Kr.2U ^eüKaussabe Donnerstag, 15. Gttober 1952 182. Zahrgang SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Dnid und Verlag: vrühl'fche Univerfiläls-Buch- und Steindruckeret R. Lange in Stehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 V, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in Bietzen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild ■ Die Scholle Monatr-vezugsprels: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlilsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Außenpolitischer Kurswechsel im Kreml? Die Komintern wird abgehalftert. — Eine Geste für Amerika. Von unserem ^.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Moskau, Oktober 1932. Unter den zahlreichen neuen Verordnungen der Sowjetmacht über Aenderungen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet nimmt die von den „ausländischen und internationalen Gesellschaften und Verbänden" in der Sowjetunion eine Bedeutung an, die bezeichnend ist für die außenpolitische Umorientierung des Kreml. Namentlich genannt werden in dieser Verordnung die Internationale Arbciterhilfe und die Internationale Gefangenenhilfe. Nicht genannt werden die K o m - munistische Internationale (Komintern) und die G e w e r k s ch a f t s - I n t e r n a t i o n a l e. Und dennoch fallen auch sie unter diese Bestimmungen.- Danach dürfen fortan, — und zwar rückwirkend — in der Sowjetunion „ausländische und internationale Gesellschaften und Verbände" nicht anders bestehen, als bei Unterstellung unter die Ver- oinsgesetze der Sowjetunion. Im einzelnen: die Arbeiter- und Gefangenenhilfe darf nur als Sektionen oder Abteilungen ihrer Kongresse bestehen, die Komintern und Profintern dürfen in einer der Sowjetrepubliken (!!) nur mit Erlaubnis eben der Republik bestehen, die ihre Satzungen bestätigt (!!). Damit sind d i e bisherigen exterritorialen Vorrechte aller international-bolschewistischen Propagandazentralen in der Sowjetunion aufgehoben. Sie können von Staats wegen jederzeit verboten werden, was zwar praktisch bisher auch möglich war, aber nicht geschehen ist, künftig aber formal möglich sein und unter Umständen auch geschehen wird. Unter Umständen! Welches aber sind die? Natürlich wird der Kreml die Komintern und Profintern ebenso wenig aufgeben wie die Arbeiter- und Gefangenenhilfe. Aber da er sie auch nicht außer Landes weisen kann, weil sie nirgendwo Aufnahme fänden, und die außenpolitischen Rücksichten gebieterisch ihre offi - ^zielte Loslösung vom Kreml verlangen, werden künftig diese Propagandaanstalten wahrscheinlich aus Moskau in eine der Provinzen verlegt. Wenigstens hielt man die Entfernung der Komintern nach Russisch-Mittelasien schon immer für einen „diplomatischen Ausweg". Wie dem aber auch sein möge, Tatsache ist, daß die Sowjetdiplomatie sich für ihre weitere Außenpolitik international von der Propaganda des reinen Bolchewismus formal losgelöst hat. . Man spricht dabei kein Geheimnis aus, daß diese Maßnahme eineRücksicht vor allem auf Amerika ist. Es ist just schon für die Tlntcrstellung der Zentrale für den internationalen Arbeiterfilm unter das neue Gesetz bezeichnend, daß eine Aegerfilm-Aufnahme soeben „für ein 3 a t) r hinausgeschoben" worden ist. Denn mit diesem Film wollte man zuerst den Rassenkampf zwischen Weißen Amerikanern und Regern zur Schande der Weißen propagandistisch ausschlachten. Da aber die Sowjetdiplomatie ernstlich mit der Anerkennung Rußlands durch Washington rechnet, wird die „Hinausschiebung" des Films um ein 3ahr damit begründet, daß doch lieber nur der allgemeine Klassenkampf, nicht auch die Regerunterdrückung durch Amerika in das Szenarium gebracht werden solle. Man sieht, es geht auch so ganz gut, wenn der Kreml muß! And man weih, daß dieser . Waffenstillstand in der Propaganda gegen Amerika schon vor einigen Monaten zwischen Russen und Amerikanern eingeleitet worden ist, und zwar durch Herrn Karl Radek persönlich. Damals spielte sich Rußland auch gleich auf bie Hoover-Doktrin über die Abrüstung ein, und zwar nicht ohne Liebereinstimmungen mit grundsätzlichen Erwägungen bezüglich der gesamten 3nnen- und Außenpolitik des Kreml. Was eigentlich im Gange ist, wird wahrschem- lich schon in nicht ferner Zukunft klarer zu sehen sein. Vorerst genügt die Aufzeichnung einiger bemerkenswerter Wandlungen gerade hinsichtlich der internationalen Propaganda. Zunächst ist da die Umstellung oder besser das Einspielen auf eine „allgemein-sozialistische (!) Antikriegsfront" zu vermerken. Sie ist das versöhnende Antlitz des Kreml in der Richtung sowohl des nichtkorm munistischen Proletariates im Ausland als auch auf die amerikanische Friedenspolitik. Ihren Rückhalt aber hat diese Taktik in der bekannten „marxistischen" Einheitsfront, wie sie vom Kreml neuerdings besonders für Deutschland angestrebt wurde, jetzt aber umgetauft wird in „allgemeinsozialistische", wie gelegentlich der Antikriegsdemonstration in Amsterdam und des Kommunistischen Iugendtages fast überall in der Welt die Sowjetpresse umschwenkte. Weiter muß vermerkt werden, daß Rußland auf innenpolitischem Gebiet eher eine ernste innere Wandlung zu beginnen scheint, als nur eine taktische Aenderung. Hand in Hand nämlich mit der Auflockerung der ' lanwirtschaftlichen Zentral- Liktatur zu Ruh unu Frommen des Privathandels und Gewerbes wie überhaupt der persönlichen und Einzelinitiative auch im Kollektiv und in der vergesellschafteten Industrie geht seit Monaten die Umgrabung des Bodens der Schule, Schriftstellerei, Dichtung, Musik und Kunst. Alles scheint nun durch die formalrechtliche Ab- halfterung der Komintern und ihrer Schwestern- verbände, durch ihre Unterstellung unter das Landesrecht der Sowjetunion insofern anders werden zu sollen, als nicht mehr der Internationalismus Stalins führt, sondern eine Richtung, die von Rußlands Interessen her, nicht Lias Echo oer Kanzierreve. Der Eindruck in München. München, 12. Okt. (CNB.) Wohl selten hat ein Reichskanzler in München eine s o außerordentlich starke Zustimmung bei einer Rede gefunden, wie sie Reichskanzler v. Papen bei seinen programmatischen Darlegungen vor den bayerischen Wirtschaftsständen zu verzeichnen hatte. Besondere Zustimmung fanden während der Rede die Hinweise des Kanzlers auf die Verbundenheit des Reichs und seiner Länder und auf die Heiligkeit und Unantastbarkeit der deutschen Einheit. Zu minutenlangen stürmischen Kundgebungen, in denen die Versammelten mit Händeklatschen und Zurufen ihre Zustimmung zum Ausdruck brachten, tarn es, als der Kanzler die Frage aufwarf, ob es nicht ein Verbrechen sei, dieAufbauarbeitder Reichsregierung aus armseligen Parteirücksichten heraus zu sabotieren, ebenso bei seiner Ankündigung, daß die Reichsregierung entschlossen sei, mit drakonischer Schärfe gegen solche Störungsversuche einzuschreiten. Stürmisches Händeklatschen und immer wieder erneuerte Kundgebungen der Zustimmung unterstrichen dann namentlich auch die Sätze des Reichskanzlers über das Wirken des Reichspräsidenten. Berliner Preffestimmen. Berlin, 12. Okt. (TU., Ein Teil der Berliner Blätter nimmt bereits zur Rede des Reichskanzlers in München Stellung, wobei die Ausführungen Papens übet die Verfassung und Reichsreformpläne der Regierung im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen. Die „De u t s ch e Tageszeitung" sagt, die Rede zeige die von der Blässe der Bedenklichkeiten nicht angekränkelte Frische Des Tones, die dem Kabinett das beinahe entgegengesetzte Vorzeichen wie bei der Brüning- Regierung verleihe. Die außenpolitischen Formulierungen seien in der Richtung des prinzipiellen Anspruches auf Gleichberechtigung und Sicherheit klar und nachdrücklich. Herr v. Papen habe mit diese, Rede seine bereits mehrfach bewährte Fä- higkeit, den Hörer wie den Leser zu packen und zu fesseln, erneut bewiesen. Es fei möglich, daß bi e Vertrauensbereit schaft im Volke von dieser Rede her wieder neuen Antrieb erhält. Sicher sei aber auch, daß diese Dertrau- ensbereitschaft sich erst zum Vertrauen wandelt, wenn aus guten schönen Worten und aus der nun hinreichend versicherten Tatbereitschaft kurzfristig endlich die Tat werde. — Der „Ta g" nennt die Rede des Reichskanzlers eine wirkungsvoll vorgetragene Z w i s ch e nb i l a n z der Reichsregierung über ihre bisherigen Leistungen und Kämpfe, verbunden mit einer Vorschau über die Pläne und Projekte der kommenden Regierungstätigkeit. Der neue Reichstag werde in den Re- formprojekten den Prüfstein für seine Existenzberechtigung finden. — Die „Tägliche Rundschau" nennt den ersten Teil der Rede einen Rechtfertigungsversuch. Der zweite Teil, die Reichsreform und Derfassungspläne bdeuteteten einen Rückschritt auf der ganzen Linie. Sollte dieser Weg doch beschritten werden, so müsse es sich zeigen, ob nicht die Einigkeit des Volkes letzten Endes doch stärker ist als die Männer, die es heute vorwärts zu führen glauben und es weit zurückführen. Rach der „Germania" hat die Reichsregierung mit der Münchener Rede des Reichskanzlers jetzt denWahlkampferöffnet. Wenn der Entwurf zur Verfassungsreform dem neuen Reichstag vorgelegt werde, werde man erkennen, ob er mehr ein Mittel zur Reuauflösung des Reichstages fein wird, oder ob er im Rahmen einer verständigungswillig herbeigeführten politischen Bereinigung einen aussichtsreichen Arbeitsstoff für ihn darstellen soll. Der „Vorwärts" bezeichnet die Ausführungen des Reichskanzlers als das Programm der Gegenrevolution, demgegenüber das Blatt die Republikaner zur Verteidigung der Republik aufruft. Die ver- fassungstreuen Elemente des deutschen Volkes, die Hindenburg als Hüter der Verfassung in sein Amt eingesetzt haben, forderten als Antwort auf die Drohungen des Reichskanzlers eine bestimmte E r» tlärung des Reichspräsidenten, daß er eine Verfassungsänderung auf anderem als dem verfassungsmäßigen Wege niemals zulassen wird. Sollte eine solche Erklärung ausbleiben, so wäre mit der Münchener Rede der M a ch t k a m p f um die Republik und Demokratie eröffnet. Das „Berliner Tageblatt" nennt die Rede des Kanzlers nur ein Glied in der Kette der Versuche, um die Schwierigkeiten mit der Volksvertretung herum den Weg zu weitreichenden Aenderungen der Machtverhältnisse in Deutschland zu finden. — Der „Börsen-Cou- rier" führt aus: Die Zuversicht, die Herr v. Popen hat oder bekundet, ermöglicht ihm, die über jedes gewohnte Maß hinaus quellende Problematik aller deutschen Dinge, die Antworten, die er auf Schicksalsfragen aller Gebiete bereithält, in beinahe leichtem Tone vorzutragen. Zügen- und Staat. Ein Appell des Reichskanzlers München, 12. Okt. (WTB.) In dem geschlossenen Kreise des Akademisch-Politischen Klubs hielt