Nr. 216 Erstes Blatt 182. Jahrgang Mittwoch, tf. September 1932 Lrfchelnt tägltch, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Momttr-Vezugrpreir: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfie unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: firanffurt am Main 11686. GietzmerAiizeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrilck und Verlag: vrühl'sche Univer^rctts-Vuch- und Stetnöructerei K Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für l mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrist 20'/, mehr. Thefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Das deutsche Saargebiet. Ist es überhaupt notwendig, so fragt der erstaunte Leser, darauf hinzuweisen, das; das Saargebiet deutsch ist und deutsch bleiben wird? Nun, die Kenntnis der internationalen Verpflichtungen Deutschlands und das Wissen um die Fallstricke des Versailler Diktates sind im deutschen Volke nur sehr unzureichend verbreitet, und erst die groste Kundgebung am „Deutschen Eck" bei Koblenz, die auf alle deutschen Sender übertragen wurde, hat wahrscheinlich vielen deutschen Volksgenossen die Augen darüber geöffnet, daß es immer noch eine Saarfbage gibt. Sn drei Jahren wird das saarländische Volk mit dem Stimmzettel zu entscheiden haben, ob es sich zum Verbleib beim Reiche oder zur Angliederung an Frankreich ent- schließt. Es steht außer Frage, daß mindestens 99 Prozent der Saarländer ein überwältigendes Treuebekenntnis zum Reich ablegen. Doch nicht hierum geht es, sondern um die politische Auswertung einer Tatsache, die auch auf der Saarkundgebung am „Deutschen Eck" nicht genügend herausgearbeitet worden ist. Denn durch das Abkommen von Lausanne ist die ganze Saarfrage mit ihrer Abstimmung im Satyr 1935 illusorisch geworden. Mit welchem Recht hat Frankreich 1919 das kerndeutsche Saargebiet unter ein Ausnahmerecht gestellt und den Versuch unternommen, dieses Land vom Reiche loszureißen? Mit welchem Recht hat Frankreich fast zehn Jahre lang das gesamte Saar- gebiet' durch eine internationale .ßilsstruppe unter französischem Oberbefehl unterdrückt und terrorisiert? Mit welchem Recht hat dieses Frankreich, das sich gerade jetzt in der Abrustungsfrage wieder einmal in blinder Unnachgiebigkeit auf die Verträge beruft, die Bodenschätze des Saargebietes ausgebeutet und die Bevölkerung durch Sonderbesteuerungen gebrandschatzt? Es war allein jener berüchtigte Abschnitt 8 des Versailler Diktats mit dem einleitenden Kriegsschuldlügenparagraphen 231, der Frankreich den Rechtsvarwand für den Einbruch in das Saar gebiet bot. Es heißt in diesem Abschnitt: „A l s Ersatz für die Zerstörung der Kohlengruben in Nordfrankreich und als Anzahlung auf den Betrag der von Deutschland geschuldeten Wiedergutmachung der Kriegsschäden tritt Deutschland das volle und unbeschränkte, völlig schulden- und lastenfreie Eigentum an den Kohlengruben im Saargebiet mit dem ausschließlichen Ausbeutungsrecht an Frankreich ab." Das Saargebiet bedeutete also nichts anderes als ein Reparationspfand, das sich Frankreich sicherte, um die Saargruben auszubeuten. Die Verhandlungen in Lausanne und die feierliche Erklärung vom 8. Juli, nach der die an der Konferenz beteiligten Staaten die endgültige Beseitigung des Reparationsproblems kundgaben, haben restlos die Wiedergutmachungsbestimmungen des Versailler Diktates miterledigt. Es gibt praktisch keine Saarfrage mehr, da es keine Reparationsfrage mehr gibt. Und es ist eine Selbstverständlichkeit, daß auf das allerschnellste im Saargebiet der politische und wirtschaftspolitische Zustand wieder hergestellt wird, in dem es sich völkerrechtlich vor dem Versailler Machtspruch befand. Was in Lausanne als Ersatz für die erledigten Reparationen zu zahlen ist, soll bekanntlich nicht mehr den einzelnen Gläubigermächten, sondern dem Wiederaufbau der Weltwirtschaft zugute kommen. Es wäre eine ungeheuerliche Ungerechtigkeit, wenn Frankreich das Saargebiet auch fernerhin und nach dem „Ende der Reparationen" als unmittelbares Ausbeutungsgebiet benutzen dürfte. Sn Lausanne selbst ist über die Saarfrage kaum gesprochen worden. Um so notwendiger ist es, daß die Reichsregierung jetzt die Offensive ergreift, um durch die Beseitigung des im Saargebiet immer noch allmächtigen Völkerbundregimes den französischen Einfluß ein für allemal zu brechen. Sm Sahr 1813 ist das Saargebiet bei dem großen Befreiungswerk zu kurz gekommen, es hat durch die vorbildlichen Opfer seiner Bevölkerung ein Anrecht darauf, diesmal rechtzeitig in eine großzügige deutsche Befreiungspolitik einbezogen zu werden. Frankreich hat an der Saar neben der brutalen Ausbeutung stets auch politische Ziele verfolgt. Das Groteskeste war^ die 'Behauptung Clemenceaus, ein großer Teil der Saarbevölkerung sei französischer Abstammung und französischer Gesinnung. Die französische Propaganda an der Saar, die höchst hinterhältige Schulpolitik und der immer wieder erneuerte Versuch, eine autonomistische Saarbewegung zu schaffen, sind der beste Beweis dafür, daß auch Frankreich heute noch nicht seine Absichten auf das Saargebiet aufgegeben hat. Ein Grund mehr für die Regierung, die re st lose Rückgliederung des Saargebietes zu fordern. So wie bisher geht es an der Saar nicht weiter. Frankreichs Zollabjperrung wirkt sich für die Saarprodukte besonders verhängnisvoll aus. Saarländische Waren werden bewußt boykottiert, anderseits hat die französische Zollpolitik die deutsche Wareneinfuhr im Saargebiet derart gedrosselt, daß die Saarwirtschaft heute gleichsam den grotesken Versuch einer Wirtschaftsautarkie auf unzureichendem Raume darstellt. Die Arbeitslosigkeit steigt unaufhörlich und, was man im Reiche auch nicht weiß, an der Saar als einem Völkerbundslande gibt es keine staatliche Arbeitslosenunterstützung. Das We- nige was getan wird, geschieht von den saarländischen Gemeinden, aber auch sie geraten in eine immer stärkere Verschuldung, während das Elend der Pensionäre und Sozialrentner sich unaufhörlich vermehrt. All diese Zustände lassen sich weder mit dem Saarstatut in Verbindung bringen, noch sind sie nach den Erklärungen von Lausanne völkerrechtlich berechtigt. Frankreich fenxt den Willen der Deutschland bleibt der Abrüstungskonferenz fern. Oie Folge der Haltung Frankreichs gegenüber der deutschen Gleichberechtigungsforderung. Herriot weicht aus. Herr Herriot hat das Glück, daß die Antwort, die er auf die deutsche Rote erteilt hat. durch dieAuflösung desReichstagesüber- schattet wird. Hätte das deutsche Parlament mehr Verständnis für die Wichtigkeit der außenpolitischen Snteressen gezeigt, dann würde gerade in diesem Augenblick ein innenpolitischer Konflikt vermieden worden sein. Dann wäre die Art, wie Frankreich die berechtigten deutschen Wünsche zu sabotieren versucht, von Anfang an sehr viel stärker in das Scheinwerferlicht der öffentlichen Kritik gerückt worden. Aber die Ereignisse selbst sorgen schon dafür, daß das, was heute versäumt wurde, morgen nachgeholt werden muß. Denn Deutschland kann aus den weitschweifigen politischen und staatsrechtlichen Ausführungen Frankreichs zunächst nur das Rein gegenüber unseren Wünschen herauslesen. Das hat aber zur Folge, daß damit die Erklärungen, die wir Ende Suli in Gens abgegeben haben, fällig werden, daß wir uns bis auf weiteres an den Arbeiten der Abrüstungskonferenz nicht beteiligen können. Gerade das ist es ja. was die klugen Politiker in Genf unter allen Umständen vermeiden wollten. Sie haben sich ehrliche Mühe gegeben, die deutschen Vertreter wenigstens für die Kommissionen. die in diesen Tagen wieder ihre Arbeiten ausnehmcn, heranzuziehen, in der Erwartung. daß. wenn Deutschland erst einmal wieder an dem Tisch säße, dann die Knochenmühle der Völkerbundsmaschine unsere Grundsätze langsam zermahlen und am Ende wie bisher stets ein Rückzug der deutschen Politik erfolgen würde. Wenn man die französische Rote mit der Lupe diplomatischer Gründlichkeit durchlieft, wird man darin enfoedstj können, daß auf diese Genfer Wünsche auch Herr Herriot in bescheidenem Maße Rücksicht genommen hat. Er hat kein unbedingtes Rein gesagt, hat sogar entfernte Möglichkeiten für weitere Verhandlungen und für eine bedingte Erfüllung der deutschen Forderungen offen gelassen, das alles aber so verklausuliert. daß der Zweck der Uebung nur zu deutlich wird. Alles Reden hilft nun einmal nicht darüber hinweg, daß Deutschland einen klagbaren Anspruch auf Abrüstung der anderen hat und daß, wenn dieser Anspruch nicht erfüllt wird, automatisch auch die Bindungen fallen müssen, die uns im Versailler Vertrag auferlegt sind. Es wird ja noch Gelegenheit genug gegeben sein, die fadenscheinigen Beweisgründe Herriots im einzelnen zu zerpflücken und zu widerlegen. Für den Augenblick genügt es, das politische Ergebnis fest- zuftellen: Es war der Wunsch der anderen Staaten, daß Deutschland sich mit Frankreich unmittelbar über die Abrüstung unterhielt. Frankreich hat d i c ( e Zwiesprache ab gelernt und sich hinter die Zuständigkeiten verschanzt, hat sich also nicht auf die Abrüstungskonferenz, sondern auf den Völkerbundsrat zurückgezogen und gleichzeitig eine juristische Mauer aufgebaut, die sicherlich nach den Hoffnungen Herriots für die deutsche Diplomatie nicht zu überspringen fein soll. Nach allem, was bisher geschehen ist, kann uns eigentlich niemand zumuten, auch nur den Versuch dazu zu machen. Die deutsche Linie ist klar vorgezeichnet. Alle Staaten kennen unsere Absichten; wenn sie den Wunsch haben, daß die Abrüstungskonferenz nicht in die Luft fliegt und damit gleichzeitig das schwankende Gebäude des Völkerbundes zusammenbricht, dann wird es in erster Linie ihre Aufgabe sein, die französischen Widerstände zu überwinden und die gewiß nicht überspannten Forderungen zu erfüllen, die Deutschland angemeldet hat. Bestürzung in Genf. Kein deutscher Vertreter zur Zusammenkunft des Büros erschienen. Genf, 13. Sept. (WTB) Die Rachricht. wonach Deutschland voraussichtlich keinen Delegierten zu der am 21. September in Genf stattfindenden Tagung des Bureaus der Abrüstungskonferenz entsenden werde, hat in Völkerbundskreisen eine gewisse Beunruhigung ausgelöst. Man hatte nicht angenommen, daß die Reichsregierung diesen Grad vonEntschlossenheit in der Durchsetzung der deutschen Ziele zeigen werde und glaubte, sie werde sich auf Grund der diplomatischen Besprechungen noch in irgendeiner Form z u einer weiteren Mitarbeit an der Abrüstungskonferenz bereitfinden. Es wird hier jetzt nicht mehr geleugnet, daß das Fernbleiben Deutschlands für die Abrüstungskonferenz eine neue und außerordentlich ernst eLage schaffe. Auffallend ist, daß immer mehr Sympathien für den deutschen grundsätzlichen Standpunkt in neutralen Kreisen laut werden. Cs wird die Auffassung vertreten, daß die Roten Deutschlands und Frankreichs noch immerDie Möglichkeit einer Einigung offen ließen, obwohl hierfür vorläufig noch wenig Anzeichen vorliegen. Man erwartet, daß nunmehr die englische Regierung eine diplomatische Vermittlungstätigkeit entfallen wird, um die durch das Fernbleiben Deutschlands schwer gefährdete Abrüstungskonferenz unter allen Umständen zu retten. Man glaubt, daß das Bureau der Abrüstungskonferenz am 21. September von dem deutschen Fernbleiben lediglich amtlich Kenntnis nimmt und hierbei die Hoffnung ausdrückt, daß durch Vermittlung dritter Mächte eine baldige Klärung der deutschen Gleichberechtigungsforderung erfolgt. Aus diese Weise will man bis zum Wiederzusammentritt der Abrüstungskonferenz im Sanuar das Feld für eine vermittelnde Tätigkeit der englischen Regierung offen lassen. Wird England vermitteln? London, 14. Sept. (WTB. Funkspruch.) Ueber die Form einer britischen S n t e r - ventionin der deutsch-französischen Meinungsverschiedenheit wegen der Rüstungsfrage haben gestern Macdonald, Sir Sohn Simon und Beamte des Foreign Office Beratungen abgehalten. Es soll versucht werden, eine geeignete Formel auszuarbeiten. um die deutsche Forderung nach gleicher Rechtsstellung mit der französischen Forderung nach praktischen Sicherungen gegen eine umfangreiche Ausrüstung der ehemaligen Feindmächte in UebereinKimmung zu bringen. Die Formel kann schwerlich vor Ende der Woche fertiggestellt werden. Wenn also nicht irgendein emster Zwischenfall eintritt, wird die britische Regierung vor dem Wochenende im Auslande keine aktiven Schritte tun. Sn britischen amtlichen Kreisen herrscht keine Steigung, Zeit mit juristischen Spitzfindigkeiten zu vergeuden. Es wird hervor- gehoben, daß der Völkerbundsrat n i ch t d i e zur Führung der Verhandlungen am besten geeignete Körperschaft wäre. Die hierzu berufene Körperschaft würde umfassen die Haupturheber des Versailler Vertrages, d. h. Großbritannien. Frankreich, Deutschland, S t a t i e n, die Vereinigten Staaten, wozu allenfalls nixh Belgien und, falls es dies wider Erwarten wünscht, S a p a n kommen würde. Saarbeoölferung, dem Reich bedingungslos die Treue zu halten. Das Reich hat die Rechtsmittel in der Hand, um endlich den letzten Rest der Reparationsverknechtung auf deutschem Boden zu beseitigen. Es ist höchste Zeit, daß die Reichsregierung entscheidende Schritte in der Saarfrage unternimmt. Hindenburgs Antwort an Göring Keine Folgerungen aus den Beschlüssen des Reichstags. Berlin, 14. Sept (D3IB. Funkspruch.) Das gestrige Schreiben des Herrn Präsidenten des Reichstags an den Herrn Reichspräsidenten ist durch den Staatssekretär des Reichspräsidenten mit folgendem Brief beantwortet worden: „Sehr geehrter Herr Reichstagspräsident! Der Herr Reichspräsident hat mich beauftragt, Ihnen den (Empfang Ihres Schreibens vom 13. September 1932 zu bestätigen. Unter Hinweis auf sein gestern an Sie gerichtetes persönliches Schreiben läßt Ihnen der Herr Reichspräsident mitfeilen, daß d i e nach Uebergabe der Auslösungsoer- ordnung vom Reichstag noch gefaßten Beschlüsse verfassungswidrig und somit gegenstandslos sind. Der Herr Reichspräsident beabsichtigt daher nicht, aus diesen Beschlüssen Folgerungen zu ziehen. Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung bin ich Ihr ergebener gez. Dr. Meißner. Der Stahlhelm zur Reichstagsauflösung. Berlin, 13. Sept- (TU.) Das Stahlhelmblatt „Kreuz-Zeitung" veröffentlicht einen mit »Der unbekannte Soldat" unterzeichneten Artikel „Für Hindenburg und Deutschland". Darin heißt es. daß es für das Verhalten der 512 überbauet keine andere Erklärung gäbe, als daß sie vielleicht doch nicht gewußt hätten, was sie taten. Der Dolchstoß, den sie jetzt der Leitung des Staates versehen wollten, sei der inneren Gesin- nung nach kaum sonderlich verschieden von dem einstigen Dolchstoß der Revolution, von dem sie bisher mit so viel Verachtung und mit so viel ehrlichem deutschen Zorn gesprochen haben. „Wir smben einst in Dreck und Schlamm und im Granat- Hagel für dieses neue deutsche Vaterland unter Hindenburgs Führung gekämpft. Wir kämpfen bis zum Sieg. Dis dieSchamüber das, was gestern im Reichstag geschah, in allen deutschen Herzen brennt und den Parteigei st verbrennt, und bis aus Feuer und Schlacke der Scham ein neuer Geist und eine neue Front ersteht, unbesiegbar nach innen wie nach außen, in Treue verbunden den kommenden Geschlechtern, denen diese neue Front ein Beispiel und Ansporn und Wegbereiter einer stolzen Zukunft sein soll. Ein Aufruf des Zentrums. Berlin, 13. Sept. (TU.) Die Reichsparteileitung der Deutschen Zentrumspartei und die Reichstagsfraktion des Zentrums haben einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt: Das unverantwortliche Spiel einer um Volksrechte unbekümmerten Reichsregierung, die kein Vertrauen im Parlament besaß, habe zur Auflösung des Reichstags geführt. Sowohl bei der Auflösung am 4. Suni als bei der am 12. September seien Anlaß und Ziel gleich gewesen: Der Wille zum Fortbestand einer Regierung, die sich im Widerspruch zur Verfassung als unabhängig erklärt und in der Volksvertretung keinerlei Vertrauen habe. Artikel 48 der Verfassung gebe dem Reichstag das Recht, Rotverordnungen außer Kraft zu setzen. Die Auslösung vom 12. September habe dem Reichstag die Ausübung dieses Rechtes unmöglich gemacht. Darum widerspreche sie dem Sinn der Reichsverfassung. Cs wird dann an das Wort des Reichspräsidenten bei seiner Vereidigung erinnert: „Sch bin vom Volke gewählt und der Reichstag ist vom Volke gewählt. Der Reichspräsident und der Reichstag gehören zusammen. Einer kann nicht ohne den anderen sein." Die Regierung v. Papen aber,- so heißt es in dem Aufruf weiter, arbeite tatsächlich gegen das Zusam- mentoirfen der arbeitsbereiten Kräfte im Parlament. Shr Bemühen gehe dahin, den Reichstag von vornherein als arbeitsunfähig zu erklären und ihn arbeitsunfähig zu machen, um so ihr Daseinsrecht zu beweisen. Verhandlungen des Reichskanzlers mit Vertretern breiter Volksgruppen im Parlament seien von ihm zu einem seltsamen Doppelspiel benutzt worden. Statt zusammenzuführen, habe er die eine Gruppe gegen die andere ausgespielt. Das Zentrum habe, um eine sachlich begründete arbeitsfähige Mehrheit im Reichstag zustande zu bekommen, sich bereit erklärt, Fühlung zu nehmen mit jeder Partei, die den Gedanken positiver Zusammenarbeit verantwortungsbewußt bejahe. Dabei sollten die Rechte des Reichspräsidenten voll geachtet werden. Der Augenblick werde fommen, wo die Unzulänglichkeit und Dolksfremdheit der Regierung v. Papen jedem im Lande offenbar fein werde. Für diese Stunde gerüstet zu fein und in wahrer Verantwortung für d as Vaterland das Rotwendige vorzubereiken, bleibe die Aufgabe der Deutschen Zentrums- Partei. Eine Erklärung des Christlich- sozialen Volksdienstes. Berlin, 13. Sept. (DDZ.) Die ReichstagS- gruppe des Christlich-Sozialen Dolksdienstes veröffentlicht zu den Vorgängen im Reichstag eine Erklärung, in der es u. a. heißt: Die Abgeordneten des Dolksdienstes haben sich der Stimme enthalten, weil die Zulässigkeit der Abstimmung durch die Wortmeldung des Kanzlers und die Überreichung der Auslösungsorder strittig geworden war und zum anderen, weil es durch die sofortige Abstimmung und Verkoppelung der Mißtrauensanträge mit den Anträgen auf Aufhebung der Rotverordnung dem Dolksdienst unmöglich gemacht worden war, sowohl feine scharfe Ablehnung der sozialpolitischenMaß na hm en als auch feine Zustimmung zu wichtigen innerpolitischen Entscheidungen der Regierung zum Ausdruck zu bringen. Die Auflösung des Reichstages beschwört e r n st e steGesa h r e n für die deutsche Zukunft heraus. Der Volksdienst wendet sich in dieser entscheidenden Stunde an seine Freunde und an alle Volksgenossen, durch Schaffung einer deutschevangelischen Volksfront mitzuhelfen, den herrschenden Parteiegoismus zu brechen und den Weg sreizumachen für eine verantwortungsbewußte, starke, im Volke verwurzelte und von dem Vertrauen des Volkes getragene Staatsführung. ReichSrundfunkkommiffar Schatz triff aus der NSDAP, aus. Berlin, 13. Sept. (TU.) Die durch die Reichs» tagsauflöfung geschaffene Lage hat, wie die Reichs» rundfunkgejellfchaft mitteilt, den Rundfunk- f o m m i f f a r des Reichsrninifters des Innern, Ministerialrat Scholz, veranlaßt, um jeden Anschein parteipolitischer Rücksichten in seiner Amtstätigkeit zu vermeiden, im Einvernehmen mit der Parteileitung der NSDAP, als deren Mitglied auszufcheidem. 5. Division im Friedens-Krieg Bngademanöver in Thüringen. - Erster Kampftag Das Gießener Bataillon en. Hiernach sind in in in em Aus den Ausschüssen des Hessischen Landtags Kenntnissen hinzu. Das Degegnungsge f e ch t, wie der Kampf in der Kritik von bi | lenbach in umsichtigster und sehr anerkennenswerter Weise über die wechselvoll verlaufenden Kampfhandlungen informiert. Dazu beobachtet man natürlich mit dem Blick des alten Feldsoldaten, lernt aber viel neues zu den alten Pressequartier Mühlhausen Thüringen, 13. September 1932. Ein Schreiben des Wehrkreiskommandos V Man] £phot0 Einsam. M 0 i AelsU de & TÄ Linder--"« barfeit stützungsve" / auch »V‘il Kriegsbesch bliebenen Z Hindenburg M Beiträge zur werden aus I Nr. 73800 I bantflkotonto, Dank« und JW anstalten. 8 Dollen toi die Sxistem d lockenden Schi so können toi soweit überha Schlange, Apfel dar, 2 Mann, biß ü nichtsahnend paradiesischen dämmten. Angescmgen Entwicklung^ nachweisen. 3 Atlas aus Dr der Hefperide Kriege entbro schen Hera, 2 eines gvldenc hören sollte, von den drei erklären. Her Ankündigung übertraf die die dem Parii Liebe anbot i trafen Paris i ixrfd)mäf)ten 2 Der Füll in Drrsvlgung hab aus Truich em des Falles sür siel ein Apfel Schuhen 2en,' 3eht im He wenn wir ein in die Hand wenig nachd« Fruchtball b< wichtige Entsck lein Apfel i willen das Der Apfel )u Kall könn auf einer nai ausgleitet - eigenen Aufm, ju den Selten! hi7JaLcsfc pus, Bahntz ».Mu @rahn von Mon ' Der Zu WM am m Johannessa< ^em F*1 «ne Reise °nne. Rähnez ftchllich, s'S'ä Lp!-.; ^chlsrat ffir. su&fä tödlich abge stürzt. Ohre Leiche wurde geborgen. Die nördlichste Wellerstalion der Welt errichtet. Die Expedition des sowjetrussischen Eisbrechers ,'M a l y g i n" hat auf Rudolf-Land (81 Grad 47 Minuten nördlicher Breite) die nördlichste Wetterwarte der Welt errichtet. Damit ist die im Rahmen des zweiten internationalen Polo rjahres gestellte Aufgabe erfüllt. Bier Expeditionsteilnehmer sind unter der Führung des Biologen Bo lab in auf Rudolf-Land zurückgeblieben und werden dort überwintern. verbandstogung der Postbeamtinnen. Der Verband der Postbeamtinnen veranstaltet vom 22. bis 24. September b. 3. in Bremen seinen 21. Verbandstag.3m Mittelpunkt der Tagung wird ein Referat der ersten Verbandsvorsihenden Else Kolshorn über „Die gegenwärtige Derufslage der weiblichen Beamten der Deutschen Reichspost und ihres Laufbahnnachwuchses" stehen. Diese Berufslage ist von 3ahr zu Jahr schwieriger geworden infolge des Verkehrsrückganges in den Hauptarbeitsgebieten des weiblichen Postpersonals, dem Fernsprech-, Telegraphen- und Postscheckdienst, bei gleichzeitiger Einengung durch zunehmende Technisierung. Sprengunglück in einem Steinbruch. — Fünf Tote, sechs Schwerverletzte. In einem Steinbruch zu Doiras in der spanischen Provinz Oviedo ging eine Dynamitladung^u I r u h l o s und begrub elf Arbeiter unter den Gesteinsmassen. Fünf Arbeiter waren sofort tot, sechs wurden so schwer verletzt, daß an ihrem Auf- kommen gezweifest wird. Selbstmord des Berliner Arztes Dr. Heinrich Dehmel. ^Der Berliner Arzt Dr. Heinrich Dehmel, ein L>ohn des verstorbenen Dichters Richard Dehmel, hat hervorragend in Front. Eigener Bericht unseres E. 8.-Redaktionsmitgliedes. Die blauen hauptkräfte (ebenfalls nicht dargestellt) sind in der Nacht unter Belassung von Nachhuten am Feind, zurückgegangen, um sich am 13. 9. am Südrand des Bolkenröder Waldes und auf den höhen nördlich und westlich Mühlhausen erneut nachhaltig zu verteidigen. Verstärkungen sind im Anmarsch. Von diesen erreicht das von Worbis anmarschierende verst. 15. Inf.-Regt, am 13.9. 6.30 Uhr mit der Dortruppkompanie den Nordeingang von hüpstedt mit dem Auftrag, in Gegend südlich holzthaleben Flanke und Rücken der blauen Hauptkräfte zu schützen. Die 6 Uhr in horsmar eingetroffene Aufkl.-Abt. 7 hat Befehl, die höhe M e h l i s ch (2 Kilometer südostw. holzthaleben) zu erreichen und in Richtung Ebeleben aufzuklären. Führer Blau: Oberstl. G a b ck e (b. Stab Jnf.-Rgt. 15). Truppen: Inf. - Regt. 15 (Kassel, G i e- ßen, Eisenach, Weimar), I. Abt. A.-R. 5 (Fulda), Teile des R.-R. (Cannstatt, Ludwigsburg) und die 3. Komp. Kraftf.-Abt. 5 (Kassel) mit Panzerkraftwagennachbildungen als Aufkl.-Abt. 7. Rot besitzt die Ueberlegenheit in der Luft. Oie Fahrt ins Gelände wirb sofort nach bet Pressekonferenz im Kraftwagen angetreten. Der starke Regen hat die Landstraßen gewaltig aufgeweicht. Schon bald hinter Mühlhausen find bie ersten Patrouillen, Reiterei unb Infanterie .sichtbar. 