Rr.64 frlfesWf t82. Zahrgang Mittwoch, 16. März 1952 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertags. Beilagen; Die Illustrierte Wietzener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monat» Bezngrprei»; Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Iustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlbsie unter Sammelnummer 2251. 'Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gieße«. Postscheckkonto: Sronffun am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Vberhesfen dnttk wnb Verlag: vrSHI'fche vmverßtülr.vAch' eit ZteiU-nlckerei B. Lange in Siehe«. Zchnftieitnng und SeschSstrftelle: Zchnlfkrahe 7. Annahme wn Anzeigen für die Tagesnummer bis jum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm HSHe für Anzeigen von 27 rnm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrist 20' , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Voütik I)r. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton llr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Die Welt aus der Genfer Perspektive. Außenpolitische Umschau. Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin. Genf, 8. März 1932. •J'afj die Epoche plötzlich verschiedenen 2 riand schon vorbei war. zeigte sich am besten, alS Paul "PpncDur» Erwähnung diese« Ramen« in seiner Eröffnungsrede gar leinen Widerhall in der Dolkerbundsversammlung fand. 3n Resignation ist dieses Leben auSgeklungen: Briand wollte ehrlich den Frieden, aber zugleich auch die O rdnu ng v on Dersai l leS un- geändert erhalten, und an diesem Widersprach zerbrach sein politisches Leben. Trotzdem ist Frankreich mit Recht von seinem Tode erschüttert. Richt nur die Linke, für deren Wahllanipf dieser Todesfall ein nicht zu verwindender Schlag ist. sondern da« ganze Land, zu dessen groben Staatsmännern Briand gehörte Und e« scheint, al« gehe auch sein politischer Stil mit ihm dahin. Die Männer de r ^n e u e n S a ch l i chk e i t", deren Typ Tardieu ist, lösen ihn bcwutzt auch in diesem Wesenszuge ab. Ganz von selbst dachte man bei der Rachricht in Gens an &a« Wort de« Toten bei den Verhandlungen um den chinesisch-japanischen Konflikt im vorigen Jahr: „Solange ich hier an dieser Stelle stehe gibt es keinen Krieg!" Allmählich merkt man doch auch weiterhin in Europa, welch höllisch-ernste Sache da drauhen im Fernen Osten im letzten September ihren Anfang nahm. Desteht der Völkerbund die Probe, die größte, die ihm bisher gestellt ist? Rlan must anerkennen, daß schon die äußeren ilmftänbc da« sehr erschweren. Tausende von Kilometer ist der Schauplatz entfernt, um den e« sich dreht! Welch eine Konfusion schon in den chinesischen Ortsnamen die zur Debatte stehen! Wie der Kontrolle entzogen alle«. wa« über Waffenstillstand und dergleichen berichtet wird! Und diese tinburd)- sichtigkeit wird von den Japanerin absichtlich gesteigert und aufrechterhalten, deren offenbar zweideutige Haltung sich der Versammlung doch sehr auidrangi Di« Eröffnungsrede Paul Voncours, deren Veredsamleit sowieso schwer erträglich ist. wirkte einfach peinlich und darum gatu und gar nicht wie der Redner wollte. Er plädierte wie ein Rechtsanwalt dafür, dah der Völkerbund eigentlich bisher alles geleistet habe, um den Fernöstlichen Konflikt zu beschworen, überzeugte damit niemand, und in der ganzen ErössnungS- versammlung war wohl auch niemand, dem diese Ausführungen nicht einfach wie Ausflüchte vorkamen. Das waren sic ja auch! Mit der Regie, in der man in Genf Meister ist und an der man auch zugrunde gehen wird, wurde die Versammlung in eine allgemeine Kommission umgebildet, was nach der Delchäftsordnung durchaus möglich ist. wie im englischen Parlament, wo auch jederzeit da« Plenum sich in das Hau» „in commitce“ verwandeln kann. Wenn c« notwendigist, ist aber die allgemeine Kommission in zehn Minuten wieder Vollversammlung. 3n Genf wirkt so etwas wie Mätzchen, außerhalb versteht man solche Finessen nicht und nimmt man sic erst recht nicht ernst. Aber den Genfer Routiniers ist die« Ma- । növvieren in Fleisch und Blut übergegangcn. Eröffnet wurde die Versammlung mit dem Bericht der bc i den P a r tei en. Man braucht gar nicht einseitig parteiisch zu sein, um zu sagen, daß der chinesische Bericht ungemein stark, an manchen Stellen beinahe erschütternd wirkte, überzeugend in den Rachweiscn, daß der Völkerbundpakt gebrochen sei und Japan einen Krieg begonnen habe. Der Japaner vermochte alles da« nicht zu entkräften. Man kann nun Japans Motive so gut verstehen wie nur möglich, wir empfinden seine Haltung geradezu als tragisch, weil wir d c n st a r k e n inneren Zwang zusei- n e r P o l i t i k verstehen und zugleich überzeugt sind, daß diese Politik weder in Schanghai noch auch mit der Mandschurei gewinnen kann, daß sie auf etwa« längere Sicht hinaus zum Scheite r n 0 c r u r t c i 11 ist. Aber wenn man nun einmal dem Völkerbund angehört und mit einem Völkerbundsmitglied in solchen Streit gerät, so kann man nicht mit kriegerischen Operationen und in WaffenstillstandSfragen und -Derhand.ungen fo umgehen, wie es Japan tut Cs hatte und bat den Vorteil, daß die Großmächte diese Unklarheit der Lage nur fördern. Keine von ihnen ergriff das Wort, die Debatte drohte sich überhaupt cmfach totzulaufen. ?a« haben nun die kleineren Staaten nicht zugelassen. an ihrer Spitze die Schweiz, deren Der- tretet Motta das vom Völkerbundsstandpunkt — unzweifelhafte Verdienst hatte, den Anstoß zu leben, der weiter wirkte. Wie start dafür ist Be- Deis. daß selbst Dr. Bcnesch in die gleiche Kerbe zu hauen für richtig hielt. Die europäischen Heiteren Staaten, auch Spanien, und de Südameri- kancr sprachen nun in gleicher Richtung, und wenn man überhaupt den Völkerbund ernst nimmt, fo kann man den Argumenten dieser Reden nicht ihr Recht bestreiten. Er spricht auch nur für sie. daß der Grieche P o I i t i s , eine der unerfreulichsten Zigureu in der ganzen Genfer Wett, — was hat er eigentlich noch mit der Politik Griechenland« m tun? — davon abbog. um Präsident der Ko m - Mission zu werden, die nun zunächst die Sache vertagen soll: d. h. sie soll gewiffermaßen den Völkerbund vertreten, im Ramen der Versamm- lung handeln, solange der Konflikt dauert. Dann ttottc man glücklich die Form gefunden, h^ber man den Pelz wäscht, ohne ihn nah zu nuDen. Oer Kampf um Preußen beginnt. Oer 24. April. Don unserer Berliner Redattion. Dte Reuwahlen in Preußen, die für die innerpolitische Entwickelung von sehr viel weittragenderer Bedeutung hnb al« die Präsidentenwahlen, sind nun endgültig auf den 24. April an- gesetzt, unserer Meinung etwas zu früh. E« hätte gar nicht« geschadet, wenn die preußische Regierung ihrer ursprünglichen Absicht folgend, bi« zum 8. Mai gewartet hätte. Aber irgendwie wollten die Regierungsparteien doch ihre Sondervorteile aus der Präsidentenwahl herausholen. Sie rechnen damit, daß gerade bei den Parteien der Opposition finanziell und physisch eine gewiss« Wahlmüdigkeit eintritt, daß infolgedessen die Stoßkraft gegen die Weimarer Koalition sehr viel geringer ist, je mehr die Preußenwahlen an den zweiten Wahlgang der Präsidentenwahl herangerückt werden. Am liebsten hätte man beides zusammengeworsen, um auch die falsche Frontstellung nrch für sich aus- zunuhen, di« durch die unglückliche Taktik der „Harzburger Opposition" entstanden war und ein Zusammengehen aller Oppositionsparteien. also einschließlich der bürgerlichen Mitte verhindert. Aber da« ließ sich zum Glück au« technischen Gründen nicht machen. So ist die Entscheidung dann auf den 24. April gefallen, der wenigsten« eine kurze Frist von vierzehn Tagen bietet, um die Linien neu zu ordnen und die Gefahr zu beseitigen, daß doch vielleicht die Präsidentenwahl sich wie eine Art Lebensversicherung für da« Kabinett Braun auswirken könnte. Wenn man die Zahlen des ersten Wahlgange« zugrunde legt, bann bedeuten sie unter allen Umständen einen katastrophalen Riedergang der Parteien, di« hinter der Regierung stehen. Deutfchnationale. Rationalsozialisten und Kommunisten haben allein mehr Stimmen aufgebracht, al« für Hindenburg abgegeben wurden. Dabei ist zu berücksichtigen. daß in den Hindenburgwählern auch iwch die Anhänger der bürgerlichen Mitte stecken, die noch einige Millionen betragen dürfen. Das Kabinett Braun wird also am 24. April geschlagen aus dem Wahlkampf zurückkom- men. Es fragt sich nut. ob der Erfolg der Opposition ausreicht, um ohne die Kommunisten eine regierungsfähige Mehrheit zu bilden. Die Hoffnung der Sozialdemokraten geht dahin, daß sie da« Erempel aus Hamburg und Hessen wiederholen können, daß cttso das Kabinett unmittelbar nach der Wahl zurück- tritt, um sich der Möglichkeit eines Mißtrauensvotum« zu entziehen, dann aber doch geschäftsführend Jahr und Tag am Ruder bleibt, weil «in neuer Ministerpräsident nicht gewählt werden kann. Ganz falsch ist diese Rechnung nicht, viel wird dabei vom Zentrum und von den Rationalsozialisten abhängen. Inzwischen hat die preußische Regierung den Wahlquotienten geändert. Sie halte ihn im September von 40 000 auf 60 000 heraufgeseht, um den Landtag, bet zahlenmäßig viel zu groß ist. zu verringern, mit Rücksicht aber auf bie Demokraten, bie Angst datum haben, daß sie die Mindestzahlen in einem einzigen Wahlkreis nicht aufbringen, ist der Quotient jetzt auf 50 000 festgesetzt Das bedeutet, unter der Voraussetzung einer gleichstarken Beteiligung wie bei der Prä- Das aber heißt, den Völkerbund vollends matt setzen in einer Verwicklung, die in einen großen Krieg treiben kann! Die Großmächte schwiegen! Auch als sie sich zu Erklärungen über die sog. Waffenstillstands- Verhandlungen, die keine fiiw, aufrafften, konnte das den bis dahin