ür.164 Frübaussabe 182. Jahrgang Freitag, 15. Juli 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Vezugsprets: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. SietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universilülr-Buch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20", mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Deutschland und das Gentlemen Agreement. London veröffentlicht den Brief des Reichskanzlers über die deutsche Stellungnahme. London, 14. Juli. (WTB.) Das in den heute hier veröffentlichten Dokumenten zur Lausanner Konferenz enthaltene Schreiben des Reichskanzlers bildet die Antwort auf die nach älnterzeichnung der Schlußakte der Konferenz gegenüber der deutschen Delegation erfolgte Mitteilung von dem sogenannten Gentlemen Agreement. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Ew. Exzellen; bestätige ich ergebenst den Empfang des von Ihnen und den Herren Ehefs der französischen, belgischen und italienischen Delegation unterzeichneten Schreibens, das Sie mir heute nach Unterzeichnung des Abkommens von Lausanne haben zugehen lassen. Die Ihrem Schreiben anliegende Vereinbarung der vier Delegationen vom 2. d. 2H. bezieht sich auf den Fall einer etwaigen 7! i ch t r a t i s i k a t i o n des Abkommens von Lausanne, mithin auf die gleiche Frage, die auch den Geg^istand der Besprechung der Delegationschefs oer sechs einladenden Mächte am 8. d. 7N. abends bildete. Entsprechend der bei dieser Besprechung getroffenen Verabredung habe ich noch am gleichen Abend in der öffentlichen v o l l s i h u n g der Konferenz eine Frage wegen des in Rede stehenden Falles an den Herrn Vorsitzenden gerichtet, die von ihm sofort im Romen der einladenden Gläubigermäch t e beantwortet wurde. Unter diesen Umständen halte ich mich für berechtigt, davon auszugehen, daß die Angelegenheit für Deutschland durch meine Frage an den Herrn Vorsitzenden der Konferenz und dessen Antwort maßgebend geklärt worden ist. Mit dem Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung bin ich Ew. Exzellenz ergebener v. Pape n." * In diesem Schreiben des Reichskanzlers wird also festgestcllt, daß die deutsche Delegation von dem Agreement erst nach der Unterzeichnung des Lausanner Vertrages in Kenntnis gesetzt worden ist, und daß für Deutschland nichts weiter gilt als die Erklärung des Präsidenten der Lausanner Konferenz, daß im Falle der Richtratifizierung eine neue Konferenz ftattfinden muß. Aus dem Briefe ergibt sich auch, daß diese öffentliche Feststellung Macdonalds sogar auf einer A b - spräche beruht, die vorher zwischen den Hauptmächten getroffen' worden ist. Was im übrigen die Angelegenheit des Gentlemen- Agreements anlangt, so ist der deutsche Standpunkt hierzu bereits am Montagabend nach Bekanntwerden der ersten Meldungen über das Gentlemen Agreement in einer offiziösen Auslassung eindeutig gekennzeichnet worden. Es wurde daran erinnert, daß Deutschland es „von vornherein und während der ganzen Dauer der Konferenz aufs entschiedenste abgelehnt habe, irgendeine Verbindung zwischen dem Pakt von Lausanne und den interalliierten Schulden gegenüber Amerika herzustellen, oder sich in eine Frontbildung irgendeiner Art gegen die vereinigten Staaten hineinzwingen zu lassen". An diesem Standpunkte der Reichsregierung hat sich nichts geändert. Das englische Außenministerium erklärt. London, 14. Juli. (WTB.) Zu dem englisch- französischen „Vertrauensabkommen" veröffentlicht Downing st reet heute nachmittag folgende Erklärung: „Im Zusammenhang mit den Berichten, die über die Auslegung der französisch-englischen Erklärung, zu deren Beitritt andere Regierungen eingeladen worden sind, in Umlauf gesetzt wurden, wird betont, daß die Behauptung, diese Erklärung sei auch auf die b r i t i s ch e n S ch u l d en an Amerika anwendbar, jeder Begründung entbehr t. Die Verwendung des Ausdruckes „europäisches Regime" in der Erklärung schließt ausdrücklich jede Frage aus, die nichteuropäische Länder berührt. Der Premierminister hat die Lage autoritativ in seiner Unterhausrede am Dienstagnachmittag dargestellt, als er erklärte: Angesichts der schädlichen Folgen, die sich aus der Auffassung herleiten könnten, daß in Lausanne Europa sich zusammengetan hat, um eine Art Ultimatum an die Vereinigten Staaten zu unterbreiten, will ich es vollkommen klar machen, daß alles, was Lausanne getan hat, dazu diente, die zahlreichen inneren Schwierigkeiten in Europa einzurenken und Vorschlägen zuzustimmen, die die dort vertretenen Nationen für wesentlich und möglich halten. Sir Simon unterstreicht. Genf, 14. Juli. (WTB.) Sir John Simon betonte heute nachmittag gegenüber Vertretern der Weltpresse, daß die englisch-französische Erklärung sich lediglich auf Europa beschränke und nicht in der geringsten Weise auf außereuropäische Fragen, insbesondere auf die Schuldenfrage gegenüber Amerika, Bezug nehme. Der Gedanke, daß es eine Frontbildung gegen Amerika sei, müsse ganz entschieden zurückgewiesen werden. Sie sei gegen keinen dritten Staat gerichtet, sie sei lediglich eine Aufforderung an die europäischen Völker, in der Zukunft Offenheit anstelle der Geheimhaltung in ihren gegenseitigen Beziehungen zu setzen. Das Gentlemen Agreement zwischen den Gläubigermächten Deutschlands, so wiederholte Simon, habe mit dieser Erklärung nicht das geringste zu tun. Diese Vereinbarung sei eine ganz natürliche Abmachung, wie sie auch im Privatleben zwischen Gläubigern üblich sei. Zum Schluß erklärt Sir John Simon, daß in Lausanne keinerlei separate Geheimbesprechungen stattgefunden hätten. Es wäre gut, bei künftigen Schwierigkeiten in Eüropa sich zur Anwendung der Lausanner Methode, die so gute Ergebnisse gezeitigt habe, zu entschließen, statt Geheimbeziehungen einzufädeln, die Dritten schaden könnten. Weitere englische Veröffentlichungen. London, 14. Juli. (WTB.) Es hat hier großes Aufsehen erregt, daß in Paris bereits heute vormittag der gesamte Wortlaut des „Dertrauensabkommens" zwischen Großbritannien, Frankreich, Italien und Belgien über die Kriegsschulden veröffentlicht worden ist. Zu der auf der Lausanner Konferenz erzielten Regelung wurden heute nachmittag hier weitere Dokumente veröffentlicht, und zwar: Erstens: das Protokoll über die Berem» barung vom 2. Juli, zweitens: die Begleitnote, die an Reichskanzler - "'n Papen mit diesem Protokoll gesandt worden ist, drittens: das Antwortschreiben des Reichskanzlers vonPapen vom selben Tage auf diese Rote, viertens: eine Erklärung aus der vierten Plenarsitzung der Lausanner Konferenz vom 8. Juli, auf die in der Antwort des Reichskanzlers von Papen Bezug genommen worden ist, fünftens: Schreiben des Schahkanzlers an die Finanzminister Frankreichs und Italiens über die französischen und italienischen Schulden an das Bereinigte Königreich, sechstens: die Erklärung des Staatssekretärs Simon auf der Schlußvlenarsihung der Lausanner Konferenz vom 9. Juli über die Kriegsschulden der eingeladenen Mächte an das Bereinigte Königreich und schließlich siebentens: die bekannte Erklärung der britischen und der französischen Regierung vom 13. Juli, die die künftige europäische Zusammenarbeit zum Gegenstand hat. Paris sagt: Doch feine entente cordiale Paris, 14. Juli. (WTB.) In parlamentarischen Kreisen Frankreichs zeigt sich heute eine gewisse Neigung, das sogenannte „D e r t r a u e n s" - A b - kommen weniger gefühlsmäßig als realpolitisch zu beurteilen. Die erste Verlautbarung über das Abkommen war vom Gefühl diktiert; denn in der halbamtlichen Meldung befand sich die Erwähnung des Wiederauflebens der entente cordiale, die bei näherer Betrachtung des offiziellen Textes kaum aufrecht erhalten werden kann. Der einzige realistische Punkt, so meint man hier, ist Punkt 4, der sich auf den Abschluß eines neuen englisch - französischen Handelsvertrages bezieht. । hier liegt der Prüfstein für die Beziehungen der | beiden Länder nach dem, was hinsichtlich der Dis- Oer Reichstagswahlkampf. Aufruf der Fuldaer Bischofskonferenz Fulda, 14. Juli. (TTl.) Die Mitglieder der Fuldaer Bischofskonferenz erlassen folgenden Aufruf zur Reichstagswahl: „Die bevorstehenden Wahlen der Abgeordneten zum Deutschen Reichstag sind nicht nur in politischer Hinsicht, sondern auch wegen des Einflusses der gesetzgebenden und Regierungsgewalten auf Förderung und Schutz der religiösen Interessen und Stellung der Kirche im öffentlichen Leben von großer Bedeutung. Das legt allen katholischen Christen die vaterländische Pflicht auf, von ihrem Wahlrechte so Gebrauch zu machen, wie es der Verantwortung des treuen Staatsbürgers und treuen katholischen Christen entspricht. Wählt Abgeordnete, deren Charakter und erprobte Haltung Zeugnis gibt von ihrem E i n - treten für Frieden und sozialeWohl- fahrt des Volkes, für den Schuh der konfessionellen Schule, der christ - lichen Religion und der katholischen Kirche. Hütet euch vor Agitatoren und Par-, teien, die des Vertrauens