ar. 81 Erstes Matt Donnerstag, H. April 1952 182. Jahrgang Die SA. und SS. im ganzen Reichsgebiet aufgelöst und verboten überlieft. Begründet wird dos Verbot ausschlieft- lich mit Gründen der Staatsautorität. Aber man wird nicht sagen können, daft diese Wie das Verbot begründet wird D- Auio- lität! en 2871* 5 au 51ID pfen eie» t bei tenhaller itenhalter imod. Formen u.PreiS' ich für stärkste Damen Gründen ersolgt und von dem Ergebnis der Untersuchung, ob und in welchem Umfange straf- bare Handlungen Einzelner begangen worden sind, völlig unabhängig ist. Die Maftnahme der Auslösung dient der Staatserhaltung selbst. Sie entspringt einer streng überparteilichen, noch jeder Seite gleiches Maft anwendenden Einstellung der Reichsführung. Cs geht nicht um Parteien oder Regierungen, es geht um den deutschen Staat selbst. Keine Reichsregierung kann es dulden, daft irgendeine Partei den Versuch macht, einen Staat im Staate au bilden, und sich Macht- mittel schafft, durch die sie in der Lage wäre, unter Umständen ihre Ziele auch mit G c w a l t durchzusehen. Auch der Rote Frontkämpfe r b u n d ist im Sabre 1929 der Auslösung ver- fallen, weil er eine Gefahr für die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung geworden war Wenn der Staat seine oberste Autorität, als Hüter des Gesetzes, als Schützer friedlicher Staatsbürger, vernachlässigt, so ist er in Gefahr, der Anarchie zu verfallen. Wir müssen in den kommenden Monaten gegen die Wirtschaftsnot mit tatkräftigen Mitteln angehen: wir müssen in Städten polizeiliche Durchsuchungen in denSA- Heimen und Geschäftsstellen vorqenommen, so in Mannheim. Freiburg, Pforzheim und Ettlingen. Sn Karlsruhe erschien am Abend ein starkes Pi Durchführung der Maßnahmen nicht ergeben. — Ebenso wurden in verschiedenen badischen Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mia Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20e. mehr. Chefredakteur- Dr. Friede. Will). Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr.H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für dem Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich in Gießen. Pfd. fand 2295 WS oer- itur- tl'lr. § 4. Die zur Durchführung dieser Verordnung erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften erläftt der Reichsminister des Jnnern. Berlin, den 13. April 1932. Der Reichspräsident. gez. von Hindenburg. Der Reichskanzler: gez. Dr. Brüning. Der Reichsminister des Innern, mit Wahrnehmung der Gefchäste beauftragt: gez. G r o e n e r , Reichswehrminisler. Der Reichsminister der Justiz: gez. Dr. I o e l. Eine weitere verordnnung des Reichsinnenmini- slers bestimmt u. a. folgendes: Soweit bei der Durdj- sührung der Auflösung Der in § 1 der Verordnung bezeichneten Organisationen SA.-Heime oder ähnliche Einrichtungen ausgelöst werden, in denen Mitglieder der aufgelösten Organisationen wohnen, ist dasür Sorge zu tragen, daft diese Personen nicht der Obdachlosigkeit verfallen. Die Polizeibehörde hat ihnen zu Berlin, 13. April. (WTB. Amtlich.) Zum Verbot der SA.- und SS.-Abteilungen gibt die Reichsregierung folgende Begründung: Die Sturmabteilungen, Schutzstaffeln und sonstige militärähnliche Organisationen der RSDAP. sind heute durch eine Verordnung des Herrn Reichspräsidenten auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung a u f° g e l ö st worden. Die Reichsregierung hat dem Herrn Reichspräsidenten diese Maftnahme e inst i m m i g empfohlen. Die Auflösung dieser -Organisationen ist gemäft den Grundgesetzen des staatlichen Lebens notwendig, um die öffentliche Sicherhpi t und Ordnung aufrechtzuerhalten und die Staats- autorität vor weiteren schweren B e- Hornung 1 (neben Cali Bettler) jerraum / Fachkundige ./Reparaturen billigst 2874 D AninaOoh billiger H. Schäffner Telephon if naw bietet an 3612. Postscheckkonto: .Iftankfurt am Main 11686. vrilck und Verlag: vrühl'fche Univerfftätt-Buch- und Steinöruderci R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Seschäft5stelle: rchnlsttafte 7. lizeiausgebot vor dem Verlagsgebäude des „Führer", vor dem sich gröbere Menschenmassen angesammelt hatten. Die Beamten nahmen eine Durchsuchung in den Räumen der SA-Leitung und der Gaugeschästsstelle der RSDAP. vor. Die Durchsuchung der SA-Räume war rasch beendet, da sämtliche Räume leer vorgesunde n wurden. Die Räume wurden von der Polizei versiegelt. Sn Darmstadt wurden, wie amtlich mitgeteilt wird, die SA.-Unterkunft im Braunen Haus, das SA.-Heim in der Frankfurter Strafte und das Heim der Hitler-Sugend geschlossen. Sn Darmstadt und Umgegend wurden beschlagnahmt: 1 Flugzeug, mehrere Autos undMotor- räder. eine Menge vollgepackter Tornister mit eisernen Rationen, Feld-Telephonge- r ö t e, Verbandspäckchen und S a n i tä t s rn a t e- r i a l, Militärmäntel mit Achselstücken des Artillerieregiments 61 und gröbere Mengen militärischer Ausrüstungsstücke (Spaten, Feldflaschen. Brotbeutel usw.). Sichergestellt wurden zahlreiche Handfeuerwaffen sowie Hieb- und Stichwaffen aller Art. Schriftstücke und Urkunden von beachtlichem Snhalt wurden ebenfalls sichergestellt. Sn Frankfurt wurden etwa zwölf Heime geschlossen und die Bewohner anderweitig untergebracht. Die Aktion erfolgte so überraschend, daft sie vom Publikum kaum bemerkt wurde. Auch in Mainz ist die Durchführung der Rotver- ordnung ohne die geringsten Schwierigkeiten vor sich gegangen. Auf dem Lande hat die Polizei ebenfalls die gleichen Mahnahmen durchgeführt. Der braunschweigische Innenminister Klagges protestiert gegen das Verbot. Braunschweig, 13. April. (TU.) Der braunschweigische Snnenminister K 1 a g g e s erlabt folgende Erklärung zu dem Reichsverbot der SA. und SS.' Die Rotverordnung ist eine ebenso überraschende wie einschneidende Maft- nahme Sch (ehe mich veranlaftt. dagegen auf das schärfste zu protestieren. Die Aufgekommen ist. Gewift haben wir volles Verständnis dafür, daft der Staat Privatarmeen nicht dulden kann. Aber alle Einzelheiten über die Organisation der Sturmabteilungen und Schutzstaffeln waren seit Sahr und Tag bekannt, man touftte. daft die nationalsozialistischen Hilfstruppen militärisch durchorganisiert waren und daft sie sich in ihrem Aufbau an die Staffelung der alten Armee anlehnen. Wenn der Staat sich gegen eine solche Konkurrenz wehren will, dann muhte er früher eingreisen, dann muhte er vor Sahr und Tag schon sein Veto aussprechen, ehe die Rationalsozialisten sich auf eine Armee von ungefähr einer halben Million stützen konnten. Heute jedenfalls sind die Kampforganisationen bereits so grob geworden, dab ihr Verbot in einer ohnehin schon so unruhigen Zeit ein mehr als gefährliches Experiment ist. Wir glauben zwar nicht, daft die Rationalsozialisten sich zur Wehr setzen werden. Aber die notwendige Folge ist doch, daft nun plötzlich einige hunderttausend Menschen mehr —... und.^war. mngc Menschen! - auf der Strafte liegen, die ihre Verbindung zur Partei festhalten, sich aber der Kontrolle durch die Partei vollständig entziehen. Hitler hat ja auf diese Gefahr rechtzeitig hingewiesen. Er hat freilich agitatorisch gesehen, im Augenblick kaum einen Grund, sich über das Verbot zu beschweren, denn er bekommt dadurch einen ungeheuren Agitationsstoff für Die preußischen Wahlen. Sn weiten Schichten des Bürgertums aber wird das Verbot nur auf geringes Verständnis stoben, das Gefühl der Einseitigkeit läßt sich nun einmal nicht unterdrücken. Die Eiserne Front bleibt und die Reichsregierung hat nicht einmal den Versuch gemacht, nach rechts und links mit gleichem Maft zu messen. Die Verordnung. Berlin, 13. April. (WTB. Amtlich.) Auf Grund des Artikels 48 Abf. 2 der Reichsverfassung hat der Herr Reichspräsident eine neue Verordnung zur Sidjerung der Staatsautorität erlassen, deren niich- tigffe Bestimmungen lauten: § 1- Sämtliche m i l i t ä r ä h n 1 i ch e n Organisationen der Rationolsoziolistischen Deutschen Arbeiterpartei, insbesondere die Sturmabteilungen (SA.), die Schutzstaffeln (SS.), mit allen dazu gehörigen Stäben und sonsiigen Einrichtungen, einschlieftlich der SA.- Beobachter, SA.-Reserven, Motorstürme. Marinestürme, Reiterstürme, des Fliegerkorps. Kraftsohrkorps. Sanitätskorps, der Führerschulen, der 5 21.- äa fernen und der Zeugmeistereien werden mit sofortiger Wirkung aufgelöft. § 2- (1) Die zur Zeit der Auslösung im Besitz der aus- gelösten Organisationen oder eines ihrer Mitglieder befindlichen Gegen st ände. die dem militärähnlichen Zweck der Organisation gebient fjaben oder zu dienen bestimmt gewesen find, ftinnen p o l i; e i l i ch fi ch c r g e st e l l t wer- den. Aus Verlangen des Reichsministers des Innern in u ft das geschehen. § 3. (1) Wer sich an einer Organisation, die auf Grund dieser Verordnung aufgelöst worden ist, als Mitglied beteiligt oder sie auf andere Weife unterftüfjt oder den durch die Organisation geschaffenen organifatorifchen Zufammen- hatt weiter aufrechterhält, wird mit Gefängnis nicht unter einem Monat bestraft. (3) Gegenstände, die nach der Auslösung der Organisation für die Zwecke bet aufgelösten Organi- fation ober der Ersahorgcknisation gebraucht ober bestimmt finb, können eingezogen ober unbrauchbar'gemacht werben, auch wenn sie weber bem Täfer noch einem Teilnehmer gehören. Erklärung stichhaltig ist. Wir fjaben jedenfalls vor einem solchen Verbot gewarnt und sind auch heute noch der Meinung, daft es mindestens im denkoar un günstigst en Augenblick Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen diesem Zweck entweder eine angemessene Kaurn u n g 5 f r i ff zu sehen, die ihnen die Erlangung einer anderen Unterkunft gestattet oder im Benehmen mit den Behörden der öfscnt- lichen Jürforge dafür Sorge zu tragen, dost sie eine andere Unterkunstsmüglichkeit erlangen und für eine angemessene Uebergongszeit ihren Lebensunterhalt be ft reiten können. Der polizeilichen Sichet ft ellung unter- liegen insbefondere fämtliche zum Dienstanzug der SA. gehörenden Beklcidungs- und Aus- rüftungsgegenstände einschlieftlich der Abzeichen, wie sie im einzelnen auf Seite 105 SS. der Dienstvorschrift für die SA. aufge- sühtf find. Der Sicherstellung unterliegen ferner die Fahnen und Standarten sowie alle sonstigen Gegenstände, die dem mililärähnlichen Zweck der Organisation gedient haben oder zu dienen bestimmt waren, wie z. B. Flugzeuge. Kraftfahrzeuge, sonstige Mittel zur Bewerkstelligung des Nachrichten- und Relaisdiensfes, Sanitatsmateriol. Instrumente der Spiclmanns- und Musikzüge, Feldküchen, Zelte. jl.$Qbiobe(jbcr . -SK •n Ke »IqaP .Appo^l n‘fl darf e? Jinein u,ncl)Wn schjkaL Nlrur, ennbar wird I ÄÄS. tÄiS: ■ vom 9.7.1873 ü nm 91 ^rs 9CJ 1.6.1900. _ 2T morben M fflüfbe aufeer Surs qelcl. ^m ^eid,5,Qn3kr5 D°m ’enttun.jcn im Serie nni Muß oom K :iarf QU5geprägt worbe, ^"6 des !Reid)5finanp fiurs gefegt. ffioneDen Teils.) en Zrühslücks aut die r Schulkinder. Morgenstühstück für das stungsfahigleii Hai, ist ay. öen Erwachsenen gilt, ist rper des Kindes von noch öen kleinen Schüler ober i gerade am Morgen be>. an, unb fie brauchen de-- 'inen gehörigen sie aber auch nicht bem lichtem".Tausende ccn b seit Jahren als Fröd- irte und leicht verdauliche . Sic ist aus Malz, Milch, 11t unö schmeckt vorzüglich. M. 1,15 aus der nächsten können Sie einen Versuch eine kostenlose Geschmacks» diese von Dr. 21. Wander fen (Rheinhessen). 2875V Ein gefährliches Experiment. Mit schlagartiger Plötzlichkeit ist nun doch das Verbot gegen die nationalsozialistischen Organisationen von Reichs wegen erfolgt. Am Dienstag- obcnd drangen die ersten Gerüchte, daft etwas I derartiges geplant fei, in die Öffentlichkeit. An: Mittwochmittag tagte das Kabinett, und am Mittwochnachmittag hatte der Reichspräsident bereits mit sofortiger Wirkung die Rotverordnung unterzeichnet. Das Eigenartige dabei ist, dost nicht mehr Preuften die treibende Kraft war. sondcvn daft vielmehr Preuften sich zuruckhielt und die Snitiative den süddeutschen Ländern «besagen wr 2Jiitnabme von * .kV - s-W Die DurchMrung der Polizeiaktion Schließung der SA.-Heime im ganzen Reich. 816 33 ' ' W ball. °"b°ch,z.z oste auch \ Berlin, 13. April. (ERD.) Sn Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten stnd in B e r l i n am Mittwoch um 17 Uhr pon der Politischen Polizei zahlreiche Geschäftsstellen der RSDAP., darunter auch 22 Heime und Wohnungen von bekannten Führern der Organisation durchsucht und dieHeime geschlossen und versiegelt worden. Das gesamte vorgefun- bene schriftliche und gedruckte Material ist beschlagnahmt worden. Die Aktion, die bisher ohne Zwischensälle verlaufen ist, war gegen 22 Uhr beendet. Ruch in Stettin. Dresden, Hannover. Osna- brück Breslau, Rürnberg und Stuttgart sind die SA.-Heime von der Polizei durchsucht und geschlossen worden. Die Schlieftung und Durchsuchung der SA.-Heime verlies überall rei- bungslos. Auch im rheinisch-westfälischen Sn- dustriegebiet und im übrigen Westfalen ist die Auslösung der SA - und SS.-Formationen und die Schlieftung der Heime durch die Polizei ohne jede Störung vor sich gegangen. Sm oberschle- ischen Sndustriebezirk begann um 18 ilt)r Die Schlieftung der SA.-Heime. Die SA -Heime in Görlitz Leipzig und Chemnitz wurden ebenfalls polizeilich geschlossen. Sm Gaubureou der RSDAP. in Hamburg wurde umfangreiches Material beschlagnahmt. 20 Personen, darunter lieben Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft und cm Reichstagsabgeordneter wurden sistiert Sn Köln wurden in den Geschäftsräumen der RSDAP. und im SA.-Heim einige Schriftstücke und eine grofte Menge Uniformen und Ausrüstungsgegenstände beschlagnahmt. Sn Breslau kam es besonders auf der Ohlauer Strafte zu gröberen Zusammenrottungen. Die Menge stimmte wiederholt in .Deutschland erwache" und .Heil-Hitler '-Ruse ein. Derschiedent- lich machte die Polizei vom Gummiknüppel Ge- brauch, da die Demonstranten versuchten, die Polizei anzugreisen. . ‘ SnMünchen wurden durch die Polizei Durchsuchungen im Braunen Haus, in Der Gau» geschäftsstelle. in der Reichsführerschule und bei der Reichsleitung der SS. vorgenommen. Material, das militärischen Zwecken Der SA» urtb Sc- Organisationen gedient haben soll, wurde polizeilich sichergestellt. — Sn Württemberg hat das Polizeipräsidium Stuttgart die notwendigen Durchsuchungen im ganzen Lande vorgenommen, irgendwelche Schwierigkeiten haben sich bei der Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatz-Vezugrprets: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Ztnisprechanschliisse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe,,. einträchtigungen zu bewahre n. Tie genannten Organisationen sind, wie be- fannt, in allen dufteren Dingen bis in Kleinigkeiten den militärischen Formationen nachgebildet. Sie stellen ein Priva t- heer dar. ein Parteiheer, wenn auch zum 2 eil unbewaffnet. Hunderttausende sind bei unbedingter Befehlsgebundenheit zum Teil mit kasernen- mäftbgcr Unterbringung in Aktionsgrup- b c n gegliedert, die wie militärische oder polizeiliche Mannschaften auftreten können und aufgetreten sind. Auch ohne schwere Waffen können solche Gruppen jederzeit Gewalthandlungen durchführen und Teile der Bevölkerung unter den Druck eines Zwanges stellen. Schon das Vorhandensein einer solchen Kampf- organifation. die einen Staat im Staate bildet, ift eine Quelle steter Beunruhigung für Die friedliche Bürgerschaft. d,e im Schutze der Gesetze ihrer Beschäftigung nachgeht. Es ist ausschlieft lich Sache des Staa- t e s eine organisierte Macht zu errichten, sobald eine solche Macht von privater Seite organisiert wird und der Staat dies duldet, besteht bereits Gefahr für Ruhe und Orönung. Die ruhigen Bevölkerungskreise können emo solche naturqemäft einseitig und parteirnäftig aufgestellte Organisation nicht ertragen. Die Entwicklung führt folgerichtig zu Zusarnmenstoften und letzten Endes zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen Bei einer solchen Entwicklung wurde der Staat die Achtung, die er für feine oerfaf- sungsmäftigcn Einrichtungen, insbeiondere für Militär und Polizei fordern muh. verlieren. Run sind von den Führern der aufgelösten Organisationen Legalitätserkl ä r un g e n abgegeben worden. Selbst wenn solche Er- Elärungen völlig ernst gemeint finb unb hinter ihnen der Wille steht, an der Gesetzmaftigkeit fest- zuhalten, so ist doch unzweifelhaft, daft in einem Rechtsstaat die Gewalt lediglich bei den versassungsmäftigen Organen des Staates selb st organisiert fein Darf Jede private Gewaltorganisation kann desholv ihrem Wesen nach keine legale Einrichtung sein. E-s besteht auch die Gefahr, daft eine solche, nach allen ihren Einrichtungen und Vorschriften auf den Kampf im inneren eingestellte Organisation eines Tages Die Partei selbst in die Illegalität hineinreiften wurde. Die Fuhrer DieseS Privatheeres müssen, gerade in dem Bestreben militärisch zu arbeiten und hierbei .Delonderes zu leisten, die Partei notwendigerweise mit der Staatsführung und den Machtmitteln Des Staates in Konfli kt bringen. Davon abgesehen, waren bei Den aufgelösten Organisationen zahlreiche s chw er wiegende Ordnungsw'drigke'ten und Uebergriffe festzustellen. Diese haben groftte Beunruhigung in weiteste Dolkskreise Setr^eru Polizeiliche und gerichtliche betten sind nut der Prüfung von umfangreichem Material befatzt. Der Ausgang dieser Verfahren braucht aber nicht abgewartet zu werden da Die ^uttofung der Organisationen aus ft a a t 6 p o l U11 Von nationalsozialistischer Seite wird erklärt, daft nach aus allen Teilen des Reiches cingclaufcncn Mitteilungen die Polizei die ihr durch die Rotverordnung gegebenen Rechte weit überschreite und die Aktion nicht auf die SA- und SS. beschränke, sondern auch die politischen Stellen der RSDAP. durch Haussuchungen belästige und in ihrer Arbeit behindere. So sei in München die R e i ch s p r c s fest e 11 e der RSDAP. von Beamten der politischen Polizei besetzt und der dort anwesende auftenpolitische Referent Oberst a. 