m.M KrühauSsabe 182. Jahrgang Samstag, 15. August 1952 (£r| djeint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Biebener Familienblätter Heimat ini Bild - Die Scholle Monatr-Bezvgrpretr: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Sernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Stanffurl am Main 11686. Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvd unb Verlag: vrühl'jche Univer^lats-Vuch. und Stemöruderei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchusstraße 7. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrift 20u , mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Bieben. Zwischenbilanz. Außenpolitische Umschau. Don Dr. Ot o Hoeisch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin Es passiert viel, aber es geschieht nichts: so formuliert der Unmut gar häufig jetzt sein Urteil über die große Politik. Das ist in bezug aus vieles richtig, aber es geschieht doch auch manches. Lausanne und Genf haben sehr bestimmte Folgen mit sich gebracht, vor allem in bezug aus die Gruppierung der großen Mächte, die sich immer fühlbarer machen wird. Immer mehr hat die deutsche Außenpolitik jetzt Veranlassung, gewissermaßen Bilanz zu machen und von diesem tiefen Einschnitts aus zu fragen und zu suchen, wie sie vorwärts komme. Wir glauben nicht, daß dafür die Auseinandersetzung über die sogenannte Orientierung sehr förderlich ist. Wieder einmal sind wir in diesen Gesprächen, ob Deutschland nach Westen oder nach Osten sich orientieren solle oder umgekehrt. Man schreibt dem Reichskanzler eine Neigung in diesem Sinne für die CÖ5 c ft Orientierung auch zu. Man denkt bei Herrn von Neurath an die Neigung mehr zu einer englisch-italienischen Orientierung. Man spricht davon, daß im Reichswehrministerium die sogenannte 0 st Orientierung eine Stätte hätte. Lins scheint, daß diese Auseinandersetzungen recht stark in die Theorie und in das Blaue gehen. Im Ernst kann man an eine Orientierung m i t Frankreich gegen Nußland gar nicht denken. Die realen Schwierigkeiten und dazu die wahren deutschen Interessen dagegen sind zu groß, zumal dabei niemals die Frage durchgedacht wird, wie man sich zu Polen stellen solle. Ideen über ein Wehrbündnis mit Frankreich und die Folgerungen daraus verlassen völlig den Boden, von dem aus realpolitisch gedacht werden kann. Wir haben mit Rußland ein Verhältnis, das trotz der bekannten Schwierigkeiten vom Kommunismus und der HL Internationale her den deutschen politischen und wirtschaftlichen Interessen entspricht. Und wir müssen uns mit Frankreich auseinandersehen. Tas Verhältnis zu Frankreich bleibt für jede Regierung Deutschlands eine Zentral- frage, von der keine Hoffnung auf England oder Italien, auf Amerika oder Rußland ablenken kann. Darum nützen Generalformeln nichts, und über die Generalforderungen ist sich Deutschland einig. Die Arbeit aber fängt ja erst danach an Diese Arbeit sieht vor sich die Frage der Ratifikation des Lausanner Abkommens. Dabei meinen wir, daß Deutschlands Reparationspolitik mit dieser Frage nicht erschöpft ist. Der Zusammenhang zwischen Reparationsfrage und interalliierten Schulden ist in dem Lausanner Abkommen so eng gezogen, daß auch Deutschland wesentlich daran interessiert ist, wann und wie Amerika zur Schuldenstreichung kommt. Wir halten unter diesem Gesichtspunkt eine besondere deutsche Amerikapolitik in näch- fter 3eii durchaus nicht für unnötig, die vor allem auch an den Kellogpakt anknüpfen müßte. In der Politik des sogenannten Konsul ta- t i v p a k t e s oder Vertrauensabkommens sehen wir keine wesentliche Aufgabe der deutschen Außenpolitik in nächster Zeit. Wir wollen froh sein, wenn er uns nicht unmittelbar Schlimmes bringt. Deutschlands und der anderen Mächte Mitgliedschaft bleibt bestenfalls inhaltslos. Wir haben vor uns in den beiden Zentralfragen bie englisch.französische Front, die sich bei der Verschärfung der Dinge im fernen Osten noch leicht um Japan erweitern kann. Dagegen wird nach der Lausanner Reparationsregelung der zweite Teil unserer Auslands- belastung, nämlich die private Schulden- I a st brennend. Das ist zunächst eine Aufgabe bet' Bankiers. Aber niemand täuscht sich darüber, daß das auch eine hochpolitische Frage ist, die Frage nämlich, ob Deutschland zur Abwertung von Zins und Kapital in diesen Milliarden seiner privaten Auslandsverpflichtungen kommt oder fchreitet, und damit wieder im Zusammenhang stehend die Frage, was Deutschland gegenüber der fortschreitenden Schrumpfung feines Ausfuhrüberschusses und seiner Devisenbilanz in den nächsten Monaten zu tun habe. Daraus folgen wieder Konsequenzen für die Wirtschaftspolitik, die auch außenpolitisch bedeutsam sind. Auch hier ist der theoretische Streit von nicht großem Wert, ob Autarkie ober Freihanbel, wenn man es so ganz scharf faßt. Die Frage geht um bie nächste Phase, ob wir bas, was wir noch haben, uns sichern unb es sesthalten wollen, in der Binnenwirtschaft, wie in ber Golb» unb Devisengrunblage unserer Währung. Daß wir von hier aus uns für bie Weltwirtschaftskonferenz auf alle Weise vorbereiten müssen unb zur Mitarbeit auf ihr bereit finb, ist selbstverstänblich. Rur: kann man von Deutschlanb einen befonberen Glauben an biefe Konferenz erwarten? Wie unklar ist boch noch alles, was ber gegenwärtig so viel zitierte Senator D o r a h bazu sagt. Man fühlt förmlich, wie es in biefem Manne wühlt unb kämpft unb wie er bie Schwierigkeiten im eigenen ßanbe vor sich sieht. Man sieht weiter, wie auch er unter bem Ergebnis ber letzten Konferenzen steht, b. h. der so vorzüglichen unb verstärkten Stellung Frankreichs gegenüber Amerika, auf beiden Felbern, dem ber Schulben unb bem der Abrüstung. Und Borah ist nun noch längst nicht ber außenpolitische Wille Amerikas schlechthin. Hüter heute bei Hindenburg und Popen. Berlin, 12. August. (OB.) wie wir erfahren, I wird der (fcmpfcng Adolf Hitlers beim Reichskanzler am morgigen Samstagoormittag statt- sinden. Hauptmann Röhm und Graf h e 1 l d o r f waren heute in der Reichskanzlei, um die Besprechung vorzubereiten. Nachdem durch die Absage der Nationalsozialisten und der Deutschnationalen an das Zentrum die Möglichkeit einer parlamentarischen L ö s un g zunächst wieder in den Hintergrund getreten ist, beurteilt man die Aussichten einer Verständigung mit den Nationalsozialisten im Sinne eines Präfidialkabinetls wieder etwas g ü n st i g e r. Der „Angriff" fordert zwar auch heute wieder mit allem Nachdruck, „daß endlich die einzig mögliche Folgerung aus der Lage gezogen und Adolf Hitler mit der Führung des Staates beauftragt wird". 