der katholischen Kirche nicht würdig sind. Schöpft eure Belehrung aus bewährten katholischen Blättern. Das ist die Mahnung eurer Bischöfe, die dem politischen Parteienkämpfe den Eintritt in das Heiligtum der Kirche verwehren, aber an Ereignissen, die für Vaterland und Kirche von so tiefer Bedeutung sind, nicht ohne ein Wort der Mahnung vorübergehen wollen." Abg. Kube über die Stellung der RSDAp. Schneide m ühl, 14. Juli. (CNB.) In einer nationalsozialistischen Wahlkundgebung polemisierte der Gauleiter und Führer der Landtagsfraktion der NSDAP., Wilhelm Kube, sehr scharf gegen das Zentrum und die SPD. Er betonte, daß heute der Wahlkampf nicht um das Kabinett Papen gehe, sondern um die Abrechnung mit der Politik Brünings im Reiche und der Politik Brauns in Preußen. Das erste Gesetz, das nach der Reichstagswahl geschaffen werde, heiße: Beamte dürfen nicht mehr dem Marxismus angehören. Zwischen SPD. und NSDAP, werde auf legalem Wege eine Auseinandersetzung kommen mit der natürlichen Folge, daß für die SPD. im Dritten kein Platz mehr sei. Die Rechtsprechung müsse unantastbar von jeder politischen Beeinflussung sein. Eine Koalitrons- politik mit dem Zentrum einzugehen, weigere sich die NSDAP, hartnäckig. Zu der Amnestteftaae in Preußen erklärte Kube, daß der Einspruch des Preußischen Staatsrates keine Wirkung haben werde, schon deshalb, weil der Staats rat aus Sparsamkeitsgründen aufge- l ö ft werde. Weiterhin nahm der Redner Stellung zur Reichspolitik und erklärte, daß die NSDAP, die Außenpolitik von Lausanne ablehne. Mit dem Reichswehrminister v. Schleicher erklärte sich Kube vollständig einverstanden, da defsen Politik, Stärkung des deutschen Wehrwillens, in vollem Einklang mit den Forderungen der Nationalsozialisten stehe. Zu der Frage „Reich und Länder" äußerte sich Kube dahin, daß er der Meinung sei, die Länder müßten gewisse Rechte wahren. Er verwahrte sich aber aufs schärfste gegen Partikular! sierungsbe- ftrebungen. Zum Schluß erklärte der Redner, daß eine Koalitionsregierung nach den Reichstagswahlen unmöglich fein werde. Propagandaflug Hitlers durch Deutschland. München, 14. Juli. (ERB.) Wie der „Völ- kische Beobachter" ankündigt, wird Adolf Hitler morgen im Flugzeug eine Reise durch ganz Deutschland antreten. Er wird in den beiden kommenden Wochen mehr als 50 mal in Wahlvers arnrnlungen sprechen. Sozialdemokratischer Protest gegen die Reichsregierung. Berlin, 14. Juli. (TU.) Otto -Leis und Rudolf Breitscheid sandten heute morgen nachstehendes Telegramm an den Reichspräsidenten o. Hindenburg nach Neudeck: „Die Unterzeichneten, Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, und Vorsitzender der bisherigen sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, erheben schärfsten Protest gegen d i e Politik der Neichsregierung, die innerhalb von sechs Wochen nicht zuletzt durch ihre Aufhebung des SA.- Verbotes und die Freigabe ihrer Uniform bürgerkriegähnliche Zustände in ganz Deutschland ausgelöst hat.' Die täglich wachsende Zahl von Toten und Schwerverletzten stellt die furchtbarste Anklage gegen eine Politik dar, die bestimmt wird durch offenkundige Begünstigungen gegenüber der verfassungsfeindlichen NSDAP. Die sechswöchige Bilanz des neuen Kurses ist gekennzeichnet durch eine Herabsetzung der Existenzberechtigung der Millionen unter die Hungergrenze, durch eine Verwilderung der politischen Sitten, die vor dem Leben der eigenen Volksgenossen und vor der Ehre wehrloser Frauen nicht Halt macht, durch eine Erschütterung der Reichseinheit und jeder Staatsautorität, wie sie selbst in den schlimmsten Nachkriegsjahren nicht in Erscheinung getreten ist. Das sind die Folgen einer fortgesetzten Begünstigung verfassungsfeindlicher Kräfte, während die Bemühungen verfassungstreuer Länderregierungen, Ordnung und Ruhe aufrechtzuerhalten, durch Maßnahmen der Reichsregierung durchkreuzt werden. Die Fortsetzung des bisherigen Kurses beschwört unabsehbare Gefahren für Reich und Volk herauf. Wir ermahnen vor aller Welt in letzter Stunde zu grundsätzlicher Umkehr." krimination auf beiden Seiten in den letzten Monaten sich ereignet hat. Es handele sich bei dem englisch-französiichen Abkommen also weder um eine entente cordiale, noch um etwas ähnliches, sondern um einen Akt, um Verhandlungen mit den Regierungen über ihren Friedenswillen anzubahnen und den Wunsch zum Ausdruck zu bringen, durch gemeinsame Verständigung eine Grundlage für eine europäische Zusammenarbeit zu finden, ähnlich der, die in dem bekannten Manifest des verstorbenen Außenministers B r i a n d zur Bildung der Europa-Union enthalten war. Italien tritt bei. London, 14. Juli. (WTB.) Der italienische Geschäftsträger in London hat dem Foreign Office mitgctcilt, daß seine Regierung sich in voller Liebereinstimmung mit den in der Erklärung vorn 13. Juli dargelegten Gedanken europäischer Zusammenarbeit befindet und sehr gern ihren Beitritt zu der darin vorgeschlagenen Art der Behandlung europäischer Probleme vollzieht. Linter der LIeberschrist „Ein nützlicher Vorschlag" begrüßt „Giornale d'Jtalia" mit großer Befriedigung die englische Initiative für ein Konsultativabkommen unter den europäischen Staaten. Das Blatt hebt besonders den Passus des amtlichen Reuter-Kommentars hervor, in dem, wenn auch nur als Beispiel, die Revision des Versailler Vertrages angeführt ist. „Tribuna" spricht den Wunsch aus, daß auch Deutschland dem Abkommen zu- stimme, nachdem die deutsche Delegation mit ähnlichen Vorschlägen nach Lausanne gekommen sei, um sich jene Gleichheit der Prüfung und Beratung in den Hauptfragen zu sichern, die es voll und ganz erreichen wolle. Das Blatt weist auf die Gegensätze in der englischen und der französischen Auslegung hin, die sehr ernst zu nehmen seien. Deutschland zum Beitritt ausgeforderi. Berlin, 14. Juli. (TU.) Der Text des am gestrigen Mittwoch im Unterhaus bekanntgegebenen englisch-französischen Abkommens ist dem deutschen Geschäftsträger in London übermittelt worden mit der Ditte der englischen Regierung, dem Abkommen beizutreten. Ruhige Beurteilung in Amerika. Washington, 14. Juli. (WTB.) Das Staatsdepartement sieht das Abkommen zwischen England und Frankreich, gegen das die Hearst-Zeitungen von allen Hauptstädten aus als eine neue entente cordiale scharf agitieren und das sie a'd Versuch verurtei'en, Amerika zur Streichung der Kriegsschulden zu zwingeir, bei weitem nicht als das finstere Komplott an, als das es von gewissen „Die- Hards" hier und anderswo Eingestellt werde. Amerika habe Europa seit Jahren ermahnt, sich zu einigen und seine politischen Prpbleme zu bereinigen. Es wäre demnach sowohl inkonsequent, als auch töricht, wenn man diesen endlich erfolgten Schritt zur Beseitigung von Mißtrauen und Zwietracht kritisiere. Die (Einigung mit Deutschland und die (Einigung zwischen England und Frankreich seien gewaltige und bewundernswerte Leistungen, die nicht eine feindliche Einheitsfront gegen Amerika zu bedeuten brauchten. Im Gegenteil, die Verständigung zwischen Frankreich und England helfe auch Amerika, indem sie wahrscheinlich Frankreichs Wunsch nach Sicherheit größtenteils befriedige und zu Zugeständnissen in der Rüstungsfrage geneigter mache. HrantteichsSchulden an England Paris, 14. Juli. (WTB.) Das französische Außenministerium veröffentlicht den Text des Briefes, den der englische Finanzminister Chamberlain an den französischen Finanzminister Germain-Martin bezüglich der französischen Schulden gerichtet hat: „Englische Delegation auf der Lausanner Konferenz 8. Juli 1932. Die englische Regierung wäre sehr glücklich gewesen, wenn es möglich gewesen wäre, die Kriegsschulden Frankreichs in einem Gesamtplan der allgemeinen Annullierung der Schulden und Reparationen zu streichen. Die englische Regierung bedauert, unter den gegenwärtigen Am ständen keine definitive Maßnahme zur Abänderung des englisch-französischen Abkommens über die Kriegsschulden ergreifen zu tonnen. Sie ist jedoch damit einverstanden, daß die durch die Erklärung der Mächte vom 16. Juni vorgesehene Zahlungsaussetzung sich auch auf die Annuitäten des französisch-englischen Schuldenabkommens und auf die Bestimmungen des Anhangs 1 zum Haager Abkommen rom 31. August 1929 erstreckt oder bis entschieden fein wird, daß dieses Abkommen nicht ratifiziert wird. Im Falle einer Richtratifi- z i e r u n g des Lausanner Abkommens wird die legale Stellung aller interessierten Regierungen untereinander wieder dieselbe werden, wie sie nach den Bestimmungen des Haager Abkommens vom 20. Januar 1930 und nach dem englisch-französischen S ch u l de n a b komme n bestand. In diesem Falle hatten die englische und die französische Regierung gemeinsam die dadurch de facto geschaffene Lage zu prüfen." Oie Regierungsplane in Mecklenburg. Oie Erklärung des nationalsozialistischen Kabinetts vor dem Landtag. Schwerin, 14. Juli. (WTB.) In der Heuligen Dormittagsfitzung des Mecklenburg ° schwerinschen