Ur. 59 6rftes Blati 182. Jahrgang Dienstag, (h. Sebruar 1952 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Prutf unö Verla-: vrühl'jchc UniverNtütr-vach- «,d Stemöruderei R. Lange in Sietzen. Sdfriftleitnng und Gejchäflrftelle: ZchnlNratze Annahme von Aazet-en für die laacsnummer dis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Breite örüich 8, auswärts 10 Neichspsenmg; für Ne. klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rtichspfemug, Platzvorschrift 20*. mehr. Chefredaltteur Dr. Fnedr. Wilk. Lange Verantwortlich für Politik Dr. Ar. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.IKynol: für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil War Filter, sämtlich in Gießen Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätler Heimat tm Bild • Die Scholle ®onets:Beingsprels: Wil 4 Beilagen RM.I.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zerssprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahlnach- richten: Anzeiger tiefte«. Poßschecklonto: Srenffurl am Ulain 11686. Hindenburgs Mräsidentschastskandidaiur. Das Echo der Botschaft des Feldmarschalls. 0er Kyffhäuserbund tritt hinter den Feldmarschall. Tao Treuebekenntnis der alten Loldatcn. Berlin, 15. 5cbr. lWTB ) Reichspräsi - benlt». Hindenburg empling heute den Präsidenten des Reichskriegerbundes .Sri)ff häufet". General der Artillerie a. D. v. Horn, der ihm erneut das Vertrauen und d i e Treue der im Khfshäufer-Bund vereinigten alten col- doten zum AuSdrucl brachte S'ic Pressestelle bei Kysshäuscr-Bundes verösfentlicht über die Führer- tagung deS Bundes und über den Gmpsang des Bundespräsidenten General a D v. Horn beim Reichspräsidenten eine Mitteilung, die mit folgender Kundgebung deS ersten Bundespräsidenten schließt: ..Kameraden! Der Herr Feldmars chall hat beule ble Kandidatur angenommen. Die Volkswahl steht bevor. Nicht die Parteien sollen sprechen, sondern jeder einzelne nach besten Wissen und Gewissen. Ihr werdet mir zu gestehen, dasz ich seit Jahren mit allen Kräften bc- fkebt bin, die Parieipolitik aus unserem großen Kameradenkreise fernzuhallen. Auch heule rufe ich euch zu. Laßt d i e Parteibindung beiseite und handelt im reinen Ki)ffhäusergeist. Denkt euch übet die Partei, prüft und erkennt, die grofjen deutschen Notwendigkeiten. Durchdenkt die bevorstehenden Wahlkämpse bis zum letzten und macht euch bie Folgen klar, die eintreten können. Wer soll unser zerrissenes Polt In seiner licfflen N o t und G e - saht Zusammenhalten und nach außen ver treten? wer hat den willen und die Kraft, die ungeheueren inneren Spannungen, bie zur Entladung drängen, jum Segen des Volkes auvlaufen zu lassen? Da ich als verantwortungsbewußter Führer und auf Wunsch der Organisation Stellung nehmen muh, so soll sie — erhaben über alles parteipolitische Getriebe und unabhängig von jeder Partei und jedem Ausschuß lediglich geleitet von dem Streben für das Wohl des Vaterlandes — lauten: Bewahren mir alten Soldaten unseren verehrten Ehrenpräsidenten bas vertrauen, das er verdient und bie Treue, bie er uns gehalten Hal. verlassen wir unseren Hindenburg nicht." Oie Voltsparter für die Wiederwahl Hindenburgs. Berlin, 15. Febr. (TU.) Der Pressedienst der Deutschen Volkspartei teilt mit: ..Der Parte i v o r sl a n b der DVP. trat am Montag zur Erörterung der politischen Lage zusammen. Der Parleivorstanb beschloß, alle Kräfte einzusetzen, damit Hindenburg mit überwältigender Mehrheit gewählt wird. Bei der Besprechung ber Stellung der Partei zur Reichsregie, rung bestand völlige Einmütigkeit in der Fort- sührung einer eindeutigen, klaren und zielbewußten O ppos itio n." Auch die Bayerische Volkspartei für Hindenburg. Münch e n. 15 Febf (TU.) Die Bayerische Volksparlei-Korrespondenz schreibt mit der Heber- schrill „Oluf an bie R a tion". der Entschluß Hindenburgs, wieder für btc Reichspräsidentfchast Au kandidieren, werde wohl der schwerste seines Lebens gewesen sein Hindenburg habe d i e Forderung der Stunde richtig ersaßt und sich auch alS politischer Führer in einer schweren Stunde der Nation bewährt Für die geschichtliche Wertung ber Persönlichkeit Hindenburg bedeutet eS eine Mehrung ihres Ansehens, uah fid) Hindenburg entschließen mußte, den politischen Kamps um bic Reichs- präsidentschast auszunehmen. Der mannhafte Entschluß Hindenburgs, sich trotz der bestehenden Opposition der Wiederwahl zur Verfügung zu stellen, hatte nunmehr klare Fronten für den 13. März. Der Genius bes deutschen Volkes, der sich in der Person Hindenburg verkörpere, sei einberufen Dieser GeniuS werde sich durchsetzen 0er Reichstag zum 23. Februar einberufen. Bestimmung Termins der '.lictchspräf identen wähl. ■Berlin, 15. 5ebr. lDdZ.) Der Reichstag icIYlnJne^r endgüllig für den 23. Februar, '5 Uhr, einberufen worden. Aus der Tagesordnung steht lediglich .Beschlußfassung über den Wahltag für die Wahl des Reichs- Präsidenten". Als Grundlage der Beratung für den Reichstag dient das Schreiben des Reichs- Innenministers Groener, worin dieser namens der Reichsregierung für den ersten Wahlgang £ C n«J 13 untL -weiten Wahlgang ben 10. April vorschlägt. Em Beschluß über den zweiten Wahlgang ist zwar erst erforderlich, wenn öie Notwendigkeit des zweiten Wahlgangs feft- ftebt. Minister Groener empfiehlt jedoch dem Reichstag, vorsorglich schon jetzt einen Eventualbeschluß über den zweiten Wahlgang zu fassen, wie dies auch bei der Reichspräsidentenwahl 1925 gc- Idxben sei. Der Aeltestenratdes Reichstages ilt für Montag, ben 22. Februar, avendS cinbc- rufen worden, um darüber Beschluß zu fassen, welche Gegenstände außer dem Termin für bic Reichsvräsidentenwahl vom Reichstag noch vor bem Beginn bes Wahlkampses erledigt werben müssen. Gegen die Politisierung der wahtunmündigen Fugend, teilt Appell btroencre an die Parteien. 'B er l i n, 13. Febr. (WTB.) Ncichsinnenministcr Groener hat an bic Vorsitzenden aller im Reichs- tag vertretenen Parteien ein Schreiben gerichtet, in bem er nach einem Hinweis auf die parteipolitische Gegensätzlichkeit, die sich bei der Jugend immer mehr als Nährboden >ug endfremden Haß aeiftes und schwerer Untaten erweise, die Führer der politischen Parteien dringend auffordert, fie möchten angesichts der auf dem Spiel stehenden Vebensnotmenbigleiten des deutschen Volkes erwägen, ob nicht ganz allgemein bic parteipolitische Bearbeitung und Betätigung der Jugend, die das Wahlalter noch nicht erreicht hat, e i n g e st e l l t werden könnte. lls ist mir klar, heißt es in dem Schreiben weiter, daß angesichts der gesamten Verhältnisse der von 0ie NG0AP. „Hindenburg auf der Seite der Gegner der nationalen Krönt." München, 15. Febr. (WB.) Die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP. schreibt zur Kandidatur Hindenburgs u. a.: Ls ist der feste Wille der nationalsozialistischen Bewegung, das System des 9. November 1918, dessen letzter Träger das Kabinett Brüning ist, und mit bem für immer der heutige Niebcrgang der deutschen Nation verbunden fein wird, zu beseitigen und an feine Stell? ein neues Regiment zu fetzen, das berufen ist. endlich dem Zusammenbruch Einhalt zu tun und das deutsche Volk den Weg des Wiederaufstieges in eine neue Zukunft zu führen. Die nationalsozialistische Freiheitsbewegung wäre bereit gewesen, mit Hindenburg, den sie vor sieben Jahren im vertrauen auf den Generalfeldmarschall der deutschen Heere im Weltkriege auf den Reichspräsidentenschild erhoben Hal, zu marschieren, wenn er den willen bekundet hälfe, in llcbereinflimmung mit der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volkes dem System des Zusammenbruches nunmehr ein Ende zu machen und mit seinen Trägern z u brechen. Ader hmdenburg hat sich heute auf die Seite der Gegner der Nationalen Front, die ihn vor sieben Jahren zum Reichspräsidenten wählte, geschlagen, und eine neue Kandidatur gegen seine früheren Wähler aus den Händen von Leuten entgegengenommen, hinter denen feine Gegner und Beschimpfer von einst stehen. Man mag die Dinge drehen und wenden, wie man will, als Träger der heutigen Kandidatur Hindenburgs bleiben nur die schwarzroten Parteien bes Zusammenbruchs und ihr Anhang. Welch tragisches Geschick für den Träger des Namens einer stolzen Vergangenheit, heute der Kandi - bat des Marxismus zu fein, der Kandidat eines Noske und eines Erifpien, der kein Vaterland kennt, das Deutschland heißt. Die nationalsozialistische Bewegung hat nichts unversucht gelassen, dem schlecht beratenen Generalseldmarfchatt diesen Schrill, dessen verhängnisvolle folgen für ihn schon heute klar auf der Hand liegen, in ersparen. Vergebens? Nun mögen diejenigen die Verantwortung tragen, die ihn dazu getrieben hoben. Der Sieg wird nicht bei ihnen fein. Wie ein Sturmwind wird es gehen durch das deutsche Land, roenn das Signal z u m Angriff gegeben wird, um freie Bahn zu schaffen dem jungen Deutschland, das feinem Führer folgt, gegen wen auch immer sein Rus ergeht. Die Vaterländischen Verbände. Lchärfsie Kampfansage bem „Lchützcr dcs Systems". ■Berlin, 15. Febr. (211.) Die Bereinigten Vaterländischen Verbände Deutschlands teilen mit: .Unter Kampf gilt dem Weimarer System als dem Hindernis jeden deutschen Wieder- aufstiegs. Wir stellen mit Bedauern fest, daß der H^rr^R eichspräsident allen Warnungen 3um Trotz sieben 2 ahre lang im Sinne mir angeregte Verzicht ber 'Parteien mancherlei Ein roänben begegnen wird. Die rasche und schwere Verschlimmerung ber Verhältnisse läßt aber nur von einem radikalen Eingreifen eine Wendung ; u m Besseren erhoffen. Auch vom außenpolitischen Standpunkt erscheint es bringend empteblenemert, bem parteipolitischen Wesen unb Treiben ber mablunmunbigcn Jugend, bas nur ein zwieträchtiges, s i ch in inneren Kämpfen verzehrendes Deutschland der Zukunft erwarten läßt, ein Ende zu machen. Der Neichsminister ersucht bie Parteiführer, ihm ihre grundsätzliche Stellungnahme zu dem Appell sobald wie möglich mitzuteilen. Das Ergebnis der Sahm-Attion. Vorläufig 2,8 Millionen teintragungcn. Berlin. 15. Febr. (WTB.) Wie der Hindenburg-Ausschuß mitteilt, wird sich Oberbürgermeister Dr. Lahm morgen um 11.30 Uhr mit einer Abordnung des Hindenburg-Ausschusses zum Reichspräsidenten v. Hindenburg begeben, um ihm über das Ergeb- n i S der Einzeichnungsaktion für den Wahlvorschlag Hindenburgs zu berichten und ihn um sein Einverständnis zu bitten, daß sein Harne auf den Wahlvorschlag gesetzt wird. Am Abend des Montag belief sich die Zahl der bisher dem Hindenburg»Ausschuß gemeldeten Eintragungen auf 2 800 000. Auch jetzt noch fehlen aus mehreren Orten, vor allem aus zahlreichen Landgemeinden, abschließende Meldungen. dieses Systems regiert hat. Gr unterschrieb den Boungplan, die Quelle unseres Elends, unserer Ohnmacht und inneren Uneinigkeit. Es kann uns somit nicht jugtrnutet werden, daß wir noch e inmal unsereStimme dem Schützer dieses Systems geben. Wir werden den Kampf um die Präsidentenwahl den Harzburger Beschlüssen gemäß gegen das 6t) ft cm und seinen Kandidaten führen, für des Reiches innere und äußere Erhebung Vereinigte Vaterländische Verbände Deutschlands. Gez.: Graf von der G o l tz." 0ie 0euischnaiionaten. Kampf um eine grundsätzliche Kursänderung ‘Berlin, 15. Febr. (ERB.) Die Dcutschnatio- nalc Dolkspartei teilt mit Die Kandidatur des Fe ldm a rsch a l l s v- Hindenburg ist Tatsache geworden. Seitens der Regierung Brüning wurden in der firagc der Rcichspräfidentc wähl schwere Scaler begangen. Mit verdächtiger Geschäftigkeit hat die LinkSdemolratie Die Hindenburg- Kandidatur betrieben. Beides hat nicht nur dem Hamen des Feldmarschalls. sondern auch dem Ansehen Deutschlands schweren Schaden zugefügt. B5ir bedauern diese Entwicklung Sie ist ein neuer Beweis für die Unfähigkeit des heutigen Systems, die Geschicke Deutschlands zu meistern. Der Kampf gegen dieses System ist das oberste Gebot wirklicher nationaler Politik. Hinter dies Gebot müssen auch alle ® c - fühle der Ehrerbietung zurück- t r c t c n, bic wir vor dem Sieger von Tannenberg empfinden. Das Weimarer System veikörvert durch die schwarz-roten Parteien, versucht dauernd, die historische Gestalt des Feldmarschalls D. Hindenburg als Schutzschild ihrer zusammenbrechenden Macht auszunutzen. Aus ihrer Hand nimmt er nunmehr eine neue Kandidatur als Reichspräsident entgegen. Diese Lage der Singe macht cs uns jetzt unmöglich, untere Stimmen wiederum wie 1925 für den Reichspräli- benten von Hindenburg abzugcben. Die Deutsch- nationale Vollspartei wird vielmehr den Kampf um bie Reichspräsibentenwahl im Sinne der Beschlüsse von Harzburg und mit dem Willen führen, eine grundsätz» siche Kursänderung herbeizuführen. Der Partcivorstanb ist aut übermorgen, Mittwoch, 17. Februar, einberufen. 