nationalsozialisten einerseits und allen anderen Parteien andererseits, eine klare Entscheidung bringen müsse. Die Nationalsozialisten seien zur Uebernahme der Verantwortung bereit, aber sie würden eine Politik ohne jedes Kompromiß und nur nach nationalen Grundsätzen machen. Zentrumsprotest bei Hindenburg Berlin, 15. Juli. (TU.) Die Zentrumspartei hat in einem Telegramm an den Reichspräsidenten Protest gegen den „Angriff" erhoben, der in seiner Nummer vom 14. Juli aus Anlaß der Verweigerung des kirchlichen Degräb- nisses eines SA.-Mannes durch den katholischen Geistlichen in Dernau bei Berlin die katholische Kirche und die Zentrumspartei angegriffen habe. In einem Schreiben an den Reichsinnenmini st e r wird außerdem schärfste Verwahrung gegen die Ausartung des politischen Kampfes eingelegt und die Forderungen, die in dem Telegramm an den Reichspräsidenten enthalten sind, wiederholt. In dem Telegramm wird zunächst festgestellt, daß der Kaplan bei der Verweigerung des kirchlichen Begräbnisses des SA.-Mannes in Heber» einstimmung mit den Weisungen seiner bischöflichen Behörde vollkommen korrekt gehandelt habe. Dann heißt es in dem Telegramm weiter: „Gegen diese ungeheuerlichen Beschimpfungen der katholischen Kirche und ihrer Priester durch die Nationalsozialisten erheben wir allerschärfsten Protest. Sie bedeuten eine ernsthafte Bedrohung der durch die Verfassung garantierten Rechte der katholischen Kirche. Die Zentrumspartei erwartet von Ihnen, Herr Reichspräsident, derartigen unerhörten Schmähungen, die eine ernsthafte Gefährdung des konfessionellen Friedens darstellen, ein Ziel zu sehen und die der Kirche verfassungsmäßig verbürgten Rechte zu sichern. Die Zentrumspartei protestiert auch gegen die übrigen Anwürfe, die vom „Angriff" gegen sie selbst erhoben werden. Der „Angriff" behauptet: „Die Zentrumspartei kann sich würdig an die Seite der bolschewistischen Henkersknechte und Massenmörder stellen." Diese niedrige und grobe Verleumdung weisen wir auf das schärfste zurück. Die Zentrumspartei hat in jahrzehntelanger, treuer Aufbauarbeit Staat und Volk in aufopfernder Weise gedient. In der Beleidigung der Zentrumspartei erblicken wir eine Beleidigung auch Ihrer Person, da Sie, hochverehrter Herr Reichspräsident, mit den Stimmen der Zentrumsvartei gewählt find. Sie fordert, daß diesen ehrlosen und verrohenden Auswüchsen und Methoden des Wahlkampfes ein Ende gesetzt wird." iRabifolbenwfrofen und SpO. Berlin, 15. Juli. (END.) Der Radikaldemokratische Pressedienst teilt mit, daß die Reichsleitung derRadikaldemokratischenPar- tei ihre Landesverbände und Ortsgruppen angewiesen hat, alle Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen einzu stellen, bzw. rückgängig zu machen. Nachdem die Verhandlungen mit der SPD. wegen qualifizierter Listenverbindung gescheitert wären, sei die Parteileitung bereit gewesen, eigene Kandidaten aufzustellen und ihre Stimmen der Reichsliste der SPD. zuzuführen. Diese Regelung sei aber bei wesentlichen Mitgliederteilen im Lande auf Widerstand gestoßen. Die Reichsparteileitung gebe daher ihren Mitgliedern die Stimme frei und fordere auf, antifaschistisch zu wählen. Forderungen der polnischen Kohlenindustrie Warschau, 15. Juli. (CNB.) Der Rückgang der polnischen Kohlenausfuhr nachoen skandinavischen Staaten, der binnen einem Jahr auf die Hälfte gesunken ist, hat das polnische Kohlensyndikat veranlaßt, beim Handelsministerium eine Reihe grundsätzlicher Sortierungen zu stellen, um diesen Markt für Polen zu erhalten. Das Kohlensyndikat verlangt eine