Nr.216 SvüharrSgabe 182. Zahrgang Mittwoch, U. September 1952 Erscheint tägllch,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle DlonatSiBejugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2261. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: firanfjurl am Main 11686. Mtzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmd und Verlag: vrühl'sche Univer^iair-Vvch. und Steinbruderei B. Lange in Stehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulttrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klarneanzeigenJwn 70 mm Brette 35 Reichspfenmz, Platzvorschrift 20u„ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. DerantwoNlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. OerKonfliktzwischenReichsregierung un-Parlament Oer Lleberwachungsausschuß des Reichstags wirst dem Reichskanzler wegen Nichterscheinens vor dem Ausschuß Bruch der Verfassung vor. Eine Erklärung des Reichskabinetts. Ter Ausschuß soll die Ungültigkeit der Abstimmungen anerkennen. Berlin, 13. Sept. (DDZ.) Der Reichstags- ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung trat unter dem Vorsitz des Abgeordneten Lobe zusammen. Die Beteiligung der Parteien war außerordentlich stark. Auch Reichstagspräsident Göring nahm an der Sitzung teil. Ebenso waren die Länder durch zahlreiche Gesandten vertreten. Von der Reichs- regierung war zunächst nur Ministerialdirektor Gottheiner vom Reichsinnenministerium erschienen. Dieser gab zu Beginn der Sitzung eine Erklärung ab, in der es heißt: Die Reichsregierung hält daran fest, daß das Vorgehen des Reichstagspräsidenten in der gestrigen Sitzung des Reichstages mit der Verfassung und mit der Geschäftsordnung des Reichstages nicht vereinbar ist. Rach Artikel 33 Absatz 3 der Reichsverfassung haben die Vertreter der Reichsregierung das verfassungsmäßige Recht, auch außerhalb der Tagesordnung, d. h. auch nach Schluß der Debatte und zu jedem beliebigen Gegenstände das Wort zu ergreifen. Entgegen dieser Bestimmung hat der Reichs- tagspräsident trotz wiederholter Wortmeldung dent Reichskanzler das Wort nicht erteilt, obwohl eine Abstimmung noch nicht begonnen hatte. Cs steht fest, daß nach der Wortmeldung des Reichstanzlers ein Antrag auf namentliche Abstimmung aus dem Hause gestellt wurde. Wenn der Reichstagspräsident nach der Wortmeldung des Reichskanzlers noch einen Beschluß auf namentliche Abstimmung herbeiführte, so ergibt sich daraus mit völliger Klarheit, daß die Abstimmung bei der Wortmeldung des Reichskanzlers noch nicht begonnen hatte und daß der Präsident selber die Abstimmung noch nicht als begonnen ansah. Damit steht fest, daß dem Reichskanzler geschäftsordnungs» und verfassungswidrig das Wort versagt worden ist. Infolge dieses Verhaltens des Reichstagspräsidenten war der Reichskanzler genötigt, die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten, die die Auflösung des Reichstages verfügte, in der Weise dem Reichstage zu übermitteln, daß er sofort nach der wiederholten Ablehnung der Worterteilung die Urkunde dem Reichstagspräsidenten übergab. Mit der Tleberqabe der Urkunde trat die Auflösung in Töirk- samkeit. Jede weitere Tätigkeit der noch versammelten Abgeordneten entbehrte damit der verfassungsrechtlichen Grundlage. Beschlüsse des Reichstages kür die Aufhebung der Rotverordnung vom 4. September d. 3. und über die Entziehung des Vertrauens liegen daher nicht vor. Ungeachtet dieser klaren Rechtslage hat der Präsident des Reichstages an den Reichskanzler in den gestrigen Abendstunden folgendes Schreiben gerichtet: Der Reichstag hat in feiner Sitzung oom 12. September 1932 auf Grund der Anträge Torg- ler und Genossen mit 512 bei 559 abgegebenen Stimmen beschlossen: 1. Die Verordnung des Reichspräsidenten zur Belebung der Wirtschaft vom 4. September 1932 ist mit sofortiger Wirkung aufzuhebeet. 2. Die Verordnung der Reichsregierung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit oom 5. September 1932 ist mit sofortiger Wirkung aufzuheben. 3. Der Reichstag entzieht der Reichsregierung von Papen das vertrauen. Aus diesem Schreiben in Verbindung mit den Erklärungen, die er gestern abend gegeben hat, ergibt sich, daß der Reichstagspräsident die Auflösung des Reichstags nicht anerkennt. Mit dieser Stellungnahme des Reichstagspräsidenten stehl die Einberufung des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung im Widerspruch. Die Reichsregierung ist jederzeit bereit, mit dem nach Artikel 35 der Reichsoerfassung gestellten Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung zu verhandeln. Sie muß es jedoch a b l e h n e n , in solche Verhandlungen einzutreten, ehe nicht der Reichstagspräsident sein Schreiben vom 12. September 1932 zurückgezogen hat. — Nach Abgabe dieser Erklärung verlies Ministerialdirek- tor Gottheiner die Sitzung. Weitere Verhandlungen ohne Regierungsvertreter. Etn Brief an den Reichspräsidenten Reichstagspräsident (Boring erklärte, er müsse anerkennen, daß die Reichs- tagsauflöf ung rechtsgültig sei, da auch ein gestürzter Reichskanzler ein Auflösungsdekret gegenseitigen könne, solange er das vertrauen des Reichspräsidenten habe. Dagegen müsse er auf seinem Standpunkt beharren, daß die Abstimmungen rechtsgültig feien, da sie bereits begonnen hatten, als der Reichskanzler sich zum Wort gemeldet hatte. Allerdings habe er auch formal juristisch lebhafte Bedenken, ob die Begründung, die für die Auflösung gegeben worden sei, mit dem Geist und dem Sinn der Verfassung Übereinstimme. Abg. Berndt (Sn.) erklärte, daß er sich voll auf den Boden der Ausführungen des Regierungsvertreters stelle. Die Reichsregierung sei zu ihrem Verhalten vollständig berechtigt. Auf einen Zuruf von feiten der Rationalsozialisten und des Zentrums, warum denn dann die Deutschnationalen sich an der Abstimmung beteiligt hätten, erklärte der Redner, das sei geschehen, um den Mehrheitsparteien nicht die Freude zu machen, auf einen einstimmigen Beschluß des Reichstages Hinweisen zu können in einer Sache und in einer Situation, die hinsichtlich ihres Ernstes überhaupt nicht -übertroffen werden könne und die wahrlich mehr Verantwortungsgefühl verlangt hätte, als es gestern der Reichstagspräsident und die Reichstagsmehrheit bewiesen hätten. Abg. W e g m a n n (Zentr.) erklärte, die Regierung dürfe unter keinen Umständen ihr Erscheinen von Bedingungen abhängig machen Bei den Ausführungen des deutschnationalen Abgeordneten Schmidt- Hannover, der nachdrücklich die Beweisführung des Reichstagspräsidenten bestritt, kam es zu erregten Auseinandersetzungen zwischen den deutschnationalen und nationalsozialistischen Ausschußmitgliedern. Es wurde gegen die beiden deutschnationalen Stimmen beschlossen, die Anwesenheit des Reichskanzlers und des Reichsinnenministers zu verlangen. Rach Wiederaufnahme der Sitzung teilte der Vorsitzende L ö b e mit, daß die Reichsregierung nach einer Erklärung des Staatssekretärs Dr. Planck auch weiter auf dem Rechts standpunkt beharre, der in der Erklärung des Ministerialrats Gottheiner zum Ausdruck komme. Nach längerer Aussprache nahm der Ausschuß folgende Entschließung an: „Der Ausschuß Hal gemäß Artikel 33 der Reichsverfassung die Anwesenheit des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsministers des Innern zu feiner heutigen Sitzung verlangt. Der Herr Reichskanzler und der Herr Reichsminister des Innern haben ihr Erscheinen von Bedingungen abhängig gemacht. Das ist nach dem klaren Wortlaut des Artikels 33 der Reichsoerfassung nicht zulässig. Die Reichsregierung hat diese Rechtsauffassung auch anerkannt durch ihr verhalten im Juni vor dem damaligen lleberwachungsausschuß. Der Ausschuß stellt fest, daß sich der Herr Reichskanzler und der Herr Reichsminister des Innern durch ihre Handlungsweise eines offenen Bruches der Reichsoerfaffung schuldig gemacht haben. Er erwartet, daß der Herr Reichspräsident als der berufene Hüter der Verfassung den Herrn Reichskanzler und den Herrn Reichsminister des Innern zur Erfüllung ihrer verfassungsmäßigen Pflichten unverzüglich antjält.“ Die Annahme der Entschließung erfolgte gegen die Stimmen der Deutschnationalen. Den letzten Satz lehnten unter allgemeiner Heiterkeit auch die Kommunisten ab. Rach längeren, teilweise juristischen Ausführungen verschiedener Redner wurde ein Antrag Frank (RS.) angenommen, worin der Ausschuß feststellt, daß die Montagsabstimmungen über die Aushebung der Rotverordnun- und die Entziehung des Vertrauens gegenüber Reichskabinett Papen verfassungsmä- h i g waren. Weiter wurden zwei Anträge Wegmann (Ztr.) angenommen, die lauten: 1. Die am 12. September 1932 ausgesprochene Auflösung des Reichstags verstößt gegen Artikel 25 Absatz 1 der Reichsoerfassung, weil die in dem Auflösungsdekret angenommene Gefahr, der Reichstag könnte die Aufhebung bestimmter Rotoerordnungen verlangen, keinen konkreten Anlaß darstellt, wie er in Artikel 25 Absatz 1 der Reichsverfajsung gefordert wird. 2. Die am 12. September 1932 ausgesprochene Auflösung des Reichstags verstößt gegen Artikel 48, Absatz 3, Sah 2 der Reichsverfassung, weit sie das wichtigste verfassungsmäßige Recht des Reichstags, die Aufhebung von Rotoerordnungen zu verlangen, verletzt und eine Wiederholung der Auflösung dieses Recht des Reichstags beseitigen würde. Beide Anträge wurden gegen die Stimmen der Deutschnationalen angenommen. 3m weiteren Verlauf der Sitzung wurde dann noch ein Antrag Frank (RS.) angenommen, wonach der Ausschuß die Reichsregierung ersucht, denWahltermin für die Wahlen zum neuen Reichstag unverzüglich bekanntzugeben. Der Ausschuß stellte es in das Ermessen des Vorsitzenden, wann eine weitere Sitzung stattfinden soll. Ein Briefwechsel zwischen Göring und dem Reichspräsidenten. Oer Reichstagspräsident verlangt Aufhebung der Notverordnungen und Abberufung des Kabinetts von Papen. Berlin, 13. Sept. (TU.) Zwischen dem Reichstagspräsidenten Göring und dem Reichspräsidenten v. Hindenburg hat am Dienstag ein Briefwechsel stattgefunden. Reichstagspräsident Göring hat im Sinne der Entschließung des Reichstagsausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung an den Reichspräsidenten einen Brief gerichtet und darin den Reichskanzler und den Reichsinnenminister des offenen Bruchs der Verfassung beschuldigt. Er verlangt von dem Reichspräsidenten als den berufenen Hüter der Verfassung die Anweisung, daß der Reichskanler und der Reichsinnenminister unverzüglich vor dem Ausschuß erscheinen. Der Reichspräsident hat hierauf wie folgt geantwortet: „Den in Ihrem Schreiben oom heutigen Tage gegen den Herrn Reichskanzler und den Herrn Reichsminister des Innern erhobenen Vorwurf des verfaffungsbruches weife ich mit Entschiedenheit zurück. Die Fragen, mit denen sich heute der Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung besaht hat, wären nie entstanden, wenn Sie, wie es die Reichsoerfassung vorschreibt, dem Herrn Reichskanler das Wort zur Verlesung meiner Auflösungsverordnung erteilt oder zumindesten sogleich nach Zustellung dieser Verordnung die Sitzung des Reichstages geschlossen hätten. Sobald Sie, Herr Reichstagspräsident, und der Ausschuß diese unanfechtbare Rechtslage ausdrücklich anerkennen, wird, wie die Rcichsregierung bereits erklärt hat, einem Erscheinen des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsministers des Innern vor dem Ausschuß nichts mehr im Wege stehen. ge;.: o. h i n b e n b u r g.