Donnerstag, 15. Dezember 1952 182. Jahrgang Nr. 205 Erstes Blatt Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen tirttf vnd Verlag: vrühl'sche Universttäls-Vuch. und Lteindruckerei B. Lange in Lietzen. ZchrifUettung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Mnna^me von ftnjeigea für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undlürdenAn» zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in (Siegen. Ertcheinl täglich, anher Sonntaas und Feiertags Benagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholle Monatr-vezugrpreir: Mit 4 Beilagen 7111.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Üernsprechanschllifse unter Sammelnammer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: rinzeiger Stehen. Postscheckkonto: granlfurl am Alain 11686. Frankreichs,,Nein". Gewinnt in der Politik wirklich immer derjenige das Rennen, der am längsten seine Rerven- kraft bewahrt? Ter französische Zahlungsstreik, der soeben durch einen sensationellen Beschluß der französischen Kammer ausge- brachen ist, wird unter Beweis stellen, wo man über die größte Ruhe, aber auch über die größten Machtmittel verfügt. Genau 24 Stunden vor Fälligwerden der Schuldenraten an Amerika haben England und Italien erklärt, daß sie auf jeden Fall die fälligen Zahlungen überweisen werden. Um die gleiche Stunde aber ging in der französischen Kammer eine Sitzung zuende, in der zum erstenmal nach dem Weltkriegsende ein Sicgervoll die offene Weigerung spricht, dem ehemaligen Bundesgenossen noch nach den Abmachungen aus der gemeinsamen Kampfzeit Schulden zu zahlen. Wit 402 gegen 187 Stimmen ist Herriot überstimmt worden. Es nützte nichts, daß er sich um 3 Uhr nachts in D/»stündiger Rede zu dem beschwörenden Satze verstieg: ^Frankreich mutz seine Unterschrift anerkennen, wie es dies so ost von Teutschland verlangt hat! Zt^i Stunden daraus war das erste und grundsätzliche Rein gefallen, das eine europäische Macht dem hartherzigen Gläubiger Amerika zuruft. Das belgische Kabinett ist einstimmig diesem Entschluß, nicht mehr zu zahlen, beigetreten Mag Herriot wiederkehren oder nicht, der Konflikt ist dL Und es ist gut so, datz er da ist. Und es ist noch besser, datz er von Frankreich heraufbeschworen wurde, jenem Frankreich, das seither auf die „Heiligkeit der Verträge" Pochte und — in drei Wochen sind es zehn Jahre her — im Januar 1923 in das Ruhrgebiet einmarschierte, weil Deutschland in der Lieferung von Telegraphenstangen im Rückstand geblieben war. Es handelt sich am 15. Dezember um folgende Zahlungsverpflichtung: bei England um 95,7 Millionen Dollar, bei Frankreich um 19 3 Millionen, bei Italien um 1,25 Millionen Dollar bei Belgien um 1.8 Millionen Dollar Halw jahreszinsen. Insgesamt haben England noch zu zahlen 32C0 Millionen Dollar, Frankreich 1700 Millionen Dollar, Italien 420 Millionen Dollar, Belgien 190 Millionen Dollar. Das sind insgesamt 5510 Millionen Dollar oder rund 23 Milliarden Mark, die Europa noch bis zum Jahre 1987 an Amerika zu zahlen hat. Theoretisch stünden den Zahlungen weder von Seiten der Franzosen noch der Engländer Schwierigkeiten entgegen. Praktisch aber hat sich Frankreich zu dem Standpunkt bekannt, daß es angesichts der völlig veränderten wirtschaftlichen Situation kein Beharren mehr geben darf auf Verträgen, die unter ganz anderen Voraussetzungen im Verlauf des Krieges oder kurz hinterher abgeschlossen wurden. Psychologisch hat man in Frankreich immer schon unter dem amerikanischen Vorwurf gelitten, es seien die Amerikaner mit ihren unverbrauchten Kräften und ihren un- erschöpflichen Hilfsmitteln gewesen, die den Krieg gewonnen haben. Jetzt hat man Amerika end- gültig die Gefolgschaft aufgesagt. Frankreich w ill nicht mehr zahlen, und es nimmt alle Folgen aus dieser Weigerung in Kauf. Die amerikanischen Zeitungen geben die frcmzo- fische Weigerung, fernerhin Schulden zu zahlen, unter der Ueberschrist wieder: „Das Drama der internationalen Schulden." Dis zur letzten Mi- nute hat man in Amerika gehofft, die französische Kammer werde ebenso wie Italien und England der Zahlungsverpflichtung unter Vorbehalt zu- ftimmen. Die Kampfansage Frankreichs hat letzt wie eine Bombe eingeschlagen. Vergessen ist die Bundesgenossenschaft aus dem Krieg. Wirkungslos sind alle französischen Propagandareisen in Len Vereinigten Staaten geblieben. Der neuge- wählte Kongreß ist ausgesprochen antifranzösisch. Wenn bisher eine außenpolitische Debatte verhindert wurde, so nur deshalb, well man das französische Empfinden schonen wollte, ^eht aber wird diese Aussprache in Fluß kommen, und man wird in Frankreich allerhand zu Horen tue» gen. Man wird nicht davor zuruckschrecken,^Repressalien zu verlangen, und man wird den Boykott Frankreichs durch amerikanische Touristen propagieren. Im Gegensatz dazu wird man bereit sein, England, Italien und den übrigen zahlungsbereiten Ländern Europas Zugeständnisse zu machen, an die man seither nicht gedacht hat. Amerika leidet Rot, seine Wirtschaft steht im Kampf, eine ungeheure Arbeitslosigkeit bedroht die öffentliche Ordnung. Alle amerikanischen Entschlüße werden auf die Volks st immung Rücksicht zu nehmen haben. Sie werden ausgesprochene Kampfcntschlüsse sein, und man darf sich keinem Zweifel darüber hingeben, datz es in Zukunft eine llare antifranzösische Front in Amerika geben wird. In Deutschland sollte man die Entwicklung mit Ruhe, aber mit höchster Aufmerksamkeit verfolgen. An uns ist es, immer wieder zu erklären, datz die Schuldenfrage kein Problem für sich bedeutet, sondern datz sie auf das engste verbunden ist mit dem Abrüstungsproblem, der Gestaltung der Handelsbeziehungen, besonders im mitteleuropäischen Raum und der Stabilisierung derWährungeninden bedrohten Ländern. Deutschland kann, wenn es die Gunst der Stunde begreift, große Politik machen. Frankreich wird versuchen, eine europäische Gesamtfront gegen Amerika zustande zu bringen. Amerika wird nicht minder versuchen, über England und Italien Frankreich zu isolieren. Im nächsten Jahr findet die W e l t w i r t - schaftskonferenz statt und erlebt die Abrüstungskonferenz ihr entscheidendes Stadium. Unfreundliches Echo der Fünfmächtekonferenz. Oie Kleinen beklagen sich über die Gonderverhandlungen der Großmächte. — Deutschland wieder im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz vertreten. Spannung an der Adria. Zwischenfälle in Dalmatien. - Heftige Erregung in Rom. in englischer Sprache den Rednern für den Ausdruck der Sympathie. Die Reichsregierung werde ihre Mitarbeit auf der Aorüstungskonfe- renz nach Weihnachten wieder in vollem Umfange aufnehmen.. Sie sei überzeugt, daß die praktische Anwendung der Fünfmächtevereinbarung nicht auf neue Schwierigkeiten stoßen werde, die die deutsche Reichsreg:erung veranlassen würden, neue Entschlüsse zu fassen. Die Aussprache über die Fünfmächtekonferenz wurde damit abgeschlossen. Rom, 14. Dez. (WTB.) Vorfälle in dem dalmatinischen Städtchen Trau in der Rähe von Spalato, wo von südslawischen Demonstranten Markus-Löwen zerschlagen worden waren, die dort die Erinnerung an die Herrschaft Venedigs an diesem Ufer der Adria wachhalten, haben die Oeffentlichkeit Italiens außerordentlich erregt. Sämtliche Blätter der Hauptstadt Protestieren in heftigen Worten gegen die Vorgänge in Südslawien. Auch der Ausschuß der italienischen Eeschchtsinstitute hat in einem Telegramm an den Bürgermeister der italienischen Stadt Zara seiner Entrüstung Ausdruck gegeben. Im Senat fand eine erregte Debatte statt. Das Haus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf den Bäillen der Regierung sah man Mussolini und sämtliche Minister. Senator Ricci betonte, daß die Markus-Löwen in den dalmatinischen Städten nicht nur Zeugnisse für das italienische Wesen Dalmatiens und wertvolle venezianische Kunstwerke, sondern auch Symbole der Treue gegenüber Italien seien. Die Symbole habe man zerstören können, nicht aber die Treue. Die Oesterreicher hätten jederzeit die italienischen Kunstwerke respektiert. Die Serben aber hätten sich aufgeführt Man rechnet damit, datz Lebrun den bisherigen Ministerpräsidenten auffordern wird, eine neue Regierung zu bilden, bezweifelt aber, datz herriot sich ohne weiteres dazu bereit erklären wird. Der „Paris Solr“ meint, datz nach herriot Paul- Boncour oder Daladier mit der Regierungsbildung beauftragt werden dürften. Paul- Boncour würde in diesem Falle ein Kabinett ;u- fammenstellen, das dem gestürzten sehr ähnlich wäre, während Daladier versuchen würde, die Sozialisten an der Regierung zu beteiligen. Die nationalistische „LibertL" fordert ein nationales Ministerium. Der .Temps" schreibt: „Die Bedeutung der Abstimmung übersteige um vieles die der feier- Uchsten Abstimmungen, die nach dem Kriege stattgefunden hätten. Die französische Auhenpolitik werde morgen ein „Klima" antreffen, das von dem gestrigen verschieden sei. Paris, 14. De;. (TU.) Die Mittwoch-Bespre- chungen des Staatspräsidenten mit führenden Parlamentariern, die am Donnerstag fortgesetzt werden, haben noch zu keinem Ergebnis geführt. Am Mittwoch empfing Lebrun den Führer der Sozialisten, Blum, und anschließend den ehemaligen Ministerpräsidenten Tardleu. Leon Blum erklärte, nach seiner Auffassung dürfe die Lösung der Krise nur in der Wiederaufnahme der Fühlung mit denjenigen Parteien gesucht werden, die die bisherige Kammermehrheit bildeten. Die Sozialisten ständcn jeder Konzen- tratiou ablehnend gegenüber. Auch lat- dieu glaubt nicht an das Zustandekommen einer Konzentration, die er noch nicht für reif hält. Die ftanzösisch-amerikanische Schuldensrage interessiere ihn viel weniger als die Genfer Verhandlungen, denen man bei der Neubildung der Regierung besonders Rechnung tragen müsse. Die Kabineiisknsis in Frankreich Lebruns Verhandlungen ohne Ergebnis.-Wird Herriot erneut betraut? land zu fordern, wenn es an England bezahlen müsse. Cs könne sehr gut zahlen. Lloyd George erklärte, die Franzosen hatten die wirkliche Lage viel schneller begriffen, wenn sie zu den Amerikanern sagten, daß sie erst einmal verhandeln wollten, ehe sie zahlten. Lloyd George bedauerte, datz der englische Schahkanzler nicht vor der Zahlung mit Amerika verhandelt habe. Rötigenfalls hätte er bis zur Amtsübernahme durch Roo» seveltwarten müssen. Der Schahkanzler hatte die Zahlung nur vorbehaltlich der Ergebnisse spä- terer Besprechungen machen dürfen. So habe sein Fehler dem Lande rund 30 Millionen Pfund gekostet. Deutschland habe zwei Milliarden Pfund bezahlt, seiner Ansicht nach würde es unbillig fein, wenn man verlangen würde, daß es auch nur einen Pfennig noch zahlen solle. Dadurch, daß Amerika die U n t e r s ch r i f t Wilsons nicht anerkannt habe, sei es zum Teil mitverantwortlich für die gegenwärtige Lage. Andernfalls würde sich vieles anders entwickelt haben. Auchpolen inZahlungsverzug geraten? Washington, 14. Dez. (WTB. Funkspruch). (Reuter). Die polnische Botschaft hat eine Erklärung veröffentlicht, in der Bedauern darüber ausgedrückt wird, daß in der Frage der polnischen Schuldenzahlung an Amerika eine f ür beide Regierungen befriedigende Re gelung nicht erreicht worden sei. Au» dieser Erklärung wird der Schluß gezogen, daft Polen offiziell in Verzug geraten sei Deutschland hat, entweder mit Italien und England, oder aber mit Frankreich, die Schlüsselstellung in der Hand. Alle deutschen Entscheidungen dürfen allein diktiert sein von dem Bestreben : LosvonDersailles und üi a> e r - beit für Deutschland I Frankreich hat uns vorgemacht, wie man feste Verträge außer Kraft fetzt. Amerika hat uns 1917 gezeigt, welchen Wert es hat, sich auf die siegende Seite zu stellen. Italien und England haben mehr als einmal in diesem Jahrhundert den „Sacroegoismo“ zum Schaden Deutschlands in die Tat umge,etzt. Deutschland wird zur gegebenen Zeit sichalsge - lehriger Schüler erweisen. SchuldendebatteimLlnterhaus Churchill und Lloyd George kritisieren die Regierung. London, 14.Dez. (TU.) Das Unterhaus erörterte eingehend die Frage der Kriegsschulden. Schatztanzler Reville Chamberlain verteidigte die Politik der Regierung und ihren Entschluß, die am 15. Dezember fällige Rate an Amerika abzuführen. Wenn Amerika einen 'Vertreter nach Lausanne entsandt hätte, so wäre eine Regelung an Ort und Stelle möglich gewesen. Aus Gründen der Wahrheitsliebe habe die englische Regierung nicht sagen können, datz sie die Zahlung nicht leisten könne, wenn sie nicht gezahlt hätte, so würde dies in der ganzen Welt einen schlechten Eindruck gemacht und nachteilige Folgen gehabt haben. Daher habe die Regierung die Abrüstungskonferenz vor vollendete Tatsachen zu stellen. In warmen Worten begrüßte der Vertreter Chinas, Ben, den deutscher Vertreter und betonte, daß ohne Teilnahme Deutschlands die Abrüstungskonferenz niemals zu einem Erfolg gelangen könne. Zum Schluß brachte Henderson seine Genugtuung über die Rückkehr Deutschlands in die Konferenz zum Ausdruck. Der Vertreter Deutschlands, Gesandter von Weizsäcker, von