Nr. M SrühauSsabe 182. Jahrgang Donnerstag, 14. Juli 1952 (Er|d)eint täglich, außer Sonntags und Feiertags, vrttagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezngspreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnoch» richtens Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: granffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'fche Universilül5-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20“, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin und für den Anzeigenteil Ma^ Filter, sämtlich in Bietzen. Englands Außenminister über den Lausanner Sonderpakl. Herriot denkt immer noch an den Houngplan.—Oie Plattform für Deutschlands politische Forderungen. London, 13. Juli. (WTB.) Staatssekretär Sir 2ohn Simon erklärte im Lauf« der heutigen Unterhausdebatte, man werde sich daran erinnern, daß er seine Rede gestern abend mit der Erklärung schloß, daß man in Lausanne habe bezwecken wollen, die nationalen Probleme Europas in einem Geiste der Offenheit und gegenseitigen Unterstützung zu behandeln. Man habe in den letzten Tagen versucht, diesen neuen politischen Geist, der in Lausanne zutage getreten sei und der so wertvoll sein würde, wenn er künftig beibehalten werden könnte, in eine bessere Form zu bringen. Was bezweckt worden sei, sei nicht ein Teil des Lausanner Abkommens oder der Lausanner Konferenz und dürfe in keiner Weise damit verwechselt werden. Ls sei keine ergänzende Vereinbarung und tatsächlich überhaupt keine materielle Vereinbarung, sondern eine Aufforderung, aufrichtige und offene Beziehungen und Erörterungen anzubahnen, auf die, wie man hoffe, alle führenden europäischen Mächte eingehen würden. In diesem Geiste haben die britische Regierung und die französische Regierung selbst beschlossen, die Führung zu übernehmen, indem sie einen sofortigen und gegenseitigen Schritt zu diesem Zweck in der folgenden Richtung tun: 1. In Uebereinstimmung mit dem Geist der Völkerbundssatzung beabsichtigen sie, Ansichten miteinander in völliger Offenheit auszutauschen und einander gegenseitig unterrichtet zu halten über alle Fragen, die zu ihrer Kenntnis gelangen, soweit sie im Ursprung der Frage ähnlich sind, die jetzt so glücklich in Lausanne geregelt worden ist. Es ist ihre Hoffnung, daß andere Regierungen sich diesem Verfahren anschließen werden. 2. Sie beabsichtigen, zusammen und mit anderen Delegationen in. Genf zu wirken, um eine Lösung der Abrüstungsfrage zu finden, die vorteilhaft und billig (equitable) für alle in Betracht kommenden Mächte sein wird. 3. Sie werden miteinander und anderen interessierten Regierungen bei der sorgfältigen und praktischen Vorbereitung der Weltwirtschaftskonferenz Zusammenwirken. 4. Bis zum Abschluß eines neuen Handelsvertrages zwischen ihren beiden Ländern zu einem späteren Zeitpunkt werden sie jede Art von Diskriminierung eines Landes gegen die Interessen des and-ren vermeiden. Ich habe, fuhr der Staatssekretär fort, bereits heute Gelegenheit gehabt, den Vertretern Deutschlands, Italiens und Belgiens eine Abschrift dieser Mitteilung aue- zuhändigen. Ich habe an ihre Regierungen eine Einladung gerichtet, sich der Erklärung anzuschliehen. Der Schlußparagraph bezieht sich natürlich aus die Handelsbeziehungen und die Vermeidung von Diskriminierungen bis zur Erörterung eines Handelsvertrages zwischen Frankreich und uns: aber in den anderen drei Paragraphen geht unser Vorschlag an die anderen Hauptländer in Europa. Ein amtlicher Kommentar. London, 13. Juli. Reuter erfährt amtlich, daß die heute nachmittag im Unterhaus von Sir John Simon abgegebene Erklärung keinerlei Beziehung zu den Kriegsschulden an Amerika hat. Soweit Großbritannien in Betracht komme, könne Sir John Simons Erklärung in keiner Weise als eine „vereinte europäische Front" gegenüber Amerika gedeutet werden. Wenn Deutschland an Großbritannien mit dem Ersuchen herantrete, daß die „kriegsschuld"- klausel aus dem Versailler Vertrag ausgemerzt werde, wäre die britische Regierung verpflichtet, mit Frankreich in der Frage zu beraten. Sir John Simons Erklärung sei tatsächlich eine offene Einladung Frankreichs und Großbritanniens an Deutschland und Italien und die anderen europäischen Mächte. Man hoffe, daß sie sich bereit erklären werden, mit* zuwirken. Die Einladung beziehe sich allein auf die europäischen Nationen und werde Japan nicht berühren. Herriot sagt: Wiederbelebung der Entente cordiale. Paris, 13. Juli. (WTB.) Ministerpräsident Herriot erstattete heute nachmittag vor den vereinigten Kammerausschüssen für Auswärtige Angelegenheiten und Finanzen über die Lausanner Verhandlungen Bericht und verlas den Text des „Vertrauens-Abkommens", das zwischen England und Frankreich als Ergänzung des Gentlemen Agreement gedacht ist und heute abend veröffentlicht wird. Die Pariser und die Londoner Regierung verpflichten sich nach dieser Version im allgemeinen dahin, daß sie sich über alle wichtigen Fragen verständigen. Minister- vräsident Herriot, so berichtet Havas, habe Die Bedeutung Lieser Regelung hervorgehoben, die die Wiederbelebung der enteilte cordiale bedeute und eine neue Aera für die Beziehungen zwischen Frankreich und Großbritannien einlcite, da künftighin keine die Interessen beider Länder betreffenden Probleme gesondert verhandelt werden können. Die unverzügliche Folge dieser Regelung sei, daß England nicht wie im Jahre 1923 sich für die Zukunft zu Zahlungen an Amerika zwecks Regelung seiner Schulden verpflichten könne, ohne vorher die französische Regierung befragt zu haben. Auf diese Weise werde die grundsätzliche Einigung durch das Gentlemen Agreement in glücklicher Weise vervollständigt. Dadurch sei für Frankreich und England von nun ab die Gewißheit einer gemeinsamen Haltung gegeben, wodurch der Erfolg der Verhandlungen mit der Washingtoner Regierung erleichtert werde. Herriot wies besonders auf die moralische Seite dieses Ergebnisses hist, die geeignet erscheine, die Beziehungen der europäischen Länder urnzu- wandeln und das Vertrauen der hauptsächlichsten Mächte der Welt wiederherzustellen. Gerade um dieser Wandlung willen hätten die französischen Unterhändler große Opfer vom finanziellen Standpunkt aus gebracht, und zwar im Interesse des wirtschaftlichen Wiederaufbaues. Eine Erklärung Gtimsons. Washington, 13. Juli. (WTB.) Staatssekretär S t i m s o n berührte während eines Interviews, das er dem Reutervertreter gewährte, die Frage des Lausanner Gentlemen Agreements. Er erklärte auf das bestimmteste, daß es niemals eine Unterredung zwischen der amerikanischen Regierung und Vertretern fremder Regierungen über die Lausanner Regelung gegeben habe. Weder auf direktem Wege, noch durch Vermittlung der diplomatischen Vertreter Amerikas in Europa sei die Regierung der Vereinigten Staaten um Rat gefragt worden, noch sei sie von einem Gentlemen Agreement in Kenntnis gesetzt worden. Englisch-französische Einigung in der Abrüstungssrage? Paris, 13. Juli. (WTB.) Das „Journal des Debats" will aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben, daß in der gestrigen Unterredung zwischen Ministerpräsident Herriot und Lord Tyrrell ein Einverständnis über einen Abrüstungsplan erzielt worden sei, der es England und Frankreich gestatten würde, in der gleichen Weise die Probleme ins Auge zu fassen, die auf der Konferenz von Genf gestellt sind, so daß die beiden LänLer eine gemeinsame Haltung einnehmen könnten. Oie Auffassung in Berlin. Berlin, 13. Juli. (TA.) Die amtlichen Berliner Stellen nehmen zu dem vom englischen Außenminister im Unterhaus bekanntgegebenen englisch-französischen Sondervertrag noch keine Stellung, da der Wortlaut des Vertrages noch nicht vorliegt. In unterrichteten Kreisen glaubt man jedoch, daß die R e i ch s r e g i e r u n g auf jeden Fall noch einige Rückfragen stellen wird, um sich über die Bedeutung, insbesondere des Artikels 1, nähere Aufklärung zu verschaffen. (Eine Beteiligung Deutschlands an politischen Abmachungen, wie sie vor Lausanne von französischer Seite im Sinne einer „Treuga-dei" bzw. während Lausanne in dem Gedanken eines Konsultativpakts vorgesehen waren, dürfte nicht in Frage kommen. Dagegen sollte es unter Umständen für Deutschland zweckmäßig fein, einer allgemeinen Vereinbarung, wie sie zwischen England und Frankreich getroffen worden ist, im Hinblick auf die genannten politischen Aufgaben bei; utreten. Selbstverständlich würde sich D e u l s ch l a n d besonders hinsichtlich des Punktes 2 (Abrüstungsfrage) sowohl hinsichtlich des Zeitpunktes, als auch des Gremiums Handlungsfreiheit vorbehalten müssen, wann und in welcher Form die Frage der Gleichberechtigung am zweckmäßigsten zu behandel»« wäre. Die Punkte 3 und 4 des Abkommens entsprechen ganz den Deutschland in Lausanne gegebenen Anregungen. was die verschiedenartige Auslegung des Lausanner Vertragswerks durch Macdonald einerseits und herriot anderseits für den Fall betrifft, daß das Vertragswert nicht zustande kommen würde, fo ist zu bemerken, daß die Auslegung, die der englische Ministerpräsident Macdonald im Unterhaus gegeben hat, durch den Präsidenten der Lausanner Konferenz erfolgt ist, der für die Auslegung mehr als jeder andere als zuständig angesehen werden muß. Präsident Macdonald hat bekanntlich erklärt, daß im Falle des Richt- zustandekommens des Lausanner Vertragswerts der Poungplan nicht wieder in Kraft tritt, sondern eine neue Konferenz über das weitere zu entscheiden hätte. Ein englischer Vorschlag. London, 13. Juli. (TU.) Die zuständigen englischen Stellen bemerken zu den neuen englischfranzösischen Abmachungen, es sei bekannt, daß Deutschland dem ganzen Schritt freundschaftlich gegenüberstehe. Dieses neue Abkommen werde die geeignete Plattform fein, die Deutschland die Möglichkeit gebe, etwaige politische