“ Reichstagspräsident Göring hat darauf an den Reichspräsidenten einen zweiten Brief gerichtet. ..Hochzuverehrender Herr Reichspräsident! Ew. Exzellenz! Als Präsident des Reichstages beehre ich mich, ergebens! mitzuteilen, daß der Reichstag in seiner Sitzung vom 12. September 1932 im Wege namentlicher Abstimmung beschlossen hat, die von der Regierung Papen gegen- gezeichnete Notverordnung vom 4. und 5. September 1932 des Herrn Reichspräsidenten nach Artikel 48 Absatz 3 Satz 2 außertraftsetzen zu lassen und ein diesbezügliches Verlangen an Sie, Herr Reichspräsident, zu stellen. Des weiteren hat der Reichstag gleichfalls im Wege namentlicher Abstimmung in demselben Abstimmungsakt nach Ar- titel 54 der Reichsoerfassung der Regierung Pap en das Vertrau en entzogen. Die Abstimmung wurde mit 512 Stimmen Mehrheit von insgesamt 559 gültigen Stimmen gegenüber 42 Nein-Stimmen und bei fünf Stimmenthaltungen beschlossen. Der Regierung Papen wurde also mit einer überwältigenden bisher noch nie dagewesenen Mehrheit das Vertrauen des deutschen Volkes entzogen. Der Reichstag gibt feiner Erwartung hiermit Ausdruck, daß Sie, Herr Reichspräsident, entsprechend den Vorschriften der Reichsoerfassung die von der Abstimmung des Reichstages getroffene Rotverordnung unverzüglich auherkraftfehen werden. Die selbstverständliche Folge der Annahme des Mißtrauensvotums wird der Rücktritt der Regierung papen fein, da einer Regierung, die zu 95 o. h. das deutsche Volk gegen sich hat, weder weiter die Politik im Innern bestimmen noch Deutschland in der jetzigen schwierigen Lage dem Ausland gegenüber vertreten kann. Rach beiden Seiten hin fehlt der Regierung papen jegliche Legitimation des deutschen Volkes. Besonders im Hinblick auf die derzeit schwebenden Verhandlungen mit dem Ausland würde eine Regierung, die saft von dem gefangen deutschen Volke durch schärfstes Mißtrauen abgelchnt wird, eine unmögliche Verhandlung s- b a f 16 besitzen. Dem deutschen Volke muß daraus schwere Schädigung erwachsend Göring gibt bann eine Schilderung des Sitzungsverlaufs, wobei er erklärt, daß der Reichskanzler nach seinen Worten „Die Abstimmung hat begonnen" auf* stand und feinen Arm erhob, jedoch ihm noch keine Wortmeldung mitteilte. Auf den Zuruf: „namentliche Abstimmung!", der im gleichen Augenblick erfolgte, habe er, Göring, betont, daß die Abstimmung selbstverständlich namentlich fei. „3ch stelle auch Exz. gegenüber ausdrücklich fest (vergleiche amtliches Stenogramm), daß ich hereits den Beginn der Abstimmung erklärt hatte, als der Herr Reichs- kanzler den ersten Versuch machte, sich zum Wort zu melden. Bisher sind noch niemals und in keinem Parlament der Welt während einer Abstimmung Wortmeldungen erteilt worden." Fest stehe demnach, 1. daß der Abstimmungsakt vor der Auflösung des Reichstags stattgefunden habe; 2. daß das Ergebnis dieser Abstimmung zu Recht bestehe; 3. daß nach der Reichsoerfaffung die betreffenden Rotoerordnungen außer Kraft zu sehen seien; 4. daß die Regierung papen mit einer vernichtenden Mehrheit vom deutschen Volke durch seine erwählte Vertretung gestürzt worden sei. Göring vertritt weiter den Standpunkt, daß formal der Reichstag im Augenblick nach der Abstimmung aufgelöst worden sei. Gegen die Begründung der Auflösungsorder erhebt er jedoch als Präsident der deutschen Volksvertretung Verwahrung. Tatsächlich sei der neue Reichstag genau, wie sein Vorgänger aus dem gleichen Grunde aufgelöst worden, nämlich, fbeil die Regierung Papen wiederum kein Vertrauen gefunden hätte. Der Reichskanzler habe bei seinem Eintritt in den Reichstag ostentativ und in einer für den Reichstag verletzenden Form mit der roten Mappe gegen die Diplvmatenloge hinaufge- winkt. Die Aushebung einer Notverordnung gehöre zu den verfassungsmäßigen Rechten des Reichstages." „3ch darf Eie versichern, hochverehrter Herr Reichspräsident, daß das deutsche Volk sich zur Zeit in einem Zustand namenloser TInruhe und Empörung befindet, weil dieses Volk empfindet, daß seine in der Verfassung niedergelegten Grundrechte in Gefahr sind. Das Volk kann und wird es nicht verstehen, daß es weiterhin regiert werden soll von einer Anzahl von Männern, der soeben durch dcn Reichstag bestätigt wurde, daß sie sich auf keinerlei Vertrauen des Volkes berufen können. So wertvoll die Autorität Ew. Exzellenz sein mag, so darf nicht übersehen werden, daß das Vertrauen des Reichspräsidenten zur ic- weiligen Regierung seine Ergänzung finden muß in dem Vertrauen des deutschen Volkes." Er, der Reichstagspräsident, dürfe daher der berechtigten Hoffnung Ausdruck verleihen, daß der Reichspräsident der Regierung ebenfalls fein Vertrauen entziehe. Mit der Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung habe ich die Ehre zu sein Ew. Exzellenz ergebenster gez.: Göring, Reichstagspräsident. Ein Aufruf Hugenbergs. Berlin, 13. Sept. (TLl. Funkspruch.) Hugen- berg hat im Namen der Deutschnationalen Dvlkspartei einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: „Der 5. Wahlkampf dieses 3ahres scheint bevorzustehen. Die Deutschnationale Volkspartei ist für diesen Kampf bereit. Wir rufen alle nationalen Deutschen in Stadt und Land auf, die mit uns für die Befreiung von den Fesseln von Versailles, für Wehrsreiheit, für Brot und Arbeit, für christlich-deutsche Kultur und für die Zukunft unserer Kinder kämpfen. 3hnen allen sind unsere Tore weit geöffnet. Wir wenden uns auch an unsere alten Bundesgenossen in* nerhalb der NSDAP; den Poungplan haben wir zusammen leidenschaftlich bekämpft. Gegen die Schwarzen und gegen die Roten ging es, gegen das System Brüning haben wir Schwüre ausgetauscht. Wir blieben uns treu. Wir haben uns nie mit einem von denen zusammengetan, oder ihn als Teil einer „nationalen Reichstagsmehrheit" begrüßt, die £ u de n Trägern des gemeinsam bekämpften alten Systems gehörten. Es ist eine unbegreifliche Verirrung, wenn die Nationalsozialistische Fraktion nicht nur die Hilfe des Zentrums, sondern sogar der Sozialdemokraten und Kommunisten und die Waffen des Parlamentarismus gegen das heutige Kabinett in Anspruch nimmt. Zu den Waffen, mit denen die Nationalsozialisten diesen blinden und wunderlichen Kampf führen, gehören viele alte marxistische Schlagworte, darunter das Wort „Reaktion". 3ft Reaktion die Reinigung des preußischen Staates? 3ft Kampf für Wehrfreiheit Reaktion? 3ft Arbeitsbeschaffung Reaktion? Reaktion ist heute die Herrschaft der Parteien und der Bonzen. So lange das System von Weimar besteht, müssen wir Partei fein. Aber in dem Maße, in dem das Morgenrot eines organischen Dolksstaates auffteigt, fühlen wir uns als die Träger der künftigen Volksgemeinschaft. R» «« HXTA6 t>Wl93i Dolf rannte, rannte. 3n der Hand schwenkte er sein Zeugnis. Er war verseht worden! Verseht obwohl er sich gar nichts aus der Schule machte und sich lieber Geschichten von Fräulein Lindner erzählen lieh. Nur durch Fräulein Lindners Hilfe war er verseht worden, er muhte zu ihr, sie sollte es gleich wissen, noch vor Papa 'und Mama. Ei,ne alte Aufwartefrau öffnete ihm. Fräulein Lmdner war noch nicht zu Hause. Sie müsse aber ledem Augenblick kommen, sagte die Frau. Lind ob er so lange warten wolle? Warten, ja! Sie führte ihn in das Arbeitszimmer. Aach einer Weile, während sie wieder in der Küche beschäftigt war, hörte sie Schritte auf dem Flur. Sie trat hinaus, da stand der kleine Zunge an der Wohnungstür. Sein Kopf war gesenkt. „Ich will doch nicht warten", sagte er leise. „Sagen Sie, bitte, Fräulein Lindner, ich.. Er lief schon, er war schon zur Treppe hinunter, aber sein Gesicht hatte sie noch sehen können. — „Geweint hat er?" fragte Fräulein Lindner, die einige Minuten später kam. ..Za, geweint", wiederholte die Frau. „Aber wissen Sie: so ein trockenes Weinen, der ganze kleine Körper hat geschüttert." „Komisch", sagte Fräulein Lindner. „Er ist doch hoffentlich versetzt worden?" Die Auflösungsurkunde des Reichspräsidenten, gegengezeichnet vom Reichskanzler und dem Reichsinnenminister. Schon die äußere Form der Urkunde läßt die außergewöhnlichen Umstände erkennen, unter denen sie entstand. Sie ist nicht wie sonst mit der Maschine, sondern mit der Hand geschrieben und anscheinend bereits in Neudeck versaßt worden, denn sie trägt die ursprüngliche Datierung „Neudeck". Die Datierung ist dann üurch- strichen und durch die Worte „Berlin, d. 12. Sept. 1932" ersetzt worden. Die Auffassung des Reichskabinetts Oie Reichsiagsauflösung zu 2Red>f erfolgt. — Oie nach ihr vorgenommenen Abstimmungen ungültig. des deutschen Volkes zu führen droht. Die Entscheidung, ob das der Fall ist, steht allein im Ermessen des Reichspräsidenten. Zm übrigen kann daran erinnert werden, daß der erste Reichstag der deutschen Republik am 13. Qlläti 1924 durch denReichspräsiden-- ten Ebert mit folgender Begründung aufgelöst wurde: „Nachdem die Reichsregierung festgestellt hat, daß ihr Verlangen, die auf Grund der • Ermächtigungsgesetze vom 13. Oktober und 8. Dezember 1923 ergangenen und von i h r als lebenswichtig bezeichneten Verordnungen zur Zeit unverändert fortbe- stehen zu lassen, nicht die Zustimmung der Mehrheit des Reichstages findet, löse ich auf Grund des § 25 der Reichsverfassung den Reichstag auf." Der Tatbestand war genau der gleiche wie am 12. September 1932. Auch damals handelte es sich darum dah die Gefahr bestand, daß der Reichstag von seinem Recht zur Aufhebung von Verordnungen Gebrauch machte. Ebensowenig wie am 12. September 1932 hatte damals vor der Auflösung eine Abstimmung stattgefunden. Die Auflösung wurde wide rspruchslos anerkannt. hinterher erzählte ihm Fräulein Lindner schönere Geschichten als jemals und Dolf war an diesem Tag so glücklich wie nie zuvor in seinen sieben Zähren. Am Abend kam Richard zu ihr, mit einem großen Strauß Rosen und einem schmalen Paket. Er ging im Zimmer umher. „Von wem stammt denn diese ulkige Farbenmanscherei?" fragte er und blieb stehen. „Das?" Sie hob das Gesicht aus den Blumen. „Ach, von meinem kleinen Nachhilfeschüler." „llnö du als blondes Engelchen in den Wolken!" Er trat auf sie zu. — „Run?" „Aber das ist ja fabelhaft, Liebster! Bei wem hast du es machen lassen?" Sie hatte das Paket geöffnet und betrachtete die Photographie: Richards Kopf, kaltweiß aus künstlichem Dunkel hervorglühend, eine zweifellos außerordentlich gut gelungene Arbeit. „Bei Speyer", sagte er, „es muß übrigens Drauf ft eben. Wir könnten es am besten hier unterbringen, wie?" Und er nahm diese komische heroische Wasserfarbenlandschaft herunter und hängte die Photographie an ihre Stelle. Sie protestierte schwach. „Das wird Dolf verletzen. Er ist so sehr sensibel." ~ er trat prüfend von feinem ■""? 