Herabsetzung des Eisenbahntarifes um 1 Zloty 20 Groschen pro Tonne, die A u f h e - b u n g der Arbeiterurlaube, die angesichts der herrschenden Kurzarbeit als Anachronismus angesehen werden, Ne Verlängerung der Arbeitswoche von 46 auf 48 Stunden. Oer Strandphotograph. Von Charlie Noellinghoff. Er dreht rasch nochmal am Objektiv — und findet, der Apparat steht schief, — und dann scheint er endlich zurechtgeseht, — und der Photograph ruft: „Jetzt!" Er hat aber Herrn Kloppe vergessen, — der bei jeder Gruppe dabei ist. — Und Herr Kloppe hat auf etwas gesessen, — das scheinbar ein rohes Ei ist! — (Besser gesagt, sowas A«hn- liches war es, — denn Kloppe springt auf, gesträubten Haares, — und säubert sein Badekostüm persönlich, — und findet solche taktlosen Scherze gewöhnlich!!!) — Und Mia, die mit Verwegenheit — auf dem Knie eines Grafen Platz genommen, ist plötzlich auf die Idee gekommen, — es gab ein« bessere Sitzgelegenheit, — in Gestalt des Strohhuts von Herrn Schulze! — Dem schlagen im Zorne sämtliche Pulse, — und weithin schallt ein heißer Protest. — Und endlich scheint die Gruppe richtig, — und der Photograph macht sich neuerlich wichtig, — dreht rasch nochmals in seinem Stativ — und findet, der Apparat steht immer noch schief! Inzwischen hat man staunend entdeckt, — daß der Legationsrat sein Gesicht versteckt! — Nun wär' daS an sich weiter kein Verlust, — denn Herr Rat ist kein Adonis, — sein Gesicht ist verbufft und leicht angeruht, — und, Gott mit dem, der mal sein Sohn is'! ... — Aber, immerhin: Gruppe ist Gruppe, und wenn schon, dann schnuppe! — Und es soll doch schließlich ein Andenken sein, — kurz: der Legationsrat muh rein! (Er wird sowieso wegen ew'ger Verneinung — von der öffentlichen Bademeinung — am ganzen grohen Badestrand — der Herr Negationsrat genannt ...) — Man nimmt ihm also die Flossen herunter, — seine Züge sind alles andere als munter, — denn er denkt: wird das Bild mal im Amte gesehen, — muh er gehen! ... — Nun scheint auch diese Störung vorbei, — der Photograph sagt, er zahle bis drei, — und Erregung auf allen Gesichtern dampft, — die älteren Semester werden verkrampft. — Der Photograph spielt nochmal Vogel Strauß, — versteckt den Kopf und kommt wieder raus — und schüttelt das Haupt und benimmt sich wie wilde — und brüllt: die Frau Lehmfuh sei nicht im Bilde! ... Nun wäre das weiter kein Schaden, — das sagt ein Blick auf Frau Lehrnfuhens Waden! — Aber wenn Frau Lehmfuh auch keine Puppe, — in diesem Fall ist das wirklich schnuppe, — denn: Gruppe ist Gruppe, und es soll doch 'ne schöne Erinnerung sein! — Um dieses löbliche Ziel zu erreichen, — müssen drei andre vom Platze Weichen, — und in des Photographen Sinne — ist Frau Lehmfuh nun drinne. — Nun scheint endlich der grohe Moment gekommen, — der Photograph hat wiederum Stellung genommen, — alles still, selbst Herrn Geheimrats Bart — ist zur Filz, säule erstarrt, — da schreit der Photograph erregt: — „Der Hund hat sich bewegt!" Es handelt sich nämlich um Ahoi, — so heißt heiht leider Marielous edler Barsoi, — ein Stammbäumling von neunzehn Wochen, — in bessren Kreisen „Barfoa" gesprochen. — Ahoi wird gestreichelt, gelobt und gekost, — nichts nützt — Ahoi bleibt erbost, — bis endlich jemand ein Mittel weih: — man bringt «ine Portion Vanille-Eis! — Die friht er mit Ruhe, so sind Barsois! ... Und endlich ist das Wunder geschehen: — die Gruppe scheint wie aus Stein zu stehen, — es rührt sich kein Busen, kein Auge blinzelt, — keiner spricht, nicht mal Ahoi winselt ... — Der Photograph ist von Glück beseelt — und hebt den Gummischlauch und zählt: — „Eins, zwei ... und ... ach du Schreck---die Sonne ist weg!!! ... Liebe, Schlangengift, Geschäft und Polizei. Wenn man Liebe, Schlangengift, Geschäft und Polizei addiert, ergibt die Summe e i n e n Heiratsschwindler. Es ist der 53 Jahre alte Walter Nehm, in der Praxis „Professor Neh- mora", von stattlichem Aeußern, gut konserviert und phantasiebegabt. Jener bessere ältere Herr, der für die Damen, die bereits wissen, daß Liebesglück nicht gleich Lebensglück ist, „richtig" ist. Die verlorene Jugend wird doppelt ausgewogen durch die solide Existenz. Professor Nehmora lernt eine Dame kennen, die Dame lernt ihn schätzen. Er gefiel und wollte nun geliebt werden. Ist man über die Fünfzig, spielt man keine Serenaden mehr unter dem Fenster, protzt nicht mehr mit Jugend und Temperament, sondern mit der Vergangenheit. Professor Nehmora jedenfalls hielt es so. Die Nüchternheit seiner gegenwärtigen 53 Jahre ersetzte er durch die Romantik seiner Vergangen- heit. Er war einmal in Indien. Was er dort getrieben hat, ist nebensächlich. Er kam nach Deutsch- Die Trümmer des Flugzeuges, mit dem der tschechische Schuhkönig über seinem Privatflugplatz Dtro- kowitz tödlich abstürzte, als er zu einer Geschäftsreise nach der Schweiz aufgestiegen war. M 4? 'M _ if 7 '" ;•? ' Schwere Unwetter in Deutschland. Wolkenbrüche und Lleberschwemmungen. - Allenthalben Blitzschäden. Nordbayern: Hof, 15.Juli. (WTB.) Gestern in den frühen Nachmittagsstunden ging ein schweres Unwetter über Hof und Umgebung nieder. Besonders in der Gegend von Hirschberg war das Unwetter sehr heftig, wo ein wolkenbruchartiger Regen nie b erging, der die kleinen Bäche zu reißenden Strömen verwandelte. Bäume wurden entwurzelt und Brücken weggeschwemmt. In Hirschberg brachen einige Betonbrücken zusammen. Die Zugverbindung mit Hof ist unterbrochen. Das Postauto Hirschberg—Hof, das um 12.05 Uhr Hirschberg verließ, hatte gerade eine Brücke passiert, als diese einstürzte. Aus dem Bezirk Raila wurden nicht weniger als vier Feuer Lurch Blitzschlag gemeldet. Ueber Rehau entlud sich das Gewitter, begleitet von Hagelschlag, über eine Stunde lang. Der Wasserspiegel der Schweßnitz stieg in einer Stunde um 1,30 Meter. Die ganze Stadt Rehau gleicht einem See. Das Pflaster wurde aufgerissen und der Sand fortgeschwemmt. In Siegmundsgrün zündete der Blitz und äscherte Wohnhaus, Scheune und Stallung, sowie zwei Schuppen ein. Der durch das Unwetter angerichtete Sch ad en ist unermeßlich. * Coburg, 15. Juli. (WTB.) Ein schweres Unwetter entlud sich gestern nachmittag zwei Stunden lang über Ort und Flur Mechenbach bei Coburg. Große Wassermengen drangen in die Keller und Ställe ein. Die Einwohnerschaft mußte Dämme bauen, um das Bieh vor dem Ertrinken zu retten. Die Getreideernte h a t schwer gelitten. Gegenüber der Bahnhaltestelle .wurde ein Stück Steilhang ins Rutschen gebracht, so daß durch Erdmassen der Verkehr auf der Landstraße Bamberg— Coburg unterbrochen war. Er mußte über den Ladesteg des Bahnhofs gelegt werden. Im benachbarten Steppach riß die Starkstromleitung. Der Unfall wurde jedoch rechtzeitig bemerkt, so daß Menschen und Tiere nicht in Gefahr kamen. Auch in anderen Teilen des Jtzgrundes wurde großer Schaden angerichtet. Thüringen: Gera, 15. Juli. (WTB.) In der vergangenen Nacht ging ein heftiges Unwetter über ganz Thüringen nieder. Der Schaden an den Grundstücken sowie der Verlust an weggeschwemmtem Vieh, landwirtschaftlichen Maschinen, Wagen und Hausgeräten ist sehr beträchtlich. Der Bahndamm der