Forderungen zur Sprache zu bringen, auf die man in Lausanne nicht näher eingehen konnte, da dort nur das reine Reparationsproblem zur Verhandlung gestanden habe. Die englischen Stellen betonen ferner, daß das neue Abkommen in keiner weife in sich etwa die Bildung einer europäischen Einheitsfront gegenüber den vereinigten Staaten bedeute. Ls habe gar keine Beziehungen ju den europäischen Schulden. Oer innerpolitische Machtkampf. Unterwegs nach Reudeck. Berlin, 14 Juli. (WTB. Funkspruch.) Der Reichskanzler und der Reichsinnenminister sind gestern abend nach Reudeck abgereist. Bayern und das Reich. (Line Unterredung mit Dr. Heim. Köln, 13.Juli. (ERB.) Die „Köln. Ztg." veröffentlicht in ihrer heutigen Abendausgabe eine Unterredung mit Geheimrat Dr. H e i m. Das den Föderalismus angehe, führte Dr. Heim aus, so sei es hier bei Worten geblieben. Nicht Bayern habe den Gegensatz zum Reich gesucht sondern die neue Regierung habe diese Gegen- ätzlichkeit geschaffen. Entscheidend seien aber andere Dinge Bayern habe am 10. April zum zweiten Male den S i e g d e r K a n d i d a t u r H i n d e n b u r g s entschieden. Leitgedanke sei dabei gewesen, durch die Wiederwahl Hindenburgs den Boden für eine konstante Reichspolitik zu bereiten und Experimente nach der einen oder anderen Seite zu verhüten. Deshalb habe sich Bayern auch bis zum letzten Augenblick gesträubt, Parteiunisorrnen mit der Armee und der Polizei gleichzustellen und damit Burger* triegsarmeen die Straße freizugeben. Bayern werde heute von Leuten beschimpft, die noch vor wenigen Jahren seine Politik nicht laut genug hatten rühmen können Dr. Heim betonte weiter, die Nationalsozialisten würden seiner Ueberzeugung nach bei den kommenden Wahlen nicht die Mehrheit bekommen, sondern in mehr als einem Lande Deutschlands an Stimmen verlieren. Eine Hitler-Regierung im Reiche wäre nur von kurzer Dauer, aber er rechne gar nicht mit dieser Mög- lichkeit. (Eine Gefahr der Separation Bayerns sehe er nur dann, wenn der Bolschewismus In gewissen Teilen Deutschlands hochkomme. Dr. Heim erklärte, er sei der Meinung, daß der jetzige Nationalsozialismus in kurzer Zeit vom Bolschewismus abgelöst werden würde. In Bayern denke niemand an Separatismus. Dr. Heim verwies im weiteren Verlaufe des Gespräches darauf, daß gerade durch die jüngsten Vorgänge der monarchische Gedanke in Bayern starken Auftrieb erhalten habe. Zur Frage der Wahlbündnisverhandlungen der Bayrischen Volkspartei erklärte Dr. Heim, er habe in der Presse gelesen, daß die Wirtschaftspartei mit der Bayrischen Dolks- partei einig geworden sei. Das liege durchaus im Zuge der Politik, die er schon 1918 befürwortet habe. Oie christlichen Gewerkschaften fordern Llnifonnverbot. Berlin, 13.Juli. (CNB.) Der Vorstand des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften hat an den Reichspräsidenten ein Telegramm gerichtet, in dem unter „^jnroeis auf die zunehmenden Terrorakte und die täglich sich mehrenden politischen Morde, die ein sofortiges allgemeines U n i f o r m d e r b o t erforderten, der Reichspräsident gebeten wird, nunmehr alle verfassungsmäßigen Mittel in Anwendung zu bringen, um weitere Gewalttätigkeiten zu verhindern, das Leben der Volksgenossen zu sichern und die freie Entschließung beider Reichstagswahl zu garantieren. Umgestaltung des Rundfunks. Stärkerer Einfluß des Ncichcs. Berlin, 13. Juli. (ERB.) In der Presse ist in den letzten Tagen mehrfach von Reformplänen der Reichsregierung für eine Umgestaltung des Rundfunks die Rede gewesen. Hauptsächlich ging es bei den bisherigen Besprechungen darum, den Widerstand des Reichspost- ministeriums zu überwinden. Das scheint durch eine Lösung gelungen zu fein, durch die die praktischen Entscheidungen in die Hand des Reichsinnenministeriums gelegt werden, während die Einnahmen weiter der Reichs- Post zufließen. Der Grundgedanke der Reform geht auf eine stärkere zentrale Einflußnahme hinaus. Deshalb soll auch neben dem jetzt schon bestehenden Reichsrundfunk- fommiffariat ein zweites politisches Kommissariat errichtet werden. Diese beiden Persönlichkeiten werden dann aber nicht mehr Kommissare, sondern Direktoren sein. Dagegen scheint es nicht zuzutreffen, daß eine Pa-- rallele Umformung auch bei den Sendegesell- schaften beabsichtigt ist. Soweit wir unterrichtet sind, de.nkt man augenblicklich daran, statt dessen den Deutschlands en der weiter auszubauen und ihn den Zielen des Reiches weiter dienstbar zu machen. Eine solche Lösung würde durchaus mit dem Grundsatz einer kulturellen Dezentralisation und einer politischen Konzentration übereinstinrmen. Jedenfalls werden auf diese Weise auch die Schwierigkeiten umgangen, die sich sonst unter Ilm ständen von den Ländern her einstellen könnten. In unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß die Umgestaltung des Rundfunks schon in kurzer Zeit Tatsache werden wird. In nächster Zeit werden Besprechungen mit den zuständigen Instanzen der Länderregierungen stattsinden. Dann wird sich auch der Reichsrat mit dem Plan der Reichsregierung beschäftigen. Nationalsozialistische Regierung in Mecklenburg-Schwerin. Schwerin, 13. Juli. (WTB.) Der neue Landtag für Mecklenburg-Schwerin wählte heute in seiner ersten konstituierenden Sitzung zum Landtags- Präsidenten den nationalsozialistischen Abgeordneten Krüger-Goldberg, zum Vizepräsidenten den nationalsozialistischen Amtshauptmann Dr. Schumann- Wismar. Auch sonst wurde das Präsidium aus Nationalsozialisten zusammengesetzt. M i n i st e r p r ä s id e n t wurde der nationalsozialistische Abgeordnete Gutsbesitzer G r a n z o w - Severin. Die Sozialdemokraten gaben ihre Stimme für einen eigenen Kandidaten ab, ebenso die Kommunisten. Bei der Wahl des zweiten Staatsministers wurden für den nationalsozialistischen Amtshauptmann des Amtes Güstrow Dr. Scharf 30 nationalsozialistische Stimmen abgegeben. Konferenz der Landwirtschastsminister der Länder. Berlin, 13. Juli. (CNB.) Roichsernährungs- minifter v. Braun hat, wie wir vorn Reichs- ernährungsministeriurn erfahren, die Landwirtschafts'. und Ernährungsminister der Länder zu einer Konferenz am 19. und 20. Juli nach München eingeladen. Gegenstand der Besprechungen sollen die Agrarfragen bilden. Oer freiwillige Arbeitsdienst. Berlin, 13. Juli. (WTB.) Das Reichs ka- bi n e 11 verabschiedete in seiner heutigen Sitzung nach Vortrag des Reichsarbeitsministers eine Verordnung über den freiwilligen A r ° beitsdienft. Die Verordnung wird veröffentlicht werden, nachdem sie dem Reichsrat zur Kenntnis gebracht worden ist. Oer angebliche Inhalt der Verordnung Berlin, 13. Juli. (TU.) Ueber den Entwurf der Reichsregierung über einen freiwilligen Arbeitsdienst weiß die „Kreuzzeitung" aus offener gut unterrichteter Quelle folgendes zu melden, wobei zu berücksichtigen ist, daß der Entwurf in der abschließenden Kabinettsberatung noch in einigen unwesentlichen Punkten abgeändert worden ist: In Frage kommt lediglich die Ernennung des Staatskommissars für den freiwilligen Arbeitsdienst, der den Kreisen des Reichswehrmini ft eriums entnommen werden wird, aber die Garantie bieten soll, daß der Arbeitsdienst in seiner obersten Stufe jedem parteipolitischen Einfluß entzogen bleibt. Außerdem wird ein bewährter Fachmann auf organisatorischem Gebiete aus unbedingt ü b ' r* parteilichen Kreisen als Stad schef oder dergleichen eingesetzt werden. Ferner sei beabsichtigt, ein Rcichsamt für geistige und IbrperHoje Ertüchtigung d e r Jugend in unmittelbarer Anlehnung an das Reichswehrmimsterium zu schassen. Gewerkschaften gegen ArbeWienftpfticht Be r l i n, 13. Juli. (CNB.) Der Vorstand des A 1l* gemeinen Deutschen Gewerkschafts- bundeshat heute abschließend Stellung zur Frage des Arbeitsdienstes genommen und das Ergebnis seiner Beratungen der Reichsregierung unterbreitet. Der Vorstand des ADGB. wendet sich gegen alle Pläne, die in irgendeiner Form eine Arbeits- d i c n st p f l i ch t vorsehen. Er tritt für eine wirksame Arbcitshilfe für d.ie jugendlichen Erwerbslosen ein, au'fgebaut auf absoluter Freiwilligkeit. Oer Memelkonflikt vor dem Haager Gerichtshof. Haag 13. 3uli. (WTB ) In b:r h.ut gen Dor- mittagssihung des Ständigen Internationalen Ge- richtshofes wurden die öfsentlichen Verhandlungen im M e m e l st r e i t mit der Replik der Vertreter der klägerischen Parteien auf das Plädoyer des litauischen Vertreters zu den Punkten 5 und 6 fortgesetzt. Zunächst ergriff der Vertreter Italiens Pilo t t i das Wort. Er betonte, daß die vier gegen Litauen als Kläger auftretenden Regierungen alle von ihnen vorgebrachten Argumente aufrechterhielten, insbesondere auch ihren Vorwurf, dah derlitauischeGou- v e r n e u r von seinem formellen Recht zur Ernennung des Präsidenten des Direktoriums und zur Auflösung des Landtages im Falle Simaitis Mißbrauch getrieben habe. Der englische Vertreter Sir William Malkin ergänzte das Plädoyer Pilottis in mehreren Richtungen. Er betonte insbesondere, dah der Gouverneur, nachdem zutage getreten war, dah die Mehrheitsparteien des Landtages nicht mit Simaitis zusammenzuarbeiten wünschten, diese Ernennung nicht hätte aufrechterhalten dürfen, so dah die Vildung des Ministeriums Simaitis gar nicht hätte zustandekommen dürfen. Der französische Gesandte im Haag Varon de D i t r o l l e s , der an die Stelle des gestern nach Paris zurückgerufenen französischen Vertreters Chargueraud getreten ist. sowie der japanische Gesandte im Haag Varon M a t s u m a g a schlossen sich für die beiden anderen klägerischen Regierungen den vorstehenden Ausführungen an. Die Verhandlungen wurden darauf auf 17 Llhr vertagt. Ernste Zuspitzung im Fernen Osten. Japan beseht die Hafenumschlagsstelle Charbin der ostchinesischen Eisenbahn. Moskau (über Kowno), 13. Juli. (XU.) Rach einer russisch-amtlichen