0er Stahlhelm. „(Veie Hand", da dieBoraussctzung für eine Unterstützung Hindenburgs nicht erfüllt. Derlin, 15. Febr. lERB.) Die Presseabteilung des Bundesamtes des Stahlhelms B. d. F. teilt mit; Am Sonntag waren die Landes- führet des Stahlhelms in Berlin zur Besprechung ber Frage ber Reichsvräsidentenwahl versammelt. Die Au-sprache ergab in voller Einmütigkeit, daß der gesamte Stahlhelm wie im 3ahre 1925 zum Einsatz füt den Generalfeldmarschall v. Hindenburg bete i t ft c h t, wenn eine ausreichende, sichtbare Voraussetzung für einen Kurswechsel geschaffen wird. Dem Herrn Reichs- Präsidenten ist dieses Ergebnis zur Kenntnis gebracht worden. Wie die Telegraphen-Union erfährt. haben heute vormittag Vertreter des Stahlhelms dem Staatssekretär beim Reichspräsidenten Dr Meißner, eine mündliche Erklärung im Sinne der Stahlhelmentschließung zur Hindenburgwahl abgegeben Staatssekretär Meißner hat die Erklärung entgegengenoinmen, jede Verhandlung darüber aber abgelt h n t. Die Presseabteilung de» Bundesamts de» Stahlhelm teilt daraufhin mit. „Die Voraussetzungen, unter denen der Stahlhelm bereit war, für bic Präsidentschaft de» Gencralseld- marschalls von Hindenburg einzutreten, find nicht erfüllt Nunmehr bat der Stahlhelm freie Han d." 0ie Meinung der Presse. berliner Blätter zur Kandidatur Hindcnburgo Berlin, 15. Febr. (Hl.) Da bie Entscheidung de» Reichspräsidenten v. Hindenburg, sich für eine etwaige Wiederwahl zur Verfügung zu stellen, erst kurz vor Redaktionslchluß bei Berliner Abendblätter bekannt wurde, konnte bisher nur cm Teil ber Abendzeitungen Stellung nehmen Die ..Deutsche Zeitung" (dcutschnatl ) spricht von einer politischen Entscheidung Hindenburgs. der sich gegen bic g c ft c 111 habe, bic ihn vor sieben Jahren auf den Schild gehoben hätten. Die Rationale Opposition habe diese Front st ellung nicht gewollt. Da fie ihr nun ausgezwungen sei. werde sie den Kamps führen mit der Achtung, die dem geschicht- lichen Rainen des von den Gegnern zur Wahl gestellten Feldmarschalls zukomme Aber auch mit der Entschlossenheit, bic die Verantwortung für die Zukunft des Vaterlandes erfordere. - De» .,T a g" lHugenberg) spricht von einem „tra- gischen Geschick". Es sei festzustellen, daß Hindenburg von der Weimarer Koalition ausgestellt worden sei. Schuld ber nationalen Front fei es mit gewesen, wenn in ber schwersten Zeit deutscher Geschichte an der Spitze des Staates woh'. ein ruhender Pol in ber Erscheinungen Flucht, aber fein Kämpfer ber nationalen Opposition gestanden habe Die politischen Kräfte aber, bic jetzt Hinbcnburg in den Wahlkamps tragen, hätten eine größere Schuld aus sich geloben. Denn sie täten es. inbem sic nach wie vor ben Begriff „Hindenburg" verleugneten, indem sie zum parteitaktischen Schachzug herab- würdigen, was Begriff fei. Pie „B örsen zeitung" (fonfero.) spricht von einer Lage, die im höchsten Maße u n c r treulich sei. Einer Gruppe von Politikern sei es gelungen, den Namen Hindenburg in ben Kamps ber Tagesmeinungen und der Parteien zu ziehen Man habe es fertiggebracht, die Entwicklung dahin 311 treiben, daß wegen der Kandidatur Hinden burgs ein R i ß durch bic n i d) t m a r jr i ft i fd)c Front gehe. — Die „Deutsche Tages Zeitung" (Landvolk) schreibt, auf der Nechten liegt jetzt bie ungeheuere Verantwortung, ob ein Hinbcnburg zum Kanbibaten ber Linken gestempelt werben soll Möge sie diesen Umstand bei ihren weiteren Erivagungen wohl im Auge behalten! — Pie „Deutsche Allgemeine Zeitung" glaubt, daß nun nicht nur bic Slanbibatenfragc, fonbern auch bie Wahl entschieben sei. Der nächste Neichspräsibent werbe ro i c b c r f) i n b c n bürg heißen Das Verantwortunasgesühl bes Ge neralselbmarschalls fei grandios. Was Hinbcnburg erstrebt habe, nämlich Geschlossenheit der Nation unb Beruhigung der innerpolitischen Kamose, dos werde nicht eintreten. Man gehe im Gegenteil einer Verschärfung der Auseinandersetzungen im Innern entgegen. Für bie Deutschnationalen unb den Stahlhelm bestehe jetzt bie Gefahr, zwischen Hitler unb Hinbcnburg ausgerieben zu werben. Die .Germania" (Zentr ) schreibt unter der Ueberschrist .Front des Volkes'. die Entscho- bung Hindenburgs und die gegen ihn gerichtete Kampfansage der radikalen Rechten haben d i e Fronten des Kampfes endgültig g c- klärt. Er muß und wird mit allen Mitteln bis zu einer klaren Entscheidung durchgefochten werden. .Der Deutsche" (Zentr ) bringt 'charfe Ausführungen gegen die Harzburger £ront. Alle Versuche, die Präsidentenwahl zum Chirac Brünings auszunutzen, seien mißglückt Die Fronten seien jetzt klar Das Volk gegen die Harzburger Front, vor allem gegen die Harzburger Drahtzieher, an deren Spitze Hugenberg flehe Damit sei auch die Parole für den Kampf gegeben. — Der .Börsen-Courier- fbem.i sieht in dem .aufopfernden Entschluß" eine Vereinfachung der Lage, in der einzig angemessenen IScife sich für oder gegen Hindenburg, für oder gegen die außenpolitische Einheitsfront, gegen oder für eine neue, überflüssige, in ihren Wir- hingen unabmeßbare Krise zu erklären Der .Vorwärts" bezeichnet die gegenwärtige Situation als vielleicht auch für bic Sozialdemokratie nicht einfach, für ihre schlimmsten Gegner aber fei sie höchst peinlich. und schreibt bann: Wir sehen unsere (Gegner in Verwirrung. Wie wir diese Verwirrung ausnuhen sollen, um ihre Rieberlage so sicher unb so schwer wie möglich zu machen bas ist die Frage des TageS. Me Harzbniger Opposition gegen Hindenburg. Stimmen aus England. Größte Bewunderung für Deutschlands „großen, alten Mann^. London, 16. Febr. (WTB. Funkspruch.) Der Entschluß Hindenburgs, von neuem für die Präsidentschaft zu kandidieren, findet in der englischen Morgenpresse rückhaltlose Bewunderung. Das konservative „Daily Erpreß" nennt Hindenburg den Rettungsanker des deutschen Reiches, und „Times" (konservativ) schreibt: Der alte Feldmarschall hat der Republik während aller Wechselfälle der sieben Jahre seiner Amtszeit so weise und so loyal gedient, daß es passender gewesen wäre, wenn ihm angesichts seines Alters das Verfahren einer Berufung auf die Bolksstimme erspart geblieben wäre. Erfreulicherweise haben Vaterlandsliebe und strenges Pflichtgefühl diesen treuen Diener seines Landes veranlaßt, auf die wohlverdiente Ruhe zu verzichten. Binnen zehn Tagen haben 21/2 Millionen Bürger den Aufruf für seine Wiederwahl unterzeichnet, ein ausreichender Beweis für die Achtung, die dem Präsidenten in Deutschland entgegengebracht wird. 3 m Aus- lande genießt er nicht weniger Achtung. Sein Entschluß ist ein Glück für Deutschland und für Europa. Unter ber Lieberschrift „Deutschlands großer, alter Mann" führt die konservative „Morning- Post" aus: Das Schauspiel, das Präsident von Hindenburg bietet, wenn er im Alter von 84 Jahren zu einer nochmaligen Uebernahme seines Amtes sich bereit zeigt, hat etwas Ehrfurchtgebietendes. Sein Amt ist keine Sinekure und das Staatsschiff steuert keineswegs durch ruhige See. 3m Gegenteil, der Augenblick ist ganz außergewöhnlich kritisch für sein Land, und das Amt bringt die schwerste Verantwortung mit sich, die einem Staatsmann zuteil werden kann. 1925 war es zweifellos der Widerschein von Tannenberg, der ihn auf den Präsidentenposten berief. Heute sind es neue Leistungen, neben denen Tannenberg nur ein schwacher, weit zurückliegender Schatten ist. Der alte Krieger der Königs- und Kaiserzeit ist für die junge Republik beinahe so unentbehrlich geworden, wie es ein Mann auf irgendeinem Gebiete des Lebens überhaupt sein kann. Dabei steht Präsident v-Hindenburg auf seinem Platze nicht infolge Verleugnung seiner Vergangenheit, sondern weil er seine Auffassung vom Dienst an seinem Lande über alle rein persönlichen Neigungen stellt. Durch eine 3ronie des Schicksals wird er von denen unterstützt, die ihm bei der letzten Wahl stärkste Opposition mochten, und viele, wenn auch nicht alle seiner früheren Anhänger sind gegen ihn. Er hat ihre Unterstützung verloren, nicht weil er sein Anrecht auf ihre Zuneigung verloren hat, sondern weil er sich weigert, ihre Marionette zu werden. Gegenwärtig sieht es so aus, als ob es den Rationalsozialisten und Deutschnationalen nicht gelingen wird, ihren alten Chef zu vertreiben. Was seine vormaligen Feinde auf dem Echlachtfelde betrifft, so gibt es keinen unter ihnen, der ihm nicht die Achtung zollt, die dem Charakter und der Lauterkeit eines großen Dieners seines Landes gebührt. Das liberale „News Chronicle" schreibt: 3m heutigen Deutschland gäbe es keine Gestalt, die im 3n- und Auslande solches Vertrauen genieße wie Hindenburg. Seine Wiederwahl würde die denkbar bestimmteste Garantie dafür fein, daß Deutschlands Haltung in der unmittelbaren Zukunft vernünftig und klug fein wird, besonders, da gleichzeitig das Verbleiben des Reichskanzlers Brüning im Amte gesichert sei, des klügsten Staatsmannes Deutschlands seit dem Kriege. Hätte Hindenburg Dr. Brüning preis- gegeben, so hätte er seine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten gesichert. Als Erwiderung dieser Forderung der Hitlerianer habe Hindenburg mit seinem gewohnten hartnäckigen Mut sich mit dem Kanzler solidarisch erklärt und sein Sieg werde auch Dr. DrüningS Sieg fein. Gr hat vor allem den Senatoren ins Gewissen geredet, daß ein Sturz der Regierung in diesem Augenblick die Abberufung Tardieus aus Genf bedeuten müßte, also eine schwere Schädigung der französischen Rüstungspolitik. Und nach den bisherigen Erfahrungen wird man auch damit rechnen können, daß Laval sich mit dieser Beweisführung durchsetzt, daß es ihm also trotz aller Schwierigkeiten gelingen wird, im Senat eine knappe Mehrheit zu gewinnen. Die Neutralen auf -er Abrüstungskonferenz. Der französische Vorschlag findet keinen Beifall. Genf, 15. Febr. (WTB.) Auf der Ab- rüstungskonferenz sprach nach dem türkischen Außenminister der norwegische Delegierte Col- b a n. Er erklärte, die Beschränkung der Haushaltsausgaben für militärische Zwecke müsse mit einer direkten Beschränkung des Personals und des Materials Hand in Hand gehen. Das Verbot gewisser Waffen müsse ergänzt werden durch die Kontrolle der privaten Waffenherstellung und des Waffenhandels. Der französische Vorschlag einer internationalen Armee sei nicht durchführbar ohne eine starke Verminderung der nationalen Rüstungen. — Man konnte beobachten, daß der französische Kriegsminister T a r d i e u den norwegischen Delegierten nach Beendigung seiner Rede in ein längeres Gespräch zog. Der holländische Außenminister Belaerts van Dlookland übte scharfe Kritik an dem Konventionsentwurf. Er forderte ein uneingeschränktes Verbot der schweren Angriffswaffen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß man zu einem Verbot der automatischen Treibminen kommen werde. Zu dem französischen Vorschlag einer internationalen Polizei bemerkte der Redner, daß solche 3deen schon früher aufgetaucht, aber an der Unmöglichkeit ihrer Verwirklichung gescheitert seien. 3eder Versuch, das Sank- tionsshstem zu verschärfen, würde scheitern, wenn nicht gleichzeitig eine erhebliche Herabsetzung der Rüstungen erfolge. Der Redner erhielt von der Versammlung starken Beifall. Abschluß der amerikanischen Flotten« Manöver im Pazifik. London. 15. Febr. (WTB.) Die amerikanischen Flottenmannöver bei H a w a i haben ihren Abschluß gefunden. Der Leitgedanke war, daß die Hawai-3nseln von einer starken feindlichen Seemächte ingenommen worden seien und die amerikanische Flotte die Rückeroberung versuchen sollte. Der Höhepunkt der Uebung war die Landung von 40 000 Mann auf der 3nfel Oahu, wobei 60 Kriegsschiffe, darunter eine Anzahl Zerstörer, einen künstlichen Rauchschleier auss Meer legten. Ferner schlossen die Liebungen M a s se n - manöver zwischen Flugzeugen und Bombenangriffe auf strategische Punkte der 3nsel ein. — Bekanntlich hatte seinerzeit die Ankündigung dieses amerikanischen Flottenmanövers im Pazifik in 3 apan große Nervosität hervorgerufen. China fordert die Einberufung der Mlkerbundsver ammlutiL- Genf, 15. Febr. (WTB.) Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat sich der chinesische Delegierte entschlossen, in der nächsten Ratssitzung am Dienstag die Einberufung der Völ- kcrbundsversammlung offiziell zu beantragen. Dem Antrag Chinas muh entsprochen werden, man rechnet mit einem Zusammentritt der Versammlung in etwa acht bis zehn Tagen. Man hat den Eindruck, die chinesische Delegation habe die Hoffnung aufgegeben, daß das Verfahren vor dem Rat zu irgendwelchen praktischen Ergebnissen führen könne. Ob die Bundesversammlung allerdings in einem Bericht oder, wie die Chinesen erhoffen, in einer Entschlie- ßung eine moralische Verurteilung des Vorgehens der Japaner aussprechen wird, erscheint nach dem bisherigen Verlaus der Angelegenheit noch zweifelhaft. Revolveranschlag auf einen hessischen Abgeordneten. Oer nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Buttler schwer verletzt. Darmstadt. 