Nr. 215 Erster Blatt 182. Jahrgang Dienstag, 13. September 1952 Erschein» täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Schall« Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschliisse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger tieften. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen Vnrck und Verlag: vrühl'fche Univer^nttr-Vuch- und Steinörncferci R. Lange in Stehen. 8chriftleitung und Geschäftsstelle: Schulttrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfennig: für Ro- blameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrist 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. OiegroßeLleberraschung Don unserer Berliner Redaktion. Dom formalen verfassungsrechtlichen Gesichtspunkt aus kann kein Zweifel bestehen: der Reichstag ist ausgelöst und er hat seine normalen gesetzgeberischen Funktionen verloren. Seine Rechte bestehen nur in dem Maße weiter, wie sie der Reichstagspräsident und der lieber- toachungsausschuß nach den gesetzlichen Destim- mungen aus^uüben verinag. Die staatsrechtliche Auffassung des Reichstagspräsidenten, daß eine Regierung nach einem Mißtrauensvotum das Auslösungsdekret nicht mehr gegenzeichnen dürfe, ist offenbar unzutreffend. Wie oft hat der Reichstag in der Aera Brüning dramatische Stunden erlebt, in denen vor allem finanzpolitische Abstimmungen mit der -Vertrauensfrage verknüpft waren und in denen der Kanzler mit der roten Mappe bereitstand, um im Falle einer ungün« stigen Abstimmung die Entscheidung des Reichspräsidenten zu verkünden. Niemand hat damals Den Gedanken gehabt oder geäußert, daß ein solches Verfahren verfassungsrechtlich unzulässig sei. Schließlich löst ja nicht die Regierung, sondern es löst der Reichspräsident aus, und außerdem ist die Reichsregierung bis zu dem Augenblick, wo ihre Demission angenommen ist, im Amt. Der Fall wäre also klar. Etwas zweifelhaft muß schon die Antwort auf eine zweite Frage ausfallen, die dahin geht, ob nach der Abstimmung des Reichstags die Notverordnungen noch in Kraft sind nachdem sie mit einer überwältigenden Mehrheit vom Reichstag für ungültig erklärt wurden. Entscheidend dafür ist, ob der Reichstag schon vor dem Ende der Abstimmung aufgelöst war oder ob diese Tatsache erst mit der Verlesung des Dekrets durch den Reichstags- Präsidenten geschaffen wurde. Praktisch werden aber die staatsrechtlichen Diskussionen zunächst bedeu- lunaslos, da der Standpunkt der Regierung auf den Besitz der Macht gestützt ist. Ganz anders stellt sich aber sofort die Loge dar, wenn man den Boden der formalrechtlichen Verfassung verläßt und von der politischen Seite an die Dinge herantritt. Da sieht die Sache doch nicht mehr ganz so unbedenklich aus. Der Taktik Görings ist es nun doch gelungen, in dem entscheidenden Wettrennen kurz vor dem Zielband einen kleinen Vorsprung zu gewinnen. Der Kanzler ist nicht dazu gekommen, an das Ende dieses Reichstags seine beabsichtigte programmatische Kundgebung zu stellen. Am Ende steht vielmehr jetzt die Kundgebung des Reichstags, steht eine Mißtrauenserklärung, die von fast 95 Prozent der Volksvertretung ausgesprochen wurde. Was rechtlich nicht von Bedeutung sein mag, kann es politisch moralisch ■um so mehr sein. Dessen war sich auch der Kanzler voll bewußt, und darum wollte er ja bie Auflösung vor dem Eintritt in die Abstimmung verkünden. Er ist gewiß überrumpelt worden. Aber wie politische Effekte erzielt werden, ist ja oft nebensächlich. Die endgültigen Tatsachen entscheiden. Roch eines kommt hinzu. Aus der Abstimmung ergibt sich für die öffentliche Meinung nun ganz sichtbar, daß die Regierung Pa- pen zunächst nur getragen ist von einer Partei, wenn es nicht gelingt, für den Wahlkampf ganz neue Fronten und ganz neue Parolen herauszuarbeiten. 3n den kommenden Erwägungen wird natürlich die Reform des Wahlrechts auf dem Berordnungswege eine Rolle spielen. Denn das kann der Regierung natürlich nicht als eine erfreuliche Aussicht erscheinen, daß sie in diesem Wahlkampf vielleicht nur zehn Prozent aller vom deutschen Volk abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. 3m Hintergrund steht aber auch noch dräuend das preußische Problem. Der Preußische Landtag kann nicht vom Reichspräsidenten und auch nicht von dem Reichskommissar Papen in seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident aufgelöst werden. Dazu bedarf es der Mehrheit in dem Drei-Männer-Kollegium, in dem außer Papen beziehungsweise Bracht noch der Rationalsozialist K e r r l und der Zentrums- mann Adenauer sitzen. Es besteht also keine Aussicht, ohne Verfassungsbruch den Preußischen Landtag auszulösen und ihn an der ordnungsmäßigen Wahl eines Ministerpräsidenten zu hindern. Rach den Vorgängen im Reich ist anzunehmen, daß sich die preußischen Parteien nun sehr schnell auf eine Aktion nach dieser Richtung einigen werden. Dabei ist jetzt zu besorgen, daß eine solche Aktion nicht mehr unter sachlichen Gesichtspunkten stehen, sondern in verstärktem Maße von der Rücksichtnahme auf den Wahlkampf geleitet 'ein wird. Auch in den Beziehungen zwischen Reich und Preußen droht also eine Verschärfung des Konflikts Es ist durchaus möglich und wa>hrscheinlich. daß eine schnell gebildete Koalitionsregierung mit deutlicher Spitze gegen die Regierung int Reich unter den gleichen Gesichtspunkten des Rotstandes vom Reichspräsidenten abgesetzt wird, wie das mit der Regierung Braun- Severing geschehen ist. Denn es ist natürlich, von einem objektiven Standpunkt aus gesehen, untragbar, daß in Zeiten solcher politischen Hochspannung in der Reichshauptstadt wieder zwei Regierungen gegeneinander arbeiten und sich gegenseitig entscheidendes Handeln unmöglich machen. Cs kann nur ein gradliniger Kurs gesteuert werden, zumal trotz der politischen Beunruhigung durch den Wahlkampf den Rotwendigkeiten der Wirt- schaftsbelebung auf der Grundlage des Regierungsprogramms die ganz übergeordnete sachliche Bedeutung zugesprochen werden muß. Das Echo der Reichslagsauflösung. Berliner preffestimmen zur Gensation des 12. September. Berlin, 13. Sept. (TU.) Die Berliner Blätter nehmen zu den Vorgängen, die zur Auslösung des Reichstages sührten, ausführlich Stellung. Die „G e r m a n i a" (Zentrum) betont, die groteske Verwirrung im Reichstag sei mehr das Produkt merkwürdiger Zufälle und Ueberraschungen, als das Ergebnis eines zielbewußten Willens gewesen. Die Kämpfe, deren Folgen noch nicht zu übersehen seien, aber mit Gewißheit uns wirtschaftlich und politisch den schwersten Schaden zufügen würden, wären zu vermeiden gewesen und hätten vermieden werden müssen. An diesem gebieterischen aller nationalen Ziele, für dessen Erreichung große Parteien und große Teile des Volkes initzuarbeiten bereit gewesen seien, habe die Reichsregierung völlig versagt. Das große Experiment habe begonnen. Zur Kanzlererklärung schreibt das Blatt, manches, was der Reichskanzler ausführte, darf gewiß auf weitgehende Billigung rechnen. Aber wenn man hier und da seine Zustimmung äußern kann, so ist man gegenüber anderen Zielen zu um so schärferer Ablehnung genötigt. Wir finden, daß noch niemals eine politische Doktrin starrer festge- halten ust'd durchgeführt wurde als die, um deretwillen die Reichsregierung jetzt das deutsche Volk in neue und verhängnisvolle innere Kämpfe gestürzt hat. Der „Lokalanzeiger" (dschntl.) hält es für einen verhängnisvollen psychologischen 3rr- him, daß die Rationalsozialisten beim Schluß der verfassungswidrigen Sitzung eines aufgelösten Reichstages mit demonstrativem Händeklatschen Genugtuung darüber zu markieren gesucht hätten, daß sie zusammen mit dem Zentrum, der Sozialdemokratie und den Kommunisten eine gewaltige Mehrheit in diesem nicht mehr existierenden Reichstag gehabt hätten. Der „Lokalanzeiger" nennt die Sitzung das groteske Schauspiel eines Parlaments in der Agonie und frag£: Was wollen die Rationalsozialisten gegen ein zum großen Teil schon Tat gewordenes Regierungsprogramm einwenden, das all die von ihnen preisgegebenen Grundsätze zur Wirkung und zu Ehren bringt? — Der „T a g" (dtschntl.) warnt davor, die Krise, die durch die Handlung des Reichstages ausgebrochen fei, zu unterschätzen. Man solle sie aber auch nicht überschätzen. Was am 20. 