1V?U nicht verlangen, Da-fr ich dieses infantile Gekleckse da immer vor Olugen habe wenn ich bei dir bin. Uebrigens -: - E kommt doch sonst niemals zu dir?" „Rem , sagte sie, „er kommt nicht zu mir.“ Unö " f «“f Nationalsozialistische Führertagung. Berlin, 13.Sept. (TU.) Zn Berlin fand am Dienstag in Anwesenheit Hitlers eine nationalsozialistische Führertagung statt, an Der neben dem Reichstagspräsidenten Göring auch die nationalsoizalistischcm Ministerpräsidenten mehrerer deutscher Länder, sowie die Mitglieder der noch in Berlin versammelten nationalsozialistischen Reichstagsfraktion vollzählig teilnahmen, lieber den Verlauf der Sitzung gibt die Nationalsozialistische Korrespondenz einen Bericht heraus, in dem es heißt: Adolf Hitler gab die Richtlinien für die neue Phase des Kampfes bekannt, in dem die nationalsozialistische Bewegung mit dem jetzigen Tage eingetreten sei und den sie — mit dem Volk und für das Volk — gegen eine reaktionäre Clique durchzuführen entschlossen ist. Die Auffassung und das einmütige Ergebnis der Führertagung wird u. a. wie folgt zusammen gefaßt: Heute versuchten gewisse Kreise, über die die Entwicklung in Deutschland längst hinweggegangen sei, noch einmal in letzter Minute die nationale Erhebung des deutschen Volkes aufzuhalten und den Sieg der deutschen Freiheitsbewegung zu verhindern. Diesen sozialen Freiheitskampf, der mit der nationalen Freiheit untrennbar verbunden sei, habe die NSDAP, ausgenommen und sich an die Spitze des Volkes gestellt. „Die Regierung von Papen, die sich auf nur 42 Stimmen, auf ein Fünfzehnte! der Vertretung des deutschen Volkes stützt, aber trotzdem, wie sie behauptet, noch vom Vertrauen des Reichspräsidenten im Amte gehalten wird, hat es in der Hand, auf welcher Ebene sie diesen Kampf fechten will." Die NSDAP, werde allen Gegnern so entgegentreten, wie sie es nach ihren eigenen^ Gesetzen verdienten und erwarten müßten. Mögen deren Gegner auf stellen, was immer sie wollen: Zede Unterdrückung des legalen Kampfes der nationalsozialistischen Bewegung werde zur Waffe, die sich gegen die Unterdrücker selbst richte. Zn untrennbarer innerer und äuße- der Verbundenheit treten die Millionen der nationalsozialistischen Bewegung zu diesem entscheidenden Kampf an in dem Bewußtsein, daß der Angriff die beste Verteidigung und in der festen llebergeugung, den glänzendsten Sieg zu erringen, den die Ge- schichte der rationalsozialistischen Bewegung ienne. Die ruhelosen Pharaonen Mumien. Die Pharaonen, die in so einzigartiger Weise für ihr Schicksal im Zenseits vorgesorgt zu haben glaubten, haben nicht vorher gesehen, welchen Aunruhigungen sie sich durch ihre vortreffliche Mumifizierung aussehten. Die Pharaonen-Mu- mien, unter ihnen die berühmt gewordene des Tutanchamon, hatten nach der Vertreibung aus ihren Gräbern eine neue Unterkunft im Museum von Kairo gesunden. Aber an dieser Stätte an ber sie nur durch die Neugierde der vielen 'Besucher beunruhigt wurden, dursten sie nicht bleiben, sondern sind in letzter Zeit mehrfach „umgezogen . Der Grund dafür ist in den politischen Verhältnissen Aegyptens zu suchen. Als die nationalistische Partei in dem Nil-Lande regierte, Hütte man dem hochverdienten Staatsmann Zag- lul-Pascha die Ehre eines eigenen Mausoleums zuerkannt. Aber als die Nationalisten die Macht verloren und der Regierung Zedkh-Paschas weichen mußten, änderte sich die Lage. Das Mausoleum war unterdessen errichtet worden und harrte der Aufnahme der Leiche. Doch die Witwe Zag- luls erklärte, dah sie unter einer Regierung, die Den Anschauungen ihres verstorbenen Gatten widerspräche, auf seine Beisetzung in dem Mauso- k^um verzichte. Die prächtige und geräumige o m «te war also für andere Zwecke frei, und Zedkh-Pascha beschloß daher, die Pharaonen aus Dem Museum in Kairo hierher zu bringen und ihnen damit einen würdigen letzten Ruheplatz .gewähren. Aber der Mensch denkt, und das Schicksal lenkt. Das Mausoleum erwies sich als sEncht und so kalt, dah die kostbaren Mumien in ihrer Erhaltung gefährdet waren, und so brachte ma?1 2^ kn aller Stille nach und nach wieder in Das Museum zurück. Dann aber trat ein Sachverständiger auf, der nachwies, daß das Mausoleum Zagluls durchaus geeignet sei, um Tutan- djamon und seine Kollegen zu beherbergen. Dar- ^'^n mußten die Mumien die Reise nach dieser Grabstätte wieder antreten. Zetzt hat sich, wie ein französisches Blatt aus Kairo berichtet, die Nässe in so heftiger Weise eingestellt, dah man die Pharaonen von neuem fortgebracht hat, und sie befinden sich wieder im Museum, wo sie hoffentlich endlich Ruhe finden werden. Neuwahlen auch in Hessen? Darmstadt, 13. Sept. (TU.) Die sozialdemokratische Landtagsfraktlon beabsichtigt, die Initiative zu ergreifen, um auch in Hessen zu Neuwahlen zu kommen, die in Verbindung mit den Reichskagswahlen stattfinden könnten. Zur Auflösung des Landtages ist die Suff i m m u n g einer Zweidrittelmehrheit des Parlaments notwendig, so dah bei den Nationalsozialisten die Entscheidung liegt. Die sozialdemokratische Fraktion beschloh, alsbald einen entsprechenden Antrag einzubringen. Aus aller Welt. Gandhi soll aus dem Gefängnis entlassen werden. Mahatma Gandhi soll, wie aus Bombay verlautet, am 20. September sofort nach Beginn seiner angedrohten Hungerzeit aus dem Gefängnis entlassen und in sein Heim nach Ahmedabad gebracht werden. Es wird damit gerechnet, daß Gandhi etwa einen Monat lang leben würde, falls er seine Drohung zur Ausführung brächte. Wahrscheinlich wird die nationale Oppositionspartei die Vertagung der gesetzgebenden Versammlung verlangen, um die Lage zu erörtern. Der Präsident des allindischen Verbandes der unterdrückten Klassen hat Gandhi öffentlich seinen Dank dafür ausgesprochen daß er die ganze Welt auf die unterdrückten Klassen aufmerksam gemacht habe. Hindenburg Ehrenbürger von Nürnberg. Der Reichspräsident von Hindenburg empfing dieser Tage den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Dr. Luppe, und nahm aus dessen Händen den Ehrenbürgerbrief der Stadt Nürnberg entgegen. Oberammergauer Passionsspiele 1934. Das Passionsdorf Oberammergau hat sich entschlossen, auch im Jahre 1934 das berühmte Passionsspiel aufzuführen. Anlaß dazu ist das 300jährige Jubiläum der Spiele. Die Oberammergauer Passionsspiele werden sonst nur alle zehn Jahre — zuletzt 1930 — aufgeführt. Dem Jubiläumsspiel soll ein Vorspiel vorausgehen, das die Entstehung der Passionsspiele während der Pest- not vor 300 Jahren vor Augen führen wird. I Erste Enttäuschung. Von Joachim Lange. Dolf hatte dem Fräulein Lindner ein Bild zum Geburtstag gemalt, ein großes Bild aus Wasserfarben und mit einem richtigen Holzrah- men, den ihm einer von Papas Leuten gemacht hatte. Das Bild war fast so breit, wie er lang war, und stellte dar ihn selbst, angetan mit sil- bern€r Ritterrüstung, wie er dem bösen Geist Moll em Schwert in den Leib stieß. Dolf ärgerte Uch. daß ihm die Rüstung so blaß geraten war, «laßend sein müssen, aber dafür war Da£ Schwert wirklich flammend rot und die Sonne mit einem sauberen, dichten Strahlenkranz, blinkte wie geputztes Metall. Das Geschehen trug sich zu rn einer zackigen Gebirgslandschaft, doch war m€€r da und über dem ganzen Himmel und Wolken. Auf die eine Wolke, genau über dem Kampfplatz, hatte er eine ausgeschnittene Photographie von Fräulein Lindners Kopf geklebt' die g^bte Lehrerin schaute sich Dolfs Helden- tat kachelnd an, aus großer Höhe, doch konnte sie alles deutlich erkennen. Dolf war sehr stolz auf gen Gemälde: das Blau für das Meer und den Himmel hatte allein ein ganzes Stück Farbe verbraucht. Gleich nach dem Essen brachte er es ihr, kaum konnte er es tragen und sah auf der Straße au^ wie ein Segel, das schief gegen den Wind steht. Er war noch nie in ihrer Wohnung gewesen: Fräulein Lindner überwachte seine Schularbeiten im Haus feiner Eltern, jeden Nachmittag. Befangen blickte er sich um, während sie sein Geschenk auspackte: wieviele schöne Vasen mit Blumen standen hier herum, wieviele schöne Bilder hingen überall an den Wänden, wie ganz anders war es hier ais zu Hause! „Ach, das ist aber herrlich, Dolf!" hörte er rufen. Sie ging auf ihn zu, gab ihm einen K>^. „Und das hast du ganz allein gemacht?" Er mckte in zartem Stoh, und spürte Tränen kommen vor Freude. „Bloß den Rahmen nicht", konnte er noch hervorbringen. ..Das soll aber auch den besten Platz bekom- men! Und schon lief sie in die Küche, kam zurück mit Hammer und Nägeln. Dolf wagte nicht aufzusehen, aber wie er es schließlich doch tat, mit eurem scheuen und innigen Blick, fand er, dah sein Bild das schönste war und das bunteste Eier den vielen andern. Darauf tranken sie Schokolade und aßen Kuchen und dann fuhren sie in die Stadt zu seinen Schulaufgaben und Admiral Zenkers Asche ins Meer versenkt. Dieser Tage wurde die Asche des verstorbenen Ad« , mirals Zenker, seinem testamentarischen Wunsch« entsprechend, durch den Kreuzer „Köln" auf dem Schauplatz der Skagerrakschlacht in die Nordse« 1 versenkt. Der Sohn des Admirals, Leutnant z. S. Zenker, nahm an den Feierlichkeiten teil. Großfeuer in Hamburg. Zm Dachgeschoß eines in der Danziger Straß« in Hamburg gelegenen Geschäftshauses brach in einer der letzten Nächte auf unaufgeklärte Weis« ein Brand aiüs, der ein großes Warenlager von in Kisten verpackten, getrocknetem Obst vernichtete. Die Höhe des Drandschadens steht noch nicht fest. Da dringender Verdacht der Brandstiftung vorliegt, hat die Krmiinalpolizei sofort eine eingehende Untersuchung eingeleitet. Dreifacher Mord. Zn Kattvwitz schoß der 26 Zähre alte Wla- dislaus Z a k dieser Tage seinen Bruder, seine Schwägerin und deren Sohn nieder. Nach der Tat f loh der Mörder in die nahen Wälder. Die bisherigen Nachforschungen der Polizei haben zu keinem Ergebnis geführt. Auch das Motiv der Tat ist in völliges Dunkel gehüllt. Zehn weitere Opfer des Fährbootunglücks auf dem East-River geborgen. Zn der Nähe der Stelle, wo sich vor einigen Tagen die Fährbootskatastrophe ereignete, sind einer Meldung aus Neuyork zufolge zehn Leichen an die Oberfläche des Wassers getrieben worden, so daß sich die Gesamtzahl Der bei der Explosion auf dem Schiff ums Leben Gekommenen auf 50 beläuft. 