Dnid und Verlag: vrühl'sche Universttüls-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gietzen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für f mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An- zeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich in Bietzen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Bietzener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monalr vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zenisprechanschlüsse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gietzen. Poftschecttonto: Zranlfurt am Main 11686. Kr.243 Kvützattssabe 182. Jahrgang Samstag, 15. Oktober 1932 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Londoner Gespräche. Der mit außerordentlicher Schärfe einsetzende Wahlkampf hat die Blicke der deutschen Oeffentlich- koit wieder mehr, als es den Interessen der Nation dienlich ist, auf das innerpoliti che Schlachtfeld gelenkt. Es ist ein unsagbares Unglück für Deutschland, daß in Augenblicken großer außenpolitischer Entscheidungen das deutsche Bolk zumeist von inner- politischen Streitfragen gänzlich absorbiert wird und nicht den Willen zu einer geschlossenen und einheit- M a c d o n a l d. 5) c r r i o f. jrines sorgfältig einstudierten und überlegten Zusammenspiels aller politischen Strafte eine so weit härtere außenpolitische Stoßkraft entwickeln können 1s wir. Heute, wo unser Volk sich anschickt, in einen ^scheinend ungewöhnlich scharfen und erregten '»ahlkampf zu ziehen, sollten alle, die es angeht, der schweren Verantwortung bewußt werden, le sie auf sich, laden, wenn sie sich nicht scheuen, ^bensinteressen des Volksganzen dem Parteigötzen pa opfern. Deshalb das erste Gebot für den Wahl- llampf: Finger von der Außenpolitik! Deutschland befindet sich in einer zweifellos sehr heiklen Situation. Es hat mit seiner entschiedenen Weiterung, nach Genf zu gehen bevor die Frage ßcr deutschen Gleichberechtigung in der Wehrpolitik in seinem Sinne geklärt ist, eine große Diskussion zwischen den Mächten ausgelöst, in der es für uns uor allem heißt: d i e Nerven behalten, wenn wir nicht von der gerieben und skrupellos, aber glichen Haltung aufbringt, die unentbehrliche Vor- saussetzung ist für eine mit Elan und Energie geführte Außenpolitik. Auch der Reichskanzler hat in ' seiner viel beachteten Münchener Rede dem Bedauern über dieses Fehlen einer nationalen Disziplin, die auch in ungewöhnlich erregten Zeiten taktische 'Interessen der Parteipolitik den Rücksichten auf das Ganze' unterordnet, beredten Ausdruck gegeben. Was sich in der letzten Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages abgespielt hat, ist um jo weniger zu entschuldigen, als gerade dieses parlamentarische Gremium sich in besonderem Maße zur Wahrung der außenpolitischen Interessen des Reichs berufen fühlen sollte. 'Es sind gewiß Regiefehler unterlaufen, die geeignet waren, die ohnehin gereizte Stimmung zwischen Regierung und Parlament zu verschärfen, trotzdem mußte eine so schwere Schädigung der außenpolitischen Autorität des Reichskabinetts, wie sie der unverständliche Beschluß des Auswärtigen Ausschusses darstellt, unter allen Umständen, mochten sich die Parteien auch noch so provoziert fühlen, vermieden werden. Am unbe- greistichsten ist, daß auch Zentrum und Bayerische Volkspartei sich an dieser Demonstration beteiligten, obwohl beide aus der Aera Brüning her noch wissen -tollten, wie hemmend und schädigend der damalige /Reichskanzler und Außenminister mit Recht derartige parteipolitische Husarenritte empfunden hat. eolange unsere Parteien von rechts bis links nicht rnen wollen, daß die Außenpolitik ein Gebiet ist, if dem es nur ein verständnisvolles Zusammen- beiten zwischen Regierung und Opposition gibt, i5 keineswegs eine zwar scharfe, aber sachliche ritik ausschließt, solange darf sich das deutsche Volk cht darüber beklagen, daß Engländer und Fransen dank ihrer straffen nationalen Disziplin und Vriüsch-stanzöslsche Vereinbarung über die Diermächlekonferenz. Kompromiß zwischen Herriot und Macdonald. — Beschränkung auf die vier europäischen Großmächte, aber Zusammentritt in Genf. — Deutschland lehnt ab. Oie amtliche Mitteilung. Paris, 14. Oft (1BXB.) Das französische Außen- Ministerium veröffentlicht folgendes Kommunique: Gestern und heute hat in London. Downingstreet 10, ein Meinungsaustausch zwischenMacdonald, Sir John Simon und herriot über den englischen Vorschlag auf Einberufung einer Zusammenkunft statlgefunden, an der Frankreich, Großbritannien mit Deutschland und Italien teilnehmen würden, um die Schwierigkeit zu beenden, die sich gegenwärtig in Genf zeigt. Die französischen und englischen Minister haben sich dahin geeinigt, daß die Zusammenkunft die soeben genann- len vier Mächte umfassen mühte und daß Genf der geeignete Versammlungsort wäre. Die englische Regierung hat infolgedessen d i e Zustimmung der beiden anderen an diesem Vorschlag interessierten Regierungen erbeten. Die Zusammenkunft würde einen offiziösen und präliminaren Charakter haben. Ihr Zweck wäre, die Mittel zu suchen und vorzuschlagen, um in wirksamer Weise das von der Abrüstungskonferenz im Rahmen des Völkerbunds unternommene gemeinsame Werk wiederanfzn- nehmen. Deutschland lehnt Genf als Konferenzort ab. London, 14. Oktober. (WTB.) Der englische Außenminister hat auf Grund der Besprechungen mit herriot schon gestern eine Anfrage über die Einberufung der geplanten Viermächtekonferen; nach Genf an die deutsche und die italienische Regierung gerichlet. Die Antworten beider Regierungen liegen bereits vor. Während sich die italienische Regierung mit Genf e i n - verstanden erklärt, hat der deutsche Außen- m i n i st e r mitteilen lassen, daß Deutschland einer Verlegung der Konferenz nach Genf nicht zustimmen könne. DeulschlandgehtnichtdurcheineSinler- lör zur Abrüstungskonferenz zurück. Berlin, 14. DH. (CNB.) Wenn Deutschland zugemutet werden sollte, zu dieser Konferenz nach G e n f zu kommen, dann müssen z u n ä ch st die bekannten deutschen Bedingungen geklärt werden und vorher eine Regelung der Gleichberechtigungsfrage erfolgen, sonst würde die Gefahr bestehen, daß man Deutschland auf dem Wege einer Viermächtekonserenz in Genf sozusagen durch eine Hintertür wieder zur Abrüstungskonferenz zurückbringt, ohne daß die Gleichberechtigungsfrage geklärt sei. Db die Konferenz in London oder einem anderen Ort stattfindet, ist für uns eine weniger wichtige Frage, schließlich ist ja London selbst viel mehr für die Engländer als für uns eine Prestigefrage. Deutschland ist selbstverständlich gern bereit, auch über einen a n - deren Dort als London mit sich reden zu lassen mit der Einschränkung, daß hinsichtlich Genf die genannten Voraussetzungen erfüllt werden, die selbstverständlich auch sinngemäß für die nähere Nachbarschaft von Genf gelten. SerriolmitdemGrMbmszusrieden herriot erklärte: Ich hatte keinerlei Schwierigkeit, eine völlige Vereinbarung mit meinen englischen Freunden zu erzielen. Frankreich hat sich bereit erklärt, an einer Konferenz mit Italien und Deutschland teilzunehmen, und die Engländer haben zu- gestimml, daß die Konferenz in Genf innerhalb des Rahmens des Völkerbunds stattfinden soll und daß die Konferenz im Charakter prälumtnar sein soll. Leider hat allein Italien die von Sir John Simon gestern abend nach Rom und Berlin telegraphierte Einladung angenommen, Deutschland Hal es ab- gelehnt, teilzunehmen. Herriots Abreise von London. Was wurde über den konstruktiven Plan gesprochen? • London, 14. Oft. (ERD ) Herriot ist, wie geplant, um 16 Ahr vom Dictoria-Bahnhof nach Paris abgefahren. Macdonald, Sir 2ohn Simon und der französische Botschafter waren zum Abschied erschienen. Kurz bevor der Zug abfuhr, verbrachten Herriot und Macdonald, die zusammen eingetroffen toaren, einige Augenblicke in ernster Unterredung. Herriots letzte Worte aus dem Zug zum britischen Premierminister, dem er mit der Hand zuwinkte, waren: „Auf Wiedersehen, lieber Freund!". Inspirierte britische Kommentare besagen, der Hauptgewinn, der sich aus der Zusammenkunft des französischen und britischen Premierministers ergebe, sei eine Besserung inden Aussichtender geplanten Biermächtekonferenz. Die französische Regierung fei jetzt, wie man glaube, beträchtlich mehr bereit, an der Konferenz teilzunehmen, und einige Mißverständnisse auf beiden Seiten seien weggeräumt worden. Obgleich in dem Kommunique dessen keine Erwähnung getan wird, bestehen, wie Preß Association mit teilt, keine Zweifel, daß der französische „konstruktive Plan" eingehend zwischen Herriot und den britischen Staatsmännern erörtert wurde. Herriot erklärte in einer Unterredung mit einem Vertreter der Preß Association, er glaube, daß England und Frankreich nach den Besprechungen „bessere Freunde sind als zuvor". Bemerkenswert ist, daß an dem von Herriot in der französischen Botschaft gegebenen Frühstück außer den britischen Vertretern auch der amerikanische Abrüstungsdelegierte Rorman Davis teilnahm. Tie Abendpresse reagiert noch nicht ausführlich auf das Ergebnis der Londoner Besprechungen. Sie betont aber in Ueberschriften die englisch- ft'anzösische Uebereinstimmung, die Bereitschaft Italiens, nach Genf zu gehen, und die ablehnende Haltung Deutschlands. Bisher hebt nur Preß Association den deutschen I Einwand hervor, daß eine in Genf abgehaltene Vicrmächtekonferenz in Deutschland als Mittel dargestellt werden könnte, die deutschen Staatsmänner nach Genf zurückzubekommen. Die deutsche Polizei als Kriegsinstrument. französische Unterstellungen im Genfer Abrüstungsausschuß. Gens, 14. Oft. (CAD.) 3n dem Ausschuß für die Herabsetzung und Begrenzung der Heeres- stärfen hielt heute nachmittag der französische Delegierte Massigli eine Rede, in der er sich hauptsächlich mit der deutschen Schutzpolizei beschäftigte. Die Sitzung war nicht öffentlich. Aus Kreisen des Ausschusses verlautet, Laß Massigli etwa folgendes ausgeführt habe: Er dedauere, daß es ihm durch die Abwesenheit Deutschlands von der Abrüstungskonferenz nicht möglich sei, seine Ausführungen vor deutschen Vertretern zu machen. Er wolle hier keine Gerüchte weitergeben, sondern Dinge vortragen, die jedermann bekannt seien. Massigli legte eine Reihe von deutschen Provinzzeitungen vor, die Photographien über angebliche Manöver der deutschen Schutzpolizei in verschiedenen Teilen des Reiches enthielten. E? behauptete, daß diese Betätigung der Schutzpolizei den Verträgen widerspreche. Massigli führte u. a. an, daß die Schutzpolizei Maschinengewehre habe, und leitete aus seinen Darlegungen die Forderung ab, daß man bei der Berechnung der Effektivstärken, die bekanntlich auf der Grundlage der Verhältnisse