Mitteilung haben am 7. Juli Vertreter der mandschurischenRe- gierung in Begleitung japanischer Ratgeber dem Leiter der U in s ch l a g st e l l e des Hafens von Charbin, die der chinesischen Ostbahn gehört, mitgeteilt, dah sie die s o - fortige Uebergabe der Schlüssel der Lagerhäuser verlangten. Sie erklärten die Hafenleitung als abgesetzt. Der Leiter der Hafenumschlagstelle erklärte dem japanischen Vertreter, dah er die Schlüssel ohne die Erlaubnis des Leiters der chinesischen Ostbahn, Ingenieur Rudy, nicht ausliefern könne. Rach dieser Absage besetzten die Japaner mit Hilfe der mandschurischen Polizei sämtliche Lagerhäuser und alle Schiffe, die der chinesischen Ostbahn gehören. Wie weiter gemeldet wird, wurden auch mehrere russische Barten fe st geh alten. Das Verhalten der Japaner hat in Moskau große Empörung hervorgerufen. Das Auhenkommissariat hat den russischen Generalkonsul in Charbin angewiesen, gegen die Be- schlagnahmc der Umschlagstelle zu protestieren und zu erklären, dah die mandschurische Re- gierung für alle Schäden, die der Sowjetunion entstehen, verantwortlich gemacht werde. Russischer Protest in Tokio. Tokio 13.Juli. (TU.) Der sowjetrussische Botschafter hatte mit dem stellvertretenden japanischen Außenminister eine Unterredung, in der er darauf hinwies, dah die Besetzung der Umfchlagstelle in Charbin durch mandschurische und japanische Beamte einen Bruch des russisch-chinesischenVertrages bedeutet. wodurch eine weitereDerschärfung derLage im Fernen Osten herbeigeführt werde. Russische Proteste helfen nichts. Tschangtschun, 13. Juli. (TU.) Don man- dschurischer amtlicher Stelle wird erklärt, dah die Beschlagnahme derUmschlagstellein Charbin auf Grund eines Beschlusses der mandschurischen Regierung erfolgt sei. die sich genötigt sehe, den Schiffsverkehr auf dem Sungari - Fluh zu kontrollieren, um dadurch den japanischen Truppen zu helfen die Aufstandsbewegung, die besonders in Sachal- jan im Gange sei. niederzuschlagen. Die mandschurische Regierung erklärte weiter, dah die Beschlagnahme trotz aller russischen Proteste nicht aufgehoben werden würde. Aus aller Welt. Strenge Paßkontrolle in Ztalien. Berlin, 13. Juli. (CRD.) Da angesichts der in letzter Zeit erfolgten Attentate auf Mussolini die italienischen Behörden nicht nur einen verschärften Polizeischutz für den Mi- nisterpräsidenten angeordnet haben, sondern auch eine strenge Kontrolle der nach Italien, insbesondere nach Rom reisenden Ausländer durchführen, wird von amtlicher Seite an alle Italienreisenden die dringende Mahnung gerichtet, für äuherst sorgfältige Innehaltung der Pahvorschriften Sorge zu tragen, um unliebsame Weiterungen zu vermeiden. Neue Oevisenschiebungen in Berlin. Berlin, 13. Iuli. (CRB.) Wie wir erfahren, ist gegen den in Charlottenburg wohnenden Prinzen Victor Salvator von Vsen- burg und gegen den früheren Rechtsanwalt Dr. Kienitz ein Haftbefehl erlassen worden wegen Devisenschiebungen. Der Prinz verkaufte vor einiger Zeit bei einem Berliner Bankhaus nach und nach größere Mengen von Wertpapieren in einem Gesamtwert von über 200 000 Mk. Der Gegenwert wurde ihm bar ausgezahlt, und zwar in Tausendmarkscheinen, deren Rummern der Reichsbank mitgeteilt wurden, die nun ihrerseits darauf achtete, wo diese Banknoten wieder auftauchten. Als man nun feststellte, daß ein Teil dieser Tausendmarkscheine in Saarbrücken im Verkehr erschien, benachrichtigte man die Zollfahndungsstelle. Die Ermittlungen führten zu dem Ergebnis, dah bei diesen Effektenverkäufen des Prinzen auch ein gewisser Dr. Hans Kienitz tätig gewesen ist. Kienitz soll den eigentlichen Besitzern der Wertpapiere den Erlös ausgehändigt haben. Auf Grund dieses Tatbestandes wurden Dr. Kienitz und Prinz Vsenburg gestern nachmittag f e st - genommen und dem Dernehmungsrichter beim Amtsgericht Charlottenburg vorgeführt. Gegen beide wurde Haftbefehl erlassen. Beide b e st r e i t e n sehr entschieden, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben. Weder Prinz Vsenburg, noch Dr. Kienitz will gewußt haben, daß die Besitzer der Effekten das Geld über die Grenze bringen wollten, sie wollen auch beide keinerlei Vorteile von diesen Verkäufen gehabt haben, bei denen es sich, wie Prinz Vsenburg erklärt, lediglich um eine Gefällig- NeueSpielerinderOavis-Eup-Mannschast Frenz und Gustav Jä necke, die jetzt erstmalig der deutschen Davis-Eup-Mannschaft angehören. Voraussichtlich wird Frenz mit Prenn das Doppel in dem Treffen gegen Italien bestreiten, das am Freitag in Mailand beginnt, während Jänicke, der der deutschen Sportgemeinde durch seine Siege in der Eishockey-Nationalmannschaft bekannt ist, eventuell als Ersatzeinzelspieler antreten wird, falls einer unserer Hauptoertreter nicht in Form ist. feit gegenüber den eigentlichen Besitzern gehandelt habe. Wem diese Wertpapiere eigentlich gehören, ist bisher nicht bekannt geworden, doch wird von den Beteiligten der Verdacht, daß es sich um Effekten aus ausländischem Besitze handele, energisch in Abrede gestellt. Inwieweit sich die Vorwürfe gegen den Prinzen und Dr. Kienitz bestätigen, muh dem weiteren Verlauf der Untersuchung überlassen werden. Rechtsanwalt Gollnick, der die Verteidigung der beiden Verhafteten übernommen hat, beantragte bereits Haftentlassung gegen Sicherheitsleistung von 10 000 Mk. für den Prinzen und gegen eine weitere Kation für Dr. Kienitz. Oie Fälschungen Zvar Kreugers. Stockholm, 13. Juli. (WTB.) Die Polizeibehörde hat heute zwei weitere Berichte in der Kreugerangelegenheit veröffentlicht. Der eine von ihnen befaßt sich mit der Prüfung der Bücher der Continental Investment Corporation, bei der sich herausgestellt hat, daß mehrere von diesen B ü ch e r n fa l s ch geführt sind. Es zeigte sich, daß Ivar Kreuzer den Namen des italienischen Ministers Boselli zu einer bisher unbekannten Fälschung mißbraucht hat, und zwar auf einem Depositenzertifikat für 1 180 850 Aktien der Fabriche Riunite di Fiammiferi. Die Prüfung hat weiter ergeben, daß die Continental Investment Corporation per 31. Dezember 1930 ein Guthaben bei der Kreuger & Toll in Höhe von etwa 66 Millionen Sfrs. führte, obwohl nach den Büchern der Kreuzer & Toll diese Gesellschaft eine Forderung in Höhe von 61 Millionen Sfrs. an die Continental Investment hatte. Der zweite Bericht gilt der Gesellschaft Russia, die 1912 gegründet wunde. Als einziges Aktivum wurde eine Schuld Ivar Kreugers durch alle diese Jahre geführt. Die Buchhaltung bestand nur aus einem Buch, und zwar aus einer Gewinn- und Verlustrechnung und einer Passiv- und Aktiobilanz. Gewitter und Wolkenbruch in Mecklenburg. Schwerin (Mecklenburg), 13. Iuli. (WTB.) Ein auherordentlich schweresGewittermit Hagelschlag undWolkenbruch hat heute nachmittag die mecklenburgische Stadt Crivitz und ihre Umgebung heimgesucht. Das Wasser überschwemmte Straßen und Hausflure und drang zum Teil bis in die Wohnzimmer. Der Schaden, den der Hagel auf den Feldern und in den Gärten angerichtet hat, ist ungeheuer groß. Der Blitz zündete in Crivitz und Umgebung in sechs Gebäuden. In der Stadt Crivitz schlug er in zwei Gebäude, von denen eines, die Scheune eines Ackerbürgers, eingeäschert wurde, während in einem Wohnhaus eines Dersicherungsbeamten das Feuer wieder gelöscht werden konnte. In der Umgebung sind durch Blitzschlag insgesamt vier Wohn- und Wirtschaftsgebäude in Asche gelegt worden. Auch Vieh ist umgekommen. Unglücks-Wochenend in England. Während des letzten Wochenendes in England ist eine ungewöhnlich große Zahl von Menschenleben Unfällen zum Opfer gefallen. In den Seebädern sind nach den bisher vorliegenden Meldungen insgesamt 20 Personen ertrunken. Bei Straßen- Unfällen fanden acht Personen den Tod. Auf einer Miniatur-Eisenbahn im Vergnügungspark ruSit Scarborough stießen zwei Eisenbahnzüge zusammen. Ein Lokomotivführer wurde getötet; 31 Passagiere erlitten Verletzungen. Sieben von ihnen mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Der Palast eines Maharadschas erstürmt. In Simla, der Hauptstadt des indischen Staates Udaipur, kam es zu äußerst schweren Unruhen, die ihren Höhepunkt in der Erstürmung des Palastes des Maharadschas durch eine fanatische Menge fanden. Da die Polizei wehrlos war, mußten die Regierungstruppen aufgeboten werden. Diese feuerten auf die Menge, wobei fünf Personen getötet wurden. Erst nach erbittertem Handgemenge gelang es, den Palast von den Eindringlingen zu säubern. Als Ursache dieser Unruhen wird Unzufriedenheit mit der Herrschaft des Maharadschas angegeben. Ein Jahr Gefängnis für Curtis. In Flemington (Rew Verseh) hat das Gericht den Angeklagten Curtis, der in dem Fall Lindbergh den „Vermittler" spielfe, zu einem Iahr Gefängnis und 1000 Dollar Geldstrafe verurteilt. Oer Knochenmann mit der Geldtasche. Von Gustav W. Eberlein, Nom. Golf von Reapel, im Iuli. Wenn man so durch die alte Stadt schlendert, die eine Zeitlang am Sarnus lag und Cicero wie Schiller zu Lobsprüchen veranlaßte, deren sich der Reklamechef eines Kurortes nicht zu schämen brauchte, gerät man bald nach der Bäckerei, erkenntlich durch die Inschrift Salve lucrum (Es lebe der Profit!), und dem Haus zur silbernen Hochzeit bei der Kaserne, wo die verräterischen Liebesbriefe gefunden wurden, in Schutthaufen, die, von einem Brand stammend, der städtischen Straßenreinigung viel zu schaffen machen. Sie verdecken, abgesehen von dem Verkehrshindernis, die Wahlschmierereien an den Wänden und die Zeichnungen, vor denen ein Matrose erröten könnte, und dürfen daher nur sorgfältig abgeschaufelt werden. Wenn gerade niemand hersieht, kann man ja in der Asche ein bißchen herumbuddeln und hinter die Bretter schauen, die von der Polizei aufgestellt werden. In beiden Fällen begegnet man mit Vorliebe klapperigen Skeletten. Die Wahrheit ist die, daß bei