3n anderen Blättern erörtert man aber die Möglichkeit einer Regierungsumbildung, bei der das Kabinett erst von Herrn von Popen geführt werde, während Gregor Straf- s e r preußischer Ministerpräsident und gleichzeitig Vizekanzler im Reich werden solle. Nach diesen Kombinationen würde Dr. Frick das Reichsinnenministerium übernehmen und Dr. Bracht in Preußen Innenminister bleiben. Das sind aber vorläufig nur Kombinationen, die jedoch mehr als Stimmungsbarometer zu werten sind. Man muß zunächst abwarten, wie die morgige Fühlungnahme zwischen dem Reichskanzler und Adolf Hit- l e r ausgeht. Papen bei Hindenburg. Berlin, 12. Aug. (WTD.) Der Herr Reichspräsident empfing heute nachmittag Reichskanzler v. Papen zum Dortrag über bie politische Lage. Hitler heute bei Hindenburg. Berlin, 12. Aug. (ERB ) Don amtlicher Seite wirb bestätigt, baß Abolf Hitler morgen nach bem Besuch beim Reichskanzler auch vom Reichspräsibenten empfangen werben wirb. Die ilnterrebungen werben gegen Mittag ftattfinben. preußischeRegierungsbildung nochmals vertagt. Berlin, 12. Aug. (DDZ.) Wie bas Nachrichtenbüro bes BDZ. in gut unterrichteten Par. lamentarischen Kreisen hört, ist nicht bamit zu rechnen, baß vor ber Rücksprache Aböls Hitlers mit bem Reichskanzler auch in ber Frage ber preußischen Regierungsbil» bun g eine Entscheibung fällt. Die Nationalsozialisten scheinen unter Hinweis auf bie innere Derbunbenheit ber Neubildung der Regierungen im Reich -unb in Preußen nicht gewillt zu sein, ber Zentrumseinlabung zu Besprechungen über bie preußische Frage vor einer Entscheibung burch Adolf Hitler Folge zu leisten. Jedenfalls wird heute bekannt, daß auch am Montag kommender Woche die geplant gewesene Unterhaltung zwischen Deutschnationalen, Nationalsozialisten unb Zentrum in Preußen nicht erfolgen kann, weil bie Deutschnationalen unb bie Nationalsozialisten der Zentrumsfraktion erklärt haben, daß sie zu dem vorgeschriebenen Zeitpunkt Vertreter nicht entsenden könnten. preußische KabinettSsitzung. Berlin, 12. Aug. (CNB.) Wie wir er- fahren, ist die preußische Staatsregierung heute abend zu einer Sitzung zusammen- getreten, in der sie die Finanzlage und eine Reihe kleinerer Personalfragen besprochen hat. Die Forderungen des Zentrums. Von unfern Berliner Redaktion. Die Unterhändler des Zentrums haben den Reichspräsidenten nicht vor den Kopf stoßen wollen. In der Sache aber haben sie sich sehr klar von der Auffassung getrennt, die nur in einer Präsidial-Regierung eine mögliche Lösung erblicken will. Dabei ist allerdings der Gedanke des Präsidialkabinetts in einen engen Rahmen gepreßt, wenn man ihm die Deutung gibt, daß es unabhängig vom Vertrauen des Parlaments und nur gestützt auf den Auftrag des Reichspräsidenten regieren könne. Erweitert man den Rahmen, so könnte die Brücke zwischen den Wünschen des Zentrums unb denen des Staatsoberhauptes schon gefunden werden. Die Fraktionen würden darauf verzichten, die Ministersessel unter sich in dem bekannten Kuhhandel aufzuteilen. Sie würden aber vom Reichspräsidenten erwarten, daß er Führung und Zusammensetzung einer Regierung so bestimmt, daß eine loyale und versas - sungsmäßige Zusammenarbeit mit der Volksvertretung möglich ist. Das heißt: die Abhängigkeit einer Regierung zwar nicht von den Parteien, aber schließlich boch negativ von einem Mißtrauensvotum ber Mehrheit bes Parlaments soll toicber klar unb deutlich herausgearbeitet werden. Die praktischen Folgen, die sich aus einem solchen Standpunkt ergeben, liegen auf der Hand. Das Zentrum hat von Anbeginn dem Kabinett Papen bestritten, daß es eine verfassungsmäßige Grundlage unb damit die Voraussetzung zu einer vertrauensvollen, gesicherten unb erfolgversprechenden Zusammenarbeit mit bem Parlament habe. Es forbert also ben Rücktritt bieser Reichsregierung. An biefem Punkte stimmen Nationalsozialisten unb Zentrum überein. Bleibt bie Frage, ob biefe beiben Parteien auch die Grundlage für eine positive Zusammenarbeit schaffen können. Das Zentrum verlangt die offene und volle Mitverantwortung der Nationalsozialisten. Gegen die kulturelle Zersetzung. Berlin, 12. August. (WTB. Amtlich.) Die Reichsregierung ist in ihrer Regierungserklärung für die Wahrung christlicher Grundsätze im Staatsleben eingetreleu. In Uebereinstim- mung hiermit hat sich der Reichskommissar Dr. Bracht entschlossen, kulturellen 3er- sehungserscheinungen im äußeren Bilde, vor allem der Groh-Städte, im Rahmen des Möglichen entgegenzutrcten. Insbesondere ist es die schamlose Herabsetzung der Frauenehre und Frauenwürde, die als typische Lnlartungserscheinung christlicher deutscher volkskullur, volkssilte und Volkssittlichkeit zu widerläust. Ls sind deshalb zunächst grundsätzlich alle Nackidarslellungen in Theatern und Revuen, Kabaretts usw. ebenso verboten, wie die versuche, durch weibliche Personen in dürftiger Kleidung einen Anreiz zum Besuch von Schank- ftätten auszuüben. Deutsche Frauen, nur mit dem Badekostüm bekleidet, durch Preisgerichte oder viel- hundertköpfiges Publikum auf ihre körperlichen Reize abtaxieren zu lassen, um sie dann als Schönheitskönigin usw. zu prämiieren, ist ein Zeichen kulturellen Niederganges. Derartige Dinge werden daher in Zukunft verhindert werden. Das Badeleben an unseren Strömen und Seen hat Formen angenommen, die zum Teil nichts mehr zu tun haben mit der begrüßenswerten Forderung nach Licht, Luft und Sonne. Klagen aus dem Auslande zeigen, daß derartige Zustände auch dem deutschen Ansehen im Auslande abträglich sind. Der Reichskommissar Hal daher das Nacktbaden und den Besuch von Gaststätten in Badebekleidung, soweit sie nicht unmittelbar mit dem Badestrand in Verbindung stehen, verboten. Lr hat außerdem die Polizei angewiesen, gegen ärgerniserregendes Benehmen nachdrücklicher als bisher einzuschrellen. Sogenannten Freikörperschulen war es möglich, in großen Theatern Berlins vor Taufenden von Zuschauern gymnastische Nacktvorführungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen beiderlei Geschlechts unter dem Zeichen der Anbahnung einer „neuen proletarischen Kultur" zu zeigen. Das deutsche Volk in seiner großen Mehrheit lehnt eine derartige „Kultur" ab. Daher werden solche Darbietungen in Zukunft verhindert werden. Die Polizei ist ferner angewiesen, dem Straßenbild verschärfte Aufmerksamkeit zuzuwenden, um auch dort oft beklagten unerträglichen Auswüchsen entgegenzulreten. Wieder ist es eine Tragik, bah große Entscheid bungen in ber Weltpolitik zusammenfallen mit einem inneren Kampf in Amerika, ber biesmal unter ungeheuren wirtschaftlichen Nöten ausge- sochten wirb. Also: wenn wir jetzt hören, bah auf bieser Weltwirtschaftskonferenz von Kriegs- schulben unb Zöllen nicht gesprochen werben soll, bagegen aber von ber Silberfrage, bie für Europa ganz gewiß nicht entscheibenbe Bebeutung hat, so wirb man nicht erwarten dürfen, däh nach Lausanne und Genf ausgerechnet diese Konferenz die Sache schneller und bedeutend vorwärts bringen wird. Lind der Glaube sinkt noch mehr, wenn man den Stil der Vorbereitung betrachtet, deutlich sieht, dah der amerikanische Präsident gewih zur Teilnahme bereit