entstandenen Eindruck nicht abschwächen. Man wird da« Gefühl nicht los, daß französisch-japanische Verabredungen und wiederum englisch-japanische und englisch-sranzö- sische Bindungen, wenn auch in ganz loser Form, norbauben sind und hemmen. Damit aber vergrößert sich die Sorge nur. waS aus dem Konflikt werden kann. Hier bie Möglichkeiten bet großen japanisch-russischen Spannung, dort eine neue Mächtegrup- pietung. die an die Stelle der Gruppierung der Washingtoner Konferenz von 1922 träte und für die Amerika nicht ohne geheime« Unbehagen auf England. Englands Haltung zu Japan und zu Frankreich blickt. Amerika hat nun seinen Standpunkt recht bestimmt genommen. Der Brief des Staatssekretär« Stirnson an Senator Vorab vom 24. Februar — man muß ihn im Wortlaut lesen — ist ein seht wichtiges Schriftstück. Er legt die bekannten Grundsätze (offene Tür und Unverletzlichkeit be« chinesischen Staatsgebietes) erneut fest, desgleichen dessen neue Fassung im sog. Rcun- Mächte-Vertrag (den Deutschland mit unterzeichnet, aber bisher nicht ratifiziert hat), und fvricht unzweideutig au«, daß bie Verträge verletzt sinb. die heutige Lage nicht mit biefen Ver- tragsverpflichtungen zu vereinbaren ist unb daß Amerika «wie schon in bet Rote vom 7. Januar an Japan unb China gesagt ist) keine neue Lage, keine neue Regelung anerkennt, die diesen Verträgen widerspräche. Damit ist angedeutet, daß die Gruppierung der Washington-Konferenz sich auflöse ober sich aufgelöst habe und es werden neue Perspektiven eröffnet, bie von Japan nicht bamif abgetan werben tonnen, daß Amerika ja eine bewaffnete Intervention nicht in« Auge fassen werde, Unb darin stecken eben Die großen Gefah- sidentenwahl. doch wieder einen Landtag von ungefähr 450 Abgeordneten, so daß wir also auch weiterhin unter bet Hebersetzung des parlamentarischen Betriebes zu leiden haben werden. Die technischen Vorbereitungen. Bom 30. März bis 3. April liegen die Wählerlisten aus. "Berlin, 15. März. (TU) In einem Runderlaß des preußischen Innenministers wird einleitend auf den Beschluß des Ständigen Ausschusses des Land tages Bezug genommen, durch den als Tag für die Neuwahl des Preußischen Landtages der 2 4. A p r i I festgesetzt wird. In dem Runderlaß heißt es bann u. a. weiter: Die Wahlzeit dauert »on H Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags. Cs sei nicht beabsichttgt, eine Verkürzung der Wahlzeit, wie sie für den ersten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl zugelassen war, auch bei der Landlagswahl vorzunehmen. Die Wählerlisten sind in der Zeit vom 30. Marz bis 3. April zur allgemeinen Einsicht offen tl i d) aufzulegen. Bei der Kürze der bis zum Beginn der Auslegungssrifl zur Verfügung stehenden Zeit sind dieselben Wählerverzeichnisse zu benutzen, die der Reichspräsidentenwahl am 13. d. M. zugrundelagen. Mit Rücksicht daraus, daß die Frisl für die Auslegung der Wählerverzeichnisse in di« H a u p t u m zu g sze t t fallt, sind Wahlberechtigte, die bis zum Schluß der Auslegungszeit ihren Wohnort wechseln, im Wählerverzeichnis bet? Abzugsgemcinde zu streichen unb in Dem der Zuzugsgemeinde auszunehmen. Wahlderech- tigte, die erst nach Ablauf der Auslegungsfrisl ihren Wohnort verlegen, können nur auf Grund eines Wahlscheines wählen. Dem Stimmzettel wird das Muster zugrunde, gelegt, das bereits bei der Landtagswahl 1928 Der- wenoung gefunden hat. Heraufsetzung desWahlalters beantragt Berlin, 15. Mär; 3m preußischen Landtag halte die Fraktion der kvirtschaslsparlei im Dezember 1930 einen Gesetzentwurf vorgelegt, der daswahlaltetvon20auf2 5 3ahteher- auffetzen will. Die Wirtschaftspartri hat jetzt diesen Antrag wieder aufgenommen und wünscht, daß er am Mittwoch mit auf die Tagesordnung der Landtagssihung gesetzt wird. Gleichzeitig beantragt die Witlschastsparlei, den Wahlquotienten wieder aus 40000 festzusetzen. KleppersElatsredeimpreußischenLandlag Berlin, 15. März. (LDZ.) Der Preußische Landtag trat zu feiner zweiten Tagung zusammen. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Staatshaushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1932. Finanzmini st er Klepper weist darauf hin, daß die preußischen Haushalte bis zum Jahre 1930 ausgeglichen waren. Das Jahr 1930 brachte einen Fehlbetrag von rund 2 0 4 Millionen. Das Jahr 1931 dürfte mit einem solchen von insgesamt 2 4 5 Millionen Mark abschließen. Der Haushaltsplan für 1932 sei somit mit rund 449 Millionen Mark vorbelast et. 'Jladj den Schätzungen des Reichssinanzminislers werde der reine Staatsanteil an den Uederweisungs fteuern um rund 258 Millionen Mark geringer sein als im Vorjahre. Bei den Erträgnissen der Betriebsoer maltungen sein ein Rückgang um 31,9 Millionen Mark zu erwarten. Das Auskommen der Hauszins steuer, das 1930 noch 947,4 Millionen Mark betrug, (ei für 1932 auf 7 00 Millionen Mark veranschlagt worden. Die gesamte Einnahme- Verschlechterung betrage 376,4 Millionen Mark. Man habe davon absehen müssen, bie Fehlbeträge der Vorjahre in den Haushaltsplan für 1932 auf,511 nehmen. Der Haushaltsausgleich sei im wesentlichen auf der Ausgabenseite durch- geführt. Die Ersparnisse, die durch die Rotver- Ordnungen und andere Kürzungen erzielt wurden, betrugen 281,9 Millionen Mark. Da diese Ersparnisse noch nicht ausreichten, wurden a n f a ft a 11 c n Sonderhaus holten weitere einschneidende Abstriche vorgenommen, wobei noch etwa 92 Millionen eingespart werden konnten. Die Abschüißzahlen des Haushaltes lägen mit 3,1 Mil liarben Mark etwa } Milliarden unter denen des Vorjahres. Die Liebereignung ber preußischen Siedlungsbeteiligungen an bas Reich für den Preis von 100 Millionen M a r k ist nach Ansicht des Ministers für beibe Teile vertretbar. Der Ernst der Situation werbe am deutlichsten, wenn man die Staatsfinanzen im Zusammenhang mit den Finanzen der Gemeinden betrachte. Den Gemeinden sei das letzte Risiko des Arbeitsmarktes aufgebürdet, ohne daß sie dem die Einnahmen anpafsen könnten. E« bestehe die Gefahr, daß von den Gemeinden eine allgemeine Erschütterung ausginge. Es fei noch nie eine Wirtschaftskrise bur d) straffe Steuerpolitik verursacht und noch nie eine Konjunktur durch straffe Steuerpolitik verhindert worden. Dagegen zeige die Wirtschaftsgeschichte viele 'Beispiele dafür, daß eine in kritischer Zeit nachgiebig geführte Finanzpolitik zur Zerrritttung der Währung unb damit der Wirtschaft geführt habe. Ganz besonders zeigten sich Gefahren dieser Art, wenn die Finanzpolitik sich dazu verleiten lasse, durch Subventionen den Versuch zu machen, die Wirtschaft „anaufurbeln“. Heber die angekündigte Umfchul- dungsaktton hinaus müsse den Gemeinden da« Risiko der Erwerbslosenfursorgc abgenommen werden. Diese Lasten seien der Gesamtheit derer aufzucrlegen, die nicht von der Erwerbslosigkeit betroffen sind. Die StaatSsinanzpolitik habe druch den Ausgleich des Haushalte« eine Gesähr- dung von Währung und Wirtschaft zu vermeiden, die cs unmöglich machen würde, dic Frist bis zur Wirtschaftswende zu überstehen. Diese Aeber- zeugung gebe auch einer bewußt sozial fortschrittlich cingcftclltcn Regierung wie der preußischen Staatsregierung die innere Berechtigung zu der Härte ihrer gegenwärtigen Finanzpolitik. ren der Lage im Fernen Osten, die wie immer I wieder zu lagen ist. heute für die Welt größer sind al« jemals früher, weil dic Weltgeschicke so stark miteinander verbunden und weil in ihnen die Spannungen so groß sind. Mit dem Schluß der außerordentlichen Tagung fetzt auch die Arbeit und der Kamps der Abrüstungskonferenz wieder ein. Roch ist nichts Wesentliches oder gar Entscheidendes geschehen, im Dcrhandlungsprogroinm sind die deutschen Diskussionsansprüche gewahrt und vor Erledigung der Wahlen wird auch Ent- scheidendes nicht geschehen. Auf diese Wahlen richtet Tardieu mit Methodik und Zähigkeit feine Pläne, die er nun auch in anderer Richtung in Gang gebracht hat. Die französische Kammer hat am 5. März Die Anleihe an die Tschechoslowakei angenommen: 600 Mil- lioncn Franken auf 5 Jahre, garantiert durch die Einnahmen aus dem Tabakmonopol. Die Verhandlungen find sehr lange hingezögert worden, schwebten feit Rovember. Ihr Abschluß jetzt ist schon ein Stein im neuen Spiel Frankreichs für eine sog. wirtschaftliche Donaufödc- ration. Darunter denkt sich Tardieu eine beschränkte Zollunion der Donauländer mit Vorzugszöllen und Kontingenten, ohne Meistbegünstigungsklausel unb. wenn er könnte, ohne D c utschland. Aber alles das hat eine unmittelbar praktische Bedeutung nicht! Die.Agence Haoas" hat schon mittcilen müssen, daß es sich bei Tardieu« Genfer Unterhaltungen darüber nur erst um einen einfachen Ideenaustausch handle. Frankreich hat auch in Berlin eine Aufzeichnung über feine Meinungen zur Krise Südosteuropas überreichen, also erkennen lallen, daß eine belfere Wirtschaftsorganisation Südosteuropas ohne Deutschland gar nicht erreicht werden kann. Tardieu steht fett den ßonboncr Flottenpaktverhandlungen in guten Beziehungen zu Grandi und die fvftematische .Friedenspolitik, die Mussolini mit der Friedensbotschaft vom 1. Januar 1931 ernhälr, macht cs fernem AußenI Minister auch leicht, mit dem französischen Ministerpräsidenten Annäherungsmöglichkeitcn zu erörtern. Von da bis zu einem Flvttenpakk ist ein weiter Schritt, aber er ist wohl nicht qan^ unmöglich. Es hat sich doch seit dem vergeblichen Ringen darum im Frühjahr und Sommer 1930 allerlei verschoben. In Italien ist man bereitwilliger und in Frankreich ist cs d'.e Rechte auch, jedenfalls mehr als die Linie. So paßte auch das ganz gut in ein Tardieusches Wahlpro gramm; Verständigung mit Italien und gemeinsame Arbeit mit ihm in Südosteuropa Mindestens als Programm sieht