nr. 165 Erstes Blatt (82. Jahrgang Donnerstag, 14. Zull 1952 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Jllustnerte Gießener Familienblätler Heimat im Bild • Die Scholle Monat; Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschliisse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drohtnach» richten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: Brühl'sche Univer^lüts-Vuch- und Stcinörudcrei R. Lange in Sieben. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Ehefredaktcur: Dr. Fnedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biehen. England und Frankreich Macdonald hat eine Rede gehalten und, genau genommen, nichts gesagt, 5) e r r i o t hat auch gesprochen. Ob er mehr mitgeteilt hat, als sein Gegenüber im Unterhause, kann jeder selbst beurteilen. Obwohl aber die Rede Macdonalds an Zurückhaltung kaum zu überbieten sein dürfte, obwohl er seinen politischen Gegnern eigentlich das Feld überließ, ist seine Darbietung zweifellos die wichtigste von allen. Es fehlt darin etwas, es fehlt das eindeutige Bekenntnis zur anglo- französischen Zusammenarbeit. Die Rede Macdonalds war ein Meisterstück der Nichts« sagerei, wenn sie langweilig wirkte, so liegt das daran, daß man eben in der hohen Politik nicht Film-Sensationen verlangen soll und darf. Me Rede Macdonalds hatte es in sich. Das, was sie in sich hatte, ist aber das Grundproblem der europäischen Zukunft: Wie steht es um das Verhältnis Frankrei ch—E ngland ? Wer von beiden hat den Krieg gewonnen? Wer bestimmt über Europas Zukunft? Soll wirklich die Entente Cordiale ihre Wiederauferstehung erleben. Es geht um nicht mehr ^nd nicht weniger. E» geht darum, ob die neue Entente wieder eine deutschfeindliche Spitze erhalten soll, oder nicht. Wenn ja, dann wäre namenloses Unglück im Anzuge, wenn nicht, dann stehen wir tatsächlich vor einer Kehrtwendung der englischen Gesamtpolitik. Sollte das der Fall sein, dann erklärt sich die zögernde, umständliche Ausdrucksweise des englischen Premierministers ganz von selber. Gewiß, ein Geheimabkommen ist geschlossen worden. „Ich habe es selbst erklärt", sagte Mac- donald. Freilich, verstanden hat das niemand. Aber immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß dies Geheimabkommen doch offenbar ein Ausschnitt aus einer ganzen Reihe von Ansprachen ist, die alle noch im Halbdunkel des politischen Hintergrundes gehalten werden. Herriot ist doch Fortsetzer und nicht Schöpfer dieser Politik, die schon von Tardieu begonnen wurde. Frankreich betreibt nämlich England gegenüber jene Politik, die wir Deutsche vor dem Kriege trieben, die Politik des Risikogedankens, aber mit unvergleichlich viel große- rcr Aussicht auf Erfolg. Der alte Grundaedanke der deutschen Flottenpolitik bestand darin: England zu einem gleichberechtigten Abkommen zu nötigen, um das in der Gegnerschaft liegende Risiko zu beseitigen. Das ist seinerzeit durch Frankreichs Dazwischcntreten unmöglich gemacht worden. Frankreich gab England die Hand. Es rettete England aus dem Risiko. Der Irrtum Englands lag darin, daß das Risiko trotzdem blieb. Das bewies der Verlauf des Weltkrieges. Die russische Trumpfkarte war eine Niete. Sie war es ober, die England seinerzeit bestach. Heute hat Frankreich die beherrschende Stellung auf dem Kontinent. Es hat Deutschland und Rußland zugleich beerbt. Das Risiko ist g e - wachsen und nicht gefallen. Die einzige Gegenkorte Englands sind die Italiener und Amerikaner. Ader man weiß, daß sich die Franzosen inzwischen der japanischen Freundschaft versichert haben und daß Englands asiatische Stellung verwundbar ist. Somit liegt also eine Einigung zwischen England und Frankreich geradezu in der L-uft und das Kavalierabkommen ist dazu ein Vorspiel. Nun beginnt aber die Problematik der Zukunft erst in ihrer wahren Schwere. Wenn England die alte Entente mit deutschfeindlicher Spitze wiederherstellt, dann ist es den Fran^ zosen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Es kommt also tatsächlich auf eine Rettung Deutschlands hinaus, wenn sich England nicht selber retten will. Das wäre der Anfang von üau- sänne. Die französische Politik ist aufs Gegenteil gerichtet. Das war ebenfalls der Anfang von Lnu= sonne. Deshalb wurde in Lausanne die Politik abgedreht. Was wird werden? Lesen wir Macdonalds Rede durch die Brille dieser Erkenntnis, vergleichen wir anschließend alle heutigen und kommenden Aeußerungen der Franzosen damit, dann wird hier ein weltpolitisches Ringen sichtbar, dos sich bei der Macdonald-Rede auf das deutlichste in ihrer Vorsicht abspiegelt. Sie bestätigt unsere Auffassung. Hier wird ein hohes Spiel gespielt. Cs ist leider nicht ohne Gegenspieler. Churchill entpuppt sich immer mehr als unser heftigster Gegner. Er haßt uns. Es ist so, als mache er es uns zum Vorwurf, daß wir seinen militärischen „Genius", den er zu besitzen glaubt, an der letzten Tat verhindert hätten. Churchill nimmt uns unsere Existenz übel. Er ist rachsüchtig. Er ist kein großer Geist. Er bleibt auch hier ein Dilettant, ebenso wie sein Freund Lloyd George! Immerhin atmen auch diese Reden eine grundsätzliche Einstellung. Die Engländer scheinen sich augenblicklich noch selber nicht ganz klar zu fein, wo denn ihre wirklichen Interessen liegen. Es mag auch fein, daß sie die Spur verlegen wollen. Daran schließt sich aber die Folge-Frage: Ist Macdonald der Mann, dieses Werk weiterzuführen, das er niemals wird vollenden können? Er ist krank und verbraucht. Hat er noch die Spannkraft, wenn er schon den Begriff davon besitzt? Ruch das ist eine Frage, die nur von den Ereignissen beantwortet werden kann. Rber die Tatsache als solche bleibt bestehen: das englisch-französische Verhältnis wird revidiert. Damit ist noch keine letzte Entscheidung gefallen. Was werden die Franzosen tun? Fühlen sie auch, daß England ein Risiko für sie bedeutet? Erkennen sie die amerikanische Gefahr an? Wir werden sehen. Wir glauben aber nicht an diese Einsicht. England kann neue schwere Enttäuschungen erleben Es muh sie sogar erleben, wenn es wirklich einsehen soll, wo seine Zukunft liegt. Lausanne-Bericht beim Reichspräsidenten. Hindenburg spricht dem Reichskanzler und der deutschen Delegation seinen Dank aus. Reudeck, 14. Juli. (1DIB. Funkspruch.) Reichspräsident v. Hindenburg empfing heute den Reichskanzler v. Popen zum Bericht über die Lausanner Verhandlungen. Rach Entgegennahme des Vortrages sprach der Herr Reichspräsident dem Reichskanzler feinen Dank für din in Lausanne geleistete Arbeit aus und bat, diesen Dank auch den anderen Mitgliedern der Delegation zu übermitteln, hieran schloß sich ein gemeinsamer Vortrag des Reichskanzlers und des Reichsministers des Innern über innerpolitische Fragen. Der Kanzler ist dem Wunsch des Reichspräsidenten, ihm über das Ergebnis der Lausanner Konferenz Bericht zu erstatten, unverzüglich nachgekommen. Er benutzt den Besuch in Reudeck auch, um den Präsidenten über die Pläne der Reichsregierung auf dem Gebiete der Siedlung, der Arbeitsbeschaffung und des A r b e i t s d i e n st e s zu orientieren. Das alles wäre politisch weder bedeutungsvoll, noch sensationell, wenn nicht gleichzeitig auch der R e i ch s i n n e n m i n i st e r von G a y l die Reise nach Reudeck angetreten hätte. Sein Dortrag beim Präsidenten scheint uns wesentlich wichtiger und vielleicht auch für die künftige innerpolitische Entwicklung maßgebend zu sein. Daß Herr v. G a y l den Kanzler begleitet, läßt doch nur auf den dringenden Wunsch des Reichspräsidenten schließen, vom Innenminister zu hören, wie er zu den täglichen blutigen Ausschreitungen steht und welche Maßnahmen er noch für anwendbar hält, bevor es zu einem Einsatz der Reichswehr kommt. Gerade hier scheinen sich beim Reichspräsidenten, der nicht nur der erste Beamte im Staate, sondern auch der Oberbefehlshaber der Reichswehr ist, doch lebhafte Sorgen eingestellt zu haben. Für ihn ist die Armee in erster Linie ein Instrument der Landesverteidigung, das allein durch sein Vorhandensein namentlich unsere unruhigen östlichen Rachbarn bis heute abge- gehalten hat, den seit Jahren geplanten Eroberungsfeldzug nach dem Westen und dem Rorden zu unterlassen. Welche Chancen ergeben sich aber für die Raubstaaten, wenn sie eines Tages feststellen müssen, daß die Reichswehr vollauf mit der Riederwerfung revolitionärer Erhebungen beschäftigt ist und ihre eigentliche Aufgabe, die Grenzen unserer Heimat zu schützen, nicht mehr erfüllen kann. Welche außenpolitischen Verheerungen müssen sich aber auch einstellen, falls man tatsächlich gezwungen wäre, die Reichswehr einzusehen. Schon in Lausanne hat die deutsche Delegation bitter über die Ausstrahlungen des täglichen Bürgerkrieges geklagt. Wie aber muß Deutschland in den Köpfen der Ausländer aussehen, denen täglich ausgiebige Meldungen über Straßenkämpfe und Schießereien vorgesetzt werden. Sie halten Deutschland für ein Land, das am Vorabend einer Revolution steht und das binnen kurzem zusammenbricht und auseinanderfällt. Sie urteilen über uns so wie wir über Spanien, als wir fortgesetzt über Verschwörungen und Putsche hörten, wie über die südamerikanischen Staaten mit ihren nicht abreißenden Revolutionen und über China mit seinem ewigen Bürgerkrieg. Wir glauben, daß diese Erwägungen den Präsidenten veranlaßt haben, Herrn v o n G a y l nach Reudeck zu rufen, ganz abgesehen davon, daß es für jedes Staatsoberhaupt ein absolut unerträglicher Zustand ist täglich mit ansehen zu müssen. wie der Bürgerkrieg weiter um sich frißt. Der sicheren Erwartung dürfen wir uns aber wohl hingeben, daß die Reise nach Reudeck innerpo- litisch eine Wendung zum Bessern bringt, sei es auch unter Anwendung schärfster Mittel. Soweit dürfen wir es jedenfalls nicht kommen lassen, daß die Polizei sich eines Tages als ohnmächtig erweist und dann die Reichswehr auf einem ihr völlig fremden Feld operieren muß. Bayrische Erwartungen. München, 14. Juli. (CNB.) Die „Bayerische Staatszeitung" erörtert in ihrem heutigen Leitartikel Zweck und Bedeutung des Reichskanzlers und des Reichsinnenminifters nach Ncudeck. Das Blatt meint, mit gutem Grund an- nehmen zu dürfen, daß Reichsinnenminifter von G a y l Bericht über die in letzter Zeit erfolgten Zusammen st ötze erstatten werde. Er spricht dabei den Wunsch aus, daß man den Entschluß fas. sen werde, mit allen verfassungsmäßi- gen Mitteln gegen Ausschreitungen aller Art vorzugehen. Das Blatt nimmt ferner an, daß der Reichsinnenminifter auch über das Verhältnis Bayerns zum Reich berichten werde, wobei es erklärt, gewisse norddeutsche Blätter hätten aufgrund falscher Berichterstattung über Reden der führenden bayerischen Staatsmänner oder aus sonstigen Gründen gegen diese einen hemmungslosen Ton angeschlagen. Den Angegriffenen bleibe nur der Weg der Klage übrig, wie er auch gegen die „Berliner Börsenzeitung" und das „Hamburger Tageblatt" bereits beschritten sei. Ls sei Pflicht der berichterftattenden Minister, das falsche Bild, das die in Frage kommenden Blätter von Bayern entworfen hätten, richtigzustellen und so die Empörung der sich korrekt und ruhig verhaltenden süddeutschen Blätter auch im Reudecker Milieu verständlich zu machen, weil sonst vielleicht unbewußte Gegensätze vertieft werden könnten, deren Ueber- windung im Gesamtinteresse des deutschen Vaterlandes ein Gebot der Stunde sei. ßchliehlich werde es als möglich bezeichnet, daß man sich in Neudeck auch über die seit einiger Zeit im Neichsinnenministerium erwogenen Rund- fu n f p I ä n e unterhalten werde, Pläne, die den Stempel umfassend st er Zentralisation s- beftrebunge trügen, die Bayern mit Entschiedenheit ablehnen müßte. Es wäre auch sehr zu wünschen, daß dem Grundsatz Geltung verschafft würde, die Parteipolitik dem Rundfunk f e r n z u h a l t e n. Es würde für die weitere Entwicklung Deutschlands sehr viel davon abhängen, daß auf dieser Reise staatsmännische Vernunft Sieger bleibe über Erwägungen, die parteipolitische Rücksichten etwa einzugeben oer- möchten. Das Lausanner Genlleman Agreement. Paris gibt den Wortlaut bekannt. — Doch unter Umständen Rückkehr zum Uoungplan? Paris. 14. Juli. (121. Drahtmeldung.) Der Quai d'Orsay veröffentlicht heule nachmittag den Wortlaut des Genlemen Agreement, das in Lausanne zwischen Frankreich, England. Belgien und Italien getroffen wurde. Das Genllemen Agreement lautet folgendermaßen: „Die Lausanner Abkommen treten erst nach der in diesem Abkommen vorgesehenen Ratifizierung endgültig in Kraft, was die Gläubiger- möchte anlangt, in deren Ramcn dieses Schriftstück paraphiert wird, so wird die Ratifizierung nicht eher stattfinden, bis zwischen ihnen und ihren eigenen Gläubigern eine befriedigende Lösung erzielt worden ist. 3m Wortlaut des Abkommens mit Deutschland wird dagegen nicht auf dieses llebereinkommen hingewiesen werden, wenn in der Folge eine befriedigende Lösung der Schulden erreicht worden ist, werden die unterzeichneten Gläubigermächte die Ratifizierung vornehmen, womit das Abkommen mit Deutschland Rechtskraft erhält. 