Landtags gab der Ministerpräsident die Regierungserklärung des gestern gewählten Kabinetts bekannt. Er befaßte sich zunächst mit landwirtschaftlichen Fragen und erklärte, mit allen Mitteln werde das Staatsministerium dafür sorgen, daß durch eine a n d e r e als die bisherige, als verfehlt 3u betrachtende Lohn- und Siedlungs- Methode der mecklenburgische Landarbeiter nicht hheimatlos und brotlos gemacht werde. Der Boden dürfe nach Auffassung der neuen Regierung nicht zum Schacherobjekt werden. Härten der neuen Grundsteuerregelung werde man beseitigen und eine gerechte Besteuerung des kleinen und Mittelbesitzes durchführen. Die Regierung werde jedoch viele gerechte Forderungen zurück st eilen müssen, weil das Geld für ihre Erfüllung nicht vorhanden sei. Sie werde nach der Devise arbeiten: keine Ausgaben ohne Deckung. Der Ministerpräsident kündigte auch durchgreifende innerpolitische Maßnahmen an. Die Einkünfte der oberen Beamten werde man herabsetzen. Insbesondere werde die neue Staat-Regierung sich für die Einrichtung der Arbeitsdien st pflicht einseüen. Schutzvestimmungen gegen die Zwangs- vollstreckungen bei Landwirten seien in Aussicht genommen. Ferner werde die Regierung es als eine ihrer vordringlichsten Aufgaben ansehen, eine Altersversicherung für den gewerblichen Mittelstand zu schaffen. Die Beamtenrechte werde man nicht antasten. Das Staatsministerium sei der Auffassung, daß der Beamte in erster Linie Diener des Staates zu sein habe, und dies fordere von ihm eine deutsche Gesinnung. Die Machtmittel des Staates würden rücksichtslos gegen jeden Ruhestörer eingesetzt werden. Es werde auch mit aller Schärfe gegen diejenigen oorgegangen, die in Wort und Schrift den innerpolitischen Kampf im deutschen Volke vergiften. Die Ausführungen des Ministerpräsidenten wurden von den Nationalsozialisten wiederholt durch Beifallskundgebungen unterbochen. Oer Arbeitsdienst. 100 Jahre Bayrische Staatsbibliothek. •< MtzM Erweiterung des Kreises der Arbeiisdienstwittigen. Blick auf die Front der Münchener Staatsbibliothek, die auf Anregung König Ludwig I. vor hundert' Jahren erbaut wurde. Die Bibliothek birgt heute rund 1% Millionen Bände, ihre Sammlung von Handschriften und Frühdrucken umfaßt unvergleichliche Schätze. Kommt ein neuer Sklarek-Prozeß? Llm die Verhandlungsfähigkeit des Hauptschuldigen. — Teilhaber einer Filmgesellschaft? Berlin, 14. Juli. (ERB.) An der in der gestrigen Kabinettssitzung verabschiedeten Berord- nung über den Freiwilligen Arbeits- Di e n st wird in politischen Kreisen als wesentlich hervorgehoben, daß sie gegenüber den bisherigen Bestimmungen über den Freiwilligen Arbeitsdienst den Kreis der Arbeitsdien st- willigen in der Form erweitert, daß nicht nur — wie bisher — Llnterstühungsempfän- ger, sondern alle interessierten ju- gendlichen Arbeitsdien st wiligen daran beteiligt werden können. Außerdem werden nicht nur gemeinnützige Organisationen und Körperschaften an dem Freiwilligen Arbeitsdienst beteiligt, sondern auch alleOrganisa- t i o n e n, die Gruppen von Arbeitsdienstwilligen umfassen. Dazu gehören auch politische Parteien und Berbände. Voraussetzung für die Beteiligung ist aber in allen Fällen, daß die in Aussicht genommenen Arbeiten gemeinnütziger Aatur sind. Wenn man zu- grundeleot, daß im Rahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes pro Mann und Tag 2 Mark Kosten entstehen, so würden für die restlichen 250 Tage des Etatsjahres 10 0 0 0 0 Mann mit ins - Oer „Angriff" verboten., Berlin, 14. Juli. (WTB.) Der Polizeipräsident hat den „Angriff" bis zum 2 3. Juli einschließlich verboten. Anlaß zu diesem Verbot gaben die Rummern 139, 140, 141, 142, 143 und 144 des „Angriff". In diesen Zeitungsnummern wurde, wie zur Begründung des Verbotes mitgeteilt wird, sowohl die Polizei im allgemeinen, die Berliner Polizei im besonderen, der Minister des Innern, der Polizeipräsident von Berlin und der Polizeipräsident von Frankfurt a. M. beschimpft und böswillig verächtlich gemacht. Ferner hat der „Angriff" in seiner Rümmer 144 die katholische Kirche gröblich beschimpft. Oie gesamte sozialdemokratische presse in Anhalt verboten. Dessau, 14. Juli. (WTB.) Mit dem gestrigen Verbot der Bernburger „Volksmacht" hat das Staatsministerium auch das Verbot der Kopfblätter der genannten Zeitung in Köthen und Zerbst verbunden. Damit darf jetzt in Anhalt keineeinzigesozialdemokratischeZei- t u n g erscheinen. Oie Berliner Universität weiter bis 16. Juli geschlossen. Berlin, 14. Juli. (WTB.) Von maßgebender Stelle der Universität wird mitgeteilt: Rektor und gesamt 50 Millionen Mark beschäftigt werden können. Da aber Hoffnung besteht, diese Summe zu steigern, ist zu erwarten, daß auch die Zahl der Arbeitsdienstwilligen noch erhöht werden kann. Es steht nunmehr fest, daß der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung, Dr. S y - r u p , zum Reichskommissar für den Arbeitsdienst ernannt wird. Der Aufbau der Organisation gliedert sich weiter über die Präsidenten der Landesarbeitsämter. Sobald zu Anfang der nächsten Woche auch die Ausführungsbestimmungen des Reichsarbeitsministers erschienen sind, wird der neue Reichskommissar die Präsidenten der Landesarbeitsämter zusammenberufen, um mit ihnen die Verwirklichung des Arbeitsdienstes zu besprechen, damit noch in diesem Monat praktisch an sie herangegangen werden kann. Diese Art des verwaltungsmäßigen Aufbaues ist auch mit Rücksicht auf die notwendige Sparsamkeit gewählt worden, da sowohl Präsident S y r u p , als auch die Präsidenten ' der Landesarbeitsämter die neuen Funktionen vollkommen ehrenamtlich ausüben werden. Senat sind der Ueberzeugung, daß die noch bestehende (Erregung einen geordneten Unterrichtsbetrieb in dem Universitäts-Hauptgebäude nicht zuläßt und haben die weitere Schließung des Universitäts-Hauptgebäudes bis Samstag, 16. Juli, einschließlich beschlossen. Aus aller Well. Glückwünsche des Reichspräsidenten an Ludwig Fulda. Reichspräsident v. H i n d e n b u r g hat dem Dichter Ludwig Fulda anläßlich seines 70. Geburtstages seine Glückwünsche übermittelt und ihm die Goethe-Medaille für Wissenschaft und Kunst verliehen. Indienststellung eines neuen Arkillerieschulbooles in Wilhelmshaven. Auf der Marinewerft in Wilhelmshaven wurde gestern das Artillerieschulboot „Bremse" unter dem Kommando des Korvettenkapitäns Fänger in Dienst gestellt. Der Bau des neuen Artillerieschul- bootes wurde 1929 als Ersatz für das Artillerieschulboot „Frache" bewilligt. „Bremse" ist am 24. Januar 1931 vom Stapel gelaufen und wird in Kiel stationiert werden. „Für Verdienste um die Volksgesundheit". Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- um die Volksgesundheit in Silber verliehen dem Geh. Reg.°Rat Professor Dr. G. Du i s berg in Die im Sklarek-Prozeß verurteilten Angeklagten haben ihre Anträge auf Revision beim Reichsgericht zurückgezogen, so daß die Urteile rechtskräftig geworden sind. Die Akten über den Sklarek-Prozeß können geschlossen werden. Es ist aber noch keineswegs sicher, ob nicht ein neuer Sklarek-Prozeß notwendig werden wird. Zunächst schwebt noch immer das Verfahren gegen den Hauptschuldigen der Affäre, gegen Max S kläret, den die verurteilten Brüder als den „Napoleon" ihres Geschäfts bezeichneten, auf den sie alle Schuld zu schieben versuchten, wohl in der Hoffnung, daß die Krankheit Max Sklareks ein Verfahren gegen ihn ausschließen wird. Tatsächlich hat der Verteidiger Max Sklareks jetzt beim Gericht den Antrag gestellt, das Verfahren gegen M a x e i n z u st e l l e n, und zwar wegen „dauernder Verhandlungsunfähig- k eit". Dem Antrag sind Gutachten von Aerzten beigegeben, in denen die voraussichtlich dauernde Ver- bandlungsunfähigkeit des beschuldigten Max Sklarek bestätigt wird. Pon der Staatsanwaltschaft liegt noch keine Stellungnahme vor. Weder hat sie sich dem Antrag der Verteidigung angeschlossen, noch bisher widersprochen. Es heißt aber, daß bei der Staatsanwaltschaft ein ärztliches Gutachten vorliegt, wonach Max Sklarek wenigstens zeitweise als oerhandlungsfähig zu betrachten fei. Ein Berliner Blatt bringt eine Mitteilung über die Person Max Sklareks, die sowohl in bezug auf seinen Gesundheitszustand, als auf seine Ver- Leverkusen, die Staatsmedaille „Für Verdienste um die Volksgesundheit" in Bronce: der Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Mutterhäuser vom Roten Kreuz, Frau Generaloberin Elisabeth T o m i t i u s , Berlin, dem Leitenden Arzt des Dinzenzheims in Aachen, Dr. med. Karl Gründgens in Aachen-Siegel, und dem Professor Dr. H. H ö r l e i n in Wuppertal-Elberfeld. ©riffln und Mattern in Tempelhof gelandet. Die amerikanischen Ozeanflieger Bennett G riffln und Jimmy Mattern, deren Weltflug bei Minsk durch Notlandung jäh unterbrochen wurde, sind gestern um 17.30 Uhr auf dem Tempelhofer Flugplak mit dem flugplanmäßigen Flugzeug der Lufthansa gelandet. mögenslage wertvolle Fingerzeige geben kann. Die Sklareks stehen