lebhaftem Beifall begrüßt, dankte beschlossen, die ganze Summe zu zahlen. Die Zahlung bedeute eine ernste Schädigung der Dankreserven, so daß man vielleicht ein Anziehen des Diskontsatzes erwarten könne. Dem Staatshaushalt entstehe ein Verlust von 29,5 Millionen Pfund, der teilweise durch den Gewinn an den niedrigeren Zinssätzen für Regierungspapiere und teilweise durch Ausnutzung von Fonds die zur Abdeckung der inneren Kapitalschuld 'bestimmt gewesen seien, gedeckt werden soll. Dies könne wohl einmal gemacht werden, aber es könne nicht wiederholt werden. Genau so wichtig wie eine Regelung mit Amerika fei die Erhaltung des Lausanner Abkommens. _ . . , Churchill warf der Regierung vor, daß sie die Angelegenheit vollkommen falsch gehandhabt habe. Sein Wortschatz genüge nicht, um alle die schweren Fehler zu charakterisieren, die m vieler ernsten Angelegenheit gemacht seien. Das ßau- sanner Abkommen sei überha u p t k e t n e R e- a e I u n g weil es von einer zufriedenstellenden Regelung mit Amerika abhänge. Das Lausanner Abkommen sei der Ausgangspunkt einer -Reihe von weiteren erstaunlichen Forderungen Deutschlands geworden. Kaum sei Deutschland von den Reparationen befreit worden, habe es sofort neue Wünsche geäußert. Unter großem Gelächter der Abgeordneten sagte Chur- chill, daß das Schreiben von Roten an Amerika genau so sei, wie wenn man Roten an den Atlantischen Ozean schicken würde. Churchill rügte es, daß sich England mit Frankreich in der Kriegsschuldenfrage verbunden habe. Frankreich brauche keine weiteren Reparationen von Deutsch- wie der Feind auf fremdem Boden. Das müsse man zur Kenntnis nehmen. Für die Regierung antwortete, begeistert b-c- grüßt, M u s s o l i n i 's e l b st. Er wies darauf hin, daß der italienische Gesandte in Belgrad den Auftrag erhalten habe, P r o t e st einzulegen. Darüber hinaus aber zeigten der Ausbruch der studentischen Jugend und die Kundgebungen des italienischen Dolles sowie entrüstete Stimmen im Ausland, wie die Vorgänge in Dalmatien ein^uschätzen seien. Mussolini ging neben den Zerstörungstaten von Trau auch auf serbische Mordanschlage auf Italiener in Dalmatien ein und betonte, es seien nicht vereinzelte Gruppen, die die Verantwortung für diese Vorgänge trügen, sondern es handele sich hier um Anzeichen eines feindseligen Systems. Die wahren Schuldigen seien gewisse Elemente der politischen Eicke des Nachbarstaates, für die eine gegen Italien gerichtete ft aß- und Verleumdungspropaganda den Versuch darstelle. Bindungen im Innern zu schaffen und im Ausland in einer Italien herabsetzenden Weise zu arbeiten. Nach der Rede Mussolinis, die mit großen Begeisterungskundgebungen auf allen Bänken ausgenommen wurde, wurde die Sitzung geschlossen, um die Entrüstung über die Vorgänge in Dalmatien zum Ausdruck zu bringen. Genf, 14.Dez. (TU. Funkspruch.) DerHaupt- ausschutz der AbrüstungskonfeveiA trat am Mllt- looch zum ersten Male seit dem Austritt Deutschlands zu einer öffentlichen Sitzung zusammen, an der der deutsche Vertreter, Gesandter von Weizsäcker, wieder teilnahm. Präsident Henderson verlas den Wortlaut der Vereinbarungen der fünf Großmächte vom 11. Dezember und. teilte dabei mit, daß die Großmächte beschlossen hätten, auch weiterhin zu regelmäßigen Besprechungen der großen Streitfragen zusammenzutveten. Auf Wunsch Macdonalds werde er in Zukunft an diesen Besprechungen teilnehmen. Die Abrüstungskonferenz trete jetzt in den abschließenden Der- handlungsabschnitt der praktischen Entschließungen ein. Deutschlands Rückkehr in die Abrüstungs- konfevenz wurde von Henderson nicht erwähnt. Die Sitzung nahm einen bewegten Verlauf. Der erwartete Protestschritt kleinerer Mächte gegen die von den Großmächten außerhalb der Konferenz getroffenen Vereinbarungen wurde von dem polnischen Vertreter eingeleitet. Graf R a c z i n s k i verlas eine schriftlich formulierte Erklärung, wonach sich die polnische Regierung ausdrücklich das Recht Vorbehalte, ihren Standpunkt zu der Fünf- mächte-Dereinbarung in der Konferenz zum Ausdruck zu bringen. Dauerhafte Lösungen dürften in Zukunft nur unter Berücksichtigung der Interessen aller Staaten im Rahmen des normalen Verfahrens der Abrüstungs- konferenz getroffen werden. Die polnische Regierung habe keine Bedenken gegen die Hinzuziehung Hendersons zu gewissen Besprechungen einzelner Mächte, verlange aber, daß diese Besprechungen sich nicht zu einer ständigen Einrichtung auswüchsen, de der Entscheidung der Abrüstungskonferenz vorgreifen könnten. Henderson müsse ermächtigt werden, auch an den De- sprechuntzen anderer Mächte im Rahmen der Abrüstungskonferenz teilzunehmen. Diesem Protest Polens schlossen sich Südfla- Wien, Griechenland, Rumänien, Uruguay, Spanien und Belgien unter dem lebhaften Beifall der Versammlung an. Die Vertreter dieser Länder machten offiziell Vorbehalte gegen jegliche Vereinbarung der Großmächte geltend, die außerhalb der Abrüstungskonferenz getroffen würden und durch die d'.e Kon.ercnz vor vollendete Tatsachen gestellt würde. Alle Entscheidungen müßten im Rahmen des allgemeinen Konferenzverfahrens unter Beteiligung aller Mächte gefaßt werden. Unter stürmischem Gelächter des ganzen Saales gab sodann der russische Autzenkommissar Litwinow die Erklärung ab, die Konferenz habe sich nach zehn Monaten glücklich Wiede rin der ursprünglichen Form rekonstruiert. Es sei zu hoffen, daß in den nächsten zehn Monaten keine weiteren Verluste entständen, die wieder zehn Monate zur Wiederherstellung der Konferenz notwendig machen würden. Der englische Außenminister Simon verteidigte in einer längeren, sehr geschickten Rede die Vereinbarung der fünf Großmächte. Die englische Regierung habe dabei das Ziel verfolgt, das Werk der Abrüstungskonferenz zu fördern und die Einheit der Konferenz wiederherzustellen. Diese Methode habe zu einem vollen Erfolg geführt. Simon begrüßte sedann die Rückkehr Deutschlands in die Abrüstungskonferenz — Massigli (Frankreich) versicherte, daß seine Regierung niemals die Absicht gehabt hätte, durch Besprechungen mit den übrigen vier Großmächten Oos Echo in Washing'on. Washington. 14. Dez. (TU.) Die belgische Zahlungsweigcrung, die französische Kabinettskrise und die Aussicht, daß weitere Schuldner ihre Zahlungsunfähigkeit erklären, hat die politische Lage sehr getrübt. Fest steht zur Zeit nur. daß England, Italien und die Tschechoslowakei die De- zcmberraten bezahlen werden. Man nimmt an, daß die Frage, ob die Dezemberraten (soweit sie überhaupt geleistet werden) auf die Pauschal- schlußzahlung anzurechnen seien, erstnachRoo- sevelts^ Amtsantritt beantwortet werden könne. Cs wird deshalb erwartet, daß Hoovers Kriegsschuldenbotschaft an den Kongreß nichts weiter als die Mitteilung über die in Washington eingegangenen diplomatischen Noten enthalten wird. Während die Haltung Englands im Kongreß nach wie vor auf ein gewisses Verständnis stößt, hat die französische Zahlungsweigerung in amtlichen Kreisen Washingtons wie eine Bombe «ingeschlagen, do sie gehofft hatten, daß Frankreich noch im letzten Augenblick zahlen würde. Die französische Entscheidung wird in politischen Kreisen als ein schwerer Fehler betrachtet, die eine später zu erwartende Kriegsschuldenrevision nahezu unmöglich mache. In Kongreßkrcisen ist man über Frankreichs Weigerung erbittert und weist erneut daraufhin, daß die Negierung der Vereinigten Staaten bereits drei Viertel der französischen Kriegsschulden g e- st r i ch e n habe. Ferner wird gesagt, daß Frankreich am wenig st en von ber Ärife betroffen worden sei, Goldvorräte aufgespeichert habe und Nü st ungen finanziere, so daß es ohne weiteres zahlen könne. Cs wird anerkannt, daß die französische Entscheidung politischer Natur sei, andererseits aber darauf hingewiesen, daß Frankreich, selbst ein Groß- gläubiger, einen gefährlichen Präzedenzfall für die Schuldner Frankreichs geschaffen habe. Die Negierung der Vereinigten Staaten wird offiziell die Nichtzahlung der französischen De- zember-Nate ignorieren. Das amerikaniiche Schatzamt wird von den am 15. Dezember fälligen Schuldenzahlungen nach Lage ber Dinge öier Fünftel einka,fieren rönnen. Der Erhalt von 98,3 Millionen Dollars ist bereits praktiich sicher, währenb 26,6 Miläonen Dollar zweifelhaft sind. Auf der Liste der zahlreichen Länder steht England mit der weitaus größten Summe (95,5 Mill. Dollars) an der Spitze. Die französische Zinszahlung, die nach dem Sturz der Negierung Herriot voraussichtlich nicht geleistet wird, beläuft sich auf 19,26 Mill. Dollars. Belgiens Zahlunqsweigerung Brüssel, 14. Dez. (CNB ) Die Weigerung der Regierung, an die Bereinigten Staaten zu zahlen, findet in der öffentlichen Meinung einhelligen Beifall und wird von verschiedenen Blättern mit begeistertem Bravo begrüßt. — „Wenn die Amerikaner unter allen Umständen für ihre Kriegslieferungen bezahlt werden wollen, so mögen sie sich nach Berlin wenden: wir zahlen nicht, cs wäre zu dum m", schreibt die liberale „Gazette". „Indöpendance Beige" schreibt: „Belgien kann nicht zahlen, weil Deutschland nicht erfüllt, und seine Nichterfüllung ist die Folge des wiederholten Eingreifens der Bereinigten Staaten." Es ist viel bemerkt worden, daß der Abgeordnete Franklin-Bouillon in der entscheidenden Nachtsitzung der französischen Kammer als erster in der Lage war, die belgische Entscheidung zu kennen und in die Waagschale zu werfen. Zweifellos kam die Zahlungsverweigerung Belgiens der französischen Opposition gegen das Kabinett fterriot sehr gelegen. Man spricht hier von einem inneren Zusammenhang zwi- schen der belgischen Zahlungsverweigerung und der Entscheidung der französischen Kammer. Die Preußenfrage. Keine Aussicht auf schnelle Lösung. B e r l i n , 14. Dez. (BDZ.) Die Koalitionsbesprechungen in Preußen sollen in einem größeren Rahmen fortgesetzt werden. Zwischen dem national« sozialistischen Landtagspräsidenten Serri und den deutschnationalen Abgeordneten v Winterfeld und Borck fand bereits eine Besprechung statt, an der später auch der nationalsozialistische Frak- tlonsvorsitzende K u b e teilnahm Der Borsitzende der Deutschnationalen Landtags- fraktion. Dr. von Winterfeld, hat dem Land- tagspra-sidenten Kerrl folgende Mitteilung zugehen lassen: „Die deutschnationale preußische Landtagsfraktion ist aus grundsätzlichen Erwägungen zu einer Beteiligung an der oorgeschlagenen Regierung in Preußen zur Zeit n i d) t bereit. Die präge der Mög ichkeit einer Zusammenar- beit mit bem Zentrum, mit dem Berhand- lungen unsererseits nicht stattgefunden haben, braucht hier nicht erörtert zu werden, denn die Ablehnung der Regierungsbeteiligung muß schon deshalb erfolgen, weil wegen der grundsätzlichen Oppositionsstellung der NSDAP, gegen das Reichskabinett nicht die Gewähr dafür gegeben ist, daß mit Bit- düng der geplanten preußischen Regierung kein neuer Gegensatz zwischen Reich und Preußen und kein neues verhängnisvolles Gegeneinander der Reichsreaierung und der preu- ßvfchen Regierung wieder in Erscheinung treten würde." Ofienbat besteht bei den Nationalfozia- l ist en, die den jetzigen Reichstagspräsidenten Göring für die Ministerpräsidentschaft nominieren, Steigung zu einem gew.fsen Entgegenkommen insofern, als sie bereit wären, die Verbindung mit dem Reich durch ein Mitglied des neuen preußischen Kabinetts herzustellen. Sie denken aber nicht daran, diese Aufgabe dem Ministerpräsidenten zu übertragen. Den preußischen Innenminister zum Verbindungsmann zu machen, würbe aber nicht ausreichen, um das Reich zur Aufhebung feiner Maßnahmen zu veranlassen, und damit blieben die Voraussetzungen des Zentrums für seine Veteiligung unerfüllt. An eine Lösung der Preußensrage ist deshalb zum mindesten nicht vor der nächsten Tagung au benten, die Mitte Ianuar beginnen soll. Oie NSOAP. und das Kabinett Schleicher. 15.Dez. (CNB. Funkspruch.) Zu ?^»?^?