3n dem Falle, daß eine Regelung der Schulden nicht erzielt werden kann, wird das Abkommen mit Deutschland nicht ratifiziert werden. Dadurch würde eine neue Lage entstehen, und die interessierten Regierungen würden sich darüber einigen, was zu geschehen hat. 3n jedem Falle wird die Rechtslage aller interessierten Mächte d i e werden, die vor dem Hoover-Moratorium bestanden hat. Die Reichsregierung wird von diesem Abkommen unterrichtet werden." Das Echo des englisch-französischen Abkommens. Hoover erklärt: Kein Anlaß zur Beunruhigung. London. 14. 3uli. (WTB. Funkspruch.) Rach einer Meldung aus Washington ist Präsident Hoover nicht der Auffassung, daß das englisch - französische Vertrauensabkommen Anlaß zur Beunruhigung gebe, wie weiter verlautet, hofft Hoover, daß das Abkommen dem Wunsche der vereinigten Staaten entspricht, die es gerne sähen, wenn Europa zunächst einmal feine eigenen Angelegenheiten in Ordnung bringe, bevor es an die vereinigten Staaten mit dem Ersuchen herantrete, die Last der Kriegsschulden zu erleichtern. Berliner Preffestimmen. Berlin, 14. Juli. (CNB.) Das gestern abend vom britischen Außenminister im Unterhaus bekanntgegebene englisch-französische Vertrauensabkommen wird von fast allen Morgenblättern sehr lebhaft erörtert. Die „Germania" befürchtet, daß aus einem solchen Pakt über die vorherige Beratung aller politischen Schritte zwischen den beteiligten Mäch- ten eine neue Art des Genfer Protokolls werde. Alles hänge davon ab, welche Absichten man einem solchen Vertrage unterlege. Wenn dieser Pakt zu zweien in der Tat eine Ei n la • düng an d ie übrigen europäischen Mächte darstellen solle, unb wenn er hinsichtlich der Abrüstung, der englisch-französischen Handelspolitik und der amerikanischen Schuldenfrag« keine neuen Hemmungen schaffe, so könnte man ihn begrüßen. Andernfalls wäre er noch weit be- Qlber von solchen Einsichten sind wir noch weit entfernt. 2m Gegenteil, sie werden zur Zeit verhindert. Wir können dabei nur wenig tun. Aber wir können uns immerhin auf dem Laufenden erhalten. Man wird uns über den Fortgang der geheimen Verhandlungen nicht unterrichten. Das gehört zu den Gepflogenheiten der Entente. Aber wir vermögen dennoch zu erfahren, was vorgeht, und zwar durch entsprechende Aktivität auf außenpolitischem Gebiete, zumal in Genf. Genf wird zum Angelpunkt der Weltpolitik. Die französisch-englische Annäherung wird sich hier kundtun. wenn sie sonst nirgends sichtbar wird. Genf ist politischer Prüfstein geworden. Lausanne war zuvorderst ein eng li sch- französischer Erfolg. England hat den Franzosen den kleinen Finger probeweise gegeben Ob es ihn wieder frei bekommen wird, wissen wir nicht. Ob es in der Lage sein wird, nunmehr Frankreich in eine andere Richtung zu drängen ist zweifelhaft. Aber wir selbst können dabei sehr viel tun und leisten. Wir stehen tatsächlich im Anfang einer Epoche. Sie wird das.Schicksal Europas im nächsten Jahr bestimmen. Ob sie aber das Schicksal der nächsten Generationen bestimmen wird das ist das, was wir wissen wollen und müssen. Sonst sind wir wieder die Leidtragenden, wo wir gleichberechtigte Partner sein könnten. Wir müssen darauf dringen, daß wir anerkannt werden. Kein gesundes Europa ohne ein gesundes Deutsches Reich. England und Frankreich können allein weder die europäische, noch die ganze Welt regieren. Dieser Traum ist ausgeträumt. Oer Deutsche Beamtenbund zu Lausanne. Berlin, 13. Juli. (TU.) In der Sitzung vom 12.Juli faßte die Leitung des Deutschen Beamtenbundes folgende Entschließung: „Der Deutsche Beamtenbund nimmt mit G e - nugtuung davon Kenntnis, daß die von ihm immer geforderte Beseitigung der Reparationen auf der Konferenz von Lausanne e r - reicht worden ist. Insbesondere begrüßt er die Wiederherstellung der vollen Souveränität des Deutschen Reiches über Reichsbank und Reichsbahn. Der Deutsche Beamlenbund ermattet, daß nunmehr, nachdem das Haupthindernis der weltwirtschaftlichen Wiederbelebung beseitigt worden ist, die auch in Lausanne betriebene internationale Verständigungspolitik entschieden weitergeführt wird, um die zwischen den einzelnen Völkern aufgerichteten wirtschaftlichen Schranken möglichst bald zu beseitigen, die v ö l • lige Gleichberechtigungin vollem Umfange wiederherzustellen und so die wirtschaftlichen und politischen Vertrauensgrundlagen in der ganzen Welt zu schaffen. Innerhalb Deutschlands muß die Wiederbelebung durch eine gerechte Verteilung aller Lasten bei weitgehender Schonung der wirtschaft- lich Schwachen und eine sozialen und freiheit- lichen Geist beweisende Achtung der staatsbürgerlichen Rechte aller Volksgenos- f e n erleichtert und gefördert werden." Kommunistische Geheimdruckerei aufgehoben. München, 13. Juli. (TU.) In einem Heim- garten in Oberriesing wurde eine kommu - nistische Geheimdruckerei aufgehoben. In dieser Druckerei wurden vorzugsweise kommunistische Zersetzung sschriften für die Reichswehr und Polizei her- gestellt. Bei der Aushebung wurden vorgefunden 1000 Stück der eben fertiggestellten 3er* sehungsschrift „Der rote Reichswehrsoldat", die zur Verteilung an Reichswehrangehörige bestimmt waren. Dort waren auch Briefumschläge mit den Aufschriften angesehener Münchener Schneiderfirmen versehen aufgefunden toorben, die im Frühjahr zur Verwendung von Verhetzungs- schriften an Angehörige der Reichswehr und der Polizei versandt wurden. Reben großem Papiervorrat wurde eine Druckereimaschine und umfangreiches Setzmaterial beschlagnahmt. Vier Personen wurden dem Gericht überwiesen. deutlicher, als das englisch-französische Rüstungsabkommen vom Jahre 1928. Der „Vorwärts" bezeichnet als ersten Eindruck der Mitteilung, daß zwischen England und Frankreich ein neuer bündnisartiger Z u - stand geschaffen worden sei. Das Matt fragt: Sollte als politisches Ergebnis von Lausanne die Regierung v. P a p e n außer der glatten Ablehnung ihrer sämtlichen Forderungen obendrein nur ein neues englisch-französisches Bündnis erreicht haben? Die „Voss. Z t g." meint, daß die Bedeutung dieses englisch-französischen Freundschaftsabkommens für die Zukunft zum größten Teil abhängig sei von dem guten Willen und der Gesclsicklichkeit der Außenpolitik. Ein gleichberechtigtes Deutschland werde bereit sein, auch seine Kraft in den Dienst des allgemeinen Wiederaufbaues zu stellen. Die ,Deutsche Allgemeine Zeitung" nennt den Vertrag, der in Deutschland mit Kalt- bl ü t i g k e i t und Ruhe betrachtet werden müsse, eine erstaunliche und sonderbare Tatsache der internationalen Politik. Sein Wortlaut sei sehr vieldeutig und unerfreulich und nähere sich eher dem entsprechenden Absatz in dem berühmten „G o t t e s f r i e d e n" Macdonalds, als dem deutschen Gegenvorschläge, der in der Hauptsache eine ständige Fühlungnahme über die Hauptprobleme der europäischen Politik beschlossen sehen wollte. Absolut u n- befriedigend sei auch der Punkt, der sich auf die Genfer Abrüstungskonferenz beziehe. Der „Lokalanzeiger" sagt: Die Erklärungen des englischen Außenministers klingen wie etwas Herrliches — was sie tatsächlich besagen. vermag man bisher nvch n i ch t zu übersehen. Daß man auch in Paris entzückt ist oder doch so tut. gibt ohnehin zu denken. Cs ist durchaus möglich, daß sich in den so schön und volkerliebend klingenden Ausdrücken allerhand Fußangeln bergen, z. D. der berühmte „Gottesfrieden", der Deutschland erwehren soll, irgend eine politische Frage anzuschnei- ben, oder die Einengungen des sogenannten Konsultativpaktes, bei dem jeder politischen Stellungnahme Deutschlands durch vorher notwendige langjährige gemeinschaftliche Beratungen ausreichende Hindernisse in den Weg gelegt würden. Der ,T a g" überschreibt seine Aeußerungen: „Erpressungstaktik oder Zusammenarbeit?", und meint, daß einstweilen die englische und die französische Auslegung des Paktes sich widersprächen. Simon stelle das Abkommen als einen offenen Vertrag hin, dem die anderen Mächte beitreten sollten. Demgegenüber spreche H e r r i o t von einer neuen „Entente cordiale". In beiden Fällen trage das Pariser Abkommen, das unter eifriger Mitwirkung der Frankophilen Simon und Tyrrell zustande gekommen sei, einen Pressions-Charakter. Seine einzelnen Formulierungen seien weitester und widersprechender Auslegung fähig. Die „Deutsche Zeitung" sagt mit Bezug auf die Aeußerung Herriots über die Wiederbelebung der Entente cordiale, Herriot scheine sich nicht bewußt zu sein, daß er damit die Erinnerung an die Dorkriegspolitik der Einkreisung Deutschlands heraufbeschwöre. 3m Spiegel der Londoner presse. London, 14. Iuli. (WTB. Funkspruch.) Die gestern von Sir Iohn Simons bekanntgegebene englisch-französische Vereinbarung wird von der englischen Morgenprcsse erläutert und besprochen. „Daily H e r a l d" sagt, es werde weiter- gehender Aufklärung über diese englischfranzösische Verständigung bedürfen, bevor die fortschrittlich gesinnten Kreise Englands sich damit einverstanden erklären würden. „R e w s C h r o n i c l e" führt aus, Simons hochwichtige Erklärung zeige, daß Frankreich zu MHIt Ml. Original«Roman von Anny von panhuys. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 7. Fortsc: j. Rachdruck verboten! Meta hatte sich in Eifer geredet. All ihr Haß auf die jung« bildhübsche Lil ergoß sich wie ein Behälter mit trübem Raß, den jemand umgeworfen. Sie zuckte die Achseln. „Sehen Sie, Ihnen das einmal gerade ins Gesicht sagen zu dürfen, ist schon an und für sich ein Genuß, der mich dafür entschädigt, daß ich noch keine neue Stellung habe. Roch nie habe ich Gelegenheit Aur Wahrheit gehabt. Aber Sie sind jetzt arm, ich bin nicht mehr abhängig von Ihnen, also darf einer dem anderen schon mal deutlich seine Meinung verraten." Ihre Augen funkelten boshaft. „Meta, machen Sie das, und Meta, machen Sie daS! haben Sie mich rumkommandiert, den ganzen Tag und die halbe Rächt muhte ich für Sie auf dem Sprung stehen. Ich habe oft innerlich geflucht, aber mein geschulter Mund hat immer gelächelt: Iawohl, gnädiges Fräulein! Ieht hat es sich ausgegnädigt, jetzt sind Sie Fräulein Körner wie ich Fräulein Tretzler bin." Sie langt« nach einem Päckchen Wäsche, stopfte es derb und rücksichtslos gegen das feine mit Spitzen verzierte Gewebe, in einen der Koffer, schloß befriedigt: „Run wissen Sie, wie ich über Sie und Ihresgleichen denke und wie ich mich freue, wenn sowas wie Sie vom goldenen Thrön« chen runterplumpst. Die Leute im Schumann- theater bei der Wohltätigkeitsvorstellung haben gelacht, als Sie ihnen wie ein verrückt gewordenes Stehaufmännchen Mätzchen vorgemacht haben, weil Sie da noch die reiche, stadtbekannte Lil Körner waren. Kein Mensch verzöge auch nur den Mund, wenn Sie jetzt als arme Lil Körner dasselbe täten. Denn ein echter gedie- ?ener Clown kriegte ja einen Anfall, wenn er aS Blech sähe, das Sie verzapfen." Die schob ein Päckchen Taschentücher in eine Kofferecke wie «in Bündel Flicken. „Sie werden ja wohl den Baron Sturm heiraten und vielleicht auch weiterhin nicht mit Menschen zusammenkommen, die Ihnen die Meinung sagen. Dann habe ich's wenigstens getan, für mich war es eine Wohltat." — Lil hatte gar keinen Versuch gemacht, die ander« zu unterbrechen. Sie hatte ganz ruhig oagesessen, di« großen Augen dabei auf dem Gesucht Metas ruhen lassend. Ietzt sagte sie langsam: „Vielleicht haben Sie ™ 0 licht' aber wer solche Gesinnung hat wie Sie und ste so gut zu verbergen gewußt hat, der ist ein hinterhältiger, gemeiner Mensch. Ich be- praktischer Zusammenarbeit mit England in einem seit langem nicht dagewesenen Grade bereit sei. Hoffentlich würden Deutschland, Italien und Belgien sich jedem neuen Schritt der Verständigung anschließen. „Times" hebt besonders hervor, daß weder von der Bildung einer gemeinsamen Front gegenüber den Vereinigten Staaten, noch von der Bildung eines englisch-französischen Blocks gegenüber Deutschland die Rede sei. Viele der zu behandelnden Fragen würden wohl im Völkerbundsrat erörtert werden. „Daily Telegraph" nennt die Vereinbarung einen Konsultativpakt, der die Förderung des internationalen Geistes bezwecke. Der diplomatische Korrespondent des Blattes bemerkt, zu den Fragen, die unter Punkt 1 aufgeworfen werden könnten, gehörten nicht nur Fragen, die mit dem Versailler Vertrag zusammenhingen, sondern auch mit anderen Friedensverträgen und überhaupt mit allen europäischen Verträgen. Zu solchen Fragen könnten gehören die Kriegsschuldklausel, Danzig und der polnische Korridor. sowie Memel. R ü st u n g s g l e i ch - h e i t würde wahrscheinlich unter den Bereich des Punktes 2 fallen. DieMeinung derpariserpreffe Paris, 14. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die Pariser Presse befaßt fid) lehr eingehend mit dem englisch - französischen Vertrauensabkommen. „P e t i t „P a r i s i e n" schreibt, dieses Abkommen verdiene seinen Namen mit Recht. Es handele sich dabei um eine französisch-englische Annäherung auf allen Gebieten, politisch, finanziell, wirtschaftlich, handelspolitisch, aber in anderer Form, als die frühere enlente cordiale. Die entente cordiale sei ein Bündnis gewesen, und als solches habe sie die Annahme aufkommen lassen können, daß sie gegen andere Nationen gerichtet gewesen sei. Das Vertrauensabkommen dagegen sei ein Versprechen zu aktiver Zusammenarbeit z w i s ch e n F r a n k r e i ch und Großbritannien , aber mit der offenkundigen Absicht, dem Interesse Europas an der Welt zu dienen. „Journal" erklärt, an die Stelle der entente cordiale trete eine Form allgemeiner Zusammenarbeit. Dieser Gedanke sei edelmütig, es bestehe aber stets die Gefahr, daß man die Zusammenarbeit zum Schaden der Ordnung ausgehen lasse. Eine Zusammenarbeit scheine nur zulässig zwischen Nationen, die willens seien, die Aufrecht- erhaltuna des europäischen Staates gegen jeden Umsturz zu verteidigen. „Petit Journal" meint, das Abkommen sei ein neuer wichtiger Beitrag zur Organisierung des Weltfriedens, entsprechend den Traditionen des Völkerbundes und entsprechend dem Geist von Lausanne. „O r d r e" schreibt, es sei ärgerlich, daß man um dieses kleinen Abkommens willen soviel Aufhebens gemacht habe. „F i g a r o" schreibt, es handele sich nicht um einen Bündnispakt — das lasse ja der Völkerbund nicht zu —, auch nicht um eine bestimmte Verpflichtung, noch um ein Versprechen. Es handele sich nur um eine DarlegungvonAbsichten, wobei sich auch noch besorgniserregende Formeln ein- !«schlichen hätten. Gleich zu Beginn des Dokuments inde sich eine unklare Stelle, wonach der englisch- ranzösische Meinungsaustausch außerordentlich begrenzt sei. „A v e n i r" meint, das Dertrauensabkommen fordere auch die anderen Länder auf, sich daran zu beteiligen. Es sei also im Geiste des V ö l - kerbundsstatuts abgeschlossen worden. Immer- hin sei es merkwürdig, daß derVölkerbundein solches Abkommen nicht durch seine eigene Beteiligung im voraus überflüssig gemacht habe. Sollten sich, so schreibt das Blatt, die großen Mächte außerhalb des Völkerbundes besser verständigen können, als innerhalb? darf Ihrer Hilf« nicht m«hr, gehen Si« sofort, ich möchte Ihnen hier im Haus« nicht mehr begegnen." Di« andere lachte: „Hier im Hause! Das ist ein guter Witz. Sie müssen ja raus aus dem Haus, wie ich, das tröstet mich." Lil sprang auf. „Augenblicklich verlassen Sie meine Zimmer, sonst--“ Ähre kleine, zierlich« Person stand mit geballten Fäusten vor der größeren, ziemlich breiten Meta. Die Zofe hatte manchmal dem Boxunterricht Lils beigewohnt: sie wußte, die kleinen gepflegten Hände hatten die Kraft zu derben Griffen und Stößen. Sie zog es vor, sich bis zur Tür zurückzuziehen. Drohend, mit erhobenen Fäusten folgte ihr Lil. Da öffnet« Meta di« Tür, rief spöttisch: „Lind wenn Sie auch Ihren Kusin heiraten und Baronin werden, die Tochter eines Bankerotteurs, der so viele Menschen um ihr bißchen Geld gebracht hat, bleiben Sie ihr Lebelang!" Mit einem Sprung schnellte Lil vor und schlug der Zofe derb mit den Fäusten ins Gesicht. Schreiend raste Meta davon, den Flur entlang, lief der Baronin in den Weg, rief zornbebend: „Ein feines gnädiges Fräulein, di« einem ins Gesicht schlägt!" Lil stand noch an der Tür, jetzt ging sie ins Zimmer zurück, schloß die Tür hinter sich. Draußen auf dem Gange erzählte Meta der Baronin ein Gemenge von Wahrheit und Lüge, gab an, von Lil furchtbar gereizt worden zu sein durch grobe Befehle. Die Baronin war entsetzt. Lil war ja eine ganz gefährliche Person, di« einfach, wenn es so paßte, drauflos schlug. Natürlich, bis jetzt hatte sich Meta alles gefallen lassen, des Geldes wegen, man konnte es ihr nicht verdenken, wenn sie sich nun zu wehren wagte. Meta log: „Immer stampfte sie gleich mit dem Fuß« auf, wenn ich ihr etwas nicht schnell genug machte, und schimpfen kann sie wie ein Fuhrknecht, davon haben Frau Baronin natürlich keine blasse Ahnung. Es ist auch nicht das erstemal, daß sie mit den Fäusten auf mich losgegangen ist. Aber ich hatte Angst um mein Brot. Sie weinte richtige Tränen bei den Gügen, ganz echt und glitzernd kollerten sie über ihre Wangen. Aber die Tränen hatten Wut und Schmerz geboren, denn sie hatte LilS Fäuste derb gespürt. Adele 6turm sagt« beruhigend: „Ihr Gehalt und Ihr Zeugnis haben Sie ja, also gehen Sie lieber so bald wie möglich, daß Sie nicht mehr mit meiner Richte zusammentreffen. Es tut mir leid, daß so etwa wie heute überhaupt Vorkommen konnte, und ich bitt« Sie. nicht darüber zu sprechen." „E r e N o u v e l l e" sagt, der Vertrag bezwecke nicht die Verteidigung egoistischer Interessen, sondern beziehe sich auf das allgemeine Interesse des Friedens. Frankreich und England seien entsd)!ossen, gemeinsam an der Zusammenarbeit und Verständigung der Völker zu arbeiten. „R 6 p u b l i q u e" meint, ganz Frankreick) werde dieses große Ereignis mit Freuden aufnehmen. Das Vertrauensabkommen mache mit der grausamen Isolierung Fr a n k r e i ch s ein Ende, in die das Kartell der Rechten Frankreich gebracht habe. „Vollontö" schreibt: Wir verteidigen die deutsch - französische Annäherung nicht etwa mit dem Hintergedanken, irgendeiner england- feindlichen Kontinentalpolitik Vorschub zu leisten. „P o p u l a i r e" dagegen erklärt, das Abkommen bestehe zum großen Teil aus inhaltlosenJor- mein und unbestimmten Versprechungen. Man spreche immer wieder vom Geist von Ehequers, das aber genüge heute nicht mehr. Die Völker hätten 3 u viel Enttäuschungen erlebt, als daß sie sich mit einer derartigen Gefühlsliteratur begnügen könnten. Wenn diefranzösischeDelegation mit leeren Händen nach Genf komme, habe man das Recht, zu erklären, daß das franzö- fisch-englische Abkommen nur „ein schlechter Witz" sei. Cm Mahnruf der deutschen evang. Kirchen „Oie Botschaft von Christus muß wirksam werden/" Berlin, 13. Iuli. (TL1.) Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß, die oberste Vertretung der im Kirchenbund zusammengeschlossenen deutschen Landeskirchen, hat sich in seiner letzten Sitzung mit der noch immer wachsenden wirtschaftlichen und seelischen Rot unseres Volkes beschäftigt. Aus seinen Beratungen ist folgende Kundgebung hervorgegangen: „Linser Volk und mit ihm die ganze Welt leidet schwerste Rot. Die ungeheure Zerstörung von Wirtschaftsgütern durch den Krieg, die drückenden Lasten, die er den Völkern, besonders unserem vergewaltigten deutschen Volk auferlegt hat, die Zerreißung zusammengehöriger Wirtschaftsgebiete durch unnatürliche Grenzziehungen, die Llnterbin- dung der Weltwirtschaft, die allgemeine politische Llnsicherheit und das tiefe gegenseitige Mißtrauen lassen eine Gesundung nicht aufkommen. Verbitterung und Verzweiflung greifen immer mehr um sich: ein Leben ohne Arbeit und Aufgaben verliert seinen Sinn. Die Gefahr ist da, die die Welt in das Chaos hineintreibt. Die tiefsten Quellen der Rot sind nicht wirtschaftlicher, sondern geistiger Art. Die Welt leidet unter Haß und Herrschsucht, unter Llngerechtigkeit und Än- wahrhaftigkeit. Die Kirche fordert vertrauensvolle Zusammenarbeit im eigenen Volk und zwischen den Völkern, wahre Gerechtigkeit, nicht nur ihren Schein. Taten, nicht fruchtlose Verhandlungen. Die Botschaft von Christus muß wirksam werden, wenn wir im Kampf mit Rot und Sünde nicht unterliegen wollen. Kraft gibt allein der Glaube, daß nicht «in sinnloses Schicksal über uns waltet, sondern daß Gott im Regimente sitzt. Ihm sind wir mit allem unserem Tun und Lassen verantwortlich. Ieder einzelne soll helfen, der Rot zu steuern. Opfer müssen von allen gefordert werden. Dankbar gedenken wir an viel Liebe, die in dieser Rotzeit offenbar geworden ist. Aber christliche Liebe darf nicht müde werden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft!" Neue Gtraßeukämpfe. Gestern haben sich auch in Hanau Ausschreitungen ereignet. Als ein Nationalsozialist aus dem Wohlfahrtsamt kam, wo er gestempelt hatte, wurde er von politischen Gegnern anaerempe.'t. Diese Reibereien setzten sich dann fort. Durch Messerstiche in Kopf und Rücken wurde der Nationalsozialist nicht unbedenklich verletzt: zwei andere Nationalsozialisten erhielten ebenfalls Verletzungen. Die chasll ein- greifende Schutzpolizei machte den Reibereien und den Ansammlungen ein Ende. Die verletzten Na- tionalsozialisten sind dem Hanauer Krankenhaus zugeführt worden. * Heber Ausschreitungen in Köln-Sulz teilt die Polizei u. a. mit, daß die Störungen durch Kommunisten Formen einer offenen Auflehnung und des planmäßigen Angriffes gegen Polizeikommandos annehmen. In planmäßig durchgeführter Gegen- aktion konnte schließlich unter Einsatz eines Panzerwagens die Ruhe und Ordnung in den Morgenstunden wieder hergestellt werden. 42 Personen wurden festgenommen. Bei Unruhen im Stadtteil Kalk wurden Polizeibeamte aus den Häusern be- schossen und mit heißem Wasser begossen. Hier wurden 17 Rädelsführer festgenommen. * InBarmen wurden heute zweiRational- s o z i a l i st e n von einem Trupp Kommunisten an eine Hauswand ge st eilt und durchsucht. Als sie dann Weggehen wollten, wurden auf sie mehrere Schüsse abgegeben. Beide erhielten Oberschenkelschüsse. Vor der Geschäftsstelle der sozialdemokratischen „Volksstimme" in Hamborn kam es am Mittwoch zu schweren Schlägereien zwischen Reichs- bonnerleuten und Nationalsozialisten. Im Verlauf der Schlägerei wurden drei Schüsse abgegeben. Ein Nationalsozialist wurde lebensaefährlich, ein anderer leichter verletzt. Die Polizei nahm eine Durchsuchung der Geschäftsstelle nach Waffen vor, die ergebnislos verlief. * Gestern kam es in Hindenburg zu einer Schlägerei zwischen sechs Kommunisten und sechs Rationalsozialisten. Beim Eintreffen des Lieber- fallkommandos hatten sich ungefähr 300 Personen angesammelt. Aus der Menge wurden Steine aus die Polizeibeamten geschleudert. Die Beamten zerstreuten mit dem Gummiknüppel die Ansammlung. Drei Kommunisten und drei Rationalsozialisten wurden verletzt. Ein Rationalsozialist mußte mit, Messerstichwunden ins Krankenhaus geschafft werden. * Gegen Mitternacht kam es in Oberschöne- w e i d e bei Berlin zu einer Schießerei zwischen! Rationalsozialisten und Kommunisten. Insgesamt wurden durch die Schüsse vier Personen verletzt. Zwei Verletzte wurden ins Hospital eingeliefert. Einige angeblich an der Schießerei beteiligte Ra- tionalsozialisten wurden festgenommen. • In Siemens st adtbei Berlin kam es gestern abend zwischen Kommunisten und Rationalsozia- listen zu heftigen Auseinandersetzungen in deren Verlaus acht Schüsse abgegeben worden sein sollen. Sie fingerte aus dem Handtäschchen, das sie bei sich trug, einen Geldschein, drückte ihn in Metas Hand, die sich bereitwillig öffnete. Meta flüstert«: „Frau Baronin haben mehr Verständnis für unsereins wie das gnädige Fräulein." Die Baronin nickt« ihr zu. „Ich wünsch« Ihnen bald ein« neue Stellung!" Sie ging zu Lil. Meta aber rast« förmlich in ihr Zimmer hinauf. Metas Sachen waren schon gepackt, in einer Viertelstunde hatte sie bereits das Haus verlassen. Sie fuhr mit einem Auto zu ihrem verheirateten Bruder, der als Mechaniker sein gutes Auskommen hatte. Heute abend fand ein Ball statt in seinem Gesangverein, den hatte sie noch mitmachen wollen und um frühzeitig wegzukom- men aus dem Hause, Lil noch mehr gereizt, wie sie «s vielleicht ohne den Grund getan hätte. Sie saß im Auto und fuhr sich ab und zu über die Mundpartie. Sie fühlte noch immer die kurzen harten Faustschläge Won vorhin. Sie selbst trug die Schuld an dem häßlichen Auftritt, aber das gab sie nicht zu, ihr Zorn und Haß suchte Lil Körner. O, wenn sich ihr doch einmal Gelegenheit böte, an Lil Körner Rache zu nehmen. Sie haßte Lil jetzt noch mehr als früher. Ihr Haß war wie dunkelrote Glut, die nur eines leichten Windhauches bedarf, um hoch aufzulodern. 