bekanntlich im Verdacht, Vermögenswerte heimlich beiseitegeschafft zu haben. Dem Blatt liegt ein Lichtbild von der Konferenz einer Filmgesellschaft vor. Auf diesem Lichtbild sieht man inmitten von allen möglichen Ausländern einen kleinen, wohlbeleibten, kahlköpfigen Herrn. Am Rande des Lichtbildes sind die Namen der Konferenzteilnehmer aufgVzählt. Es erscheint auch der Name M. Sklarek. Das Blatt meint, daß, wenn Max Sklarek bei der Filmgesellschaft ein neues Tätigkeitsfeld gefunden hat, das Rätsel um die verschwundenen S k l a r e k - M i l l i o n e n gelöst sein dürfte, auch scheine sich, nach dem Lichtbild zu urteilen, M. Sklarek der b e st e n Gesund- h e i t zu erfreuen. Das Lichtbild wurde zur weiteren Prüfung der Staatsanwaltschaft zugeleitet. Eine weitere Möglichkeit der Aufrollung des Sklarek-Pro« zesfes eröffnet sich aus der Feststellung des Richters, daß verschiedene angeklagte Beamte wegen Untreüe hätten verurteilt werden müssen, wenn sie wegen dieses Deliktes angeklagt worden wären. Die Staatsanwaltschaft hat natürlich das Recht, das Versäumte nachzuholen. Auch gegen die Personen, die während der Hauptverhandlung in den Verdacht der Beteiligung oder Begünstigung geraten sind, namentlich gegen die Zeugen, die wegen Verdachts der Mittäter- schäft unvereidigt geblieben sind, kann noch ein Verfahren eröffnet werden. . 50 000 Mark gezogen. In der geftrigen Vormittagsziehung der Preußisch- Süddeutschen Klassenlotterie wurden auf die Nummer 279 354 ein Gewinn von 50 000 Mark gezogen. Das Los wird in der ersten Abteilung in Diertellosen in Württemberg und in der zweiten Abteilung in Achtellosen in Bayern gespielt. Französisches Militärflugzeug abgeskürzl. — 2 Tote, Ein französisches Militärflugzeug, das sich auf der Rückkehr von einer Europareise befand und von den französischen Militärfliegern Oberst Guillerniney und Hauptmann Gosselin gesteuert wurde, stürzte am Mittwoch in bet Rähe von St. Etienne ab und ging voUkommen in Trümmern. Die beiden Insassen waren auf der Stelle tot. Hochzeitmachen wie noch nie. Heiraten muß heute billig sein! Tiefgründige Artikel ließen sich darüber schreiben: „Die Bevölkerungsbewegung in der Weltkrise" „Arbeitslosigkeit und Heiratslust" — ach es gibt da so viele Themen, und immer wird man Dazu etwas nicht gerade Angenehmes sagen müssen. Aber lassen wir diese interessanten Beiträge den Politikern und Wirtschaftlern. Wir wollen uns mit dem beschäftigen, was sich ohne Zahlenmaterial, ohne langatmige Aufstellungen und ohne beweiskräftige Tabellen täglich beobachten läßt. Don Hochzeitmachen ist gern und viel erzählt worden: auch für die Dichter Ist dieser wichtige Vorgang im Leben des Menschen ein großer Anreiz geworden^ „H o ch z e i t m a ch e n , das ist wunderscho n", verkündete der Schlager um die Iahrhundertwende schon, und dabei ist diese be- achtliche Tatsache doch sicher auch für die damalige Zeit keine überaus große Ueberraschung mehr gewesen. Wohl aber war dies Hochzeitmachen bis um die Zeit des Beginns des Weltkrieges eine ganz große Angelegenheit, die entsprechend gefeiert werden mußte. Auch wer sonst knapp mit seinen Mitteln war, konnte sich dabei doch „nicht lumpen lassen". Cs wurde gefeiert mit vielem Drum und Dran, nicht nur das Hochzeitspaar und die beiderseitigen Schwiegereltern waren mit Begeisterung bei der Sache, sondern auch die möglichst zahlreichen Gäste machten mit großer Freude mit. Dom Polterabend über das Hochzeitsfest bis zur Rachfeier waren immerhin drei Tage, die ausgenutzt werden mußten, wenn auch in der Stadt für das Dor- und Rachspiel nur einige Abendstunden reserviert blieben. Auf dem flachen Lande allerdinds erhielt sich noch lange der Brauch der besonders ausgiebigen Feier: drei volle Tage mit unbändigen Eh- und Trinkgelagen, die sich gelegentlich sogar zu richtigen Uebertreibungen auswuchsen, waren durchaus keine vereinzelten Erscheinungen. Der Krieg brachte da eine grundlegende Aende- rung Es wurde zunächst zwar zahlenmäßig mehr geheirawt als je, die Kriegstrauung war an der Tagesordnung. Die besonderen Bedingungen jener Zeit bestimmten dabei die Art der Festlichkeit. Es war kaum Zeit zum Feiern, weil der junge Ehemann möglichst schnell wieder zu seinem Truppenteil mußte: später wurden die Lebensmittel knapp, sehr knapp, so daß man nicht große Bewirtungen durchführen konnte. Aehnlich blieben die Verhältnisse auch in der Rachkriegszeit, etwa bis in die stärkste Inflation hinein. Die heiratslustigen jungen Leute nahmen lieber ihr Geld für die Anschaffung der Möbel, die ja alle Tage teurer wurden: wenn man auch keine Wohnung bekam, so hatte man sich doch wenigstens Sachwerte geschaffen, die auf Speichern, in Kellern und auf Böden frerumftanben, bis einmal das eigene Heim geschaffen werden konnte. Die Feierlichkeit des Hochzeitstages verlief zwar nicht gerade trocken, denn an sich war ja gerade die Inflationszeit eine sehr trinklustige Zeit. Weil niemand Freude an dem flüchtigen Geldbesitz hatte, wurden die Riesenscheine leicht in alkoholhaltigen Getränken angelegt. Das war die große Zeit der Likörstuben: jeder unter uns erinnert sich noch daran. Mit der Rückkehr zu geordneten Geldverhältnissen nahm die Zahl der Eheschließungen, die bis dahin recht zurückgegangen war, wieder zu: es kam auch eine an Vorkriegszeiten gemahnende 2Irt der Festlichkeiten wieder auf. Die jungen Hochzeitspaare legten erneut Wert darauf, ihren Freudentag im Kreise der Verwandten und der lieben Freunde zu begehen. Immerhin fiel das Pomphafte an diesen Feierlichkeiten doch nach und nach weg: es wurde nicht mehr so tragisch genommen, „was dieLeutesagenwürde n", wenn auf allerlei Schmuck verzichtet wurde der in Vorkriegszeiten selbstverständlich, ja. geradezu unentbehrlich erschien. Heute ist auch diese na- türliche Einschränkung noch zuviel. Die Krisenhochzeiten sind bescheiden geworden, große Feten sind nicht mehr sonderlich beliebt. Dies unromantische Zeitalter ist bewußt schlicht und „denkt praktisch". Insbesondere in der Großstadt kommt man mehr und mehr von alle- dem ab, was einstmals sehr wichtig war. Der Bräutigam im Frack? Du lieber Gott, wann trägt man schon wieder mal dies unbeliebte Kleidungsstück I Das lohnt sich doch gar nicht, nur für den Hochzeitstag einen Frack bauen lassen. Ein dunkler Anzug tut es auch: der ist praktisch den kann man immer wieder anziehen. Auch die Braut will von dem Hochzeitskleid nach Art der Großmütter und Mütter nichts wissen. Das ist kein Prunkstück mehr, das man nach dem Hochzeitstage für beinahe ewige Zeiten in den Schrank legt, höchstens einmal in späteren Iahren wieder bewundert, wenn man darauf stößt. Rein, das Kleid muß so geschneidert sein, daß ein paar kleine Aenderungen genügen, es auch für andere Gelegenheiten anzuziehen. Bloß keinen übermäßigen Prunk: das Kleid kann auch so sehr hübsch aussehen. Zum Standesamt fährt man unter Umständen mit der Straßenbahn, die beiden Trauzeugen nehmen das durchaus nicht übel. Dieser staatliche Akt der Eheschließung verläuft doch bei aller Würde ohnehin in nüchternen Formen. Die gute, alte Hochzeitskutsche wird immer seltener, wenn es hoch kommt genügt eine Autodroschke. Was sich früher die Leute an Ausschmückung der Kirche leisteten, wird heute oft sehr erbarmungslos gestrichen. MitRecht sagen sich die Hochzeitsleute, daß eine Kirche immer würdig und festlich wirkt: es kommt nicht darauf an, auch noch an dem an sich schätzenswerten Blumenschmuck, dem Teppich vor der Kirchentür, dem Baldachin gebieterisch festzuhalten. Auch die Hochzeitsfeier am Rachmit- t a g wird, wenn sie überhaupt noch zur Durchführung kommt, in bewußt schlichten Formen veranstaltet. Viele junge Paare ziehen es ohnehin vor. nur ihren Trauzeugen, dem engsten Der- wandtenkreise, ein Frühstück zu geben; damit ist Schluß. Schleunigst geht es danach zur Dahn oder zum Auto und dann fährt man — wenn die Verhältnisse es einigermaßen erlauben — für einige Zeit in eine neue Umgebung, um dort die Flitterwochen zu verleben. Wer jedoch unter den Hochzeitern an der alten Feier festhält, der denkt bestimmt nicht mehr daran, eine übergroße Gesellschaft im eigenen Haufe ober in einer anderen geeigneten Stätte auszurichten. Auch hier geht das sehr gut mit einfacheren Mitteln. Der gute Happen und der gute Trunk, alles schlicht natürlich, wird atoar meist nicht ganz gestrichen. Aber die üppigen Gastereien sind den Krisenzeiten zum Opfer gefallen. Auch so mancherlei Zubehör bleibt un- genu^t, die uralte „Hochzeitszeitung" von emst bleibt ungedichtet und unvervielfältigt: und im Zeitalter der Schallplatte und des Rundfunks braucht man um die Hausmusik nicht besorgt zu Die Sparsamkeit dieser Zeit der Rotverordmrn- gen ist soweit gegangen, baß auch der alte, gute Polterabend fast verschwunden ist. Porzellan, zu zerschlagen — daran denkt niemand mehr; in der Ehe wird von diesem brüchigen Material schon von allein genug den Weg alles Irdischen geben. Mit