'S). Hasel- m et) c r mit der Pistole bedroht worden. Die Beamten hatten Oberst Haselmeyer ausgefordert, die Händd hochzuheben. was dieser mit Der Begründung abgelehnt habe, daft er Dies^als alter Offizier nicht gelernt habe Sn allen Teilen des Reiches seien ferner Reichs- unö Land - tagsabgeordnete der Partei feftge» nommc n, die Arbeitsräume der Abgeordneten Durchsucht und durchwühlt worden Ein Ueber- blid über Die bisher durchgeführte Aktion lasse insgesamt erkennen. Daft die RSDAP von der Polizei als Freiwild betrachtet werde. Sn ilcber- schreitung Der durch das Gesetz vorgeschriebenen Grenzen Der polizeilichen Befugnisse seien u a. Wahl material Der politischen Leitung der Partei beschlagnahmt und fortgeschafst und damit I die RSDAP. der durch die Verfassung vorgeschriebenen Wahlfreiheiten verlustig erklärt worden. lffärie^r iF'r?gpi.=hopp‘' 5/ti Was sagt die presse zu dem Verbot? Italien bringt neue Vorschläge vor die Abrüstungskonferenz. Eine große ZRefre Gran-iS in Genf. tot nicht beizukommen war. Die SniHaftoe lag s bte Lohnkürzun nicht etwa bei dem angeblich „roten" Preußen, ~ ? • sondern be i Da y e r n, wo die Bayerische Volks- Partei mit den Deutschnationalen zusammenregiert, be ^Württemberg, wo ebenfalls die Deutschnationalen in einer bürgerlichen Regierung sitzen und bei Baden. Die Vorgeschichte des Verbotes beweist also gerade das Gegenteil eines Druckes von links. Das Ziel -er Arbeitsbeschaffung Minister Giegerwald auf -em Krisenkongreß -es AOGB. gesiedelt werden. An der Spitze dessen, was die Reichsregierung für die Arbeitsbeschaffung beabsichtigt, steht die verstärkte Förderung der ländlichen Siedlung und die Fortsetzung der städtischen Vorraumsiedlung. An dritter Stelle stehen die Reparaturen für Altwohnungen. Für die Finanzierung dieser Aufgaben sind bereits Wege gefunden, die keinerlei Gefahr für die Wäh. rung darstellen. Auch auf dem Gebiete des Straßenbaues, der Meliorationen, des Wasserbaues und des Wasferregulierungswesens werden noch Finanzie- rungsmäglichkeiten beraten. Die bisherige abwartende Haltung der Regier rung gegenüber der Frage Der Arbeits- st r e ck u n g wird im Laufe des Jahres 1932 nicht beibshalten werden können. Wird zwischen den Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer eine Einigung nicht erzielt, so wird nichts anderes übrig bleiben, als eine Verkürzung der Arbeitszeit auf dem Wege der Notverordnung. Eine allgemeine Senkung der Löhne, wie man sie in breiten Arbeitnehmerkreisen befürchtet, kommt nicht in Frage. Allerdings sind in einzelnen Gewerben und in einzelnen Gegenden noch Angleichungen notwendig. (Hört! Hört! und große Llnruhe.) Aber daraus, daß diese Angleichung herbeigeführt werden soll, darf nicht geschlußfolgert werden, daß diese Angleichung als daS allgemeine Signal für Lohnsenkungen anzusehen sei. Berlin, 13 April. (WTB.) Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund veranstaltete im Reichstag einen allgemeinen Kongreß zur Behandlung der Arbeitsbeschaffungsfrage. Der Bundesvorfitzende L e i p a r t erklärte, daß die Oeffentlichkeit allmählich gegenüber der ungeheuerlichen Tatsache eines Arbeitslosenheeres von sechs Millionen abgestumpft sei. Auch die verantwortlichen Stellen verhielten sich dieser Frage gegenüber allzu passiv. Um so nachdrücklicher mußten die Gewerkschaften den Ruf noch Arbeit für d i e Arbeitslosen erheben. Der Bundesausschuß sei in seinen Beratungen zu dem Schluß gekommen, daß der Finanzierung der Arbeitsbeschaffung keine unüberwindbaren Hindernisse entgegenständen, wenn Reich, Länder und Gemeinden, Reichsbahn, Reichspost, Reichsbank und die übrigen verantwortlichen Körperschaften an der großen Aufgabe zusammenwirken. Bei ollem Verständnis für die außenpolitischen Argumente der Reichsregierung hätten die Gewerkschaften die rücksichtslose Deflations- Politik der Regierung entschieden bekämpft. Der rigorose Abbau der sozialen Leistungen und der 2lbbau der Löhne müßten unweigerlich zu einer Vereledung der breiten Volksmassen füh- ren. Nichts sei trotz wiederholter dringender Mahnungen geschehen, um durch systematische gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit die Arbeitslosigkeit zu verringern. Obwohl die zwangsweise Senkung der Preise mit der Senkung der Löhne nicht Schritt gehalten habe, hätten die Arbeitgeber zum 30. April fast alle Tarifverträge gekündigt, um weitere Lohnkürzungen durchzuführen. Der Kongreß erhebe entschieden Protest gegen diese widersinnige Politik, die zur völligen Vernichtung der deutschen Wirtschaft führen müsse. (Bestall.) Man habe gesagt, eine Arbeitsbeschaffung großen Stils sei mit Rücksicht auf die außenpolitischen Interessen und namentlich auf Frankreich unmöglich. Die Gewerkschaften stellen daher vor aller wett die Frage, ob es der Sicherheit Frankreichs und der Befriedung Europas dient, wenn infolge der steigenden Arbeitslosigkeit und der wirtschaftlichen Verelendung immer weitere kreise der Bevölkerung dem politischen Radikalismus verfallen, kann Frankreich im Ernst Folgerungen für seine weder wirtschaftlich noch moralisch gerechtfertigten Reparationsansprüche ziehen, wenn Deutschland die letzten noch vorhandenen Finanzreserven für die Beschaffung von Arbeit aufwendet? keiuerlel Übertriebene Rücksicht auf auhenpoll- schwedische Regierung davon überzeugt, daß daS Verbot der SA. und SS. die politisch Erregung der Volksmassen nur zu steigern, nicht aber herabzusetzen in der Lage ist. Im Interesse der Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung fühlt sie sich verpflichtet, die Reichsregierung auf das Dringlichste davor zu warnen, durch eine gewaltsame Lockerung und Auflösung der nationalsozialistischen Verbände der Verschärfung des politischen Kampfes Vorschub zu leisten. Eine Entspannung der politischen Gegensätze kann die braunschweigische Regierung nicht von derartigen Zwangsmaßnahmen gegen die Rationale Oppo- fition erwarten, sondern einzig und allein von einer vom Reich zielbewußt und kraftvoll durchgeführten Politik der sozialen Schickfalsgemein- schaft der wirtschaftlichen Gesundung und der nationalen Befreiung." lkürzung an. Diese Annahme kst nur zum Teil richtig. Woraus wäre sonst die Wirtschaftsschrumpfung in den USA., in Eng- lanb und in anderen Ländern zu erklären, tte denen man eine andere Lohnpolitik getrieben hat. Amerika und England haben die gleichen Schwierigkeiten bei der Balancierung der Etats der öffentlichen Hand wie Deutschland. Bei uns bestehen rb. 85 v. H. der öffentlichen Aus- gaben aus Perfonalausgaben und aus Tilgung und Verzinsung der Schulden der öffentlichen Hand. Ich glaube nicht, daß ohne Gehaltskürzungen die öffent» lichen Haushalte hätten in Ordnung gehalten werden können. An Gehältern, Pensionen, Arbeiterlöhnen sind in den letzten zwei Jahren bei der öffentlichen Hand etwa 2,5 Milliarden Reichsmark Kürzungen erfolgt. Die Etats der öffentlichen Hand müssen aber ausgeglichen sein, weil sonst die Währung nicht zu halten ist. Mit dem Preis der Inflation darf die Arbeits- beschaffung der öffentlichen Hand keinesfalls erkauft werden. Wenn der Schrumpfungsprozeß der deut- fchen Wirtschaft in der nächsten Zeit wenigstens zum Stillstand gebracht werden soll dann muß zusätz- lidje Arbeit geschaffen werden. Zusätzliche Arbeit mit normalen Löhnen kostet naturgemäß viel Geld. Man wird produktive zusätzliche Arbeit schaffen müssen, und man wird daneben, um mehr Arbeitslose von der Straße wegzubringen, gegenüber den Arbeiten, die der Geldschwierigkeiten wegen sonst noch jahrelang nicht ausgeführt würden, auch den freiwilligen Arbeitsdienst erweitern müssen. Wir werden wieder zu einer dezentralisierten Siedelungweise des deutschen Volkes kommen müssen. Außerdem stehen wir vor einer total veränderten Bevölkerungsstruktur. Wir werden ein alterndes Volk. Wir haben heute schon über drei Millionen Jnvalidenrentner, viele Hunderttausende andere Sozial, und Kleinrentner, Kleinpensionäre usw. Dieser Kreis, der bei einem alternden Volk ständig wächst, muß meines Erachtens verstärkt auf dem Lande ober in dem Vorraum ber Stäbte an= föfung der nationalsozialistischen Organisationen ist im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung unzweckmäßig. Da sich diese Maßnahme nicht auch gleich- zeitig gegen die militärifcheOrgani- sation der Eisernen Front richtet, muß sie als ungerecht empfunden werden. Sie bedeutet den Beginn einer politischen Entwicklung, die für Reich. Staat und Volk verhängnisvoll werden kann und muh. Leidenschaftlichkeit und Heftigkeit der politischen Auscinanderschungen erklären sich aus der außerordentlichen Rot. die in allen Volksschichten herrscht und diese mehr und mehr an dem seit 1918 gesteuerten politischen Kurse verzweifeln läßt. Politische Verzweiflung des Volkes muh um so undiszipliniert 'r und hemmungsloser zum Ausdruck kommen, je weniger straff die nationale Opposition organisiert ist. Daher ist die braun- Die „Vossische Zeitung" (demokr.) schreibt u. a.: Die Sorge, dah die SA-Männer jetzt in die Illegalität getrieben werden könnten, ist tendenziös übertrieben: diese Illegalität wäre jedenfalls weniger gefährlich als jener Zustand der Scheinlegalität, der es den SA.-Organifatio- nen ermöglichte, in aller Ruhe Mobilmachungsvorbereitungen gegen dsn Staat zu treffen. Einmal wirklich aufgelöst, wird die nationalsozialistische Kampforganisation das Schicksal des Roten Frontkämpferbundes teilen, der nur noch in kommunistischen Blättern gespenstert. Der Besen, der die SA-Heime reinfegt, wird auch in den. Behörden auskehren müssen. Der „Vorwärts" (Sozialdem.) schreibtu.a.: Die Dinge, auf die sich die Verordnung bezieht, sind nicht erst seit heute und gestern bekannt. Die Errichtung und Durchorganisierung der Privatarmee Hitlers hat langer Jahre bedurft. Immer wieder ist auf die Gefahr für das Leben des Staates hingewiesen worden, die sich aus dieser organisatorischen Rachaffung der Wehrmacht ergeben mußte. Leider sind die Kreise der Reichsregierung, deren Eingreifen schon wegen der Einheitlichkeit der Durchführung der Aktion nötig war, erst so spät zur Erkenntnis der Rotwendigkeiten gekommen, daß es fast schon $u spät erscheinen mochte. Staatliche Verbote und ihre Durchführung können immer nur das letzte Mittel sein. Aber sie sind notwendig, wenn das Gefüge des Staates selbst bedroht ist. Tanks, Bombenflugzeuge, Linienschiffe, Ll-Doote, Flugzeugmutterschiffe sowie der chemischen und bakteriologischen Waffen vor. Grandi wies energisch die französische Auffassung zurück, daß ein Staat nach Bruch des Kelloggpaktes ohne weiteres auch ein internationales Abrüstungsabkommen brechen würde. Wenn die Abrüstungskonferenz von der Hypothese des bösen Willens ausgehe, so breche damit das gesamte Gebäude der Sicherheit, des Friedens and des Vertrauens zusammen, auf dem nicht nur die internationale Zusammenarbeit, sondern auch die Gemeinschaft der Völker beruhe. Das Ziel der Abrüstungskonferenz müsse nicht nur eine Begrenzung, sondern eine wesentliche Herabsetzung der Rüstungen auf ein Mindestmaß sein. Die Abschaffung der Waffen würden die folgenden beachtenswerten Auswirkungen haben: 1. Die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit der Staaten würde gestärkt werden. 2. Der Angriff würde weit schwieriger und gefahrvoller werden. 3. Die Wirksamkeit des Kelloggpaktes und des Völkerbundspaktcs wurden gestärkt werden. 4. Eine wahrhafte Herabsetzung der Rüstungen auf ein Mindestmaß würde ermöglicht. Die Rede Grandis wurde von der überwiegenden Mehrheit der Konferenz mit stürmischem, langanhaltenden Beifall ausgenommen. die Reichsregierung gleichzeitig auch Organisationen ähnlicher Ratur in anderen politischen Lagern verboten hätte. Oie Linke. Das „Berliner Tageblatt" meint u. a.: Das Verbot der SA. und der anderen Formationen der Hitlerschen Privatarmee ist ein Akt staatlicher Rotwehr. Es wäre besser gewesen, wenn man schon früher den Mut zu dem Entschluß gefunden hätte, dem Spuk der SA. von Reichs wegen ein Ende zu machen, seitdem sich herausgestellt hatte, daß mit den normalen Mitteln der Polizei und der Justiz ihrer Ausbreitung und ihrem Ter- Auf der Rechten. Berlin, 13. April. (TU.) Zum Verbot der SA- und SS.-Formationen der RSDAP. schreibt der Hugenbergsche „T a g“ unter der Lieberschrift: „Suum cuique“ u.a.: „Dis in die letzte Stunde haben rechtsparteiliche und mittelparteiliche Zeitungen, die parteienmähig mit der RSDAP. nicht das geringste zu tun haben, die Reichsregierung aus staatspolitischen Gründen und aus Gründen der persönlichen Zuneigung zu dem greisen Generalfeldmarschall v.Hindenburg eindringlich vor dem Verbot gewarnt. Es muß fest- geftetlt werden, daß die Zahl der ermordeten SA.» und SS.-Männer in die Hunderte geht und daß bisher die Staatsautorität nicht in der Lage war, insbesondere die Untaten aus der Eisernen Front und aus dem Reichsbanner zu verhindern. Staatspolitisch ist es äußerst bedenklich, jetzt die 400 000 Menschen der SA- und SS.-Organisationen, die zu einem Teil aus Arbeitslosen bestanden, welche in den Quartieren ihrer Organisation Unterkunft und Verpflegung fanden, der Verantwortung ihrer Führer zu entziehen. Staatspolitisch scheint uns auch in außenpolitischer Hinsicht die Derbotsbegründung ber Reichsregierung gefährlich zu fein. Diele Sätze der Ver- botsbegründung gegen die SA- und SS.