7. Kapitel. L i l füg t s i ch aus Liebe! „Lil! Lil, wie hast du dich gegen die Zofe nut soweit vergessen können!" Die Baronin stand vor Lil, die eben anfing weiter zu packen. Lil hob den Kopf und ihre Augen blitzten. „Sie ist eine ganz niederträchtige, boshafte Kreatur, Tante, und hat mich bis aufs äußerste gereizt. Zum Schluß hat sie mich die Tochter eines Bankerotteurs genannt, da habe ich ihr aus den frechen Mund geschlagen, ich konnte einfach nicht anders." Di« Baronin schüttelte verweisend den Kopf. „Mag sie gesagt haben, was sie will, es handelte sich um Worte. Sagte sie Dinge, die sie nicht sagen durfte, konntest du ihr die Tür weisen, konntest dem Diener klingeln, aber wie du dich benommen hast, das erinnert stark an die Wildwestsitten. Liebrigens behauptet Meta, es wäre nicht das erstemal, daß du sie so behandelt hast." Lil schlug auf den Tisch. ..Die Gemeinheit glaubst du hoffentlich nicht, Tante Adele? Meta war heute zum erstenmal unverschämt gegen mich und ich habe ihr zum erstenmal meine Fäuste von ganz nahe gezeigt." Die Baronin macht« eine unbestimmt« Gebärde. »Meta behauptet jedenfalls, du wärest schon öfter mit den Fäusten auf sie lvsgegangen." »Sie lügt!" entgegnete Lil mit geröteten Wangen, „und ich bitte dich, Tante, mir das zu glauben, ich bin kein« Lügnerin." Es klang ein wenig scharf. Die Baronin zog die Augenbrauen hoch. „Liebes Kind, vergiß bitte nicht, daß ich nicht Meta bin, ich finde, du vergreifst dich etwas im Ton." Lil senkt« den Kopf. Sie wußte, mit der Tante würde si« sich schlecht verstehen, aber wo sollte sie anders hin als zu ihr. Sie schwieg und dacht« traurig, toi« so ganz, ganz anders sähe jetzt für sie di« Welt ans, wenn ihr Vater noch lebte. Selbst toenn er alles Geld verloren hätte. Mit dem Vater zusammen wäre sie auch in einfachen Verhältnissen glücklich gewesen. Wäre der Vater am Leben geblieben, wäre sie von der Tante auch/ nicht gleich so angeschnurrt worden, als sie sich gegen den Verdacht der Lüge verteidigte. Di« Baronin spielt« mit ihren Ringen. „Du kannst dich nicht genug beherrschen, Lil, das ist ein großer Fehler." Sie lächelte. „So lange du di« reiche Lil Korner warst, konntest du dir das vielleicht auch bis zu einer bestimmten Grenz« erlauben, aber jetzt mußt du dich doch mehr deiner Umgebung anpassen. Dein Vater war dir gegenüber zu schwach." Lil fühlte, wie es in ihren Schläfen hämmerte. Warum ließ man sie denn nicht in Ruhe? Sie war innerlich so wund und aufgewühlt und von dem Tod« des Vaters, der sie abschiedslos für immer verlassen, sie litt entsetzlich unter all dem Häßlichen, was den Bankzusammenbruch umgab, sie mußte aus dem Hause, in dem sie ausgewachsen, und nun quälte man sie noch mit derlei Dingen, die ihr jetzt ganz unwichtig und gleichgültig schienen und sie doch erregten, ihre arme» Rerven folterten. Sie erwidert« mit zitternder Stimme: „Möglich, daß Vater zu schwach gegen mich gewesen ist, aber dann war er es doch nur aus Liebe zu mir und für feine viel« Liebe bin ich ihm dankbar. Lind Werner hat mich auch lieb, er wird mir bestimmt nicht jede Kleinigkeit übel nehmen und jedes Wörtchen, daS ich spreche, auf die Goldwaage legen." Di« Baronin schüttelt« wieder den Kopf. „Mir scheint, mit dem letzten Saß spielst du auf mich an. Du hast dir schon mehrmals Anspielungen erlaubt, auch letzthin, als ich erzählt«, was Frau von Welp gesagt und du sofort mit Boxen drohtest." — Lil holt« tief Atem. „Aber, Tante, ich erklärte dir da doch gleich, ich meinte mit meiner Drohung nur di« Menschen, die es wagen könnten, Vatis Rainen zu verunglimpfen, ihn Gauner und Betrüger zu schimpfen. Du mußt mir aber auch glauben. Es ist doch furchtbar, wenn du mir nicht glaubst. Wie können wir denn dann zusammenleben." (Fortsetzung folgt) durch die fünf Kommunisten schwer und einige leicht verletzt wurden. Acht Kommunisten und Rational- sozialisten wurden festgenommen. Don den bei der Schießerei verletzten Personen sind zwei bald nach ihrer Einlieferung in das Krankenhaus gestorben. • Von den 80 auf den Deutschen Werken in Kiel beschäftigten Elektroschweißern haben 65 die Arbeit niedergelegt, weil sie die Entlassung eines Arbeitskollegen fordern, der als SA.-Mann an den Angriffen auf das Gewerkschaftshaus in Eckernförde beteiligt gewesen sein soll. Rücksichtslos gegen unbefugten Waffenbesitz. Berlin, 13. Juli. (MTB.) Der preußische Mini st er des Innern hat an alle Polizeibehörden einen Funkspruch erlassen, in dem eS heißt: Alle Polizeibehörden haben sich der durch die Rotvcrordnung vom 14.3uni 1932 gegebenen Handhabe gegen das unbefugte Fuhren von Waffen in jedem Falle unnachsichtig zu bedienen und polizeiliche Haft gegen mit verbotenen Waffen Betroffene auf die längstmögliche Dauer anzuordnen. £)r. Goebbels gegen das Kabinett Popen. Keine Unterstützung. ^Wuppertal, 14. Juli. (CNB.) Der Abgeordnete Dr. Goebbels hielt gestern abend in einer Versammlung der Nationalsozialisten im Elberfelder Stadion eine Rede, in der er u. a. schwere Angriffe gegen die Regierung v. Papen richtete. Die Nationalsozialisten, so führte der Redner aus, hätten mit dem Sturz der Regierung Brüning zugleich den Sturz des Systems erwartet. Es habe sich aber nun ergeben, daß lediglich eine Regierung die andere abgelöst habe. Innenpolitisch seien die Brüningschen Methoden fortgesetzt worden. Der Reichsinnenminister habe zwar der SA. ihr Braunhemd wieder- gegeben, doch sei sie gleichzeitig zum „Frei- wild für den Linksterror" gemacht worden. Außenpolitisch bedeute das Lausanner Abkommen nach Ansicht der Nationalsozialisten neue Lasten, so daß auch da dem Kabinett v. Papen eine Unter st ützung versagt werden müsse. Aus Anlaß der nationalsozialistischen Kundgebung hatten sich in den Zugangsstraßen zum Elberfelder Stadion zahlreiche Angehörige gegnerischer Parteien eingefunden. Die Polizei mußte die Straße wiederholt räume», um tätliche Auseinandersetzungen zu verhindern. Dr. Goebbels begab sich nach der Kundgebung in Wuppertal noch nach Oberhausen, wo er in einer zweiten Versammlung ausführte, die Nationalsozialisten hätten bisher keine populäre Politik getrieben, denn sie hätten seit dem Tage von Versailles den Zusammenbruch Deutschlands vorausgesagt. Im übrigen wiederholte der Redner die in Wuppertal geäußerte Stellungnahme gegen die Regierung o. Papen. Aus der provinzialhauptstadt. Gießen, den 14. Juli 1932. Llrlaubs-Langeweile? Jeder Autofahrer läßt feinen Motor von Zeit äu Zeit „überholen". Die einzelnen Teile werden herausgenommen, nachgesehen, gereinigt, wenn notig, ausgebessert und dann wieder säuberlich zusammengesetzt. Die neue Fahrt kann beginnen. Sollten wir Menschen es mit uns selbst nicht ebenso machen? Schön wäre es, wenn auch wir uns in Einzelteile zerlegen lassen könnten. Aber das ist Sache der Chirurgen und nur in Ausnahmefällen zu empfehlen. In anderer Hinsicht aber können wir uns „überholen" lassen. Das kann richtig nur in der Zeit des Urlaubs geschehen. Wir brauchen ja nur die zwei Buchstaben „er" für die Vorsilbe „über" zu setzen. Aber selbst das kann nicht jeder. Es gibt noch viele Menschen, die der Natur vollständig fremd geworden sind. Sie hasten durch die Straßen, sausen zum Bahnhof, schlingen ihr Essen hinunter und gönnen sich kaum noch Ruhe. Ein Blick zum leuchtenden Himmel, ein Blick nach den ziehenden Wolken — dafür haben sie kein Empfinden. Sie versinken im Lärm des Tages, gehen einsilbig ihrem Berufe, ihrer Liebhaberei nach und werden zu Gewohnheitsmaschinen. Daß sie sich aber einmal erholen müssen, daß sie sich und ihrer Gesundheit mit^ solchem Tun schaden, davon werden sie erst überzeugt, wenn es ihnen der Arzt bescheinigt. Wie oft ist es dann zu spät! Für alle diejenigen, die gewohnt waren, ihren Urlaub am Ostseestrand oder im Hochgebirge zu verbringen, war es oft ein Leichtes, die Tage „auszufüllen". Nun aber heißt es sich einschränken. Es wird bei gar vielen nicht zu einer Sommerreise langen. Sie müssen zu Hause bleiben. Ihr Urlaub wird sehr langweilig werden, meinen sie. Eigentlich sollte man diesen Menschen, die so sprechen, gar keinen Urlaub geben; denn sie verdienen keinen. Wer nichts von feiner näheren Umgebung weiß, wer nicht unsere schonen Wälder kennt und sie nicht besucht, der ist einfach zu bedauern. „Sechs Tags sollst du arbeiten!" heißt es, und eigentlich -sollte schon jeder Sonntag ein Ventil für die menschliche Maschine sein. Ein Tag, der uns zuruft: Halt! Wieder einmal Atem geholt und Sonnenschein und frische Luft geschöpft! Der Urlaub aber ist eine Generalprobe über unsere seelischen und körperlichen Kräfte. Er darf nicht vergeudet werden, muß voll ausgenutzt werden. Das soll nicht heißen, daß wir die Ferienzeit genau nach einem gewissen Plane „abgrafen", wie etwa ein Engländer ein Museum mit dem Bädeker in der Hand durchstöbert. O nein! Gerade das Gefühl, daß wir ohne jede Vorschrift, ohne jeden Plan in diesen Wochen machen können, was wir wollen, gerade das gibt dem Urlaub feinen einzigartigen Reiz. Ich bin also nicht dafür, daß wir uns sorgfältig aufzeichnen, was wir treiben wollen und dann an diesen Sätzen fest kleben. Es gibt gar viele Ge- Wiedereröffnung der Berliner Llniversita't — r. Xi' ob i Ablösung der Ehrenwache am Berliner Unioerfitäis - Gefallenen - Denkmal, die abwechselnd von den studentischen Korporationen, sowie von Stahlhelmern und Nationalsozialisten übernommen wird. Berlin, 13. Juli. (WTB.) Aach einer Mitteilung des älniversitätssekretariats wird die Universität am Donnerstag. 14. Juli, tolebe r geöffnet. Rektor Lüders hat folgenden Anschlag anbringen lassen: „Don ruchloser Hand sind in der Rächt Schleifen der am GefallenenDenkmal nieder gelegten Kränze entfernt worden. Ich kann vorläufig kaum annehmen daß es Studenten waren, die eine so gemeine Tat vollbrachten. Kommilitonen bewahrt die Ruhe. Die Untersuchung ist im Gange, die Täter werden aufs strengste bestraft werden." walten, die es anders bestimmen. Wenn wir bann sehen, daß wir unsere Pläne nicht durchführen können, werden wir leicht verstimmt. Aber auch dafür kann ich nicht stimmen, daß viele sagen: Ich will mich in meinem Urlaub einmal richtig ausschlafen, ganz abgesehen davon, daß das gar nicht g^ht. Nichts wird man schneller müde als das Faulenzen. Auf eine kurze Formel gebracht heißt das Gesetz für alle Urlauber: Tue nichts, was dich an deine Alltagsarbeit erinnert, und schalte alles aus, was dich seither hemmte! Wenn du aber eine Sommerreife antreteh kannst und willst an dem neuen Aufenthaltsort dein Leben genau so geregelt und planmäßig ablaufen lassen, bann rounbert es uns nicht, wenn bu bich langweilst. Es gibt sogar Leute, bie froh finb, wenn bas Enbe der Ferien gekommen ist und sie wieder in ihrem Alltag stehen. Von einer Erholung kann da keine Rede sein. Ein rechter Urlaub muß unsere Lebensgewohnheiten ein bißchen auf den Kopf stellen. Wir müssen einmal links herum leben. Dann erst tritt die gewünschte Entspannung ein. Wer also durch seinen Beruf gezwungen wurde, den ganzen Tag „draußen- zu verbringen, der wird sich freuen, nun die paar Wochen ganz im Kreise der Familie zu leben, andere wieder, die in jeder Stunde von den Ihrigen umringt sind, werden dann am besten ausspannen, wenn sie andere Gesichter sehen, auch unsere Kinder, die ja am wenigsten eine Urlaubslangeweile kennen. Haben sie den Wunsch, hinauszuwandern mit Gleichgesinnten, dann werden wir diese Bitte in jedem Falle erfüllen. Wie oft hat schon eine Trennung von Geschwistern, ja selbst der Eltern, sehr günstig gewirkt. Man lernt im Zusammenleben mit fremden Menschen erst das recht schätzen, was man „zu Hause" besitzt. Einsamkeit finden wir auch in unseren Wäldern, ebenso rauschende Bäche und blühende Blumen. Das muß man immer wieder denen sagen, die vielleicht zum erstenmal ihren Urlaub zu Hause verleben müssen. Ader Langeweile empfinden in diesen Tagen, das wäre sündhaft. w. LS Jahre im Dienst der Klinikverwaliung. Am morgigen Freitag kann der Bürodirektor der Verwaltung der Universitätskliniken Emil Kinkel auf eine 25jährige Dienstzeit zurück- blicken. Bürodirektor Kinkel ist geborener Gießener. Nach bestandenem Finanzexamen der 1. Kategorie war er in verschiedenen Verwaltungen, zuerst im Kommunal- und dann im Staatsdienst, tätig. Am 15. Juli 1907 trat er in die Verwaltung der Augenklinik ein, seine definitive Anstellung als Verwalter der Augenklinik erfolgte am 14. März 1908. Nach der Errichtung der Zentralverwaltung der Kliniken wurde er im Jahre 1931 Bürodirektor. Der Jubilar hat auch am Kriege teilgenommen. Zunächst war er als Militärbeamter im Reservelazarett der Augenklinik tätig, später kam er als Dizefeldwebel an die Front; er wurde verwundet, zum Offizier befördert und mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Herr Kinkel befindet sich feit einer Reihe von Jahren im Dienste unseres Klinikwesens. Bei der Aerzteschaft, wie auch beim Personal erfreut er sich großer Wertschätzung. Von feiten der Bevölkerung in Stadt und Land wird ihm infolge seines liebenswürdigen und gefälligen Wesens Sym- pathie in weitgehendem Maße entgegengebracht. Bornonzen. — Tageskalender für Donnerstag: Liebigshöhe", 20.15 Uhr, Großes Militärkonzert. — Hausfrauen-Beratung, 20 Uhr, Caf6 Leib, außerordentliche Mitgliederversammlung, gleichzeitig Son- derausstellung von Qualitätswaren; 10 bis 22 Uhr, Sommer-Handarbeitsausstellung des Aliee-Frauen- Vereins, Abteiluna Bienenkorb. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „grau Lehmanns Töchter". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: „Hier irrt Goethe", mit dieser literarischen Posse gastieren „Die vier Nachrichter" am Sonntag, 17. Juli, 20 Uhr, einmalig im hiesigen Stadttheater. Die Satire persifliert die Auswüchse des Goethe-Rummels, der Operette und des Tonilms. Nicht nur der Text, die Musik und die Jn- zenierung sind Gemeinschaftsarbeit der Nachrichter, andern auch Kostüme und Dekorationen fertigen sie nach eigenen Entwürfen selbst an. Das Ensemble setzt ich ausschließlich aus Studenten zusammen, die zcit- ;emäß sich die Kosten ihres Studiums durch Theater- pielen verdienen. Für das einmalige Gastspiel gelten Sommerpreise. Studenten und Schüler Ermäßigung. Kartenverkauf täglich von 10 bis 13 Uhr. — Oberhessischer Geschichtsverein. Seinen diesjährigen Sommerausflug unternimmt der Verein am Sonntag, 17. Juli, nach Kloster Arnsburg. Die Teilnehmer fahren 13.43 Uhr nach Garbenteich und wandern unter Führung des Assistenten am Oberhessischen Museum, Dr. Szczech, am Limes entlang nach Arnsburg. Nach kurzer Kaffeepause wird unter Professor Dr. Rauchs bewährter Führung die Klosteranlage und -ruine besichtigt. Um 18 Uhr Abmarsch nach Lich, von wo der Zug 19.13 Uhr abgeht. (Sgl. die Anzeige am Dienstag, 12. Juli.) *• Umbau der Frankfurter Straßen - Unterführung. Das Polizeiamt teilt mit: „Vom 15. Juli ab werden die eisernen Heber- bauten der Dahn°äleberführung in der Frankfurter Straße durch neue erseht. Für den Ausbau der alten und den Einbau der neuen Tleberbauten, sowie für den Abbruch der Widerlager muß die Durchfahrt durch die Ueberfuhrung mit der größten Dorsicht erfolgen. Zu diesem Zwecke werden in angemessener Entfernung von der Ueberführung zu beiden Seiten Warnungstafeln aufgestellt, die zu beachten sind. In den Zeiten in denen die schweren äleberbauten herausgeyoben werden, werden außer den Warnungstafeln je zwei Bahn- beamte mit roten Flaggen versehen, die die Fahrzeuge auf die Gefahren aufmerksam machen. Im Bedarfsfälle haben diese so lange zu halten, bis die Gefahr behoben ist." ** Gemeindefeier der Markus- gemeinde. Auf die Feier der Markusgemeinde, die nächsten Sonntag auf der Hardt stattfindet, fei auch hier hingewiesen. Spiele der Kinder und der Jugend mit Gesang und Volkstanz, Ansprachen und gemeinsame Lieder geben ein abwechslungsreiches Programm. (Siehe heutige Anzeige.) •• Kapitalisierte Rente und Arbeitslosenunterstützung. Dom Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen wird mitgeteilt: Die Spruchkammer für die Arbeitslosenversicherung beim Reichsversicherungsamt hat kürzlich entschieden, daß ein Kriegsbeschädigter, der für einen Teil seiner Dersorgungsrente eine Kapitalabfindungssumme erhalten hat, von der Anrechnung des kapitalisierten Rententeiles auf die Arbeitslosenunterstützung nach § 112a des Gesetzes über Arbeitslosenvermittlung und Arbeitslosenversicherung befreit ist. Kriegsbeschädigten, die eine Kapitalabfindung erhalten haben und denen der kapitalisierte Rententeil auf die Arbeitslosenunterstützung in Anrechnung gebracht worden ist, ist auf Grund dieser Entscheidung des Reichsversicherungsamtes zu empfehlen, durch die Geschäftsstellen des Reichsoundes der Kriegsbeschädigten die erforderlichen Maßnahmen gegen die unzulässige Anrechnung zu ergreifen und die ihnen danach tatsächlich zustehende Arbeitslosenunterstützung zu beantragen. Wettervoraussage. lieber Mitteleuropa erstreckt sich in westöstlicher Richtung eine Rinne tiefen Druckes, in der sich verschiedene Störungsgebilde bewegen. Während das über Deutschland lagernde ziemlich ausgedehnte Kerngebiet sich etwas östlich fortbewegt und durch feine Rückseite etwas kühlere Luft nach dem Festlande bringt, ist bereits eine neue Störung über der Normandie erschienen, die dort Temperaturanstieg und Niederschläge veranlaßte. Im Bereich des liefen Druckes wird unser Wetter unter dem Einfluß verschiedenartiger Luft zunächst seinen öfters zu Regen ober Gewitterstörungen neigenden Cha» ratter beibehalten. Aussichten für Freitag: Bewölkt, vorübergehend auch ausheitcrnd, im ganzen warm, vereinzelte, zum Teil gctoittcrartigc Riederschläge. Aussichten für Samstag: Fortdauer des zu gewittrigen Riederschlägen neigenden warmen Wetters. Lufttemperaturen am 13. Juli: mittags 25,2 Grad Eelsius, abends 19,2 Grad; am 14. Juli: morgens 19,9 Grad. Maximum 26 Grad, Minimum 18,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 13. Juli: abends 25,4 Grad, am 14. Juli: morgens 21 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 6Vs Stunden. Aus aller Welt. Musikdirektor Max Wiedemann f. Musikdirektor Max Wiedemann, der Leiter der Berliner Liedertafel und Bundeschormeister des Berliner Sängerbundes, erlag auf einer kurzen Erholungsreise in Leest bei Potsdam einem Herzschlag. Die Frankfurter Ehrcnptakette für Ludwig Fulda. Der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. hat dem aus Frankfurt stammenden Dichter und Schriftsteller 5)r. Ludwig Fulda. Mitglied der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste, anläßlich seines 7 0. Geburtstages die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt a. M. verliehen. Mattern und Griffin unterwegs nach Berlin. Die beiden amerikanischen Flieger Mattern und Griffin sind gestern in Moskau in Richtung Berlin gestartet. Die Unwetterschäden und Ueberfchwemmungen in Baden und Württemberg. Das schwere Unwetter, das in den letzten Tagen über Oberbaden niederging, hat überall schwere Verwüstungen angerichtet. Im Kander- tal wurde die Ortschaft Nünningen durch die zu Tal flutenden Wassermafsen überschwemmt. Die Ortsstraße glich einem reißenden Strom. Ueberall wurden die Gärten und Fluren verwüstet und die Straßen aufgerissen. Die Kandertalbahn mußte ihren Betrieb einstellen, da der Bahndamm durch Erdrutsche an mehreren Stellen zerstört war. Im Kinzigtag wurden durch den wolkenbruchartigen Regen die Bäche in reißende Ströme verwandelt. In der Ortschaft Einbach drangen die Wasserfluten in Häuser und Ställe em. Das Korn liegt überall wie gewalzt am Boden. — Bei dem schweren Unwetter, das auch verschiedene Gegenden Württembergs heimgesucht hat, wurde auch die Stadt Heilbronn hart mitgenommen. Die Straßen glichen reißenden Bächen und waren unpassierbar. Dek Bahnverkehr nach Weinsberg mußte eine zeitlang ruhen. 3m Streif mit der Senfe erschlagen. Bei Simmern (Unterwesterwaldkreis) ereignete sich eine schwere Bluttat. Jrn Streit ergriff der Arbeiter Gallas auf dem Schadhof (in unmittelbarer Nähe von Simmern) eine Senfe und schlug damit auf seinen Schwager ein, der blutüberströmt zusammenbrach. Der Tod trat auf der Stelle ein. Als die Schwester des Ueberfallenen ihrem Bruder zu Hilfe eilen wollte, wurde sie ebenfalls von Gallas mit der Senfe angegriffen. Sie trug habet schwere Verletzungen davon und mußte dem Krankenhaus zugeführt werden. Der Polizei gelang es, den Täter nach kurzer Zeit zu fassen. 3m Streif erschossen. — IDaffenlager entdeckt. In Buer- Erle (Wests.) gerieten nachts mehrere Männer aus Familienfeindschaft in Streit. Dabei feuerte der 20jährige Bergmann Gustav N e u • bauer auf den 29jährigen Bergmann Wilhelm Summa einen Schuß ab, der Summa auf der Stelle tötete. Die Polizei nahm außer dem Täter drei an dem Streit beteiligte Personen fest. Bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung Neubauers wurden sechs Totschläger, zehn Patronen, ein Browningrevolver mit 5 Schuß, ein Trommel- reoolver mit 6 Schuß und eine Schreckschußpistol» gefunden und beschlagnahmt. 41sacher Brandstifter feftgenommen. Seit einem Jahr wurden in München 47 Speicher- und Dachstuhlbrände gemeldet. Vor mehreren Tagen wurde bei einem neuerlichen Dachstuhlbrand ein Mann unter dem dringenden Verdacht der Brandstiftung festgenommen. Er leugnete aber hartnäckig jede Schuld. Erst auf Grund des von der Polizei inzwischen beigebrachten Be- weismaterials legte er ein Geständnis ab. Danach gab er von den 47 Bränden 41 Brandstiftungen zu. Riefenbrand auf Coney 3siand. Ein Feuer auf Coney Island bei Newyork hat vier Häuserblocks zerstört. Der Schaden wird auf 25-4 Millionen Dollar geschätzt. Ungefähr 200 Pcr- nen haben Verletzungen erlitten; 40 von ihnen mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Feuerwehr ist jetzt der Flammen Herr geworden. Furchtbare Brandkafastrophe in einem chilenischen Kino. In einem Kino in dem chilenischen Marinestützpunkt Talcahuano geriet gestern während einer Vorstellung ein Film in Brand und es entstand eine Panik. Zwanzig Kinder fanden dabei den Tod, vierzig wurden verletzt. Neues schweres Erdbeben in Mexiko. Im mexikanischen Staat Ialisco ereignete sich ein neues schweres Erdbeben. Die bereits durch das Erdbeben am 18. Juni teilweise zerstörte Stabt 21 ü 11 a n wurde vollkommen dem Erdboden gleichgemacht. 0>eV°9( Ein Kopf ist zerbrochen und soll geheilt werden — studieren Sie den neuen Schwarzkopf-Prospekt „Kopf zerbrochen!H „Haarglanz“ fettet nicht, er ist auf die Struktur des Haares abgestimmt und kann durch Zitronensaft- und Essigspülungen nicht ersetzt werden. — „Haarglanz“ liegt jedem Beutel Schwarzkopf-Schaumpon bei. Weiße Pak- kung 20 Pfennig, grüne Extra-Packung und Extra-Blond mit Schaumbrille 27 Pfennig. den Sie in jedem Fachgeschäft kostenlos bekommen 1 Dieser Prospekt sagt Ihnen auch, wie und warum „Haarglanz“ unentbehrlich für Ihre Haarpflege ist. „Haarglanz“ strafft das erweichte Haar nach der Kopfwäsche und neutralisiert es. Dadurch wird das Haar glänzend, elastisch und bleibt gesund und schön. SCHWARZKOPF-HAARPFLEGE vollkommen durch „Haarglanz 4388 V Gießen, den 13. Juli 1932. 04221 Hattenrod, den 14. Juli 1932. Empfehlungen | Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Marie Kloos, geb. Arnold Familie Heinrich Menge! Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe, herzensgute Frau, die treusorgende Mutter ihres Kindes, unsere Hebe Schwester. Schwägerin, Gote und Tante Betr.: Konkurs über das Vermögen der Firma Th. Brück, Möbelfabrik, Inh. Th. Weinert in Gießen. Die Beerdigung findet Samstag, den 16. Juli, nachmittags 3 Uhr statt. 5238 D Gießen (Wilhelmstraße 63). den 12. Juli 1932. Die Beerdigung findet Freitag, den 15. Juli, nachmittags 3 Uhr, in Ober-Ofleiden statt. Als Kapitalanlage billigesundgutestand qm 30 Pf., zu verk. Schrift!. Ang. unt. 04228 an d.G. A. Frau Luise Martin geb. Kornmann nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im Alter von 37 Jahren zu sich zu nehmen. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Heinrich Martin Walter Martin. SFZ - Krieger - Verein Giefoen Die Beerdigung Un- seres 1b. Kameraden Verlagsbuchhändler Otto Roth findet am Freitag, dem 15. Juli, 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. — Um zahlreiche Beteiligung bittet derVorstand 5226 D Licher Sommermarkt Mittwoch, den 20. Juli: Zuchtvieh-, han- Unterfertigte betrauert tief das Ableben ihres lieben Ehrenphilisters Herrn Otto Roth Verlagsbudihändler. Markus-Gememöe Gemeindetag der Marknsgemeinde ist am Sonntag, dem 17. Juli 1932, von 2*/2 Uhr an, auf der Hardt. Die Kinder des Kinder-Gottesdienstes kommen um 2 Uhr am Gemeindehaus, Kirchstraße, zusammen. — Alle Gemeindeglieder sind Heute nacht gegen 12.30 Uhr hat es Gott dem Allmächtigen gefallen, meinen lieben Mann, meinen guten Vater, unseren Schwiegervater, Großvater und Schwager Christian Kloos, Landwirt nach kurzer, schwerer Krankheit, im Alter von 71 Jahren, in die Ewigkeit abzurufen. Gut erhaltenes D. KI-Motorrad (200 ccm) steuer- u. führerscheinfrei, sof. zu verkaufen. Sehr. Angebote u. 04227 an den Gieß. Anz. | Kaufgesuche | Gut erö. geürouöiL IMrroö gegen bar zu kaufen geb Schr. Ang. unt. 04223 a. d. G. A. Die stud. ReionnverbinduuO »Adelghia« imV.D. B. I. A. d. C.: Hans Diestelkamp XXX. F.-M. 5228 D Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Th. Brück, Möbelfabrik in Gießen, Inhaber Th. Weinert in Gießen, ist: . 5223D 1. zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen: 2. zur Entgegennahme eines Berichts des Konkursverwalters: 3. zur Beschlußfassung über die Fortführung des Geschäfts, Termin auf Donnerstag, den 25. August 1932, vormittags 8^ Uhr, vor dem Hessischen Amtsgericht in Gießen, Zimmer 204, anberaumt. Gießen, den 11. Juli 1932. Hessisches Amtsgericht. Zwangsversteigerung 89^31 Am Donnerstag, dem 4. August 1932, vormittags 9 Uhr, werden im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 107, die nachstehenden im Grundbuche von Gießen 1. der Jakob Happel Witwe, Luise geb. Herbert in Gießen; 2. dem Hans Wilhelm Emil Happel, daselbst, zugeschriebenen Grundstücke, versteigert: 4901D A. Grundbuch für Gießen, Band III, Blatt 140. Ord.-Nr. 2, Flur 1, Nr. 980 = 183 qm Hofreite zu Gr. Mühlgasse 30; Ord.-Nr. 3, Flur 1, Nr. 986 = 583 qm Hofreite zu Gr. Mühlgasse 30, zusammen geschätzt 27 540 RM. B. Grundbuch für Gießen, Band XXXXIX, Blatt 2417. Ord.-Nr. 2, Flur 28, Nr. 286 = 1250 qm Hofreite, Rodheimer Straße 42, geschätzt 47 500 RM.: Ord.-Nr. 4, Flur 28, Nr. 287 = 1481 qm Grasgarten daselbst, geschätzt 2962 RM.; Ord.-Nr. 5, Flur 28, Nr. 288 = 9460 qm Wiese daselbst, geschätzt 19 590 RM.; C. Grundbuch für Gießen, Band XVI, Blatt 757. Ord.-Nr. 1, Flur 1, Nr. 981 = 105 qm Einfahrt in der Neustadt, geschätzt 215 RM. Zu C: der der Jakob Happel Witwe zustehende Anteil zu 6Im und der dem Hans Wilhelm Emil Happel zustehende Anteil zu 3Im. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 27. Juni 1932. I. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen. ______Leo, Ortsgerichtsvorsteher._______ Einladung zur Wahl des Gefamlvorstandes der Israelitischen Religionsgemeinde Gießen. Gemäß § 14 der Gemeindesatzung der Israelitischen Religionsgemeinde Gießen vom 18. Februar 1932 wird zur Kenntnis der Interessenten gebracht, daß die Neuwahl des Gesamtvorstandes auf 5216D Sonnlag, den 24. Juli 1932 festgesetzt ist. Alle nach § 6 der Gemeindesatzung Stimmberechtigten werden zu dieser Wahl mit dem Bemerken eingeladen, daß die Abstimmung im Gemeindehaus, Lonystraße 4, in der Zeit von 9 bis 13 Uhr, stattfindet. Gießen, den 14. Juli 1932. Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Gießen. Eugen Rothenberger, Wahlleiter. Haarwuchsmittel von Hofapoth. Schaefer ohne teure Verpackung. Echt. Brennesselhaar- wasser */< Ltr. 0.75. Echt. Birkenhaarwasser Maiengold 14 Ltr. 1.» gegen Schuppen, Haarausfall, Kopfjncken. Fein parfümiert! 