es für den französischen Politiker im Wahlkampf ganz gut aus Aber das alles hat, abgesehen von den Kanonen. die in Schanghai donnern, und dem Feuer, das in Ostasien schwelt, im Grunde heute einen etwas unwirklichen (Sbarafter Denn noch niemals war tatsächlich die Außenpolitik Europas so von den inneren Verhältnissen abhängig wie heute. Mögen die Wahlen in Frankreich auch keinen großen Umschwung bringen. in jedem Falle bestimmen sie bis ins kleinste feine außenpolitische Haltung - siehe nicht nur Tardieu. sondern auch Herrivt And Deutschlands Situation im Lichte der Wahlen ist ja bekannt. Was daher jetzt draußen getan wird, ist technische Vorarbeit, Klärung der Standpunkte, Fragen des Dersohrcns. in denen ja sreilich stets auch fachlich Wichtiges steckt Tardieu mit seinem realistischen Sinn für positive Arbeit will offenbar schon mehr ankxchneii Ob daraus vor den Wahlen etwas werden könnte, ist zweifelhaft. Aber feit die beiden Vertreter. Tardieu und Radolny, in ihren Unterhaltungen die Dinge einmal angesaßt haben, ist doch das sofort wieder klar geworden, daß eS sich wieder um ein deutsch - französisches Spiel großen Stils handelt und mehr als je, weil England und mit ihm Italien heute so stehen wie sie es tun und weil Amerika nach feiner neuen Linie noch fo fehr sucht. Hindenburgs Sieg in Bayern. DerbayerlscheHindcnvurg-Ausschutz fordert zur Treue auch im zweiten Wahlgang auf. München, 15. März. (WTB.) Wie die Pressestelle des Hindenburg-Ausschusses für Bayern mitteilt, hat der erste Wahlgang der Reichspräsidentenwahl mit einem Siege Hindenburgs geendet, der so groß ist, daß er auch Hindenburgs treueste Anhänger überrascht hat. Es ist zwar tief traurig, daß dem deutschen Volk wegen eines halben Prozentes der abgegebenen Stimmen nochmals 4 Wochen Wahlkampf zugemutet werden müssen, aber es ist ebenso erhaben, daß dieses deutsche Volk in seinen b r e i t e st e n Schichten die Ehrfurcht vor der heroischen Gestalt Hindenburgs klar zum Ausdruck gebracht hat. Wenn alle, die die Treue gehalten haben, auch am 10. April treu bleiben, dann ist Hindenburg gewählt. Eine überwältigende Kundgebung des ganzen Volkes für Pflichttreue, Aufbauarbeit und Freiheit, das muß der Sinn des zweiten Hindcnburgs- sieges am 10. April werden. Oer „Stahlhelm" zur Reichsprafidenienwahl. Berlin, 16. März. (ERB.) In einer Stellungnahme des offiziellen Pressedienstes des Stahlhelm wird zum Ergebnis der Reichspräsi- dentenwahl u. a. erklärt: „Der Reichspräsident von Hindenburg hat am 13. März 18,5 Millionen Stimmen auf sich zu vereinigen vermocht. Bon der nächst höchsten Stimmcnziffer, der des nationalsozialistischen Parteiführers Hitler, trennen ihn mehr als 1 Millionen. 2ln der absoluten Mehrheit fehlen nur knappe 200 000 Stimmen. Mär sind nicht Demokraten und Formalisten genug, um zu bestreiten, daß damit Hindenburg praktisch den Sieg im Wahlkampf errungen hot. Ein zweiter Wahl gang könnte kein anderes Ergebnis zeitigen. Er ist damit, selbst wenn er aus formellen Gründen stattfinden muß, politisch bedeutungs- l o s geworden. W2 Mr, iguib S" -*4 p W X ur ch 6, jZ OvenrfR'i- Qaefirr. OMftt etdtcit ^weftij • Bestell «RtgtW ■* Schntt oQreuptirt «Nebel H «twit'tr^w.nditinc <>■' Xhr ItKhte» Oji g *»$$e »fene fliege* mit a-m winde. Pie vvde* Menonen stellende* Zielen geben die Temperatur »n. v e Limen verbinden Orte eii^JclthCM «uf neeresmvtdu umoerechncte* Luftdruck Wettervoraussage. Wir liegen weiterhin im Bereich hohen Druckes, dessen Kerne sich über den Donaulandern und dem Nordrnccr bewegen. Ein. und Ausstrahlung bestirn- men in vollem Maße die Temperaturen. Während tagsüber die Sonnenstrahlung Temperaturanstieg bis über 10 Grad bewirkt, sinken nachts die Werte noch bis unter den Gefrierpunkt. Obwohl über Skandinavien und Finnland eine Störung liegt, durch die mildere maritime Luft ihren Weg nach Deutschland findet, dürfte sich in unserem Bezirk nur zeitweise Bewölkung in das heitere Wetter einmischen. Niederschläge find vorerst nicht zu erwarten. Im ganzen schreitet die Erwarmung weiter fort, und die starke nächtliche Abkühlung dürfte langsam abflauen. Aussichten für Donnerstag : Zeitweise bewölkt, jedoch auch meist heiter trocken, tagsüber weitere Erwärmung, nachts noch Abkühlung bis zum Gefrierpunkt und etwas darunter. Aussichten für Freitag: Meist trockenes, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, nachts noch Abkühlung, jedoch nicht mehr so stark wie seither. Lufttemperaturen am 15. März: mittags 9,1 Grad Celsius, abends 3,0 Grad: am 16. März: morgens — 3,0 Grad. Maximum 9,5 Grad, Minimum —5,4 ®rab. — Erdteinperaturen in 10 cm Tiefe am 15. März: abends 1,2 Grad; am 16. März: morgens — 0,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 9j Stunden. Schöne weiße Zähne: ChlorodonKx Denken Sie an Stoffe, denken Sie an L« Bernard Geschäfts-Verlegung! weißem Marmor, 2 Stühle [01655 Tlugeweise Prospekt anfordem Bufett GUTEwÄßf rm.225 01657 Anktionsliaus G.Koos, Neustadt lf Mark 4.00 einen hübschen Milchtopf Mark 2.50 einen hübschen Kinderbecher Mark 1.50 einen Puddingteller (Preßglas) Bitte beachten Sie unsere Schaufenster! 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Beethovenstraße 2 3-Zinnner-MoliiL mit Bad u. Warm- masserheiz.sof. oder später zu vermieten. Näb.LicherStr.5 v. zwischen 9 u. 10 Uhr norm.und 2—4 Uhr nachmittags. unaD Ausschreibung. Die verputz- und Anstrelcherarbeilen für den Heubau des Provinzial-Kinderheirns sollen vergeben werden. Die Angebotsunterlagen können von Donnerstag, den 17. März, bis Samstag, den 19. März, morgens von 10 bis 12 Uhr, im Personal- Aufenthaltsraum des Frauenhauses der Provinzial-Pflegeanstalt, Licher Straße 74, abgeholt werden. Die ausgefüllten Angebote find bis zum 22. März, 11 Uhr vormittags, dort wieder einzureichen. 2076V Die Bauleitung. wavnen <$ie IhrenÄ »Werbungen auf Anzeigen ohne Namen Zeugnisse, Urkunden od. sonst wichtige Papiere beizufügen; Abschriften genügen zur Einleitung r>. Anstellunasvechand« Hingen. Ost ist une der Auftraggeber unbekannt und in biesenFÜIicn fön« nen wir nichts tun für d. Wiedererlangung der Bewerbungsunterlagen Giekenev Äurefsev Um damit zu räum., gebe ich auf Kinderwagen Marke Brennabor, die noch nicht zurückgesetzt sind, 01161 ISIartiall Donnerstag, den 17. Mär; 1932, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen" Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 2089V 6 Sofas, 1 eisernes Bett, 1 Klubsessel, 5 Vertikos, 6 Nähmaschinen, 3 Chaiselongues, 2 Schreibüsche, 1 Schreib-- maschine, 2 Radioanlagen mit Laut sprecher, 1 Diwan, 3 Kleiderschränke, 1 Flurgarderobe, 2 Trumeauspiegel, 1 Gläserschrank, 2 Glasschränkchen, 1 Badeofen mit Wanne, 1 Wirtschaftsbüfett, 1 Mille Zigarren, 1 Bild, 1 Klavier, 1 Grammophon, 2 Kommoden, 1 Bücherschrank, 2 Tische, 6 Stühle, 2 Teppiche, 1 Standuhr, 1 Wanduhr, 1 Korbmöbelgarnitur, 1 Harmonium, 1 elektrische Bohrmaschine. Ferner an Ort und Stelle (Befanngabe im Der steigerungslokale) : 2 Läuferschweine, 1 Kuh, 1 Eisschrank, 1 Rechenmaschine, 3 elektrische Kühlschränke, 1 Kassenschrank, 1 Aktenrollschrank. voraussichtlich bestimmt: 1 goldene Herrentaschenuhr mit Sprungdeckel und Kette. Moll, Gerichtsvollzieher in Gießen Ludwigstraße 331 — Fernruf 3239 Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durchberatene Voranschlag der Gemeinde Rabertshausen für das Rechnungsjahr 1932 liegt vom Donnerstag, dem 17. März, bis Mittwoch dem 23. März 1932, zur Einsichtnahme und zur Erhebung von Einwendungen auf dem Büro des Bürgermeisters offen. 2072V Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Rabertshausen, den 16. März 1932. Hessische Bürgermeisterei Rabertshausen. B-V.: Scheerer, Beigeordneter. Der Herrenschuh in vornehmer und gediegener Ausführung! 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Mär; 1932, 8 Uhr, bei uns eingegangen find, berücksichtigt. Loseeinteilungen nebst Verkaufsbedin- gungcn werden unentgeltlich von der Bürgermeisterei, Zimmer 18, abgegeben. Gießen den 15. März 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: vr. Rosenberg.______ Tennisplätze. Die städtischen Tennisplätze (Liebigshöhe und Schützenhaus) werden für die Spielzeit 1932 vermietet. Anmeldungen sind unter Angabe der gewünschten Tage und Zeiten im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer Nr. 10, einzureichen. 2083C Die vorjährigen Mieter erhalten tunlichst ihre alten Plätze wieder zugeteilt, falls sie bis zum 26. Mär; 1932 entsprechenden Antrag stellen. Gießen, den 15. März 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Or. Seib. Sonnige 4-Zimmer-Wolin. mit Bad, bis 1. 5. gesucht. Monatsmiete bis 80 RM. Schriftl. Ang. unt. 2067V a. d. G.A. Kl. Lager mit Büro, Keller u. Garage ges. Schr. Angeb. m. Preis u. 01645 a. d. G. Anz. | Stellenangebote | Wohnung 3 Zimmer u.Wohnküche, im Neubau, Kreuzplatz 8, ab 1. 