der Aussteuer beschäftigt sich die angehende Braut nicht mehr sonderlich. Es wird zusammen- gekauft, was man unbedingt braucht: kein überflüssiges Stück und schon gar nicht mehr diese Stöße von Leinen und anderen köstlichen Wäschedingen, die unsere Großmütter einfach haben mußten. Die Braut von heute denkt praktisch, sicher auch deswegen. weil das Geld knapp ist. „Wäsche nur zum Hinlegen, zum Ansehen" — nein, davon will man nichts mehr wissen. Geblieben ist auch heute der Trauring, den will kein junges Ehepaar missen. Und diese Ringe, die sozusagen nur paarweise auf die Welt kommen, werben auch heute noch gut gekauft, bafür muh eben Gelb vorhanden sein und ist es auch. Hochzeitmachen ist einfacher geworden, aber deswegen keineswegs unbeliebter. Geheiratet wird auch während der Krisenzeiten, und das ist gut so. Wenn die Leute schon kein Geld haben, dann zeigen sie wenigstens Mut! -sn-. Oie Mühe. Schorbusch ist in der Sommerfrische. Schorbusch hat seine Mütze verloren, seine nagelneue graue Reisemühe. „Heute morgen habe ich sie noch gehabt", sagt er. „jeht ist sie weg." Und er sucht in der Garderobe, in den Zimmern, in der Frühstücksstube von Schannemann. Auch im Kurhausrestaurant ist sie nicht. Aber der Kellner gibt ihm den Spazcerstock. den er stehen gelassen hat. Im Strandbad findet er den Feldstecher, den er dort vergessen hat, und im Wartezimmer des Arztes seinen Regenmantel. Aber die Mütze ist nicht da. „Da bleibt also nur eine Möglichkeit", schüttelt Schorbusch den Kopf, „die Antoniuskapelle." Und er geht in die Antoniuskapelle, die richt es mit einem grundsätzlichen Impfgegner zu tun habe. Der Angeklagte verließ aber in der Verhandlung seinen Standpunkt und bat nur um eine mildere Strafe, da er aus Unkenntnis gehandelt habe. Tatsache war, daß fein einziges Kind infolge von Krankheit nicht impsfähig gewesen ist. Er legte auch ein dahingehendes ärztliches Zeugnis vor. Die Frist für diese Vorlage war aber längst abgelaufen und die Anzeige des Kreisgesundheitsamts daher mit Recht erfolgt. Da ein böser Wille, wie ein solcher zunächst angenommen werden konnte, doch nicht oor- zuliegen schien, wurde die Strafe auf 3 Mark reduziert. Bei dem Angeklagten, einem ehemaligen Ober- gefreiten in der Nachrichtenabteilung des Inf.-Reg. 15, der sich nunmehr in einem Zivilverhältnis in Trier befindet und von dem Erscheinen in der Hauptveryandlung entbunden worden ist, wurde seinerzeit aus militärischen, hier nicht näher interessierenden Gründen eine polizeiliche Haussuchung vorgenommen, die aber im Großen und Ganzen ergebnislos verlief, jedoch bei dieser Gelegenheit in seinem Svind ein Maschinengewehrschloß entdeckt und beschlagnahmt. Das Schloß war nicht mehr brauchbar, es fehlten Federn, Bolzen und dergleichen. Immerhin war es jedoch nach einem eingeholten Sachverständigengutachten noch reparabel. Unter allen Umständen hätte der Angeklagte das Schloß, das fraglos Heeresgut war, als gefundenen Gegen, stand an die Militärbehörde abliefern müssen. Auf- fallend war, daß das Schloß in dem Spind ganz unten lag und offenbar neugierigen Blicken entzogen werden sollte. Der Angeklagte leugnete diese Absicht und erklärte, um das Vorhandensein des Schlosses hätten alle seine Stubengenossen gewußt und es, gleich ihm, gelegentlich als Hammer benutzt. Die Stubengenossen bestritten beides. Bei Spindrevisionen wurde das Schloß auch nicht vorgefunden. Es lag deshalb nahe, daß die Vermutung auftauchte, der Angeklagte habe nur eine günstige Gelegenheit abwarten wollen, um das Schloß, vielleicht gegen einen sehr hohen Liebhaberpreis, an den Mann zu bringen. Der Verdacht fand aber keine weitere Nahrung, und so wurde der Angeklagte, lediglich weil er unter Verletzung seiner Dienstpflicht das gefundene Schloß nicht abgeliefert, sondern für sich behalten und sich angeeignet hat, auf Grund des 8138 des Militärftrafgefetzes in Verbindung mit 8 246 AStGB. zufiebentägigemoer- schärften Arrest verurteilt. Schwere Wasserschäden im vorderen Odenwald. WSN. Darmstadt, 14. Juli. Der bereits am Mittwochabend über Darmstadt und dem vorderen Odenwald einsehende Gewitterregen nahm im Verlauf des Donnerstagmorgen einen wolkenbruchartigen Charakter an. In der Nähe von Reinheim trat der Wembach, sonst ein ziemlich unscheinbares Bächlein, über feine Ufer und überschwemmte Gärten und Fluren. In Reinheim selbst in der Nähe der Kirch- strahe drang das Wasser in die unteren Stockwerke der Häuser und in die Ställe ein. Mit vieler Mühe wurde das Vieh aus den gefährdeten Hofreiten und auch aus dem Gemeinde- faselstall gerettet. Besonders anzuerkennen ist, daß sich die zahlreichen Arbeitslosen sofort in den Dienst der Gesamtheit stellten und den bedrohten Bewohnern bet der Rettung und Sicherung ihrer Habe halfen. — Auch in den vorderen Odenwalddörfern führten die niedergehenden Waffermassen vielfach zu schweren Schädigungen. Das bereits durch den am Vortage niedergegangenen, mit Hagel vermischten Gewitterregen plattgedrückte Getreide wurde wiederum zu Boden geschlagen. Die Ernteaussichten sind dadurch außerordentlich verschlechtert. Einem grauenvollen Tode entgangen. WSN. Hof he im (Taunus), 14. Juli. Dieser Tage wurden zwei Arbeiter in einer hiesigen großen Lederfabrik im letzten Augenblick vor dem sicheren Tode gerettet. Sie waren bei der Arbeit in einen großen L o h e tr i ch t« r g e st Ü r z t und konnten sich aus der Masse mcht mehr befreien Sie näherten sich immer mehr dem Zerkleinerungsmesser der Maschine. Ihre Hilferufe verhallten im De- löse der Maschine ungehort. Plötzlich verkun- dete die Sirene den Schlutz der Arbeitszeit worauf die Maschine abgestellt wurde und die Arbeiter aus ihrer Todesangst befreit werden konnten. Weshalb der Zar nicht gerettet wurde. England versagte sich. — Eine Kerenski-Erinnerung zum Todestage des Zaren. Don Alexander Kerenski. In dem dieser Tage in London veröffentlichten Tagebuch der Tochter Sir George Buchanans^ des damaligen englischen Botschafters in Petersburg, wird dieser a l s Beschützer des Zaren dargestellt. Aus den nachstehenden Ausführungen des ehemaligen russischen Diktators geht nun g e - rabe im Gegenteil hervor, daß, wäh- renb der deutsche Kaiser bekanntlich bereit war dem feindlichen Herrscher Gastfreund- fchaft zu gewähren, der englische Verbündete den Zaren, dem er das Leben retten konnte, im Stich ließ. Am 7. März 1917 hatte ich im Moskauer Arbeiter- rat erklärt, daß die provisorische Regierung die Ver- antwortung für die persönliche Sicherheit des Zaren und seiner Familie auf sich genommen hätte. „Diese Verpflichtung" erklärte ich, „werden wir bis zu Ende erfüllen. Der Zar wird mit feiner Familie nach England ausgewiesen. Ich selbst will ihn bis Murmansk begleiten. Es liegt mir nicht, die Rolle eines russischen Marat zu spielen." So sprach ich am Tage. Arn selben Abend trat der Moskauer Rat in telephonische Verbindung mit dem Arbeiterrat in Petersburg, wo die Nachricht von der Abgabe meiner Erklärung größte Erregung her- vorrief. Der Petersburger Rat beschloß sofort eine sogenannte Kampfabteilung zu bilden, mit einem Mitglied der sozial-revolutionären Partei, einem gewissen Ma Hlowski-Mstislawski an der Spitze, einem Mann, der zur Zeit bei den Bolschewisten tätig ist und in Moskau eine besonders niederträchtige Rolle spielt. Diese Kampfabteilung begab sich in Panzerwagen nach Zarskoje Selo wo sie in der Nacht zum 8. März ankam. Die Abteilung drang in das Schloß ein. Maßlowski stand im Riesenkorridor, der zu den Schlafzimmern der Zarenfamilie führte. Der Zar wurde geweckt und kam heraus. Der Zar und Maßlowski standen sich mehrere endlose Sekunden schweigend gegenüber. Schweigend standen auch die bewaffneten Soldaten und Arbeiter^ die Maßlowski begleitet hatten. Nichts stand im Wege, den Zaren zu verhaften und ihn unterwegs zu er- morden. Plötzlich drehte sich Maßlowski um und kommandierte: „A b t r e t e n, links herum, marsch!" Für die richtige Darstellung dieser Szene bürgen mir die Aussagen der beiden diensttuenden Kammer- Herren des Zaren, Graf Benck.ndorff und Fürst Dolgoruki. Nach dieser Episode wurde die ganze lieber- wachung der Zarenfamilie mir persönlich an- vertraut. Die Empörung, die meine Erklärung im Moskauer Arbeiterrat in Petersburg hervor- gerufen hatte, schien für die Mitglieder des Rats selbst eine Ueberraschung zu fein. Die Sowjetregie- rung hat jetzt das Protokoll der ersten Sitzung Der provisorischen Regierung veröffentlicht. Aus biefem Protokoll geht hervor, daß auch die Vertreter des Arbeiterrats sich für die Ausweisung des Zaren ins Ausland ausgesprochen hatten, sowohl aus politischen Erwägungen heraus wie auch um das Leben des Zaren zu schützen. Paul Miljukow, der bekannte Führer der Kadettcnparlei, hatte sich bereits vor der Sitzung des ausdrücklichen Einverständnisses des Arbeiter- und Soldatenrats für die Maßnahmen des Abtransports des Zaren versichert. Im Mai trat dann der Außenminister der