ar. 88 Erster Statt vnttk UN- Verlag: vrShl'sche Umoerfttäl5-Vuch. u«d 5tei«dnttkerei R. 5ange in Sietze«. Schnftteitnng und Scschäftrftelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monatr-vezLgrpreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gieße«. Poßschecktonto: Frankfurt am Main 11686. 182. Jahrgang Zreitag, April (952 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen IKanOnoieii. Das Verbot der SA. wird die Stellung des Kabinetts Brüning nicht erleichtern. Zweifellos werden die Nationalsozialisten die Einberufung des Reichstages beantragen, und es ist gar nicht ausgeschlossen, daß einige Parteien, die zuletzt noch den Ausschlag zugunsten der Regierung Brüning gaben, diesmal anderen Sinnes werden. Die Erregung über diesen neuen politischen Schritt ist groß genug und reicht bis weit in die Kreise der gemäßigten Parteien hinein. Man fragt sich, was das Verbot geradeindiesem Augenblick bedeuten soll. Zwischen der Präsidentenwahl und der preußischen Landtagswahl kann es doch nur dazu beitragen, den Radikalismus zu stärken. Gewiß ist es richtig, daß die Staatsmacht es nicht dulden kann, daß sich ein Staat im Staate bildet, der von einer bestimmten Partei ausgebildet wird, der Hunderttausende von Staatsbürgern umfaßt, die auf die Partei mehr hören, als auf die Staatsautorität. Warum aber kommt diese Erkenntnis er st heute? Roch mehr aber ist man erstaunt darüber, daß nur diejenige Privatarmee aufgelöst wird, die den Rationalsozialisten untersteht, nicht aber die Eiserne Front und nicht die trotz des Verbots des Roten Frontkämpferbundes weiterbestehenden illegalen Formationen der Kommunistischen Partei. Wenn jener Grundsatz vorhanden ist, wenn mit seiner Durchführung gewartet wurde, bis eine politische Hochspannung über dem Land lag, dann hätte man wenigstens darauf bedacht sein müssen, mit gleichem Maße nach allen Seiten zu messen. Aber auch sonst bestehen berechtigte Bedenken gegen die neue Rotverord- nung. Es ist bezeichnend, daß auch ein Blatt wie die „B. Z. am Mittag" wünscht, daß der politischen Begründung, die die Regierung für die Auflösung gegeben hat. bald die juristische Bestätigung folgen werde. Wenn der Staat die Absicht hat. seine Autorität restlos herzu- stellen und die Staatsgewalt durchzusehen, dann muß das in einer Form und mit solchen Beweisen geschehen, daß alle vernünftigen Kreise des deutschen Volkes von der Richtigkeit und Rotwendigkeit des Vorgehens überzeugt waren. Bis jetzt, so muß man leider sagen, ist das nicht der Fall. Man muh sich fragen, ob die Reichsregierung in den zwei wahren ihres Bestehens alles getan hat, um eine solche Zweifrontenbildung im deutschen Volke, wie sie sich jetzt wieder her- ausstzellt, zu verhindere Man muß fragen, was alles geschehen ist. um das ganze Volk und alle aufbauwilligen Kräfte für den Staatsgedanken einzuspannen. Wir fürchten, daß die Beantwortung nicht zugunsten der Regierung ausfällt. Die unbestrittene Tatsache, daß einzelne der leitenden Stellen an das Verbot der SA. mit nur größter Vorsicht herangegangen sind und erst im letzten Augenblick dafür gewonnen werden konnten, spricht deutlich genug. Preußen und einige Länder, die von der Weimarer Koalition regiert sind, haben ihren Willen dem Reiche gegenüber durchgesetzt. Den Linksparteien wird das nicht viel nützen, dem Reiche aber erwachsen zweifellos neue Kämpfe. Schließlich darf man Herrn Severing und bald wohl auch Herrn Groener fragen, ob sie es angesichts der Preußenwahlen taktisch für zweckmäßig halten, nationalsozialistische Propaganda zu treiben. Wie groß die Besorgnis der preußischen Regierung ist, die RSDAP. könnte durch den neuen Landtag zur Macht kommen, geht schon aus den verzweifelten Anstrengungen hervor, mit Hilfe der Geschäftsordnung des Landtages dem Vormarsch der Rechten Felsblöcke in den Weg zu rollen. Herr Severing hat erst kürzlich erklärt, daß er der SA. kühl und gelassen gegenüberstehe. Mit einem Male scheint ihn die Kaltblütigkeit zu verlassen. Man kann nur in letzter Minute warnen. Wir sehen innenpolitisch nur immer den Erfolg, daß jede Gewaltmaßnahme dem Radikalismus neue Sympathien zufüchrt. Der zweite Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl hat dies erst vor wenigen Tagen erneut bewiesen. Will man also erreichen, daß die gemäßigten Elemente zwischen den radikalen Flügeln zerrieben werden, so schaffe man weiter Märtyrer. Das deutsche Volk muß dann auch noch diesen Leidensweg gehen. In Preußen sind allmählich die Dinge soweit gediehen, daß die herrschenden Parteien jede Rücksicht fallen lassen und das Stoatsinteresse mit ihrem eigenen Parteiinteresse hundertprozentig identifizieren. Ein geradezu typisches Beispiel erleben wir dafür in Hannover. Der Oberpräsident N o s k e hat eine Zeitung wegen Verletzung des Burgfriedens verboten, weil sie Werbenummern ausgegebcn hatte, die nach seiner Meinung aus der Zeitung ein Flug blatt machten. Der Verlag hat dagegen eine einft- weiligc Verfügung beantragt, der das Gericht Folge leistete, indem es das Verbot für ungültig erklärte. Auch in zweiter Instanz wurde d i c Berufung Noskes verworfen, das Landgericht hat das Vorgehen des Oberpräsidenten willkürlich genannt, und die Angelegenheit schwebt jetzt in der dritten Instanz. Bevor sie aber endgültig ausgetragen wird, hat der Innenminister Severing cingegriffen und aus dem Rechtsfall einen rein politischen Fall gemacht. Er hat sich nicht damit begnügt. öffentlich den Gerichten zu verstehen zu gekxm. daß sie sich hier gar nicht einzumischen hätten, weil es sich um eine einfache Ausübung der Polizeigewalt handle, er hat darüber hinaus durch den preußischen Pressedienst mittellen lassen. daß er den Iustizminister gebeten Das Verbot -er nationalsozialistischen EÄ. Oie Durchführung des GA.- Verbots in Hessen. Die NTTAP. beantragt Einberufung des Landtags. Darmstadt, 14. April. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: Die im Zuge der Durchführung des SA.- und SS.-Verbotes in allen Landesteilen von der Polizei vorgenommenen Haussuchun- g e n haben umfangreiches Material über den Eha- rakter der SA.- und SS.-Formationen und ihre Tätigkeit zutage gefördert. Die Sichtung ist in vollem Gange und wird so beschleunigt, wie es der außerordentliche Umfang des beschlagnahm- ten Materials ermöglicht. Schon jetzt hat die Prüfung aber ergeben, daß das Verbot der Reichsregierung in jeder Hinsicht berechtigt und dringend erforderlich war. Die n a t i on a l s o z i a I i st i sch e F r a k t i o n des Hessischen Landtages hat am Donnerstag gemäß Artikel 23 der Verfassung die Einberufung des Landtages auf spätestens Samstag, 16. April, beantragt mit der Tagesordnung: Die politische Lage in Hessen. Der Landtag muß daraufhin einberufen werden, da die Rational- sozialistische Fraktion mit 26 Mitgliedern mehr als ein Drittel der Abgeordneten ausmacht. Der Landtagspräsident Werner befindet sich zur Zeit für die RSDAP. auf einer Propaganda- reisc in Württemberg und wird er ft am Frei- tag inDarmstadt zurückerwartet. Da es zeitlich nicht möglich fein wird, die Abgeordneten, die zum größten Teil im preußischen, bayrischen usw. Wahlkampf unterwegs sind, bis dahin zusammenzuberusen, dürfte die von den Rationalsozialisten beantragte Sitzung des Plenums erst in der kommenden Woche möglich fein. Ein Aufruf Hitlers. Festhalten am legalen Kurs. Berlin. 14. April. (ERB.) 3m Hotel Kaiser- bof haben heute Besprechungen der Par- teile i tu ng der RSDAP. stattgesunden, in deren Verlauf, wie mitgeteilt wird, die durch das Verbot der SA. und SS. geschaffene Lage erörtert wurde. Auch sei die Rechtsfrage einer Besprechung unterzogen worden. 3m übrigen wird erklärt, die RSDAP. sei entschlossen, streng legal weiterzuarbeiten. Adolf Hitler hat anläßlich des SA.- und SS.-Verbots einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Rationalsozialisten! Run wißt ihr. weshalb ich versuchte, die Präsidentschaftskandidatur der schwarz-roten Parteien zu verhindern. General Groener hatalsAuftaktfürdieLänder- wählen die SA. und SS. aufgelöst. Reichsbanner und Eiserne Front da- gegen werden als staatspolitisch wertvoll angesehen und deshalb nicht verboten. Parteigenossen! 3ch verstehe eure Gefühle. Jahrelang seid ihr getreu meiner Anordnung legal den Weg der Erringung der politischen Macht gegangen. Ihr seid in dieser Zeit auf das grau- I samste verfolgt und gequält worden. Hunderte von Kameraden wurden getötet, viele Tausende sind verwundet. Seumes Wort, daß clnft die ärmsten Söhne unseres Volkes die treuesten Bürger sein werden, habt ihr herrlich erfüllt. Unfere Antwort auf diesen neuen Q3c"t- zweiflungsschlag des Systems wird keine Parade, sondern ein Hieb sein. Am 2 4. April ist der Tag der Vergeltung. Zu diesem Zweck empfehle ich euch, meine ehemaligen Kameraden der SA. und SS., folgendes zu tun: 1. Ihr seid von jetzt ab nur noch Parteigenossen. 2. Ihr erfüllt als Parteigenossen eure Pflicht, indem ihr euch in den Sektionen und Ortsgruppen zur politischen Wahlarbeit als Parteigenossen freiwillig mehr als je zur Verfügung stellt. 3. Gebt den augenblicklichen Machthabern fei* n c n Anlaß, unter irgendwelchen Vorwänden die Wahl aussetzen zu können. Wenn ihr eure Pflicht erfüllt, wird dieser Schlag des Generals Groeiier durch unsere Propaganda tausendfach auf ihn selbst und seine Bundesgenossen zu- rückfallen. 4. Verliert nicht denGlauben andie Zu* ku n f t unseres Volkes, an die Größe unseres Vaterlandes und an den Sieg unserer Sache, die beiden dienen soll. Ich werde mein letztes hergeben für diesen Kampf und damit für Deutschland. Denn trotz General Groener: Solange ich lebe» gehöre ich euch und ihr gehört mir. Am 24. Aprck jedoch möge es einer gerechten Vorsehung gefallen, unseren Kampf für Freiheit und Recht zu segnen. Es lebe unsere nationalsozialistische Be* toegung, es lebe Deutschland! Eine Unterredung mit Hitler. Oie Aussichten für die preutzenwahl. - Die Beweggründe für das SA.-Berbot. London, 14. April. (TH.) In einer Unterredung mit dem Berliner Sonderkorrespondenten des „Evening Standard" erklärte Adolf Hiter: Das Verbot der Sturiytruppen kann nicht ewig dauern. Es ist nur eine zeitweilige Maßnahme. Bald werden die Sturmtruppen wieder da fein, und wenn sie wieder auferstanden sind, so werden die 400 000 Mann, die jetzt durch amtlichen Befehl „gestorben" sind, a u f 6 00 000 oder mehr angewachsen sein. Aus eine Reihe von Fragen antwortete Hitler wie folgt: Don den 400 000 Mitgliedern der verbotenen nationalsozialistischen Organisationen sind 300 0 0 0 arbeitslos. Sie werden harte Zeiten durchmachen müssen. Und das Verbot wird ihre Dorllebe für die gegenwärtig Regierenden nicht erhöhen. Es ist unmöglich, daß sie zu den Kommunisten oder irgendeiner anderen Partei übergehen. Riemand. der den Geist des Rationalsozialismus verspürt hat, verläßt diesen jemals. Bei den Präsidentenwahlen haben wir einsam eine Schlacht ausgefochten. Ich werde nichtsdestoweniger zufrieden fein, wenn wir die 8,5 Millionen Stimmen, die wir bei der Präsidentenwahl in Preußen erhielten, beibehalten. Dann würden wir 1 60 Sitze im Preußischen Landtag erhalten und die RSDAP. würde dort die stärkste Partei sein. Es ist keine Frage, daß die bürgerlich-nationalen Kreise auf unsere Seite herüberkommen und uns in den Stand setzen werden, die preußische Regierung zu bilden. Aus die Frage, wie Hitler die nationalsozialistische Bewegung in Deutschland ohne die Hilfe der Sturmtruppen aufrechterhalten wollte, erklärte Hitler: „Meine Methoden, an die Macht zu kommen, waren und bleiben streng verfassungs gemäß. Ich benötige daher nicht die Hilfe der Sturmtruppen, um die Macht in Deutschland zu erlangen." Auf die Frage, welche Beweggründe nach seiner Ansicht die Reichsregierung zu ihrer Maßnahme uct* anlaßt hätten, erklärte Hitler, zunächst glaube obgleich er dafür keine Beweise habe, daß Dr. Brüning den Sozialdemokraten die von ihnen verlangte Belohnung für die Unterstützung Hindenburgs bei den Präsidentschaft^- wählen geben wollte. Der entscheidende Grund sei aber nach seiner Meinung ein außenpolitischer gewesen. Vor einem Jahre habe die französische Regierung die Auslösung der Sturm truppen verlangt, die sie als eine Bedrohung Frankreichs betrachtete. Dr. Brüning scheine zu glauben, daß Außenpolitik um so leichter geführt werden könne, je schwächer ein Land sei. Warum habe dann die Regierung nicht ebenso das Reichsbanner und den Stahlhelm verboten? Diese beiden Organisationen würden anscheinend als militärisch wirksam nur innerhalb Deutschlands betrachtet. Es sei für ihn als einen deutschen Patrioten eine Ehre, daß seine Drganifa» Hon allein als Zielscheibe des Angriffs auserlesen wurde. Oie Reichsregierung antwortet Hitler. Berlin, 14. April. (TU. Funkspruch.) A m k 1! ch wird mitgetcilt: „her Eitler hat hiesigen ausländischen Korrespondenten gegenüber behauptet, er besitze Beweise dafür, daß d i s Auflösung der SA. durch den Reichskanzlei» auf den Druck des französischen TH i n i- sterpräsidenten h i n erfolgt sei. Diese Behauptung ist vollkommen erfunden und verfolgt lediglich den Zweck, die Reichsregierung zu oec- dächtigen und ihrAnsehenim3nnndAus- lande herabzusehen." Der Berliner Korrespondent des „L cho da Paris" hat in einem längeren Bericht der ReichsHabe. doch einmal nachzuprüfen, ob aus der Begründung des richterlichen Urteils — unbeschadet der richterlichen Unabhängigkeit! — nicht Veranlassung vorläge, im Wege der Dienst- auf sicht gegen die an dem Spruch beteiligten Richter einzuschreiten. Das ist ein innerer Widerspruch: entweder die Richter sind wirklich unabhängig, dann müssen auch die Minister sich einem ihnen peinlichen Urteil fügen, oder die Justiz wird politisiert, und das geschieht auf dem raschesten Wege, wenn nur noch Richter befördert werden, die sich in ihrer Anschauung dem herrschenden politischen System einfügen, während gleichzeitig den übrigen zum Bewußtsein gebracht wird, daß ihnen allerhand geschehen kann, wenn sie wider den Stachel (öden. Der preußische Iustizminifter hat dann auch sehr rasch erkannt, welche Angriffsfläche sich der Opposition aus diesem Eingreifen des Innenministers ergeben kann. Er hat sehr deutlich a b g e w i n k t und jede Nachprüfung abgelehnt, solange nicht das Verfahren per Gericht selbst endgültig zum Abschluß gekommen ist, hat aber gleichzeitig auch zu verstehen gegeben, daß die Dienstaufsicht an der richterlichen Unabhängigkeit ihre Grenzen hat: in ganz anderer Form, als sein Kollege vom Innenministerium sich das oorgestellt hat. Herr Severing wird darin vermutlich eine unfreundliche Handlung sehen, der er sich aber nicht hätte auszu- setzen brauchen, wenn er vorher nur mit dem Justiz- Minister telephonisch Fühlung genommen hätte. Indessen solche Mißverständnisse innerhalb des Kabinetts interessieren uns weniger als die grundsätzliche Feststellung, wie eng in Preußen die Bewegungsfreiheit auch für einen Richter schon geworden ist und wie notwendig es daher ist. daß durch eine andere Zusammensetzung der parlamentarischen Mehrheit auch die Rechtsprechung in Preußen künftig von allen Fesseln wieder befreit wird. Dvn dem literarischen Vermächtnis Gustav Stresemanns liegt der erste Band der Oeffentlichkeit vvr. Sein langjähriger Privatsekretär H. Bernhard gibt ihn heraus, Wolfgang Goetz und Paul Wiegler haben dabei mitgewirkt. (Verlag Hllstei«, brvsch. 