bei den abgerüsteten Staaten erfolgen soll, außer der Reichswehr auch die Poli - zcikräfte hinzurechnen müsse. Massigli führte im übrigen noch aus, daß die Schutzpolizei offiziell 140 000 Mann umfasse. Es könne aber niemand beweisen, ob diese Zahl auch wirklich stimme. Rach Schluß der Sitzung empfing der Vorsitzende, der belgische Senator deDrouquere, auch wie immer vorsichtig und zäh zu Werke gehenden Franzosen überspielt werden wollen. Einer vertraulichen diplomatischen Aussprache über die strittige Frage der deutschen Gleichberechtigung, wie sie Deutschland oorgeschlagen hatte, sind die Franzosen ausgewichen. Sie wollten uns nicht allein gegenübertreten, weil sie ihre sachlich schwache und rechtlich unhaltbare Position kennen und von der stimmungsmäßig katastrophalen Wirkung des ersten Herriotschen .Nein, niemals!" vorerst genug haben. Deshalb haben sie sich auch gegen die von Macdonald entrierte Londoner Konferenz gesträubt, weil sie sich dort dem konzentrischen Druck Deutschlands, Englands und Italiens nicht gewachsen fühlten. Sie haben sich hinter den rein formalen Grundsatz verschanzt, daß der deutsche Anspruch auf wehrpolitische Gleichberechtigung als zu dem Gesamtkomplex der Abrüstung gehörig ausschließlich vor dem Forum der Abrüstungskonferenz zu vertreten fei, soweit nicht gar, da eine Aenderung der Enwasfnungs- beftimmungen «des Versailler Vertrages verlangt werde, der Völkerbund bemüht werden müsse. Trotz dieses grundsätzlichen Standpunktes, daß man eben einzig und allein in Genf über die deutsche Gleichberechtigung sprechen könne, ist Herriot Mitte der Woche nach London gegangen, allerdings vorerst nicht zu der Viermächtekonferenz, wie sie den Engländern vorgeschwebt hatte, die aber dank der französischen Einwände hatte vertagt werden müssen, Herriot hat sich vielmehr wie einst fein Kollege von der Rechten, Andrä Tardieu, selber in London ein- geladen und Macdonald hat auch diesmal gute Miene zum bösen Spiel machen müssen. So hat Herriot also doch eine Art britisch-französischer Vorbesprechung durchgesetzt, aus der, wenn auch über ihr Ergebnis noch wenig bekannt ist, für die Verteidigung des deutschen Standpunktes Gefahren erwachsen können, die man nicht leicht nehmen sollte. Herriot legt offenbar alles darauf an, Verhandlungsgrundlagen und Verhandlungsthema völlig zu ver- chieben, um dadurch eine ganz neue Situation zu (baffen, die den Franzosen die Möglichkeit gibt, den deutschen Anspruch auf Gleichberechtigung in einem undurchsichtigen Gewirr neuer internationaler Abkommen zu ersticken. Zu diesem Zwecke hat er sich von dem Kriegsminister seines Kabinetts, dem gerissenen Advokaten Paul-Boncour, mit Hilfe des Griechen Politis und des Tschechen Bene s ch — beide unerreichte Meister in allen Schlichen der Genfer Kulissendiplomatie — einen „neuen P1 a n" nusarbeften lassen, der zwar noch nicht in allen Einzelheiten fertig vorliegt, für dessen Grundzüge Herriot aber in London schon Stimmung gemacht hat. Herriot hat bei seiner Reise nach London offenbar an Chequers gedacht, den behaglichen Wochenendsih der britischen Premiers, wo er im Sommer 1924, während in London die Daweskonferenz tagte, mit Macdonald die Fragen besprach, von deren Klärung damals beide die Grundlagen einer neuen Weltordnung erhofft haben mögen: Schiedsgerichtsbarkeit, Sicherheit, Abrüstung. Das sind die drei Kugeln, mit denen seitdem die französische Politik jongliext mit dem niemals eingestandenen Ziel der Aufrechterhaltung des Status quo, der Wahrung der französischen Vorherrschaft in Europa. 3c lauter und eindringlicher die öffentliche Meinung der Welt greifbare Fortschritte der Abrüstung als einziges Mittel zur Bewahrung des Friedens forderte, um so größer wurden Frankreichs Ansprüche an internationale Garantien für seine nationale Sicherheit. Das berüchtigte Genfer Protokoll vom September 1924, das Werk der selben Herriot, Paul-Boncour, Politis und Benesch, die auch heute wieder als Totengräber des Abrüstungsgedankcns zusammenhocken, sollte Frankreich die ersehnte Sicherheit bringen, daß alles hübsch beim alten bliebe und in Zukunft jener als Angreifer gebrandmarkt und versehmt werde, der es je wagen sollte, an eine Aenderung des in Versailles geschaffenen Zustandes sowohl in territorialer Hinsicht als auch in bezug auf die militärische Machtverteilung zu denken. Es war damals nicht Deutschlands Schuld, daß dieses großartige „Versicherungswert auf Gegenseitigkeit der Siegerstaaten", wie es einer der besten Kenner der Genfer Verhandlungen treffend genannt hat, nicht zustande gekommen ist. Alle an ihm besonders interessierten Staaten, namentlich die französische Mächte-Gruppe, beeilten sich zwar, das Genfer Protokoll zu unterzeichnen. Aber in England erhob sich ein Sturm des Unwillens gegen die einseitigen Bindungen, die das Vertragswert von England verlangte. Macdonald wurde gestürzt und die ihm folgende konservative Regierung erklärte im März 1925. daß für England eine Unterzeichnung des Genfer Protokolls nicht mehr in Betracht komme. Es mag nützlich sein, an diese Vorgänge vor nunmehr acht Jahren zu erinnern in einem Augenblick, wo Herriot seinem alten Freunde Macdonald wiederum Pläne unterbreitet, die, wenn auch vielleicht in modifizierter Form und besser verklausuliert, doch auf das gleiche Ziel hinauslaufen, durch maßlose Ueberfpannung der französischen Sicherheitsansprüche die deutsche Gleichberechtigungsforderung beiseite zu schieben und die Abrüstung rücksichtslos zu sabotieren. Herriot dürfte kaum überrascht gewesen sein über das keineswegs freundliche Echo, das seine Vorschläge in dem bei weitem größten Teil der öffentlichen Meinung Englands gefunden haben. Trotzdem hat er den llstut nicht sinken lassen. Er hofft wohl im stillen, daß er Macdonald in der ,o oft schon bewährten Atmosphäre von Genf eher zu Zugeständnissen bringen könnte, die der britische Premier in der Hauptstadt seines Landes sich niemals ablocken ließe. Aber Macdonalds Stellung in einem Kabinett, das von den Konservativen beherrscht wird, ist heute noch weit weniger als 1924 derart, daß er seinem Volke Bindungen über die bestehenden Verträge — Kelloggpakt und Locarno- nbFommen — hinaus zumuten könne, die von der öffentlichen Meinung des Landes strikt abgelehnt werden. Ein reiner Kontinentalpakt jedoch ohne zusätzliche Garantien Englands und Amerikas, auf den die Engländer anscheinend die ihnen unbequeme und peinliche Sache abzudrehen suchen, entspricht natürlich nicht dem französischen Sicherheitsbedürfnis, das ja gerade gegen die revisionslüsternen Mächte Deutschland und Italien Gegengewichte sucht. Man wird gespannt sein dürfen, was in den Londoner Besprechungen an Greifbarem herausgesprungen sein mag. Sicher ist, daß Herriot alle Hebel in 'Bewegung setzen wird, um auf dem Umwege über einen neuen Sicherheitspakt an der deutschen Fo. herang nach Rüstungsgleichheit vorbeizakommen. die Vertreter der Presse und erklärte, bah er vom Ausschuß beauftragt worden sei, Gerüchte, die anläßlich der heutigen Rede Waisiglis entstanden seien, richtigzustellen. Bei einem Teile der öffentlichen Meinung sei der Sinbrud entstanden, das) in dem Ausschuß einem abwesenden Lande, nämlich Deutschland, „der Prozeß gemacht werden solle". Alle Mitglieder teS Ausschußes, einschließlich Massiglis, hätten ihn beauftragt, zu erklären, daß diese Auffassung falsch fei. Im Hooverplan sei vorgesehen, daß die bewaffneten Kräfte Deutschlands als Grundlage für die Berechnungen genommen würden. Dabei fei nun die Frage aufgetaucht, ob die Reichswehr allein zur Grundlage genommen werden solle. Der französische Elegierte Wassigli habe die Auffassung vertreten, daß d i e Schupo gleichfalls hinzugezogen werden müsse. Kein militärischer Charakter -er deutschen Polizei. Eine deutsche Richtigstellung. Berlin, 14.Oft, (CNB.) Amtlich wird erklärt, im Auslande, eben erst wieder im Genfer Völker« bunbsausschuß, werde behauptet daß Deutschland unter Umgehung der Versailler Bestimmungen sich neben seinem 100000-Mann-Heer eine gut aus- gebildete, schwer bewaffnete zweite Armee von etwa 1 4 0 0 0 0 Mann geschaffen habe. Man vergißt dabei zu erwähnen, daß, was zunächst die Kopfzahl betrifft, von diesen 140 000 Mann etwa 35000 kommunale Polizei- beamte sind, und daß von dem Rest etwa e i n Drittel für Verwaltungsaufgaben im Bureaudienst verwendet wird. Von den übrig bleibenden zwei Dritteln der Polizeibeamten ist die Mehrzahl nicht kaserniert. Die Äajernie- rung, die den hauptsächlichen Stein des Anstoßes zu bieten scheint, kommt nur für die über das ganze Reich oerteilten etwa 350 P o l iz e i b e r e i t « schäften in Frage, deren durchschnittliche Stärke zwischen 60 bis 100 Beamten schwankt. Es bestehen, wie entgegen den immer wiederholten Behauptungen heroorgehoben werden muß, keinerlei dienstliche ober organisatorische Beziehungen zwischen Polizei und Wehrmacht. Auch von einer militärischen Ausbildung ober einer militärischen Bewaffnung ber Palizeibeamten kann nicht bie Rebe sein. Ausbilbung unb Bewaffnung sind entsprechend den besonderen polizeilichen Zwecken so verschieden von militärischen Grundsätzen, daß eine Einstellung einer noch so gut ausgebtlbeten Polizeimannschaft in das Heer und ihre Verwendung gegen auswärtige Gegner eine technische Unmöglichkeit märe. Zeitungsverbote in Hessen. WSA. Darmstadt, 14. Oft Der hessi- sche Innenminister hat auf Grund des § 6 Absatz 1 Ziffer 2 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 14. Juni 1932 und der hessischen Ausführungsbestimmungen dazu die in Darmstadt erscheinende nationalsozialistische »Hessische Landeszeitun^ mit ihren sämtlichen Kopf blättern bis zum 23. Oktober einschließlich verboten. 3n der Begründung des Verbots wird u. a. gesagt: Das Blatt hatte in einem Artikel „P o l i - z e i und wir" gegen den hessischen Innenminister in beschimpfender Form Vorwürfe der par- tcllichen Amtsausüdung erhoben. Weiter wird eine Verächtlichmachung der hessischen und der Reichsregierung in der Behauptung erblickt, daß wir in Zeiten des notorischen Verfassungsbruchs lebten. Heute hat das Blatt den Reichskanzler für das Urteil eines Svndergerichts verantwortlich gemacht mit den Worten: »Das Leben eines EA.