15. Februar. (2B53L) heule gegen 19.30 Uhr wurde der nalionalsozialiftifche Landlagsabgeordneie Josef Buttler, der am Freitag in dem Eberstädter Landfriedensbruchprozeß als Zeuge aufgetreten war, als er sich auf dem Dege zu einer Sitzung seiner Fraktion befand, in Eberstadt von unbekannten Tätern schwer verletzt. Lr erhielt, wie die Gaupressestelle der NSDAP, mitteilt, auf offener Straße in der Nähe der Alodaubrücke einen Schuß in den Rücken, der wahrscheinlich die Niere verletzte. Das Attentat auf Buttler erfolgte unmittelbar vor der Dohnung eines Arzte», der dem verletzten einen Notverband anlegte, worauf die lleberführung nach dem herz- Jefu-Krankenhaus in Darmstadt erfolgte. Gleichzeitig wurden Polizei und Staatsanwaltschaft verständigt. Abg. Buttler wurde im letzten halben Jahr nicht weniger als dreimal überfallen und verletzt. Diesmal scheint die Verletzung sehr erheblicher Natur zu sein. Wie wir vom behandelnden Arzt erfahren, ist die Niere nicht angegriffen, dagegen hat die kugel anscheinend das Rückenmark verletzt. Das Landeskriminal- polizeiamt hat sofort die Nachforschungen ausgenommen. Der Ueberfallene selbst hat weder den Täter gesehen noch hat er gehört, von wo der Schuß gekommen ist. Aus Anlaß des Lleberfalles auf Buttler erläßt die nationalsozialistische Landtagsfraktion eine Kundgebung, in der eS u. a. heißt: «Die fortgesetzten Arbeitermorde müssen im Volk den Eindruck erwecken, als seien Nationalsozialisten vogelfrei. Die Nationalsozialistische Partei in Hessen, hinter der 37 v. H. des hessischen Volkes stehen, warnt die Regierung, zu glauben, die Nationalsozialisten würden es weiterhin dulden, daß nationalsozialistische Arbeiter bestialisch ermordet werden. Es ist zu Ende mit unserer Geduld. Entweder werden exemplarische Maßnahmen gegen d ie Mörder ergriffen, oder die Nationalsozialisten greifen zu Mitteln, welche die Mörder und ihre Genossen zur Raison bringen." — Die Kundgebung ist unterzeichnet von dem Führer der hessischen Landtagsfraktion der NSDAP. Lenz. Oie RSOAp. fordert Aufhebung der Redeverbote. Berlin, 15. Febr. (SU.) Der Berliner Gauleiter der NSDAP., Dr. Goebbels, hat a n den Reichspräsidenten von Hindenburg ein Telegramm gerichtet, in dem es unter Hinweis auf die zahlreichen Redeverbote gegen führende Nationalsozialisten heißt: »Von 3hrem Gerechtigkeitssinn, Herr Generalfeldmarschall, erwarten wir, daß die Reichspräsidentenwahl durch das Volk wirklich ungehindert von verfassungswidrigen Eingriffen derart geführt werden kann, daß das Wahlergebnis nicht durch Redeverbote irgendwelcher Art beeinträchtigt wird." An den Reichsinnenminister G r t> e n e r hat Dr. Goebbels ein Telegramm ähnlichen Inhalts gerichtet, in dem es u. a. heißt, das Fortbestehen dieser Einschränkungen der Wahlpropaganda werde mit Sicherheit dazu führen, daß für eine spätere Anfechtung des Wahlergebnisses zahlreiche Möglichkeiten eröffnet würden. Exodus der Rattonalsozialisten aus dem Thüringer Landtag. Weimar, 15. Febr. (WTB.) Die nationalsozialistische Fraktion des Thüringer Landtags erklärt, daß sie an den Beratungen des Landtags bis auf weiteres nicht mehr teilnehmen werde. Sie werde aber jederzeit im Landtag erscheinen, wenn es ihr am zweckmäßigsten dünkt. Begründet wird der Auszug der Nationalsozialisten aus dem ßanbtag mit der Politik der Thüringer Rumpfregierung nach dem Sturz des Ministers Dr. Frick. 3nsbesondere wird die Reise des Staatsministers Baum zum Reichsinn,enminister in Sachen der Einbürgerung Adolf Hitlers und die damit verbundene Bloßstellung des ehemaligen3nnenministers Dr. Frick als Grund angegeben. Sturm gegen Laval. Revolte -es Senats. — Unzufriedenheit mit der Wahlreform. Paris, 15. Febr. (Priv.-Tel.) Lieber die Regierung Laval, die nun ihre Lebensdauer mindestens bis zu den Wahlen im Mai verlängert zu haben glaubte, hat sich ganz plötzlich ein schweres Gewitter zusammengezogen, das diesmal vom Senat auszugehen droht. Die politischen Verhältnisse Frankreichs sind insofern eigenartig gelagert, als in der Kammer praktisch eine Rechts Mehrheit vorhanden ist, während im Senat theoretisch eineLinksmajoritüt zurVerfügung stände, die sich jedoch nur selten durchsetzt, weil die mangelhafte Fraktionsdisziplin immer genug Absplitterungen ermöglicht. Jetzt aber scheint es so, daß sich im Senat wirklich so etwas wie eine Revolte gegen die unentschlossene Politik Lavals vorbereitet. Ausgangspunkt ist dabei die Wahlreform, die von der Kammer in einer Dauersitzung durch- 9«-'peitscht wurde und zu Ergebnissen geführt hat, die weitab von den Absichten des Senats liegen. Die Kammer hat nämlich beschlossen, nicht nur d i e Stichwahlen zu beseitigen, sondern auch das Wahlrecht der Frauen und die Wahlpflicht einzuführen: alles Programmpunkte, die im Senat wahrscheinlich nicht angenommen werden. Darüber hinaus aber macht der Senat dem Ministerpräsidenten den Vorwurf eines unterirdischen Zusammenspiels mit der Kammermehrheit, nur zu dem Zweck, den Senat zu verärgern. Herr Laval hat zwar sein Alibi nachzuweisen versucht und die aufgeregten Gemüter beruhigen wollen mit der Behauptung, daß er doch schließlich für bie Beschlüsse der Kammer in der Wahlreform nicht verantwortlich sei. Indessen kann nirgends ein Zweifel barüber bestehen, bah er hinter den Kulissen doch sein Einverständnis mit einer solchen Wahlreform bekundet hat. Darüber hinaus aber macht die Senatsmehrheit der Regierung grundsätzlich den Vorwurf, daß die ganze französische Innenpolitik gegenwärtig nur von den bevorstehenden Wahlen beherrscht werbe, baß bas Kabinett jeder grundsätzlichen Entscheidung aus dem Wege gehe und alles vermeide, was die Aussichten für die Wahlen irgendwie verschlechtern könne. Deshalb darf bas Thema der Wirtschaftskrise auch in Frankreich öffentlich n t ■en gehen die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichen! auf neeresmveau umgerechneten Luftdruck rrZcttcrooruussage. Das Hoch hat sich in seinem Kern mehr südwärts nach 3rland verlagert, so daß auch bei uns wieder Druckanstieg eingesetzt hat und die Bewölkung mehr zurückgegangen ist. Gleichzeitig zieht im Norden eine neue Störung mit sehr! warmer Luft vorüber. Lieber 3sland erreichten die heutigen Morgentemperaturen 11 Grab Wärme. Die Warmluft dürfte an der Vorderseite des Hochs von Nordwesten her nach Deutschland zugeführt werden, so daß bis Donnerstag Milderung und wieder mehr Bewölkung, sowie vereinzelt auch geringe Niederschläge zu erwarten sind. 3edoch wird sich in der kommenden Nacht noch mehr der Hochdruckeinfluß durchsetzen, der zu leichteren Strahlungsfrösten führt. Tagüber kommt durch geringe Bewöllung die Sonnenstrahlung mehr zur Geltung, die jetzt fortschreitende Erwärmung bringt. Aussichten für Mittwoch: Nachts leichter Strahlungsfrost, dunstig ober bewölkt, sonst aufheiternb, trocken. Aussichten für Donners tag: Temperaturen wahrscheinlich nachts bis etwas über Aull ansteigend, mehr bunstiges unb wolkiges Wetter, vereinzelt etwas Regen. Lufttemperaturen. Am 15. Februar: mittags 4,5, abends 2,9; am 16. Februar: morgens minus 1,0 Grad Celsius. Maximum 5,1, Minimum minus 1,3 Grad. Sonnenscheindauer IX Stunden. — Erdtem- pcraturen in 10 cm Tiefe. Am 15. Februar: abends minus 1,4; am 16. Februar: morgens minus (W Grad Celliusv Aus der prvvinzialbauvtüadt. Drehen, den 16. Februar 1932. Hygiene am Schreibtisch. Der moderne Mensch hat aus hygienischem Gebiet schon viel gelernt. Er kennt Wert und Bedeutung von Zähneputzen und Händewaschen, von Wasser, Lust und Sonne, gesunder ät- nLhrung. Kleidung usw Handelt cd sich ober darum, diese Kenntnis im gegebenen Augenblick vraktisch zu verwerten, dann versagen leider recht viele Menschen, so z. D. auch bei der Tätigkeit am Schreibtisch. Da sitzt man im Bureau bei einer schwierigen Arbeit, oder da» Schulkind vor einer komplizierten Rechenaufgabe; man stützt den Kops in die Hand, und gedankenschwer oder vielmehr gedankenlos kaut man ein bihchen am Federhalter oder am Bleistift. Sin andermal soll schnell etwas notiert werden. Rasch nimmt man einen Bleistift zur Hand und leckt ihn mit der Zunge an. Beim gewöhnlichen Bleistift mag daS noch allenfalls hingehen, beim Tintenstift dagegen beschwört man unnötig eine ®e- sundheilligesahr herauf. Der Farbstoss deS Tintenstiftes besitzt nämlich eine ätzende Eigenschaft, und wenn die Lippe nur einen kleinen Einriß bat oder wenn von der durch daS Anlecken entstehenden Farblöfuna gröhere Mengen in den Körper gelangen, so kann eine erhebliche ®c- fundheit-störung die Folge sein. Die gleiche Bor- slcht gilt auch für da- Anfpitzen de« Tinten- stifte-, wobei Infolge unvorfichtiger Hantierung kleine Stückchen in Die Haut oder gar in- Auge gelangen können. 3n beiden Fällen säume man nicht, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch das Anfeuchten von Driefumschlä- gen und Briefmarken mit der Zunge ist eine Unsitte, deren gefundheitliche Gefahr zwar vielfach überschätzt wird, die aber doch nicht ganz verleugnet werden kann. Handelt eS sich um Briefmarken, die eben von der Post getauft sind, fo sind nach neueren Untersuchungen die Gefahren einer Bakterien Übertragung nicht fo grob, wie z. 2. dann, wenn man die Briefmarken schon eine Weile in dem getoifo nicht keimfreien Geldtäschchen ausbewahrt hat. Ein kleine- Schälchen mit Wasser, ein Stück Schwamm oder sonst ein für billige- Geld käuflicher Anfeuchter sollte daher auf feinem Schreibtisch fehlen. Wer längere Zeit mit Arbeiten am Schreibtisch beschäftigt ist, den beginnt gar leicht der Hunger zu plagen. Rasch wird da- mitgebrachte Frühstück herau-gcholt, und arglos verzehrt man eS oft mit den von aller Schreibarbeit beschmutzten Fingern. Soviel Zeit mühte sich aber jeder nehmen, um sich vor dem Essen die Hände zu waschen. Zwar ist an all diesen Unterlassungssünden bzw. Unvorsichtigkeiten wohl noch keiner gestorben. Wissen wir da- aber wirklich so sicher? Ober wollen wir erst daraus warten? Rein, auch am Schreibtisch sollte man die Hygiene nicht vergessen, denn sie hat auch noch einen anderen Vorteil: Sie kostet nicht- oder höchstens ein wenig Ucberlegung. Bilanz den Hausfrauen-Beraiung. Die ® iebener Hausfrauen-Dera- t u n g hielt dieser Tage ihre diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung ab. Die Vorsitzende, Frau S. Koepp e, konnte der Versammlung einen Tätigkeitsbericht deS Vorstände- zur Kenntnis bringen, auS dem regste- Schassen im Verlause deS verflossenen Jahre- ersichtlich war. 3m zweiten Arbeit-jahre der Hau-frauen-Beratung fanden an jedem Donnerstag ArbeitSabende statt, die stet- sehr gut besucht waren. Das ArbeitSprograinm dieser Abende umfaßte küchentechnifche Aufgaben in Theorie und Praxi-, V. Zubereiten und Garnieren verschiedener Salate, Entsteinen von Geflügel, EiSbcreltung mit und ohne Maschine, Süßmostbereitung, Mayonnaisc-Wettrühren und verschiedene Exkursionen zum Kennenlernen und Sammeln von Pilzen: weiterhin Anleitung zum Schneidern und zu Handarbeiten, zur Handhabung de- Webrahmens, zur Anfertigung eines Knasten- mantelS aus einem alten Herrenmantel, zur exakten Ausführung der Taschen und Schlitze an einer Knabenhose, Zuschneiden und Anprobieren einer Hemdbluse und 'Veränderung der Grundform, Anleitung zur Herstellung gestrickter und gehäkelter Kleidungsstücke: ferner fanden Besprechungen von Fragen statt, die jede Hausfrau interessieren, auherdem wurden Heinere Vorträge verschiedener Art aus dem hau-wirtschaftlichen Arbeitsgebiet der Frauen, auS dem Gebiete der Kindererzie- hung. der So»ialverficherung der Hausangestellten usw. gehalten. Durch diese Arbeit im engeren Äreife deS Vereins konnte eine fruchtbringende Tätigkeit zum Ruhen der Hau-frauen entfaltet werden. 3n die breite Oeffentllchkeit trat die HauSfrauen-Deratung mit einer Reihe gröberer Veranstaltungen, die mit lehrreichen Vorträgen auS den verschiedensten Gebieten deS 3nteresfeS der Frauen audgeftattet waren. Als besonders bemerkenswert ist auf den Hau-frauen« Abend im Rahmen der Reichs-Seefischwoche hinzuweisen, der gemeinsam mit Der GaSvcreinigung und dem Gießener Fischhandel veranstaltet wurde und u. a. ein Schaukochen von Fischgerichten brachte: lxrvorzuheben sind weiterhin die im Mai vorigen wahres in Gemeinschaft mit der GaSvereinigung und der Firma 3unker & Ruh veranstalteten beiden Hausfrauenabende mit Dem Thema .Gesundes und schmackhaftes, sparsames und nahrhastes Kochen": ferner vom 3uni die beiden Hausfrauenabende in Gemeinschaft mit Der Gießener Gasvereinigung, der Firma Gebr. Roder in Darmstadt und unter Mitwirkung Der Gießener Firmen Löwer & Bechstcin. Häuser, Rau, Frau Hede Dietz > Schaukochen und Ausstellung .Der gedeckte Tisch"): em Vortrag im Oktober über Die sachgemäße Pflege DeS Fuß- boDens (verbunden mit einer Ausstellung hiesiger Finnen) und schließlich Die große Hauswirtschaftliche Weihnachtsausstellung unter Beteiligung von 50 Firmen. Diese Ausstellung wurde unternommen. um die Geldmittel zur Einrichtung einer L e h r k ü ch e und eine- eigenen Raumes für die Donnerstag-Arbeitsabende zu gewinnen. 3n diesem Raume sollen auch Servier-, Bügel- und Schneiderkurse stattfinden. An der Einrichtung und Ausgestaltung der Räume, die sich im früheren Hotel Einhorn am Kirchenplah befinden, wird gegenwärtig gearbeitet. Seit dem 1.3uli ■*931 ift die Gießener HauSfrauen-Deratung dem Reichsverband Deutscher Haussrauenvereine an- geschloffen. AuS der Tätigkeit des Vereins in i.