ist, die Notwendigkeit dazu einsieht, aber — am liebsten die Konferenz erst nach der Präsidentschaftswahl haben möchte. Dann kämen wir etwa auf Ende dieses Jahres. Kann Europa, insonderheit Deutschland, diese Monate noch einfach zusehen, wie die wirtschaftliche und finanzielle Lage sich verschlechtert? Auch daran glauben wir nicht, dah einzelne Anzeichen einer Besserung, einer „Hauss e“, öic man in England und Amerika sehen will, schon den längst erwarteten endgültigen Dreh nach oben und aufwärts in der Wirtschaft wieder bedeuten. Nicht nur, dah diele Wirtschaftskrise dafür viel zu groh ist, nein, wir glauben nicht daran, dah sie von selber wieder zur Heilung kommt, wie ein Körper, der kräftig genug ist, von sich aus einen Krankheitsstoff auszuscheiden Dazu ist die Weltwirtschaft zu tief und zu gefährlich erkrankt. Ohne bewußte Entschlüsse der Politik wird die Krise nicht überwunden werden können. Deren Wesen aber ist unb bleibt, bah sie eben bie ganze Welt ergriffen hat, trotz allen Auseinanberstrebens ber einzelnen Teile, bie bleibenbe weltwirtschaftliche Verbunbenheit bieser Teile gerabe in der Krise und in - der Not fortgesetzt eindringlich demonstriert. „ ( r So sind die außenpolitischen Aufgaben bezeichnet, die aus den finanziellen Folgen des Krieges kommen. Die anderen kommen aus seiner Liquidation, aus dem Vertrag von Versailles, von dem ja bisher nur das Reparationsstück schon revidiert ist, alles andere aber noch in Kraft steht. Die weiteren Ausgaben liegen dabei im Osten und an unserer Ost grenze. Die näheren und die nächste liegt in Gens. Das meinen wir in einem Sinn, der klar ist. Die Vertagung der Abrüstungskonferenz war eine große und dauernde Entscheidung. .Deutschland hat erklärt, dah es fürderhin sich an diesen Arbeiten nur beteiligt, wenn ihm die Erfüllung feines Anspruchs auf Gleichberechtigung gesichert ist. Dieser Sah ist ein Programm und in ihm steckt sehr viel. Er bedeutet, dah die Sicherung hergestellt sein muh, bevor die Einladungen zur Fortsetzung der Abrüstungskonferenz ergehen, bedeutet also, da die anderen in dieser Frage natürlich nicht das geringste tun, dah Deutschland das Seine für sich tun muß. Er bedeutet also eine Aktion, eine planvoll und zielbewußt jetzt zu beginnende Aktion, und wir meinen, daß über deren Ausgang eigentlich schon auf der Mitgliederversammlung des Völkerbundes eine gewisse Klarheit fein mühte, die diesmal erst zum 26. September ein» berufen ist. Denn natürlich hängt das ja zusammen: Deutschlands Stellung zur Abrüstungssrage und Deutschlands Stellung zum Völkerbund überhaupt, der in dieser feiner Existenzfrage bisher so versagt hat und wahrscheinlich weiter versagen wird. Daraus folgen Erwägungen und dann Entschlüsse, deren letzte Konsequenz wir gar nicht scheuen, die aber nicht von heute auf morgen gefaßt werden können, die vorberei- t c t werden müssen. Es ist durchaus nicht Deutschlands Interesse, in dieser Frage schließlich so verlassen und isoliert dazustehen, wie es am Schluß der zweiten Phase der Abrüstungskonferenz der Fall war. Man sieht, was in jenem Satze, den Deutschland in Gens aussprach, liegt, noch mehr liegen muh. Stehenbleiben kann Deutschland dabei nicht. Das nur als Protest auszusprechen und schließlich dann im Januar wieder kommen und mitmachen, ist unmöglich. LInmöglich nicht zuletzt, weil eine große und gewaltige nationale Bewegung in Deutschland erwachsen ist, die mit Recht an diesem Punkte fo reizbar ist. Lind die jetzt die Kraft hat. von der Regierung Deutschlands nun auch die Entschlüsse zu verlangen, die notwendig werden. Wir wiederholen: diese Entschlüsse sollen nicht Halö über Kops gefaßt werden. Der nationale Wille, der durch Deutschland jetzt geht, ist hocherfreulich, gesund und gewaltig. Aber er allein tut es nicht. Er braucht auch die politische Idee. Er braucht das politische Programm und die Einzelausführung. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit und klingt wie eine Phrase. Aber leider ist das keine Selbstverständlichkeit bei einer Führung der deutschen Außenpolitik, die sehr oft gerade diese elementaren Voraussetzungen hat vermissen lassen. Denken wir an den Versuch mit der deutsch-österreichischen Zollunion! Es war ein guter Gedanke, es ist und bleibt ein notwendiger Gedanke, aber er wurde in Angriff genommen ohne die nötige Vorbereitung, gewissermaßen in die Luft hinein. Dann muß so etwas bei der Stellung, die unser Deutschland leider heute noch hat, verpuffen und zu großen Rückschlägen führen. Das soll und darf in der Abrüstungsfrage ganz besonders nicht geschehen! Wir finden schon Bundesgenossen in dem Kampf um die Gleichberechtigung, wenn wir es energisch anfassen. Aber ans assen, vorbereiten müssen wir das. Lind so ist allerdings Arbeit genug für die Außenpolitik Deutschlands jetzt in diesen Wochen, die, abgesehen natürlich von Unvorhergesehenem und Lln- berechenbarem, die Arbeiten von Lausanne und Genf in ihren Folgen ausklingen lassen, und den Blick richten auf das, was von dieser neuen Plattform aus kommen soll. Dsn selber schließlich aber wird auf ihr das, was wir wollen, auf keinem Gebiete kommen. Die Initiative und ber Entschluß müssen von der deutschen Politik selbst ausgehen, die dazu sich frei machen und frei halten soll von einem Streit um Orientierungen theoretischer Art und in dem sie, selbstverständlich die großen Endziele der Befreiung in jedem Sinn fest im Auge haltend, auf das nächste blickt, auf die zwei, drei drängen ben nächsten Aufgaben, die wir bezeichneten. Werden sie angefaßt in dem Sinne, den wir bezeichneten, so sieht man eigentlich nicht, warum nicht eine solche deutsche Außenpolitik die ganze Kraft der nationalen öffentlichen Meinung Deutschlands hinter sich haben sollte. Aber nützen muß man die Zeit, die jetzt einmal im Augenblick wieder gegeben ist! Angesichts der Stärkeverhältnisse der Parteien wird man aus dieser Formulierung schließen dürfen, daß es sich dem Regierungsauftrag an einen Nationalsozialisten, sei es nun Hitler oder ein Mann, den Hitler als seinen Vertrauensmann herausstellt, nicht widersehen wird. Somit scheint sich die Entscheidung auf die Frage zuzuspihen, ob Hitler die Führung einer solchen Regierung übernehmen will, die durch einen Koalitionscharakter zur Rücksichtnahme gezwungen ist. Wir halten es durchaus nicht für wünschenswert, und so sind wohl auch die Forderungen des Zentrums nicht zu verstehen, daß wir zu dem schauerlichen Verfahren des deutschen Parlamentarismus früherer Tage zurückkehren sollen. Wohl aber soll der Führer einer neuen Regierung schon durch die personelle Zusammensetzung seines Kabinetts $u erkennen geben, daß er nicht eine einfet* tige Parteidiktatur anstrebt. Die Dinge brauchen rücht so zu verlaufen, daß der Regierungschef sich Männer aufdrängen läßt, die nur der Partei, nicht ihm aber persönlich genehm sind. Aber der Wille zur Rücksichtnahme und zur Zusammenarbeit muß deutlich erkennbar werden. Die Frage, vor die Hitler gestellt sein wird, zielt also dahin, ob er sich über die Partei zu erheben vermag. Polizeiaktion gegen die KPD. in Preußen n, in p a r - Berlin, 12. Aug. (TU.) Auf Anordnung des preußischen Ministers des Snnern wurden am Freitag in ganz Preußen überraschend und schlagartig Durchsuchungen bei den Geschäftsstellen und Funktionären sowie bei führenden Mitgliedern der KPD. und der ihr angeschlossenen Organisationen, insbesondere bei dem Roten Massenselb st schütz und der A n - tifaschistischen Aktion vorgenommen. Aus verschiedenen Städten liegen bereits die Ergebnisse dieser Haussuchungen vor. InKöln wurden außer umfangreichem Schriftenmaterial auch Waffen gefunden. InKoblenz wurde ebenfalls umfangreiches Schriftenmaterial sichrrgestellt. Auch wurden vereinzelt Waffen und Schlaginstru- mente beschlagnahmt. In K i e l wurden verschiedene Waffen gesunden. 