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Der Allianz-51 Im der Smelka. „W a n braucht kein Veld!", stellte die Behauptung jetzt im Kapitol erneut unter Beweis, und da DaS sehr heiter und fröhlich gemacht wurde, ging daS Publikum mit dem liebenswürdigen Schwindel begeistert mit. Natürlich frischt man do« Ganze so auf, Daß es auf besondere Art aktuell wird, so vermag Kurt Gereon als Bankdirektor unD dazu als „Mann von Format" unweigerlich aus die Lachmuskeln zu wirken, so kann als kleiner Bankbeamter zunächst und dann als großer Oelmagnat Heinz Rühmann sich von seiner charmantesten und bezwingendsten Leite zeigen. Dazu erscheink alber Onkel aus Amerika. Der zwar Schulden, aber bestimmt kein Veld hat und sich nun und trotzdem als Millionär feiern lassen must. Hans Moser, die erfreulichste Figur auf der tönenden Leinwand Ohm liegt da- Hochstopeln nicht, auch wenn es noch soviele Ehrungen einbringt, wenn er zum gewaltigen Präsidenten wird. Wie die drei Männer, jeder auf seine Art, das Schicksal meistern, eine verkrachte Dank sanieren, eine Kleinstadt zur gewaltigen Ondustrie- metropole machen, den kleinen Bankbeamten in einen gerissenen Kapitalisten verwandeln, das ist von Varl Döse sehr geschickt, sehr sauber — und vor allem sehr ulkig gemacht. Wie der gefühllose Oelbeherrscher Heinz Rühmann so nebenbei und endlich bann auch noch ein verliebter Ehemann wird, bas Kunststück vollbringt Hebi K i e s l e r, eine neue Erscheinung auf der Leinwand. Unb sie macht ihre 6a4>c gut. sehr gut sogar — da wirb eS schon weiter vorwärts gehen. Mnb daher buchte die Einelka mit diesem neuesten Tonfilm einen groben Erfolg. Das ist doch sehr einleuchtende wenn die Zeiten so lange schlecht gewesen sind, dann will sich der Mensch mit Gewalt davon frei machen und stürzt sich in rosaroten Optimismus. Kommt ihm bann noch der Tröster Tonfilm zu Hilfe, mit einem Lustspiel etwa wie ..Es wird schon wieder besse t“, dann sind wir wenigsten- für zwei Kinostunden vergnügt unb zuversichtlich. Kurt ® e r r 0 n hat feinem ersten Regie-Erfolg hier bie rechte Fortsetzung gegeben. Da sinb zwei muntere, gute Jungen- unserer Tage, bie mit erstaunlich guter Laune ihre Arbeitslosigkeit und die häufigen Besuche des Gerichtsvollziehers ertragen. Weil diesem allseits beliebten Mann eine Verwechselung passiert, als er einen der beiden zur Ableistung des Ofsenbarungseides zwingen will — well der andere wieder einmal vergeblich in einer grosten Qlutomobilfabrif seine Bewerbung vorträgt —, weil endlich die nette kleine Dolly HaaS nach eben erfolgter Qlburteilung zu drei Wochen Gefängnis wegen einiger Verkehrsdelikte verurteilt wurde und nun das Pech hat, den eben abgetoiefenen Ltellenbewcrber Heinz Rüh - mann zu überfahren —, weil die Polizei das beachtete unb ber Staatsanwalt nun erneut eingreifen wirb — ja, auS all diesem Kuddelmuddel entwickelt sich bie Liebesgeschichte zwischen bem kaum beschädigten Rühmann und der Tochter des groben Automobilfabrikanten, ber zur Auflösung Der zahlreichen Konfliktsstoffe Den sehr gerissenen Anwalt Grünbaum und den weisen Sanitätsrat OSkar Sima braucht, ohne dabei das rechte happy end zu finden Erst die erwachende Liebe der beiden jungen Leute vermag daS bunte Durcheinander zu entwirren: vor Gericht erfcheint die Angeklagte als frischgebackene Ehefrau deS Lieberfahrenen, unb der wird ganz gewiß nicht sein junges Glück ins Gefängnis bringen lassen. „Zwei Herzen und ein Schlag!" hecht die von Jean Gilbert komponierte neue Ufaton-Operette. Wilhelm Thiele, der Regisseur, der dem Tonfilm durch den ..Liebeswalzer" und die ..Drei von der Tankstelle" seine ersten groben Erfolge und seine Popularität brachte, kehrt mit diesem neuen Film zu seiner alten Liebe zurück: jede Episode der Handlung will er musikalisch und tänzerisch auf lösen Denn sich viele daran versucht haben, ohne den rechten Eindruck damit zu erzielen, vielleicht sogar mit ihrer Ucbcrfüllc an Tanz unb Musik eine Abwehr gegen ben akustischen Film erzeugten — Thiele versteht baS besser. Er hat das Zeug, aus ben Darstellern und aus der Komparserie das herauSzuholen. was für eine rechte Tonfilmwirkung notwendig ist. So wirkt bie kleine Tänzerin Lilian Harvey, bie sich von ihrem Manne, dem Oberkellner, durchaus scheiden lassen will, damit sie einen richtiggehenden Herzog (mit ber obligaten Krone im Nachthemd) heiraten kann, immer sympathisch unb erfreulich, sie hat dazu ihre niedliche Zwitscherstimme weiter entwickeln können und taajen — na. das brauchte sie ja wohl nicht mehr zu lernen. Zudem: die Ufa hat ihr einen neuen Partner beschert. Wolf Albach-Rettv. unb er kommt aus Wien, wo man das Singen und Tanzen ja im Blut hat. Dieser neue Zilmdarfteller verblüfft zunächst durch eine gewisse Ähnlichkeit mit Willi Fritsch 3m Verlaus seines Spieles aber lernt man mit Vergnügen bas eigene freie Darstellungsvermögen dieses jugendlichen Liebhabers kennen, der bald ebenso angehimmelt werden wirb, wie sein Vorgänger in allen Harven-Filmen. Eine Fülle gut gezeichneter Gestalten findet sich in dieser Operette sehr ulkig vor allem Kugt L i - I i c n als Hotelpage, ber nun bereite fünfzig Jahre seinen wenig anstrengenden Dienst verrichtet; Rosa Daletti, eine herrliche komische Alte mit Temperament und ungezügeltem Mundwerk- Einer aber ist an dem Spiel beteiligt, der mehr als nur eine Charge gibt, da- ist Otto Wallburg. Noch kaum hat man diesen auf eine besondere Art des Spiels abgestempelten Darsteller so gut charakterisierend und überzeugend gesehen wie hier in dieser Operette. E. \*. Oie Geburt der Micky-Maus. Wie der Trick-Tonfilm entsteht. Von Watt Disney, dem Schöpfer der „Micky-Maus"-Filme. Der moderne Filmbesucher weih Bescheid. Dah man einen Orkan, ein Erdbeben, schneeige ‘Berggipfel unb sonnendurchstrahlte Wüsten im Hanb- umdrehen auf fünfzig Quabratmeter ober fo her- vorzaubem kann, ist ihm nichts Neues mehr. Aber dah so ein Tierchen wie die Micky-Maus läuft, finit und musiziert — daS ist doch nicht so ganz leicht zu kapieren. MiM) lebt ja nicht wie wir alle; wenn sie sich au »meinen Gehirngängen heraustöst, bann rutscht sie nur burch Zeder und Tinte oder durch einen Bleistift ausS Papier, "um Dort eine farblose, zweidimensionale Schatteneristenz zu führen. Eine Schar Zeichner sind ihre wahren Garderobesrauen unb Regisseure. Dazu kommt wie beim .richtigen" TonsiIm ein Orchester, ein, zwei Deräuschfabri- fanten, hier unb da ein Mensch, ber für Micky ein paar Worte sprechen ober fingen muh — fertig ist'S. im Schweihe unsere« Angesichts kann fich Micky-MauS auf neue Abenteuer begeben. ilebrigea« ist ihr erstes Auftreten schon eine ganze Reihe von Jahren her. Bevor sie sprechen lernte, tanzte sie mehrmals stumm auf der Leinwand, und noch früher trat sie in mehreren Serien komischer Zeichnungen für bie groben Zeitungen Chikagvs auf. Damals geschah es, dah ein Filmmagnat, ein luftiger und gemütlicher Herr, eine neue Ton- filmapparatur auf den Markt bringen wollte unb sich nach geeigneten Bildern umsah, um zu ihnen Geräusche und Töne für Probevorführungen zu fynchronifieren. Genormter Herr schlägt eines Abends die Zeitung auf, trifft auf ein neues Abenteuer von Micky, freut sich, schmunzelt, lacht. Dann wird er plötzlich ernst: solche kleine Figuren müssen sich doch prachtvoll für Tonfilme eignenI Zwischen Gedanke und Ausführung ist in Amerika kein weiter Weg; am nächsten Tag war ich engagiert, unb Micky-MauS trat ihren Die- geszug über die Welt an. Die Zeichner solcher Trickfilme — Micky-Maus ist natürlich nicht ohne Nachfolger geblieben — kommen meist aus dem 3oumaliftcnlager. Die amerikanischen Zeitungen bringen seit langem Serien von vier, fünf Zeichnungen mit irgendeiner Tierfabel, wie sie jetzt auch in allen anderen Ländern bekannt werden. Micky stammt in gerader Linie von diesen Vorvätern ab. ebenso wie Felix der Kater unb alle anderen; Micky trägt die üblichen Handschuhe unb Streselchen, unb vor allem folgt sie dem obersten Grundsatz aller Trickfilmfiguren: Sie ist in jeder Stellung leicht zu zeichnen I Wenn ich ein Drehbuch fcrtiggeftellt habe, mache ich zunächst Skizzen der wichtigsten Mitwirlen- den von vorne, von der Seite, von hinten. Die Gröhe der Figuren wird möglichst durch den ganzen Film beibehalten; damit kann man Tausende von Llmzeichnungen ersparen, denn auf jeden Meter Film kommen rund 15 Zeichnungen, unb dann ist man froh, wenn man z. D. den Kopf von Micky-Maus aus einer früheren Zeichnung für bie neuen verwenden kann. Für einen Tonfilm brauchen wir dreimal mehr Künstler als für einen stummen; es kann nicht jedem Zeichner einfach eine bestimmte Szene zugewiesen werden, denn jeder einzelne muh fich nach ber Musik rief) - ten, unb das Orchester wiederum muh genau im Einklang mit den Zeichnungen bleiben. Da wird denn zunächst eine große Konferenz abgebalten. Zeder steuert hier und da ein lustiges Stückchen zum T^ehbuch bei, der Dirigent gibt musikalische Motive zum besten, die ihm für die Handlung paffend scheinen, unb bann wird ber Schiachtplan ausgearbeitet. Zuerst muh ber Hintergrund gezeichnet werden, bewaldete Hügel ober Eisberge und so, wie sich s trifft. Dann nimmt sich der Zeichner die ihm zugeteilten Notenblätter vor und belebt die Szene. Taufende von Zeichnungen sind nötig, um Den optischen Eindruck einer fortlaufenden Dewegungs- reihe hervorzurufen. Der Zeichner benutzt dabei genau zugeschnittenes. durchsichtiges Seidenpapier, fo daß er jeoesmal die Linien der Porigen Zeichnung sehen und auf das neue Blatt übertragen kann; nur eine Hand oder ein Fuß ober Der Schwanz von Micky-Maus wirb um ein winziges Stück verschoben. Wenn Micky Saxophon bläst ober Klavier spiell, so bebeutet bas eine Serie von vierzig, fünfzig mühevollen Einzelzeichnungen. Alle Zeichnungen bei einem vollständigen Micky-Maus-Film find es ungefähr zwan- ugtaufenD. eher mehr als weniger - werden nun langsam hintereinander gefilmt; e« ist genau berechnet. wieviel Zentimeter Film auf jede Zeichnung kommen. Damit die Bewegungen nicht zu lang hmgezogen oder zu abgerissen erscheinen. .letzt kommt aber die schwierige Arbeit Der Musikbegleitung Zwöls oder mehr Musiker sitzen nut ihrem Rucken zur Zilmleinwand unb ihrem Gericht zum Dirigenten, ihre vorher fertig- gestellten Notenblätter vor sich; Daneben steht ein Tisch mit unglaublichen Werkzeugen zur Hervorbringung der ®eräufd)cffefte Tas Licht geht au«. Die Bilder rollen lanqfam ab, jedesmal an Punkten, wo etwas Musik oder Geräusch hineinkoinpo- nicrl werden soll, gibt