13 Mk., m Garyleinen 16 Mk.) Stresemann hatte die Absicht geäußert, eine Selbstbiographie niederzuschreiben und dafür manche Vorbereitungen getroffen. Bei der erdrückenden Fülle der Amtspflichten ist dieser Plan aber in seinen Anfängen stecken geblieben. In seinem Rachlaß fanden sich Erinnerungsblätter und eine Reihe persönlicher Bekenntnisse, die er wohl in einer stillen Stunde niedergeschrieben hatte. Sonst aber war plan auf die sorgfältig geführten Tagebücher angewiesen, auf den großen Umfang des privaten Schriftwechsels, auf Reden, Zeitungsauffähe und sonstige kurze Rotizen, die für den Tagesbedarf niedergeschrieben waren. Rur, wer wie Bernhard, die persönlichen Zusammenhänge genau kannte, konnte in der Lage sein, aus allen diesen Schriftstücken ein abgerundetes Bild zu geben. Der vorliegende Band ist technisch in hervorragender Weise ausqestattet. Eine Reihe wertvoller Beilagen sind in vollendeter Weise wieder- gegeben, so der Personalausweis, mit dem der angebliche „Dersicherungsinspektor Erlenkamp" nach Dortmund fuhr, um im besetzten Ruhrgebiet eine Rede für seine Partei zu halten. Auch die Srnennungäuihmte zum Reichskanzler und ein langes Schreiben des Kardinals Faulhaber sind dem Buche saksimiliert als Sonderbeilagen hinzugefügt. Don den Tagebuchblättem und verschiedenen Privatbriesen finden wir ebenfalls Wiedergaben. die so schön gelungen sind, daß man glaubt, die Originale vor sich zu sehen. Es liegt in der Ratur der Sache, daß Stresemanns Tage- buch-Rotizen über Verhandlungen im Kabinett, mit anderen Staatsmännern, im Parteivorstand oder in der Reichstagssraktion sich auf Stichworte oder kurze Angaben beschränkten, die unter dem frischen Eindruck der Erörterungen niedergeschrieben waren. Erschöpfende und alle Gesichtspunkte erfassende Darstellungen können in diesen Rotizen nicht ruhen. Manches wird deshalb einseitig wirken und Einzelnes hätte wohl auch weggelassen werden können, ohne daß der Gesamteindruck abgeschwächt wurde. Aus Gründen der Pietät hat man aber geglaubt, nicht darauf verzichten zu sollen. Leicht entsteht daraus die Meinung, als ob Stresemann auch in seiner Partei nur Kämpfe und Schwierigkeiten gehabt habe. Das ist talsch. Die hundertfache« Zustimmungen der Freunde, die treue Gefolgschaft der Wählermassen war dem Führer immer gewiß. Davon brauchte er feine besonderen Aufzeichnungen sestzuhalten und hat es auch kaum getan. Was ihn bewegte, was ihn zu neuen Heberlegungen führte, um die Wege zum Ausgleich zu finden, das war der Widerspruch oder die abweichende Meinung einzelner Männer Stresemann war immer bestrebt, auch die divers gierenden Auffassungen, die sich bei der unge- heuren Schwierigkeit der Probleme jener Zeit ergaben. auf eine gemeinsame Linie zu bringen unS für das politische Leben nutzbar zu machen. Solche, die mit vorgefaßten Meinungen oder aus ganz anderen Gründen als der Führer ihren politische« Standpunkt wählten, haben sich bald von selbes aus der Partei ausgeschallet. In der Hauptsache sind es so die Ereignisse des Jahre 1923 und 1924, die diesem Werke den Hin-» tergrunb geben. Es waren schwere Zeiten damals, schwerer noch als heute. Die Mark raste in grerU -enlose Tiefen, der Feind stand im Lande, des Radikalismus wuchs gewaltig an, eine starke Führung wurde vermißt. Damals ergriff Stresemann das Ruder des Reichsfchiffes, um es zwar nun wenige Monate zu führen, aber doch, um in diesqtz Zeit einen großen Wandel herzustellen. Es bei gann der Kampf um die Räumung des Ruhrg« bietes und der Rheintande. das Ringen um eine« neuen Zahlungsplan, es folgten Reuwahlen zui» Reichstage und Kämpfe um We innerpvlitifche» Richtpunkte. In vieler Beziehung lagen also big Dinge ähnlich wie heute Diese Hrkundensamm-i lung wird für die Rachwelt eine Geschichtsgueltz von hoher Bedeutung sein. Wenn die VeroffenA lichung des ersten Bandes und etwas sagen sol^ dann ist es nichts anderes als die Mahnung» auch in schwierigen Zeiten den Mut nicht sinke« zu laffen, sondern zähe und bewußt für das zu kämpfen, was man nach innerer Prüfung als ridii tig erkannt hat. Es lehrt weiter, daß in allen außenpolitischen Fragen die Deutschen eine ge* schlossene Front bilden müssen und daß die inner» politischen Kämpfe niemals vergessen lassen dürfen, daß unser Vaterland von schweren Gefahre» rings umlagert ist. Sv schnell wir in unseres wirren Zeit vergessen, aus der Geschichte die nofa wendigen Lehren zu ziehen, so wenig werden big Tage Stresemanns ihre Spur verlieren. regTetttttg unferffetif, daß er sich bei dem SA.-Verbok in Wirklichkeit nur um eine Scheinmatz- 'i a h m e handle. Amtlich wird hierzu erklärt, daß man sich gegen eine derartige Lin- Mischung in innerdeutsche Dinge verwahre. Ls sei zu überlegen, ob nicht gegen den Berliner Korrespondenten des „Echo de Paris" wegen seiner abwegigen Behauptungen irgendwelche Mahnahmen ergriffen werden mühten. 19 Landeswahlvorschläge in Preußen. Berlin, 14. April. (VDZ.) Unter dem Vorsitz des Landeswahlleiters tagte der Preußische Landeswahlausschuß zur Feststellung der Landes- Wahlvorschläge für die preußische Landtagswahl. Insgesamt waren 20 Londeswahlvorschläge eingegangen, von denen nur einer zurückgewiesen wurde, weil er den gesetzlichen Erfordernissen nicht entsprach, nämlich der Vorschlag einer Deutschen Steuerzahler-Schutzpartei. 19 Landeswahlvorschläge wurden amtlich zugelassen, und zwar in folgender Reihenfolge: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Deutschnationale Volkspartei, Preußische Zentrumspartei, Kommunistische Partei Deutschlands, Deutsche Volkspartei, Rationale Front Deutscher Stände (Wirtschasts- partei, Landvolk und „Junge Rechte"), Deutsche Staatspartei, Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Deutsch-Hannoversche Partei, Christ- lich-Dozialer Volksdienst, Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, dann ein Wahlvorschlag mit der Bezeichnung: „Höchstgehalt der Beamten 5000 Mark, für die Arbeitslosen und bis jetzt ab- gewiesenen Kriegsbeschädigten", weiter ein Wahlvorschlag: Radikale Partei (Bewegung für gesetzliche Geburtenregelung und Wohlstand, früher Radikale Deutsche Staatspartei), Rationale Minderheiten in Deutschland, Partei der Erwerbslosen „Für Arbeit und Brot", Deutsche Einheitspartei für wghre Volkswirtschaft (Idealistische Bewegung Deutschlands), Deutsche Volksgemeinschaft (Dölkisch-Revrlutionäre Wirtschaftsbewegung), Rationale Opposition der Vereinigten Reichsbankgläubiger und Markgeschädigten, Menschheitspartei. Hugenbergs Wahlaufruf für Preußen. Berlin, 14. April. (TU.) Der deutschnationale Parteiführer Dr. Hugenberg erläßt zur -Preußenwahl einen Ausruf, in dem es heißt: Preußen, den alten Hohenzollernstaat, jetzt das letzte Bollwerk des 9. Rovember, gilt es dem System zu entreißen. Durch die unerhörte Schiebung mit der Geschäftsordnung des Landtages wähnt die schwarz-rote Koalition ihre zusammenbrechende Herrschaft aufrechtzuerhalten — entgegen dem Willen des Volkes, dessen Urteil sie voraussieht. Wir wollen Sauberkeit und Sparsamkeit der Verwaltung durch Ausschaltung des Parteibonzentums, Sicherung des Privateigentums in Stadt und Land gegen sozialistische Mißwirtschaft, Schuh der Familie, der deutschen Kultur und der christlichen Kirche vor der Zersetzung durch Kulturbolschewismus und Gottlosenhehe. Beseitigung des St raßen terrors und der öffentlichen Unsicherheit durch eine wirkliche Staats- Autorität, Wiederherstellung der Unabhängigkeit ver Justiz. Wiederherstellung der durch das Rot- verordnungswesen zerstörten Selbstverwaltung. Wirtschaftspolitische und kulturelle Gegensätze trennen uns vom Rationalsozialismus. Der Austragung solcher Gegensätze gehen wir nicht aus dem Wege. Aber wir stehen einer gemeinsamen Machtübernahme in dem eroberten Preußen nicht entgegen. Der schwarz-roten Koalition, diesem Krebsschaden unseres politischen, wirtschaftlichen uizd kulturellen Lebens, .gilt der eigentliche unerbittliche Kampf. Rur eine starke Deutschnationale Volkspartei, die nach durchgeführter innerer Erneuerung und Verjüngung als erprobte Garde des nationalen Kcunpfes ihren Willen und ihre Erfahrung in einer Rechtsregierung durchsetzen kann, bietet die Gewähr, daß nach der LIeberwindunq der Revolution der endgültige organische Wiederausbau unseres staatlichen und völkischen Lebens ohne neue gefährliche Experimente erfolgen kann. Freispruch in dem Stahlhelm- Beleidigungsprozeß des preußischen Ministerpräsidenten bestätigt. Leipzig, 14. April. (MTB.) In dem Beleidigungsprozeß gegen den Bundeskanzler des Stahlhelms, Major a. D. Wagner und den verantwortlichen Schriftleiter der Bundeszeitung des Stahlhelms, Kl ei na u, hat das Reichsgericht den am 21. Rovember v. I. ergajige» nen Freispruch des Landgerichts l Berlin rechtskräftig bestätigt. Es handelt sich um einen am 5. April v. I. in der Zeitschrift „Der Stahlhelm" unter der Lleberschrift „Um der Freiheit willen löst den Landtag auf" erschienenen Artikel, wegen dessen Inhalt der preußische Mini st erpräsidentStraf- antrag gestellt und vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte erwirkt hatte, daß beide Angeklagte wegen gemeinschaftlicher Beleidigung durch die Presse, und zwar Wagner zu 800 und Kleinau zu 400 Mk. Geldstrafe verurteilt worden sind. Zwar ist auch vom Reichsgericht besonders die Stelle, „die preußische Staatsregierung wird stet- in ihrem Hasse gegen jede stolze Regung der Ration Volk und Reich zu entmachten suchen", als eine strafbare Mißachtung und ein verletzender Angriff aus die preußische Staatsregierung gekennzeichnet worden. Doch habe die Strafkammer den beiden Angeklagten den Schutz des § 193 des Strafgesetzbuches zugebilligt, weil sie persönliche Interessen zu vertreten gehabt und nicht leichtfertig ihre Behauptungen aufgestellt hätten: außerdem habe den Angeklagten auch jede Absicht der Beleidigung gefehlt. Beginn der Tribui- befprechungen in Genf. Genf, 14. April. (TU.) Die Besprechungen über die Tributfrage sollen gleich Anfang der nächsten Woche während der Anwesenheit des Reichskanzlers mit vertraulichen Unterredungen rnitTardieuund Macdonald aufgenommen werden. In englischen Kreisen legt man Wert aus eine möglichst eingehende Vorbereitung der Lausanner Konferenz preffestimmen aus der Provinz. Zur Auflösung der SA. und SS. schreibt die „Kölnische Volkszeitung" (Zentrum) u. a.: Mit dem heute ausgesprochenen Verbot ist zwar der äußere Rahmen der privaten Dürger- kriegsarmee vernichtet worden, aber die Quelle, aus der sie bisher ihre Rahrung gezogen habe, sprudele unentwegt weiter. Die 30S 000 bis 400 000 jungen Leute, die bisher in den Sturmabteilungen festgehalten wurden, bleiben auch in Zukunft beschäftigungslos auf der Straße. Deshalb muß die Auflösung der SA. und SS. ihre Ergänzung finden durch eine Wirtschaftspolitik, die das große Heer der Arbeitslosen nach und nach verringert. Auf jeden Fall darf es aber nur eine Entscheidung geben: Der Staat muß sich unter allen Umftänben behaupten, und wer sich an der Autorität des Staates vergreift, hat keinen Anspruch auf Schonung. Demgegenüber erklärt die „Kölnische Zei- f u n g" (Volkspartei), daß sie keinen Anlaß habe, etwas von den Zweifeln und Bedenken, die sie bereits gegen ein Verbot ausgesprochen habe, zurückzunehmen. Alle derartigen Versuche seien ihrer Meinung nach wenig wirksam, weil alles, was das Tageslicht scheuen müsse, stets gefährlichere Formen annehme. Man hätte überlegen sollen, ob nicht die Mitglieder der aufgelösten SA. dem Arbeitsdienst z u g e f ü h r t werden könnten. • 3m „Völkischen Beobachter" betont der Hauptschriftleiter Alfred Rosenberg, daß zehn Jahre lang die SA. der Garant für die Wiederherstellung der Sicherheit war, denn ohne sie hätten sich die Deutschen überhaupt nicht mehr zu Versammlungen zusammenfinden können, ohne Gewalt befürchten zu müssen. Es heißt dann weiter: Wir stellen fest: Von hohen marxistischen Beamtenstellen aus wurde öffentlich mit Gewaltanwendung durch Eiserne Front, Reichsbanner usw. gedroht, auch Bei legaler Machtergreifung durch Hitler. Trotzdem sind Reichsbanner und Eiserne Front nicht aufgelöst worden. Wir fragen das deutsche Volk, wie es über die Begründung der Auflösung der SA. denkt, wenn darin zu lesen ist, diese Auflösung sei „streng überparteilich" und „nach allen Seiten gleiches Maß angewendet". Die nationalsozialistische Leidenschaft zu Deutschland. zu seinem Volk und seiner Zukunft wird durch dies alles nicht erschüttert werden. Den Kampfwillen kann man uns nicht ausbrennen. Der 13. April steht vor der deutschen Ration als warnendes Fanal. Oktoberstimmung ist über Deutschland) das deutsche Volk hat es am 24. Llpril noch einmal in der Hand, einen Rovember abzuwehren. Die „Münchener Reuesten Rachrichten" schreiben u. a.: Wenn die Reichsregierung den Gedanken des alleinigen Rechts des Staates zum Schuhe der Ordnung und Gesetze konsequent zu Ende denke, so könne sie an den Kampftruppen des Reichsbanners unter keinen Hmftänben Vorbeigehen. Entweder man stütze sich auf das alleinige Vorrecht des Staates zur Haltung von Organisationen, die dem Kampf und der Ordnung dienen, dann müsse man alle Privatheere verbieten oder man stütze sich lediglich auf die illegalen Absichten der Rationalsozialisten. Dann solle man es offen sagen. Der „Bayerische Kurier", das Organ der Bayerischen Volkspartei, bemerkt unter der Lleberschrift „Selbstbehauptung des Staates" u. a.: Die Auflösung der SA. ist eine Selbstverständlichkeit, und verwunderlich daran ist nur, daß sie erst jetzt erfolgt. Jedes Staatswesen, das nicht einfachen Selbstmord begehen will, muh, wie immer es auch im einzelnen gestaltet ist, an dem Grundsatz festhalten, daß d i e o r ga- nisierte Macht im Staate nur in den Händen des Staates selbst liegen kann. Die bayerischen, hessischen und preußischen Enthüllungen haben jedem, der sehen will, gezeigt, wohin die Dinge treiben, wenn der Staat der Entwicklung frei ihren Lauf läßt. • Der „Fränkische Kurier" sagt: „Wenn der Staat die Vereinigungsfreiheit für die hündische Form nicht gelten lassen wolle und in der Verbindung von disziplinärer Einordnung, körperlicher Schulung und politischer Gesinnungsgemeinschaft eine Gefahr erblicke, dann müsse er konsequent sein und, vom Reichsbanner angefangen, alles verbieten, was in Deutschland an wertvollem und wertlosem bün- dischem Gut in der Politik stehe. So gibt sich das Verbot als eine einseitige, parteipolitisch zu deutende Maßnahme drei Tage nach der Hindenburgwahl und zehn Tage vor der Preußen- und Dayernwahl. und betont, daß die gleichzeitige Anwesenheit von S t i m s o n, Macdonald, Brüning, Tardieu und G r a n d i eingehende Aussprachen und damit eine weitgehende Vorbereitung der endgültigen Entschlüsse der Lausanner Konferenz möglich machen. Jedoch wird in diesen Besprechungen auch die Donaufrage und der weitere Verlauf der Abrüstungskonferenz eine maßgebende Rolle spielen. Deutscher Antrag auf der Abrüstungskonferenz. G e n f, 14. April. (WTB.) Botschafter N a d o l n y unterbreitete der Abrüstungskonferenz den Antrag, daß Artikel I des Konventionsentwurfs eine g e - neuere Formulierung im Sinne einer stärkeren Betonung des Abrüstungsgedankens erhalle. Aufgabe der Abrüstungskonferenz fei nach deutscher Auffassung nichtdieBegrenzung,sondern die Herabsetzung der Rü st ungen. Der deutsche Antrag wird vom Präsidium der Konferenz an den Hauptausschuß zur Behandlung weiter- gegeben werden. Annahme des Forstetats im Finanzausschuß. Darmstadt, 14. April. (WHP.) Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags beriet den Forstetat zu Ende. Finanzminister Kimber- ge r und Landforstmeister Dr. Hesse gaben Antworten auf zahlreiche Anfragen. Von der Forstverwaltung werde in der Verbesserung der Verkaufsbedingungen und in der Durchführung kaufmännischer Methoden nichts unversucht gelassen. Der Domänenergänzungsstock, der gespeist werde zumeist aus den Verkäufen von baureifem Gelände, sei zur Zeit auf 450 000 Mark gestiegen. Die hessische Försterschule, deren Abbau der Sparkommissar nicht verlangt habe, sei geblieben, weil die Forstanwärter aus Anhalt, Oldenburg und Lippe ebenfalls in Hessen ausgebildet würden und die Betriebskosten außerordentlich gering seien. Hinsichtlich des nationalsozialistischen Antrages auf Pachtstundung für ein Jahr erklärte Dr. Hesse, daß die Einnahmerückstände bei diesem Kapitel i. I. 1930 2 449 000 Mk. betrügen und der Rückstand 1931 voraussichtlich noch größer sein werde. Es sei-daher unmöglich, eine generelle Stundung zu gewähren. Die Pachtpreise für Hofgüter und parzelliertes Gelände würden zu einem Einheitspreis berechnet. Die Regiejagden in Hessen umfaßten nur 25 Prozent im Gegensatz zu anderen Ländern, wo sie 50 bis 60 Prozent ausmachten. Die Rationalsozialisten haben ihren Pachtstundungsantrag jetzt so abgeändert. daß die Pachtstundung erst aus Antrag hin eintritt und nur, wenn der Schuldner die Vermögenssubstan^ angreifen müßte. Bei den Abstimmungen enthielt sich der ganze Ausschuß bei dem Landvolkantrag, der die Be - försterungsbeiträge für Gemeinden und private Waldbesiher um die Hälfte für 1931 herabzusetzen wünscht, der Stimme. Angenommen wurde der Zentrumsantrag, den Gemeinden mit Eigenschülwaldungen und Riederfchlagbeständen weitgehendst entgegen* zukommen, der abgeänderte nationalsozialistische Antrag zur Pacht st undung, der Zen- trumsantrag, die Forst- und Wasserbauämter zu ermächtigen, im Falle unverschuldeter Rot D o- maniatgefälle aus Antrag der Schuldner gegen Entrichtung der üblichen Zinsen bis 1. 6. 1932 zu stunden, die kommun!skischen Anträge, die Beträge für Holzanbau von 300 000 auf 500 000 Mark und für Wegebau von 116 000 auf 300 000 Mark zu erhöhen, der Zentrumsantrag. der den Fonds für Wegebau in dem ehemals besetzten Gebiet in Anspruch nehmen will und schließlich das gesamte Kapitel, das mit 7 222 232 Mark in Einnahmen und 6 445 273 Mark in Ausgaben abschließt. Hierfür stimmten fünf Abgeordnete (Sozialdemokraten und Zentrum), zwei Kommunisten dagegen: die fünf Rationalsozialisten enthielten sich der Stimme. Ausdehnung des freiwilligen Arbeitsdienstes im Rheinland. Urbar machungs- und Entwässerungsarbeitcn. Altenkirchen, 15. April. (ERB.) Im Kreis- Haus zu Altenkirchen fand eine Besprechung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, der Regierungspräsidenten, der Landräte und der Leiter der rheinischen Arbeitsämter statt, die sich in der Hauptsache mit der Arbeitsbeschaffung für öte Erwerbslosen befaßte. Die Beratungen drehten sich insbesondere um die Ausgestaltung des freiwilligen Arbeitsdienstes- — Oberpräsident Dr. Fuchs wies darauf hin, daß auf dem Gebiete der 11 r - barmachung minderwertigen Waldes und der Entwässerung der Wiesen und Felder für viele Hunderttausende Arbeit zu beschaffen fei. Durch die Ausführung dieser Arbeiten könne es ermöglicht werden, daß ein großer Teil der Bevölkerung, der bereits jetzt Land bearbeite, in der Hauptsache aber in de« Industrie beschäftigt sei, sich auf landwirt- fchaftlichem Boden selbst ernähre. Mindestens 7.5 Millionen Hektar Acker und 2.5 Millionen Hektar Wiesen in der Rheinprovinz erbrächten nur geringen Ertrag, da sie nicht entwässert seien. — Die Aussprache über dieses Thema ergab die Auffassung, daß umgehend mit der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung wegen der Durchführung dieser Arbeiten nach dem Grundsatz des freiwilligen Arbeitsdienstes verhandelt werden soll. Aus aller Welt. Zum 100. Geburtstag Wilhelm Buschs. Die aus Anlaß des 100. Geburtstages Wilhelm Buschs von der Wilhelm.Busch-Gesell- schäft veranstaltete Erinnerungsfeier wurde am Donnerstag mit einer Gedenkrede an der Ruhestätte Buschs auf dem Dorffriedhof in Mechtshausen (Hannover) eingeleitet. Eine wohl tausendköpfige Menge von Freunden des großen Humoristen hatte sich eingefunden. Reich, Staat und Provinz hotten Vertreter entsandt. Als Beauftragter Kaiser Wilhelms II. war Generalmajor z. D. von Dammes erschienen. Ferner sah man Vertreter der Busch-Verleger Broun und Schneider und Bossermonn in München. Die Niedersächsische Dichtergemeinde repräsentierten Professor Sohnrey u. o. Vom Vorstand der Buschgemeinde war mit den Reffen des Toten den Brüdern N ö 1 d e cf c , der Ehrenvorsitzende Landeshauptmann Hogemonn anwesend. Im Auftrage der preußischen Staotsregie- rung sprach Regierungspräsident Höhnen (Hildes- heim). Der Redner stellte die Frage: „Was war er uns?" und sagte, sie beantwortend: Das Größte, was Busch uns gegeben hat, ist der Aufbau feines Lebens. Wir wandern alle in der Unruhe unserer Tage, dem Augenblick mit feiner Mühe und Klage versollend. Er schreitet dem inneren Gesetz seines Lebens folgend aufwärts, sich mehr und mehr lösend von der Well des Scheins und den Bindungen des Tages, bis er der Weise wird, der den bitteren Kern des Lebens wohl erkennt und es doch freudig bejaht, der Weise, in dem alle hohen Züge deutsches Wesens zu einer wunderbaren ob geklärten reifen Persönlichkeit zusammenfließen. In diesem Leben ist dem deutschen Volke ein großer Schatz gegeben, der noch längst nicht gehoben ist. Pastor R ö l d e ck e -Lüthorst betonte, daß es in den ersten Jahren von Buschs Aufenthalt in Mechtshausen den Dorfbewohnern kaum bekannt geworden fei, wer in ihrer Mitte weilte. In der großen lauten Welt habe man gar nicht gewußt, wo Wilhelm Busch geblieben war, oder ob er überhaupt noch lebte. Erst, als fein 70. Geburtstag kam, habe ein Zeitungsmann den Weg in das weltferne Dors gefunden und über den Einsiedler in Mechtshausen berichtet. Röldecke erinnerte zum Schluß daran, was Busch am Ende seines Lebens, des Manderns müde, geschrieben hat: „Run kommt die Rost, ich bin bereits atn Ziele. Ganz nahe hör ich schon die Lethe fiehem und sieh! am Ufer stehen ihrer viele, mich, der ich scheide, freundlich zu begrüßen." Schweres Explosionsunglück in Amerika. In Columbus (Ohio) ereignete sich in dem im Bau begriffenen neuen staatlichen Bureau - g e b ä u d e, das 6 Millionen Dollar kostet, eine schwere Explosion. Eine Wand wurde herausge'drückt. Man nimmt an, daß die Explosion auf die Entzündung der im Erdgeschoß avgesammelten ?l b w ässe r g o s e zurückzuführen ist. Die Feuerwehrleute befürchteten, daß wenig Hoffnung besteht, die u n t e r den Trümmern Begrabenen deren Zahl auf 30 geschätzt wird, zu retten. Bisher sind sechs Tote geborgen worden. Die Bergung der unter dem Schutt Begrabenen kann mehrere Tage beanspruchen, do das Gebäude sechs Fuß hoch mit Trümmern ungefüllt ist. Die Explosion erfolgte mit solcher Wucht, daß Mormorblöcke 200 Meter weit in den benachbarten Fluß geschleudert wurden. Die Vulkanausbrüche in den Anden. Die Tätigkeit der Vulkane in den Anden Hatz beinahe ganz aufgehört. Der Aschenregen hat ebenfalls nachgelassen und die Lust ist wieder klar. Man befürchtet eine Schädigung des Viehs durch die in der Asche enthaltenen Chemikalien. Anderseits wird aber gehofft, daß sich die dicke Ascheschicht als wertvolles Düngemittel für die Kulturen auswirkt. Durch die dicke Aschenschicht fallen Weinberge und Baumkulturen, wie tief verschneite Landschaften aus. Die Hausfrauen benutzen die Asche zum Putzen ihrer Kochtöpfe. Die Geologen schätzen, daß sich die ganze Asche, die während der Ausbrüche niedergegangen ist. auf mehrere Millionen Tonnen beläuft. Selbst in Patagonien und auf der Insel Juan Fernando siel dichter Aschenregen. Auch aus dem brasilianischen Staat Rio Grande do Sul wird eine Aschenschicht von 5 Zentimeter Höhe gemeldet. Der vielfach unterbrochene Eisenbahnverkehr konnte wieder ausgenommen werden, erleidet jedoch große Verspätungen. In vielen Orten hat während 60 Stunden ununterbrochen Licht gebrannt. Vulkanausbruch im Kaspischen Meer. Auf der Insel Swinoj, 30 Meilen von Baku ent- ernt, ist ein Vulkan in Tätigkeit getreten. Der in >er Nähe befindliche Dampfer „Jakob Sewin" hot ofort Rettungsmoßnohmen für die Einwohnerschaft getroffen. Es wurden 18 Personen mit starken Brandwunden an Bord genommen, fünf Personen sind in den Flammen umgekommen. Schwere Arbeitslosenunruhen in Reuseeland. In Auckland, der 100 0Ö0 Einwohner zählenden zweitgrößten Stadt auf der Rordinfel Reuseelands, brachen große Arbeitslosenunruhen aus, wobei sämtliche Fensterscheiben in den Hauptgeschäftsstraßen zertrümmert wurden. Viele Läden wurden vollkommen ausgeplündert. Zunächst zog ein Trupp von Beamten durch die Straßen, um eine Kundgebung gegen die neue Lohn- und Gehaltskürzung in Höhe von 10 v. H. zu veranstalten. Rach und nach schlossen sich viele Arbeitslose an, sodaß der Zug auf mehrere tausend Personen anwuchs, als er die Hauptgeschäftsstraßen erreichte. Plötzlich begannen Arbeitslose die Sch aufenster ein- zu werf en. In kurzer Zeit war im Zentrum der Stadt kein Fenster mehr ganz. Darauf stürmte die Menge unter der Führung von Mädchen und Frauen mit lautem Geschrei die Geschäfte und plünderten sie. Viele Personen trugen Verletzungen davon. Mehrere Schutzleute wurden schwer mißhandelt. Die Erregung steigerte sich noch, als die Menge m e h x e r e Likörgeschäfte plünderte und viele Leute betrunken wurden. Rachdem die Polizei vollkommen in die Enge getrieben war, wurden sämtliche Matrosen eines im Hafen liegenden Uebungskreuzers an Land befohlen, um die Ordnung wiederherzustellen. Auch die F e u e r- wehr wurde zu diesem Zweck eingesetzt. Der Bürgermeister forderte die Bürger im Rundfunk auf, sich auf den Polizeistationen zu versammeln und eine Bürgerwehr zu bilden. Erst nach vier Stunden konnte die Ruhe wieder her- gestellt werden. Die Sachverständigen im Dilderfälscherprozeh. Im Wacker-Prozeh erfiärte der Restaurator bei den staatlichen Museen Ruhe mann als Sachverständiger, daß bei den Bildern deutlich zu erkennen sei. in welcher Reihenfolge sie gemalt wurden. Die späteren Bilder wiesen eine unverkennbar größere Aehnlichkeit mit echten van Goghs auf. An Hand eines Kataloges wird dann festgestellt. daß von den 16 im Gerichtssaal ausgestellten Bildern elf nach der übereinstimmen-' den Meinung der Sachverständigen falsch, während bei fünf Bildern die Ansichten geteilt sind. Rach Aussage des Kunsthändlers Stöbe- ran sind alle Bilder van Goghs aus der Pariser Zeit aus einer typisch französischen Leinwand gemalt, die ein besonders feines Gewebe habe und in Deutschland zu Malzwecken nicht verwandt werde. Dr. de W i l d t erklärt demgegenüber, daß van Gogh auch Handtücher und Tischdecken zu seinen Bildern benutzt habe. (Ein Jlugboof ins Meer gestürzt. In Soerabaja (Java) stürzte ein Dornier- Flugboot ins Meer und ging unter. Drei Unteroffiziere, die sich an Bord befanden, werden vermißt. Ein vierter Unteroffizier hat Verletzungen erlitten, denen er bald nach dem Absturz erlegen ist. Wettervoraussage. Durch die Störung über den britischen Inseln einerseits und durch Tiefdruck über dem Mittelländischen Meer anderseits hat sich eine Tiefdruckrinne gebildet. Ihr Einfluß wird sich bis in unser Gebiet ausdehnen, so daß mit dem Vorschub von Bewölkung die nächtliche Ausstrahlung gehemmt wird. Die Temperaturen werden infolgedessen nichk unter den Gefrierpunkt zu liegen kommen, wie es an den beiden letzten Tagen der Fall war. Mit dem Auftreten leichter Niederschläge muß ebenfalls gerechnet werden. Aussichten für Samstag: Vorübergehend stärker wolkig, aber auch leicht aufheiternd, Tempera, turen mehr ausgeglichen und ebenfalls etwas milder, leichte Regenfälle. Aussichten für So n n t a g : Temperaturen wenig verändert, neblig-wolkig mit Aufheiterung. Lufttemperaturen am 14. April: mittags 6,2 Grad Celsius, abends —0,3' Grad Celsius; am 15. April: morgens — 1 Grad. Maximum 7,4 Grad, Minimum — 2,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. April: abends 7 Grad: am 15. April: morgens 3,2 Grad. — Sonnenscheindauer 4% Stunden. , Weilt, OBERST Tempera' mit und ohne Mundstück a-nLLm Mach öerPreissmkung vonZPfg auf 3'zPsg hat nen bet. ngen. 3n 1 ununter' 5"S- 'm!