-Mannes steht bei Herrn v. Papen niedrig im Kurs. Für einen polnischen Insurgenten läßt man fünf Deutsche köpfen." Diese falsche Behauptung, die die Tatsache der Beanadigung verschweigt, stellt eine kaum überbietbace Böswilligkeit dar. Für die Derbotsdauer war entscheidend, daß gegen das Blatt erst am 28. Juni ein Verbot von Das Münzkabinett. Von Hans Riebau. I. Der Stolz ber Einwohner von Duluth ist ihr Museum. So ein Museum gibt es nur einmal in ben Vereinigten Staaten, von Arizona bis Nord- bafota. Das Heiligtum bieses Museums aber, bas Ziel aller amerikanischen Numismatiker, ist bie Münzsammlung. Zweihundert römische Goldmünzen gibt es ba, unb bie einzigen unb letzten Stücke altchinesischen Perlgelbes aus ber brüten Dynastie. Das Münzkabinett liegt im fünften Stock. Seine Fenster tnb vergittert, unb die Tür ist mit schweren Eisenplatten beschlagen. Die Sammlung ist, jeber Einwohner von Duluth weiß bas, mit zwei Millionen Dollar versichert. II. Abenbs um sechs Uhr wirb bas Museum geschlossen. Die Aufseher machen einen letzten Gang durch bie Räume. Der Hauptpförtner selbst schließt bas Münzkabinett ab. Dann gehen sie alle nach Hause, bie Aufseher, die Pförtner unb bie Konservatoren. Gestern abend aber ereignete sich folgendes: Um 6.45 Uhr steigt ein Mann, der, trotzdem es schon Herbst ist, einen Strohhut trägt, langsam unb von Zeit zu Zeit Atem holend, die Treppen des Mu- eums hinauf. Vor dem Münzkabinett bleibt er tehen, zieht einen blanken fUbernen Schlüssel aus >er Tasche und öffnet die Tür. Sein Gesicht nimmt einen halb erstaunten, halb erschrockenen Ausdruck an, als er mitten im Kabinett einen älteren Herrn stehen sieht, der sich über die Glaskasten beugt Auch ber ältere Herr macht ein erschrockenes Ge- ficht. „Hallo!" sagt er unb mustert ben Mann mit bem Strohhut, „was wollen Sie hier?" „Dieselbe Frage möchte ich an Sie richten", lächell der Mann. „Ich fertige, mit Erlaubnis des Direktors, Münz- Zeichnungen an", sagt der ältere Herr. „Am Tage würde mich das Publikum stören." „Merkwürdiges Zusammentreffen", schüttelt der Mann mit bem Strohhut ben Kopf, „ich bin ber Juwelier Mabstrik unb beauftragt, bie Münzen zu prüfen. Es ist, wissen Sie, schon mehrfach oorgekom- men, baß wertlose Kopien gegen bie echten Stücke ausgetauscht würben. Unb auch mich" — der Mann nimmt den Strohhut ab und fährt sich mit der Hand über den Kopf — „würde tagsüber das Publikum bei der Arbeit stören." „Hm", macht der ältere Herr, „mag sein. Aber ich muß gestehen: Ich kann nicht zeichnen, wenn ich mich dabei beobachtet fühle.' längerer Dauer erging, das vom Reichsgericht in vollem Umfang bestätigt wurde. — Der Ober- Präsident der Provinz Hessen-Ras- f a u hat die in Kassel erscheinende sozialdemokratische Tageszeitung »Kasseler Volksblatt" für die Zeit vorn 15. bis einschließlich 18. d. M. verboten, weil die Zeitung in einem Artikel mit der Ueberschrift »Die Gegenrevolution — Die Barone enthüllen sich — Kriegserklärung an das Doll", sowie in einem weiteren Artikel »Feinde des Volks?", den Reichskanzler und die Reichsregierung beschimpft und böswillig verächtlich gemacht habe. — Weiter hat der Oberpräsident die in Frankfurt erscheinende sozialdemokratische Tageszeitung »V olks stimme" wegen eines am 13. Of toter erschienenen Artikels »Gegenrevolution der Barone" mit sofortiger Wirkung bis einschließlich 19. d. M. verboten. Schwere Vorwürfe der Korruption gegen den preußischen Jinanzrrrinister Klepper. OerLandtags Untersuchungsausschuß beschließt Einleitung einesGtrafverfahren s Berlin, 14. Oft. (ERD. Eigene Meldung.) Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags zur Rachprüfung der Geschäftsgebarung des früheren sozialdemokratischen Finanzministers Dr. Klepperteider Pächter-Kredit- bank und bei der Domänen-Detriebsgesellschaft Dr. Otto Klepper, 1928 bis 1931 Präsident der Preußenkasse, bann bis Juli 1932 preußischer Finanzminister. trat am Freitag unter bem Vorsitz des Abg. Zubke (Dn.) zusammen. Der Berichterstatter, Abg. Steuer (Dn.) legte in seinem Bericht bar, daß fünf Punkte den Verdacht einer in der Hauptsache durch politische Gesichtspunkte bestimmten rechtswidrigenundinvielfacherHin- sicht strafbaren Verwendung erheblich erMittelderPreußenkasse begründeten. Präsident Klepper habe über ein »Sonderkonto A“ verfügt, das dem Präsidenten zur beliebigen Verwendung persönlich zurVer- f v g u n g gestanden habe. Mit einem ber Preußenkasse rechtswidrig entzogenen Betrag von 200 000 Mk. habe Klepper fortdauernd persönliche und parteipolitische Zuwendun- genanEinzelpersonen,Presseunternehmungen und anscheinend auch an Mittelsmänner politischer Organisationen gemacht. Er habe dieses Verfahren sogar noch fortgesetzt, als er bereits Finanzminister gewesen sei. Dem Chefredakteur der wirtschaftspolitischen Wochenzeitschrift »Magazin der Wirtschaft", Raffael D e r n f e l d , sei von der Do- mLnen-Detriebsgesellschaft 1929 ein Darlehen von 1 1 5 000 Mk. ausgezahlt worden. Als das Unternehmen Bernfelds 1931 zus ammen- brach, mußte der Konkurs mangels Masse abgelehnt werden. Weiter habe Staatssekretär Dr. Abegg auf Anordnung Dr. Kleppers von der Deutschen Landmannbank AG. ein Darlehen erhalten, das erst Anfang September d. I. zurückgezahlt worden sei. Heber die Kölner Filiale der DD-Banf habe die Sladt k ö In von der Preußenkasse durch Vermittlung des Z en t r u m s m i u i- st er, hirtsiefer einen Kredit von 12 Millionen Reichsmark erhalten, der noch nicht zurückgezahlt sei. Schließlich seien 2,33 Millionen Reichsmark aus Mitteln der Preußenkasse über die Heim-Bank zum Erwerb von Aktien der „Kölnischen Volkszeitung" (Zentrum) verwendet worden, wozu später noch 120000 RM. für den Erwerb von Aktien der „Germania" (ebenfalls Zentrum) gekommen seien. Aus dem Gesamtkomplex aller fünf Falle zieht der Berichterstatter den Schluß, daß der Vorwurf poli- tischer Korruption insbesondere gegen den früheren Minister Klepper durchaus begründet erscheine. 3n dem Fall der Stadt Köln sei auch das Verhalten des dem Zentrum angehörenden Oberbürgermeisters Dr. Adenauer zu beanstanden. An ben Bericht knüpfte sich eine sehr erregte Geschäftsordnungsaussprache. Der Ausschuß beschloß, am Dienstag die Verhandlungen fortzusehen und zunächst die Materie „Kölnische Volkszeitung" zu behandeln. Unter ben geladenen Zeugen tefinben sich Ministerpräsident Braun und die Minister Hirtsiefer, Klepper und Höpker- Aschofs. Außerdem sollen geladen werden Prälat Kaas, Konsul Waus von der „Kölnischen Volkszeitung" und der Vorsitzende der Rheinischen Zentrumspartei, Wönnig. Mit den Stimmen der Nationalsozialisten und der Deutschnationalen bei Stimmenthaltung der Kommunisten wurde ein nationaksozialisti- scherAntragangenommen, den zuständigen Staatsanwalt mit der Lin leitung eines Strafverfahrens gegen ben Finanzminister Klepper und die etwa sonst beteiligten Personen zu beauftragen und die etwa in Betracht kommenden Personen, soweit Gründe wegen Fluchtverdachts mit Rücksicht auf die höhe der zu erwartenden Strafen oder wegen Verdunkelungsgefahr vorliegen, verhaften zu lasten. Die kommissarische preußische Staatsregierung kann zur Zeit zu ben gegen Dr. Klepper erhobenen Vorwürfen noch nicht Stellung nehmen. Das Finanzministerium hat schon vor einiger Zeit alsbald nach Bekannt- toerben ber Vorwürfe bei der Preußenkasse unb ben von ihr abhängigen Instituten eine Unter! u-ch ung eingeleitet, in deren Verlauf zunächst die beteiligten Sachbearbeiter vernommen unb auch die Bankkonten geprüft worden sind. Eine Aeußerung Dr. Kleppers ist mit Rücksicht auf das vor dem Staatsgerichtshof schwebende Verfahren nicht eingeholt Worten. In der Angelegenheit des 12-Willionen-Krediis für die Stadt Köln hat die Regierung ben Re- gierungspräsitenten in Köln beauftragt, Oberbürgermeister Dr. Adenauer um eine Stellungnahme zu ter Angelegenheit zu ersuchen. Kunst und Wistenschafi. 6. Hauptversammlung der Deutschen Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege de» Deutschtums. In München fand dieser Tage bie 6. Hauptoer. fammlung ber Deutschen Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutschtums statt. Die Ta- gang wurde eingeleitet mit einer Sitzung, ber u. a. der bayerische Ministerpräsident Dr. Held unb Kul- • tusminifter Dr. Golbenberger beiwohnten. Der * Präsiden! der Akademie, Geheimral Professor Fried- > rich v. Müller, beteuerte, daß die Hoffnung auf j . weitere finanzielle Unterstützung für die Akademie sich nicht erfüllt habe. Die Deutsche Akademie sei die einzige unter den wissenschaftlichen Gesellschaften ? ähnlicher Art, die sich in der Notzeit aus eigenen 1 Mitteln erhallen habe. — ftuUusminifter Dr. Gol - I denberger spendet ber Akademie hohes Lob. Sie' ' könne sich würdig an die Seite ähnlicher Einrich- . tungen in anderen Ländern stellen. Es sei ihr ge- j langen, das Ansehen Deutschlands im Auslande 1 t wieder zu heben und alle, welche die deutsche Zunge sprechen, in engere Beziehungen zueinander unb ,j zum Mutterlande zu bringen. — Nachdem der Prä- fibent ein Schreiben bes Reichspräsidenten bekannt- gegeben hatte, in welchem der Reichspräsident der Tagung besten Verlaus wünscht, überbrachten Vertreter des Deutschen Sprachvereins, des Deutschtums im Auslande unb namens des Vorstandes des Deutschen Städtetages Grüße. — Der 2. Präsident, Uni- oersitätsprofestor Dr. Meyer, berichtet über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Abteilung, der Ge- schästsführer der Akademie Major a. D. Fehn über bie Tätigkeit der praktischen Abteilung und Dr. , Thierfelder, der Leiter der kulturellen Abtei- # lung, über die Kulturarbeiten im Auslände. Oberpräsident v. Hülsen zum Dr. theol.h.c. ernannt Die theologische Fakultät der Universität Marburg verlieh dem Kurator ber Wllippsunioersität Geh. 1 Oberregierungsrat Dr. jur., Dr. med. h. c., Dr. phik et rer. pol. h. c. Ernst von Hülsen in Anerken- nung seiner erfolgreichen Fürsorge für die geologische Fakultät in Marburg ehrenhalber Titel, Rechte unb Würde eines Doktors der Theo» logie. Die Promotion war schon im Sommer beschlossen worben, sollte aber erst zu Beginn des | kommenden Wintersemesters ausgesprochen werben. Im Hinblick aus ben unmittelbar bevorstehenden 5 Fortgang Geheimrat von Hülsens nach Kassel als jB kommissarischer Oberpräsident der Provinz Hessen* Nassau ist sie jetzt bereits ausgesprochen worden. Professor Dr. Karl Rothenbücher f. Der bekannte Münchner Staatsrechtslehrer Pro« J festor Dr. Karl Rothenbücher ist in München - im Aller von 52 Jahren an den Folgen einer fchwe- I ren Angina gestorben. < Personalveränderungen bei der Reichsbahn. Berlin, 13. Oft. (TU.) Der Direktor der Be« triebs* und SBauabteilung in ber Reichsbahnhaupt- | Verwaltung, Staatssekretär a. D. Dr.-Ing. h. gy, i ftumbler, fckeibet mit dem 28. b. M. nach Er- < reichung ber Altersgrenze aus seinem Amt. Auf 14 seinen Posten wurde der bisherige Präsident der 1' Reichsbahndirektion Esten, Dr.-Ing. h. c. Leib- M brand berufen ber sich als Schöpfer des Güter- <* kursbuches und Verfasser einer Denkschrift über bie I Rationalisierung des Reicksbahnbetriebes einen Na« 1 men gemacht hat. Zum Nachfolger Dr.