-Ab- teilungen würden haarscharf auf ein Verbot des Reichsbanners passen. Das Reichsbanner hat man nicht verboten. Der General- feldmarschall v. Hindenburg trägt heute noch bei festlichen Anlässen den Stern des schwarzen Ad» lerordens, ber mit seinen Worten: „Suum cuique“ den preußischen Staatsgeist, den wahren autoritären souverän überallenParteien stehenden «Äaatsgeist schlechthin verkörpert." Die „Deutsche Zeitung" (Deutschnatl.) betont u. a.: Ob die politischen Folgen des Verbots von den verantwortlichen Stellen richtig ein» geschätzt: worden sind, darf stark bezweifelt werden. Es braucht kaum besonders betont zu werden, was es heißt, wenn Hunderttausende von Leuten, die bisher wirtschaftlich notdürftig gesichert waren, und außerdem in einer mustergültigen Disziplin zusammengehalten wurden^ plötzlich außerhalb dieser Sicherungen gestellt werden. Darüber sollten sich die Llrheber des Verbots klar fein: Für die bevorstehenden Wahlen haben sie den Gegnern des Systems einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Die „B 5 r s e n z e i t u n g" (konserv.) stellt u. a. fest: Auf Vorschlag des Reichsinnenministers ist in einer Zeit höchster politischer Rervosität das Verbot der SA. und ber SS. erfolgt zu einem Termin, ber kurz nach der Reichspräsidentenwahl die Motive in einem besonders merkwürdigen Licht erscheinen läßt: das Verbot ist erfolgt in einer Form, die nicht im entferntesten zur Beruhigung des deutschen Volkes beiträgt. Wir fürchten, dah alle die Llnterorgani- sationen, die jetzt nicht mehr in ber Hand der obersten Führung sind, in einen Zustand stärkster Erregung geraten, der keineswegs ber öffentlichen Ruhe dient. Wir stellen beshalb fest, bah ber Reichs- Innenminister so schlecht, wie möglich beraten war, als er vor bem Drängen linksorientierter Länberregierungen die Waffen streckte. Unter ber Ueberschrift „Der Staat steht links" sagt die „D A Z.": Während behauptet wirb, baß die Auslösung auch aus außenpolitischen Grünben erfolgt fei, und zwar deshalb, weil ber Reichskanzler den Hinweis auf biefe Auflösung bei ber Abrüstungskonferenz nützlich verwerten könne, ist in Wirklichkeit hier eine Organisation ber Entente benun- ziert worben. Wenn bie Reichsregierung offen diese Organisation als eine private Armee bezeichnet, so wirb jebenfalls dieses Stichwort in Frankreich begierig aufgegriffen unb bem Reichskanzler von Herrn Tarbieu oft vorgehalten werben. Die innerpolitische Begrünbung bedarf keiner weiteren Beleuchtung mehr. Das jetzt einseitig bie Parteitruppe Hitlers verboten wirb, wirb sicher von weitesten Kreisen eben nicht als eine Maßregel ber Staatspolitik aufgefaßt werben, fon« bem als eine Maßregel bes Wahl- kampfes gegen bie NSDAP. Es ist anzunehmen, baß bie Erregung ungeheuer fein wirb, unb baß, wie schon früher in einzelnen SA.-Gruppen Zwei- fei an ber Richtigkeit bes Legalitätskurses, ben Abolf Hitler eingeschlagen hat, laut werben. Es ist schmerzlich, baß sich auch Reichswehr- Minister Dr. Groener unb Reichskanzler Dr. Brüning ben sozialbemokratischen Wünschen gefügt haben. Oos Zentrum. Die „Germania" schreibt u. a.: „Wenn jetzt btc Auflösung dieser in ihrem Dasein und in ihren Zielen illegalen Truppe der RSDAP. durch einen besonderen Staatsakt verfügt ist, dann sind die Motive zu diesem Vorgehen für eine ihrer Verantwortung bewußte Regierung von so zwingender Ratur, daß niemand den Versuch machen sollte, sie zu mißdeuten. Dor diesem Versuch sollten sich vor allem diejenigen Kreise der Rechten hüten, bie sonst in allen Fragen der staatlichen Autorität nicht nur ein sehr scharfes LIrteil, sondern auch eine ehrliche Empfindlichkeit gezeigt haben. — Die „DayerischeDolkspartei- korrespondenz" bezeichnet daS Verbot als ein dringendes Gebot staatlicher Selbsterhaltung DaS Verbot stelle nur die vorletzte Rechtsgrund- läge wieder her, auf der sich die politischen Kampfe in der Demokratie abzuspielen hätten Die Korrespondenz hätte eS lieber gesehen, wenn tische Interessen darf daher die Reichsregierung veranlassen, die unmittelbare Inangriffnahme der großen Aufgabe der Arbeitsbeschaffung hinauszuschieben. Das Hauptreferat über die Rotwendigkeit der Arbeitsbeschaffung hielt dann der stellvertretende Vorsitzende Wilhelm Eggert, der das vom Bundesausschuh vorgeschlagene Arbeitsbeschaffungsprogramm begründete. Die Arbeiterklasse müsse den Umbau der kapitalistischen Wirtschaft in eine Planmäßige Bedarfsdeckungs- Wirtschaft erzwingen. Etwa eine Million Arbeitskräfte solle auf die Dauer eines Jahres bei diesen Arbeiten zusätzlich beschäftigt werden, wofür ein Gesamtkostenaufwand von rund 2 Milliarden Mark erforderlich wäre. Die Finanzierung der Arbeitsbeschaffung erfordere das Aufgebot aller Kräfte. Die öffentlichen Haushalte, Steuermittel, Ersparnisse der Reichsversicherungsanstalt und endlich eine volkstümliche Arbeitsbeschaffungsanleihe müßten hierzu herangezogen werden. Reichsarbeitsminister Dr. h. c. Stegerwald führte dann etwa folgendes aus? Wie Deutschlands Gesamtlage sich im Jahre 1932 entwickeln tolrb, ist im Augenblick noch schwerer übersehbar als in den beiden vorangegangenen Jahren, Zweierlei dürfte allerdings schon jetzt als ziemlich sicher anzusehen sein: Einmal, daß die deutsche Ausfuhr im Jahre 1932 mit vergrößerten Schwierigkeiten zu kämpfen haben dürfte, daß also die Arbeitslosig- feit, von der Ausfuhrseite her gesehen, eher zunehmen als abnehmen wird, weiterhin, dah der Rückgang der Arbeitslosigkeit in den Frühjahrs- und Sommermonaten des Jahres 1932 ein geringerer sein dürfte, als in den vorauf- gegangcnen Jahren, was mit den Kreditschwierigkeiten und dem daraus folgenden großen Betriebssterben zusammenhängt. Daneben gibt es gegenwärtig noch drei große Unsicherheitsfaktoren, erstens wie die Re para- tionskonferenz enden wird, zweitens wann infolgedessen der Wendepunkt der Weltwirtschaftskrise zu erwarten ist, ob in der zweiten Hälfte des Jahres 1932, wie man in England und Amerika weithin annimmt, oder aber erst im Laufe des Jahres 1933. Der dritte Unsicherheitsfaktor ist die Frage, wann eine größere innerpolitische Beruhigung zu erreichen sein wird. Ueber die Ursachen der Wirtschaftsschrumpfung im Inneren besteht zwischen dem Kongreß und mir keine volle Meinungsübereinstimmung. Sie sehen vielfach als Hauptursache der Schrumpfung Genf, 13. April. (TU.) Der italienische Außenminister Grandi setzte sich heute in einer mit Spannung erwarteten großen Rede im Hauptausschuß der 2lbrüstungskonferenz zu einer Sicherheitskonferenz mit dem Versuch Tardieus auseinander, die Abrüstungskonferenz zu einer Sicherheitskonferenz umzugestalten. Grandi stellte zunächst fest, daß er sich die amerikanischen Ideen und Vorschläge vollständig zu eigen mache. Die italienische Regierung gehe von dem Standpunkt aus, daß die Abschaffung der Hauptwaffen der Armeen, Flotten und Militärflugzeuge einen Angriff in Zukunft außerordentlich schwierig und gewagt machen würde. Der Weltkrieg habe gezeigt, daß ein Angriff ohne große Angriffswaffen so gut wie ausgeschlossen sei. Gestützt auf diese Tatsache seien in den Friedensverträgen sämtliche Waffen, die einen Angriffscharakter trügen, abgeschafft worden. Wenn man einem Staat die militärischen Angriffswaffen nehmen würde, so würde sich selbst die Ueberlegenheit eines Rachbarstaates im „potentiel dc guerre“ nicht auswirken können. Der große Vorteil einer Abschaffung der Hauptwaffe bestehe nicht nur in der radikalen Vernichtung der Angriffsfähigkeit, sondern in der Möglichkeit des Ausbaues der Verteidigungsmittel. Die italienische Regierung schlage der Konferenz die vollständige Abschaffung der schweren Artillerie, Oer jRou6ü6crfafl in Zraukfuri. WSR. Frankfurt a. M.. 13. April. Zu dem Raubüberfall auf einen 74- jährigen Kassierer, über den wir gestern berichtet haben, erfahren wir folgende Einzelheiten: Der Ueberfallene ist der 74jährige Kassierer und Buveaudiener Vinzenz S o v a, der seit mehr als 40 Jahren bei einer Brauerei tätig ist. Allem Anschein nach müssen die Täter mit den Gepflogenheiten des alten Mannes vertraut gewesen sein und haben ihm im Hausflur aufgelauert. Den Tätern fielen etwa 1 8 00 M k. i n Scheinen in die Hände. Die Polizei besitzt eine ziemlich genaue Beschreibung der Räuber. Es handelt sich um junge Leute, etwa 27 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß, bartlos: sie trugen dicke dunkle Wintermäntel. Der eine hatte einen hellgrauen Filzhut auf. Die geraubte Tasche ist ziemlich abgegriffen. Die Verletzungen des Kassierers sind nicht erheblich. Sova konnte sich zur Behandlung in seine Wohnung begeben. Zusammenschluß der Gaswerke Mainz un- Wiesbaden. WSR. M a'i n z, 13. April In einer gemeinschaftlichen Sitzung des städtischen Finanzausschusses und des Ausschusses für das Gas» und Elektrizitätswerk, die gestern stattfand, wurde den Verträgen über den Zusammenschluß der Gaswerke Mainz und Wiesbaden endgültig z u g e st i m m t. Cs ist nun in dieser Frage volle Ueberetnftimmung zwischen den städtischen Körperschaften von Mainz und Wiesbaden herbeigeführt. Wettervoraussage. Ueber Zentralcuropa ist der Luftdruck weiter an- leftiegen, so daß wir im Hochdruckbereich liegen. Während der anfangs klaren Nacht setzte Ausstrahlung ein, die das Minimum auch im Flachlande oiel- ach unter 0 Grad brachte. Ueber Westdeutschland greifen bereits die Ausläufer der Jslandftörung vor. Ihr Einfluß wird sich zwar auch bis in unser Gebiet ausdehnen, jedoch dürfte er durch den hohen Druck keine stärkere Wetterverschlechterung Hervorrufen. Wohl kommt es zu vereinzelten Niederschlägen, aber nicht zu dem unfreundlichen und regnerischen Wetter der letzten Tage. Aussichten für Freitag: Neblig-bewölkt mit Aufheiterung, bei Aufklaren nächtliche Abkühlung bis unter den Gefrierpunkt, tagsüber milder, vereinzelt etwas Niederschlag. Aussichten für Samstag: Teils bewölkt, teils aufheiternd, noch Neigung zu vereinzelten Niederschlägen. Lufttemperaturen am 13. April: mittags 6,4 Grad Celsius, abends 1,1 Grad: am 14. April: morgens 0,1 Grad. Maximum 6,4 Grad, Minimum —1,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. April: abends 7,4 Grad; am 14. April: morgens 3,8 Grad Celsius. — Niederschläge 0,4 mm. — Sonnenscheindauer 5% Stunden. Sprechstunden der Redaktion. 11 .30 bis 12.30 Uhr, 16 bls 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne belgefügtes Rückporto wird keine Gewahr übernommen. Jlnjeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle jn richtar. ZK! bW: .. Hand ff le tieh? <»«5 «Sti Äeg.fOetJ um £ A°fsen br>ngen, Z ^eils. lerigteji.u^Huber bcn h" mürben ne®cn sonst dienst k'rm"^ ben ÄLsKL schon überL\raÜetSei L te*a ü Ss" Lrr°um der &! fluf HKZ HZ« •gSil -■‘Sj der Aegir, 1932 nicht AM? £*n ’S ^beügeder und der ug mcht erzielt, so wird rn, als eine Derkür, üt aus dem Dege I- Eine allgemeine . wie man sie in drei- , befurchtet, kommt I d'ngs sind in einzelnen , n Gegenden noch An« | ug- (M! Hört! und t 'araus. daß diese An- 1 -rden soll, darf nicht I den, daß diese An» I "eine Signal für 9 ehen fei. l in $ranffurf. l HL. U. Dprü. 3u I auf einen 74« 1 , Der den wir gestern wir folgende Ein;cl« ist der 74jährige M« 3 Dinzenz Svva, der >n bei einer Brauerei nach müssen die Täter des alten Mannes der« aben ihm im Hausslur fielen etwa 1800 Mk. nbe. Die Polizei besitzt chreibung der Räuber, Leute, etwa 27 Jahre roh, bartlos: sie trugen L Der eine hatte einen *' Die geraubte Tasche ist 1 Verletzungen des M* )■ h. Sova konnte sich zur L hnung begeben. her Saötveck Wiesbaden. chril 3n einer gemein- I städtischen Finanzaus- I sses für das Gas« nnö | m 8«lM *»«| uni ®i«ila6e,; 'N .„1 FZ ist nun in eteinflimmung J* I aften btm W aussage- her Luftdruck weiter an- I chochdruckbereich W '! siss S°2 ** W , Teils bewölk | ,«»* V au« »er Vrovinrialbauvtstadi Wilhelm VuschsG esiallen gratulieren zum 100.Geburtstag Diensteigenschaft an Gießen, den 14. April 1932. Haarglanz44 bedeutet Haar-Hygiene. Und weshalb ist Steueramtmann Melßlnaer. wurde in gleicher das Finanzamt Beerfelden hohen gesundheitlichen Wert von Licht und Luft hingewiesen, denen wir ungehinderten Zutritt zu unseren Wohnungen gewähren sollten und die wir auskosten mögen auf Frühlingswanderungen durch Wie halt man sein Haar gesund? Durch regek " Schwarzkopf -Haar- mäßiges Nachspülen mit _ glanz nach jeder KopfwäscheI Denn Schwarzkopf- Haarglanz strafft das erweichte Haar wieder — er adstringlert es — und er entfernt die alkalischen Rückstände aus dem Haar — er neutralisiert es. Das Haar wird fest und elastisch, es leuchte* in reinem Glanze: Schwa rzkopf - Haar- glanz Ist sein Verjüngungsbad. „Haarglanz“ liegt jedem Beutel Schwarzkopf-Sch au mpon bei. Weiße Packung 20 Pfg., grüne Extra - Packung und Extra-Blond mit Schaumbrille 27 Pfg. .. ... pfe-Zigaretten den Raucher nicht befrieden - weshalb sm Cial» v3 ö* ® . -|-kn 1 r t Q dann 50t aller in Deutschland gerauchten Zigaretten 3, Pfg.-i arken. — Ein Konzert zum Besten des ßtu» dentinnenhetms veranstaltet am kommenden Sonntag um 16.30 Uhr im Saale des Studentenheims am Leihgestcrner Weg Frau 2lse Schmidt-Wissendorff mit ihren Schule- rinnen. Für die Beranstaltung ist ein reichhaltiges und sorgfältig ausgewähltes Programm vorgesehen. Näheres ist aus der Anzeige in unserer Ausgabe vom Dienstag ersichtlich. — Borträge von Prof. Horneffer. Es sei noch einmal daran., erinnert, dah in der Vortragsreihe „Sein oder Nichtsein?" von Prof. Horneffer, die auf Veranlassung der Mittelstandsvereinigung Gießen an drei Abenden gehalten wird, am heutigen Donnerstag um 20.15 Uhr im Cafe Leib der erste Vortrag zu Horen ist. Das Thema lautet „Wirtschaftskrise und Sozialismus". Die beiden folgenden Vorträge werden am Montag und Donnerstag nächster Woche stattfinden. (Siehe Anzeige vom Montag.) — Dratis-Drohtonfilm-Auffüh- rung. Am morgigen Freitag, 11 Uhr, findet im Lichtspielhaus Bahnhofstraße, veranstaltet von der Feriengemeinschaft Deutscher Arbeitnehmer, München, eine Drobtonfilm-Aufführung statt, die . in spannender Weise das Problem „Mensch oder Maschine?" behandelt. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. •• Iustizpersonalien. Auf Grund deS Altersgrenzegesctzes treten am 1. Mai in den Ruhestand: Präsident des Landgerichts der Provinz Oberhessen zu Gießen Ludwig 21. e u e n Hagen: Amtsgerichtsdirektor beim Amtsgericht Friedberg Ernst W i h n e r ; Oberlandesgerichts- rat beim Oberlandesgericht zu Darmstadt Heinrich A l t e n d o r f : Oberlandesgerichtsrat beim Oberlandesgericht zu Darmstadt Philipp Simon: Oberamtsrichter beim Amtsgericht Langen Heinrich S t e f f a n ; Oberjustizinspektor bei dem Amtsgericht Laubach Otto Christ. — Ernannt wurde der Direktor der Papierfabrik Ober-Schmitten W. u. 3. Mousang AG. in Ober-Schmitten, Daniel Schanz, zum'Handelsrichter bei dar Kammer für Handelssachen bei dem Landgericht in Gießen für die Zeit bis zum 31. Dezember 1933. •• Finanzamtspersonalie. Der Vorsteher des ehemaligen Finanzamts Homberg, u. a. m. sind hierfür besonders geeignet. Was diese frühlinghaften Leckerbissen mehr kosten, kann man gut und gern am Fleisch- und Fettgenuß im April einsparen. Schließlich und nicht zuletzt sei noch auf den hohen gesundheitlichen Wert von Licht und Luft versetzt. , __ *• (Sine Steueranmahnung verviieni- licht die Gießener Stadtkasse in unserem heuliaen Anzeigenteil. Die säumigen Zahler haben eine 5nft bis 22. April erhalten: wer bi« dahin lex- ncn Verpflichtungen nicht nachgekvmmen ist, muy mit vermehrten Kosten rechnen. ee Die Offenlegung der Einheits- Werte 193 1 betrifft eine Bekanntmachung oct Finanzämter Gießen, Butzbach. Grünberg unb Hungen in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die die Interessenten besonders hingewiesen Kien. DerkehrSunsall. Gestern gegen 20.30 Uhr ereignete sich an der Ecke Gartenstraßc Ost- anlage ein 2)erkehrSunfall. Bürgermeister Wilhelm Heinrich Nau von Trohe wurde, als er die Straße überqueren wollte, von einem Krafd- wagen angefahren und erlitt dabei eine Kopfvev- lchung. Ein in nächster Nähe wohnender Arzt leistete dem Verunglückten die erste Hilfe. Durch die Freiwillige SanitätSkolonne vom Noten Ärey wurde Bürgermeister Rau sodann in feine Woh, nung gebracht. Die Schuldfrage ist noch nicht ge- klärt. , •• Der Verein ehemaliger heslt- scher Leibdragoner des Kreises ®le* ßen hielt am Sonntag im „Frankfurter Hof seine Generalversammlung ab, an der auch eine Ilbordnung der Traditionseskadron in Langensalza teilnahm. Dem vom ersten Vorsitzenden E i d m a n n erstatteten Jahresbericht war zu entnehmen, daß der Qkrcin irn vergangene» Jahre wieder gute Fortschritte gemacht hat. Das Fesl des zehnjährigen Bestehens konnte in größerem Nahmen gefeiert werden, beim Waffentag der Deutschen Kavallerie in Dresden war oct Verein vertreten, die Mitglicderzahl hat sich erhöht. An die Standarte konnten erneut otet Schleifen, darunter eine vom Deutschen Kriegerverein Windhuk (Güdwestafrika), und fünf Fah- nennägel geheftet werden. Der Kassenbericht wie^ trotz vieler Unterstützung der in Otot geratenen Kameraden, ein befriedigendes Ergebnis aus. 3n pietätvoller Weise ehrte die Versammlung daS Andenken an die verstorbenen Kameraden. Kam. 3. Fr. Düringer (Garbenteich> wurde ynn Ehrenmitglied ernannt; den Kameraden Eid- mann, Schömbs. Scheller, Pfeif f er und H a u s s a u e r wurde In Anerkennung ihrer Verdienste um die Erhaltung der Tradition der Deutschen Kavallerie das Mackensen-Shrenkreu- 1. Klasse durch den Wafsenring der Deutschen Kavallerie verliehen. Beschlossen wurde im weiteren Verlauf der 2krfammlung die Teilnahme am Waffentag in Hannover, der Besuch der Langensalzaer Kameraden (10. 