-»- =" "erlchneite die Die Seo. Ne, K ’ >ft auf Selbst in oernanbo wieder isl's Frühlingt Die Sonne lacht und freut sich vor allem über unsere Hausfrauen, die nun rben vermm- naen erlitten, jetlanb. itt zählen- tnfel Heu- iruhen au-, en Haupt« Biele Läden unächst zog trahen, um ie neue I in Höhe und nach , lodah der tlouchs. als e. Plötzlich ister ein- i Zentrum . Darauf runtz von ^6)te\ Vte B\de Per- liere Schutz« e Erregung mehrere und Diele die Polizei >ar, wurden n liegenden ifohlcn, um itegeuer« geletzt. Der i Rundfunk verlammeln l Erst nach :be:her- Bafuent. en. Der in iemin* hat 'ohnerfchaii nit starken s Personen hrrpr»zeß- stauratorbel n als Sach- stich zu er- gemalt M» i unvcrkenn- van Goghs b bann fest- »tsfaal aus- reinstimmen- i 1 al sch. chten geteilt es Stöbe- der Pariser zösischen iders seines Dalzvetten Idt erklärt ch Hank" ien wildern bis in uni" kannt, u. a. deshalb, weil sic durch das Äus- hängen des Transparents und der Fahne gereizt worden waren, obwohl sic sich hätten ' sagen müssen, daß in politischen Kämpfen derartige und ähnliche Aufreizungen gang und gäbe und nicht tragisch zu nehmen feien. — Auch wegen Diebstahls der Fahne war Anklage erhoben, der Angeklagte aber frei gesprochen worden, weil er die Fahne bald nach dem Herunterholen einem Rationalsozialisten zurückgegeben hatte. Ein anderer Reichsbanner mann, der mit dem Gummiknüppel dreinschlug und deshalb außer wegen Körperverletzung wegen Waffenrnihbrauchs angeklagt war, wurde wegen dieses Vergehens ebenfalls freigesprochen, weil er die Waffe nicht trug, nicht mit sich führte, sondern nur einem andern abgenommen hatte. Dagegen wurde der Aatio- nalsozialist wegen Vergehen- gegen Paragraph 1 des Gesetzes gegen den Wasfenmiftbrauch vom 28. März 1931 zu zwei Wochen Gefängnis -Preis öcnMcömsMd ~ von 1013 macht! ohne sein Wissen den Betrag abgeändert habe, und daß er bei Einreichung der Rechnung hiervon nichts gewußt habe. Auf Grund der Beweisaufnahme kam das Gericht zu der Lleberzeu- aung, daß der Angeklagte in Kenntnis der Fälschung die Rechnung in der Absicht weitergegeben hat, sich einen Dermögensvvrteil zu verschaffen. Er wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Amtsgericht Gießen. Namentlich in belebten Straßenteilen, in denen Verkehrsgefährdungen häufiger sind, müssen die Kraftfahrer, aber auch die Radfahrer darauf bedacht sein, daß sie beim Cinbiegen in eine Straße die von ihnen in Aussicht genommene Fahrtrichtung im Intevesse der anderen Wegebenutzer und der Aufsichtsbeamten vorher genügend kenntlich machen, mag auch in vielen Fällen eine Anzeige nicht erfolgen und zunächst nur eine Der- tvarnung stattfinden. Gin Autofahrer berief sich darauf, fein mechanischer Fahrtrichtungsanzeiger habe zufällig nicht funktioniert, wurde aber damit nicht gehört, weil es feine Pflicht war, sich vor jeder Fahrt zu vergewissern, ob er sich aus diesen verlassen könne. Er erhielt die übliche Geldstrafe. Zu zwei Monaten Gefängnis wurde ein vorbestrafter Taglöhner verurteilt, weil er zum Rachteile der Mitglieder seiner Partei von ihm sem Einbruch Geld, auf das er es in erster Linie abgesehen hatte, nicht vorfand, so entschloß sich der Dieb, noch in der gleichen Dacht bei einem Hausgenossen einen Einbruch zu begehen. Er druckte dos Fachwerk einer Lchmwand ein. gelangte durch diese Oeffmmg in eine Kammer und entwendete dort drei Haecnfelle, feiner Bekanntschaft stahl er einen silbernen Ring, den er ihr aber später wieder zurückgab. Da der Angeklagte wegen Diebstahls noch nicht vorbestraft ist, wurde er unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gesamtstrafe von vier Monaten drei Wochen Gefängnis verurteilt. Ein Land- und Gastwirt, der mehrere Zahre Vertreter einer Handwerkerkrankenkasse seine« Wohnorte- war, hatte sich wegen schwerer Urkundenfälschung zu verantworten. Einem kaufmännischen Angestellten der Krankenkasse, der monatlich die Verrechnungen bei ihm vornahm, übergab er bei dieser Gelegenheit eine auf den Betrag von 20,50 Mk. lautende, quittierte Rechnung über Anschaffung einer Drille zwecks Rückvergütung des von der Krankenkasse zu tragenden Anteils. Später stellte sich heraus, daß der ursprünglich ders die Böden. Darum: mit LOBA In den Frühling! Nehmt Loba-Beize, dos altbewährte wasserechte Farbbohnerwachs. 2856V «ftw ft er provinzialhauptstaftt Dießen, den 15. April 1932. Das Wertvollste des Wanderns. Von Paul Leonhardt. Einen Reichsopfer' und Wcrbetog für Zu. Berufsberatung. Uebcr die Tätigkeit der Berufsbepatungs- ft ekle beim Arbeitsamt Gießen im Verlaufe des Monats März wird folgendes berichtet: Im Berichtsmonat nahmen 339 Ratsuchende (213 männliche, 126 weibliche) die Berufsberatung in Anspruch. Sie kamen aus Volks-, Handelsschulen und höheren Lehranstalten: auch 20 ältere, längst schulentlassene, waren darunter. Die Knaben äußer- ten 51 die Mädchen 13 verschiedene Berufswünsche. Die „Unentschlossenen" waren verhältnismäßig wieder in überwiegender Mehrzahl. Don den Knaben wurden in angegebener Reihenfolge die Berufe des Kaufmanns, Schuhmachers und Bäckers am meisten begehrt, von den Mädchen ebenfalls die kaufmänni. schen Berufe, dann die der Hausgehilfin und Schnei, derin. Die Abiturienten bevorzugen natürlicherweise sehr stark akademische Berufe. Infolge der erschwerten Zulassungsbedingungen für die Studienrotslaufbahn und der geringen Aufnahmefähigkeit der Volksfchul und Gewerbelehrerausbildungsinstitute werden Lehrerberufe augenblicklich kaum noch gewünscht. Dafür ist vor allem das Theologiestudium mehr in den Vordergrund der Berufswahl gerückt, während die anderen akademischen Berufe sich etwa gleichmäßig im Zugang der abgedränqten Lehrberufsanwärter teilen. Wer aus finanzieren Gründen nicht ftu- vieren kann, wählt mit Vorliebe Reichswehr-, Polizeioder andere Beamtenberufe, selten kaufmännische, handwerkliche oder landwirrfchaftliche. Zu letzteren wird sich gewöhnlich erst schweren Herzens entschie- den, wenn man lange genug vergebens auf Unter» kommen in Versorgungsberufen gewartet hat. Eine Anzahl von Berufsanwärtern (-innen) mußten von der endgültigen Berufsentfcheidung einer ärztlichen oder Berufseignungsuntersuchung unterzogen werden. Neuängemeldci wurden 39 (36 für Knaben, 3 für Mädchen) offene Lehrstellen und in solche vermittelt Waue und Ortsgruppen am 16. und 17. April °urch. Wir benutzen diese Gelegenheit, unseren Lesern in den nachfolgenden Zeilen die Bedeutung des Iugendwanderns und des Iu- gendherbergswerkes für unser Volksleben vor Augen zu führen und an sie die Bitte zu richten, sich an dem Opfer für dos Jugend- Herbergswerk noch besten Kräften zu betet- l'gen. D. Red. Die Jugend wandert. Einzeln, zu dreien und vieren, in kleinen Gruppen, in größeren Scharen, Knaben und Mädchen, ziehen sie hinaus aus den «tädten, aus den Schulen aus den Geschäften, hin- °us in die Wälder und Felder, ans Meer und in en daran angrenzenden Hof raum einer anderen 240 'm art — hatte er nicht etwa eine Rot gelind dert. sondern sie verjubeu. Wegen Betrugs zum Rachtell der Reichs- anftalt für Arlxntslosen Versicherung hatte sich wiederum eine Reihe von Angeklagten zu verantworten. €ne wurden zu erheblichen Geldstrafen verurteilt. Rur besonderen Umständen ^ltcn sie» cs zu verdanken, dah sie noch einmal einer Gefängnisstrafe entgingen, denn aus naheliegenden Gründen sind derartige Betrügereien streng zu ahnden. Es handelte sich um ein bewußtes Zusammenwirken von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, in einem Falle um Schwieger - noter und Schwiegersohn. Mm dem Arbeitnehmer Arbeitslosenunterstützung tu verschaffen bzw. zu erhalten, hatten die Arbeitgeber unrichtige, zue Abgabe an das Arbeitsamt bestimmte Bescheinigungen ausgestellt, und die Arbeitnehmer hatten diele zu dem nämlichen Zwecke dem Arbeitsamt vorgelegt. Dielcs sucht nach Möglichkeit durch erhöhte Wachsamkeit und energische Abwehrmatz- nahmen diesen traurigen, aber in säst erschreckender Weise zunehmenden Zeiterscheinungen entgegenzutreten: cs hat auch Erfolge zu verzeichnen: die Betrügereien wurden öfters noch vor Torschluß entdeckt. So blieben auch in einem her verhandelten Falle die betrügerischen Manipulationen im Dersuchsstadium stecken, und die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung wurda vor einem Schaden von etwa 200 Mark bewahrt. 25 3afjre Verband evangelisch, kirchlicher Zrauenvereine in Hessen. WSR. Darmstadt. 14. April. Die in Hes- sen bestehenden evangelisch-kirchlichen Frauenvereine haben sich vor einem Vierteljahr-Hundert zu einem Verband zusammengeschlossen. der sich in segensreicher Weise entwickelt hat. Aus den anfänglich 25 Vereinen find beute 215 mit 38 000 Mitgliedern geworden» Was der Verband im Krieg und im Frieden an sozialer Arbeit sowohl, als auch an Vertiefung evangelischen Frauentums geleistet hat. verdient weitgehende Würdigung. Die Feier des 25. Bestehens des Verbandes, der ein Glied der zwei Millionen Mitglieder umfassenden Vereinigung Evangelischer Frauenverbände Deutschlands ist, soll in einfachstem Rahmen am kommenden Sonntag, 17. April, in Darmstadt stattfinden. Um 10 Ufjr ist FestgottcSdienst in der Stadtkirche < Festprediger Dekan Gußmann aus Kirchberg bei Lollar). Anschließend findet um 11.45 Uhr im Rummelbräu die Hauptversammlung statt. Um 15 Uhr ist im Saalbau Festversammlung mit Begrüßung durch den Prälaten und Vortrag der Vorsitzenden der Vereinigung der evangelischen Fraucnverbände Deutschlands, Frau l). MaAa- lena von Tilling- Berlin über „Was bat Luther uns Frauen von heute zu sagen?" Der Vorsitz des Verbandes ist erst kürzlich von der Fürstin zu Erbach-Schönberg an Frau Heraus- Offenbach übergegangen. (Schluß des redaktionellen Teils.) Sprechstunden fanden 81 Beratungen, sowie in%er« mittlungen statt. Bornotizcn. — Tageskalender für Freitag. Stadt- Aster. Vater sein bagegen sehr!". 20 bis 22.30 Uhr. — Goethe-Bund: 20 Uhr, Neue Äula Wilhelm- ; Busch-Gedenkfeier. — Bund Haus und Schule- ' 20 Uhr, Iohannessaal, Familienabend — Bau- ‘ genossenschaft 1894: 20.15 Uhr, „Postkeller", außer- • ordentliche Mitgliederversammlung. — Baptisten. gemeinde: 20.15 Uhr, Gartenstraße 13, Vortrag über »Muß man üch bekehren?" — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Sieger". — Astoria-Lichtspiele Sei- tersmeg; „Fred Thomsons kühnster Ritt" und „Ri- Daten der Liebe". Aus dem Stadttheaterbureau tvird uns geschrieben: Heute zum letzten Male als 25. Vorstellung im Freitagabonnement zu gewöhnlichen Preisen das englische Lustspiel QJater sein dagegen sehr!" von Edward EhildS Earpenter. in der deutschen Bearbeitung von Sil Vara. Ein Stück, das das Gelächter der S Geschlossen. Berufskittel farbig. Zephir.... ist gestern nachmittag ganz unerwartet im 67. Lebensjahre von uns gegangen. Damen-Schürzen la gestr. Siam.. 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BoDn-Itoinings Dienstags u. Donnerstags ab 6 Uhr abds. für Aktive und Jugendliche. Freitags ab 6 Uhr abds. fürFranen. Sonntags vormitt. ab 10 Ubr f. alle Mitgl. der Leichtathletik u.Fra^en abteilung. Erstes offizielles Training am Sonntag, dem 17. Avril. Allseitige Beteili- gung dringend er- forderlich. 1.45 1.35 Mein innigstgeliebter Mann, unser treusorgender Vater und Großvater Herr Fritz Bauer Apothekenbesitzer KOHLER Gießen 2949 A Seltersweer 17 Samstag, 1 «.Avril 1932 abends 8.30 Uhr im Verbandsheim Überführung der neuen Funggehilicn in dieQrtsgruvve unter Mitwirkung der Musiker- gilde undJugendgruppe. Wir erwarten jeden Kollegen! 2954 0 ax Betten LM Sch InfateB.Xln der bellen, Pokt Jl'ahlmatr, Chal.'-L, an Jeden. Tcfbehta. KataL tr aaenmöbeUahA Suhl (ThJ Wiesecker Uditspiele Samstag,16.4.,bis Montag, 18.4.,abds.8.30 Uhr Sonntagnachm. 4 Uhr nnd abends 8.30 Uhr, der große Ufa-Tonfilm Der Kongreß lanzi Dam das gnt.tflnendeBeiprogramm Eintrittspreise: Mk. 0.60, 1.—. Voranzeige: Samstag, 23.4., bis Montag,25.4. Die Mutter der Kompagnie steht im Zeichen der Werbe-Tage Anzüge — Mäntel — Slipon* Hosen--überhaupt Kleidung aller Art für Herren und Knaben, sind zu Werbe-Preisen zum Verkauf gestellt. Einige Tausend Bekleidungsstücke wurden ermäßigt. Es konnte geschehen durch Wahrnehmung vieler Gelegenheits-Einkäufe, um wirklich Außergewöhnliches in den Preisen zu leisten. — Darum gehen Sie den einzig. Weg zu Graue Turnschuhe mit Chromsohle _ Gr. 36-42 31-35 27-30 „ 0^5 1.45 1.25 1.15 23-26 Herren - Lack - Halbschuhe, rassige Formen, 4Z95 moderne Ausführungen, weiß gedoppelt 13.90, 10.90, 8.90, 7.95 Braune Sport- schnürschuhe, schöne aZ75 Modelle, besonders prakt. Lauf- und Wanderschuhe, W W Gr.36 - 42...8.95, 7.95, Braune Rindl.-Sandalen kräftige Qualität, holzgenagelt Ao. Gr. 36-42 31-35 27-30 - 3.45 2.95 2.50 20-26 X | Stellenangebote| Saubere, zuverläss. Fran od. Mädchen für kl. Privatbaushalt einig.Stunden täglich geiucht. 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Das ist einmal der M u t, mit dem er im Bewußtsein höchster Der- antwvrtung Jahr für Jahr auf seinen Tagungen r schonungsloser Kritik an die eigene x t das ist ferner der heilige Ernst, mit dem er Jahr für Jahr zu den Quellen feiner Kraft hinabsteigt, das ist endlich die tiefschürfende Gedankenarbeit, die er auf jeder Tagung aufwendet, um sich die Grundsätze und Ricktt- imen für die «gaben des Alltags, die bc- Ausgaben gerade des kommenden Jahres neu zu erringen. Diese Einstellung gibt den Tagungen ihren eigenartig wirkungsvollen Cha- ca ~ '*e lind niemals schöne Geste, Heerschau, Reklame, sondern echte Arbeitsge- m e aft und gibt dem Reichselternbund me Fähigkeit, nicht sich den Verhältnissen an- LUPasfen. aber sie zu verstehen und aus diesem Verständnis heraus anzugreifen und zu meistern. Ruch in diesem Jahr wurde den Teilnehmern durch den Hauptvortrag des HamburgerShnodal- praside^iten D. Schoeffel über Volkstum und Evangeliuist in fast visionärer Kraft die Bedeutung der Stunde vor Augen geführt' als Schicksalswende zweier Zeiten, als Abschluß eines Menschheitstages von 500 Jahren, in dem das Individuum, von den mittelalterlichen Fesseln befreit, seinen Flug zu den Sternen antrat — eui Flug von beispiellosem Erfolg, und doch ein Ikarus-Flug, weil der von allen Bindungen an dos Objektive gelöste Mensch trotz des Höhen- flugs seiner Ideen zuletzt obstürzen muß in tragischem Fall, wie ihn von Jakob Burckhardt über Marx und Riehsche bis hin zu Spengler ernste Denker verkündet haben. Das aber war dos Bedeutungsvolle, daß Schoeffel in dieser Resignation keineswegs steckenblieb, sondern zum Künder des kommenden Frühlings wurde, eines Frühlings, in dem die großen objektiven Mächte des Lebens wieder mit gebietender Macht ihr Recht fordern, unter ihnen an erster Stelle Volkstum und Evangelium. Beide beanspruchen den ganzen Menschen, beide beanspruchen für sich die deutsche Schule der Zukunft, llnö diese Forderung bedeutet. daß für die im Reichselternbund zusammengefaßte Elternschaft der deutsche Mensch und der evangelische Mensch das Ideal der Erziehung und Bildung ist. Was in geistvollem, geschlossenem Gedanken- ausbau von D. Schoeffel zu einem Bilde ergreifender