^-^^L°ushaltausschub des Reichs. Nationalsozialistische $° ?JL0 "den). wenn der Nationalsozial,ft Veinhardt bestimmte Vorschläge gemacht habe. so sei dies lediglich geschehen, um der furcht- baren Not der Arbeitnehmermassen zu steuern und unter Ablehnung einer sturen Verneinung Wege e'ir Behebung dieses Elends zu finden. Hierdurch *olle keineswegs dem Kabinett Schleicher „ein Ausweg aus der Situation" gebahnt werben. Es werlxr jetzt der Reichsregierung Gelegenheit gegeben, die „sozialen Sünden ihrer Vorgängerinnen wieder gutzumachen". In welchem OTafjc dies geschehe, davon werde die Stellungnahme der not orialsozia istischen Reichstagsfraktion im Ianuar abhängen. Verwei- gere sich das Kabinett Schleicher dieser nationalen und sozialen Pflicht, dann werde allerdings die Entwicklung zur Auflösung des Reichstages führen. Alles andere seien Phantasien. Damit erledige sich auch die Kombination, die Nationalsozialisten würden mit Hilse des Neichstags- präsidenten Göring versuchen, die Tagung des Reichstages bis in den März hinein aufzuschieben. um auf diese We.se der Notwendigkeit einer Stellungnahme zur Negierung Schleicher -enthoben zu sein. llmorgamsaston der ASÄAP. Gaus hrer Lenz-Hessen tritt zurück. München, 14. Dez. (CNB.) Der Nationalsozialistischen Korrespondenz entnehmen wir folgende Anordnungen Hitlers über den Neuaufbau der politischen Organisation ber NSDAP.: Die Abteilung für Volksbildung, bisher in der Hauptabteilung 3 der politischen Organisation, wird von dieser gelost und von jetzt ab der Neichspropa- gandaleitung unie stellt. Die i n n e r p o l it i s ch e Abteilung, bisher in der Hauptabteilung 3 der politischen Organisation wird aus dieser gelöst und der Rechtsabteilung der Reichsleitung zugewiesen. Der agrarpolitische Appara t der NSDAP., sowie die ihm angeschlossenen Abteilungen der Ncichsleitung der NSDAP, werden aus der Neichsorganisationsleitung herausgenommen und Adolf Hitler unmittelbar unterstellt. Mit der Leitung beauftragt dieser den Parteigenossen R. Walter Darre. Alle übrigen landwirtschaftlichen und agrarpolitischen Organisationen, Verbände, Vereine usw. der NSDAP, werden entweder von Darre neu bestätigt oder aufgelöst. Die Neichsinspektionen I und II werden aufgelöst. Statt ihrer werden die Landesinspekteure und Gauleiter mit dem Posten von Kommissaren größerer Gebiete betr u.. Komm'.ssargauleiter Iakob Sprenger übernimmt an Stelle des wegen Krankheit zurückgetretenen Gauleiters Lenz den Gau Hessen in vorübergehende kommi,sarische Verwaltung. Walter Darre und Dr. R. Ley werden zu Amtsleitern der NSDAP, ernannt. *21110 aller Welt Mil ber wcihnachtskasse burchgebrannl. Bei der seit 20 Jahren bestehenden Weihnachtssparkasse in Ktingenberg am Main sollten dieser Tage die Spargelder an die Einleger ausgezahlt werden. Es stellte sich heraus, daß rund 2000 Mark fehlten Der Kassierer Anton Becker ist verschwunden. Die Borstandschaft des Sparvereins ist bemüht, trotzdem die Spargelder voll auszuzahlen. Die Mitglieder find meist kleine Leute, die sich ihre Notgroschen für Weihnachten sauer erspart haben. Horry picl im Komps mit einem Geisteskranken. Vor der Berliner Villa des Filmschauspielers Harry Piel in Westend kam es zu einer Schreckensszene. Ein 24 Iah re alter Paul Hauck, der den bekannten Schauspieler sprechen wollte, aber abgewiesen wurde, geriet darüber so sehr in Wut, daß er mit einem mitgebrachten Beil Piels Auto fast vollständig zertrümmerte und sich dann gegen den Sohn eines Nachbarn Harry Piels sowie gegen diesen selber warf. Nach heftigem Kampf konnte der junge Bursche, der offenbar geisteskrank ist, überwältigt werden. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß man Hauck schon ein paar Tage zuvor vor der Villa beobachtet hatte. Er war erst vor 14 Tagen aus Augsburg nach Berlin gekommen. Aus der Provinzialhauptstadt. Das Buch im Schaufenster. Bon Peter Sauer. Die Landschaft des späten Iahres hat keinen Reiz mehr. Sie gleicht einem Vogel in der Mauser, der seinem bunten Federkleid nachtrauert, und sie wartet auf Schnee, um unter einer dichten Decke aus weihen Flocken ihre Dürftigkeit und Leere verbergen zu können. Da g:ben wir einstwellen der Stadt den Vorzug, d.e alles ^ut, uns in ihre Straßen au bannen. Die Schaufenster überbieten eina-A'r mit ihren Ausstellungen, die jeden Wunsch er;allen und den verwöhntesten Geschmack zu curzücken vermögen. Das trifft besonders für die Schaufenster der Buchhandlungen zu, die reicher und mannigfacher als je im Iahre ausgestattet sind. Denn keine Zeit zeigt sich dem Buchabsatz günstiger, als die Nähe des Weihnachtsfestes, das als Fest des gegenseitigen Schenkens wie kein zweites auch ein Fest des Buches ist. Ein Gewimmel von Bänden großen und kleinen Formates, imponierender Dicke und schmächtiger Schmalheit lockt und erregt mit bald geheimnisvollen, bald verräterischen Titeln, die in bunter Ausmalung auf den Umschlägen prangen. Zeich- nungen und Bildnisse, oft skizzenhaft flüchtig, zuweilen filmartig ausführlich, dramatisch oder grvtek, steigern die Neugierde. Neue Verfasser- natnen m'schen sich unter bekannte und geschätzte Autoren, die den Ertrag einet fleißigen Iahres- arbeit darbieten. Die Romane sind in der Ueber- zahl. Das alte und doch ewig neue Thema der Liebe kehrt in den mannigfachsten Variationen wieder, wie aus vielen Titeln herauszulesen ist. Daneben überraschen Titel, die einen kühnen Griff in das Kernproblem unserer Tage, in die herrschende Wirtschaftskrise, ernennen lassen. Der Passionsweg der unverschuldeten Arbeitslosigkeit wird hier zu gestalten versucht. Das Sch.ck- sal eines neuen Menschentyps, dessen tragische Existenz heute nicht vereinzelt ist, sondern mil- lionenfach sich wiederholt. Nicht nur in Deutschland, sondern in fast allen Bezirken der Erde. Es ist der Mensch, der Zeit hat. Der mit einem Male das in Fülle und in einer kaum übersehbaren Folge von Wochen, Monaten und Iahten besitzt, was dem Vor.riea'mrbe ter noch hö y- stes Ziel, immerwährende Sehnsucht war, weil es ihm Glück und Seligkeit dünkte. «... uns fehlt nur eine Kleinigkeit, um frei zu sein, wie die Vögel sind: Nur Zeit", so sagt der Arbeitsmann in Richard Dehmels glei.chnam-.gem Gedicht, nachdem er vorher auf- gezahlt, was er alles hat: „Ein Weib, ein K-nd und sogar Arbeit, sogar zu zweit". Man hort eine he.milche Trauer, eine leise Klage im Unterton iittern, wenn er bekennt: uns fehlt ja h* ™ ß.eit! Und nun: welche Umkehrung aller Derhaltm.se! Millionen sind „frei wie die r-^r-_J:n^ , un$ lehlt ihnen nur eines, um F '« n: Arbeit! Arbeit ist Glück, Zeit lst es nicht mehr. Der Arbeitende, nicht der Be- schaftigungslose darf frohlocken. Zeit haben heißt in Not (e:n, vor allem auch in seelischer Not „Kleiner Mann, was nun?" Weiß eines der als „Arbeitslosenroman" gewerteten Bücher eben Wey. einen Ausweg für ihn?! Es wäre eines Maisenerfolgs sicher, denn das deutsche Buch ist billig, das billigste in der Welt. Man kann unter seiner Führung nach Indien und Afrika reifen, ohne Strapazen, ohne umständliche Vorbereitungen, ohne viel Geld. Die Reise- und Abenteurerbücher der Forscher und Wclt- umsegler bieten anregendste Unterhaltung. Der romantische Reiz der fremden Landschaften, das Ungewöhnliche im Umgang mit unbekannten Menschen, d.e Ueberraschungen und Gefahren die Spannungen und Aufregungen bei tausend Erlebnissen, das alles verdichtet sich zu einem Vergnügen seltenster Art und nachhaltigster Wirkung. Daß die Iugend nicht zu kurz zu kommen braucht, steht man an dem Aufmarsch der Bilder-, Märchen- und Fahrtenbücher, sowie der Aben- teurer-Nomane für das vorgeschrittene Alter. Schon dem Kleinsten schenkt man entzückende Bilder unserer Umwelt, die ihnen Helles Iauchzen entlocken müssen. Und die alten Märchenszenen Imb vom Bildlünstler so neu in der Auffassung und so berückend schön in den Farben dargestellt, daß s:ch noch Erwachsene von ihnen bezaubern lassen. Der Buchhändler hat einige von den Büchern aufgeschlagen, um einen Einblick in ihre Schönheit zu geben. Was muß auf den unsichtbaren Seiten noch alles versteckt fein? Ein Schaufenster mit Büchern ist wie eine gedeckte Tafel: man bekommt Hunger nach allem Möglichen, je länger man davor verweilt. Deutsche Kriegergräber im Westen. Die Ortsgruppe Gießen des Dolksbundes Deutsche Kriegsaräberfürsorge vcranstalt te gcstern abend im Großen Hörsaal der Universität einen Vortragsabend, der täe Zuhörer an die ehe- malige Westfront führte. Lankgerichtsrat Trüm- P e r t hielt eine kurze Begrüßungsansprache. Man habe es erhebend empfunden, so führte er aus, als im Jahre 1914, im Willen das Vaterland zu verteidigen eine Einigkeit zutaae trat. Leider habe sich dieser Zustand geändert. Wir stünden mitten im Zwiespalt Aber in dieser schweren Zeit müsse es etwas geben, was das Volk einige: die Erinnerung an Taten und große Zeit, die Erinnerung an die Toten, de in fremder Erde ruhen. Der Volksbund habe es sich zur großen Aufgabe gemacht, die Friedhöfe in Patenschaft zu Übernehmen . und auszu- bauen. Gegenwärtig schweben Verhandlungen, um auch für die Provinzen Oberhessen und Starkenburg einen solchen Friedhof, und zwar jenen von Dun für Meufe, zu übernehmen. E; handelt sich dabei um einen Friedhof, der ursprünglich in der Etappe lag und zum großen Teil diejenigen aufnahm, die mit schweren Verwundungen aus dem Kampfgebiet von Verdun kamen und verstarben. Der Friedhof sei landschaftlich schön gelegen und es bedeute eine dankbare Aufgabe, ihn auszubauen. Mit der Aufforderung, durch den Beitritt zum Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge an dieser Arbeit mitzuwirken, schloß Landgerichtsrat Trum- pert seine Ansprache. An Hand zahlreicher Lichtbilder führte sodann Herr Z i n s e l (Darmstadt) in die Kampfgebiete der ehemaligen Westfront. Die siebentägige Reise führte über Koblenz durch die Eifel nach Aachen, bei Eupen durch die deutsch-belgische Grenze nach Löwen, Brüssel, Gent, Brügge und Ostende und von dort aus wieder südlich So sah man dann bas flandrische Land, hörte von den beispiellosen Kämpfen, von denen die vielen Friedhöfe Zeugnis ab legten. Der Redner führte die Zuhörer zunächst nach Langemarck, zeigte in vielen Bildern den Friedhof der Studenten, die mit dem Deutsch'and- lieb auf den Lippen die Gräben der Feinde stürmten und die nun ein würdiges Ehrenmal in der Erinnerung wachhält. Die Reise führte weiter nach Vpern, nach Lille und zur Lorettohöhe, schießl ch aus den größten deutschen Friedhof von Maison Blanche, der 36 000 deutsche Soldaten birgt. Arras, Laom Chemin des Dames, Reims, Namen, die mit der Gefch chte des Weltkrieges auf das engste verknüpft find, klangen auf, Lichtbilder führten an die Stätten der Zerstörung, zeigten die endlosen Grä- berreshen, die die Grüße des Opfers bewußt werden ließen. Man hörte bann noch von Verbun, sah bie letzten Ueberreste ber Dörfer Fleury unb Vaux, bie zerschossenen Kasematten unb Festungsanlagen, bie Stadt selbst, die blutgetränkte Erde ringsum unb die vielerlei Gebächtnisstätten für die Hunderttaufende ber Gefallenen, bie Freunb und Feind aus diesem größten Schlachtfeld des Weltkrieges opferten In der Reihe der Bilder sah man auch eine Aufnahme von dem Friedhof Dun für Meuse, ber von den Provinzen Oberhessen und Starken- bürg als Patenfriedhof übernommen werden soll. .ber ®e^an- führte der Redner die Zuhörer wieder in die Heimat und bat zum Schluß auch seiner- seits, die Arbeit des Dolksbundes Deutsche Kriegs- graberfurforge zu unterstützen, um so teilzuhaben an der würdigen Ausgestalllmg der deutschen Kriegergräber in fremder Erde. Die Zuhörer folgten bem Vortrag mit großer Aufmerksamkeit. Gießener Wochenmarktpreise. e n, 15. Dez. Es kosteten auf dem heu- das Pfund: Süßrahmbutter J3°, Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 bss 30 Wirsing, grün 8 bis 10, Weißkraut 6 bls 8 Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Ruben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Unter- Mrabl 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25, Kldsalat 100, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 35 bis 60 Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepsel 18 bls 35, Dirnen 20 bis 35, Dörrobst L^rnonzcn. — Tageskalender für Donnerstag: Oberhess. Kunstverein, Turmhaus am Drandplatz, 15 bis 17 Ahr, Ausstellung. — Gießener Konzertverein, 20 Mr, Llniversitätsaula, Konzert: Lubka und Chrystia Kolefsa. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „(Sine von uns." — Astoria-Licht- spiele, Seltersweg: „Tod über Schanghai". 35 bis 40, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80, Gänse 70 bis 80, Enten 80 bis 90, Nüsse 35 bis 43; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 50 bis 63. ausländische Eier 12 bis 14. inländische 14, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 35 Pfennig, der Zentner: Kartoffeln 2,50, Weißkraut 4, Rotkraut 6, Wirsing, grün 6 Mark. Daten für Donnerstag, 15 Dezember. 