3uli). , 5 Gründung einer 3ugendabteilung. 3m Anschluß an die Erledigung der geschäftlichen Angelegen- heilen hielt Kamerad Scheller einen interessanten Lichtbildervortrag über seinen langjährigen Aufenthalt in Deutsch^Südwestasrika. Der erste Vorsitzende Kamerad Eid mann dankte dem Redner und betonte die Notwendigkeit^ allen Volksgenossen, klarzumachen, daß die Wiedererlangung der Kolonien eine der ersten Voraussetzungen für das Fortbestehen und die Entwicklung des deutschen Volkes sei. Strafkammer Gießen. spielhaus, (Bahnhofstraße: „Mädchen in Uniform . — Astvria-Lichispiele, Seltersweg: „Fred Lhvm- sonS kühnster Ritt" und „Rivalen der Liebe . — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 15. April, 20 Uhr: zum letzten Male die Komödie »Dater sein dagegen sehr", von Edwards Childs Car» penter Die letzte Gelegenheit, sich dieses viel» bejubelte Lustspiel anzusehen. Die Dorstellmig, die unter der Regie Karl Heysers steht, findet als 26. Vorstellung im Freitag-Abonnement zu gewöhnlichen Preisen statt. Ende 22.30 Uhr. — Sonntag, 17. April, als Fremdenvorstellung zu ermäßigten reifen, 18 Uhr: der größte Erfolg der Spielzeit: Zuckmavers deutsches Märchen „Der Hauptmann von Köpenick". Spielleitung: Intendant Dr. Rolf Prasch; Titelrolle: Peter Fassot. • Gießen, 12. April. Ein früherer Direktor einer großen Fabrik eines Provinzstädtchens hatte in den 3ahren 1929 bis 1931, als es ihm nach dem Verlust seiner Stellung schlecht ging, an einen ehemaligen Kollegen mehrfach Briefe geschrieben, in denen- er um ein Darlehen von 3000 Mk. bat. Dieser lehnte es aber ab, die „Kleinigkeit zu leihen, insbesondere da ein vorher gegebene» Darlehen von über 500 Mk. nicht, wie mehrfach versprochen, zurückgezahlt worden war. Nun wurde die Tonart der Briefe eine andere. Zuerst mehr versteckt, dann ganz offen wurde damit gedroht, daß Geschäftsvorgänge und -geheimnMe oeröffentlicht würden, wenn das Darlehen nicht gegeben würde. Auch ein anderer Bekannter von früher wurde um Darlehen angegangen. AIS dieser sich weigerte, Immer wieder Geld zu geben, wurde ihm gedroht, angebliche Verfehlungen auf einer gemeinsamen Reise nach Paris würden seiner Frau und seinen Vorgesetzten mitgctcilt, wenn er nicht entgegenkomme. Das Schöffengericht hatte den Angeklagten wegen fortgesetzter versuchter Erpressung m zwei Fällen zuvierMonatenGefängniS verurteilt. Die Strafkammer bestätigte da« Urteil. Daten für Freitag, 15. April. Sonnenaufgang 5.31 Uhr, Sonnenuntergang 19.20 Uhr. — Mondaufgang 12 Uhr, Monduntergang 3 3ß Uhr 1632: Sieg Gustav Adolfs über Tilly bei Rain am Lech: — 1832: der Dichter und Zeichner Wilhelm Busch in Wiedensahl geboren. Wald und Flur. Oie Polizeiaktion gegen die SA. und SS. Wie überall im Reiche, so wurde gestern auch in der Provinz Oberhessen von der Landeskriminalpolizeistelle Gießen in Durchführung der Naiver- Verordnung der Reichsregierung die angeordnete Po- lizeiaktion gegen die SÄ. und SS. vorgenommen. Die Polizeimaßnahme, die sich nach Auskunft des Polizeiamts Gießen ohne besondere Schwierigkeiten abwickelte, begann in den späten Nachmittagsstunden und dauerte bis in die Nacht hinein, lieber das Ergebnis der Durchsuchungen konnte uns ein amt- kicher Bericht nicht übermittelt werden. Zu Zwischenfällen ist es bei der Aktion nicht gekommen. Festtagsrircksahrkarten der Reichsbahn zu Pfingsten. Von der Reichsbahndirektion Frankfurt a.W. wird mitgeteilt: Der Versuch mit der Ausgabe von Festtags- rückfahrkarten soll zu Pfingsten wiederholt werden. Wie an Ostern, sollen die Fest- tagsrücksahrkarten im Reichsbahnverkehr wieder für alle Verbindungen, für die die Ausgabe von Fahrkarten des gewöhnlichen Verkehrs möglich ist, ausgegeben werden. Für Derbmdungen, für die keine fertiggedruckten Fahrkarten vorhanden sind, werden sogenannte Dlankokarten ausge- ^Die'^Geltungsdauer der Festtagsrückfahrkarten ist auf die Zeit vom 11. bis zum2 3. Mai festgesetzt. Da diese Karten nur für Erholungsund Desuchsreisen bestimmt smd^ gelten sie zur Hinfahrt nur von Mittwoch, 11. Mai, bis Pfingstmontag, 16. Mai. Die Hinfahrt mufj am 16^Ma. um 24 ilfjr beendet sein, ^ur Rückfahrt gelten die Karten nur von Freitag, 13. Mai, 12 ^yr, bis Montag, 23. Mai einschließlich, d. h. um 24 Uhr muß die Reise beendet fern. Auch die am Samstag, 21. Mai, und Sonntag 22. Mar gelösten Sonntagsrückfahrkarten gelten F jXud fahrt am Montag, 23. Mm, bis 24 Uhr. $he Benutzung von FFD-, FD-, ^^0- und Eil- lügen ist gegen Zahlung ber tarrfmatzrgen Zuschläge unbeschränkt augelaffen __ Die Geltungsdauer der am Mittwoch11. Mar, und am 18. Mai in bestimmten Vetbmbungen ausgegebenen Mittwochausflugskarten und Sonn tagsrückfahrkarten zum Besuch von Theater oder Orchesterveranstaltungen ist nicht geändert. Gesundheitspflege im April. Von Dr. meb. G. Kayßer. „Dpti^ April, der weiß nicht, was er will!" Die sprichwörtlichen Wetterlaunen des April ma- e2 uns Menschen oft recht schwer, unS die Gesundheit zu erhalten. Daher finb gerade für 39>ril ein paar ärztliche Ratschläge besonders am Platze. 5>a im April bald die Sonne scheint, bald aber Regen, Wind und bisweilen sogar Schnee uns das Dasein ungemütlich machen, stehen die Erkältungskrankheiten, Husten, Schnupfen und Katarrhe, in voller Blüte. Diese Erkrankungen werden sowohl außerhalb, wie innerhalb unserer vrer Wände erworben. ~~ . Erstes Gebot fürsorglicher Gesundheitspflege ist eS daher, im April nicht zu früh mit dem Heizen der Wohn- und Arbeitsräume aufzuhören. Nicht das Wetter oder das Kalenderdatum, sondern vielmehr das Zimmerthermometer, das nirgends fehlen sollte, muh hierfür maßgebend sein. Weiterhin bedarf die Frühjahrsbetteidung. besonders bei unseren Frauen und Mädchen, einer sorgfältigen Anpassung an die Wetterlage. ES mag bis zu einem gewissen Grade zu verstehen sein, dah ein junges Mädchen z. D. die neue Bluse, die vielleicht der Osterhase gebracht hat, spazieren führen will, aber wenn man zu diesem Zwecke den wärmenden Mantel zu Hause läht, muh man die kleine Eitelkeit dann nicht selten mit mehr ober minder schwerer Erkältung, ober gar längerem Krankenlager bühen. Dor allem- lasse man bie winterliche Unterwäsche nicht zu früh fort. Davor sollten sich im 3nteresse ihrer Gesunbheit besonders ältere Leute und solche, die zu rheumatischen Erkrankungen, zu Dlasen- katarrhen und dergleichen neigen, sorglich hüten. Die Müdigkeit und die mannigfachen seelischen Derstimmungen, die der Frühling mit sich bringt, und die Im Gemüt, wie der April, bald düsteres Gewölk, bald lachenden Sonnenschein aufkommen lassen, sind der Ausdruck einer Krise, die der Körper um diese 3ahreszeit durchzumachen pflegt. Dagegen hilft am besten eine allmähliche und vernünftige Umstellung in der Ernährung. Die heutige Medizin faßt nämlich alle diese Störungen als „Mangelkrankheiten" auf, hervvrgerufen durch unsere zum Teil durch die lange Winterszeit bedingte, unzweckmäßige und vitaminarme Kost. Deshalb mögen die Hausfrauen ihren Küchenzettel dem Frühling anzupassen suchen. Das erste grüne Gemüse, der erste- Schnittlauch, bie ersten Rabieschen, frische Mohrrüben, der erste Spargel Die Geltungsbauer ber Arbeiterrückfahrkarten ist ebenfalls auf die Zeit vom 11. bis zum 23. Mai festgesetzt. Diese Karten gelten zur Fahrt nach bem Wohnort an allen Tagen vom 11. bis 16. Mai einschließlich unb zur Fahrt nach bem Arbeitsort an allen Tagen vorn 15. Mai bis einschließlich 23. Mai. Die Entfernungsgrenze von 250 Kilometer ist für bie in ber Zeit vom 11. bis 16. Mai gelösten Arbeiterrückfahrkarten aufgehoben worben. Hessische Fraueutagung in Oberheffen. Der Derbanb hessischer Frauenver- eine, bem in 38 Einzelorganisationen ber größte Teil ber hessischen Frauenvereine angeschlossen ist, hält am 30. April unb l.Mai erstmals feine 3ahrestagung in Oberhessen ab, unb zwar in Bab-Nauheim, wo Derkehrsverein unb Bade- unb Kurverwaltung ben Gästen aus bem Canbe weitgehendes Entgegenkommen bei der Dorbereitung und Durchführung ber Tagung zu- gesagt haben. Die Tagung finbet unter bem Dorsitz bet früheren Landtagsabgeordneten Frau Birnbaum unb Frau BürgermeisterDr.Seiv (Gießen) im Kurhause statt. Als Hauptreferate stehen auf ber Tagesorbnung bie Dorträge von £rau Dr. v. Reichenau, Dozentin an ber Landesuniversität Gießen, über „Die Bedeutung und Aufgabe der Frau im Wirtschaftsleben" und von Frau Maria Birnbaum (Gießen) über Die Bedeutung und Aufgabe ber Frau in Familie unb Staat". Am Sonntag sinb Führungen durch die Dabeanlagen, das Medizinische 3nstitut und daS Kerckhoff-Änstitut vorgesehen. Gietzcner Wochcnmarktpreifc. • Gießen, 14. April. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter von 90 Pfennig an das Pfund, Süßrahmbutter 130, Landbutter 120 Matte 25 bis 30, Wirsing (gelb) 15 bis 20, (arün) 25, Weißkraut 10, Rotkraut 12 bis 15, Rote Rüben 10, Gelbe Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Unter-Kohlrabi 5 bis 8. Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 18 bis 20, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 3d, Kartoffeln 41/. Aepfel 10 bis 15, Dörrobst 25 bis 30, Homg 40 biS 45, Nüsse 35 bis 40, Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 80 bis 90; Käse 5 bis 10 Pf. das Stuck, Eier 6 bis 7, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 20 bis 25, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 40; Radieschen 15 bis 20 Pf. das Bündel; Kartoffeln 3.80 bis 4 Mk. der Ztr Weißkraut 6 bis 6,50, Wirsing (gelb) 12 bis 15, Wirsing (grün) 20 bis 22, Rotkraut 8 bis 9 Mark. Bornotizen. - Tageskalender für Donnerstag: Mittelstandsvereinigung. 20.15 Uhr. Eafö Leib, Dvrtrag von Prof. Horneffer über „Wirtschaftskrise und Sozialismus . — Hausfrauen- 'Beratung. 20 Uhr. Einhorn. Dortrag von Garten- architekt Schwarz übet „Der ®arten und seine -Blumen". - Kurzschriftverein von 1861.19 Uhr, Goetbeschule, Beginn des Anfanget-Lehrgangs. — Baptistengemeinde, 20.15 Uhr, Gartenstr. 13, Dortrag über „Hindernisse GotteS . Licht- 0 O o 0 AA Wer STOFFE braucht, kauft sie bei NOWACK WoMdlell Harnsäure fander JKate Spitzenleistung 02310 Plockstraße 14 Gießen 12 000 Mk. o'-'31ü Hollintn Heuchelheim, den 14. April 1932. 2901 D Diese drei wesentlichen Eigenschaften der gediegener Geschmackvoll! Poreönllchl BrOhl'sche Druckerei, Gießen, Schulstraße 7, Anruf Nr. 2251 ! Gute Hosen | kauft man vorteilhaft bei Carl Horn 2907D billigst. Vereine hüt möblierte O3SIW Inhaber Karl Horst Marktstraße 28 o 2930 A c> (fflerbmushsr Vsidiest&uh Plockstrnße 14 Gießen 02315 Fußbod'O 16. 4. 20>/, U.: Vortrag, Oeffentliche Mahnung. Das 6. Ziel Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlagen einschließlich Sondersteuer 1931 sowie die nachträglich veranlagten und inzwischen fällig gewordenen Beträge werden hiermit zur Zahlung bis spätestens 22. April 1932 gemahnt. 2912C Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Einzug auf Kosten der Schuldner. Bei den Steuerzahlungen werden die oorgeschriebenen Berzugszuschläge erhoben. Gießen, den 14. April 1932. Stadtkasse Gießen. Heute abend 3üfammeniunft im Gasthof „Hindenburg" Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Göbelnrod für Rj. 1932 liegt von Freitag, den 15. April 1932 eine Woche lang zu jedermanns Einsicht offen. Einwendungen dagegen können während der Offenlegungsfrist mündlich oder schriftlich auf unterzeichneter Stelle oorgebracht werden. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker herangezogen werden. 2904D Göbelnrod, den 13. April 1932. Hessische Bürgermeisterei Göbelnrod. Weber. 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Angeb. mit. 29141) an den Gieß. Anz. Bekanntmachung über die Offenlegung der Linheitswerke 1931. Die nad) dem Stande vom 1. Januar 1931 festgestellten Einheitswerte des Grundbesitzes werden in der Zeit vom 15. April 1932 bis einschließlich 14. Mai 1932 im Finanzamt offengelegt. Außerdem werden in dieser Zeit in den Diensträumen der Bürgermeistereien während der Dienststunden diejenigen Teile der Offenlegungsliste offengelegt, die den in der Gemeinde liegenden Grundbesitz betreffen. In den Diensträumen der Bürgermeistereien Gießen, Butzbach und Hungen findet jedoch eine Offenlegung der Einheitswerte nicht statt. In die Offenlegungsliste ist der weitaus größte Teil der Einheitswerte eingetragen. Soweit die Einheitswerte noch nicht eingetragen sind, werden die Eigentümer hierüber spätestens bis zum Beginn der Offenlegungsfrist besonders benachrichtigt. Soweit 'dagegen die Einheitswerte in die Offenlegungsliste eingetragen sind, erhalten die Eigentümer regelmäßig keine besonderen Mitteilungen. Es müssen also die Eigentümer von Grundbesitz, denen keine besonderen Mitteilungen zugehen, Einsicht in die Ofsenlegungsliste nehmen. 2913D Die Offenlegung ist der Ersatz für die besonderen Feststellungsbescheide, die früher erteilt worden sind. Der Einspruch gegen die Einheitswerte, die in die Offenlegungsliste eingetragen sind, kann in der Zeit bis zum Ablauf des 14. Juni 1932 bei dem Finanzamt entweder schriftlich eingereicht oder zu Protokoll erklärt werden. ' Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen, den 11. April 1932. Die Finanzämter. ZUFI Konsumverein Bleien and WeW e.G.m.h.B. 2so5a ■ 1 Urian VmMo neuwertig, billig abzngeben. Kunst- und Möbelhaus 6, Koos Gießen or»» Blockstraße 14 Zreitag, den 15. April 1932 ab 2 Llhr, versteigere ich im „Löwen", Aeuenweg 28: 1 dreitürigen Spiegclschrank (Eiche), 1 Waschtisch mit Marmor und Spiegel, 2 Betten und Nachttische, 10 gut erhaltene Betten (aus Herrschaftshäusern) sowie 4 Büfetts, Waschtische, Schreibtische, Küchenschränke, Bilder und Oel- gemä'lde, Grammophone, 1 Harmonium, 1 Schreibmaschine (Mercedes), Rauch- und Blumentische, 1 eiserne Schubkarre, 1 Kassenschrank, Eisschränke, Nähmaschinen, 1 Häckselmaschine. 292 ID Versteigerung bestimmt. Ab 10Llhr verkaufe ich wegen Umzug: ein-, zwei- und dreitürige Kleiderschränke mit Wäscheabteil, Waschtische, Nachttische, Küchenschränke und Tische, Herren- und Damenräder. Ludwig Harimetz Auktionator und Taxator beiMmer, takel Eiche gut erhalten, abzugeben für 375 Mark Kunst- und Möbelhaus 6. Koos ff Tafelöl.........per Liter 76 Pf. Feines Salatöl ...per Liter 52 Pf. Tafelbutter.........’/.Pfd. 75 Pf. I,andbutter.........Pfd. 60 Pf. 