dem Unglück doch eine erhebliche Zahl von Menschen ums Leben gekommen sind, die meisten bei dem Versuch, durch nochmaliges Zurückkehren in die brennenden Häuser Geld und Gut zu retten. Wie sie dann, erstickt und verschüttet, liegenblieben, so findet man sie jetzt. Ich war gerade in dem nicht recht gastlichen von der Polizei überwachten Hause des Herrn Me- nandro zu Besuch, als ein junger Mann ausgegraben wurde, dessen Skelett jenen schönen gelben Mattglanz alten Elfenbeins hatte, der die Amerikanerinnen so gerne verleitet, sich ein kleines Andenken an diese Gegend, very nice indeed, mitzu- nehmen: einen Ringfinger oder einen hübschen Wirbelknochen. Er hatte die Hand fest auf die Geldtasche gelegt und die Geldtasche ans Decken gedrückt, noch im Fallen und Liegen und Sterben. Hübsche Tasche, nach den guterhaltenen Schließen zu urteilen, das Leder allerdings vermodert. Mit ^cht^u hingegen das Geld. Es waren gutgezählte 72 Silberlinge, rechtschaffene Taler, dazu ein Haufen Küpser. . Wahrscheinlich also ein Diener, es handelt sich e.lP Aches Haus, dessen Besitzer sich sicher "Ä mi- Älcm9clb abgab. Reben ihm kam Tin Stecker lunger Mann zum Vorschein und dann noch ein Gerippe und wieder eines, dazwischen Scheren, Aexte, Schaufeln, Werkzeug und Rägel, eine wunderbar verzierte Bronzevase, ein moderner Eimer, Fruchtschalen, Küchenmesser und sonstiges Hausgerät, wie man es wahllos in der Panik zu raffen pflegt. Früher hat man alles sorgfältig wie für eine Erbteilung zusammengetragen und unter Glas ins Museum gestellt, jetzt läßt man's an Ort und Stelle und daher kommt es, daß man sogar in Speisezimmern Skelette liegen sieht und der Führer in Öen Küchen die Damen durch eifrigen Hinweis auf die Speisenreste in den Kochtöpfen von den Dingen ablenkt, die er mittlerweile den Herren zeigt. Auf die Dauer ist solches Bemühen natürlich umsonst, denn die Stadt hat immerhin einen weitaus größeren Umfang als die Vatikanstadt und es ist sicher darin auch freier zugegangen als in dieser. Wie denn überhaupt die Moral ein zeitlicher und oft nur ein geographischer Begriff zu sein scheint. Wir leben jetzt in einem anderen Jahrhundert. Uebrigens, so schwer es oft fällt, sich daran zu erinnern, dah der alte Kalender nicht mehr gilt, ich muß doch sagen, der oben erwähnte, kürzliche Brand liegt natürlich allem Anschein zum Trotz schon länger zurück. er ereignete sich am 24. August 79. Pompeji, die alte Stadt, durch die man jetzt so gemütlich schlendert, weil man wie in Venedig keine Autos im Rücken weiß, liegt in der Luftlinie zehn Kilometer vom Vesuvkrater entfernt und durste daher überrascht sein, als seine Rauchfahne über sie hinwehte. Gefahren der Seefahrt. Don Georg Mühlen-Schulte. In der Elektrischen erlauschte ich die folgende Unterhaltung zweier Frauen: „Wie geht's denn Ihrem Aeltesten, dem Emil?" „Das ist nicht mein Aeltester, das ist mein Jüngster." „Na, wie geht's ihm denn?" „Wem?" ,^IHrem Aeltesten." „Ach, Sie meinen wohl den Willi?" „Willi? Ich denke, Emil heißt er." „Nein, was der Aelteste ist, der heißt Willi." „Na, wie aeht's ihm denn?" „Dem geht s gut. Der ist Matrose." „Bei der Schtffsschaukel oder richtig?" „Nichtig. Er liegt jetzt da unten in der Nähe von Australien bei den Mariannen und Karolinen." „Ja, ja, die Weisleut!" „Das sind keine Weibsleut, die Mariannen und Karolinen. Das sind Inseln." „Marianne ist eine Insel?" „Ja." „Und Karoline ist eine Insel?" „Ja." „Machen Sie keine Sachen! Ich heiße Auguste. Bin ich vielleicht auch ’ne Insel?" „Also wenn Sie mir nicht glauben wollen ..." „Ich glaube Ihnen ja. Was macht er denn da unten, der Emil?" „Sie meinen der Willi." „Ich meine Ihr Aeltester." „Das ist der Willi. Der Matrose. Der macht da Tiefseeforschungen." „Ach nee! Sind denn seine Augen scharf genug fürs Tiefsehn?" „Dazu braucht er keine scharfen Augen. Die Tiefsee, das hat nichts mit Tiefsehn zu tun. Die Tieffee, das ist das, was sich ganz unten auf dem Meeresboden befindet und wird mit Schleppnetzen raufgeholt." „Gucken Sie mal an! Ich habe immer schon zu meinem Mann gesagt, der Emil, der kommt ganz nach seinem Vater." „Sie meinen der Willi." „Ihr Aeltester." „Das ist der Willi. Wieso kommt denn der ganz nach seinem Vater?" „Na, der hat doch auch immer so gerne geangelt ... Ist ja fein, daß der Junge so ’ne schöne Stelle hat." „Ja, aber sie haben da sebr unter den Polypen zu leiden." „Polypen? Bäx! Das kenne ich von unserem Trud- chen. Eine eklige Sache." „Und ob! Der Willi schreibt, sein erster Offizier hätte einen, der ist vier Meter groß und zwei Zentner schwer." „Um Gotteswillen, das ist ja schrecklich! Kann er sich denn das Biest nicht rausnehmen lassen?!" Leider mußte ich an dieser Stelle aussteigen. Perlen bedeuten Tränen. .Es ist eine alte Weisheit, daß man Perlen nufjt vor die Säue werfen soll; aber auch Hähnen soll man es besser nicht, wie der Fall Siegfried lehrt. Doch damit nicht genug: die Juristen haben mit dem ebenbenannten „ Fall" Siegfried eine harte Ruß zu knacken bekommen. Der Siegfried, von dem wir.sprechen, ist zwaj: ein Recke, aber er stammt nicht aus der Hel* densage, sondern aus einem Hühnerhof in Scho* nen. Don dort aus wagte er den Sprung auf die Dretter, die für manchen Menschen die Welt bedeuten. Siegfried der Hahn ist also zur Zeit wohlbe„ stall" tes Mitglied einer Schauspieler^ truppe, die im Komödienhaus in einem Lustspiel „Menagerie" auftritt. Siegfried war beliebt, sehj beliebt sogar, auch bei den menschlichen Kollegen, was sich darin äußerte, daß sie ihn nach Belieben in den Garderoben herumspazieren ließen, und, was ihm wichtiger erschien, ihm manchen guten Dissen zukommen ließen. Aber offenkundig genügten diese Brocken unserem Freund nicht, der darauf ausging, sich einen Ribelungenfchatz in kleinem Maßstab zuzulegen. Weshalb er nicht nur Brotkrumen, sondern auch Kragen- und Manschettenknöpfe, die er in den Garderoben fand, sich zu Gemüte führte. Richt weiter verwunderlich, daß diesem Fraß eines schönen Tages auch eine Perle, die das Eigentum der Hauptdarstellerin war, zum Opfer fiel. Richt zu Llnrecht war die Dame entrüstet, sie schimpfte, tobte und drohte der Direktion mit einer Schadenersatzklage. Sollte man diesem Hahn, zwecks Wiedererlangung der Perle, den Hals umdrehen? Auf diese Weise einen so wertvollen Mitarbeiter verlieren — nein! Dazu konnte sich die Direktion nicht entschließen. Lind so brachte sie ihn denn zum Tierarzt, der seinem Kropf die diversen Manschetten- und Kragenknöpfe und auch die Perle mit vielem Geschick und ebenso viel Instrumenten entnahm. Aber o weh! Die scharfe Säure im Kropfe Siegfrieds hatte die Perle um ein Bedeutendes ihres Llmfangs gebracht, und die Schauspielerin will nun die Direktion um den Betrag des verminderten Wertes verklagen. Aber durch alles Weinen und Zetermordio-Schreien läßt die Direktion sich nicht von dem Standpunkt abbringen, daß sie wohl für die Perle, nicht aber für deren Llm- fang haftbar gemacht werden kann. Wer wird also diesen Schaden tragen? Iuristen zerbrechen fich, ob der Merkwürdigkeit des Falles, ihre werten Köpfe. Siegfried, der Hahn entgegen, ist schon wieder wohlauf, stolziert in den Garderoben und schreit Kikerikiiii! Was wohl in der Hahnen- sprache heißen soll: Paßt ein bißchen besser auf eure Wertsachen auf! Aus der Prvvimialbauptstadt. Gießen, den 14. Juli 1932. DerlagSbuchhändler Otto Roth f. Am Dienstagabend ist, wie wir gestern schon für.3 berichteten, der Verlagsbuchhündler Otto Roth in Gießen im Alter von nahezu 83 Jahren verstorben. Mit ihm ist der Senior der Familie Roth, der an dem Ausjchwung der bekannten Ver- lagsfirma Emil Roth in hervorragender Weise mitgewirkt hat, in die Ewigkeit abberufen worden. Der Entschlafene entstammte einer Familie, deren Ursprung bis zum Jahre 1530 in Weißenburg in Bayern nachweisbar ist. Dem durch die Geschichtssorjchung mit Bestimmtheit festgestellten Ahnherrn des Heimgegangenen, dem von 4541 bis 1606 in Weißenburg ansässigen Hans Roth, wurtze von Kaiser Rudolf II. am 5. November 1577 das Wappen verliehen, das die Familie Roth bis auf den heutigen Tag führt und das allen aus dem Berlagshause hervorgegangenen Berösfentlichungen auf der Titelseite aufgedruckt ist. Der Dater des Verstorbenen der Berlagsbuchhändler Emit Roth, verheiratete sich im Jahre 1846 in Gießen mit der Witwe des Buchhändlers Christian Balthasar Ferber. Otto Roth erblickte am 6. September 1849 in Gießen das Licht der Welt. Nach dem Besuche der hiesigen Realschule aing er nach Heidelberg, wo er bei der Firma Mohr seine Ausbildung als Buchhändler genoß. Zur weiteren Fortbildung in seinem Berufe war er dann in den Buchhandlungen von Stein in Nürnberg, Baedecker in Essen, Perthes, Besser und Mauke in Hamburg, sowie bei Benda in Vevey tätig. Nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1876 übernahm Otto Roth im Alter von 27 Jahren die Leitung des väterlichen Geschäfts, das sich nach der Abzweigung der Sortimentsabteilung an den Sohn des Gründers der Ferberschen Buchhandlung nur noch mit dem Buchoerlag beschäftigte. Auf den Erfahrungen und Richtlinien seines Vaters aufbauend, konnte Otto Roth seinen Verlag in umsichtiger Arbeit von Jahr zu Jahr erweitern. Aus seinem Verlage nahmen zahlreiche Werke aus dem Gebiete der Medizin, der Staatswissenschaften, der Rechtswissenschaft und der Theologie ihren Weg in die weite Welt. Zu den Autoren, die ihre Werke im Verlage Emil Roth veröffentlichten, gehörten u. a. der Naturforscher Jakob Moleschott^ der Kirchenrechtslehrer Johann Friedrich von Schulte, der Mediziner Ferdinand Adolf Kehrer, der Jurist Karl Gareis und der Gießener Nationalökonom Magnus Biermcr, denen Otto Roth als Verleger in eifriger Arbeit die Wege an die Oeffentlichkeit ebnete. Neben den wissenschaftlichen Werken erschienen