der Dirigent Dem betret- senden Musiker ober Lärmmacher ein Zeichen und das Saxophon quakt, eine Geige jauchzt, ein Hund bellt, eine Tür wird zugeknallt, em Auto hupt ufw. usw. Fünfmal muh ber Film probeweise ablauftn, fünfmal wird die ganze Musik durchgespielt erst dann tritt daS Mikrophon in Tätigkeit und registriert jedes Geräusch, bas der stummen Micky Sprache und Damit wahres Leben geben soll. Kitmreise durch den menschlichen Körper. Von Dr. 7). Kaufmann (Bibt es sowns? — Zwar ist es natürlich nicht möglich, mit einer Filmkamera bewaffnet, in den Adern, Lungen, im Magen ober anderen Organen herumzugondeln. Trotzdem ist es in 20jäl)riger Arbeit der medizinischen Wissenschaft gelungen, jeden kino- technischen Trick für ihre Zwecke auszunützen, und umgekehrt hat die Filmindustrie, und zwar die Aul- turfilmproduktion keine Gelegenheit vorbeigehen lassen, immer neue und bis dahin unbekannte Gestaltungen und Bewegungsvorgänge in menschlichen und tierischen Organen mit ihren Spezialkameras zu erfassen. Die feinsten Methoden mikroskopischer Unter- suchungstechnik, ja sogar komplizierte und subtile ärztliche Instrumente, z. B. der Blasenspiegel, wurde» mit der Kinokamera und mit dem Zeitrasser kombiniert, und so ist ein Film entstanden, der tatsächlich fast aus jedem organischen Systeni des lebendigen Körpers echte Bewegungsausnahmen bringt. Auf der Leinwand ist also nun das Spiel jeden einzelnen Muskels, selbst der zarten $)aut' muskeln, deutlich zu verfolgen. Die Berdauungs organe wurden belauscht, die gleichmäßigen, fast nie ruhenden Bewegungen des verdauenden Magens und Darms, die Produktion der Galle und vieles andere vollzieht sich in großer Deutlichkeit vor den Augen des Zuschauers. Man sieht lebende Herzen schlagen, vom einfachsten, primitivsten Herzbeutel eines winzigen Wasser- flohes bis zum Menschenherzen, das M bis 7" Fahre hindurch ununterbrochen seine Riesenarbeit leistet. selbstverständlich find all die hochinteressanten Einzelheiten des Blutes, seiner Bewegung und seiner lebendigen (Elemente kinematographilch aufgenom men: die roten und die weißen Bluikorperchen und die mannigfaltigen lebendigen Krankheitserreger, die im Blut vorkommen. Für Die kinematographische Darstellung der Atemorgane steht feit wenigen Jahren zum erstenmal eine wirklich echte und klare Röntgenkinematographie 1Dr. G0 11 b e i m e r unb Dr. Iakoßfohn sind die Erfinder) zur Verfügung. Die geniale Konstruktion von Professor Dr. S t u tz i n (Auguste Diktoria- Krankenhaus, Berlin) gestattet sogar äußerst ausschlußreiche Kinoaufnahmen im Innern der mensch- lichen Körperhählen herzustellen. Gesundheit ist das höchste Gut und es gibt fein besseres Mittel zu ihrer Erhaltung als eine gründliche Kenntnis des menschlichen Körpers — wie man sie beispielsweise auf einer solchen „Filmreise" erlangt Kilm-Dramaturgie. Bon Rudolf Arnheim. Bei schlechten ober mittelmäßigen Filmen erlebt man es ost daß einem Der Sinn der Handlung erst nachträglich aus der Inhaltsangabe bes Programmhefts flar wird. Diese Inhaltsangabe enthält bas Thema des FllmS als Rohstoff, in begrifflicher, unanschaulicher, aber doch unmißverständlicher Formulierung. .Aus Edelmut verrichtet sie . . unb nun geht einem auf: Aha, deshalb ging sie plötzlich aus Dem Zimmers Bei der Mehrzahl aller Filme nämlich, und besonder- bei den minderwertigen, ist die zugrundeliegende Handlung noch gar nicht m bezug auf die besonderen Eharaktereigenschas ten des Kunst - matcrial«, in dem sie Gestalt gewinnen soll, erfunden: Das Expose ist nichts als der unanschau- liche Rohstoff einer Begebenheit, der ebenso gut für ein Dichtwerk verwendet werden könnte (denn man kann zwar aus so ziemlich jedem Filmstoff einen Roman, aber aus kaum einem Romanstoff einen vernünftigen Film machen — obwohl in Der Praxis das gerade Gegenteil geübt wird!). Unb so ist alles darin in jener begrifflichen Sprache formuliert. Deren wir uns im Alltag bedienen. DaS will heißen: im Gehirn des Autor- besteht die Handlung zunächst noch aus lauter Abstrakta: .ein Verführer ', .sie begreift, daß...". .nach mehreren Versuchen ..er weiß sich keinen Rat mehr" — und nun gilt es. diese Begriffe aufjulöfcn in Bilder und Vorgänge. Unser Alltagsdenken nämlich und unsre Alltagssprache sind Darauf eingerichtet. Die Dinge Der Welt unter Oberbegriffe zu ordnen, sie nicht als einmaliges, sondern als Einzelfälle bestimmter Gattungen er- fcheinen zu lassen, denn nur so kommt bie Ordnung in Die Welt. Die notwendig ist. Damit man sich in ihr zurechtfinden kann; nur so gelingt es, Einzeldinge mit allgemein-verständlichen, gültigen Bezeichnungen zu belegen. Unsre Denk- und Sprechbegrifse sind also möglichst eindeutig, aber Dafür unanschaulich. Und teer kein geborener Künstler ist. wer also nicht von Natur her in den Formen eines Darstellungsmaterials, für das er begabt ist, denkt und auffaßt. Der kennt nur d'efe abstrakte!- Formen des AlltagsbenkenS. Daher die Unanschaulichkeit aller schlechten Kunst, Daher ihre Unverbindlichkeit in bezug au* ein bestimmtes Kunstmater.al Daher denn auch bie durchschnittlichen Filmautoren als _3bee" einfach irgendeine Geschichte" bringen, aus Der man Dann vielleicht einen guten, meistens nur einen schlechten Film machen kann, der aber selbst mit Film noch kaum etwas zu tun hat. Man Darf aber als sicher annehmen. Daß bei begabten Film- fünftlem Die anschauliche BilDvorstellung schon bis tief in Die GrunDkonzeption Des Themas hineinreicht unD sie wesentlich mitbeftimmt. Ts gab einmal einen Film mit Irene Rich, Der begann mit etwa folgenDcm Text: .Berenice Mtller war mit einem Mann verheiratet gewesen. Den sie nicht aus Liebe, sondern nur des Geldes wegen genommen hatte". Darm sah man Berenicens Brustbild. Dann wieder Text: .Nun, nachdem ihr Mann gestorben ist, glaubt sie, sich Den Anträgen ihres Jugendfreundes nicht länger widersetzen zu können". Und dann ein Bild: Berenice auf einer Bank sitzend und neben ihr ein junger Mann, Der aus sie einspricht. — NiemanD wirD behaupten, daß Die Situation, in Der Der Film beginnt, nicht sonnenklar wäre. Und dennoch ist dies die hilfloseste unb minderwertigste Exposition, die man sich vorstellen kann. Denn hier ist Die UmtoanDlung von Der begrifflich formulierten Fabel in einen Dildervorgang nicht einmal In Den Anfängen Da. Kaum daß die handelnden Personen im Bild vorgestellt werden. Man hört oft, ein solches Verfahren sei nicht .filmisch" sondern .literarisch', womit gesagt werden soll, daß so ftümtxrbaftc Manuskripte entstehen, indem Die Filmleute sich an der Literatur als einet schon bestehenden und schon auspro- bierten Kunstgattung ein Beispiel nehmen und nun Filme arbeiten wie Romane. 'Diese Erklärung ist sehr verbreitet, aber sicherlich falsch Nicht Das Vorbild Der Literatur ist an Den schlechten Filmen schuID, sondern das abstrakte Alltagsdenken, mit dessen Hilfe sie ausgedacht, ja manchmal bis in alle Einzelheiten ausgeführt werden. In Dem Film .Die Herrin Der Liebe" werden zwei Hauptfiguren ganz besonder- unfilmscheingeführt. Es ist zunächst von zwei Geschwistern Die Rede, Die ein seht wilDes Leben führen, unD Dann kommt ein Titel: .Man kann Diese Geschwister nur verstehen, wenn man ihre Freude kennt. Herr T., Der ihr Leben sehr billigt“ BilD: Ein Herr, der durch ein Fernglas schaut. Titel: .Herr B. Der ihr Leben sehr mißbilligt" Bild: Ein zweiter Herr, Der Durch ein Fernglas schaut. Wenn man Das sieht glaubt man. Die beiden Herren beobachteten durch ihre Feldstecher den Lebenswandel der Geschwister, und sucht dem einen Wohlgefallen, Dem andern Mißbilligung anzumerken. Aber nicht- Dergleichen ist gemeint! Sondern Die beiden Herren sind auf einem Pferderennen und schauen gemeinsam zu. Das Hauptmotiv also, wcswegeu diese beiden Männer überhaupt in diesem Film gebraucht werden, wird nicht aus den Bildern der Handlung ersichtlich gemacht, fonDern bleibt unverarbeitet als Zwischentitel stehen und Atoar, so dürftig wie möglich, einfach an der Stelle, wo Die beiDcn zum erstenmal auftreten unD obgleich Der augenblickliche BilD- vorgang einen völlig andern Inhalt, hat. Geben wir Dagegen das Beispiel einer guten Exposition. Die Inyaltangabe von Jacques Fey» ders .Neuen Herren" beginnt im Programmheft folgendermaßen: .Die Tänzerin Suzanne Verricr von der Pariser Oper ist befreundet mit dem Abgeordneten Graf de Monteire-GranDprö.' In der Tat ist, wenn man Die Geschichte begrifflich erzählt, Dies Das erste und wichtigste, was mitgeteilt wer- Den muh. 3m Film steht nun keineswegs am Anfang ein Titel Dieses Inhalts, sondern man sieht eine Balletprobe in Der Oper; eins von denTanz- mäDchen zeichnet sich Durch Ungeschicklichkeit aus — Suzanne! Auf Der Bühne, wo Die Probe statt- finDet, bastelt ein Monteur an einem Leuchter, unaufmerksam, abgelenkt: er schaut auf Suzanne. (Dieser Mann wird nachher Der Gegenspieler zu Dem Paar Suzanne — Graf Monteire. Er ist also vor Dem Grafen eingeführt! Das ftörcnDe Moment wird eingeführt, bevor Der Zustand, Den er aus Dem Gleichgewicht bringen soll, geschillert ist!) Dann Suzanne in ihrer Garderobe Sie hat geraDc Geburtstag. Ein großer Blumenkorb steht auf Dem Tisch. Visitenkarte: Graf Monteire. Sie zieht sich an, tritt aus Der Tür, sucht emo Taxi — Da steht vor Dem Bühneneingang ein wundervolles neues Auto mit Suzannes Initialen; der Ehauffeur grüßt, sie steigt überrascht ein im Wagen eine Visitenkarte: Geburtstagsgeschenk des Grasen Monteire. Während also in der .Herrin Der Liebe" Die bei Den Männer sogleich leibhaftig und trotzdem in einer für ihre Ausgabe im Stück völlig uncharakteristischen Funktion auf treten, wirD in Den .Neuen Herren" Der Graf zunächst nur indirekt