vrovisorilchen Regierung.M. Tercstschenko an die englische Regierung offiziell mit der Bitte heran, dem Zaren die Einreise nach England zu gestatten. Der Außenminister regte an, daß ein britischer Panzerkreuzer in Murmansk erscheinen sollte, um den Zaren gbzuholen. Im Iu'i traf jedoch eine offizielle A v l e h n u n g unseres Vorschlages von der englischen Regie- rung ein. Diese Ablehnung trug die Form einer Verbalnote. Sir George Buchanan -erschien äußerst erregt beim Außenminister Tercstschenko und las ihm eine Erklärung eines der leitenden Männer des englischen Auswärtigen Amts vor. In dieser Erklärung hieß es, daß angesichts der augenblicklichen Einstellung der englischen öffentlichen Meinung gegenüber dem Zaren und der Zarin es die englische Regierung nicht für möglich hielte, dem König von England den Rat zu geben, der Zarenfamilie ein Afyl bis zum Ende des Krieges zu gewähren. Nach Erhalt der englischen Absage beabsichtigten wir zunächst, den Zaren in der Krim unterzubringen. Es war aber sehr schwer, die Zarenfamilie dahin abzutransportieren, zumal die Stimmung in der Schwarzmcer-Flotte nach dem Abgang des Admirals Koltschak zu starkem Scbenten Anlaß gab. So entschlossen wir uns, ben Zaren in ber gefahr- losesten Richtung hin abzuschieben und zwar nach Tobolsk in Sibirien. Dort war alles Durch Emissäre, bie wir nach Tobolsk vorausgeschickt hatten, vorbereitet. Der Transport würbe so organisiert, baß bie Abreise der Zarenfamilie erst nach. der Ankunft in Tobolsk bekanntgegeben werden sollte. Eine unbedeutende Verzögerung trat nur bei der Abfahrt aus Zarskoje Selo und zwar wegen der Stimmung der Dortigen Garnison ein. Später verlief die ganze Fahrt genau nach dem Plan. Selbstverständlich wäre es uns eine Leichtigkeit gewesen, den Zug, in dem sich der Zar mit seiner Familie befand, nach Murmansk überzuleiten, wenn dort ein englischer Panzerkreuzer gewartet hätte. Wir hatten also den aufrichtigen Wunsch, Die Zarenfamilie heil unD sicher ins Ausland zu drin- gen, unD wir fürchteten uns auch nicht vor dem Arbeiter- unD SolDatenrat. Zu Dieser Zeit behandelten übrigens selbst Die linksraDikalen Elemente Die Frage Der Unterbringung des Zaren als neben- sächliche Angelegenheit. Aus Den geschilderten lat- achen geht klar hervor, daß Die Zarenfamilie nur infolge Der Weigerung Der englischen Regierung, Den Zaren in England aufzunehmen, nicht ins AuslcmD beförDert wurDe, Denn nur EnglanD allein wäre Damals imstande gewesen, Die Sicherheit Des Transports Der Zarenfamilie zu garantieren. Buntes Allerlei. Was der Detektiv aus Fuß-Spuren herausliest. Die Künste Der alten Rothäute, Die bei her Verfolgung Des FeinDes in ber Beurteilung ber Fußspuren ben sichersten Wegweiser fanben, werben von Dem mobernen Detektiv in wissenschaftlicher Form wieher ausgenommen. Er kann aus einer solchen Spur viele Dinge erraten, nickt nur über bie körperlichen Eigenschaften einer Person, sonhern sogar über ihre Hanblungen unb Gefühle. Eingehenbe Mitteilungen über biese moberne Wissenschaft von ben Fußspuren macht ber bekannte Direktor bes Polizei- Laboratoriums von Lyon, Ebmonb Locarb, in ber Pariser Zeitschrift „Detective“. „Das Stubium ber Fußspuren", schreibt er, „befähigt uns neben ber Feststellung ber Fuß-Form ober bes Schuhs bie Haltung bes Menschen näher zu bestimmen. Wir können nach biejen Abbrücken sagen, ob ber, ber sie hinter- ließ, aufrecht ftanb, ging, lief ober rückwärts ging. Außerbem geben sie uns Anhaltspunkte für Alter, Geschlecht, Beruf unb gewisse Empsinbungen Van zwei Menschen, bie sich in gleicher Weise bewegen, wirb ber Größere längere Schritte machen, unb wir können schließen, baß bei zwei parallelen Folgen von Fußspuren Derjenige, ber auf berselben Strecke bie größere Zahl von Fußabbrücken machte, kleiner war als ber anbere, vorausgesetzt natürlich, baß sie zusammen, also mit berselben Geschwinbigkeit, gingen. Die Frage, ob ber Schritt mit bem rechten Fuß voran bem mit bem linken gleich ist, ist oft erörtert worben. Man hat behauptet, ber Schritt mit bem rechten Bein fei länger, weil bas rechte Bein stärkere Muskeln aufweist. Aber burch meine zahlreichen Versuche, bie ich an mir unb anberen vornahm, habe ich Ergebnisse erzielt, bie gerabe entgegengesetzt finb. Fast immer habe ich gefunben, baß ber Schritt mit bem linken Fuß ber längere ist. Ebenso ist behauptet worben, baß ein flüchtiger Verbrecher, selbst auf einer geraben Straße, Dahin neigt, sich mehr nach rechts zu roenben. Ein Mensch, ber sich in einem Wald verirrt hat, soll immer im Kreise gehen. Diese Erscheinungen sind nach meinen Beobachtungen durchaus möglich, aber man muß sie mit Vorsicht verwerten. Beim Rückwärtsgehen sind die Fußspuren infolge ber Unsicherheit unregelmäßig. Wenn jemanb verfolgt wird, so sieht er sich gewöhnlich um. Dabei dreht er sich stets auf bem Fuß nach ber entgegengesetzten Seite, als nach ber er ben Kopf wendet. Das tritt in ben Fußspuren sehr beutlich hervor unb weist auf ein schlechtes Gewissen hin. Beim Laufen wirb ber Fuß stärker auf- ?ebrückt unb in einer kürzeren Zeit, unb biese Wir- ung ist proportional ber Geschwinbigkeit. Personen, bie bas Laufen gewohnt sind, brücken bie ganze Sohle bes Fußes auf bem Grunbe gleichmäßig ein. Wer nur gelegentlich läuft, berührt bie Erbe nur mit bem 93orDerteil ber Sohle, so baß kein Abbruck bes Absatzes erscheint. Die Fußspuren bei Männern, Frauen und Kinbern finb fo verschieben, baß ber geübte Beobachter sie leicht erkennt; bie Größe unb Form bes Schuhes beseitigt gewöhnlich jeben Zweifel. Die Länge bes Schrittes verrät auch bis zu einem gewissen Grabe bas Alter. Reiter gehen mit breit gestellten Beinen unb parallelen Füßen; Das- selbe bemerkt man in noch ausgeprägterer Form bei Seeleuten. Offiziere, bie oft Säbel tragen, wenn sie gehen, zeigen eine bezeichnende Seitenbewegung bes linken Seines, wobei bie Zehe nach innen gedreht wird. Jäger, befonbers Forstbeamte, haben gewöhnlich kurze Schritte, währenb lange Schritte für Leute charakteristisch finb, bie auf Chausseen zu gehen gewohnt sind Der durchschnittliche Bürger geht häufig mit nach innen gekehrten Zehen, macht kurze Schritte unb setzt seine Füße beutlich auseinander." Oie verkürzte Lebensdauer. Cin Automobilist fuhr auf der Straße von München nach Pasing einen Bauern an; Resultat: Loch im Kopf unb einige blutige Schrammen im Gesicht. Der Autofahrer war zufällig Arzt, überzeugte sich von der Hngefährlichkeit der Schrammen, gab bem Bauern seine Abresse und fuhr davon. Rach ein ger Zeit erhielt er von bem Dauern eine Rechnung über fünf Mark für einen Verbanb. Der Arzt schrieb bem Dauer zurück, daß er in seiner Praxis höchstens eine Mark für einen solchen Verband nähme. Wieso dann fünf Mark? Der Bauer antwortete, daß die Wunde hätte ausgekraht werden müssen, daß noch andere Prozeduren vorgenommen wurden, kurz, daß es eben fünf Mark koste. Der Arzt zahlte und erhielt nach einiger Zeit wieder einen Brief. Darin schrieb der Bauer, daß laut Gutachten seine Lebensdauer infolge des Zusammenstoßes nur noch auf zehn Jahre geschätzt werden könne. Er müsse für die verkürzte Lebensdauer eine Entschädigung von fünfzig Mark verlangen. Das Geld hat er nicht bekommen und wird es auch nicht bekommen, wenngleich es erstaunlich ist, wie wohlfeil ein bayerischer Bauer seine letzten Lebensjahre ein* schätzt und mit fünfzig Reichsmark sich voll entschädigt fühlt. Erwerbslose verhindern eine Zwangsversteigerung. WSN. Groß-Gerau, 14. Juli. Gestern sollte in Königstädten eine Zwangsversteigerung von Pfändern vorgenommen werden, bie für rückstänbige Gemeindeforberungen fichergestellt worden waren. Vor der Bürgermeisterei kam es aus diesem Anlaß zu einer Demonstration von Erwerbslosen. Da die Menge eine drohende Haltung einnahm, mußte die Versteigerung unterbleiben. Die Menge formierte sich darauf zu einem Demon- strationszug durch den Ort. Zu weiteren Zwischenfällen kam es nicht. Langfristige Wettervoraussage. IBHferungsDorausfage für NorbbeulschlanD, westlich ber Ober, Desl-, Mittel- unb Süööeuffdjlanb (ahne Alpenvorland) für Die Zeit vom 15. bi» 24. Juli 1932. Herausgegeben von ber Staatl. Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersage in Frankfurt a. M. Etwa in ber ersten Hälft« bes Zeitraumes, für den bie Vorhersage gilt, also ungefähr bis in den Anfang ber nächsten Woche hinein, wird bewölktes, wenn auch zeitweilig aufklarendes, mäßig warmes biS kühles, zu Niederschlägen geneigtes Wetter vorherrschen. In ber zweiten Hälfte ist mit wärmerer, sonnigerer unb trockenerer, wenn auch nicht ganz beständiger Witterung zu rechnen. SJ.