3829 V Flaschen mitbringen! Allein-Verkauf: Apoth. z.goid.Engel. delsvieh-, Schweine- und krämermarkl, Bullen-, Eber- und Schafbockversteigerung. Zum Markt find zugelassen Tiere aus unverseuchten Gemeinden. 5213D Auftriebszeit von bis 9 Uhr. Zur Prämiierung zugelassen sind hessisches Fleckvieh und Vogelsberger Vieh. Für beide Viehrassen sind folgende Klassen aufgestellt: Klasse I: Bullen über 2 Jahre, „ II: Bullen von 16 bis 24 Monaten, „ III: Kühe mit 3 nnd mehr Kälbern, erkennbar tragend, „ IV: Kühe desgleichen in Milch, „ V: Kühe mit 1 bis 2 Kälbern, erkennbar tragend, „ VI: desgleichen in Milch, „ VII: Rinder, erkennbar tragend, „ VIII: Rinder über 1 Jahr, „ IX: Familien. Die Prämiierung bezieht sich nur auf Herdbuchtiere. Es bleibt Vorbehalten, etwa angemeldetes und aufgetriebenes Vieh, das nicht im Herdbuch eingetragen ist, besonders zu richten und evtl, zu prämiieren. Anmeldungen zur Prämiierung haben bis zum 15. Juli d. J. bei uns zu erfolgen. Anschließend an die Prämiierung Zuchlvieh- oerffeigerung (Bullen, Eber und Schafböcke). Die verkäuflichen Tiere sind bis zum Dienstag, den 12. Juli, bei dem Landwirtschaftskammerausschuß für Oberhessen in Gießen anzumelden. Günstige fiauf- gelegenheit für Gemeinden, private und Händler. Nachmittags Volksbelustigung, Umzug der prämiierten Tiere, Konzert und Tanz auf dem Adlerplah. Lich, den 5. Juli 1932. Hessische Bürgermeisterei Lich. ______________Geil.______________ Fischereiverpachtung. Samstag, den 16. Juli 1932, vormittags 11K Uhr, soll im „Frankfurter Hof" zu Homberg der nicht genehmigte Fischereibezirk Nr. II, Ohm in der Gemarkung Homberg, nochmals öffentlich auf 12 Jahre verpachtet werden. 5218D Unbekannte Pachtliebhaber wollen sich vor der Verpachtung bei der unterzeichneten Stelle, die weitere Auskunft erteilt, ausweisen. Homberg (Oberhessen), den 12. Juli 1932. Hessisches Forstamt Homberg. Wer über den Verbleib des [wi6d Mmes Wss« Sohn des Philivv Pfeiffer, Großen- Buseck, Auskunft geben kann, möge dieses bei dem Pfleger Karl Hels, Gr.-Buseck, Schützenweg 10, melden. Errichtung von Einfamilienhäusern mit 5—6 Zimmern, Küche, Bad, Winterg., Terrasse. Mansarde, allem Zubehör, ein- schließl. Gartenanlage und Anpflanzung. In bester Wohnlage, zu absolnt festen Preisen. Solideste Bauweise, neuzeitliche Ausstattung. April 1933 bezugsfertig. Erfordert Eigenkapital 5 bis 6000,— RM. Monatl. Belastung Sö,— RM. einschl. Tilg. Die größeren Häuser 10 RM. mehr. Häuser in la Jahren bis 40%, in 22 Jahren ganz schuldenfrei. 04225 Baniereini6nnfi Rhein-Main-Lahn Auskünfte können eingeholt werden bei Architekt H. Völker, Aulweg 48, Tel. 3184. herzlich eingeladen. 5236D Seroorftonb: Veckep, PfatrCF Blumenhaus Dietz Seltersweg 38 Trauerkränze in bester Ausführung zu den billigsten Preisen Telephon 2213 5225 d Versand nach auswärts Achtung! täglich Achtung! von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends Einmachobst und Gemüse in der Marktlaube Nr. 25—26. Bestellungen: Telephon 2674. Lieferungen prompt, frei Haus. 04230 A.Mmer-Irosch, AeustadM!• MM n. OloiroBen 3 mt. oon sofo... 5 mr. i. Hause. Schr.Anfr. u.04222a.d.G.Anz. FriilMIfel la gelbfl. Sveise- kartoffel, per Zentner Mk. 3.70 mit Sack, versendet un- terNachnahmebmo I. Notzmanu, Kartoffclversand, Echzell (Wetterau), Fernsprecher 36, Amt Reichelsheim. a/KK.Betten lxj Sehlafrim. .Kinderbetten. Polst. S n h linntr., ChaleoL, an jeden, Tollen hl a. KataL fr. Elr.enmöbcuabrLk Suhl d Kurzschriltverein von 1861 mit Damenabteilung e. V. fawto’jit 4t einfach KAUF BEI S!F! ABSCHLAG Große frische S&F^ESeF 10 st 65 Salatö! reinschmeckend............Liter ".SG Margarine gute Qualität....Pfd. -.30, -.25 Pflanzenfett 100 % Fett ...Tafel -.34, -.24 Weizenmehl heil.........pfd. -.25, -.22 Sultaninen auch zum Rohessen..% Pfd. -.10 SuppenreiS grobkörniger Bruchreis, Pfd. -.12 Limburger Käse 20% Fett......pfd.-.4O Vorderschinken gekocht........pfd. 1.10 Plockwurst schnittfest.............Pfd. 1.00 Holsteiner Zervelatwurst... .pfd. 1.10 MalZkaffee ausgewogen..........Pfd.-.25 TOILETTE-SEIFE ZU SONDERPREISEN Feine Toilette-Seife nr 3 Stück, ä ca 80 g...................... Feine Toilette-Seife nc Riesenstück, ca. 200 g................... Nur bis Mittwoch, den 20. Juli 1932. Gelbe Kernseife st. 300 g Frischgew. -.15 Weiße Kernseife 3 st. 250 g Frischgew. -.40 Weiße Kernseife Riegel 500g Frischgew. -.25 S & F-Sparmarken auf alle Waren 5 Prozent Rückvergütung _______________________________ 5221 A LMMrMME Sonderzug an den Rhein Sonntag, den 17. Juli 1932. Gießen—Mainz—Koblenz—Gießen. Sonder salondampfer Mainz—Koblenz. Musikkapelle und Tanz an Bord. Nur diese eine Rheinfahrt Gesamtpreis RM. 10.90. Anzahlung RM. 5.—. Auskunft u. Anmeldung Hapag-Reisebüro, Gießen, Telephon 419 7. Jeder 30. Teilnehmer erhält einen Gutschein gültig für ein Mittagessen, jeder 50. Teilnehmer einen Gutschein für eine Flasche Wein. 5049 D Lichtspielhaus Giehen WW I Heute letzter Tag: Frau Lehmanns Töchter Ab morgen Freitag: 5227 C i Dolly Haas — Gustav Fröhlich in Liebeskommando | ein amüsantes Kadetten-Abenteuer. 4881 a J. B. HAUSER, GIESSEN AM 0$ WAL DSCARTEN sagte Onkel Mollig zu seiner besseren Ehehälfte als er neulich durch die Ausstellungsräume der Firma J. B. Häuser ging. Einen praktischen und modernen Roeder-Herd mit Seltenfeuerung sah er dort und da er ohnedies mit dem Gedanken umging, seine alte Räucherkiste auszurangieren, so zögerte er auch nicht lange und ließ sich dieses neue Modell In seiner Wohnung aufstellen. Kommen Sie doch auch einmal In unsere Ausstellungsräume. Sie werden erstaunt sein, wieviel neue Modelle an Küchenherden Sie bei uns vorfinden. Glauben Sie nicht, daß auch Sie noch einen praktischen Küchenherd für wenig Geld bei uns erwerben können ? Wir erwarten Sie gern. Hr. IKZ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)Donnerstag, U. Zuli 1952 Welche Berechtigungen können Berufsschülern gegeben werden? Don Architekt CH. Leichum, Gewerbelehrer. Man gibt immer mehr der Ansicht Raum, daß „der schassende Mensch der wichtigste und entscheidendste Faktor der Betriebe ist", und daß olle „Errungenschaften auf technischem Gebiet letzlich auf den Mann der Werkstatt zurückgehen, ohne dessen Fleiß, Hingebung und Verantwortungsgefühl die Gedanken der Erfinder und Forscher nicht zu verwirklichen wären" (Soziales Museum, Franksurt/M. 1930). Aus diesem Grunde ist es verständlich, wenn heute der Ausbildung der Werktätigen besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. . Das Berechtigungswesen in Deutschland ist ein gusgedehntes, und es ist eigentlich ein Wagnis, nach noch weiteren Berechtigungen zu fragen und zu suchen. Mit der Absolvierung aller Bildungsanstal- ten, ganz aleich, welcher Richtung, sind Berechtigungen aller Art verknüpst. Weshalb sollen dann nicht auch dem werktätigen Jugendlichen, welcher seine fachlich-theoretische Ausbildung auf der Be- pufsschule erhält und am Ende dieser Ausbildung durch seine Leistungen und Kenntnisse ein bestimmtes Maß von fachlich-theoretischer Bildung nachweist, gewisse Berechtigungen zugestanden werden? Die Berechtigungen, die für den Berufsschüler in Frage kommen, sind ganz besonderer Art und werden durch die Bedeutung der Berufsschule im Berufs- und Wirtschaftsleben bedingt. • Die Lehrpläne der Berufsschulen sind allgemein so erweitert worden, daß während des dreijährigen Pflichtschulbesuches dem Berufsschüler alle die fachlich-theoretischen Kenntnisse vermittelt werden, die derselbe bei Ablegung der Gesellenprüfung nachweisen muß. Ja, der befähigte Schüler ist heute in der Lage, sich während seines Schulbesuches auch diejenigen Kenntnisse zu erwerben, die es ihm späterhin ermöglichen (dies gilt für eine ganze Reihe von Berufen), den theoretischen Teil der M e isterprüsung ohne weiteres abzulegen. Es wäre deshalb die Forderung zu erheben, dem Be- rufsspieler nach erfolgreichem Berufsschulbesuche die Berechtigung einzuräumen, von der Ablegung der theoretischen Gesellenprüfung befreit zu sein. In der Praxis wird dieses von feiten der Gesellenprüfungsausschüsse ja auch allgemein so gehandhabt', die Aus- schüsse vereinfachen sich ihre Arbeit, indem sie die Zeugnisnoten der Berufsschulzeugnisse für die Prüfung verwerten. Dieses Verfahren oder ähnliche sind jedoch ganz von der örtlichen Einstellung der Prüfungsausschüsse abhängig. Die Forderung, das Abgangszeugnis der Berufsschule (Durchschnittsnote genügend) rechtlich gleichzustellen mit der theoretischen Gesellenprüfung, ist unerläßlich und sollte von allen beteiligten Kreisen im eigensten Interesse vertreten und die Verwirklichung derselben angestrebt werden. seit einigen Jahren ist man der Auffassung, daß eine gehobene Berufsausbildung als Ersatz für fremdsprachliche Bildung und für sonstige Mängel in der Allgemeinbildung anzuerkennen ist. Aus dieser Erkenntnis heraus hat man den Fachschulen (gehobene Berufsschulen) das Recht eingeräumt, ihren Absolventen die mittlere Reife zu erteilen, wenn dieselben an einem zweijährigen Dollunterricht teilgcnommen haben. Rach den für den Erwerb der mittleren Reife geltenden Bestimmungen ist jedem, der nicht über die Dauer der allgemeinen Schulpflicht hinaus noch zwei Jahre an einem Voll- unterricht teilnahm, der Erwexb der mittleren Reife unmöglich gemacht. Diese Bestimmung bedeutet einen Rückschritt gegenüber den Bestimmungen der Vorkriegszeit über den Erwerb des „Einjährigenzeugnisses", was damals gleichbedeutend war mit der heutigen mittleren Reife, und zwar insofern einen Rückschritt, als man vergaß, daß vor dem Kriege dieses Einjährigenzeugnis, auch ohne zehnjährigen Vollunterricht nachzuweisen, vor einer Prüfungskommission erworben werden konnte. Cs war — und das ist hier von besonderer Bedeutung — also jedem Berufstätigen möglich, ohne an einem Unterricht teilnehmen zu müssen, die mittlere Reife zu erlangen. Ja, es bestanden auch vor dem Kriege schon Bestimmungen, wonach junge Leute, die sich in ihrem Berufe hervorragend auszeichneten durch Anfertigung oder Ausführung besonderer Arbeiten meist künstlerischer Art, von dem Nachweis der wissenschaftlichen Befähigung befreit und zu einer erleichterten Prüfung zur Erlangung des Einjährigen- Zeugnisses zugelassen werden konnten (§89 Abs. 6s der alten deutschen Wehrordnung „Künstler-Einjähriges"). Alle berufstätigen Jugendlichen, denen nicht über die allgemeine Schulpflicht hinaus Doll- unterricht zuteil wurde, sind heute während ihrer Berufsausbildungszeit Schüler der Berufsschule. Es ist deshalb eine wahlberechtigte Forderung, wenn verlangt wird- daß auch jenen Bildungsanstalten, die ihre Schüler neben der praktischen Arbeit in erster Linie für die berufliche Tätigkeit, für die Wirtschaft und das Leben vorbereiten, das Recht zur Erteilung der mittleren Reife verliehen werde. Eine allgemeine mittlere Reife im Berufsleben kann es ja nicht geben. Diese kann nur an allgemeinbildenden Lehranstalten erworben werden. Die mittlere Reise, verliehen an den Berufsschulen, muß berufliche Richtung haben, d. h. sie ist für jede Berufsgruppe besonders zu formen. Die Erlangungsmöglichkcit kann nach zwei Seiten hin ausgearbeitet werden, einmal nach der Richtung des oben Gesagten über das ehemalige sogenannte „Künstler-Einjährige", dann nach der Seite der erweiterten Unterrichtskurse, welche dem Schüler über den Pflichtunterrichs hinaus „Gelegenheit zum Erwerb einer entsprechenden Bildung geben" (Be- rufsfchultag Jena 1928). Es wäre dann zu unterscheiden eine mittlere Reife beruflicher Art, eine B e ru ss r.e i f e, und eine mittlere Reife allgemeiner Art, eine Schulreife. Die erstere, verliehen durch die Berufsschulen, kennzeichnet die Be- küsseignung, die letztere, erworben an allgemein- bildenden Lehranstalten, berechtigt zu weiterer Schulung zum Zwecke wissenschaftlicher (Studien) Arbeit. Ergänzungen der Darmstädter Stadtverwaltung. WER. D a r m st a d t, 13. Juli. Die in der letzten Zeit umlaufenden Gerüchte über die geplante Einrichtung einer weiteren Beigeordneten st elle, finden ihre Bestätigung. In einer Zuschrift an die Presse begründete Oberbürgermeister Mueller den Wunsch der Stadtverwaltung. Jahrzehntelang habe die Berwaltung der Stadt Darmstadt aus dem Oberbürgermeister und fünf Beigeordneten bestanden. Inzwischen sind zwei verstorbene Beigeordnete nicht wieder erseht worden, ebenso fanden keine Ersatzwahlen für die pensionierten Bürgermeister D a u b und Duxbaum statt, und die Stelle des Bürgermeisters Mueller wurde nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister ebenfalls nicht wieder beseht. Damit besteht das Verwaltungskollegium nur noch aus drei Mitgliedern. Keine einzige Stadt in ganz Deutschland von der Größe Darmstadts habe eine gleich billige Berwaltung. In der letzten Zeit ist nun Bürgermeister Rihert durch ^Überarbeitung und Rervenansttengung dienstunfähig, so daß nur zwei Bürgermeister die Geschäfte der Stadt versehen. Das sei zu wenig. Es sei unvermeidbar, daß die Berwaltung wieder vervollständigt werde, da die Berantwortung nach dem Gesetz nicht auf nachgeordnete Berwaltungs- beamte übertragen werden könne. Der Oberbürgermeister hofft, daß die Bevölkerung und auch der gesamte Stadtrat für diese Wünsche der Stadtverwaltung Verständnis zeigt. Verabschiedung des Haushaltsplans in Bad-Nauheim. WSR. Bad - Rauhe irn, 13. Juli. Der Stadttat verabschiedete in seiner gestrigen Sitzung den städtischen Haushaltsplan, der in der Betriebs- und Bermögensrechnung mit 1 941 000 Mk. (300 100 Mk. weniger als 1931) und in der Betriebsrechnung allein mit 1 698 500 Mk. (177 400 Jedem Franzosen sein Miniatur-Tank. < „Tank gegen Festung", ein Spielautomat, den jetzt ein Pariser Unternehmen an verschiedenen Orten ausgestellt hat. Dieses seltsame Geschicklichkeitsspiel ist vielleicht typisch für unsere Zeit, die soviel von Abrüstung und Weltfrieden spricht und sich doch so gern mit jeglichem Kriegshandwerk beschäftigt. Siebenlausend wollen spielen... 