3roei Tote, sieben Verletzte bei einer Straßenschlacht in Ostpreußen. Aus Ortelsburg (Ostpreußen) wird gemeldet: Zm Dorfe Samplatten entstand in einer der letzten Nächte im Anschluß an eine Geburtstagsfeier eine große Schlägerei, die sich zu einer richtigen Straßenschlacht auswuchs. Der Schlächter K a 11 a n e k und Der LanDwirt A ch blieben mit furchtbaren Verletzungen tot auf dem Platze. Weitere sieben Personen wurden, zum Teil | sch wer, verletzt. Zahlreiche Teilnehmer tour* I Den verhaftet. Hai das türkische Kasperle gelebt? Ka ra g ö s, die komische Figur des alten türkischen Marionetten- und Schatten-Spiels, ist jetzt zum Gegenstand einer lebhaften Erörterung geworden. Der Streit geht um die Frage, ob diests türkische Kasperle eine wirkliche Person war oder ein Mythos ist. Auf einem Friedhof in der Nähe von Brussa befindet sich ein altes Grab, das unter der Bevölkerung Den Namen „Das Grab des Karagös" fuhrt. Ein Verein hatte nun durch eine Tcheater- Auffuhrung, in der der unsterbliche Komiker die Zuschauer zu reichen Gaben begeisterte. Die Mittel aufgebracht, um diese verfallene Grabstätte wieder herzustellen. Aber von anderer Seite wurde dagegen Einspruch erhoben weil KaragÖs niemals gelebt Me und es lächerlich sei, das Grab einer mythischen Gestalt auszubessern. Die Vorkämpfer Der Nestau- rierung hielten dem entgegen, daß KaragÖs eine h'storstche Persönlichkeit sei: er und sein Freund Urn,\??rtrr?aii^iDat seien hn 14. Jährlicher! 2S^-Citer k!m Bau Der Ulu-Moschee zu Brussa beschäftigt gewesen unter Der Herrschaft des Sultans Baiazet Jllbinm, und sie hätten durch ihre destän- b'gen Spaße und Streiche die Arbeit so aufgehal- U.der Sultan befahl, sie zu enthaup- hör' Überlieferung fand die Hinrichtung ^arl?r<£ bes Humors tatsächlich in ^riJbhJh -' rUS l$re Leichen wurden auf dem kS- k ? Ae'gAtzt, ailf -em sich noch jetzt das Grab D" Blatter von Konstantinopel haben sich A Wesenheit bemächtigt und veröffentlichen i-Lt !uS“nDer Historiker und anderer Ge- leyrten, die sich für oder gegen die -historische Echt- Yeit Des türkischen Kasperle aussprechen. Wie Dem aua) Jet —- ober begrabene Karagös ist nickst tot; er lebt noch heute im ganzen Nahen Osten als der freister unzähliger Späße und Witze, von denen eine reiche Literatur erzählt. Viele Generationen haben über feine komischen Einfälle und burlesken gelacht, und nickst nur die Kinder, sondern ble Erwachsenen lauschten den Reden dieses türkischen Eulenspiegels, Denn in Den Zeiten Der t durch die Sultane, in Denen jede unm-fVl Stellungnahme zu den Zeitgeschehnissen v'ch war, besaß allein Karagös das Narren- H' n Wahrheit zu sagen und den Wünschen des Volkes Ausdruck zu verleihen. Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichstagspräsident hat in Der Sitzung des Reichstags vom 12. September unter Nichtachtung Der Vorschriften Der Verfassung unD Der GeschäftsorDnung Die Verlesung Der von Dem Herrn Reichspräsidenten ergangenen Auflösungsverordnung v e r h i n D e r t. Er hat heute Dem Reichskanzler mitgeteilt, daß nach seiner Auf- faffung Die Auflösung Des Reichstages e r ft nach Der Abstimmung wirksam geworden sei. Ebenso hat Der Ausschuß zur Wahrung der Rechte Der Volksvertretung Die Rechtsgültigkeit Der Abstimmung Des Reichstages behauptet. Diese Auffassung erkennen Der Herr Reichspräsident und Die Reichsregierung nicht an. Darüber, a n welchem Zeitpunkt Die Auflösung Des Reichstages erfolgt, entsch ei Det lediglich der Herr Reichspräsident. Die Auflösung kann entweder durch Verlesung der Verordnung vor Dem Reichstage ober Durch ihre Zustellung an Den ReichstagspräsiDenten erfolgen. M i t Dem Augenblick Dieser Zustellung wird die Auflösung wirksam, sie kann in ihrer Wirksamkeit nicht von Dem Belieben Des ReichstagspräsiDenten abhängig g e - macht roerDen. Die Reichsregierung hat sich bereit erklärt, mit Dem nach Artikel 35 Der Verfassung bestellten Ausschüssen zu verhandeln. Sie muß aber, bevor sie in Diese Verhandlungen eintritt, völlige Klarheit Darüber haben. Daß Die noch vorhanDenen Organe Des Reichstages Der 6. WahlperioDe, Das finD Das ReichstagspräfiDium unD Die beiden nach Artikel 35 Der Reichoerfassung bestellten Ausschüsse, Die von Dem Herrn Reichspräsidenten vor Den Abstimmungen beschlossene Auflösung Des Reichstages unD Die Darüber hinaus für Die Reichsregierung sich ergebenDe staatsrechtliche Stellung anerkennen. Ohne Diese Anerkennung ist Die Einladung an die Reichsregierung, vor Dem Ausschuß zur Wahrung Der Rechte Der Volksvertretung sowie vor Dem Auswärtigen Ausschuß zu erscheinen, auch in sich wiDerspruchsvoll. Solange der Reichstagspräsident und die Ausschüsse auf dem Standpunkt stehen, daß die Reichsregierung rechtsgültig g e st ü r z t sei, t«men sie unmöglich verlangen, daß diese selbe Regierung vor den Ausschüssen erscheint. Auch aus diesem Grunde muh die Reichsregie- rung darauf bestehen, dah der Reichstagspräsi- dent und die Ausschüsse ausdrücklich zugeben, dah die am 12. September im Reichstag durchgeführlen Abstimmungen nichtig sind. Dies Eingeständnis ist die unerläßliche Voraussetzung dafür, daß die Reichsregierung Vertreter in Die beiden Ausschüsse entsendet. Wenn Der heute im Ersten Ausschuß angenommene Antrag Wegmann Die Auflösung Des Reichstages beanstanDet, weil es an einem konk-reten Anlaß zur Auflösung fehle, wie er angeblich in Artikel 25 Der Reichsverfassung geforDert werbe, so i>st Darauf zu erwiDern, Daß Artikel 25 Absatz 1 Die Auf- pfung völlig in Das freie Ermessen Des Herrn Re ich s p r ä si D e n te n stellt. Das geht unzweifelhaft aus feinem Wortlaut hervor, in Dem keinerlei Vorschrift über Den Charakter Des Anlasses zur Auf. tosung gegeben wirb. Sinngemäß muß es auch Dem Herrn ReichspräsiDenten unbenommen sein, zur Vorbeugung DrohenDer Gefahr Den Reichstag aufzulösen. Ebenso unbegrünDet ist Die weitere Behauptung im Anträge Wegmann, Daß Die Auflösung gegen Artikel 48 Absatz 3 Satz 2 verstoße. Es ist selbst- verstänDlich, Daß Der Reichspräsibent befugt i st, Den Reichstag an Der konkreten Ausübung eines ihn im allgemeinen zustehenben Rechtes Durch Auflösung zu h i n D e r n, wenn Diese Aus- Übung zu einer GefährDung Des Wohles 1 Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 14. September 1932. Milchverbrauch noch ungenügend! Die neueste Notverordnung enthält u. a. auch besondere Bestimmungen zur Gntlastungder deutschen Mtlchwirtschast. Der Handel mit Milch wird von der Umsatzsteuer vollkommen befreit, weil man durch eine Verbilligung der Milch eine Zunahme des Milchverbrauchs zu erreichen hofft. Deutschlands Milchverbrauch ist in der Tat erstaunlich gering, was man deutlich erkennt, wenn man ihn mit dem anderer Länder vergleicht. Aber vor allem muß man sich deshalb über den geringen Milchverbrauch in Deutschland wundern, weil der Dreis der Verstosse, die wir uns durch reichlichen Milchgenust zuführen können, auherordent- lich niedrig ist. Mit anderen Worten: Wenn wir den hohen Nährwert der Milch berücksichtigen, so ist sie fd>on jetzt weit billiger als alle anderen Nahrungsmittel. Gin« Steigerung des Milchverbrauchs ist aber nicht nur wegen ihrer Billigkeit und wegen ihres hohen Nährwertes wünschenswert, sondern auch weil der deutschen Landwirtschaft eine Zunahme des Milchabsahes sehr förderlich sein würde. Deutschlands Gigenerzeugung von Milch betrug im Zahre 1931 insgesamt rund 24 Milliarden Liter. Auf den Kopf jedes Deutschen kommt also ein Zah- reSmilchverbrauch von 370 Liter oder ein Tages- verbrauch von etwa einem Liter. Diese Milchmengen werden aber nicht etwa getrunken, was für die Gesundheit sehr zuträglich wäre. Etwa zwei Drittel der für die menschliche Ernährung verbrauchten Milch dienen vielmehr zur Erzeugung von Butter und Käse. Nur ein Drittel wird also als Frischmilch genossen. Zeder Deutsche trinkt hiernach nur ein Drittel Liter Milch im Tagesdurchschnitt, und das ist natürlich viel zu wenig. Die Milch hat zwei wichtige Eigenschaften, die den Staat veranlassen, an einer Steigerung der Milcherzeugung Interesse zu nehmen. Sie ist, was schon erwähnt wurde, ein billiges Dolksnahrungs- mittel, und sie ist ferner eine Haupteinnähme- quelle der Landwirtschaft. Der Milchverkauf verschafft dem Landwirt und feiner Frau meist die laufenden Dareinnahmen, die sie zu Anschaffungen aller Art brauchen und sie daher erst instanb- fehen, dem Handwerker und dem Kaufmann Waren aller Art ab^ukaufen. Der Milchabsatz macht die Landwirtschaft also erst kaufkräftig, und darum ist es besonders wichtig, daß der Milchabsatz größer ist als die gegenwärtige Milcherzeugung. Diese ist freilich in den einzelnen deutschen Landesteilen sehr verschieden. Zn Nordhannover, Oldenburg und am Niederrhein weisen die Kühe Durchschnittsleistungen von 4000 bis 5000 Liter auf. Zm Reichsdurchschnitt aber bringt jede Kuh etwa 2400 Liter Milch, und da der Bestand an Milchkühen auf 9,66 Millionen veranschlagt wird, so dürfte die Gesamtproduktion an Kuhmilch etwa 23 Milliarden Liter im Zahr betrogen. Hierzu kommen noch etwa eine Milliarde Liter Ziegenmilch, so dast die Milcherzeugung ungefähr den oben angegebenen Stand erreichen dürfte. Die zur Derfütterung an das Dich verwendeten 3,25 Milliarden Liter Milch werden dadurch ausgeglichen, dast Deutschland noch immer 3,42 Milliarden Liter Milch (hauptsächlich in Gestalt von Molkereiprodukten) aus dem Auslande einführt. Aber nur 6,7 Milliarden Liter Milch werden in flüssiger Form getrunken, und das ist bet einer Bevölkerung von 65 Millionen viel zu wenig. • Man kann den deutschen Milchverbrauch auch dadurch erhöhen, dast man die Einfuhr von Butter und Käse stark einschränkt. Aber noch viel bedeutungsvoller wäre es. wenn man es dahin bringen könnte, dast jeder Deutsche statt eines Driitel Liters Milch täglich zwei Drittel Liter trinkt. Damit würde sowohl der deutschen