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Gewiß ist die Kaufkraft höher als der Münzwert, aber es war dennoch recht wenig und langte knapp zum nackten Leben. Aber diese niedrigen Löhne, die dann vielfach auch in der Landwirtschaft gezahlt wurden, regten wiederum die Inangriffnahme von Arbeiten durch private Unternehmer an, bei denen die Arbeitslöhne den Ausschlag geben. Sodann versuchte die Regierung, die Arbeitslosen über die ganze Republik zu verteilen, damit sie in der Erntezeit von der Landwirtschaft ausgenommen würden. Chile Hot ja immer noch genügend Land zur Bersügung, um wirklich arbeitsamen Landleuten ein Auskommen zu sichern, wenn dieses auch nicht gerade glanzend, in der jetzigen Notzeit sogar recht kümmerlich ist. So konnte die Regierung den aus dem südlichen Argentinien zurückkehrenden Chilenen Land in den Kolonien im auhersten Süden in Puerto Aysen und Magellanes Der folgende Bericht aus Santiago d e Chile wird gerade jetzt, wo dos von Vulkanausbrüchen und Aschenregen heimgesuchte Südamerika in aller Munde ist, auf besonderes Interesse stoßen Die ungeheure Arbeitslosigkeit in den -rohen Industrieländern, ganz besonders in Deutschland läßt immer wieder Plane m die Oessentlichkeit bringen in den weiten, noch unerschlosjenen Gebieten Südamerikas einen Ausweg für die Nenfchenmasfen zu finden, die nicht mehr innerhalb der industriellen Produktion beschäftigt Derben können, und für die in Deutschland kein tzrund und Boden für landwirtschaftliche Betätigung lorhanden ist. Unter diesen Umstanden müssen die Zustände unter den südamerikanischen Arbeitslosen (in warnendes Beispiel dosür sein, wie liefe Gedanken sich in der rauhen Wirklichkeit aus- Heranwachsen, die Schule und die Ausbildung ge- irogcn Halle. Ein großer Teil des großen Jui schwungs Argentiniens in den letzten 3<> Ianren erklärt sich daraus. Und jetzt soll alles dies nicht mehr wahr sein? Die argentinische Verfassung bestimmt ausdrücklich, dah der Einwanderung keine Schranken gesetzt werden dürfen. Aber aus „administrativem" Wege umgeht man auch diese Bestimmung. Und in den anderen Landern ist es auch nicht viel anders. Warum dieser Rückschritt? .. Es erhebt sich die bange txrage, kann es belfer werden ohne daß die Produktion ganz ungeheuerlich eingeschränkt wird? Galt es früher m schweren Krisen und in Hungersnöten, daß nun doppelt gearbeitet werden müsse, um wieder in die Hähe zu kommen, so erscheint heute der Weisheit lentcr Schluß umgekehrt zu liegen: Weniger a r , beiten! Weniger erzeugen! Weniger verkaufen! Was sollen da noch die jungen kräftigen 'Zlrbeitir, die dos müde Europa schicken will, damit sie mit schassen an der Bildung eines neuen Erdteils? Südamerika hat selbst schon zu viel sleißige Arme die feiern müssen. Denn Weizen zu erzeugen, damit er spater verbrannt wird, Kaffee, damit er ,n tun> Jahren, wenn er glücklich verdorben ist, ins Meer geschüttet werden muß, dos reizt auch den ,xle,ßtg- ftcn nicht. Und es ist auch nicht die Frage der Preise, die heute entscheidend ist.___ Südamerika im Sturm der Mrtschafislrisis Bettler vor Santiago. — Die Not des lleberfluffes. — Verschlossene Türen. Von unserem Dr. E. ^.-Berichterstatter. wenn «s noch mehr werden sollten. Er telephonierte seinem Freund, Dein . Sicgletbrau, nad) Dachau, und erzählte ihm fein Mißgeschick. Der half ihm bereitwillig mit einer größeren Summe aus. Aun ging es den ganzen Rachmittag so werter. Ein Bauer gab dem anderen die Türklinke in die Hand: jeder hatte seine vergiftete Sau mit- gebracht: jeder bekam sein Geld und eme Maß Bier Als es Abend wurde, hatte Thoma schon zweiundzwanzig Schweine bezahlt hatte noch zweimal zum Zieglerbräu um Geld schicken musftrn, und wieder war es aufgebraucht. Er war fuchsteufelswild. . Das' tean ma letzt, Forster? Der kniff ein Auge zu und sagte. „Laß dei Sau da Dauer. Dei Göid kriagst scho! Die Sau wurde abgeladen und der Bauer ging heim. Und nun kam keiner mehr . -Aach drei Wochen war Zrcibjagb in Welkerts- foofen. Der Zieglerbräu war auch da. Er, hatte das geliehene Geld am nächsten Tag von München aus wieder bekommen. Das war halt a teure Sau! begrüßte er den Doktor Thoma. „Oane? Tu dir fei nix. das waren zur Verfügung stellen. Aber füröieSalpeterarbeiter war diese Aussicht nicht gerade verlockend, schon weil ihnen jede Vorbildung in der Landwirtschaft fehlte. Rur mühsam gelang es, sie aus ihren Asylen herauszuholen und zur — allerdings recht schlecht bezahlten — Arbeit zu bringen. Aber sie verschwanden wenigstens aus der Hauptstadt und bildeten nicht mehr den Keimboden für kommunistische und anarchistische Experimente. Man weiß indessen noch nicht, wie das im kommenden Winter werden soll, wenn Anfang Mai im Süden das Regenwetter emsetzt und die landwirtschaftlichen Arbeiten stillegt. In diesen Tagen erst veröffentlichten die Zeitungen große Nachrichten von einem Anmarfch der hungernden und zerlumpten Arbeitslosen aus dem Süden nach Santiago, und sofort tauchte die Vision mittelalterlicher Bettleiprozessionen vor den geistigen Augen der erschreckten Santiaguiner auf. Wahrscheinlich dürften alle diese übertriebenen Nachrichten sich nicht bewahrheiten, aber sie geben doch ein Bild davon, was Arbeitslosigkeit in Südamerika bedeutet In den übrigen s ü d a m e r i k a n , s ch e n Staaten liegen die Dinge ähnlich. Ueberall hat man strenge Devisenbestimmungen, mit denen aber nicht nur die Einfuhr, sondern auch der Geldverkehr lahmaelegt wird. Ganz abgesehen davon, daß viele Staaten ihre eigenen Schulden und deren Zinsen schon lange nicht mehr zahlen, legen sie darüber hinaus durch verschärfte Einwanderungs- b e ft i m in u n q e n den Zuzug von neuen Menschen still Besonders die spanischen Auswanderer klagen mir ihre Not, daß Argentini e n sie nicht mehr hereinließe, wenn sie das letzte Mal in Buenos Aires es versäumt hätten, sich ein vom argentinischen Konsul beglaubigtes Leumundszeugnis aus° fteUen zu lassen. Bisher war es der bolz Argentiniens, daß jo viele junge, kräftige Menschen in I stine weiten Gebiete strömten, nachdem sie ihrem Runde der Meister: Dorrunde. Schatte 04 _ Hüsten 09 in Bochum: Zwischenrunde Sulz 07 Borussia Fulda in Kassel. Runde der Pokalsieger^ Zwischen' runde: VfL. Benrath Arminia Bielefeld in Düsseldorf: Rheydter Spielveretn — Hornberger LV. in M.-Gladbach. Sportverein 1928 Garbenteich. Die I. Jugend des Sportvereins Darbenteich weilte am Sonntag zum Dorspiel der 8-Meister- schäft der Gruppe Gießen Grunberg tn EttingS Hausen. Die Gastgeber stellten cl”cl[DrP£5I,*J.c2r widerstandsfähige Jugend ms Feld. Die GasU. legten mächtig los. Das technische Plus de' Mannschaft von Garbenteich glichen die Gastgeber aber durch den Einsatz ihrer Körperkraft aus ^i Halbzeit stand das Spiel 0:0. Aach der Pause waren die ©arbentcidicr Jugendlichen offenbar und übernahmen die Führung Kurz vor öd)™’1 konnten die Gäste trotz energischer Gegenwehr der Platzmannschaft noch ein zweites Tor erringen und so den Sieg sicherstellen. Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900. -Die in den Dorjahren, so war auch bei den diesjährigen G a u -W a l d l aus nie tftc r • schäften die Spielvereinigung 1900 erfolgreich ft er Verein. Die Deranstaltung selbst war von dem DsD. Aßlar mit viel Sorgfalt vorbereitet worden. In der Klasse der Aktiven 15 Kilometer, stellt die Placierung nicht das richtige Starke- Verhältnis dar. da die 1900er in letzter Stunde auf so bewährte Kräfte wie Schaaf, der den Zug versäumte, sowie Deitz und Wörenkämper verzichten mußten. Gerhardt gewann dann Laus und Meisterschaft mit über 200 Meter Dorsprung vor Grölz (OSC. Gießen), dem Darwinkel e t . Angriff zu nehmen. Run ist es der Aus 6 X U eitoidli-Wt -i"" acitgeno fen Meister Der Steinschneidekunst 'N Artur Aus dem Turngau Hessen DT. Die Veranstaltungen in 1932. , Die Termine für die turnerischen Veranstaltungen des Gaues Hessen liegen nun fest. 12. Juni: Volkstümliches Bezirksturnen m Den sechs Bezirken Des Gaues: 26. Juni: Kinder- und Jugendtreffen in M ar bürg. 3. Juli. Gauturnen in Gießen. 17. Juli: Gauschwimmen in Laubach: 21. August: Gauvolksturnen m Gießen: 28 August: Gau-Frauenturnen m ^Der^Gau^w'rd sich auch am 35. Mittelrheini- schen Kreisturnfest beteiligen, das als vaterländische Kundgebung in der Westmark des Reiches zu Trier vom 6.-8. August statt- findet. Die Vorbereitungen dazu sind m vollem Gange. Eine ganze Reihe von Gauvereinen hat bereits vorläufige Meldungen zum Kreisturn- feft abgegeben. . Der Gauturnausfchuß des Gaues Hessen hat einen seiner tüchtigsten Mitarbeiter verloren, und zwar den Bezirksoberturnwart des 1 Bezirks. Heber lein-Marburg, der nach Helgoland verzogen ist. Ein Erfaß für ihn ist noch nicht bestimmt. Für die ebenfalls im 1. Bezirk aus- geschiedene Bezirksfrauenturnwartrn L. V j a a a wurde Lehrer Rumpf- Weisenbach gewählt. Westdeutsche Fußball-Meisterschaft. Die Endspiele am 17. April Die ersten Endspiele um die Westdeutsche Fußball-Meisterschaft und um die Teilnahme an den DFB.-Schlußspielen haben den beteiligten Vereinen und Dem Verband eine große Enttäuschung gebracht: der Publikumszuspruch ließ m allen Fällen sehr zu wünschen übrig. Ein größeres Interesse verspricht man sich nun für die wachsten Kämpfe, bei denen erstmalig auch der neue Auyr- bezirksmeister Schalke 04 eingrei t. Schalke hat am Sonntag das entscheidende Spiel um die VeZ'.rks- Meisterschaft gegen Schwarz-Weiß Essen erst nach hartem Kam^s bei de.n d.e Essener eme ganz vorzügliche Leistung boten, gewonnen Am 17 April werden in Der „Runde Der Pokalsieger Die beiDen ZwischenrunDenspiele ausgetragen, während in der „Runde der Meister em Vor- und ein Zwischenrundenspiel steigt. Der genaue Spielplan hat folgendes Aussehen: __ und leeren Wiesen. ,«.< crnnfp „Ra, wie stehts mit die ^aben Forster Thoma das nächstemal: Jan scho viel oerrear VflÄ kratzte M am Kops: „Olaa, Rab'n grad net — ober „Was aber?“ fuhr *>ma $ ESSF&S&ff* -mit bcm muh i's halt zahlen. WirtsLaft Qlfß I . faF)An jii fkboir 'ein Bauer daher. „Zur Post' laßen, kam scho ba h^b n -Grüaß Jahna . He f^önftc Sau is —t; 6r"3Bmag!?g™®nctU^n?nit für ungut 3w°°tz. daß is f' ließ dem Dauern eine »ieWt ob. Thoma war beruhigt , , Bald meldete sich 6au'OT6 TW®A 6ti“cc SI6toSC=b fcin‘Äb Sn würbe. Ludwig Thoma hat einen kleinen Zagdunfatl. Son Th. Th. Heine. Der verstorbene bayerische Dichter ^"^wig Lhoma war ein leidenschaftlicher 2vge ®rAau eine schöne Jagd in Weikertshofen bei Dachau, die ein alter Jagdaufseher verwaltete. „Herr Doktor", sagte der erne^* eÄ Hasen wem immer weniger 2 mo - ' SÄ-ÄK»’ "S leicht könnte man Gift legen. I S unb bat «ft wtbe Äft kil8 appetitlich mit Ääfc »«™«ngt Fleilchbrocken gestrichen, auf abgeernteten Felbern Aber es stellte sich bald heraus, daß diese zu großen politischen Gefahrzentren wurden, zu L r u t- hätten 1 o rn in u n i st > l ch c r Propaganda, die auch die übrige Arbeiterschaft zu erfassen drohte. Denn gleichzeitig und infolge Des Zufarnrnenbruchs der Salpetererzeugung flockte die Industrie in der ganzen Republik. Nur Arbeit konnte da helfen. In diesem Sinne hat die Regierung den Ausweg in erster Linie in Notstandsarbeiten gesucht. Sie hat dabei keinen Widerstand bei der Arbeiter- Birten würden. 3n Chile hat es vor dieser Weltkrise niemals linc wirkliche Arbeitslosigkeit gegeben. Wenn einmal die Salpeterinbuftrie im Norden sich tinschränken mußte, war es immer nur ein Teil der Arbeiterschaft, Der betroffen wurde, nicht die überwiegende Mehrheit, wie zur Zeit, und dann konnte die Landwirtschaft stets die freiwerdende Arbeitskraft beschäftigen. Diesmal find die verschieden- •len Gründe zusam menge kommen, um die Erwerbslosigkeit in Chile ungeheure Ausmaße an- nehmen zu lassen. Dabei ist deren zahlenmäßiger Umfang verglichen mit den deutschen Verhältnissen, nicht einmal so groß, es durften heute etwa 60 000 Arbeiter auf der Straße liegen, ober das soziale Elend dieser Unglücklichen ist dafür umfo großer. Die meisten Arbeitslosen stammen aus den Sal- petergebieten, die noch vor zwei Jahren etwa 60 000 Menschen beschäftigten gegen 10 000 heute. Diese Arbeiter hatten durch die besonderen Verhaltnyse m der Salpeterwüste eine eigenartige soziale Struktur Sie waren in riesigen Feldlagern (Knmpamentcn) untergebracht zum überwiegenden Teil losgelöst von jedem Familienleben, unter scharfer fast militärischer Arbeitsdisziplin, mit einer umfassenden Organisation jedes Handels durch die großen Minengefellfchaften, die zu einer völligen Abhängigkeit von diesen führte. Emen seßhaften mit der Umgebung verwachsenen Arbeiterstamm' kann die völlig oegetalionslose Snlpelermufte nicht hervorbringen, die künstlichen Schöpfungen der modernen Industrie find an Die geographischen Voraussetzungen gebunden geblieben, fo gewaltig ihre Anstrengungen auch gewesen sind. Die Kampamente find immer dieHochburgen des Kommunismus in Chile gewesen. Unzufrieden mit ihrem harten Los, haben Die Salpeterarbeiter in den großen ausländischen Kapitalisten ihren natürlichen Feind gesehen, der aus ihrem Schweiß die gewaltigen Verdienste gezogen hat. Diese Menschen stellen auch heute noch den, Hauptteil der Arbeitslosen. Die besseren nut Familie sind in die agrarischen Gebiete zuruckgekehrt wo sie schlecht und recht sich von den Erzeugnissen des Bodens miternähren. Die anderen zogen sich besonders in der Hauptstadt Santiago zu- ammen, in der Hoffnung, dort leichter Arbeit und Unterstützung zu finden. Es war wie eine Sammlung von Gestalten aus der Drei-Groschen-Oper, was da in den Straßen Santiagos auftauchte. Völlig zerlumpt und zerriffen, ganz so wie cs dem Spott namen „roto" entspricht, überschwemmten sie die LZ Krise des Jahres 1920 tu^° mor^n ieht I He'imaUand'wägend ihrer Kindheit zur Last ge- knege, waren die Asyle ausgemacht worden, 1 ist | H maren# nnd)t)em dieses Die Unkosten für das kehrte man zu diesem Hilfsmittel zuiua. ___________ (3a c ob. Koch UI. und Goß) waren die zwei Kilometer wohl noch etwas lang. Sie belegten zwar als Mannschaft den zweiten Platz, in der Einzelwertung kam jedoch 3acob nur an die fünfte, Koch an die sechste und Goß an die achte Stelle. Olympischer Spori-Llub Gießen. Bei dem in Aßlar durchgeführten Frühjahrs- Waldlauf des Gaues Gießen-Wetzlar startete auch erstmalig der neugegründete Olympische Sportclub Gießen. Im Hauptlauf der Aktiven über 5 Kilometer siegte nach hartem Kampf Gerhard von 1900 Gießen über den OSCer Grölz. Grvlz, der % der Strecke führte, mußte Gerhard bei einem Schwäche- anfall eine Strecke davongehen lassen, die er trotz energischem langen Endspurt nicht mehr holen konnte. In den beiden Jugendklassen belegte Goldschmidt in der Klasse A den 5. und R i n n in der Klasse B den 4. Platz. Goldschmidt ist noch sehr jung, konnte den älteren Jugendlichen der anderen Vereine nicht standhalten. Rinn bestritt sein erstes Rennen. BestandeneLebensreitungS-prüfungen An den Prüfungen der Deutschen Lebens- rettungs-Gesellschaft haben sich Studentinnen des Tunrlohrerinnen-Seminars der Aliceschule Gießen beteiligt. Den Grundschein erhielten: Anni Eberth-Bad Soden, Martha Zipp aus Grünberg und Frl. Diehl. Den Prüfungsschein erhielten: Hildegard Holzhäuser- Wetzlar und Eleonore T r ö st e r - Marburg. ZrühlingSfahri der Skisportler zum Hoherodskopf. Der vergangene Weiter hat den Skiläufern leider nur wenig Schnee beschert. Durch die ungünstigen Schneeoerhältnisse wurden auch im Taunus, Westerwald und im Vogelsberg die angesetzten Skirennen abgeblasen. Inzwischen hat mancher Wintersportler den Skistock mit dem Paddel vertauscht, um im Sommer im schlanken Faltboot dem Kanusport zu huldigen. Am kommenden Samstag trifft nun die Skizunft Gießens und Schottens zum Winterabschiedsfest und zum gemütlichen Skihüttenabend auf dem Hoherodskopf, um in echter Skikameradschaft, die nicht nur auf die wenigen Schneesonntage beschränkt ist, einige Stunden bei Lied, Spiet und Tanz zu verbringen. Man beachte die heutige Anzeige. Sportabieilung des Turnvereins Lollar Am Sonntag herrschte auf dem Spielplatz des Turnvereins Lollar wieder lebhafter Betrieb. Am Vormittag trafen sich Lollars II. und Mainzlars I. Handballmannschaft zum Freuno- schaftsspiel, in dein der Neuling Mainzlar mit 7:2 Toren unterlag, nachdem die Platzbesitzer bereits zur Halbzeit mit 4 Toren führten. 