Reichskanzler v. Papen am Mittwochnachmittag eine etwa dreiviertelstündige Ansprache über die ideellen Hintergründe seiner Politik. Als sein Ziel bezeichnete er die Herstellung einer neuen dauerhaften Verbindung zwischen Regierung und Voiks- willen und die Begründung einer neuen Volksgemeinschaft. Er hob besonders die Rolle der Jugend bei dieser Neugestaltung unseres Staatslebens hervor. Die große und zukunstsvolle Arbeit, die sie bisher in ihren Bünden und Vereinen größtenteils im Gegensatz zum Staat geleistet hat, will die Reichsregierung jetzt in den Schutz des Staates nehmen. Ein Staat, der etwas eigenes sei und nicht nur das Experiment der Parteien, könne den Anspruch erheben, daß auch die Jugend ihre Zielsetzungen nach ihm einrichte, ohne daß er ihr Eigenleben vergewaltige. Bildung müsse erwachsen auf der Grundlage erfüllter Pflichten. Die gemeinsamen sachlichen Aufgaben ergäben sich aber nur aus dem Leben des Staates, nicht einer Partei. Freiheit will verdient sein. Die Aufgabe der deutschen Bildung sei weder in volksfremder Geistigkeit ober anarchischem Individualismus, noch im Untertauchen in den kollektiven Massenbewegungen zu erfüllen. Die deutsche Kultur müsse ihre völkische und christliche Grundlage wiederfinden. Auf diesem festen Boden aber solle sie bie vollen Kräfte der schöpferischen Persönlichkeit entfalten, sie in Staat und Wirtschaft zur Geltung bringen und sich ihrer alten Pflichten zur Führung erinnern. Auch in Zukunft werde das freie Individuum seine Bedeutung erhalten. Der Kanzler schloß Mit dem Treitschkewort: Männer machen bie Geschichte. Seinen Darlegungen folgte lebhafte Zustimmung des großen Hörerkreises nachbem er schon beim Betreten des Saales mit Händeklatschen begrüßt worden war. Abschied von München. München, 12. Oktober. (TU.) Den Abschluß des Münchner Aufenthalts des Reichskanzlers, der am Nachmittag noch seinem alten Oberbefehlshaber un Weltkrieg, dem Kronprinzen Rupprecht, einen Besuch abgestattet hatte, bildete ein zu Ehren des Gastes vorn Bayer. Jndustriellenverband veranstalteter Bierabend, zg dem wieder zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens erschienen waren. Der Präsident, Geheimrat Böhringer, bezeichnete die Tagung des Verbandes, in deren Mittelpunkt die Rede des Kanzlers stand als einen Markstein in der Geschichte der deutschen Wirtschaft, die durch die Ausführungen des Reichskanzlers neuen Mut b e - kommen habe. Die Wirtschaft wolle zu ihrem Teil im Sinne der Ausführungen des Reichskanzlers m i t h e l f e n , das Vaterland wieder zur Gesundung zu führen. Reichskanzler von Papen dankte dem Ministerpräsidenten für die Gastfreundschaft, bie ihm in München gewährt worden sei. Er scheide aus München mit der Ueberzeugung, daß die beiden Tage die Geister nähergebracht hätten. Er wisse, daß die Industrie mithelfen werde, bas Ziel zu erreichen, das die Reichsregierung anstrebe, ein neues Deutschland zu schaffen. Auf dieses Ziel leerte der I Kanzler sein Glas. — Der Kanzler fuhr um 21.20 Uhr mit dem Nachtschnellzug nach Berlin zurück. Der Schwindler Ignaz Hummel erzählt.... Oie Rückkehr aus Italien. — Ein Opfer der Sensationsgier. So betrog Ignaz Hummel bie Eltern Daubmanns: Der Betrüger zwischen den alten Eltern des vermißten Daub« mann, die in Hummel ihren Sohn wiederzuerkennen glaubten und nun auf bas bitterste enttäuscht wurden. Freiburg, 12.Okt. (WTB.) Bei der Ermittlung im Fall Daubmann ergab sich weiter, daß der Schwindler Ignaz Hummel in Offenburg verheiratet ist und schon seit längerer Zeit von seiner Frau getrennt lebt. Er schwebte ständig in der Angst, seine Frau würde ihn unter Umständen erkennen. Er gab zu, daß er in den Jahren 1909 und 1910 in Endingen die 6. und 7. Volksschulklasse besuchte und dort mit Oskar Daubmann zusammen- kam, mit dem er befreundet war. Hummel wußte auch, daß Daubmann im Weltkriege gefallen ist. Er betrieb nach seinen Angaben von 1930 bis zum Mai 1932 in Offenburg ein eigenes Schneidergeschäft. Als dieses nicht mehr ging, setzte er sich auf sein Fahrrad und fuhr nach Neapel. In Neapel ging das Fahrrad in Trümmer und Hummel kam auf die Idee, jetzt die Geschichte mit Afrika zu erzählen, um durch Vermittlung des Konsulats kostenfrei in die Heimat zu kommen. Hummel ist nie in Afrika gewesen. Er hat beim Infanterieregiment Nr. 110 in Mannheim gebient und war im Jahre 1916 in Freiburg am Magen operiert worden. Hummel erklärte, er hätte ursprünglich die Abwehr des internationalen Proletariats, Weltpoli- tif machen will. Ob es wahr ist, daß man Stalin xum Rektor einer asiatischen Universität irgendwo im Lande machen will, um dem Kriegskommissar Woroschilow und dem Parteiführer Kaganow i t f ch freie Hand zu geben, ist nicht festzustellen. Daß aber Außen- und Innenpolitik jeglichen überflüssigen ideologischen Kominternballast abwerfen, das ist schon im Gange. Es muß also die „proletarische Einheitsfront" des Kreml nicht nur unter parteipolitischen Gesichtspunkten bewertet werden, sondern vor allem auch nach denen einer umfassenden außenpolitischen Reuorientierung. Die „große Diplomatie" ist schon geraume Zeit im Bilde. Arbeitülosenunruhen in Belfast. L o n d o n, U. Ott. (TU.) InBelfast (Rord- irland) hatten 10 000 Arbeitslosen für den Dienstag eine Massenkundgebung und einen a r sch nach dem Arbeitsamt geplant, wo sie mit Gewalt die Erhöhung der Unter- ftützungssätze fordern wollten. Am Die Kundgebung zu verhindern, zog der Polizeichef von Allster in der Rächt zum Dienstag 2000 Schutzleute, mehrere Panzerwagen und mit Maschinengewehren ausgerüstete Kraftwagen in Belfast zusammen. Trotzdem tarn es zu größeren Ansammlungen und Zusammenstößen mit der Polizei. Als die Schutzleute von den Arbeitslosen mitStei - nenbeworsen wurden, gingen sie mit Gummiknüppeln gegen die Menge vor. Später versuchten die Arbeitslosen, den Strahenbahnver- ke h r zu stören, indem sie große Holzbalken über die Schienen legten. Die Fensterscheiben von mehreren Straßenbahnwagen und Omnibussen wurden zertrümmert. Erst nach Mitternacht trat in öer Stadt Ruhe ein. Rui in einem Bezirk wurde noch auf die Polizei geschossen, sobald sie sich zeigte. In diesem Bezirk kreisen noch Panzerwagen durch die Straßen. Der Bestand der Belfaster Polizei ist durch weitere 500 Mann, die am Abend aus der Umgebung in der Stadt eintrafen, auf 2500 verstärkt worden. Im ganzen befinden sich 31 Personen in den Belfaster Krankenhäusern. Eine Wahlknndgebung der RSOAp. München, 12. Okt. (ERB.) 3n einer Wahl- kundgebung der RSDAP. sprach im Bürgerbräu- saal der oldenburgische Ministerpräsident Roe - ver über nationalsozialistische Regierungsarbeit in Oldenburg. Der Redner bemerkte einleitend, es sei falsch, zu glauben, daß die Deutschnationalen die Drahtzieher der heutigen Reichspolitik seien. Die Deutschnattonalen seien vielmehr restlos von Herrn v. Papen eingesackt worden. Der 6. Rovember werde die Zeit bringen, wo Adolf Hitler von feinem Cid in Leipzig befreit werde. Der Redner ging dann auf die Frage der Arbeitsbeschaffung ein und bemerkte, daß die oldenburgische Regierung ein Ar - beitsbeschaffungsprogra mm nach Berlin gegeben habe, mit dem die Frage der Arbeitsbeschaffung in Oldenburg gelöst wäre. Ob die Regierung in Berlin die Durchführung des Programms ermögliche, wisse er nicht. Selbständig könne Oldenburg nicht vorgehen, da es dem Lande sonst gehen würde wie Braun und Severing. * WWWWWMWMMMM s'cht gehabt, sobald er in Deutschland war. sofort unbemerkt 511 verschwinden. Als er aber erlebte. wie feierlich er empfangen und von einem zum anderen Empfang geschleppt, wie er von Ze i t u n g s r e p 0 r t e r n überlaufen wurde, Hobe er sich eines anderen besonnen. Man sei später wiederholt an chn heran- getreten, auch 23 0 r t r ä g e zu halten, d i e man lhm aufschrieb und die er auswendig lernen muhte. Hummel erklärte dazu: „Mir war die Lache schon lange zu dumm. Ich wühle aber nicht, wie ich aus der Geschichte herauskommen sollte." Leine Kenntnis über Afrika rührte daher, doh er sich eingehend mit einschlägiger Literatur beschäftigte und auch Ansichtskarten beschaffte. Hummel hatte es in Endingen immer zu oer» weiden gewußt, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen Seine eigenen Verwandten in Endingen haben den angeblichen Doubmann niemals zu Gesicht bekommen. Wo er sich in der Oeffent- lichkeit zeigen mußte, wie z. B. bei der Empfangsfeier auf dem Marktplatz in Endingen. markierte er den körperlich und seelisch Zusammengebrochenen. Der Fall Doubmann hätte das Ausmaß nicht annehmen können, wenn nicht bestimmte Persönlichkeiten trotz mehrmaliger eindringlicher Verwarnung amtlicher Stellen sich des angeblichen Doubmann zu sehr angenommen hätten. Die Ehefrau des Hummel erzählte einem Berichterstatter der Telegrophen-Union, daß Hummel mit i hrem Sparkassenbuch durchge ° gangen fei, worauf sie b i e Ehescheidungsklage eingereicht habe. Ihr Mann sei ein tüchtiger Schneidermeister gewesen. Not hätten sie nicht gelitten. Hummel hätte leidenschaftlich gern Kriminalromane gelef-en und Kriminal- filme gesehen. Seine Einnahmen habe er für sich verbraucht Bor der Flucht sei er sehr nervös gewesen. Eines Morgens habe er erzählt, daß er na ch Straßburg gehe, wo ihm eine gute Stellung angeboten worden sei. Allerdings müsse er Kaution stellen. Sie habe daraufhin für ihn das nötige Geld flüssig gemacht. Durch einen Wanderburschen seien ihr Ende Juni Briefe ihres Mannes aus Italien mit der Mitteilung überbracht worden, daß er bald zurückkehren werde. Hummel wird sich Abschluß der Untersuchung vermutlich vor dem Freiburger Schöffengericht wegen Betrugs, Betrugsoersuchs, Urkundenfälschung. falscher Namensführung gegenüber Behörden sowie wegen Führung eines falschen Passes zu verantworten haben. Der Betrug ist zunächst darin zu erblicken, daß sich Hummel vom deutschen Konsulat in Neapel unter falscher Vorgabe die Fahrt nach Deutschland bezahlen ließ. Ein Betrugsoersuch liegt darin, daß Hummel als Oskar Doubmann einen Antrag auf Kriegsrentenoersorgung gestellt hat. Dieser mit Oskar Doubmann unterschriebene Antrag sowie verschiedene mit Oskar Doubmann unterzeichnete Protokolle erfüllen den Tatbestand der Urkundenfälschung NerVerfaffungsstreii zwischen dem Reich und Preußen vor dem Gtaaisgerichtshof. Leipzig, 12. Ott. (WTD.) 3n dem Berfas- sungsstreitverfohren zwischen Preußen und dem Reich wendet sich die Verhandlung der Frage der Befugnisse zu, die Artikel 48 dem Reichspräsidenten gibt. Der preußische Vertreter, Ministerialdirektor Dr. Brecht, führt hierzu aus, eine Landesregierung könne nur beiseite geschoben, nicht aber entfernt werden. Rur soweit könne die Gewalt gehen, daß eine E r f a h vornah m e für die Landesregierung erfolge, aber nicht eine neue Landesregierung selbst bestimmt werde. Es seien nur Maßnahmen gestattet, welche das Land zur Pflichterfüllung onhalten. Dos gelte für den Reichspräsidenten selbst, wie auch für den mit der Durchführung der Maßnahmen Beauftragten. Insbesondere könne er unter keinen Umständen Beamtenernennungen und -entlassun- g-e n vornehmen. Für Bayern führte sodann Staatsrat v. I a n aus, ein Reichsexekutor, der ausziehe, um die Verfassung zu sichern, müsse seinerseits auch die Verfassung beachten. Daraus folge, daß die Länder beanspruchen können, daß sie Subjekte des Staatslebens bleiben und nicht zu Objekten gemacht werden. Dor allem dürfe die Landesregierung nicht abgeseht werden. Weiter dürfe die Mitwirkung im Reichs- r 0 t nicht behindert werden. Der Artikel 48 Absatz 1 enthalte keine Ausnahme. Präsident Dr. B u m k e meinte, man müsse auch prüfen, was denn überhaupt das Reich unternehmen dürfe, um das Land zur Erfüllung seiner Pflichten gegen dos Reich und die Reichs- gesehe zu veranlassen, besonders, wenn es mit dem Vorgehen der bewaffneten Macht nicht getan sei. Hinsichtlich der Reichsratsstimmen finde sich z. B. in der Literatur auch die Andeutung, daß für die Dauer einer Reichsexekution die Stimmen des betreffenden Landes im Reichsrat ruhten. 