Landwirtschaft als auch der deutschen Volksgesundheit ein unschätzbarer Dienst geleistet werden. * Eine Neunundachtzigjährige. Frau Geheimrat Streng, geb. Mettenheimer, Alicestraste, die Witwe des bekannten einstigen Mineralogen unserer Llniversität, vollendet am 15. September in groher körperlicher und geistiger Arische ihr 89. Lebensjahr. *• Vom Werbefeldzug des Stadttheaters. Die Zntendanz des Stadttheaters schreibt uns: „Kein Abbau, sondern Aufbau!" war der Grundsatz für die künstlerische Arbeit der letzten Spielzeiten. Linser Stadttheater hatte auch im abgelaufenen Spieljahr einen erneuten künstlerischen Aufstieg zu verzeichnen, wieder hat es an Bedeutung in Gießen und an Geltung in Deutschland gewonnen. Wollen Sie, daß Gießen seinen Ruf als Theaterstadt und damit ein entscheidendes Verkchrswerbemomcnt verliert? Dazu noch in der Spielzeit des 25jährigen Bühnenjubiläums? Nein, denn auch das geschlossene Theater kostet die Stadt einen ganz beträchtlichen Teil des jetzigen Zuschusses. Bedenken Sie anderseits, daß das Theater nach der Tagesarbeit notwendige Erholung und Erneuerung ihrer seelischen Kräfte bringt. Wir können es nicht allen recht machen. Aber wir sind bestrebt, Zhnen nur das Beste zu bieten. Die Schließung kann nur durch häufigen Besuch eines jeden vermieden werden. Wir passen uns den Zeitverhältnissen an und ermöglichen Zhnen diese Mithilfe durch einen großzügigen Preisabbau. Erwerben Eie daher heute noch ein Abonnement. Meldungen werden jederzeit schriftlich und ab 25. September täglich von 10 bis 13 LIHr an der Tageskasse entgegengenommen. *• Straßensperrungen (mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E.V. |2I. v. D.s, Gießen). Die Ortsdurchfahrt-Hauptstraße in Assenheim ist wegen Ausführung von Wasserleitungsarbeiten bis einschließlich 17. September für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Bruchenbrücken. — Die Ortsdurchfahrt Butzbach im Zuge der Straße Gießen—Frankfurt a. M. wird wegen Gleisumbauarbeiten am 18. September 1932 von 6 bis 15 Uhr für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Nußallee und Taunusstraße in Butzbach. — Die Pro- vinzialstraße Selters—Ortenberg wird ab 19. September 1932 bis auf weiteres wegen Kleinpflasterarbeiten für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Bleichenbach—Bergheim und umgekehrt. ” Genehmigte Volksspenden. Der hessische Minister des Znnern hat die Sammlung von Geldspenden, die der deutsche Flottenverein unter der Bezeichnung „Volksspende Niobe" und außerdem die „Hindenburgspende“ (Sammlung von Geldspenden durch den Vertrieb des Werkes „Paul v. Hindenburg als Mensch, Staatsmann und Feldherr") für das ganze Land Hessen genehmigt. Di« „Dollsspende Diobe" fällt in die Zeit vom 8. September 1932 bis 31. März 1933; die Hindenburgspende soll bis zum 31. Dezember 1932 durchgesüyrt werden. " Warnung vor unbekannten Sier- händlern. Dom Polizeiamt (Sieben wird mitgeteilt: Dieser Tage raufte ein auswärtiger Händler in einer der hiesigen Zweigniederlassungen einer auswärtigen Firma eine größere Wenge ausländischer Gier. Er wurde von einem Deamten der Nahrungsmittelpolizei dabei an- getroffen, wie er die aufgedruckte Kennzeichnung für Auslandeier (Holland) mit einer ätzenden Flüssigkeit entfernte; zweifellos in der Lieberzeugung, mit ausländischen Eiern ein weniger gutes Geschäft zu machen als mit deutschen Landeiern, als welche er sie voraussichtlich verkaufen wollte. Die Eier wurden beschlagnahmt und der Händler angezeigt. Die Verbraucher werden gut tun, sich beim Einkauf von Eiern zu vergewissern, ob diese nicht Merkmale eines entfernten Stempels zeigen. Gleichzeitig wird an die Verbraucher die Ditte gerichtet, alle ihnen bekannt werdenden Mängel auf diesem Gebiet zur Kenntnis der Polizei zu bringen. ** Dienststunden des Polizeiamts. Die Dienststunden des Polizeiamts für den Publi- kumsverkehr ab 15. September d. I. sind von 8 bis 12 Uhr und von 15 bis 17% Uhr; Samstags von 8 bis 12 Uhr. Für Samstagnachmittag ist in der Zeit von 16% bis 17% Uhr ein Eildienst eingerichtet, bei dem aber nur Anträge, die unaufschiebbar sind, erledigt werden können. Amtsgericht Gießen. Zn einer hiesigen Wirtschaft zechten bis tief in die Nacht hinein eine Anzahl Nationalsozialisten, darunter der Angeklagte. Zhre Parteizugehörigkeit taten sie dadurch kund, daß sie ein Hitlersähnchen auf ihren Tisch stellten. Gäste anderer Parteizugehörigkeit machten hierüber, wie überhaupt über den Nationalsozialismus, abfällige Demerkungen, die schließlich den Angeklagten zu der Aeußerung veranlaßten, er würde jetzt im SA.-Heim Verstärkung holen. Er führte offenbar dieses Vorhaben auch aus, denn später erschien er mit einem vollbesetzten Auto in der Sonnenstraße, auf der zwei der letzterwähnten Gäste gerade auf dem Heimweg begriffen waren. Der Angeklagte verließ, als er deren ansichtig wurde, mit anderen Gesinnungsgenossen, deren Personalien aber nicht festgestellt werden konnten, sofort das Auto, lief über die beiden her und bearbeitete sie mit seinen Fäusten. Den einen schlug er auch zu Doden. Es handelte sich um eine gemeinschaftliche Körperverletzung, deren Folgen allerdings geringfügiger Art waren. Trotz des politischen Einschlags fiel die Strafe milde aus, insbesondere deshalb, weil die streitenden Teile sich inzwischen versöhnt haben und die Verletzten den Angeklagten gar nicht bestraft wissen wollten. Doch war eine Rücknahme des einmal gestellten Strafantrages unzulässig. Die Strafe lautete unter Annahme mildernder Llm- stände auf 60 Mark. Ein angeklagter Kraftfahrer hatte sich fälschlich als Kraftfahrlehrer ausgegeben und war auch als solcher tätig, indem er einem Autobesitzer die Regeln des Steuerns beizubringen suchte. Als er von der Polizei gestellt wurde, vermochte er zwar einen Führerschein vorzulegen, nicht aber den vorgeschriebenen Fahrlehrerschein. Er erhielt wegen Verstoßes gegen die Verordnungen über die Ausbildung derartiger Lehrer und gegen das Krastfahrzeuggeseh eine Geldstrafe vonlOMk. Allem Zureden des Richters unzugänglich zeigte sich ein Schuhmacher aus einem Nachbarort, der der Deleidigung eines Hauptwachtmeisters bezichtigt war. Er nahm die Beleidigung nicht nur nicht zurück, sondern wiederholte sie in der Hauptverhandlung. Sie gipfelte in der Behauptung, der Wachtmeister habe seinerzeit in einem Prozesse, den er, der Angeklagte, durch dessen Zeugnis verloren habe, einen Meineid geschworen. Dieser schwere Vorwurf wurde von dem Angeklagten trotz Warnungen bei einer ganzen Reihe von Gelegenheiten wiederholt, und er ließ sich von der Lieberzeugung der Richtigkeit seiner Angaben, die angeblich ihm heute noch inne wohne, durch niemanden abbringen. auch nicht durch unanfechtbare Beschlüsse der Staatsanwaltschaft, des Generalstaatsan- walts und des Oberverwaltungsgerichtshofes, die sämtlich zu seinen ungunsten ausfielen. Der von ihm versuchte Wahrheitsbeweis mißlang. Er war zudem nach § 190 Satz 2 StrGB. nicht mehr angängig, da der Beleidigte wegen der fraglichen strafbaren Handlung vor ihrer Verbreitung rechtskräftig freigesprochen worden ist. Die Beleidigung des vorbestraften Angeklagten war zu schwer, um durch eine Geldstrafe gesühnt werden zu können. Das Urteil lautete auf zwei Wochen Gefängnis. Tödlicher Llnglücksfall beim freiwilligen Arbeitsdienst. WSN. Wetzlar, 13. Sept. In dem benachbarten Albshausen ereignete sich am Montag ein tragischer Unglücksfall. Im Wege des freiwilligen Arbeits- dienstes wird dort ein Sportplatz herge- richtet. Bei den Arbeiten war auch der 18iährige Schmied Karl Matthes aus Burgsolms beschäf- tigt. Beim Abtragen eines Erdhügels gerieten plötzlich Erbmassen in Bewegung und verschütteten den jungen Mann, der den Erstickungstod erlitt, ehe chn die Arbeitsgenossen befreien konnten. Oie Bluttat im Schwanheimer Wald gesühnt. WSN. Frankfurt a. M.. 1A. Sept. Die Große Strafkammer verurteilte den 30jährigen, aus Stuttgart gebürtigen Optiker Wilhelm Wied, der am Morgen des 27. Juli im Walde bei Schwanheim dem Lehrmädchen Elfe Stempel den Hals durchschnitt wegen Tötung auf Verlangen zu fünf Jahren Gefängnis unter Anrechnung von sieben Wochen Untersuchungshaft. Paratyphuserkrankungen im Kreise Biedenkopf. WSN Biedenkopf, 13. Sept. Vermutlich durch den Genuß unreinen Trinkwassers sind in der Landgemeinde Weidenhaulen (Kreis Biedenkopf) 20 Personen an Paratyphus erkrankt Unter den Erkrankten befindet sich auch eine vierköpfige Familie. Der Kreisarzt in Biedenkopf hat alle notwendigen Sicherungsmaßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie m die Wege geleitet. Lebensgefahr besteht bei keinem der Erkrankten. DorgeschichtlicheBefestigungsreigelegt. ][ Laasphe, 13. Sept. Unter Leitung von zwei Herren des Siegener HeimatvereinS ist mit Hilfe des Freiwilligen ArbeitS- d i e n st e s in den letzten Wochen auf einem Dergkegel östlich der Stadt eine umfangreiche vorgeschichtliche Fliehburganlage frcigclcgt worden. Man fand eine rund 600 Meter lange Wallanlage mit einer starken in Lehm gebundenen Steinmauer, hinter der wahrscheinlich die Hütten der Bewohner gestanden haben. Zahlreiche vorgefundene Scherben und Werk- zeugreste lassen vermuten, daß es sich um eine Fliehburg aus der La $ 4 ne - oder Keltenzeit handelt. Neueinweihung einer Kapelle. WSN. Friedberg, 13.Sept. Die aus der Seewiese befindliche 200 Jahre alte St. Georgs- kapcllc ist nach gründlicher Instandsetzung am Sonntag neu geweiht worden. Dem Weihcakt, den Pfarrer B l e r tz vollzog, wohnten Bebordenver- trcter und zahlreiche Gemeindeangehörige bei. Bei einer abendlichen Feier im Hotel Trapp trat u. a. Pfarrer Nüdling, der bekannte Dichter, mit ausgezeichneten Darbietungen besonders hervor. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bl« 17 Uhr. Samelag nadimillafl geschlossen Anzeigenauslräge sind lediglich an die Geschäft« stelle ;n richien. Einfälle haben die Leute... Apolitischer Brief aus der Reichshauptstadt. Oie Bar auf der Straße. Was tut man ums Himmels willen, wenn man ein Auto hat — und nicht einmal das Geld, mit der Straßenbahn zu fahren, geschweige denn das Benzin zu bezahlen? Dies ist eine Schicksalsfrage, die mittlerweile an eine ganze Reihe Berliner herangetreten ist. Soll man das Auto verkaufen? Das bringt so gut wie gar nichts ein. Soll man es in ein Taxameter verwandeln? Wo es schon so viele gibt, die müßig auf der Straße herumlungern? Oder was soll man tun? Zum Glück hat es in der letzten Zeit einen Mann gegeben, der allen unglücklichen Autobesitzern Ber- lins, die sich in dieser Lage befanden, den Weg gewiesen hat. Er hatte zwei Talente, dieser Mann. Er konnte Auto fahren — und darüber hinaus verstand er jene seltsame schwarze Kunst, Alkohol Der- schiedener Sorten und Farben zu einem buntscheckigen, wohlschmeckenden Cocktail zusammenzumixen. Drittens besaß er Kombinationsgabe. Und so machte er sich daran, seine Fähigkeiten zu vereinen, um sich daraus einen Broterwerb und seinem Auto einen Daseinszweck zu schaffen. Für einen Apfel und ein Ei kaufte er sich in einer verkrachten Bar einige jener beneidenswerten Stühle, auf denen man kostbare Getränke schlürft. Diese Hocker packte er hinten in fein Fahrzeug. Außerdem baute er sich, recht und schlecht, aus einem alten Bett und drei Gardinenstungen eine regelrechte Theke zusammen. Er nahm ein paar Gläser mit, tat Alkohol in seine Flaschen, und dann konnte die Reise losgehen ... Irgendwo, an einer ^-beliebigen Straßenecke hält er am Rinnstein, baut keinen Laden auf und lädt die Autofahrer und Passanten gegen billiges Entgelt ein, schnell einen zu „tippen". Eine Tankstelle nicht für Autos, sondern für Chauffeure — ja, das ist etwas ganz Neues! Er erregt denn auch mit seinem fliegenden Laden berechtigtes Aufsehen. Die Leute flauen sich und starren tief in die Gläser, die andere leertrinken. Und kurz darauf finden sich auch zwei Strahenfänger, die Konjunktur wittern. Sie stellen sich neben der Autobar auf, greifen tief in die Saiten und lassen ihre Lieder erschallen. Wofür sie ihrerseits vielleicht einmal ein Glas von dem Barbefitzer spendiert bekommen. Denn sie sind ge- wissermaßen die „Hauskapelle". Bemerkenswert ist, daß die Polizei offenbar nichts gegen diese Art von Broterwerb hat. Sie lassen den Mann, der da an der Straßenecke steht, ungeschoren. Aber wie lange wird es dauern, bis die Gastwirtsinnung einen flammenden Protest gegen diesen unlauteren Wettbewerb losläßt? Wie lange, bis der Mann, arm am Beutel, krank am Herzen, wieder feiner Wege fahren muß, den Wagen voll Alkohol, aber ohne Benzin in feinem Tank? Pitcarte bedauernswerter Doppelgänger. Popularität macht immer Schule. Ist jemand — ganz gleich ob Preisboxer, ob Dichterfürst, ob Ge- neral oder Filmschauspielerin — unter dem Druck der öffentlichen Meinung eingereiht worden in die Reihe der Großen dieser Wett, dann befleißigen sich immer eine Menge Leute, die gerade nichts anderes vorhaben, diesen frischgebackenen Berühmtbeiten so ähnlich wie möglich zu sehen. Sie zwirbeln den Schnurrbart, lassen sich eine finstere Locke in die Stirne herabfallen, tätowieren sich, wenn es nötig ist und fordern ihr Jahrhundert, so herausgeputzt, in die Schranken. Bon Wilhelm dem Zweiten bis zu Marlene Dietrich reicht diese Reihe... Daneben gibt es aber auch Leute, deren besonderes Glück oder Pech es ist, daß sie sich gär nicht zu verkleiden brauchen, um diesen Größen ähnlich zu sehen. Die Natur hat sich einfach den Witz gemacht, zwei grundverschiedene Menschenkinder sozusagen in dieselbe Verpackung zu stecken. Und es ist für den unberühmten kleinen Bruder des berühmten großen Bruders nicht immer ein reines Vergnügep, als Napoleon, Kaiser Franz Joseph, Charlie Chaplin oder Max Schmeling unter den Menschen zu wandeln. Davon weiß ein braver Berliner ein besonderes Lied zu fingen, der sich kürzlich verzweifelt in einem Brief an eine große Zeitung gewandt hat. Es ist sein Pech, dem Professor P i c c a r d ähnlich zu sehen, wie ein Ei dem anderen. Er erzählt, wie er früher, als es Piccard noch nicht „gegeben“ hatte, ein stilles, friedliches und ungeschorenes Leben führte. Zwar war sein Hals ein wenig lang geraten, zwar wuchsen seine Haare auf etwas groteske Weise, zwar hatten ihm diese beiden Llmstände in feiner frühen Kindheit einen Minderwertigkeitskomplex eingebracht — sein Lebensglück aber ging deswegen noch lange nicht in die Brüche. •S/iefe stille Zeit seines Lebens fand aber ein jähes Ende, als Piccard (der echte) damit an- gefangen hatte, in der Stratosphäre spazieren- zusahren. Als an allen Straßenecken das Bild des ,füllen versonnenen Schweizer Gelehrten“ in den illustrierten Zeitungen auftauchte, schlug die Schicksalsstunde des Mannes in Berlin. Er konnte nicht mehr auf die Straße gehen, ohne daß man ihn „erkannte“, und Ovationen waren es durchaus nicht immer, die man ihm entgegenbrachte. Woran lag das? Betrachten die Berliner Piccard im allgemeinen als eine verschrobene Wih- blattfigur? Nehmen sie ihn nicht für voll? Jedenfalls schreibt sein Berliner Doppelgänger voller Verzweiflung: „Zch weih ja nicht, wie es Piccard geht, aber nach mir werfen die Leute, wenn ich mich in vorgerückter Stunde in Lokalen sehen lasse, gern mit Bierfilzen. Zch werde mit fröhlichen Zurufen empfangen, und dann dauert es nicht lang’, bis die Gäste mich als eine Art Hanswurst behandeln, mit dem man allerlei Narreteien treiben kann. Sie bieten mir Freibier an und wenn ich das nicht akzepttere, wirft man mit Bierfilzen nach mir. Zch habe mir schon gedacht, daß es vielleicht daran liegen könnte, daß ich noch ein paar Nuancen gutmütiger aussehe als Piccard, wenigstens versichern mir das meine Freunde ..." Was soll man diesem Mann raten? Soll er sich die -Haare schneiden lassen? Wo sie doch wahrscheinlich immer wieder auf dieselbe komische Art nachwachsen. Lind gegen einen langen Hals ist auch noch kein Mittel erfunden worden. Es wird diesem Llnglücklichen also nichts anderes übrigbleiben, als geduldig abzuwarten, bis Piccard ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Aber da kann er unter Llmständen lange warten. Denn eben kündigt der Professor zum Schrecken des armen Berliners an, er werde im Zahre 1933 erneut in die Stratosphäre auffteigen... Buntes Allerlei. Seidene Banknoten. Zapan leibet unter einem ileberflufj an Seide, den es unter den jetzigen Verhältnissen nicht ins Ausland verkaufen und nicht im Znlande verbrauchen kann. Infolgedessen wird eifrig erörtert, wie man die überschüssigen Seidenmengen am nutzbringendsten verwenden kann. Wie ein Tokioter Blatt berichtet, erwägt man ernsthaft, ob man nicht die japanischen Banknoten in Zukunft auf Seide drucken soll, da dies billiger zu stehen käme, als bei der Verwendung von Papier. Es entbehrt nicht einer gewissen Zronie, daß das japanische Papiergeld, das auf dem Geldmarkt immer mehr an Wert verliert, nun zu .Seidengeld“ werden soll und ein so köstliches Aussehen erhält. Aber die Rohseideabteilung des japanischen Ackerbauministeriums zieht den Vorschlag ernsthaft in Betracht. Allerdings würde auch bei großer Anspannung der Notenpresse der vorhandene Seidenüberfluh durch die Verarbeitung zu Geld nicht im entferntesten beseitigt werden. Es mühte daher auch noch auf andere Weise der Seidenverbrauch gefördert werden. Man hat vorgeschlagen, mehr Seide in der Herrenkleidung zu verwenden, Fahnen. Moskito- Netze und Zelte aus Seide zu oerfertigen. Andere Pläne gehen dahin. Schiffsegel, Fischemetze, Reifen für Automobile und Fahrräder, Bindfaden, Ballons und Tapeten aus Seide zu machen. Unfrcitoiltiger Stierkampf. Die schlimme Fliegenplage, die Menschen wie Tiere in gleicher Weife zu schaffen macht, war die Ursache aufgeregter Szenen, die sich in der Nähe des Pariser Schlachthofes von La Billette abspietten. Ein Stier war durch die beständigen Angriffe der gefräßigen Insekten in so wilde Wut versetzt war- den, daß er die Schranken durchbrach und im Galopp auf die Straße hinausstürmte. Ein Passant, der zufällig vorüberging, geriet mit dem wilden Bullen in io unangenhme Berührung, daß er jetzt schwer verletzt im Krankenhause liegt. Unterdessen hatte sich eine neugierige Menge versammelt, die dem dahinrasenden Tier in respektvoller Entfernung folgte. Mit der üblichen Verspätung erschien schließlich auch ein Hüter der Ordnung auf dem Schauplatz dieses unfreiwilligen Stierkampfes. Der Mann, der den Namen La Fontaine führt, befaß aber nicht das feine Tier-Verständnis, das fein Namensvetter in feinen unsterblichen Fabeln gezeigt. Er hatte nicht die Gabe, sich in friedlicher Weife mit dem Stier zu unterhalten und ihn dadurch zu beruhigen, fonbern er versuchte es auf gröbere Art, indem er unerschrocken die wütende Bestie angriff und bei den Hörnern packte. Ein Moment genügte, um ihm zu zeigen, daß dieses Verfahren nicht das richtige war, denn er lag am Boden und streckte alle Viere von sich. Nun kam ein Viehhändler auf einen klugen Gedanken. Er brachte ein Seil und meinte, daß man dieses als Lasso zum (Anfängen benutzen könnte. Der tapfere La Fontaine, der sich unterdessen wieder erholt hatte, griff diesen Einfall begeistert auf, und siehe da! — zu seinem eigenen größten Erstaunen fiel die geworfene Schlinge um den Hals des Bullen. lieber diese Tat war der Stier selbst so verwundert, daß er sich ruhig wieder ins Schlachthaus führen ließ. Starkes Stück. Ein junger Handlungsgehilfe in Berlin hatte sich eine Urkundenfälschung zuschulden kommen lassen und wurde zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis verurteitt. Der Gedanke, im Gefängnis fitzen zu müssen, war ihm entsetzlich. Lieber wollte er tot sein, das heißt, menigftens scheintot. In Urkundenfälschung hatte er schon Erfahrungen, also kam es ihm auf einen Schwindel mehr nicht an. Er besorgte sich das Muster eines Totenscheins, füllte ihn aus und fälschte die Unterschrift des Arztes. Dann ging er zum Standesamt und meldete unter Vorlage des Totenscheins feinen eigenen Tod an. Dor dem Standesamt legitimierte er sich mit ber Jnvaliden- karte eines guten Freundes. Er hatte gedacht, um für das Gericht tot zu fein, genüge der Totenschein. Es kam aber doch heraus, und der nur auf dem Schein Tote sitzt wieder auf der Anklagebank wegen Urkundenfälschung. Spielvereim'gung 1900 Gießen. 1900 (Ligareserbe) — DfR. Butzbach (Liga) 1:0 (0:0). Heber Erwarten gut schlug sich die Reserveelf im ersten Verbandsspiel gegen die Liga vom Verein für Rasenspiele Butzbach. Daß die Blauweiben siegen würden, hatte Wohl niemand gedacht, denn die 1900er hatten noch einige gute Kräfte an die Ligaelf abgegeben. Zu berücksichtigen ist dabei, das; Butzbach seither immer 1900’8 1. Elf heftige Kämpfe lieferte und nur freiwillig aus der 1. Bezirksklasse ausschied. Die Hiesigen zeigten einen lobenswerten Eifer und unbeugsamen Siegeswillen. Mittelläufer Schlarb und Grob in der Verteidigung waren die Besten. Den einzigen und entscheidenden Treffer erzielte Schack. Die Dlauweißen können mit Recht auf diesen Erfolg stolz sein. Die 3. Mannschaft unterlag auf eigenem Platz Grohen-Busecks l.Elf mit 3:0 Toren. Der Sieg der Gäste war verdient. Die 4. Mannschaft kehrte von Biebers 1. Elf 1:0 geschlagen nach Hause zurück. Das Resultat entspricht nicht dem Spielverlauf. Ein älnent- schieden hatten die Gießener verdient. Jugendspiele. 