3m Arbeitsnachweis der Schauspieler. Don Liliom. Wie viele junge Mädchen, wie viele junge Bur- schen sitzen auch heute noch auf der Schulbank der letzten Klasse und tragen einen Traum im Herzen, nein, mehr als einen Traum, den festen Entschluß: Ich gehe zum Theater! Nicht nur ihretwegen lohnt es sich, einmal nachzuforschen, wie heute die Arbeitsmöglichkeiten und Aussichten, wie heute die gesamte Situation für die Büh- nenschauspieler aussieht! Theater ist eine Sache, die, wie jede Kunst, uns alle angeht. Wie steht es heute mit diesem Beruf? Antwort auf diese Frage kann uns nur die „Parenna" geben, das ist die vor eineinhalb Jahren gegründete öffentliche Nachweis- ftelle für Bühnenangehörige in der Potsdamer Straße in Berlin, mit zwei Zweigstellen in München und Mainz. Ein großer, holzgetäfelter Raum, geschmückt mit bunten Statistiken: das ist das Wartezimmer des paritätischen Stellennachweises, und es ist dicht gefüllt. Viele, entmutigend viele sitzen hier in den Vormittags-, Mittags- und Nachmittagsstunden herum, und trotzdem sind es längst nicht alle, denn die Besuche der Stellensuchenden sind durch Besuchskarten genau geregelt: jeder hat das Recht, hier viermal im Monat herzukommen und einen der Disponenten zu sprechen. Und trotzdem diese Fülle. Wenn man sich die statistischen Zahlen angesehen hat, wundert man sich auch darüber nicht mehr. Von 12 000 Bühnenangehörigen sind 7 00 0 arbeitslos! Also mehr als die Hälfte. Wie sollen da selbst die Begabtesten noch Platz finden? Auf den ersten Blick würde allerdings kein Mensch auf den Gedanken kommen, daß er es hier mit Arbeitslosen zu tun hat. Das Elend wird hier gut versteckt, das gehört zum Beruf. Besonders die Fronen sehen so gut angezogen und so gepflegt aus, manche geradezu elegant, daß man fast meinen könnte, in irgendeinen Klub geraten zu sein, dessen Mitglieder sich ein Stündchen unterhalten wollen. Aber wenn man diese Augen sieht, die sich nervös und gehetzt auf jeden Eintretenden richten, wenn man den schlecht verhehlten Neid sieht, sobald irgend jemand in das Disponentenzimmer gerufen wird, wenn man unter der Aufmachung, unterem Puder und dem künstlichen Lächeln die schlaffen und zerfurchten Züge sieht, dann weiß man, daß auch hier ein Kampf um bie Existenz geführt wird, der immer verzweifelter wird, je weniger man es sich merken lassen darf. . Während man so sitzt, Stunden und Stunden, während man mit den anderen halb vorsichtig, halb renommierend plaudert, über Rollen, die man gespielt hat, die man spielen möchte und die man beinahe bekommen hat — ist plötzlich aus irgendeiner Ecke her das Gerücht in Umlauf geraten, daß der Intendant I aus P heute morgen anwesend sein wird. Noch andere wissen plötzlich auch, was er sucht: er sucht angeblich eine Naive und einen Heldenoater. Von diesem Augenblick ab sind im ganzen Raum nur noch Naive und Heldenväter vorhanden, ohne Unterschied des Alters, des Aussehens und des eigentlichen Rollenfachs. Wer begabt ist, muß doch alles spielen können, und wer ist hier nid), tief und unweigerlich von feiner Begabung überzeugt?! Und außerdem bleibt ja gar keine Wahl. Ein Platz ist frei, und man muß sehen, daß man unter Hunderten die Möglichkeit findet, sich, gerade in diesen Platz einzusetzen und sich dort zu erhalten. Plötzlich fint)eaUe Augen konzentriert auf irgendeinen Punkt gerichtet, aber sie sehen nichts, sie sehen nach innen, sie sehen die Vorsprechszene, die jeder einzelne nun rasch noch einmal memoriert. Minna von Barnhelm und Klärchen, Wendla und Hannele, alle „naiven" Rollen werden in schweigenden Sätzen jetzt von all diesen Frauen dort gesprochen, denn man muß ja bereit fein, wenn die Tür aufgeht und man vor dem Allgewaltigen steht. Man muß alle Nerven beisammen haben, man muß Liebreiz und Schelmerei, Innigkeit und Temperament, man muß seine ganze Begabung leuchten lassen, ohne Partner, ohne Dekoration, ohne Stichwort und ohne Atmosphäre muß man es schaffen, daß der Allgewaltige dort hinter der Tür aus den vielen gerade diese eine her- aussucht und ihr das Ersehnte bietet: den Kontrakt. Der „Allgewaltige" aber ist in den meisten Fällen ein müder, abgehetzter Direktor oder Intendant, der einen ganz bestimmten Gagenetat nicht überschreiten darf, der Rücksicht nehmen muß auf sein schon vorhandenes und eingespieltes Personal, und der, selbst beim besten Willen, nicht bei all den zitternden und nervösen Naiven die gleiche Aufmerksamkeit bewahren kann, denn er ist ja auch nur ein Mensch, und zwanzigmal sich dieselbe Szene aus „Minna von Barnhelm" anhören müssen,- ermüdet eben schrecklich. Und außerdem: zwanzig wollen engagiert werden, fünfzehn vielleicht sind unzweifelhaft begabt und verdienten diese Ermutigung .. aber nur ein Platz ist frei. Wohin mit den anderen? Einige helfen sich durch. Finden eine kurze Stellung in einer Eiskonditorei, verkaufen Obst auf den Straßen ... geschickte Frauen unter ihnen gehen als billige Schneiderinnen ins Haus, machen Hüte, schreiben in Zeitungen, bieten sich als Stütze und Gesellschafterin an. Aber die anderen? Wenn man herauskommt aus diesem Warte- saalderTalente, stehen im Toreingang Zettelverteiler und fordern zu Zusammenkünften auf. Auf solchen Versammlungen werden alle möglichen Forderungen gestellt und auch angenommen. Redner aller Parteien steigen auf die Tribünen und wettern gegen Direktoren, gegen einzelne Disponenten, gegen den ganzen Stellennachweis. Man verlangt: Zahlung eines Garderobenzuschusses von hundert Mark für jeden, der Stellung gefunden hat. Kontrolle der Vermittlung durch einen Erwerbslosenausschuß. Oeffentliche Bekanntgabe aller freien Stellen. Aber all das, selbst wenn es sich durchführen ließe, würde nichts helfen. Denn es bleibt, allen Maßnahmen zum Trotz, «die furchtbare nackte Ziffer: Zwölftausend wollen spielen ... und nur für Fünftausend ist Platz. Ein Erfinder unserer Zeit. Die Lebensgeschichte King C. Gillettes, des verstorbenen amerikanischen Rasierklingenkönigs, ist mehr als die Geschichte eines erfolgreichen Er- finders, wie es deren zu allen Zeiten mehr oder weniger gegeben hat. Es ist die Geschichte des materiell erfolgreichen Erfinders schlechthin, des Erfinders, der mit allen Fasern seiner Persönlichkeit ein Kind unserer Zeit ist, und es gibt kein besseres Musterbeispiel für die Voraussetzungen, die ein Erfinder unseres Jahrhunderts erfüllen muß, wenn er mit dem Kind seines Geistes nicht nur Ruhm, sondern auch Geld verdienen will, als die Geschichte des Aufstiegs von Kimg C. Gillette. Bei aller Würdigung seiner Verdienste um die bärtige Männerwelt darf man doch wohl feststellen, daß es zahlreiche Erfinder gegeben hat und noch gibt, öie wett wesentlichere Der neue Gesandte der Tschechoslowakei in Deutschland, Dr. Dojtech M a st n y , der seit 1925 sein Land in Rom vertrat, bei der Ankunft in Berlin Mark weniger als 1931) in Einnahmen und Ausgaben abschließt. Der vorhandene Fehlbetrag von über300 000Mark, in der Hauptsache durch den geringer veranschlagten Steuereingang (138 000 Mk.) und die Mehrbelastung für Wohlfahrtspflege (117 600 Mk.) hervorgerusen, wurde restlos durch Abstriche auf der Ausgabenseite gedeckt, so daß die von der städtischen Verwaltung vorgesehene Einführung der Bürger» und Getränkesteuer vermieden werden konnte. Zahresfest der Nieder-Namstädter Anstalten. Unter größter Beteiligung wurde am Sonntag das Iahresfest der Nieder-Ramftädter An st alten für Epileptische und Krüp- p e l gefeiert. Der Festgottesdienst in der Dorfkirche war überfüllt. Dichtgedrängt lauschte eine nach Hunderten zählende Gemeinde der Festpredigt von Stadtpfarrer Sch m i d t (Schlitz), der aufrief zum Dank für das, was der Herr der Kirche auch im ver- äangenen Jahre an dem Liebeswerk in Nieder Rom- ftabt getan hat, aber auch zur Mitarbeit an diesem Werk. Die Anstaltschöre verschönten die erhebende gottesdienstliche Feier. Nach kurzer Pause, während der die Besucher Gäste der Anstalt waren, begann im Garten die Nachversammlung, die Pfarrer Wagner aus Darmstadt, der Vorsitzende des Vereins „Anstalt für Epileptische", mit einer Begrüßungsrede eröffnete. Sodann übermittelte der Superintendent der Provinz Starkenburg, Oberkirchenrat Dr. Mülle r, der mit dem Präsidenten des Landeskirchentages, Archivdirektor D. Herrmann, erschienen war, die Grüße und Wünsche der Landeskirche. Den Jahresbericht erstattete der Direktor der Niedei .Ham- städter Anstalten, Pfarrer Schneider. Aus seinem Bericht sei besonders erwähnt, daß im letzten Jahre eine Abteilung für Blöde eingerichtet wurde, die nach kurzer Zeit voll besetzt war. Der schon lange notwendige Umbau der Küche und der Heizungs- anlage wurde vollendet. Im Männerhaus wurde eine geschlossene Station für solche Kranke, die besondere Aussicht bei Tag und Nacht nötig haben, geschaffen. Die Arbeit im Krüppellehrlingsheim hat sich weiter entwickelt, während das Krüppelheim mit viel Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Sieben Lehrlinge aus dem Heim machten mit gutem Erfolg ihre Gesellenprüfung. Insgesamt wurden im Rechnungsjahr 1931/32 in der Epileptischen Anstalt an 107 000 Pflegetagen 439 Kranke verpflegt, im Krüppelbchm 54 Kinder an 8440 Pflegetagen. Der Bericht schloß mit der Bitte, auch fernerhin das Liebeswerk in Nieder-Ramstadt tatkräftig zu unterstützen. Pfarrer und für die Menschheit wichtigere Dinge erfunden haben als eine neue Rasierklinge, und denen ihre Erfindung dennoch nicht einmal einen kleinen Bruchteil des Vernwgens eingetragen hat, das Gilette sich erwarb, in dessen Fabriken heute mehr als eine halbe Milliarde Mark investiert sind. King C. Gilette war 41 Jahre alt, als er die ausw«hselbare Rasierklinge aus Ahrfederstahl erfand, und man erzählt sich, daß er diese Erfindung ganz systematisch gemacht hat. Der Amerikaner wollte durchaus etwas erfinden, und da er gleichzeitig mit seiner Idee möglichst viel Geld verdienen wollte, fragte er sich zunächst: welcher Art muß seine Erfindung sein, damit man recht viel Prosit aus ihr schlagen kann? Die Antwort auf diese theoretische Frage stand bald fest. Sie lautete: die Erfindung muß einem allgemeinen Bedürfnis entsprechen. Sie muß ohne weiteres einleuchten. Sie muh für jeden erschwinglich sein, und schließlich muh sie aus irgendeinem Gegenstand bestehen, den man nach dem Gebrauch wegwirft, damit der Absatz von vornherein recht groß ist. Vielleicht bewegten diese Gedanken Gillette besonders stark, während er sich gerade rasierte, vielleicht lenkte ihn irgendein bestimmter Anlaß gerade auf das Rasierproblem — Tatsache ist jedenfalls, daß die Rasierklinge den rein theoretischen Forderungen, die an eine lukrative Erfindung gestellt werden können, in geradezu idealer Weise entspricht. Gillette hat sich vieler Tricks bedient, um seine Erfindung populär zu machen und um ihr Absatz zu verschaffen. Der Erfolg hat ihm Recht gegeben. Seine Geschichte sollte an der Spitze einer Fibel für Erfinder stehen. Hochschulnachnchten. Der Nestor des Lehrkörpers der Danziger Technischen Hochschule und zugleich der Nestor des deutschen Stahl- und Brückenbaues, Geh. Regierungsrat Dr.-Ing. h. c. Reinhold Krohn, ist im Alter von fast 80 Jahren gestorben. Die Versetzung des o. Professors Dr. Siegfried Koehler von der Universität Breslau in gleicher Eigenschaft an die Universität Halle ist erfolgt; er übernimmt hier den Lehrstuhl der mittleren und neueren Geschichte als Nachfolger von Professor O. Becker. Hill (Dalsheim) erzählte sodann von den Anfängen des Rettungshauses in Jugenheim. Die Anstalt dort wurde 1852 vor allem aus Anregung des früher katholischen Pfarrers Helfrich vom Rhcinhessi- schen Missionsoerein geändert, mußte aber aus Man. gel an Belegung vor drei Jahren geschloffen werden. Nun haben die Nieder-Ramstädter Anstalten das Anwesen übernommen, um dort ein Blödenheim etn- zurichten. Den Beschluß machte der Direktor des Landesver- cins für .Innere Mission, Pfarrer Röhricht (Darmstadt), mit einem herzlichen Appell an die Ge- meindcn, der Nieder-Ramstädter Arbeit auch in Zukunft die Treue zu bewahren. Wegen Zechprellerei verhaftet. ss Grebenau, 13. Juli. Hier wurde von der Gendarmerie ein junger Mann aus Wernges f e ft - genommen, der sich durch Zechprellereien unangenehm bemerkbar machte. Nachdem er ver- schiedenemal auch in Alsfeld Gastwirte geprellt hatte, erreichte ihn jetzt hier in Grebenau der Arm der Gerechtigkeit und er wurde sofort dem Amtsgerichtsgefängnis Alsfeld zu- geführt. Wie es sich sofort herausstellte, wurde der junge Mann auch schon von der Gendarmerie Alsfeld gesucht. SJL-tfpott Oie Favoriten des Nürburgrings. M | W f W > ___I Bild links: Nuvolari, der erfolgreiche italienische Fahrer. Bild rechts: Carracciola (links) und Hans von Stuck, die auf Alfa Romeo und Mercedes-Benz um den Sieg kämpfen. 