3n diesem Zusammenhang entstehe die Frage, wie lange denn eine solche Exekution dauern solle. Ministerialdirektor Dr. Brecht erklärte, in dem Vorgehen mit der bewaffneten Macht liege aus jeden Fall die Möglichkeit, psychologisch zu wirken. Das Ruhen von Reichsratsstimmen wäre die unglücklichste Lösung. Wenn ein Mitglied der Landesregierung durch Vorgehen des Reiches beseitigt, sei, dann müsse der offizielle Stellvertreter dieses Mitgliedes der Landesregierung die Funktionen des Landes ausüben. Für die Reichsdelegation erläuterte Professor Jacobi- Leipzig den Artikel 48 Absatz 1 dahin, daß zur Erzwingung einer Dauerverpflichtung eines Landes die Einsetzung eines Kommissars diene, dem die Regierung eines Landes so übertragen werden könne, daß das Land vorübergehend wie eine Reichsprovinz verwaltet werde. Es sei aber auch ebenso möglich, einen Kommissar als Ersahorgan an Stelle der Landesregierung zu setzen, so daß der Kommissar im Ramen des Landes handele. Eine neue Erklärung Sevenngs. Ministerialdirektor Dr. Brecht verlas dann ein« Erklärung des Innenministers S e v e r i n g über eine Unterredung mit dem Reichsinnen- minrster F r e i h e r r n v. G a h l, die etwa Mitte Juni stattfand. „Wir besprachen", so heißt es xl a.. „die Unruhen der vorausgegangenen Tage. Auf meine Frage, ob die Reichsregierung wirklich die Einsetzung eines Reichskommissars plane, habe ich eine bestimmte Antwort nicht erhalten, doch gewann ich den Eindruck, daß Herr von Gayl di« Ausführung eines solchen Planes wenigstens im Augenblick nicht beabsichtige. Darin habe ich ihn bestärkt unter wiederholten Hinweisen auf die Organisation und Pflichttreue der Polizei, die auch noch größeren Ausschreitungen gewachsen fein wexde. Die politische Gesamtlage beurteilte ich so, daß die Wahl des 81. Juli Jnen arbeitsfähigen Reichstag nicht ergeben werde. Wenn daraus größere Unruhen entstünden, dann könne das Reich zu ihrer wirksamen Abwehr die eigenen Machtmittel mit den Polizeikräften des größten Gliedstaates zusammenfassen. Nach meiner Meinung stelle «dann nicht die Einsetzung eines besonderen Kommissars, sondern eine Personalunionzwischcn bemRcichund Preußen die zweckmäßigste Maßnahme dar. Bei allen diesen Ausführungen habe ich selbstverständlich nur an eine Zusammenfassung von Polizeikräften unter einem Beauftragten des Reiches gedacht, nicht aber an einen Reichskommissar, der Minister absetzt, Beamte entläßt und Verwaltungsmaßnahmen trftft. die mit der Aufrechterhaltung von Sicherheit und Lin deutsches krieaer-Ehrenmal in Dorpat. Das Ehrenmal für die im Kampf um die Befreiung des Baltikums gefallenen deutschen Soldaten, das auf dem St.-Iohannes-Friedhof in Dorpat (Estland) unter großer Beteiligung aller deutschen Kreise feierlich enthüllt wurde. «162. Wy AM. 'M W Ordnung nicht das mindeste zu tun haben. Niemals ist mir eingefallen, Herrn von Gayl zu Exekutionsmaßnahmen gegen das Land Preußen zu drängen und dazu, unter dem Vorwande der Pflichtverletzung preußische Minister und Beamte aus ihren Aemtern zu entfernen, die in Jahren der schwersten Bedrängnis des Volkes ihre Pflicht getan haben." Ministerialdirektor Dr. G 0 11 h e i n e r erklärte, sich seine Stellungnahme zu dieser Erklärung für Donnerstag oorzubehalten. Aus aller Well. I. Internationaler evangelischer Schulkontzreh in Wuppertal. Der 1. Internationale evangelische Schulkongreß in Wuppertal wurde eröffnet von dem Vorsitzenden des Verbandes, Universitätspro- feffor Dr. Waterink, Amsterdam. In der Be- grüßungsansprache wurde darauf hingewiesen, daß die Eröffnung des Kongresses mit internationalem Charakter ein historischer Augenblick sei.. Der Internationale Schulkongreß jedoch fei eine internationale Versammlung von tätigen Menschen, eines Herrn, eines Glaubens, einer Gemeinschaft. Der Kongreß konzentrierte sich auf die Fragen der Schule, der Familie und der Jugend. Die Losung heiße: Christliche Erzieher aller Länder vereinigt euch gegen den Ansturm der Gefahren, die die von Gott gewollte Erziehung der Jugend bedrohen. Der Wuppertaler Oberbürgermeister Friedrich dankte den Veranstaltern, daß sie Wuppertal zum Kongreß- ort gewählt haben. Für den Evangelischen Ober- kirchenrat für das Rheinische Konsistorium und für die Synode Barmen übermittelte der Konsistorialrat Schrader (Koblenz) herzliche Grüße und Segens- wünsche. Die Kirchenbehörden nehmen innerlichen Anteil an diesem bedeutsamen Kongreß der nicht gebunden sei an irgendeine Landesgrenze, sondern der die Internationale des Kreuzes Christi zur Losung ausgibt, der die Schule mit der Bibel für die Jugenderziehung will. Für die Elternschaft sprach Direktor Grünweller herzliche Grüße aus, desgleichen für die Lehrerschaft Rektor S p ä d e r. Pro- feffor Schafft von der Pädagogischen Akademie in Dortmund gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Zukunft eine enge Zusammenarbeit zwischen evangelischer Elternschaft und Akademie bringen möge. Seminardirektor Dr. B ä s ch l i n (Bern) referierte über „Autorität und Freiheit in der christlichen Erziehung". Professor Dr. W a t e r i n g sprach über „Begren- jung der Rechte und Pflichten des Staates, der Ge- fellschaft und der Kirche hinsichtlich der Schule". Den dritten Vortrag hielt Pastor Lic. Brandt über „Eziehung vom Kinde aus im Lichte des Wortes Gottes". Eine fruchtbare Aussprache schloß fid) an die Vorträge an. In einer von vielen tausend Menschen besuchten öffentlichen Kundgebung für die Schule mit der Bibel sprach Pastor E n g e l k« über „Die wichtigsten Mittel zur christlichen Er* ziehung in der Familie". Vücheriisch. — Deutsche über Deutschland. Dia Stimme des unbekannten Politikers. Mit einem Rachwort: „Deutschland und di» konservative Revolution", von Edgar I. Jung. Albert Lan* gen/Georg Müller Verlag, München. (Kart. 4 Mark.) 186. — Bor 10 Monaten erschien ein Buch des Amerikaners K. Philipps Morgan unter dem Titel: „Richt warten — wirken! Amerikas Glaube an Deutschland". Es wurde allerorts gelesen und viel besprochen. Weil es sich bemühte, die deutsche Entwicklung aus dem deutschen Lebensgesetze heraus zu begreifen. Deshalb konnte es die Rolle eines Anregers zu einer allgemeinen öffentlichen Aussprache übernehmen, die ihm der Georg-Müller-Berlag zuaä)acht hatte. Runmehr liegt das Ergebnis des Preisausschreibens, das der Verlag im Anschluß an Morgans Buch veranstaltet hatte, vor. Au- allen politischen Lagern vom „Völkischen Beobachter" bis zur „Roten Fahne" hat sich der sonst nicht genannte deutsche Politiker zu Wort gemeldet, um seiner Meinung über deutsche Lebensfragen Ausdruck zu geben. Besondere Bedeutung erhält das Werk durch das Rachwort Edgar 3. Jungs. 3ung sieht in den unsere Zeit erfüllenden Gestaltungskämpsen die sich ankündigende „konservative Revolution", die die int deutschen Volke ruhenden, bisher verschütteten oder mißachteten Lebenskräfte zur Bildung einer der deutschen Art gemäßen staatlichen Fornt frei machen soll. So erhält dieses Werk dadurch seine eigene Rote, daß hier jeder sich selbst und sein Volk wiederfindet, ungeachtet des von ihm vertretenen politischen Standpunktes. — Die Zinssenkung'nach der Verordnung des Reichspräsidenten vom 8. Dezember 1931 mit einer Einführung und kurzen Erläuterungen von Dr. Dr. Frantz Schlegelberger, Staatssekretär im Deichsiustizministerium. (Verlag von Franz Dahlen, Berlin W 9, Lirckstr. 16. Preis 1,60 Mark.) 596. Herbst in Gchwetzingen. Don F. JReuting Don Heidelberg gesehen, ft es nur ein dunkler Stre'fen im einförmigen Ackerland der Ebene. Die Stille ist dort daheim. Nicht zwischen hohe Haus- giebe! ist sie gebannt, breit lagert sie sich über breite Plötze und Straßen mit niedrigen Häusern, deren Insassen niemals den weiten Raum bevölkern könnten. Dort schläft der Geist einer vergangenen Zeit. Der Park, dieser Traum eines Fürsten, dessen (Erfüllung sich in Dingen erschöpfte, di« uns heute nur Beiwerk, säst nur «pielerei bedeuten gegenüber dem Großen, Ungewollten, das anderthalb Jahrhunderte oercift Was dort schläft, wird selbst im Frühling, betäubt durch die Fliederdüfte, nicht wach, und nicht im Sommer. Lindenduft, B'enensurnnien und das Geplätscher des Wassers lullen es ein. Die uralten Kastanien an der Innenseite sind bedroht. Zusammengebrochen ist der jedem Flügel zunächst stehende Baum und die andern sehen aus, als ob sie das Sterben der Gefährten nicht lange überdauern sollten. Unter dem kühlen Torbogen überwältigt immer wieder die riesenhafte Perspektive der Lindenalleen, geschlossen von der blauen Linie der Kalmit hinten im Pfälzer Wald. Riesenhaft wirkt hier alles. Kleinlich und wenig am Platze sind nur die Blumenrabatten, die sich vom (Eingang bis zum Hirschbassin hinziehen. Ihre grellbunte. Fülle reichte hin, ein paar Bauerngär- ten auszustatten. Der Park braucht keine Blumen. Die Laubengänge aus wildem Wein spannen zwei köstliche Bogen von Rot nach rechts und links — und wenn hier im Vordergründe Blüten sein sollen, dann müßten es Bogen tiefblauer und weißer Klematis jein. Wir stehen an der großen Fontäne. Das weiß- gefaßte Becken leuchtet, ein giftgrüner Schaum über- 3ief)t zum Teil die Wasserfläche, aus der sich Arion und die Seeungeheuer des französischen Künstlers hebern Sie ift wundervoll, die Fontäne im Schwetzin- ger Park, auch für den, der viele ihrer Rivalinnen !