3uli vor der Staatsautorität abtreten mußte, die Führerschicht des 9. Rovember 1918, sei im Grunde noch viel stärker gewesen als der Parlamentarismus, der in den Herzen deutscher Menschen schon lange nicht mehr verwurzelt fei. 3n dieser Stunde gebe es gegen die Derranntheit parlamentarischer Parteien, die bis zu einer Einheitsfront der Rationalsozialisten mit dem Zentrum, den Demokraten, den Sozialdemokraten gegangen fei, nur einen Appell an den deutschen Menschen: Heil Deutschland! — Die „Deutsche Zeitung" (alldeutsch) nennt die Weigerung des Reichstags- Präsidenten, die Auflösungsorder anzuerkennen, einen revolutionären Akt. Der Weg der Regierung aus den alles zersetzenden Parlamentarismus heraus müsse entschlossen bis zum Ende weiter beschritten werden. Die „D ö r s e n z e i t u n g" (kons.) empfindet es als tragisches Moment, daß der Aufmarsch zum neuen Wahlkampf sich im Zeichen eines Duells vollziehe, das gestern zwischen zwei Deutschen stattgefunden habe, die beide dem nationalen Lager angehören. Auf der einen Seite der Nationalsozialist Göring, ein glühender Nationalist, auf der anderen Seite terr v. Pape n, dessen Patriotismus über allem Weisel stehe- Es sei ein 3ammer, daß über die nationale Bewegung Deutschlands nach einem so glänzenden Aufstieg das schwere Unglück hereinbrechen mußte, das der gestrige Vorgang im Reichstage mit seinen Folgen ohne Zweifel gewesen sei. Die .Deutsche Allgemeine Zeitung" (Konserv.) bezeichnet die Auffassung des Reichstagspräsidenten als irrig, daß das Auflösungsdekret nicht rechtsgültig sei. Das Blatt meint, daß kein Vorfall in der Reichstagssihung für den nationalen Menschen so erregend gemeßen sei, wie der demonstrative Auszc g der Deutschnationalen aus dem Sitzungssaal und der Chor des Hasses, der ihn bei der nationalsozialistischen Partei be- London, 13. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die dramatischen Vorfälle, unter denen fich gestern die Reichstagsauflösung vollzogen hat. werden von der Presse ausführlich geschildert. „Mor- ning-Post" spricht zwar von dem Kabinett in unfreundlichen Ausdrücken, wie.Wiedererstandenes 3unk.r.um", glaubt aber, daß ganz Deutschland und nicht nur der Adel im Grunde die Tatsache begrüße, daß endlich eine Regierung gefunden wurde, die dem Auslände gegenüber eine mit Deutschlands Würde übereinstimmende Haltung einnimmt. Hitler, so meint das Blatt, fürchte unter solchen Umständen die Befragung des Volkes. Sein Stern stehe tiefer als feit Monaten. Wenn nichts Außerordentliches eintreten sollte, so werde die Regierung im Sattel bleiben. — „Time s" führt aus, wenn die Papenregierung sich nicht um die „Narrheiten" der Parteipolitiker bekümmere, so müsse gerechterweise darauf hingewiesen werden, daß es mit den parlamentarischen Regierungen bereits vor Papen sehr bergab gegangen sei. Weil die jetzige Regierung keine Vertreterin der parlamentarisch herrschenden Ansichten sei, brauche noch nicht geschlossen zu werden, daß sie gar keine Fühlung mit der öffentlichen Meinung hat. Besonders gelte dies auf dem Gebiet der Außenpolitik. 3m übrigen habe sie die Unterstützung des Reichspräsidenten und habe offenbar die Absicht, im Amte zu bleiben. — „Financial News" erklärt, eine Regie- gleitete. Wenn der Druderkampf an dem Punkte angclangt fei, den auch der Reichskanzler in seiner Rede mit starken und eindrucksvollen Worten bezeichnete, dann müsse es desto schlimmer um uns bestellt sein, als doch das Ziel gemeinsamer Neuordnung des Staates auf lange 3ahre hinaus greifbar vor unseren Augen gestanden habe. Was der Reichskanzler in seiner Rede als Pläne und Ziele der Regierung anhin» digte, werde in den breiten Schichten deS Volkes überwiegend Beifall finden. Der „B ö r s e n k u r i c r" (dem.) stellt die Schuld des Reichstages fest, daß der alte Partei- geift, der seit langem seine ursprünglich so große Macht zerstört habe, st ä r k e r gewesen sei als die unbedingte Pflicht, dem Leiter der Regierung Gelegenheit zu geben, ihre wirtschaftspolitischen und vor allem ihre außenpolitischen Pläne vor dem deutschen Volk und vor der Welt bekanntzugeben. Nicht einmal die Notwendigkeit, sich einmütig hinter den Kamps der Regierung um die Gleichberechtigung Deutschlands zu stellen, hat der kleinliche Partei- egoismus erfaßt. Die Anklage, die der Kanzler in seiner Rundfunkrede erhoben habe, werde auf weite Kreise des deutschen Volkes, die des sinnlosen und traurigen Parteihaders gründ- rung, wie die des Reichskanzlers von Papen, könne nicht in einer friedlichen Atmosphäre gedeihen. Der Aufrüstungsfeldzug und andere Kundgebungen des zunehmenden deutschen Militarismus würden die politische Arena beherrschen. Oer „Völkische Beobachter" zur Reichstagsauslösung. München, 13. Sept. (E91B. Funkspruch.) Der heutiae Leitartikel des „Völkischen Beobachters, der von Alfred Rosenberg stammt, nimmt an, daß die gestrige Reichstagsabstimmung noch rechtmäßig zustandegekommen sei, und argumentiert an Hand ihres Ergebnisses, daß das Kabinett außenpolitisch aktions - und verhand- lungsunfähig sei. Davon leitet dann Rosen- berg die zukünftige Linie der NSDAP, ab, in deren Händen, wie er erklärt, nunmehr b i e Führung des Wider st andes der Nation gegen die „herrschende dünne Oberschicht" liege. Der jetzt entbrennende Kampf müsse mit gleicher Zielgleichheit gegen alle antisozialen Kräften geführt werden und bie gesamte Nation sei burch bie NSDAP, heute aufgerufen für ihr Recht, für ihr Leben zu kämpfen. Die Verantwortung für biefe Situation angesichts ber Gegner in West unb Ost falle auf bas Haupt jener, bie sich ber ringenden Nation in den Weg stellten. Englische Kommentare. Sobald man jedoch an diesen Punkt gelangt, drängen sich im Gesamteindruck nach dieser Ueber- raschung die Gefühle des Schmerzes und der Sorge besonders auf, tritt die Frage in ihrer ganzen Schwere vor alle Beteiligten: war das wirklich nötig? politische Aktivität auch in Preußen. Berlin, 13. Sept. (VDZ. Funkspruch.) Nach ber überraschend plötzlichen Auflösung des Reichstages herrscht heute auch in preußischen politischen und parlamentarischen Kreisen eine starke politische Aktivität. Die N a t i o n a l s o z i a l i st e n halten sich durch ihre fiihrenden Persönlichkeiten wie den Land- tagspräsibenten Kerrl in ftänbiger Derbinbung mit Aböls Hitler unb ber Reichstagsfraktion. Es heißt, baß bie preußischen Koalitions- besprechungen zwischen Zentrum unb National- sozialisten nun beschleunigt burchgeführt werben sollen, wobei ber enbgültige Termin für bie nächste Lanbtagssitzung bisher nicht anberaumt worden ist. Zur Beschleunigung der Koalitionsbesprechungen dürfte das Gerücht beitragen, daß die Regierung erstrebe, den Preußischen Landtag a u fzu losen, noch ehe ein preußischer Mini- st erpräs ident gewählt werden könne. Von gut unterrichteter Stelle können Erklärungen zu diesem Gerücht bisher nicht abgegeben werden. Eine Erklärung der Deutschnaiionalen. Berlin, 12. Sept. (VDZ.) Die deutsch- nationale Reichstagsfraktion veröffentlicht folgende Erklärung: „Nachdem die Nationalsozialisten im Verein mit dem Zentrum den vergeblichen Versuch gemacht hatten, den Reichspräsidenten zur Aufrichtung einer neuen Parteiherrfchast zu bewegen, sind sie in der Reichstagssitzung vom 12. September zur offenen Revolte gegen die Staatsführung geschritten. Der Reichstags- Präsident Göring hat die Entgegennahme der verfassungsmäßigen Auflösungsorder verweigert und ist in der Nichtachtung von Recht und Gesetz soweit gegangen, daß er die Auslösung als ungültig zu bezeichnen wagte. Das bedeutet die Ausrufung der Parteiherrschaft gegen den Staat. Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat den Reichstag verlassen. Als Grundparlament blieben zunächst die Parlamentsparteien, bestehend aus Nationalsozialisten, Sozialdemokraten, den Kommunisten und dem Zentrum in fruchtloser Demonstration zusammen, um schon eine Stunde später in Streit zu geraten. Wir Deutschnationale werden uns nach wie vor für die autoritäre Staatssüh- rung des Reichspräsidenten v. Hin-- benburg gegen Parlament und Par- teiherrschast einsetzen. Wir sind dessen gewiß, daß in diesem Kampfe das nationale Deutschland, das die Parteiherrschaft Haffen gelernt hat, zu uns steht. Der 12. September muß zur Geburtsstunde des neuen Deutschland werden." Die Zentrumsfrakiion zur Auflösung des Reichstags. Berlin, 12. Sept. (TU.) Die Zentrums- f r a 11 i o n des Reichstages trat am Montagabend ZU einer Sitzung zusammen, um die burch bie Auslösung bes Reichstages geschaffene Lage zu besprechen. Nach eingehenber Aussprache sanb bie nach- stehenbe Verlautbarung bie einstimmige Zustimmung ber Fraktion: „Die Zentrumsfraktion erblickt in ber von ber Regierung ausgesprochenen Erklärung ber Auflösung bes Reichstages eine schwere Schäbi- gung von Volk unb Wirtschaft unb eine verhängnisvolle Verschärfung ber innerpolitischen Spannungen unb Gegensätze. Nach ber Auffassung ber Zentrumsfraktion hätte biefe erneute Erschütterung unseres gesamten Volkslebens oermieben werben können unb müssen. Die Zentrumsfraktion hat nichts unversucht gelassen, um alle positiven Möglichkeiten zu einer sachlichen Zusammenarbeit zwischen Reichsleitung unb Volksvertretung auszuschöpfen. Die Reichsregierung hat inbeffen jeben berartigen Versuch vereitelt. Die Zentrumspartei muß baher jebe Verantwortung für bie verhängnisvollen Folgen btefer Auflösung ablehnen, bie »eher bem Wortlaut noch bem Geiste ber Verfassung entspricht. Getreu ihrer bewährtet; Ueberlieserung als Verfassungspartei und als Hüterin der Volksrechte wirb bie Zentrumspartei ihren Weg unbeirrbarer Sachlichkeit zum Wohle bes Volksganzen mit äußerster Entschlossenheit fortsetzen." Die Deutsche Volkspartei. Berlin, 12. Sept. (TU.) Die Deutsche Volks- Partei erklärt: „Was wir nicht für möglich gehalten haben, ist eingetreten. Die Mehrheit bes Reichstages hat ein Mißtrauensvotum gegen bie Reichsregierung angenommen, bevor noch ber Reichskanzler Gelegenheit erhielt, die politischen Pläne bes Ka- binetts vorzutragen. Wir bedauern aufs Tiefste, baß bie Parteien bes Zentrums unb ber Nationalsozialisten bei biesem Vorstoß ber F u h - rung ber Kommunisten gefolgt sinb. Das Zusammenspiel machtlüsterner Parteien hat bamit feinen größten unb hoffentlich letzten Triumph gefeiert. Die Mehrheit bes Reichstages hat gegenüber einer Regierung, bie gewillt ist, gewissenhaft unb mutig ihres Amtes zu walten, Staat unb Volk vom Abgrunb zurückzureißen, voreilig unb übermütig ben Streit vom Zaune gebrochen. Bei bem Kampf um staatliche Ordnung unb wirtschaftlichen Ausbau lautet bie Parole ber Deutschen Volks- Partei auch in Zukunft: FürHindenburg unb das R e i ch". Eine Erklärung der Staaispariei. Berlin. 12. Sept. (VDZ.) Don der Deutschen Staatspartei wird dem Nachrichtenbureau des Vereins deutscher Zeitungsverleger mitgeteilt: Die Abgeordneten der Deutschen Staatspartei Dietrich, Heuß, Lemmer und Stolper haben sich an der heutigen Abstimmung über den kommunistischen Antrag auf Aufhebung der Notverordnung vom 4. September, verbunden mit einem Mihtrauensantrag gegen das Gesamtkabinett, nicht beteiligt. Ein Verfahren, das von vornherein zu schwersten Konflikten führen mußte, konnten sie im 3nteresse des deutschen Volkes nicht verantworten. 3n der Tat hat dieses Vorgehen alsbald zu dem gefährlichsten Der f as s un g s k on f l i k t geführt, den die deutsche Republik bisher zu bestehen hatte. l i ch müde geworden sind, ihren Eindruck nicht verfehlen. Die „Voss. Ztg." (dem.), die dem Reichs- tagspräsitenten Göring den Vorwurf macht, der Lage nicht gewachsen gewesen zu sein und die „guten Verven und rasche Entschlußkraft" der Reichsregieruna anerkennt, meint, daß die Erklärung des Kanzlers in ganz Deutschland mit einer Begleitmusik gehört worden sei, die den dramatischen Effekt nur gesteigert habe. Das Werk der Regierung sei kein Erzeugnis des altneuen autoritären Staatsgeistes, fentern die Frucht ter vorausgegangenen entsagungsvollen Jahre, die es ermöglichten, jetzt das Steuer Herumzuwersen und ohne Gefährdung der Währung ter Schrumpfung ter Wirtschaft entgegenzuwirken. — Das „Berl. Tagebla11" (demokr.) spricht von einem gut gespielten Theater, von dem sich die Vationalsozialisten offenbar eine hervorragende Propagandawirkung versprächen. Die Vationalsozialisten könnten gewiß nicht für sich in Anspruch nehmen, daß sie die Sieger des gestrigen Tages seien. Sie spielten nur, wieder einmal, ein bißchen Theater und verletzten die Verfassung, als deren Hüter sie sich neuerdings so gerne aufspielen. 2Der auch die Regierung habe nicht gerate staatsmännisch geglänzt. Der „Vorwärts" bringt einen ganzseitigen Aufruf der SPD., in dem zum Kampf gegen Hitler und Papen aufgefordert wird. Das Blatt ist der Auffassung, daß Nationalsozialisten und Zentrum die volle Verantwortung dafür trügen, daß ein rechtsgültiger Beschluß zur Aufhebung der Notverordnung nicht zustande gekommen sei, da der Kanzler in der halbstündigen Pause die Auflösungsorder beschaffen konnte. Die Programmrede des Kanzlers fei eine außerordentlich scharfe Kampfansage an einen großen Teil des Volkes. Frankreichs Antwort auf die deutsche Nüstungsdenkschrifi. Berlin, 12. Sept. (WTB.) In der Antwort, die die französische Regierung auf die deutsche Denkschrift zur Gleichberechtigungsfrage erteilt hat, heißt es u. a.: Vach der Mitteilung an unseren Botschafter wünscht die Berliner Regierung zunächst in eine vertrauliche Aussprache mit uns einzutreten. Sie gibt einem Wunsche nach Offenheit Ausdruck, dem die französische Regierung rückhaltlos und ohne Hintergedanken zu entsprechen beabsichtigt. Die deutsche Regierung beruft sich darauf, daß der Verlauf der Abrüstungskonferenz möglicherweise unbefriedigend bleiben wird. Es bedarf kaum eines Hinweises darauf, daß diese Auffassung den Ereignissen vvr- greift und sich bei gerechter Bewertung des bereits Geleisteten nicht rechtfertigen läßt. Die Regierung ter französischen Republik ist sich bewußt, alles getan zu haben, was in ihrer Macht lag, um ein ordnungsmäßiges Fortschreiten ter Arbeiten der Konferenz zu ermöglichen. Sie hat die von ihr aufgestellte These hinsichtlich der Sicherheit für einen späteren Zeitpuntt zurückstellen lassen; sie hat sich damit einverstanden erklärt, daß die Prüfung dieser These ebenso lange verschoben wurde, wie dies von Deutschland für die Prüfung seiner Forderung auf Gleichberechtigung verlangt wurde. Sie hat überdies ihren Willen zur Herabsetzung ter Rüstungen dadurch bewiesen, daß sie im französischen Parlament einen Antrag auf Herabsetzung der Wehrausgaben um etwa 1500 000 000 Franken zur Annahme brachte. Diese Herabsetzung entspricht dem Iahresbetrage an Reparationen, auf den sie verzichtet hat. wenn die deutsche Regierung sich für berechtigt erklären wollte, ihren eigenen Rü- fiungssiand unter Berufung darauf zu ander n, daß von dem jetzt in Vorbereitung stehenden Abkommen nur unzureichende Ergebnisse zu erhoffen seien, so würde sie nicht nur den klaren Verpflichtungen aus dem von ihr unterzeichneten vertrage zuwiderhandeln, sondern sie würde durch ihre Haltung auch die künftige ver- wlrNichung der allgemeinen Abrüstung, wie sie ste ihrer eigenen Erklärung nach wünscht, unmöglich machen. Man hat Frankreich einen Vorwurf aus der Art gemacht, wie es den Sicherheitsgedanken und das Wort Sicherheit verwendet. Es handelt sich um dieselbe Votwerckrigkeit, auf die die deutsche Regierung sich mit Recht beruft, wenn sie schreibt, Deutschland habe ein Recht a u f „s e i n e n a ti onale Sicherheit". 3n Erklärungen ter jüngsten Zeit, denen wegen der amtlichen Eigenschaft chres Urhebers Bedeutung beizumessen war, wurde gesagt, Frankreich wolle durch die Vertretung dieser Sicherheitsthese einen verschleierten Imperialis- mus verdecken. Vichts ist falscher als das. Frankreich nimmt für sich keinerlei Vorrechte ^Anspruch. Es fordert nur seinen recht- mäßigen Anteil an einer für alle geltenden Sicherheit. Frankreich ist nicht nur bereit, etwaige Anregungen Deutschlands zu prüfen, sondern es bittet um solche Anregungen ebenso wie um die der übrigen Staaten. 3m Abschnitt VII sagt die deutsche Vote, „es komme dabei einmal auf organisatorische Aenderungen an, wie z.B. Abschaffung der aktiven Dienstzeit der Langdienenden und Freiheit m der Gliederung der Wehrmacht, zum anderen auf die kurzfristige Ausbildung einer besonderen wehrpflichtigen Miliz für Zwecke der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung sowie des Grenz- und Küstenschutzes". Hm sicher zu sein, daß sie diesem Text keine irrtümliche Auslegung gibt, hat die französische Regierung sich an die eingehenden Angaben gehalten, die ter Herr Reichswehrminister in der „Vew Times" vom 8. August, der Zeitschrift der .