Strecke Gera—Weimar ist zerstört. Ein Güterzug entgleiste. Lausitz: Zittau, 15. Juli. (WTB.) Von heftigen Gewittern, die von wolkenbruchartigen Regengüssen begleitet waren, wurden gestern abend große Teile der sächsischen und preußischen Lausitz heimgesucht. Die Schäden, die die Wassermassen auf Feldern und Fluren sowie an Gebäuden und Straßen an- gerichtet haben, sind vorläufig noch nicht zu übersehen. Die Staatsstraßen Löbau—Zittau und Löbau—Görlitz mußten wegen der außerordentlichen Verwüstungen gesperrt werden. Die Telefon- und Telegrafenverbindungen nach zahlreichen Orten waren heute früh u n - terbrodjen. Auch die Bahnverbindung Herrnhut—Bernstadt ist unterbrochen. Noch in der Nacht wurden Teile des in Löbau liegenden 'Ausbildungsbataillons des Infanterieregiments 10 «zu Hilfeleistungen und Aufräumungsarbeiten eingesetzt. Zwei Arbeiter vom Blitz erschlagen. G l o g a u , 15. Juli. (WTB.) Bei den schweren Gewittern, die am Donnerstagabend im Kreise Glo- gau niedergingen, wurden in Altstrunz zwei Arbeiter vom Blitze getötet. Ostpreußen: Osterode (Ostpreußen), 15. Juli. (WTB.) Bei einem Gewitter, dessen wolkenbruchartiger Regen in der Stadt Osterode zahlreiche Keller überschwemmte und im Kreise Ollerode mehrere Brücken wegriß, wurdenüuf dem Lande durch Blitzschlag ein Erwachsener uno zwei Kinder getötet. land zurück und legte sich auf das lukrative Gewerbe des Heiratsschwindels. Wenn es gatt, über das Herz der Auserkorenen Zugang zum Portemonnaie zu gewinnen, ließ er seine indischen Erlebnisse spielen: Professor in Kalkutta. Spezialgebiet Erforschung des Schlangengiftes. Gegenwärtig Urlaubsreife in die Heimat. Sehnsucht nach der deutschen Frau, die trauliches Heim bereiten kann. Sehnsucht nach deutschem Familienidyll in tropischen Gluten, traulichen Lampenstunden hinter Moskitonetzen. Eigentlicher Zweck der llrlaubsreise, ersehnte Lebensgefährtin zu gewinnen. Er gewann sie alle, die er für geeignet befand und erwies sich zwar nicht als ein besonderer Kenner der Schlangengifte, aber als ein Kenner jenes süßen Giftes, das spröde Mädchenherzen erweicht. War es so weit, dann geriet der Herr Professor in eine Verlegenheit, die erwarteten Honorare von der Universität blieben aus, pumpte, pumpte, pumpte, bis das Portemonnaie der zukünftigen Frau Professor ausgepumpt war. Dann kam die Polizei. Sollte aber der Professor sich in ein vergittertes Laboratorium zurückziehen, dann litt er an der Wirkung von Schlangenbissen aus früherer Zeit. Er wurde krank und haft- unfähig. Einmal begab er sich ins Krankenhaus, wo Schwestern ihn betreuten. Krankenschwestern haben auch ein Mädchenherz. Und während er sich von den Nachwirkungen des Schlangengiftes kurieren lieh, vergiftete er feine Pflegerinnen, denen er von feinen weiten Reisen, seinen über die ganze Erde reichenden Beziehungen erzählte. Nebenbei ließ er durchblicken, daß in Deutschland immerhin die Gefahr einer neuen Inflation bestände, er aber in der Lage sei, Geld im Ausland sicher anzulegen. Die Schwestern gaben ihm ihre Ersparnisse und diese Ersparnisse wirkten auf den Patienten heilender als das Serum der Aerzte. Er war sofort gesund und flog ins Weite. Die Polizei hat ihm nun erneut die Flügel beschnitten und ihn festgenommen. Oie Zulus und der Tonfilm. Obwohl die Zulus schon seit langem der englischen Verwaltung unterstehen, ist ihre Zivilisie- rung bisher doch nur in beschränktem Maße gelungen. Wenn sie auch die gefährlichen Speere vielfach mit der Pflugschar vertauscht haben, so tragen sie doch noch immer ihr Schwirrholz und den mit Kuhhaut bezogenen Schild: sie vertauschen ihr Rindvieh gegen Frauen und zeigen die beneidenswerte Kraft und Schönheit ihres Körpers in ausgiebiger Weis«hit, das) bte Ritteräe; SsS KL'S rSs iflSi* er vo» ,^r < w« ’6t KS errsch'b un, cine jSs Aus der Provinzialhauptstadl. Gießen, den 16. 