-Ing. Leib- branbs wurde der bisherige Direktor des Reichs- bahnzentralamtes für Maschinenbau, Bergmann, w ernannt, dessen Arbeitsgebiet bisher bie Elektrifizie- Kl rung bes Zugbetriebes gewesen rft. Der Nachfolger |H Direktor Bergmanns würbe Reichsbahnbirektor n Emmelius, der während bes Krieges und im | h Jahre 1928 an ber Ausgestaltung ber türkischen ( Eisenbahnen gearbeitet hat unb in ben letzten Jab- 11 ren die oberste Leitung ber Prüfungstätigkeit für V, . bie Wirtschafts, unb Rechnungsführung der Deutschen Reichsbahngesellschaft innetjattG „Tut mir sehr leib", zuckt ber Mann mit bem I Strohhut bie Achsel. ,Zch meinerseits fühle mich verpflichtet ben Auftrag auszuführen, ber mir erteilt würbe/ Der ältere Herr macht ein ärgerliches Gesicht, breht sich um unb guckt aus bem Fenster. Der Mann mit bem Strohhut aber fängt an, bie Schrauben von ben Glaskasten zu lösen. Eine Viertelstunde vergeht. „Wie lange dauert es noch?" fragt ber ältere Herr. Der Mann mit bem Strohhut antwortet nicht. Er häll ben Kopf oorgebeuat unb lauscht. Aus bem Treppenhaus kommen langsame, tappende Schritte. Wenige Augenblicke später, unb bie Tür öffnet sich: Ein Aufseher mit weißem Backenbart unb blauer Mütze eine Taschenlampe in ber Hanb, steht ba. „Ich habe Erlaubnis vom Direktor ...", sagt ber ältere Herr. „Unb ich bin Juwelier Mabstrik", murmelt ber Mann mit bem Strohhut, „unb beauftragt ..." „Hm. hm", nickt ber Alte, „ich weiß. Der Direktor läßt Ihnen sagen. Sie möchten Mittwoch ober Donnerstag wieberkommen. Heute abenb finb die Herren von ber Columbia-Universität geloben. Sie wollen bie Sammlung pbotograpijieren." Unb er tritt zur Seite, um ben älteren Herrn und ben Mann mit bem Strohhut aus bem Kabinett zu lassen. . III. „Derbammtes Pech", sagt Ligstone zu Piggewik, bem Wirt ber Kanada-Bar. „Ins Museum bin ich glatt gekommen. Auch bie Tür zum Münzkabinett zu öffnen war eine Kleinigkeit. Aber kaum habe ich an- gefangen zu arbeiten erscheint so ein Ibiot von Juwelier unb will bie Münzen nachprüfen." „Well", nickt Piggewik, ber Wirt, „bas war John Stern." „Wieso?" hebt Ligstone den Kopf, „w c r war John Stern?" „Der Juwelier", lächelt oer Wirt. „Geflucht hat er wie ein Satan. Acht Wochen, sagt er, hat er gebraucht, um bie Schlüssel zu kopieren, unb als er bann bas Kabinett ansschloß, war ba ein Mann, ber vom Direktor bie Erlaubnis hat, Münzen zu —" Ligstone wirst sein Glas gegen bie Wanb unb stößt einen ächzenden Ton aus. Seine Finger krallen sich ineinander. Dann aber besinnt er sich. Sein Gehirn fängt an zu arbeiten. „Was meinst du?" flüstert er unb tastet nach seinen Schlüsseln, „wenn ich jetzt gleich —?" ,Jemen Zweck", schüttelt ber Wirt ben Kopf. „Samuel Hig" ist längst mit ben Münzen über bie Grenze, nach Winnipeg." Ligstone guckt ben Wirt an wie ein Gespenst. „Wer?" haucht er, „wer ist mit den Münzen über । bie Grenze?" I „Samuel Hig", grinst der Wirt, ,chu hättest ihn eigentlich erkennen müssen. Er trug einen weißen Backenbart unb hatte sich als Aufseher verkleibct." Tempo, Tempo! 3n unserer Zeit der Rekorde werden Arbeiten, die früher viel Zeit in Anspruch nahmen, in erstaunlich kurzer Spanne vollendet. Einige solcher Rekordleistungen finden sich in einer englischen Wochenschrift zusammengestellt. Ein Ford-Kraftwagen wurde einmal infolge einer Wette in 11 Minuten „gebaut", d. h. man muß richtiger sagen „zusammengestellt", denn die einzelnen Telle waren natürlich schon vorhanden. Die wirkliche Herstellung eines Kraftwagens dauert beträchtlich länger, und man rechnete die Zahl der Arbeitsstunden, die dazu nötig waren, als der Ford in 11 Minuten erstand, auf 600 bis 700. Seitdem ist aber die Arbeitszeit infolge der modernen Methoden stark verringert worden, und eine Fabrik, die Wagen in dem Tempo von einem Stück alle 31z2 Minuten erzeugen kann, hat die Zahl der Arbeitsstunden pro Wagen von 376 vor drei Jahren jetzt auf 233 herabgedrückt. Gin Schneider arbeitete früher an einem erstklassigen Maß-Anzug etwa 65 Stunden. Die fertigen Anzüge entstehen viel schneller, denn hier wird alles mit der Maschine zugeschnitten und genäht, und so ist es möglich, daß eine Herrenkleider- Fabrik in Leeds in jeder Minute, in der hier gearbeitet wird, zwei Anzüge fertig macht. Weibliche Toiletten erfordern nicht viel mehr Zeit, ja sogar noch weniger, wenn sie in einfachen Formen und großen Massen verfertigt werden. Aber wie lange an einer großen Abendtoilette gearbeitet werden muh, das läht sich niemals voraus sagen. Die Fertigstellung eines großen modernen Dampfers nimmt gewöhnlich zwei Jahre in Anspruch. Eine sehr schnelle Leistung war es, als eine GlaSgower Werft im Jahre 1925 den 5500^Tonnen-Dampfer „Rerissa" innerhalb sieben Monaten zum Stapellauf brachte. Ein großer Viseirbahnwaggon für Frachtzüge kann in l’/< ^Stunden erzeugt werden, wenn die Einzelleile vorhanden sind. Einen Rekord im schnellen Lokomotivenbau stellte eine Fabrik in Philadelphia auf, die in 26 Arbeitstagen 104 Lokomotiven herausbrachte. Erstaunlich ist auch die Geschwindigkeit, mit der heutzutage große Dampfkessel vollendet werden. Man braucht dazu nut einen Tag ober noch weniger. Gin Dampftessel von 40 PS, der sehr rasch gebraucht wurde, war in einer Fabrik um 7 Uhr begonnen Worten und konnte bereits um 15 Uhr abgeliefert werten. Die ganze Arbeit vollzog sich in weniger als acht Stunden. Es gibt aber auch Dinge, bei denen der schnellste Arbeiter scheitern muh. de. ihre Güte liegt gerade in der Langsamkeit d mühseligen Herstellung. Das ist z. D. bei ßar geknüpften Teppichen ter Fall. An solchen Kun werken wird viele Monate lang gearbeitet, u jeder Versuch, die Zeit der Herstellung zu v« kürzen, würde der Güte schaden. Zeitschriften. — lieber ben interessanten Versuch einer photgraphischen Naturexpeditton, deren Ziele unb 2e beitsmerfe, terichket ter Artikel „Eine Photosch»- geht neue Wege" in ter neuesten Nummer ter LeZ. ziaer „3 (l u ft r i r t e n Zeitung" (Verlag I. s Weber). Eine eingehende Würdigung des Derr von Slevogt unb Ortif anläßlich bes Totes diese Künstler bringt bem Betrachter ter Bilder zur Bewußtsein, welche Verluste die teutsche Kunst i jüngster Zeit erlitten hat. Den Stand ter neue nationalen Richtung im deutschen Schrifttum reißt ein Artikel von K N. Nikolaus: dem Te sind die Porträts ter behandelten Dichter, von Hans Grimm bis Werner Beumelburg, beigegeben. Neben ter Welt ter Mote wird bie Tagesgeschichte eingehenb berücksichtigt. 130 tote Walfische. Wie aus Halifax auf Reu-Schottland bertd wird, sind die Ufer des Flusses Avon auf ei.e- weiten Strecke bedeckt mit den Leichen von 130 Walfischen, was eine schwere Bedrohung für die j Gesundheit der Umwohner dorstellt. Bor kurzem j drangen die Walfische in einer großen Schar in den kleinen Fluß ein und tummelten sich hier getragen von den einströmendcn Wogen der Flu. •< zeit, in ausgelassener Weise, intern sie mächtiges Wassersäulen emporsandten. Dieses lustige Trei^ ben der Meerungetüme verwandelte sich aber in eine Katastrophe, als die Ebbe eintrat und die. Wassermengen auS dem Flusse wieder in den Ozean zurückkehrten. Die Walfische waren äugens fcheinlich dieser überraschenden Veränderung ihrer Lage nicht gewachsen, konnten sich nicht meb- retten, sondern blieben in dem dicken rot« Schlamm stecken, in dem sie umkamen, bevor d Flut wieder neues Wasser in den Fluß brachte. 1 ’ das sie flott gemacht hätte. Die Walfische sind l zwischen 2 bis 3 Meter lang und wiegen zwischen 200 unb 500 Pfund: sie sind in Verwesung über- I gegangen und strömen einen unerträglichen hauch aus. Vor 50 Jahren ist schon einmal eine^ solche Walsisch-Katastrophe an den Ufern des* I Avon vorgekommen und hat damals eine schw re I Seuche hervorgerufen. 5 s i wodurch Oeffentlid Dos er von sein« Äriegsjoh Mil, insb Mion U kam in st stärker 311 ßilnüheal lügen zu @ie6er, W-hen JÄ unserer « In dci brldbiM 1912 liebem1 * Oft te LS ö». »ff M rüdflW ierW. mache"-' S Ä werde- Siaobranch Stanb der machung I zahl % • bWn. “ W1?1 modernste" Las »esm Anfang an ^«chen Jr erhoffte gießen ero immer meh ragende d deutjchland! land eingej ersten beut spielhaus 1 ausstattele. mochten sic deulschen 1 eifrigen^ die Sorfid oerbestert und zur t der Mal sehen, die Lpi Heuer 1 „Weh Ss ist 1 gen Beste vor der ihre büm Sommers Dvhnung Sorge, bii Dingen u; 5eim, es : Menschen. geboren sch ^andern ui erbitten. Der Will können, sink Sonnen am Statistik vie Wie, tote einschneidenk -einen Fälle let sind. .Denn sich Mlofer vorbereiten eine Fuders tot am Tac Jur müde ® W Suppe, birö Ä SA* 's 20 Jahre Lichtspielhaus Gießen. Am 19. Oktober kann das Lichtfpielhaus Gießen, eines der schönsten und modernsten Filmtheater Süddeutschlands, auf ein 20jähriges Bestehen zurückblicken. Die Vollendung dieser zwei Jahrzehnte der Gießener Lichtbildbühne ist Anlaß genug, einen Rückblick auf die Entwicklung dieses Unternehmens zu geben, das als Kulturfaktor, in unserer Stadt einen hervorragenden Platz einnimmt. In der Eröffnungsanzeige der Gießener Licht- bildbühne im „Gießener Anzeiger" vom 18. Oktober 1912 betonte die Leitung des Unternehmens, daß sie dem Gießener Publikum ein erstklassiges Lichtspieltheater zur Verfügung stelle und keine Kosten gescheut habe, den Aufenthalt in dem Theater, unter Berücksichtigung aller Steuerungen auf dem Gebiete der Kinotechnik, so angenehm wie möglich zu machen: gleichzeitig wurde erklärt, daß man neben sorgfältig ausgewählten, einwandfreien Filmen auch den belehrenden Film zur Vorführung bringen werde. Schon vor 20 Jahren, als man in der Kinobranche noch weit von dem heutigen hohen Stand der technischen Leistungen und der Aufmachung des Theaters entfernt war, auch die Anzahl der Sitzplätze noch sehr erheblich hinter dem jetzigen Ausmaß zurückblieb, gehörte die Gießener Liärtspielbühne bereits zu den tonangebendsten und modernsten Unternehmen dieser Art in Deutschland. Das Bestreben des Besitzers A. Henrich war von Anfang an darauf gerichtet, mit der fortschreitenden Entwickluna der Filmtheater auf allen Gebieten gleichen Schritt zu halten. Diesen Bemühungen blieb der erhoffte Erfolg nicht versagt. Das Lichtspielhaus Gießen erwarb sich in der Gießener Bevölkerung immer mehr Freunde und hielt auch seine hervorragende Stellung unter den Filmtheatern Süddeutschlands aufrecht. Als der Tonfilm in Deutschland eingesührt wurde, war Herr Henrich einer der ersten deutschen Filmtheaterbesitzer, der sein Lichtspielhaus in Gießen mit einer Tonfilmapparatur ausstattete. Die Kinderkrankheiten des Tonfilms machten sich natürlich zuerst auch hier, wie in allen deutschen Filmtheatern, bemerkbar, aber dank des eifrigen Strebens der Lichtspielhaus-Leitung konnte die Vorsühvungstechnik