üngftcn Zeit ist noch besonders zu erwähnen. Da Die Hausfrauen-Beratung zusammen mit einer Anzahl anderer Vereine Die Geldsammlung in Den Wohnungen zum Besten der Gießener W i n t c rn o t b i I f e übernommen hat. Diele Tätigkeit hat in Dem Sammel- und WerbenuS- schuß der Winternothi [fe volle Anerkennung gefunden. Frau Kinkel und Frau G o e r e S berichteten über den Stand Der Verein-kaffe. Bei der an- schließenden DorftandSwahl wurde Frau Koeppe wieder zur 1. Vorsitzenden. Frau Wiinber zur 2. Vorsitzenden gewählt. Die Führung der Kassengeschäfte wurde Frau Kinkel und Frau Goeres übertragen, der gesamte küchentechnische Teil, sowie die neu eingerichtete Lehrküche unterstehen der Leitung von Frau 3. Kalbfleisch (Friedrichstraße). Die Hausirauen-Beratung kann mit Befriedigung auf ihr Schaffen im zweiten Anbei tSiahr zurückblicken und, gestutzt auf die durch erfolgreiche- Wirken erlangte Wertschätzung in Der Bevölkerung, mit frohem Mut an Die Lösung neuer Ausgaben herantreten. Kurztelegramme. Eine neue billige Telegrammart läßt die Reich-, post vom 16. Febr. an versuchsweise im 3nland- v^rkchr in Form der Kurztelcgramme zu. Unter -Kurztelegramm" (KZ) versteht man ein in offener Sprache ab gefaßte- Telegramm, das mit der Adresfe und dem Dienstvermerk .KZ“ nicht mehr ol» acht Gebührenwörter enthält: z. D. .KZ — Subito Magdeburg Eintreffe morgen Samstag 11,30 Rehländer" oder: .KZ — Stephan 1176 — Ärüger Berlin Angelegenheit bestens geordnet — Fischer.“ Da- KZ-Telegramm kostet im Ort-- und Fernverkehr 50 Pfennig. Ausgeben kann man ein Kurztelegramm wie jede- andere Telegramm, also auch durch Fernsprecher. Man kann ferner vereinbarte Kurzanfchriften und die sog. Fern- fprechanschrift anwenden. Befördert wird da- neue Telegr n wie ein Brieftelegramm hinter Den vollbez ten Telegrammen. 3m Telegrammkopf werden Wortzahl und Ausgabezeit nicht angegeben. Die Zustellung erfolgt durch den Briefträger auf dem nächsten Brieszustellgang, oder es wird zu derselben Zeit zugesprochen. Erhält der Empfänger seine Post nicht durch Den Briefträger. sondern durch Schließfach, so werden ihm auch KZ-Tclegramme auf diese Weise zugeführt. Bei ^gesprochenen KZ-Telegrammen wird Dem Empfänger die TelegrammauSsertigung nicht besonder- zuaesandt. Gebühren für KZ-Tclegramme werden nicht erstattet. AuSste.lung des Al ce-Seminars. Seit Sonntag ist in den Räumen Der städtischen Gemäldesammlung im Reuen Schloß eine interessante Au-stellung von Handarbel- tendesAlicefeminarSzu s.hen. 3n dieser Schau spiegelt sich da- Wollen der Schule. Der Wunsch Aur schöpferischen Gestaltung. Der durch Die Schule in Den jungen Mädchen geweckt werden soll, dazu das Bestreben. mit einfachsten Mitteln Wertvolles zu schaffen, deutlich wider. Die Arbeiten wollen nicht prunken, sie sind mit einfachsten Mitteln geschaffen, aber es ist viel Eigenes in ihnen zu finden. Originell find Stoff- fehen auS der Lappenllste, die so zusammenaefügt sind, daß sie die Ratur spiegeln. Solche Arbeit ist Mittel zum Zwecke, durch sie soll Material- gefühl geweckt, verständiges, feinfühliges Umgehen mit Wolle, Seide und Baumwolle in dichtem • id leichtem Gewebe vorbereitet werden. Da.. Empfinden für Tonwerte zu üben, sieht man gerissene Graupapiere vom hellsten zum dunkelsten Grau zu Stimmungsskizzen zu- sommengellebt. Gefühl für Stichwirkung soll durch das Sticken von Baum und Blume nach Der Vorstellung geweckt werden. Freies Gestalten Des Materials mit Den Mitteln einfacher Techniken ist Lehraufgabe. 3n dieser Rotzeit ist es besonders zu begrüßen, daß dauerhaftes, billiges Material von ungebleichter Baumwolle. Garn oder Linnen. Daumwollkrepp viel Verwendung gefunden hat, daß einfache, klare Schnittformen, die auf gute Trachtenstücke zurückgehen, benutzt und umgewandelt sind und Anregung geben, mit geringem technischen Können und kleinern Geldbeutel sich Die Dinge seiner täglichen Umwelt nach eigenem Geschmack zu schassen. Auf die vortreffliche Verwendung von Altmaterial sei hier besonders hingewiesen; zerschnittene Trikotaaen- reffe sind daS Material mehrerer kleiner Teppiche, ausgediente Musterproben einfarbiger und gemusterter leichter Gewebe ergaben Krägelchen, schmale Leinenstreifen durch Hohlnaht zufammen- gefügt Decken. So stehen Dinge vor dem Beschauer, die Wert haben, nicht durch großen Geldaufwand, sondern durch Ueberlegung, Arbeitsfreude und Gestaltung-Willen. Solides, technisches Können beweist jede Arbeit, doch beschränken sich die angewandten Techniken auf die im bürgerlichen Haushalt erforderlichen Dinge. Lebensnähe. ®e- brauchStüchtigkeit ist Die Forderung. Die die Dinge entstehen lieh. Weder Museumsstücke, noch LuxuSgegenstände sind angestrebt. Engste Verbindung mit den Forderungen des täglichen Lebens zeigen auch Die ausgestellten Prüfungsarbeiten in Der Anfertigung von Wäsche oder Kleidung. Wie in den früheren Zähren, so kann man auch diesmal wieder Die Ausstellung nach jeder Richtung hin als lehrreich und wohlgelungen bezeichnen. Der Besuch dieser Schau ist unseren Hausfrauen und Mädchen angelegentlich zu empfehlen, da sie in vielfacher Hinsicht Anregungen bietet- Gictzcncr rSochcnmarltprcise. ' Gießen. 16. Febr. GS kosteten auf dem heutigen Wochcnmartt: Kochbutter das Pfund SO: Süßrahmbutter 1.20; CanDbutlcr 1,10: Matte 25 bis 30; Wirsing 10 bis 20; Weißkraut 8 bi 10; Rotkraut 10 bis 15; gelbe Rüben 10 bis 12; rote Rüben 10 bis 12; Spinat 25 dis 30; Anter- Kohlrabi 5 bis 6; Grünkohl 15 bis 20; Rosenkohl 25 bis 30; Feldsalat 1,00 bis 1.20; Tomaten 60 bis 70; Zwiebeln 18 bis 20; Meerrettich 30 bis 60: Schwarzwurzeln 25 bis 30; Kartoffeln 4: Aepsel 8 bis 15; Birnen 10 biS 12; Dörrobst 25 bis 30; Honig 40 bis 50; junge Hähne 80 bis 90; Suppenhühner 80 bis 90; Rüfse 35 bis 40; Käse Stück 5 bis 10; Tauben 50 bis 60; Gier 9; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 25 bis 30; Endivien 15 bis 30; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10: Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 biS 40; Kartoffeln 3,00 bis 3.50; Weißkraut 4.00 bis 5.00 Wirsing 7.00 bis 10,00; Rottraut 7,00 bis 10,00. Mark Der Zentner. Vornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater Gießen: ..Die tolle Lola“. 20 bis 22.15 ilbr. — Aliceschule Reues Schloß. Hand- arbeits-Seminar-Ausstellung. 11 biS 13 und 15 ^br ~ 3ungdeutsche Bewegung: 20.30 ilbr, Hotel Köhler. Staatsbürgerabend — Tech- nif$cr Verein; „Augustiner". Monatsversamm- lung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße „Salto Mortale“. AuS dem Sta d11hea terbu re au wird uns mitgeteilt: Heute, 20 il&r, Wiederholung bet „Tollen Lola“, Schwankoderette von Kadel- 1 bürg und Rebener, mit der Musik von H. Hirsch. Eine fasching-frohe, groß auSgestattete Ausführung. Die den ungeteilten Beifall des Publikum- gefunben hat Heinrich Hub. der Augleidb Die männliche Hauptrolle singt und sp eit. führt Regte. Die musikalische Leitung hat Walter Rloebl. GirlS auS der Tanzgruppe Bäulle und Solotänze wurden von Ewald Bäulke einstudiert. Die Vorstellung geht aiS 19. Vorstellung im Dienstagabon- nement zu gewöhnlichen Operettenpreisen in Sjenc. Cm ungewöhnlich reichhaltiger und lustiger Abend. Ende 22 llbr. Morgen, Mittwoch, Wiederholung des erfolgreichen Berliner Zeitstückes .Erna Sarafin“ von Zeiz. Ein interessante- Stück Berliner Leben-, nach einer wahren Begebenheit erzählt. 3n der Rolle der Mutter Sa- rahn vertritt Frau Auguste P r a s ch - Greven» berg die erkrankte Frau Agathe Walther-Lederer. 19. Vorstellung im Mittwoch-abonnement, Anfang 20 Llhr. Ende 22.15 Llhr. — Staat-wissenschaftliche Fachschaft. Zu dem morgigen Vortrag von Prof. B e s s o n o f f können Karten nur an Mitglieder Der Alnincrfität und Angehörige abgegeben werden. (Siehe heutige Anzeige.) " Die Kleidersammlung Der Winter n o t h i lf e, Die gestern Durchgeführt wurde, brachte ein überaus günstiges Ergebnis. Bevor Die Sammlung sortgefetzt wird, muß Da- jetzt vorhandene Material erst gelichtet werden, so daß die Angehörigen der Reichswehr und ihre Helfer mit Trompetensignal und Wagen erst in einigen Tagen wieder zum Zweck der Sammlung in den noch nicht besuchten Straßen erscheinen werden. •• Städtische Brennholzversteige- rung. Bei der gestrigen Brennholzversteigerung auS den Waldungen der Stadt Gießen, die letzte in der Försterei Rödgen, wurden bei großer Rachfrage im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Duchenscheiter l.Kl. per Raummeter 12, Lick>enscheiter 1. Kl. 8,20 Kiefernscheiter 1. Kl. ö. Eichenscheiter 2. Kl. 5, Kiefernscheiter 2. Kl. 6.20. Buchen knüppel 9, Eichenknüppel 7, Kiefern knüppel 6.60. Eichennuhknuppel (Gartenpfosten) 9, Fichten- Derbstangen 1. Kl. per Stück 1,20, 2. Kl. 0,95, 3. Kl. 0,70 Mark. Oeffentliche Handel-lehranstalt Gießen. 3mmet mehr bricht sich die Ucberjeu- Sung Dahn, daß durch die Entwickelung dcS mo- ernen GeschäftSlcbenS eine theoretische Dorbll- dung vor dem Eintritt In den kaufmännischen Beruf zur Rotwendigkeit geworden ist. Diefer Lieberzeugung verdankt auch die am 1. April 1924 in« Leben gerufene Oefsentliche Handelslehranstalt, Deren Träger Die 3nbuftrie- und Handelskammer Gießen ist. ihre Entstehung. Die Höhere Han- delSklasse nimmt Schüler mit Obersekundareife auf, bereitet sie in einem 3ahr auf ihren praktischen Berus vor und gibt Denjenigen jungen Leuten. welche das Klassenziel mit dec Gesamtnote „gut" erreicht haben, die Berechtigung, ohne Ab- Icgung der vorgeschriebenen .Prüfung für praktische Kaufleute' an einer Universität Handels- willenschasten zu studieren. Der Besuch der Höheren Handel-klasse ist auch Abiturienten, die einen kaufmännischen oder ähnlich gelagerten Beruf ergreifen wollen, sehr zu empfehlen. Die zweijährige Handelsschule nimmt 14jährige Schüler auf, einerlei, welcher Schule sie bisher angchört haben. 3n zwei vollen Schuljahren werden die Schüler für ihren prakttschen Beruf vorgebildet. 3n Den beiden Abteilungen werden folgende HandelSbe- triebSsScher gelehrt: Handelslehre mit Korrespondenz. kaufmännische Rechtslehre (Bürgerliches Gesetzbuch) nach Auswahl, Handel-gesehbuch, Wechselordnung, Buchführung (einfache und doppelte Buchsührungsmethode, italienische, deutsche und amerikanische Methode und Durchschreibebuchführung als Vorübung für moderne Dureau- organifation). Kontorunterricht, kaufmännisches Rechnen, Stenographie und Maschinenschreiben. Der sprachlichen Ausbildung mit besonderer Berücksichtigung kaufmännischer Verhältnisse dienen folgende Fächer: Deutsch, Englisch (in Der Höheren Handelsklasse auch Französisch) mit entsprechender Korrespondenz. Zur allgemein-wirtschaftlichen Fächergruppe gehören Volkswirtschaftslehre. Wirtschaftsgeographie. Warenkunde einschließlich Technologie. Der staatsbürgerlichen Erziehung dient die Bürgerkunde. 3ntereffenten feien auf Die heutige Anzeige aufmerksam gemacht. Dberbeffen. Landkreis Gießen. * K lein-Linden, 15. Febr. Der hiesige R aif fei sen verein hielt am Samstagabend feine FrühjahrS-Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende. Lokomotivführer Loh. gab einen Rückblick über das abgelaufene Geschäftsjahr, das trotz wirtschaftlichen Tiefstandes doch noch günstige Zahlen aufwieS. so daß auch diesmal wieder die Auszahlung einer achtprozentigen Warenrückvergütung möglich wird. Der Rechnungsbericht des DereinsrechnerS. Karl GI a u m , schloß an Aktiva und Pafsiva mit je 51 989.19 Mark ab. Die Verwaltung-kosten betrugen 1889,72 Mk. Die Umsatzbilanz zeigt in Soll und Haben je 401 216,91 Mk. Die Mitgliederzahl betrug 195, bet 8 Zu- und 8 Abgängen. Die Rechnung tourte genehmigt. Für zwei satzungsgemäß ausschcidende AufsichtSratSmitglieder tourten 2luguft Baumann wieder- und Ludwig Volk neu in Den AuffichtSrat gewählt. Auf Anregung des Vorstandes befchloy Die Generalversammlung Den Abbau der Vergütungen für Die einzelnen Aemter und damit eine starke Herabsetzung der Verwaltung-- und Geschäftsunkosten - - Lich, 15. Febr. Die Eheleute Dachdecker- melfter Heinrich Vater und 3ohannette geb Gcndelph. feierten das Fest der goldenen H och zeit. Bürgermeister Geil überbrachte dem 3ubelpaar die Glückwünsche Der städttschen und staatlichen Behörden. Die kirchliche Feier und Sin- segnung sand am Rach mittag durch Pfarrer D r a u b t in Anwesenheit der Vertreter des Kir- chenvorstandes statt. 3m Anschluß an die Feier überreichte der Geistliche ein Gedenkblatt deS Can- deskirchenamts und für Die evangelische Gemeinde eine Rudolf-Schäscr-Dibei. Weiter traf ein Glück- wünsch und Gedenkblatt des Reichspräsidenten von Hindenburg ein. Am Abend brachte der Posaunenchor ein Ständchen Dar. Kreis Friedberg. Friedberg, 15. Febr. Bei der geftri- gen Bürgermeisterwahl in Ober - Jörlen erhielt der seitherige Bürgermeister Schmidt 1161 Stimmen, während der von den Kommunisten aufgestellte Gegenkandidat G e ck eS nur auf 139 Stimmen brachte. Ungültig waren 105 Stimmen. 