1. Äugend — VfB. Kurhessen Marburg I.Ägb. 1:3; 2. Äugend — Klein-Linden 1. Äugend 1:0; 3. Äugend — Teutonia Steinberg 1. Äugend 1:0; 1.Schüler — Klein-Linden 1. Schüler 0: 0; 2. Schüler — Teutonia Steinberg 1. Schüler 0: 0. VfB. Gießen. VfB. Ligareserve — Daubringen 1 3:4 (0:2). Die unteren Mannschaften des VfB. hatten mit ihren Spielen kein Glück. Das 1. Verbandsspiel in Daubringen ging knapp verloren. Die Gegner waren sich ebenbürtig, jedoch liehen die Grün- Weißen jeglichen Kampfgeist und alles Schuhvermögen vermissen. Der Gastgeber hat verdient gewonnen. VfB. III — Steinbach I 1:7 (1:3). Ruch die 3. Mannschaft muhte sich in Steinbach eine blamable Riederlage gefallen lassen. Dis zur Halbzeit leisteten sie dem forschen Gegner tapfere Gegenwehr. Rls gegen Ende des Spiels durch Verletzungen die Mannschaft geschwächt war, brach auch der Widerstand zusammen. Jugendspiele. VfB. 1. Jugend — Wetzlarer Sportverein 1. Jugend 1:3 (1:2). Die Äugend trat die Reise nach Wetzlar mit viel Ersatz an. Das Resultat überrascht daher nicht. — Wetzlar war besser und gewann verdient. Das Spiel war fair und ruhig ausgetragen. Die Schüler gewannen in Wieseck gegen die Schüler des Tv. Wieseck 3:0 nach schönem eifrigem Spiel. II. volkstümliche Wellkämpfe des MD. Gießen. Ergebnisse der Einzelwettkämpfe. Turner-Oberstufe: 100 Meter: 1. W. Simon. Tv. „Vorwärts" Bockenheim, 11,4; 2. Krück, VfB. Kurhessen Marburg, 11,6; 3. A. Grübling, Tv. Bockenheim, 12,0 Sekunden. 40 0 Meter: 1. Ploch I, Mtv. Gießen, 52,8; 2. H. Grübling, Tv. Bockenheim, 54,4; 3. W. Glaab, To. Bockenheim, 56,2 Sekunden. 8 00 M e - ter: 1. W. Nö6, Tv. Bockenheim, 2:03; 2. K. Mey, To. Bad-Nauheim, 2:08,4; 3. Peters, 1900 Gießen, 2:9 Minuten. 2 0 0 Meter: 1. Krück, VfB. Kurhessen Marburg, 23,9; 2. W. Simon, Tv. Bockenheim, 24; 3. R. Fernau, Mtv. Gießen, 24,8 Sek. 1 5 0 0 Meter: 1. Schaaf, 1900 Gießen, 4:27,5; 2. H. Allgeier, Tv. Bockenheim, 4:31,8; 3. A. Jung, PSV. Butzbach, 4:39,2 Minuten. 3000 Meter: 1. Schaaf, 1900 Gießen, 9:39,8; 2. H. Holzapfel, To. Münchhausen, 9:41,8; 3. H. Neidet, To. Heuchelheim, 9:51,5 Minuten. Kugel st oßen: 1. W. Schneider. PSV. Darmstadt, 14; 2. A. Kilo, VfL. Wetzlar, 12,90; 3. O. Junker, Tgm. Rödelheim, 12,29 Meter. Speerwurf: 1. F. Frey, Tv. 1846 Gießen, 52,18; 2. R. Wiener, To. 1860 Bad-Nauheim, 47,80; 3. H. Rot- hermel, PSD. Darmstadt, 45,68 Meter. Bist . s : 1. W. Schneider, PSV. Darmstadt, 38,87; 2. D. Junker, Tgm. Rödelheim, 35,97; 3. O. Luh, OSC. Gießen, 31,59 Meter. Hochsprung: 1. H. Hohlbein, FSV. Frankfurt, 1,65; 2. I. Hartmann, Tgm. Ffm.-Schwan- heim, 1,60; 3. W. Langenohl, Tv. Heuchelheim, 1,60 Meter. Stabhochsprung: 1. E. Jung, 1900 Gießen, 3,30; 2. O. Werner, Tv. Weilmünster, 3,10; 3. W. Glaab, Tv. „Vorwärts" Bockenheim, 2,90 Meter. Weitsprung: 1. K. Witte, FSV. Frankfurt, 6,47; 2. K. Felsing, 1900 Gießen, 6,23; 3. H. Krück, VfB. Kurhessen Marburg, 6,22 Meter. 4 mal 10 0 Meter: 1. Tv. „Vorwärts" Bockenheim, 46,4; 2. Mtv. Gießen, 46,4 (Handbreite zurück); 3. Tgm. 46 Darmstadt, 46,8 Sek. Schwede n st a f f e l: 1. Tv. „Vorwärts" Bockenheim, 2:08,6; 2. Mtv. Gießen, 2:11,8; 3. Tgm. Darmstadt, 2:15,5 Minuten. 10 mal j-Runde-Staffel: 1. Tv. „Vorwärts" Bockenheim, 4:34,2; 2. 1900 Gießen, 4:43,8 Minuten. Turner-Mittelstufe. 2 00 Meter: 1. E. Seyb, MTV. Gießen, 24,9; 2. Marx, VfL. Wetzlar, 25,3 Sek. 800 Meter: 1. E. Stuhl, VfL. Wetzlar, 2,16; 2. Ä. Beyer, Tgm. Rödelheim, 2,16:1; 3. R. Vollmüller, TV. Schlitz, 2,16:9 Min. Weitsprung: 1. Felsing, 1900 Gießen, 6,32; 2. E. Baier, TV. Bockenheim, 6,25; 3. P. Reb, TV. Bockenheim, 6,05 Meter. Speerwurf: 1. H. Müller, TV. Holzheim, 45,20; 2. L. Äost, Tgm. Darmstadt, 39,30; 3. O. Luh, OSC. Gießen, 37,94 Meter. Schleuderball: 1. O. Lindenstruth, MTV. Gießen, 52,55; 2. O. Luh, OST. Gießen, 50,85; 3. O. Werner, TV. Weilmünster, 50,10 Meter. Turner-Unterstufe: 10 0 Meter: 1. L. Schwab, T.- u. Spv. Butzbach 12,0; 2. E. Kurz, TD. Draunfels, 12,01; 3. E. Daier, TV. Vorwärts Dockenheim, 12,1 Sek. (Handbreite zurück). 400 Meter: 1. R. Schleifer, TV. Draunfels, 56,5; 2. R. Vollmüller, TV. Schlitz, 57,3; 3. E. Kückelhahn, TV. Rieder- rad, 58,6 Sek. 1500 M« ter: 1. P. Därwinkel, VfL. Wetzlar, 4:32,8; 2. H. Holzapfel, TV. Münchhausen, 4:32,8 (Handbreite zurück); 3. W. Hartmann, TV. 1860 Bad-Rauheim, 4:33,6 Sek. Kugelstoßen: 1. Schott, 1900 Gießen, 11,27; 2. Stengel, TV. Großen-Linden, 10,92; 3. O. Lindenstruth, Mtv. Gießen, 10,79 Meter. Olympische Staffel: 1. TV. „Vorwärts" Bockenheim, 4.07; 2. 1900 Gießen, 4.04,1 Min. 3. Tgm. Rödelheim. 4x100 Meter: 1. TV. Draunfels, 47,6; 2. Tgm. Hanau 47,6 (Handbreite zurück). Hochsprung: 1. R. Buß, ATV. Rhein- franken Gießen, 1,60; 2. W. Werner, Tgm. Reunkirchen (Saar), 1,55; 3. W. Beyer, Tgm. Rödelheim, 1,55 Meter. Jugend-Turner A. 100 Meter: 1. E. Heilmann, Tgm. 1846 Worms, 11,7; 2. H. Löw, Tv. Weilmünster, 12; 3. H. Holzingen, Tgm. 1846 Worms, 12,1 Sek. 10 0 0 Meter: 1. A. Griesinger, Tv. 1857 Ffm.- Sachsenhausen, 2:48,4; 2. Baumstieger, 1900 Gießen, 2:49,8, 3. Derghöfer I., 1900 Gießen, 2:56,7 Min. Weitsprung: 1. Herrmann, 1900 Gießen, und H. Löw, Tv. Weilmünster, 5,70; 2. F. Haag, Tgm. 1846 Worms, 5,65 Meter. Kugelstoßen: 1. von Dülzingslöwen, 1900 Gießen, 13,11; 2. K. Hamel, T. u. Fechtkl. Hanau, 13; 3. K. Äehner, Tv. Dad-Rauheim, 12,71 Meter; Speerwurf: 1. W. Ludwig, VfB. Wetzlar, 44,10; 2. E. Lodahl, Tv. Ebersgöns, 42,95; 3. K. Hamel, T. u. Fechtkl. Hanau, 42,30 Meter. 4x100 Meter: 1. Tgm. 1846 Worms 47,3; 2. Spvg. 1900 Gießen 48,5; 3. Tv. Vorwärts Bockenheim 49,9 Sek. Jugend-Turner B. 7 5 Meter: 1. K. Maier, Tgm. Tlnterlieder- bach, 9,6; 2. H. Ochs, Tv. Kirchhain, 9,9; 3. W. Mendrihki, Tgm. 1846 Worms, 10 Sek. Kugelstoßen: 1. A Leichum, Tv. Riederrad, 11,76; 2. R. Blaß, Tv. Großen-Linden, 11,15; 3- Berg- Höfer II., Spielvg. 1900 Gießen, 11,07 Meter. Hochsprung: 1. K. Maier, Tgm. Unterliederbach, 1,60; 2. W.Huhke, Mtv. Gießen, 1,55; 3. R. Le.chum, Tv. Riederrad, 1,50 Meter. 4X10 0 Meter: 1. 1900 Gießen 52,8, 2. Mtv. Gießen 53 Sek. Turnerinnen-Oberstufe. 100 Meter: 1. E. Bickelhaupt,, Mtv.Gießen, 13,6; 2. A. Kuhl, VfL. Wetzlar, 14,1; 3. Th. Trumpfheller, Tgm. Darmstadt, 14,6 Sek. Weitsprung: 1. Else Bickelhaupt, Mtv. Gießen, 4,8; 1 2. Else Hartmann, Tgm. Darmstadt, 4,64; 3. Erika Röhmig, Mtv. Gießen, 4,52 Meter. Hochsprung: 1. T. Espach, Mtv. Gießen, 1,30; 2. Bath, Tv. Heuchelheim, 1,10; 3. M. Seif- ferth, Mtv.Gießen, 1 Meter. Kugelstoßen: 1. E. Biron. Tbd. Wiesbaden, 10,16; 2. M. Schell, Tv. Vorwärts Bockenheim, 9,96; 3. E. Bickelhcnlpt, Mtv. Gießen, 9,85 Meter. D i s k u s: 1. M. Schell, Tv. Vorwärts Bockenheim, 30,91; 2. K. Biron, Tbd. Wiesbaden, 26,26; 3. G. Luh, 1900 Gießen, 24,44 Meter. 4x100 Meter: 1. Mtv.Gießen, 55,6; 2. 1900 Gießen 58,3 Sek. Turnerinnen-Unterstufe. 7 5 Meter: 1. CH. Rmend, Mtv. Gießen, 10,7; 2. G. Hublitz, 1900 Gießen, 11; 3- H. Schweikert, Tv. „Vorwärts" Bockenheim, 11,1 Sek. — W e i > sprung: 1. M. Seifferth, Mtv. Gießen, 4,30; 2. H. Schweikert, Tv. „Vorwärts" Bockenheim, 4,23 Meter. — Kugel st oßen: 1. C. Röhmig, Mtv. Gießen, 8,97; 2. R. Philipp, Tv. 1846 Gießen, 8,26; 3. M. Katz, Mtv. Gießen, 7,80 Mtr. Jugend-Turnerinnen. 7 5 Meter: 1. E. Röhmig, Mtv. Gießen, 10,9; 2. R. Dauth, VfL. Wetzlar, 11; 3. E. Diehl, 1900 Gießen, 11,1 Sek. — Schlagball-Weitwurf: 1. Chr. Schmidt, Mtv. Gießen, 64,30; 2. A. Lösch, 1900 Gießen, 55,10; 3. E. Röhmig, Mtv. Gießen, 54,20 Meter. — Hochsprung: 1. E. Röhmig, Mtv. Gießen, 1,35; 2. Lippert, 1900 Gießen, 1,30; 3. Guth, 1900 Gießen, 1,30 Mtr. — Weitsprung: 1. E. Röhmig, Mtv. Gießen, 4,57; 2. K. Körner, Mtv. Gießen, 4,27; 3. R. Frihges, Mtv. Gießen, 4,18 Meter. — 4X7 5 Meter. 1. Mtv. Gießen I, 43,7; 2. Spvg. 1900 Gießen, 43,8; 3. Mtv. Gießen ll, 44,8 Sekunden. Arbeiier-Turn- und Sportbund. Gießen! — Wiseck l 4:3. Gießen wählt den Wind zum Bundesgenossen und kann schon in der zweiten Minute in Führung gehen. Rach einem überraschenden zweiten Tor (abseits!?) kam der Halbrechte der Gäste zum Durchbruch und stellte das Resultat auf 2:1. Wenige Minuten später verwandelt Wieseck einen Handelfmeter, eine Minute später stand das Resultat 3:2 für Gießen. Bis Halbzeit blieb es bei diesem Stande. Rach dem Wechsel drückte Wieseck merklich, konnte jedoch gegen die reichliche Abwehr zu keinem Erfolge kommen. Erst zur Mitte der zweiten Halbzeit kam Wieseck zum verdienten Ausgleich. Gießen unternimmt nun einige schöne Durchbrüche. Eine etwas harte Elfmeter-Entscheidung brachte den Gießenern den Sieg. Rieder-Wöllstadt überlieh Heuchelheim kampflos die Punkte. Gießen II — Marburg I 5:1. Vor dem Spiel der Kreisklassemannschaften lieferten sich beide Gegner ein flottes Spiel, bei dem Gießen stets im Vorteil war. Wieseck II — Londorf! 3:1. Die Gäste übernahmen bald die Führung. Rach geraumer Zeit erst erzielte Wieseck den Ausgleich und dann bis zur Halbzelt Die Führung. Rach Seitenwechsel war wohl Wieseck etwas überlegen, aber nur noch ein Elfmeterball brachte ein weiteres Tor. Dorheim I — Rieder-Florstabt I 2:2. In Dorheim lieferten sich beide Mannschaften ein spannendes Spiel, bei dem es beiden Gegnern gelang, je zweimal erfolgreich zu sein. Erbstadt-Kaichen I — Altenstadt I 3:2. Än Erbstadt standen sich diese beiden Mannschaften gegenüber. Die Platzbesiher, durch Kaichen wesentlich verstärkt, konnten die Gäste knapp schlagen. Großen-Duseck l — Hungen I 7:0. Hungen war mit viel Ersah in Großen-Duseck zu Gast. Die Platzbesiher waren fast ständig überlegen und siegten sicher. Hausen! — Großen-Linden I 1:0. Großen-Linden drückte in der ersten Spielhälfte merklich, konnte jedoch zu keinem Erfolg kommen. Rach der Pause erzielte Hausen mit viel Glück das einzige Tor. Grünlngen I — Lang-Göns I 6:4« Lang-Gons führte bei Halbzeit mit 3:1 Toren, muhte sich aber zum Schluh mit dem obigen Resultat geschlagen bekennen. Dehber I — Krofdorf I 4:3- Krofdorf übernahm hier wohl zuerst die Führung, mußte sich aber zum Schluh knapp mit 4:3 Toren geschlagen bekennen. Die 2. Mannschaft von Vetzberg konnte Kinzenbach II knapp mit 3: 2 Toren schlagen. Wieseck (Äugend) schlug die Äugend von Staufenberg verdient mit 3:0 Toren. Handball. Gambach I — Gießen! 