Plastik geformt wurde, das fand feinen kraftvollen Willensausdruck in der Entschließung des Elterntages am Schlüsse seiner Beratungen, worin Evangelium und Volkstum als die beiden Grundpfeiler einer gesunden Jugenderziehung herausgestellt, von der evangelischen Schule der Dienst einer kraftvollen nationalen Erziehung gefordert und jeder Ber- such, die nationale Erziehung vom Evangelium zu loten, oder den Dienst einer evangelischen öcßulc für die deutsche Rationalerziehung auszuschalten, abgelehnt wird. Run glaube man nicht, daß es sich bei diesen Gedankengängen um graue Theorie handelt, die für die Praxis keine Bedeutung hat. Im Gegenteil. man darf wohl sagen, daß diese Doppelfront blitzartig die aktuelle Krise unseres Kulturlebens und damit auch den Kampfplatz des Alltags für die evangelischen Eltem- bünbe beleuchtet. Auf ber einen Seite wird der Wert einer im Volkstum verwurzelten, wahrhaft nationalen Erziehung noch weithin geleugnet, auf ber anberen Seite aber versucht man, gerabc > im mißverstandenen Interesse einer nationalen oder nationalistischen Erziehung das Evangelium ' als lästigen Ballast, als wertlosen Trümmer vergangener Zeiten beiseite zu schieben. Rach beiden Fronten muß die evangelische Elternschaft daher mit allem Ernst und unter Einsatz aller ihrer Kräfte den Kampf führen. Als der Reichselterntag im vorigen Jahr in Harzburg stattfand, war er es, der mit als erster feine mahnende Stimme erhob zum Kampf gegen die Gottlofenbeweaung. In Potsdam konnte in aller Bescheidenheit mit Genugtuung darauf hingewiesen werden, daß dieser Kampf nicht vergeblich gewesen sei. Er ist heute keineswegs zu Ende geführt, vielmehr ist zu sagen, baß ber offene Ansturm bes durch Moskauer Gelb unterstützten radikalen Frei- denkertums zur Zeit auf der ganzen Linie durch die mehr schleichende Zersetzung abgelöst ist Aus Kreisen des Gießener Tabakgewerbes erhalten wir eine umfangreiche Zuschrift, der wir die folgenden aufschlußreichen und für die Allgemeinheit wichtigen Darlegungen entnehmen. Im Herbst 1930 trat die Reichsregierung überraschend mit neuen Steuerplänen hervor, die das Tabakgewerbe außerordentlich hohen Belastungen unterwerfen wollten. Das gesamte Tabakgewerbe lehnte sich gegen die geplanten Erhöhungen von Zoll und Steuern auf. Bon sachverständiger Seite wurde der Regierung erklärt, daß es unmöglich sei, noch mehr aus dem Tabak herauszupressen. Es wurde besonders heroorgehoben, daß an eine Mehrein- nahme für den Staat nicht zu denken sei. Aber alle Vorstellungen waren vergebens. Mit Wirkung vom 1. Januar 1931 wurde der Zoll auf Rohtabak von 80 auf 180 Mark für den Doppelzentner erhöht, außerdem die Steuer auf Zigarren, die bis dahin 20 Prozent vom Kleinverkaufspreis betrug, um 15 Prozent. Aus dem Tabak sollten 200 Millionen Reichsmark mehr herausgeholt werden. Die Folge war, daß die Einfuhr an Rohtabaken im Jahre 1931 um 66 Prozent zurückging, der R o h- tabakhandel in Hamburg und Bremen wurde sehr geschädigt. Roch schlimmere Wirkungen hatte aber die Mehrbelastung auf die Zigarrenhersteller und die Z i g a r r e n a r b e i t e r selbst. Die Regierung hat selbst Bedenken gehabt, denn es wurde im Gesetz vorgesehen, daß die durch die Zoll- und Steuererhöhung arbeitslos werdenden Zigarren- arbeitet und die zur Geschäftsaufgabe gezwungenen Zigarrenhersteller vom Reich unterstützt werden soll- ten. Die Folge der steuerlichen Mehrbelastung war, daß im Anfang des Jahres 1931 eine Zigarren- fabrif nach der anderen schließen mußte, und Zehn- tausende von Arbeitern brotlos wurden. In dem neuen Tabaksteuergesetz war die Bestimmung aufgenommen worden, die den Einzelverkauf der Zigarette untersagte. Es sollten nur noch ganze Schachteln verkauft werden, und man führte das fog. Normalsystem ein, indem man dem Raucher anstatt einer Schachtel mit 10 Stück Inhalt zu dem gleichen Preise eine solche mit 9 Zigaretten bot. Es streikten jedoch bald die Zigarettenraucher, der Zi- garettenfonfuni sank gewaltig, da die Raucher mehr nach Zigarillos griffen. So wurde wieder der Einzelverkauf von Zigaretten gestattet und das Normalsystem ab geschafft. Für die Zigarette wurden steuerliche Erleichterungen in einem Umfang geschaffen, daß wieder Zigaretten zu 3z und 2j Pf. hergestellt werden konnten. Den Tabakarbeitern wurde die ihnen feierlich für längere zugesagte Unterstützung von 75 Prozent ihres früheren Ver- H-eute droht als neue Gefahr für die christliche Schule die mit dem Evangelium unvereinbare Verabsolutierung des Volkstums, die in dem Schrei des Tannenbergbundes nach »Erlösung von Christus" chren crfdjüttcmften Ausdruck gefunden hat. Jeder solchem Liebersteigerung des Dolkstumsgedankens und seiner erzieherischen Bewertung muß man entgegen» treten, unb zwar um so entschlossener, je leidenschaftlicher man gerade als Ehrist sein Volkstum liebt als einen »Schöpfungsgedanken Gottes", ruhend auf dem Willen zur Besonderheit. Große und heilige Aufgaben für die Elternbewegung ergeben sich hieraus gerade jetzt. Rur wo die Schule beiden dient: dem Evangelium und dem Volkstum, aber auch nur da, wo das Volkstum als Teil der Schöpfungswelt, und mit ihr in der Gefahr sündig zu werden, verstanden und dem unbedingten Anspruch des Evangeliums untergeordnet wird, kann die evangelische Schule blühen, für die der Reichseltern- bund seit zehn Jahren wirbt und um die sich in ^nehmendem Maße die ihrer Pflichten und Rechte bewußt gewordene evangelische Elternschaft schart. dienstes entzogen, sie wurden einfach dem Arbeits- losenheer zugewiesen. Nach einem kurzen Aufflackern der Zigarrenbeschäftigung durch erhöhte Herstellung von Zigarillos und Stumpen mußten wieder weitere große Einschränkungen in der Zigarrenherstel- lung eintreten, und die Zahl der beschäftigungslosen Zigarrenarbeiter schwoll weiter an. Auch die Rauchtabakfabrikation hatte man durch das Verbot des Feinschnitts fast zum Erliegen ge- bracht, so daß auch hier ein gewaltiges Sterben unter den mittleren und kleineren Betrieben festzu- stellen war. Erst im Oktober 1931 gelang es die Herstellung des steuerbegünstigten Feinschnitts 'wieder zuzulassen. Die Z i g a r r e n f a b r i t a t i o n hat unter dem neuen Gesetz am schwersten zu leiden. Tausende von selbständigen Existenzen sind ruiniert. Infolge der gesunkenen Kaufkraft konnten die Raucher' nicht mehr für ihren Rauchgenuß dieselben Aufwendungen wie ftüher machen. Da aber durch den um 125 Prozent erhöhten Gewichtszoll und die um 15 Prozent erhöhte Banderole das Fabrikat nicht billiger, sondern teurer werden mußte, und der Mehrbedarf an Kapital nicht zu beschaffen war, stockte der Absatz immer mehr. Die vorhandenen Rohtabake waren für die noch gerade verkäuflichen Zigarren der billigsten Preislagen viel zu teuer, fo daß durch ihre Verarbeitung dem Fabrikanten große Verluste erwuchsen. Dazu kamen die großen Ausfälle, welche bei den Abnehmern entstanden. Ist doch der Händler sehr schlimm daran: Die vertrustete Zigarettenindustrie läßt dem Händler nur noch einen derart niedrigen Nutzen, daß er kaum die Miete und Handlungsunko'sten decken kann. Auch die Makler und Handelsvertreter für Rohtabak und Tabakwaren können bei dem stark zurückgegangenen Umsatz und fast oleich gebliebenen Spesen ihre Existenz nicht mehr finden. Die kleineren und mittleren Zigarrenfabriken sind naturgemäß am schwersten betroffen, die gesamte Industrie droht langsam zum Erliegen zu kommen. Das ist um so bedauerlicher, als gerade durch das Zigarrengewerbe viele Arbeiter in ländlichen Bezir ken beschäftigt waren, in welchen keine Möglichkeit geboten ist, eine andere Erwerbstätigkeit zu finden. Auch in dem Gießener Bezirk werden viele Taufende von Arbeitern beschäftigt, und zwar fast ausschließlich auf den umliegenden Dörfern. Da bei der Zigarrenherstellung meistens Frauen oder männliche Personen, die zu keiner schweren Arbeit fähig sind, beschäftigt werden, und es den Leuten möglich ist, nebenbei kleine landwirtschaftliche Arbeiten zu verrichten oder auch noch im Haushalt stundenweise tätig zu sein, so ist es gerade die 3i= garrenindustrie gewesen, welche früher in Dörfern, wo sie cinzog, einen gewissen Wohlstand erzeugt»» Our die Herstellung einer einwandfreien Zigarre läßt sich die Handarbeit durch keine noch so gut ausgeklügelte Maschine ersetzen, da die Eigenart de» Rohstoffes eine individuelle Behandlung eines jeden einzelnen Tabakblattes erfordert. Zu der Herstellung von 400 000 Zigarren werden rund 400 Arbeiter eine gan^e Woche lang beschäftigt. Die Zigarren» • C S'l'i also vielen Arbeitern Serbienftmog» lichkeit. Der Zigarren und Zigarillorauchcr bekämpft also die Arbeitslosigkeit. Mit dem 1. Januar 1932 sind nun noch w e i t e r « ft c u e r l i d) c Belastungen auf die Zigarre ge» konuncn. Die auf 2 Prozent erhöhte Umsatzsteuer muß der Fabrikant nicht allein vom Wert seiner Ware bezahlen, sondern auch von dem Werk der Banderole, an der er keinen Pfennig verdient, sondern die er lediglich für den Staat vom Händler einzieht. Im Falle eines Konkursen ober einer Zahlungsunfähigkeit wird ihm nicht einmal dieser für den Staat vorgelegte Betrag als bevor- rechtigte Forderung anerkannt. Neben der allgemeinen Umsatzsteuer ist aber auch noch die sog. Aus« glcichssteuer au f den Rohtabakimport eingeführt worden, diese wird nicht allein vom Wert des eingeführten Rohtabaks erhoben, sondern auch von dem darauf lastenden Zoll von 180 Mark per 100 Siloaramm. Wie sollen bei solch neuen Belastungen die Zigarren sich der Kaufkraft der Raucher an- paffen? Nun der „Erfolg" für d i e R c i ch s k a s s e: Tabakzoll. und -steuer erbrachten im Jahre 1930 = 1103,6 Millionen Reichsmark, im Jahre 1931 aber nur 902,1 Millionen Reichsmark, also anstatt eines Mehrertrags von 200 Millionen eine Mindereinnahme von 201H Millionen. Zu diesem Minus von 400 Millionen aus der Tabaksteuer selbst kommt noch der Ausfall zahlloser Steuerzahler da das Tabakgewerbe rund 600 000 Menschen Arbeit und Auskommen gab. Wird der Finanzminiftcr aus diesem traurigen Kapitel die Lehre ziehen unb ben >3oü roteber auf ein erträgliches Maß zurückführen, vor allen Dingen aber bic Banderolensteuer wieder auf den früheren Satz von 20 v. H. ermäßigen, die Ausgleichsfteuer beseitigen und die Umsatzsteuer'nur noch von dem Warenhetrag, nicht mehr von der Banderole erheben? Nur dann ist es möglich, den vielen Arbeitern in ber Zigarrenindustrie, die heute feiern, wieder Brot und Arbeit zu geben. Oberheffen. Oie Finanznoi der Gemeinden. Abbaumaßnahmen in Schotten. § Schotten, 14. April. Der Gemeinberal beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Frage der täglich stärker anwachscnden s o z i a- l en Lasten, die auf der Gemeinde ruhen Die Ausgaben werden immer drückender, und keine Hilfe von Reich oder Staat ist in Aussicht Etwa 50 00 0 Mark soziale Last hat eine Gemeinde in der Größe von Schotten aufzubringen, eine ungeheure Zahl bei der herrschenden Rot. Darunter sind etwa 5500 Mark Krankenkasse und Arbeitslosenversicherungsbeiträge. 9600 Mark Krisenunterstühungsanteil (Vs), 21 000 Mark Unterstützung für etwa 30 bis 40 Wohlfahrt «erwerbslose, 2000 Mark Sozialrentner- und 1100 Mark Kleinrentnerunterstützung. 3000 Mark Armenlast, 4000 Mark Kosten für in Anstalten untergebrochte Geisteskranke usw., 3000 Mark Mietunterstützungsanteil u. a. m. Dabei verringern sich die Reichsfteuerüberwei- sungen, Realsteuern, Sondersteucrn. Biersteuer sollen abgebaut werden. Kein Ersah wird den Gemeinden dafür gewährt. Angesichts dieser täglich schlimmer werdenden Rot in den Gemeindefinanzen beschloß der Gemeinderat, in Zukunft Ke Wohlfahrts erwerbslosen nicht mehr, wie seither üblich, im Tariflohn — 58 Pf pro Stunde — vier Tage pro Woche zü beschäftigen. Es wird eine älnterstüt- zung nach Maßgabe der erlaufenen Richtlinien gewahrt, für die gemeinnützige Arbeit Oie Lage in der Zigarrenindustrie. Mehr Glück als Verstand. Vom merkwürdigen Lpi< l des Zufalls. Kürzlich wurde aus Neuyork von einem Manne berichtet, dem feine wohlgefüllte Brieftasche, eine goldene Uhr, feine Dianiantnadel unb noch andere Wertsachen von einem Einbrecher gestohlen worden waren. Nachdem er nach dieser unliebsamen Entdeckung am Morgen der Polizei telephonisch die Sache gemeldet halte, wollte er wie gewöhnlich in sein Bureau gehen unb wurde auf dem Wege von einem Manne angesprochen, ber ihm ganz billig eine Uhr unb andere Wertsachen verkaufen wollte. Und dann zog der Mann zu dem Erstaunen des Opfers feine eigene Uhr aus ber Tasche. Der Dieb wurde sofort verhaftet unb auch noch das ganze Gelb bei ihm Dorgefunbcn. Ein solches Beispiel von „mehr Glück als Verstand" hat eine amerikanische Wochenschrift angeregt, andere Beispiele so „ungewöhnlichen Schweins" zusammenzustellen. Ein fast ungläubiger Zufall begegnete einem gewissen Iohansen aus Lincoln in Nebraska. Er hielt mit seinem Kraftwagen bei einer Tankstation, als man ihn plötzlich ans Telephon rief. Er war aber höchlichst erstaunt, wie jemand gerade in dem Augenblick, in dem er zufällig auf ber Straße angehalten hatte, sich mit ihm in Verbindung setzen könne. Noch größer wurde sein Erstaunen, als der Anrufende ihm eine wichtige Geschäftssache mitteilte. Der andere hatte in Johan- sens Bureau anrufen wollen und beim Selbstanschluß eine falsche Nummer gedreht. Diese falsche Nummer war aber gerade die der Tankstation, in der sich Jo- Hansen befand unb daher in diesem Falle die „richtige". Nicht minder seltsam war die Entdeckung eines lange gesuchten Alkoholschmugglers, die dem Schutzmann Leo Goucher von der Polizei in New Jersey gelang. Dieser war auf einem Gutshof und beteiligte sich an der Jagd nach einem wütenden Stier. Dabei passierte es ihm, daß er mit dem Kops zuerst in einen großen Strohhaufen fiel. Dabei entdeckte er eine Falltür, die in einen unterirdischen Raum führte, und hier fand er einen Mann, der große Mengen Alkohol verborgen hatte. Es war ein Schmuggler, nach dem man schon lange fahndete. Mehr Glück als Verstand bewies auch ein Baby, das zu Whitehall in Wisconsin vom Rücksitz des väterlichen Kraftwagens herabstürzte. Das Baby wurde beim Nehmen einer Kurve in großem Bogen herausgeschleudert, ohne daß die Eltern etwas merkten: es wurde von einem dahinterfahrenden Wagen aufgefangen und Non ahnungslosen Eltern vollständig unverletzt über -eben. Ein Glückspilz war der Neuyorker, der nach allzu reichlichem Genuß von verbotenem Alkohol mit einer Erscheinung Streit anfing, die ihn am Eingang in ein Tanzlokal ärgerte. Er wurde so wütend, daß er sein Messer zog und es dem andern ins Herz stieß. Aber kein Blut floß, unb der