unter seiner Derlagslei- tung auch viele Gesetzessammlungen im Hause Roth. Auch auf dem Gebiete der Kulturarbeit trat der Verlag unter Otto Roths Leitung im Laufe der Jahre immer mehr hervor. Werke der Heimatdichtung fanden.hier eine besondere Pflegstatt. Große Bedeutung für die Kulturarbeit in Hessen errang sich der Verlag durch die Herausgabe hessischer Schulbücher, unter denen das „Hessische Lesebuch" mit seinen verschiedenen, der jeweiligen Altersstufe angepaßten Bänden eine besonders hervorragende Stellung im Schulbuchwesen gewinnen konnte. Wenn man jetzt nad) dem Heimgang« Otto Roths sein Wirken als Derlagsbuchhändler überblickt, so kann man feststellen, daß man hier vor einem Lebenswerk von großer Vielseitigkeit und erfolgreicher Mitarbeit an den geistigen Aufgaben unseres Volkes steht. Durch seine Werk« als Verleger und Förderer der Wissenschaft wird Otto Roth in der Geschichte des deutschen Verlagswesens ein bleibendes Andenken sicher (ein. Mit seinem Tode wird aber das von ihm aufgebaute Lebenswerk nicht zum Abschluß kommen, sondern es wird von seinen Nachkommen in pietätvoller Weise fortgeführt werden und dürfte dem Schulwesen, der Heimatpflege und der Wissenschaft noch weitere Befruchtung bringen. Anschauungs-Unterricht für Rechtstudierende. Der Präsident des Landgerichts der Provinz Oberhessen teilt mit: Um den Rechtstudenten eine unmittelbare Anschauung von den Einrichtungen der Justiz und dem Geschäftsgang bei den Gerichten zu vermitteln, sollen auf Anregung des hessischen Justizministers auch in diesem Herbst bei dem Amts- und Landgericht Gießen unentgeltlich Lehrgänge stattfinden. Dec Lehrgang beim Amtsgericht Gießen soll am Donnerstag, 20. Oktober, 15 Uhr (Zimmer 201 im Amtsgerichtsgebäude) beginnen. Er wird ad- gehalten. 1. am Donnerstag, 20. Oktober, 15 Uhr, durch Amtsgerichtsdirektor Keller. (Allgemeine Einführung, Organisation des Amtsgerichts, Zuständigkeit, Besichtigung der einzelnen Abteilungen des Amtsgerichts und Arbeitsgerichts.) 2. Am Freitag, 2 1. Oktober, 9 Uhr, durch Amtsgerichtsdirektor Keller. (Teilnahme an einer Sitzung des Amtsgerichts in Strafsachen, Besprechung der Fälle im Anschluß daran.) 3. Samstag, 22. Oktober, 10 Uhr, durch Amtsgerichtsrat Schmidt. (Freiwillige Gerichtsbarkeit, Nachlaßsachen.) 4. M o n t a g, 2 4. D f f o b e r, 9 Uhr, durch Amtsgerichtsrat S ch u d t. (Teilnahme an Zivilsitzung und Besprechung anschließend.) 5. Dienstag, 2 5. Oktober, 15% Uhr, durch Amtsgerichtsrat Gros. (Iugendsachen und Vor- mundschastssachen.) 6. Mittwoch, 2 6. Oktober, 9 Uhr, durch Amtsgerichtsrat Leun (oder dessen Vertreter). (Teilnahme an Zivilsitzung, Besprechung anschließend.) 7. Donnerstag,2 7. Oktober,9 Uhr, durch Amtsgerichtsrat B r ü ck e l. (Teilnahme an Zivilsitzung, anschließend Besprechung einzelner Fülle.) 8. F r e i t a g, 2 8. 0 f t o b e r, 9 Uhr, durch Amts- aerichtsdirektor Keller. (Teilnahme an Strafsitzung sPrioatklagej und belehrende Besprechung anschließend.) 9. Samstag, 2 9. Oktober, 10 Uhr, durch Amtsgerichtsrat Jöckel. (Registersachen und Grundbuchsachen.) Der Lehrgang beim Landgericht Gießen soll am Montag, 17. Oktober, 9 Uhr, beginnen. Er wird abgehalten: 1. Montag, 17. Oktober, 9 Uhr, durch Landgerichtsrat N e u r o t h. (Teilnahme an der Sitzung der II. Zivilkammer, Saal 52; Beschrechung im Anschluß daran.) 2. Mittwoch, 19. Oktober, 9 Uhr, durch Landgerichtsrat Trümpert. (Teilnahme an der Sitzung des Bezirksschöffengerichts, Saal 18. (Besprechung im Anschluß daran.) 3. F r e i t a g, 2 1. O k t o b e r, 9 Uhr, durch Landgerichtsdirektor Cramer. (Teilnahme an der Sitzung der Großen Strafkammer, Saal 36; Besprechung im Anschluß daran.) Gesuche der Studenten, die sich an den Lehrgängen beteiligen wollen, sind bis spätestens 10. Oktober 1932 beim Präsidenten des Hessischen Landgerichts der Provinz Oberhessen einzureichen. An dem land- gerichtlichen Lehrgänge können nur solche Studenten zugelassen werden, die sich bereits an dem im Frühjahr 1932 stattgefundenen amts- gerichtlichen Lehrgang beteiligt haben. Sonntagskücksahlkarten zum SezirlStmn- fefl des Ardeiter-Tuln und Sporldundes. Dom Bahnhof Gießen wird uns milgeteilt: An- läßlich des am 16. und 17. Juli in Grohen-Lin- den stattfindenden Bezirksfestes des Arbeiter-Tum- und Sportbundes werden von den Bahnhöfen der Strecke Nieder-Wöllstadt—Marburg, Mücke—Gießen, Ober-Widdersheim—Gießen, Grünberg—Londorf— Lollar (ausgenommen Beltershain, Kesselbach und Daubringen), Wetzlar—Lollar (ausgenommen Garbenheim, Atzbach, Krofdorf-Gleiberg und Launsbach), Stockhausen (Lahn)—Gießen, Edingen—Gießen, Hungen—Friedberg (ausgenommen Melbach, Will- fersheim-Södel und Berstadt-Wohnbach) und von den Bahnhöfen Assenheim, Lohra, Neukirchen (Kreis Wetzlars; Rosbach v. d. $)., Bilfingen und Weckesheim Sonntags rückfahrkarten mit normaler Geltungsdauer (Hinfahrt Samstag ab 12 Uhr, Rückfahrt Montag bis 9 Uhr) nach Großen-Linden aus- gegeben. Theater im Eaf6 Leib. Die Notgemeinschaft oberhessischer Bühnenkünstler hatte für den gestrigen Abend zu einer Unterhaltungsoeranstaltung eingeladen. Die Künstler riefen nicht umsonst. Es hatte sich eine stattliche Anzahl von Zuhörern eingefunden. Paul Nie- r e n vom Gießener Stadttheater, hatte das Amt des Ansagers übernommen und unterhielt die Gäste pflichtgemäß und auf [eine eigene humorvolle Art während den Pausen. Zunächst gelangte ein kleiner Sketch zur Ausführung, dessen Thema zweifellos nicht Anspruch auf Originalität erhob, immerhin aber zum Lachen zwang und damit feinen Zweck erfüllte. Es tauchte da wieder jener Rentier auf, der Seiten- prünge macht, sich dabei zufällig in die Freundin einer Frau verliebt und bei dem Besuch der all- eiligen Freundin in die tollsten Verlegenheiten gerät. Sodann sang Herr Kurt Richter mit seiner sympathischen Stimme das Auflrillslied aus dem „Zigeunerbaron" und das „Lagunenlied" aus „Eine Nacht in Venedig" und erntete verdienten Beifall. Frau Maria W i l h e l m i sang eine Arie und ein Lied, offenbarte dabei viel stimmliche Kultur und reife Technik, so daß auch hier der lebhafteste Beifall nicht ausblieb. Einen weiteren Erfolg erzielten Herr Kurt Richter und Frau Maria W i l h e l m i mit dem Duell „Wer uns getraut" aus dem „Zigeunerbaron" und dem Duell aus der „Gräfin Maritza". B u ch w a l d , eine in Gießen nicht unbekannte Persönlichkeit, offenbarte in seinen humoristischen Vorträgen große Vielseitigkeit des Ausdrucks, der Mimik in Verbindung mit Musik einem zum Teil sehr feinen Humor und erntete auch seinerseits viel Anerkennung. Zum Schluß gelangte unter der Mitwirkung einiger Herren des Orchestervereins eine kleine Parodie auf die Operette zur Aufführung, zu der Paul B u ch w a l d die Musik schrieb und die qun am gestrigen Abend 3um ersten Male zu Gehör gebracht wurde. Eine Fülle grotesker Situationen, humoristischer Couplets (auf der Bühne wurde das Stück nur von Herrn Kurt Richter und Frau Maria Wil- helmi bestritten) reizten zu freiwilligem und unfrei- willigem Lachen. Mit einem kurzen Schlußwort des Ansagers fand der Abend sein Ende. * ** E i n Siebzigjähriger. Ein in Gießen bei den Hausfrauen bekannte Persönlichkeit, der Milchmann Philipp Wild, wohnhaft Bahnhofstraße Nr. 33, feiert am morgigen Freitag, 15. Juli, seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar hat 47 Jahre lang in der hiesigen Dampfmolkerei gearbeitet und 40 Jahre lang als Milchverkäufer seinen Karren durch die Straßen gedrückt. Zahlreichen Familien brachte er die Milch ins Haus. Der Siebzigjährige, der fid) feit seinem 40. Arbeilsjubiläum einer leichteren Arbeit zuwandte, wurde weiterhin in der Molkerei Grieb beschäftigt und trat erst Anfangs dieses Jahres in den Ruhestand. ** Schrotschuß-Verbot auf Rot - und Damwild. Der Landesverein Hessen des Allgemeinen Deutschen Iagdschutzvereins weist in einer Zuschrift darauf hin, daß während des ganzen Jahres Schrotschuß-Verbot auf Rot- und Damwild und auf den Rehbock während der Schonzeit des weiblichen Rehwildes herrscht. Gegen dieses Verbot wird noch verschiedentlich verstoßen. Der Landesverein hält es für feine Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, daß sich jedermann strdfbar macht, der gegen dieses Verbot handelt. Die Aufsichtsorgane sind angewiesen, strenge Kontrolle auszuüben. ** VH C. Gießen. Dom schönsten Sommerwetter begünstigt, unternahm am Sonntag der VHC. Gießen in der Stärke von rund 80 Teilnehmern seine Juliwanderung in das liebliche Biebertal. Gleich hinter Bieber setzte der Aufstieg kräftig ein, um die Wanderer auf die Höhe des Großen Rothenbergs zu bringen, wo sich prächtige Rück- und Ausblicke auf die reizvolle Umgebung boten. Aach einer kurzen Aast, an einem idyllischen Auheplätzchen ging es über Königsberg, wo der Auine ein Besuch abgestat- tet wurde, zur Mittagspause nach dem hochgelegenen Hohensolms. Der Weitermarsch führte über den „Hals", mit wiederum hübschen Blicken nach den Westerwaldbergen, durch das bewaldete Helfholz und über dessen aussichtsreiche Höhe nach einer anmutig gelegenen Jagdhütte, von der man einen entzückenden Blick auf den Dünsderg genoß. Der vor zwei Jahren neu angelegten weißen Strichmarkierung nach ging es nunmehr, nachdem das Dünsbachtal durchquert war, am kleinen Dünsberg vorbei über den Kreuzbuchenplatz zum Dünsderg. Die Ruhepause auf der Höhe wurde auch zur Besteigung des allerdings noch nicht ganz fertiggestellten Turmes benutzt. In dankenswerter Weise hat der Dünsderg-Derein den reparaturbedürftigen Turm um drei Meter erhöhen lassen so daß nunmehr die Aussicht eine weit umfassendere als seither ist, was die Wanderer angenehm empfanden. Der Abstieg führte zum Ausgangspunkt Bieber zurück, von wo nach einer Schlußrast die Heimfahrt erfolgte. Oie Zusammenstöße in Naunheim. WEN. Wetzlar, 13. Juli. Die Meldung, daß der bei den politischen Zusammen st äßen in Naunheim (Kreis Biedenkovf) durch einen Schuß schwer verletzte junge SA.