^eimatdienst" vom 1. September und gegenüber dem Berichterstatter der Zeitung „Resto del Carlino" am 31. August gemacht hat. Es handelt sich demnach darum, dah für Deutschland auf dem Gebiete des Heeres. Luftstreitkräfte, Kampfwagen, schwere Artillerie sowie Luft- abwehrgeschütze und auf dem Gebiete der Marine. Unterseeboote, Flugzeugmutterschiffe und Panzerschiffe gefordert werden. kein Zweifel: Es handelt sich hier um eine Ausrüstung. Schon jetzt muß darauf hingewiesen werden, daß diese Aufrüstung sich unabwendbar auf alle die Staaten aus- dehnen würde, die durch Verträge an ein ähnliches Regime gebunden sind wie Deutschland. Eine Aufrollung des ganzen mittel- und osteuropäischen Problems wäre also die unmittelbare (folge, und auf dieser breiten Grundlage würde das Wettrüsten von neuem beginnen. An der (frage, die Frankreich vorgelegt worden ist, ist also ganz Europa unmittelbar interessiert und Frankreich kann sich nicht darauf einlassen, auf ein Problem von solchem Umfange f ü r s i ch allein eine Antwort zu erteilen. Wenn also Deutschland auf seinen Absichten besteht, so mutz eine allgemeine Aktion durchgeführt werden, aber nicht auf dem Doden der Abrüstungskonferenz; und zwar zurlächst deshalb, weil die Forderung Deutschlands dem Ziel dieser Konferenz seinem Wesen nach direkt zuwiderläuft und ferner deshalb, weil an dieser Konferenz Vertreter von Vationen teilnehmen, die an den Friedensverträgen nicht beteiligt waren. Die französische Antwort zitiert dann Artikel 164 des Versailler Vertrages und das Antwortschreiben des Präsidenten der Friedenskonferenz auf die deutschen Bemerkungen. 3n diesem Schriftstück heißt es, es ist keinerlei Aenterung in dem durch den Vertrag bestimmten Rüstungsstande gestattet, bevor Deutschland nicht in den Völkerbund ausgenommen worden ist. Dieser kann etwa wünschenswerten Abänderungen zustimmen. So liegt also die Entscheidung allein beim Völkerbund. Frankreich kann den Verpflichtungen, die es ihm gegenüber eingegangen ist. nicht zuwiterhandeln, und wir behalten UNS vor, vor dem Völkerbund gegebenenfalls die Grünte darzulegen, die uns hindern, einer Wiederaufrüstung Deutschlands jujuffimmen^' Lllles in allem macht die französische Regierung angesichts des deutschen Wunsches nach Befriedung, den wir teilen, auf die Gefahr aufmerksam, die sich für den Wiederaufbau der Weltwirtschaft aus Maßnahmen ergeben würde, die früher oder später zu einer Wiederaufnahme des Militarismus führen können. Frankreich glaubt, daß es bei Wahrung ter eingegangenen Verpflichtungen ihm möglich llt. mit Deutschland nach einem neuen zu suchen, jedoch nicht durch Rückkehr auf den alten Weg ter Vorbereitung jum Kriege, sondern durch Fortschritte in der Organisatio n des Friedens. Aus aller Welt. Zwei Dörfer eingeäschert. F i e s ch (Kanton Wallis), 13. Sept. (WTB. Funk- pruch.) Das Dorf Blitz in gen steht seit heute früh 1.45 Uhr in Flammen. Zur Zeit brennen 20 der größten Wohnhäuser. Das 240 Einwohner zählende Dors bildet rechts und links der Hauptstraße ein riesiges Fl a mm e n m e e r. Der Hauptteil des Dorfes gilt als verloren. Die Feuerwehren des ganzen Oberwallis weilen am Drandort. Nähere Einzelheiten fehlen noch. * Wie aus Klagenfurt (Kärnten) gemeldet wird, ist die Ortschaft Oberdorf! im Rosental durch einen Brand fast gänzlich vernichtet worden. Das Feuer hatte, durch starken Wind begünstigt, so rasend um sich gegriffen, daß die Bewohner kaum alarmiert waren, als bereits das ganze Dorf in Flammen stand. Die Feuerwehren konnten nicht viel ausrichten, weil außer dem Dorfbrunnen kein Wasser zur Verfügung stand. Insgesamt sind 15 Gebäude niedergebrannt und nur ein einziges Wohnhaus ist notdürftig erhalten geblieben. * Wie aus Ettlingen (Baden) gemeldet wird, ist in ter Gemeinde Mörsch in einer ter vergangenen A^chie das Oekonomiegebäude des pensionierten Straßenwarts Josef Gerstner niedergebrannt. Der alleinstehende Besitzer hat dabei den Erstickungstod gefunden. Gandhi droht mit Hungerstreik bis zum Tote. Die englische Regierung veröffentlicht einen Briefwechsel mit Gandhi, der sich auf die Anord- nung der Regierung bezieht, den Unterdrückten in», dlichen Klassen, den Parias, ein gesondertes Wahlrecht zuzugestehen. Gandhi befürchtet dadurch eine religiöse Spaltung der Hin» 5 ""d fordert für die Parias das gleiche Wahlrecht, wie es den Hindus gegeben wurde. Auch der Hinweis Macdonalds, daß die englische Negierung diese Regelung getroffen habe, um den Marias die Bestimmung ihres Geschickes selbst in oie Hande zu legen, kann Gandhi nicht überzeugen. In seinem Schreiben drückt er sein Bedauern über fSn Anlegung der englischen Regierung aus und halt seinen Entschluß, denH unger st reit bis ™ bc durchzuführen, aufrecht, falls die eng- sische Regierung ihren Beschluß nicht ändern sollte. Gandhi wird vom 20. September ab jegliche Nab- (rUÄU-fna^r «rroei9ern- Wie er erklärt, könnte elbst seine Entlassung aus dem Gefängnis ihm in feinem Beschluß nicht umstimmen. Hutchinsons gerettet Aus Tromsö wird gemeldet, daß Hutchinsons sich nach ter norwegischen Funkstation Finsbu in Ostgrönland gerettet habe. Schweres Erdbeben in holländisch-Indien. In Amboina (Holländisch-Jndien) ereignete sich in ten letzten Tagen ein schweres Erdbeben, das als das heftigste seit dem Jahre 1898 bezeichnet wird. In Kampong stürzten 60 Häuser e i n. Die gesamte Bevölkerung hat den Ort geräumt, da das Eintreten eines weiteren Erdbebens befürchtet wird. Der Ort Piree auf der Insel Cerarn ist bereits von einer Flutwelle heimgesucht worhen. Bisher sind keine Menschenverluste zu verzeichnen. I Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, ten 13. September 1932. Mittwoch, 14. September: Mondfinsternis. Wenn das Wetter keinen üblen Streich spielt, werten die Freunde der Himmelskunde am Abend des 14. September das Schauspiel einer fast totalen Mondfinsternis bewundern können; die Deobachtbarkeit wäre umsomehr zu wünschen, als diese Mondfinsternis für über ein 3ahr die letzte sichtbare sein wird. Kurz vor Vollmondstermin (22.06 Llhr) taucht ter Mond zunächst in den Halbschatten ter Erde um 19.05 Llhr. Von dieser Verfinsterung ist allerdings kaum etwas bemerkbar, da die Mondoberfläche immer noch von ziemlich viel Sonnenlicht getroffen wird, so daß wir es nicht zu bedauern brauchen, daß ter Mond erst wenige Grate über dem Horizont steht. Um so besser ist dagegen die erste Berührung des Kemschattens der Erde mit dem Mondrand um 20.18 Ähr zu beobachten. Dann wandert die dunkelschwarz gefärbte Schattengrenze immer weiter über den Mond hinweg; wer ein Fernrohr hat, kann das Eintrauchen ter Mondkrater in den Schatten gut beobachten. So wird nach Vorausberechnung um 20.39 älhr das Ringgebirge „Thcho" am Schattenrand liegen, um 20.46 Albt „Copemicus", etwa 21.18 Alhr „Plato"; dann tritt um 22.01 älhr die größte Phase der Finsternis ein: 0.98 Teile des Monddurchmessers sind vom Erdschatten verhüllt, die Finsternis ist also partiell, ihr Eindruck für den nicht ganz exakten Beschauer kommt einer totalen fast gleich. Dann wird der am stärksten verfinsterte Teil des Montes (nahe dem Zentrum des Erdschattens) in rötlichem Glanz leuchten, da in der Erdatmosphäre gerochene und wie bei Abendrot rötlich gefärbte onnenstrahlen durch eben diese Brechung noch in den Schattenkegel der Erde gelangen; es ist also hier gar nicht wirklich „finster". Dann wandert ter Erdschatten wieder von der Mondscheibe weg, um 22.26 AIHr wird „Plato" frei, um 22.49 Alhr „Copemicus", um 23.15 Alhr „Thcho" und um 23.43 Alhr tritt der Mond völlig aus dem Kemschatten ter Erde aus, während der Austritt aus ihrem Halbschatten erst am Morgen des 15. September um 0.56 Llhr erfolgt. Gießener Wochenmarktpreise. * T ieß en, 13. Sept. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahm- und Landbutter je 130 Pfennig das Pfund, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing, Rotkraut, Gelbe Rüben, Rote Rüben, Römischkohl und Zwiebeln je 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 8, Spinat 20, Alnter-Kohlrabi Kürbis und Fallapfel je 5 bis 6, Bohnen (grün und gelb) 20 bis 25, Tomaten 10. bis 15, Pilze 25 bis 30, Kartoffeln 31/, (der Zentner 3 Mark), Frühäpfel 15 bis 30, Dirnen 15 bis 25, Dörrobst 30 bis 35, Zwetschen 10 bis 20, Mirabellen 25 bis 30, Reineclauden 20, Pfirsiche 30 bis 40, Brombeeren 20 bis 25, Preißelbeeren 30 bis 35, Honig 40 bis 45, Suppenhühner 60 bis 80, junge Hähne 80 bis 90; Tauben 50 bis 70 Pfennig das Stück, Käse 5 bis 10, Eier 9 bis 10, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 20, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 5 bis 8. Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 12, Sellerie 10 bis 25; Radieschen 10 Pfennig das Bündel. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag: Reichs« kurzschrift-Gesellschaft, 19 Uhr, Pestalozzischule, Eröffnung eines Anfänger-Lehrgangs in der Einheits» kurzschrist. — TV., im Augustiner, Monatsver« fammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Emil und die Detektive" und „Der Schuß im Tonfilmatelier". — Schülervorstellung im Licht« spielhaus. Morgen, Mittwoch, 16 Uhr, findet im Lichtspielhaus eine Schülervorstellung statt, rrt ter ter lustige Tonfilm „Emil und die Detektive" gezeigt wird. Der Film, in dem einige forsche 3ungens einem Verbrecher nachspüren und ihn nach aufregender 3agd stellen, wird jedem rechten 3ungen das Herz begeistert höher schlagen lassen. 2lber nicht nur für die Jugend, sondern für alle, bie sich ein junges Herz bewahrt haben, wird dieses Filmabenteuer eine lustige unterhaltsame Stunde bedeuten. Väheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. • * * i n S iebzigjähriger. Herr Heinrich P e t e r, Gießen, wohnhaft Anneröter Weg 30, rann heute seinen^ 70. Geburtstag begehen. Preisträger der Gartenbauausstellung. Mit der Gartenbauausstellung des Obst- und Gartenbauvereins Gießen war eine Prämiierung verbunden. Das Preisgericht fitzte sich aus den Herren Obstbau- rnspektor Enkler und Gärtnereibesitzer Karl Decker zusammen. Folgende Aussteller (es handelt sich um Liebhaber und Privatgartenbesitzer) konnten mit Preisen bedacht inertem 1. Preise erhielten: Amtsgerichtsrat Gros, 3unker, Pempfer, Rehnelt; 2. Preise: Dechers E i n h ä u s e r, Fischer, Helfen- dein, V ö l s i n g. Mit 3. Preisen wurden Pfarrer Decker, Göbel und H a u b a ch ausgezeichnet. Anerkennungen für gute Leistungen erhielten die Aussteller: Cloos, Cornus, Glagvw, Grünewald, Leonhard und Werner. ** Großstadtmenschen verkehrssicherer als M ittelstä dter. In 81 deutschen Mit« tel- und Großstädten wurden im Jahre 1931 insgesamt 114 710 Straßenverkehrsunfälle gezählt. Da« bei sagen die Statistiker, daß in den letzten Jahren in allen deutschen Großstädten die VerkehrRinfälle im Rückgang begriffen seien, nur in Breslau, Frankfurt a. M. und Stuttgart haben die Verkehrsunfälle in dem letzten Jahre etwas zugenommen. Beachtenswert ist die Tatsache, daß die Großstädte eine kräftigere Abnahme der Unfallzahlen des Verkehrs zu verzeichnen haben als die Mittelstädte. Diese Er« scheinung kommt nicht von ungefähr, sie ist auch nicht zufällig, denn die Erziehung zum Verkehrs- Menschen, der mit allen Gefahren des heutigen Straßenlebens vertraut fein muß, vollzieht sich am schnellsten in ten Großstädten mit ihrem täglichem Getriebe. Auch die schulische Einwirkung auf die Jugend findet in diesem langsamen, aber steten Abnehmen ter Verkehrsunfälle ihren erfolgreichen Niederschlag. Gerade die Erziehung des Fußgängers ist ein schwieriges Kapitel, und die vielen Verkehrs- Unsitten sind zähe liebel, die nur langsam ausgerottet werden können. Die Bedeutung des leichtverständlichen und anregenden Verkehrsunterrichts, wie er von der Derkehrsschulwacht in ganz Deutschland vertreten wird, hat dieser praktischen Erziehungsmethode den Weg geebnet. Tagung der hessischen Lndustrie- und Handelskammern. Die jüngste gemeinsame Sitzung ter hessischen Industrie- und Handelskammern, die dieser Tage in Mainz stattfand, beschäftigte sich unter dem Vorsitz des Herrn Ludwig Meyer (Mainz) in eingehender Weise mit dem Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung. Dieses Programm wurde einstimmig als ter Ausdruck des ernstesten Willens der Regierung, die Wirtschaftskrise und damit die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, angesehen. Es geht von der Erkenntnis aus, dah ohne die Möglichkeit der Entfaltung der Privatwirtschaft- l ich en Initiative die jetzigen krisenhafte Zustände nicht überwunden werden können. Es bedeutet daher eine erfreuliche Abkehr von den staatssozialistifchen Tendenzen ter Vergangenheit. Die hessischen 3ndustrie- und Handelskammern fordern daher alle Wirtschaftskreise auf, diese grundsätzliche Bestrebung ter Reichsregierung ihrerseits zu unterstützen und nach Kräften zur Diedererstarkung des wirtschaftlichen Lebens beizutragen. Sie begrüßen auch die Ablehnung der Destre- bungen, die eine Autarkie Deutschlands durch das Verbot ter Einfuhr ausländischer Waren zum Ziele haben. Die Bedeutung des Exports für das gesamte deutsche Wirtschaftsleben sei so groß, baß'eine Politik, die der Ausfuhrförderung Äutoiterlaufe, nicht eingeschlagen werten dürfe. Leiter sei die Erkenntnis darüber noch nicht allgemein verbreitet, daß ein großer Teil ter in ter deutschen Wirtschaft beschäftigten Erwerbstätigen nur vom Export existierten. So beschäftige allein die deutsche Fertigwarenausfuhr auch heute noch mehr als eine Million Erwerbstätige. Weiterhin wird die Dringlichkeit der baldigen Aufhebung der Hauszinssteuer betont. Die Bedeutung dieser Steuer, deren Beseitigung die hessischen Industrie- und Handelskammern schon feit Jahren gefordert haben, für die öffentlichen Finanzen werte immer geringer. 3f)re baldige völlige Aufhebung müsse dazu führen, daß bis jetzt unterbliebene Renovierungsarbeiten in großem Llm- fange durchgeführt würden und so eine erhebliche Zahl von Arbeitskräften Defchäftigung fände. 5>ie Versammlung beschäftigt sich weiterhin mit ten Vorschlägen, durch entsprechende Bestimmungen eine größere Möglichkeit für die Untersagung te^ Gewerbebetriebs zu schaffen, wenn deren Inhaber wiederholt wegen Betrugs oder Wuchers testraft Worten sind. Einem vorliegenden Antrag auf Ermäfjigung der Telephongebüh- die bedauerlicherweise bei ter letzten ©e- ouyrensenkung von ter Reichspost ausgenommen waren, wird zugestimmt. r o. des Hantelsklassengesetzes, des- sen Ziel die Standardisierung ter landwirtschaftlichen Produkte ist, sollen Gutachterstellen für diese Produkte errichtet werden. Die Versammlung stellte sich auf ten Standpunkt, daß bei ter Eigenart ter hessischen Landwirtschaft für Hessen keine besondere Veranlassung vorliege, die Durchführung dieses Gesetzes zu beschleunigen. Rachdem nunmehr aber das Reichsgesetz einge- führt sei, bleibe nichts anderes übrig, als eine solche Gutachterstelle auch für Hessen einzuführen. Die Versammlung beschloß, inten Vorstand der Gutachterstelle für Hessen je einen Vertreter des Handels aus ten drei Provinzen zu entfenten. Heber ten Sitz ter Stelle soll demnächst mit ter Landwirtschaftskammer für Hessen verhandelt werden. Der Versammlung lag ferner ein Antrag teS Rhein°Main°Gastwirte°Verbandes vor, den dieser bei der hessischen Regierung eingebracht hat und ter dahin zielt, dah die hessische Regierung die Sonderregelung, wie sie für Rheinhessen und Starkenburg seinerzeit bei ter Durchführung der Dierpreissenkung getroffen worden war, aufhebt. An Hand von statistischem Material wurde nachgewiesen, daß die Beibehaltung dieser Sonderregelung für die genannten Gebiete nach wie vor geboten erscheint. Darüber hinaus wurde beschlossen, der hessischen Regierung gegenüber zum Ausdruck zu bringen, daß künstliche Eingriffe in die Preisgestaltung und die behördliche Festsetzung von preisen zu immer neuen Unzuträglichkeiten führen müsse. Zur Behandlung stand weiterhin die Lage ter Schaumweinindustrie, deren Absatz durch einen außerordentlich starken Rückgang des Konsums und die steuerliche Belastung auf ein Minimum zuruckgegangen sei. Während die Schaumwein- ihrer Wiedereinführung im Jahre 1926 33Va Proz. des Herstellungswertes ausgemacht habe, betrage sie heute 66*/z Prozent des Durchschnittserlöses und 100 Aro.öntt des Erlöses in der billigsten Preislage. Da bei der Aufrechterhaltung die- fer steuerlichen Belastung für ten Schaumwein, ten man infolge der Preisentwickluirg heute nicht mehr als Luxusgetränk ansprechen könne und für testen Herstellung ein sehr starker Prozentsatz von deutschen Weinen verbraucht würde, mit einem milbigen vollständigen Erliegen der Schaumweinindustrie gerechnet werben könne, wirb beschlossen, den Antrag der Schaumweinindustrie, die Sektsteuer von 1 Mark auf 50 Pfennig die Flasche zu senken, zu unterstützen. 3m Hinblick auf die neue gesetzliche Regelung tes Ausverkaufswesens beschlossen die Kammern, ein Merkblatt über diese neuen Bestimmungen für die beteiligten Kreise heraus- zugeben, sowie einheitliche Anmeldungsformularq zur Einführung zu bringen. SJ.Jpor/ Gpielvereinigung 1900 Gießen. JD. wallau (Liga) — 1900 (£iga) 1:1 (0:1). Man könnte mil den Leistungen und dem Ergebnis der Gießener zufrieden sein, wenn nicht ein sicherer Sieg im Bereich der Möglichkeit gelegen hätte. 