3n einem weiteren Handballspiel standen sich Lollars 1. Elf und die I. Handballmannschaft des Gaumeisters Allendorf gegenüber. Die Mannschaften lieferten sich einen flotten Kampf. Mendorf kam zuerst zu zwei Treffern, die Gastgeber antworteten aber mit schnellen Angriffen und glichen bald aus. Dis zur Pause war Allendorf noch zweimal erfolgreich, Lollar vermochte aber doch wieder auf 4:3 zu verkürzen. Aach dem Wechsel stellten die Gäste das Ergebnis auf 6:3. Die Lollarer holten abermals ein Tor auf, konnten den 7. Erfolg der Gäste aber nicht verhindern. Erwähnenswert ist, daß sechs Tore für Allendorf aus Strafwürfen erzielt wurden. Lollars Torhüter war daran nicht unschuldig. Die I. F u h b a l l Mannschaft des Turnvereins Lollar hatte am Nachmittag die I. von Großen- Duseck zu Gast. Bei Halbzeit stand das Spiel 3: 0 für die Plahbesiher. Die Gäste wehrten sich mit aller Kraft, konnten den 6:0-Sieg der Lol-- larer aber nicht verhindern, der in der zweiten Halbzeit endgültig sichergestellt wurde. 3n der zweiten Spielhälfte verloren die Gäste allerdings zwei Mann und waren dadurch stark benachteiligt. Die III. Fußballelf spielte gegen Ober-Walgern und mußte mit einem Anentschieden vorliebnehmen. Der Gegner der II. Mannschaft blieb aus. Handball der Sp.-Vg. 1900. 1900 I — Tv. wieseck I 7:3 (4:1). Ein Spiel, das unter starkem Wind litt und daher oft an Flüssigkeit einbühte. Die 1900er, die schon an Körpergröße ein Plus hatten, waren stets tonangebend, nutzten aber die Aeberlegenheit infolge zeitweiser Vernachlässigung des Kombinationsspieles nicht richtig aus, sonst hätte mindestens ein Dutzend Tore die Ausbeute sein müssen. 3m übrigen merkte man jedoch der Mannschaft an, daß sie wieder über stärkeren Rückhalt verfügt. Die Gäste waren sehr eifrig und hatten im Mittelstürmer einen gefährlichen Torschützen. Das Spiel wurde sehr fair ausgetragen. Handball im Gau Hessen sO. T ) T. u. Spo. Buhbach II — Tv. Klein Linden I 1:5 (0:3). Die Umstellung der Klein-Lindener Mannschaft hat sich gut bewährt. 3nfolge ihres eifrigen Spieles und der guten Leistung von Klein-Lindens Torwart war es möglich, Butzbach so hoch zu besiegen. Klein-Linden II — Tv. Groß-Rechtenbach I 1:5 (0:2). Der Tv. Groh-Rechtenbach I. weilte zum Freundschaftsspiel in Klein-Linden und konnte dank seiner technischen und körperlichen Aeber- lcgenheit einen 5:l°Sieg buchen. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf. Lühellinden II — Großen-Linden II 6:1. Beide Mannschaften tragen sich am Sonntag zu einem rückständigen Freundschaftsspiel. Es entwickelte sich ein flotter, fairer Kampf. Die Gastgeber traten mit zwei Mann aus der 1. Mannschaft perstärkt an und siegten mit hohem Ergebnis. Obwohl die Gastgeber stets eine leichte Aeberlegenheit zeigten, war die Niederlage der Gäste in dieser Höhe doch nicht verdient. 3m Anschluß daran spielte zum erstenmale die neu- gebildete 3. Mannschaft des Tv. Lühellinden gegen die 2. Mannschaft von Tv. Lang-Göns und verlor mit 1:4 Toren. Wirtschaft. ' 3G. -Farbenindustrie AG., Frankfurt a. M. Kurz vor der auf den 16. April sestge.chtcn Bil n f hung der 3G.-Farvenmdustl.ie AG., Frankfurt a. M. will die „Kölnische Zeitung" erfahren haben, daß in einem „engeren Gremium" die Abschlußberatungen dahin geführt hätten, dem Gesamtaufsichtsrat 7 (12) Prozent Dividende vorzuschlagen. 3m Farbengeschäft und im pharmazeutischen Geschäft seien die Gewinne recht befriedigend, und auch für Chemikalien und photographische Artikel sei die Marktlage verhältnismäßig noch günstig gewesen, während die St.ckstoffe.zeugung bcträchtl.ch im Ergebnis hinter den früheren Jahren zurückgeblieben sein dürfte, teils durch ausländischen Wettbewerb, teils durch die Lage der Landwirtschaft. Für die Vilanz- sihung sei auch der Vorschlag einer Minderung des Aktienkapitals zu erwarten, wie ja schon im Vorjahre die Aufrechterhaltung der 12prozentigen Dividende nur durch Verminderung des dividendenberechtigten Kapitals ermöglicht worden sei. * 3ulius Berger Tiefbau AG-, Berlin. Die weitere Verschärfung der Wirtschaftslage hat sich im 3ahre 1931 auf dem Arbeitsgebiet der 3ulius Berger Tiefbau AG., Berlin, besonders stark ausgewirkt. Der Gewinn aus Bauten. Gerätevermietung, Zinsen usw. betrug 2,28 (3,63) Millionen Mark. Anderseits konnten Ankosten auf 0,45 (0,53) Millionen Mark abgebaut werden, Steuern und Abgaben beanspruchten nur noch 0,56 (0,77) Millionen Mark. Nach Absetzung der von 0,38 Millionen Mark im Vorjahre auf 0,26 Millionen Mark ermäßigten Absch.eibungen verbleibt zuzüglich 77 708 (73 265) Mark Vorjahresvortrag ein Reingewinn von 1 084 448 (2 002 545) Mk., woraus 12 (20) Prozent Dividende verteilt und 81 438 Mk. vorgetragen werden sollen. Frankfurt freundlich. Frankfurt a. M.. 14. April. (WTB. Draht- nielbung.) Trotzdem aus Neuyork schwache Schluß- kurse gemeldet wurden und in der Kreuger-Angele- genbeit immer neue Ueberraschungen zutage treten, eröffnete auch die heutige Börse in überwiegend freundlicher Tendenz, lieber das Verbot der nationalsozialistischen SA. und. SS. ist man geteilter Meinung, obgleich die Auslandpresse diesen Schritt der Reichsregierung lebhaft begrüßt. Ren- nenswerte Anregungen lagen zwar nicht vor, doch dürften wieder kleine Kundenorders zur Ausführung gekommen fein. Das Geschäft hat noch feine befon- öere Belebung erfahren, zumal eine gewisse Z u - rückhaltung unverkennbar war. Die Kursgestaltung war gegenüber der Abendbörse nicht ganz einheitlich, jedoch überwiegend nach oben gerichtet. Am Chemiemarkt konnten sich IG. im Hinblick auf die bevorstehende Bilanzsitzung um 0,5 v. H. erhöhen, Deutsche Erdöl zogen 2 v. H. an, Elektroaktien tendierten uneinheitlich. Während Licht & Kraft 2,5 v. H. und Schuckert 1 o. H. nachließen, zogen Siemens 1,75 v. H. an. Am Montanmarkt lagen die Werte der Stahloereinsgruppe bis zu 1,25 v. H. höher mit Ausnahme von Phönix, die nur knapp gehalten waren. Die übrigen Werte dieses Marktes verzeichneten überwiegend Besserungen von 0,5 v. H. Lebhaftere Nachfrage zeigte sich für Schiffahrtsaktien, von denen Hapag 1,25 und Nordlloyd 1 v. H. anzogen. Reichsbahnoorzugsaktien gewannen 1,65 v. H. Reichsbank lagen mit 102 v. H. unverändert. Am Kunstseidemarkt eröffneten Aku 1,75 o. H. höher. Von Nebenwerten erhöhten sich Waldhof um 1 v.H., Daimler um 0,5 v. H., dagegen gingen Metallgesellschaft 0,5 v. H. zurück. Süddeutsche Zucker blieben behauptet. Nach den ersten Kursen zeigte sich bei der Spekulation Realisationsneigung, und die Kurse gingen durchschnittlich 1 v. H. zurück, jedoch trat später wieder eine leichte Erhöhung ein. Am Anleihemarkt lagen Altbesitz weiter fest und 1,25 v. H. höher. Reichsschuldbuchforderungen plus 1 v. H., Auslandrenten lagen geschäftslos. Am Pfandbriefmarkt hielten sich Angebot und Nachfrage die Waage, und die Kurse lagen bei kleinem Geschäft zunächst unverändert. Von Jndu- strieobligationen Mitteldeutsche Stahl mit 41 behauptet, Stahlverein-Bonds konnten sich trotz schwächerer Tendenz um 0,5 o. H. befestigen. Freundliche Stimmung in Berlin. Berlin, 14. April. (WTB. Funkspruch.) Zu Beginn des heutigen Effektenverkehrs war die Stimmung ziemlich freundlich. Die Spekulation zeigte wiederum etwas Deckungsneigung. Das Geschäft war im allgemeinen ziemlich ruhig, doch vermochten sich fast durchweg Besserungen durchzusehen, da nirgendswo Abgabeneigung festzustellen war. 3m allgemeinen übt das Publikum Zurückhaltung, einmal wohl, um die Auswirkungen des Verbotes der SA. und SS. abzuwarten, zum anderen wegen der Nichtbestätigung der Hoffnungen auf eine Herabsetzung des Reichsbankdiskonts. Auch die bevorstehenden Landtagswahlen und die Kreuger-Angelegenheit trugen dazu bei, die Anternehmungslust zu hemmen. Ferner verwies man auf die bevorstehende Regelung des Efsektenhandels mit dem Auslande. Der schwache Kurs Neuyorks, die Kreditausweitungspläne des General-Farmboard und die Verlautbarungen über das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung wurden lebhaft besprochen. Man verwies darauf, daß die Krise weder in Amerika, noch in Deutschland überwunden sei, daß aber überall kräftige Bestrebungen der Regierungen zu beobachten seien, der Not zu begegnen. Die Besserungen betrugen im allgemeinen 1 bis 2 Prozent, d. h. die Kurse lagen damit etwa auf dem Frankfurter Abendniveau. Durch besonders freundliche Haltung fielen Kunstseideaktien auf, die vom Auslande zu Tauschoperationen benötigt werden, ferner konnten Berger auf die 12prozen- kige Dividende und die flüssige Bilanz beinahe 4 Prozent anziehen. Schultheiß, Felten, Feldmühle, Aschersleben, Reichsbank und Bekula gewannen bis zu 3 Prozent. Deutsche Erdöl, die 3 Prozent gesteigert waren, erschienen als erstes variables Papier nach der Wiedereröffnung der Börse mit vlus-plus-Zeichen. Vereinzelt waren auch kleine'Rückgänge sestzustellen. So lagen Schubert & Salzer, Rütgerswerke und einige Elektronebenwerte bis zu I Prozent gedrückt. Deutsche Anleihen freundlich, Altbesih sehr fest und erneut 1 Prozent höher. Ausländer ruhig und nicht ganz einheitlich, Reichsschuldbuchforderungen wieder fest und etwa 1 Prozent im Kurse anziehend. Die Tauschoperationen von Pfandbriefen in Reichsschuldbuchforderungen hielten an. Trotzdem waren auch festverzinsliche Papiere eher etwas freundlicher, da ein gewisses Anlagebedürfnis festzustellen ist. Reichsbahnvorzugsaktien waren im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Koupontermin gesucht und 1,50 Prozent fester. Am Berliner G e l d m a r f t hält die Flüssigkeit weiter an. Tagesgeld stellte sich auf 5,25 Prozent und darüber, Monatsgeld auf 7 bis 8 Prozent zirka. Es werden weiter 6prozentige Reichsschatzwechsel per 15. August abgegeben. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M 14. April. Auftrieb: 83 Rinder, 1104 Kälber, 101 Schafe, 705 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 41 bis 45 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 36 bis 40, geringe Kälber 30 bis 35; Schafe: Mast- lämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 30 bis 32, mittlere Mastlämmer ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 23 vis 29; Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 36 bis 39, von etwa 200 bis 240 Pfund 37 bis 39, von etwa 160 bis 200 Pfund 35 bis 38, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 32 bis 35 Mark. — Marktverkauf: Kälber mittelmäßig, Schafe rege, beide geräumt, Schweine ruhig, ausverkauft. Schwcinemarkt in Gedern. V Ged e.r n, 13. April. Zum gestrigen Schweinemarkt waren 579 Tiere aufgetrieben. Trotz der schlechten Witterung war eine große Menge Kauflustiger erschienen, so daß sich recht lebhafter Handel entwickeln konnte. Für sechs Wochen alte Ferkel wurden 12 bis 14 Mk.. für sechs bis acht Wochen alte 15 bis 20 Mark, •für Läufer je nach Stärke 21 bis 28 Mark bezahlt. Es verblieb geringer lieberftanb. Buntes Allerlei. Spiel des Schicksals. Ein merkwürdiges Familiendrama hat sich dieser Tage in Neuyork abgespielt: ein französischer Opernsänger Louis Rousseau verlieh den Dampfer, die Photographie eines hübschen jungen Mädchens in der Hand haltend, und am-, Hafenkai stand ein Mädchen, die Photographie eines Herrn in der Hand, ihres Vaters, den sie nie gesehen hatte. Rach einem prüfenden Blick erst in die Gesichter, dann auf die Bilder erkannten sie sich und stürzten sich in die Arme. Die Tochter war zu Dallas in Texas im 3ahre 1911 geboren worden, wenige Wochen, nachdem ihre Eltern sich geschieden hatten. Die Mutter war die Tochter eines Rechtsanwaltes, und ihre Familie bestimmte sie zur Trennung von ihrem Mann, als dieser seinen Posten an einer Neuyoiker Bank aufgab und erklärte, daß er Opernsänger werden wolle. Eines Tages kam Rousseau nach Hause und fand seine Frau nicht mehr, die zu den Ihren zurückgekehrt war. „Ich habe sie nicht wiedergesehen", erklärte er. „Aber nach einigen Wochen erhielt ich einen Dries mit der Mitteilung von der Geburt einer Tochter, die Louise genannt wurde." Das junge Mädchen hatte niemals etwas von seinem Vater erfahren, bis es eines Tages, als es bereits auf dem Massachusetts-Institut für Technologie studierte, in einem Adreßbuch feinen Namen entdeckte und nun erst feststellte, daß es tatsächlich ihr Vater war. Sie schrieb an ihn und erklärte, sie wolle keine Ansprüche an ihn stellen. Aber der Tenor erwiderte: „Was ich bin und habe, ist Dein. Daß Du Deinen Vater wieder haben willst, macht mich zum glücklichsten Menschen der Welt." Rousseau eilte nach Neuyork, aber noch manche Hindernisse stellten sich dem Wiedersehen entgegen. Die Tochter war unterdessen verzogen, und der Brief, in dem sie ihm ihre neue Adresse mit» teilte, hat ihn nicht erreicht. So verbrachte er mehrere Wochen mit der Suche nach ihr und kehrte dann verzweifelt nach Frankreich zurück. Erst später erfuhr er, daß er in Rufweite von seiner Tochter gewohnt hatte und daß sie jeden Morgen und Abend auf ihrem Gang zur Arbeit an seiner Haustür vorbeigekommen war. Srieffaften öer Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schristleitung.) R. Sch. 1. Nach § 1410 Bürger!. Gesetzbuchs können die Gläubiger des Mannes nicht Befriedigung aus dem eingebrachten Gute der Frau verlangen, wenn diese mit ihrem Ehemann im ordentlichen gesetzlichen Güterstande lebt. Nach Paragraph 43 der Konkursordnung richten sich die Ansprüche (der Ehefrau) auf Aussonderung eines dem Gemeinschuldner nichi gehörigen Gegenstandes aus der Konkursmasse aus Grund eines persönlichen oder dinglichen Rechts nach den außerhalb des Konkurses geltenden Gesetzen (z. B. Bürgers. Gesetzbuch). Hiernach braucht 3hre Mutter wegen ihres eingebrachten Gutes nicht in Sorge zu fein. Gegenstände, die die Ehefrau d?s Gemeinschuldners erst während der Ehe erworben hat, kann sie aber nur in Anspruch nehmen, wenn sie beweist, daß dieselben nicht mit Mitteln des Gemeinschuldners erworben worden sind. 2. Daß die Ehefrau stets die zu ihrem persönlichen Gebrauch bestimmten Betten, Kleidungsstücke, Hpus- und Küchengeräte erhalten soll, ordnet § 811 der Zivilprozeßordnung an, da diese Sachen in keinem Falle der Pfändung unterliegen. W.AI. in h Die Rechtslage bei dem Bauvorhaben Ihres Nachbars im Hinblick auf Ihr Grund- stück ist sehr kompliziert. Es kommen hierbei Bestimmungen des Preußischen Landrechts und der Preußischen Baupolizeioerordnung in Betracht. Ohne genaue Kenntnis aller Einzelheiten in diesem Falle kann von hier aus Ihre Frage leider nicht beantwortet werden. Vor allem ist eine Ortsbesichtigung erforderlich, um ein klares Bild über die Sachlage Zu erhalten. Wir empfehlen Ihnen, sich an die zuständige Kreisbaubehörde beim Kreisbauamt in Wetzlar zu wenden, da von dort aus nach Prüfung der Sachlage der beste Bescheid gegeben werden kann. Daten für Donnerstag 14. April. Sonnenaufgang 5.33 Uhr, Sonnenuntergang 19.18 "hr. — Mondaufgang 10.37 Uhr, Monduntergang 3.01 Uhr. 1759: der Komponist Georg Friedrich Händel in London gestorben, — 1931: Spanien wird Republik: Abdankung des Königs Alfons VIII. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5,5 v.H., Lombardzinsfuß 6,5 v.H. ifrrannun u. Dl. . Bern. Schluß- turS 1-Uhr- Kurs Schluß- lure Ansaag» Kurs Datum 13.4. 14.4. 13.4. 14.4. 6% Deutsche Relchsanieihe v. 192; 49,5 — 49 — 7% Deutlche Relchsanlelhe v. 1929 — 55,25 — 5'/,% Doung-Anlelhe von 1930 . 51 _ _ Deutsche Anl.-Wlöl.-Schuld mit Auslos.-Rechten....... 38,5 39,4 38,25 39 Desgl. ohne Auslos^Rechte . . . 2,65 2,6 8% Hell. BoNSstaat von 1929 lrückzahlb. 102%)...... _ Oberhellen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten...... -___ Deutlche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 35,5 _ 35 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 .... 69,9 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1936 Serie 16 . 69,25 *¥i% Franks. Hyp^Bank Ligu.- Bsandbriese......... 73,75 V/i% Rhv'nilche Hyp^Bant-Liqu. Goldpse........... 74,25 _ 8% Pr. Landespsandbriefaustalt, Pfandbriefe R. 19...... 70 70 7% Pr. Landespsandbriesanftalt, Pfandbriefe R. 10..... 70 - - *% Oesterreichische Goldrente . . 12 _ 4,20% Oesterreichische Silberrentc 0,4 — _ _ 4% Ungarische Goldrente .... 5,5 — _ _ 4".. Ungarische StaatSrentev. 