£Pn*- Man sieht ihr zu, wie einer Tänzerin, deren Wieterfpel in ben Kulissen der Lindenalleen den selbstoerstandltchsten Hintergrund findet. Schlank steht sie da und fast unbeweglich — nur Die weißen Perlen ihres Haarschmuckes schüttelnd. Der ferne Klang muß ihr eine Melodie eingegeben haben, deren Rhythmus im nächsten Augenblick ihre Glieder beseelt daß die Schleier fliegen und ihre *’UBC m eine Wolke weißen Staubes untertauchen. Zu Füßen des Apollotempels liegen acht Sphinx- geftalten. Ihre regelmäßig gemeißelten Gesichter sollen die Züge gewisser schöner Hofdamen zu Carl Theodors Zeiten verewigen. Sie wundern sich längst nicht mehr. Seit man ihren steinernen Seib in jedem neuen Lenz mit weißer Delfarbe überzieht, haben sie aufgehört, für sich noch das Geringste zu erwarten Und nun ist es Herbst, die Zeit, da der Park zu leben beginnt. (Es ist als umlohten Flammen den See, verdoppelt vom Spiegel der unbewegten Flut, als zittre das Blau der Luft von dem Glühen. Von breiten Alleen alter Kastanien eingesäumt, schleppen sich träge die Kanäle dahin. Wir gehen wie im Traum, wie ein Rausch hat uns die Un- ^sättlichkeit des Schauens, die Begier erfaßt, das Geheimnis jener Farbenglut, jener Schreie der ot'Ue 4" enträtseln Wir stürzen uns in das grüngoldene Dämmer dieser Alleen, an deren Enden es brennt wie ein lohender, goldener Schatz. Einsam ist es um uns, kein Laut, als das Knirschen des Laubes unter unseren Füßen, und wir lächeln wie die Kinder im Märchen, da wir sehen, daß auf dem ^osserftrelsen zur Seite lautlos ein Schwan uns folgt. Es drängt uns weiter, als müßten wir ihn heben, jenen Sckxatz, bevor die Sonne sinkt. Denn Gold ist hier verschwendet. Auf goldenem Teller steht Ga- latheas schlanker marmorner Leib, so dicht bedecken die Blatter das kleine, runde Becken, aus dem die Schone emporsteigt, ihr nasses Haar in den Hän- den pressend. Mit Goldstaub hat die Sonne der letzten Tage die hohen Linden überstreut. Okkultes Erlebnis. Auf geheimnisvoll« Weise ist ein Zusammenhang zwischen Kunstwerk und einer historischen Mordtat hergestellt worden. Darüber berichtet der Direktor des Leipziger Kunstgewerbe-Mu- seums, Dr. Heinrich Wichmann, in ..Reclams Universum". Er erwarb im Jahre 1929 auf einer Berliner Versteigerung für sein Museum einen Riesen-Gobelin ..Die Schule von Athen", ein Meisterwerk der Pariser Manufaktur von 3ean Audran, das von Ludwig XVI. dem späteren Zaren Paul I. von Rußland 1782 geschenkt toor- ben war. Bei der Restaurierung entdeckte man nun Blutflecken und Spuren von Lanzen- und Degenstichen sowie von Kugeleinschlägen auf dem Gobelin. ‘Ser Wandteppich mußte also bei irgend emer Gewalttat eine Rolle gespielt haben. Dr. Wichmann vermutete, der Tepvich hab« vielleicht 'n dein Zimmer gehangen, in dem Paul I. 1801 ermordet wurde. Aber dazu schien nicht die historische Lleberlieferung zu passen, wonach Paul I. erwürgt worden ist. Eine Aufklärung dieses Geheimnisses erfolgte nun durch den bekannten Hellseher Johann Kele, der eines Tages das Museum besuchte. „3ch führte ihn vor den Gobelin, ohne ihm das geringste über die historischen Umstände mitzuteilen", schreibt der Verfasser, „zeigte ihm auf der Rückseite den blutigen Hand- abdruck und fragte, ob er mir den Vorgang erklären könne. Rach einem kurzen erstaunten Blick brach aus ihm stoßweise folgende Schilderung hervor: „Da müssen aber noch mehr Blutspuren und Spritzer fein. Der Gobelin ist umgeschlagen und heruntergerissen worden. Dahinter war so etwas wie eine Geheimtür oder ein leerer Platz, wie ein Versteck." Einige Männer seien erst durch zwei Zimmer hindurchgegangen, fuhr der Hellseher weiter fort, im dritten Zimmer sei ein Mann von einem runden Tisch aufgesprungen, an dem er Karten gelegt hatte. Dieser Mann habe einen Gegenstand geworfen und sei niedergeschlagen worden. Er habe sich aber wieder erhoben und sei gegen eine Wand geflüchtet. Da habe er einen Stich von hinten oben an der Schulter erhalten. Das Blut sei von der Wunde bis auf die Hände gelaufen. An der Wand habe er den Gobelin umgeschlagen und im Todeskampfe sich hineingekrampft, habe dabei den Gobelin heruntergerissen und sei mit ihm zusammengebrochen." Dies« Schilderung, die von Kele ohne jedes Wissen von den historischen Vorgängen und der Herkunft des Gobelins gegeben wurde, ist von ihm in Zwischenräumen von mehreren Tagen zweimal wiederholt worden. Es ist jedenfalls merkwürdig, daß der Hellseher durch die Betrachtung des Wandteppichs di« Ermordung des Zaren Paul I. „vor sich sah". OieTragödie eines berühmten Modells. „Mein Leben ist so jammervoll. 3ch will nichts mehr davon." Diese Worte standen auf einem Stück Papier, das an dem Rachtgewand der Elizabeth Siddall R 0 s s e t t i mit einer Radel fest- geftedt war, als man sie tot auffand. Der Ge- richtsarzt stellte als Todesursache „eine zu große Sofid Laudanum" fest: sie hatte sich das Leben genommen. So endete die Laufbahn einer Frau, die in der Kunst fortlebt ate die „Muse der Präraffaeliten", die Modell und Gattin des großen englischen Maler-Dichters Gabriel Ros» setti toar. Reue eingehende Mitteilungen über die Tragödie dieses berühmten Modells bietet die soeben erschienene Biographie »Die Frau Rossettis" von Violet Hunt. Die Verfasserin ist die Richte des Malers Holman Hunt, der zu der „Brüderschaft" jener Künstler gehörte, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine neue Schönheit und ein neues Lebensideal schufen. Miß Hunt ist in dem präraffaelitischen Kreise aufgewachsen und weiß aus mündlicher lieber* lieferung vieles in einem neuen Lichte darzustellen. Sie erzählt, daß es der Maler Walter Dederell war, der ein Modell suchte «und in dem Putzgeschäft der Frau Tozer ein junges Mädchen entdeckte, dessen eigenartige Schönheit ihn überwältigte. Er schickte seine Mutter zu der Mutter der jungen Putzmacherin und nach diesen Verhandlungen erklärte sich die junge Dame Elizabeth Eleanor Siddall bereit, ihm zu sitzen. Dadurch wurden auch die anderen Künstler auf sie aufmerksam, und schließlich wurde sie das treue Modell Dante Gabriel Rossettis. Besonderes Entzücken erregte ihr biegsamer Hals, ihre kupferfarbene Haarfülle und die blühende Ueppigkeit ihres Mundes. Sie zeigte zunächst noch Mängel der Aussprache und der Bildung, wurde aber bald zur „großen Dame" und offenbarte eine außerordentliche künstlerische Begabung. Ruskin hat von ihr gesagt, daß sie „sogar besser malte als Rossetti", und sie hat ein paar Gedichte von hoher Schönheit hinterlassen. Ruskin war e« auch, der Rossetti dazu drängte, sich mit ihr zu verloben: aber es dauerte noch neun Jahre bevor er sie heiratete. Die exotische Schönheit kränkelte während der ganzen Zeit, und nach der Heirat wurden die Streitereien zwischen ihr und Rossetti immer unerträglicher. So machte sie frühzeitig ihrem Leben ein Ende. Hochschulnachnchien. BUederbesetzung fces durch den Abgang von Professor Dr. Erich Bley nach Gießen in der «r e l fs walder Rechts- und Staatswissenschaft- llchen Fakultät erledigten Lehrstuhls für bürgerliches Becht ift ein Rus an Professor Josef Juncker in Bonn ergangen. Der durch den Weggang von Profesior Eduard von I a n an der Universität Greifswald erledigte Lehrstuhl der romanischen Philologie ist dem ao. Professor Dr. Hellmuth Petriconi in Frankfurt am Main angeboten worden» Professor Dr. Großmann-Doerth an der Prager deutschen Universität hat einen Ruf auf den durch den Weggang des Professors Dr. H. Hoeniger an der Universität Freiburg i. Dr. frei gewordenen Lehrstuhl für Handelsrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht und bürgerliches Recht erhalten. Die Sprachstörungen im Kndesalier. Was müssen die Eltern über Stammeln und Stottern wissen? Don privdtbo^ent Or. A. Herrmann, llniversiläis-Ohrenklinik Gießen. Stammel« und Stottern find die häufigsten Sprachstörungen im Kindesalter. 3m Vvlks- munde werden diese beiden Störungen oft für dasselbe gehalten. Sie sind es aber nicht. Unter Stammeln verstehen wir die Unfähigkeit, bestimmte Laute und Lautverbindungen richtig zu bilden. Ein Beispiel: Dos Kleinkind sagt „tomm“ statt komm, „tutut" statt Kuckuck. Cs ersetzt also den Gaumenlaut K durch den Zungenlaut T Das liegt im allgemeinen daran, daß die Zungenlaute (d, t) und die Lippenlaute (b, w, p, f, m) leichter gebildet werden, als die hinteren Verschlußlaute 7g, k). Darum ist der erste Sprachschatz des Kleinkindes oft Maina, Papa, tata. Man hat sich diese Tatsache so erNärt, dah die Muskeln der Lippen und der vorderen Teile der Zunge und der Wange durch das Saugen beim Saugakt kräftiger entwickelt werden und dem Sprech- mechanismus eher gehorchen. So werden besonders gern die schwerer zu bildenden Der- schluhloute g und k durch leichtere Laute, besonders d und t, erseht. 3n den ersten drei Jahren der Sprachentwicklung bezeichnen wir dieses Vertauschen verschiedener Buchstaben als physiologisches Stammeln. Es ist zu dieser Zeit normal. Jedes Kind stammelt in diesem Alter. Bleibt das Stanuneln aber noch im 4. bis 6. Lebensjahr bestehen und verschwindet es nicht, so ist es nicht mehr normal, d. h. physiologisch, sondern krankhaft. Gelegentlich sind auch die Mütter an länger besteherck>en Stammelfehlern schuld. Dur zu oft kann man hören, dah eine liebevolle Mutter mit ihrem Kinde spielend sich der „Kindersprache" bedient, indem sie ihm beispielsweise zuruft: „tomm mal her" und anderes mehr. Das Kind mit seinem großen Nachahmungstrieb ahmt die Mutter nach. So wird das Stammeln bisweilen von Eltern und Angehörigen direkt gefördert. Meist werden nur wenige Laute gestammelt, ihre größere Zahl aber richtig gebildet. Es gibt auch schwerere Fälle. Manchmal wird fast jeder Laut durch einen anderen ersetzt. Beispiel: „Pulle" statt blau. „Kneige" statt Kreide. 