1900 mußte auf die gesamte etatsmäßige Läuferreihe verzichten und begann den Kampf in der Aufstellung: Schlarb; Lippert, Reining; Zeller, Luft, Schmidt; Jäckel, Arnold, Hellmann, Göbel, Best. Später wechselte dann Hellmann mit Zeller und nach der Pause Zeller mit Reining. Das Spiel begann mit 'forsch vorgetragenen Angriffen. Jede Partei drängte auf schnelle Entscheidung. Die Blauweißcn bekommen allmählich die Oberhand und schufen eine Menge der sichersten Torchancen. Der Sturm fand aber selbst das leere Tor nicht. Arnold und Göbel und dann Göbel und Zeiler standen nach feiner Kombination nur noch Wallaus Torwart gegenüber, scheiterten aber immer an diesem letzten Hindernis. Gleich nach Beginn wurde Hellmann drei Meter vor Wallaus Tor zu Fall gebracht und festgehalten. Den fälligen Elfmeter verwandelte Reining sicher zum Führungstreffer für Gießen. Schon zwei Minuten später gab der Spielleiter für angeschossenes Hand von Lippert ebenfalls Elfmeter gegen 1900. Schlarb wehrte ab. Bis zum Seitenwechsel ereignete sich aber nichts wesentliches mehr. Aach Wiederbeginn unternahm 1900 einige schnelle Angriffe. Einen flachen Torschuß, von Reining hielt der Torwart. Dann kam eine große Drangperiode der Wallauer, die aber die Gießener Hintermannschaft auf dem Posten sah. Heil- mann, Lippert. Schmidt und Zeiler und auch Schlarb lieferten ein großes Wwehrspiel. Die Dlauweißen kamen alsbald wieder in Fahrt. Leider hielt der Sturm die Bälle viel au wenig. 15 Minuten vor Spielende gab der Wallauer Linksaußen eine hohe Flanke vor das Gießener Tor, die unberührt rechts neben dem Tor im Aus endete. Der Schiedsrichter entschied Eckball, der, nach Abwehr, durch Nachschuß auS dem Hinterhalt zum Ausgleich für Wallau führt. 1900s entschlossene Angriffe führten in Wallaus Strafraum. Jäckel brachte einen scharfen Schuß an, der Hüter lieh den Ball entbleiten, aber Arnold vergab die große Chance. Wenig später mußte Arnold das Spielfeld verlassen. Mit zehn Mann gingen die Gießener zum Endspurt über. Wallau verteidigte fast mit allen Spielern. Der verdiente Siegestreffer der Dlauweißen blieb aus. Das Treffen wurde außerordentlich fair ausgetragen. Rollschuhlauferi in der Voltshalle. Der Llsoerein nimmt das Training wieder auf. Nachdem die Rollschuhübungsstunden deS Gie- ßener Eisvereins seit Februar ausgefallen waren, wird morgen der "Betrieb wieder ausgenommen werden. Die Möglichkeit, aus Rollschuhen alle Figuren des Eislaufes aussühren zu können, ist für den eifrigen Cisläufer eine gute Gelegenheit bei der kurzen Eisperiode die neuen Figuren in Haltung und Ausführung schon hier soweit vorbereiten zu können, daß ihre Ausführung auf der Eisbahn keine Schwierigkeiten mehr macht. Aber auch dem krassen Anfänger wird die Erlernung der Anfangsgründe infolge der größeren Standsicherheit auf den vier Rollen erleichtert. La der Sportbetrieb auf dem grünen Rasen jetzt für die meisten Llebungszweige ein Ende gefunden hat, wird die "Betätigung auf einem anderen Gebiete sicher von vielen begrüßt werden. Wer aber kein Anhänger des Kunstlaufes ist, wird vielleicht Freude am Rollhockey finden, das ähnlich dem Eishockey gespielt wird, jedenfalls sollte die uns in Gießen für Ausübung dieses Sportes zur Verfügung stehende Volkshalle genügend aus- genutzt werden. (Siehe die heutige Anzeige.) Wirtschaft. Berlin ruhig aber fest. "Berlin, 13. Sept. (WTD. Funllpruch.) Nachdem gestern abend in Frankfurt im Zusammenhang mit den Vorgängen im Reichstag und auf Grund der innerpolitischen Spannungen stärkere Kursrückgänge eingetreten waren, wurde die Situation heute schon wieder wesentlich ruhiger beurteilt. Weiter standen zwar die innen- und außenpolitischen Fragen (letztere durch die französische Antwortnote und die gestrige Popen» rede im Rundfunk hervorgerufen) im Mittelpunkt der Diskussionen, während wirtschaftliche Momente, wie das schwächere Neuyork und die starken Rückgänge auf den Rohstoffmärkten, weniger Beachtung fanden. Ein sehr beachtliches Moment war heute aber zweifellos die eingetretene Geschäftsschrumpfung, da das Publikum Zurückhaltung zu üben scheint, bis sich die politische Situation besser übersehen läßt. Aber auch Der- kaufsaufträge fehlten so gut wie ganz, und in Erwartung rückgängiger Kurse hatte die Kundschaft eher niedrige Kauflimite an die Märkte gelegt. Auch die Spekulation, die von gestern Ware übrig behalten hatte, bekundete über- rafchenderweise nur wenig Abgabeneigung. 3n gewissem Sinne konnte man daher die heutige Börsenerösfnung trotz rückgängiger Kurse als fest bezeichnen, b. h. die Kursrückgänge bis zu 2 Prozent ergaben sich im Vergleich zu den gestrigen Mittagskursen, während — an der Franlfurter Abendbörse gemessen — Besserungen bis zu 1 Prozent keine Seltenheit waren. AEG. erschienen zwar wieder mit Minus-Minus-Zeichen und wurden 2,75 Prozent unter gestern festgesetzt. Auch Hansadamps hatten Minus-Minus-Notiz. Anderseits gab es auch eine äleberraschung nach oben. Die Aktien der Lahmeyer & Co. wurden auf den Dividendenvorschlag von 10 Proz. pluS- plus notiert und gewannen gegen gestern 5,75 Prozent. 3m Verlaufe konnten sie bei größeren Umsätzen noch erneut 1,75 Proz. anziehen. Heber- Haupt blieb die Tendenz an den Aktienmärkten auch nach den ersten Kursen weiter ziemlich freundlich. Für einige Montanwerte erhielt sich Kaufinteresse. Am Rentenmarkt kam es dagegen vielfach zu kleinen Kursrückgängen Deutsche Anleihen bröckelten bis zu 0,25 Prozent ab, die Altbesih- anleihe gab sogar fast um 1 Proz. nach, Reichs- schuldbuchforderungen waren um etwa 0,50 Proz. rückgängig. Die Llmsahtätigkeit an diesen Märkten war aber äußerst klein. Der Geldmarkt war in sich weiter steif, doch erfuhren die Sätze leine Veränderung gegen gestern. Tagesgeld stellte sich auf 5.63 bis 7,63 Prozent und Monatsgeld auf 6 bis 8 Prozent. 3n Privatdiskonten kam infolge der steifen Verfassung des Marktes eher Ware heraus, der Satz wird aber mit 4,5 Prvz. unverändert bleiben. 3n Reichswechseln per 5. Dezember und Reichsschatz, antoeifungen per 16.3anuar scheint kaum Nachfrage zu befteben. Frankfurt zurückhaltend. Frankfurt a. M. 13. Sept. (WTD. Drahtmeldung.) Nachdem auf Grund der Geschehnisse in der gestrigen Reichstagssitzung an der Abendbörse zum Seil starke Kursrückgänge erfolgt waren, setzte sich zu Beginn der heutigen Börse eine wesentlich beruhigtere Auffassung durch, wenngleich im Hinblick auf die Weiterentwicklung der innerpolitischen Lage eine starke Zurückhaltung unverkennbar war. 3ndessen war die Börse vor allem darüber befriedigt, daß vom Publikum keine Verkäufe vorgenommen wurden. Daneben schöpfte die Kulisse aus den Ausführungen der Kanzlerrede im Rundfunk etwas An- regung, da man aus ihr einen starken Willen der Regierung zum entschlossenen Handeln erkennen wollte. Bei geringen Umsätzen war die Kursgestaltung zwar uneinheitlich, doch konnten Lufttemperaturen. Am 12. September, mittags, 16,8 Grad Celsius, abends 12,6 Grad Celsius; am 13. September, morgen«, 13,8 Grad CelsiuS. Maximum 19 Grad, Minimum 11,6 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 5 Stunden. Verantwortlich für Lokales, Provinz, Sport und Wirtschaft i. L.: H. L. Neuner. Gcwinnauszug 5. Kloße 39. Preutzisch^üddeussche (265. Preutz.) Staat»-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind »wes gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar s« einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abiellnngen I und II 28. Ziehungslag 9. September 1932 In der heutigen Vormittaqsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 »tehnw m 10000 «DL 69205 18 •twlnn» *u 5000 OH. 24486 80284 113980 174311 178698 199271 210977 300294 379714 12 »u 3000 OIL 158585 158660 169947 175070 192088 209526 64 Odmmt« 2000 M. 18411 20136 41985 42098 44911 71880 106561 107406 112635 137005 151713 152065 168348 168489 170607 182119 217166 237679 248419 255583 295482 302341 345871 356460 358905 373445 378830 112 ®ttoinne >u 1000 AI. 5986 7203 44642 46515 50677 62307 53562 79502 82299 85920 97846 102172 110800 112395 116954 138503 142832 143455 154904 160095 162290 171680 173702 176619 187416 191686 206043 211034 213119 223006 223562 236056 239379 240444 281020 285367 287999 291161 292638 299551 303904 306193 314166 321403 323658 334923 339774 340571 340896 348156 356401 361162 365097 374151 385565 397317 1 86 »«toinn« Fn 500 Emil und die Detektlve«, für junge Menschen zwischen 70 und 6. Gutes Beiprogramm! Eintrittspreise für Jugendliche 30, 40, 60 und 80 Pf. ____________________________________________ 6419 C Habe meine SpredistuDde wieder aulgenommen Dentist L Sdietter Schulstraße 11 — Fernsprecher 2415 ____________________________________________6414 D Weftpaieui D.R.P. soeben erteilt. — Für unseren Haushaltungsartikel, der enormen Verdienst abwirft und vollkommen konkurrenzlos ist, suchen wir tüchtigen Herrn, der über Betriebsmittel von cn. 1000 Mk. verfügt. Angebote u.A.N.34 an die Ann.