-fporf Oavis-Znierzonen-Endspiel Deutschland — Italien Die deutsche zum Davispokalspiel noch Mailand entsandte Mannschaft hat nicht, wie zuerst geplant, in Mailand Quartier genommen, sondern auf Wunsch von Prenn und v. Evarnrn in der Villa ir'Este am (Tomer See. Das Training findet aber auf den Plätzen des Lawn Tennis-Clubs Milano statt und zeigt eine beständig gute Form unserer Vertreter, die die Folgen des schweren England- kampfes völlig überwunden zu haben scheinen. Den italienischen Spielern dagegen scheint das Spiel gegen Japan noch in den Knochen zu stecken, da sie bis jetzt nur sehr selten zum, Training erschienen. In den Kreisen der deutschen Expedition rechnet mit mit einer 2:0-Führung schon des ersten Tages, außerdem hält man unser Doppel Prenn-v. Cramm für stark genug, die im Doppel schwächeren Italiener zu schlagen. Einen weiteren Punkt erhofft man sich von dem Treffen Prenn gegen Palmieri. Die am Donnerstagmorgen vorgenommene A u s- lofung der Spielfolge hatte folgendes Ergebnis: Heute, Freitag, 15.1 u l i : Palmieri (I ) gegen v. Cramm (D.). de Stefani (I.) gegen Prenn (D.). — Samstag, 16. I u l i : Doppelspiel: Die Besetzung steht noch nicht endgültig fest, wahrfcksein- lich spielen: del Bono-Stefani gegen Prenn- v. Cramm. — Sonntag, 17. Juli: De Stefani gegen v. Cramm. Palmieri gegen Prenn. Karl Ziffer von Halt, ff H 1___L der Vorsitzende der Deutschen Sportbehörde, der sympathische Münchner Sportsmann, fährt als Mitglied der Internationalen Olympiakommission zusammen mit den deutschen Sportlern nach Los Angeles. Deutsche Meisterschaft im Kanu-Segeln 1932. Die Deutsche Meisterschaft im Kanusegeln, die bekanntlich in der 7,5-Quadratmeter--Rennsegel-- klasse ausgefahren wird, kommt am 31. Juli auf dem Dcrtasee der Wedau-Sportanlagen in Duisburg-Hamborn zur Austragung. Die Durchführung liegt in den bewährten Händen der Kanusegler im Riedcrrheinkreis des DKV- Die Ausschreibung ist offen für Mitglieder des Deutschen Kanu-Derbandes und des Deutschen Segler- Bundes, mit dem der DKD. einen Freundschafts- Vertrag abgeschlossen hat. Deutscher Meister im Kanusegeln wird derjenige Steuermann, der in den drei Wettfahrten die kürzeste Gesamtfahrzeit segelt. Die Dahn besteht aus einem Dreiecks- Hirs und hat eine Länge von 5 Seemeilen. — Mit den Meisterschaftswettfahrten werden gleichzeitig zwei weitere verbandsoffene Wettfahrten ausgetragen, zu denen alle Segclklassen des Deutschen Kanu-Derbandes und die Ausgleichsklasse Startberechtigung haben. 49. Bundessest deö Bundes Deutscher Radfahrer. Gießener Radfahrer betätigen sich. Dom 15. bis 19. Juli 1932 findet in Dürnberg das 49. Dundesfest des Dundes Deutscher Radfahrer statt. Wie das Meldeergebnis erkennen läßt, sind auch in ^diesem Jahre eine große Anzahl Vereine mit ihren Fahrern aus allen Gauen des Reiches in Nürnberg zu erwarten. Der Gießener Radfahrer-Derein vo n 1 8 8 5 entsendet seine 6er Rasenradballmannschaft (Don-Eiff, O.: Hauck: Wißner; Deibel. Don°E iff W., Keppler:) zu den Meisterschaften: auch wird sich der genannte Verein an dem Festkorso beteiligen. Der R a d k l u b „G e r in a n i a" 1899 Gießen ist durch seine 2er- Radballmannschoft (S t v m m e l — D a u m), die in den letzten Konkurrenzen sehr gut abaeschnit- ten hat, vertreten. Da beide Vereine über sehr gute Spieler verfügen, werden die Gießener Vertreter sicherlich auf den ersten Plätzen bei den Deutschen Meisterschaften zu finden sein. Trainingsbeginn am Nürburgring. Ruvolari (Italien) fährt Rundenrekord. Zum Großen Automobilpreis von Deutschland am Sonntag war die Nordschleifc des Nürburgringes am Mittwoch erstmalig zum offiziellen Training frei- gegeben worden, und die Gelegenheit wurde von den fast vollzählig versammelten Teilnehmern' ausgiebig benutzt. Nachdem am Dienstag Caracciola auf seinem neuen Alfa Romeo mit 11:37 einen neuen Rundenrekord ausgestellt hatte, war man auf das Abschneiden seines Ntarkengefährten Nuvolari und Frankreichs Meisterfahrer Chiron auf Bugatti gespannt. Chiron, der die Strecke ebenfalls glänzend zu meistern versteht, drückte Caracciolas Rundenbestzeit noch auf 11:36,3, wurde aber wenig später von Nuvolari mit 11:34 noch bedeutend übertroffen. Als Nuvolari nach dieser Rekordrunde am Ersatzteillager hielt, war der Reisen des linken Hinterrades nur noch mit Leinwandfetzen behangen. Hier spielte neben der großen Geschwindigkeit auch nach die kolossale Hitze eine große Rolle. In den übrigen Klassen schenkte man besonders Earl Howe auf seinem blauen Delage großes Interesse. Der Engländer hatte ober gleich nach den ersten Runden Pech. In der 8-Kurve zu Beginn des Adenauer Forstes geriet Earl Howe aus der Bahn und landete in einem Graben. Glücklicherweise blieben Fahrer und Maschine heil. „Tour de France": Sechste Etappe. Nach einem Ruhetag in Louchon war eine weitere sehr schwere Etappe zu bewältigen, die infolge ihrer Länge (322 Kilometer) und ihrer starken Steigungen in den Pyrenäen wieder gewaltige Leistungen von den „Giganten der Landstraße" erforderte. Das Feld wurde auch wiederum völlig auseinander- qeriffen und nach 12ftündig'er Fahrt langten die Fahrer in völlig erschöpftem Zustande in Perpigan an. Der Deutsche Stöpel fuhr auch diesmal wieder ein bravouröses Nennen und wurde im Spurt hinter Bonduel-Belgien und Ledueq-Frankreich Dritter vor Aerts-Belgien und Benoit Faures-Frank- reich. Auch die anderen Deutschen hielten sich wieder recht gut, am besten schnitten Max Bulla und Thierbach ab, die kurze Zeit nach der Spitzengruppe in einem Feld von 15 Fahrern durchs Ziel gingen. Jrn Gesamtklassement der Länder und Ein- zelfahrxr sind keine besonderen Veränderungen eingetreten, der Berliner S t ö p e l hält noch immer den zweiten Platz hinter Leducq und Deutschland hat etwas Fahrzeit gegen Italien gutgemacht. 800 Meier Freistilrekord der Frauen unterboten. 777-7?-------—-------'"'"V 1 < WM * > l \ .. . . LS Die Magdeburgerin Stegemann schwamm in ihrer Heimatstadt die 800 Meter Kraulstrecke in 13 Minuten 6,4 Sekunden und verbesserte damit den deutschen Rekord um nicht weniger als 33,4 Sekunden. Schwimmen im Turngau Hessen. Zum 10. Gauschwimmen in Laubach. Nachdem nach Beendigung des Weltkrieges die Deutsche Turnerschaft dem Schwimmen eine besondere Pflegestätte bereitet hatte, wurde es auch von unserem Heimatgau Hessen in den turnerischen Uedungsplan ausgenommen. Freitag (Wetzlar) war der erste Gauschwimmwart, unter dessen Leitung auch die ersten Gauschwimmen in Wetzlar 1922 (in Verbindung mit dem Gauturnfest) und 1924 mit noch geringen Teilnehmerzahlen durchgeführt wurden. Bald darauf trat Freitag von seinem Amte zurück, und Gauschwimmwart Franz Sauer (Gießen) betreut seitdem mit vorbildlicher Hingabe und vorzüglicher Sachkenntnis das wichtige Fachgebiet. von Jahr zu Jahr wuchs die Zahl der Vereine, die das Schwimmen amtlich ausnahmen, begünstigt kurd) die neue Schwimmbad-Bewegung, die auch verschiedenen Orten des Gaugebiets schöne Sommerbäder bescherte. Von Jahr zu Jahr drückte sich die Aufwärtsbewegung auch in zunehmendem Besuche der Gäuschwimmen aus, die unter Sauers Leitung sich immer mehr zu eindrucksvollen Werbetagen für das Turnerschwimmen gestalteten. 1925 wurden die Schwimmwettkämpfe in Friedberg (in Verbindung mit dem 52. Gauturnfest) durchgeführt. 1926 nahm Marburg die Turnerschwimmer auf. Gleichzeitig mit dem Gauturnfest in Heuchelheim fand das Gauschwimmen 1927 in Gießen statt. Erstmalig kam dabei die volkstümliche Hesse n st a f f e l zum A u s t r a g , die zu Ehren des 1. Gauvertreters A. Pfeiffer (Wetzlar) von Volksturnern und Schwimmern gemeinsam durchgeführt wird und sich bis heute besonderer Beliebtheit bei den Gauschwimmfesten erfreut. 1928 war das Turnerbad in Wetzlar der Kampfplatz der Turner- schwimmer. 1929, 1930 und 1931 hielten sie in den schönen Sommerbädern von Alsfeld (beim 56. Gau- turnfest), Bad-Nauheim und Lauterbach Einkehr. Das 10. Gauschwimmen wird nächsten Sonntag in dem vor zwei Jahren fertiggestellten, landschaftlich sehr reizvoll gelegenen Laubacher Somme r b a d durchgeführt und dort — trotz schwerer Notzeit — in bezug auf Teilnehmerzahl und Leistungen nicht hinter den vorjährigen Veranstaltungen zurückstehen. Die gastliche Stadt Laubach freut sich auf den Besuch der Turnerschwimmer: unter Führung des Schwimmwarts, Studienrat Schweis- g u t, ist von der rührigen Turngemeinde 1848 alles aufgeboten worden, dem 10. Gauschwimmen zu einem Erfolg für die volkstümliche Schwimmsache zu verhelfen. Mit 160 Turnern und Turnerinnen für die Laubacher Mettkämpfe ist das Meldeergebnis des Vorjahres noch etwas überschritten worden. 38 Teilnehmer entsendet allein der T v. 18 4 6 Gießen, die Hochburg des Turnerschwimmens im Gau. Daß Robert Braun (Frankfurt a. M.), der stellvertretende Schwimmwart der Deutschen Turnerschaft, der Veranstaltung als Gast beiwohnen > wird, wird vom Gauschwimmausschuß und der^ Schwimmerschaft lebhaft begrüßt. ‘wA Aus den Schwimmer-Hochburgen des Gaues (Gießen, Wetzlar, Friedberg) vor allem konnten über,uic J| Gauschwimmen hinaus seit Jahren die Schwimmvex- anftaltungen des Gauoerbandes, des Mittelrbein- kreises und der Deutschen Turnerschaft mit den Gau- besten erfolgreich beschickt werden, und manchen Kreis- und soaar DT.