des Tonfilms immer mehr verbessert werden, zum Vorteil des Unternehmens und zur Freude der Anhänger des Tonfilms. Bei der Gestaltung des Spielplans wurde darauf gesehen, die Spitzenwerte der Filmproduktion dem Gießener Publikum so rasch und so vollzählig wie möglich vorzuführen. wodurch die Geltung des Lichtspielhauses in der Öffentlichkeit immer mehr gesteigert wurde. Das erfolgreiche Wirken des Lichtspielhauses, das von seinem Besitzer mit glücklicher Hand über die Knsgsjahre und die Schwierigkeiten der Nachkriegszeit, insbesondere auch über die Fährnisse der Inflation und der Deflation hinweggesteuert wurde, kam in steigendem Zuspruch des Publikums immer stärker zur Anerkennung. Um den Ansprüchen der Hlmtheaterfreunde nach jeder Richtung hin genügen zu können, wurde das Lichtspielhaus vor fünf Jahren einem grundlegenden Umbau unterzogen. In wochenlanger Bauarbeit wurde an Stelle der unzulänglich gewordenen Räume auf dem Grundstück in der Bahnhofstraße ein modernes Filmtheater großslädlischen Stils geschaffen, das zur Vervollkommnung der Lorsüh- rungstecbnik mit völlig neuen Apparaturen versehen wurde. Unter der Leitung des Architekten Burg wurde nach den Wünschen des Herrn Henrich eine Stätte des Films hergerichtet, die bei der Eröffnung im Oktober 1927 vor überfülltem Hause den vollen und bewundernden Beifall des Publikums fand, der ihr auch in der Folgezeit bis in die Gegenwart hinein erhalten geblieben ist. Mit der Geschäftsführung des Lichtspielhauses wurde an Stelle des Herrn Karl H o s vom Zeitpunkt der Neueröffnung ab der Direktor Herr Otto Geyer betraut, da der Besitzer selbst seine Arbeitskraft noch anderen Aufgaben in seiner Branche widmen muß. Unter der zielbewußten Leitung machte das Unternehmen in seiner neugestalteten Form Fortschritte. Insbesondere richtete der neue Geschäftsführer, Direktor Geyer, sein Hauptaugenmerk auf die Pflege eines gediegenen Programms. Nach wie vor wurde die Richtschnur befolgt, die großen Werke der Filmproduktion in unmittelbarem Anschluß an die Erstaufführungen in der Großstadt auch hier zu zeigen. Daneben wurde aber eine besondere Pflege dem Kulturfilm zugewandt, da man sich zu dem Grundsatz bekannte, daß das Filmtheater nicht nur eine Statte der Unterhaltung, sondern auch ein Ort der guten Volksbildung sein müsse. Dank der sorgfältigen Arbeit auf dem Kulturfilmgebiet, bei der die Leitung des Lichtspielhauses seit einiger Zeit auch die Mitarbeit des Goethebundes genießt, hat sich die Wirkung des Films in die Tiefe noch verstärkt, wofür der planmäßige Ausbau der Kulturfilmarbeit durch Direktor Geyer die Vorbedingungen schuf. Die Ausdehnung des Tätigkeitsfeldes des Lichtspielhauses nach dieser Richtung hin hat dem Unternehmen eine weitere Steigerung seiner öffentlichen Geltung und eine größere Ausdehnung seines Freundeskreises gebracht. Der Besitzer A. Henrich, der kürzlich auf eine mehr als 20jährige Tätigkeit in der Filmbranche zurückblicken konnte, genießt im Fllm- und Lichtspielgewerbe großes Ansehen. Vor einigen Jahren wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Landesverbandes der Lichtspieltheaterbesitzer von Hessen und Hessen-Nassau, Sitz in Frankfurt a. M., ernannt. Aber auch außerhalb des Kreises seiner Berufskollegen wird dem strebsamen und liebenswürdigen Manne allgemeine Wertschätzung entgegengebracht. Mit Befriedigung kann er am Ende der beiden ersten Jahrzehnte des Lichtspielhauses Gießen auf sein Werk zurückblicken, und mit gutem Mute kann er der weiteren Entwicklung des Unternehmens unter der jetzigen rührigen Geschäftsführung entgegensehen. Ein anspornender Auftakt für weiteres gedeihliches Schaffen wird die F e ft w o ch e fein, die am Iubiläumstage, Mittwoch, 19. Oktober, mit einer Festoorstellung eingeleitet wird. Aus -er provinzialhauptfladt. Gießen, den 15. Oktober 1932. *Weh dem, der keine Heimat hat.^ Es ist wohl überall so, daß uns auf allen Wegen Gestalten begegnen, die sich wie schutzsuchend vor der allmählich beginnenden Kalte fester in ihre dünne Kleidung hüllen. Das Leben dieses Sommers war hart. Arbeitslosigkeit überall, Wohnungsnot überall. Der Mutter bangende Sorge, die Lieben warm zu betten, des Vaters Dingen ums tägliche Vrot und ein bergendes Heim, es war vielfach vergeblich. Die Zeit stößt Menschen hinaus auf die Straße, die nicht dazu geboren schienen, einst straßauf und straßab zu wandern und von fremden Menschen Mitleid zu erbitten. Der Wille helfen und der Wunsch, helfen zu können, sind ja überall rege, aber die Not Hatz Formen angenommen, von denen man ohne eine Statistik vielfach keine Ahnung hat. Lind selbst nackte, tote Zahlen geben noch lange nicht die einschneidenden Zustände wieder, die in den einzelnen Fällen oft zu schweren Tragiken ausgeartet sind. Wenn sich jetzt die Wärmehallen und Ob* dachlosenashle wieder für die Wintergäste vorbereiten, dann ist dies wohl für die Armen eine Zuversicht, die auf Tage oder einige Stunden am Tage warme Räume verspricht, auch wohl für müde Glieder eine Lagerstatt und einen Löffel Suppe, um dem Magen eine Aufmunterung zu geben, doch — es ist nur tageweise, und dann heißt es wieder den Kampf ums Leben in Hunger, Kalte und oft ohne Obdach weiter zu kämpfen. Es wird gewiß vieles getan, auch von privater Seite, und doch muß einem bangen, denn die Mittel sind vielfach zu gering, um eine „Hilfe" sein zu können: es ist immer nur eine „Abwehr des Schlimm st en". Wer darum in der Lage ist, geben zu können, der soll, au$ wenn es in kleinem Maße ist, jetzt in der schlimmen Jahreszeit nicht Herz und Tür vor der Armut verschließen, sondern weiterhelfen, und sei es auch nur eines Schrittes Länge. So lange uns die Wärme einer Wohnung umfaßt, so lange wir noch satt werden am Tisch, laßt uns immer an das Wort denken: „Weh' dem, der keine Heimat hat...“ Oberhessischer Kunstverein. Dom Oberhessischen Kunstverein wird uns geschrieben: Sonntagmorgen von 11 bis 13 Llhr ist die Ausstellung der Arbeiten von Dr. Walthari Dietz, Frankfurt, zum letzten Male geöffnet. Es sei deshalb auf das „Lebendige Foto" nochmals besonders hingewiesen, das in mehr als 300 Aufnahmen, die, wie de- starke Besuch bewiesen hat, von vielen Seiten mit großem Interesse besichtigt worden sind, die große handwerkliche Kunst eines Fotografen gezeigt hat. 3n der kommenden Woche ist der Ausstellungsraum geschlossen. Am Sonntag, 23. Oktober, eröffnen 4 Künstlerinnen ihre sehr verschieden gestaltete Ausstellung, und zwar: Agnes von Bülow, Brüssel, Luise K l e m p t, München, Gabriele M ü n t e r, Murnau, und Sulamith Wülfing. Elberfeld. Für diese Ausstellung sind die Besuchszeiten vermehrt worden, und zwar kann sie auch an Wochentagen, Dienstags und Don- nevstags, von 15 bis 17 Llhr, besucht werden. Date» für Samstag, 15 Oktober. 1582: Einführung des Gregorianischen Kalenders: — 1804: der Maler Wilhelm von .Kaulbach in Arolsen geboren; — 1844: der Philosoph Friedrich Nietzsche in Röcken bei Lützen geboren: — 1924: das Luftschiff LZ 126 landet unter Eckeners Führung nach 70^stündiger Fahrt in Lakehurst. * ** Heute keine Schülervorstellung im S t a d t t h e a t e r. Die Intendanz des Stadttheaters teilt mit. daß sie wegen der heutigen Hin- denburgfeiern in den Schulen und mit Rücksicht auf die gegenwärtig noch andauernden Ferien vieler auswärtiger Schulen, zahlreichen Bitten entsprechend, die für den heutigen Samstag angesetzte Schülervorstellung „Egmont" auf Sonntag, 23. Oktober, 18.30 Uhr, verschoben hat. * * Die Besuchszeit der Museen. Das Oberhessische Museum im Alten Schloß, das Völkermuseum, die Gemäldesammlung und das Kriegsmuseum im Reuen Schloß sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Llhr geöffnet. * * Fahrteneinschränkung derKraft- posten Gießen — Wieseck — Alten-Du- f e ck. Vom Postamt Gießen wird uns mitgeteilt: Infolge Verschiebung des Beginns und des Endes der Arbeitsschichten ist eine Abwanderung der Fahrgäste aus den bisher frühesten und spätesten Kraftposten in die übrigen Fahrten eingetreten, so daß nach den neuesten Verkehrs- ermittelungen folgende Fahrten der Kraftpost Gießen—Wieseck—Alten-Buseck vom 17. Oktober ab aufgehoben werden muhten: W ab Wieseck 5.40 nach Alten-Buseck, W ab Alten-Buseck 5.53 nach Gießen, W ab Wieseck 7 nach Gießen, W ab Gießen Walltor 7.22 nach Wieseck, W ab Wieseck 15 nach Gießen, W ab Gießen Walltor 15.45 nach Wieseck, 8 ab Alten-Buseck 20.45 nach Gießen, 8 ab Gießen Bahnhof 21.15 nach Wieseck. täglich ab Wieseck 21.35 nach Gießen und täglich ab Gießen Bahnhof 22.33 nach Wieseck. * * E i n Achtzigjähriger. Am Montag. 17. Oktober, kann der Lokomotivführer i. R. Wilhelm Ludwig, wohnhaft in Wieseck, in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag feiern. Der Jubilar wohnte nahezu 60 Jahre lang in Gießen. * S ilberne Hochzeit. Die Eheleute Schneidermeister Theodor G e r l a ch, Alicen- straße 22, begehen am Montag, 17. Oktober, ihre Silberne Hochzeit. * * Der „Hubertus", Verein weidgerechter Jäger, Sitz Gießen, hielt seine Monatsversammlung, wie man uns berichtet, am Mittwoch im „Hessischen Hof" ab. Rach Bekanntgabe von Reuaufnahmen und Reuanmeldungen erstattete der Vorsitzende Bericht über den erfolgreichen Verlauf der Verbandsgebrauchssuche, durch die erneut der hohe Stand der einheimifchen, von dem Verein seit seinem Bestehen geförderten Gebrauchshundezucht bewiesen wurde. Lieber die Versammlung des Bezirks-Vereins Oberhessen des ADID. am 8. Oktober in Gießen berichtete Studienrat H ö l z e l, der auch zum Vertreter für die Hauptversammlung des Landesvereins Hessen des ADIV. ernannt wurde. Besprochen wurden ferner die bevorstehende Hubertusseier, ein Vortrag eines Afrikaforschers und Kolonialjägers, dann die Verhältnisse auf dem Wild- und Rauchwarenmarkt. Die verschiedenen Schon- und Schuß- T zelten in Hessen und Preußen, der hohe, die Gemeinden vor allem schädigende hessische Iagd- pachtstempel, der viel zu hohe Preis für den Iagdpah gaben Anlaß zu lebhafter Aussprache. Rach Beendigung der geschäftlichen Tagesordnung behandelte Herr Aug. Pascoe das Thema: „Herbstjagd", wobei er vor allem die jagdwirtschaftlich vorteilhaftesten Iagdarten und Jagdzeiten von Hase, Fasan und weiblichem Rehwild in den Vordergrund rückte. Der Vortrag wurde durch eine angeregte Aussprache ergänzt. Oie spinale Kinderlähmung in Hessen. Falsche und übertriebene Vorstellungen. WSR. D a r m st a d t, 14. Oft. Don amtlicher Stelle wird mitgeteilt: Das Auftreten der fpi'nalen Kinderlähmung hat eine gewisse Beunruhigung in der Bevölkerung hervorgerufen, da über die Zahl der Erkrankungen und den Umfang ihrer Verbreitung völlig fal - sche und übertriebene Vorstellungen herrschen. Von einer „Epidemie" kann in Hessen überhaupt nicht die Rede sein. Fälle von Kinderlähmung sind auch in früheren Jahren zur Herbstzeit immer schon beobachtet worden. So liegen diesmal nur vereinzelte Fälle, hauptsächlich in Landgemeinden, vor. Insgesamt sind bisher aus O b e r h e s s e n 18, aus Starkenburg 8 und aus Rheinhessen nur 3 Fälle gemeldet worden. Tödlich verlaufen sind von den genannten Fällen bisher vier. Von größter Bedeutung sei es. so wird weiter erklärt, daß die Erkrankung schon vor Eintreten der Lähmung zur Feststellung kommt und der Arzt bei verdächtigen fieberhaften Erkra« kungen der Kinder möglichst frühzeitig zu Rate gezogen wird. Sturm verhindert den Start von Oo X. WSN. Frankfurt a. M., 14. Okt. Heute um 14 Uhr sollte der Start des bei der Staustufe bei Griesheim vor Anker liegenden Riefenflugschiffes Do X nach Wiesbaden-Schierst e i n erfolgen. Der seit gestern herrschende starke Südmeststurm veranlaßte aber den Kommandanten, Kapitän E h r i ft t a n f e n , das Flugschiff bis zum Eintritt besseren Wetters noch in Frankfurt zu belassen. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) ft. 78b. Sie können das Gut auf Ihre noch minderjährige Tochter überschreiben lassen, bedürfen jedoch hierzu die Genehmigung des für Sie zuständigen Vormundschaftsgerichts (Amtsgerichts). Vielleicht erklärt dieses auch auf Ihren Antrag hin Ihre Tochter bei deren Alter für volljährig. Wenden Sie sich in jedem Falle an das Vormundschaftsgericht, das nach Prüfung 'ber Verhältnisse seine Entscheidung treffen wird. Sprechstunven Der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag gefdjloffen. 350 Zähre Gregorianischer Kalender. Eine Zubiläumsbetrachtung zum 15. Oktober 1932. Von H. Eckerts. In der Staatsbibliothek in Berlin ist „Der älteste gedruckte deutsche Kalender" zu bewundern, vielmehr die gewaltigen Holztafeln, mit seltsamen Kerben und Schnitzereien bedeckt, mit Zeichen und Tierbildern und sehr sonderbaren Buchstaben, von denen der Kalender gedruckt wurde. Er trägt die stolze Zahl von 1439 und ist errechnet und geschnitzt von Herrn Johannes deGamundia, Hans von Gmünd, der den Ruhm genoß, ein weiser Mann, ein Mathematiker und Tierarzt zu fein. Seine Leistung war und ist einzigartig, wenngleich auch Regio- m o n t a n u s schon 35 Jahre später auf ähnliche Holztafeln eine „Anweysung für jedermann, die Täg und Jahr zu messen" schnitt. Lind Knobloch h e r und Pflaum gingen gar so weit, den „immerwährenden Kalender" für dazumal und alle Ewigkeit herzustellen. Cs sind zwar „Daurenkalender", aber wir verstehen uns heute nicht ganz leicht darauf, sie zu lesen. Leichter ist es schon, sich in dem Iahreskalender des Herrn Pepyus zurechtzufinden, der 1513 in Rürnberg erschien. Die Daten sind kaum fa wichtig, wie die vielen „Praktiken", die die Seiten füllen. Man liest da haargenau, an welchem Tage es sich empfiehlt, sich zu rasieren, zur Ader zu lassen und Spritzen zu gebrauchen, und daß man um's Himmels willen des Samstags keinen Knoblauch essen solle. Lind gar der hundertjährige Kalender oes Abtes Knauer ist eine Fundgrube für alle die, die nach Aberglauben und astrologischen Zeichen suchen. Warum aber eigentlich 1. Januar und warum „Kalender"? I u li u s C ä s a r ist daran schuld. Vor seiner Zeit herrschte eine bemerkenswerte Verwirrung in den verschiedenen Systemen, die Zeit zu bestimmen. Die Griechen feierten den Jahresbeginn zu manchen Zeiten bei der Herbstnachtgleiche in anderen Jahrhunderten zur Winteroder Sommersormenwende. Im alten Rom beging man das Reujahrsfest vor Julius Cäsar am 1. März, und die Juden hatten von Anbeginn ihrer Zeitrechnung an bis zum heutigen Tage den Reumond zum Reujahrstag gewählt, der dem Herbstäquinoktium zunächst liegt. Also den Reu- mond im September oder Anfang Oktober. Julius Cäsar entschied: das Jahr beginnt am 1. Januar, Calendae heißt der erste Tag jedes Monats, Punktum. Das war 46 Jahre vor Christi Geburt. Kaum aber schloß Cäsar zwei Jahre später die Augen, als schon von ßeuten, die die Sache nicht verstanden hatten, die saubere Zeitrechnung wieder in Llnordnung gebracht wurde, bis Augustus 8 Jahre nach Christi Geburt wieder etwas Ordnung in die Angelegenheit brachte. Bis 1582, wo Papst Gregor XIII. seine berühmte Reform durchführte, nahm der alte Cäsarenkalender die christlichen Feste und Heiligen-Ramen auf, und zeigt sich nun in veränderter äußerer Gestalt. Die Grundlage aller Kalender ist die Sonnenbahn und die Mondbahn, die „Monde", die Tage und Rächte, die Jahreszeiten und die Wiederkehr der verschiedenen Sternstellungen. Die alten Aeghpter hatten schon das Sonnenjahr wie wir, mit 365 Tagen zu 12 Monaten zu 30 Tagen und fünf Ergänzungstagen. Die Griechen hingegen, vermutlich auch vor ihnen die Babylonier, rechneten nach glatten Mondmonaten, 12 Monate im Jahr, je 6 Monate zu 30, je 6 weitere zu 29 Tagen. So entstand das Jahr zu 354 Tagen, und man muhte alle paar Jahre die fehlenden Tage durch einen Schaltmonat hinzufügen. Es war eine schöne Verwirrung, zumal eine Reihe von klugen Leuten sich über Verbesserungen den Kopf zerbrach. Da gab es Anhänger der Kallip- pischen Periode, die alle 76 Jahre einen Tag ausfallen ließen, und Verehrer der Hipparchischen Periode, die die Verkürzung nur alle 304 Jahre vornahmen. Da unterschied man zwischen dem „Bürgerlichen" und dem „Raturjahr", zwischen Mondzirkeln und Sonnenkreisen, und auf einen Synode entschloß man sich gar. die Zeitrechnung der Erde in große Epochen zu 3200 Jahren einzuteilen. Alle 3200 Jahre mußte eine einschnei- oende Veränderung vorgenommen werden, darüber wurde viele Mondzirkel lang beraten. Obwohl die Frage doch kaum aktuell zu nennen war. Auch Julius Cäsars Reform war kaum umwälzend, bis Papst Gregor XIII. im 16. Jahrhundert auf vielen Konzilen unter Mitarbeit der größten Gelehrten der damaligen Zeit die Grundlage unseres heutigen, gregorianischen Kalenders schuf. Daß auch er mit seinen Schaltjahren, mit seinem verkürzten Monat Februar nicht vollkommen ist, beweisen die zahl- losenReformvorschläge, die heute an bett Tagesordnung sind. Die Einführung des neuen Kalenders sollte mit strengsten Maßnahmen erfolgen, es war aber nicht immer in dieser Form durchführbar. Am 15. Oktober 1582, vor genau 350 Jahren, trat der gregorianische Kalender in Wirksamkeit: die letzte christliche Gemeinde der damaligen Zeit. Graubünden, bekannte sich 1810 dazu. Im Jahre 1700 übernahm auch Deutschland den Kalender ganz offiziell. Es erging das Gesetz, daß in diesem Jahre auf den 18. Februar sofort der 1. März zu folgen habe. In der Zwischenzeit herrschte eine Art babylonischer Zeitverwirrung. Cs liefen in zwei benachbarten Ländern mindestens zwei verschiedene Kalender nebeneinander her, so daß die Angabe eines Datums meist in Form eines Bruches erfolgte: beispielsweise 18./28. Juni 1648. Im Erzbistum Trier lebte man im „Marien- jahr", das am 25. März. Mariä Verkündigung, begann. Cs wurde allgemein als Entweihung angesehen. dieses Datum aufzugeben. Ganz ähnlich verhielt es sich am Obermain, wo man im „Oster- oder Paschaljahr" den Karfreitag als Jahresbeginn feierte. Am weitesten verbreitet toatt das „Rativitätsjahr", das den Weihnachtstag zum ersten Tag des Jahres stempelte. Lind als man endlich die Stellung des neuen Kalenders nach dem kaiserlichen Dekret im Jahre 1776 gefestigt glaubte, da brach die französische Revolution aus und nahm, zum Glück nur vorübergehend. den 22. September als Jahresbeginn an. Heute ist Oer Gregorianische Kalender Allgemeingut fast der gesamten Kulturwelt. Japan und Korea schlossen sich der westlichen Zeitrechnung bereits vor vier Jahrzehnten an, während Rußland im Jahre 1918 den gregorianischen Kalender einführte. Die jüngste Anhängerin des Kalenders ist die Türkei, die erst im Jahre 1927 zu ihm überging. Buntes Allerlei. 42 Zahre als Leuchiiurm-Wcirierin. Als die tapferste Frau in Frankreich wird Marie-Perrine Durand gefeiert, die jetzt mit 80 Jahren ihren Posten als Leuchtturm-Wärterin aus der Insel Brehat an der Küste der Bretagne auf gegeben hat. 42 Jahre hat Frau Durand die mächtigen Lichtwellen über das weite Meer hinausgefandt. die an dieser gefährlichen und stürmischen Küste den Schiffern zur Warnung und Orientierung dienen. Seit ihr Mann, an dessen Stelle sie trat, vor 42 Jahren starb, hat sie täglich die 70 Stufen zur Turmspitze er- klommen und die Riesenlampen in Ordnung gehalten, nur von ihrer Tochter unterstützt. Die greife Leuchtturm-Wärterin weiß aus ihrem Leben viele Geschichten von grausigen Llnglücks- fällen zu erzählen, wenn sie das Sinken der Schiffe in der Rächt beobachten mußte und durch das Heulen des Sturmes die Derzweiflungsschreie der Ertrinkenden hörte: aber sie hat auch freudige Erlebnisse gehabt, wenn die Schiffe in Seenot den Leuchtturm sichteten und glücklich ihn erreichten, um gaistfreundlich dort ausgenommen zu werden. „Ich legte nach dem Tode meines Mannes ein Examen ab“, so erzählt Frau Durand in einem Pariser Blatt, „und wurde die erste Frau in Frankreich, die damit beauftragt wurde, den Dienst in einem Leuchtturm zu versehen. Manchmal war es nicht leicht, die Lampen des Nachts immer brennend zu erhalten. Vor zwei Jahren, als meine Tochter gerade fort war, bekam ich einen Anfall von Blinddarm-Entzündung, aber trotzdem kroch ich die 70 ©ranrtftufen auf Händen und Knien mühsam hinauf, um meine Arbeit zu verrichten. Während des Winters schlagen riesige Sturzwellen über das Wärterhaus am Leuchtturm hin, und wenn ich durch die von den Wellen benähten Fenster blickte, dann fuhr ich oft instinktiv zurück, wenn eine solche Riesenwoge sich aufbäumte und das ganze Haus zu verschlingen schien. Während des Krieges wurde ein Schiff dicht vor dem Leuchtturm von einem Llnterseeboot versenkt. Ich sah im Schein der Lichtstrahlen die armen Jungens über Bord ins Meer springen. Auch andere Schiffe tauchten in solchen Sturmesnächten plötzlich auf und zerschellten an den Felsen zu Trümmern." Frau Durand war vom Staat mit der Ausbildung von fünf anderen Frauen, unter denen sich ihre Tochter befand, zu Leuchtturm-Wärterinnen beauftragt. 380 Millionen ledige Krauen. Nach den neuesten ftatifüfd^n Angaben beträgt die Zahl der unverheirateten Frauen in aller Welt nicht weniger als 380 Millionen. Es ist interessant, daß diese Zahl feit dem Kriegs, ende bereits um ein Beträchtliches gesunken ist, denn damals gab es über 400 Millionen unverheiratete Frauen. Gleichzeitig bestätigt die Mufftet« lung, daß Männer zur Ehe Frauen bevorzugen, die noch nicht das 30. Lebensjahr erreicht haben. SJL-tfpoit Handball der Sp.