- Ery.D.Schürmmm, Düsseldorf. 6412 v Arbeitsvergebung. Das Velen der Fußböden in den Schulen während der Herbstferien soll vergeben werden. . 64231) Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich ist, sind verschlossen und mit ent- sprechender Aufschrift versehen, bis zum Eröffnungstermin am jreifag, dem 16. September 1932 vormittags 10 Ahr bei uns einzureichen. Gießen, den 12. September 1932. Städtisches Hochbauamt: Graoert. H"iarwuchsmntti von Hofapoth. Schaefer ebne teere Verpackung. Echt. BrenacM«liw wasser‘/«Ltr. 0.75. Echt. Birkenhaarwasser Hafengeld 1 . Ltr. 1.- gegen Schoppen, Kaaranslall, Kopflncken. Fein parfümiert! 382= v Flaschen mitbrmgen! Allein-Verkauf: Apoth. e.gold.Engel. Arbeiisvergebung. Die zum Neubau einer Umgehungsstraße erforderlichen Lrd- und Lhaussie- rungsarberten sollen im Wege des öffentlichen Wettbewerbs vergeben werden. Angebotsformulare werden ab Mittwoch, den 14. September 1932, auf dem städtischen Baubüro ausgegeben, wo auch Zeichnungen und nähere Bedingungen eingesehen werden können. Die Angebote sind verschlossen, postfrei und mit der Ausschrift „Umgehungsstraße Lauterbach" versehen, bis zu dem am Mittwoch, dem 21. September 1932, vormittags 11 Uhr. stattfindenden Submissionstermin beim städtischen Baubüro einzureichen. 6425D Lauterbach, den 12. September 1932. Hessische Bürgermeisterei. ____________Walz.____________ Wirksame Werbe-Drucksachen liefert die Brühl’sche Druckerei Arbeiisvergebung. Für den Neubau der Pestalozzischule sollen die Lrd- und Rohroertegungsarbei- ten des Regenwasserkanals öffentlich vergeben werden. 64170 Verdingungstermin: Samstag, den 17. September 1932 vormittags 10 Uhr. Zeichnungen und Angebote liegen bei uns offen. Gießen, den 12. September 1932. Städtisches Hochbauamt: Graoert. Mittwoch, den 14. September 1932, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 6420V 1. Büfetts, Kredenzen, Chaiselongues Kleiderschränke, Tiscke, Schreibtische, Sofas, Pianinos, Bücherschränke, Registrier- lassen, Spiegel, Radioapparate, Laden- theken, 1 Rennachter, 1 Gigvierer, 2 Drogenschränke, 12 Bände Gerhart Hauptmann, 1 Mappe Denkmäler, 2 Pürsch- büchsen, 1 Schwammschrank, 1 Motorrad, zwei Schäftestevpmaschinen, 1 Del- behäller, 2 Gasherde, Pfeifen, Weine und Schnäpse, Seife, Parfüms, Zigarren, Tabak, 2 Teppiche, 1 Standuhr, 2 vollständige Betten, 1 Doppelflinte, 1 Kuh, 1 Grammophon. 2. An Ort und Stelle (Bekanntgabe im obigen Lokal): 3 Warenschränke, 1 Ladentheko (für Hut- 3 än^Orf6unb Stelle, bestimmt (Bekannt- gäbe im obigen Lokal): 1 braun poliertes Klavier (fast neu). 4. Bestimmt: 1 Radioapparat mit Laussprecher (Marke Blaupunkt), 1 Photoapparat (Marke Ib- son), 2-5 Bilder im Rahmen, Schreib- zeug'e Nippfiguren, Kerzenhalter, Wür- felbecher, 1 große Partie Bücher (gebunden und broschiert), 1 vierrädriger Prisschenwagen (Handwagen für Möbeltransport). Junker, Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 So kräftiges Fernlicht haben Sie bisher nicht gehabtl letzt können Sie auch in stockfinstrer Nacht flott un$f sicher drauflosfahren. Und elegant sind diese neuen BOSCH- Scheinwerter! Die reifjen Ihren Wagen mächtig heraus. Sie sind bestimmt jahrelang zufrieden mH diesen BOSCH-Sdieinwerfem BOSCH Fachmännischer Einbau u. rasche Hilfe durch den Bosch-Dienst eroe v Ruhl & Fetzer, Gießen SchansenNtraße 3, Teleph. 2534. Svftche Sische für Mittwoch, Donnerstag u. Freitag: Frische Schellfische, Kabeljau, (Seelachs, Goldbarsch das Pfund von 35 Pfennig an Frische Fischfilets Pfund 50 und 60 Pfennig Richard Grünewald Bahnhofstr. 27 oste* Fernsvr. 3631 Keines SkmWs Vornan von Hertha Fricke älrheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau 20 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Ich habe zunächst Ihre Personalien aufzunehmen, Fräulein!" sagte der Mann in seinem berufsmäßigen, gleichgültigen Ton. „Wie heißen Sie?" „Eva-Marie von Diemen!" antwortete tonlos das Mädchen. „Sogar — von!" meinte der Beamte und zog die Augenbrauen hoch. „Geboren?" Sie nannte Jahr und Tag ihrer Geburt, auch den Ort. „Ihr Vater?" Da rannen dem Mädchen große, klare Tropfen über das vergrämte Gesicht. „General der Infanterie." „So!" Wild schluchzte Eva-Marie auf. Es war das erstemal, daß sie die Fassung völlig verlor. „Kann nicht meines Vaters Varn« aus dieser Affäre von Lug und Trug und Verleumdung bleiben?" „Vein, das geht nicht!" antwortete ruhig der Mann. „Das hätten Sie sich vorher überlegen sollen F Er schrieb ungerührt weiter, bis ein dumpfer Laut ihn aufsehen lieh. Eva-Marie war, überwältigt von all dem Schrecklichen, unausgeruht von schlafloser Vacht, schwach vor Hunger, der ihr gar nicht zum Bewußtsein gekommen war, ohnmächtig zusammengesunken. Der Mann, der sie hierhergesührt hatte, hob sie auf und legte sie auf die mit schwarzem Glanztuch überzogene Dank, die an der Wand stand. „Va ja!" sagte er. „Det erstemal ist det immer so, Herr Kommissar. Später jewöhnt sich det! Freilich, wenn man jleich mit'n Raubmord anfängt! Vee, so jung, und denn schon so ..." Der Kommissar nahm den Hörer seines Schreib- tischtelephons und rief jemand zu Hilfe. Vach einiger Zeit kam eine Diakonissin. Sie nahm Eva- Maries schlaff herabhängende Hand. „Ist das Mache, Schwester, oder ist ihr wirklich was?" fragte der Polizeikommissar. Die Diakonissin sah auf. Sie hatte einen unendlich gütigen Blick, nichts von Elisabeth ©unter» manns Kälte und zur Schau getragenen Korrektheit. ..Das Mädchen ist wirklich ohnmächtig. Der Puls geht ganz schwach!" sagte sie besorgt. Da schlug Eva-Marie die Augen auf und erblickte die Schwesternhaube, ohne das Gesicht der Diakonissin zu sehen, das dem Beamten zugewendet war. „Vicht!" schrie sie auf, „nicht Schwester Elisabeth! Sie haßt mich! Sie will mich töten!" Angstvoll gingen ihre Augen umher, und die blassen Hände hatten eine verzweifelt abwehrende Gebärde. „Ich bin Schwester Anna!" sagte die Diakonissin mitleidig. „Sie sind krank! — Sie muß wohl ins Krankenhaus!" wendete sie sich an den Kommissar. „Dann koinmen wir heute nicht weiter!" brummte dieser. Aber ein Blick in das todblasse, verstörte Gesicht ließ ihn Wohl die Unmöglichkeit weiterer Protokollaufnahme einsehen. „Der Puls ist sehr klein und matt!" sagte die Schwester. „Det Mächen hat seit gestern nichts gegessen!" meinte der Beamte. Eva-Marie wurde fortgebracht, gestützt auf den Arm der Schwester, die sie mehr trug als führte. „Ich habe nicht — ich habe wirklich nicht", flüsterte sie, unfähig, den Satz zu vollenden. Die Schwester sah in das trostlose Gesichtchen mit den reinen Zügen. „Wenn Sie unschuldig sind, kommt es ganz gewiß an den Tag!" tröstete die Diakonissin. „Traurig müssen Sie bloß sein, wenn Sie schuldig sind!" Es war ein großer Raum mit vielen Betten, in den man Eva-Marie brachte. Frauenspersonen mit frechen und unsympathischen Gesichtern lagen dort. Die Diakonissin wählte ein Bett, das abseits stand, entkleidete Eva-Marie und legte ihr ein häßliches, aber sauberes Krankenhemd an. „Ich bin unschuldig!" flüsterte sie der Schwester wieder zu. Die sah verwundert in das junge Gesicht mit den trostlosen Augen. „Wenn Sie unschuldig sind, können Sie ganz ruhig sein. Dann brauchen Sie nur Mut zu haben und tapfer sein!" sagte sie ebenso leise. „Aber Sie dürfen nicht hungern? Essen Sie nun etwas, ich gebe Ihnen die Suppe!" Gehorsam nahm Eva-Marie, was die Schwester ihr reichte. „Sehen Sie, das ist brav! Unb nun beten Sie, daß Gott Ihnen hilft, und dann schlafen Sie, damit Sie wieder kräftig werden. Llnd wenn Sie unschuldig sind, wird alles wieder gut!" „Aber die Schande, die Schande — ich bin an» geklagt!" jammerte Eva-Marie. ..Angeklagt sein, das ist keine Schande!" sagte ruhig die Schwester. „Es ist nur dannSchande,wenn man schuldig gefunden wird, wenn man schuldig ist!" „Glauben Sie mir?" bat Eva-Marie. „Sie wenigstens?" „Ich will an Sie glauben!" tröstete die Schwester gütig. „Aber Sie müssen jetzt brav sein und schlafen!" Da faltet« Eva-Marie die Hände und schloß die Augen wie ein gehorsames Kind. 16. Wie ein schönes, friedliches Dörflein lag eine Handvoll