-Meister Konnte der Gau bereits stellen, ern Beweis dafür, daß auch dem Leistungsschwimmer die stetige, zielbewußte Aufbauarbeit zugute gekommen ist. Ein besonderes Ereignis für den Gau war die Beteiligung feiner Schwimmer an der S t r o m ft a f f e l, die anläßlich des dritten Turnfestes in Köln geschwommen wurde. Eine zielbewußte Lehrgangsarbeil dient der Verbreiterung und Vertiefung der schwimmerischen Tätigkeit. Seit 1925 wurden im Gau 5 Kreislehrgänge und 22 Gauvorschwimmerstunden abgehalten. Zu den Gaulehrgängen, die in G i e ß e n stattfinden, kommen neuerdings im Sommer Unterweisungsstunden in den einzelnen Gaubezirken, in denen sich rührige Bezirksschwimmwarte bemühen, im Sinne des Gauschwimm- warts ersprießliche Kleinarbeit zu leisten. Deren Erfolg drückt sich deutlich in den Zahlen der Bestandserhebung von 1931 aus. Dieses Jahr wies für den Gau insgesamt 33 360 Schwimmbesuche (gegen 30 369 im Vorjahr) auf. Freigeschwommen haben |ich 56 Turner uni/Knaben und 32 Turnerinnen und Mädchen. Das Wasserfahren betreiben drei Vereine mit 32 Booten: 6 Vereine spielen mit 8 Mannschaften Wasserball: 5 Vereine sind Mitglied der DLRG.; den Grundschein der DLRG. haben vis jetzt 82 Turner und Turnerinnen erworben, während 32 Gauangehörige den Prüfungsscyein und 7 den Lehrschein besitzen. Schwimmgelegenheiten sind vorhanden: im Sommer 28, im Winter 9. Heber eigene Bäder verfügen 4 Vereine. Dieser kurze Rückblick aus Anlaß des 10. Gau- schwimmens zeigt, daß man im Gau Hessen eifrig be- müht ist, der wichtigsten „vrauchkunst des Lebens" durch Breitenarbeit immer mehr Geltung zu verschaffen im Sinne der so sehr berechtigten Forderung: „Jeder Turner ein Schwimmer, jeder Schwimmer ein Retter!" Wirtschaft 1 Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 16. Juli 1932. Vorabend 7.45; morgens 8.30; abends 8.50 und 9.30 Uhr. Loge geboten. Sollte eine stärkere Geschäftsbelebung inzwischen eintreten, dann wird durch die Verlängerung der Einschränkung eine unzweckmäßige Ausdehnung der Produktion verhindert werden. Bleibt die Belebung aus, dann wird die Kartellkommisfion im Laufe des Monats August eine entsprechende Verschärfung der Einschränkung für die Zeit nach dem 12. September in Vorschlag bringen." Frankfurter Abendbörse flau. Frankfurt a. M., 14. Juli. An der Abendbörse blieben die leicht erholten Mittagsschlußkurse etwas behauptet, doch sanden nur innerhalb der Spekulation kleinste Umsätze statt, während das Publikum nach wie vor mit Aufträgen fehlt. Die festeren Auslandsbörsen blieben fast ohne Eindruck, da andererseits auf die unklare innerpolitische Lage verwiesen wird. Im Verlause hörte jegliche Umsatztätigkeit auf, und die KurseMröckelten verschiedentlich leicht ab. Die R e n he n mär k te lagen vernachlässigt und eher riimas schwächer. Reichsschuldbuchforderungen gingen auf 52,75 nach 53,5 heute mittag zurück, auch Franks. Hyp. Liquidation lagen mit 78,5 v. H. 0,5 v. H. niedriger. Neubesitz 4,65, Altbesitz 41,25, Reichs bank 124,65, Gelsenkirchen 33,5, Salzdethfurth 156, Rheinstahl 45,75, Akii 34,25, AEG. 23,25, I. G.Farben 87 bis 86,9, Südd. Zucker 105, ReichsbahmVA. 74,25, Hapag 12,13. * Leonhard Tietz AG., Köln. Die GV. der Leonhard Tietz AG., Köln, genehmigte den 1931 erfolgten Erwerb von nom. 6 Millionen Mark eigener Stammaktien und die Uebernahme der bedingten Verpflichtung zum Erwerb von bis zu nom. 1 410 000 Mark weiterer Stammaktien zum Kurse von 130 Prozent. Weiter wurde die Genehmigung erteilt zur Einziehung von nom. 6 Mill. Mark eigener Stammaktien, so daß das Grundkapital nunmehr 31 Mill. Mark Stamm- und 200 000 Mark Vorzugsaktien beträgt. Ferner wurde der Abschluß einstimmig genehmigt, wonach auf die Stammaktien 6 (i. V. 8) Prozent Dividende und auf die Vorzugsaktien wieder 7 Prozent Dividende zur Verteilung gelangen. Heber die Aussichten des kaufenden Geschäftsjahres fei nach Angabe der Verwaltung nichts zu berichten. Die Verwaltung fei wie bisher bestrebt, die Hnkosten den finkenden Hmfätzen anzupassen. Inwieweit sich dies verwirklichen lassen werde, darüber sei heute noch keine Prognose möglich. * Weitere Einschränkung in der Baumwollspinnerei. Die Kartellkommission des Arbeitsausschusses der deutschen Baumwollspinnerverbände hat in ihrer Sitzung vom 12. Juli folgende Beschlüsse gefaßt: „Die Kartellkommission des Arbeitsausschusses schlägt vor, die am 4. Juli in Kraft getretene organisierte Betriebseinschränkung der Baumwollspinnerei über den 31. Juli hinaus bis zum 12. September unverändert zu verlängern. Die Wirkungen der bisherigen Einschränkung lassen sich im Augenblick schon wegen der Kürze ihrer Geltungsdauer noch nicht genügend übersehen. Die starken politischen Spannungen innen und außen werden aber aller Voraussicht nach eine sichere Beurteilung der Geschäftslage auch unmittelbar nach dem 31. Juli noch nicht ermöglichen. Eine unveränderte Verlängerung ist deshalb durch die allgemeine Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlosfenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. .eranriui jji. ^eriu> Schlußkurs Schluß«. Abcnd- börse Schluß- kurS Schluß!. Mittagbörse Datum 137 14 7 13.7. 14.7 6% Deutsche iHeidieanietlie o. 192". — — 63 64,25 7% Deutsche ReichSanicihe ».1929 67.5 66,5 65,75 66 (>y2% Doung-Anlcihc von 1930 Deutsche Anl.-Abiös.-Schuld mit 62,75 62,75 62,75 64 AuSlos.-Rechten....... 42,5 41.25 41,5 41.4 Desgl. ohne AuSIos^Rechte . 8% Hess. Bollsstaat von 1929 4,6 4.65 4.65 4.65 srückzahlb. 102%)...... Oberhellen Provinz-Anleihe mil 51 50 30,25 — Auelol.-Rechten ... Deutlche Komm. Sammelabt. — — — — Anleihe Serie 1....... 6% grants. Hqp.-Bank Goldpse 40 38 39 38 15 unkündbar bis 1935 69,5 69 — — 1% Franks. Hnp.-Bank Goldpsc unkündbar bis 1936 Serie 16 . — — — Bereinigte Stahlwerke . . . . 4 13,9 13,5 14,13 13,75 Olavi Minen......16'/. — 10,5 10,5 10,25 Kaliwerke Ascheröleben . . . 10 87 85 87 87 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 —— 94,5 95,5 94.5 Kaliiverke Salzdetfurth . . . 15 155 156 155 157 I. G. Farben-Industrie . . . Verein, dient. Industrie Frank- 12 86,9 86,9 87 87 surl a. M......... — — — —— Scheideanstalt....... 10 131 132 — — Goldschmidt........ . 0 18 17,25 17,65 16,65 Rütgerswerke..... . . 5 31,5 24,5 31 31 31,13 Metallgesellschaft...... . 5 24,5 — 25 Philipp Holz mann..... . 8 32 32 32,5 32 Zementwerk Heidelberg. . . Cementwerk Karlstadt. . . . . 7 — 37 —— . 7 — — Wayß & Freytag..... . 0 — —- Schultheis Payenhofer . . . Mu (Allgemeine Kunstseide) 15 0 34,5 34,25 55 34,5 55,5 33.5 Bemberg......... 0 29 29 29 28.5 Zellstoss Waldhof..... 12 — 29 29,25 29.25 Zellstoff Aschaffenburg . . . 6 — 22 21,5 21,75 Desfauer Gas....... . 9 — — 84,5 84,75 Daimler Motoren..... . 0 11 11 11,13 11,4 Deutsche Linoleum .... . 6 31.5 30,13 32,5 Orenstein & Koppel .... . 0 —— — 23 Leonhard Tietz...... . e — — 54,5 54,25 Svenöka......... 16 — — — 6,4 Chade.......... — 169,5 169 171 Frankfurter Maschinen . . . . 0 _ _ — Gritzner........ . 0 — 17,5 18,65 18,5 Mainkrastwcrkc Höchst a. M.. . 6 — 50 —— Süddeutscher Zucker .... 10 105,5 105 105 105,25 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 7N. 13.Juli 14. Juli Amtliche Geld Notierung Briet Amtliche Notierung Geld ! Brie! Helsingsor« Wien. . . Prag . . Budapest . Sofia . . Holland . Oslo. . . Kopenhage« Stockholm London. . . Buenos Aire Neunvrk . . Brüfiel. . . Italien. . . Paris . . . Schweiz . . Spanien . . Danzig. . . Japan . . . Rio de Jan.. Jugoslawien. Lissabon . . 6.364 51.95 12,465 3,057 169.93 74,13 81,07 76,72 14,945 0,933 4,209 58,44 21,45 16,52 81,96 33,72 82,12 1,149 0,322 6,693 13,64 6,376 52,05 12.485 3,063 170.27 74,27 81,23 76.88 14,985 0,937 4,217 58,56 21,49 16,56 82,12 33,78 82,28 1,151 6,707 0,327 13,66 6,364 51,95 12,465 3,057 169,93 74,08 80,92 76,72 14,93 0,928 4,209 58,42 21,50 16,51 81.94 33.77 82,12 1,159 0,325 6,693 13,62 6,376 52,05 12,485 3,063 170,27 74,22 81,08 76,88 14,97 0,932 4,217 58,54 21,54 16,55 82,10 33,83 82,28 1,161 0,327 6,707 13,64 Bantnoten. Berlin, 14. Juli Geld Brief Amerikanische Noten....... Belgische Noten......... Dänische Noten....... . Englische Noten ......... Französische Noten........ Holländische Noten........ Italienische Noten........ Norwegische Noten........ Deutsch. Oesterreich, * 100 Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten........ Schweizer Noten......... Spanische Noten..... . . . Ungarische Noten ........ 4,20 58,26 80,74 14,89 16,47 169,56 21,47 73,90 2,49 76,55 81,76 33,63 4,22 58,60 81,06 14,95 16,53 170,24 21.55 74,20 2,51 76,85 82,08 33,77 fx /t 8-^ M-buhr. jtnisp"ch° Möammelnu Mrift f“r. M-heA Indamin Seni Mlomatisch fierriotunt) & °°lkerw buien, ab-- Iw Runft, den Gec ZM der Qul fj gegenseitig ttllzug de verles auf Kröen müsse, s „Heiligle, i Kr auch eir einzun W und F- 'M für der )ie Qlbrüftui ausgeht. öaf Neigung zeit ßs Hilst dann uni) Franste zahlen, lvesh lauf den Gem Meilen. 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