5:5. Zum ersten Secienspiel standen sich diese Gegneü in Gambach gegenüber. Trotz des starken Windes sah man ein sehr lebhaftes Spiel, das trotz aller Anstrengungen auf beiden Seiten mit dem unentschiedenen 5: 5 endete. Holzheim I — Wieseck l 4: 8. Wieseck trat mit nur acht Mann in Holzheim an. Trotz des zahlenmäßigen Unterschiedes konnten die Gäste mit 8:4 Toren siegreich sein, Indiens Hockeyspieler in Prag siegreich. Die Tscheche! mit 12:0 (5:0) besiegt. Die indischen Hockeylünstler konnten auch in Prag, wo sie am Dienstag gegen eine tschechische Rationalmannschaft antraten, einen haushohen Sieg erringen. Die Tschechen vermochten überhaupt keinen Widerstand entgegenzustellen und wurden regelrecht überspielt. 3000 Zuschauer erfreuten sich an dem artistifchrn Können der Änder. Wirtschaft. * Das Urteil im Prozeß Adlerwerke gegen Dominique. Durch das am Dienstag verkündeten Urteil in dem Prozeß der Adlerwerke gegen den Aktionär Dominique wurde der Beklagte angewiesen, die Behauptung zu unterlassen, wonach die Sanierung der Adlerwerke ungerechtfertigt gewesen sei. Die Widerklage Dominiques wurde abgewiesen. In der Verhandlung über die Unterlassungsklage des Gutachters Professor Kalveram gegen Dominique lehnte der Beklagte den Borsitzenden und einen Beisitzer wegen Befangenheit ab. Der Beklagte soll die Ablehnungsgründe nunmehr schriftlich einreichen. Ein neuer Termin wurde auf den 29. September angesetzt. * Ford Motor meldet Besserung der Geschäftslage. Wie WTP.-Handelsdienst auf Anfrage von der Ford-Motor-Company-AG. Köln, erfährt, besteht vorläufig nicht die Absicht, eine Kapitalerhöhung vorzuyehmen. Die Geschäftslage hätte sich bedeutend gebessert, insbesondere die Rachfrage für kleine und auch für größere Wagen. Für Keine Wagen liegen zur Zeit bedeutende Aufträge vor, die noch nicht ausgeführt worden sind. Die Gesellschaft sehe daher mit großer Zuversicht der Zukunft entgegen. * Die Robert Bosch A G., Stuttgart, weist für 1931 einen Verlust von 1 659 362 RM. aus, der sich um den Gewinnvortrag aus 1930 auf 553 195 RM. vermindert (i. V. 2,11 Millionen RM. Reingewinn). *DieDerhandlungenüberdieFrank- furter Schatzanwsi 's ungen mit den Berliner Regierungsstellen sind bisher weiter ergebnislos verlaufen, obwohl von der Stadt Frankfurt eingehende Vorschläge über die Rückzahlung gemacht worden sind. Frankfurter Abendbörse schwach. Frankfurt a. M., 13. Sept. Die Abendbörse war im Anschluß an den Mittagsnachbörsenverkehr auf der ganen Linie weiter schwach. Die Spekulation schritt zu neuen Glattstellungen, vereinzelt wollte man auch Blankoabgaben beobachtet haben, während vom Publikum kaum Verkaufsorders vorgelegen haben. Starke Verstimmung ging von den international schwachen Börsen und Warenmärkten aus, und auch die Verschärfung der innerpolitischen Situation, die die Börse in dem Konflikt zwischen der Reichsregierung und dem Ueberwachungsaus- schuß des Reichstages erkennen wollte, trug wesentlich zu der neuen Abschwächung bei. Gegen den Berliner Schluß verloren Aku, AEG., Bekuln, IG.» Farben, Reichsbank sowie die Mehrzahl der Montanaktien bis zu 1,50 v. ch.; im übrigen stellten sich Rückgänge oon *0,50 bis 1 v. H. ein. Don lokalen Werten blieben Lahmeyer auf dem erhöhten Niveau behauptet, während Scheideanstalt 1,50 v. H. ein» büßten. Im Verlaufe ergaben sich weitere Abschwächungen von 0,50 bis 1 v. 5)., wobei das Geschäft fast stagnierte. Am Rentenmarkt war die Ten» denz gleichfalls schwächer sowohl für deutsche Anleihen als auch der festverzinslichen Werte. Nur die Neubesitzanleihe blieb relativ behauptet. Altbesitz 52,90 bis 53, Neubesitz 6,50, Schutzgebietsanl. 4,20, Reichsbank 129,38 bis 129, Buderus 36 bis 35,75, Gelsenkirchen 36,25 bis 35,25, Mannesmann 51,50 bis 51, Rheinstahl 67 bis 66,50, Stahloerein. 19, Aku 51,50, AEG. 31,13 bis 30,75, Bekula 104.50 bis 104,75 und 104, Scheideanstalt 134, IG.-Farben 98,38 bis 98 und 98,25, Lahmeyer 104.75, Siemens 135 Brief, Nordd. Lloyd 18,50 bis 18,38. Herbstpferdemarkt in Marburg. ][ Marburg, 13. Sept. Aus dem heutigen Herbstpferdemarkt war nur ein schwacher Auftrieb zu verzeichnen. Man zählte 81 Pferde und 6 Fohlen. Rotiert wurden für schwere Arbeitspferde 800 bis 1000, mittelschwere Pferde 400 bis 700, leichte Arbeitspferde 150 bis 250, Fohlen 150 bis 200 und Schlachtpferde 25 bis 70 Mark« Der Handel war sehr schleppend. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 0.4), Lombardzinsfuß 6 v. H. Oafum 6% Deunche Retchsanleihev.192, 6% ehern. 7%$t Retchsanl. 6.1928 sy.% Boung-Anlcihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablüs.-Echuld ml, Auslol.-Rechten...... Desai, ohne Auslo|.»Rechte . . 6% efjem 8%Hess. Bolksslaat 1S2S (rüd$ahlb. 102%)...... Oberölfen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1...... 6% efjem. 8% Franks. Hyp.-Banl Gotvpfe. 15 unkündbar bis 1935 6% ehern. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpie 16 unkündbar bis 1936 6%% ehern. 4>/,% Frankf.Hyp^ Bank Liau Pjandbriese . . . 6%% ehern. 4Yt% Rheinische Hvv.-Banl-Ligu.-Goldpse. . . 6% ehern. 8% Pr. Landespsand- briesanstali Pfandbriefe R. 19 6% ehern. 7% Pr. Landespsand- briesanstali, Pfandbriefe R. 10 4% Oesterreichische Goldrente . 4,20% Oesterreichifche Silberrente 4% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4Vt% desgl. von 1913..... 5% abgest. Goldmexilaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbcchn-Anleihe Serie I........... 4% desgl. Serie ll...... 5% Rumän. veroinh. Rente v. 1903 4^%Rumän.vereinh.RenIev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente 81% ■ Anatolier...... Frankfurt a. m. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börfe Schluß- turs Schluß!, mittag» börse 12.9. 13.9. 12-9. 13.9. 67,25 67,5 66 —— 78 79,4 78 — 63 — 63,25 — 54,13 53 54,75 53,2 6,65 6,5 7 6,6 61 62,5 62 — 50,5 50,5 — — 51,5 50 51,75 — 74 73 — — — — — — 78,5 78,5 — — 80,25 79,75 — — 71 71 71 — 70 70 — — 10,25 10,25 10,65 — 1,25 1,25 1,3 1,2 7,65 7,65 7,7 7,6 — 7 7,25 7 — — 6,5 — 7 7 7,25 — 4 3,9 3,95 3,9 4 3,95 4,15 4,25 4 3,9 4,1 4,15 7 6,25 6,55 6,5 —— 10,5 11 11 5,7 5,5 5,6 5,5 19 18,75 19,25 18,9 Frankfurt a.m. Berlin •äHsee I börfe Schluß« kurs Gchlußk. mittag- börfe Datum 12-9. 13.9. 12.9. 13.9. Hamburg-Amerua Paie. . . V 18 17,13 19,25 18,4 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 — — 40 Hansa Dampfschiff . . Norddeutscher Lloyd .... . t — — 31,5 29,13 . ( 18.9 18,4 19,65 18.5 A.G. für Verkehrswesen Akt. . c 43 41,5 44,5 43 Berliner Handelsgesellschaft . 4 91 92,25 91,25 Commerz, und Privat-Bank . Darmstädter und Nationalban 0 56,75 56,5 56,75 56,65 0 19 19,25 Deutsche Bank und Disronto-Gefellschaft. . . 0 76 75,5 76 75,75 Dresdner Bank...... 0 19 19,25 63,75 63,65 Reichsbank........ i: 130,5 129 133 130,25 A.E.G........... . 0 34,25 30,75 36 32,25 Bergmann........ . c — — 20,4 20.75 Elektr. LieserungSgesellschast. 6 71,75 — 73 71 Licht und Kraft...... 6 84 83 87 84 Felten & Guilleaume.... Gesellschaft für Elektrische 0 72,5 55 56,75 54,75 73,25 Unternehmungen .... Rheinische Elektrizität . . . 4 73 77 5Ä — 72,5 72,5 71,5 Schlickert & Go....... c — 78 80 76.5 Siemens & Halske..... s 137,5 135 140 136 Lahmeyer L Eo....... 10 98 104,75 97 105 Buderus......... . 4 38,75 35,75 41,4 37 Deutsche Erdöl...... . 5 77,5 77,75 75,9 Gelsenkirchener...... . 8 — 35,25 40,4 37,75 Harpener..... . . . . 0 76 79 79,75 77 Harsch Eisen........ . 6 37 35 Ilse Bergbau....... 10 — — 136 — Wern hau (Bettüffe ... 98,5 34,25 51 100,5 37,13 56,4 97,75 34 . 6 Mannesmann-Röhreu . . . . 6 52,75 53 Mansfelder Bergbau .... . 0 22 23 24 Oberschief. Kokswerke . . . . 8 40,25 37,75 Phönir Bergbau...... Rheinische Braunkohlen. . . Rhetnstahl .«•••••• 4Vi 26,5 26,25 27,75 25 10 . 0 68.75 177,5 66,5 176 71,5 176 67.65 Frantsun a. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. mittag» börse Datum 12-9. 13.9. 12-9. 13-9. Rlebeck Montan...... 7,. — — — — Bereinigte Stahlwerke . . . . 0 20 19 21,4 19,65 Otavi Minen....... 0 — 17,5 18,13 16,5 Kaliwerke Aschersleben . . . 6 — 107 108,5 106,5 Kaliwerke Westeregeln . . . 6 — 114 115 112 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 0 176 175 177 174 I. ®. Farben-Industrie . . . 7 101 98,25 104,5 100 Scheidcanstalt....... 10 136 134 — — Goldschmidt..... . . . 0 28 28 | 29,5 29 RütgerSwerke....... . 0 38 39 39,4 38 Metällgeiellschast...... . 0 37 35 38,5 35,75 Philipp Holzmann..... . 0 53,5 51 53 52 Zementwerk Heidelberg. . . . 4 54 52,5 — Eementwerk Karlstadt. . . . . 0 50 — — — Wayß & Freytag..... . 0 5,4 5,75 5 Schultheis Patzenhofer . . . 0 __ —- 58 56 Atu (Allgemeine Kunstseide) 0 56,5 51,5 58 53 Bcmberg......... 0 — — 68,13 bj, 75 Zellstoss Waldhof..... 0 42,5 42 43 41 Zellstoff Aschaffenburg . . . 0 —— 28,5 29,5 28,75 Dessauer Gas....... r — —— 93,9 89,5 Daimler Motoren..... . 0 20,5 19,5 21 19.75 Deutsche Linoleum .... . 0 45,25 44 47,4 44,5 Orenstein & Koppel .... . 0 — 37 34,9 Leonhard Tietz...... . 6 — 49 50,25 46,5 Svenska....... _ _ _ ——— Chade........ 173 177,5 Frankfurter Maschinen . . . . 0 - Gritzner . 0 24 24,75 24,25 24 Mainkrastwerle Höchst a. M . . 4 55,5 - Süddeutscher Zucker . . . . 125 125 126 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a.2H. 12-September 13-September Amtliche Notierung Amtliche Notierung Seid | 2Jrie' Geld I Srie’ Heisings ors . 6,314 6,326 6,304 6,316 Wien. . . . 51,95 52,05 51,95 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest . . — — Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 169,23 169,57 169,23 169,57 OSIo.... 73,63 73,77 73,63 73,77 Kopenhagen. 76,02 76.18 75,92 76,08 Stockholm 75,22 75,38 75,12 75,28 London. . . 14,67 14,71 14,65 14,69 Buenos Aires 0,918 0,922 0,913 0,917 Neuyork . . 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüsjel. . . 58,31 58,43 58,31 58,43 Italien. . . 21,61 21,65 21,61 21,65 Paris . . . 16,48 16,52 16,19 16,53 Schweiz . . 81,16 81,32 81,18 81,34 Spanien . . 33,87 33,93 33,87 33,93 Danzig. . . 81,97 82,13 81,97 82,13 Japan . . . 1,019 1,021 1,989 1,991 Rio de Jan.. 0,316 0,318 0,316 0,318 Jugostawien. 6,493 6,507 6,493 6,507 Lissabon . . 13,37 13,39 13,34 13,36 Banknoten. Berlin, 13. September Geld 25rlef Amerikanische Noten....... Belgische Noten....... . Dänische Noten......... Englische Noten......... Französische Noten........ Holländische Noten........ Italienische Noten....... Norwegische Noten........ Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling 4,20 58,15 75,75 14,61 16,45 168,86 21,56 4,22 58,39 76,05 14,67 16,51 169,54 21,64 73,75 2,51 75,25 81,32 73^45 2,49 74,95 81,00 Rumänische Noten........ Schweizer Noten......... Spanische Noten......... 33,73 33,87