-Mann seinen Verletzungen erlegen ist, trifft nicht zu. Der junge Mann befindet sich im Wetzlarer Krankenhaus; Lebensgefahr besteht zur Zeit nicht. Die Post unter der Erde. 250 Kilometer Rohrpost in Berlin. — 50 Minuten von einem Stadtende zum andern ist zu lange! — Weichensteuerung bei der Schnellrohrpost. Don Dr. Felix Petri. Wer einmal Gelegenheit hat, an einer Baustelle im Zuge einer Großstadtstrahe das unterirdische Versorgungssystem der gewaltigen Menschenansiedlung. die Eingeweide des Großstadt- pslasters, kennen zu lernen, der findet zuweilen neben den imposanten Wasser- und Abwasserrohren, den Gasleitungen, den elektrischen Starkstromkabeln, den unterirdischen Anlagen des Telegraphen- und Fernsprechverkehrs, den Rohrleitungen der Fernheizung usw- noch eine weitere, besondersartige Rohrleitung. Eie befördert weder Gas noch Dampf noch Wasser noch auch elektrische Energie in kleinen und größeren Quanten, sondern dient dem raschen schristlichen Rachrichtenaustausch und heißt das Fahr- rohr-der Rohrpostanlage. 3n diesem Fahrrohr werden Briefsendungen mit verhältnismäßig großer Geschwindigkeit dadurch von einem Rohrpostamt zum andern befördert, daß man sie in einem geeigneten Behälter mit Hilfe von Luft, die druckt oder saugt, durch die Rohrleitung jagt. Dieser einfache Deförderungsvorgang macht die Rohrpost zu einem sehr zuverlässigen und raschen Beförderungsmittel für den inner städtischen Schnellbrief verkehr und die großen deutschen Städte, neben München und Hamburg vor allem Berlin, verfugen denn auch seit vielen Jahren über ausgedehnte Anlagen dieser Art. Die Anfänge der Berliner Stadtrohrpost reichen etwa 55 Jahre zurück. Seither ist ein umfangreiches Retz entstanden, das aus 250 Kilometer- Fahrrohr besteht und 8 9 Rohrpostämter umfaßt. Es dient zu 60 Prozent dem Dries- und zu 40 Prozent dem Telegramm-Transport und bewältigt täglich etwa 25 000 Sendungen. 3n ihrer einfachsten Form besteht eine Rohrpostanlage aus einer Reihe völlig in sich geschlossener Rohrleitungen. von denen jede zwei Rohrpostämter miteinander verbindet. An jedem Ende der Leitung befindet sich die Sende- und Empfangskammer. Je 10 bis 20 Briefe werden in eine zylindrische Aluminiumbüchse eingelegt, über die eine Lederhülle gestülpt wird. Zur Absendung öffnet man die Sendekammer, legt etwa fünf bis sieben Büchsen, von denen die letzte mit einem sog. Treiber, d. h. einer sich gegen die Rohr- wandung eng anliegenden Ledermanschette versehen ist, ein, signalisiert den bevorstehenden Sendevorgang zur nächsten Station und schaltet die Triebluft ein. Die Druckluft, die eine Spannung von etwa einer Atmosphäre hat, treibt die Büchsenreihe mit etwa 10 Meter Sekundengeschwindigkeit in wenigen Minuten zur nächsten Station, wo sie aus der Empfangs- Jammer entnommen wird- Für die Rückfahrt, die im gleichen Rohr vonstatten geht, verwendet man meist Saugluft, da es dann genügt, nur eine der beiden Sendestellen mit Drucklust- anschluh zu versehen. Diese einfachste Art der Rohrpost hat den Rachteil, daß man mit ein und demselben Transportvorgang immer nur bis zur nächsten Station kommt. Dort müssen die für den Durchgang bestimmten Büchsen der Cmpfangskaminer entnommen und in die Sendekammer der nächstfolgenden Rohrleitungsstrecke eingelegt werden. Das bedeutet einen erheblichen Zeitverlust. Um eine Rohrpostbüchse von einem äußersten Ende des Berliner Rehes zum anderen, beispielsweise von Pankow nach Steglitz, zu befördern, werden nicht weniger als neun Umladungen erforderlich und die Büchse braucht dann rund 50 Minuten, bis sie am Ziel anlangt. Für die Zustellung von Telegrammen vom Haupttelegraphenamt nach den äußeren Rohrpoststationen wird vielfach über eine halbe Stunde gebraucht. Das ist, verglichen mit dem Zusprechen des Tele- grammes durch den Fernsprecher reichlich viel Zeit, und die Post ist daher schon seit Jahren dazu übergegangen, die Rohrpost für diese Zwecke nur dann zu benutzen, wenn die Desörderungs- zeit 10 Minuten nicht überschreitet. Damit wären sämtliche Rohrpoststationen, die weiter als zwei Kilometer vom Haupttelegraphenamt liegen, für den Telegrammtransport ausgeschaltet. Es ergab sich die Ausgabe, die Rohrpost leistungsfähiger zu machen. In den letzten zehn Jahren wurden eine Anzahl von Rohrpostlinien unter diesem Gesichtswinkel umgebaut. Man hat dabei die erhöhte Leistung vor allem durch den Richtungsbetrieb, d- h. durch Derwendung von zwei Fahrrohren auf den Hauptlinien, von denen eines dem Hin- und eines dem Rücktransport dient, ferner durch selbsttätig arbeitende Empsangsapparate und schließlich durch den Einbau von Weichen für das aufenthaltslose Durchfahren von Zwischenstationen erzielt. Unter diesen Maßnahmen ist die letztgenannte die interessanteste und wirkungsvollste, durch sie fällt die Handumladung der Durchgangssendungen fort. Der Grundgedanke dieses an die Eisenbahn erinnernden Weichenbetriebes ist überaus einfach: an der Empfangsstelle befindet sich eine Weiche, die je nach ihrer Lage die ankommende Rohrpostbüchse auswirft oder unmittelbar in die Sendekammer der anschließenden Rohrpoststrecke gelangen läßt. Diese Weiche muß so gesteuert werden, daß nur die für die eigene Station bestimmten Sendungen ausgeworfen und alte anderen automatisch weitergeleitet werden. Da aber der Dedienungsmann die jeweilige Bestimmung der ankommenden Büchse nicht kennen kann, muß man die Anlage so durchbilden, daß die Büchse selbst die Weiche im gewünschten Sinne steuert. Dazu hat man drei verschiedene Der - fahren entwickelt, die gegenwärtig im Betrieb der Berliner Stadtrohrpost erprobt werden. Bei dem einen, dem genialsten davon, enthält jede Büchse mehrere elektrische Schwingungskreise und wird je nach ihrem Bestimmungsort auf einen von ihnen eingestellt. An jedem Empfangsort befindet sich ebenfalls ein Schwingungskreis, und zwar hat jeder Empfangsapparat einen anderen Schwingungskreis. Erst dann, wenn die Büchse auf ihrem Lauf zu jenem Schwingungskreis gelangt, der dem auf ihr eingestellten entspricht, wird die betreffende Weiche so gesteuert, daß die Büchse aus- geworfen wird. Alle anderen Weichen leiten die Büchse jeweils in den folgenden Streckenabschnitt. Bei einem zweiten Selbststeuerungsoerfahren wird der gleiche Effekt auf dem Wege der magnetischen Induktion erreicht. In beiden Fällen sind die Büchsen mit zusätzlichen Einrichtungen versetzen, die naturgemäß störungsanfällig sind. Um auch die gewöhnlichen Büchsen ohne irgendwelche Einstell- oder son- fügen Zusatzeinrichtungen in dem geschilderten Sinne durch das Rohrpostnetz befördern zu können, hat man noch ein weiteres, drittes Verfahren zur Steuerung der Weichen entwickelt. Bei ihm wird der Weg der Büchse durch eine Art von Fernsteuerung vom Absenderohrpostamt aus bereitet; der absendende Beamte betätigt entsprechende Druckknöpfe und bewirkt dadurch, daß die Weichen sich so legen, wie es der Weg der abzusendenden Büchse erfordert. Gleichzeitig werden die anderen Wege ge« perrt. Durch diese Maßnahmen konnte man eine ehr beträchtliche Erhöhung der Beförderungs-Ge- chwindigkeit erzielen. Strecken, für deren Bewältigung nach dem früheren Verfahren 40 Minuten erforderlich waren, werden jetzt in zwölf Minuten zurückgelegt. Buntes Allerlei. Eine Hellseherin findet bas Apostelgrab. Die Angaben einer Hellseherin, die zur Auffindung der bisher unbekannten Grabstätte des Slawen-Apostels St. Methodius geführt haben, erregen in der Tschechoslowakei großes Aufsehen. In der Rähe des mährischen Ortes Duchlau befindet sich die Stääte der früheren Hauptstadt des alten mährischen Slawenreiches, das gegen Ende des 9. Jahrhunderts durch die von Osten her vordringcnden Magyaren vernichtet wurde. In dieser Gegend lebt eine alte Bäuerin, die als Hellseherin bekannt ist, und sie gab kürzlich einen Ort an, an dem sich das Grab des ersten christlichen Missionars und Bischofs von Mähren, des heiligen Methodius, befinden sollte. Ausgrabungen, an der von ihr bezeichneten Stelle brachten in beträchtlicher Tiefe einen Grabstein ans Licht, der die Inschrift „Sanctus Methodius“ und die Bischofs-Insignien zeigt. Die Oeffnung des Grabes ist vorläufig noch nicht vorgenommen worden, da sie unter der Aussicht besonderer Sachverständiger erfolgen soll. St. Methodius und sein Bruder St. Cyrillus, die in der Geschichte als die Slawen-Apostel bekannt sind, waren zwei griechische Mönche aus der Rähe von Saloniki, die in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts lebten und in der Christianisierung von Osteuropa eine hervorragende Rolle gespielt haben. St. Cyrillus brachte zuerst die altslowenische Sprache in Schriftform und das von ihm geschaffene Alphabet wird mit einigen Abänderungen noch heute in der Ukraine, in Bulgarien und Serbien verwendet. Obwohl St. Methodius die Tschechen und Slawen jener Gebiete zum griechischen Christentum bekehrte, wurde doch dann ihre Ver- bindung mit der byzanthinischen Kirche durch den Einfall der heidnischen Magyaren unterbrochen, so daß die Bewohner später der römisch-katholischen Kirche angehörten und infolgedessen das lateinische Alphabet benutzten. Daß die Inschrift auf dem neuaufgefundenen Grabstein in lateinischer Sprache gehalten ist, muß jedenfalls Bedenken gegen die Echtheit des Fundes erregen. Panzerglas im Dienst der Verbrecherbekämpfung. Die fortgesetzten verbrecherischen Ueberfälle auf Schalterbeamte haben in jüngster Zeit Veranlassung gegeben sogenanntes Panzerglas zur Sicherung von öffentlichen Kassen heranzuziehen. Das Panzerglas setzt sich aus drei Spiegelglasscheiben zusammen, die aufeinandergepreßt und mit zwei durchsichtigen Zwischenschichten