92 Prozent der Bevölkerung machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Bürgermeister Schmidt ist somit wieder auf neun Fahre flum Bürgermeister gewählt. VezirkSschöffengencht Gießen. • Gießen. 12 Febr. Ein wegen Diebstahl- vielfach vorbestrafter Bergmann hat nacht» aus der Hofreite einer im gleichen Orte wohnenden Witwe zwei Zuchigänfe gestohlen und geschlachtet. Sie sollten in seinem Haushalt verzehrt werden. Er behauptete heute unwiderlegt, feine inzwischen in eine Anstalt gekommene Frau habe ihm solange zugcsetzt. biS er mit ihrer Hilse den Diebstahl begangen habe. Mit Rücksicht auf Die Vor» Grasen wurde wegen Diebstahls im wiederholten Rückfälle auf eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten erkannt. 3n weiteren Drei Strafsachen, Die heute an- standen, handelte es sich um Urkundenfälschungen. «in Viehhändler hat zwei Wechsel gefälscht und der Spar- und Darlehenskasse, Die ihn zur Stählung einer Schuld drängte, in Zahlung gegeben. Gegen die beiden Landwirte, deren Hamen er mißbrauchte, standen ihm Forderungen zu, die aber gestundet waren. Seiner Behauptung, er habe fein Vorgehen deshalb nicht für strafbar gehalten, wurde kein Glauben geschenkt; auch schützt Unkenntnis nicht vor Strafe. Sr wurde ju einem Monat Gefängnis und zu einer Geldstrafe von 130 Mk. verurteilt. Strafmildernd kam in Betracht feine Unbescholtenheit und der Umstand, daß tatsächlich kein Schaden entstanden ist. Um sich einen höheren Vorschuß auf den Arbeitslohn ihre- Mannes zu verschaffen, al- ihr von Der Bürgermeisterei zugebilligt war, fälschte eine Frau eine Anweisung und hob den Betrag ab. Sine andere Frau legte eine von ihr ge- fälschte Quittung Der Bezirksfürsorgestelle vor und ließ sich Den angeblich für Ihr uneheliches Kind vorgelegten Betrag ersetzen. 3n beiDen Fällen würbe auf Die gesetzliche Mlndeststrase von einer Woche Gefängnis erkannt. Rirdifirfw Tlochrifhlen Evangelische Gemeinden. Mittwoch. Den 17. Februar. Stadtkirche. 18 Uhr: 2. PassionSandacht. Pf» Becker. öetolnnausiHfl 5. Klasse 38. Preußisch-Lüdbeussche (264. Preuß.) Staals-Lotterle Ohne Gewähr Nachdruck vcrdote» Aus jede gezogene Nvmwer sind »lrei gleich hohe (Bc’.'.inne gefallen, und zwar je einer ans die Lose gleicher Nummer in den deiden Avtellungen I und II 5. Ziehungstag 13. Februar 1932 ön der heutigen Donnittaaszlebung wurden Gewinne über 4U0 M. gezogen 2 •«Pinn, x 1OOOO W. 374684 14 h 6000 M. 36170 70868 200662 212086 218030 238994 257317 6 »retnee iu 3000 QJL 34240 106400 383454 44 ® III. Ziehung bestimmt 29. Februar 1932 Ea senacner Geld-Lotterie zum ßesien de» Thüringer Museum« Eisenach 3386 Gewinne zusammen Mark 125oo Höchstgcwinn auf ein Donnelto« RM. 5ooo HBchslgewinü aui «in Einzeller RM. 25oo lerne, Gewinne KM. 1ooo Alle Strümpfe werden bei mir sehr billig Bekanntmachung. Das Polizeireglement vom 24. Februar 1882, wonach die Garten- u. Feldbesitzer, die ihren Grundbesitz an öffentlichen Fahr- und Fußwegen einfriedigenden Hecken in jedem Frühjahr bis zum 1. März auf 1,25 Meter höhe und 0,50 Meter Breite zurückzuschneiden haben, wird mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Zuwiderhandlungen auf Grund des Artikels 43 des Feldstrafae- setzes mit Geldstrafe von 1 bis 10 RM. bestraft werden. 1273C Gießen, den 15. Februar 1932. Bürgermeisterei Gießen. ______I. V.: Dr. Rosenberg._____ Holzverkauf. Nutzholzversteigerung. Dienstag, den 23. Februar, vormittags 10 Uhr, im Gasthaus „Zur deutschen Eiche" in Klein-Linden aus den Forft- orten Stempelschlag, Rehlock), Tannacker, Fuchsbau, Tiefental, Hexenbusch und Wüstung der Försterei Grohen-Linden: Abschnitte, A: Fichte: Kl. 3a 2 Stcf. - 1,39 km, Kl. 3b 3 Stck. = 2,43 km, 4a 2 Stck. = 2,82 fra, 4b 1 Stck. = 0,57 fm; Abschnitte N: Kiefer: Kl. 3a 1 Stck. - 0,64 fm, Fichte: Kl. 2b 2 Stck. -- 0,94 km, 3a 1 Stck. = 0,57 fm, 3b 2 Stck. - 1.46 fm; Langholz, N: Kiefer: Kl. 2b 3 Stck. = 1,98 fm, 3b 1 Stck. T-- 0,96 fm; Fichte: Kl. la 1 Stck. = 0,18 fm, lb 9 Stck. = 2,88 fm, 2a 3 Stck. = 1,55 fm, 2b 2 Stck. = 1,37 fm, 3a 1 Stck. - 1,03fm; Derbstangen, Fichte: 1.Kl. 288 Stck., 2. Kl. 102 Stck., 3. Kl. 16 Stck. ; Nutz- schelfer, Kiefer 2. Kl. (3 m lang) 12 rm, Fichte 2.Kl. (3 m lang) 21 rm; Ruhknüp- pel, Fichte: 35,5 rm (3 m lang). Es wird vorherige Besichtigung des Holzes empfohlen. 1269D Gießen, den 15. Februar 1932. hessisches Forstamt Schiffenberg. Nicolaus. Ht.w Inhalts seiden- - Lus ®tu Dreisüber^ &LI mit®* । Die ©' Für sche 161 Si< 2 01 3 61 4 Ei 56 66 u1 2. Nr di Schorns 1 € 26 36 U 5( 6( 3. Für d 4. Für i schen, Schreif schaftss liehen i sicht ov Für zungssä wenn i Dei kle 5. Für di eingeba steinen, lichen ■ zu gev ganz oi Für dil und Zi der Gn 6. Für dar steine c1 damit z entrichte 7. "Lei In steht d berechn Lohnta Schorns 8. Für da stunden mäßiger reinigun gelten d 9. Für das Schornstc für den 11. Für i Temackmg i tot in, io ie unmittelbar wrglkis Lch 'örem gebendem E nach tze Bodunoff» f be>n Spielplc Aelleick E'Mt, dieser durchaus Qu Feuge Q M toQr Degegebah '°«S Jer gänzlich »4m Morden 'r- "ii e-y durch 55$ ;°tbtQn0.3u beg^s^ man « Neu eituatj-No fa,i4(S.bet Nr. 59 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) viens:ag, ch. Februar 1952 MiensKolomalpoMundseineAachbarn Don Dr. Max peblt Bei der Betrachtung des mandschurischen Problem- zeigt sich, daß nach dem Grimmschen Dort die Japaner ein Volk ..ohne Raum" sind. Zu den Völkern ohne Raum in Europa gehört aber neben Deutschland auch vor allem Italien. Italien ist in noch schlechterer Lage alsDeutsch - land. Diese- könnte al- vorwiegende-Industrie, land sich zur Rot noch selbst ernähren, da es im allgemeinen die Rohstosse eine- Industrielande-, vor allem die Stöhlen. in keinem Boden birgt. Es fehlt ihm nur insolge der Eifersucht der Konkurren- ten an Absatzmöglichkeiten. Italien aber kann das nicht, denn e- hat weder Eisen n 0 chK 0 hle in nennen-werten Mengen. Seine Bevölkerung ist nach der Zählung von 1928 auf 40 Millionen Köpfe gestiegen bei 312 510 Quadratkilometer zu. meist gebirgigen Heimatbodens, während Frank« reich mit seinem reichen, mit Erdschätzen geseg. ncten Boden aus 551 000 Quadratkilometer nur ebensoviel Bewohner hat. Run könnte, wer oberflächlich eine politische Weltkarte betrachtet, der Meinung sein,' Italien habe ja genügend Kolonialraum, um feine überschüssige Bevölkerung zu ernähren. Aber der Schein trügt: da- Land Tripoli- ist eigentlich nur ein Küstenstreisen, hinter dem gleich die W ü st e folgt' es ist auch erst in den letzten Jahren etwa- weiter in- Innere hinein unterworfen toor- den. Da- nach dem Weltkriege von den Englän. dern mit einer groben Geste an Italien überlassene Iubaland (91 000 Quadratkilometer) ist aber klimatisch so schlecht, dast selbst der ziem« lich tropenfeste Italiener dort nicht arbeiten kann und ch i n e s i s che K u l i - die Arbeit überneh. men müssen. So sind die Italiener bei ihrem starken Ge- burtenüberschuh — der allerdings in letzter Zeit zurückgeht — genötigt, ihre überschüssige Bevöl- fcrung al- „Ozeansachsengänger" über- Meer zu schicken. Die Hauptländer der Auswanderung sind Ämeri^l. Süds rankreich, Algier und Tunis. Hier liegt dauernd ein latenter Konfliktstoff der Zukunft vor. Im Jahre 1881 hatte Frankreich diese- gegebene italienisch« Gegenufer den Ito- kienern vor der Rase weggenommen, so daß da- gereizte Italien damals in den Dreibund trat. In Tunis aber wohnen dreimalsovielIta- licner a l S Franzosen, die durchaus nicht die Absicht haben, sich zu assimilieren und „gute Franzosen" zu ©erben; in Algier sind gleichfalls zwei Drittel der Bewohner Italiener und Spanier. Mit Recht sagt Professor Hennig, das; Tuni- und Algier nicht auf die Dauer französische Kolonie und italenischeS SiedlungSland sein können ES ist klar, dast da- Mutterland da- Schicksal dieser Kolonien mit besonderer Spannung verfolgt. So hat denn auch Mussolini im Jahre 1927 fern Beispiel der Engländer im Burenkrieg folgend den Grundsatz ausgesprochen, dah ein Land auch g e w i s s e R e ch t e ü be r seine auSgewanderten Kinder in Anspruch nehmen müsse WaS das im Konfliktssalle bedeuten kann, ist klar: vielleicht hat Witschall in der Zeitschrift für Geopolitik nicht unrecht, wenn er meint, ein ..vierter Panischer Krieg' sei durchaus sicht unwahrscheinlich. Freilich hat Italien zum grasten Teil an seiner Kolonial not selber schuld. Statt sich als Preiseiner KriegSteilnahme gutes und au-reichende- Siedlungsland ou-zubedingen ftante e j wie gebannt auf die Irredenta mit ihren men- ichengesüllten Gebieten, die seinem Wanderdruck wenig Helsen können. Run must eS, im Gegensatz zu den früheren Derbündeten, vor allem zu Frankreich, versuchen, seinem Mangel an notwendigen Rohstossen entgegenzutreten Besonder- ist es daher aus ungehinderten Schifssverkchr angewiesen. Kraftvoll hat Mussolini die Aufgabe angegriffen. Im ganzen Mittelmeer hat er auf italienischem Boden grobe Flugstationen er- richtet, die mit ihren Flugzeugen — wenigstens in der Theorie — da- Mittelmeer beherrschen Da ein moderne- Bombenflugzeug mit 3000 bi« 3600 Kilogramm Belastung einen AltlonsradiuS von etwa 700 Kilometer hat. so scheint die- wirk- lich möglich. Diese neuen Flugzeughäsen befinden sich dicht an der französischen Grenze auf Sardinien. auf Sizilien, in Rordafrika und auf den Ionischen Inseln Die Enge aber zwischen Sizilien und Afrika kann leicht durch Minen verseucht werden. Aus diese Weise hofft Musfolin, durch Absperrung und Beherrschung des östlichen Mittel- meer- die Z u s u h r von Erdöl für die Flotte und den Autoverkehr zu sichern. Denn diese Oel- versorgung spielt gerade bei dem Mangel an Steinkohlen für Italien eine besonders grobe Rolle. Daher ist e- denn auch auf eine umsichtige Oelverforgung besonders bedacht. Alba, n i e n . jetzt saft ein italienischer Schuhstaat, steht mit seinen Erdölschähen fast ganz unter italienischem Einfluß. Auch mit Rumänien sind bindende Abmachungen getroffen, die allerdings infolge der franzosenfreundlichen Haltung de- Lande- nicht ganz sicher sein werden. Umfangreiche Verträge sind auch mit Ruhl and abgeschlossen worden. Wohin wendet sich nun der Wanderdruck Italiens. nachdem jetzt die Bereinigten Staaten das Kontingent der einwandernden Italiener stark herabgesetzt haben und auch Frankreich der ita- Gpielvereinigung 1900 Gießen. 1900 (Liga) — DfB. Friedberg (Liga, Meister de» Taunuskrelse») 3:1 (1:1). Da- Spiel de- vergangenen Sonntag- auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe lag weit über dem Riveau dessen, was man sonst auf dem Sportplatz der Epielvereinigung zu sehen gewohnt ist Biele Zuschauer hatten sich Ungesunden. Brachte schon das vorhergehende Spiel der beiden Iugendrnannschaften der genannten Dereine einen rassigen Kamps, so war man von dem Spiel der ersten Mannschaften auf da- Angenehmste berührt. Die Epielvereinigung gewann den Kampf. Das Grgebnis kommt etwa- überraschend. Man hätte bestimmt die Friedberger als Sieger vermutet. Dabei konnte man nicht sagen, dah di« Gäste irgendwie enttäuschten. Zwar ihre Zusammenarbeit war nicht so exakt wie man glaubte dah sie sein würde, von einem ausgesprochenen süddeutschen Flachpah konnte man auch nicht sprechen, die Mannschaft spielte manchmal reichlich hoch. Trotzdem aber zeigten die Gäste beachtliches Können und forderten die Blauweihen zu einer Kraftprobe ersten Ranges heraus. Die Friedberger spielten fair, schnell, ideenreich, die Läuferreihe stand gleichgut -um Sturm wie zur Verteidigung, dem Sturm mangelte es allerdings an dem letzten Einsatz, und diesem Umstand war die Riederlage zuzuschreiben. Die besten in den Reihen der Gäste waren der Mittelstürmer Su- d i e, der Mittelläufer Gutmann und der linke Verteidiger Kohn Die Blauweihen fpielten am Sonntag ihr bestes Spiel. Alle Mann waren auf dem Posten. Rascher Flankenwechsel, flotte- Zuspiel, genaue Ballabgabe, entschlossener Torschuh (allerdings manchmal daneben und darüber) charakterisierten das Spiel. Hervorragend waren die beiden Flügelstürmer; Lippert tat sich verschiedentlich besonders hervor, die Verteidigung war sehr lienischen Einwanderung Schwierigkeiten macht? Es verfährt nach seinem AltionSprogramm, das die faschistische Regierung, offen wie keine andere. ausgesprochen hat. Seine Hauptforderung ist die völlige Beherrschung des Adriatischen Meeres: H marc nostro. Run hat Italien zwar nach Kriegsende Triest und durch den Gewaltstreich auch Fiume gewonnen, auch Enklaven an der dalmatinischen Küste, aber sonst wird eS überall durch die starke kroatisch-slowenische Landbevölkerung, seinen erbitterten Feind, zurückgedrängt Jugoslawien aber, der eigentliche Rachfolger Oesterreichs tm Südosten, hat nach anfänglicher italien- freundlicher Politik unter dem alten Balkanfuchs' Palitfch sich ganz sranzö'ilcher Führung angeschlossen. Dies enge Bündnis wurde im Ro- vember 1927 durch einen französisch-jugoslawischen Freundschaft-- und Schiedsvertrag besiegelt; eine französische Flotte wurde 1930 von der Bevölkerung mit Jubel ausgenommen Daher hat