eingeführt, aber sogleich in seiner bezeichnenDsten Eigenschaft, als Der SreunD Der Tänzerin, als Der Schenkende, als der reiche Gönner. Damit ist seine Rolle ohne viele Worte schlagend tlarge^ macht, und Durch die indirekte Einführung wird ersten- erreicht, daß eine sehr starke Spannung bis zu seinem ersten Auftritt erzeugt wird, zweitens aber ist die Art, wie hier Blumenkorb und Auto als Stellvertreter eines Menschen auf treten, eine unüberbietbare, nahezu stilisierende Konzentrierung auf das von Der Handlung Geforderte: die Figur des Grafen wird mir soweit inS Bild geiogen, tote sie zunächst gebraucht rottil» Tonfilm: „Stürme der Leidenschaft". Die Unterwelt scheint wieder einmal (ober immer noch) große Mode zu fein. Dieser Film, von Robert Liebmann und Hans Müller erinnert in manchen Zügen stark an „Berlin Atexanderplatz" nach Dem großen und technifch überaus interessanten Roman von Döblin, man könnte, angesichts der Wiederholung eines an sich durchaus unerfreulichen Milieus, eine Ermüdung und stoffliche Ueberfätti- gung des Zuschauers befürchten. Aber die bedeutende, sinnlich plastische, kräftige und selbstsichere Menschen Darstellung Emil Fannings' laßt Derartige Einwände in den Hintergrund treten. Er spielt die Hauptrolle: einen Berorecher, einen .Helden" aus Der halbDunklen unD ungelufteten Kulisse der Groß stadt, Häuptling eines bürgerlich-harmlos maskierten „Sparvereins" (mit der Devise „Iinmertreu" oder so ähnlich) — einen entlassenen Sträfling, wie jener Biberkopf im „Alexanderplatz", gegen den dos Schicksal zum vernichtenden Schlaa ausholt. Dennoch würde uns diese Gestalt kaum besondere Sympathie abzwingen, wenn sie nicht eben von Iannings dargestellt würde als der Typus des schweren Zungen mit Humor und Gemüt — und so aus dem Bollen einer saftstrotzenden Männlichkeit und Menschlichkeit heraus, daß man bis zuletzt gefesselt bleibt. Seine Partnerin ist Anna Sten, Die „Russenanna"; sie spielt einen Weibsteufel, ein Biest ganz einfach (man kann es kaum anbers ausDrücken). Rach Der Ber liner Prcmiöre wurde die Formel geprägt: „Sind's Die Beine — geh zur Dietrich; sind's die Augen — geh zur Sten!" Womit weder gegen die Augen Der Dietrich noch gegen Die Beine Der Sten etwas gesagt sein soll, aber Die Ucbereinftimmung ist in Der Tat fo verblüffend — vor allem in Tonfall, Haltung und Geste —, daß man nicht weiß, ob die Sten die Dietrich täuschend kopiert, oder ob sich beide wirklich Io ähnlich sind. Uebrigcns wirkte sowohl die Dietrich im „Blauen Engel" als auch die Sten selber im „Staramafoff" stärker unb persönlicher als hier. Die Regie von Robert Siodmak ist gut, wirksam, geschickt; besonders in Den Szenen des Gartenfestes, wo das sehr filmisch eingeführte Feuerwerk einen wichtigen Abschnitt der Handlung begleitet unb optisch verstärkt Aus dem Ensemble sind heroorzu- heben: die Hesterberg; Wernicke, bekannt aus „M", vortrefflich auch hier als Kommissar; galten ft ein und P 0 i n t n e r. Die Musik, mit Anklängen an den „Blauen Engel", schrieb Friedrich Holländer. Der Film läuft — mit einem hübschen Beiprogramm — im Lichtspielhaus SJL-'Syoit VfB.-Gießen. VfB. Ligareserve — FL. Oberbiel 0:3. Die nur mit 10 Mann spielenden VfDer mußten sich im Derbandsspiel dem forscheren Gegner beugen. — Trotz aller Ausgeglichenheit kamen die Oberbieler zu 3 Toren, denen DfD. durch Versagen des Sturms nichts entgegensetzen konnte. Zwei sichere Sachen wurden ausgelassen. Der Gastgeber siegte verdient. Die 3. Mannschaft spielte gegen Tv. Wiesecks Erste 1:2. Trotz Feldüberlegenheit mußten sich die VfDer dem eifrigeren Gegner beugen. Die Turner lieferten ein spannendes Spiel, auch waren, sie vor dem Tor schußfreudiger und sicherer. 'Die Grün-Weißen setzten sich oft vor dem Gästetor fest, Erfolge blieben jedoch aus. Dugenbfpiele. Die 1. Jugend spielte gegen Ettingshausens 1. Jugend 2:0. Die Gäste zeigten ein technisch schone- Spiel. VfD. hatte zu kämpfen, um sich gegen den forschen Gegner durchsetzen zu können. Die Verteidigung der VfVer war gut in Form. Den Gästen blieb der verdiente Ehrentreffer versagt. Die 2. Jugend errang gegen Klein-Lindens 1. Jugend einen 4:1-Sieg. Die VfDer sind zur Zeit gut in Form, insbesondere der Sturm erwies sich als sehr schußfreudig. Die Gäste kämpften mit Wucht und Elan, aber es gelang ihnen nicht, dis Deckung der VfDer zu überwinden. Das Spiel verlief sehr fair. Spielvereinigung 1900 Gießen. Iugendspiele. 1900 2. Jugend spielte gegen Braunfels Jugend 7:1 (4:0). Der Platzverein war technisch besser und auch viel eifriger wie der Gegner. Die Gäste, die man für stärker hielt, hatten von Anfang bis Ende nicht viel zu bestellen. In einem lebhaften Spiel der Schüler gegen Dutenhofen Schüler zeigten die körperlich schwächeren 1900 ganz beachtliches Können und blieben verdient über den Gast Sieger. Handball der Sp.-Vg. 1900. Tv. Heuchelheim I — 1900 I 6:8. Beide Mannschaften traten mit Ersah an. Es entwickelte sich ein flottes Spiel, Las beide Parteien abwechselnd erfolgreich sah. Die 1900er lagen jedoch stets leicht im Feldvorteil und führten bereits zur Halbzeit 5:3. Bei den Gießenern gefiel wieder der Sturm, insbesondere dos Jnnen- trio, recht gut. In der Hintermannschaft kamen verschiedentlich Schnitzer vor. Handball im VfB. VfB. I — Tv. Allendorf (Lahn) 6:8. DfD. bestritt das Spiel mit einigen Gästespielern in den eigenen Reihen. Es kam trotzdem ein spannender Kampf zustande, der sehr torreich endete. Allendorf stellte eine gut eingespielte, faire Elf. Handball im Gau Hessen (O.T.) Vito. Gießen 1. Jugend — Tv. (Koppel 1. Jugend 9:1 (5:0). Die große Zahl der an den letzten Derbands- spielcn teilnehmenden Mannschaften machte es erforderlich, auch in der Jugendklasse die Spiele um die Gaumeisterschaft in drei Gruppen austrogen zu lassen. Als Meister dieser drei Dezirks- gruppen gingen hervor: Lv. Cappel, Tv. Wetzlar und Mtv. Gießen. Das erste Entscheidungsspiel um die Gaumeisterschaft führte am vergangenen Sonntag auf dem Mtv.-Platze am Schiffenberger Weg die erste Jugendmannschaft des Gießener Mtv. mit der gleichen des Tv. Cappel zusammen. Die Mtver traten in stärkster Aufstellung an. Hhr Sieg war verdient. Gleich beim Anpfiff gingen die Einheimischen mächtig aus sich heraus, belagerten das gegnerische Tor ständig, und konnten in regelmäßigen Abständen fünf Tore erzielen. Die Cappeler Stürmerreihe kam nur ab und zu einmal vor das Gießener Tor. In der zweiten Halbzeit wurden die Gäste zusehends besser, doch reichten die schwachen und schlecht- plozierten Würfe nicht aus. um Erfo'g: zu buchen. Während die Männerturner in regelmäßigen Abständen noch vier weitere Treffer erzielten, war den Gästen nur doS Ehrentor beschieden. Die Mtv.'Monnschoft hot somit ihr erstes Entscheidungsspiel um die Gaumeisterschaft erfolgreich beendet. Mtv. Gießen I — VfL. Wetzlar I 1:8 (1:1). Aach dem Pflichtspiel der Jugendmannschaften traten sich die ersten Mannschaften des VfL. Wetzlar und des Mtv. Gießen im Freundschafts- Rückspiel gegenüber. Die Einheimischen mußten mit sechs Ersatzleuten antreten. Die Gästemann- schäft hingegen konnte das Spiel in verstärkter Aufstellung bestreiten. Im Gegensatz zu dem »Verbmidsspiel" der Jugendlichen, zeigte dieses „Freundschaftsspiel" wenige schöne Momente, da die Gästemannschaft — zum Teil auch durch das Verschulden des Schiedsrichters — dem Spiel einen sehr unfairen Charakter gab. Während der ersten Halbzeit war das Treffen, wie auch das Holbzeitresultot zeigte, ziemlich ausgeglichen. Als jedoch die Gießener in der zweiten Halbzeit den Fehler begingen, die Hintermannschaft, durch Umstellung mit dem Sturm, noch mehr zu schwächen, war ihr Geschick entschieden. Schon nach kurzer Zeit waren die Gäste mit 3:1 in Führung. Der Gießener Sturm wurde immer lahmer und auch bei der Hintermannschaft konnte man nur lustloses Deckungsspiel sehen. Tor auf Tor fiel, der Sieg der Gäste war jedoch in dieser Höhe nicht verdient. Arbeiter-Turn- und Sporibund. Wieseck I — Heuchelheim 1 2:4. Beide Mannschaften in veränderter Aufstellung legten auf dem Wiesecker Platz ein flottes Spiel vor Beide Lore kommen öfters in Gefahr. Aach einer Viertelstunde konnten die Gäste in Führung gehen. Aach wechselvollem Spiel gelang es Wie» seck, bis Halbzeit den Ausgleich zu erzielen. Aach Lev Pause sah man weiter flottes Spiel. Anr durch geschicktes Abseitsstellen konnten die Gäste die planvollen Angriffe der Platzbesitzer unterbinden. Trotzdem gelang es Wieseck, die Führung zu übernehmen. Heuchelheim holte aber wieder auf nnd erzielte sogar zwei weitere Tore^ während alle Angriffe der Einheimischen an dem taktischen Abseitsspiel der Gäste scheiterten. Heuchelheim Schüler — Wieseck Schüler 1:3. Großen-Linden I — Raunheim I 2:10. Großen-Linden hatte sich den Kreismeister zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet. Trotzdem die Gäste ersatzgeschwächt antraten, gaben sie doch nie das Spiel aus der Hand. Die Platzbesiher waren vorerst etwas im Vorteil. Allmählich aber kam Aaunheim in Schwung . Großen-Linden ging jedoch zuerst in Führung. Der Ausgleich ließ nicht lange auf sich warten und bei Halbzeit stand das Spiel für Raunheim 1:4. Aach dem Wechsel gerieten die Aaunheimer voll in Fahrt und erzielten bis Schluß noch sechs Tore. — Vorher standen sich Großen-Linden 11. und Lang-Göns I. gegenüber. Das Treffen endete unentschieden 3:3. Gießen (Jugend) — wieseck (2. Jugend) 7:0. Auf dem Trieb hatte Gießen Jugend, verstärkt durch einige Spieler der 1. Mannschaft, die zweite Jugend von Wieseck im Freundschaftsspiel zu Gast. Die Gießener hatten das Spiel jederzeit in der Hand. Großen-Vuseck I — wieseck II 5:2. Wieseck, mit reichlichem Ersatz antretend, konnte