3ult 1932. Gerüchte gehen um ... Es gibt Leute, die ein Interesse daran haben, ihre Umwelt in Aufregung zu versehen: eS gibt auch solche, die gern schlauer erscheinen wollen als ihre Umgebung, die sich wichtig machen wollen. Sie alle mischen - absichtlich oder unabsichtlich — Wahres mit Falschem und bringen es mit ihren Reden, Schriften und sonstigen Aeusterungen in Umlauf. So entstehen die vielen falschen Gerüchte, die gerade in der Gegenwart einen guten Boden haben, denn leichter als bei ausgeglichenen Verhältnissen sind die Menschen in Zeiten der Not zu beunruhigen: sie sind empfänglich für Gerüchte .aufregende Nachrichten und geheimnisvolle Flüstereien und Andeutungen. Falsche Gerüchte sind hartnäckig, ihr Inhalt mag noch so falsch und dumm sein. Aber sie haben glücklicherweise einen Feind, gegen den sie immer verlieren: die Sprache der Erfahrung und der Tatsachen. Das gilt auch für Gerüchte über die Währung. Falsche-Gerüchte hinsichtlich der deutschen Währung sind eigentlich im Umlauf, solange wir unsere stabilisierte Währung haben, also seit bald zehn Iahren. Wie zahlreich und eindringlich sind Gerüchte über die Währung insbesondere im vorigen Iahr gewesen. Die Währung aber ist allen Gerüchtemachern und falschen Projekten zum Trotz stabil geblieben. Diejenigen waren die Dummen, die sich zur .Flucht in die Sachwerte" und anderen Fehler haben beeinflussen lassen. Erfreulicherweise hat das Publikum doch aus der Vergangenheit gelernt und verhält sich jetzt ablehnender gegen Währungsgerüchte und sonstige Redereien. Aber da immer noch hier und da Zweifel bestehen und Gerüchte verbreitet sind, so ist es erfreulich, das; die vcrantwortlicherl Stellen in letzter Zeit wieder ausdrücklich betont haben, daß sie j jedes Währungsexperiment und jede Inflations» Politik ablehnen. Sowohl die Reichsregierung wie auch die für die deutsche Währungspolitik verantwortliche Reichsbank haben solche Erklärungen abgegeben. Und auch der frühere Reichsbankprä- sident Dr. Schacht hat kürzlich in einer Rede ausdrücklich erklärt, daß die deutsche Währung stabil sei. GA.-Aufmarsch in Gießen. Wie die Kreisleitung Gießen der NSDAP, uns mitteilt, trifft sich am Sonntag, 24. Juli, die g e - samteSA. derStandartellbinGießen. Man rechnet mit einem Aufmarsch von weit über 3000 Mann. Am Nachmittag wird ein Propagandamarsch durch die Stadt zur Bolkshalle stattfinden. Um 20.30 Uhr spricht in der Bolkshalle der Gauleiter von Hessen, Landtagsabg. Lenz. Weitere Hauptredner sind in Aussicht genommen. Eintrittskarten für die Kundgebung in der Bolkshalle sind irn Vorverkauf vorn nächsten Montag, 14 Uhr ab, im Buchloden der NSDAP., Seltersweg, zu haben. Die Eintrittspreise sind sehr niedrig auf 50 Pf. für den Sitzplatz und 20 Pf. für den Stehplatz festgesetzt worden. Näheres wird in den nächsten lagen , im Anzeigenteil noch bekanntgegeben. Ein prefseprozeß vor dem Amtsgericht Gießen. Jin Prioatklageoerfahren stand gestern eine durch die Presse begangene Beleidigung im Sinne der Paragraphen 185, 186, 200 StGB, zur Verhandlung. Der Beschuldigte, Redakteur B. der „O b e r h e s s i - schen Volkszeitun g", wurde einer solchen für schuldig befunden und in eine Geldstrafe von ö 0 Mark, die im Falle der Uneinbringlichkeit mit 10 