sich Italien vor allem an Albanien gehalten, das eS tvirtfchalllich fast völlig beherrscht. Aber auch hier läuft die Maschine nicht ganz reibungslos. Denn diese- ..verschleierte Protektorat" Italien- wird von dem in allen orientalischen Ränken geübten, diplomatisch erfahrenen Könige Ahmet Zogul geleitet, der in manchen Dingen mehr Selbständigkeit zeigt, alS den Italienern lieb ist. So muh sich Italien, dasjenige Land in Europa. das am meisten al- Volk ohne Raum" bezeichnet werden kann, mühselig gegen die Widerstände seines großen Wanderdruttes wehren. Und dabei gibt es auf der Welt genug Völker, die im Gegensatz zu Italien und Deutschland „Raum ohne Volk" haben und sehr wohl helfen könnten. schlagfertig, der Sturm in bester Epiellaune. Die Läuferreihe brachte den Ball unermüdlich nach vorne und unterband manchen Angriff der Gäste schon im Keime. Schmidt im Tor war sehr gut. DaS Spiel begann in flottem Tempo. Es ergab sich schon in der ersten Minute ein Eckball für Friedberg, der jedoch nicht verwertet wurde. Dann drängte 1900. Ein Torschuh wurde zur Ecke abgewehrt, die aber ebenfalls nichts einbrachte. Die Blauweihen erkämpften sich nun eine leichte Feldüberlegenheit, lagen immer etwas mehr vor fcem gegnerischen Tor und tatsächlich gelang es Lippert schon in der 7. Minute, für feine Mannschaft den Führungstreffer zu erzielen. Aus dem Gedränge heraus ging überraschend ein scharfer und wohlplacierter Schuh knapp unter die Latte. Der Tormann machte vergebliche Anstrengungen. Bald darauf bot sich den Friedbergern eine Ausgleichsmöglichkeit. Die Verteidigung war aber auf dem Posten. Die Gäste gingen leer aus. Der Kampf wogte auf und ab. Die Friedberger hoben vorübergehend die Vorherrschaft der Platzbefiher im Feldspiel auf, vermochten aber erst kurz vor dem Wechsel den Ausgleichstreffer zu erzielen. Schmidt lief bei einem fchönen Angriff des Friedberger rechten Flügel- aus dem Tor, warf sich dem Ball entgegen, der Halbstürmer gab ab und bann landete das Leder im leeren Tor. Rach der Pause begann der Kampf mit unverminderter Heftigkeit. Manche Chance wurde ausgelassen. Die Friedberger machten alle Anstrengung. ihrerseits die Führung zu übernehmen. Es gelang nicht. Vielmehr brachte Heilmann auf eine Flanke von rechts durch Kopfball seine Mannschaft abermals in Führung, und schliehlich stellte Lippert durch einen dritten Treffer den nicht unverdienten Sieg der Dlauweihen sicher. Der Schiedsrichter (D a u s e r - Wetzlar) war in seinen Entscheidungen gerecht und amtierte zur Zufriedenheit beider Parteien. SJ.-fpor/ Gießener Konzeriverein. Liederabend Eva Liebenberg. Es wird wohl manchem, der M u f s o r g s k i S Lieder und Tänze des Todes in ihrer packenden Wucht erleben konnte, nicht bewußt geworden sein, dah dieser Mann schon über fünfzig Jahre tot ist. so lebensnahe, so gegenwartsgebunden, so unmittelbar erschien dieses ODcrt. Während Muf- sorgfkiS Schaffen in der französischen Musik mit ihrem Impressionismus schon früher von maß- gebendem Einfluß wurde, so trat man bei uns erst nach dem Kriege für ihn ein; fein .Boris Godunoff" konnte sich nut stärkstem Erfolge auf dem Epielplan der deutschen Opernbühne behaupten. Vielleicht war dieser Zeitpunkt am besten geeignet. dieser in kompositionstechnischer Hinsicht durchaus auf Opposition eingestellten Musik Eingang zu verschaffen. Wir sind alle mehr oder minder Zeuge gewesen, wie stark die Umwälzung in dem musikalischen Schaf len des letzten Iahrzcchntes bei uns war, wie überall an dem llebcrfommencn gerüttelt wurde, um sich von der Tradition zu lösen, wie neue Ansatzpunkte gesucht und neue Wege gebahnt wurden Eine ganz ähnliche Situation lag s. Z. bei Mus- forgski vor. Dem rusß-chen Musikleben, das bisher gänzlich unter westeuropäischem bzw. füb- europäischem Einfluß gestanden hatte, war durch Glinkas Oper „Das Leben für den Zaren" die Richtung auf die nationale Eigenart gewiesen worden. Fünf junge russische Musiker, die „Ro- ©atoren", ober, wie man sie auch spöttisch nannte, bas ..mächtig« Häuflein", traten bewußt für bie Schaffung einer spezifisch rus'i'chen Musik ein. Da sie alle mehr ober weniger Dilettanten waren, hatten sie sich ihre Kenntnisse weniger burch ein geordnete« Stubium als burch bie Erfahrung unb gegenseitigen Meinungsaustausch erworben. Sie fanben ihren Weg fast instinktmäßig, unbelastet burch Tradition. Unter biesen Fünfen war es Musforgski. der mit der elementaren Kraft und Realität zu dem erstrebten Ziel am weitesten vordrang: zur Wahrheit im musikalischen Ausdruck. Abgesehen von den Dühnenwerken gewähren die ..Lieder und Tänze des Todes" den besten Einblick in das Schaffen des Meisters. Würde man sie mit dem uns geläufigen Lied- begriff messen, so könnte man sie schwerlich erfassen. Mussorgski versucht, jedem Bild, jeder Situation der Dichtung die ihr angemessene musikalische Entwicklung zu geben. Man muß dabei erstaunen über die Fülle genialer Einfälle und über die fast instinktmäßige Treffsicherheit in der Wahl der AusdruckSmittel. ES vermag im Augenblick zu erschüttern, mit elementarer Kraft mitzureißen; ja. diese elementare Gewalt läßt beim Hörer nicht bewußt werden, daß ihm eigentlich das fehlt. Wadas musikalische Kunstwerk auSmacht: nämlich die straffe, organisch« geistige Formung in einer letzten überzeugenden, endgültigen Durchgestaltung. Diese bei Mussorgski auf ihrer Einmaligkeit beruhende Kraft des Ausdrucks würde bei jedem, der ihm folgen würde, zur Manier ©erben und an Wirkung unb innerem Wert einbühen. Jedes der vier Bilder, in denen er den Tod. erleben läßt, ist für sich treffend charakterisiert, so durch die Tanzrhythmen in „Trepak", oder durch den Sarkasmus des „Ständchens", durch den Schmerz der Rlütterlichkeit im .Wiegenlied", durch daS grausig Triumphierende im , Feldherrn". Dem Bannenden, Erschütternden dieser Svenen wurde Eva Liebenberg zu einer Kund«rin voll starker Größe. Sie erfüllte die einzelnen Bilder mit gewaltigen dramatischen Akzenten und ließ den im Werke gebundenen Realismus sich mit zwingender Gewalt auf den Hörer auswirken. Mit ihrem modulationsfähigen Organ konnte sie jeder inneren Regung überzeugend Bildhaftigkeit verleihen, jeder Stufe seelischer Erregung plastische Auswirkung geben. Hier fand das Werk die ihm zukommende Gestalterin. Der erste Teil deS Programme- ©ar dec Kunst des Belcanto gewidmet. Hier konnte man erneut feststellen, wie feinsinnig stilgemäß Eva Liebenberg diese- im Vortrag so überaus schwierige Gebier meisterte Richt in der vortraglichen Zuspitzung, aber auch nicht in der gesanglich artistischen Leistung sieht sie ihr Ziel, sondern sie erfüllt ihre Gaben mit innerem Leben, so daß sie stets durch ursprüngliche Ratürlichleit den Hörer für sich gewinnt. Ihr Vortrag war ebenso stark vergeistigt in dem „Pieta, Signore" (Altitalienischer Meister). wie in den beiden Händelarien (Arie der Kleovatra aus ..Julius (Sä'? ar“. ..Arioso"). W c schon früher, muh auch hier wieder betont werden, dah sic der deutschen Sprache die gleichen gesanglichen Wirkungen abzugewinnen imstande ist wie der italienischen. 3m Lied fängt sie mit sicherem Griff die Grund« ftümnung ein und läßt mit beseelter Verinnerlichung im Etrophenlied die wiederkehrende Melodie im Sinne des Teiles in ständig neuem Lichte erscheinen; fo bei Schuberts .Rähe des Geliebten" und der „Fischerweise". Mit der dritten Echubertgabo („Die junge Rönne"), rollte sie ein ergreifendes Seelengemalde auf. Der besonderen Vortragsgabe der Sängerin ist es zu danken, daß von den Robert-Franz- Liedern »Auf dem Meere" mit seiner Anschaulichkeit und .Herbst" trott seiner Sentimentalität für den in heutiger Zeit so selten berücksichtigten Komponisten warben. Es ist der Künstlerin hoch anzurechnen, daß sie nach einem überaus schweren Krankenlager ihren hiesigen Verpflichtungen nachgekommen ist. Daß die Stimme sich nicht immer ganz frei und dem Willen der Sängerin gemäß entfalten konnte, muh angesichts der erschwerenden Umstände unbedingte Rachsicht des Hörers erfordern Auch nach dem letzten großen Eindruck werden fich alle Hörer darin einig fein, der Konzertgeberin völlige Genesung zu wünschen, damit sie in kommender Zeit wieder in alter Frische von ihrer großen Kunst spenden kann. Rach langer Pause waltete Paul Meyer (Frankfurt) am Flügel; und wieder zeigte es sich, dah wir in ihm einen Begleiter haben, der jeder Situation gewachsen ist, der sich mit Rach- giebigteit dem Solisten anzupassen und dennoch feine musikalische Individualität zu voller Entfaltung zu bringen vermag. Dr. H. Ein Gerichtshof schaut einem Goldmacher zu. Die Probe seiner Goldmacherkunst, die der polnische Alchimist Dunckowski, wie bereit- gemeldet, einem Pariser Gerichtshof in dem für ihn eingerichteten Laboratorium der Ingenieurschule vorführte. hat großes Aufsehen erregt, und es war auch wirklich ein eigenartiges Schauspiel. Der Goldmacher, der wegen Betrugs angeklagt ist unb dem dieser Versuch als Beweismittel gestattet worden ©ar. wurde aus seiner Zell« im Sante-Ge- sängnis nach dem Laboratorium geführt, dessen Fenster mit schwarzem Papier verkleidet waren, um jedem Reugierigen den Einblick unmöglich zu machen. Die er zwischen seinen Apparaten, den Schmelztiegeln und a© glühenden Glasröhren stand und hantierte, da erinnerte er wirklich an einen Alchimisten des Mittelalters, und die schwarzen Roben der Anwälte und Professoren mit ihrem Pelzbesatz und die schwarzen Trvddelhüte gemahnten'an die ferne Zeit, in der jene Amts tracht auf gekommen war. Man muhte unwillkürlich an den großen Alchimisten Ricola- Flamel denken, Deutsche G^kimeisterschast. Gumdold Sprunglauf-Sieger. Rudi Matt Meister 1932. Die deutsche Skimeifterfchaft 1932 wurde am Sonntag mit dem Sprunglauf entschieden. Der Arlberger Rudi Matt, der schon im Langlaus den dritten Platz belegt halte, wurde auch diesmal Dritter und brachte somit die Kombination vor dem Inn-brucker G u m b o l d . der im Lang- lau) als Erster einkam. an sich und wurde damit deutscher Sk meister 1932 Der Titelverteidiger Gustav Müller- Bavrisch-Zell kam. nachdem er schon im Langlaus stark ins Hintertreffen geraten ©ar. im sonntäglichen Sprunglauf durch einen Sturz um feine Chancen und belegte nur den siebenten Platt 3m Langlauf hatte sich der Traunsteiner Willi Pog ne r noch Vesser placiert alS Matt, kam aber auch dann durch Stürze zurück. — Sieger des Sprungläufe- wurde der Innsbrucker Gumbold. der in allen drei Gängen über 50 Meter wett kam Thüringer Sieg im 50-Kllvmeter-Dauerlaof. AIS weiterer Wettbewerb der deutschen Ski» Meisterschaft wurde am Montag in Schrerbcrhan der 50-Kilometer-Dauerlauf und der Patrouillenlauf der Flachlandtruppen für die deutsche Heere--Skimeisterfchafl ausgetragen. Zum 50-Kllometcr-Dauerlauf halten sich nur 34 Teilnehmer am Start eingefunden Die Schneever- bältniffe ließen guten Sport zu. Sieger wurde Erich Marr (Friedrich-roda) in 3:30:06,7 vor Ernst Krebs «München) in 3: 30:29,7 und Okto Wahl in 3:34:46,2. — Bester Altersläufer war der Dresdener Schneider in 4:40:45. III. Winter-Olympiade. Die Schlußzeremonie. Im Anschluß an das Entscheidungsspiel im Eishockey zwischen Kanada und USA sand am Sams- tagnachmittag im Eisstadion zu Lake Placid noch die feierliche Schluhzeremonie her Olympischen Winterspiele statt. Die sportlichen Wettkämpfe waren allerdings nod? nicht ganz beendet, ha bat' Dierer-Dobrennen erst am Sonntag in Angriff genommen werden Tonnte. Zu der Schluhseier marschierten wieder die Vertreter aller 17 beteiligten Rationen auf. Während der Feier herrfchte ein starker Schneesturm, trotzdem harren Tausende von Zuschauern geduldig aus. Bei der Preisverteilung wurde auch die deutsche Eishockey-Mannschaft. die für ihren dritten Platz mit bronccnen Medaillen ausgezeichnet wurde, lebhaft applaudiert. Das Schlußwort sprach der Präsident des Internationalen Olympischen Kv- milees, Graf Baillel-Lalanr Beginn der Diererdobreane«. Auf der Mt. van Hocvenbergbahn wurde am Sonntag das Vierer-Bobrennen mit den beiden ersten Läufen in Angriff genommen. Durch den hochliegenden lockeren Schnee hatte die Bahn an Schnelligkeit verloren 3n den beiden ersten Läufen hielt sich „Amerika 2“ i Führer Fiske > am besten, er erzielte auch mit 1:59.16 Min. im zweiten Lauf die beste Zeit des TageS. Recht gut schnitt Deutschland 1 (Führer Kilian) ab, der den dritten Platz erreichte. Rach Erledigung der beiden ersten Läuse führte Amerika 2 vor Amerika 1, Deutschland 1, Schweiz. Italien. Rumänien und Bob Deutschland 2 (Führer von Mumm). ... unb bie Entscheidung. Der von Kilian gesteuerte Bob „Deutschland 1" vollbrachte in den beiden letzten Läufen am Montag eine sehr anerkennenswerte Leistung, im dritten Laus fuhr er sogar die zweitbeste Zeit. 3m Gesamtergebnis blieb aber her deutsche Bob hinter den beiden amerikanischen Schlitten, von denen Amerika 1 im vierten Laus mit 1:54:28 Minuten die beste Zeit des Tages erzielte. Der zweite deutsche Bob war wesentlich besser als am Vortage, konnte jedoch