6.WanderpreiskegelninGroßen-Linden Am Sonntag fand in Großen-Linden das sechste Wanderpreiskegeln des Keglerbundes Lahn—Duseckertal statt. 3n Anbetracht der wirtschaftlichen Verhältnisse hatte der Bund von einer Festlichkeit abgesehen. Vlm den Wanderpreis bewarben sich die 15 Vundesvereine. Verteidiger des Bundeswanderpreises war der Kegelklub „Dahnfrei" Lollar. Die beste Leistung am Sonntag bot der Kegelklub „Alle Neun" Gro- hen-Linden mit 313 Kegel, der damit in den Besitz des Wanderpreises gelangte. Die Ergebnisse, die die einzelnen Vereine mit je 6 Keglern (je 10 Kugel) erzielten, sind folgende: 1. Kegelkluh „Alle Neun" Grvhen-Linden 313 Kegel: 2. „Gut Holz" Krofdorf 304; 3. „Gut Holz" Lollar 298; 4. „Alle Neun" Wißmar 297; 5. „Alle Neun" Trohe 295; 6. „Alle Neun" Alten-Buseck 293; 7. „Vorwärts" Wieseck 289; 8. „Gut Holz" Wie- seck 286 ; 9. „Gut Holz" Beuern 285; 10. „Gut Holz" Äeinbach 282; 1{. „Dahnfrei" Lollar 281; 12. „Alle Neun" Wieseck 277; 13. „Gut Holz" Reiskirchen 270; 14. „Dahnfrei" Wißmar 264; 15. „Gut Holz" Alten-Buseck 250. Kurze Sportnoiizen. Süddeutschland trägt in der kommenden Saison u. a. drei Fußball-Repräsentativspiele gegen Südwestfrankreich, Lombardei und Zentral- älngarn auf deutschem Boden aus. e Unsere Amateur - Boxer tragen nach ihrer Rückkehr von den Olympischen Spielen im Laufe dieses Jahres noch drei Länderkämpfe aus, und zwar gegen Polen, Italien und Dänemark. Bei der Meisterschafts-Revanche am 20. Juli auf der Frankfurter Stadionbahn werden die sechs besten deutschen Steher an den Start gehen. Gleichzeitig kommen die Gaumeisterschaften der Amateure über ein und zehn Kilometer zum Austrag. Wirtschaft. Berlin zurückhaltend. Berlin, 14. Juli. (WTB. Funkspruch.) Obwohl für die heutige Börse keine besonderen Anregungen Vorlagen, es sei denn, daß man das feste Neuyork oder die Einigung im Stickstoffkartell als Hausse- Moment werten will, zeigten die ersten Kurse überwiegend kleine Erholungen. Diese waren in der Hauptsache eine Folge der anhaltenden Deckungsneigung der Kulisse, während das Interesse der außerhalb der Börse stehenden Kreise nach wie vor klein bleibt. Dies ist bei der politischen Unsicherheit und unter dem Eindruck des von Tag zu Tag schärfere Formen annehmenden Wahlkampfes nicht verwunderlich. Mit Ausnahme von einigen Spezialwerten, wie Linoleumaktien, Salzdetfurth, Elektro Schlesien usw., gingen die Besserungen aber nur selten über 1 v. H. hinaus. Verschiedentlich waren auch Abschwächungen in diesem Ausmaß zu beobachten. Besonders Feldmühle lagen mit minus 2,25 o. H. ausgesprochen schwach. Auch am Rentenmarkt schien es zunächst so, als ob heute eine Beruhigung eingetreten wäre, und das Angebot im Vergleich zu den letzten Tagen nachgelassen hätte. Reichsschuldbuchforderungen und Neubesitzanleihe waren ebenso wie Jndustrieobligationen wieder etwas gebessert, Reichsbahnvorzugsaktien lagen dagegen zu Beginn recht schlapp. Ebenso büßte die Altbesitzanleihe schon beim ersten Kurs 0,75 v. H. ein. Auch für Goldpfandbriefe werden überwiegend niedrigere Kurse taxiert. Die Hoffnungen, daß der internationale Diskontabbau einen Druck auf die Reichsbank zu einer Diskontermäßitzung ausgeübt hätte, scheinen sich auch nicht zu erfüllen, denn die Bank von England nahm keine Ermäßigung ihres Satzes vor. Im Verlaufe bröckelten die Kurse an den Aktien- Märkten infolge der herrschenden Geschäftslosigkeit allgemein um Bruchteile eines Prozents ab. Nur die Aktien konnten anscheinend aus Arbitragekäufe erneut etwa 2 bis 3 v. H. gewinnen. Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 5,25 v. H. erhältlich, Frankfurt schwankend. Frankfurt a. M., 14.Juli. (WTB. Drahtmeldung.) Zu Beginn des heutigen Börsenverkehrs machte sich nach den Rückgängen der letzten Tage eine leichte Erholung geltend, die mit rein technischen Gründen erklärt wurde. Bei kleiner Hmsahtätigkeit traten Besserungen von durchschnittlich 0,5 bis 1 Proz. ein. Nach den ersten Kursen wurde die Haltung jedoch wieder überwiegend schwächer, wobei die Gründe der letzten Tage die gleichen geblieben sind. Als etwas verstimmender Faktor kam die außenpolitische Lage hinzu, die durch das Vertrauensabkommen zwischenEng- land und Frankreich für Deutschland ungünstig ausgelegt wurde. Daneben machte sich vor allem der anhaltende Auftragsmangel des Publikums geschäftslähmend fühlbar. Anfangs erzielte Besserungen gingen daher in den meisten Fällen wieder verloren, und die Börse verfiel in Lethargie. Mit Besserungen bis zu ein Prozent eröffneten u. a. IG., Reichsbank, Siemens und Deutsche Erdöle. Kali-Salzdetfurth lagen mit plus 2 Prozent etwas stärker erholt. Der Montanmarkt blieb bei geringsten Umsätzen etwas behauptet, ebenso traten am Elektromarkt keine wesentlichen Veränderungen ein. Die übrigen Marktgebiete lagen vernachlässigt. Am Rentenmarkt war die Kursbildung zunächst unregelmäßig. Während Altbesihan- leihe 1 Proz. einbühten und Reichsbahnvorzugsaktien weitere 0,5 Proz. verloren, lagen Neubesitz und Reichsschuldbuchforderungen 0,25 bis 0,50 Prozent freundlicher. Von Jndustrieanleihen zogen Stahlvereinbonds etwa 1 Prozent an. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 14. Juli. Auftrieb: 102 Rin- der, 840 Kälber, 44 Schafe, 850 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 36 bis 39 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 31 bis 35, geringe Kälber 25 bis 30; Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Weidemast 26 bis 30, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 18 bis 25, fleischiges Schafvieh 12 bis 16; S ch w e i n e: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 43 bis 45, von etwa 200 bis 240 Pfund 42 bis 44, von etwa 160 bis 200 Pfund 40 bis 44, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 36 bis 41 Mark. — Markt- verlauf: Kälber, Schafe und Schweine ausverkauft. Gießener Wochenmarktpreise. Gießen, 14. Juli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 120 Pf.. Landbutter 120, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 8 bis 10, Spinat 15, Römischkohl 12 bis 15, Zwiebeln 15, Dohnen (grüne) 25, (gelbe) 30, Erbsen 15 bis 18, Tomaten 25 bis 30, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 45, Aepfel (ausländische) 50 bis 60, Kartoffeln (neue) 6 bis 7 (pro Ztr. 5 bis 5,50 Mk ). Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 35 bis 50, aeidelbeeren 20 bis 25, Stachelbeeren 25 bis 30, ohannisbeeren 20, Erdbeeren 35 bis 50, Pfirsiche 50 bis 60, Himbeeren 35 bis 40, Honig 40 bis 45, Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 80 bis 90 Pfennig pro Pfund; Tauben 60 bis 70, Eier 8, Käse 5 bis 10, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 30, Einmochgurken 5 bis 8, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 12 Pf.proStck.; gelbe Rüben 8 bis 10, Radieschen 8 bis 10 Pf« pro Bund. Rundfunkprogramm. Samstag, 16. Juli. 7.05: Frühkonzert. 12.00: Schallplattenkonzert. 13.00 bis 14.30: Unterhaltungskonzert des Rundfunk-Orchesters. 15.30: Stunde der Jugend. 17.00: Nachmittagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 18.30: „Stärkung des Binnenmarktes", Vortrag von Paul Alt. 19.00: Wiener Lieder. Gesungen von Hans Hanus. 19.30: Bayerischer Humor. 20.00: Volksmusik und Wanderlieder. Ein Funkpotpourri, zusammengestellt von Martin Lang und Gustav Görlich. 21.00: Parken verboten I Ein bunter Abend um das Auto. 22.45 bis 0.30: Von ‘Berlin: Nachtmusik. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Gottesdienst der 3fr. Religionsgesellschaft. Sabbat- feier den 16. Juli. Freitag abend 7.45, Samstag vormittag 8.00, nachmittag 4.00, Sabbatausgang 9.30. Wochengottesdienst: morgens 6.30, abends 7.15 Uhr. Sonnenqebröunte Haut ^NIVEA-CREME ■ oder aber NIVEA - ÖL Sie finden Erholung ohne weite Reise im Staatlichen Kurhaus Solbad Bad Salzhausen (Oberhessen) 4732 D Fließendes k. u. w. Wasser • Telefon Nidda 99 Pension von RM. 5.50 an — Schöner neuer SaaF für Gesellschaften I - iinnnnBaHMBi U Sander-Aqehol ’ llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Nur gültig bis einschl. s^lütami^^Sonnabend, den 16. Juli w Solange Vorrat! 5214 A Persische Aprikosen. . . Pld. nur 374 sehr geeignet für Marmelade und Kompott Pers. Snltana-Bosinen . . Pfd. nur 27^ 2 Pfd. nur 50^ geeignet f. Backzwecke u. Weinbereitung Schnittnudeln, Hartgrieß.....Pfd. nur 33^ Bruchmakkaroni, Hartgrieß . . . Pfd. nur 33,) Suppeneinl.,Sternchen,Hörnchen,Pfd.nur 33/•, Valenzia-Reis.............Pfd. nur 22^ Pudding - Pulver aus garantiert reinem Maiskernpuder hergestellt Vanille-, Mandel-, Zitrone-, Erdbeer-, Himbeergeschmack .........Pfd. nur 54,; Schokol.-Beseh., rote Grütze, Pfd. nur 70 Himbeersirnn...........Pfd. nur 55^ Bhelnlandgelee .... 2-Pfd. Elmer nur 93^ Echter Nürnberger Ochsenmaulsalat 1-Pfd.-Dose nur 454 Dellkat.-Kochkäse, sehr fein, 1-Pfd.-D.nur 45^ Echter Alpenkräuterkäse. . . 3 Stück nur 26^ Feinkostkäse Bux 0. Rinde,3 Schacht, nur 25,§ Tha Ga-Stangenkäse 0. R., 1 Stange nur 47 Portugiesische Oelsardinen, 2 Dosen nur 494 Soya-Tafel-Oel, garantiert rein, 1 Liter nur 40^ Niederlage Thams & Garfs Marktplatz 8 (früher Mäusburg 3) Tel. 2829 Der von dem Gemeinderat durchberatene Voranschlag der Gemeinde Saasen mit Bollnbach, Deitsberg und Wirberg für das Jahr 1932 liegt vom 15. Juli ab eine Woche lang zur Einsicht auf der Bürger- meisterei offen. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 5229D Saasen, den 14. Juli 1932. Hessische Bürgermeisterei Saasen. I. E. Schmitt. Vorteilhaftes Angebot Nur reguläre, gute Qualitäten! Damen-Trägerhemden mit Stickerei, Klöppel und farbig. Besatz, 1.00* 0.75, 0.50 Damen-Achselschlußhemden mit schöner Stickerei.........1.40,1.00, 0.95 Damen-Nachthemden geblümt und weiß, elegante Ausführung. .2.00,1.50, 1.00 Damen-Schlafanzüge farbig, Mille fleur........................4.50,3.85,2.25 DamervUnterrÖcke mit schöner Stickerei und Handklöppel......2.65, 2.25, 1.75 DamervTrikotrÖcke, Seide maschenfest, mit schönen Motiven. .3.25, 2.95, 2.50 Damen-Hemdchen u. 'Hemdhosen gewebt, echt Mako..0,95,0.80,0.60, 0.28 Kinder-Taghemden gute Qualitäten............................0.60,0.50.0.40 Kinder-Nachthemden haltbarer Stoff, schöne Ausführungen.... .1.20, 0.95, 0.75 Kopfkissen gebogt und mit Klöppel...............................1,35,1.00, 0.85 Damen-Kittel ohne Arm und halber Arm.........................2.50,1.75, 1.50 Damen-Kittel mit langem Arm...................................3.50, 2.95, 2.00 Spezialhaus Frdr.Teipel Bahnhofstraße 45 Markt 16 Hill ebrandstraße 2 520b A Saatgutvertreter gesucht! Bum Verkauf von Saatgetreide, Saatkartoffeln und Kleesaaten werden im dortigen Bezirk ein od. mehrere Herren als Vertreter gegen höchste Provisionen ges. Es kommen nur wirklich tüchtige Verkaufskräfte in Betracht, welche die Branche genau kennen u. im Besuche der einschlägigen Kundschaft erfahren sind. Angeb. mit Erfolgsnachwelsen u. Referenzen wolle man richten an die FirmaBanl BrunoSchmidt. Saatzuchten-Verkaufsstelle, Erfurt, Saltnenstratze 42. 5230V Schlafzimmer in Birke poliert, Schlafzimmer in Eiche mit Nußbaum, Schlafzimmer in Schleiflack u. imitiert, Speisezimmer, Küch.,Schreibschränke zu staunend billigen Preisen verkauft Louis Vetter, Schreinermeister Kaiserallee 19 6219 d empfehlen wir: Himbeersaft... Zitronenmost.. Backpulver ... Puddingpulver kg 60 und 3/8 Fl. 80 <5 Vi Fl. 1.30 % Fl. 75 4 ............Beutel 8 4 (Schokolade).....V, Pfd. 40 4, Beutel 10 4 (Vanille) ....*/3 Pfd. 25 4, div. in Beutel 8 4 Edelpudding...................Paket 15 4 Schokoladespeise..............Beutel 15 4 Vollmilchschokolade, 100-g-Taf. zu 45,25 u. 20 4 Mokkaschokolade..........100-g-Tafel 45 4 Sahneschokolade...........100-g-Tafel 50 4 Edelbitterschokolade.......100-g-Tafel 60 4 Erdnnßschokolade .... 2 Stfick 100-g-Taleln 35 4 Blockschokolade, l-Pfd.-Block 95 a, Pfd. 50 4 Blockschokolade...........100-g-Tafel 20 4 Pralinen ....*/« Pfd. 20 4,1 Presentkarton 65 4 Likörbohnen..................V« Pfd. 25 4 Saure Bonbons..........Pfd. 20 und 15 4 Eiswaffeln..........V« Pfd. 25 4, Paket 10 4 Erfrischungsrollen.............Stück 10 4 Außerdem empfehlen wir: Reis............1 Pfd. 28, 25, 22,16 und 12 4 Neue Kartoffeln, gelbfleischig .... 3 Pfd. 18 4 Neue Kartoffeln, weißfleischig .... 3 Pfd. 15 4 Matjesheringe.................Stück 10 4 Apfelwein.....................Liter 30 4 Warenabgabe nur an Mitglieder! Außer der Verteilung der Erübrigung am Jahresschluß gewährt der Konsum verein auch auf Grund der Höhe der Warenentnahme eine Sterbeunterstützung bis zu 100 9Ut 5222 A KonsumveraH GieKen und Umaegend e. G. m. b. IL