scheinbar Ermordete brach nicht zusammen, denn es war glücklicherweise ein Automat in Gestalt eines Menschen gewesen, dessen Mechanismus nur etwas in Unordnung geriet. Der Betrunkene konnte sich bei dem Automaten dafür bedanken, daß er ihn an einen Mord gehindert hatte. Detektive sind manchmal erfolgreich, wenn sie mehr Glück als Verstand haben. So gelang es einem dänischen Kriminalkommissar, einen Verbrecher aufzuspüren, weil er ein eifriger Leser von Kriminalgeschichten war. Er las einige gut geschriebene Erzählungen von einem unbekannten Verfasser, unb als er sich nach diesem bei dem Verleger erkundigte, erfuhr er, daß es ein Mann war, der vor zwei Jahren auf geheimnisvolle Weise verschwunden war. Dieser schilderte verschiedene Verbrechen, die durchaus mit Untaten übereinstimmten, die sich früher ereignet hatten und nicht aufgeklärt worden waren. Daraufhin gelang es dem Kommissar, den Autor der Geschichten als Urheber der Verbrechen zu überführen. Ein Junge fand eines Tages eine nicht entwertxte Marke auf einer Brücke der amerikanischen Stadt Alfortville. Dieser scheinbar bedeutungslose Verfall führte zur Entdeckung eines Diebes, der Marken im Werte von 30 000 Dollars gestohlen hatte. Der Vater des Jungen erzählte von dem Funde einem Kriminalbeamten. Dieser ging der Spur nach und verhaftete schließlich einen Postbeamten, der gestand, die Briefmarken entwendet und, da er sie nicht verwerte konnte, von der Brücke aus ins Wasser geworfen zu haben. Der Wind aber hatte einige davon auf die Brücke geweht ... Was man auf dem Themse-Grund findet Wenn man von Tauchern hört, so stellt man sich gewöhnlich darunter die Helden der Tiefsee vor, die nach untergegangenen Schätzen suchen. Es gibt aber auch Männer, die diesen Beruf alltäglich und unter weniger romantischen Umständen ausüben. Zu diesen Tauchern, deren Arbeit nicht minder interessant ist, gehören die „Lumpensammler", die regelmäßig den Boden der Themse nach brauchbaren Gegenständen durchsuchen, die in den Fluten dieses viel befahrenen Stromes verloren gingen. Sie höben es in mancher Beziehung schwerer als die Tiefsee- Taucher, denn sie „arbeiten blind", wie A. B. Austin in einer englischen Zeitschrift ausführt. Sie sehen nichts von dem Augenblick an, da die Wogen über ihren Kopf zusammenschlagen, bis sie wieder emportauchen, unb das dauert drei bis vier Stunden. Auf dem Grunde, in pechschwarzer Dunkelheit, tasten sie mit nackten Händen in dem schleimigen' Bett der Themse nach Gegenständen, die das Bergen verlohnen, und meist sind es nur verlorene Anker oder Zugketten, angefaulte Taue oder Schiffslampen, die sie erbeuten. Aber es gibt auch wichtige Funde, die ihnen unvermutet in die Hände fallen. So erzählt ein Taucher, daß er einmal nach einem Anker her- unterging und auf einen kleinen Dampfer fließ, der feit sechs Jahren verloren war. Ein andermal 'fand er einen funkelnagelneuen amerikanischen Kraftwagen in feiner festen Verpackung. Sechs dieser Autos waren in der Dunkelheit von einem Schiff herunter- gerutfcht und nur fünf wieder aufgefifdjt, das sechste kam zwei Jahre später durch den Fund des Tauchers zutage. Am schwierigsten ist das Bergen von Segelbooten, die mit ihrer ganzen Takelage gesunken sind. Sie sind so schlüpfrig wie ein Aal, und man kann sie in der Dunkelheit mit den Händen nur schwer abtasten. Auch Flugzeuge, die in die Themse gestürzt waren und dann nicht mehr gefunden werden konnten, sind von diesen Tauchern schon durch Zufall geborgen worden. So ist das Suchen nach „Abfall" im Themsebett ein ebenso anstrengender, wie spannender Beruf, der manche Ueberraschungen bringt, aber sich auch lohnt. Ginfl ein Großfürst." Unter dem Titel „Einst ein Großfürst" hat der frühere Großfürst Alexander von Rußland, der jetzt in Amerika lebt, eine interessante Selbftb'iographie veröffentlicht, die mancherlei dazu beiträgt, das Rätsel des zaristischen Rußland zu enthüllen. Der Verfasser, der ein Vetter des letzten Zaren war, betrachtet Rußland als ein Land, das außerhalb Europas liegt und nicht mit europäischen Maßstäben begriffen werden kann. Er weiß vieles aus dem intimen Hofleben auszuplaudern und schildert besonders den schweren Druck, der von den Großfürsten auf den Zaren ausgeübt wurde. Der kleine „Nicky", der nur 165 cm maß, wurde von feinen 180 cm und darüber großen Onkels nicht nur körperlich, sondern auch an Tatkraft überragt und eingeschüchtert. „Nikolaus II." — so erzählt der Verfaffer aus genauester Kenntnis — „verbrachte die ersten zehn Jahre seiner'Regierung hinter einem großen Tisch in dem Palast und lauschte mit ebensoviel Kummer wie Schüchternheit auf das sich ewig wiederholende Gebrüll seiner riesigen Onkel. Er fürchtete sich davor, mit ihnen allein zu sein. In Gegenwart von Zeugen wurden seine Ansichten als Befehle aufgenommen, aber sobald sich die Tür seines Arbeitszimmers hinter den Fremden geschloffen hatte, bann donnerte mit einem furchtbaren Schlag die gewichtige Faust von Onkel Alexis oder Onkel Nikolaus, von Onkel Sergei und Onkel Wladimir auf den Tisch, und der nervöse Herrscher fuhr erschreckt vor solchen Methoden der Einschüchterung zusammen. Sie wollten immer etwas non ihm. Nikolaus hielt sich für einen großen ftr'ie* ger Alexis heherrschte die Wogen, Sergei betrachtete Moskau als feinen Privatbesitz, und Wladimir beschäftigte sich mit allen Angelegenheiten der Kunst. roar der Zar nach so vielen Zusammen, stoßen mit den Onkels vollständig gebrochen und erledigt." Der Großfürst Alexander war früh aus der Einflußsphäre entfernt worden und daher ein objek- tioer Zuschauer. Er beobachtete mit wachsenden Sor- gen die Orgien der Finanzspekulation, der allge- meinen Intrigen und Betrügereien. „Der Thron der Romanows" — so schreibt er — „ist nicht durch die künftigen Leiter der Sowjets, auch nicht durch die bombenwerfende Jugend zerstört worden, sondern durch angesehene Personen, die prächtige Uniformen trugen, durch Beamte, Bankiers, Unioerfitätspro- fe(|oren usw, die das Land schamlos ausbeuteten." Alexander behauptet sogar, daß die Revolutionäre von den russischen Großindustriellen unterstützt wurden. Er selbst lebte später viel im Ausland und entging dadurch dem Schicksal so mancher Mitglieder seiner Familie beim Umsturz. Nach einem langen Wanderleben hat er in Öen Vereinigten Staaten festen Fuß gefaßt. Sochschulnachnch/en. In der Wiener Gesellscha ft der Nerzte wurde zum Korrespondierenden Mitglied gewähll der Privatdozent an der Medizinischen Universitätsklinik Jena Dr. med. Erwin Schliephake. Schliep. hake ,st geborener Gießener, Schüler von Moenckeberg, Garten, Grave, Stepp und Seit Er hat sich einen Namen gemacht durch grundlegende Arbeiten über Herzkrankheiten und die Verwendung der Kurzwellen in der Heilkunst. Ißrofenor Dr. Hermann Heller, Extraordinarius für öffentliches Recht an der Universität Berlin, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Frankfurt angenommen und seine Ernennung zum Ordinarius erhalten. Zum ordentlichen Professor für bürgerliches Recht und Handelsrecht an der Universität Kiel wurde Professor Dr. Heinrich Hoeniger von der Uni. versität Freiburg ernannt. Professor Dr. Fritz We11stein von der Unioer. fttat München erhielt einen Ruf auf ben 2ß i e n e r botanischen Lehrstuhl als Nachfolger seines Vaters Professor Richard Weitstem. zu leisten ist. Pro Stunde sollen tZ Pf. werden. Die Beschäftigungsdauer richtet sich nach der Stärke der Familie. Ledige Wohl- fahrtsarbeiter werden grundsätzlich nur im Akkord, meist mit Steineklopfen, beschäftigt, pro Kubikmeter 4,50 Mark. Die Wohlfahrtsarbeiter werden von der Stadt freiwillig bei der Krankenkasse versichert. Der Gemeinderat erhebt scharfen Protest dagegen, daß man seitens des Reiches und Staates die Gemeinden völlig ihrem Schicksal überläßt und sie nicht in letzter Stunde vor ihrem völligem Zusammenbruch rettet. Die städtischen Fuhren sollen von den zehn interessierten Fuhrleuten abwechselnd ausgeführt werden. Es werden vergütet für Zweispänner 1,40 Mark, für Einspänner 90 Pf. bzw. 85 Pf. im Winter. Für das am 5.3uni stattfindende große Motorradrennen „Rund um Schotten" wird seitens der Stadt ein städtischer Ehren- Wanderpreis und ein größerer Geldbetrag zur Verfügung gestellt. Landkreis Gießen. r Großen-Linden, 14. April. Rachdem Regierungsrat Dr. Dues vom Arbeitsamt Gießen hier einen Vortrag über den freiwilligen Arbeitsdienst gehalten hatte, beschäftigte sich nunmehr der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit dieser Angelegenheit. 115 Arbeitswillige haben sich gemeldet. Eine Anzahl ist bereits im Steinbruch tätig, wo sie Steine für den Wege- bau brechen, für den ebenfalls Arbeitswillige herangezogen worden sind. Demnächst soll auch das Schwimmbad in Angriff genommen werden, das mit 16 000 Mark Kosten veranschlagt ist, zu denen aber der Staat einen Zuschuß von 8000 Mark gibt, da die Arbeiten im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes ausgesührt werden. — Die hiesige Spar- und Darlehenskasse hielt dieser Tage ihre Generalversammlung unter der Leitung des Vorsitzenden Johannes L e u n IX. ob. Oberrevisor Hartmann (Gießen) schilderte die gegenwärtige Lage des Geldmarktes. Aus dem Vorstand schied 3ohs. Velten I. aus: an seine Stelle wurde Hch. Weiß V. gewählt. Für Ludwig Faber V. wurde Emil Schwarz in den Aufsichtsrat gewählt, PH. Rau mann wurde wieder gewählt. Der Rechner ßubtoig Pirr gab sodann den Geschäftsbericht bekannt. Die Bilanz schließt mit einem Reingewinn von 3725,20 Mark ab. Es gelangen 12 Prozent Dividende zur Verteilung. Die Mitgliederzahl betrug am Ende des Jahres 1931 insgesamt 209 Personen. • Grvhen-Buseck, 14. April. Der hiesige Schuh - und Polizeihunde-Verein veranstaltete am Sonntag seine erste Zucht- und Schuhhunde-Prüfung. Als Richter war Herr Lauch, Frankfurt a. M, tätig. Als Schutz- hunde waren 6 deutsche Schäferhunde gemeldet. 1. Preis (vorzüglich) „Bärbel v. d. Strupmühle 361 147 ', Besitzer und Führer Wilh. Weiß, Gro- Hen-Duseck: 2. Preis (sehr gut) „Gerlind vom Dusecker Schloß 405 710“, Besitzer und Führer Alfred Hahn, Großen-Buseck: 3. Preis (sehr gut) „Gerulf v. Dusecker Schloß 405 706", Besitzer Ludwig Straub, Grünberg, Führer Alfred Hahn, Großen-Buseck: 4. Preis (sehr gut) „Frowin v. Dusecker Schloß 405 703“, Besitzer und Führer Karl W. Wagner, Großen-Buseck: 5. Preis (sehr gut) „Frowalt v. Dusecker Schloß 405 702", Besitzer und Führer Willi Wagner, Großen- Buseck: 6. Preis (gut) „Claus v. Busecker Schloß 377 419", Besitzer und Führer Karl Pfeiffer, Großen-Buseck. — Als Zuchthunde (An- fangsprüfuna) waren 1 Doggenrüde und 3 deutsche Schäferhunde gemeldet. Die Tiere erhielten folgende Preise: 1. Preis (vorzüglich) deutsche Dogge „Astor v. Dusecker Tal 20 037", Besitzer und Führer Fritz Ger lach, Großen-Buseck: 2. Preis (sehr gut) „Gretel v. Dusecker Schloß 405 712", Desitzer und Führer H. Zecher, Grv- ßen-Duseck: 3. Preis (sehr gut) „Giltrud vom Dusecker Schloß 405 711*, Desitzer und Führer Heinrich Dergauer: 4. Preis (sehr gut) „Edwin v. Dusecker Schloß 394 214", Desitzer Karl M e l i o r, Großen-Buseck, Führer H. Henkel, Großen-Buseck. Alle Schäferhunde stammten aus der Zucht von Alfred Hahn, der Doggenrüde aus der Zucht von Fritz G e r l a ch. Am Samstagabend fand ein Dortrag unter reger Beteilt- gung der Mitglieder statt. Der Preisrichter W. Lauch gab über Ausbildung, Führung und Pflege der Hunderassen lehrreichen Aufschluß. Rach Aussagen des Richters ist das Hundematerial der Vereinsmitglieder als erstllassig zu bezeichnen. s. Trais-Horloff, 14. April. Kürzlich fand eine Ersatzwahl zum Kirchenvorstand unseres Kirchspiels statt, da der Kirchenvorsteher Ludwig D ö ch e r von hier verstorben ist. Die Kirchengemeindevertretung wählte einstimmig Dürgermeister Ludwig 3 ödet in den Kirchenvorstand. Kreis Büdingen. * Ridda, 14. April. Dei einem Preis- reiten des hiesigen Reitervereins erwarben sich die Mitglieder Wilhelm Bähr, Heinrich Eck und Martin Weber von hier, Heinrich Koch von Kohden und Karl Hahn von Hof Dauernheim das Deutsche Reiterabzeichen in Bronze. h. D o r s d o r f, 14. April. Der Landwirt Robert Schneider von hier hat einen praktischen Karrenpflug erfunden und für diesen von dem Patentamt in Berlin den Gebrauchsmusterschutz bekommen. Kreis Schotten. # Freiens een, 14. April. Zu dem heute hier abgehaltenen Frühjahrsmarkt waren 127 Ferkel und Läuferschweine aufgetrieben, die zum größten Teile abgeseht wurden. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alte Tiere 20 bis 23 Mk., 8 bis 10 Wochen alte 23 bis 27 Mk., ältere entsprechend mehr. ± Groß-Eichen, 14. April. Am Dienstag wurde hier der diesjährige Frühlingsmarkt So setzte sich der alte preußische Landtag zusammen MITTE redneu El KPD 49 Silze^KP.Opp^idmke 0PP. 1j ■ SPD. 13?S.*DMP1$. D STAATSPARTEI 2U M ZENTRUM 71s £3 D. VOLKSP 405. SJ WIRTSCHAFT SP. 165. ■ N.S.D.A.P. 6 Sitte W O DEUTSCHE FRAKTION 21 Sitte Mi DEUTSCHNAT.V.P 73 S. S3 bei keiner Partei 5 Sitte E3 CHRISTI. SOZ. V P 4 Sitze Am 24. April finden die Landtagswahlen in Preußen statt, bei denen mit einer beträchtlichen Verschiebung der Stärkeoerhältnisse der einzelnen Parteien zu rechnen ist. Unsere Darstellung gibt einen Heber- blick über die Sitzordnung der Abgeordneten beim Zusammentrttt des alten Landtags im Jahre 1928. Freilich verschieben sich die Sitzverhältnisse bei all den kleinen Splitterparteien noch immer fast in jeder Woche da mehrere Abgeordnete inzwischen ihre Parteien gewechselt haben. abgehalten. Trotzdem es vom frühen Morgen an schneite, waren doch bis zu 100 Ferkel aufgetrieben worden, auch waren viele Kränrer mit Auto und Wagen erschienen. 3nfolge des andauernden Schneegestöbers war es jedoch unmöglich, einen Ferkelwagen zu öffnen, oder einen Krämerstand aufzuschlagen. Der Markt hätte ein klägliches Ende gefunden und die Marktbesucher hätten unverrichteter Sache wieder heimkchren müssen, wenn nicht unsere Turnhalle gewesen wäre, die der Turnverein für den Markt zur Verfügung stellte. Alles zog nun vom Markt- platz in die geräumige Halle, wo sich dann ein lebhaftes Geschäft entwickelte. Es wurden Preise von etwa 20 bis 25 Mark pro Ferkel erzielt. Die Turnhalle hat also auch in diesem Falle ihre Zweckmäßigkeit bewiesen und gezeigt, daß sie in Rotfällen auch als Markthalle Verwendung finden kann. 3n Zukunft braucht sich also niemand durch schlechtes Wetter vom Besuche des Groß-Eichener Marktes abhalten zu lassen. V Gedern, 13. April. 3m BergwirtshauS fand dieser Tage eine Delegiertenversammlung zum Preiswertüngssingen des Gesangvereins „Liederkranz" statt, das am 12. 