vom letzten Platz nicht wegkommen. Immerhin wurde den deutschen Bob- fobrem auch eine bronzene Plakette zuteil. der in einem kleinen Haus in einer benachbarten Straße sich vor saft einem halben 3ahrtausen1> über seinen Holzlohlen-Osen beugte und in groben Schmelztiegeln aus Ton Gold herstellte, das ihm nach her Legende der Zeit zu einem ungeheuren Vermögen verhalf. Dunikowski trug einen weißen Strandanzug und fiel dadurch etwa- au« dem mittelalterlichen Rahmen. Alle« blickte gespannt auf ihn, als er seinen Versuch begann, und man hörte in dem Schweigen nur das Surren einer Zeitlupenkamera, mit der alle Bewegungen feiner Hände und jeder Vorgang im Film festgehalten wurden. Seine beiden Anwälte Maitre Iores und Maitre Pimienta standen etwa- beiseite, als sich der Goldmacher an sie wandte und um die Erlaubnis bat. einige kurze Erklärungen abgeben zu dürfen. Dieser Antrag rief sofort ein Kreuzfeuer von Fragen der Sachverständigen und Richter hervor Die Szene verwandelte sich von einem Laboratorium plötzlich in eine Gerichtssitzung, in der die Anwälte BeweiSanträge stellten. Die Versuche wurden durch eine Reihe von Zwischensällen gehemmt. Zunächst konnte Dunikowski feine Apparatur nicht recht in Gang bringen. Dann behandelte er die Masse, au« der er das Gold gewinnen wollte, mit einigen Säuren, und bann sollten seine vielbesprochenen „Z-Strahlen“, in denen das eigentliche Geheimnis seiner Kunst liegt, in Kraft treten. Aber eine der „Z-Röhren" zersprang und verbrannte das Gesicht des Alchimisten dicht unter dem Auge Die Verletzung war nicht ernsthaft, aber die Sitzung mußte unterbrochen ©erden, und so ist das Geheimnis noch nicht gelöst. Dunikowski behauptet, daß e- ihm gelungen sei. einen unbekannten radioaktiven Stoss durch besondere elektrische Strömungen dazu anzureaen, daß er eine neue Art Strahlen hervor bringt. Mit diesen sog. „Z-Strahlen" will er dann Gold machen. Locbschulnacknchten. Der Lehrstuhl der deutschen Philologie an der Frankfurter Universität ist an Stelle von Professor H. Raumann dem ordentlichen Professor Dr. Julius Schwietering in Münster i. W. angeboten worden. Zur Wiederbesetzung des durch das Ableben von Professor W- Dorkastner an der Universität Halle erledigten Lehrstuhles der gerichtlichen. Medizin ist ein Ruf an den außerordentlichen Professor und Direktor dos 3nftitut« für gerichtliche Medizin an der Unwcr'llät Heidelberg Dr. Walter Schwarzacher ergangen. Wirtschaft. Starker Rückgang des deutschen Außenhandels im Januar. WTB. Berlin, 15. Febr. 3m Monat Januar betrug die tatsächliche Einfuhr (alle Ziffern in Millionen Mk.) 425,0. Sie ist gegenüber dem Bormonat um 65,0 zurückgegan- g e n, was sich zunächst durch das weitere Ab- sinken der Preise erklärt. Die Ausfuhr hat sich von 708,0 im Dezember (ausgewiesen 738,0, d. h. einschließlich 30,0 nachträgliche Sammel-An- schreibungen) auf 5 4 2,0 im Januar vermindert. Davon betrogen Reparationssachlieferungen 12,0 (26,0). Für die Gesamtausfuhr ergibt sich demnach ein Ausfuhrrückgang um 16 6,0, woran die Fertigwaren mit 143,0 beteiligt sinh. Dem Werte nach beträgt die Abnahme der Ausfuhr 23 v. H Der mengenmäßige Rückgang ist etwas geringer, er ist durch die hemmenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen im internationalen Warenaustausch bedingt. Die Handelsbilanz zeigt im 3anuar einen tatsächlichen Ausfuhrüberschuß von 105,0; einschließlich der Reparationssachliefcrungen ist die Handelsbilanz mit 117,0 tatsächlich aktiv (gegenüber 218,0 im Dezember bei Absetzung Der damaligen Sammelanschreibungen). Preußisches Handelsministerium für Börseneröffnung. Berlin, 16. Febr. (WTD. Funkspruch.) Der preußische Minister für Handel und Gewerbe hat den Börsenvorständen mitgeteilt, daß er mit der Abhaltung von Bersarnrnlungen der Wertpapierbörse nunmehr einverstanden fei. Dabei soll jedoch zunächst von amtlichen Kursfeststellungen abgesehen werden. Weiter erscheint es notwendig, daß dec Wertpapierverlehr sich nach der langen Dauer der Schließung in der nächsten Zeit unbeeinflußt von Pfandexekutionen von Wertpapieren (Lombardeffeklen) abspielt. Es sollen daher vor der Wiederaufnahme der Börsenversammlungen Beschlüsse der Berufsvereinigungen des Dankgewerbes veranlaßt werden, nach denen sie sich für ihre Mitglieder verpflichten. Pfandexekutionen im Börsenverkehr vorläufig nicht vorzunehmen. Gegen apitaiflucht durch Warenkäufe Berlin, 15. Febr. (WTB.) Es hat sich her- ausgestellt, daß in einzelnen Fällen Waren- käufe im Ausland zum Zwecke der Kapitalflucht vorgenommen werden, und zwar in der Weise, daß Einzel- oder allgemeine Genehmigungen zur Bezahlung der Wareneinfubr erwirkt wurden, die gekaufte Ware aber im Ausland belassen und dort unter Verletzung der Devisenbestimmungen später wieder verkauft wurde, wobei der Erlös im Ausland stehen blieb. Die Devisenbewirtschaftungsstellen werden daher künftig bei der Erteilung von Genehmigungen von Wareneinfuhren die Derpflichtungsertlärung verlangen, daß der Bezieher die Ware spätestens innerhalb eines Monats nach Leistung der Zahlung tatsächlich ins Inland verbringt. Auch die Inhaber von allgemeinen Genehmigungen werden zu einer entsprechenden Erklärung gegenüber den Devisenbewirtschaftungsstellen veranlaßt werden. Holzversteigerungs - Termine. Mittwoch, 17. Februar. Bürgermeisterei. Gießen: Zusammenkunft an der Licher Straße, 10. Schneise. 9.30 älhr. * Lochanstal tvorm. MeguininDuh- bach. Man teilt uns mit: Infolge starken 11m- satzrückganges ist die Lochanstalt vorm. Meguin in Butzbach zahlungsunfähig geworden und hat am 2. Februar ihre Zahlungen eingestellt. Ueber- schuldung liegt nicht vor. Gleichzeitig wurde Antrag beim Amtsgericht Butzbach auf gerichtliches Vergleichsverfahren gestellt. Eine zahlreich besuchte Gläubigerversannnlung hat am 10. d. M. einen fünsköpsigen Gläubigeraus.'chuh gewählt, der beauftragt wurde, zusammen mit dem als gerichtliche Vertrauensperson vorgesehenen Dr. jur. K. E. Ruckelshausen, Volkswirt RDV. in Gießen die Frage der Durchführung des Der- aleichsversahrens und der Weiterarbeit zu prüfen. Diese Rachprüfung ist positiv ausgefallen, so daß mit der Erhaltung des Unternehmens nunmehr zu rechnen ist. • Hanomag stellt Arbeiter ein. Die gute Entwicklung des Hanomag-Verkaufsgeschäf- tes ermöglicht die Reueinstellung von 275 Arbeitern, um durch diese die Vorarbeiten für die Ausnahme der vollen Frühjahrsproduktion zu treffen. Bei weiterhin günstiger Haltung des Umsatzes in Hanomag-Automobilen und -Schleppern ist mit neuen Arbeiter-Einstellungen bald zu rechnen. Frankfurt weiter fest. Frankfurt a. M., 15. Febr. Die weitere Haussestimmung an der Reuyorker Börse bewirkte auch im hiesigen Telephonverkehr zu Beginn der neuen Woche eine weiterhin sehr feste Tendenz, zumal auch die Wiederkandidatur Hindenburgs als Reichspräsident eine merkliche Beruhigung in die Reihen der Börsenkreise brachte. DaS Geschäft hielt sich aber in sehr engen Grenzen, da sowohl Verkäufer als auch Käufer starke Zurückhaltung bekundeten und die weitere Gestaltung der Dörsenlage abwarten wollen. Kleine Publikumsorder führten bei der Enge des Marktes schon Kurserhöhungen von 2—4 Prozent herbei. Im Vordergründe des Interesses standen wiederum Clektroaktien, von denen besonders Siemens, Gessürel, Licht & Kraft und Schuckcrt mehr beachtet waren. Auch I.-G.«Farben und am Montanmarkt Rhein. Braunkohlen fanden reges Interesse. Einen sehr starken Kursgewinn verzeichneten von Auslandswerten Chadeaktien, die 10 Mark anzogen. An den übrigen Aktienmärkten waren keine größeren Veränderungen zu bemerken. Am Markt der festverzinslichenWerte war die Erundstimmung freundlich, doch hielt sich die Ilmsatztätigkeit in engsten Grenzen, weil sich das Hauptinteresse auf den Aktienmarkt konzentrierte. Es ergaben sich auf fast allen Gebieten etwa 0,5prozentige Besserungen. die jedoch spä er meist nicht immer behauptet blieben, größere Kursgewinne verzeichneten von Schahanweisunacn Kölner und Frankfurter, die bis zu 2 Proz. höher notierten. Von Industrie-Obligationen zogen IG.- Farben und Reichsbahn-Dorzugsaltien je 1 Prozent an. Auf der Basis vom vergangenen Samstag waren einige Vorkriegs-Obligationen gesucht. Berlin abgeschwächi. Berlin, 16. Febr. (WTB. Funkspruch.) Der heutige telephonische Freiverkehr stand unter dem Eindruck der matten gestrigen Reuyorker Börse. Die Spekulation war unsicher geworden und neigte zu Glattstellungen, zumal es an neuen Anregungen fch.te. S-lbst die Kandidaturannahme Hindenburgs wurde durch die ungünstigen Auhenhandelsziffern in der Wirkung wieder aufgehoben, so daß die Kundschaft heute ebenfalls wenig im Markt war, anscheinend, weil sie durch das ewige Auf und Ab der Kurse gleichfalls nervös gemacht wird. Je nachdem die Währungsoptimisten oder die Währungspessimisten den Markt beherrschen, schaukelt nämlich die Tendenz hin und her. Heute scheinen wieder die Optimisten die Oberhand bekommen zu haben. Jedenfalls ging das Kursniveau, das schon Bon Seid Md Me. Roman von Grete von Saß. Copyright by Martin Feuchtwonger, Hall« 13 Fortsetzung Nachdruck verboten. »Papa geht seiner Wege und läßt mich — unbekümmert darum, wie ich mich dabei fühle — in diesem großen, langweiligen Hause zurück." »Das ist schlimm", gab Hans-Achim zu. „Aber Ihr Herr Vater hat nun mal sein Geschäft, das ihn stark beansprucht." „3a, das geht vor. Selbstverständlich! Für mich ist das aber sehr traurig. Solange wir in der Großbeerenstraße lebten, empfand ich meine Verlassenheit nicht so. Da hatte ich Eva in der Rähe. Ich ging zu ihr oder sie kam zu mir. Seit wir hier wohnen, ist sie noch nicht ein einzigesmal bei mir gewesen." „Eva hat viel au tun“, versuchte er seiner Schwester Fernbleiben zu entschuldigen. Rose zuckte mit den Schultern. „Sie macht sich das Leben viel zu schwer. Vor Tagen erhielt ich einen Brief von thr. Sie schrieb mir, daß sie den Töchtern von Doktor Fahrenkrug Sprachunterricht gibt. Wozu plagt sie sich damit?" Sie sah Hans-Achim forschend an. „Weil sie Geld verdienen muß." ..Ach, ilnsinn. Es geht gewiß auch so. Sie soll nur zu mir kommen! Alles andere findet sich schon. 3hre Taktlosigkeit machte ihn verlegen. Er leitete das Gespräch auf ein anderes Thema über, sprach von seiner Arbeit in der Bank, die ihn sehr interessiere. Roses Augen leuchteten. „Das freut mich! Sie sollen mal sehen, das wird noch besser, wenn Sie erst Einblick in die Börsengeschäfte haben werden! Ich versichere Sie, das ist das Interessanteste und zugleich Aufregendste, was es gibt. Das ist ungefähr so wie Glücksspiel. Spielen Sie?" „Ich habe es einmal getan", gestand er. „Rie wieder werde ich es tun.“ „Warum nie wieder? Haben Sie Pech gehabt?" „Unverschämtes Pech sogar!" „Ach!" Roses schwarze Augen bekamen einen bohrenden Blick. „3etzt schon?" fragte sie ihn aus drängender Reugier heraus. Er schüttelte mit dem Kopfe. Lieberlegte. — Ob ich ihr gestehe, daß dies Pech die Ursache meines Besuches ist? Ehe er noch zu einem Entschluß kam, forschte sie weiter: „Verzeihung, daß id> frage: hängt das mit der wichtigen Angelegenheit zusammen?" Hans-Achim nickte. Rose lehnte sich in ihren Sessel zurück, sah sekundenlang mit nachdenklichem Blick ins Unbestimmte und danach ihn an, während sie fest und bestimmt sagte: „Papa muh Ihnen helfen. Er wird es bestimmt tun. Ich werde dafür sorgen." Hans-Achim dankte ihr. Rose sagte: „Run müssen Sie mich einweihen." Es tat ihm Wohl, sich einmal zu einem Menschen aussprechen zu können — ohne Rückhalt. Rose schien volles Verständnis für seine Lage zu haben. „Ihre Lage ist eben peinlich; das begreife ich gut. Aber sie ist nicht hoffnungslos. Lassen Sie mich nur machen. Rur Zeit muß ich haben. Gehen Sie zu Gisevius und bitten Sie ihn, daß er den Termin verlängert. Wenn Sie wollen, mache ich das auch. Ich kenne Gisevius. Sein Geschäft befindet sich in der Königgrätzer Straße — zwei Häuser von Doktor Fahrenkrugs Haus entfernt.“ „Jawohl!" „Run also! — Soll ich zu ihm gehen?" „Rein, das will ich lieber selbst besorgen." „Wie Sie wollen. Bitten Sie ihn, daß er den Termin bis zum ersten Juli verlängert. Zeit — Zeit ist alles, was wir brauchen." So hatte auch Fahrenkrug gesagt. Aber auf Roses Versprechen gab er mehr. Er verabschiedete sich von ihr. Sie begleitete ihn nun hinaus. 