3n Keula, wo bie Kraftwagen zum erstenmal verlassen werben, geht's entschlossen mit blanken Stiebeln in den Strastendreck, der auch an den eifrig vorwärtsdrängenden Aufklärungskräften des blauen Regiments, die wir zuerst treffen, hängt. An der Spitze dieser Aufklärung operiert die 3. Kompanie unseres Gießener Bataillons. Herzliche Degrüstungsworte hinüber und herüber, mancher Händedruck mit guten Bekannten. Freudig wird besonders der alte Kompaniechef I Hauptmann Faulenbach begrüstt. Aber ohne | Aufenthalt hastet die Truppe weiter nach vorn. Die Giestener 15er unter ihrem Kommandeur, Oberstleutnant Klepke, waren in der vorhergehenden Rächt in Hüpstedt einquartiert gewesen, von dort traten sie den Vormarsch an, und sie vollbrachten die bedeutsamste militärische Tat des Tages: Das Gießener Bataillon (blaue Partei) unter Oberstleutnant klepke nahm den Brennpunkt der „Schlacht", den weithin beherrschenden Höhenrücken Mehlisch, in schneidigem Vorgehen und hielt ihn gegen starken Angriff des roten Regiments, dadurch den Kampf für Blau entscheidend. Auf die vielfältigen und wechselvollen Kampfbilder, die man im weiteren Verlauf der Fahrt t>on_ Keula über Holzthaleben, Groß- b r ü ch t e r und T o b a sehen konnte, kann mit Rücksicht auf den stark beanspruchten Raum leider nicht in den Einzelheiten eingegangen werden. Wir sehen die Infanterie in blendender Weise alle Möglichkeiten des Geländes ausnützen (bei Blau und bei Rot), Kavallerie geschickt und energisch auf Hären, Artillerie (leider zum größten Teil nur markiert!) auffahren, ebenso meist markiert die Minenwerfer, Tankabwehrgeschütze (leider nur Atrappe!), Tanks (Atrappel), Kampfwagen (Atrappel) usw. — nie sieht und fühlt man als Außenstehender den ganzen Jammer unserer durch Feindeshaß diktierten militärischen Fesselung so deutlich wie bei dieser Gelegenheit: hoffentlich aber wendet sich bald das Blatt! Lind trotz dieser Fesseln und Hemmungen ein bewundernswerter Geist undSchneid in der Truppe! Ich nehme Gelegenheit, mich mit Mannschaften verschiedener Truppenteile darüber zu unterhalten, und ich stelle fest, daß unser Volk allen Grund hat, mit der seelischeu Schwungkraft, dem hohen vaterländischen Sinn, der IDaffenfteubigteif und dem Sehnen nach vollwertiger Bewaffnung in unserer Reichswehr zufrieden zu sein. Wir fahren mit unfern Autos und mit der gelben Pressebinde am Arm (das »Sesam öffne dich!") zwischen Blau und Rot hin und her, von unseren Führern Major Jahn und Hauptmann F a u - Infantcrieführer V Generalmajor Muff bezeichnet wird, bringt die wechselvollsten interessantesten Bilder, schließlich spitzt sich das Ringen auf den Kampf um die beherrschende höhe Mehlisch zu, auf der Oberstleutnant Klepke mit feinen Gießener 15ern in starker Verteidigungsstellung sitzt, nachdem er am Vormittag die rote Aufklärungsabteilung von dort heruntergeworfen hat. Das Maschinengewehrfeuer lebt immer stärker auf, Artillerie und Minenwerfer melden sich gehörig zu Wort, die Schützenlinien schieben sich, auch nach den Flanken wirkend, mehr aneinander heran. Oberstleutnant Klepke hat seine Kompanien in sorgsamster Auswertung des Geländes eingesetzt, in ein vorliegendes großes Waldstück zwei Sicherungspostierungen vorgeschoben, die durch Flankenfeuer dem Gegner Rot sehr zu schaffen machen und ihn zur teilweisen Frontänderung mit zeitraubender Entfaltung zwingen. Das Gießener Bataillon zieht schließlich seine im Walde steckenden Sicherungen gegen 12.15 Llhr an sich heran, und nun bricht um 12.25 Llhr der rote Kampfwagenangriff (leider nur Atrappen) gegen die Gießener 15er auf der höhe Alehlisch hervor. Ein bewundernswertes Kampfbild! Das Gießener Bataillon nimmt ober mit seinen Tank- abwehrgeichützen (auch nur Atrappen) den Gegner so wirksam unter Feuer (Feuerwerkskörper), daß der Stoß der Kampfwagen unter schweren Verlusten des Angreifers abgeschlagen wird. Die Gießener behalten den Schlüsselpunkt Mehlischl Damit ist um 12.35 Llhr das Gefecht entschieden. Der Leitende der Hebung, Infanterieführer V Generalmajor Muff laßt „Das Ganze halt" blasen. Dann rücken die Truppen in* ihre Quartiere ab, teilweise wird erst noch die „Gulaschkanone" geleert, während sich die Offiziere zur Kritik auf dem M e h l i s ch einfinden. Hier begrüßt zunächst der Kommandeur der 5. Division, Generalleutnant Lä e b m a n n, die Pressevertreter mit herzlichen Worten, gibt seiner Freude über den Pressebesuch Ausdruck und bittet, der Reichswehr und ihrer Arbeit förderlich zu sein und ihre enge Verbindung mit der Bevölkerung nach Kräften noch zu vertiefen. Dann lädt er die Pressevertreter «in, der Kritik beizuwohnen. Die Kritik hält der Infanterieführer V, Generalmajor Muff, der bei seiner eingehenden Beleuchtung der Tagesergebnisse u. a. unserem Gießener Bataillon lobende Anerkennung für den Kampf um den Mehlisch ausspricht. Anschließend spricht noch der Kommandeur der Division, Generalleutnant Liebmann, kurz. Hervorzuheben ist besonders, daß der Truppe warmes Lob gespendet wurde, ebenso dem „Leitenden", Generalmajor Muff. Dann ging's heimwärts! Ilm 15.30 Uhr wieder in Mühlhausen, wo als Stärkung — am frühen Morgen nur Kaffee und ein Brötchen, sonst nichts den Tag über! — vor allem Kaffee getrunken wird. Das mag zunächst genügen (eine Zigarre ist Effenerfah!), denn nun muß der Bericht vor allem geschrieben werden, damit er morgen früh in Gießen ist und veröffentlicht werden kann. Roch eins: Das Wetter besserte sich erfreulich, schließlich sogar sehr schönes Wetter! Dreck siegreich überwunden! Tausende von Schlachtenbummlern — als Gäste der Reichswehr auch Oberpräfident Fuchs von Koblenz und der Regierungspräsident von Erfurt —, allenthalben herzliche Begrüßung der Truppen, größtes Interesse an ihrem Wirken. Das Gießener Bataillon bezieht die nächste Rächt Quartier in Holzsußra bei Ebeleben. sich in seiner Wohnung in der Potsdamer Straße Nr. 118 mit Deronal vergiftet. Wie verlautet, sollen wirtschaftliche Schwierigkeiten den durch seine gemeinnützigen Unterneh- mungen in weiten Kreisen bekannt gewordenen Arzt in den Tod getrieben haben. Schwere Ueberschwemmungsschäden in Japan. Auf der Insel Hokkaido sind infolge andauernden Regens alle Flüsse ans ihren Ufern getreten. Nach amtlichen Angaben ist mehr als ein Drittel des getarnten bebauten Bodens überschwemmt. Heber 14 000 Häuser stehen unter Wasser. Es werden auch Todesopfer gemeldet. Schweres Fährboolunglück in Japan. — 24 Arbeiter ertrunken. 3n hat sich, wie aus Tokio gemeldet wird, em schweres Fährboo tunglück ereignet. Infolge Kenterns eines Fährbootes er t r an? en 24 Arbeiter des Marinearsenals von £UtxL.$l^u&ri£en Fahrgäste konnten gerettet werken. Das Unglück ereignete sich, als viele auf dem Schiff befindliche Frauen plötzlich nach Fährbootes drängten, das in das Fahrwasser eines anderen Schiffes geraten war und daher zu schlingern anfing. Die Rettung der „fliegenden Familie" Hutchinson. *n e^ncm Dell der gestrigen Ausgabe be- ^^kurz gemeldet wurde, hat der Fischdampfer ^Lord Talvot" das Flugzeug des Amerikaners Hutchinson bei Ikersuak aufgefunden und ge- x ° rXc ”■ . acht Personen waren wohlauf: an .^"Okchine war wrack. Rach einer späteren Meldung aus Kopenhagen sind die Hutchinsons inzwischen an Bord eines britischen Fischdampfers wohlbehalten in Ostgrvnland eingetroffen. Im Finanzausschuß des Hessischen Landtages ersuchte ein Antrag der SPD. die Regierung, bei der Reichsregierung auf Aenderung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden hinzuwirken. Bei dieser Gelegenheit wurden von der Regierung die Steuereingänge genau bekanntgegeben. Hiernach sind in erheblichem Maße Reichssteuern aus geblieb en, die Landessteuern aber in letzter Zeit ätäkä's i sä“«1 wurde erklärt, dab nur solche Gemeinden L," ^zeigers eme Einladung zu den im berücksichtigt werden könnten, die selbst bie 6onbet86auIen.5ethgen|tat>t.2Hu6l6aufcn größten Anstrengungen machen wür- I (Tur.)-Langensalza stattfindenden den, aus ihrer Rotlage herauszukommen: insbe- BngüdeÜbUNaeN bet 5. Oivisl0N. sondere müßten die Steuer quellen voll ~ T ... . - , . nr .. . ausgeschöpft werden und die Gemeinden ®e™ ^stet unsere Redaktion dieser Auffordc- alles daran sehen, um die teilweise erheblichen F“ng Solge. Ich habe die Freude, den „Gie- Steuerrückstände einzuziehen. Der Antrag £5*^ Anzeiger 6CI diesem lnteressanten null» wurde dann mit den Stimmen des Zentrums und I irischen Ereignis vertreten zu dürfen. der SPD., bei Stimmenthaltung der Rational- Montag 12. September, 21.40 llhr, komme ich sozialisten, angenommen. über Kassel-Eichenberg-Leinefelde hier an. Ein Antrag der SPD. sah die Senkung des Mattes Mondlicht liegt bei wechselnder Be- Pachtzinses für landwirtschaftliche Grundstücke vor. wollung über dem Eichsfeld, das in den letzten Hiermit verbunden wurde ein Antrag des Land- Tagen die Hebungen des Infanterie-Regiments bundes auf Reufestsehung der Pachtsätze für fis- ^r. 15 und in dessen Verband unseres Gießener kalisches Gelände. Der SPD.-Antrag wurde durch Bataillons sah, beleuchtet auch das Gelände, Regierungsantwort für erledigt erklärt. Der bew sich im Laufe des heutigen Dienstag die Landbundantrag wurde angenommen. I „Schlacht" abspielen sollte. Weiter entspann sich eine lebhafte Debatte über 3m Standort des Pressequartiers, dem Solei „SaifetW in Mühlhausen, ersahre lie »Ullkichst nicht I ich eine frohe äleberraschung^ ich treffe hier «§ss. a,T?oJAa^>r^91’atnm sjn Hauptmann Faulenbach, der bis vor gut sol^s ÜÄUn9’?e Zwei Jahren Chef der 3. Kompanie unseres Oie» aufgestellt habe, in den hener Bataillons war, vorher schon mehrere Rucken zu fallen. * Jahre hier Dienst tat, nach seiner Versetzung sozialistischer Antrag den he.sischen P olizei- in Stuttgart u. a. die Presse betreut der ae- ö e r (5 5) C r h n r "h9^ meinsam mit dem prächtigen Major Jahn von Dart«? der 5. Division die Pressevertreter im Kampf- Vesnck» hrm nÄfhfh LV! ? ^.u gelände begleitet. In angenehmer Unterhaltung 9 ± dem alten Chef unserer Dritten verläuft eine feit zu politischen Parteien verlangt. . als Zweck des gemeinsamen Manöverbesuchs die Konferenz der nationalsozialistischen Herstellung engster Fühlungnahme zwischen f ÄnhorminifW Reichswehr und Zivilbevölkerung, Darlegung des A,aiWcrininifier. Arbeitens, Strebens und Hoffens unserer leider B e r l i n, 14. Sept. (DDZ.) Am Dienstagnachmit- noch allzu kleinen Wehrmacht. Altes sollen log tagten unter Vorsitz des Abgeordneten Feder, die Pressevertreter sehen, nichts wird ihnen vor- des Vorsitzenden des Reichswirtschastsrots der enthalten. Anschließend gibt Hauptmann Fau- NSDAP., die nationalsozialistischen Länderminister lenbach in übersichtlicher Schilderung an Hand von Oldenburg, Mecklenburg-Schwe- her Karte rin, Braunschweig, Anhalt und Thü. für X»n 1 3 ringen, um zu den nächsten Maßnahmen für Tur iJ.üepTCmDCr die Arbeitsbeschaffung Stellung zu nehmen, bekannt. Die Gefechtsaufgaben der Truppen sind Noch sehr anregender Aussprache wurde vollste folgende: Einmütigkeit erzielt. Rote hauptkräfte Abänderung der (nur Befehlsstellen dargestellt), von Südosten kom- • TV«»««™,» wend, haben bis zum Abend des 12.9. in erfolg» IH ^reUpkN. I reichen Kämpfen die allgemeine Linie Höhe. Leithe Berlin, 13. Sept. (WTB.) Das preußische (3 Kilometer westlich Blankenburg)—Neunheiligen— Staatsministerium hat eine 2. Verordnung zur Ab- Thamsbrück—Schönstedt—Weberstadt (in der Nähe änberung des Schlachtsteuergesetzes beschlossen, die Don Langensalza. D. Berichterst.) erreicht. Die Fort- am 14. September 1932 in Kraft tritt. Durch die Atzung des Angriffs Richtung Hüpstedt ist für den neue Verordnung wird der Finanzminister ermäch- 9. befohlen. iigt, Hausschlachtungen nicht nur von Das auf dem offenen rechten Flügel von Bad Schweinen, sondern auch von Kälbern unb Eennftebt über Ebeleben als Korpsreserve Schafen von ber Schlachtsteuer ganz ober zum vormarschierenbe verst. 14. Inf. - Rgt. (Volltruppe), Teil zu befreien. Im übrigen bringt bie neue dem bie Korps-Aufklärungsabteilung unterstellt ist, Verorbnung eine teilweise Abänberung des hat Befehl erhalten, am 13.9., nördlich Mühlhäuser bisher geltenden S ch l a ch t st e u e r t a r i f e s. Die Hardt vorgehend, auf Hüpstedt vorzustoßen, um neue Schlachtsteuer beträgt danach für Ochsen 18 bis sich dem Feind, mit dessen Zurückgehen gerechnet 36 Mark, für Kälber 2 bis 4 Mark, für Magerkühe wird, am Duen vorzulegen. 7 bis 22 Mark, für Schweine 2 bis 10 Mark unb Das Regiment, auf Straße Großenehrich—Wem- für Schafe über 20 Kilogramm 1,50 Mark. genehrich—Dellstedt anmarschierend, erreicht am -- 13.9. 7Uhr mit dem Anfang der Dorhut ben Ost- ff" eingang von Rockst ebt. Die Korpsaufllärungs- fÜr I abteilung hat 4.30 Uhr Ebeleben erreicht, um Don bort °us auf die Höhen südlich Holztlchleben jyDOVCr- vorzugehen unb in Richtung Hüpstebt aufzuklären. Führer Rot: Oberst Blaskowitz (Kom- . Demorratlscher Wahlstea manbeur des 14. sBad.j Jnf.-Rgts.). del den Bundcswahlen ,m Staat Maine. Truppen: Jnf.-Rgt. 14 (Konstanz, Tübingen, Portland (Maine), 13. Sept. (Tll. Funk- Meiningen), Hl. Abt. A.-R.5 (Ludwigsburg), Pion.- spruch.) Die Bunbeswahlen im Staat Maine er- $atr- 5 (Ulm), 2. Komp Kraftf.-Abt. 5 (Ulm) mit gaben einen demokratischen Wahlsieg. Dos Er- Kampfwagennachbildungen, Teile des R.-R. 18 und gebnis gilt als bezeichnend im Hinblick auf die öie 31 (mot) Komp, des Pion.-Batls. 5 als Korps- Pväsidentenwahl im Rovember, da in dem repu- aufkl.-Abteilung. blikanischen Stützpunkt Maine seit 18 Jahren ■—**—*■—*■—bb**—*** Aufstellung zum Präsid^ts^asts1an^ibat'e?E Er starb, ohne seine Frau heute, nach den ersten Auswirkungen in Maine noch einmal geseyen zu haben noch stärker als früher als alücklichen Schack^uö t r Hinrichtung Gorguloffs werden noch begrüßt. Wie Main^ wählt^ wäAt^ d^ ganz^ I m-tgeteilt: Heute früh wurde Land, erklärt man. Der Sieg der Demokraten C8ertrete^ des Staatsanwalts, hat gleichzeitig auch den Sieg des demo" ^-beamten begleitet war. geweckt, kratischen Kandidaten Brunn Erbracht, Ä Y ??? der mit einer kleinen, aber genügenden Mehrheit n ^öffnet, daß -um Gouverneur des Staates Maine r»;ne ra^-m9i » 9 x n 5 Qb«-CJC«Iltc Horden gewählt wurde. — Die republikanische „Reuhork Aur.de vann firrs Schafott her- Rews" unterstreicht, daß alle gewählten Demo- ^?n schnitt ihm den Hemdfragen ab traten GeqnerderDro b - b i t i o n sind Ä bereitete ihn auf seinen letzten Gang vor. Während die geschlagenen Republikaner tdte S ^uc Aichtstätte sprach Gorgulosf „trocken" sind tells in der Drobibillnns^ Don- fe,n£r ?rau und bat eine Begleitung, — »ÄÄÄ* | % ’ST «k rzeihung bitte, was er ihr angetan. Aus Oller «weit Sie möge bas Kind, das sie in einigen Wochen I erwartet, gut, d. h. in seiner Ideenwelt auf- Die Hinrichtung gepen. — ©orguloff trank noch zwei Gläser Rum, l _ I die man ihm anbot. Dann umarmte er den grie- oes prästdenienmor-ers Gorguloff. chisch"orthodoxen Geistlichen und bestieg das ^^tnuM6®™7uUfigoaFf8.