1910 _ —_ _ 4>/2% desgl. von 1913 — _ 5,2 5% abgest. Goldmerikaner von 99 2,05 — _ 4% Türkische Zollanlethe von 1911 _ 2,15 4% Türkische Bagdadbahn-Anleibe Serie l 2,13 9.4 4% desgl. Serie U _ _ 9 9 6% Rumän. verelnh. Rente 6.1903 3,75 _ _ 4^%Rumän.vereinh.Renlcv.l913 _ 8,5 8,75 4% Rumänische veretnh. Rente . 3,75 3,4 e%% l. anatolier...... 13,5 —- 13,4 — iVronlfun a. Dl. Serin Gchwß- hird 1 l-Uhr- «>rs Schlup» 1 für» 1 Anfang- Kurs Datum 13.3. 14.4. 13.4. 144. Hamvurg-Amertta Pale, . . Hamburg-Südam. Tampflchiss . t 13 14,25 12,5 13,75 . 0 48,75 49 Hansa Dainpsschiss . . . 0 — — Norddeutscher Lloyd .... . 6 — 14,4 13 14,75 A.G. für Verkehrswesen Akt. — 30 30 Berliner Handelsgesellschaft . 8 82 — Commerz- und Prlval-Bank . 7 22 ... _ - - Darmstädter und Nationalban 8 23,5 _ _ _ Deutsche Bank und Disconlo-GeseUschast. . 6 43,75 _ _ _ Dresdner Bank...... 6 _ _ _ Reichsbank ....... 12 102 102I 101,5 103,25 A.E.G........ . 7 24,75 24,5 23,75 24,13 Bergmann........ . 9 ■ Elektr. LieferungSgelellschast. 10 — 54 53,5 Licht und Kraft . . 10 60 57,5 58 57,25 Felten & (Guilleaume . . 6'/r 30 Gesellschaft für Elektrische Ünternehmungen .... 9 — 51 50,65 Rheinische Elektrizität . . . . 9 — — 64,5 Schuckert & (So. . ..... 11 47 46 45,25 45,25 Siemens & Halske ..... 14 97 98,75 97,5 98 LahmeyerLLo....... 12 Buderus......... . 4 21 _ 20,5 20,75 Deutsche Erdöl...... . 5 — 52 50 53 Gelsenkirchener...... . 8 32 32,5 31,65 32 Harpener......... . 0 — — 33 33,5 Hoesch Eisen........ . 6 — — 23,13 Ilse Bergbau....... 10 — — — Klöcknerwerke...... f. — 21,25 21 21,25 Koln-Neuessen...... sy. — 22,5 ManneSmann-Röhren . . , 6 —— — 32,9 32,5 Mansfelder Bergbau .... . 0 — — 12 12 L berschtet. K okswerte . . . . 8 — — 29 30,5 Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen. . . 4'/, 16 15,75 15,75 15,75 10 159 159 160 Rheinstahl........ . 6 34 35,26 33,26 35,26 Franlmn u. .Ul. ■Berlin Schluß-j turs | 1-ilhr- Kurs Gchluß» lurs Anfang- Kurs Datum 13.4. 14.4. 13.4. 14.4. Rievcck Montan......7,2 — —— — — Bereinigte Stahlwerke .... 4 Olavi Minen......16'/, Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaltwerke Salzdetfurth ... 15 15 80 90 16,25 I I 1 15 10,75 82 91 3. G. Farben-Indultrte... 12 Verein, chem. Industrie Frankfurt a. M........... Scheideanstalt.......10 Goldschmidt. . . ......O Rütgerswerke........6 Metallgesellschast......b 88,9 126 17,25 27,5 29 89,4 126,25 28,5 87,75 28 28,5 2 1I1^2 Philipp Holz mann.....e Zementwerk Heidelberg.... 7 Tementwerk Karlstadt.....7 Wavb & Freytag ..... 0 26,25 41 — Kl 1 1 27 Schultheis Patzenhoser ... 15 Aku (Allgemeine Kunstseide) 0 Bemberg. . ... O Zellstoff Waldbof.....12 Zellstoff Aschaffenburg ... 6 Dessauer Gas 9 Daimler Motoren .....O Deutsche Linoleum .....5 Örenstein & Koppel.....O Leonhard Tietz.......8 Svenska - 15 Ehade ...... 33 25 23,5 190 34,75 29,25 8 190,5 43,25 32,75 25 28 Ji 74,25 7,9 18 54,5 8,75 189,13 46 34,5 26,5 28,5 75 7,9 18,75 9 191 Frankfurter Maschinen . . 0 Grihner.........0 Mainkrastwerke Höchst a. M.. . 6 Süddeutscher Zucker . . . . 10 Illi 60,25 1 I 11 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 211. Banknoten. 13. April 14.April Amiliche Notierung Amiliche Notleruna Geld 1 Briei Geld Briet &"“•: 7,343 48,95 7,357 50,05 7.343 49.95 7,357 50,05 Prag . . . Budapest . . 12,465 12,485 12,465 12.485 56,94 57,06 57,94 58,06 Sofia . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 170,68 171,02 170,68 81,52 171,02 Oslo . . . 82,32 87,16 82,48 81,68 Kopenhagen. 87,34 86.91 87,09 Stockholm . 81,77 81,93 80,02 80,18 London. 15,94 15,98 15,92 15,96 Buenos Aires 1,053 1,057 1,048 1,052 Neuyork 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel 58,99 59.11 58,99 59,11 Italien 21,63 21,67 21,63 21,67 Paris 16,61 16,65 16,61 16.65 Schweiz 81,95 82,11 81,92 82,08 Spanien 32,17 32,23 32,27 32,33 Danzig 82,57 82.73 82,62 82,78 Japan 1,389 1,391 1,389 1,391 Rio de Ian.. 0,259 0,261 0,264 0,266 Jugoslawien. 7,423 14,54 7,437 7,423 7,437 Lissabon . . 14,56 14,54 14,56 Berlin, 13.April Geld SFkl Amerikanische Noten ... 4,20 4,22 Belgische Noten ...... 58,83 59.07 Dänische Noten ... 86,98 87,32 Englische Noten 15,90 15,96 Französische Noten 16,57 16,63 Holländische Noten 170,31 170,99 Italienische Noten 21,96 22,04 Norwegische Noten 82,14 82,46 Deutsch-Oesterreich, t 100 SchMtno Rumänische Noten 2,49 2,51 Schwedische Noien...... 81,59 81 Schweizer Noten........ 81,77 82,0$ Spanische Noten. ....... Ungarische Noten ........ 32^24 32.38 Über alle vormittag jeden Freitag deutschen Sender Sanne und Ella plaudern im Radio I Herrenzimmer • Speisezimmer Sdilafzimmer, Küchen/ Pianos Teppiche/ EinzeLMöbel Gegenstände aller Art, neu u. gebraucht kanten Sie günstig im Kunst- und Möbelhaus 6. Koos Plodcrtr-14 Gießen Plodcstr»l4 02358 Freitag Große Auswahl ff. Seefischeu. Filets Fischhaus,Cuxhaven' Marktstraße 23 r-22 A Telephon 2417 1HSI474I Soliniten, Kullerstr. 34. amt 2916 C Prospekt anfordern = Laasen, 14. April. Unser Wilhelm Schmidt legte gestern Bürgermeister sein Amt alS Am 537 und iffion. Mirhleit her Bürgermeister nieder. Dieser Entschluß ist offensichtlich durch die wirtschaftliche Lage der Gemeinde veranlaßt worden, die unter den Einwirkungen der Wirtschaftskrise überaus schwierig geworden ist. Bürgermeister Schmidt stand seit einer Reihe von Jahren an der Spitze unserer Gemeinde und wurde erst kürzlich ohne Gegenkandidaten aus neun Jahre wiedergewählt. Die Bürgermeistereigcschäfte werden bis auf weiteres von dem Beigeordneten Wilhelm Schmidt geführt. erl. Gesetzbuchs mes nicht achten Gute mit ihrem Sheen Güterslande tonfuräotimung 1 Ehefrau) aus nschulbner nicht' ' Konkursmasse »der dinglichen mkurses gellen- buch). Hiernach eingebrachfen Mnde. dir die it während der inr in Anspruch dieselben nicht ! erworben Worts die zu ihrem i Jetten, Klei- gerate erhalten zehordnung an, der Pfändung schäft im Bezirk des Arbeitsamts Gießen. Schlüsse der Berichtszeit zählten wir noch Personen arbeitslos, gegenüber 482 1931 329 1930. i dem Bauvor- auf Ihr Grund- un hierbei Be- itedjls und der n Betracht. Ohne in diesem jZalle idcr nicht beant- vrtsbesichligung der die Sachlage , sich an die zu- Areisbauaml in uz noch Prüfung den weiden kann. si. April. nuntergang 1918 Monduntergong edrich Händelin n wird Republik) tfutl fl.HL inuii* Mb L2£ Prospekte und Beratung Reformhaus Boermel Ernst Gießen, Kreuzplatz 5 Hxeptgeschlfl: Frankiwrt H„ Schillentr. 17 Bergbau. Ter Beschäftigungsgrad ist im Berichtszeitraum weiter gesunken. Ein oberhessisches Kraftwerk hat eine seiner Gruben auf ein Jahr still- •flclcgt, da es von zwei anderen Gruben genügend mit Kohlen versehen wird. Damit die Belegschaft von 70 Mann nicht ein Jahr lang der Arbeitslosigkeit anheimfällt, hat die Betriebsleitung im Einvernehmen mir der Belegschaft für jeweils V» der Belegschaft das Krümper- System eingeführt. Weiter mußte in unserem Bezirk eine Erzgrube stillgelegt werden, da die vorhandenen Erzvorräte zu gering sind. Das neue Feld, das jetzt in Angriff genommen werden soll, hat einen Abraum von 12 Meter Höhe auf- zuweisen. Die Beseitigung des Abraums wird voraussichtlich vier Wochen in Anspruch nehmen. Rach Frei legen des Feldes besteht dann die Aussicht, die Belegschaft wieder zu beschäftigen. Verfügbar waren 526 Bergarbeiter, gegenüber 234 1931 und 266 ^30. Industrie der Steine und (Erben. Die Arbeitsmarktlage ist nach wie vor uneinheitlich. Der größte Teil der oberhessischen Steinbruchgcbictc klagt über Auftragsmangel. Rur drei Dasaltbrüche haben von feiten der Reichsbahn Aufträge zur Lieferung von Bahn- fchotter erhalten und für diese Arbeiten Arbeitskräfte eingestellt. Auch die oberhessischen Ziegeleien klagen im großen und ganzen über Arbeits» Astoria-Lichtspiele Heute bi* Sonntag ein*chl. Doppelprogramm I. Fred Thomnon* mit seinem Wunderhengst „Silberkönig“ in dem unerhört spannenden Sen* sationsfilm Fred Thomsons kühnster Ritt II. Schlager: Carl Auen, Hilde Jennlnge in dem Sensationsschauspiel Rivalen der Liebe i. ls. HdyMer uni> gj W lnwitr |i» , 1 |chj «“«iS 58 ,8 bereits auf ftu- jamen ent- tatsächlich Men. Ln ' unb habe ih ^baben willst, yen der Dell" iLS manche Ersehen entge- ^°gen, unb le Adresse mit- l verbrachte er 1 ihr unb kchrk E efli* ■'k Don seiner 1 leben Marge, Arbeit an fei- mit massiv Silber 800 000, sowie 90 und 100 g Feinsilberauflage direkt an Private; z.B. 72 Teile kompL Mk.108.-. MocLKünstler- entwürfe. Bequeme Batenzahl. 30 Jahre schriftliche Garantie, Katalog und Beferenzen un- verbindl. von H. A. Lindau. im weitesten Sinne des Wortes zu fördern, hatte der Dorstand im vergangenen Herbst den Beschluß gefaßt, die bestgcpflegten Baumstücke mit Preisen auszuzeichncn. Es erhielten aus Vorschlag von Obstbauinspektor (Sn fier (Gießen) Daumwart L. H a a S und Flurschütz Karl Weller II. je einen Ehrenpreis, Karl Balser III., Friedrich Lotz, Heinrich Weller XII., Ludwig Jung Witwe. Wilhelm Ohwa 1 d und Wilhelm Dorfeld je einen ersten Preis, Wilhelm D o r- feld. Jakob Bernhard. Otto Michel, Alt- polizeidiencr Weller, Adolf Seibert, Heinrich Kreiling XII. und Heinrich Eckhard je einen zweiten Preis, Philipp Dölzel, Wilhelm Schäfer II., Sommerlad Witwe. Maurermeister Karl Schäfer und Karl Seibert je einen dritten Preis. 3n Verfolg der Prämiie- rungsaktion hat auch hier eine vorbildliche Daumpflege eingesetzt, so daß es nicht leicht war, auS den vielen guten Leistungen das Deste hcrauS- zufinden. Der Mitgliederbestand des Verein- hat sich im Berichtsjahre um 24 erhöht. Der Vortrag des Vorsitzenden behandelte FrühjahrS- erbeiten im Hausgarten. Eine rege Aussprache klärte noch manche Frage. Den Beschluß der Tagung bildete eine Gratisverlosung von Obst- bäumen, Beerensträuchern, Weinstöcken, Blumenzwiebeln und Risthöblen. • Rödgen, 14. April. Heute, Donnerstag, feiert Pflastcrmeiftcr Heinrich Bal f er VI. in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 83. G e b u r t S t a g. Hoche besser! Hoche billiger. verlange gratis das SaneUaEochbuch üngünstige Arbeilsmarkllage in Oberhessen 3u den meisten Berufsgruppen noch le ne Entlastung. Das Arbeitsamt Gießen teilt in seiner Detrach- tuna über die Entwicklung auf dem ober- hessischen Arbeitsmarkt im Monat März, im Anschluß an die gestern bereits be- richtete Zusammenfassung des Standes der Arbeitslosigkeit, folgende Einzelheiten über die Lage in den einzelnen Berufsgruppen mit: Land- und Forstwirtschaft. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist gegenüber hem Monat März nur wenig gesunken. Das Ausscheiden von Tagelöhnern und Gärtnern, besonders von Gartenarbeiterinnen, wurde durch die Wiederarbeitslosmeldung speziell von Waldarbeitern zahlenmäßig nahezu ausgeglichen. Die Wiederbeschäftigung von Kulturarbeiter innen hat inzwischen begonnen. Wie fast im ganzen Vormonat. war auch in der DerichtSzeit das Vermittlungsgeschäft ziemlich schleppend. Erst das letzte Monatsdrittel brachte mit dem Einsetzen deS Fruhlingswetters und infolgedessen mit dem Beginn der Bestellungsarbeiten eine gewisse Belebung auf dem allgemeinen landwirtschaftlichen Arbeitsmorkt. Zur Sicherung des Bedarfs von weiblichem Dienstpersonal aus den Reihen der heimischen Arbeitsuchenden wurden, wie alljährlich, auch diesmal umfassende Vorbereitungen getroffen. Wenn auch festzustellen ist, daß im Gegensatz zu früheren Jahren heute unsere weiblichen Arbeitsuchenden xur Ausnahme landwirtschaftlicher Arbeit wieder eher geneigt sind, so mußten trotzdem etwa 30 Unterstützungsempfängerinnen wegen unberechtigter Arbeitsverweigerung die Unterstützungen gesperrt werden. Ebenso erging es mehreren Spezialkräften der Forstwirtschaft (Schwellenhauern», die darauf verzichteten, eine ihnen im westfälischen Forstrevier anacbotcne Arbeit anzutreten. Ein Vorhaben, weiblichen Unterstützungsempfängern durch Teilnahme an einem Kursus das Melken zu erlernen, wurde ausge- geben, da sich herausstellte, daß dafür ein wirkliches Bedürfnis nicht besteht. Die HaupttätiFeit der landwirtschaftlichen Vermittlung ruhte auf her Verpflichtung von Saisonn-cheiterinnen, die sich mit Rücksicht auf den erheblich ei geschränkten Rübenbau, nicht zuletzt auch aus Ersparnisgründen, überwiegend aus Mädchen der LandeS- arbeltsamtsbc^irke Hessen und Bayern konzentrierte. Obwohl unter dem Gesichtswinkel des vollständigen Ausländerausfalles die Zahl der Anforderungen hinter den Erwartungen wesentlich zurückstand, wurden vom Arbeitsamt Gießen über 100 Feldmädchen mehr verlangt, als im vergangenen Jahre. Während diese damals fast ausschließlich aus der hohen Rhön kamen, war in diesem Jahre auch aus dem sogenannten Biedenkopfer Gebiet im Gegensatz zu früher wieder ein erhebliches Angebot zu verzeichnen. Rach dem vorläufigen Abschluß stellten die Arbeitsämter Fulda etwa 130, Schweinsurth ungefähr 90, Dillenburg knapp 60 und Gießen selbst 20, zusammen etwa 300 Feldmädchen für die Landwirtmangel. Rur ein Betrieb hat nach Auftrags- eingang etwa 20 Ziegeleiarbeiter wieder beschäftigen können. Dem Arbeitsmarkt standen 18c2 Steinarbeiter zur Verfügung, gegenüber 1446 1931 und 1150 1930. Metallindustrie. Die Lage des Metallmarktes hat keine wesentliche Derandcrung zu verzeichnen. Ein Industriebetrieb, der seit Jahren gut beschäftigt war, sah sich nunmehr ginötigt, weaen Absatzmangels eine größere Anzahl von Fachkräften zu entlassen. Eine weitere Firma hat Reichsbahnaufträge erhalten und konnte hier- durch Einstellungen von Arbeitskräften vornehmen. Die Arbeiten sind jedoch kurzfristiger Natur. Für den kommenden Monat hat ein Betrieb Einstellung von Arbeitskräften in Aussicht genommen, da ein größerer Auftrag zu erwarten sei. Für die Hand- wcrksbetriebe bestehen hauptsächlich in den Kur- orten Arbeitsmöglichkeiten für Rcparaturarbeitcn, die aber nur von kleinem Umfang sind. Den Ar- beitsmarkt belasteten 2690 Metallarbeiter, gegenüber 2546 1931 und 942 1930. Papierindustrie. Die Arbeitsmarktlage der oberhessiichen Papierindustrien ist zur Zeit als gut zu bezeichnen. Die in unserem Bezirk ansässigen Betriebe sind voll beschäftigt. Verfügbar waren 30 Arbeitsuchende, gegenüber 26 1931 und 15 1930. Holz- und Schnihsloffgewerbe. Die Lage des Arbeitsmarktes ist als uneinheitlich Zu bezeichnen. Während ein größerer Betrieb nach Auftragseingang Sägewerksarbeiter zurückgerufen hat, haben andere Betriebe Arbeitskräfte wegen Arbeitsmangels entlassen. Wir zählten 921 Holz- arbeitet, gegenüber 948 1931 und 527 1930. Nahrung»- und Gcnußmitlelgewerbe. Die Bcschäftigunysmöglichkeit ist weiterhin gesunken. Die oberhessische Tabakindustrie klagt über schlechten Geschäftsgang. Neben Absatzmangel, der zur Stillegung von Haupt- und Teilbetrieben führt, fpielt heute die starke Drosselung der Devisenzuteilung eine große Rolle. Wenn hierin keine Erleichterung eintritt, muß mit einer völligen Schlie- ßung sämtlicher oberhessischen Betriebe gerechnet werden. Eine oberhessische Brauerei arbeitet in einem Teilbetrieb wegen schlechten Geschäftsganges verkürzt. Eine Teigwarenfabrik kann wegen Auf- tragsmangels nach wie vor nur mit einem Teil ihrer Belegschaft arbeiten. Verfügbar waren 812 Personen, gegenüber 1136 1931 und 130 1930. Bekleidungsgewerbe. Die Arbeitsmarktlage ist uneinheitlich. Während einerseits oberhessische Kleiderfabriken durch größere Spezialaufträge gut beschäftigt sind, sind die oberhessischen Schuhfabriken wegen Absatzstockung ge- zwungen, mit verkleinerter Belegschaft verkürzt zu arbeiten. Dem Arbeitsmarkt standen 391 Personen zur Verfügung, gegenüber 339 1931 und 233 1930. Baugewerbe. Auf dem Baumarkt ist eine wesentliche Veränderung nicht eingetreten. Das Baugewerbe als Schlüsselindustrie hat für Oberhessen bis zur Stunde kaum Neuaufträge aufzuweisen. Nur ein größeres Werk beabsichtigt, einige Neubauten zu erstellen. Die Lieferfirma liegt außerhalb unseres Bezirks, so daß mit einer Entlastung des oberhesfischen Baumarktes kaum zu rechnen ist. Lediglich in den Kurorten wer- den Maurer und Weißbinder mit Ausbesserungs- arbeiten beschäftigt. 