-Dg. 1900. Am morgigen Sonntag fährt 1900a 1 Mannschaft zum Verbandsspiel nach Wetzlar gegen die gleich« des VfL. Beide Vereine standen sich schon in manchem Kamps gegenüber und schlugen sich mit wechselndem Glück. Auch für Sonntag muß die Frage nach dem Sieger offen bleiben. Allerdings ist man geneigt, den DfL.-Leuten ein kleines Plus zu geben. Sie wehrten sich vergangenen Sonntag in Butzbach gegen Polizei erste Mannschaft recht tapfer und ließen die Polizisten nur 6:3 gewinnen. Weiterhin ist zu berücksichtigen, daß die 1900er das Spiel nicht in kompletter Aufstellung bestreiten können. Sportabteilung des Tv. Wieseck. Am morgigen Sonntag fährt die 1. Mannschaft des Turnvereins nach Butzbach, um dort gegen die zweite des Gastgebers das fällige Verbands- «piel auszutragen. Butzbach stellt eine flinke und kampffreudige Mannschaft, die sich auf eigenem Platze nur sehr schwer schlagen lassen wird. Insbesondere wird die Wiesecker Hintermannschaft schwer zu kämpfen haben, wenn sie die gefährlichen Angriffe des Gastgebers erfolgreich ab- wenden will. Jugend und Schüler sind spielfrei. Kein Fußball-Länderspiel gegen Oesterreich. Der Oesterreichische Fußball-Verband hat seinen Länderspiel-Kalender für das nächste Iahr veröffentlicht. Eigentümlicherweise ist aber hierin kein Spiel gegen eine deutsche Rationalmannschaft vorgesehen, dagegen wurde mit Frankreich, Italien, Ungarn, Tschechoslowakei und der Schweiz fest abgeschlossen. Kurze Sportnotizen. DerStallHaniel trennt sich mit Schluß der Saison von qeinem Jockey L. Darga, der jedoch auch weiterhin in Deutschland bleiben will und ichon Der- handlungen mit einem großen Stall.angeknüpst hat. * E r n st Kaufmann (Schweiz), der kürzlich aus eine 2vjährige Tätigkeit als Rennfahrer zurückblicken konnte und stets zur ersten Klasse der inler- nationalen Flieger gehörte, will sich vom aktiven Radsport zurückziehen. * Fabelhafte Seift ungen vollbrachten die DRU.-Arnaleure im Berliner Sportpalast. Jrn Mannschaftsrennen, das von Tallmann-Jänicke gegen König-Bretzke erst im letzten Spurt gewonnen wurde, schloß die erste Stunde mit einer gefahrenen Strecke von 46,150 Kilometer, eine Leistung, die Berufsfahrern im Sportpalast noch nicht glückte. Die Berliner Fliogerrneistevschaft gewann der Bremer Cronjäger in schöner Manier vor Tadewald. * Der Berliner S chl i 11s chu h k l u b gibt schon heute sein erstes Gastspiel im Auslande. Die deutsche Meistermannschaft wird in Paris ein Freundschaftsspiel gegen den dortigen Racing Club austragen. Sonja Henie und das Ehepaar Brunet (Frankreich) werden Schaulaufen absolvieren. Lokalgegner treffen sich... Kampf um Ansehen und Punkte. Höhepunkte im Ablauf der Verbandsspiele der 1. Bezirksklasse sind in dieser Saison die Lotal- treffen der beiden 1. Mannschaften der hiesigen Sportvereine VfB. und 1900. Der morgige Sonntag bringt das Spiel der Vorrunde, das auf dem Sportplatz des VfB. zum Austrag gelangt. Dies- mal handelt es sich nicht um ein Gesellschaftsspiel, sondern um ein Derbandsspiel, in dem Punkte zu verlieren oder zu gewinnen sind. (Gleichwohl diese Tatsache nicht eigentlich im Vordergrund steht, wie es sonst im Kampf gegen auswärtige Mannschaften unstreitig der Fall ist.) Immerhin bedeutet die Aussicht auf zwei Punkte einen Anreiz, der dem Spiel die Bedeutung vertieft, die ihm an sich schon zukommt. Mit einer gewissen Ruhe sieht man in beiden Lagern dem Treffen entgegen. Man stützt sich auf bewährte Mannschaften. Außerdem fühlen sich beide Parteien gleichwertig und die Ergebnisse gegen die gemeinsamen Gegner scheinen das beweisen zu wollen. Das alles könnte eine Gewähr für ein spannendes Spiel sein, wenn man gerade bei einem solchen Spiel jemals etwas Vorhersagen könnte, was Anspruch darauf erheben dürfte, unbedingt gültig zu sein. Immer wieder kommt es auf die Widerstandsfähigkeit der Verven der einzelnen an, die das Spiel entscheidend zur Depression und Resignation, oder aber zum unüberwindlichen, stürmischen Eifer drängen können. Schon das erste Tor, das fällt (und wie es fällt) kann den Ausschlag geben. Das wissen alle die Beteiligten sehr genau. Denn: Wenn auch die Mannschaften der beiden hiesigen Lokal- gegner in letzter Feit zuverlässigere Form als sonst zeigen, so ist man ttch noch lange nicht dessen gewiß, ob Form, Taktik, Stehvermögen, Selbstvertrauen ausreichen, um die Rervenprobe des Spiels gegen den Lokalgegner mit absoluter Sicherheit zu überstehen. Man hat auf diesem Gebiete schon Ueberra^chungen und Enttäuschungen erlebt. Eines aber soll sicher sein: beide Mann'chaften sollten geben, was in ihren Kräften steht. Das erwarten die Zuschauer, die sich bei einigermaßen günstigem Wetter, sicherlich in großer Zahl einfinden werden, mit gutem Recht. Oie Mannschaften. VfB.: Balser Leutheuser Bingel Haupt Kreß I. Feuster Ritter Lehrmund Wilhelm Fehling Sauer Best Goebel Lippert Arnold Iäckel Schmidt Heilmann Langsdorf Luft Zeiler 1900: Schlarb Die beiden Mannschaften stellen in dieser Ordnung das Beste dar, was die beiden Vereine gegenwärtig aufbieten können. Diese Aufstellungen haben sich bewährt und wenn nicht ganz unvorhergesehene Ausfälle die Schlachtordnung ändern, sollte man von den 22 Mann etwas zu erwarten haben. Wenn man die einzelnen einer Betrachtung unterziehen will, dann kommt man zu folgendem Ergebnis: Schlarb im Tor bei 1 900 scheint bis auf eine kleine Unsicherheit niedrigen Bällen gegenüber, recht zuverlässig. Die Verteidigung mit Zeiler und Luft ist sehr schlagsicher, nicht leicht zu überwinden. In der Läuferreihe wird unstreitig Heilmann hervorragen, der allerdings in Schmidt und Langsdorf ganz verständnisvolle Assistenten hat. Das Stürmerdreieck mit Lippert, Goebel und Arnold vermag bei einigermaßen guter Schußlaune sehr wohl Erfolge zu erzielen. Iäckel auf Rechtsaußen ist unverkennbar etwas schwer, aber eifrig. Best ist ein durchaus repräsentabler Linksaußen geworden. Wenn sich die Mannschaft nicht allzusehr von Stimmungen beeinflussen läßt, ist sie den VfDern ein gefährlicher Gegner. Die Mannschaft ist in ihrem Können so beschaffen, daß sie sich zu einer geschlossenen Leistung zusammenfinden mühte. Die Mannschaft des V f D. seht sich aus lauter bewährten Kräften zusammen. Balser hat seine gute Form unverändert beibehalten und ist dem Gegner ein schweres letztes Bollwerk. Das Der- teidigerpaar (Dingel-Leuthauser) ist die Stärke der Mannschaft. In der Läuferreihe ist Kreß, der seinen Posten gut ausfüllt, linker und rechter Läufer (Haupt-Feuster) sind ausgezeichnete Techniker. Im Sturm ist Ritter der aktive Torschütze. Lehrmund-Wilhelm-Fehling werden sich sehr anstrengen müssen, wenn sie sich durchsetzen wollen. Sauer sollte nicht enttäuschen. Oie Aussichten. Die Chancen auf Sieg, das wurde eingangs schon angedeutet, sind völlig gleichverteilt. Wollte man nach der gegenwärtigen Situation behaupten, daß die eine oder andere Mannschaft bestimmt den Sieg erringen wird, dann könnte man leicht in den Ruf kommen, ein Hellseher sein zu wollen. Die Meinung geht allgemein dahin, daß Sieg und Riederlage von nicht wägbaren Voraussetzungen bestimmt werden wird. Man vermag nur zu wünschen, daß der Sieg jener Mannschaft zufallen möge, die ihn entsprechend dem Spielverlauf verdient. Schiedsrichter für den bevorstehenden Kampf ist Wingenfeld (Fulda), der für eine reibungslose Durchführung des Spieles der Garant sein sollte. Rundfunkprogramm. Sonntag, 16. Oktober. 6.15: Don Bremen: Hafenkonzert. 8.15: Von der Rheininsel Vonnenwerth (Kloster der Franziskanerinnen): Katholische Morgenfeier. 9.15: Stunde des Chorgesangs. 10.30: Einführungs- vovtrag zu Richard Wagners „Tristan und I'olde", 3. Akt. Von Hans Rosbaud. 12: Mit- tagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 13: Konzert. 14.15: Stunde der Iugend. 15.15: Stunde des Landes. 16: Baden-Baden: Konzert des Städtischen Kurorchesters. 18: ..Weltfluglinien in Asien und Afrika", Vortrag von Dr. Hans Kohn. 18.25: Dreihig bunte Minuten. 18.55: ..Gedichte und ihre Wirkung". Eine Rundfrage an unsere Hörer. Veranstaltet von Professor Dr. Martin Sommerfeld. 19.30: Schicksale in dieser Zeit. „Romolo, der Mann mit der ei'ernen Faust". Eine Zwiesprache. 20: Uhn: Deutscher Opern- Abend. 22.45 bis 24: Vachtmusi-k. Montag, 17. Oktober. 7.05: Frühkonzert auf Schallplcrtten. 12: Mittagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 13.30: Konzert. 17: Vachmittagskonzert des Orchsters des Westdeut'chen Rundfunks. 18.25: „Deutsche Land- schcrstskunst. — Von Cranach bis Thoma", Vortrag von Paul Westheim, Berlin. 18.50: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Unterhaltungskonzert. 20.30: Aus dem Kleinen Saal des Saalbaues: Stunde der Kammermusik. 21: Das V)un- derbare. Hörfolge von Friedrich Burschell. 22: „Deutschland und der Süd osten". Don der Kon- ferenz von Stresa. Bearbeitet von Actualis. 22.45 bis 24: Vachtkonzert. Dienstag, 18. Oktober. 7.05: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Freiburg: Mittagskonzert des Freiburger Konzertorchesters. 13.30: Konzert auf Schallplatten. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Vachmittag. 17: Vachmittagskonzert. 18.25: „Die Rationalisierungsbewe- gung im Handwerk", Dortrag von Dr. A. Wagner, Marburg. 18.50: „Die Lage der Landwirtschaft", Gespräch zwischen Stadt und Land. Don Karl Hepp und Prof. Dr. Veumarck. 19.30: Unterhaltungskonzert. 20.30: Alt-Frankfurter Originale. 20.55: Tristan und Isolde von Rich. Wagner (3. Aufzug). 22.05: In der Werkstatt des Orgelbaues. Hörbericht von Reinhold Merten. 22.45 bis 24: Rachtmuttk. Mittwoch, 19. Oktober. 7.05: Frühkonzert auf Schallplatten. 10.10 bis 10.40: Schulfunk. 12: Unterhaltungskonzert. 13.30: Konzert. 15.15 bis 16: Stunde der Iugend. 17: Konzert. 18.25: Stunde der Arbeit: »Die Reform der Sozialversicherung", Dortrag von Dr. Reumann, Präsident der Landesversichcrungs- anstalt Hessen. 19.05: „100 Zithern". 19.40 (Aus dem Dolksbildungsbeim): Konzert des Rundfunkorchesters. 20.3fc Die Föhre, ein Hörspielmonolog von Manfred Hausmann. 21.10 (M, Wien): Lächle! Bunter Abend. 22.40 bis 24 (Don Budapest): Zigeuncrmusik. Donnerstag, 20. Oktober. 7.05: Frühkonzert auf Schallplattcn. 12: Konzert auf Schallplatten. 13.30: Mittagskonzert. 15.30 bis 16.30: Stunde der Iugend. 17. Konzert. 18.25: Stunde des Films: „Film auf Papier", Gespräch zwischen dem Manuskript-Autor Friedrich Raff und Dr. Rudolf Arnheim. 18.50: „Zum Rotprogramm der Reichsregierung". Dortrag von Dr. W. Braun, Mitglied der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau. Dorsitzender des Derbandes Mitteldeutscher Industrieller e. D. 19.20: Rachrichten aus Kunst und Wissenschaft. 19.30: „Die Rachtigall", Musik von Winternitz, Sprecher: Dr. Waldemar Staegemann. 20 (Von Breslau): Kepler, Drama von Hans Rehberg. 