verbunden sind. Die Zwischenschichten dienen als Fangschicht. Bei dieser Zusammensetzung erreicht das Panzerglas eine Dicke von zwanzig Millimeter. Zahlreiche Dersuche, die von der Deutschen Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen in Berlin vorgenommen wurden, haben gezeigt, daß die Panzerglasschicht nicht nur Stahlmantelgeschossen von neun Milli- meter Stärke unbedingt Widerstand leistet, selbst bei Schnellfeuer hat sich das Panzerglas vollauf bewährt. Nicht nur, daß bei den Beschießungen mit Stahlmantelgeschossen aus drei Meter Entfernung ein Durchschlagen der Panzerglasscheibe vereitelt wurde, die Geschosse zertrümmerten sogar, sobald sie auf das Panzerglas auftrafen. Das neuartige Verfahren, das hier angewandt wurde, macht eine all- mähliche Gelbfärbung des Glases, wie dies früher bei ähnlichen Glaszusammensetzungen beobachtet wurde, auch bei längerem Gebrauch vollständig unmöglich, so daß die Durchsicht in keiner Weise beeinträchtigt werden kann. Ein Hund tötet 16 Schlangen. Ausgräber, die in der Rähe eines etruskischen Grabes bei der altetrurischen Siedlung Popu- lonia an der Küste nicht weit von der italienischen Stadt Livorno arbeiteten, waren Zeuge eines merkwürdigen Kampfes zwischen einem Hunde und Schlangen. Die Einzelheiten dieses wilden Gefechtes sind römischen Blättern von vertrauenswürdigen Personen mitgeteilt worden. Der Hund suchte in dem hohen Gras in der Rähe des Eingangs zu dem alten Grabe umher, als er plötzlich von einer zwei Meter langen Schlange angegriffen wurde, die aus der unterirdischen Grabstätte hervorschoh. Der Hund ging zum Gegenangriff über und besiegte schließlich seinen Gegner, indem er die Schlange in den Rücken biß und ihr dann den Kopf mit seinem Gebiß zermalmte. Unmittelbar danach schoß ein ganzer Strom von Schlangen aus der Tiefe hervor und umzingelte den Hund. In der nun folgenden Schlacht zeigte das Tier, ein deutscher Schäferhund, eine außerordentliche Schnelligkeit, Beweglichkeit, Tapferkeit und Schlauheit. Racheinander wußte er alle seine Gegner zu überwinden, und als das ganze aufregende Schauspiel vorüber war, lagen 16 große Schlangen tot rings um den erschöpften Hund. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 1230 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. • 9Jlxfport Um den ^Großen Automobil-Preis von Deutschland^. Großer Tag am Nürburg-Ring. Am kommenden Sonntag, 17. Juli, gelangt auf dem Nürburg-Ring, der großartigen deutschen Rennstrecke, zum sechstenmal der „Große Automobilpreis" von Deutschland zur Austragung. Ganz Europa schickt seine Rennfahrer, 44 an der Zahl, und unter diesen 44 die Namen all derer, die Weltruf haben: mit ihnen die Wagen, die die schnellsten der Erde sind. Man fragt nach dem Siegeri Nichts ist schwerer als eine Antwort darauf. Viermal wurde das Rennen von Mercedes-Benz gewonnen, einmal von Bugatti — die deutsche Firma baut keine Rennwagen mehr, Deutschland ist arm. Der alte Mercedes ist aber für den Nürburg-Ring nicht mehr schnell genug, und darum könnte der Sieg des deutschen Wagens nur eine Ueberraschung sein, mit der nicht zu rechnen ist. Um so weniger, als die neueste Konstruktion im Rennwagenbau, der Alfa Romeo-Monoplace — 2650 ccm —, der schnellste Rennwagen der Welt (von Ueber-Rennwagen abgesehen) in dreifacher Aus- sertigung am Start erscheinen wird. Man geht in der Ansicht wohl nicht fehl, daß dieser Wagen das Rennen gewinnen müßte. Bugatti und Maserati stehen aber diesem Fahrzeug neben Mercedes-Benz als starke Konkurrenz entgegen. Innerhalb dieses Alfa Romeo-Teams: Rudolf Caracciola, der Sieger des ersten Großen Preises, des dritten und des fünften, der beste Kenner des Nürburg-Rings, ihm ist der Sieg in allererster Linie zuzutrauen. Sein stärksten Konkurrenten: N u v o l a r i und Bor- z a c ch i n i, ebenfalls auf Alfa Romeo, Stuck auf Mercedes-Benz, Chiron und Varzi auf Bugatti. So ein Sieg hängt ja von tausend Kleinigkeiten, von zehntausend Zufällen ab — es wird aber Kampfmomente geben, wie wohl selten bei einem Auto- Rennen. Die Augen aller Welt sind auf den Nür- burg-Ring gerichtet. Oylmpia-Mannschaft auf guter Zahri. Sn glänzender Stimmung befinden sich unsere Olympia-Fahrer an Bord der .Europa"! Es wird aber auch von den Passagieren und der Dedie- nnng alles getan, um den Sportlern das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Bei Bord- spielen und bei leichtem Training vergeht die Zeit sehr schnell. Die Schwimmer haben heute zum ersten Male im kleinen Schwimmbassin trainiert, die Leichtathleten machen unter Leitung von W a i tz e r und Hotz Gymnastik- und Laufübungen, die Ringer und Boxer arbeiten leicht in der Turnhalle und die Fechter üben sich im Zwischendeck. Auf dem ganzen Schiff ist die Olympia-Mannschaft der Mittelpunkt, und Common- dore Johnson erklärt, daß er noch nie eine so vergnügte äleberfahrt gehabt habe, wie jetzt mit den deutschen Sportlern. Ruhetag in der -Tour^. Nach der sechsten durch die Pyrenäen führenden Etappe verbrachten die Teilnehmer an der „Tour" am Mittwoch einen Ruhetag in Louchon. In der Länderwertung wurde Deutschland vom dritten auf den vierten Platz verdrängt: 1. Frankreich 133:36,14 Std.', 2. Belgien 133:42,27; 3. Italien 133:49,59; 4. Deutschland 133:55,21; 5. Schweiz 134:46,34 Stunden. In der Gesamtwertung der einzelnen Fahrer liegen die Deutschen S t ö p e l an 2., G e y e r an 11., Thierbach an 22., Bulla an 33., H. Dl ü l l e r an 41., Kutzschbach an 44., Ol b ö t e r an 50., Sieronski an 54., Risch an 65., Altenburger an 68. und Umbenhauer an 71. Stelle. Radsportfest des Radfahrer-Vereins 1885 Gießen. 2lm Samstag hielt der Gießener Radfahrer- Verein von 1885 in den Räumen der .Karlsruhe" sein diesjähriges Sommernachtsfest ab. Gleichzeitig war damit die Austragung einer Reihe radsportlicher Konkurrenzen verbunden. Es starteten an diesem Abend eine große Anzahl bester Fahrer des Bundes Deutscher Radfahrer. Die zahlreich erschienenen Zuschauer wurden nicht enttäuscht. 2m 2er-Radball der Klasse A siegte im Endspiel die Mannschaft des RE. Germania Gießen über die Mannschaft des GRD. v. 1885 Gießen. Dis zur Halbzeit lieferten sich beide Mannschaften einen ausgeglichenen Kampf, den dann die „Germanen" dank ihrer größeren Spielerfahrung überlegen gewinnen konnten. 2m 2er-Radball der Klasse B. befanden sich die beiden Mannschaften des RD. „Wanderlust" Frankfurt a. M.-West im Endspiel, den die 2. Mannschaft nach spannendem Kampfe für sich entscheiden konnte. Sieger im Oer-Schulreigen wurde die 2. Mannschaft des RD. „Wanderer" Frankfurt a. M.-Oberrad. Ganz vorzügliche Leistungen bot das 2er-Kun st fahren. Schon die Fahrer von RD. 1887 Wetzlar (Sri. Roack — Herr Schmidt) zeigten sehr schöne Hebungen und fanden reichen Beifall. Sodann folgten noch Hahn — Finger vom RD. Kriftel und Pauli — Stenger vom RD. 1901 Frankfurt a. M.-Ried, welche ihr großes Können unter Beweis stellten und damit den sportlichen Teil der Deranstaltung eindrucksvoll beschlossen. Der Gießener Radfahrer-Verein von 1885 kann mit Stolz auf den wohlgelungenen Verlaus des diesjährigen Sommernachtsfestes zurückblicken. 1900 - Universität 6:1 (3:0). Im Spiel der Liga der Spielvereinigung gegen die Mannschaft der Universität wurde nicht »viel anderes und vor allem nichts besseres gezeigt, als im Spiel der Universitätsmannschaft gegen die Liga des VfB. Die Blauweißen traten nahezu in kompletter Aufstellung an, die Universität war etwas schwächer vertreten als am Samstag und trat außerdem zu diesem Spiel nur unvollständig an. Erst allmählich vervollständigte sich die Mannschaft, ohne indessen sonderlich dadurch zu gewinnen. Die Blauweißen zeigten diesmal nicht viel von der Kombinationsarbeit, die man sonst zu sehen gewohnt ist, die Elf fand sich nicht recht, der Sturm war unentschlossen und nahezu die ganze erste Halbzeit verging, bis das erste Tor für 1900 fiel. Arnold brachte einen schönen Schuß an. Bald darauf spielte Lippert an oem herausgelaufenen Schlarb in das Tor. Kurz vor der Pause buchten die 1900er einen weiteren Treffer, während die Bemühungen der Studenten erfolglos blieben. Der Sturm der Studenten war sehr schwach und vermochte keine der verschiedentlich C'enen Torgelegenheiten auszunützen. Nach der e änderte sich in der Situation nichts. Kurz nach dem Anpfiff erhöhten die 1900er auf 4:0, allerdings fiel das Tor aus glatter Abseitsstellung und durfte nicht anerkannt werden. Im weiteren Verlauf ließen die beiden Mannschaften mehr und mehr nach, lediglich einige ansprechende Einzelleistungen erregten hin und wieder die Aufmerksamkeit der Zuschauer, die sich verhältnismäßig zahlreich eingefunden hatten. Sensationen blieben dem Publikum aber erspart. Das Spiel, das von zwei verschiedenen Schiedsrichtern (zu Hebungszwecken) geleitet wurde, war weniger ein Repräsentatiokampf, als ein Spiel zu dem Zwecke, den Spielern Gelegenheit zu geben, ihre Beine wieder etwas in Schwung zu bringen. Unerfindlich blieb dabei allerdings, warum es während dieses Spieles zu verschiedenen Fällen von Unfairneß durchaus nicht harmloser Natur kommen mußte. Es war doch schließlich kein Verbandsspiel... Gchwimm-Wettkämpfe im Gau Hessen DT. Zum 10. Gautvettschwtmmen treffen sich am nächsten Sonntag zu Laubach unter Leitung des Gauschwimmwortes Franz Sauer (Gießen) über 150 Turner und Turnerinnen von den Schwimm- Abteilungen der Turnvereine Alsfeld, Bad- Rau- heim 1860, Butzbach, Dutenhofen, Friedberg, Grünberg, Gießen 1 8 4 6 (mit der Höchstzahl von 38 Teilnehmern), Hungen, Klein-Linden, Lauterbach, Marburg T.- u. Sp.