1775: der Komponist Franxois Adrien Boildieu in Rouen geboren; — 1784: der Schauspieler Ludwig Dcvrient in Berlin geboren; — 1832: ber französische Ingenieur Alexandre Gustave Eissel in Dijon geboren. • ** Reparaturhypotheken bei ber SonbergebäubFsteuer Nach einer Rundverfügung des Präsidenten des Landesfinanzamts ist eine Reparaburhypothek bei der Sondergebäude- fteuer nicht zu berücksichtigen, wenn sie an einem außerhalb Hessens gelegenen Grundstück bestellt ist. ** Die Bestimmungen über Reichsbaudarlehen für Eigenheime sind in einer umfangreichen Bekanntmachung im neuesten Amtsoerkündigungsblatt des Kreisamtes Gießen enthalten. Gleichzeitig werden dort die von der hessischen Regierung erlassenen Durchführungsbestimmungen veröffentlicht. Interessenten seien auf diese Bekanntmachung aufmerksam gemacht. ** Baumschnitt und Telegra phen- lei tun gen. Zum Schutz der Telegraphen- und Fernsprechleitungen werden durch eine Bekannt- machung des Kreisamts Gießen im neuesten Amts- verkünd gungsblatf die Besitzer von Baumpflanzun- gen längs von Telegraphenlinien aufgefordert, ge- letzentl-ich der im Herbst dieses und im Frühjahr nächsten Jahres stattfindenden Ausästungen die Bäume |o weit zurückzuschneiden, daß Berührungen mit den vorbeiführenden Telegraphen- und Fern- sprechleitungen auch b<:m raschen Wachsen der Bäume ausgeschlossen bleiben. ** Zum Fleischbeichauer unb Tri- chinenschauer ernannt wurden: Tierarzt Dr. Erb in L.ch für die Gemeinde L-ich, Wilhelm K r a u s ch in Muschenheim für die Gemeinden Muschenheim unb Arnsburg, Robert Hahn in Obbornhofen zum Fleischbeschauer von Obbornhofen. ** Die Maul- unb Klauenseuche ist in Nieber-Erlenbach (Kreis Friedberg) erloschen. Die Sperrmaßnahmen wurden aufgehoben. " Devisenvorschriften über den Reiseverkehr von und nach Tirol. Für die Einfuhr von Zahlungsmitteln nach Oesterreich " besteht keinerlei Beschränkung. Eingeführte Beträge sind an der Grenze bestätigen zu lassen, da die Ausfuhr von Zahlungsmitteln auf die im Paß bei der Einreise vermerkten Beträge beschränkt ist. Ohne eine solche Eintragung dürfen ausländische Zahlungsmi! el (Mark, Cireifjo.) nur bis zum ©egentn- • von höchstens 530 Schillingen aus Oesterr ch aasgeführt werden. Die Ausfuhr von osterre... ^)en Schillingen ist ausnahmslos auf höchstens 230 Schillinge beschränkt. Für den Grenzausslugsverkehr gelten die gleichen Bestimmungen. Für Reisen von Deutschland nach Oesterreich dürfen außerhalb der Freigrenze von 200 Mark noch Schillinge bis zum Betrage von 1000 Schillingen in Form von 1. Reiseschecks (erhältlich in Abschnitten von 50 Schilling und 100 Schillingen bei den Re'sebu.eaus), 2. Nom nei. lag b chern der Lest.rr ich scheu P)st- sparkaife (erhältlich bei den Postanstalten oder Reisebureaus) oder in Form von 3. Kreditbriefen, Akkreditiven (erhältlich bei den Banken) mitgenommen werden. Schöffengericht Gießen. Gießen, 14. Dez. Ein auswärts wohnender Handwerker, der den Offenbarungseid leisten mußte, hatte in dem von ihm bei dem Amtsgericht eingereichten und vor diesem beschworenen Derniogensverzeichnis ein Grundstück, das ihm zu einem Bruchteil als Eigentümer gehörte, nicht aufgeführt. Seine Angaben, er habe von seinem Eigentumsrecht an diesem Grundstück nichts gewußt, schenkte das Gericht keinen Glauben. Es nahm aber zu seinen Gunsten an, daß er nur fahrlässigerweise, und nicht absichtlich es unter» lassen habe, vor Leistung des Offenbarungseides die nötigen Erkundigungen einzuziehen. Wegen fahrlässigen Falscheides wurde er zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Ein arbeitsloser Schlosser, der wegen Diebstahls schon wiederholt vorbestraft ist, hatte sich wiederum wegen mehrerer von ihm begangener Diebstähle zu verantworten. Die sich ihm bietenden Gelegenheiten benutzte er wieder, um sich fremde Sachen rechtswidrig zuzueignen. Er war geständig, einem Bekannten einen Photographenapparat entwendet zu haben. Außerdem wurde er des Diebstahls eines Mantels, einer Schußwaffe und einer Taschenuhr überführt. W?gen dieser Diebstähle und wegen verbotenen Waffentragens wurde gegen ihn auf eine Gesamtstrafe von einem Iahr Gefängnis erkannt. Wegen Gefährdung der Sittlichkeit wurde unter Ausschluß der Oefsentlichkeit gegen eine Gast- toirtin von auswärts, die unter der Anklage der Kuppelei stand, verhandelt. Die Angrllaate wurde Gefängnis verurteilt. Das . erwiesen an, daß sie aus Eigen- nuh,>wubt 'dr Lokal zu älnzuchtszwecken zur Verfügung gestellt hatte. 0 SriefToften der Redaktion .J>- ^-^Tourenzahlen für bie einzelnen Ma- r- -ölende: Hobelmaschine 4000, Kreis- U^00 (Sageblatt-Durchm.fs.r 300 Millimeter), l*Cr ..^m->revu g . Angenommen u um Maschinen für einen Holzbearbeitungsbetrieb handeln soll. Kunst unb Wissenschaft. Großer Stückpreis für Maler. ®«r Wettbewerb um den Großen Staats« Preuhischen Qltabentie Äünfe $*al€T lst letzt entschieden worden. Der Große Staatspreis wurde dem Maler Alfred Kitzia tn Berlin-Charlottenburg verliehen. Die Wett- b^Ärb6-itCx tocÄin öen Ausstellunassälen äUt cnt"*CT w Von Moltke bis Schliessen. Auf Einladung des Allgemeinen Studen- tenuusfchuiies der Universität sprach gestern abend in der 'Jleucn Aula in einer stark t»e|ud)ien Versammlung der Studentenschaft General a. D. Dr. Bethcke (Gießen) im Rahmen des wehrpolitischen Lortragsiurses der Studentenschaft über das Thema „Von Moltke bis Schliesse n". Nach kurzen Begrüßungsworten des Exrektors Proscfsor Dr. V a tt s e l o w in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Rektors sprach General Dr. Bethcke. Er betonte einleitend, daß zur Wehr- Wissenschaft auch etwas Wissen vom modernen Feldherrn gehöre. Unter diesen Gesichtswinkel stellte er seine fesselnden, in freier Rede vor- getragenen Darlegungen über den Weg von Moltke bis Schliessen. Nach einem kurzen Hinweis auf die idealste Lösung, daß der jeweilige Herrscher der ideale Feldherr sei — in der erblichen Monarchie ober nur dann, wenn der Inhaber des Thrones auch die Feldherrngabe besitze, andernfalls er sich auf die Rolle des Obersten Kriegsherrn beschränken und einen anderen Mann zum Feldhcrrn ernennen müßte —, nannte der Vortragende Friedrich den Großen als einen solchen idealen Feldherrn, dessen langjährige Arbeit seine geistigen Fähigkeiten zum Genius reifen ließ. Anschließend skizzierte der Redner in großen Strichen andeutungsweise die geschichtliche Entwicklung von Friedrich dem Großen über die Zeit der Befreiungs- kriege hin bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts. König Wilhelm i. habe sich wohl zugetraut, sein eigener Kriegsminister zu fein, und er habe es auch bewiesen, für die Feldherrnaufgabe habe er aber eines anderen Mannes Rat und Hilfe gebraucht. Der damalige Kriegsminister o o n R o o n , der selbst aus dem Generalstab hervorging, habe sich nicht geneigt gezeigt, die Stellung des Chefs des General- ftabs zu heben oder zu erweitern, sondern unter rhm sei die überragende Stellung des Kriegsministers erhalten geblieben bis zum Jahre 1866, in dem General von Moltke zum Chef des Generalstabs ernannt wurde. Der Vortragende schilderte bei dieser Betrachtung in anschaulicher Weise das Ringen um die maßgebliche Geltung, das auf der einen Seite das Kriegsministerium, auf der anderen Seite die zwingende Notwendigkeit eines erhöhten Einflusses der militärischen Kräfte im Generalstab auf die Entscheidungen zeigte. Erst durch eine königliche Verfügung vom 2. Juni 1866 wurde der Stellung des Chefs des Generalstabs in der Führung des Heeres die erforderliche Geltung als oberste Spitze gegeben. Auch in der Armee selbst dauerte es lange Zeit, bis sich die Erkenntnis über die erhöhte Bedeutung der Stellung des Generalstabschefs durchsetzte aber nach Königgrätz und Sedan gab es in der Armee vom Armeeführer bis zum letzten Land- wehrmonn niemand mehr der die Feldherrnlunft des Generalstabschefs von Moltke bezweifelt und ihm nicht vollstes Vertrauen entgegengebracht hätte. Der Vortragende schilderte dann die Beziehungen zwischen Moltke und Bismarck seit den Tagen von Königgrätz. Er betonte dabei, daß Bismarck, der nicht die geringste Neigung zur Verehrung anderer Menschen aufgebracht habe, in seinen „Gedanken und Erinnerungen" bei der Schilderung der Ereignisse von Königgrätz doch so etwas wie Bewunderung für den stillen Mann, den Generalstabs- chZ von Mottre, mistchwingen lasse. Die Behaupiung, daß 186J eine Spannung zw.,chen Bismarck unö Moltke geherrscht habe, |ei mzw.schen als eine Legende ertannt worden^ Dagegen stehe fest, daß 1867 in der Luxemburger Frage die Aufsatzung Moltkcs eine andere gewesen fei cus die Bismarcks. Die Ereignisse von 1870/71 hätten dann beiden Männern Gelegenheit gegeben, an dem großen Werre mitzu- arbeiten. Rach Sedan sei in Der Armee auch Der leiseste Zweifel und Widerspruch gegen die Maß- nahmen des Generalstavschcss geschwunden, dagegen habe sich eine Spannung zwischen dem politischen Leiter des Reichs, Dem Kanzler von Bismarck, und dem militärischen Führer, Generalstabschef von Moltke, herausgebildet. Der Redner gab hierbei eine anschauliche Schilderung Der Gegensätzlich.eiten zwischen Den beiDen großen Männern, Die in man- chertei Hinsicht von irrigen Ansichten über vermeint- ltche Pläne Des Partners ausgingen unD schließlich das Eingreifen Des Königs erforDerlich machten, der durch zwei Kabinettsorders manche Unklarheiten beseitigte und Die Grenzen unD ErsorDernisse ststlegte. Wenn auch nach Der Kapitulation von Paris Bismarck zugeven mußte, daß Die von ihm als verfehlt angesehenen Maßnahmen Der militärischen Leitung richtig waren, so habe der Gegensatz zwischen Den beiDen Männern Doch nicht ausgelascht werden können. Auch in den siebziger und achtziger Jahren seien die persönlichen Beziehungen zwischen Bismarck und Moltke immer äußerst kühl geblieben. Im Jahre 1882 trat als Generalquartiermeister Der General von WalDersee an die Seite des Feldmarschalls. Er war von Anfang an bemüht, seine Beziehungen zu dem alten Marschall mit großem Zartgefühl zu gestalten. Daneben bemühte er sich aber auch, ganz abgesehen von dem persönlichen Nimbus Des Marschalls für den Generalstab, die Stellung des Generalstabschefs weiter zu heben. Walderfees Beziehungen zu B i s m a r ck waren zunächst herzlich, kühlten sich aber von 1886 an ab. Der Vortragende gab dann einen Ueberblitf über Die vielfach widerstreitenden Interessen Bismarcks und Walderfees. Der Konflikt zwischen Bismarck und Walderfee griff immer mehr um sich, Feldmarschall Moltke hielt sich aber schweigend unD einsam voll- kommen zurück. Nach seinem Abgang wurde Walder- see zum Chef des Generalstabs ernannt und kam dadurch aus den Höhepunkt seines Ledens. Im Jahre 1889 verschärften sich die Gegensätze zwischen Bis- rnarck und Waldersee immer mehr, eine persönliche Aussprache verlief zwar äußerlich befriedigend, hatte aber innerlich keinen Wert. Der Vortragende berichtete in diesem Zusammenhang über Waldersees Bemühungen zum Sturze Bismarcks, zu dem er wesentlich beitrug. Allerdings mußte er zu seiner lieber- raschung feststellen, daß der junge Kaiser Wilhelm II., als er ihm bei einem Besuche im General- stabsgebäude die Entlassung Bismarcks ankündigte, sich zur gleichen Zeit auch von ihm loslöste. Wenige Monate später erfolgte auch Walderfees Entlassung. Sein Nachfolger wurde der General v o n S ch l i e f - fen, Der Meister Der FelDherrnkunst. Der außerordentlich intercssante und feingestaltete Vortrag fand bei Der großen Hörerschaft lebhaften Beifall. Oberheffen. 8. Bezirksschau der oberhessischen Kaninchenzüchter. w Leihgestern, 14 Dez. Der Kaninchen- zuchtoerein Leihgestern (1908) hatte in diesem Jahre die B e z i r k s s ch a u Des 7. Bezir- k e s übernommen, Die am 10. und 11. Dez. in Dem ?eräumigen Saal der Wirtschaft „Zur Krone" statt- and. 298 Kaninchen unD 78 Nummern Geflügel e-inschl. Tauben waren ausgestellt. Als Preisrichter für.gierten: für Kaninchen Wißler (Neu-Isenburg) und Wenz (Darmstadt); für Geflügel Säger (Ober-Hörgern). Die Ergebnisse: Kaninchen: Belgische Riesen: Gg. Schellhaas, Gießen, 97 Punkte; Deutsche Widder: R.ch. Eiff, Leihgestern, 94 P.; Großchinchilla: Hch. Stroh, Wie- feck, Heinrich Kaufmann, Gießen, Joseph Gries, Gießen, je 95 P.; Franz. Riefensilber: Gust. Schrader, Leihgestern, 96 P.; Blaue Wiener: F. Granne, Lauterbach, Gust. Schrader, Leihgestern, je 95 P.; Weiße Wiener: Karl Schopdach, Lauterbach, Alfred Jung, Grohen-Linden, Aug. Becker, Lauterbach, je 95 P.; Hasenkaninchen: Otto Martini, Leihgestern, 96 P.; Marburger Feh: Willi Zahrt, Großen-Lin- Dcn, 95 P., Alaska: Joh. Schmidt, Lauterbach, 95 P.; Lux: K. Pitz, Steinberg, 95 P., Engi. Schecken: Ludw. Kreiling, Gießen, 95 P.; Sch.varzloh: Will). Sommerlad, Großen-Linden, Heinrich Müller, Leihgestern, 95 P.; Angora: Ludw. Reitz, Homberg (Oberhessen), 94 P.; Rese (schwarz): Rich Möbus, Leihgestern, 95 P.; Hermelin: W. Fuchs, Daubnin- gen, 96 P.; Kleinchinchilla: Herrn. Koch, Garbenteich, Hch. Müller, Leihgestern, Karl Jung, Leihgestern, je 95 P.; Kleinsilber (braun): Ph. Zimmermann, Großen-Linden, 95 P.; (rau): Aug. Rinker, Otto Funk, Leihgestern, je 95 P.; (schwarz): Karl Pitz, Steinberg, 95 Punkte. (Sämtliche hier genannten Züchter erhielten Ehrenpreise.) Geflügel: Plymouth Rocks (gestreift): Georg Luh VI., Leihgestern, E, sg 1, sg 2; Wyandottes Silber: Alfred Jung, Großen-Linden, E, fg 2; Sussex (rebhuhnfarbig)-. Joh. Leun, .Leihgestern E; Italiener (rebhuhnfarbig): Karl Dem, Watzenborn, E, Heinrich Müller, Leihgestern, sg 1, sg 2; Barnevelder: Karl Seel, Leihgestern, sg 1; Wel- fumer (rebhuhnfarbig): Willi etein, Gr-Linden, sg 1; Italiener (gelb): Rich. Eiff, Leihgestern, sg 1; Rheinländer (schwarz): Albert Junker, Gr.-Linden, E, K. Andermann, Watzenborn, sg 2; Rhodeländer: Hugo Bauer, Leihgestern, sg 1; Hamburger Silberlack: Rich. Velten. Leihgestern, E, sg 1; Hamburger Schwarzlack: Wilh. Sommerlad, Gr.-Lin- Den, E, sg 1, sg 2; Ostfriesische Silbermimen: PH. Naumann, Gr.-Linden, E, sg 2; Rhodeländer Zwerge: PH. Zimmermann, Gr.-Linden, fg 1; Wyandottes Zwerge (gestr.): Ldw. Kreiling, Gießen, E; Brün- ner Kröpfer (schwarz): Hans George, Gr.