3e mehr Laute und Silben durch andere ersetzt werden, desto unverständlicher wird die Sprache. Ganz hochgradiges Stammeln, bei dem außer den Vokalen vielleicht nur ein Mitlaut, z. B. t oder d gebildet wird, bezeichnet man als Hvttentvttismus. Bei geistig gesunden Kindern ist dieser Grad von Störung jedoch relativ selten. Eine besonders häufige Form des Stammelns stellt dos Lispeln dar. Darunter wird die fehlerhafte Bildung des S mit seinen Abarten (ß, st, z, sch) verstanden. Das Lispeln kann funktionell oder organisch bedingt sein. Das funktionelle Lispeln entsteht durch falsche Lage der Zunge bei der Bildung des S-Lautes. Die Ur- sachen für dieses sogenannte „Anstößen der Zunge" können vielfältig fein. (Z. D. auch Schwer- Hörigkeit.) Wir kennen ein Lispeln, bei dem die Zunge zwischen die Zahnreihen geschoben wird. Dos ist die gewöhnliche Form dieses Sprachfehlers. Besonders häßlich ist das seitliche Lispeln. Hierbei wird die Luft nicht an der Schneide der oberen Schneidezähnc herausgepreht, sondern entweicht seitlich. Cs gibt noch mehrere Arten von Lispelfehlern, von denen nur noch das nasale S erwähnt werden soll. Hier entweicht bei der S-Bildung die Luft durch die Dase und erzeugt ein schnarchendes, fauchendes Geräusch. Unter organisch bedingtem Lispeln verstehen wir die fehlerhafte S-Mldung, die durch Veränderungen am Zahnsystem heroorgerufen wird. (Ueberbiß, Unterbiß, fehlende Schneidezähne, Kieferbildungsstörungen usw.). Schwerere Störungen der Sprache im Sinne des Stammelns entstehen auch durch Mißbildungen, wie Hasenscharten, Gaumenspalten und Wolfsrachen. Je nach dem Grad der Entwicklungsfehler wird auch die Bildung der verschiedensten Laute gestört sein. Die Behandlung des Stammlers ist meist erfolgreich, sie muß nur sachgemäß sein. Die Beseiti- S hochgradiger Störungen macht bisweilen dem dem Pädagogen und den Eltern Schwierigkeiten. Doch auch hier führt die Behandlung bei einiger Geduld meist zum Ziel, so daß das Fortkommen dieser Kinder in der Schule gesichert ist. Beim Stammeln infolge organischen Leidens (Zahnstellungsfehlern, Gaumenspalten, Wolfsrachen) muß dieses zunächst beseitigt werden. Erst dann wird der Spracharzt erfolgreiche Arbeit leisten können. Bei der Einschulung sind statistisch etwa 20 bis 24 Prozent der Kinder noch sprachunfertig, d. h. mehr oder minder mit Stammelfehlern belastet, die aber durch geeignete Behandlung verschwinden. Die Lispelfehler, aber auch die übrigen Stammelfehler werden am zweckmäßigsten vor der Einschulung, oder in den ersten Schuljahren, wenn die Kinder etwas aufmerksamer geworden sind, der Behandlung zugeführt. (Schluß folgt.) Aus der provinzialhaupistadt. Gießen, den 13. Oktober 1932. Laßt die Jugend ins Theäler gehen! Don Prof. Otto Anthes Was soll aus der deutschen Kunst werden, wenn unsere Jugend dem Theater fernbleibt, wenn die Eltern dieser Jugend den Wert nicht erkennen, den das deutsche Theater als Vermittlerin echter Kunst zu bieten hat! Diele wird es unter uns Alten geben, die das Gedächtnis ihres ersten Theaterbesuches als einzigartiges Erlebnis in sich bewahren. Meine Großmutter, bei der ich die Ferien verbrachte, hatte fid) nach langem Hin und Her bereitgefunden, mich einmal auf ihr Abonnementsbillett (so sagte man damals) ins Hoftheater gehen zu lassen. Nur die Wahl des passenden Stückes machte noch Schwierigkeiten. Schließlich einigte man sich auf „Die Mühle im Wiener Wald". Als ich dann aber drinn war, hatte sich eine Spielplanänderung in letzter Stunde nötig gemacht, und es gab Mozarts „Don Juan". Mir aber steht dieser Theaterbesuch, dem so bald kein anderer folgte, noch heute in der Erinnerung wie ein großer, einsamer Stern in weiter dunkler Nacht. Ich verstand so gut wie nichts von Wesen und Zusammenhängen des Vorganges, der sich auf der Bühne begab. Aber ein unnennbares Etwas rührte zum erstenmal an meine Seele: wenn ich bis dahin wohl sehen gelernt hatte, nun hatte ich zum erstenmal geschaut; wenn ich schon oft Musik gehört hatte, nun war zum erstenmal mein Herz mit erklungen. Ich zweifle nicht daran, daß viele dieses „romantische" Erlebnis des ersten Theaterabends belächeln und sagen werden, die heutige Jugend habe andere und wichtigere Erlebnisse zu buchen. Mer ich weiß auch, daß in den Eindrücken jenes Abends alle Grundbestandteile meiner nachmaligen Bildung schon vorhanden waren. Es ist sicher, daß die Jugend von heute mehr sieht und mehr hört, als wir in frühen Tagen. Auch daß die mehr denkt, will ich gern zugestehen. Ob sie mehr erlebt, hängt ganz davon ab, ob sich an ihr irgendwie derselbe Vorgang vo"zieht. der mit jenem ersten Theaterabend in mir seinen Anfang nahm. Jedes wahre Erleben ist nichts anderes als ein Nachschaffen, das selbsttätige schöpferische Erzeugen eines Weltbildes in feinem eigenen Innern. Nicht ein Vollgestopftsein mit Kenntnissen irgendwelcher Art bedeutet Bildung, auch nicht die Fülle der 9BeIb kenntnis allein, sondern bildend tätig und schöpferisch zu sein, geistig die Dinge der Welt zu erfaßen, das ist Bildung. Der Weg zu dieser geistigen Erfassung der Welt, zur Bildung im besten Sinne des Wortes, führt über das Erlebnis künstlerischer Darbietungen. Mehr als je bedarf unsere Jugend der geheimnisvollen Anleitung, die die Kunst gewährt. Die Anleitung zur Kunst ist zugleich eine Ableitung ein Abhalten von oberflächlichen, charatterzerstörenoen Vergnügungen. Wehe, wenn unsere Jugend der Oberflächlichkeit verfällt! Diese Einsicht sollte es jedem zur Pflicht machen, der Heranwachsenden Generation das Erlebnis echter Kunst zu erschließen. Deshalb laßtdieIu ° gend ins Theater gehen! Dann tut ihr Dienst an der J'gend und zugleich Dienst am Theater. Denn nm wenn es gelingt, die Jugend für das Theater zu gewinnen, ist Gewähr geboten, daß unsere deutsche Kultur erhalten bleibt. Darum: Laßt die Jugend ins Theater gehen! lOOjafore Hessisches Oberkonsistorium (Landeskirchenamt.) Am 15. Oktober sind eS hundert Jahre, feit* -em das damalige Großherzogliche Oberkon'isto- riuim in Wirksamkeit getreten ist. 3m Zusammen- Hang mit der 1832 vorgenommenen Neuorganisation der gesamten Staatsverwaltung wurden ouch die drei Provinzialkirchenbehörden, nämlich der Evangelische Kirchen- und Schulrat in Darmstadt, der in Gießen und der Kirchenrat in Mainz aufgehoben und an ihre Stelle eine Zentralbehörde für das ganze Hessenland gesetzt, die dem Ministerium unterstellt war. Eine größere Selbständigkeit erlangte dieses sog. Oberkonsisto- riumt durch die erste evangelische Kirchenverfassung von 1874: es wurde die höchste kirchliche Behörde, durch die der Landesfürst das ihm als Summus episcopus zustehende Kirchenregiment unmittelbar ausübte, mußte sich aber andererseits den Hinzutritt des Landessynodalausschusses für bestimmte Dienstgeschäfte gefallen lassen (sog. erweitertes Oberkonsistorium). Die durch den Wegfall des landesherrlichen Kirchenregiments im Jahre 1918 nötig gewordene neue Verfassung der Hessischen Landeskirche bezeichnet als den Trager aller landeskirchlichen Rechte den Landeskirchentag, der sie ausübt durch die von ihm gebildete Kirchenregierung und das dieser verantwortliche Landeskirchenamt. Dieses Landeskirchenamt ist somit als oberste kirchliche Verwaltungsbehörde an die Stelle des früheren Oberkonsistoriums getreten und darf sich als seinen Nachfolger betrachten. Wie wir hören, wird das Amt in einer kleinen internen Feier seiner nunmehr hundertjährigen Geschichte gedenken. Großer Sieg Gießener Schützen. Zum vierten Male nacheinander verbandsmeister dec ..hassia". Die Krie ger kameradschaft „Hassia" veranstaltete am Sonntag in Mainz-Kostheim das diesjährige Verbands - Meifterschafts- schießen. Die besten Gruppen der hessischen Schützen waren dazu erschienen. Die Klein-Käliber-Schießabteilung des Krieger- Vereins Gießen war wieder mit einer Alt- schützen gruppe (Heinrich Appel, Willi G e ° org, Wilhelm H a i n b a ch und Georg S ch i l - ling), und einer I u ng f ch ü tz e ng r u p p e (Erich Kinkel, Karl M o o tz, Rud. Reiber und Willi Schilling jr.) vertreten. Beide Mannschaften konnten auch in diesem Jahre wieder die Derbandsmeisterschaften erringen, so daß die Altschützengruppe vier Jahre, die Jungschützengruppe 2 Jahre hintereinander die Meisterschaften schossen. Daß ein großer Sieg errungen wurde, ist zu verstehen, wenn man bedenkt, daß 148 Alt- schützengrupppen und 79 Jungschützenaruppen, jede Gruppe vier Mann stark, an den Ausscheidungs- schießen im Bezirk, in der Provinz und zuletzt am Schlußschießen teilgenommen haben. Die Mann- schäften erhielten goldene Meisterschaftsmedaillen, die Jungschützen außerdem noch den Wanderpreis, der van der Klein-Kaliberschießabteilung des Krie- gervereins Gießen auch schon zum zweiten Male nach Gießen gebracht wurde. Die Altschützen erreichten 558 Ringe, 34 Ringe Vorsprung vor dem 2. Sieger, Kriegeroerei n ' Dieburg. Die Jaingschützen erzielten 498 Ringe 43 Ringe Vorsprung vor dem 2. Sieger. In 'der Einzelbewertung stehen: Wilhelm H a i n b a ch an 3., Gg. S ch i l l i n g an 4. und W. Georg an 5; die Jungschützen Willi Sch illing an 2., Rudolf Reiber an 4. und Karl Mootz an 5 Stelle. Die Altschützengruppe tritt nun in den Wettbe- »erb um die Bundesmeisterschaft im Deutschen Kysshäuserbund. Bornotizen. _ Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Anläßlich der Tagung des ärztlichen Fortbildungskurses der Hessischen Landesuniversität gelangt morgen, Freitag, als 2. Vorstellung im Freitag-Abonnement unter Mitwirkung des Orchestervereins Gießen Goethes Trauerspiel „Egmont" in der Besetzung der Erstausführung in Szene. Spielleitung hat der 3n* tenbant; musikalische Leitung: Universitätsmusikdirektor Dr. Temesvary. Anfang 19.30, Ende 22.30 Uhr. — Samstag, 15- Oktober, Wiederholung der „Egmonf'-Aufführung als Schuler- Vorstellung zu Schülerpreisen. Beginn: 15 45 Uhr. — Die Fremdenvorstellung am Sonntag, 16. Oktober, bringt eine einmalige Aufführung der berühmten Hessischen Lokalposse: „Der Datterich" von Niebergall. Mit dieser einmaligen Aufführung — das Werk/geht nicht durchs Abonnement! — wird der Zyklus hessischer Dramatiker eröffnet. Spielleitung und Hauptrolle: Heinrich Hub. Ermäßigte Preise! Beginn: 18-00, Ende: gegen 21.30 Uhr. Ebenfalls am Sonntag, um 22.00 Uhr, erstmalig ein „Nacht-Kabarett", zusammengesetzt aus Mitgliedern des Ensembles- Der „Bunte Abend" bringt ein reichhaltiges Programm an Gesang, Musik und Tanz; eine Vortragsfolge, die in nichts einem Abendprogramm eines großstädtischen Unternehmens nachsteht und von gediegener, künstlerischer Qualität ist. Das Gießener Theaterpublikum hat dabei Gelegenheit, unsere „Neuen" in eigenen Spezialausgaben kennenzulernen. Das Programm wickelt sich unter der künstlerischen Leitung von Heinrich Hub, der auch die Ansage übernimmt, und Karl V o l ck ab. Kapellmeister M o e l hat die musikalische Leitung- Ballettmeister Ewald B ä u l k e und Frau bestreiten den tänzerischen Teil der Darbietungen- Den musikalischen Nahmen bildet ein eigenes Jazzband-Orchester. Ganz kleine Preise. * ** Anmeldungen zur Jmmatrikula- t i o n. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt; Anmeldungen zur Immatrikulation werden in der Zeit vom 17. Oktober bis 12. November auf dem Universitäts-Sekretariat, Bismarckstraße 22 (Zimmer 14), 2. Stock angenommen. Studierende, die bereits in Gießen immatrikuliert sind und ihre Studien hier fortsehen wollen, haben sich in der gleichen Zeit zur Abstempelung der Studentenkarte zu melden. ** (Sin Vortrag von Pfarrer D. Fritsch, Ruppertsburg, über das Thema „Erziehung dec Kinder zum Gebet", der am nächsten Freitag im Johannessaal stattfinden sollte, muß — wie man uns mitteilt — wegen Verhinderung des Redners auf Freitag, 21. Oktober, verlegt werden. Nähere Mitteilungen folgen im Anzeigenteil. ** Rücker st attung von nicht abgefahrenen Fahrkarten. Bei der Erstattung von Beträgen für nicht abgefahrene Fahrkarten ist es von dem reisenden Publikum als eine gewisse Härte empfunden worden, daß Beträge unter 50 Pf. nicht zurückoergütet werden. Namentlich berührte dies eigenartig, wenn die nicht abgefahrene Strecke etwa 40 Pf. kostete. Nun soll in dem Rückerstat- tungsverfahren eine Verbesserung erfolgen. Wie der Gewerkschaftliche Pressedienst von der Reichsvereinigung der Reisenden und Vertreter im Gewerkfchgfts- bunb der Angestellten erfährt, ist bei der Reichsbahn eine Aenderung der bisherigen Vorschriften bereits eingeleitet worden, fo daß in einiger Zeit von allen beteiligten Dienststellen auch geringere Beträge als 50 Pf., also bis 20 Pf. im allgemeinen, erstattet werden sollen. Den Reichsbahn-Verkehrsämtern ist schon aufgegeben worden, von jetzt an hiernach zu verfahren und gegebenenfalls auch weniger als 20 Pf. zurückzuzahlen, sofern der Fahrgast einen Rechtsanspruch auf die Erstattung hat und auf Auszahlung besteht. • Keine Wintersportkarten der Reichsbahn. In einigen Zeitungen wurde behauptet, die Reichsbahnhauptverwaltung werde im kommenden Winter Wintersportsahrkarten ausgeben. Wie wir aus Kreisen der Reichsbahn- hauptverwaltung erfahren, ist dort von derartigen Plänen nichts bekannt. Buntes Allerlei. Romantische Jagd auf ^inberbiebe. Der Viehdieb ist in früherer Zeit eine beliebte Figur der Romanschreiber gewesen. Dann aber verschwand er aus der Dichtung wie aus der Wirklichkeit, und erst in diesen schwierigen Zeiten tritt er wieder auf. Aus England wird berichtet, daß die Diebstähle von Schafherden dort in letzter Zeit außerordentlich zugenommen haben, und noch schlimmer ist es in Argentinien, wo die Rinderdiebe früher unter den gewaltigen Herden großen Schaden anrichteten. Infolge der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit zahlreicher erfahrener Cowboys ist der Viehraub, der dort fast völlig verschwunden war, plötzlich zu neuer Blüte gediehen. Besonders in den weiten Pampas des Südens und in der Nähe der chilenischen Grenze treiben viele Räuberbanden ihr Wesen. Ihre Taten werden ihnen durch die Sparmaßnahmen der Regierung erleichtert, die die Zahl der Polizeitruppen im Lande sehr verringert hat. Ein argentinischer Gendarm hat gegenwärtig Hunderte von Quadratkilometern unter seiner Aufsicht, und es gibt Gebiete, in denen das ganze Jahr hindurch fein Hüter der Ordnung gesehen wird. Die Bewohner dieser Gegenden haben sich daher zu „Schuhbanden" zusammengeschlvssen. Auf die Kunde von Vieh-Diebstählen bewaffnen sich die jungen Leute, die zu einem solchen Trupp gehören, mit ihren Gewehren, besteigen ihre schnellsten Pferde und nehmen die Verfolgung auf. Das ist keine leichte Arbeit, denn die Rinderdiebe sind erfahrene Pampas-Reiter, die bei dem geringsten Anzeichen eines Angriffs im tollsten Galopp da- voniagen. Die „Schutzbanden" haben sich daher ein schlaues Verfahren zur Lleberlistung chrer Feinde ausgedacht. Wenn sie einer Räuberbande auf der Spur sind, dann verwischen sie ihre eigenen Spuren im Sand sorgfältig und lassen eine kleine Rinderherde, die als Köder dient, scheinbar unbewacht weiden. Geduldig warten sie, bis die Räuber „anbeihen". Das Erscheinen eines einzigen Reiters am Horizont, der in der Nacht als Kundschafter ausgesandt wird, treibt sie in ihr Versteck. Wenn der Kundschafter nichts Gefährliches bemerkt, dann bringt er die ganze Bande herbei, die die Herde umringen und forttreiben. Ihre Verfolger warten ruhig, bis die Diebe die Herde auf Öen Trab gebracht haben, und dann brechen sie mit gellenden Racherusen hervor und rasen hinter den andern her, indem sie ihre Flinten abfeuern. Die Räuber sind in rascher Flucht durch die Rinder gehemmt, die vor ihnen her laufen. Sie müssen um die Herde herumreiten, und das gelingt ihnen meist nicht, so dah sie gefaßt werden. Die nächste Polizeistation wird vielleicht ein paar Wochen später von der Gefangennahme der Räuber benachrichtigt, aber sehr viel häufiger sind die einzigen Spuren, die man von diesen Maßnahmen des Selbstschutzes findet, hier und da ein Skelett, das in der Pampas bleicht, oder ein herrenloser Mustang, der sich in vollem Geschirr halb wild einer Herde von wilden Pferden an- schließt... Snjeproflroj - ein Wunderwerk der Wasserkraft. Europas größtes Kraftwerk wirb bem Betrieb übergeben. Don Hanü Ammer. In diesen Tagen, wenn die erste Turbine im riesenhaften Maschinenhaus beginnen wird sich zu drehen, wenn die erste Kilowattstunde Elektrizität hinausgesendet wird in ein Riesenwirrwarr von elektrischen Drähten und Anschlüssen, wird Europa nicht nur um eine der größten Fabriken reicher fein, sondern auch die Maschinengläubigen der ganzen Welt werdsen einen neyen Wallfahrtsort zur Verfügung haben, an dem es gewiß sehr viel zu bewundern gibt. In der südrussischen Steppe, nicht weit von dem Ort, an dem Gogols Kosakenlegenden von Taras Dulba gespielt haben, nicht weit vom Standort der berühmten Potemkinschen Dörfer, ist aus einem kleinen Städtchen, das früher , Zarhzin hieß, ein Riesenkomplex geworden, eine Großstadt, die von Menschen, und eine Riesenstadt, die von Maschinen bewohnt wird. 3n knapp fünf Jahren hat sich diese phänomenale Veränderung vollzogen. Hunderttausende aus aller Herren Ländern, nicht nur Russen, sondern zahlreiche Deutsche und Amerikaner, haben bei der Geburt dieses großen Industriezentrums der Sowjetunion mitgewirkt. Zwei Monate vor dem formellen Ablauf des ersten Fünfjahresplanes steht hier alles blitzblank und fertig in der herbstlichen Sonne da. Die Russen haben es sich nicht nehmen lassen, den offiziellen Ein- Weihungstermin auf den 1. Mai, den Festtag der internationalen Arbeiterschaft, zu verlegen. Da aber das Werk erst jetzt dem Betrieb übergeben werden konnte, steht man nicht an, die Eröffnung Dnjeprostrojs nun zum zweiten Male zu feiern. Was ist der Sinn dieses Riesenwerkes? Unter allen Hauptbemühungen der russischen Industrie stand das Schlagwort von der Elektrifizierung seit Jahren an erster Stelle. Man versprach sich durch die Versorgung großer Teile dieses Riesenlandes mit elektrischem Strom nicht nur den entscheidenden Fortschritt der Technik, sondern auch einen ungeheuren kulturellen Sprung von der Rückständigkeit des früheren russischen Provinzlebens in die modernste Gegenwart des Sowjet-Staates. Politisch wurde damit ebenfalls die Festigung und Popularisierung der Sowjetherrschaft auch in den südlichen Provinzen angestrebt. Soweit man bis jetzt sehen kann, dürften diese Ziele m der nächsten Zukunft erreicht werden. Dnjeprostro, wird vielleicht für spätere Zeiten als einer der wichtigsten Marksteine in der Geschichte Sowjet» rußlonds einen besonderen Platz beanspruchen dürfen. , _ GS drängt sich die 'Frage aus: wenn die Ge- samtelektrifizierung Rußlands noch, wie gegenwärtig, stark im Rückstand ist, wohin dann nut dem vielen Strom? Zunächst gedenkt man diese unermeßliche Kraftquelle für die unmittelbare Umgebung auSzunuhen, für die Fabrikstadt nämlich, die rings um Dnjeprostroj entstanden ist, für das sogenannte „Dni« Pry- Kombinat". Dieses Kombinat besteht aus einer Kokerei, die 1,3 Millionen Tonnen Trockenkoks im Jahr produziert, ferner au£ einem Hüttenwerk, dessen vier Hochöfen im Jahre über eine Million Tonnen Roheisen erzeugen, außerdem aus einem Ferro»Legierungswerk, einem Stahlwerk, einem Aluminiumwerk, Zement- und Schamottefabriken, chemischen Fabriken, Maschinenfabriken und einem umfangreichen arbeitswissenschaftlichen Institut. Die diesem Riesenkomplex angegliederte Stadt ist auf 100 000 Einwohner berechnet. Schon während der Bauzeit des Kraftwerkes wohnten annähernd ebenso viele Arbeiter in Stalingrad, wie diese Stadt neuerdings heißt. Sollte aber das gesamte Kombinat vollständig arbeiten, dann ist es nicht ausgeschlossen, daß sich der Umfang dieser Stadt bald beträchtlich vermehrt. Neben dem Kusnetzki-Kombinat im Don<^ decken entstand also hier das größte Industriezentrum Räteruhlands. Dnjeprostroj ist also nur ein Teil — aber was für einer! Die Staumauer, 750 Meter lang, 60 Meter hoch, 40 Meter dick, ist schon kilometerweit vom flachen Lande her zu sehen. Das Elektrizitätswerk daneben, das größte Europas, wirkt dagegen klein und zwerghaft. Und die Russen, die sich sehr schnell an Kalkulationen mit sechs - und siebenstelligen Zahlen gewöhnt haben, bezeugen diesem Koloß gegenüber kaum noch ihre Ehrfurcht. Seit einigen Monaten ist bereits im Wolgagebiet ein Ötaubanim in Angriff genommen worden, der über doppelt so groß sein soll. Die hier erzeugte Elektrizität soll trn Rahmen des zweiten Fünfjahresplanes dazu ausreichen, ein Fünftel der gesamten russischen Eisenbahnen zu elektrifizieren, von der an- gegliederten Industrie ganz zu schweigen. Ebenfalls liegt ein gleich gigantischer Plan für ein Wasserwerk in Sibirien vor — allerdings bis jetzt nur auf dem Papier. Wer hat nun dieses Riesenwerk in knapp fünf Jahren vollbracht? Die Verflechtung der Nationen, die daran Anteil hatten, ist wohl einzigartig in der gesamten Jndustriegeschichte. Der Plan ging natürlich von der russischen Plan- wirtschaftskvmmission aus, der erste Entwurf stammte von dem russischen Professor Alexandrow, der amerikanische Ingenieur Cooper führte, in harter Konkurrenz mit deutschen Firmen, denen er schließlich das Nachsehen gab, den Hauptteil der Arbeit durch, und heute ist wiederum ein Russe, der Ingenieur Winter, Chefkonstrukteur des Wasserwerkes und technischer Leiter für die nächste Zukunft von Dnjeprostroj. Wenn man schließlich noch die Legionen deutscher und amerikanischer Arbeiter bedenkt, die zusammen mit ihren russischen Kollegen geholfen haben, den Bau zu vollenden, bann steht man vielleicht zum erstenmal vor einer wahrhaft internationalen Schöpfung der Industrie, die ihren Charakter im Dienste der russischen Allgemeinheit gewiß nicht verlieren wird... 9Jt.