den stürmischen Angriffen der Platzbesiher nicht standhalten und mußte sich bei Schluß mit 5:2 Toren geschlagen bekennen. Grüningen I — Klein-Linden I 0:4. Die Gäste traten mit nur 10 Mann an, legten ein flottes Spiel vor und führten bei Halbzeit mit 0:3 Toren. Aach der Pause wurde Grüningen wohl besser, konnte jedoch nichts Zählbares erreichen, während Klein-Linden das Ergebnis um ein Tor erhöhte. Schlechte Zeiten für fahrendes Tiervolk. Von Dr. Gustav W. Eberlein, ZHoni. Italien, im Frühling. Wie aus Dschungelkreisen berichtet wird, macht sich die allgemeine Wirtschaftskrisis allmählich auch in ben Schichten der Festangestellten bemerkbar, nach- dem dieNachsrage nach ungeschulten Kräften der sog. freien Wildbahn schon seit geraumer Zeit so gut wie erloschen ist. Die gut, wenn auch nur in Naturalien bezahlten Prominenten der öffentlichen Tiergärten brauchen zwar noch nicht um ihre Poften zu bangen, doch ist auch hier bekanntlich die Ueberfüllung schon jo groß, daß beispielsweise der Berliner Zoo die Aufnahme eines Leoparden, der wegen eines Mordes als Haustier abgeschafft werden sollte, rundweg verweigerte. Nicht einmal für einen griesgrämig gewordenen Affen sand sich ein Plätzchen. Was aber soll man von den freien Berufen sagen, Don dem fahrenden Volk, das die Heimat verläßt, um in der Fremde einem zweifelhaften Glück nach- Wagen! Fast alle geraten dem Pleitegeier in die Fange, wenn sie nicht buchstäblich auf der Straße verhungern oder gar zum unfreiwilligen Helden furchtbarer Tragödien werden. Anderswo steht es cb.en audjnießt besser als zu Hause. Wer denkt nicht mit Grausen an die in Todesnot trompetenden (Eie- fanten Sarrasanis, die bei lebendigem Leibe in Bel- gten verbrannten? Man hat behauptet, daß hier kein llnglutfsfall oorliege, sondern ein Konkurrenz- manooer, aber wird dadurch die Sache weniger menschlich? Der Zentralnachweis für Stellenvermittlung Be- fticnabteilung, muß unglücklich gearbeitet haben denn plötzlich strebten alle Zirkusunternehmen nach dem „schonen Süden" und trafen sich unangenehm in Nom. Nun ist das ungefähr so, als wenn Strauß Weingartner, Furtwängler und Toscanini zugleich in der Oper dirigieren wollten. Die drei Ausländer würden auf dem Pflaster bleiben, bei aller Gastfreundschaft und Hochschätzung, die ihnen Italien ent- gegenbringen — möchte. Schneider, Busch und Hagenbeck ist es jedenfalls so ergangen. Der eine blieb in Neapel, der andere in Sardinien hängen. Tragödie über Tragödie. Drama über Drama. Zuerst hörte man es aus den Künstlerecken her brüllen, dann stöhnen, schließlich röcheln. Die menschlichen Künstler konnte man entlassen, die in den Käfigen nicht. Neapel war wochenlang und ist noch immer in Aufruhr. Einmal soll der Kapitän Schneider gedroht haben, die Gitter der hundert Löwen zu öffnen, wenn man ihm nicht freien Abzug gewähre und so mußte zur Beruhigung der Nachbarschaft Miliz mit scharfgeladenen Gewehren aufgeboten werden. Der Herr Direktor fuhr nach Berlin, fuhr nach Paris, Geld aufzutreiben. Umsonst. Mittlerweile wurde in der Löwenbevölkerung geboren und gestorben. Der Hunger wütet schauerlich, der Tierschutzverein kommt mit dem besten Willen nicht mehr nach. Man wollte die Arbeitslosen, wie in Amerika, an den Meistbietenden versteigern, da es sich hier aber um hungrige Löwen handelte und infolgedessen mit polizeilicher Einmischung zu rechnen war, lauteten die Angebote nur auf 30 ober 40 Lire, ungefähr fo viel, wie das betreffende Pfandobjekt täglich an Fleisch braucht, fei es auch das eines aus Gram gestorbenen Esels. Darauf zog man den verhungerten Opfern der Arbeitslosigkeit das Fell ab und erzielte dafür 299 bis 305 Lire. Nicht um jedermanns Haut wird so gefeilscht. Miß Europa hat dazwischen ein herziges Zwillingspärchen in die Welt gesetzt, man nahm es als gutes Vorzeichen, aber die römische Wölfin auf dem Kapitol, der ich die Neuigkeit überbrachte, lächelte nur ein böses Augurenlächeln. Und in der Tat, No- mulus und Remus, wie sie genannt wurden, nachdem sie Vesuvio und Napoli getauft waren, verhungerten. Mimi, eine bildschöne junge Löwin, hat ihr Erst-' geborenes gestern, als wieder einmal die Zehntelsration ausblieb, vor Verzweiflung gefressen. Das geht nun fo Tag für Tag, ohne daß ein Gläubiger weich werden würde. Wir setzten unsere Hoffnung auf die Firma, die auf dem großen Zelt- dach aufgedruckt ist. Sie kam auch, sie sah das Elend und — nahm das Zeltdach weg, Löwen und Artisten das Dach über dem Stopfe weg. Ein schlechter Trost, daß cs in China nicht besser zugeht. Araber sind jetzt eingesprungen, edelstes Vollblut, um ihren Kollegen hinter den Eisengittern einen Happen zu verschaffen. Sie treten im Theater auf, um einen Triumphzug zu verschönern. Hinterher reiftt man ihnen den Flitter vom Leibe, wie einem öirl, und schickt sie in ihre Slrmelcutcftube zurück. Merkwürdig, wie ähnlich es Mensch und Tier geht, wenn sie nicht aufbegehren können. Da kann selbst einem Tiger die Zirkusgeduld reißen. Dies ist aus Saffari in Sardinien zu vermelden. Zwei Königstiger Hagenbecks benützten die tägliche tteinigungsDiertelftunbe, um sich einmal, statt Oberheffen. Freiwilliger Arbeitsdienst in Laubach. □ Laubach, 15. Mürz. In seiner jüngsten Sitzung befaßte sich der G e m e i n d e r a t mit der Einführung Les freiwilligen Arbeitsdienstes. Da hierbei nur gemeinnützige zusätzliche Arbeiten in Betracht kommen, so beschloß man, mehrere Feldwege instand zu setzen und dann auch Waldwege auszubauen. Zunächst soll mit dem Brechen von Steinen für den Ausbau Lev in Betracht kommenden Wege begonnen werden. Abgesehen von dem Vorteil, daß ein Teil der Arbeitslosen, insbesondere solche jugendlichen Alters, wieder der Arbeit zugeführt werden, tritt Lurch die Einführung des freiwilligen Arbeitsdienstes auch eine Entlastung des Gemeindewohlfahrtsetats ein. Gemeinderat in Grünberg. 4- G r ünberg, 15. März. Der in der Rechnung für 1930 vorgekommenen Kreditüberschreitung von 25127,93 Mark, sowie den dafür nachgewiesenen Deckungsmitteln von 27 182,01 Mark, die sich aus Mehreinnahmen bzw. Minderausgaben ergeben, wurde zugestimmt. Kleber die noch zu leistenden Arbeiten zur Fertigstellung des Schwimmbades berichtete der Bauleiter. Architekt Jäger (Queck- bom). Es wurde beschlossen: Die Ämzaununa geschieht mit einem Bretterzaun: die Erd- und Planierungsarbeiten werden Otto Kühn übertragen: die von der Firma Bock wegen Kündigung des Vertrages noch nicht erledigten Deton- arbeiten im Schwimmbecken, desgleichen die übrigen Betonarbeiten werden von der Stadt in eigener Regie ausgeführt: wegen der Zimmererarbeit soll mit der Firma Georg Haas & Co. verhandelt werden: bei den Schreinerarbeiten sollen sämtliche hiesigen Schreinermeister Beschäftigung finden: der Zugangsweg soll unter Ansicht des Feldschutzpersonals und der beiden tädtischen Arbeiter als Vorarbeiter durch Wohl- ahrtserwerbslose hergestellt werden, ileberßaiipt will man zu allen Arbeiten Erwerbslose durch Vermittelung des Arbeitsamtes hcranziehen, da in diesem Falle für deren Verwendung Zuschüsse geleistet werden. Rach einem Gemeinderatsbeschluß vom 4. Aug. 1930 sollen sämtliche Gebäude, die an kanalisierten Straßen liegen, an die Kanalisation ange- schlossen werden. Da die Durchführung dieses Beschlusses bei einzelnen Hausbesitzern immer wieder auf Schwierigkeiten stößt, erklärte der Bürgermeister unter Zustimmung be£ Gemeinderates, daß die Stadtverwaltung ihr Möglichstes tun werde, um die restlose Anschließung sämtlicher Gebäude zu erreichen. Konzert des Mannergesangvereins „Cäcilia" Lich. a. Lich. 14. März. Das Konzert, das Lev MLnnergesangverein „Cacilia" am Sonntagnachmittag in der Turnhalle gab, reiht sich würdig den in früheren Jahren von dem Verein gebotenen Konzerten an. Schon das künstlerische Programm ließ erkennen, daß der Verein auch diesmal wieder bemüht war, sein Bestes zu geben. Reben den Besuchern aus allen Kreisen der hiesigen Einwohnerschaft hatten sich auch diesmal wieder zahlreiche Gäste aus den Rachbar- städten Gießen, Hungen, selbst aus Marburg und aus den Landorten der ilmgegenö eingefunden. Mit dem schwierigen „Büßlied", einem russischen Volkslied, von Lendvai gesetzt, eröffnete der Chor die Vortragsfolge und errang damit sogleich starken Beifall. Angenehm fiel die gut artikulierte Aussprache bei allen Zuhörern, namentlich aber beim Chor „Volk" von Heinrichs auf. Sie ermöglichte den Zuhörern, den Liedertexten gut $u folgen. Man konnte bei allen Darbietungen, insbesondere bei dem auf höchstem Riveau stehenden Chor mit Orchester, „Landerkennung" von Grieg, die innere Bindung zwischen Sängern und dem Chorleiter, Lehrer Jlge (Butzbach) klar erkennen. Mit größter Aufmerksamkeit und innerer Sicherheit folgten die Sänger den Intentionen ihres Leiters, der sämtliche Chöre auswendig dirigiert und auch von seinen Sängern verlangt, alle Liedertexte auswendig vorzutragen, ohne das ja die rechte Bindung nicht möglich wäre. Daß in den Nebenraum zu gehen, draußen umzusehen. Im Tigerklub wird behauptet, sie hätten sich nur überzeugen wollen, ob es wirklich so schlimm bei den Menschen stehe, wie ihnen zur Erklärung der täglich abnehmenden Ration versichert werde. Dem einen ist der Erkundigungsmarsch nicht geglückt, der andere bummelte neugierig über den Corso Umberto. Und siehe da, das erste, was ihm begegnete, war es nicht ein dicker, fetter, feister, ausgewachsener Esel? Also so sah die Wahrheit aus, auf der Straße liefen die Leckerbissen herum! Nur um es unzweideutig festzustellen, näherte sich Hassan dem Langohr, das ordentlich, wie im Zirkus, an einen Karren gespannt war. Es ist noch nicht aufgeklärt, was den Jungen auf dem Bock veranlaßte, die