-Linden, E; Brünner Kröpfer (weiß): Karl Pitz, Steinberg, sg 1; Franz. Kröpfer (rotgeherzt): Rud. Brock, Stangenrod, E, fg 1; Kröpfer, Hess, (fahl): Wich. Klaum, Gr.-Linden, E, Wilh. Dem, Leihgestern, sg 2, fg 3; Schönheitsbrieftauben: Otto Weil Leihgestern, E; Brieftauben blauer Binde: Rich. Duten- höfer, Leihgestern, sg 1; Brieftauben, gehämmert. Karl Schieferstein, Leihgestern, sg. 1. Mit dem Auto in eine Schafherde. * Alsfeld, 13.Dez. 3n der Aähe von B reite n b a ch fuhr am Montag ein Auto, das einem Einwohner von Rieder-Jossa gehört, in eine Schafherde des Gutes Brcitcnbach hinein. Lurch den Kraftwagen wurden der Schäfer und fein Hund erheblich verletzt und drei Schafe getötet. Wodurch der Unfall entstand, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Landkreis Gießen. CO Klein-Linden, 14. Dez. Wie in früheren Jahren hat der hiesige Frauenverein auch jetzt toietKT für die christlichen Liebesanstalten in Bethel eine Sammlung von getragenen Kleidern in unserem Dorfe vorgenommen. Eine große Kiste, nebst *0 Mark in bar aus auf gesellten Büchsen, konnte als Meihnachtsgabe der Anstalt übersandt werden. Außerdem wurden der Epileptiker-Anstalt in Rie^er-Ramstadt 10 Mark Weih- nachtsgabe überwiesen. — Eine Weihnachts- sammlung zum Besten der hiesigen Cchwesternstation vom Mutterhaus Äcn- nenweier ergab den stattlichen Betrag von 273,85 Mark. Davon entfallen auf die Kleinkinderschule 155,10 Mark, auf die Krankenstation 118,75 Mk. * Äroßen-Buseck, 14 Dez. Am Dienstag hielt Der hiesige Frauenverein im Saale Der Gastwirtschaft Wagner seine ADoents- unD Weihnachtsfeier ab. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Der Posaunenchor half Die Feier verschönern. Zahlreiche Kinder brachten ein Adventsspiel, sowie ein Jahreszeitenspiel zu wohl- gelungener Aufführung. Aus dem reichhaltigen Programm, um dessen Vorbereitung und Einstudierung sich Schwester Berta Büchsler und Die HanDarbeitslehrerin, Frau Schneider, besonders verdient gemacht haben, sei noch Die Aufführung: „Wie zwei in einer Nacht kuriert wurden" und Das Gedicht: „Die Krankenwacht" erwähnt. Der weitere Verlauf Des Abends brachte heitere Darbietungen, Die lebhaften Be fall fanDen. Aus Der Zahl Der Darsteller (Frau Dr. Franz, Schwester Margaretha, Lisa Scheld u. a.), Die nicht alle namentlich erwähnt werDen stönnen, seien noch be- sonDers Genannt Die Geschwister ReinschmiDt von Der Leppermühle, Die mit viel Eifer zahlreiche 'Programmnummern bestritten und in Den Aufführungen die von ihnen übernommenen Hauptrollen ausgezeichnet spielten. Ansprache und Schlußwort hielt Der Ortsgeistliche. Mit einem Liede fand Die Feier ihren Abschluß. a. Burkhards seiden, 14. De$. Der G e - mein Dera t beschäftigte sich in feiner jüngsten öffentlichen Sitzung Zunächst mit der Frage der Entwässerung Der Mönchswiele und Der Chaussierung Des Mönchswiesen- weges bis nur Einfahrt des Pfingstwcges Durch den freiwilligen A r b e i t s D i c n ft. Bürgermeister Albach bemerkte, daß dieses Projekt von 2000 bis 3000 Tagewerken als volkswirtschaftlich bedeutsam angesehen werde und Aussicht habe, genehmigt zu werden. Es könnten dann auch Diejenigen Leute unter 25 Jahren beschäftigt werben. Die schon beim Sportplatzbau beteiligt waren. Da vorerst nur Die Entwässerungsarbeiten geplant sind, scksug er vor, die Chaussierungsarb^ten hinzuzu- T nehmen. Der Gemo nderat stimmte 'dem zu. Im weiteren Verlause der Sitzui^ß beschäftigte man sich mit Der Gemeindeschäferei, Die bei einer Einnahme von 698,80 Mark für Pferch, und Weide- geld Ausgaben in Höhe von 841, Mark verursachte. Der Verlust von 142,20 Mark soll auf Die Gemeindekasse übernommen werden. Es wurde mit 7 gegen 2 Stimmen beschlossen. Daß Der Schäfer für das neue Jahr 600 Mark Lohn und 30 Pf. Fortjchlaggeld (seither 800 Mark und 50 Pf.) er- halten soll. Stellt sich im nächsten Jahre Der Ver- Luft höher als 75 Mark, Dann soll Die Gemeinde- (qjäferei aufgehoben werden. Der Antrag wurde angenommen. + Grünberg, 11. Dez. Sanilätsrat Dr. Fritz, Der seit Dem Jahre 1900 als praktischer Arzt hier wirkte, siedelte dieser Tage nach Gießen über, um dort feinen ßebensabenb zu verbringen. Seine ernste Berufsauffassung, sowie sein gerades, offenes Wesen sicherten ihm die Anerkennung und Wertschätzung aller Kreise. Dem Kriegerverein gehörte er als langjähriges Vorstandsmitglied an, ebenso war er Mitglied Des Kirchenvorstandes. Jni Kriege mußte er einen Sohn, der als Leutnant beim Gießener Regiment stand, als vermißt betrauern Sein Vater, Der übrigens einige Jahre als Oberamts richter hier tätig war, ist weiteren Kreisen als Komponist des VHC -Liedes „Dir meinem Vogelsberg" bekannt geworden. — Im hiesigen V o 11 s - bilbungsoercin sprach in zwei Vorträgen Dipl.-Ingenieur Schmitt (Gießen) über Das Thema „Der moderne Wohnbau". An zahlreichen Lichtbildern zeigte der Redner, welche Entwicklung der Wohnbau von der früher beliebten Anhäufung der Wohnungen in den Mietskasernen bis zur heutigen Einzelwohnung, dem Eigenheim mit Garten genommen hat. Auch den hier beabsichtigten Umbau Der Turnhalle zog er in Den Kreis seiner Be- tradjtungen und zeigte eine Lösung dieser Frage. Weitere Vorträge sind nach Weihnachten geplant Dr. Ma le ch (Gießer.) wird über Fragen aus Der Gesundhoitslehre sprechen. is. © t e i n b a a>. 13. Dez. Bei der am Sonntag vorgenommenen Wahl eines Beigeordnete n der hiesigen Gemeinde siegte die Liste „Hitlerbewegung", Kandidat Karl R e usch - ling IV., mit 300 Stimmen. Der Kandidat der Bürgerliste, Maurermeister August Keßler, erhielt 239 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war nicht sehr stark. O Holzheim, 14. Dez. Die vor kurzer Zeit in unserer Gemeinde durchgeführte Viehzählung hatte folgendes Ergebnis: 83 Pferde, 53 Kälber, 95 Jungrinder, 444 Milchkühe, an Rindvieh insgesamt 817 Stück. An Schweinen wurden festgestellt: bis ein Jahr alt 871 Stück, über ein Jahr alt 30, zusammen 901. Federvieh im ganzen 3247, davon Gänse 308, Enten 53, Hühner 2732 und Hähne 154. Schafe wurden 113, Ziegen 107 gezählt. Bienenstöcke sind neun vorhanden. Hausschlachturgen wurden vom 1. September bis 30. Rovember 90 vorgenommen. — Am Samstag hielt die „Jagdgesellschaft Holzheim" eine Feld- treibjagd ab. Die Deute an Hasen war geringer als im Vorjahr. Zwei Burschen gelang es zwei Tage vor der Jagd, einen Fuchs zu erschlagen, der sich hinter einer Dickwurz- miete verborgen hatte. Kreis Friedberg. tz> Steinfurth, 13. Dez. Don den beiden Kirchenglocken, Die zu Pfingsten 1921 als Ersatz für die im Kriege abgelieferten Glocken neu angeschafft wurden, ist Die mittlere vor einigen Wochen plötzlich gesprungen. Die elfjährige Garantiezeit war kurz vorher abgelaufen. Die Firma Rinker in Sinn, Die beide Glocken geliefert hatte, hat sich nun in Verhandlungen mit Dem Kirchenvorstand bereit erklärt, gegen Rücknahme Der gesprungenen in entgegenkommenDer Weise für 400 Mk. eine neue Glocke zu liefern. — Die Viehzählung ergab hier einen Bestand von 65 Pferden, 644 Rindern, 643 Schwei- nen, 67 Ziegen, 3695 Stück Geflügel aller Art und 21 Bienenvölkern. Kreis Büdingen. hr. E ch ze l l, 13. Dez. Dor h.esige Geflügel- zuchtverein wird am 14. und 15. Januar 1933 - eine Lokalgeflügelausstellung veranstalten. Als Preisrichter sind Wilhelm Ölern (Pohl-Göns) und K. Philipp IV. (Steinberg) gewonnen worden. Kreis Schotten. --- Lardenbach, 14. Dez. Das zweijährige Kind des hiesigen Schuhmachers Wilhelm Lein fiel in einem unbewachten Augenblick in einen Kübel mit kochendem Wasser und verbrühte sich am Körper so sehr, daß Der herbei- gerufene Arzt das Kind sofort in Die Klinik nach Gießen üd-erführte. Dort verstarb es noch am gleichen Nachmittag. )—( Ruppertsburg, 13.Dez. Die Viehzählung hatte in unserem Orte folgendes Ergebnis (in Klammern stehen Die Zahlen des Vorjahres): Pferde 88 (83), Rindvieh 460 (491), Schafe 94 (84), Schweine 360 (377), Z'.egen 109 (105), Gänse 117 (201), Enten 157 (134), Hühner 2433 (2'38), Bienenvölker 36 (25). — Bei den Holzh-verarbeiten sind aus unserer Gemeinde n diesem Winter beschäftigt: im Ge- meindewald 2 Rotten mit zusammen 12 Mann (Wohlfahrtserwerbslose) und im Gras Solms- Laubacher Wald 3 Rotten mit zusammen etwa 18 Mann. '-7- Ob er-Schmi tten, 13.Dez. Der Weihnachtssparverein, der 185 Mitglieder umfaßt, hielt am Sonntag im Kirchhoffschen Saale seine Generalversammlung ab, die sehr stark besucht war. Der Vorsitzende Otto Jung eröffnete mit Grußworten die Versammlung, worauf bei brennendem Tannenbaum die alten, lieben Weihnachtslieder erklangen. Bei der Aushändigung der eingelegten Spargelder mußte fest- gestellt werden, daß Der Gesamtbetrag gegen Das Vorjahr um 2A zurückgegangen war. Viele Einzahlungen muhten schon während des Jahres zurückgegeben werden. Es wurde beschlossen, den Gerneindegliedern auch im neuen Jahre nieder Gelegenheit zu geben, sonntäglich ihre Spargelder einzulegen. Der Vorstand wurde in feiner Ge- samtheit einstimmig wiedergewählt, wobei ihm Dank und Anerkennung für fein uneigennütziges Wirken gezollt wurde. Kreis Alsfeld. -er. Homberg, 13. Dez. Während im vorigen Jahre Die eine Hälfte Des Inneren unserer alten Stadtkirche ausgebessert worden war, wurde in Diesem Jahre Die zweiteHälfte neu hergerichtet und auch das Oleuhere mit einem neuen Verputz versehen. Das Innere ist jetzt nach einem einheitlichen Stil umgestaltet wvr- Den. Der Altar wurde versetzt. Die Säulen sind durch Rundbogen verbunden. Eine neue Empore und modern gestaltete OSänfe bieten reichlich Sitzgelegenheit. Die Orgel wurde tiefer Feseht, mit einem Motor versehen und das Pfeisenmaterial entsprechend ergänzt. Eine neu« Kanzel mit anderer Ausstellung ziert das Kircheninnere. Die alten Fensterscheiben wurden durch neue erseht, teilweise sogar bunte Fenster mit besonderen Darstellungen eingefügt, wozu freiwillige Stiftungen Die Möglichkeit boten. In den letzten Wochen erhielten sämtliche Bänke und die Kanzel einen neuen Anstrich. Durch Kunstlerhand wurden die Felder der Kanzel und Die der Empor« mit Figuren bzw. Sprüchen sinngemäß verziert. Am Sonntag soll die Einweihung ftattfinDen. Wird Förster aus der Hast entlassen? WSR. Frankfurt a. M., 14. Dez. Gegen die in Untersuchungshaft befindlichen vier der Tat verdächtigen Personen scheinen sich kein« neuen Verdachtsmomente ergeben zu haben. Es hat auch den Anschein, als sei das gegen sie zusammengetragene Belastungsmaterial lückenvoll und unzureichend. Demnächst steht ein Haftprüfungstermin gegen Förster und Genossen an, und es wird sich ergeben, ob sich die weitere Haft noch rechtfertigen! läßt. 3600 Liter Wein auf den Bahnkörper geflossen. WSR. Alzey, 14. Dez. Auf der „Roten Drücke" bei Albig kam ein Lastwagen mit Anhänger der Spedition Kehr-Wörrstadt ins Schleudern. Der Anhänger riß die Schutzmauer um, blieb aber an Der Böschung hängen. Drei Stück Wein (3600 Liter) stürzten auf Den Bahnkörper, wo Der Wein auslief. Der schwer beschädigte Lastzug wurde abgeschleppt. Wegen Zahrraddiebstahls ein Jahr Zuchthaus. Mainz, 13.Dez. (WSR.) Vom Dezirksschöf- fengericht wurde gestern Der schon oft vorbestrafte 54 Jahre alte Fuhrmann HeinrichS tahlhofen aus Mainz wegen Diebstahls zu einem Jahr Zuchtyaus verurteilt. Stahlhofen hatte in Der Kaiserstrahe ein Fahrrad gestohlen unD es sofort für einige Mark weiterverkauft. Unfall auf der Landstraße. Biedenkopf, 14. Dez. (WSN.) Ein Gärtnereibesitzer aus Buchenau erlitt abends dadurch schwere Verletzungen, Daß er mit seinem Auto in der Nähe unserer Stadt mit voller Wucht gegen einen Chausseebaum fuhr. Er erlitt neben anderen Verletzungen einen Beinbruch und blieb hilflos auf der LaiÄstraße liegen. Erst nach mehreren Stunden wurde er von Passanten aufgefunden und einem Arzt zugeführt. tkinaesandt (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion Dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ein Notruf aus der Bergstraße an die Bolizei und den Stadtrat. Die Berg st raße ist eine der ruhigsten Straßen der Stadt Gießen Seit etwa zwei Jahren machte sich aber im Sommer nach 10 Uhr ein stärkerer Verkehr bemerkbar, und zwar überwiegend von Liebespärchen. Dieser Verkehr ging noch, aber es macht sich auch lichtscheues Gesindel auf den Weg. Vor etwa sechs Wochen rief ein Mädchen kurz nach 9 Uhr um Hilfe. Vor etwa vier Wochen hörte ich, bevor ich mich zu Bett legte, wie ein Bursche zum anderen leise sagte: „Bleib doch hier im Dunkeln." Im Oktober l. I. kam ich gegen 11 Uhr von der Bahn nach Hause. Beim Betreten des Hofes stürzte ich über einen Gegenstand. Es war eine Persönlichkeit, welche der Anziehungskraft der Erde an diesem Abend nicht gewachsen war. Kommt man von Der Stephanstraße, durch den Parkweg am JahnDenkstein nach Der Bergstraße, kann man ohne Taschenlampe nicht ge,ahrlos passieren. Erstens stößt man öfters gegen ein festumschlungenes Liebespärchen und zweitens tritt man einer gewissen Pflanze die Augen aus. Letzteres Dürften mir Die Strafjenreiniger bezeugen können. Gerade in dem unbeleuchteten Gestrüpp halten sich Die lichtscheuen (Elemente auf und beobachten ihre Opfer. Am Mittwochabend verfolgte einer dieser Burschen ein Mädchen bis zur Haustüre, scheinbar hatte er es auf die Handtasche abgesehen! Die ganze Bergstraße hat nur eine Lampe, und wenn die Bäume belaubt sind, liegt die Straße im Dunkeln. Ich bitte die Herren Stadtväter, ihr Augenmerk auf Diese Beleuchtung Der Bergstraße lenken zu wollen, es müßten unbedingt noch zwei Lampen eingeschaltet werden. Ein Mädchen oder eine furchtsame Frau wagt sich ohne Angstgefühl bei Dunkelheit nicht mehr fort. Ein Bewohner der Bergstraße. Wettervoraussage. Während das Hoch über Polen und den Donau- ländern sich teilförnug über Süddeutschland und die Alpen bis nach Frankreich zurückgeblldet hat, verursacht Die NorDmeerströmungstätigceit, Die an Intensität weiter zunimmt, über NorDdeutschland fortschreitend« Milderung und vereinzelt geringe Niederschläge. In Bodennähe werden dort bis zu 5 Grad beobachtet, und in 400 Meter Höhe registrierte das Lindenberger Wetterflugzeug sogar plus 10 Grad. Aber auch bei uns schreitet die Erwärmung von Den Bergen weiter abwärts. Im Vogelsberg herrschte heute morgen plus 7 GraD, während nur noch in Tallagen ein Kaltluftkissen mit Temperaturen bis zu minus 5 Grad lagerte. Mit Der zunehmenden Störungstätigfeit und Der Damit beginnenDen stärkeren maritinen Lust,zufuhr Dürften auch bei uns Die letzten Kaltluftreste weggeräumt werden und sicb eine milde Westwetter- lage mit späteren Regenfällen einstellen. Aussichten für Freitag: Weiteve Milderung und nur geringer Aachtfrost, Dunstig und bewölkt, vorerst meist trocken. Aussichten für Samstag: FortsHrer- tende Milderung, wechselnd wolkig mit Aufklaren, Aeigung zu Aiederschlägen. Lufttemperaturen am 14.12. mittags 0,8 Grad Celsius, abends —3,8 Grad: am 15 12. morgens —3,6 Grad. Maximum 1,0 Grad, Minimum — 5,5 Grad. — GrDtemperaturen in 10 cm Tief« am 14.12. abends —1,2 Grad, am 15.12. morgens — 2,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer z Stunde. 8876 D V* Pfund 0.25 Stangenlimburger in Pergament 1 Pfund 0.36 Gießen (Bruchstraße 81), den 14. Dezember 1932. Rheinischer Spekulatius .. y2 Pfund 0.25 07327 Trohe, den 11. Dezember 1932. (auf Wunsch) 8879 D 8871 D | Vermietungen ans dem fernen Osten 8874 C Schokolade Q 4N G:scaenk-Packung <■ ä 10J g nrU Block-Schokolade 7ß gute Qualit.t Pfd. 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Dezember, Ist unsere liebe treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante Fran Margarete Wehrheim Witwe, Leh. Stahl im 79. Lebensjahre zur ewigen Ruhe heimgegangen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: August Wehrheim Gießen (Steinstraße 511), Nieder-Wöllstadt, Bischofsheim, Okarben, den 15. Dezember 1932. Die Beerdigung fand in der Stille statt — Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. FESTWEIN aus der S&F-WElNKELLEREI Die Preise im Produktionsgebiet sind gestiegen. Infolge günstiger Vorkäufe können wir die guten S&F-Weine noch zu diesen niedrigen Preisen verkaufen! Auf unsere große Spiel warenAusstellung im 1. Stock machen wir besonders aufmerksam S&F-Weinbrand schönel ßfi Festgabe Fl. 3.00, -4 Fl. LUU GKEMSMSEMM. „GWffSMKW" Sonntag, 18. Tez., nachm. 5 Uhr WertzimOts-OrieV ouf öem ödilffenherg (fiapelle ILSE Gäste können eingeführt werden. Autobusverbindung ab Bahnhof 415 Uhr, Ludwigsvlatz 420 Uhr. 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Dezember, abends 8 Uhr Kirchenmusikalische $ei rstunde Mitwirkende: Frau Ilse PcbmidLWissen- dort und Fräulein Emiy Horst (Sopran), Fräulein Käte Gärtner( Alt),Fräulein Maria Zimmer u.Herr Franz Dauer i Solovioline), tiießener Kamirerorcliester (Leitung: Herr Musiklehrer Franz Bauer), die Herren Heinz fcger und Willi Höß (Solo-Cello), Knabenchor der Stadlkirche. Aufd. Orgel: Herr Heinz Simon. Eintritt frei 1 Jedermann herzlich eingeladen. 8881D Gießener Konzertverein1 Donnerstag, den 15. Dezember 1938, 80 Uhr, Unlversitätsanla Drittes Konzert — Duo-Abend Lubka nnd Chrystja KOLESSA (Klavier und Violoncello) Klavier werke von Bach. Tausig und Chopin. — Cellowerke von Locatelli. Bach. Mendelssohn und Popper. Der Bechstein-Konzertflügel ist von dem Pianobaus Schönau, Seltersweg. Eintrittskarten: 2, 3 und 4 Mk. bei Emst Challier^ind abends an der Kasse. 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Die Herren wissen schon, Gust, warum sie den Wald kaufen wollen. Aber — sre werden ihre Hände davon lassen. Wir sind auch nicht von gestern. Gust, du hast keine Ahnung, wie reich du bist..." -21a so fror’ schon auf mit deinen dunklen Ergüssen.' Sag schon, was los ist! Hast du einen Schatz entdeckt?" . „ „ „lind was für einen Schah, du wrrst Bauklotze Wenn ein Volk sich erneuern soll, so muh diese Erneuerung von der Jugend kommen. Es ist deshalb von größter Wichtigkeit für jedes Volk, wie seine Jugend lebt, was sie denkt, tut und treibt. Wir sind ja heute längst darüber hinaus, daß es der Erziehung letzte Weisheit wäre, die Jugend genau dieselben Wege zu führen, die wir selbst gegangen sind. Sie will geführt, aber sie will nicht festgelegt sein, sie will gewonnen, aber sie will nicht gehabt sein; daher ihr instinktives Wehren gegen jede Aeutzerlichkeit, ihr Wehren gegen jede aufgezwungene Einrichtung, ihr Streben^sich selbstbestimmend und selbstverantwortlrch den Weg zur Gestaltung eigenen Lebens zu suchen. lind dennoch obliegt uns Eltern, Führern und Erziehern die Pflicht, die Jugend zu führen, so zu führen, daß der von ihr gewählte Weg auch ein erfolgreicher Weg wird; es obliegt dem gesamten Volke die Pflicht, die Ber- wortung für die richtige Führung seiner Jugend zu tragen. Diese Pflicht ist nur nicht mehr so leicht, als sie zu jenen Zeiten war, da die Jugend noch gläubig rollten. Aus allen Ecken leuchtete es ihr entgegen: fünfhunderttausend Mark auf das Los Aummer 128713. „ Ein fast irrer Schrei tönte plötzlich durch den Raum, laut und schrill. Magdalene Winter hatte sich in diesem Augenblick mit aller Gewalt zurück- gebogen, ein Zeitungsblatt an ihre Brust pressend. Sie hatte das Gleichgewicht verloren und war mit lautem Gepolter in dem hinter ihr stehendem, großen Papierkorb gelandet. Entsetzt waren alle hochgefahren, starrten auf dos wie irrsinnig lachende Mädchen. Ein wirres Durcheinander von Fragen setzte ein. Dos Mädchen lachte weiter, halllos, unauf- hörlich. „Zum Donnerwetter! Was ist hier eigentlich los? Haben Sie den Verstand verloren, Fräulein Winter?" Hippolyt Hoffmann stand plötzlich neben Magdalene, sie aus bösen Augen finster anstarrend. „Oh, Kinder, helft mir nur erst mal aus der Papieickiste heraus!" Hilfreiche Hände streckten sich Magdalene entgegen. Tann, als sie wieder auf festen Füßen stand, fuhr sie lachend über Hippolyt Hoffmanns Kopf. Ter Buchhalter wollte gerade in die Höhe fahren, als Teutobert Fischer plötzlich vor ihnen Darf ich fragen, meine Herrschaften, was das alles zu bedeuten hat? Haben wir hier ein Kabarett oder ein Büro?" „Herr Fischer, lieber Herr Fischer... Sie werden ja gleich alles verstehen... Ich habe das Große Los gewonnen, fünshunderttausend Mark. Da, sehen Sie, das da ist meine Rümmer.. Aus Magdalenes hysterischem Lachen war plötzlich lautes Schluchzen geworden. Wieder starrten sie alle Augenpaare entsetzt an. Rur Teutobert Fischer blieb ruhig, sagte zu Magdalene, ihr die Hand entgegenstreckend: „ Fräulein Winter, meine herzlichsten Glückwünsche." Magdalene jauchzte auf, machte einen Sprung. „Run bin ich reich! Run habe ich soviel Geld, wie ich nur haben will. O Gott! Ich muß sofort gehen, mir mein Geld holen. Ditte, Herr Fischer, geben Sie mir einige Zeit frei, Hnd vielleicht erlauben Sie, daß ich von heute an gar nicht mehr ins Büro zu kommen brauche, daß ich nicht erst kündigen muß." „Verlieren Sie nur nicht gleich den Kopf. Mädell Warten Sie erst einmal, bis Sie das Geld wirklich in der Hand haben. Man kann nie wissen — es kann noch irgendeine Heberraschung kommen — ein Druckfehler!" „Hm Gottes willen, Herr Fischer! Rein, da« wäre zu entsetzlich! Ich muß sofort zu meinem Lotterie-Einnehmer!" (Fortsetzung folgt) Tiefe Stille folgte. ~ . r. . August prüfte die Erde, nut Zeigefinger und Daumen, dann mit beiden Händen. Staunend sah er das Wunder: seine Hände hatten sich schwarz gefärbt Als er jetzt seinen Freund ansah, glomm ein freudiger Glanz in seinen traurigen Augen auf. „Theo... wenn es wahr wäre...' „Es ist wahr, Gust! Ich hab' Braunkohle gefunden, in deinem Wälde..." „WaS machen wir nun, Theo?" „Wir müssen sofort nach Berlin, Gust und unseren Fund anmelden und uns die zum Abbau notweiidige amlliche Genehmigung holen." „Wobei du ganz vergißt, Theo, daß ich ein armer Schlucker bin. Zu solchen Hnternehmungen braucht man Geld, Geld und nochmals Geld." „Hnd du, Gust, vergißt, daß du ja einen reichen Freund hast. Ich sage gut für alles. Hnd wenn alle Stränge reihen, kehre ich zu meinem Vater zurück und bitte ihn um (Verzeihung. Sollst mal sehen, wie mein Alter lacht wenn ich ihm sage, daß ich vernünfttg geworden bin. Also laß mich nur alles machen. Herrgott, Gust! Ich bin ja so froh. Jetzt wird dir bald geholfen sein, da bin ich ganz sicher." „Ich glaub vorläufig noch nicht an das Glück, Theo! Ich bin sehr skeptisch geworden in dieser letzten Zeit Das Leben hat mich zu hart ange- packt Hnd vor allem muß ich jetzt selbst mal hinaus, mir das Wunder anzusehen. Das Weitere wird sich dann finden." „Ra ja, Gust warte du nur, bis deine Gläubiger erst hinter den Schatz gekommen sind. Dann wird nicht mehr viel für dich übrigbleiben. Aber Bedenke doch nur..." „Es ist keine Zeit für Bedenken, Gust! Stelle dich dem Glück nicht in den Weg, sonst geht es über dich hinweg. Diesmal lasse ich dich nicht aus der Hand. Du mußt f chon mir die Führung überlassen ..." Magdalene Winter ging ins Geschäft wie alle anderen Tage des Jahres. Aber seit vierzehn Tagen etwa war das muntere Mädchen völlig verändert Sie war nicht mehr schlagfertig und nicht mehr gesprächig; in den Pausen sah sie starr vor sich hin, als ob sie schwere Gedanken in ihrem hübschen Kopfe wälzte. Ihre Kollegen und Kolleginnen sahen sie immer wieder von der Seite an. Aber niemand wagte es, sie zu stören. Rur untereinander tauschten sie Vermutungen aus, weshalb Magdalene so bleich und so verstört aussah, und weshalb sie zusammenzuckte, wenn man sie ansprechen mußte. Auch ihre Arbeit taugte nicht mehr viel. Sie, die sonst so gewissenhaft war, daß selbst Hippolyt Hoffmann nicht viel an ihr aussetzen konnte, tippte oft das ungeheuerlichste Zeug zusammen. Was war nur mit Magdalene Winter? Vierzehn Tage schon ging die Ziehung der Lotterie, mit jedem Tag schwand ein Stück von Magdalenes Zuversicht, mit jedem Tage sank ihre Hoffnung weiter zusannnen. TaS Bewußtsein chres Leichtsinns wuchs ins Riesengroße. Mit Entsetzen dachte sie an die Zeit, die jetzt kommen würde. Sie würde sich nicht satt essen können; und an die Miete durfte sie gar nicht denken. Seit einigen Tagen schon aß sie nur noch trockenes Brot hier und da einen Apfel. Frau Hahn hatte schon einige Male gefragt; Magdalene hatte sie inständig gebeten, noch nicht zu fragen — später, später würde sie alles erzählen. Die gute Mutter Hahn setzte ihr doch jeden Abend irgend etwas Gutes vor, und das war das einzige, was ihr einigermaßen Kraft gab. Es war ein Glück, daß sie diese Wirtin gefunden hatte, sonst hätte sie jetzt verhungern können, wo sie ganz ohne Geld dastand. Magdalene schämte sich, Frau Hahn ihren Streich einzugestehen. H:u.e hatte sie ihre letzten ? fenn g ausgegeom, für ein paar Bröcchen. Run yatte sie nur noch den Zeitungsgroschen. Der Lehrling würde ihr die Zeitung mit der Gewinnliste nachher besorgen; das ewige Rachsehen bei dem Kollekteur hatte sie satt Dort verulkte man sie schon, ihrer eifrigen Rachforschungen wegen. Ach Gott, sie war so unglücklich. Dabei mußte Nllm Dom W Roman von Margarete Antelmann. Copyright by Markin Feuchtwanger, Halle (Saale) sie ihre Gedanken zusammennehmen, daß ihre Arbeit etwas taugte. Teutobert Fischer war ohnehin schlecht genug gelaunt in den letzten Tagen. Deshalb, well er sich mit seinem Sohne gezankt hatte. Seit vorgestern war der junge Herr verschwun^i^ die Laune des Alten war seitdem unter den Gefrierpunkt gefallen. Was war dieser Theobald Fischer aber auch für ein dummer Kerl! Setzte sich da Flausen in den Kopf von wegen Sport und Doxchampwn. Hnd hätte hier den herrlichsten Dettieb, könnte leben wie der liebe Gott in Frankreich. Wo in aller Welt mochte er jetzt herumvagabundieren? Las ganze Büro wußte, daß Teutobert Fischer jede Post fieberhaft auf eine (Nachricht von Theobald durchsuchte. Hnd daß seine Laune immer schlechter wurde, je länger diese Rachricht ausblieb. Der Junge hatte einen fürchterlichen Dickkopf; Teutobert Fischer würde lange warten müssen, ehe der zu Kreuze kroch. Aber sie alle mußten dafür die Launen Teuto- berts mit in Kauf nehmen. Man durfte nicht wagen, sich zu widersetzen; auch dann nicht, wenn der Ehes ungerecht tadelte. Hippolyt Hoffmann schritt ganz in den Fuß- stapfen seines Herrn. Er war mürrisch wie nie, fast noch schlimmer als der Chef selbst Auch jetzt schielte er wieder zu Magdalene herüber. Mochte er! Das konnte sie nicht hindern, die Zeitung zu studieren, die der Lehrling gerade vor Magdalene hingelegt hatte. Da war die Gewinnliste. Fieberhaft irrten Magdalenes Augen über die Zahlenreihen. Da — was war das? Magdalenes Atem stockte. „ Fünfhundert tausend Mark auf das Los Rümmer 128 713.