-$pont VfB. Gießen. vfv. II — Lollar I 0:3 (0:2). Die LfBer waren den körperlich weit stärkeren Gästen unterlegen. Daran änderte auch der gute Wille nichts. Lollar stellte eine stabile Mannschaft, in der der Halbrechte überragte. Trotzdem ist, ohne den Sieg Lollars schmälern zu wollen, das Resultat etwas zu hoch ausgefallen, denn die Grünwcißen hatten zumindest die gleichen Torchancen wie der Gegner. Aufgeregtheit verhinderte aber jeden Erfolg. VfB. war in der zweiten Halbzeit besser als in der ersten. Dos Spiel wurde fair ausgetragen. VfB. III — Heuchelheim I 0:9. Eine blamable Niederlage der nicht vollzählig an- tretenden BfBer. Diese hatten denn aber gar nichts zu bestellen, zumal der Gegner gut in Fahrt war. Spielvereinigung 1900 Gießen. Laubach I — 1900 II 3:5 (3:2). Die Blauweißen aus Gießen mußten einen am Dormittag plötzlich erkrankten Spieler ersetzen, waren aber diesesmal ganz besonders gut aufgelegt und lieferten dementsprechen- eine recht gute Partie. Bor allen Dingen war der Angriff xed)t schütz- freudig 1900 erzielte im Verlaufe des Spieles acht Treffer wovon der Schiedsrichter aus Grünbcrg drei nicht wertete. Die Leistung und das Ergebnis für die Gießener ist um so anerkennenswerter, da sie schon bald nach Beginn mit 3:1 Treffern im Rückstand lagen, allerdings nur durch recht zweifelhafte Entscheidungen des schwachen Spielleiters. 1900 war dem Gastgeber technisch und taktifch überlegen. 1900 IH — Steinbach I 3:3 (1:1). Man bekam außerordentlich schwache Leistungen der Platzherren zu sehen. Dor dem Seitenwechsel hatte 1900 mehr vom Spiel, kam aber über e»n mageres 1:1 nicht hinaus, da es am Verständnis untereinander allzusehr mangelte. Steinbachs Starke lag in der großen Schnelligkeit und die ersatzgeschwächten 1900er waren vom Glück begünstigt, als sie durch Derwondeln eines Elfmeters das unentschiedene Endresultat Herstellen konnten, das au? Grund der Leistungen nach der Pause nicht mehr verdient war. Schiedsrichter Köhler - Gießen/Lollar leitete recht zufriedenstellend. Deutsche Leichtathletik im Jahre 1932. Eine Rückschau. Wir stehen am Ende der deutschen Leichtathletiksaison. soweit die Bahnwettkämpfe in Frage kommen. Einige Waldläufe, die noch auf dem Iahresprogramm stehen, werden an der Gesamtbilanz nichts zu ändern vermögen. Diese steht vielmehr fest. Die allgemeine Tendenz war, um einen Dörsen- ausdruck zu gebrauchen, lustlos. Es fehlte allenthalben an einer Initiative, die das Ganze vorwärts gerissen hätte. Wir gingen mit fliegenden Fahnen nach Los Angeles und sanken in unserer Stimmung zu Hause trotz kalifornischer Wärme auf den Gefrierpunkt. Statt nun während der Abwesenheit unserer Olympiakämpfer daheim eine große Rührigkeit zu entfalten, zumal sich unter den Fuhausegebliebcnen genügend Spitzenkönner befanden, die für bunte Abwechslung gesorgt hätten, ergaben sich unsere großen Vereine dem Schicksal eines starren Systems, in der Erwartung, daß ihnen nach den Spielen ohne besonderes Zutun eine gute Konjunktur an den Hals flöge. Die Rechnung war falsch: denn diese gute Konjunktur nach Los Angeles blieb ebenso aus, wie die Erfolge bei den Spielen selbst. Dieses gedankenlose Hineinleben in die Rolle einer von beispielloser Geduld getragenen Passivität war eins der hervorstechendsten Merkmale der verflossenen Saison, die uns mit den von keiner Seite restlos geklärten Ursachen über unsere Riederlagen in Los Angeles wie ein Buch mit sieben Siegeln erscheint. (Es ist überhaupt eine höchst merkwürdige Angelegenheit, wenn man bedenkt, daß Deutschland seit der Wiedererweckung der Olympischen Spiele 1896 in Athen noch niemals einen Sieg in der Leichtathletik errungen hat. Der von Frau Radke-Batschauer in Amsterdam über 800 Meter steht hier nicht zur Debatte. Aber lassen wir die Olympiaden einmal aus dem Spiele. Was hat uns die verflossene Saison eigentlich beschert? 3m internationalen Sinne nur die beiden Länderkämpfe gegen Frankreich und die Schweiz, an die wir uns bereits so gewöhnt haben, daß wir sie zum ständigen Teil unseres Iahresprogramms betrachten. Racholympische Feste haben wir nicht zu sehen bekommen, und die Veranstaltungen, die sich vor Los Angeles abspielten, gingen über einen gewissen Durchschnitt nicht hinaus. Die Lähmung des Deranstaltungswiillens der Vereine wirkte sich auch bei den Zuschauern aus. Die Desucherziffern sind gegen frühere 3cchre stark zurückgegangen. Ganz ohne Sensationen geht er auch in der Leichtathletik nicht, mögen Schönredner und weltfremde Idealisten noch so sehr die Abkehr von der Sensation predigen und das Cinfach-Ratürliche in den Vordergrund stellen, bei dem das Publikum davonläuft. Dem gegenüber steht die Welt der rauhen Wirklichkeit mit einem Kreis von Anhängern, die von Zeit zu Zeit wirkliche Höhepunkte oder Kampfmomente erster Ordnung sehen wollen. Die Taten von Hauben, das Drum und Dran seiner Siege über die Amerikaner Paddock und Murchison sowie über die Australier Carr und Par- ritt haben ebenso Tausende und Abertausende von Zu'chauern begeistert, wie der Sieg P e l tz e r s über Wide und Rurmi. (Ein anderes Symptom der allgemeinen Veranstaltungsunlust mag die Tatsache fein, daß unter dem Nachwuchs niemand zur (Extraklasse herangereift ist; denn im Grund« genommen sind es immer «dieselben Gesichter, die man unter den Spitzenkönnern sieht, und diese sind mit zwei Dutzend Namen erschöpft. Die einzige rühmliche Ausnahme bildet hier die Entdeckung des Berliner 400^Meter-Läuifers Voigt. Versteht er mit seinen Kräften hauszuhalten, dann ist ihm eine große Zukunft nicht abzusprechen. Gewiß mögen außer Voigt noch andere aufltrebende Talente da fein, aber sie haben sich noch nicht in überzeugender Weise durchdringen können. Hinsichtlich der Spitzenkönner ist ein Rückgang festzustellen; die Breitenarbeit ist wiederum gewachsen. Hier einige Beispiele: Im Vorjahre gab es 35 Läufer, die die 800 Meter unter zwei Minuten liefen. Das Gleiche haben in dieser Saison 47 Läufer fertiggebracht. In dieser Beziehung ist Deutschland besser dran als irgendein anderes Land in Europa. Allerdings fehlen bei England, solange es nach 7)arbs und Meilen rechnet, die Vergleichs- Möglichkeiten. Frankreich hat beispielsweise nur 22 und Schweden nur 18 Mittelstreckler, die diese Distanz unter zwei Minuten schafften. 5000 Meter waren im vergangenen Jahre 33 Deutsche unter 16 Minuten gelaufen. In diesem Jahre sind aus den 33 Langstrecklern 44 geworden. Weitspringer, die die 7-Meter-Grenze überschritten, gab es 1931 achtzehn. Die diesjährige Saison weist 25 Namen auf. 24 Athleten warfen im Vorjahre den Diskus über 40 Meter, eine Leistung, die in diesem Jahre von 32 Werfern geschafft wurde. Also alles Ziffern, die auf eine kleine Aufstiegskurve schließen lassen. Aber diese Aufstiegskurve ist nur für die Statistiker da. Die große Masse sieht sie nicht, die große Masse mißt die Bewegung der Leichtathletik an der Zahl «der Spitzenkönner und deren Leistungen. An sichtbaren Werten gemessen, muß auch ein von Optimismus getragener Kritiker die Feststellung machen, daß die zu Grabe getragene Saison für die Gesamtbewegung ein Rückgang war. Unter unseren Sprintern ist nur 3 o n a t fj wirkliche Weltklasse. Alle anderen find nur in dem Sinne erstklassig, als sie nur mit einem Bein in der Extraklasse stehen. Körnig hat seinen Höhepunkt überschritten. Er hat Großes geleistet, das soll nicht bestritten werden, aber nun geht es langsam bergab in unverkennbarem Tempo. Hnfere Staffeln waren schon einmal besser als sie es heute sind. Von unseren 400-Meter-Spezialisten konnte in Hannover nur Mehner gefallen: denn auch Büchners große Zeit ist dahin. Voigt ist hier der einzige Lichtblick. In den Mittelstrecken sieht die Situation ziemlich schwarz aus, wenn man bedenkt, daß die deutsche Leichtathletik schon bessere Zeiten gesehen hat. Alle Achtung vor dem Können Dr. Peltzers: es ist erstaunlich, wielange er sich gehalten hat und was er noch heute mit seinen 32 Jahren leistet. Aber er ist keine Welt- klasse mehr seit den Tagen, da er einen Cotoc, Wide und Rurmi bezwang. Danz. Lefever Kaufmann und Hobus waren zu unzuverlässig, um Hoffnungen erwecken zu lassen. Eher darf man solche Hoffnungen von dem Stuttgarter P a u l hegen. Lieber 1500 Meter erwies sich Wichmann als der zuverlässigste Vertreter heg' Jahres, aber selbst seine Bestzeit von 3: 58 genügt nicht, um bei ganz großen Kämpfen bestehen zu können. Die beiden langen Bahnstrecken wurden von Syring beherrscht. Er schien im vergangenen Herbst besser zu fein als er es in diesem Jahre war. 3m Hürdenlaufen halten sich Welscher. Wegner und Deschehnick so ziemlich die Waage. Sie sind für europäische Verhältnisse unbedingt erstklassig. 3m Springen hat es diesmal eine Sensation gegeben. Pasemanns alter Rekord hat in diesem Jahre dran glauben müssen. Der Turnerspringer Dornhöfft hat ihm mit einer Sprunghöhe von 1,93 Meter das Lebenslicht ausgeblasen und ein anderer Turner, der Stab- Hochspringer Müller (früher Cannstatt, jetzt Kuchen) hat den bisherigen Meister Wegner (Halle) entthront. 3m Weitsprung hat Köchermann seine frühere gute Form nicht wiederfinden können. Groh ist der Rückgang im Diskuswerfen. Paulus hat sich gänzlich zurückgezogen und Hoffmeister befindet sich stark im Abstieg. Kilo (Wehlar) ist vorderhand die einzige Nachwuchshoffnung. 3m Kugel st ohen führt noch H i r s ch f e l d, aber Lingnau und Berg (Frankfurt) fangen an, bedrohlich zu ihm aufzurücken. 3m Speerwerfen überragt Weimann alle Konkurrenten um eine ganze Klasse. Roch glücklicher ist Deutschland im Zehnkampf dran, wo es in Eberle und Sievert zwei Athleten von Weltformat besitzt. 3m Marathonlaufen erwies sich die große Hoffnung, die wir im Frühjahr zu dem Oldenburger de Bruyn auf Grund seines Bostoner Sieges hatten, als „Riete". Weit zuverlässiger in seiner Gesamtform war der Berliner Brauch. Die Dahnsaison 1932 ist tot! Es lebe 1933 mit dem Länk^rkamps Deutschland — Schweden als Höhepunkt. WirtschastSnot und Lichtspieltheater. DSR. Frankfurt a. M., 12. Okt. Del Landesverband Hessen und Hessen- Rassau der Lichtspieltheaterbe- siher hielt hier eine Tagung ab. Die Verhandlungen bestanden in der Hauptsache aus zwei interessanten Referaten der beiden Verbandsführer Matter und Hammer, an die sich eine Aussprache anschloh. Matter wies nach daß in den letzten 3ahren ein starker Desucherschwund in den Lichtspieltheatern eingesetzt hat. Auch der Tonfilm habe keinen Aufstieg gebracht, was aber kaum an der Unbeliebtheit des Tonfilms liegen dürfte, sondern an der W irtschaftslage. Zum Beweis der Krisenzeiten, die das LichtsPiel- gewerbe durchmachte, führte Matter u. a. an, daß von rund 5000 Lichtspieltheatern in Deutschland mit etwa 2 Millionen Sitzplätzen rund 2000 Theater feit Juli 1931 einmal, meist aber zwei oder mehrmals, den Besitzer gewechselt haben. Die Vergnügungssteuerfrage stehe natürlich bei Beurteilung der Krise im Vordergrund des 3nteresses. Sie sei für die Kinotheaterbesiher geradezu ruinös, da sie durchschnittlich 12,5 Prozent der Bruttoeinnahmen ausmache. Der zweite Referent Hammer war der Ansicht, daß eine Milderung der Vergnügungssteuer in der nächsten Zeit leider kaum zu erwarten sei. Die Kino- besitzer müßten froh sein, wenn keine Erhöhung der Vergnügungssteuer erfolge. Während über die Qualität der Filme bisher lebhaft geklagt wurde, müsse man jetzt mit Befriedigung festftellen, daß die Produktion des kommenden 3ahres (das Filmjahr läuft von Herbst zu Herbst) besser zu werden verspreche. Es seien eine ganze Anzahl Filme angezeigt, die ein erträgliches Geschäft erwarten ließen. Daten für Donnerstag, 13. Cltobcr. 