11. a. wurde in einer Wohnung eine Anzahl zu Flachwaffen umgearbeitete Stahlstangen beschlagnahmt. Vei Haussuchungen in Stettin wurde Druckschriftenmaterial zutage gefordert, das unbedeutenden Charakter trug. Heber das Ergebnis in F r a n k - f u r t a. M. ist noch nichts bekannt. Zwischenfälle haben sich dort nicht ereignet. Die Durchsuchung in Wiesbaden hat größere Waffenbestände nicht zutage gefördert. Heber das beschlagnahmte Material, wie Mitgliederverzeichnisse, Korrespondenz mit verbotenen Organisationen usw. war von den amtlichen Stellen vorerst keine authentische Mitteilung zu erhalten. Parattelaktion in Hamburg. Hamburg, 12. Aug. (WTB.) Seit Freitag früh ist die politische Polizei in ganz Hamburg mit Durchsuchungen bei kommunistischen Parteiangehörij kommunistischen Parteibureaus uni teillokalen beschäftigt. Die Untersuchungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der vor drei Tagen erfolgten Aushebung des Rotfrontkämpferbundes in Hamburg. gcsetz unterliegen. Bei dem ebenfalls im Dolkshaus wohnenden sozialdemokratischen Verkehrsleiter B r a n d e l wurden Gewehr- und Pistolenmunition, sowie ein alter Revolver gefunden. Das in Sonneberg erscheinende sozialdemokratische Blatt „Thüringer Volksfreun b", das seit einiger Zeit in Coburg gedruckt wird, ist durch die oberfränkische Kreisregierung vom 12. bis 15. August verboten worden. TränengaSbomben in Warenhäusern. Krefeld, 12. Aua. (CNB.) Am Freitag, gegen 17.30 Uhr, wurden fast gleichzeitia in den Krefelder Einheitspreisgeschäften der Firmen W o o l w o r t h und E h a p e sowie in dem Warenhaus von Leonhard Tietz Tränengasbomben geworfen. Die Wirkung des Tränengases war außerordentlich stark. Das Publikum mußte fluchtartig die Verkaufsräume verlassen, und das Derkaufspersonal konnte sich nicht mehr in den Räumen aufhalten. Die Fe u e r w e h r wurde hinzugezogen, um mit Hilfe von Schutzbrillen und Gasmasken die notwendige Hilfe zu leisten. Die beiden Einheitspreisgeschäfte mußten geschlossen werden. Die Täter sind unerkannt entkommen. Weitere Anschläge. Halle, 12. Aug. (TU.) Dor der Wohnung des nationalsozialistischen Kreisleiters Rost in Sangerhausen ging in der vergangenen Nacht ein Sprengkörper hoch, wobei einige Fensterscheiben zertrümmert wurden. Guben, 12. Aug. (WTB.) In den letzten Nächten wurden in Guben Fensterscheiben in einem Konfektionshaus und in Konsum- filialen eingeschlagen. Jetzt konnte ein der NSDAP, angehörender Mann als Täter verhaftet werden. Gegen Mittag wurde das Parteibureau der KPD. am Valentinskamp überraschend durch ein großes Polizeiaufgebot beseht. Ferner durchsuchte man bei dieser Gelegenheit auch die Redaktion der „Hamburger Volkszeitung^'. Gegen 13 Uhr wurde das Dureau der Antifa in der Kaiser-Wilhelm- strcche besetzt. Auch hier setzte die Polizei ein größeres Aufgebot an Beamten ein und sperrte auch die beiden Zugänge, um Zusammenstöße und Zusammenrottungen während der Durchsuchung zu verhindern. Heber die bei den Durchsuchungen gemachten Funde gibt die politische Polizet vorerst noch keine Mitteiluttg. Waffenbeschlagnahme im Sonneberger Dollshaus. Sonneberg (Thüringen), 12. August. (WTB.) Die Landespolizei nahm am Donnerstag gemeinsam mit der politischen Polizei überraschende Haussuchungen in Sonneberg vor. Nach dem Polizeibericht wurden im Volkshaus bei dem Reichsbannerführer Veit eine Armeepistole mit gefülltem Magazin, sieben automatische Mehrlade- Pistolen, 226 Schuß Munition, sowie weitere 100 Schuß Pistolenmunition beschlagnahmt. Bei dem gleichen Reichsbannerführer fand man außerdem zwei Kleinkaliberbüchsen, die dem Schußwaffen- Berliner „Hofbericht". Don der Auferstehung des Volksliedes. Der Zug der Zeit hat auch in die Höfe zwischen den Häuserschächten der Großstädte ganz allmählich zwar, aber nun schon deutlich hörbar, neue Noten hereingeweht. Diese neuen Noten entstammen alten, lange vergessenen und verlegten Blättern. Es sind jene Notenblätter, die eines Tages beschrieben waren! kein Mensch wußte von wem. Sie sangen sich von Mund zu Mund weiter, waren bald in aller Munde und wurden die Lieblinge ihrer Stämme und schließlich ganzer Völker. Es ging mit ihnen nicht anders als mit dem Vogellied. Ein Gott Stic irgendwem in einer begnadeten Stunde zu zen gegeben, was unausgesprochen fast in jedem enschenherz an Freud- und Leidoollen der Erweckung auf den Flügeln des Gesanges harrt; weil die Seele des Volkes in jenen kleinen, schlichten und innigen Weisen klingt und singt, wird „dereinst mit dem letzten Dichter aus der letzte Mensch hin- ausziehen." Um es in plattem Deutsch auszudrücken: Das Volkslied ist bei den „H o f s ä n g e r n" der ganz große Schlager geworden. Das mag beim ersten Anhören seltsam berühren, in einer gehetzten Zeit, in der sich noch immer viele auf der Oberfläche dünnsten Gedankenschaums und geächteter Gefühlsunterströmungen treiben lassen, mit dem uneinge- standenen Motto „Nach uns die SintflutI" Noch bis vor einigen Monaten hüpften, kaum daß sie erbrütet und auf Aetherwellen wie billigste Saisonware feilgeboten waren, die neuesten Schlager der musikalischen Konfektion am laufenden Band wie losgelassene Bremer Stadt- Musikanten aus dem zentralafrikanischen Busch zwi- schen Vorder- und Hinterhaus in die Fenster herein und bis zu den Dachstuben empor. Meist Jugendliche mit Wimmerinstrumenten und jenem öligen Schmalz in der Stimme waren ihre mehr oder weniger berufenen Mittler. In Soli, Duetten und Trios wurden sie bis zum Uebelwerden gedroschen. Ein halbes Dutzend Mal innerhalb weniger Stunden den gerade allerneuesten Schlager über sich ergehen lassen müssen, dazu gehören Nerven aus einem Material, das in der heutigen Zeit einfach nicht bezahlt werden könnte. Doch man soll über Tote — oder lind sie nur scheintot? — nichts Bö- sts reden. Nach sieben und mehr fetten Tantiemen- Jahren und einer