3237 Bauarbeiter standen gegenüber 3255 1931 und 2461 1930 zur Verfügung. verkehrsgcwerbe. Die Beschäftigungskurve ist weiter im Abgleiten begriffen. Sowohl die Reichsbahn als auch die Reichspost halten mit Anforderungen von Zeit- träften zurück. Wann und inwieweit von feiten dieser Behörden Arbeitskräfte wieder eingestellt werden, steht zur Zeit noch nicht fest Es meldeten sich am Schlüsse der Berichtszeit 727 Arbeitsuchende, gegenüber 479 1931 und 328 1930. Lohnarbeit wechselnder Art. Für die Angehörigen dieser Berufsgruppen bestehen zur Zeit wenig Aussichten auf Ardeitsmög- lichkeit. Lediglich bei einigen Feldbereinigungsarbeiten und Ausbesserungsarbeiten im Baugewerbe konnten vereinzelt Arbeitskräfte untergebracht wer- den. Den Arbeitsmarkt belasten 3131 Arbeitsuchende, gegenüber 2637 1931 und 2569 1930. Angeslelltenvermitllung. Auf dem Angestelltenmarkt ist im Berichtszeitraum keine wesentliche Aenderuna zu verzeichnen, doch ist mit Anfang des Monats Aprils mit einem größeren Zugang von Angehörigen dieser Berufs- gruppe zu rechnen. Dies ist hauptsächlich auf die Schrumpfung des Arbcitsmarktes zurückzujühren. Als ftellensuchend meldeten sich 1120 Personen, gegenüber 816 1931 und 387 1930. Oberbeffen. Siadtvorstandssihung in Alsfeld. Alsse 1 d, 13. April. In der letzten Stadt vorstandssihung befaßte man sich mit der Ausführung von Arbeiten imWcgc des freiwilligen Arbeitsdienstes. Der Stadtbaumeistcr legte hierzu zwei Projekte vor, die eine Arbeitsleistung von rund 3320 Tagewerke vorsehen. Es handelt sich um die Beseitigung des Abraums aus dem städtischen Steinbruch Wönchenberg, sowie um die Herstellung der verlängerten Jahnstraße zwecks Verbesserung der Derkehrsmöglichkeiten für die mit dem Prämien» markt verbundenen reitcrspvrtuchen Veranstaltungen. Es liegen 60 Meldungen für den freiwilligen Arbeitsdienst vor. Die beiden Projekte wurden genehmigt. Die Zustimmung des Arbeitsamtes soll beschleunigt herbeigeführt werden. C,inc längere Aussprache entspann sich über die Aufhebung von Kraftpostlinien. Die von Alsfeld ausgehenden sechs Linien erforderten im Rj. 1930 einen städtischen Zuschuß von 3000 Mark. Zwecks Minderung des städtischen Zuschusses wurde vom Finanzausschuß die Aufhebung der Kraftpostlinien A's'eld—Treysa und Alsfeld— Reustadt (Main—Weser-Dahn) beantragt. Wie der Vorsitzende mitteilte, sind vorsorglich alle sechs Linien von der Stadtverwaltung auf den 1. Juli 1932 gekündigt worden. Die Beschlußfassung über die beantragte Aufhebung der beiden genannten Linien wurde vorläufig ausgesetzt, zwecks Verhandlungen mit den an der Strecke beteiligten Gemeinden wegen Erhitzung ihrer Zuschüsse. Auch mit dem Kreisamt sollen diesbezügliche Verhandlungen geführt werden. Für den Ruderbetrieb auf dem Er- lenteich wurde die Anschaffung eines Bootes aus verzinktem Eisenblech von der Firma Ernst Mar;: in Friedrichroda beschlossen. Schulärztliche Untersuchungen im Kreise Schotten. -i- Schotten, 13. April. Im abgelaufenen Schuljahre wurden zum erstenmal in allen Volksschulen unseres Kreises schulärztliche 11 n - tersuchungen vorgenommen, die sich auf das erste, vierte und achte Schuljahr erstreckten. Aus dem amtlichen Bericht ist zu entnehmen, daß der Gesundheitszustand der Kinder im allgemeinen befriedigend, die Reinlichkeit gut war. Etwa 6 Prozent der Schüler weisen einen schlechten Ernährungszustand auf. Don 1443 untersuchten Kindern wurden 650 — 47 Prozent mit Halsdrüsenschwellung, 944 65,4 Prozent mit Zatznerkrankungen, 582 - 40,3 Prozent mit Kropf anlage und 250 - 17,3 Prozent mit Haltungsfehlern festgestellt. Der K r o p f nimmt im Laufe der Schulzeit an Verbreitung zu und konnte in den hochgelegenen Ortschaften f a st an jedem zweiten Schüler beobachtet werden. Zur Verhütung der Kropsbildung wurde nach dem Vorschlag von Dr. Sauer (Gießen) in den Schulsälen I o d in Substanz aufgestellt. In allen Fällen, in denen ärztliche oder zahnärztliche Behandlung nötig erschien, wurden die Eltern der Kinder benachrichtigt. Die Fürsorgerinnen des Kreises wurden mit der Kontrolle betraut. Kinder mit Haltungsfehlern sollen in der Turnstunde besonders berücksichtigt werden. üaiwtrcie Gtetzen. # Wicseck, 13. April. Der hiesige Obstund Gartenbauverein hielt dieser Tage feine Generalversammlung ab, zu der sich viele fSlitgliebcT und Gäste eingefunden hatten. Rach her Begrüßung erstattete der Vorsitzende, Lehrer Deppler, den Jahresbericht, dem u. a. folgendes zu entnehmen war: Auf der Gießener Obst- Aufteilung im Oktober v. I. wurden fünf Vereinsmitglieder mit elf Preisen bedacht. In Gemeinschaft mit der Gemeinde und den Jagdpächtern wurde ein 2500 Quadratmeter großes Dogeischuhgehölz angelegt, um der Ristnot der Freibrüter zu begegnen. Lurch Anschaffung einer Rückenspritze wurde den Gartenbesitzern Gelegenheit gegeben, die planmäßige Schädlingsbekämpfung beim Gartenobst durchzuführen. Die Rechnungsablage durch den Rechner, Kaufmann Loh, ergab einen lleberschuß, so daß sich das Verwögen auf 320 Mk. erhöhen konnte. Dem Rechner wurde für seine einwandfreie Kassenführung der Dank des Vereins abgestattet und ihm Entlastung erteilt. Bei der Dorstandswahl wurde für den zurückgetretenen Schriftführer F. Seibert Kauf- mann Pau sch gewählt. Um die Baumpflege Gesund u^lüddidi UHtzs.gNlMg Scbfinbergers PUanzen Robsaile' ftrciö Schotten. Y Gedern, 13. April. Zur diesjährigen Gesellenprüfung meldeten sich insgesamt 34 Lehrlinge aus 11 verschiedenen Ortschaften. Auf Grund ihrer Leistungen konnten vier Prüflinge das Prädikat »sehr gut bestanden", zwölf .gut bestanden" und dreizehn .Bestanden" erhalten. Fünf Lehrlingen wurde gestattet, die Prüfung nach vier Wochen zu wiederholen. ♦ Eichelsdorf, 13. April. Das Fest ber g eibenen Hochzeit konnte das Ehepaar Heinrich Bechtold und Frau Marie, geborene Mehrling, feiern. Das Landeskirchenamt. das Dekanat Ridda und der Gesangverein „Eintracht", dem der Jubilar 60 Jahre als aktiver Sänger angehörte, befanden sich unter den zahlreichen Glück- wünschenden. Preußen. Kreis Wetzlar. • Launsbach, 13. April. In der Rächt zum Montag gegen 1.30 Ahr rissen zwei Rohlinge das Amtsschild des Gemeindevorstehers herunter, das stark beschädigt wurde. Die Täter benutzten zu ihrem üblen Streich eine 5 Meter lange Leiter, die dem Rachbar des Gemeindevorstehers entwendet worden war. Es handelt sich bei der Tat offensichtlich um einen Racheakt, und es wäre erforderlich, den beiden Tätern, die erkannt und zur Anzeige gebracht wurden, die gebührende Strafe aufzuerlegen. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage) Samstag, 16. April: Vorabend 7 Uhr, morgens 9 Uhr, abends 7.30 unb 8.10 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 16. April. Freitag abend 6.55 Uhr; Samstag vormittag 8.30: Predigt; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 8.10. — Wochengottesdienst morgens 6.45; abends 6.30 Uhr. (Schluß des redaktionellen Teils.) verzögerte Frühjahrsbestellung. Bisher war die Witterung für die Entwicklung der Saaten keineswegs günstig. In weiten Gebieten wird darüber ge- klagt, daß der lang andauernde Frost zusammen mit einem Mangel an Feuchtigkeit die Saaten sehr ge- schwächt hat. Schwache Jugendentwicklung der Saat birgt aber die Gefahr einer geringeren Ernte in sich. Das wirksamste, wenn nicht einzige Mittel hiergegen besteht in einer sofortigen ausreichenden Stickstoss- düngung. Für die Kopfdüngung der zurückgebliebenen Saaten eignet sich der Kalksalpeter vorzüglich. 2929V Ingenieur- ggS 4 Schule Elg. Lehrwerkstätten Maschinenbau, --- . Elektrotechnik, Ufa I m 3 > Automobilbau Wf C I III O I VON DE.R MAKUAKIIMt-VtKKAUF5-UNION, ABTEILUNG KOCHBUCH, BERLIN C 2, BURGSTR. 24 WNlWklMMkM Vornan von J. Gchneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau. 27. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Lautlos klappte die schwere Haustür ins Schloß. 3tx der nächsten Seitenstraße war Margrets Wohnung. Margret wartete, bis Suse im Bett tag, beugte sich noch einmal über sie, löschte das Licht und strich ihr das blonde Haar zurück. „Nun schlaf aber auch, mein Kleines! Morgen früh, sobald es geht, komme ich nach dir zu sehen. — Muß ich mich sorgen, daß du etwas Unvernünftiges tust, während ich weg bin?" Suse verneinte. Einige Minuten später kam Margret noch einmal die Treppe herauf, öffnete leise die Türe und schlich nach dem Lager an der Wand. Befriedigt nickte sie und schloß wieder hinter sich ab. Tie Schwester war bereits eingeschlafen. Mit eiligem Schritt ging sie wieder zu ihrer Pflicht zu Doktor Wander zurück. Als sie bei ihm eintrat, lag ein frauenhaft glückliches Lächeln auf ihrem Antlitz. Wanders Stellvertreter, der frühmorgens gekommen war, um Margret abzulösen, neigte sich über den Kollegen und beglückwünschte ihn, daß alles so glimpflich abgegangen war. Graf Kletten ließe stündlich anfragen, ob sein Befinden zu Befürchtungen Anlaß gäbe, berichtete er. „Sie haben ein fabelhaftes Glück gehabt, HerrKollege." Mit diesen Worten nahm er ihm den Verband ab, um ihn geübt wieder zu erneuern. „War heute nacht nicht Fräulein von Recklin- hausen bei mir?" Wander versuchte seinerStimme einen gleichmütigen Ton zu geben, was zur Not gelang. . „Ganz richtig!" pflichtete der andere bei. „Wir hgtten zwei Blinddarmoperationen auszuführcn. Es war sonst niemand frei. Ich bitte Sie, mir es nicht als Gleichgültigkeit auszulegen, daß ich nicht selbst die Nachtwache bei Ihnen übernommen habe." „Durchaus nicht!" beeilte sich Wander zu sagen und lächelte belustigt, als er sich vorstellte, welch entsetztes Gesicht sic wahrscheinlich gemacht hatte, als sie vernahm, daß sie dazu verurteilt war, mit ihm allein die Nacht in seiner Wohnung zu verbringen. Jedenfalls hatte sie der Umstand, daß er so hilflos dalag, getröstet! Er glaubte sich sogar erinnern zu können, daß er sie hatte bitten müssen, ihm einen Trunk Wasser zu bringen, weil er sonst verdurstet wäre. — Nun, man konnte sich ja den Anschein geben, als ob man von dem allen nichts mehr wüßte, oder auch nur kurzweg sagen: „Ich habe von meinem Stellvertreter gehört, daß Sie sich um mich bemühten. Meinen ergebensten Dank, Fräulein Kollegin. Es war nett von Ihnen, daß Sie sich so weit zu überwinden vermochten, dem verhaßten Menschen Samariterdienste zu tun." Gegen Mittag kam Swensen und vermochte zuerst vor Erregung kein Wort zu sagen. „Du — muht verzeihen, Hans! Ich befand mich in einem Irrtum", brachte er endlich hervor und umklammerte dessen Hand. „Um so besser!" erwiderte Wander. „Wenn ich dich nicht in den Pavillon gelotst hätte,' wäre es nicht passiert!" klagte sich Swensen an. „Dafür vielleicht etwas um so Schlimmeres!" tröstete Wander. „Seh dich ein wenig zu mir, mein Lieber!--Wie geht es deiner Frau?" „Lenore ist bei ihr!" sagte er kleinlaut. „Das heiße ich Charitas üben! — So müßte sich eigentlich die wahre Liebe zeigen, nicht? Das Wesen, dem Böses zugefügt wurde, opfert sich nun für die andere, der sic es eigentlich zu verdanken hat, daß sie so schweres Leid erfahren muhte. Du bist trotz alledem beneidenswert, Fred. Dich lieben zwei Frauen! Mich nicht einmal eine einzige." Der Künstler bemerkte, daß der Freund noch zu sehr geschwächt war, um eine längere Unterhaltung führen zu können und verabschiedete sich von ihm. Fünf Tage später stand Doktor Wander bereits wieder an seinem Posten und hatte die Leitung der Klinik wieder in seine Hände genommen. Margret hatte nur ein Achselzucken gehabt, als er ihr seinen Dank für die genossene Pflege aussprach: „Das war selbstverständlich", sagte sie gleichmütig, und Wander ärgerte sich gründlich, daß sie dabei so kühl an ihm vorüber sah. „Nun erst recht!" dachte er trotzig. Er hatte sich's nun einmal in den Kopf gesetzt, daß sie sein Weib wurde. Seine Nerven waren noch so erregt, daß er sich Gewalt antun muhte, sich zu beherrschen. Als er Margret in einem der Gänge traf, während drinnen im Saal ein Kind einen Herzkrampf erlitten hatte, schrie er sie an: „Was haben Sie denn gemacht? — Wahrscheinlich etwas verordnet, was ungünstig auf den Kleinen wirkte. — Sie müssen sich besser vorsehen. — Das grenzt schon an Gewissenlosigkeit." f Es war das erstemal. daß er ein Erschrecken in ihren Augen gewahrte. „Gewissenlosigkeit?" sagte sie ungläubig nach. „Jawohl!" versteifte er sich und fühlte, wie er die Herrschaft über sich selbst verlor. „Warum sind Sie denn Aerztin geworden, wenn Sie nur ein Gehirn haben und kein Herz? Mit dem Der- stand allein ist der Menschheit nicht gedient. Damit können Sie meinetwegen Ihre Kälber zu Haufe füttern, aber keinen Kranken gesund machen." Unsanft flog die Türe des Aerztezimmers hinter ihn, zu. Ah, das hatte wohlgetan! Mochte sie jetzt draußen stehen und sich die Rüge durch den Kopf gehen lassen. Ihm hatte es eine ungeheure Erleichterung gebracht. Dis zum l.Iuni war sie vertraglich an die Klinik gebunden. Warte nur, meine Taube! Dich lehre ich noch, dich unterzuordnen und mich zu lieben! Er muhte lachen! Ob es gerade so, wie er es machte, die rechte Art war, Liebe bei einer Frau zu erzwingen? — Nun ja, man würde ja sehen! Auskneifen konnte sie nicht. Der Vertrag war eine Kette, die sie vorläufig an das Zusammensein mit ihm band. Als er nach einer Weile in den Saal trat, stand sie am Bett des Knaben, der den Herzkrampf gehabt hatte und sprach tröstend auf ihn ein. „Es geht wieder gut?! — Ja, mein Junge?" sagte er freundlich, indem er sie etwas zur Seite schob. ..Du muht nun alles ganz brav tun, was das Fräulein Doktor von dir will. Sie hat die kleinen Kinder sehr lieb. Aber nur solche, die ganz nett und gehorsam sind. — Morgen bringe ich dir eine Tafel Schokolade, wenn ich höre, daß du schön folgsam gewesen bist." Margret sah ihm mit aufeinandergeprehten Lippen nach, wie er von Bett zu Bett ging und für jedes der Kleinen ein gütiges Wort hatte. Cs wäre Suse zu göpnen gewesen, dah sie ihn auch einmal von der Seite kennen gelernt hätte, wie er sich vorhin drauhen im Korridor gezeigt hatte. Ohne Zweifel hätte die Schwester Furcht vor ihm ergriffen und sie wäre davongelaufen. Aber bei ihr bewirkte er damit nur das Gegenteil. Nun blieb sie gerade! — Jawohl! Er sollte sehen, daß sie sich nicht vor ihm fürchtete. Die Rüge, welche er ihr erteilt hatte, mochte vielleicht nicht ohne Grund gewesen sein. Die Tropien waren möglicherweise für den Organismus des Knaben etwas zu stark. Aber das Blut stieg ihr doch neuerdings ins Gesicht, als sie seine Worte in sich nachklingcn hörte: „Warum sind Sie denn Aerztin geworden, wenn Sie nur ein Gehirn haben und kein Herz?--Damit können Sie Ihre Kälber zu Hause füttern, aber keinen Kranken gesund machen." Dah er so grob werden könnte, hätte sie nicht für möglich gehalten, Und dabei war sie eine ganze volle Nacht mit ihm in seiner Wohnung gewesen, hatte ihn in seinem Fieberdurst getränkt und ihm das Haupt gehalten, als er es selbst nicht zu heben vermochte. — „Eine eigenartige Weise, seine Dankbarkeit zu bezeigen!" dachte sie verbittert. „Das nächste Mal lasse ich ihn dürsten!" erwog sie, und das Lächeln, das dabei ungewollt in ihre Augen trat, löschte das Häßliche seiner Worte beinahe aus. Die ging, um ihren Mantel aus dem AeiHte- zimmer zu holen und fand dort Wander erschöpft in einem Stuhl liegen. Fünf Tage waren doch immerhin etwas zu wenig zur Genesung nach dem gehabten Wundfieber. „Sie hätten sich noch eine Woche länger schonen sollen", meinte sie gleichmütig, schlüpfte in ihren Mantel und drückte den kleinen Hut auf das kurzgeschnittene Haar. „Soll ich Doktor Selb benachrichtigen, dah er Sie heute nachmittag vertritt!" „Nein!" kam es barsch zurück. „So hat es aber doch auch keinen Zweck", mahnte sie. «Das fühlen Sie doch selbst!" „Was fühle ich selbst?" fragte er mihiranisch. „Dah es so keinen Sinn hat!" meinte sie etwas verlegen, denn sein Blick war spöttisch auf sie gerichtet. „Kurieren Sie sich erst richtig