(5^ Lat6ti,^omUJ^n6toCiC6fels und die Entdeckung seiner lockenden Schmackhaftigkeit in die Schuhe schieben, so können wir es getrost Adam und Eva tun. soweit überhaupt ihre Füße bekleidet waren. Die Schlange, »schändliche Verführerin", bot den Apfel dar, Adam, der arme, von Eva betörte Mann, biß in den sauren Apfel seiner Liebe, nichtsahnend der bösen Folgen, die ihm vom paradiesischen Leben -um sauren Broterwerb verdammten. Angefangen bei Adam und Eva, liehe sich die Entwicklungsgeschichte der Menschheit am Apfel nachweisen. 3n goldener Schale wurde er von Atlas auf Befehl des Herakles aus dem Garten der Hesperiden gestohlen. Von dem Trojanischen Kriege entbrannte im Göttersaal ein Streit zwischen Hera, Athene und Aphrodite um den Besitz eines goldenen Apfels, der der Schönsten gehören sollte. Pari- fiel das schwierige Los zu, von den drei Frauen eine als die Schönste zu erklären. Heras Länderversprechungen, Athenes Ankündigung kommenden kriegerischen Ruhms übertraf die einfache Versprechung Aphrodites, die dem Paris die schönste Frau und damit die Liebe anbot. Ihr fiel der Preis zu, und somit trafen Paris der Hah und die Verfolgung der verschmähten Rebenbuhlerinnen. Der Fall in Sünden, der Fall in Hader und Verfolgung haben nichts zu tun mit Rewton, der auf Grund eines fallenden Apfels die Gesetze des Falles für alle Zeiten festlegte. Roch einmal siel ein Apfel, getroffen von dem meisterhaften Schützen Dell, mitten in das Zeitgeschehen. Jetzt im Herbst, wenn die Apfelernte beginnt, wenn wir einen dieser runden, saftigen Gesellen in die Hand bekommen, werden wir Wohl ein wenig nachdenklich den so harmlos aussehenden Fruchtball betrachten, der zu allen Zeiten so wichtige Entscheidungen herbeiführte. Heute würde kein Apfel mehr riskieren, um eines Apfels willen das Paradies aufzugeben. Der Apfel hat seine Wichtigkeit verloren — zu Fall könnte er nur noch den bringen, der auf einer nachlässig hingeworfenen Apfelschale ausgleitet — und das gehört ja dank unserer eigenen Aufmerksamkeit und den Straßenfegern zu den Seltenheiten. De. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: 16 Uhr, große Iugendvor- stellung „Emil und die Detektive"; ab 18 Uhr: „Die Gräfin von Monte Christo". — Der Bund für Haus und Schule veranstaltet am Freitag, 16. September, 20.15 Uhr im Johannessaal einen Lichtbildervortrag. Die Herren Klemmrath und Stroh sprechen über eine Reise in das Land der Mitternachtssonne. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. •* Obst- undGartenbauausstellung. Zu der gestrigen Rotiz über die Preisträger der diesjährigen Obst- und Gartenbauausstellung tragen wir nach, daß die Aussteller Amtsgerichtsrat Gros, Gerichtsvollzieher Junker und älniversitätsgarteninspektor i.R. Rehnclt nicht einen 1. Preis, sondern je einen Ehrenpreis des Landwirtschafts-Kammer-Ausschusses der Provinz Oberhessen erhalten haben. Bundestreffen des Heffenbundes. WSR. Friedberg, 13. Sept. Am Samstag und Sonntag fand hier das Dundas treffen des Hessenbundes statt, das etwa 1500 junge Leute zusammenführte. Aus allen Gauen des Hessen, l an des waren die Jugend gruppen des Bundes mit ihren Führern erschienen. Das Treffen wurde am Samstagabend mit einer Gedenkfeier an der Ehrenhalle der Gefallenen des Weltkrieges eingeleitet. Ein Fackelzug schloß die für den ersten Tag vorgesehenen Veranstaltungen ab. Aus der Reihe der sonntäglichen Veranstaltungen seien hervorgehoben der Festgottesdienst in der Stadtkirche, eine Kundgebung am alten Kriegerdenkmal, sowie ein imposanter Festzug. der durch die sah- nengeschmückten Straßen der Stadt nach der Seewiese führte. Die Feierlichkeiten waren umrahmt von einer Reihe von Ansprachen, die u. a. von Dundesführer Pfarrer Pape, Pros. Stroh. Oberkirchenrat Zentgraf und Oberschulrat Hassinger gehalten wurden. Außerdem waren anwesend Vertreter der Stadt Friedberg und des Kreisamts. Oie Herbstschuhmode 1932. Der Herbst steht vor der Türe. Dringende Reuanschaffungen sind nötig. Deshalb muh sich jeder mit der Frage beschäftigen, was bringt die Mode und wo decke ich meinen Bedarf am zweckmäßigsten. Die Schuhmode des Herbstes zeichnet sich durch besonders aparte, neuartige Modelle aus. Die Dame trägt außer den immer wieder beliebten Spangenschuhen auch Schnür- oder Dreiösenschuhe in allen Lederarten mit Trvtteur- oder L XV-Absätzen, hauptsächlich in braun und schwarz. Besonders bevorzugt sind auch Lackleder, schwarz Chevro- und Wildleder. Die Modelle haben auch in den niedrigen Preislagen fast immer eine elegant wirkende Paspelung oder Schlangenlederverzierung. Für den Spätherbst und Winter werden Kragenstiefel in schwarz und braun Boxkalf mit warmem Futter gerne gekauft. Jedoch wird für kalte und nasse Tage der Heberschuh — in diesem Jahre in besonders ansprechenden Formen, Farben und Ausführungen — viel gefragt werden. In der Herbstmode werden wie seither hauptsächlich Halbschuhe gebracht, dabei sind schlanke Formen neuerdings besonders gesucht. Für Echlechtwetter wird der Doppelsohlenstiefel jedoch wieder getragen werden. Eine ganz besondere Rolle spielen jetzt elegante Schuhe, die besonders bequem und mit Gelenkstütze versehen sind. Für Frostballenleidende wurden viele bequeme Formen mit nicht zu hohem Absatz herausgebracht. Für die Schuljugend werden Stiefel aus kräftigem Oberleder möglichst mit Dvppelsohlen am besten entsprechen. Selbstverständlich wird auch der Kamelhaarschuh wie in früheren Jahren als warmer Hausschuh hauptsächlich gesucht. Oberheffen. * Lich. 13. Sept. Am Samstag und Sonntag hatte unsere Stadt die Mitglieder des Marburger Männergesangvereins „Liedertafel" zu Gast. Die »Liedertafel" war einer Einladung des hiesigen Männergesangvereins „Cäcilia", gefolgt, der mit dem Gastverein schon seit Jahrzehnten eng verbunden ist. Am Samstagabend gaben beide Vereine, denen sich auch der Frauenchor Lich anschloß, in der Türnhalle einen Liederabend. Rach der Eröffnung durch die Kapelle Schmidt traten zunächst die »Liedertafel" und die »Cäcilia" als Gesamtchor zu einem Vortrag von Schuberts »Sanctus" an. Eine Anzahl weiterer Chöre sowie verschiedene Einzelvorträgc füllten den Abend aus und unterhielten die Gäste auf das angenehmste. Die 2 Vereine verfügen übrr erstklassiges Stimmenmaterial, das unter der kunstverständigen Führung der Herren R o d h e (Marburg) und I l g e (Butzbach) eine ausgezeichnete Ausbildung erfahren hat. Besondere Anerkennung gebührt dem Frauenchor Lich, der unter der Leitung der Musiklehrerin Fräulein Jäger mit drei schönen Volksliedern aufwartete und vielen Beifall fand. Im weiteren Verlauf des Abends wurde der Ehrenvorsitzende der »Cäcilia", H. S ch m i d t VIII., zum Ehrenmitglied der „Cicbertakl“ Marburg ernannt. Am Sonntagvormittag wirkten beide Ver. eine im Hauptgottesdienst in der Marienstists- kirche unt> trugen unter Leitung von Lehrer I l g e verschiedene Chöre vor. Rach dem Gottesdienst wurden den Marburger Gästen die Sehenswürdigkeiten der Marienstiftskirche gezeigt. Kunst und Wissenschaft. 92. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte. Während der Ende September in Wiesbaden und Mainz stattftndenden 9 2. Versammlung Deutscher Raturforscher und Aerzte, wird Prof. Dr. H. Friedenthal, Berlin, in Mainz über „Dlondheit und Albinismus bei Mensch und Tier" sprechen. Geheimrat Dr. Arthur von Weinberg, Frankfurt, wird „Die Bedeutung der Fairbstoffe für die Organismen" behandeln. Exz. Prof. Dr. Paul Walden, Rostock, spricht in Wiesbaden, über „Goethe und die Raturwisfenschasten", Prof. Dr. G e r l a ch , München, über „Alte und neue Methoden der Lichterzeugung". Den Abschluß der öffentlichen Abendvorträge in Wiesbaden gibt Prof. Dr. Rinne, Freiburg i. Br., der „Raturwissen- schaftliche Grenzfragen des Lebens" behandeln wird. Musikalische Darbietungen mit dem Reo- Dechstein-Flügel finden im Kurfürstlichen Schloß in Mainz und im Kurhaus in Wiesbaden statt. Wilhelm-Raabe-volkspreis für Ernst Mechert. Der von der Raabe-Stiftung am 8. September, dem Geburtstag Raabes, erstmalig verliehene „W i l- h e l m - R a a b e - V o l k s p r e i s für deutsche Dichtung" wurde dem Dichter Ernst Wiechert für seinen neuen Roman „Die Magd des Jürgen Doskocil" zuerkannt. Wettervoraussage Ein Ausläufer des Jslandtiefs hat sehr schnell die Warmluft oorgetragen und dabei in den heutigen Morgenstunden zu recht ergiebigen Niederschlägen geführt. Der Randwirbel wird zunächst noch uuf die Wetterlage einwirken und unter wechselnder Bewölkung oereinzeste RegenföUe bringen. Wenn auch der Luftdruck über dem Festland ansteigt, so dürfte dadurch noch kein störungsfreies Wetter in Aussicht stehen, zumal an der Südseite des Jslandtiefs noch weitere Vorstöße feucht-milder Luft zu erkennen sind. Aussichten für Donnerstag: Dunstig und bewöllt mit Aufheiterung, vorerst noch Riederschläge, im ganzen mild. Lufttemperaturen am 13. September: mittags 17,6 Grad, abends 13,2 Grad; am 14. September: morgens 15 Grad. Maximum 18 Grad, Minimum 11,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 13. September: abends 17,1 Grad; am 14. September: morgens 15,3 Grad Celsius. — Niederschläge 9,2 mm. — Sonnenscheindauer VA Stunden. Illustrierte des Gießener Anzeigers Am Samstag, dem 17. September, beginnt: DieSnsel der Lievgangenbett ZRoman von Hans Berndt Dieser Erstabdruck schildert die Schicksale zweier junger Mädchen, die auf einer Luftichiffreise mit einem Riesenluftkreuzer verunglücken und mit allen Passagieren auf eine einsame Insel an der Küste Südamerikas verschlagen werden. Oie Reisegesellschaft wird durch den Unfall getrennt, befindet sich aber ohne voneinander zu wissen, auf der gleichen Insel der Vergangenheit. Erst die Bemühungen zur Rettung und Rückkehr in die Welt führen beide Teile unter spannenden Erlebnissen zusammen. Oie Schahhöhle der alten Inkas wird aufgefunbet, und ein Zufluchtsort der im Mittelalter als Seeräuber gesürchleten »Flibustier" wird entdeckt. Farbenprächtige Schilderungen wechseln mit aufregenden Zwischenfällen in lebhafter Handlung ab, in denen sich ein Meister der Unterhaltung offenbart. Oer glückliche Ausgang des Abenteuers und endliches Sichfinden der Lebenden ist Abschluß. Man bestelle den Gießener Anzeiger mit seinen vier eigenen Beilagen von Mitte September an Heute Mondfinsternis. Wit tim Mondfinshrnh tntstthf:} Unten Der_Mond geht durch den Schatten.derjrde: /V\y Oben Unsere beiden Skizzen zeigen bas Entstehen und den Verlauf einer fast totalen Mondfinsternis, wie sie am Abend des 14. September zu beobachten fein wird. Die Dollrnondfcheibe tritt um 20.18 Uhr in den Erdschatten ein, von dem sie schließlich bis zu 98 v. H. bedeckt wird. Um 23.43 Uhr ist die Mond- fcheibe dann wieder voll sichtbar. Sewinnauszng 21297V 224050 234915 236483 254016 261708 267892 275962 30. Ziehungstag 12. September 1932 Sn der heutigen Schluß-Ziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 88199 12602 74804 85000 107613 6519 7814 13621 14397 Schluß Prämie«. Ä M' ene Nummer sind zwei Prämien zu gefallen, und zwar je eine auf die Lose gleicher Nummer in den Abteilungen I und ll 285336 362543 308383 377950 123800 152505 1923 27714 88108 105932 155984 251157 271231 295805 367366 131777 160457 114405 140816 190676 122891 146864 198358 253799 281229 355209 194552 251264 308086 353924 108062 142569 173440 202226 218942 233377 254366 279315 331739 360113 382959 109385 136261 167549 133134 144273 184572 206688 220581 240690 272593 282634 344674 366763 162617 218783 281333 338069 393460 29465 138788 211056 262676 322434 384677 136052 146222 185091 212060 224359 245223 272842 285114 351120 375156 116437 144933 192931 251278 278053 324609 102332 136447 146332 192863 212768 225845 246456 275533 288683 352496 377688 103230 137740 162791 196630 215145 233290 249755 279135 291446 353274 381774 173397 250182 294753 348909 117511 143270 179200 206151 220245 238820 255440 282274 337310 363537 395594 202156 254247 310039 363791 301969 373936 115319 328891 31835 153912 218501 280839 327030 385117 159593 329640: 376811 923 23175 49465 59068 131695 152891 153516 244571 265892 325340 397812 11236 