vitaminarmen Gefühlsepoche lieber handfeste, aber nahrhafte und verdauliche SachenI An literarischer oder musikalischer Haus- mannkost ist nod) keiner eines seelischen Todes gestor- den, der nicht schon vorher innerlich kränkelte. Allerpolnisch-französische Wirtschaftsverständigung. Warschau, 12. Aug. (TU.) Am Freitag wurde in Paris nach mehrmonatigen schwierigen Verhandlungen eine polnisch-französische Wirtschaftsverständigung erzielt. Das Abkommen sieht vor allen Dingen die Regelung der Kontingente für die polnische Einfuhr nach Frankreich vor. Als Gegenleistung wurde von polnischer Seite Frankreich eine Reihe von Einfuhrerleichterungen für Industrieerzeugnisse zugestanden. Frankreich hatte bekanntlich in den letzten Monaten durch seine Handels» und Kontingentpolitik die polnische Einfuhr stark heruntergedrückt, und es bestand die Gefahr einer völligen Abdrosselung der polnischen Ausfuhr nach Frankreich, vor allem von Holz und einigen anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Durch die nunmehrige Verständigung hat das polnisch-französische Handelsabkommen vom Jahre 1925, das auch weiterhin in Kraft bleibt, eine Abänderung erfahren, die bei den polnischen Wirtschaftskreisen die Hoffnung auf einen neuen Auftrieb der außerordentlich stark zurückgegangenen polnischen Einfuhr nach Frankreich erweckt. gings liegt viel daran, wie die Portionen zurechtgemacht und serviert werden. Dem kommt zu Hilfe, daß sich die soziale Struktur der „Hofsänger" ganz augenfällig umgeschichtet hat und auch in den Lebensaltern eine Verlagerung nach dem „Mittelalter" und darüber eingetreten ist. Leute, die es sich in der Kinderstube nicht haben träumen lassen, daß sie die Lieder, die sie damals „spielend" lernten, einmal zur Untermauerung ihres abgebröckelten Daseinsfundaments als fah- rende Sänger der Neuzeit in den Steinwüsten der Großstädte zu Gehör bringen müßten, stellen einen zunehmenden Prozentsatz. Mag auch sonst alles verschüttet werden, eine gute Kinderstube bleibt wertvollstes Familienerbstück. Die Renaissance des Volksliedes auf diese Art findet so ihre erste Be- gründung und erklärt die häufig überraschende Kultur der sprachlichen und gesanglichen „Stimme aus der Tiefe", die das unwillkürlich lauschende Ohr trifft. „Wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder, die längst ich vergessen geglaubt!" Sei es „A m Br unnen vor dem Tor e", oder „In einem kühlen Gründe" oder „H e i d e r ö s l e i n". Eben weil in dem Volkslied eine unsterbliche Seele lebt, taryx auch die Unzulänglichkeit der Mittel die Wirkung nur sehr vereinzelt banalisieren. Wenn außerdem begreiflich ist, daß jemandem, der „bessere Zeiten gesehen" hat und der nun von der Hand in den Mund zu leben gezwungen ist, der Sinn u. noch weniger dasSingen nach parfümierten und ebenso trivialen Asphaltblüten steht, dann wird den Beobachter auch die Wahrnehmung nicht überraschen können, daß diese modernen Troubadours erzieherisch auf ihre Konkurrenten eingewirkt haben. Umgebung färbt erfahrungsgemäß ab. Und deshalb haben sich nunmehr auch die Vertreter einer angeblich „versachlichten" Generation die Lieder zum Vortrag angeeignet, die sie in der Mehrzahl sicher nur vom Hörensagen kannten. Ab und zu sprengen zwar noch immer „Iazz-Banditen" den ausgegrabenen Liederschatz mit „Oh Monah" und anderen „letzten Modeschreien" der Gassenhauer- Muse. Aber sie gehören schon zu den Seltenheiten, wie das früher die Volkslieder waren, die heute eine betriebsame und konjunkturfixe Schlagerindustrie etwa im Stil der „Liede der Matrosen" züchten möchte. Es machen sich ja genug Anzeichen dafür geltend, daß die Zeiten ihrem Ende entgegengehen, in denen altmodisch und vorgestrig war, wer nicht das Herz auf Taille und die Seele auf Sexappeal tragen zu müssen glaubte. Die Auferstehung des Volksliedes, in den ummauerten Einöden großstädtischer Menschenmassen trägt sicher mit zu einem Gesundungsprozeß bei, der kein Rückfall in Sie „nationalen Minderheiten" in Senischland. Was die Reichstagswahlen lehren. In P o l e n herrscht Trauer. Die letzten deutschen Reichstagswahlen zeigten, daß die polnischen Minderheits stimmen im Deutschen Reiche weiter in scharfem Rückgänge sind. Schon vor den Reichstagswahlen hatte die „P o l o n i a“ in Kattowitz, baS Blatt Kvrfanths, diesen Rückgang ahnungsvoll beklagt. Ahnungen trügen nicht; aber das Wahlergebnis vom 31. Juli hat selbst die von ihr geäußerten pessimistischen Erwartungen übertroffen. Rund 34 969 Stimmen wurden auf die Listen der „Rationalen Minderheiten" abgegeben, davon 33 411 für die polnische, 1508 für die dänische Liste, was gegenüber den Reichstagswahlen von 1930 einen Verlust von weit mehr als 50 v. y. darstellt. Dor -allem interessieren in diesem Zusammenhänge die polnischen Stimmen, die in Oberschlesien, der sogenannten «Hochburg des Polen- tums", und in Ostpreußen, das nach polnischer Auffassung von einer „polnischen Mehrheit" bewohnt wird, abgegeben wurden: in Oberschle- sien waren es rund 14534, und in Oft* Preußen ganze 2845. Die „Polonia" muh es wissen, wenn sie fest- stellt, daß die öffentliche Meinung in Polen seit Jähren durch übertriebene Gerüchte von dem in Deutschland herrschenden Wahlterrvr „belogen" worden ist. Es gibt keine Wahlbeeinflussung in Deutschland, und wer teilt, tarnt sich frei zur Minderheit bekennen. Aber wenn dies nur 34 969 Staatsbürger tun, so bestätigt das wieder einmal, in welchem Maße die Zahlen der polnischen Propaganda — Phantasie sind, und zweitens zeigt sich, daß die Mehrheit der nicht deutsch sprechenden deutschen Staatsbürger sich gar nicht als „Minderheit" im polnischen Sinne fühlt, schon weil der deutsche Staat keinerlei minderheitenrechtliche Bedrückung kennt. „Daß das heutige Polen für die polnische Bevölkerung jenseits der Grenze sowohl in kulturpolitischer, wie auch in wirtschaftlicher Beziehung eine immer geringere Anziehungskraft besitzt", hat — auch darin ist der „Polonia" nicht zu widersprechen — zweifellos mit dazu beigetragen, daß die Zahl derer, die auf; staatspolnische Lockrufe hereinfallen, von Wahl zu Wahl immer kleiner geworden ist. Aus aller Well. Attentat aus Milets berühmtes „Angelus"-Vild. Im Louvre in Paris wurde das berühmte Gemälde „A n g e (u s" des Franzosen F. F. Mil- let mit einem Rasiermesser schwer beschädigt. Der Täter, ein Zljähriger Ingenieur, ist f e ft g en ommen worben. Er konnte bei seinem Verhör keinen Grunb für feine Tat angeben. Man glaubt es mit einem Qeiftesge- störten zu tun zu haben. Die Konservatoren bes Louvre finb ber Ansicht, baß bas Gemälde wieder hergestellt werben kann. — Das 1867 entftanbene Bild „Angelus" (Engelsgruß) stellt ein Bauernpaar bar, wie es beim Abendgeläute bie Arbeit auf bem Felde prüft und in stiller Andacht verharrt, solange die Glocke ertönt. In katholischen Ländern wird beim Morgen» und Abendgeläute