21: Unterhaltungskonzert des Rundfunk-Orchesters. 22.45: Funkstille. Freitag, 21. Oktober. 7.05: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert. 13.30: Mittagskonzert auf Schallplatten. 17: Rachmittagskonzert. 18.25: „Erziehung zur Qualitätsarbeit", Vortrag von Paul Krannhals, Gräfelfing. 18.50: Aerzte-Vortrag: „Ist Rervosität heilbar?" 19.20: „Trainingsarbeit der Kunstturner", Hörbericht vom Training zum Internationalen Kunstturnen am 30. Oktober. 19.30: Ein möblierter Herr klagt sein Leid, von Georg Zech und andere Kurzgeschichten, gelesen von Karl Köstlin. 20.05 (Festsaal der Liederhalle): Symphonie-Konzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 22.45 bis 24: Rachtkonzert. Samstag, 22. Oktober. 7.05: Frühkonzert auf Schallplatten. 10.10 bis 10.40: Schulfunk: „Glockenguß und Glockenklang". von Karl Stueber. 12: Mittagskonzert. 13.30 bis 14.30: Mittagskonzert. 15.30 bis 16.30: Stunde der Iugend 17: (Mannheim): Unterhaltungskonzert. 18.25: „Persönlichkeit und Wirtschaft"? Vortrag von Dr. Hans Iokisch. 1850: „Industrie und Landwirtschaft", „Zur Frage der Stärkung des Binnenmarktes", Vortrag von Dr. Fabian. 19.30: Chopin-Klaviermusik. 20 (Festsaal der Liederhalle Stuttgart): Bayerischer Abend. 22.45 bis 24: Rachtmusik. Wirtschaft. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Die Preisgestaltung am Frankfurter Schlachtviehmarkt war in der verflossenen Woche zwar uneinheitlich, aber überwiegend etwas schwächer. Obwohl die Zufuhren meist unverändert und zum Teil sogar niedriger waren, war die Geschäftstätigkeit wesentlich kleiner als in den beiden letzten Wochen. Vornehmlich am Rindermarkt waren Preisnachlässe zu verzeichnen, obgleich der Zutrieb von 1586 Stück unverändert war. Bullen waren stärker beschickt und erlitten daher auch mit minus 2 bis 3 Mark den größten Verlust. Ochsen und Färsen verloren je 1 Mark, während Kühe behauptet blieben. Rach ruhigem Handel verblieb Ueberstand. Am Kälbermarkt ergaben sich trotz des geringeren Auftriebs (1457 gegen 1519) Preisrückgänge von 1 Mark. Geringere Kälber waren anfangs der Woche bei lebhaftem Geschäft bis zu 3 Mark erhöht, gaben aber-später den Ge- winn wieder ganz ab. Das Geschäft verlief dann langsam, doch wurde der Markt geräumt. Die außerordentlich hohe Ziffer für den Zutrieb am Schafmarkt, im Vergleich zu den Absatzverhältnissen, wirkte sich nicht so stark aus, gaben doch die Preise nicht mehr als 1 Mark nach. Allerdings war das Geschäft sehr langsam und der Markt wurde nur knapp ausverkauft. Der Auftrieb betrug 736 gegen 484 Stück. Etwas freundlicher lag nur der Schweinemarkt, an dem bei einem unveränderten Auftrieb von 5362 Stück Preisbe'serungen von I bis 2 Mark eintraten. Fettschweine waren nur knapp angeboten, stark gesucht und über Votiz bezahlt. Der Handel war anfangs lebhafter, später wieder schleppend mit etwas Ueberstand. Es notierten per Zentner Lebendgewicht im Mark: Ochsen al) 29 bis 32, a2) 25 bis 28. bl) 20 bis 24. Bullen a) 26 bis 28, b) 21 bis 25. Kühe a) 25'bis 27, b) 21 bis 24, c) 16 bis 20. Färsen a) 31 bis 33, b) 27 bis 30, c) 22 bis 26. Kälber'b) 40 bis 43, c) 36 bis 39, d) 30 bis 35. Schafe al) 24 bis 26, b) 20 bis 23, c) 15 bis 19. Schweine b) 44 bis 47, c) 43 bis 46, d) 40 bis 45 Mark. * Aus dem Aku-Konzern. Wie die Der. waltung der Allgemeinen Kunstzijde Urne (Aku) mitteilt, hat sich die Geschäftslage in der letzten Zeit weiter gebessert, die Produktionseinschränkungen müßten jedoch zunächst noch bestehen bleiben. Der Konkurrenzkampf auf dem Wettmarkt habe eine Minderung nicht erfahren. Man hofse jedoch, unter den europäischen Produzenten zu einer Verständigung zu gelangen. Frankfurter Abendbörse etwas freundlicher. F ranksur t a. M., 14. Ott. Die Abendbörse verkehrt^ zwar in sehr ruhiger Haltung, zumal die Auslandbörsen keine Anregung gaben, doch war die Grundstimmung nicht unfreund- l i ch. Gegen den Berliner Schluß ergaben sich fast allgemein kleine Besserungen um 0,25 bis 0,5 Prozent, nur Bemberg lagen 1,25 Prozent und Siemens 1 Prozent niedriger. Die Kulisse ncchm kleine Käufe vor, wobei man auf die Rede die Herr v. P a p e n am Sonntag in Westdeutschland halten werde, verwies. Im Verlaufe zogen ID- Farben, AEG. Deutsche Linoleum und einige andere Spezialwerte um Bruchteile eines Prozentes an, eine Ge'chäftsbelebung war aber nicht zu verzeichnen. Auch am Rentenm arkt blieb die feste Grund st immung bestehen, es herrschte aber auf der ganzen Linie Geschäftsstille. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H, Lomvard)in.suß Krankst,rt a. Dl. Berlin Frankfurt a.M. Berlin Schluß- kur» Schlußk. Abend» bdrfc Schluß» Iure Schlußk. mittag» dürfe Schluß» kurS Schlußk. Abend» börse Schluß« kurS Schlußk. Mittag» börfe Datum 13-10. | 14.10. 13-10. 14.10. Oatum 13.10. 14-10- 13.10. 14.10. 6% Seulldic ilteidisanlcibc D. 19'2. 73 73 73,13 73,13 Hamburg-Amerna Paic. Hamburg-Südam. Dampfschiff 1 17,4 17,13 17 17,13 6% chcm.7A.Dt. ReichSanl.v.l9L9 B%% Doung.AnIctbc von 1930 . $cutjd)c 9lnl.-ttIblö|.«Sd)ult> mit 85 86.5 85,5 87,5 — — — 28,5 69 72 - 69 72 £ian|a Dampslchiss - . ( — — 28 28,5 Norddeutscher Lloyd .... ( 17,75 17.5 17,75 17,13 Au-los.-Rechten...... 48.65 48.13 48.7 48 A.G. sür Verkehrswesen Akt. 40,5 —- 42,75 41,75 DcSgl. ohne Autzlos.-Rechte . . 6,75 6.75 6,75 6,75 Berliner Handelsgesellschaft . 4 90,5 90 90 90 6% ehern 8%.5-eh. «ollcftaat 1989 (Sommer), und Pjnvat-Bank . 0 53,5 53.5 53,5 53,5 (rückzahlb. 102%)...... 67,5 68 67,5 68,4 Darmstädter und Nationalban! 0 — — —- Oberhellen Provinz-Anleihe mit Am'los.-Rechten...... — 56,5 - — Deutsche Bank und DlSconto-Gesellschaft. 0 75 75 , 75 75 Deutsche Komm. Sammelabl. Dresdner Bank...... 0 61.75 61,75 61,75 61,75 Anleihe Getfe 1...... 6% ehern. 8% nrauff. Hyp.-Bant 50,5 50,9 75.25 50,5 51,25 Reichsbant ...... 1. 125.5 34,9 124,5 34,1 125,5 34,65 123,5 Goldpsc. 15 unkündbar bis 1935 75,13 — — «.cs.G.......... . 0 34 6% ehern. 7% Frank«. Hbp.-Bank 75 Bergmann........ . 0 —- — 20,75 20,75 lyolDufe 16 unkündbar bis 1936 75 — ISlettt. Lielcrungsgclelllchast . b 67 67,5 67,75 6'-% ehern. <%% Franks.Hyp.- Äank Lian Pfandbriefe . - Licht und Kraft...... 6 88 86,5 87,5 86,5 79,8 79.9 — — Felten & Guilleaume.... 0 57 57 57,75 57,75 6K,% chcm.4K%'Jihcintid)c Htw.-Bank-Liou.-Äoldpic. . 79,65 79,9 — — Gcjclllchalt sür Elektrische Unternehmungen .... 4 71,25 71,25 71,25 71,13 6% chcm. 8% Pr. Lande.'psand. 72,5 Rheinische Elektrizität . . . bB 74 73 73,5 73 btleianfialt H|anbbrie|e 9L 19 73 73 73 Gchuckcrt & (So....... 0 72,5 71 72,25 71,75 6% ehern. 7% Br. LandcSvsand- Siemens & Halske..... 9 117 117 117.5 118 bricfanflalt. Pfandbriefe R. 1" 73 73 Lahmeyer & (So...... 10 119 119 119 119 4% Oestcrrctchtldic Volvrentc . 10,25 10.25 — Buderus........ . 4 40,75 40,5 41,25 40,5 4,20% Ocsterreichilchc Stlbcrrente 1,05 1.05 1,05 1.15 Deutsche Erdöl...... . 5 72.75 72,5 72,5 — 4% Ungarische «oidrenlc .... 6,75 6,75 6.9 —— Geilenkirchener...... . 8 38.5 38,5 38.5 39 4% Ungarilche Gtaatsrcntc v. 1910 4K^% brSgi non 1913..... 6,65 6,5 6,85 6,75 6,9 6.8 Harvener......... Hoesch Eisen........ . 0 . 6 74 74,5 73 37.4 73,5 38 5% äbgcfL tSoldmcxikancr von 99 4% Türkilche Zollanleihe von 1911 6,75 6,75 6,75 Ille Bergbau....... 10 122 — 123 124 3,5 3,5 3,5 3.45 98 98.13 98,75 Rlüdncnoerte....... ManneS mann-RLbren . . . 4% Türkijchc Bagdadbohn-Anleihe 3,75 3,5 . 6 . « 34,5 53,25 34 53 34 53,25 34 52,9 4% beSgl. Serie II....... — — 3,65 3.4 M ans selber Bergbau .... . 0 21.5 20,5 21 21 f>% Suman, vereint,. Rente v. 1903 4,5 4.5 4.3 4,55 Oberschles. Sottwerke . . . . 8 — — 37,9 38,75 45496Rum0nweremb.Rcatev.1912 4% Rumänische vereinh- Rente 7,75 7,75 Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen. . . 4', 27,5 27,5 27,5 27,5 4,13 4,13 4.13 4.2 10 166 167 167 166 L Anatolier...... 18,5 — 18,4 18,25 Rhetnstahl........ . 6 67 67,5 67 67,75 Frankfurt a. M. Berlin Schluß« Schlußk. Bbend» börse Schluß» Schlußk. Mittag» börie 13-Oktober 14.Oktober kurs für* Amtliche Notierung Amtliche Dotierung Brief 13.10. 14.10. 13-10. 14-10- Helitngsor» . 6.254 6,266 6.254 6,266 Riebeck Montan...... 1;- — 1 — — — Men. . . . 51,95 52,05 51.95 52,05 Bereinigte Stahlwerke . . - . 0 22,75 —— 22.5 22,9 Prag . . . 12,465 12,485 12.465 12,485 £tabi Minen....... O 17 17 17,75 17 Budapest. . — — — — Kaliwerke Alcherslcben . . . 6 102,5 104.5 102 103 Sofia . . . 3,057 3,063 3.057 3,063 Kaliwerke Westeregeln . . . 6 107 108.75 — 108,7a Holland . . C41o . . . . 169,43 169,47 169,33 169.67 Kaliwerke GaUbetfurth . . . 9 165 164 165,75 165 72,93 73,07 72,88 73,02 Kopenhagen. 75 12 75,28 75,12 75,28 95,75 94,25 Stockholm 74,43 74,57 74,43 74.57 I. m. Farbcn.Industrie . . . 7 96 95 London. . . Buenos Aires 14,485 14,525 14,485 14,525 Echeideanstalt....... 10 140 139,5 0.890 0,894 0.890 0.894 Goldschmidt........ . O 27,5 26,5 28 26,5 Rcuvork . . 4.209 4,217 4.209 4,217 Rütgerswcrie....... . O 41.9 41,5 41,5 41,25 Brussel. . . 58.44 58,58 58.44 58.56 Metallgesellschaft...... . V 35,25 35,75 35,25 36 Italien. . . 21,55 21,59 21,55 21.59 Paria . . . 16,51 16,55 16,505 16.545 58 Schweiz . . 81,23 81,39 81,19 81,35 Philipp Holzmann..... Zementwerk Heidelberg. . . . O 57 57,5 57,5 Spanien . . 34,47 34,53 34,47 34,53 . 4 50 49.75 — — Tanzig. . . 81,92 82,08 .81,92 82.08 Eemcntwerk Karlstadt. . . . . r 54.75 — Japan . . . 0,989 0,991 0.989 0 991 Wahß & Frevtag..... . 0 4,5 5.6 - Rio bc Jan.. 0,294 0.296 0,294 0,296 Jugoslawien. Lissabon . . 5,894 5.906 5,894 5.906 56,5 56,75 56,75 56,25 56.65 55,5 13.19 13,21 13.19 13,21 Schultheis Patzenhofer . . . Aku (Allgemeine Kunstseidel Bemberg......... Zellstoff Walbhof..... Zellstoff Aschaffenburg . . . 0 0 0 o 56,75 57 56.5 54,25 44,75 Banfnoten. 45.75 45,25 44,75 Seriln. 14-Oktober Geld Srief 0 29,5 31 30,75 31 Amerikanische Roten . . . , . . . 4,20 4.22 Dessauer ®as....... . 7 — — 90,5 89,75 Belgische Roten..... 58,28 58,52 Daimler Motoren..... . O 21.5 20.5 20,4 20,5 Dänische Roten..... 74.90 75.20 Deutsche Linoleum .... . c 46 46,25 36,4 45,9 Englische Roten..... 14,445 14,505 Crcnftetn & Koppel .... . 0 — —— 35 35 Jranzolische Roten.... 16,465 16,525 Leonhard Tietz...... . 6 47 47 47,5 47,75 Holländische Roten .... 168,96 169,64 Svens ka......... . k — —— — Italienische Roten . . . • e | 21.50 21.51 170 170 170 170 Rorwegtsche Roten . . . . 72.70 73.00 Deutsch-Oesterreich, ■ 1OO Schilling Rumänische Roten........ 2.44 2.46 Frankfurter Maschinen . . . . — — — Schwedische Rotzen . . . . 74,25 74,55 ©rinnet......... . c 27 27,75 27,75 27,75 Schweizer Roten. . . . . 81.01 81.33 Mainkrastwerke Höchst O.M.. . 54.5 Spann che Roten..... 34.33 3447 Süddeutscher Zucker . . . . 128 128,5 I 127,25 — - Ungarische Roten . . . .