Tagen Gefängnis zu verbüßen ist, und in die Kosten des Verfahrens, einschließlich der dem Privatkläger erwachsenen notwendigen Auslagen, verurteilt. Auch wurde dem Beleidigten, Tierarzt Dr. H. in Allendorf (Lumda) die Befugnis zugesprochen, den Urteilstenor innerhalb 2 Wochen nach Zustellung je einmal im „Gießener Anzeiger" und in der „Ober hessischen Vvlkszeitu-ng" auf Kosten des Beschuldigten zu veröffentlichen. Der Verhandlung lag folgender Tatbestand zugrunde: In einer Sitzung des hiesigen Kreisaus- fchufses war vorgebracht worden, daß eine auswär tige Firma Fleijchmehl von der Kreisabdeckerei des Kreises Gießen kaufe und dieses zu einem dreifach höheren Preise mit Unterstützung eines Tierarztes aus Oberhessen an Landwirte vertreibe. Der Kreis- ausschuß hotte Veranlassung genommen, auf dieses angebliche Geschäftsgebaren die Landwirte zwecks Vermeidung jeglichen Zwischenhandels und 3we(fs unmittelbaren Kaufs ihres Bedarfs bei der Kreisabdeckerei in geeigneter Weise, namentlich durch Zeitungen, aufmerksam zu machen. Zu den Zeitungen, die den einschlägigen Artikel brachten, gehörte auch die „Oberhessische Volkszeitung". Diese ergänzte den Artikel durch eigene Zusätze und behauptete u. a., der betr. Tierarzt sei der Privatkläger, die biedere Firma habe sicherlich gute Beziehungen zu der Nazi- portei, denn wie könne es sonst kommen, daß sie I ausgerechnet auf den Nazikreisleiter als Helfer bei dem Geschäft verfalle, dieser reise mit der Firma umher und drehe den leichtgläubigen Dauern das Fleischmehl zu einem enormen Preise an und dergleichen mehr. Der Privatkläger, der ehrenamtlicher Kreisleiter der NSDAP, in Gießen ist, hatte mit der ganzen Sache nicht das geringste zu tun und benachrichtigte sofort die Redaktion davon. Diese widerrief alsbald in ihrer Zeitung den einschlägigen Artikel als auf einer Personen- verwechselui^ beruhend, insoweit er Dr. H. betraf. Dr. H. fand mit Rücksicht auf die Schwere der ohne jede Nachprüfung in die Welt posaunte Ehrenkränkung eine bloße Berichtigung als Sühne nicht ausreichend, und er verlangte Bestrafung des Beschuldigten, der die ihm als Redakteur obliegende Erkundigungspflicht gröblich verletzt hatte. , Die Erkundigungen, die er nach Aufnahme des | Artikels eingezogen hat, hätte er auch schon I vorher mit dem gleichen Erfolg einziehen können I und müssen. Immerhin schien Milde angebracht. Taten für Samstag, 16. Juli. 622: Flucht Mohammeds von Mekka noch Medina: I Beginn der mohammedanischen Zeitrechnung. — | 1216: Papst Innozenz III. geft., Einführung der Inquisition, Ketzerverfolgung, Ohrenbeichte. — 1834: I Der Großkaufmann und Kolonisator Franz Adolf ! Eduard Lüderitz in Bremen geb. — 1872: Der norwegische Polarforscher Roald Amundsen in Börse ' geb. — 1890: Der Dichter Gottfried Keller in Zürich gestorben. ** Kündigungsmöglichkeit für hoch- , -verzinsliche Hypotheken erstmaligab 1. Juli 1932. In den vom Bucherrevisor und Wirt- fchaftsprüfer Hermann Will zu Gießen heraus- gegebenen „Aktuellen Steuersachen" (Rundschreiben Nr. 14) lesen wir: Nach § 247 BGB. kann bekannt- lich jeder Schuldner, der einen höheren Zinssatz als 6 v.H. für Da» Jahr für seine Schuld zugesagt hat, nach Ablauf von sechs Monaten das Kapital unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten kündigen. Diese Bestimmung war bis vor kurzem außer Kraft. Erst die Notverordnung vom 8. Dezember 1931 setzte diese Vorschrift wieder in Geltung. Danach trat die Möglichkeit der Kündigung gemäß § 247 mit dem 1. Januar 1932 wieder ein, und da bcr § 247 nun bestimmt, daß