von allen Gläubigen der Engelsgruß („Ave Ma- ria" usw.) gesprochen, daher der Name des Bildes. Das Epochemachende im Werke des französischen Meisters bestand darin, daß zum ersten Male-Ge- statten aus dem Volke, aus der Wett der Arbeit, zur Darstellung von künstlerischen Motiven verwendet wurden. Veruntreuungen eines Bremer Getreidemaklers. Der Mitinhaber der bekannten Bremer Getreidemaklerfirma Gebr. Riefe, Ernst Riefe, ist feit einigen Tagen verschwunden. Man nimmt an, daß er unter Mitnahme von rund 70 000 Mark ins Ausland, wahrscheinlich nach Holland, geflüchtet ist. Riefe war es gelungen, größere Mengen Getreide in feinen Besitz zu bringen, die er sofort zu Schleuderpreisen auf den Markt warf, um seine Lieferanten zu befriedigen. Da keinerlei Deckung vorhanden ist, sollen die Lieferanten einen Schaden von etwa 50 000 Mk. haben, während eine angeblich mit 20 000 Mk. an der Firma beteiligte Bremer Dank Sicherheiten in Händen haben foll. Gegen Riefe ist Steckbrief erlassen worden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, daß er sich einen Auslandpaß hat aus stellen lassen. Sühne für Grabschändungen in Dessau. Das Schöffengericht in Dessau verurteilte den 20 Jahre alten Arbeiter Paul Bieler aus Dessau zu einem Jahr sechsMonaten Gefängnis. Er hatte Ende Juni gemeinsam mit zwei von ihm angestifteten Schuljungen empörende Grabschändungen auf dem alten Dessauer evangelischen Friedhof verübt, wobei etwa hundert Grabdenkmäler umgetoorfen oder zerstört wurden. finsterstes Mittelalter zu werden braucht. Der Weg zu einer neuen Romantik, von ber man munkelt, wirb ohnehin fein Märchenpfab fein, an bem bie blaue Blume blüht. Exotische Kochkunst. Don Dr. W. Lüders. Wenn wir heute Lobeshymnen auf bie Zweck- Mäßigkeit und Bekömmlichkeit ber vegetarischen Kost singen und sie als eine ber wertvollsten Erfindungen des 20. Iahrhunberts zum Wohle ber Allgemeinheit hinftellen, bann sollten wir uns einmal vor bem Beginn ber Lobeshymne den S p ei f e z e t t e l b e r Naturvölker in ben verschiedenen Landstrichen ansehen. Dort spielt seit attersher die vegetarische oder pflanzliche Kost eine Hauptrolle der gesamten Ernährung. Hoch lebe bie Banane — nieder mit dem Schwein! So lautet die Parole ber wilden Volksstämme, bie sich nur von dem ernähren, was ein gütiger Gott ihnen in ben Mund wachsen läßt. Nur bei ben Kannibalen, bie sich vereinzelt mit Schweinezüchten beschäftigen, kann es passieren, baß ein heißhungriger Europäer vor bem Geschlachtetwerden von den gastfreundlichen Leuten gefragt wird, ob er lieber von einem langen ober kurzen Schwein, d. h. Fleisch von einem Menschen ober einem wirklichen Schwein essen möchte. Verfolgen wir diese Speisezettel ber Milben weiter, so können wir immer feststellen, baß mit ber Höherentwicklung einer Kultur immer gleichzeitig eine reichhaltigere unb ausgewähltere Kost zu fin- ben ist. Nicht nur ber brutalste Hunger wird mehr befriedigt, sondern bie Ausgestaltung, Zubereitung unb Ausschmückung bes Mahls nimmt immer gewähltere Formen an. Bei ben kleinen Völkern Afrikas finden wir die verschiedensten Degetabilien in einer Weise zube- reitet, daß wir Europäer bei ihrem Genuß entsetzt die Flucht ergreifen würden. Ebenso würde es uns bei den Hottentotten ergehen, die bar jedweden Geschmacks bie grauenvollsten Dinge verzehren. Ihre Nationalspeise besteht aus einer kleinen, mehligen Zwiebelart, die auf Kohle oder Tierdünger gebraten wird. Die Abessinier essen Fletsch nur bei festlichen Gelegenheiten. Dann legen sie bas gebratene Kuh- sleisch nach Sitte ber Angelsachsen nicht auf Teller, sondern auf kuchenförmige, ungesäuerte Brote, Tess benannt, aus feinstem weißen Mehl. Schweinefleisch gehört zu den verbotenen Genüssen, während reichlich gewürztes Gemüse, stark mit Pfesser untermischt, ju ben beliebtesten Leckerbissen zählt. Hinrichtung eines Raubmörders. Im Lichthof des Stuttgarter IustizgebäudeS wurde der 30 Jahre alte ledige Kraftwagenführer Gotthilf Lachenmeir aus Oppelsbohm (Oberamt Waiblingen), der am 22. Februar 1931 den Kaufmann Steiner aus Stuttgart ermordet und beraubt hatte, hingerichtet. Autobusunglück in Oberbayern. — Ein Toter, mehrere verletzte. Aus Oberammergau wird gemeldet: Aus der steilen Bergstraße von Oberau nach Ettal stürzte ein Münchener G e f e 11 f.ch as t s - autobus den Derghang hinab. Dvnden Insassen wurde einer getötet, mehrere verletzt. Schreckliches Autounglück. Einen furchtbaren Tob fanb biefer Tage ein Kraftwagenbesitzer, ber sich auf ber Heimfahrt von Paris nach Versailles befanb. Kurz vor Versailles hatten Arbeiter des Telefonamtes ein Draht- kabel quer über bie Lanbftraße gespannt, um einen Telefonmast zu errichten. Obwohl vor unb hinter bem Kabel Warnungstafeln ausgestellt waren, raste ber Autofahrer in voller Fahrt gegen bas Drahtseil, bas ihm ben Kopf vom Rumpfe trennte. Sein neben ihm sitzenber Begleiter erlitt so schwere Verletzungen, daß man an seinem Aufkommen zweifelt. Riesiger hotelbiebstahl an der Riviera. Wie aus Juan Les Pins an ber Mittelmeerküste gemelbet wirb, ist bort in einem ber großen Hotel- ein aussehenerregenber Juwelenbied- sta h 1 verübt worben, ber bas Werk eines internationalen Hotelbiebes sein dürste. Als ein reicher Engländer mit seiner Familie von einem Spaziergang zurückkehrte, mußte er die peinliche Entdeckung machen, baß aus seinem Zimmer ein mit einem Sicherheitsschloß versehener Koffer verschwunben war. In bem Koffer befanben sich u. a. Schmucksachen im Werte von 70 000 Pfund Sterling. Erdbeben bei Smyrna. Ein heftiges Erdbeben hat, wie aus Stambul gemeldet wird, Murla in der Rähe von Smyrna heimgesucht und 87 Häuser zerstört. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt. Verantwortlich für Politik: 3.23.: Ernst Blumschein. Bei ben Brahmanen unb Hinbus finden wir ben Genuß des Fleisches nur in ben höheren Kasten gestattet unb auch bann nur Ochsenfleisch, bas teilweise ben Göttern geopfert ober burch einen Priester geweiht wirb. Die gewöhnliche Nahrung besteht aus Reis, ber in ben verschiebensten Arten zubereitet, mittels eines zusammengerollten Malvenblattes zum Munde geführt wird. Wasser unb Milch finb die Hauptgetränke — einzig und allein an hohen Tagen wird ein aus Zwiebeln, Tamarinden, Pfeffer und Wasser zubereitetes Getränk gereicht, das sich größter Beliebtheit erfreut. Je weiter wir nach Süden kommen, um so mehr fällt uns die Kultivierung der Nahrungspflanzen, Gemüse, Kartoffeln, Reis Pisang und Kokosnüsse auf. Der wilde Stamm der Bata auf Sumatra lebt fast rein vegetarisch mit Zuhilfenahme der schärfsten Gewürze. Nur an den wenigen Festtagen bes Jahres verzehren sie Fleisch, auch dann, wenn es längst in Fäulnis Übergebungen ist. Jeder Volksstamm hat [eine Spezialgerichte, der Kalmücke liebt feine süßen und sauren Käse, der Tscherkesse schwört auf Hammelfleisch, ber Chinese und