2Iuf dem Wege zu Gisevius, den er sofort aufsuchte, dachte Hans-Achim daran, daß er unterlassen hatte, Rose zu bitten, über die Angelegenheit zu niemand, außer zu ihrem Vater, darüber zu sprechen. Es beunruhigte ihn für einen Moment, dann sagte er sich: Es ist ja selbstverständlich, daß sie es nicht tun wird. Hans-Achim traf Gisevius in seinem Geschäft an. „Ich weih bereits, was Sie zu mir führt, Herr Tönnies!" Damit empfing ihn Gisevius. „Fräulein Münchmeyer hat mich soeben telephonisch davon verständigt. Ich sehe es Ihrem Gesicht an: es berührt Sie peinlich, aber Sie haben von mir aus nichts zu besiirchten. Ich bin diskret! Finde es großartig von Fräulein Münch- meher, dah sie Ihre Sache so energisch in die Hund nimmt. — Äa ja, schließlich ist es ja auch selbstverständlich." Mit einem verständnisinnigen Lächeln in den Augen und Mundwinkeln, sagte er es. Hans-Achim dachte: Wie unvorsichtig das von Rose war! Er fühlte deutlich, dah Gisevius etwas vermutete, was nicht zutreffend war. — llebcr- legte, ob es nicht seine Pflicht wäre, Gisevius' Vermutung zu zerstören? unter Realisationen litt, heute weiter zurück. Die Abschwächungen hielten sich jedoch im allgemeinen in Grenzen von 1 bis 2 Prozent. Rur Schiffahrtsaktien lagen weiter ausgesprochen schwach. Auch die gestern noch favorisierten Elektrowerte mußten sich mehrprozentige Abschläge gefallen lassen, ebenso waren Reichsbankanteile auffällig gedrückt. Die sonstigen Spezialitäten (Charlottenburger Wasser, Deutsche Erdöl, Julius Berger, Schubert & Salzer usw.) büßten ebenfalls im Durchschnitt 2 Prozent ein. Bemerkenswert widerstandsfähig lagen nur alle Kohlenwerte und Contigummi, die ihren Paristand behaupten konnten. Gut gehalten waren auch die Auslandwerte, Chadeaktien konnten sogar noch 1 Mark anziehen, auch Arbed-Bonds waren V» Prozent höher gesucht. Der Anlagemarkt hatte uneinheitliche Tendenz. Deutsche Anleihen und Reichsschuldbücher neigten zur Schwäche, dagegen waren Goldpfandbriefe und Schahanweisungen, Kommunalobligationen und Stadtanleihen auf gestriger Basis eher gesucht und bis 7» Prozent höher. 3m Verlaufe bröckelten die Kurse an den Aktienmärkten bei mangelnden Umsätzen weiter ab, die Rückgänge betrugen jedoch nur Bruchteile eines Prozentes. Rindermarkt in Gießen Auf dem heutigen Rinder°(Ruhvieh)Markt in Gießen standen 488 Stück Großvieh, 54 Fresser und 102 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe erster Qualität 320 bis 400 Mark, zweiter Qualität 200 bis 280 Mark, dritter Qualität 100 bis 180 Mark; Schlachtkühe 50 bis 250 Mark. Rinder 1/2- bis 3/1jäßrig 60 bis 120 Mark, bis 2iährig 80 bis 180 Mark, tragend 150 bis 300 Mark. Kälber das Pfund Lebendgewicht 20 bis 25 Pfennig; ausgesuchte Tiere über Rotiz. Marktverlauf: Wegen allgemeiner Seuchengefahr im Reich Auftrieb geringer; Kauflust zurückhaltend. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt cl 2H. 15. Jebruar 16. Februar Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld | Brie (Ffl 1 Brie Helsingsor» . 6.524 6,536 6,593 6,607 Wien 49.95 50,05 49.95 50.05 Prag 12,465 12,485 12,465 12.485 Budapett . 56,94 57,06 56,94 57,06 Sofia . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Hollanv 169,93 170,27 170,33 170,67 O«lo 78,82 78,98 78,82 78,98 Kopenhagen. 79,82 79,98 79,82 79,98 ©torfholm 81,07 81,23 81,07 81,23 Conbon 14.49 14,53 14,49 14,53 Buenos ülrei 1,028 1,032 1,028 1,032 Ncunorl 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel 58,64 58,76 58,69 58,81 Italien 21,84 21,88 21,84 21,88 Paris . . 16,50 16,63 16,59 16,63 Schweiz 82,14 82,30 82,14 82,30 Spanien 33,27 33,33 33,17 33,23 Danzig 81.97 82,13 81.97 82,13 Japan 1.484 1.486 1,484 1,486 Kto be Ian.. 0,250 0,252 0,250 0,252 Jugoslawien. Cthabon 7.463 7,477 7,463 7,477 13,19 13,21 13,19 13,21 Banknoten • Berlin, l5.Februar Meld Bries 'Amerikanische Noten . . . 4,20 4,22 Belgische Noten . . . 5 ,48 . r8,72 Dänische Noten .... 79,64 79,96 Englische Noten..... 14,45 14,51 französische Note« .... Hollänoijche Noten . . . 16.55 16,61 169.56 170,24 Italienische Noten . . . 21.82 21,90 Norwegische Noten . . . 78.64 78,96 Deutsch-Oesterreich, * 100 Schilling Mumänijche Noten .... 2.49 2.51 Schwedische Noten .... f 0,89 81,21 Schweizer Noten..... 81,96 82,28 Spanische Noten..... 33,13 33,27 Ungarische Noten ... Briefkasten der Redaktion. (Nechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) H. L. 1. Der Mitwirkung eines Beamten in einer solchen Versammlung stehen feine Bedenken entgegen. 2. Einem dekretmähig angestellten Beamten kann vom Staate nicht gekündigt werden. Da sprach Gisevius schon weiter:' „Also, Herr Tönnies, die bewußte Angelegenheit hat Zeit. Sagen wir — vorerst bis zum ersten 3uli. Diesen Termin nannte mir 3hr Fräulein — Verzeihung, Fräulein Münchmeyer." Wieder zuckte das verständnisinnige Lächeln in seinen Mundwinkeln. Es war Hans-Achim unangenehm. Aber er kämpfte das peinliche Gefühl nieder. „Also bis zum ersten 3uli, Herr Gisevius. 3ch danke 3hnen." Er reichte ihm die Hand, die fest gedrückt wurde. „Ich freue mich, daß ich Ihnen gefällig fein faniL — Stehe Ihnen auch außerdem jederzeit zur Verfügung." „Danke sehr! Sehr freundlich!" Rachmittags um halb fünf Uhr erschien Rose in der Bank. Hans-Achim war gerade im Haupt- bureau, wo er sich wegen einer Berechnung, die er nicht klar zu lösen vermochte, bei dem Buchhalter Rat holte. Der Buchhalter und die übrigen Herren erhoben sich plötzlich, dadurch wurde er auf Roses Erscheinen ausmerksam gemacht. Rose tänzelte geradeswegs auf ihn zu, für die Grüße der Herren mit einem Lächeln quittierend. Hans-Achim ging ihr ein paar Schritte entgegen, neigte sich über ihre Hand, sie respektvoll mit den Lippen berührend. „Was sagen Sie dazu, daß ich gekommen bin?" fragte sie, mit einem Lächeln zu ihm aufsehend. „Sie sind entsetzt — ich sehe es Ihnen an. Machen Sie nicht so ein bedeppertes Gesicht! Das sieht ja aus, als ärgerte Sie mein Besuch. Und ich will doch, daß man Sie um die Freundschaft mit mir beneiden soll." „Das haben Sie bestimmt erreicht", sagte Hans- Achim. Sein Gesicht blieb jedoch finster. Heber ihrem Arm lag nachlässig eine kostbare Weißfuchsstola, die in Gefahr war, ihr zu entgleiten. Er faßte nach diesem Stück und hielt es fest. „Was machen wir nun?" fragte Hans-Achim. „Es ist eben erst halb fünf Uhr. Ich muh noch eine halbe Stunde arbeiten." „Lächerlich! — Wir gehen natürlich!" „Run gut. Wollen Sie mich, bitte, hier erwarten? Ich komme sofort." Rose ließ sich in einen der großen Ledersessel nieder. Hans-Achim ging in sein Zimmer. Der Diener eilte herbei, um ihm den Mantel zu halten und den Hut zu reichen. Reidvolle Blicke folgten ihm, als er mit Rose die Bank verließ. „Der hat beneidenswerten Dusel", flüsterte der Buchhalter seinen Kollegen zu. „Ra und ob! Dabei sah er nicht einmal sehr erfreut aus, als sie erschien." Von nun an kam Rose fast täglich, um Hans- Achim abzuholen. Sie machten dann gemeinsam Die zwangsweise Entfernung aus dem Amte ift nur möglich im Wege des sog. Disziplinarverfahrens, wenn sich der Betreffende durch fein Verhalten innerhalb oder außerhalb des Dienstes derart des Vertrauens unwürdig gezeigt hat, daß diese strengste Strafe geboten ist. E. D. G. 1. Kostenlose Auskunft in Forde- rungsangelegcnheiten (Zahlungsbefehlen usw.) erhalten Sie auf der Geschäftsstelle eines jeden Amtsgerichts. 2. Rur derjenige hat einen Anspruch aus Bewilligung des Armenrechts, der außerstande ist, ohne Beeinträchtigung des für ihn und seine Familie notwendigen Unterhalts die Kosten des Prozesses zu bestreiten, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung nicht mutwillig und nicht aussichtslos ist. Rur insoweit als das Gericht den Beistand durch einen Anwalt oder anderen Rechtskundigen für geboten hält, kann dem Rachsuchenden zur vorläufig unentgeltlichen Wahrnehmung seiner Rechte ein Rechtsanwalt beigeordnet werden. Letzte Nachrichten. Tumultszenen im Hessischen Landtag. 3 a r m f( a b f, 16. Febr. (111.) heute trat der hessische Landtag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Der Fraktionsvorsihende der RSDAP^Abgeordnc- ter Lenverlas eine Erklärung feiner^Fraktion zu dem Anschlag auf den nationalsozialistischen Abgeordneten Buttler in Eberstadt. Als hierauf Staatspräsident Adelung das IDort ergriff, um dem Bedauern der Regierung über die Verrohung der Silken im politischen Kampf Ausdruck zu geben, wurde er fortgesetzt von den Ratio- nalsozialisken durch Zwischenrufe unterbrochen, so dah seine Rede zum gröhten Teil unverständlich blieb. Der Tumult im Hause steigerte sich schließlich derart, dah Staatspräsident Adelung es vorzog, seine Rede abzubrechen und das Rednerpult zu verlassen. Die Verhandlungen nahmen dann ihren Fortgang, ohne dah die Unruhe im Hause wesentlich nachlieh. Oesterreich fordert Erweiterung seines wirtschaftlichen Raumes. Dien, 16. Febr. (DTV. Funkspruch.) Bundeskanzler Dr. Buresch hat heute die Gesandten Deutschlands, Englands, Frankreichs und Italiens und anschließend daran die diplomatischen Vertreter der übrigen Staaten empfangen und ihnen in einer längeren ^Regierungserklärung mitgeleilt, dah Oesterreich unbedingt einer Erweiterung des wirtschaftlichen Arbelts- raumes bedarf. Die österreick/sche Regierung erklärt deshalb, daß sie mit allen Rachbar- fl a a t e n und mit allen Staaten, die dazu bereit sind, in Verhandlungen über eine wirtschaftliche Annäherung einzutreten wünsche. Der Bundeskanzler ersuchte die Gesandten, ihren Regierungen davon Kenntnis zu geben und sie zu bitten, die Besprechungen der österreichischen Bundesregierung weitestgehend zu fördern. Das Urteil im Groß-Gerauer Prozeß. D a r m ft a b t, 16. Febr. (WTB. Funkspruch.) Am Dicnstagoormittag wurde das Urteil in dem Groß- Gerauer Prozeß gegen den Nationalsozialisten Stier gefällt. Es lautet wegen fahrlässiger Körperverletzung und Vergehens gegen das Gesetz gegen politische Ausschreitungen auf 8 Monate G e - fängnis, wovon 6!^ Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet werden. Gleichzeitig wurde Stier zur Tragung der Kosten verurteilt. Wegen der beiden Schüsse, die den Tod der zwei Groß- Gerauer Kommunisten zur Folge hatten, wurde Stier, da es sich um Rotwehr gehandelt hat, freigesprochen. einen Spaziergang durch den Tiergarten oder einen kleinen Bummel durch die Stadt. Eines Abends entschied Rose: „Ich komme heute mit zu Ihnen, um Ihre Frau Mutter und Eva zu sehen." Hans-Achim wagte den Einwand: „Sie sind heute genug gegangen. Ich darf es nicht zulassen, daß Sie sich überanstrengen. Es ist auch ziemlich spät. Schieben wir den Besuch bis morgen auf.“ „I wo! Ich bin gar nicht müde, und eben verspüre ich Sehnsucht nach den Ihrigen. Wir nehmen eine Taxe und sind in zehn Minuten in der Großbeerenstraße." Hans-Achim mußte sich fügen. Voll Beklommenheit dachte er: Wenn wir nur nicht Helene begegnen. Es war halb acht Uhr. Jetzt befand sich Helene auf dem Wege nach Hause. Zehn Minuten später hielt das Auto vor dem Hause. Er half Rose beim Aussteigen, lohnte den Chauffeur ab. Rose schob ihre Hand unter seinen Arm — so schritten sie auf das Haus zu, das im selben Augenblick Helene Schadow betrat • Ganz unerwartet kehrte Münchmeyer eines Tages heim, worüber Rose nicht gerade erfreut war. „Du hättest mir deine Ankunft telegraphisch mitteilen sollen, damit ich mich darauf vorbereitete", sagte sie verdrießlich. Groh unb' breit stand der Vater vor ihr, sah lächelnd zu ihr nieder. „Was ist daraus vorzubereiten? Ich bin da — nun freue dich!" Sie zuckte mit ihren schmalen Schultern. Ihr Vater sagte: „Die Braun soll für ein gutes Frühstück sorgen. Es muß aber schnell gehen! Habe nur eine Stunde Zeit. Üm zwölf älhr muh ich in der Dank fein.“ Rose ging selbst zu der Braun in die Küche. Als Rose ins Wohnzimmer zurückkam, hatte der Vater es sich bereits auf dem Sofa bequem gemacht. In halb liegender Stellung rauchte ec seine Zigarre. „Setz' dich zu mir, Rose, und erzähl', was du wahrend meiner Abwesenheit getrieben hast?" „Was soll ich getrieben haben! Gemopst hab' ich mich." Sie lieh sich in einen Sessel nieder, der neben dem Tisch stand, zündete sich eine Zigarette an und sagte dann: „Du hast mir gar nicht auf meinen letzten Brief geantwortet. Was ist? Wirst du Tönnies die zwanzigtausend Mark geben?" „Ich weiß nicht, Rose. Zwanzigtausend Mark sind in heutiger Zeit viel Geld — auch für einen Bankier. Wenn man die so hergeben soll auf ein Richts hin...“ Er zog die Achseln hoch, sah Rose dann mit einem nachdenklichen Blick an, (Fortsetzung folgt.) fltJO fr s*“ . Die 31 J < Beilage" «Ä Srafltnir,on'm s Paris, l6-5 heule °achmi"ag Hache Dah Kammer angeno wben von der li*n W’« ”; .leitet Ui®'llelf* deut an den Frage, wann t Senators meine polHi gedenke. Mnisterpraside iverde Mscllos batte über diese, iverden konnte. I Distujficn u Die Regierung i Handlungen ganze Autorität gierten würden auswärtigen De punkt zu präzific Verhandlungstag Bei der namentl Antrag Laval n gelehnt. Darauf erklär bin bereit, den sehen als vor Diskussion der ' angeführten Gr denn viellei auswärtige fchläge unfe fische Delegation handelt sich hl während es sich innenpolitifche ' an das Gewiffe bei den Radika Senatoren auf, in diesem ernfi Um zu beweise pell an bas ho trauensjra Diese Erstarr Aufregung im : neues ist, nach einen Antrag zu flimmung zu kor Bei der namet gierung mit 23 •leit. Der Antr •34 Stimmen a damit gesturzI Das Kabinett im Senat feine Bäumet hat die anö seine Berat genommen, d.h. der Senats und T" Hinw e JRatiS, 16 ^erhlresvr Heilung des Al Mlation Eenl Miflten Radi Diskus tfe wollte ’h^lQ9e in vvnGense hoffte e Euff'vN zu Der ^henpolj Kienes Liebsi ln »em letzten SWi *"Nd) 4 ääMt kuNi?2ung 1