Peitsche umzukehren und Hassan unter die Nase zu reiben, jedenfalls ist man in allen Katzenschichten darüber einig, daß sich so etwas nicht schickt. Hassan ärgerte sich und ließ feinen Zorn an dem Esel aus. Die Leute auf dem Korso schrien jetzt, als ob sie im Zirkus wären, und zwei Tierbändiger kamen gelaufen und fingen an, das gehört dazu, tüchtig zu knallen. Hassan kannte das und ließ sich nicht stören. Wie sollte er auch auf den Gedanken kommen, daß es in Wirklichkeit Kara- binieri waren, die ernsthaft schossen. Einer feuerte neunmal. Hassan vertrug cs schlecht. Frau Hagenbeck kam gelaufen und, so steht cs in der Zeitung, brach an dem herrlichen Leichnam in Tränen aus. Es war der zweite Königstiger, den sie im Laufe weniger Tage verlor, denn kurz vorher erlag einer der Grippe. Im übrigen soll cs jetzt in Sassari zugehen wie in Napoli. Abbau beim Personal, Verhungern bei den Tierprominenten. Darüber die kreisenden Pleitegeier. Vielleicht werden sie von den Dschungeln aus gesichtet und verraten so, daß überall, selbst im Lande der blühenden Zitronen, dicke Lust herrscht. Ach, wir verstehen den Seufzer der Eingesperrten wie der „freien" Arbeitslosen: Gebt mir meine Wildnis wieder! Oie ältesten Weine. Ein alter Jahrgang gilt beim Wein als eine besondere Empfehlung, denn edle Sorten entfalten erst nach vielen Jahren ihr feinstes Aroma und ihre ganze Kraft. Dann erreicht die ..Blume" ihre höchste Feinheit, denn der 'Fruchtäther braucht Zeit, um sich im Wein vollständig auszubilden. Um diese flüchtigen Stosse in der Flasche zurück- zuhalten, muß sie gut verschlossen fein, aber auch der beste Verschluß hält doch nur ein paar auch Las Volkslied die rechte Pflege erfährt, te* wies sich in dem zweiten Teil des Programms. Es kann wegen Platzmangels hier nicht auf alte Chöre eingegangen werden, aber es fei doch ge* sagt, daß allen Ausdrucksmitteln des Gesangs die rechte Aufmerksamkeit gewidmet war. Das Orchester, das Musilkorps des Gießener Reichswehr-Bataillons, von Obermusikmeifter K r a u ß e geleitet, leistete ebenfalls Hervorragendes. Die Durchführung der VoriragSfolge, die Werke von Beethoven, Brahms, Grieg, Liszt und Strauß enthielt, gab ein erfreuliches Bild voiH der künstlerischen Weiterentwicklung der Kapelle. Wie der Sängerschar, fo wurde auch der Kapelle lebhafte Anerkennung zuteil. Die „Cäcilia" und ihr strebsamer Dirigent, Lehrer Jlge (Butzbach), können mit Stolz und Befriedigung auf das in allen Teilen wvhlgelungene Konzenck zu- rückblicken. Landkreis Gießen. OO Klein-Linden, 15. März. An den letzten Sonntagen hielt der S ch ü h e n k l u b „R o l a i. d" sein Saalpreisschießen ab. Jedem Schützen wurden drei Schuß auf die Zwölferringscheibe zu- gestanden. Die Ergebnisse waren sehr gut. Die Preisverteilung halte folgende»Ergebnis: 1. Preis Friedrich Stein, 2. Karl Otto, 3.-August Weller, 4. Wilhelm Peetz mit je 36 Ringen, 5. Werb Klein, 6. Heinrich Keudel, 7. Erwin Kopp. 8. Heinrich Mohr mit je 35 Ringen, 9. Wilhelm Volkert, 10. Konrad Keudel, 11. Albert Deibel mit je 34 Ringen, 12. Wilhelm Feh, 13. Ludwig Schwartz. 14. Fritz Größer mit je 33 Ringen, 15. Wilhelm Klein, 16. Steinmüller mit je 32 Ringen. 17. Reinhold Weller mit 31 Ringen, 18. Karl Volk mit 30 Ringen. z Röd gen, 15. März. Viele Frauen und Mädchen besuchten am Sonntag die Hand- arbeitsausstellung der Rödgener und Troher Schulmädchen, die hier im oberen Schulsaal ihre Arbeiten aus dem letzten Jahre unter der Leitung ihrer Lehrerin, Frau Schneider aus Großen-Duseck, zur Schau geordnet hatten. Die mannigfaltigen Erzeugnisse kindlicher Handfertigkeit und der sichtbare Wille zur Vielgestaltigkeit fanden allgemein Anerkennung und Zustimmung. T Lauter, 15. März. Dieser Tage hielt der hiesige Turnverein seine Generalversammlung ab. Die Einnahmen betrugen 219,77 Mark, die Ausgaben 184,03 Mark, so daß ein Kassen- bestand von 35,74 Mark verbleibt. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Die Vorstandswahl Hatte folgendes Ergebnis 1. Vorsitzender Reinhard Tröller, 1. Turnwart und Schriftführer Otto Tröller, 2. Turnwart Karl Webus II., Rechner Ernst Sann, Beisitzer August S ch 1 ö r b. Kreis Alsfeld. ch Nieder-Gemünden, 15. März. Da die vor 14 Tagen durchgeführte $ ü r g e r m e i ft e r •= wähl keine absolute Mehrheit für einen der Kandidaten brachte, wurde am Sonntag eine Stichwahl Dorgenommen. Dabei erhielt der seitherige Beigeordnete Karl Wittich II. 198 Stimmen, sein Gegen-, kandidat Heinrich Becker 67 Stimmen. Von den 360 Stimmberechtigten beteiligten sich 269 an der Wahl, das sind rund 75 v. H. Preußen. 30000 Mark bei einer Raiffeisenkaffe unterschlagen. WSR. Biedenkopf, 15. März. Die Höhe der von dem früheren Leiter der Raiffeisen- kasse in Aunzhausen, Lehrer A u g u ft in, unterschlagenen Beträge ist jetzt mit 30 000 Mark festgestellt worden. Wie Augustin die Gelder unterschlagen hat, ist noch nicht einwandfrei geklärt, fest steht jedoch, daß er mit ziemlicher Gewandtheit vorgegangen ist. In einer Versammlung wurde den Mitgliedern die Höhe der Haftsumme genannt. Man erregte sich dermaßen, daß man nach Schluß der Versammlung vor das Haus des Dorfbewohners Decker zog. wo sich der Lehrer aufhielt, und hier alle Fensterscheiben einwarf. Der Lehrer flüchtete mit Decker auf den Speicher und schrie nach Hilfe. Die alarmierte Landjägerei stellte die Ruhe wieder her. Jahrzehnte dicht, und die ältesten Weine sind nicht immer die besten. Wie Professor Joh. Grüß in „Forschungen und Fortschritte" mitteilt, haben die beiden ältesten Weine, die erhalten sind, überhaupt keinen Weingeschmack mehr. Alkohol und Fruchtäther fehlen gänzlich: die Flüssigkeit hat ihre Wein-Ratur vollständig verloren und schmeckt fade. Der älteste Wein, der heute noch vorhanden ist, ist der sog. ..Römerwein" im Museum zu Speyer. Dor einigen Jahrzehnten wurde unter den Trümmern der alten Römerseste Remetum, an deren Stelle das 'heutige Speyer steht, eine vierkantige, oben abgerundete Flasche hervorgezogen, die unter einer dichten Oelschicht eine geringe Menge Flüssigkeit enthielt. Die chemische Untersuchung hat ergeben, daß die Flasche ursprünglich Wein enthielt, der hier etwa ums Jahr 350 n. Chr. vergraben wurde. Aber heute fehlen diesem ältesten Weinrest die eigentlichen für den Wein bezeichnenden (Elemente. Dasselbe ist bei dem zweitältesten Wein der Fall, der zu Rutch bei Kombulta in einem Grabhügel inmitten eines Gräberfeldes im nördlichen Kaukasus entdeckt wurde. Die kugelförmige, dickwandige Flasche von 22 Zentimeter Höhe und mit einem kurzen, 8 Zentimeter langen Hals, die einen Durchmesser von 15 Zentimeter hat. war noch verschlossen und zwar mit einem Kork stück, das mit Wachs verklebt war. Die Flasche lag in einem rundlichen, 15 Zentimeter hohen Weidenkorb und war wohl dem Toten als Opfergabe mitgegeben worden. Dieser Weinrestfund, der sich jetzt im Germanischen Museum befindet, hat ein Alter von etwa 800 Jahren, ist also bedeutend jünger als der ..Römerwein". Eine genaue Analyse ergab, daß die zunächst nicht feststellbare Flüssigkeit unzweifelhaft einmal ein Süßwein war: gegenwärtig ist aber nur eine Lösung aus verschiedenen Salzen übriggeblicben, die völlig geruchlos ist. Für die Wissenschaft interessant ist es. daß sich in dem Weinrest eine Alge fand, die Solenobicola leptophoria heißt. Diese Pflanze wucherte auf der Rinde der Dergsteinkiefer und wurde von Insekten in das Harz dieser (Bäume verschleppt. Eine solche Alge, die mit einem Käfer während der Tertiärzeit von dem Harz der Kiefer umschlossen und dann in dem daraus entstandenen Dernstein begraben worden war, zeigt die gleiche Form wie die Alge in dem Weinrest. Der Einschluß im Dernstem ist aber mindestens 280000 Jahre alt. V ' fciilll— Heuchelheim, 15. März 1932. 0'671 Familie Familie Familie Familie Die Beerdigung findet Donnerstag, 17. März, nachm. 3% Uhr, vom Sterbehause, Kirchstraße 9, aus statt. Gg. Friedr. Rinn Friedr. Hofmann X. Karl Hofmann IV. Philipp Weiß. Die Beerdigung findet Freitag, den 18. März, nachmittags 2% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Sein Leben war Arbeit und Leiden. Nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden wurde Dienstag nacht mein Heber, herzensguter Mann, unser treu- sorgender Vater, Schwiegervater und Großvater Herr Heinrich Kasper kurz vor seinem 60. Lebensjahre durch einen sanften Tod erlöst. In tiefem Schmerz: Frau Anna Kasper, geb. Müller und Kinder. Gießen (Weserstr. 15), Beerfelden i. Odenwald, den 15. März 1932. Heute nachmittag 41/2 Uhr entschlief sanft nach längerem Leiden unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Katharine Hofmann geb. Volkmann im 75. Lebensjahre. Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Gießen, den 15. März 1932 2075 Dl ^Generalagent»? einer gut eingeführteu Der Vorstand. 2070 D mit echtem Leder 01659 AltersiereiniSunS 1872-1922 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskameraden Herrn HeinricH Kasner in Kenntnis zü setzen. Die Beerdigung findet Freitag, den 18. März, nachm. 2*/s Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Herrenzimmer Eiche, Bücherschrank, 2 Meter, Schreibtisch, runder Tisch, Sessel, 2 Stühle Für die meinem lieben Mann, unserem guten Vater Herrn Friedrich Vetters 550 Mark Auktionshaus 6. Koos, Neustadt 10. Wir suchen per sofort zum Beliefern unserer vorhandenen Privatkundschaft mit la Holsteiner Margarine, Kaffee usw. einen ehrlichen, tüchtigen W arenverteiler(in) gegen höchsteVerdienstmöglichkeit. Wir stellen alles erfordert. Material kostenlos zur Verfügung und gewähren weitgehendste Unterstützung. Bewerbungen m. Sicherheits- od. 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