eine Kündigung erst nach Ablauf von sechs Monaten erfolgen kann, konnte der Schuldner erstmalig am l.Juli 1932 unter Ein- Haltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten kündigen. Das Recht ist auch sehr wichtig für alle Grundstückseigentümer, die von Pfanbbriefbanken hochverzinsliche Hypotheken ausgenommen und jetzt durch die Notverordnung das Recht erhalten haben, das Darlehen in Pfandbriefen, die ja bekanntlich weit unter pari stehen, zurückzahlen zu können. Voraussetzung dafür ist immer, daß der derzeitige Zinssatz mehr als 6 v.H. beträgt. Tilgungsquoten gehören nicht zum Zinssatz^ ** Kaplan wremm nach Worms versetzt. Kaplan Martin .Gremm, der bekannte Geistliche der Katholischen Kirchengemeinde unserer Stadt, ist mit Wirkung vom 25. Juli ab an den Dom zu Worms versetzt worden. Diese Versetzung bedeutet für den Geistlichen eine Auszeichnung. Kaplan Gremm erfreut sich in Gießen und in der Katho- lischen Gemeinde großer Beliebtheit, sein Fortgang wird sehr bedauert. Besonders machte sich Kaplan Gremm auf dem Gebiete der Jugendpflege verdient. ** Eine Achtzigjähri g e. Frau Mathilde Orth, Witwe des Gießener Photographen Orth, wohnhaft Moltkestraße 20, konnte am 14. Juli ihren 80. Geburtstag feiern. ** Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet. ** Ferien des Kreisausschusses. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen hält während der Zeit vom 15. Juli bis 15. September Ferien. Während der Ferien können nur besonders eilige Sachen zur Verhandlung kommen. Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen sind die Ferien ohne Einfluß. ** Festzug der Landsmannschaft E h a 11 i a. Anläßlich des 50. Stiftungsfestes der Landsmannschaft Ehattia findet am morgigen Sonntag, 17. Juli, um 12 Uhr ein Festzug statt, bei dem die Teilnehmer am Festakt vom Hause der Landsmannschaft zur Neuen Aula der Universität marschieren wird. Die Ausstellung des Zuges erfolgt in der Georg-Philipp-Gail-Straße, der Weg führt durch die Licher Straße, Kaiserallee, Ludwigsplatz, Gartenstraße, Südanlage, Bleichstraße, Ludwigstraße. ** Pedeloerkehr der Butzbach-Licher Bahn zur Rosenschau in Steinfurth. Man schreibt uns: Aus Anlaß der morgigen Rosen- schau in Steinfurth wird von der Butzbach-Licher Eisenbahn am Sonntag, 17. Juli, zwischen Bad-Nauheim und Steinfurth in dichter Zugfolge ein Pendelverkehr eingerichtet werden. Besucher der Rosenschau, die mit den ReiHsbahnzügen in Bad-Nauheim ein- treffen, haben möglichst sofort Anschluß nach Steinfurth: sic können außerdem jederzeit nach Bad-Nau- heim zurückfahren. •• Schweinezählung am 1. September. Aus Anordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft finder im Einvernehmen mit den Landesregierungen am 1.September die nächste Zählung der Schweine und der nicht beschaupflichtigen Hausschlachtungen an Schweinen in den vorhergehenden drei Monaten statt. Die schweinehaltenden Landwirte selbst haben das- größte Interesse Daran, dah die gestellten Fragen in richtiger und vollständiger Weise beantwortet werden. Dafür wird ihnen auf der anderen Seite die unbedingte Sicherheit gewährleistet, daß ihre statistischen Angaben geheimgehalten werden und keinesfalls zu steuerlichen Zwecken Verwendung finden. Die Srantfurfer Wirtschaft gegen die Demonstrationen. WSN. Frankfurt a. M., 15. Juli. Die Arbeitsgemeinschaft Frankfurter Wirtschoftsverbände hat sich in einer Eingabe an ben Polizeipräsidenten gewandt und um Schutz vor politischen Demonstrationen und Ausschreitun- gen nachgesucht. Sie weist im Namen Der gesamten