19019 47419 61962 336893 366234 386479 72 »etoinne iu 500 M. 567 1212 37265 47909 65593 81277 138457 2 öttolmt« |i 1000 M. und 2 Prämien ju 500000 W. aus Mr. 341976 391766 166 ®«6>fnne «n 500 HL 4835 25970 25985' 29328 36251 37442 38544 43019 43950 45615 49635 50642 55278 56576 66766 71229 77394 85850 07731 334689 344318 361532 40 ®«tDinne m 2000 M. 69299 122455 128921 227280 241865 242895 355605 371903 382111 2 »«Win«. in 10000 TL 145726 12 »ewinne ,° 5000 M. 21291 141278 167673 235583 284268 370016 30 »«winn, iu 3000 M. 15505 16399 48218 61274 68064 93698 166071 213522 225363 272748 274047 32602 53758 56179 57823 68708 100433 163471 191872 271482 282643 303610 6 »«Winne ju 5000 M. 12 »«Winne zu 3000 M. 214401 340125 26 »«Winne in 2000 M. 105968 135670 147091 301966 325292 339700 40 »«Winne zn 1000 W. 96 »«winn, zu 1000 M. _____ 74330 82493 86810 91591 104701 5. Klaffe 39. Preußisch-Süddeutsche (285. Preuß.) Staats-Lotterie. Ferner steten: 2 Gewinn» iu 50000 TL 157099 Nachdruck verboten 10. September 1932 Ohne Gewähr 29. Ziehungstag In der heutigen Ziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 13408 46034 58592 103139 108536 113963 118802 122374 129077 131960 134561 135180 140432 144457 158141 161135 165029 172364 175566 184376 194701 201394 222276 229112 231002 249234 255591 266698 271949 273347 275132 277629 281969 282078 292256 299792 306096 306479 309420 314375 317444 323293 332869 357909 369089 379246 387478 391259 392117 395100 Die Ziehung der 1. Klaffe der 40. Preußisch- Süddeutschen (266. Preußischen) Staatslotterie findet am 2L und 22. Oktober 1932 statt. Un schweren Zeiten zeigt sich's erst recht, wie wichtig Kaifee Hag für Herz und Heroen ist echt ist der Tabal ecR sind die Bilde Man raucht CLUB„weil sie rein macedonisch, weil sie die effektiv beste 3$ Pfennig-Zigarette ist. Und echt Bromsilber--—— Photo sind die Bilder: -Die schönsten Frauen der Welt”®®^ Ein Sammel-Album erhalten Sie ffir 75 Pf. bei jedem Zigarettenhändler oder gegen Einsend, von 150 großen bzw. 500 kleinen Gutscheinen v.d. Bilderstelle Lohse, Dresden-A. 24, Nossenerstr. 1 ömlks Btmiitils Romern von Hertha Fricke LIrheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister. Werdau 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten. ..Was heißt denn fromm?" lächelte der Aeltere. ..Ich möchte einmal einen wirklich denkenden Menschen sehen, der Atheist ist! Der da zu streiten toagt, das) hinter dem wunderbaren Geschehen der Natur und des Lebens nicht ein bewußter Wille steht! Aber wir sprachen von meiner lieben Alten! Das Ereignis, lieber Kollege Andresen, das Ereignis, das für sie unfaßbar war, hat die Funktionen ihres Geistes verwirrt. Ihr Geist war nicht mehr widerstandsfähig genug. Lind so suche ich bei allen meinen Kranken, die ohne schwere körperliche Verletzung oder Veränderung plötzlich in Verwirrung geraten, stets zuerst das Ereignis, das durch seine Wucht imstande war, sie zu verursachen, Habe ich das gefunden, so habe ich die Möglichkeit, zu helfen und zu heilen. Das Schwierige bei dieser Theorie ist, daß sie das Ereignis oft vergessen haben, daß es sich selten so klar dartut, wie bei meinem Mütterchen, das seinen Iungen sucht. Die meisten haben es vergessen, und doch sitzt es fest in ihrem Llnterbewuhtsein, wie ein hemmender Keil in einem Räderwerk, uns nicht erkennbar, die wir es finden müssen! Lind nun fand ich einen neuen Weg, daß diese Llnglücklichen sich auf tun!" Dr. Andresen sah hell und erwartungsvoll in das geistvolle Gesicht des Sprechers. „Die Hypnose, Herr Professor?" Der nickte. Da sprang der Iüngere auf. „Herr Gott, das ist ja der Weg, den ich schon lange gehe in Gedanken. Der Weg, den ich nicht zu zeigen wagte, weil ich noch jung und unbekannt bin! Lassen Sie mich helfen, diesen Weg zu suchen, ihm nachzugehen, Herr Professor! Ich komme zu Ihnen!" Der Aeltere gab ihm die Hand. „Topp, Herr Kollege! Schlagen Sie ein! Lösen Sie Ihre Verpflichtungen in Hamburg. Ihr dortiger Chef hat Sie mir warm empfohlen! Lind wenn es Ihnen möglich wäre, mit ein wenig Kapital einzutreten, so könnten Sie gleich Teilhaber werden. Es läßt sich noch soviel verbessern, noch so manches aufbauen, wenn man ein bißchen mehr hinein stecken kann." „Ich habe Vermögen, Herr Professor, und stelle es gern zu Ihrer Verfügung! Eine Bitte hätte ich freilich dabei. Ich stehe im Begriff, mich zu verloben, stände eine bescheidene Wohnung im Bereich der Möglichkeit?" Da schlug der Professor ihm erfreut aus die Schulter. „Aber von Herzen gern? Herzlichsten Glückwunsch!" „Noch fehlt mir das Iawort der Erwählten, Herr Professor!" lächelte Dr. Andresen. Aber er sah zuversichtlich aus. „Dis dahin darf ich Ihren Glückwunsch wohl verwahren?" „Sie kommen mir nicht vor, als wären Sie irgendwie im Zweifel! Ich möchte auch das Mädel sehen, das solchem lieben Kerl einen Korb gibt!" Heinrich zog seinen Mantel an. DerProfessor gab ihm das Geleit bis an das Gitter seines kleinen Vorgartens. Dann schritt Andresen rasch und munter durch die Kieswege des traurigen Gartens, der doch so freundlich war. Das große, schwere Tor schloß hinter ihm der Pförtner, und er ging. die breite Pappelallee entlang dem Bahnhof zu. „Die sichere Lebensstellung ist da, die Wohnung steht zur Verfügung — Eva-Marie, was braucht's nun noch?" Am liebsten hätte er wie in seliger Burschenzeit laut jodelnd den Hut in die Lüfte geworfen. Aber das schickte sich doch nicht für den künftigen Assistenten des Professors Martinik, sonst hätte man glauben können, er sei einer der Insassen jener berühmten Nervenklinik! Aber zumute war ihm so! Der Zug nach Hamburg lief donnernd und fauchend eins Es war «in l)-Zug, und der ging n-och zu langsam! Ob Eva-Marie nun endlich geschrieben hatte? Ob er einen Brief vorfand? Sie hatte lange nichts von sich hören lassen! Ob sie in Groß-Kubitz war bei den Verwandten? Oder ob sie eine neue Stellung suchte als Gesellschafterin? Das konnte nun unterbleiben. Die kurze Zeit zwischen Verlobung und Hochzeit blieb sie doch sicher bei der Mama. 17. Wunderschöne Gedanken waren es, die Heinrich Andresens Gesicht.immer wieder aufleuchten ließen. Manches Mäöel unterwegs guckte ihm unter den Hut, in die hübschen, strahlenden Augen, die durch soviel verschwiegenes Glück eine ganz eigene Anziehung hatten. Manche sah ihn wohlgefällig, manche unternehmend an, und die Blicke sagten alle: „Dich mag ich!" Aber er sah vorbei, in eine rosige Zukunft hinein! — Eva-Marie! — Eva-Marie als seine süße, liebliche, kleine Hausfrau! — Eva-Marie sein Weib! Sein! Es war gut, daß der Eisenbahnwagen eine Decke hatte, sonst wäre der Hut doch noch in die Lüfte geflogen. Hamburg lag in dickem, schwerem Nebel. Diese dicken, feuchten, geballten Nebel, die Hamburgs Spezialität sind, drücken manchem Menschen so aufs Gemüt, daß kein froher und leichter Gedanke standhalten kann. Aber Dr. Andresen focht er nicht an. Er schlug den Mantelkragen hoch und nahm sein Köfferchen in die Hand. Vergnügt lachte fein frisches, männliches Gesicht unter der breiten Krempe seines weichen Hutes hervor. Ein Bekannter begrüßte ihn: „Willkommen in der Heimat, Doktor!" „Heimat? — Ach wo! Die bau ich mir ganz wo anders, Herr Werner! Das ist mir hier zu nah! — Puh, — Grogkellerwetter! Heiße Würstchen mit Salat frei Mutter Kalkreut! Tun Sie mit?" „Aber sicher!" Munter schritten die beiden Männer weiter und stiegen in einen Keller hinab, wo ein merkwürdig gutes Publikum verkehrte. Meist Männer, denen man ohne weiteres die akademische Bildung ansah, dazwischen alte Kapitäne, jüngere Schiffsoffiziere mit offenem Blick und frischem Aussehen. Verschiedene begrüßten die Ankommenden. Das dampfende Getränk kam bald und hob di« Stimmung noch mehr. Aber der Doktor blieb nicht lange, trotzdem er dort ein gern gesehener Zech- genosse zu sein schien. Er trank seinen Grog aus und grüßte alle freundlich: „Nein, heute laßt mich! Heute muh ich beizeiten heim! Wichtige Briefe!" „No, na!" neckten die anderen. „Warum nicht?" lachte der Doktor vergnügt. „Mensch, Haben Sie das große Los gewonnen?" fragte ein netter Bekannter den Doktor. „Sie strahlen ja übers ganze Gesicht!" „Ich will erst!" sagte Dr. Andresen und zog seinen nassen Mantel an. „Auf Wiedersehen!" „Dann wollen wir nicht stören!" riefen die Freund« und schüttelten ihm die Hand. Fort war er! Die Kellerstufen wieder hinauf, in die elektrisch« Dahn und ohne Aufenthalt nach Haus« und in sein Zimmer. Ob nun Post da war? — Briefe von Eva- Marie? — Nein? — Das war doch nicht möglich? — Er warf Hut und Mantel ab und blätterte noch einmal sorgfältig seine Post durch. Rechnungen, Drucksachen von medizinischen Ap- parategeschästen, Heilmittelreklamen, kein Brief, der Eva-Maries gewohnte Handschrift trug, die lieben kleinen Kringel und Bogen, mit denen er sie immer geneckt hatte. Ein einziger war aus Berlin, hatte eine ungeläufige Kinderhandschrift. Gerti! Was will die Kleine, sie schreibt mir doch sonst nicht? Lind vier Seiten? Enttäuscht zog er sich um, ehe er den Brief des kleinen Mädchens auseinanderfaltete. „Lieber Onkel Heinrich! Cs ist so was Furchtbares passiert, daß ich es Dir schreiben muh, denn nächst meiner sühen Mutti bist Du «s wohl doch, der Tante Eva am liebsten hat. Von zu Hause haben sie mir gar nichts gesagt. Denn ich bitte Papa immer, daß er mich Sonntags mit dem Wagen abholt, und dann fahren wir ein bißchen weg. Denn was soll ich zu Hause, wo ich immer weinen muh, daß Mutti nicht mehr da ist. Lind die alte, gräßliche Spinne von Hausdame habe ich noch nie gemocht.^In dem Schwesternkleid ging sie noch, aber nun in einem modernen Schlüpfkleid und mit gebrannten Locken sieht sie zu albern aus. Papa war sehr zerstreut letzten Sonntag und antwortete mir immer so, als wenn er bloß halb hingehört hätte, und wie ich ihn fragte, wo Tante Eva wohl wäre, sagte er ganz böse, von dem Frauenzimmer sollte ich gar nicht mehr reden, und wo sie wäre, könne er mir doch nicht sagen. Da war ich denn ganz traurig, denn sie hatte mir doch versprochen, mich öfter mal abzuholen, und ich mochte sie doch so gern. Da gibt mir am andern Tag meine Freundin Doris Heller die Zeitung und sagt: ,Du, ist das bei Euch passiert?^ Lind ich lese es und mir wird ganz schrecklich zumute. Die gute Tante Eva, die Mutti so lieb gehabt Hat, soll Mutti vergiftet haben, und sie soll Mutti dann den Schmuckkasten gestohlen haben. Kannst Du das glauben? Ich kann es nicht und denke immer, ob da nicht die alte Hexe, die Hausdame, dahintersteckt. Denn die war immer beleidigt den ganzen Tag, wenn Du mit Tante Eva spazierengegangen bist. Siehst Du, Onkel, so dumm bin ich auch nicht mehr! Lind nun soll Tante Eva-Marie int Llntersuchungsgefäng- nis fein! Da stirbt sie ja darin vor Angst und Schande, und ich glaube es nicht! Rein, Onkel Heinrich, ich .g[auibe es nicht! Lind wollte Dich bitten, komm doch bald her, und sieh nach, ob das Schreckliche wahr ist. Lind wenn es nicht wahr ist, dann hilf Tante Eva! Es kann ja nicht sein! Du bist ja so gescheit, Du wirst es schon herauskriegen. Ich bin so traurig, daß ich abends immer weinen muß und nicht fchlasen kann und habe Sehnsucht nach Dir und nach Mutti und nach Tante Eva. Ditte, lieber Onkel Heinrich, schreibe mir doch ein einziges Wort, ob Du es glaubst, und ob Du kommst! Mit herzlichen Grüßen Deine Dich liebende Richte Gertrud Andresen." Der Doktor las und las, schüttelte den Kops, las wieder den kindlichen Brief der Kleinen und den Zeitungsausschnitt, den sie dabeigelegt chLtt«, und konnte das Ganze weder fassen noch begreifen. Aber es war ja klar, daß das, was seine kleine Nichte ihm in ihrer Herzensangst ge- fchrieben hatte, nicht aus der Luft gegriffen war, und in diesem abscheulichen Zeitungsbericht stand Eva-Maries Name und der Name seiner toten Schwägerin. Teufeleien dieser «lenden Elisabeth, etwas anderes konnte es nicht fein! Denn et kannte doch Eva-Mari« von Diemen. Wo war in di«f«r reinen Seele ein Tropfen niedriger, dunkler Schuld! Wo auch nur «in finsterer Gedanke! (Fortsetzung folgt.) Denken Sie an Stoffe, denken Sie an L. Bernard Gießen (Gutenbergstr. 24), den 13. September 1932. Gießen (Gnauthstraße 42), den 13. September 1932. 6139 D im 77. Lebensjahre. 6451 D Grüningen, Großen-Llnden und Leihgestern, den 13. September 1932. «445 ül Die Beerdigung findet Freitag, den 16. September, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. __0S282 Dortmund-Marten und Bellersheim, den 12. September 1932. Die Beerdigung findet statt in Bellersheim (Kreiß Gießen) Freitag, den 16. September, nachmittags 3x/2 Uhr. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Friedel Deiß, geb. Bodden Inge, Ruth und Werner Deiß Lehrer Deiß und Familie Pfarrer Bodden und Frau. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 15. September, nachmittags 2*/a Uhr, in Grüningen statt. Die Beerdigung findet Freitag, den 16. September, nachm. 2.30 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt — Beileidsbesuche dankend verbeten. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Katharina Elisabethe Dem, geb. Gilbert Heute wurde unsre hebe, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Johanna Ruckstuhl geb. Schmidt von ihrem langen schweren, mit größter Geduld ertragenen Leiden im Alter von 62 Jahren durch den Tod erlöst Die trauernden Hinterbliebenen. 2 Zimmer Schrift!. Ang. unt. 05289 an d. G. A. Todes-Anzeige. Heute früh 6 Uhr entschlief sanft nach kurzer Krankheit mein lieber Mann, unser guterVater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Johannes Dern, Landwirt Statt Karten. Heute verschied plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater, unser Heber Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Pfarrer Reinhard Deiß durch einen Unglücksfall im 42. Lebensjahre. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe Mutter, Großmutter und Urgroßmutter Marie Röder Jabrik-Mume 3—400 qm, auch geteilt, Dammstr. — Ecke Nordanlag., für jeden gewerbl. Betrieb geeignet, sofort zu verm. Näheres A. Becker, Keplerstraße 9 Tel. 3804. Ma,p | Mietgesuche Mi.wohn-u.saMz evtl. Einzeln, (vart) nn Zentr. gesucht, schriftl. Ang. unt. 05287 a. d. G. A. [Wohnungstausch] Wohnungstausch! Geboten: Billige 4-Zimmerwohnung Gesucht: 2- bis 4- Zimmer-Wohnung. Schriftl. Ang. unt. 05267 a. d. G. A. | Stellenangebote | Herr oder Dame Postvers., kl. 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Dinding ausmachte, ist auch sein neuestes Buch •), das vor einiger Zeit bei Rütten und Loening in Frankfurt erschien: ein Düchelchen eigentlich nur, schmales Bändchen, noch nicht einmal fünfzig Seiten stark: es heißt ,Mosel- fahrt aus Liebeskummer. Aovelle in einer Landschaft". Darin wird beschrieben eine kleine Reise durch das Moseltal von Cochem bis nach Trier, und die Fahrt durch diese Landschaft ist zugleich eine Fahrt nach der Weinkarte: alle bedeutenden Lagen und Marken werden, wenn nicht gekostet, so doch mindestens im Borüberfahren genannt und mit der frommen und freundlichen Hochachtung des Kenners gewürdigt. Schmal gewundener Fluh und die Landschaft in ihrer „ruhigen Leichtigkeit": der Dolksstamm, welcher dort siedelt, in seinem Denken und Tun: der Wein, der da wächst und die Gegend berühmt gemacht hat weithin, werden beschrieben — ohne Reberschwang und ohne falsche Romantik, vielmehr mit einer gewissen herben und fast nüchternen, jedenfalls sehr männlichen Bewußtheit und Klarheit, doch so, dah man einen Abglanz des Gesehenen und Erlebten im Duft des betoegten Wassers, im Aroma des rassigen und noblen Weines, in der kulturvollen Eigenart der kleinen schiefergrauen Dörfer und Städtchen beim Lesen mit Freuden empfängt und empfindet. Was geschieht? So gut wie nichts. 3n Cochem, am Abend, begegnet der einkehrende Dichter einer unbekannten, jungen Dame: „Moselaal blau" stiftet auf eine nicht alltägliche Weise die Dekanntschast.. am anderen Morgen. Unö wie von ungefähr machen sie nun ganz kameradschaftlich ihre Reise äu zweit. Das Mädchen ist „eine Zigeunerin", sie hat ein Erlebnis hinter sich, sie befindet sich auf der Moselfahrt aus Liebeskummer und in Deilstein trinkt sie ihrem Begleiter zu: „Ich wünsche mir, dah ich am Ende der Fahrt geheilt bin — und Sie dann liebeskrank". Aus diesen Trinkspruch gründet sich die leise Spannung des Lesers. Aber am Ende der Fahrt, in Trier, ist die junge Dame, nach der letzten gemeinsamen Abendmahlzeit, ohne Abschied spurlos verschwunden. Der Dichter fährt ein paar Tage später von Trier aus stromabwärts allein wieder heim, den Weg zurück, auf dem sie gemeinsam gekommen sind. Das ist das Ende, das ist schon alles. Ein Künstler wie Lindina, dessen Werk sich stets durch klare Gesetzmäßigkeit, Dewuhtheit und strenges Mah auszeichnete, wird es sich wohl überlegt haben, als er seine kleine Geschichte „Rovelle in einer Landschaft" nannte. Aber ist es eine Rovelle in jenem alten, klassischen, doch wohl auch heute noch gültigen Sinne? Kaum. Dazu ist die Fabel nicht gewichtig und tragfähig genug: ihr fehlt das Ungewöhnlich-Einmalige, die dem Drama verwandte Steigerung und Rundung, das Endgültige und in sich Abgeschlossene. Für eine Anekdote wiederum erscheint das, was erzählt wird, nicht pointiert genug: denn alles verläuft ja, wie der Professor Hans Raumann sich ausdrücken würde, nach Art der Raturalisten im Sande. Dies ist dos einzige, was den Leser nicht vollkommen besriedigt oder ihm doch zum mindesten die Frage nahelegt, ob für die Kunstform der Rovelle ein Stilmittel zulässig sei, das etwa der Aussparung in der Malerei oder der Graphik entspräche — seine Wirkung also aus einer gewissermaßen schöpferischen Regation bezöge. Der trotzdem unbestreitbare Reiz des kleinen Buches beruht — abgesehen von jener schon angedeuteten zarten Spannung und jener schwer zu beschreibenden Plastik, sinnlichen Rähe und Eindringlichkeit der Schilderung — in der völligen älebcreinstimmung des Landschaftlichen und des Menschlichen: dergestalt, dah dos (allerdings ganz verschleierte, eigentlich nur zu ahnende) Schicksal mit dem Raum, in dem es sich abspielt, auf eine vollkommene und innerlich begründete Art im Einklang steht. Richt zu vergessen endlich, was zugleich ungewöhnlich. neu und nachahmenswert erscheint, die Bebilderung durch eine ausgewählte Folge schöner Photographien, die dem Leser kennzeichnend und anregend den Weg weisen. —y— Deutsche Volkstrachten. — Deutsche Volkstrachten aus der Sammlung des Germanischen Museums in Nürnberg. Herausgegeben von Rudolf Helm, Konservator am Germanischen Museum. I. F. Lehmanns Verlag, München. Mit 115 Trachtenbildern auf 48 schwarzen und 8 farbigen Tafeln. Kart. 4,— Mark. — (205) — Mit der weitberühmten wundervollen Trachtensammlung des Germanischen Museums wird der Allgemeinheit ein besonders reizvolles Feld deutscher Volksart erschlossen: diese Sammlung gibt etwa den Stand der deutschen Volkstrachten um die Jahrhundertwende wieder. Das ist insofern ein großer Vorteil, als bei dem leider so schnellen Verschwinden der Trachten auf diese Weise noch manche Tracht ausgenommen werden konnte, die heute gleichfalls im Verschwinden begriffen ist. Die Reichhaltigkeit der Sammlung zeigt so recht, wieviel das deutsche Volkstum zu verlieren hat, wenn nicht bald der immer weiter um sich greifenden Gleichmacherei Einhalt geboten wird. Das ausgezeichnete Buch von Helm kann jedenfalls viel dazu beitragen, die Volkstrachten von neuem zu beleben, denn es zeigt ihre Schönheit und Eigenartigkeit in vollendeten Darstellungen. Jeder *) Rudolf G. Binding: Moselfahrt aus Liebeskummer. Rovelle in einer Landschaft. 45 Seiten, Geb. 1.50 Mk. Rütten und Loening, Derlag, Frankfurt a. M.» 1932. (223) Gau unseres Vaterlandes, auch weit über die augenblicklichen politischen Grenzen hinaus^ hat eigenwüchsige und in ihrer Art immer schöne Trachten heroor- gebracht, wenn es selbstverständlich auch Gegenden gibt, in denen das Volk noch besonders fest an dem Althergebrachten hängt. Diese Teile sind dann auch mit besonderer Liebe behandelt. Auch Obcrhessen ist mit einer Reihe von besonders schönen Trachten aus dem Hüttenberg, der Schwalm und dem Hinterland oetrreten. Die Schönheit und Klarheit der Ausnahmen ist vorbildlich: die Einleitung des Herausgebers bringt viel Neues und Aufschlußreiches über die Entstehung und die seelischen Grundlagen der landschaftlich bestimmten Tracht. So ist ein Buch entstanden, das sich an alle wendet, die gewillt sind, für die Erhaltung der bedeutungsvollen Volkstrachten einzutreten, besonders an alle Trachten- und Heimat- vereine, Heimatmuseen. Sammler, an Lehrer und Geistliche, an Mitglieder von Jugend- und Wandervereinen usw. Denn die Trachten sollen ja nicht Museumsschaustücke bleiben, sondern sie erfüllen ihren Zweck erst als Ausdruck lebendigen Volkstums. Fremde Länder und Völker. — Handbuch der geographischen Wissenschaft. Herausgegeben von Univ.-Prof. Dr. Fritz K l u t e .(Gießen) unter Mitwirkung einer Reihe von anderen Gelehrten. Etwa 4000 größere Textbilder und Kärtchen, gegen 300 Farbenbilder, viele Kartenbeilagen. In Lieferungen zu je 2,40 Mk. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion m. b. H., Potsdam. Die bisher erschienenen 3 6 Lieferungen des Handbuchs der geographischen Wissenschaft geben einen deutlichen Begriff von Wesen und Wert dieses ungewöhnlich schönen Werks. Eine glücklichere Wahl der Autoren konnte wohl kaum getroffen werden und auch wohl kaum eine bessere, instruktivere Art der textlichen Verlebendigung als die hier geübte, durch auserlesene Photographien auf ieber Seite und reichlich eingestreute, künstlerische Farbtafeln, die wirksam durch ein anschauliches Material an Karten. Skizzen und Diagrammen ergänzt werden. Weite Strecken unserer Erde sind bereits in diesen 36 Lieferungen behandelt: große Teile von Afrika, Südamerika, Europa und Asien. Dazu ist jetzt der erste Band abgescklossen: Sluftralien Ozeanien, Antarktis. — Prof. Dr. Geisler (Breslau) schildert Australien, das Land grotesker Gegensätze mit seinen endlosen Wüsten und Wüstensteppen. der entsetzlichen Plage der Dürren, vielfach kaum noch erschlossen und doch ein Land unbegrenzter Zukunftsmöglichkeiten. Dramatisch wie seine Entstehungsgeschichte erscheint auch seine gegenwärtige und zukünftige Lage. Geopolitische und wirtschaftliche Probleme mannigfacher Art sind hier anaehäuft und harren der Lösung. Modernste Wirtschaftsmethoden und mühseliges koloniales Pioniertum wechseln auf diesem Festland miteinander ab. Tropische Vegetation und Alpenlandschaften von kaum geahnter Schönheit sind in diesem Land der „lebenden Fossilien" vorhanden. Und eine Bevölkerung, die dieses Reservat der weißen Rasse bisher gegen jegliche Einwanderung zu sperren suchte, sieht langsam ein, daß sie die Entwicklung in andere Bahnen lenken muß, sollen nicht schwerwiegende Komplikationen heraufbeschworen werden. — Dazu die meerdurchtränkte Landschaft der ozeanischen Inselwelt in der fesselnden Schilderung Professor Walter B c h r- mann (Frankfurt). Der dritte Teil dieses Bandes ist der Antarktis gewidmet und hat Prof. Dr. E. v D r y g a l s k i (München) zum Verfasser. Der hervorragende Forscher hat als Mitglied der deutschen Gauß-Expedition nicht geringen Anteil an der Erschließung dieser südlichen Eiswelt. — So vereinigt dieser erste Band, der allein 380 Seiten mit 281 Textabbildungen und 22 Farbtafeln umfaßt, schon einen großen und wichtigen Teil unserer Erde in mustergültiger Darstellung. — Dr. Arthur Berger: Mit Sven Hedin durch Asiens Wüsten. Nach dem Tagebuch des Filmoperateurs der Expedition Paul Lieberenz. Rcichillustriert. Preis 2,90 Mark. Dolks- verdand der Bücherfreunde. Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2. — (181.) — Größtes Aufsehen erregte vor einigen Jahren die Expedition Sven Hedins quer durch Asien. Monatelang war man im ungewissen über ihr Schicksal. In der Mitte der zentralasiatischen Wüste wurde sie vom grimmigen Winter überrascht und dadurch gezwungen, den erbittertsten Kampf ums Dasein, den je eine Expedition zu bestehen gehabt hat, zu führen. Fast die Hälfte der gegen 300 zählenden Kamele ging grauenhaft zugrunde. Diesen an Ereignissen hochdramatischen und unerhört spannenden Wüstenzug Sven Hedins schildert Dr. Arthur Berger, der bekannte Forschungsreisende, an Hand der Tagebücher des Filmopera- teure der Expedition Paul Lieberenz. Außerordentlich interessant sind u. a. die Schilderungen über die Begegnungen mit den mongolischen Räubern, die Ausgrabungen längst verschütteter Städte, die Katastrophe und die vorübergehende Entwaffnung und Verhaftung der gesamten Expedition. Hervorragendes Bildmaterial bereichert dieses künstlerisch wie wissenschaftlich hochwertige Werk über jene welt- bedeutende Forschungsexpedition, von der bereits der unter gleichem Titel laufende Film eine plastische Vorstellung vermittelte. Politik und — Das Mittelalter bis zum Ausgang der Staufer, 3. Band der Propylaeen- Weltgeschichte herausgegeben von Prof. Walter Goetz, Leipzig. Preis geb. 30 Mk., Halbleder 34,20 Mk. Prophlaeen-Verlag, Berlin, Ullstein- haus. (119) — Die in diesem neuen Bande behandelte weltgeschichtlich-» Epoche ist seltsamerweise vielleicht für die meisten fremd und vergessen und viele werden beim Durchblättern dieses stattlichen Bandes überrascht fein, welcher Reichtum an historischem Geschehen sich neben der Geschichte des deutschen Mittelalters von der Bölkerwanderung über die Reiche der Karolinger, der Ottonen, Salier und Staufer bis zum Ende jenes grandiosen Kampfes zwischen Kaiser- und Papsttum ausbreitet: schon die Schicksale des späten weströmischen Reichs, in dessen Grenzen die landsuchenden Germanenstämme kraftvoll und siegreich einbrechen, sind den meisten unbekannt, die interessante Geschichte des byzantinischen Reiches, die Ausbreitung des Islam von der Religionsgründung des Mohammed über Assas- sinen und Omayaden. den Kalifaten von Bagdad und Cordoba, über Saladin, den großen Gegner der Kreuzfahrer bis zum Mongolensturm und der Gründung des Osmanenreiches, schließlich die fast ganz unbekannte Frühgeschichte Indiens vom zeitlich schwer bestimmbaren, um das 5. Jahrtausend v. Ehr. fallenden vedischen Altertum über die Zeiten der Brahmanas und des Buddhismus bis zur Sanskritkultur und der islamischen Invasion. Eine Fülle historischer Erscheinungsformen sind nebeneinander gestellt und zu einem großartigen Gesamtbild mittelalterlicher Geschichte sinnvoll verbunden. Dazu trägt besonders bei die starke Berücksichtigung und Eingliederung der Kunst und Lebenskultur, der Wirtschaft und Siedelungskunde in den einzelnen Abschnitten, für deren Bearbeitung von dem Herausgeber wiederum beste Kenner der betreffenden Spezialgebiete gewonnen wurden. Die Ausstattung mit Bild- und Kartenmaterial in verschwenderischer Fülle und ausgezeichneten Wiedergaben ist, wie in den früheren Bänden, mustergültig. — Rud. Sieghart, D i e letzten Jahrzehnte einer Großmacht. Menschen, Völker, Probleme des Habsburger Reichs. Preis gebunden 10 Mk. Verlag Ullstein. Berlin. (87.) — Hier ist endlich aus wirklich sachkundiger Feder die Ehrenrettung des alten Oesterreich, des ob seiner inneren Schaukelpolitik, feiner verkalkten Bureaukratie, seiner schwerfälligen Verwaltung, dem Sprachen- und Verfassungswirrwarr seiner Völker so oft unbedacht geschmähten Habsburgerreichs. Heute, wo die Doppelmonarchie seit fast anderthalb Jahrzehnten zerschlagen und aufgelöst einer Reihe von Rationalstaaten Platz gemacht hat, deren Interessen in steten Konflikten und Reibungen ohne die glättende, ausgleichende Hand der Wiener Zentralregierung in unmittelbarer Schärfe fast unversöhnlich aufeinanderplatzen, heute, wo hier im Donauraum die unmögliche Reuordnung den Kern zu neuer schwerer Krisis gelegt hat und ganz Europa sich müht, zu retten, was noch zu retten ist, heute wächst vielleicht an Hand dieses ausgezeichneten, über 'Dinge und Persönlichkeiten im alten Oesterreich glänzend unterrichteten, höchst fesselnd und instruktiv geschriebenen Buches das Verständnis für die beispiellose staatsmännische Leistung, dank der hier Geschichte. in den letzten vier Jahrzehnten vor dem Zusammenbruch der Habsburger Franz Joseph, den als bureaukratischen Trottel zu schelten jetzt Mode ist, und eine Reihe ausgezeichneter Minister das Völkergemisch des Südostens in politischem und wirtschaftlichem Ausgleich hielten. Gewiß ist mancher Tadel verdient, auch Sieghart gibt es offen zu und übt an manchen politischen Maßnahmen des Kaisers und seiner Räte scharfe Kritik. Vieles ging zu schleppend, wurde mit zu wenig Wagemut angepackt, manches Problem glaubte man durch dilatorische Behandlung aus der Welt zu schaffen. Das alles sieht man auch aus den Aufzeichnungen Siegharts, aber angesichts der Ungeheuerlichkeit der Probleme ist Heberheblichkeit schlecht am Platze, zumal wir heute sehen, daß wir in der staatlichen und wirtschaftlichen Organisation des Donauraumes trotz der großen Umwälzung des letzten Dezenniums seit dem Zusammenbruch des Habsburgerreichs kaum einen Schritt weitergekommen sind. — Karl Silex: Patriot Macdo- n a l d. Der Romantiker von Downingstreet. Preis kart. 3,80 Mark, Hanseatische Verlagsanstalt in Hamburg. — (124) — Der Verfasser ist als langjähriger Vertreter der „DAZ" in London ein guter Kenner englischen Lebens und der englischen Politik. Trotzdem scheint uns das Bild, das er in diesem außerordentlich interessanten, flüssig und spannend geschriebenen Buch von dem britischen Premier entwirft, fast zu einseitig rosig gesehen. Aber die ganze Kompliziertheit, das Widerspruchsvolle in Macdonalds Charakter, die Pro- blematik, die der Verfasser schon im Untertitel „Der Romantiker von Downingstreet" andeutet, wird auch von Silex scharf gesehen und herausgestellt. Macdonald ist gewiß eine der interessantesten Erscheinungen in der an Persönlichkeiten noch immer reichen Politik des Jnselreiches. Seine Lösung von der Labourpartei und sein Kabinett der nationalen Konzentration, das Eng. land durch die Schwierigkeiten der Weltwirtschaftskrisis steuern soll, mag in manchem Deutschen ähnliche Wünsche geweckt haben. Aber anscheinend sind uns vom Schicksal andere, gewiß nicht leichtere Wege vorgezeichnet. Macdonald in Lausanne, das Wiederheranrücken an Frankreich, die Jagd nach dem Erfolg mit allen Registern antiquierter Geheimdiplomatie, das war eine Enttäuschung gewiß auch für den Verfasser dieses Buches, aber der von ihm gezeichnete Macdonald läßt auch diese Möglichkeiten zu. Für uns Deutsche eine fesselnde und sehr lehrreiche Lektüre. — Wilhelm Stapel, „Preußen muß s e i n“, eine Rede für Preußen. Hanseatische Der- lagsanstalt, Hamburg 36 (Preis 1 Mark). (220) — In diesen Tagen der Erwartung, was mit Preußen geschehen wird, ob es im Reich aufgehen, ob es in seine großen Landschaften zerschlagen werden soll, greift Stapel ein in den Kampf um die Reichsreform! Schon der Titel zeigt, in welcher Richtung Stapel, der eben erst mit seinem Buch „Der christliche Staatsmann" leidenschaftliche Diskussion entfesselt hat, wirken will. Mit eindringlichem Ernst tritt er den Gegnern Preußens entgegen, um für das echte Preußen und seine Gesinnung, für das, was feiner Größe zugrunde lag und was seine gewichttge Rolle in der deutschen Geschichte noch lange nicht aus- gespielt sein läßt, einzutreten. Neue Romane. — Schattenfänger. Roman einer Familie. Von Walther von Hollander. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart und ‘Berlin. Gebd. 7,25 Mark.) 160. — „Schattenfänger" sind die alten Leute, die dem Vergangenen nachtrauern und nur noch mit den Schatten von gestern, den Schatten der Erinnerung umgehen. „Schattenfänger" die Menschen der Kriegsgeneration, die mit den Schatten des Todes nicht fertig geworden sind, der sie millionenfach bedrohte, und mit dem wechselvollen Leben von heute erst recht nicht, und die jetzt erst nach einem Jahrzehnt betäubenden Grübelns beginnen, ihr Schicksal bewußt und mit voller Verantwortung auf sich zu nehmen. „Schattenfänger" auch die Zwanzigjährigen, die, mit einer neuen Idee im Herzen, den alten Phantomen der Gewalt und des Kampfes nachjagen und von denen nur einige Wenige etwas ahnen von der untergründigen und überwirklichen Kraft, Klarheit und Schönheit des Lebens. So schildert der interessante Roman Schicksale der drei Generationen von heute, ihre Wünsche, Möglichkeiten und Schwächen, ihre Stärken, Erfüllungen und das langsame Wachwerden eines neuen Lebens- und Weltgefühls. — Das Rentendorf. Ein Roman von Gustav Sondermann (Derlag der I. G. Cot- taschen Buchhandlung Rachfolger, Stuttgart und Berlin. Gebd. 4,80 Mk.). 140. — Ein Spekulant stachelt die ‘Bauern eines Dorfes auf, von den Versorgungsämtern wegen alter, größtenteils verheilter Kriegsschäden möglichst viel Renten herauszuschinden. Diesem Unfug sucht der Arzt dieses „Rentendorfes" zu steuern. Wahrhaft heißes Sorgen um die Heimat und daS Bestreben, mit allen Kräften zu helfen, beseolt ihn, der durch seinen Beruf täglich und stündlich tiefe Einblicke in Leben und Schicksale seiner leidenden Volksgenossen hat. Mit starkem psychologischem Einfühlungsvermögen schildert Sondermann das Ringen dieses Arztes um Gott, um Halt und Stütze in unserer chaotischen Zeit, und er zeigt, wie dieser Mann sich durchkämpft zu der Heber- zeugung, dah Rettung nur zu erhoffen ist in gemeinschaftlicher Arbeit für das große Ganze. — Rur ein Bauer. Roman unserer Bauernnot. Von Artur Brausewetter. Bergstadtverlag, Breslau. Gebd. 3,75 Mk. (91.) — Artur Brausewetter ist bekannt als der erfolgreiche Romanschriftsteller, der über der Gabe, den Leser bis zum Schluß durch die Handlung völlig zu fesseln, nie die Aufgabe vergißt, als Warner und Wegweiser dem Volke zu dienen. Besonders sein neuer Roman „Rur ein Bauer" greift in ein Thema hinein, das als „Heißes Eisen" gerne umgangen wird und das doch das volle unverbildete Leben zum Urgrund hat. Die Handlung spielt in Ostpreußen. Alle sind von der Rot der neudeutschen Verhältnisse in ihrer Existenz bedroht. Schuh erfahren sie kaum, und so konnte Brausewetter dem Leben jene Blutsauger nachzeichnen, die heute rigoros die unschuldig verschuldeten Bauern in ihre Rehe ziehen. Brausewetter zeigt aber auch die aufregenden mutigen Gegenmaßnahmen der Bauern, von denen er prächtige Gestalten darstellt. „Rur ein Bauer" sagt im Herzen auch eine adelige Gutsherrin und muß im Laufe des Kampfes aller betroffenen Bauern und Gutsherren erfahren, dah der Adelsstolz der freien Bauern hartnäckiger und imponierender ist. als sie zu denken gewohnt war. Zum Verständnis der tatsächlichen Lage des deutschen Bauerntums in der Gegenwart im allgemeinen und im Osten insbesondere lese man dieses packende Buch und man wird neben dem spannenden Erlebnis deutscher Bauernnot als Ruhen Verständnis für die zwangsläufige politische und geistige Entwicklung des Bauerntums erhalten. — Susanne Christolais, d i e Frau, die nicht betrügen konnte. Roman von Helene C l i a t. (Verlag Ullstein, Berlin. Gebd. 4,80 Mk.) 176. — Helene Eliat, eine junge deutsche Schriftstellerin, lebt in Paris. In diesem Roman greift sie mitten hinein in das Pariser Gesellschaftsleben von heute. Ihre Heldin ist Deutsche, an einen Börsenspekulanten in Paris verheiratet. Sie liebt ihn, sie wird von ihm beschützt, sie lebt so dahin, ohne große Erregungen und Sehnsüchte, bis sie eines Tages merkt, dah das Geben ganz anders ist, dah es viel mehr zu bieten hat, bis die große Entscheidung vor ihr steht, ob sie andere Liebe suchen und erwidern darf oder nicht. Die Verfasserin hat mit ihrer „Susanne Christolais" ein interessantes Frauenbuch -geschaffen. Aus fremden Literaturen. — D. H. Lawrence: Die gefiederte Schlange. Roman. Im Insel-Verlag zu Leipzig. Preis in Leinen 8 Mark, liebertragen von Georg Goyert. — 144 — Adler und Schlange, die Wappentiere Mexikos, sind die Sinnbilder ter in diesem Roman geschilderten Erhebung, die die alten gestürzten Götter des Landes wieder einsehen will. In die sinnverwirrende Atmosphäre hat der Dichter eine angelsächsische Frau gestellt. Sie kämpft gegen die dämonische Gewalt dieser Umwälzung, in die sie von deren Führern hineingezogen wird, um ihr endlich doch zu erliegen. Selten ist ein Dichter so tief in das Geheimnis eines fremden Volkes eingedrungen, wie Lawrence in die rätselhafte, zerklüftete, glühende, sinnliche Seele des mexikanischen Volkes, selten ist die Mischung von Seelenhaftigkeit und — manchmal unheimlichem — Scharfsinn so vollkommen wie in diesem Buche. — Hauptmann Sorrell und sein Sohn. Roman von Warwick D e e p i n g. Deutsch von Curt Thesing. (Carl Schünemann, Verlag, Bremen. Gebd. 2.85 Mk.) 165. — Die ideelle Verkörperung einer seelenvollen, selbstlosen Kameradschaft zwischen Vater und Sohn zeigt Warwick Deepiwg in der Darstellung des Lebensweges zweier prächtiaer Menschen, des Hauptmanns Sorrell, dem der Krieg den letzten sozialen und wirtschaftlichen Halt geraubt, den ein unerbittliches Schicksal um Weib, Liebe und Lebensglück schändlich betrog, und seines Sohnes Kit. Diese .tapfere heldenmäßige Geschichte", dieses „Er- zwhungsbuch von hohem Wert", das „verdient von allen Vätern gelesen zu werden", errang in kurzer Zeit einen Welterfolg. Die preiswerte deutsche Ausgabe des fesselnden Buches verdient eine gute Empfehlung. Wirtschaft. * Vorerst keine Russenaufträge. An den Besuch einer russischen Regierungskommission im Ruhrgebiet hat man verschiedentlich die Erwartung geknüpft, daß die Russen diese Anwesenheit im Revier zu neuen Bestellungen bei der deutschen Eisenindustrie benützen würden. Es wird sogar gemeldet, daß ein neuer Auftrag über 20 000 To. erteilt worden sei. Wie WTB.