heller, freundlicher, kleiner Häuser in einem großen Garten. Die Kapelle mit dem rotbedachten Spitzturm in der Mitte. Parkwege gingen hindurch. Gruppen von Blaufichten und Silbertannen standen auf den Rasenrabatten, und hochstämmige Blutbuchen und allerhand ausländisches Strauchwerk, das im Frühling schöne, fremde Blüten trug. Run war Herbst, und die Sträucher und Büsche standen kahl, die Rosen waren in Tannengrün gebettet, und di« Beete lagen blumenleer in den großen Rasenflächen, lind dennoch war sie freundlich, diese Gruppe rot- badliger Häuser mit ben grünen Fensterläden, in denen ein Herz ausgeschnitten war. Man hätte das Ganze für einen kleinen Kurort halten können, oder für eine Siedlung Glücklicher, die nach langer Vot sich eine Wohnung hier schufen. Aber die hohe Mauer, welche diese Schar freundlicher Wohnstätten umgab, auf deren Krönung spitze Glctoscherben jedem Wagemutigen den liebergang verwehrten, sagte, daß hier keine Gemeinschaft sei mit der Welt draußen, daß irgendein großes, gleiches Leid, ein Derschieden- sein von denen, die draußen wohnten, diese trennende Mauer notwendig machte. In den Wegen gingen Gruppen lebhaft gestikulierend oder einzeln« tiefsinnig grübelnd umher. Hier und da «in Mann mit klarem Blick beobachtend, gleichsam hütend — die Wärter. Es waren Menschen, deren Geist gebunden war an einen tieferen Zwang, sich nicht aufschttzfngen formte zur Klarheit und Freiheit, den eine Idee in Fesseln hielt, eine Idee, die ihn quälte und krank machte, ohne wirklich zu sein, und nur dadurch ihre furchtbare Macht über den Menschen hatte, weil er sie für wahr hielt. So gingen sie dahin ohne Freude und ohne Ziel, tot für die, bi« sie liebten, weil sie ihnen nicht mehr nahe kommen konnten, unb hoch eine schwer zu tragende Sorge, eine brüdenbe Last. Geisteskrank! Furchtbarstes aller Geschicke! llnb boch saßen in bem großen, hellen Zimmer bes Hauptgebäudes zwei Männer, denen diese Schicksale am Herzen lagen, denen es Problem war, ernsteste, heißeste Denkarbeit, diese finsteren Schatten von den armen Seelen zu lösen, sie zurücksenden zu dürfen in das schöne, arbeitsreiche, nützliche Leben. Der leitende Arzt und ein jüngerer Kollege. „Es will mir scheinen, wir verstehen uns gut. Kollege Andresen!" sagte der Aeltere, ein stattlicher Fünfziger mit hoher, kluger Stirn und tiefschauenden, gütigen Augen. „Es scheint mir so. Schon in der Dreiteilung, Leid, Seele, Geist, kommen wir uns so klar entgegen. Wäre das Leben nur des Körpers Funktion, so könnte der Geist nie krank sein, solange der Körper fünf» tivniert, und dann, wenn der Geist noch so krank ist, besteht so oft, wie ein reiner Quell in all der Wirrsal die Mutterliebe, die Gattentreue. Es ist mir so oft überraschend, welch ein Glück aus den Augen unseres großen Gutsbesitzers strahlt, wenn seine Gattin kommt, ihn zu besuchen. Freilich gibt's auch Fälle, wo der Kranke die nächsten Angehörigen nicht kennt. Wir wissen beide, wie trostlos diese sind. Dort links, im Haus Vummer acht, wohnt «ine alte Dame. Sie ist gelähmt und sie gehört eigentlich nicht hierher, denn ich kann ihr ja eigentlich gar nicht helfen. Arteriosklerose, das Alter hat den einst so frischen Geist getrübt. And doch sollten Sie einmal den wundervollen Strahl der Liebe sehen, der das alt«, arme Gesichtchen verklärt, wenn die Tochter kommt, oder das Großmutterlächeln, wenn dem Enkelchen einmal gestattet ist, die Alte zu besuchen. Es ist kein besonderer Fall, dieser Alterswahn, doch hat gerade dieses nun 75jährige, harmlose Frauchen mir manchen Weg gezeigt. Es kam bei ihr, als auch ihr letzter Sohn im Kriege blieb, als sie die Vachricht erhielt, daß auch dieser tot sei. Sie war eine so stolze Mutter gewesen und hatte wohl Grund gehabt, auf ihre drei Söhne stolz zu sein. Sie hat mit einmal deutlich gezeigt, baß es ein Ereignis war, das sie so überwältigt hat, daß der arme Geist dabei stehenblieb. Sie weiß nicht mehr, daß ihr Junge tot ist. Sie wartet auf ihn. Sie lauscht auf jeden Schritt im Flur unb ruft bann glücklich: ,Vun kommt Gerhard!'. Trete ich an ihren Stuhl ober an ihr Bett, so begrüßt sie mich mit der liebenswürdigen Höflichkeit einer guten Erziehung : ,Outen Sag, Herr Doktor! Haben Sie Gerhard gesehen? Vicht wahr, nun kommt Gerhards Wozu soll man immer versuchen, ihr klar- zumachen, daß dieser Gerhard nicht kommen kann, weil er in Flandern begraben ist? Sie wird dann böse und schreit und behauptet, man belüge sie. So habe ich denn Befehl gegeben, sie ruhig hoffen zu lassen, daß er kommt. Die Erfüllung wird ihr werden, wenn sie heimgeht!" „Sie sind fromm, Herr Kollege?" fragte mit leiser Verwunderung Dr. Heinrich Andresen. (Fortsetzung folgt.) Kochen Sie MAßGls Suppen^Arbeitzeit und Geld Sammeln Sie MAGGI-Gutscheine, es lohnt sich I Gießen (Roonstrafie 26), den 12. September 1932. 05271 Es hat schon seinen Grund Fischhaus »Cuxhaven« Marktstraße 23 6429 a Telefon 2417 wenn wir gute Aussteuern verkaufen. Die Preise sind niedrig und wir bedienen Sie gutl Gesucht Apoiheker- praktikani(in) Ausführl.schriftliche Angebote mit Ref. unt. 6395D an den Gießener Anzeiger. MeiWer sucht ver sof. schöne 2-3-Zimm.-Wohn. nebst Zubehör. Schriftl. Angeb. mit Preisang. u. 05255 an den Gieß. Anz. Auf Wunsch der Entschlafenen findet die Beerdigung in aller Stille statt Im Namen der trauernd Hinterbliebenen.. Familie Willi Menges. Alleinst., berufstät. Dame sucht p. sofort 1 gr. oder 2 kl. leere Jimmev m. fließ. Wass., Heizung u. elektr. Licht. Nur i.gut. Hause im Zentrum derStadt, mögl.Südanl. Schr. Ang. m. Preis unt. 6416V a.d.Gß.Anz. Unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elisabeth Hosch geb. Schneider ist gestern sanft entschlafen. wirte die beabsichtigen, ihr Lokal zwecks Steigerung des Umsatzes in den Spezial-Ausschank einer führenden bayrischen Groß- brauerer umzuwandeln, werden gebeten, Angebote unter 6422V an den Gieß. Anzeiger einzureichen. Weitgehendste Untersttitenng wird xngesich. Soziale «flicht bcr Aufgeber v. Stellenangeboten ist es, die ein« gegangcn^Sewerbungs« unterlagen (Zeugnisse, Zeugnisabschrift., Lichtbilder u.bgl.l schnellstens B'ukzus. Die Stellungenden sind dankbar ir, wenn man ihre Demühunaen zur Erlangung ein. geeigneten Tätigkeit auf diese Weise unterstützt und stnd auf diese selbstverständliche Pflicht auch angewiesen. Gietzeuev Anzeiger» IM LiMe gesucht zum Besuch von Haushaltungen an all. Platz. Oberh. Schriftl. Ang. unt. 05256 a. d. G. A. Leib-,Bett-B M ■ uTKu,ehh;„. Wasche sind unsere Spezialität C. Röhr & Co. Bahnhofstraße 44 61180 GvoS. Hellev Raum welcher sich f.Schuh- machenverkstatt eignet, im Zentrum ge- sucht.Schristl.Ange- bote unter 05261 an den Gieß. Anzeiger. [Stellenangebote] 6-Zimmer-Wohooog auch für Praxis geeignet, z. 1. Okt. zu verm.Zuerfr.inder Geschst.d.G.A. e«r«v Schön möbl., sonn. Wohn-u.Schlafzim. sev.Eingang,Teles.- u. Schreibmaschin.- Benutz.,in gut.Lage zu vermieten. (05:169 Näh. Bleichstr. 171. [ Mietgesuche | 4-ZimmerWohnong mit Mansarde oder 5-Zimmr Wohnung zu mieten gesucht Schriftl. Angeb. m. Preis unter 05262 an den Gieß. Anz. [ Vermietungen | Schöne 6426D 6-Zimmer-Wohflung mit Bad, Balkon u. Heizung, Seltersweg 751, zu oerni. Näheres: A. Becker, Keplerstr. 9, Tel. 3804 llllllllllllllllllllllllllllllllllll 3n Weiheim schöne 3-4-Zimmer- Wohnung mit Bad und Zentralheizung sowie Gartenanteil zu vermieten. eooD Näheres: Gieß.Anz. b«g. TECHNIKUM s iGEMieuQe-v-weBrtN'ei&TEp BANKEN HAUSEN ■*.- " OOIATZ • POOGHAMM.KO6TtNl04 < Tüchtiges ZimMnuMell gegen hohen Lohn gesucht. 05264 Hotel Prinz Carl. Sauberes S-Heben i.i.d.Geschst. d. Gieß. Anz. 05272 Aeltere gläubige etw sofort gesucht. 05270 Frl.ührlg,Diaxstr.8n AMWei gesucht f. gr. Kurz-, Deiß-u.Wollwaren- geschäst. Schriftliche Bewerbungen unt. 05276 a. d. G. Anz. [8te!lengesuche[ lUineDScMer sucht Anfangsstellg. Schriftl. Angebote unter 05275 an den Gießener Anzeiger. Tücht.AlleiDmädcheD vom Lande, in allen Hausarb. erfahren, mit guten Zeugn., sucht Stell, z.l.Okt. Schriftl. Ang. unt. 05258 a. d. G. A. Suche f. einfachen, frauenlos.Beamten- baushalt mit 4 Kindern im Alter von 1—12 Iah., baldigst (f.Hageni.W.feine alleinstehende ev. Frau od. Fräulein nicht unt. 45 Jahr., z. Führung d. Haushaltes. Schr. Ang. sind unt.Angabe der Gehalts-Amvr. bis 16. 9. unt. 05273 zu richten a. d. G. Anz. [ Verkäufe | Gelegenheitskäufe 4 PS Opel-Limousine, generalüberholt, tadelloser Wagen, sehr billig. Opel, GieBen, Frankfurter Str. 62, Telefon 2847. M