ber Japaner halten Reis unb Tee in Ehren, unb sicher würbe jeber einzelne von ihnen energisch ben Kopf schütteln, wenn man ihm für sein Nationalgericht ein beutsches Kasseler mit Sauerkraut zum Tausch anböte. Greta Garbo wird getröstet. Die Filmschauspielerin Greta Garbo gilt im persönlichen Umgang nicht gerade als übertrieben liebenswürdig, und teer es wagt, sich ihr zu nähernj, ohne die Genehmigung dazu auf dem Instanzenwege untertänigft eingehvlt zu haben, dem zeigt sie meist nicht das charmante Lächeln, das sie im Licht der Jupiterlampen aufzusetzen pflegt. Trotzdem war es, wie man sich in Holly- toooi) erzählt, einem jungen Studenten, den sie flüchtig kennengelernt hatte, gelungen, die Film- fonigm zu bewegen, ohne alle Formalitäten einer Einladung zum Mittagessen Folge zu leisten, da er fie gerne seiner Mutter vorstellen wollte. Im Derlauf der Unterhaltung kam man natürlich auch auf den Film zu sprechen, und die alte Dame, die nie ein Kino besuchte und kaum noch die Zeitungen las, fragte ihren Gast, ob sie nicht auch versucht hätte, beim Film anzukommen. Greta, gerührt von dieser seltenen Weltfremdheit, antwortete fast schühtern: „Dersucht habe ich es wohl...", worauf die alte Dame tröstend einfiel: „Sie müssen nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, mein Kind, ich könnte mir gut vorstellen, daß *- 'rheit" im ^burgn deutsch^zM ?^chNlch^°t u?srrk »te1* l*^5Äi8 wbttMtu. >yern. - ein Zoltt richte. cd gemeldet: Aus der Oberau nach Ettal c Gesellschaft-« i,ug hinab. Dvnden otet, mehrere ver. iilounglüi. sand dieser Tage ein aus der Heimfahrt von ib. Kurz vor Versailles namtes ein Draht- ndstraßc gespannt, um hten. Obwohl vor und nungsiaseln ausgestellt : in voller Fahrt gegen den Kops vom in neben ihm sitzender ire Verletzungen, mimen zweifelt. il an der Riviera. an der Mittelmeerküste inem der großen Hotelier Qutnelenbieb* das Wert eines intet' dürste. Als ein xt\6)tr e von einem Spajta1 ne peinliche Entdeckung Ammer ein mit einem Wer verschwunden den sich u. o. Schmuck- 000 Pfund Ster- tarier ??U^hm (Ober. 22. Jebruar 1931 den Stuttgart ermordet cngerichtet. , Smyrna. at wie aus Etambul ge* der W von Smyrna r zerstört. She W »tonnt I.2.: Ernst Siumiyjn. 3 Hindus finden wer in den h°he«n haften ur vchsensleisch-' nher durch einen iche Nahrung besteh M ersten Arten zubereilet, it n Malnenb'attes ru" "'*¥äs XAr tiiM £ ! unflffbct Chinese S lee in Ehren- W unb JJ energisch ■ine von'^r lein’1“; Kreta ® a(J ^rtriebe“ wagt ilw ( dem MS» <2^05 Ä'-7,i^XÄ S^--Ä Aus Oer provinzialdauptstavt. Gießen, den 13. August 1932. Sin Siebzigjähriger. Seinen 70.Geburtstag feiert am 14. August in voller körper- lichec und geistiger Frische der Zolloberwacht, meister i. R. Wilh. Schuck, Kugelberg 61. Er war von 1889 bi« 1920 bei der hiesigen Garni- sonverwaltung tätig, muhte dann bei der Heeres- Verminderung ausscheiden und zur Zollverwaltung übertreten, wo er noch bi« 1925 in alter Pflichttreue seinen Dienst versah. •• Fahrt zum Edersee. Der Omnibusbe'- trieb E. H o o s veranstaltet am morgigen Sonntag eine Fahrt zum Edersee, welche die Teilnehmer über Schloß Waldeck und Bad Wildungen nach dem Edersee sührt. Die AuSflugsfahrt verspricht einige genußreiche Stunden, da die Fahrtteilnehmer in ein landschaftlich bevorzugtes Gebiet ge- sührt werden und als Zielpunkt der Fahrt den großen Stausee kennenlernen. Näheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. Schreibtischmarder an der Ar- beit. Der Polizeibericht meldet: Bei den Einbrüchen in die Büroräume der Provinzialdirektion, des Reichsbahnbetriebsamtes 1 und des Landwirtschaftlichen Instituts in der Nacht zum Freitag handelt es sich um die .Arbeit" der gleichen Täter. Don den Eindringlingen wurden in den Düroraumen sämtliche Echreibtischschub- laden soweit sie verschlossen waren, erbrochen und nach Geld durchsucht. An den vorhandenen Aktenstücken und sonstigen Papieren hatten die Täter dem Augenschein nach nicht das geringste Interesse, es lag ihnen lediglich an der Erlangung von Geldmitteln. Dabei kamen sie nur teilweise auf ihre Rechnung. In einem Schreibtisch des Landwirtschaftlichen Instituts fielen ihnen 200 Mk., in der Provinzialdirektion 2 Mk. in die Hände, im Reichsbahnbetriebsamt erbeuteten sie gar nichts. Insgesamt wurden von den Tätern etwa 25 bis 30 Schreibtische erbrochen. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. *• Haftentlassungen. Die Untersuchung des großen ^leberfall« auf SA.-Leute bei Hom- berg, über den wir kürzlich berichteten, durch den älntersuchungsrichter beim oberhessischen Landgericht in Gießen hat dahin geführt, daß von den etwa 50 Verhafteten 40 Leute vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, da für die Fortführung der Untersuchung keine Verdunkelungsgefahr mehr besteht. Das Verfahren, auch gegen die aus der Haft entlassenen Leute, nimmt seinen Fortgang. Die Angeklagten werden sich wegen Landfriedensbruches voraussichtlich in einigen Wochen vor Gericht zu verantworten haben. *• Ihren schweren Verletzungen erlegen ist die 25 Jahre alte Agnes Schuhmacher aus Siedlingshausen, Kreis Drilon, die am Donnerstagmittag während der Durchreise aus dem hiesigen Dahnhof von dem einfahrenden Schnellzug Frankfurt a. 1—Berlin überfahren wurde. Das bedauernswerte Mädchen, das bewußtlos in die Klinik eingeliefert worden war, verschied, ohne zum Tewuhtsein zurückgekehrt zu sein. " Die Bezeichnung „Sparkasse" gesetzlich geschützt. In einer Verordnung vom Oktober 1931 hatte das Reich vorgeschrieben, daß die Länder Bestimmungen zum Schuh der De- zeichnu 3 .Sparkasse" treffen. Mit dieser den öffentlichen Sparkassen zukommenden Bezeichnung war früher von anderen Seiten vielfach Mißbrauch getrieben worden, und Einleger waren dabei zu Schaden gekommen. Die Schuhbestimmungen sind bisher erlassen in Württemberg und Bah- cm. Dort dürfen sich also als „Sparkasse" nur die öffentlichen Spar- unb Girokassen bezeichnen und solche Institute, denen dies Recht ausdrücklich von der zuständigen Landesbehörde verliehen wird. Auf Zuwiderhandlung gegen diese Vorschriften steht Geldstrafe. Auch für die übrigen Länder ist wohl mit einem baldigen Erlaß der entsprechenden Bestimmungen zu rechnen, die letzten Endes den Zweck verfolgen, die Bevölkerung bei der Anlegung von Geldern vor Verlusten zu bewahren. Kriegc^eiwillige 1914. — Söhne Gießens und Oberheffens. Oie ^Schnuffelruifcher." Erinnerungen eines Kompan.eführerS. Achtzehn Jahre, ein halbe« Menschenalter, sind seit dem Weltkrieg verflossen. Manchmal glaubt man, es handele sich um einen Traum, so unwirklich, so grundverschieden von der Gegenwart, so ungreifbar weit zurück liegen die Tage und Stunden dieser Weltkatastrophe. Nimmt man aber einmal — und wer tut dies nicht, wenn die Tage von 1914 sich wieder jähren — seine Briefe und Aufzeichnungen zur Hand, die damals hastig