-Han- delsdienst erfährt, sind jedoch lediglich die Spezifikationen für 20 000 To. des bereits früher erteilten Auftrages über 100 000 To. Qaulitäts- erzeugnisse herausgegangen. Die Tatsache, daß die übrigen 80 000 To. noch bis gegen Jahres- schluß zu liefern sind, deutet darauf hin, daß neue russische Aufträge in der allernächsten Zeit wohl kaum zu erwarten sein dürften, wenn sich auch der russische Besuch vielleicht später in der Richtung weiterer Bestellungen auswirken kann. * D i e deutsche Genossenschaft sbewe- gung im August zeigt ein erheblich günstigeres Bild als in den Vormonaten. Zürn erstenmal über» stiegen die Gründungen die Auflösungen, und die Auflösungen selbst weisen einen erheblichen Rückgang auf. 111 Genossenschaften entstanden im August und 107 traten in Liquidation. Zu den Auslösungen kommt noch eine Zentralgenossenschaft. Die Konkurse mit 10 sind im Berichtsmonat gleichfalls zurück- geaangen. Der Gesamtbestand aller deutschen Genossenschaften stellte sich am 1. September d. I. auf 51901. Kreditgenossenschaften wurden 27 errichtet, davon waren 24 gewerbliche Kreditgenossenschaften. Unter den 27 Auflösungen befinden sich allein 22 landwirtschaftliche, so daß auch in dieser Gruppe die Bestandsentwicklung durch erheblichen Rückgang der Auflösungen günstiger war. Es gab neue Zwecksparkassen in sieben verschiedenen Orten und in Kiel eine neue Ausgleichskasse. Aufgelöst wurden in Erfurt eine Kaufkraftsparkasse. Handwerkergenossenschaften wurden zwei (eine Kürschner- und eine Tischlergenossenschaft) errichtet, und unter den sieben Auflösungen finden sich Genossenschaften der Bäcker, Fleischer, Korbmacher, Bauhandwerker, Schneider und Schuhmacher. In Liquidation traten ferner die Kaseinwerke in Glogau und die Kölner Tabakwaren- Grossisten sowie die Neu-Ulmer Sauerstoffwerke. Bei zwei Gründungen und sieben Auflösungen im August zeigte die Baugenossenschaftsbewegung einen weiteren Rückgang, und ähnlich steht es bei den Siedlungsgenossenschasten mit zwei Gründungen und drei Auflösungen. Die Genossenschaften des Kleinhandels konnten ihren Bestand mit 11 Gründungen verbessern, denen vier Auflösungen gegenüberstehen. Es gab neue Genossenschaften der Gastwirte, der Radiohändler, Fahrrad- und der Kraftwagenhändler. Unter den Liquidationen waren vertreten die Eisenwaren-, Schreibwaren-, Buch-, Schokoladenhändler. Berlin freundlich, fest. Berlin, 14.Sept. (WTB. Funkspruch.) Dach- dem gestern noch die innerpolitische Spannung Hauptmoment für die Börsenentwicklung zu sein schien, wandte sich die Börse heute schon wieder mehr wirtschaftlichen Betrachtungen zu. Es machte einen guten Eindruck, daß sich das Publikum trotz der starken Rückgänge der letzten Tage nicht von seinem Geschäft trennt, ferner ging von festeren Meldungen der Londoner Börse eine Beruhigung aus, und auch die Befestigung der Metallpreise ließ heute die Hoffnung auf eine allgemeine Erholung an den Rohstoffmärkten aufkommen. Da außerdem noch einige günstige Wirtschaftsmeldungen, besonders aus der Maschinen- und Rletällwarenindustrie vorlagen, schritt die Spekulation zu Rüclläufen. Die schwachen Kurse der gestrigen Abendbörse und die teilweise noch niedrigeren Taxen des heutigen Bormittagsverkehrs wurden erheblich überschritten, und die Grundstimmung war als durchaus freundlich zu bezeichnen, obwohl gegen gestern verschiedentlich noch Kursrückgänge festzustellen waren. Die Meldung eines hiesigen Mittags- blattes, die von der Ausarbeitung eines Vorschlages europäischer Dilanzsachverständiger, der als Ablösungszahlung für die Kriegsschulden Europas an Amerika eine Milliarde Dollar vorsehe, wissen wollte, trug zu dieser freundlichen Stimmung zweifellos bei. Das Geschäft war nicht sehr umfangreich und beschränkte sich auf die Hauptmärkte. Mit besonderen Kursabweichungen sind Contigummi (plus 3,75 v. H.), Lahmeyer (plus 3 v. H.), Siemens (plus 2,13 v. H). Dortmunder Union (plus 2,25 V.H.), Aku (plus 3 v. H) und Deutsche Kabel (plus 2,75 v. H) als fest zu nennen, während Stolberger Zink nach Minus-Minus-Dotiz 3,25 v. H. niedriger, Elektrische Lieferungen 2,75 v. H. und AEG. 1,25 v. Sy unter gestern eröffneten. 3m Verlaufe setzte sich dann unter kleinen Schwankungen ziemlich allgemein eine Erholung durch, wobei man auch auf Diskontsenkungshoffnungen für die nächste Woche hinwies. Das Geschäft am Schiffahrts- Montan- und Kunstseidemarkt wurde hierbei etwas lebhafter. Die erhöhten Kurse benutzte die Spekulation allerdings dann wieder zu Gewinnmitnahmen, und ein Zurückgehen des Farbenkurses wieder unter die Parigrenze (er war schon 100,39 Geld) blieb auf die übrigen Märkte nicht ganz eindruckslos. Fe st verzinsliche Werte hatten ruhiges Geschäft, Pfandbriefe wurden eher schwächer taxiert, auch Industrieobligationen bröckelten etwas ab. Deutsche Anleihen hatten dagegen ziemlich freundliche Veranlagung und auch Reichsschuldbuchforderungen waren nach unverändertem Beginn erholt. Am Markte der Auslandsrenten war die Tendenz eher etwas leichter. Der Geldmarkt ist nach wie vor weiter steif veranlagt. Man hofft allgemein, daß mitte näch- ster Woche der Diskont um 1 Prozent auf 4 Prozent gesenkt werden wird, und infolgedessen herrscht nach wie vor starke Zurückhaltung. 3n Privatdiskonten war eher wieder Angebot festzustellen, während Reichswechsel per 5. Dezember, und Reichsschatzanweisungen per 16. 3anuar kaum gefragt blieben. Tagesgeld stellte sich auf unverändert 5,65 bis 7,65 Prozent, und Monatsgeld auf 6 bis 8 Prozent. Sranffurt leicht gebessert. Frankfurt a. M., 14. Sepk. (WTB. Drahtmeldung.) 3m heutigen Dormittagsverkehr nannte man im Anschluß an die schwache Abendbörse auf Grund der schwachen Auslandbörsen und Warenmärkte mehrprozentig niedrigere Kurse. Da aber zu Beginn des amtlichen Verkehrs von der Kundschaft wiederum keine Käufe vorgenommen wurden, sah sich die Spekulation zu Rückkäufen veranlaßt, so daß die ersten Dotierungen überwiegend 1 bis 2 Prozent höher lagen. 3m Verlaufe stellten sich dann weitere Befestigungen von etwa 1 bis 2 Proz. ein, wobei man auf feste Metallkurse aus London verwies. Auch hinsichtlich der innerpolitischen Lage sah man etwas zuversichtlicher, zumal der Konflikt zwischen der Reichsregierung und dem äleberwachungsausschuß des Reichstages in wenigen Tagen beigelegt sein dürfte. Das Geschäft war im allgemeinen klein, nur bei einigen Spezialwerten nahm es etwas lebhaftere Formen an. Stärker befestigt waren schon bei Beginn Aku mit plus 4,5 Proz., Lahmeyer in Dachwirkung des Dividendenvorschlags mit plus 4 Proz. und Chadeaktien mit plus 4 Mk. Besserungen bis zu 2,5 Proz. verzeichneten am Montanmarkt Gelsenkirchen, Mannesmann und Rheinstahl, am Elektromarkt Licht & Kraft, Bekula und von Bauwerten Holzmann. 3G. eröffneten mit 98,5 Proz. kaum verändert, waren aber dann bis auf Pari erholt. Schwach lagen zunächst Siemens mit minus 1,25 Proz., später konnten sie sich aber um 3 Proz. befestigen. Diedriger setzten noch Harpener Bergbau (miirus 1,5 Proz.) ein. An den übrigen Marktgebieten ergaben sich Besserungen bis zu 1 Prozent. Dm Rentenmarkt konnten sich die gestern abend stärker gedrückten Deutschen Anleihen bis zu 0,30 Prozent erholen. Don fremden Werten gingen Ängarische Goldrente weiter zurück. Am Markte der 3ndustrieobligationen verloren Stahlvereinbonds 2 Prozent. Am Rentenmarkt war das Geschäft sehr ruhig. Gold- und Liquidationspfandbriefe neigten von 0,25 bis 0,5 v. H. zur Schwäche, während im übrigen nur unwesentliche Veränderungen zu verzeichnen waren. Von fremden Werten bröckelten Ungarische Goldrente weiter ab. 3m späteren Verlauf waren 3G.-Farben etwas lebhafter, die bis auf 100,75 v.H. anzogen, während an den übrigen Marktgebieten das Geschäft ziemlich klein blieb, die Kurse auf dem erhöhten Diveau aber unter Schwankungen behauptet waren. Tages- geld war zu 4,25 v.H. unverändert. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 14.Sept. (WTB. Draht- meldung.) An der Getreidebörse herrschte infolge der innerpolitifchen Situation sowohl bei den Mühlen als auch bei den Händlern ftarfe Zurückhaltung. 3n Weizen war das Angebot reichlich, dagegen wurde Roggen nur wenig offeriert. Daneben wollte man auch die stützende Hand bemerken. Sommergerste für Drauzwecke lag weiterhin still, während Hafer bei starkem Angebot im Preise abgeschwächt war. Am Futtermittelmarkt blieb Weizen- und Roggenkleie bei kleinem Geschäft ziemlich unverändert, für ölhaltige Futterartikel bestand besonders für Leinsaat und Leinkuchen stärkeres 3nteresse bei anziehenden Preisen. Gegen 14 Uhr nannte man folgende Dotierungen: Weizen 215 Mark, Roggen 175, Sommergerste für Brauzwecke 175 bis 180, Hafer (inländischer) 140 bis 147,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 33,40 bis 34,25, Weizenmehl (niederrheinisches) 33,40 bis 34. Roggenmehl 25,25 bis 26,50, Weizenkleie 8,30 bis 8,35, Roggenkleie 8,25, Leinsaat 15,75 bis 16,25 Mark. Aufhebung der Oberpostdirektion Darmstadt? WSD. Frankfurt a. M, 13. Sept. Zu den in der Oeffentlichkeit verbreiteten Gerüchten über die bevorstehende Aufhebung einzelner Oberpostdirektionen, u. a. auch Darmstadt, wird von amtlicher Stelle mitgeteilt, daß allerdings eine allgemeine Verwaltungsreform im Deiche geplant sei. Darüber habe ja Reichskanzler von Papen auch bereits öffentlich gesprochen. Bei dieser Verwaltungsreform würden auch eine Reihe von Mittelbehörden des Reiches, also nicht nur bei der Post, sondern auch bei anderen Verwaltungen, aufgehoben werden Aber irgendeine Entscheidung über das Ausmaß dieser Derwaltungsreform sei noch nicht getroffen Die Aufhebung verschiedener Oberpostdirektionen und Landesfinanzämter fei übrigens vom Reichstag wiederholt gefordert worden. Auiounfall Max Pallenbergs. WSD. Worms, 12. Sept. Auf der Frankenthaler Chaussee ereignete sich gestern zwischen Bobenheim und Worms ein Autounfall. Der bekannte 3mprovisator der deutschen Bühne. Max Pallenberg, fuhr mit seinem Personenwagen von Ludwigshafen nach Frankfurt. Kurz vor den letzten Häusern von Worms verlor das Auto ein Rad, wodurch sich der Wagen zweimal überschlug. Wie durch ein Wun- oer wurde niemand bei dem Unfall verletzt. Der Wagen mußte abgeschleppt werden so daß Max Pallenberg seine Fahrt erst nach etwa zwei Stunden nach Frankfurt fortsetzen konnte. SchwereSiurmschädenimWesterwald. Lahr, 12. Sept. (WSN.) Schweren Schaden verursachte der orkanartige Sturm auf dem Westerwald, wo in den Wäldern Bäume reihenweise entwurzelt wurden. Die Obstbäume haben in besonderem Maße unter dem Orkan zu leiden gehabt; in verschiedenen Gegenden wurde das Ob st nahezu vollständig von den Bäumen gerissen. In den Orten Niederzeuzheim und Lahr wurden Hochspannungs» maste der Mainkraftwerke vom Sturm umgeworfen, so daß stundenlang verschiedene Dörfer im Dunkel lagen. ELSE DITTMAR Gießen, Löwengasse 18 6436 A Rund um die Liebe liebt und glücklich wird 6442 c Der Film der unerhörten Starbesetzung: Lilian Harvey — Willy Fritsch Brigitte Helm — Lil Dagover Emil Jannings — Conrad Veldt Harry Liedtke — Henny Porten und 25 erste Filmstars zeigen bezaubernd, wie man erobert, Außerdem: Schriftsteller W. Kunde in einer amüsanten Plauderei über den ZAUBER DER VENUS Gewöhnliche Eintrittspreise Karten im Vorverkauf an der Tageskasse Lichtspielhaus Gießen Freitag, 16. September abends Samstag, 17. September 10.45 Uhr Zwei Nacht-Vorstellungen Ein Film über das Geheimnis des Ewig-Weiblichen Geschäfts- Drucksachen SS.“ Briefumschläge bei Brühl, Schuistraße 7 Geschäfts karten Preis-Abschlag! Landbrot..4-PL-Laib 065 Margarine . Pfd. 40, 30, 20 Tafelöl.....Ltr. 80. 60, 40 Bananen.........Pfd, 25 Süßrahmbutter . Pfd. 1.20 Schellfische o.K...Pf2tLucie Englisch Gus+a-p GrOrt eigens Der neue Großfilm der Ufa, der hei seiner Premiere sensationelle Erfolge zu verzeichnen hatte Das pikante abenteuerlichste Abenteuer, welches Sie je zu sehen bekamen Ferner gutes Beiprogramm - Ufa-Ton-Woche 6441 C Freitag, le.Sept.abds.B1/* Uhr, im Johannessaal Lichthllder-Vortraii von Steuer-Inspektor Klemmrath und von Prokurist Stroh, Gießen Mit dem Monte Cervantes in das 6437d Land der Mitternachtssonne Mitglieder und Freunde sind herzlich eingeladen! Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen Vermähtungsanzeigen Geburtsanzeigen bei Brühl. Schulstrafle 7 miiiiiimimuiiiminiiiiiiia Frische Seefische <£♦ G. Mlelrrbeuu BahichoMratze 61 6759 d Telefon 3866 Viel Glüdc zum ersten Preis! Ein Musikdirektor im Saargebiet hat ihn gewonnen. Millionen Kraftfahrer in aller Welf waren zur Abstimmung geladen. 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Ferner an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im versteigerungslokal): 2 Kühlschränke, 1 Kassenschrank, versch. Spielwaren, Christbaumschmuck, Besen, 2 Schweine, 1 Aga-Personenwagen, 2 Horch- und 1 Opel-Personenwagen, verschiedene Haushaltungsgegenstände, wie Zinkeimer, Zinkwannen, Nickelschiffe usw. Moll, Gerichtsvollzieher in Gießen Ludwigstraße 33 — Telephon 3239 Zweischenversteigerung. Am Freitag, dem 16. September, werden die Zwetschen der Gemeinde Dorf-Gill öffentlich versteigert. Anfang nachmittags 1 Uhr. Zusammenkunft bei der Schule. Dorf-Gill, 13. September 1932. (6440V Schmidt, Bürgermeister.