“ A . Sie blinzelte mit den Augen, las noch einmal und immer wieder. „ Fünfhunderttausend Mark auf das Los Rümmer 128 713." Großer Gott, das war doch ihre (Hummer! Sie schloß die Augen, las noch einmal. Die (Kummer veränderte sich nicht Scheu sah Magdalene sich um. Ihre Augen gingen über den Raum. Dort saß Inge Heinzius und kokettterte nut ihren schön polierten Fingernägeln; drüben stand Franz Müller, beschäftigte sich im Archiv; Arnold Decker schrieb wie besessen, Zahlen über Zahlen... , . .. Hnd sie hielt die Zeitung m der Hand, Die bas Glück brachte. Da war nicht mehr dran zu rütteln — alles stimmte. Das Los (Kummer 128 713 hatte den Hauptgewinn gezogen. Magdalene fuhr sich über die Augen, die 6hm, bas Haar, holte ein paarmal tief Luft Es war, als ob ein riesiger Felsblock sich verteilte, der auf ihrer Drust gelegen hatte. Dis dann plötzlich der ganze Raum sich zu drehen ansing, vor ihren Augen Feuerräder Herr Mahraun wird es nicht übel nehmen, wenn mir auch seinen Plan kritisch untersuchen. Daß er aus einem starken Idealismus geboren ist und aus dem beißen Willen, eine bessere Ordnung für Deutsch» land zu finden, wollen mir gern zugeben, und es märe falsch, solchen ehrlichen Versuchen, an die viele Menschen glauben, mit glatter Ablehnung zu begegnen. Mahraun mill den Großgrundbesitz, d. h. allen Besitz über 100 Hektar, in Siedlungsland verwarn dein Er geht mithin bei dem Begriff Großgrund, besitz schon sehr weit und beseitigt auch Betriebe, die mir namentlich im Osten als großbau er» l i ch bezeichnen. Er ist der Auffassung, daß die Zeit des Großgrundbesitzes vorbei ist. Man merde nur einige Versuchsgüter behosten. Der Bauer erzeuge mehr Edelprodukte, der Großgrundbesitz mefrr Acker- Produkte, insbesondere Korn. Wertmäßig gesehen, schaffe der Bauer mehr. Wenn das deutsche Voll Edelprodutte, also Eier, Butter, Käse, Fleisch, aus fremden Ländern einführen müsse, dann sei das wertmäßig gesehen oder in Devisen ausgedrückt, ein bedeutend höherer Aufwand, als wenn es eine fehlende Menge an Korn einführe. Die deutsche «wolle ei also vom Standpunkt der Rentabilität unserer gesamten Volkswirtschaft aus ergiebiger in der Hand des Bauern, als in der Hand des Großgrundbesitzers. Damit sei die bäuerliche Wirtschaft vom Standpunkt der gesamten Volkswittschaft aus die bessere Form der Bewirtschaftung des deutschen Bodens. Die Unterscheidung: Großbetrieb gleich Körnerbau, Bauernwirtschaft gleich VereDelungswirtschaft ist indessen in dieser allgemeinen Form nicht richtig. Denn auch im bäuerlichen Betrieb werden in erheblichem Umfang Weizen und Roggen gebaut 34 v. H. der deutschen Roggenproduktion stammen aus Kleinbetrieben —, im Großbetrieb Veredelungsprodukte hergeftellt. Aber es ist unmöglich, unsere Agrarwirtschaft lediglich unter dem Gesichtswinkel zu orientieren, welche Produkte wertvoller sind. In der F l e i s ch P r o d u k t i o n sind wir heute bereits an der Grenze angelangt. Es zeigt sich das Darin, daß die Einfuhr an Fleisch etwa noch - v.H. des Konsums ausmacht. Die stark gedrückten Preise, insbesondere für Schweinefleisch, führen nicht von der Einfuhr her, sondern von einem schon bestehenden Ueberangebot an Schweinefleisch aus der inländischen Produktion. Gewiß kann die G e m ü s e-, O b st- u nd E i e r p r o d u k- t i o n, in der noch eine größere Einfuhr vom Aus- land stattfindet, gesteigert werden. Aber hier sind selbstverständlich Grenzen gesetzt, so daß der Gedanke, den Körnerbau des Großgrundbesitzes durch die VereDelungswirtschaft der Bauernwirtschaft zu ersetzen, schon marktmäßig undurchführbar erscheint, abgesehen davon, daß auchdie Böden sich nicht einfach nach dem Großen Plan richten, sondern es kein Zufall ist, daß im Osten der Körner- und Kartoffelbau überwiegt, im Westen die Veredelungswirtschaft und daneben sich der Rübenbau im Großbetrieb als besonders rationell entwickelt hat. Gerade wer nicht nur in der Erhaltung, sondern auch der Weiterentwicklung eines aesunden deutschen Bauernstandes eine der großen Aufgaben der deutschen Politik erblickt, wird sich vor Uebertreibungen hüten müssen, die faliche Vorstellungen erwecken und in der Endwirkung mehr schaden, als nutzen. Deshalb kann von einer Siedlung in dem Umfang, wie ihn Herr Mahraun sich denkt, schon aus allgemeinen Grundsätzen Der Agrarpolitik heraus keine Rede sein. Man hat sich in den vergangenen Jahren vielfach über die Möglichkeit der Siedlung unterhalten. Die Meinungen sind sehr auseinandergegangen. Aber selbst die größten Optimisten sind in ihren Schätzungen weit hinter dem zurückgeblieben, was der Große Plan als möglich voraussetzt. Man wird weiter Die Frage aufwerfen, woher diese eine Million Menschen kommen soll. In einem Aufsatz im „JungDeutschen" wird al- Mahrauns Großer plan Don Professor Or. Moldenhauer, et) em. Reichsfinanzmimster Nachdem Der Präsident Des Statistischen Reichsamts, Professor Wagemann, seinen Plan vor- gelegt hat, Der von Der monetären ©eite aus d-ie Krise überroinöen will, nachDcm Gregor Straßer seinen Plan veräffenüicht hat, Der in Planwirtschaft, Verstaatlichung Des Bank- und Kreditwesens und einem großen Arbeitsbe- schaffungsprogramm Die Lösung aus Den «chwie- rigieiten sieht, hat Der Großmeister Des Iungdeut- schen OrDens, Artur Mahraun, auch seinerseits einen Plan ausgearbeitet, für Den er in Der breiten Oeffentlichkeit wirbt und den er Den Großen Plan nennt. Die Grundzüge seines Planes sind in Dem Abschnitt „Die Notzange" nieDergelegt. Diese Notzange soll mst vier scharfen Zähnen zubeißen: es sollen nämlich durchNeuorDnungdes Deut, schen Raumes eine Million neuer Deutscher Bauernhöfe geschaffen werden, auf denen vier Millionen Menschen Befchäftihung finden. Da eine Million von Diesen bereits beschäftigt war, würben Der Arbeitslosigkeit Drei Millionen Menschen entrissen werDen. Die neu geschaffenen Dörfer roüröen rund einer halben Million Menschen in Handwerk, Gewerbe, Verwaltung und Verkehr neue Arbeitsplätze geben. Die Einführung Der allgemeinen VolksDien st pflicht nehme 800000 Jugendliche vom Arbettsmartt weg. Damit feien 4,3 Millionen Menschen Der Arbeitslosigkeit entrissen. Schließlich führe Die hiermit verbundene Senkung Der Saften der Wirtschaft Das nötige Kapital zu. Die Durchführung Des riesenhaften Kolonisationswerkes kuroele Die gesamte Wirtschaft von unten her an, während es Der Fehler Des Reichskanzlers v. Papen geroefen fei. Die Wirtschaft von oben anzukurbeln. Dies sei Die Losung Der Wirtschaftsnot Durch Die richtige Organisation unseres Raumes und unserer Menschen. Mahraun will Das Siedlungsgebiet gewinnen, indem der gesamte Großgrundbesitz, das sind rund 20 Millionen Morgen, für S i eD - lungszwecke zur Verfügung gestellt wird. Die Besitzer erhalten eine Entschädigung in Schuldverschreibungen Des Reiches, die mit 5 Prozent verzinst werden. Die Entschädigung soll für den Mor- gen 400 Mark betragen. Die Entschädigung belauft sich also auf 8 Milliarden Mark, Die Zinsenlast auf, 400 Millionen Mark jährlich. Da er rechnet, Daß durch Diese Siedlungstätigkeit Drei Millionen Arbeitslose fortfallen, ergibt sich eine Ersparnis van 2 MilliarDen Mark jährlich, von Denen Die 400 Millionen abzuziehen sind, so Daß Der Staat immerhin noch 1,6 MilliarDen Mark erspart. Die Umwandlung des Großgrundbesitzes in bäuerliche Siedlungen soll im wesentlichen Durch Den Volksdienst erfolgen, Der seine Kosten selbst trägt, inDem sie gleich Den ersparten Arbeitslosenunterstützungen sind. Als Material soll vorwiegenD Holz genommen werden, Das der Staat kostenlos aus seinen Wäldern gibt Für Die Transporte sollen neben Der Reichsbahn, von Der nicht ganz einwandfrei gesagt ist, ob sie Die Transporte kostenlos Durchführt, Die frei werdenden Pferde und Geschirre des Großgrundbesitzes und Die Transporteinrichtungen Der Reichswehr benutzt werDen. Selbst wenn diese Gesamtkosten 2 MilliarDen betrügen, wäre Die Er- sparnis noch außerorDentlich groß. So kommt Mah- raun zu Dem Sch uß, daß sein Vorschlag für beide Seiten, kapitalistifch gesprochen, ein ausgezeichnetes Geschäft sei. Der Staat spare mindestens 1,5 Mil- Norden Mark jährlich, im Laufe der Zeit erheblich mehr, der Großgrundbesitzer erhalte nun- mehr 5 Prozent des Wertes feines Grund und Bo- Dens, während er jetzt bei Der großen Schuldenlast nicht ein und aus wisse.__ Gutsgebäude und Durch Verringerung des Umfang» Der GebänDe, namentlich Der WohngebäuDe und des Scheunenraums. Es würde also Die Durchführung Des Mahraunjchen Planes allein an Baukosten einen Aufwand von 6 bis 7 Milliai - Den RM. crforDern. Dazu kommen Die gesamten Wegearbeiten, Bodenoerbesserunaen und dergleichen. Die ebenfalls einen sehr großen Aufwand erfordern, sowie Die Ausstattung mit Vieh ufm. Mahraun will nun beiDe Kosten senken, inDem er Die Hausey möglichst aus Holz Herrichten will, Das Die Staats- roalDungen umsonst hergeben, unD indem für Die Arbeit Der VolksDienst eingesetzt wird. Aus Den Waldungen zieht Der Staat heute seine Einnahmen. Wenn er Das Holz umsonst liefert, so fehlt ein entsprechender Betrag in Der Staatskasse, Der Durch Steuern ersetzt werDen muß. Oder soll plötzlich der Preußische Staat als Der größte Forstbefitzer DeutschlanDs Raubbau in seinen Wäldern treiben? Dazu kommen die sehr erheblichen Kosten Der Holz- fäUung und -bearbeikung. Inwieweit diese Arbeiten durch Den Dolksdienst übernommen werDen können, müßte untersucht werden. Aber auch Dieser Volks- Dienst ist sehr kostspielig. Der neue Reichsarbeits- Minister Syrup, bisher Reichskommissar für Den freiwilligen Arbeitsdienst, berechnet Die Kosten pro Mann auf mindestens 1000 RM. im Jahr, während ein Arbeitsloser durchschnittlich 500 RM. kostet. Die 800 000 im Volksdienst Beschäftigten bedeuten also einen Mehraufwand von 400 Millionen RM. Man kann im kleinen Arbeitslager, wo Menschen, von reinem Idealismus getrieben, zusammen arbeiten, Dinge verrichten, die als Masfenleistung von Personen, Die mehr oDer minDer hierzu gezwungen werDen, niemals erreicht werden können. Der Iungdeutsche Orden hat sich Durch sein Eintreten und feine praktische Mitarbeit am freiwilligen ArbeitsDienst ein großes und unbestreitbares Ver- Dienst erworben. Wenn er gleichzeit.g Diese GeDanken für Die Siedlung dienstbar machen will und wenn er Dem deutschen Volk die Notwendigkeit der Wei- terentwicklung Der bäuerlichen Wirtschaft klar macht und Dafür kämpft, so verdient diese Tätigkeit unser aller Unterstützung. Wer Die wirtschaftlichen und finanziellen Unterlagen Des Mahraunschen Großen Plans beDürfen noch, wie hier gezeigt wurde, einer sehr sorgfältigen Nachprüfung. Volkserneuenmg undZugendherberge Don Oberschulrat Hassinger. alles guthieß, was ihr von den Erwachsenen vorgelebt und vorgedacht wurde. Aber deshalb ist sie um so ehrenvoller und deshalb verlangt sie um so größere Verantwortlichbeit. Da ist das Werk des Jugendherbergsverban- des, da sind die mehr als zweitausend Jugendherbergen, zu deren ausgieDiger Benutzung die gesamte Jugend des dei'tschen Volkes aufgerufen ist. Sollen wir als Volk dieses Werk sich selbst überlassen, uninteressiert daran, ob es bestehen kann, oder ob es vielleicht unter der (Kot der Zett zusammenbrechen wird? Dazu wäre zu fragen: Wie stellt sich die Jugend unseres Volkes zu diesem Werk? Aur zwei Zahlen: 3m Jahre 1911 übernachteten in den wenigen Dürftigen Jugendherbergen (gegründet wurde der verband 1910) etwa 3000 jugendliche Gäste, im Iahre 1931 — nach 20 Jahren also — über vier Millionen. Die Jugend hat also dieses Werk durchaus bejaht. Die Entwicklung geht auswärts, im kommenden Jahre werden es noch mehr Millionen lerbings erklärt, Daß nicht auf einmal Diese eine Million anaesetzt werden soll, vielleicht im ersten Jahr nur 150 000. Einer Der besten Kenner und größten FreunDe Der SieDlung, Der Regierungsrat a. D. Maßmann , führt in einem Aufsatz im „Heimatdienst" aus, daß, wer in Der praktischen Siedlungsarbeit stehe, weiß, Daß es unmöglich sei, mit einem Schlage HunDerttausenDe oDer Millionen von Menschen als Landwirte auf eigenen GrunD unD BoDen neu anzusetzen. Er weiß, Daß es ein vergeblicher Versuch, ja Daß es eine Katastrophe wäre, wenn man Den Plan Durchführte, Städter ohne Umschulung und Vorbereitung in Die Land- wirtschaft einzuführen. Der Beruf Des LanDwirts erfordere fo viel Vorbildung und so viel inneres Verwachfenfein Des einzelnen mit seiner Arbeit, wie wohl kein anDerer Beruf. (In einer Sonderdarstellung Der „Deutschen Tageszeitung" über Das Siedlungswesen roirD ausgeführt, Daß