1821: der Mediziner Rudolf Virchow in Schioel- dein geboren; — 1832: der Dichter Eduard von Tew- peltey in Berlin geboren; — 1873: der Geograph Emil von Sydow in Berlin gestorben, — 1882: der französische Kultur- und Rassenforscher Josef Artur Graf von Gobineau in Turin gestorben, Sprechstunden der Redaktion. 1130 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Wirtschaft. Weitere Arbeiiereinstellungen in Oberheffen. 3m Verlaufe der letzten drei Tage sind im Bezirk des Arbeitsamts Gießen, d. h. in der Provinz Oberhessen, neben den schon gemeldeten Arbeiter-Einstellungen bei der Mitteldeutschen Hartstein-3ndustrie in Rieder-Ofleiden und bei Buderus in Hirzenhain weitere 9 0 Arbeiter eingestellt worden. Don der jetzigen Einstellung entfallen 26 Leute auf die Reichsbahn, die im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Reichsbahn beschäftigt werden, weitere 10 Leute find noch bei Buderus in Hirzenhain angenommen worden, die restlichen 54 Arbeiter wurden von verschiedenen Unternehmern für die von der Reichsregierung geförderten Rotstandsarbeiten (Straßenbau uftoj eingestellt. * Die Hessen-Nassauische Hüttenoer e i n s - G. m. b. H. hat in der gestrigen Generalversammlung den Jnteressengemeinkchastsverttag mit den Buderusschen Eisenwerken einstimmig genehmigt Von den 4,4 Millionen Reichsmark betragenden Gesellschaftskapital waren über 4 Millionen vertreten. , * Die Radioröhrenfabrik G. m. b. H. Hamburg (Valvo) hat in den letzten Wochen über 200 Arbeiter eingestellt und arbeitet in drei Schichten. Eine weitere Vermehrung der Belegschaft ist vorgesehen. Die Einstellungen sind eine Folge der allgemeinen Belebung in der Radioindustrie. * Die Ko st Heimer Zellulose- und Papierfabrik AG., Mainz-Kostheim, ist infolge einer Sonderreglung in der Lohnfrage imstande, das Werk wieder zu eröffnen. Vorerst nimmt am 13. Oktober die Abteilung Papierfabrik den Betrieb wieder auf. Frankfurter Abendbörse freundlich. Frankfurt a. M., 12. Oft An der Abend- börfe blieb die freundliche Grundstimmung erhalten, wobei die Ausführungen des Reichskanzlers nachwirkten. Die Llmsatztätigkeit war aber sehr minimal, da die Kulisse in Anbetracht des weiteren Fehlens von Publikumsorders Zurückhaltung übte, zumal sonstige Anregungen nicht Vorlagen. Gegen den Berliner Schluß blieben die Kurse meist gut behauptet, vereinzelt traten kleine Besserungen von 0,25 bis 0,50 Prozent ein. So für 3.-G.-Farben, Scheideanstalt, Bemberg, Phönix Bergbau und Stahlverein u. a. 3m Verlause blieb es sehr «still, 3.-G.-Farben zogen nochmals leicht an. Von deutschen Anleihen nannte man Altbesitz zunächst etwas niedriger, schließlich kam sie doch imeränbert zur Rotiz. Reichsschuldbuchforderungen blieben behauptet. Festverzinsliche Werte lagen sehr still. Am Auslandsrentenmarkt zeigte sich 3ntercffe für türkische Anleihen. Altbesitz 48,75, Reubesih 6,70, Schutzgebiete 5,70, Türkenlose 11, Gelsenkirchen 39, Phom? 27, Stahlverem 22, Bemberg 54, Scheideanstalt 139, 3.-G.-Farben 94,89 bis 95, Hapag 16,89. Schweinemarkt in Schotten. Schotten, 12. Okt. Auf dem heutigen Schweinemarkt in unserer Stadt waren etwa 350 Ferkel 5 Läuferschweine und 7 Einleger zum Verkauf aufgetrieben. Man bezahlte für_ Ferkel bis zu sechs Wochen alt 7 bis 10 Mark, für sechs bis acht Wochen alte Tiere 11 bis 15 Mark, acht bis dreizehn Wochen alte 15 bis 20 Mark; Läufer- schweine 20 bis 27 Mark, Einleger 28 bis 35 Mark. Der Handel war gut, es verblieb kein lieberftanb. Eine 30köpfige Diebesbande festgenommen. WSR. W o r rn s. 12. Okt. 3n nachhaltiger Arbeit gelang der Wormser Kriminalpolizei die Aufklärung von 33 Einbruchsdiebstählen, die in Worms und Umgebung begangen wurden. 30 Personen aus Worms und Umgebung wurden in der Sache festgenommen. 18 der Festgenommenen find bereits unter Haftbefehl gestellt, 12 Personen aus Worms, Westhofen, Alsheim. Gimbsheim und Eich wurden jetzt feftgenommen und dem Amtsgericht zugeführt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H, Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. M. Serlin Frankfurt a.M. Berlin Schluß- tu re Schlüße Abend- bSrse Schluß- hird Schlußk. Mittag- börse Schlußkur« Schlußk. Abend- bSrse Schlußkurs Schlußk. Mitiog- börse 'Datum 11.10. 12-10. 11-10. 12-10- Datum 1 11-10- 12-10- 11.10. | 12-10- 6% Drilliche INcidjtanleUw v. 192. 72,5 72,5 72,5 72,5 Hamvurg-AmerUa Pale. . . Hamburg-Lüdain. Dampfschiff u 17 16,9 17 16,75 G% chcm. 7%Dt. RcichSanl. V.192S 84,5 85 84,5 85 0 — — — — 6)4% D»ung.Antcche von 1930 . 65,4 67,5 66,25 67.5 Hansa Dantpfschisj . . c — — 26 26,5 Deutsche Vlnl.-Ablos.-Schuld mit 47,4 48,75 46,9 48.75 Norddeutscher Lloyd .... c 17,75 17.4 17,65j 17,5 Auslos.-Rechicn....... A.G. für BerfeijUroeien Akt. 0 38,5 40 39 40,5 Drsgl. ohne AuSlos.-Rechte . . 6.4 6,7 6.35 6,7 Berliner Handelsgesellschaft . 4 91 90,5 91 90,5 6% ehern 8%Hej>. Bolksstaat 1929 Commerz, und PrivatBank . 0 53,5 53,5 53,5 53,5 (rüdjahlb. 102%)...... 66,5 65 67 65,5 Darmstädter und Nationalbank 0 — — — Cberbrlfcn Provinz-Anlelhe mit Deutsche Bank und Auölos.-Rechten...... —• — — — Dirconto-Gesellschaft. . . 75 75 75 75 Deutsche Komm. Sammelabl. Dresdner Bank...... 61,75 61,75 61,75 61,75 Anleihe Serie 1...... 48,65 49,75 48,5 49,25 Reichsbank........ 1: 123,25 124,4 123,25 124,5 6% ehcm. 8% Frankj. Hyp.-Bank 74,25 74.65 32,25 31,4 31,5- stioldple. 15 unkündbar bte 1935 — — A.S.K.......... . C 31,75 6% eiern. 7% Franks. Hyp.-Bank 74,5 Bergmann........ . 0 — — 20,75 20,75 (Solbpie 16 unkündbar bis 1936 6)4% ehern. 4%% Frankf.Hyp.- Bant tiiqu Plaiidbriese . . . 74 — ■ Tlektr. Liefernngögefellschaft. 6 65 66,25 64,75 66,5 79,3 Licht und Kraft...... 6 85 85 84 85,25 79,25 — — Felten & Guilleaume.... Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... Rheinische Elektnzität . . . 0 55 57 55,5 56,5 6V*% ehem.4ft%WheinW Hnv -Bank-Ligu-Goldpse. . . 79 79,25 — 4 69,25 69,75 68,25 69,5 6% ehern. 8% Pr. Landesptand- 72,5 53 73 73 73 — brirlanftali Bsandbriese R. 19 73 72,5 Schuckert & Co....... c 69,5 71 68.75 70,5 6% ehern. 7% Vr. LandeSpsand- Siemens S H allste..... 9 116,5 116,5 116,5 117 bricfanftalt. Pfandbriefe R. 10 72,5 72,5 — - Lahmeyer & So....... 10 118 118,75 118,5 119,5 4% Oesterretchische Solbrenie . 10,25 10,25 — 10,2 Buderus......... 4 39,25 39,75 39,25 40,13 4,20% Oesterreichische Gilbenenk 1,2 1,15 1,2 1,15 Deutsche Erdöl...... 6 71,25 71,75 70,25 70,75 4% Ungarische Äoldrenle . . . . 4% Ungarische StaoMrente v. 1910 6,75 6,75 6.7 6,75 Gelsenkirchener...... 8 39 39 39 38,25 6,75 6,75 6,8 6,5 Harpener......... Hoesch «Äsen........ 0 73,5 74,25 73,4 73,9 4%% de«gl. von 1913..... — 6,5 6 — — 35,9 36 5% abgest. Soldmerllaner von 99 6,75 6,75 — Ilse Bergbau....... Ilse Bergbau Genüsse . . . 10 — •• 123 121,75 4% Türkische Zoll anleihe von 1911 3,5 3,4 3,3 3,5 98 98 98 97,5 4% Türkische Bagdadbahn. Anleihe Rlödnertoerte....... . e 33 34 33,25 33,9 Serie 1........... 4% betfll. Serie II....... 3,7 3.9 3.85 3,95 Mannermann-Röhrrn . . . . 4 52,5 52,75 51,75 52,75 3,5 I 3,75 3,65 3.65 ManSselder Bergbau .... . 0 19,5 20,5 20,5 20,5 6% Rnmän. Dereint). Rente v. 1901 4,8 4,75 4,65 । 4,5 Oberschles. kokiwerkc . . . . 8 36 37,13 ä^%«nm4n.vereioh.Renlev.lgl2 4% tRumdnlfdw vereinh. Rente I Anatolier 8,25 4,3 I 8,65 | 4,35 8,25 4.4 8,3 I 4,25 Dhöaft Bergbau...... Rheinische Branntohllm . . . 4% 10 26,5 165 27 166,5 26,4 164,5 26,9 165.5 18.25 I 18.25 18.25 1 18.25 Nbeinstnhl........ . e 65 66 65 66 Frankfurt a. 271. Berlin Deoifenmarkl Berlin — Jranffurf a. Hl. Schluß- Schlußk. Abendbörse Schluß» Schlußk. Mitiog- börse. 11.Oktober 12-Oktober fürs kurtz Amtliche Notierung Amtliche Notierung Oakum 11.10. 12.10. 11-10. 12-10- sriei Heisings or» . Wien. . . - 6,274 6,286 6,254 6,266 Riebeck Montan...... 7,2 — — —— — 51,95 52,05 51,95 52,05 Bereinigte Stahlwerke . . . . 0 21,5 22 21,5 21,75 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Otavi Minen....... 0 15,5 16,75 15,75 16,75 Budapest . . — — — Kaliwerke Aschersleben . . . 6 101 101 101 100,4 Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Kaliwerke Westereaeln . . . Kaliwerke Salzdetfurth . - - 6 — 106 106,9 108 Holland . . 169,63 169,97 169,48 169,82 S 160 164 163 165,5 Oslo.... 73,18 73,32 72,98 73,12 Kopenhagen. 75,32 75,48 75,17 75,33 94,65 Stockholm . 74,58 74,72 74,43 74,57 I. G. Farben-Industrte . . . 7 94,65 95 94,25 London. . . 14,53 14,57 14.49 14,53 Scheideanstalt....... 10 138,5 139 — Buenoö Aires 0,890 0,894 0,890 0,894 Goldschmidt........ . 0 25,5 27.25 26 27,65 Reuyork . . 4,209 4,217 4,209 4,217 RütgerSverke....... . 0 39,75 39.75 39,25 39,5 Brüssel. . . 58,48 58,60 58,44 58,56 Metallgesellschaft...... . a 34,25 34,5 35 35 Italien. . . 21,56 16,53 21,60 21,56 21,60 Pari» . . . 16,57 16.515 16,555 Schwei, . . 81,32 81,48 81,22 81,38 Philipp Holzmann..... Zementwerk Heidelberg. . . . 0 54,5 56,5 54,5 56,9 Spanien » . 34,47 M,53 34,47 34,53 . 4 50 50 —— — Danzig. . . 81,97 82,13 81,92 82.08 Cementwerk Karlstadt. . . . . C 52,25 54 — — Japan . . . 0,989 0,991 0,989 0,991 Wapß & Frey tag..... . 0 4,75 4,5 4,13 Rio de Jan.. 0,294 0,296 0,294 0,296 Jugoslawien. Lissabon . - 5,894 13,22 5,906 13,24 5.894 13,20 5,906 13,22 Schultheis Patzenhoser . . . 0 —— 53,5 55 Aku kAllgemeine Kunstseide) 0 55 55,75 54,25 56 Banknoten. Bemberg......... Zellstoff Waldhos..... Zellstoff Aschaffenburg . . . 0 0 53,5 43,75 53 51,5 53 44,5 43.9 44,5 Äerlio, 12- Oktober Selb Ärief 0 29,5 30 rimeitiantldic Noten . . . 4,20 4,22 Dessauer Gas....... . 7 — — 90 89.9 Belgische Noten..... 58.28 58,52 Daimler Motoren..... . 0 19,5 20 19,25 20,13 Dänische Roten..... 75,00 75,30 Deutsche Linoleum .... . 0 45 45,5 44,5 44,75 Englische Roten..... 14,45 14,51 Orenstein & Koppel .... . 0 —— 33,75 35 Französische Roten.... 16,475 16.535 Leonhard Tietz...... . 6 47 47 47 47 Holländische Noten.... 169,11 169.79 Svenska......... . 0 — — — — Italienische Noten . . . . . . . 21,51 21,59 Cbade.......... 1? 165 171 165 170 Norwegische Noten.... 72,80 73,10 Deutsch-Oesterreich, * 100 Schilling — — Rumänische Noten .... 2,44 2,46 Frankfurter Maschinen . . . Sritzner......... - 1 | - - Schwedische Noten.... 74,25 74,55 25,5 26 26,75 26,13 Schweizer Noten..... . . , , 81,04 81,36 Mmnkraftwerke Höchst a. D.. . 54 1 54 Spanische Noten..... . e • . 34,33 34,47 Süddeutscher Zucker | — 1 127,5 1 127 126 Ungarische Roten . . . .