Frankfurter Wirtschaft darauf hin, welche Schä- ben s i ch bereits ergeben haben, unb daß gerade in der Zeit ber Wirtschaftskrise es notwendig ist, sowohl ben Geschäftsmann als auch das Publikum zu schützen. Oer Friedberger Voranschlag verabschiedet. WSN. F r i e b b e r g , 15. Juli. Der hiesige Stadt- rat Hai in seiner gestrigen Sitzung ben Voranschlag für 1932, ber mit einem ungeberften Fehlbe - tragvonl41 652Mark abschließt, gegen eine Stimme angenommen. Die Annahme erfolgte mit Ausnahme ber in Aussicht genommenen Erhöhung der Realsteuern. Nach ber gegenwärtigen Sachlage ist nun mit ber Erhöhung einzelner Real- steuern durch Entscheid b e s Bürger- m e i ft e r s zu rechnen. Fahnen und Waffensaal im Marburger Kunstinstitut. WSN. Marburg, 15. Iuli. Im Iubi- läums-Kunstinstitut der hiesigen Universität, das bekanntlich schon Räume für kirchliche Kunst und bürgerliches Kunstgewerbe birgt, ist jetzt auch ein Fahnen - und Wassens aal eingerichtet worben, in dem militärische Denkwürdigkeiten des Hessenlandes auf» gestellt sind. So erblickt man u. a. mittelalterliche Schwerter, Hellebarden, Armbruste, Gewehre, Musikinstrumente und llniformstücke aller Art. Unter den Fahnen ist besonders bemerkenswert eine kurmainzische Fahne aus dem 18 Iahrhunoert. Alte Iagdwaffen und Altertümer aus den Anfängen der Post vervollständigen die von Museumsleiter Dr. Kippenberger in die Wege geleitete Sammlung, die den Freunden hessischer Geschichte reiche Anregung und Belehrung bietet. Rheinhessen. WSN Mainz, 15. Juli. Die Ersten Arbeiten .zur Aufschlitzung des Mainzer Tunnels haben begonnen. Für die Erbbewegung bient ein mächtiger Bagger, ber über 1000 Kubikmeter Erbe bei achtstündiger Tätigkeit aushebt. Insgesamt sind 130000 Kubikmeter Erde abzu- transportieren. Der Tunnel wird in 300 Meter Länge aufgeschlitzt. Die lichte Hohe des Tunnels beträgt etwa sechs Meter, |o daß etwa 18 bis 20 Meter hoch Erde über dem Tunnelschacht liegen. Frankfurt in Erwartung der Sanger. F r a n k f u r t a. M., 15. Juli. (WSN.) Die 40 000 Sanger unb 100 000 sonstigen Gäste, bie man zum XL Deutschen Sängerbunbessest in Frankfurt a. M. erwartet, werben nicht nur Spitzenleistungen beut- schen Männergesanges unb bie «chonheitea Frankfurts unb (einer Umgebung genießen, fonbern sie werben auch überrascht sein über bie Reichhaltigkeit, mit ber bie Festleitung aus bem Gebiete bcr Unterhaltung aufwarten wirb. Schon am heutigen Samstag erfahrt das Bunbessängerfest mit ber Eröffnung bes Festgelänbes hinter ber Festhalle seinen Auftakt. Unter Mitwirkung bcr bekannten Firma Hugo Haase ist hier ein Vergnügungspark geschaffen worden, ber zwar ben Zeitverhältnissen ent- sprechenb nicht überwältigend, aber immerhin reichhaltig genug ist, um den Festbesuchern eine Fülle von Unterhaltung zu bieten. Dazwischen laben große Restaurationsräume zum Verweilen ein. Die Bheingauer winzcrgenosscnfchaft hat eine große Rheingauer werbeschänke errichtet, in bcr bie erlesensten Weine des Rheingaues zu billigen Preisen krebenzt werben. Eine große Anziehungskraft wirb auch bie F e st h a 11 e Ober- b a i) e r n ausüben, bie Platz für 12 000 Personen bietet. Mit welchen Bierumsatzen man hier rechnet, geht daraus hervor, daß die Waggons auf besonderem Gleis bis in die Halle hineingefahren werben. Ochsen- unb Hühnerbraterei bayrische Originalkapellen, Jodler usw. sorgen dafür, baß sich hier ein Stück echt bäurischen Lebens entwickelt. Natürlich fehlen auch nicht die Hallen, die bem Frankfurter National- getränt, bem Aepfelwein, gewidmet sind. Sängercaf