3uni aus Anlaß des 90jährigen Best ehensdeSVereins veranstaltet wird. Der Chor des Vereins (Leitung Chormeister Riedel) sang eingangs zwei Lieder. Der Ehrenvorsitzende, Postverwalter G. S e u m, leitete die Versammlung. Das Preiswertüngssingen soll im Grunde kein Wettstreit sein, es sollen lediglich die gesanglichen Leistungen gewertet werden, und die Vereine sollen dadurch Anvegungen zu neuer Arbeit erhalten. Besonders soll den kleineren Landvereinen Ansporn gegeben werden. Es wurde beschlossen, die Meldefrist bis zum 1. Mai zu verlängern. Es soll in drei Klassen gesungen werden. 3n Klasse A singen Vereine von 35 Sänger und mehr, in Klasse B Vereine von 23 bis 34 Sänger und in der Klasse C Vereine bis zu 22 Sänger. 3eder Verein erhält eine Urkunde als Preis, aus der seine Leistungen ersichtlich sind. 3e ein Klassenpreis gelangt für das tfüt den meisten Punkten bewertete Volkslied zur Verteilung. Den Ehrenpreis erhält der Verein, der die höchste Punktzahl für die beiden zum Vortrag gebrachten Chöre erzielt. 3n der Klasse C soll den Dirigenten Gelegenheit gegeben sein, mitzusinaen. 3n bezug auf die Preisrichter wurden noch besondere Beschlüsse gefaßt. Kreis Alsfeld. —er. Homberg, 14. April. Heute wurde hier die Einführung des freiwilligen Arbeitsdienstes in die Wege geleitet. 20 Mann haben sich bisher gemeldet, die mit Kulturarbeiten beschäftigt werden. Zu diesen Leuten kommen noch fünf Mann, die im Auftrage der Stadt arbeiten. Die freiwilligen Arbeitskräfte erhalten einen täglichen Lohn von 2 Mark. ss Grebenau, 13. April. Dei der öffentlichen 3agdverpachtung im 3anuar wurde auf die 350 Hektar große Wald- und Feldjagd der Gemeinde Udenhausen kein Gebot abgegeben. Dieser Tage fand noch einmal eine öffentliche Verpachtung statt, wobei Hofrat H o e b e l und Heinrich Schmidt, beide zu Grebenau, den Zuschlag erhielten. Der jährliche Pachtpreis beträgt 260 Mk. Rheinhessen. Einbruch in eine Spar- Oarlehnskaffe. WER. Spiesheim (Rheinh.), 14. Avril. 3n das Dureau der Spar- und Darlehns- lasse wurde ein Einbruch verübt und aus dem Kassenschrank, ein Betrag von 8000 bi s 9000 Mark ge'stohlen. Der Kassenschrank wies keinerlei Beschädigungen auf. Der Rechner der Spar- und Darlehnskasfe wurde f e st - genommen und dem Amtsgericht Wörrstadt zur Vernehmung vorgeführt, am andern Morgen ober wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Kassenbücher wurden beschlagnahmt und werden einer Revision unterzogen. Preußen. Kreis Biedenkopf. £ Gladenbach, 14. April. Gestern fanden spie, lende Kinder in einem alten Bergwerks st ol- len der Burgruine Blankenstein bei Gladenbach ein in Packpapier eingewickeltes t o t e s K i n d. Es handelt sich anscheinend um ein ausgetragenes, neugeborenes Kind, das vor etwa acht Tagen ausgesetzt worden ist. Ob das Kind tot geboren ist oder vor der Aussetzung gelebt Hatz muß die eingeleitete Untersuchung noch ergeben. Man glaubt, der unnatürlichen Mutter bereits auf der Spur zu fein. Kirche und Schule. Landkreis Gießen. rGroßen-Linden, 13. April. In diesem Jahre wurden hier 16 Mädchen und 17 Knaben konfirmiert; in die Schule wurden 45 Kinder (25 Knaben und 20 Mädchen) neu ausgenommen. 8 Alten-Buseck, 14. April. Am Montag kamen hier 32 Kinder in die Schule. Da am Ende des Schuljahres nur eine geringe Anzahl Kinder zur Entlassung kam, hat die Schülerzahl eine bedeutende Zunahme erfahren. s. Ll tphe, 14. April. Mit Beginn des neuen Schuljahres wurde die Lehrerin Frl. Eidenmüller, die bisher unsere zweite Schulstelle versah, nach Heuchelheim (Kreis Gießen) verseht. Die hiesige Stelle wurde Lehrer Dauer aus Schwalheim (Kreis Friedberg) übertragen. Hier wurden an Ostern 9 Kinder neu in die Schule ausgenommen und 3 entlassen. Kreis Friedberg. WER. Bad-Rauheim, 13. April. Zum 25jährigen Bestehen der hiesigen evangelischen Dankeskirche wurden im vorigen 3ahre drei Chorwandteppiche gestiftet, die nach einjähriger Arbeit nunmehr vollendet worden sind. Die Teppiche stammen aus der kirchlichen Kunstwerkstatt von Professor Dr. Rudolf Koch in Offenbach, wo sie entworfen und zum Teil ausgeführt bzw. begonnen wurden. Sie sind ganz von handgesponnenen, gewebten und gestickten, nur mit alten Raturfarben gefärbtem Leinengarn gefertigt und' werden manche 3ahrhunderte überdauern. Die Art der Darstellung ist dem Herstellungsmaterial angepaht, möglichst schlicht und einfach in Stilanlehnung an die älteste christlichgermanische religiöse Kunst. Die beiden die Evangelisten darstellenden Teppiche haben für die evangelische Gemeinde dadurch besonderen Wert erhalten, daß eine Anzahl Frauen und Mädchen auS der Gemeinde sie ausgestickt haben. Kreis Schotten. V Gedern, 13. April. Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden in unsere Volksschule 36 Kinder (20 Knaben und 16 Mädchen) neu aufgenommen. Die Gesamtschülerzahl unserer fünf» klassigen Volksschule ist damit auf 291 gestiegen. * Eichelsdorf, 13. April. Mit der De- wohnerzahl unseres Dorfes ist auch die Zahl der Schüler unserer dreillassigen Schule in der Rachkriegszeit starkgestiegen. Da nur sieben Kinder zur Entlassung kamen, jedoch 24 ausgenommen wurden, hat unsere Gemeinde im neuen Schuljahre 172 schulpflichtige Kinder. Kreis Alsfeld. --er. Homberg, 14. April. Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden hier 37 Schuler neu ausgenommen. Es erfolgte gleichzeitig eine R e u - einteilung der Klassen insofern, als die zwei ersten Schuljahre (75 Schüler) die dritte Klasse bilden, das dritte, vierte und fünfte Schuljahr (65 Schüler) die zweite Klasse und das sechste, siebente und achte Schuljahr (57 Schüler) die erste Klasse. ^inoer zu Pferde. Seit Jahren gibt es in allen größeren Städten Kinder- und Jugend-Abteilungen der Reitervereine. So hat auch das hiesige Universitäts-Reit- Institut unter der Leitung des Universitäts-Stall- Meisters Ludwig S ch ö m b s bereits vor zwei Iah- ren mit der Abhaltung von Reitkursen für jugendliche Pferdefreunde begonnen. Diese Kurse pflegen während der Ferien stattzufinden und erfreuen sich dank dem äußerst niedrigen Preis steigenden Zuspruchs. In vielen Fällen ist die Aussicht, reiten lernen zu dürfen, ein Ansporn für die Kinder, sich um ein gutes Zeugnis zu bemühen; und sobald der Unterricht wieder beginnt, sucht jeder Kursteilnehmer den Anforderungen der Schule gerecht zu werden, damit ihm die nächsten Ferien wiederum die Möglichkeit geben, zu reiten. So greift eins ins andere. Und noch ein Punkt sei erwähnt, der wohl auch nicht gerade von untergeordneter Bedeutung ist. Durch das Reiten werden die Kinder von früh auf mit den Pferden, also mit einem Stück Natur, vertraut. Ohne Zusammenhang aber mit der wirklichen lebendigen Natur vermag der Städter nicht zu leben und darf es nicht, wenn er sich vor Ein- seitigkeit bewahren will. Wenn die Kinder einmal soweit sind, daß sie mit hinaus dürfen in Feld und Wald, dann werden fiezeinen Begriff bekommen von der inneren Freude und Lust, die den Reiter erfüllt; sie werden die Wahrheit des alten Reiterspruches am eigenen Leib ersahren, der mit großen Lettern im Stall unserer Kaserne' stnnd: „Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde." Am Freitagnachmittag fand in der Bahn des Reitinstituts eine öffentliche Prüfung der Schü- ler des Ofterkursus statt. 16 Schüler und Schülerinnen zeigten den Eltern und den erschienenen Gießener Reitfreunden das in den drei Wochen Gelernte. Dabei wurde deutlich, daß das Reiten viel mehr als man gemeinhin anzunehmen geneigt ist, ein wichtiges Gebiet der Leibesübungen ist. Die Kinder führten zunächst Turnübungen vor, die zur Beweglickmachung des Körpers, zur Lockerung der Gelenke dienen. Die sechs Buben und Mädchen der Anfängerabteilung A, die im Höchstfall erst zehn Unterrichtsstunden gehabt haben, ritten in den ver- schiedenen Gangarten um die Bahn, aus deren Mitte Herr Scyömbs die Kommandos gab; sie faßen im Ganzen^recht gut auf den Pferden und führten die Freiübungen ordentlich aus. Die sieben Schüler der Anfängerabteilung B, die durchschnittlich ein wenig älter sind, zeigten ebenfalls zunächst eine Anzahl Leibesübungen, die die große Beweglichkeit des Kinderkörpers erkennen ließen. Ihre Hebungen zu Pferde zerfielen in zwei Teile: Reiten und das in letzter Zeit immer beliebter werdende Voltigieren. Beim Reiten wurde deutlich, daß einige von ihnen gute, vielleicht sogar sehr gute Reiter zu werden versprechen. Sie saßen im Trab und Galopp fest und sicher mit gelockertem Körper. Die Freiübungen auf dem Pferd wie Schere, Arme- und Beinspreizen im Stehen auf dem Sattel usw. wurden von fast allen schön ausgeführt. Nun folgten zwei schon etwas ältere Gymnasiasten, die außer Konkurrenz ihr Können vorführten. Sie ritten beide ohne Bügel und sprangen ebenso über ein kleines Hindernis; obwohl sie erst 10 Reitstunden gehabt haben, sah man sofort, daß sie den inneren Kontakt • mit ihren Pferden gesunden hotten und dementsprechend sicher und in guter Haltung saßen. — Im zweiten Teil, dem Voltigieren, zeigten die sieben ersten Schüler der Abteilung B und ein Mädchen die Gelenkigkeit und Geschmeidigkeit jugendlicher Körper. Sie sprangen aus das galoppierende, an der Longe geführte Pferd und wieder ab; in der Schluß- Übung sogar je zu dreien. Wirklich ein schönes Bild, als die drei Kinder hintereinander mit seitwärts gestreckten Armen auf dem galoppierenden Pfcid faßen. Die Zuschauer kargten denn auch nicht mit ihrem Beifall. Den Abschluß der Prüfung stellte die Preis- , Verteilung durch den Vorsitzenden des Gieße- nerReiteroereins dar. Im Interesse der Heranbildung reiterlichen Nachwuchses hatte der Verein eine Anzahl Preise ausgesetzt; zwei Damen und zwei Herren des Vereins wohnten als Richter den Vorführungen in der Bahn bei. Die ersten Preise waren im Reiten in beiden Abteilungen je ein Buck, im Voltigieren in der Abteilung B ein Pferdebilo. Es konnten verliehen werden: in der Abteilung A ein 1., 2. und 3. Preis, in der Abteilung B im Reiten ein 1., 2. und 3. Preis, im Voltigieren ein 1., 2., zwei 3. Preise und ein Sonderpreis. Im ganzen betrachtet darf man sagen, daß diese Prüfung die Richtigkeit des Gedankens, schon das Kind aufs Pferd zu setzen, erwiesen hat. Das Ergebnis war so gut, daß die Hoffnung gerechtfertigt ist, es möchte keine Ferienzeit mehr ohne .Linder zu Pferde" geben. Dr. W. Kunst und Wissenschaft. Geheimrat Dr. Gustav Adolf Reuber f. Geh. Sanitätsrat Dr. med. Dr. phil. h. c. Gustav Adolf Neuber, der Begründer der aseptischen Wundbehandlung, ist im Alter von 82 Jahren in Kiel g e ft o r b e n. (Schluß des redaktionellen Teils.) Die beliebte hessische pferbemarft-Cotterie zieht am kommenden Mittwoch, dem 20. April. Eine Anzahl Geldgewinne wird außer den Pferden verlost, aber auch die Pferdegewinne werden auf Wunsch mit geringem Abzug in bar ausbezahlt. Lose sind noch in allen Verkaufsstellen zu haben.2821V Kaufen.bevor Sie die neuesten Modelle der führenden Marken hörten1 Lassen Sie sich diese vor fuhren bei Radio-Ruhl,Giessen.PlocM 293 *D Schönheit und Jugend • . . bewahren und erreichen Sie durch tägliche Pflege Ihrer Haut mit Pfeilring-Lanolln-Selfe und -Creme. PfeHring-Erseugnisse sind etwas ganz Besonderes, denn sie allein enthalten das dem Hautfett nahe verwandte und seit altersher zur wirksamen Haut- und Schönheitspflege mit Erfolg angewandte Pfeilring-Lanolin, dessen Hauptbestandteil, Cholesterin, die Haut zart und geschmeidig macht und der Faltenbildung entgegenwirkt. 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Mai 1932 ein- schließlich einzuhallen, andernfalls die Taub-nhaltcr zu gewärtigen haben, daß sie bestraft und die Tauben non dem Feldschutzpersonal obgeschosjen werden. (2933C Gießen, den 7. April 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. B.: Dr. Rosenberg. IN DER DOSE >o; y-35 -13) Bekanntmachung In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 12. April 1932 bei der Firma „heimslällenbau", Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen, folgendes eingetragen: Die Firma ist erloschen. Gießen, den 13. April 1932. 2937V hessisches Amtsgericht. Erstlings-Aussteuer Die neueste Mode für die kleine WeltI Ksbea strickt alles Strickerei K.Beck Weüsteingasse 9-11 Kein Laden. 02339 Wer liefert NnM „ (Dauerware)? 'Breir-off. u. f.m.8843 an Ale, Haasenstein Vogler,Frankfurt Main. 2932V lilölorrflö” neuwertige Sport- maschine, 500 ccm, kausgesteuert, Orig, engl. Sturmen 21 r- cher-Diotor, ausgesprochene Söeinmn.« Maschine, billigst abzugeben. 2956V Wagner, Lehrer, Miinzcnberg. 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Landespsandbriefansialt, 70,75 — 70,75 Psandbricse R. 10 70 — - 4% Ccfterretd)l|d)c Goldrenke . . 4,20% Oesterreiclnsche Sklberrenlc 12 - - 0,4 _ — 4% Ungarische Golkrcnle ... 5,8 5,75 5,6 5,6 4% Ungarische GtaaiSrente v. 1910 — — 4.9 4'/i% dcögl. von 1913 .... — — — 4.9 5% abgest. Goldmexitaner von 99 4.9 —— — 5,5 4% Türkische Zollanleibc von 1911 4% Türkische Lagdadbabn-Anleib. .,1 2,15 2,13 Serie I — —— 2.4 — 4% vergl. Serie II..... 8%Rnmän. vereinh. Rente 6.1902 — 2,2 — 3.8 —— 4,5 4%%Rurnän.vereinh.Ren!ev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente . — 8.8 —— 3,75 . -— 3,95 4,2 »%% l. Anatolier . . . 13,25 — 13,25 13,4 lZrantsun a. Dl. Serim Sch'uß- lurfi i»Ubr« ff"tf Gchluß- tur# Anfang» Nur» Datum 14.3. 15.4. 14.4. 15.4. Hanivurg-Amenia 'Hau. t 13,75 14.65 14 14,13 oaindnia-Südam. Tampslchil'I. >' — —- 48,75 —- Hansa Tampsschiss . . . . c — — —— — Norddeutscher Lloyd . . . . . 6 — 15.5 14,75 15 A.G. für Berkrhrrwelen Akt. 31 30,25 31,75 Berliner HandelSgescUschast . 8 82 —— — Cammer,- und Pnvat-Bank . 7 — — —• Tarmstadter und Naiionalbant 8 Deutsche Bank und 23,75 — — Disconto-Geielljchaji. . . 6 44 — —— — Dresdner Bank...... 6 24 — — ' — Reichebank ....... 12 — 106 100,5 A.C.G........... . 7 25,5 26 26,65 26 Bergmann........ . 9 — — — — Clcktr. Lierermigsgekellschaft. 10 — —— 55 55,5 Lich, und Kraft . . 10 58,5 — 58.5 58.5 Felten & Oluillefluntc.... Geiellschast für (Slelirtldfe 6y. — — 30,5 30 Unternehmungen .... 9 51 52,5 52,25 51,75 Rbemlsckn CIcklri.;iläi . . . . 9 65,5 — — — cdiudert & (So....... 11 — — 48 46 Siemens & Halsk»..... 14 100 100.5 101 100,5 LahmeyerL laur....... 12 80 _ Subern =......... . 4 21,5 22 21,9 21,75 54 54 53.75 54.75 Gelsenkirchener...... . 8 33 33 32,75 33,25 Harveacr......... . 0 — — 34 33 Hoesch Eisen........ . 0 — — — 24,25 Ilse Bergbau....... 10 — 128.5 119 128 Slodnerwerte....... . 6 — — 21 21,5 Köln-Acucjien....... 6 y, — — 23 — Mannesmann-Röhren . . . . f. —— — 34,25. 34,5 Maneielder Bergbau .... . 