im günstigsten Falle 150 000 neue Bauernstellen errichtet werDen konnten. Sozialistische Siedlungs- politiker gelangen zu einer Ziffer von 300 000 Bauernstellen.) Nun aber auch ein sehr ernstes Wort zu Der finanziellen Frage. Man wird immer ein wenig mißtrauisch, wenn jemand erklärt, ein Mittel gefunden zu haben, Ausgaben, Die bisher in großem Umfang bestanDen haben, vollständig verfchwinDen zu lassen. Man wirD fast immer Dahinter kommen, Daß irgendwo ein Rechenfehler steckt. Zunächst geht Mahraun davon aus, daß wir auf absehbare Zeit mit 5 bis 6 Millionen Arbeitslose r zu rechnen haben. Denn nur dann kommt Die von ihm ausgerechnete Ersparnis heraus. Nun wissen wir, Daß Die wirtschaftlichen StrukturwanDIungen sicher auf lange Zeit eine Arbeitslosenziffer bedingen werden, die über Der Der Vorkriegszeit liegt. Aber es ist Durch nichts bewiesen, daß mit einer Arbeitslosigkeit auf Die Dauer zu rechnen ist, wie sie im tiefsten Stand einer wirtschaftlichen Depression vorherrscht. Der zweite Fehler Mahrauns liegt Darin, Daß er Die Kosten Der SieDlung so außerorDentlich gering veranschlagt. Allein für Die Bauten hat man früher etwa 20 000 RM. pro SieDlung gerechnet. Jetzt rechnet man mit Baukostensätzen von Durchschnittlich 6000 bis 7000 RM. Die Verbilligung roirD erzielt durch weitgehende Verwendung Der alten Donnerstag, 15. Dezember 1952 . sein, die Unterkunft in den Jugendherbergen suchen. Und nun die zweite Frage: Können diese Jugendherbergen mit ihrem Millionenbesuch irgendwie erneuernd auf die Gestaltung unseres volk- llchen Lebens, tonnen sie irgendwie erneuernd auf Geist und Haltung unseres Volkes einwirken? Einmal: Die Jugendherbergen werden benutzt von den Schulen aller Gattungen, von den Volksschulen so gut wie von den Hochschulen: sie werden noch eifriger benutzt von den Iugendgruppen und Iugendbünden aller Richtungen und Schichten, von politischen, religiös-weltanschaulichen und sportlich-turnerischen Zugendverbänden aller Art. 3n ihnen treffen sich also in Geselligkeit und Arbeit, in Spiel und frohem Aaturgeniehen junge Menschen aus allen Lagern unseres Volkes. Die Jugendherbergen sind somit die einzige Plattform, auf der sich in Ernst und Spiel, in gemeinsamer Arbeit und gemeinsamer Freude alle mit allen treffen. Freiwillig und freudig ist ihre Anteilnahme an der Gemeinschaft, die in jeder Jugendherberge die Gäste untereinander bilden. 2st es nicht mehr als Zufall, ist es nicht vielleicht doch ein Bedürfnis, das die Jugend aus allen Lagern immer wieder begeistert zu diesem Erleben in die Jugendherberge treibt, in einer Zeit, da das Leben der Erwachsenen fast die Meinung auskommen läßt, als gehe es nur um Zersetzung und Gegnerschaft? Bahnt sich hier durch die Äugend nicht ein Aeues an, der Wunsch nach gegenseitigem Verstehen, die Sehnsucht, hinter dem Gegner und Andersdenkenden den Menschen, den Druder des gleichen Volkes zu finden? Wer, der noch Verantwortung für sein Volk in sich trägt, möchte sich dieser Sehnsucht, diesem Erleben der Jugend entgegenstellen? 3a, gibt es überhaupt noch einen unter uns, der das nicht freudig begrüßte und der nicht auch von sich aus und für seinen Teil mithelfen möchte, dieses Werk zu fördern und ihm durch seine Mithilfe die Weiterentwicklung zu gewährleisten? Hier geht die Jugend einmal einen Weg, der Erneuerung bringen kann: sie leugnet nicht den Kampf, aber sie kehrt auch die Besinnung daraus, daß jede r Gegner gleichermaßen Bruder und Mensch ist, für den so gut wie für jeden andern die Welt der Arbeit und der Freude, der freien Meinung und zugleich der mittragenden Verantwortung geschaffen ist. An dem Ausbau dieses Weges m'tzuhellen, haben wir als Volk nicht mehr die Wahl, sondern die Pflicht. Das Leben in den Jugendherbergen bedeutet für alle, die daran leilhabcn wollen, Einfachheit und Anspruchsiofigkeit. Diese Millionen, die da kommen, suchen bewußt diese Einfachheit. Es braucht sie keine Vorschrift und kein Verbot dazu zu zwingen. Einfachheit und Anspruchslosigkeit sind Teile i 3 freiwillig gewählten Weges. Liegt, nicht au..) darin ein Aufbruch zu neuer Gestaltung? Wird nicht auch darin einem ganzen Volk ein aufwärtsführender Weg vorgezeichnet? Roch aber stehen wir am Anfang, noch aber wollen große Teile der 3ugend für dieses Werk gewonnen sein, und darum brauchen wir alle Her- &und darum brauchen wir alle Kräfte eines es, das sich für den Weg seiner Jugend verantwortlich fühlt. Wirtschaft. Oer deutsche Außenhandel im November Berlin, 15.Dez. (WTD. Funkspruch.) 3m Aovember hat die Einfuhr (393 Millionen Reichsmark) gegenüber dem Vormonat um 5 Millionen Reichsmark ab genommen. Die Rohstoffeinfuhr ist um 8 Millionen Reichsmark gestiegen, dagegen wird die Lebensmitteleinsuhr um 12 Millionen Reichsmark niedriger ausgewiesen. Auch die Ausfuhr (475 Millionen Reichsmark) verzeichnet gegenüber dem Vormonat eine leichte Abnahme, und zwar um annähernd 7 Millionen Reichsmark. An dem Ausfuhrrück» gang sind jedoch die Fertigwaren nicht beteiligt, deren Absatz sich auf Dormonatshöhe gehalten hat, vielmehr beruht die Abnahme auf der Minderausfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren um fünf Millionen Reichsmark und von Lebensmitteln um 1,5 Millionen Reichsmark. Di? Handelsbilanz schließt im Rovember mit einem Ausfuhrüberschuß von 82 (Oktober 84) Millionen Reichsmark ab. Für die elf rückliegeirden Monate dieses 3ahres ergibt sich ein Ausfuhrüberschuß t> o n 1 01 2 Millionen Reichsmark, gegenüber 2624 Millionen Reichsmark im Vorjahr. % * • Gelsenkirchener Bergwerks AG. Essen. Die Generalversammlung der Gelsenkirchener Bergwerks-AG., Esten, genehmigte einstimmig den 2Dschluß für 1931/32 (6,29 Mill. Mark Gewinnvortrag). Der Aufsichtsratsvorsihende, Generaldirektor Dr. D o e g l e r, erklärte, die Gesellschaft beabsichtige im Augenblick nicht, Phoenix- oder Stahlvereinsaktien aus ihrem Besitz von 90,62 Mill. Mk. bzw. 255,9 Millionen Mark zu veräußern oder irgendwelche Transaktionen damit vorzunehmen. Bei der Dividerrdenlosigkeit der Gelsenkirchener Bergwerks AG. sei der Rückgang der deutschen Stahlproduktion um etwa 70 Prozent und der Kohlenerzeugung um etwa 50 Prozent zu berücksichtigen. * Schultheis-PatzenhoferBrauerei A G., Berlin. Der Aussichtsrat der Gesellschaft schlägt der auf den 19. 3anuar einzuberusen- den Generalversammlung für das Geschäftsjahr 1931/32 die Verteilung einer Dividende von 6 Prozent auf die Vorzugsaktien und von 4 Prozent auf die Stammaktien vor. Berlin befestigt und freundlich. Berlin 15. Dez. (WTB. Funkspruch.) Der wirtschaftliche Optimismus, der in den gestrigen Reden Prof. Warmbolds und des Herrn von Krupp zum Ausdruck kam, hatte schon im heutigen Vorrnittagsoerkehr, unterstützt durch den festen Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse und verschiedene andere günstige Wirtschafts- nachrkchten (Schultheis-Dividende, Gelsenkirchen- Generalversammlung, gebesserte Rohstahlerzeugung usw.) eine freundliche Stimm ung hervor- gerufen. Diese war zwar auch noch zu Beginn bes offiziellen Börsenverkehrs vorhanden, kam aber kursmäßig nicht so stark, wie man erwartet hatte, zum Ausdruck. , . ...., Die Kursgestaltung war ziemlich uneinheitlich, und es verstimmte in einigen Spezialwerten Herr auskommendes Material. So lagen Farben und AEG. unter Druck, Aku büßten auf den schlechten Abschlußbericht 1,38 v.H. ein, und Stöhr auf die Mitteilung in der Presse, daß auch für 1932 trotz gebesserter Ergebnisse keine Dividende zu erwarten sei, 1,25 v.H. Sonst eröffneten noch Deutsche Atlanten, Süddeutscher Zucker, Leonhard Tietz, Buderus, Harburger Gummi usw. bis zu 1,50 v. H. niedriger. Chadeaktien verloren 2,25 Mark. Anderseits lag der Montanmarkt weiter ziemlich beamtet. Rheinische Braunkohlen zogen erneut um 1,75 v.H. an. Bei Deutsche Wast-en, Schlesische Gas, Dortmunder Union, Schultheis und Hotelbetrieb gingen die Gewinne bis zu 3,50 v. H. Maximillanshütte hielten mit einer Steigerung um 4 v.H. den Rekord. Nach den ersten Kursen setzten sich ziemlich allgemein Kursbesserungen durch, da die Spekulation unter dem Eindruck guter Außenhandelsziffern für November verschiedentlich Käufe vornahm. Die Führung hatten neben dem Montanmarkt auch heute wieder Elektrowerte. Auch aus dem Reiche sollen im Börsenverlauf in Erwartung günstiger Auslassungen bei der heutigen Schleicher-Rede größere Kaufaufträge eingetroffen sein. Die Engelhardt-Brauerei wurde im Zusammenhang mit dem Rücktritt Bodenheimers im Verlaufe 3,50 niedriger zur Notiz gebracht. Am Rentenmarkt blieb der Grundton freundlich. Im allgemeinen waren die Veränderungen gegen gestern nicht sehr groß. Indu- ftrieobligationen konnten aber im Verlaufe doch bis zu 1 v. H. anziehen, auch ReichLbahnoovzugs- aktien und Reichsschuldbuchforderungen waren eher gebessert. Von Auslandsreisen waren Bosnier nicht ganz preisha.tend. Trotz des Medios blieb Tagesgeld auch heute weiter leicht, nur die untere Grenze wurde nicht mehr unter 4,25 v. H. unterschritten. Auch Privatdiskonten waren weiter eher angeboten. Sronffurf befestigt. Frankfurt a. M., 15. Dez. (WTB. Drahtmel- bung.) Der bereits stimmungsmäßig freundliche Vormittagsverkehr, heroorgerufen durch günstige Nachrichten aus der Industrie, übertrua sich auch auf den amtlichen Beginn der Börse. Die Ausführungen des Reichswirtschaftsministers Warm- b o l d, daß auch die neue Regierung an den Hauptpunkten des Wirtschaftsprogramms vom 4. September festhalten werde, sowie die Befestigung Wall- ftreets regte allgemein an. Mit Interesse sieht man den programmatischen Ausführungen des Reichskanzlers in der für heute abend angesagten Rundfunkrede entgegen. Die ersten Notierungen waren nicht ganz einheitlich, doch überwogen Befestigungen von 1 v. H., die sich im Verlaufe für einige Spezialwerte bis auf 2 v. H. ausdehnten. Im Mittelpunkt des Interesses standen am Montanmarkt Stahlverein mit plus 1,90 o. H. und Gelsenkirchen mit plus 1,5 v. H. Lebhaftere Umsatztätigkeit entwickelte sich am Elektromarkt für Schuckert und Siemens, die bis zu 2 o. H. anzogen. Lahmcyer, Rheinische Elektro Mannheim, Bekula und Gesfürel gewannen bis zu 1 v. H., während AEG. und Licht & Kraft nur knapp behauptet waren. IG. eröffneten mit 96,5 v. H. unverändert, dagegen gingen Sch:ideanstalt in weiterer Reaktion auf die Steigerung um 2 o. H. zurück. Schwächer lagen auch Kunstseideaktien, von denen Aku 1,25 v. H. und Bernberg 0,5 v. H. einbüßten. Etwas freundlicher lagen noch Schiffahrts- und Zellstoffwerte, ferner Reichsbankanteile und die Mehrzahl der Elektronebenwerte. Deutsche Anleihen waren nur wenig verändert, Schutzgebiete lagen etwas fester, Stahloer- einbonds gewannen etwa 0,5 v. H. Reichsschuldbuch- forberungen waren gut behauptet. Von fremben Werten zogen Zolltürken und 4-v. H.-Einheilsrumänen bis zu 0,25 v. H. an. Ungarische Goldrenten waren knapp gehalten. Am Pfandbriefmarkt waren Goldpfandbriefe verschiedentlich leicht angeboten, doch wurde das herauskommende Material zu unveränderten Kursen aufgenommen. Liquidationspfandbriefe und Kommunalobligationen blieben meist unverändert. Etwas Nachfrage bestand noch nach einigen Industrieobligationen. Im Verlaufe hielt sich vor allem Interesse für Montanwerte, die überwiegend neue Besserungen von 0 25 bis 0,75 v. H. verzeichneten. Die übrigen Marktgebiete waren bei sehr kleinen Umsätzen vernachlässigt und nicht immer voll behauptet. Die Grunidstimmung war aber weiterhin recht fest. Tagesgeld blieb zu 4,75 v. H. unverändert. KrankfurLcr Schlachtvichmarkt. Frankfurt a. M., 15. Dez. Auftrieb: 85 Rin- der, 1407 Kälber, 372 Schafe, 1318 Schweine, darunter 180 Memelländer. — Es wurden bezahlt: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 33 bis 36; mittlere Mast- und Saugkälber 29 bis 32; geringe Kälber 24 bis 28. Schafe: 1. Weidemast 23 bis 25; mittlere Mastlämmer 18 bis 22; fleischiges Schaf- oieh 15 bis 18. Schweine: von zirka 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 37 bis 39; von zirka 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 36 bis 39; von zirka 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 35 bis 38. — Marktverkauf: Kälber schleppend, Schafe mittelmäßig, Schweine schleppend, ausverkauft. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 17. Dezember. Vorabend 4.30 Uhr; morgens 9; abends 4.35 und 5.15 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 17. Dezember. Freitag abend 4 Uhr; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 4.35; Sabbatausgang 5.15. — Wochengottesdienst: morgens 7.10; abends 4 Uhr. Gegen spröde Haut NIVEA: MMM» Der pkonopCastiscke Wz er ist wirklichkeitsnahe und spiegelt die Persönlichkeit. Lebenswahr hören Sie Künstler vonWeltruf,wie Gitta Alpar,Rich. Tauber, Jan Kiepura und Lotte Lehmann ODEON- Platten und Musikapparate erhältlich in jedem guten Fachgeschäft 5 3.Geschenk-Rat - Freude schenkt wer ein Fläschchen oder einen Karton Kölnisch Wasser nicht vergibt. 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