-D. und Wetzlar (folgt mit 28 Teilnehmern). Gegen das Vorjahr (zu Lauterbach) ist die Anzahl der abgegebenen Meldungen erfreulicherweise stärker und es sind auch diesmal alle zehn Staffeln belegt, darunter die Hessenstaffel (500 Meter) mit je 5 Läufern und Schwimmern, die 3X50- Meter-Bruststafsel für Altersturner und die 4x50-Meter-Druststaffel je für Turner und Turnerinnen aus Vereinen ohne Winterbad. Die rührige Turngemeinde Laubach, insbesondere ihr Schwimmwart Theo Schweisgut, hat mit ihrem von Wiese und Wald umsäumten, 1930 erbauten und technisch zureichenden Städtischen Schwimmbad ihr erstes Gauwettschwimmen sorgfältig zugerüstet, das in acht Stufen mit 39 Dummern an Mehr- und Cinzelkämpfen der Turner und Turnerinnen (auch solcher ohne Winterbad) in verschiedenen Schwimmarten, Sprüngen, Tauchen, Mannschaftskämpfen in der Form von Staffeln und Wasserballspiel gegliedert ist. Kurze Sporinoiizen. N u r m i hat sich eine leichte Verletzung am linken Knöchel zugezogen, die seinen Start beim Marathonlauf in Los Angeles vielleicht in Frage stellen kann. Nurmi selbst glaubt allerdings, daß er bis zum Beginn der Spiele wieder vollständig hergestellt ist. Trier im Zeichen der OT. Das Kreisiurnfest des Mittelrheinkreises. Letzte Vorbereitungen des Kreisturnausschusses... In dielen Tagen weilt der Vorstand des Kreis- Turnausschusses in Trier, um gemeinsam mit den örtlichen Ausschüssen die letzten Vorbereitungen für das vom 5. b i s 8. A u g u st stattfindende Streisturn- fest zu erledigen. Neben der theoretischen Arbeit findet auch praktische Arbeit statt, in dem am Samstagabend in der Stadthalle die allgemeinen Vorführungen aller am Krtzjsturnfest teilnehmenden Turner und Turnerinnen von den Trierer Turnern und Turnerinnen gemeinsam mit der Festkapelle geübt werden. Es handelt sich um die Freiübungen der Turner, die Keulenübungen der Turnerinnen und die Freiübungen der Turnerinnen nach eigens dafür geschriebener Musik. Es sind neuzeitliche Hebungen, die in Trier noch nie gezeigt wurden, und die neben ihrer Zweckmäßigkeit für den menschlichen Körper durch ihre feine Zusammensetzung vorzüglich auf den Zuschauer wirken. Desgleichen findet eine Hauptprobe des Festspiels „Baut die Brücke", das die Trierer Turnerjugend am Begrüßungsabend aufführen wird, statt. Die vereine sind gerüstet. Alle Gaue und Bezirke des Mittelrheinkreises haben ihre Gau- und Bezirksfeste bereits abgehalten und treffen nunmehr die letzten Vorbereitungen und Rüstungen für das Kreisturnfest. Ueberall wurden schöne Leistungen nicht nur im Geräteturnen, sondern auch in den volkstümlichen Hebungen wie auch in allen übrigen Darbietungen erzielt. Die Beteiligung war ebenfalls vorzüglich, so daß auf Grund dieser großen Proben mit Bestimmtheit anzunehmen ist, daß das Kreisturnfest in Trier in keinerlei Weise hinter den bisherigen Kreisturnfesten des Mittelrheinkreises zurückstehen wird. Grenzlandfahrl der Turner Vor dem Kreisturnfest ist eine vierzehntägige Fahrt durch das Saargebiet und Luxemburg mit dem Endziel Trier geplant. Die Ausreise erfolgt etwa am 23. Juli von Mainz aus. Vorgesehen ist eine Durchführung in zwei Gruppen: Radfahrer und Eisenbahnfahrer. vaddelfahrt von Trier bis Koblenz. Im Anschluß an das Kreisturnfest findet eine Kreis-Wanderfahrt Trier—Koblenz aller Paddler und Paddlerinnen des Mittelrheinkreises statt. Selbstverständlich große Fahrkoergünstigungen. Es ist gelungen, für die Besucher des Kreisturn- sestes bedeutsame Vergünstigungen zu erzielen. Die Reichsbahn hat zunächst eine Reihe von Sonderzügen vorgesehen: 1. Sonderzüge Aschaffenburg, Worms, Mainz, Trier. 2. Hanau, Frankfurt, Wiesbaden, Trier. 3. Marburg, Koblenz, Trier. 4. Bad Kreuznach, Trier. Zu den Sonderzügen werden besondere Rückfahrkarten 3. Klasse zum halben Personenzugpreis ausgegeben. Obwohl die Züge mit Schnell- zugsgeschwindigkeit fahren, werden Zuschläge nicht erhoben. Die Stadt Trier gibt Straßenbahnfestkarten aus zum Preise von 0,75 RM., die zu beliebigen Fahrten mit der Trierer Straßenbahn an den vier Haupttagen 5. bis 8. August berechtigen. Auch die Moseltalbahn gewährt Preisermäßigungen. Wirtschaft. * Dyckerhofs & Widmann AG., Wiesbaden-Biebrich. Der Geschäftsbericht für 1931 weist einen Verlust von 1,24 Millionen Mark auf (i. V. Gewinn 0,76 Mill. Mark, woraus 8 Prozent Dividende), der vorgetragen werden soll. Durch die aus dem Vorjahre übernommenen und zum Teil noch 1932 weiterlaufenden Aufträge wäre ein einigermaßen befriedigendes Ergebnis zu erzielen gewesen, wenn die wirtschaftliche Entwicklung nicht zu übernormalen Abschreibungen gezwungen hätte. frankfurter Abendbörse geschästslos. Frankfurt a. M., 13. 2uli. Die Abendbörse war nahezu gefchäftslos, weil die Spekulation weitere Zurückhaltung bekundete, zumal vom Publikum keine Orders Vorlagen. Auch die Tatsache, daß infolge Kabelstörungen von den Auslandbörfen keine Rachrichten Vorlagen, blieb nicht ohne Einfluß auf den Geschäftsumfang. Die Stimmung war nicht unfreundlich, die erholten Berliner Schlußkurse blieben aber nur knapp behauptet. 2m Verlaufe trat keine Veränderung der Lage ein. Am Rentenmarkt herrschte ebenfalls Ge- schäftsftille. Altbesitz zogen zunächst 0,25 Prozent an, gingen aber später wieder etwas zurück. Auf den übrigen Rentengebieten war es sehr still. Altbesitz 42,25, Reubefitz 45/s bis 4,65 bis 4,60, Reichsbank 124, Gelsenkirchen 34, Salzdetfurth 155, Stahlverein 13,75 bis 137/8, AEG. 24, 2.-G.- Farben 86,75 bis 867/8, Holzmann 32, Metallgesellschaft L47/s, Siemens 119,25, Südd. Zucker 105,25, Reichsbahn-VA. 74,75, Hapag 12V8. DieM-FarbenindMie im 2. Quartal 1932. Berlin, 13. 2uli. Rach dem Bericht der2G.- Farbenindustrie°AG. machten sich während des zweiten Quartals 1932 die widrigen Verhältnisse, die seit langem die Weltwirtschaft belasten, im Absatz der Produkte der 2G.°Farben in verstärktem Maße bemerkbar. Schon in dem Geschästs- bericht für das 2ahr 1931 und in dem Bericht für das erste Quartal 1932 wurde den Sorgen über die von allen Seiten erfolgende Einengung der wirtschaftlichen Möglichkeiten Ausdruck gegeben. Heute muh festgestellt werden, daß die damaligen Befürchtungen in weitem Umfang Wirklichkeit geworden find. Wenn auch die neuerdings wieder eingetrene Gefchäftsschrump- fung zum Teil saisonbedingt sein mag, so hat sie doch vor allem ihren Grund in den zunehmenden zoll- und devisenpolitischen Absperrungsmahnah- men der einzelnen Staaten, sowie in dem Währungsverfall verschiedener Länder. Das 2nlandgeschäft litt unter der wirtschaftlichen Unsicherheit, die weite Käuferschichten noch immer zur Zurückhaltung veranlaßte. Zum Teil wirkten sich die Exportbesihwernisse auch auf den 2nlandabsah aus da bestimmte Verbrauchergruppen erheblich auf die Ausfuhr eingestellt sind. Die Schwierigkeiten machen sich allerdings nicht in allen Sparten gleichmäßig bemerkbar. Der Absatz in Farben und Färbereihilfsprodukten zeigte im Europa- wie im Tieberseegeschäft eine weitere Schrumpfung, die jedoch zum Teil durch Saisonverhältnisse bedingt ist, so daß im ganzen gesehen der Weltabsatz auch im zweiten Quartal noch befriedigt. Der Absatz in Chemikalien konnte auf der Höhe des ersten Quartals gehalten werden. Die Zurückhaltung in der Auftragserteilung und das Streben nach einer geringen Lagerhaltung machten sich auf diesem Gebiet wiederum besonders bemerkbar. 2n der Sparte P h ar m az e u ti ka und Pflanzenschutz sind in etlichen europäischen Ländern die Verkäufe infolge der verschärften Devisensperrbestimmungen erheblich zurückgegangen. Obgleich sich auf dem Gebiete der Photo- g r a p h i k a eine saisonbedingte Belebung bemerkbar machte: haben auch hier die Absperrungsmaßnahmen des Auslandes das Geschäft weiterhin beeinträchtigt. Der Absatz im Kunstseide geschäft zeigt aus denselben Gründen einen weiteren Rückgang, der sich jedoch im Rahmen der allgemeinen Konjunkturbewegung hält. Rlil dem Fortschreiten der Düngesaison konnten die Düngemittelbestände weiter verringert und die Produktion etwas erhöht werden. Der Rückgang des 2nlandabsahes konnte zuyi Teil durch Steigerung des Auslandsabsatzes ausgeglichen werden. Durch Sonder-, Verständigung innerhalb der 2nternationalen Oe-j sellschaft der Stickstoffindustrie wird ein Zu^ sammengehen auf den Exportmärkten gewähr^ leistet. Der Absatz von technischem Stickstoff hält sich auf der gleichen Höhe wie im ersten Quartal. Auf dem Denzinrnarkt ist keine Veränderung in den bisherigen ungünstigen Verhältnissen eingetreten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Sranliuri a. Ul. Äerlm Frankfurt a.M. Berlin Schluß- kurS Schluß!. Abenv- bSrse Schluß« kurö Schluß!. Mittag- börsc Schluß« fur4 Schluß!. Abend- börse Schluß« kurö Schluß!. Miiiog« Datum 12.7. 13.7. 12.7. 13.7 Datum 127. 13.7. 12.7. 13.7. 6% Deutsche Relchranleihe 6.192: 7% Deutsche Reichsanleihe v.1929 68,5 67,5 68,8 63 65,75 Hamburg-Amerila Pater . . Hamburg-Südam. Dampsschtfs 6 0 12,75 12,13 12,5 11,9 B',4% Doung-Anlethe von 1930 . Deutsche Anl.-Wlös.-Schuld mH Auslos.-Rechten....... TeSgl. ohne Auslos.-Rechte . . . 8% Hess. Bolksstaat von 1929 (rückzahlb. 102%)...... 66,75 43,4 5,1 51,75 62,75 42,5 4,6 43.5 5,13 52,5 62,75 41,5 4,65 50,25 Hansa Dampfschiss .... Norddeutscher Lloyd .... A.G. für Verkehrswesen Ml. Berliner HandelSgescllschast. Commerz- und Prtvat-Bank . Darmstädter und Nationalbank Deutsche Bank und 0 8 7 13,25 89 13 89,5 17,75 13.5 27 90 16 18 12,75 90 16 Oberhellen Provinz-Anleihe mH 18,25 18,25 18,5 18,5 Auslos.-Rechten....... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 6% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 36 40,75 40 40,25 I K Disconto-Gesellschast. . . Dresdner Bank...... Reichsbank........ 6 6 12 30.5 18 25 125,5 30,4 18,25 124 30,5 18,5 126,75 30,25 17,5 123,13 1b unkündbar bis 1935 . . . . 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse — 69,5 — — A.C.G........... 7 25 24 | 24,9 24,25 unkündbar bis 1936 Serie 16 . *¥i% Franks. Hyp.-Bank Ligru. Psandbriese.........