0 — 12,5 12 13 Lben'chles. KokSwerke . . . . s —— — 30.65 — Dbönir Bergbau...... Rheinische Braunkohlen . . . Rheinstabl......... 4': 16.5 17,5 16,75 17,5 10 159 162,25 159.9 161,5 . 6 36 — 36 35 .frrtmnuri a. " rieritn «5ch1uß- lurt l'stbr. Kurs cSchluy- iur» Ansanq» Kurs Datum 14.4. 15 4. 14 4 15.4. »Kiebed Montan ..... 7,1- — Bereinigte Stahlwerke . . . . 4 15,25 15.75 15.25 16 L ravt Minen ..... 16'/, — — 10.5 10.65 Kaliwerke?lid>ft«1cben . . . ic 84.5 — 85 88 »aliwerkc LScsteregeln , . . 10 93.5 — 94 flalirocdc Salzdetfurth . . . 1- ■ — 145 I. (9. Farben-^ndustne . . . 12 89,9 89.9 90,5 89,65 Verein, chem. Industrie Frank« für: a. M........ — — — Scheiveanstalt....... 10 128 128.5 — — Goldschmidt........ . 0 17.5 — — Rütgerewcrke....... • 0 27,5 —— 28 28.75 Metallgeiellschast..... . ! 28,5 — — 28 VbUIpp Holzmonn..... 27.5 29 27.5 29,25 Kemcntwcrl Heidelberg. . . Zementwerk tzarlsiaot. . . . . 7 . 7 42 _ _ _ Dayh & Freytag..... . 0 — — - - Schultheis Batzcnhoser . . . 15 _ — 49,25 54 Aku (Mgemcine Kunstseide) 0 36,5 37.5 37 37.5 Bemberg . . 0 30 — 30 35 Zellstoss Daldbos . . 12 28.5 — 29 28.75 Zclistofs Aichaksenburg . . . f, 29 — — 295 Dessauer fl)a= . ... . 9 — — 73.75 75 Daimler Moioren..... l f — — 8 9 Deutsche Linoleum .... . 6 26 27.25 27,5 28,5 Crenficm & Koppel .... . 0 — — 19 —— Leonhard Tietz...... . 8 - — 55.5 55.75 SvcnLka ......... 15 — — 8.9 10 Cb ade ......... 192 — 193 190,5 Franksuner Maschmen . . . Grinner........ . 0 -I — — — . 0 — —- 15 —— Mainkrastwerte Höchst a. M.. . 6 —— — — S'ddeitttcher Zucker . . 10 — — — Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 14. April 15-Mprll Amtliche Notierunq Bmllichr Aotierun« Meld Stic' «selb Srlr- Helsingsort . 7,343 7,357 7.343 7.357 Listen . . 49.95 | 50,05 49.95 50.05 Prag . . . 12,465 1 12.485 12,465 12,485 Budapest . . 57,94 58.06 58.94 59.06 Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 170,68 . 171,1 2 170.68 171,02 Celo . . 81,52 1 81.68 81,07 81,23 «op-nhage». 86.91 87,09 86.91 87.09 Stockholm 89.02 80.18 80,42 80-58 London . . 15.92 15.96 15.88 1592 Buenos Mes 1,048 1 1.052 1.048 1.052 Neunori 4.209 4.217 4.209 4.217 Brussel. . . 58.99 59.11 59,01 59.13 Italien. . . 21,63 21,67 21.63 21.67 Tarte . . . 16.61 16.65 16.61 16.65 Schweiz . . 81.92 82.08 81.87 82.03 Spanien . . 32.27 32,33 32.27 32.33 Danzig . . 82.62 82.78 82.62 82.78 Japan . . 1.389 , 1.391 1.389 1,391 Rw de Jan.. 0,284 0.266 0,274 0.276 Iugoslawte». 7,423 7,437 7,427 7.437 Liliabo» . . 14,54 14,56 14,49 14,51 Banknoten serlm, 14. Avril Oeld ZrW «merikonnche Roie» 4.20 4.22 Belgische Noten . . 58.83 59.07 Dänische Noien . . . . 86.73 87,07 15,88 15,94 ksranzosische Noten . . . . 16.57 16,63 Holländische Noten . . . . 70.31 170,99 Iialieaijche Noren .... 21,91 21,99 Norwegisch- Noten.... 81.34 81,66 Deutsch.Oesterreich, » 100 6*111 tco Rumänische.'toten . . . . 2.49 2,51 Schwedische Roten . . . . 79.84 80.16 Schweizer Noten..... ■ ■ « - 81.74 82.06 Spo-idje Noten..... 32,34 32.46 llngarnche No«, . . . • • • e Soll Ihr Stoff recht preiswert sein, kauten Sie bei Schmücker 2733 A em Mädchenvereinigung der Lukasgemeinde Geld in Massen Zu der am 17. April stattfindenden 02307 auch für Sie 2858 D 7< 7« Lose ä Klasse r RM 5.- RM. 10 - RM. 20.- RM.40-- zu haben bei den Staatlichen Lotterie-Einnehmern in Gießen Buchacker Flimm RASSOL Heute Freitag Premiere ■cht und zwar: Käthe von Nagy 0.75 DER bis fijährig) Stück 1.50 2953 C SIEGER 2.00 bis 14iährig Stück rr Salomon 9WA Der Kirchenvorstand der Lukasgemeinde. Neuen Bäue 11 Fernspr. 3182 Walltorstraße 63 Fernspr. 3186 1 gr. FI. MK. 1.65 Gemeindeverein der Lukasgemeinde. 4 i 4 •a z Legler Südanlage 5 Fernspr. 3882. Der neueste Tonfilm der Ufa mit Hans Albers mengen. Verlangen Sie nur echtes Raffo! in Originalflaschen u. weisen Sie Nachahmungen zurück. Allein. Hersteller: Engelapotheke (Bieben. Zu haben in allen Apotheken. Obhut weih. — 51nb vergib mir! Du hast ml- schon soviel vergeben!" Sie drückte das Gesicht gegen Lenores Brust und sank mit einem erlösenden Aufatmen in die Kissen zurück. durch die Klassenlotterie! Die Ziehung der ersten Klasse beginnt nächste Woche. fürnU 2.5,9! „Ich will nicht sterben!" klagte Inegard Swen- sen, als sie fühlte, daß das neue Leben in ihr zum Licht drängte. „Ich will nicht, Lenore! — Rufen Sie meinen Mann! — Geben Sie mir meine Kleider! Ich will reisen!--Fort will ich! Barfuß und im Hemd will ich mich durch die Welt betteln, wenn ich leben darf!" „Sie werden leben, Inegard! — Seien Sie jetzt ganz ruhig! Sie schaden sich sonst! Es ist alles (gut! Glauben Sie mir doch, Inegard, es ist nicht die geringste Gefahr", tröstete das Mädchen. „ Ach, Lenore, wenn ich nicht solche Angst hätte! Wenn man so restlos gut sein könnte wie Sie! Aber ich bin schlecht! Ich habe Ihnen geflucht! Ich habe Sie gehaßt! Ich habe Ihnen das Leben geneidet!--Alles habe ich getan!" „ünb ich habe alles vergessen!" lächelte Lenore tapfer. „Wessen Schuld aber vergeben ist, die ist auch getilgt. Seien Sie jetzt tapfer, Frau Inegard. Die Freude, die Sie an Ihrem Kinde haben werden, wiegt alle Schmerzen der Welt auf. — In ein paar Stunden ist cs vorüber." „Ich überlebe es nicht! Rufen Sie mir Doktor Wander! — Doktor Wander soll kommen!" Lenore, nun selbst von Angst gewürgt, ließ ihn telephonisch nach der Villa bitten. Sie atmete .2 c: 5 >£■- 3 2 »5 oE = ^•3 = 5=^ 8. e e—z) u 10. Gründungsfeier werden die Gemeindeglieder herzlich eingeladen. Vormittags 8 Uhr: ?es t-Gottesdienst mit Wimpelweihe in der Johanneskirche. Nachmittags 3 Uhr: Zusammenkunft auf der Liebigshöhe mit Ansprachen, Gesangsvorträgen und Reigentänzen. Continental- ADDIER-, SALDIER-, Pult-Rechen- MASCHINEN Gen.-Vertr.: ELBERT Frankfurt a. M. Schlllorstraße 12 Fernruf Hansa 26187 ReparaturwerkstQtte für Bilro-Masthlneo 1 ° 2 S S jq 5 5 . X = v 3 * C VemMelMmmlUni Roman vop 3- Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau. 28. Fortsetzung. Rachdruck verboten! Sie stand gelahmt vor Entsetzen und hielt im ersten Schrecken die Hand gegen die Schläfen gedrückt. Ein Blick auf den Boden, wo Wander vor ihr ausgestreckt lag, peitschte sie auf. Sie muhte über ihn hinwegschreiten, um nach dem Arzneischrank zu kommen, der in die Ecke eingemauert war. Reben ihm niedeickniend, rieb sie seine Schläfen mit belebendem Aether, war jetzt nur Aerztin und empfand doch eine dumpfe Scham, als sie sich zu ihm herabneigte, um nach dem Schlag seines Herzens zu lauschen. Sie schüttelte etwas Kampfer auf die Handfläche und begann ihn damit zu massieren. Mit geschlossenen Augen versuchte er den Kopf zu heben und ließ ihn ohnmächtig wieder nach hinten fallen. Ihre Hand hatte sich rasch daruntergeschoben, daß er nicht auf das Parkett prallte. Gr wollte die Finger bewegen und fühlte, daß sie förmlich gelähmt waren. Und doch wußte er mit aller Deutlichkeit alles und jedes, was gewesen war, und daß sie neben ihm kniete und ihm ihre Hilfe angedeihen ließ. Er versuchte Worte zu formen und muhte es unterlassen, da seine Zunge versagte. Sie sah, wie er die Lippen bewegte und neigte sich weiter zu ihm herab. „Können Sie mich hören, Herr Kollege?" Er machte eine tastende Geste mit der Linken und lag dann wieder reglos. Als er neuerdings versuchte, seinen Arm zu gebrauchen und den Kopf zu heben, stützte sie ihn und fühlte den Sch weih an sich herabrinnen, als er endlich so weit war, sich mit Hilfe eines von ihr herbeigerollten Stuhles emporzurichten. Er fuhr sich mit dem Aermel über das wachsfarbene Gesicht und griff nach den Schläfen. „Den Riegel zurückschieben!" befahl er heiser. Sie ging mit raschen Schritten nach der Tür und tat, was er gewünscht hatte. Seine Worte waren ihr zugleich eine ungeheure Beruhigung. Er vermochte wieder klar zu denken. „Ich werde Ihnen jetzt ein Glas Wein holen!" sagte sie ermunternd und reichte ihm die Brieftasche, welche ihm aus dem Rock geglitten war. „Gleichzeitig telephoniere ich um einen Wagen. Sie müssen sich jetzt unbedingt Ruhe gönnen." Er nickte und sah ihr nach, wie sie zur Tür ging. Als sie zurückkam, sah er noch immer in der gleichen Stellung, die Füße weit nach vorne gestreckt und den Kopf gegen die Lehne gestützt. 9in<> besonders auch kränkliche, ■C4UV ^>iyLVVlllC, zurückgebliebene und lolche mit steifen Beinen, gesunden und 163D entwickeln sich überraschend schnell, wenn Sie durch jedes Futter 1 Eßlöffel voll echtes 17K Damen-Jumper- u. 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Die Baume des Gartens, der sich um das Gebäude zog, lechzten nach dem Labsal des Regens, der schon seit Wochen nimmer über ihr verstaubtes Blattwerk gefallen war. Die kleinen fiebernden Körperchen, die sich in den weißen Betten unter der Hitze des Blutes und jener, welche die Atmosphäre schuf, unruhig hin und her wälzten, lagen in Schweiß gebotet. Die Schwestern mit weißen Flügelhauben schritten zwischen den Reihen der Lager, ein gütiger Mund tröstete, beruhigend strichen die Pflegerinnen über die ängstlichen, leidenden "Gesichter. Doktor Wander lüftete den Kragen seines blendend sauberen Kittels und sprach mit einer der Schwestern, die ihn um Verhaltungsmaßregeln für einen schwerkranken Patienten gebeten hatte. „Ich bin ohnedies in Bereitschaft", sagte ec freundlich. „Rufen Sie mich, wenn Sie mich brauchen sollten." Sie sah ihm nach, wie er bald zu diesem, bald zu jenem ans Dettchen trat und überall ein ermunterndes Lächeln hervorzauberte. Schade, daß er unverheiratet war. Er würde sicher auch den eigenen Kindern ein guter Vater sein. 2lls die Schwester durch eine Seitentüre auf den dämmrigen Gang trat, bemerkte sie eine Frau, die schüchtern ängstlich den rechten Weg durch das große Haus zu suchen schien. Besucher gab es ja so viele in diesem Keinen Reich der Schmerzen. Solche, die mit verzweifeltem Weinen ein Liebes hinausbegleiteten, das keines Menschen Kunst mehr zu retten vermocht hatte und andere, die in den Wartezimmern mit starren, hilfesuchenden Augen auf das entscheidende Wort harrten, welches ihnen Leben oder Tod des geliebten Kindes zu wissen tat. Tausende waren schon ein- und ausgegangen. Die auffallend schüchterne und gedrückte Frau würde wohl ein Enkelkind oder sonst ein Liebes, das ihr nahestand, in diesen Räumen untergebracht wissen. Mit einem freundlichen „Guten Abend" fragte die Schwester? nach ihrem Begehren. (Fortsetzung folgt.) QOE Berufskittel, mit u. ohne Arm, aus gutem u£ü Zephir oder Nessel, Damen-Jumper- senürzen, vollweit, la Trachtenstoffe, Siamosen od. Satin, dabei Mädchenschürzen Sie stellte den Wein auf den Tisch neben ihn und wartete, bis er ihn bis zum letzten Tropfen getrunken hatte. „Ich getraue mir nicht, Ihnen ein zweites Glas zu holen!" bemerkte sie schwankend. „Ich fürchte, es könnte Ihnen nicht gut tun. — Kann ich Ihnen sonst noch irgendwie dienstbar sein?" „Danke, nein!“ wehrte er mit einer matten Handtewegung. „Ich — — bitte Sie um Entschuldigung — — wegen des Vorgefallenen. Die Genugtuung, die ich Ihnen--dafür schulde, bekommen Sie, wenn ich wieder soweit hergestellt bin. — Ich bitte Sie, sich noch einige Tage gedulden zu wollen." „Ich betrachte das Ganze als nicht gewesen!“ suchte sie ihn zu beruhigen. Wieder dieselbe müde Handtewegung von vorher. „Seien Sie für alles bedankt, Margret — — Fräulein Recklinhausen. Urteilen Sie nicht zu hart über mich. — Ich konnte — ich wußte —“ Er schüttelte den Kopf und der Blick, mit dem er nach ter Tür sah, war eine Ditte an sie, ihn jetzt allein zu lassen. Warum bin ich nicht wie Suse, dachte sie, als sie draußen stand und die Klinke geräuschlos hinter ihr einschnappte. Sie hätte gar nichts weiter zu tun brauchen, als die Arme um seinen Hals zu legen und das Gesicht an seiner Brust zu bergen. Aber ihr Herz war wie ein Stahlpanzer und wollte sich nicht preisgeten — — um alles Gold der Erde nicht---auch nicht dem Manne ihrer Liebe. auf, als bald darauf fein Hupensignal heraufklang und er kurz nachher in das Zimmer trat. Sie erschrak vor seinem gelten Gesicht, als er sich über ihre Hand neigte. — Was war mit ihm? — Swensen kam und fragte, ob er bleiben solle und bekam ein knappes Ja. „Du brauchst nicht in Sorge zu Jein“, ermutigte ihn Wander, als er dessen verstörten Blick gewahrte. „Es ist keine Gefahr." „Wenn ich geahnt hätte, daß du noch so sehr unpäßlich bist, würde ich dich um keinen Preis herbemüht haben!" bedauerte der Künstler. „Aber meine Frau will von keinem anderen Arzte etwas wissen. Sie setzt alles Vertrauen auf dich! Und sieht zu dir auf wie zu einem Gott, in dessen Hänte ihr Schicksal gelegt ist.“ Er vermochte sich den Ausdruck in Wanders Gesicht nicht zu deuten. Jedenfalls wirkte sich die Verwundung nachhaltiger bei ihm aus, als er vermutet hatte. — Zwei Stunden später hielt Swensen seinen Sohn in den Armen. Inegard lag mit halbgeschlossenen Augen und streckte in übergroßer Müdigkeit die Hand nach Gatten und Kind aus. Lenore nahm es Swensen aus den Armen und legte ihr den Knaben an die Seite. „Run werten Sie schlafen", befahl sie lächelnd. „Um den Kleinen müssen Sie sich nicht sorgen. Ich nehme ihn zu mir hinüber, damit er Sie nicht stört. Ab und zu werte ich nach Ihnen sehen, damit Sie wissen, daß Sie nicht allein sind. —• Gute Rächt!" Inegards weiße Finger hielten sie mit mattem Griffe fest. „Was sorgen Sie sich noch, Frau Inegard?“ fragte sie und neigte sich gütig zu ihr herab. Die Lippen ter Diva murmelten und preßten sich dann auseinander, um das zurückzudrängen, was sie nicht zu sagen wagte. „Haben Sie Vertrauen zu mir!“ Lenore strich mitleidig ihre Wangen herab. „Soll ich Ihren Mann noch einmal hereinrufen?“ Die Künstlerin schüttelte den Kopf und richtete sich am Arm des Mädchens auf. „Sie werden ihn nicht töten, Lenore?" „Ihren Mann?" fragte diese bestürzt. „Meinen Knaben!“ zitterte es zu ihr empor. Lenore wollte ihre Hand losreißen, fühlte unendliches Erbarmen mit der armen Frau, die so hilflos und von Schmerzen durchschüttelt auf sie angewiesen war und legte ihre Wange gegen die ter jungen Mutter. „Wissen Sie denn nicht, daß ich Sie liebe, Inegard? Und ihr Kindchen nicht weniger. Ich werte die Wiege neben Ihr Bett stellen, dann können Sie den Jungen gleich s?hen, wenn Sie die Augen auf tun. — 3a ?s „Rein! — Rimm ihn zu dir, Lenore! — Ich schlafe dann ruhiger, wenn ich ihn in deiner Wieder ganz außergewöhnlich billig! Ab Samstag früh 294»a 7nrp™ M W Berufskittel S --:Q 15-^ E =■2-^=a:5 WA tu 9 y c. a £ I ° 5=5 §; *^1*0 O2QU--C 9 — ST “ - Q Q.— *b -9° e-“o -L "=3 _ Ou t- Q 3 s-v Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen bei Brühl. Schulstraße Geburtsanzeigen Lichtspielhaus Gießen