und stichwortartig niedergeschrieben wurden, und blättert in diesen vergilbten Blättern, die schon einen Hauch des historisch Gewordenen an sich haben, dann treten Menschen, Dinge und Ereignisse plötzlich lebenswahr und plastisch wieder vor unser Auge, wir stehen wieder mitten drin in dem gewaltigen Geschehen und erleben die Zeit wieder, als wenn sie erst wenige Wochen hinter un« läge. So kam mir dieser Tage wieder einmal ein ganz unansehnliches Büchlein in die Hand. Die Aufschrift auf dem ganz verwaschenen und verblaßten, von Regen, Schnee, flandrischem Schützengrabendreck und russischem Etraßenschlannn durchdrängten Büchlein ist kaum noch zu lesen. Nur mit Mühe kann man die Worte entziffern „T a - schenstammrolle der 3. Komp. 1. Batl. R. I. R. 2 2 2". Mancher würde das Büchlein nur mit den Fingerspitzen anfassen, um sich nicht schmutzig zu machen. Mir aber ist dieses Büchlein ans Herz gewachsen, enthält es doch die Namen aller derer, die damals zum größten Teil als Kriegsfreiwillige mit mir hinauszvgen und die ich als „meine" Kompanie bezeichnen durfte. Trocken und eintönig reihen sich 232 Namen mit Geburtsort, -datum, Beruf, Eltern, Stand usw. aneinander. Bei weit über der Hälfte steht der Vermerk „freiwillig eingetreten". von diesen 232 Unteroffizieren und Mannschaften waren 200 im Alter von 17 bis 23 Jahren. Alle Berufe waren vertreten: 113 Schüler, Studenten, Lehrer, Kaufleute, Beamte, Mechaniker, Techniker, 66 Arbeiter, 30 Handwerker und 23 Landwirte. 171 stammten aus Gießen und Oberhessen, 28 aus Wetzlar und der Lahngegend, der Rest aus Westfalen, Thüringen und dem übrigen Deutschland. Das sind die reinen statistischen Angaben, die man diesem kleinen Büchlein entnehmen kann, die nur ein Bild von der Zusammensetzung geben, nicht aber ein Bild von dem G e i st, der in diesen Reihen herrschte. Man verspürt allerdings etwas von diesem Geist, wenn man unter den Bemerkungen die Worte „gefallen“, „vermißt", „erkrankt", „verwundet" lieft. Welche Summe von Schmerzen, Elend, Todesangst, Jammer, Trauer und — Heldenmut — deuten uns diese einfachen Worte an! Hat doch das ganze R.I.R. 222 im Krieg insgesamt 46 Offiziere, 214 Unteroffiziere "nd 2540 Mann durch den Tod verloren. Dazu kommt aber noch die Zahl der Verwundeten und an Krankheit nachträglich Gestorbenen oder in andern Verbänden Gefallenen, die man auf das Mei* bis dreifache annohmen kann. Kriegsfreiwillige 1914 1 Wie Heldengestalten aus grauer Vorzeit, von denen uns die Geschichte berichtet, wie Die Reitergeschwader eines Schdlitz und eines Ziethen, wie die Kriegsfreiwilligen von 1813, wie die Düppelstürmer und die Helden von 1866 und 1870/71, so gehören auch die Kriegsfreiwilligen von 1914 der Geschichte an. Sie sind von unserm Fleisch und Blut, und ihre Begeisterung, ihr Pflichtgefühl, ihre Vaterlands- liebe, ihre Taten und ihr heldenmütiges Sterben fordern von denen, die mit ihnen zusammen gekämpft haben, ein ehrendes Gedenken, das noch in der Nachwelt leben soll, wie die Taten unserer Vorfahren, an denen wir uns in der eigenen Jugend begeistert haben und die in uns zu neuem Leben erwacht sind, als der Sturm in den August- tagen 1914 losbrach Gerade in unserer Zeit der Zerrissenheit, des Kampfes Aller gegen Alle, der Not, des Elends und der Verzweiflung, deÄ sittlichen Niedergangs, in der der Sinn für menschliche Gröhe ver- wren zu gehen scheint, in der bewußt von manchen Seiten alles niedergerisfen wird, woran wir uns begeistert haben, in der das Wort .Vaterland" aus den Herzen der Jugend gerissen werden soll: rst es Pflicht eines jeden Fronttämpfers, den herrlichen Geist wieder ausleben zu lassen, der in den schwülen Tagen des August 1914 unser Volk und besonders unsere kriegsfreiwillige Jugend durchglühle. Den wahren Geist dieser Freiwilligen-Regi- menter kann aber nur der erkennen, der mit diesen Scharen hinausziehen und sie draußen führen durfte. Gerade in der ersten Zeit, in der die freiwilligen Verbände noch geschlossen zusammenstanden, hat sich ihr Geist besonders stark ausgeprägt. Im Mai/Iuni 1915 waren nahezu alle, die mit hinausgezogen waren, gefallen, verwundet, erkrankt, gefangen oder vermißt. Sie machten neuen Scharen Platz, die nicht mehr so gleichgestaltet waren. Die Wiedergenesenen wurden anderen Truppenteilen zugeteilt und verschwanden in der Masse der anderen Verbände. Wir äleberlebenden müssen deshalb den fal. schen und verzerrten Schilderungen eines Remarque und den unwahren Darstellungen moderner Filmerzeugnisse entgegen treten und diesen Nachempfinde rn zurufen: »So, wie Ihr unsere Kriegsfreiwilligen in Wort unh Bild schildert, waren sie nicht, sie standen türm - hoch über den Gestalten, die Ihr der Nachwelt überliefern wollt, Ihr habt nicht unter ihnen gefochten und nicht mit ihnen gelebt, gefühlt und geduldet." Es soll hier nicht geschildert werden, mit wel- chen Schwierigkeiten zu kämpfen war, bis die junge Truppe zusammengeschweiht und zu einer einigermaßen brauchbaren Feldtruppe erzogen war. Es fehlte an Ausbildungsmannschaften, an erfahrenen Offizieren, an Ausrüstungsgegenständen, an Waffen und Munition, an Fahrzeugen, Feld- küchen, an Zeit für die Zusammenarbeit mit anderen Waffen und vielen anderen Dingen. Da aber die Ausbildungszeit in eine Zeit höchster (Bereifte rung fiel, so fehlte es nicht an dem guten Willen, all dieser Schwierigkeiten Herr zu wer. den. Unmögliches wurde verlangt, um das Mögliche zu erreichen. Wer es aber als Offizier ernst nahm mit feinem Beruf, und wer sich der hohen Verantwortung bewußt war, die ihm die Fühcking dieser Herr- lieben Jugend auferlegte, der muhte sich sagen, daß die Gesamtausbildung noch lange nicht auf der gewünschten und notwendigen Höhe stand, der muhte erkennen, daß sich auch die Führer, meist Männer über 40 Jahre, nur schwer in den Dienst hineinfinden konnten, und daß an ihre körperlich« Rüstigkeit Anforderungen gestellt wurden, denen sie nur zum Teil gewachsen waren. Man war sich klar darüber, daß die Truppe an ruhigen Kampffronten und in der Verteidigung Tüchtiges leisten würde. Ob sie aber schon jetzt im Bewegungskrieg und an den Hauptbrennpunkten der Schlachtfront ohne weiteres ihren Mann stellen würden, schien zweifelhaft. Wenn man dann aber wieder die Begeisterung der Jugend auf sich wirken lieft, die in ihrem ganzen Verhalten, in ihren Taten und Worten zutage trat, schwanden die Bedenken, und man sagte sich, daft der stürmische Angriffsgeist und die ungeheure Schwungkraft, die in diesen Verbänden steckte, die Mängel der Ausbildung aus- gleichen würden, Und diese Hoffnung hat uns . nicht getäuscht, auch nicht in einem Augenblick haben unsere Freiwilligen versagt. Als unser R.I.R. 22 2 in Dischweiler im Regimentsverband zusammengestellt wurde, emp- fanden unsere Freiwilligen es peinlich und als eine gewisse Zurücksetzung gegenüber den aktiven Regimentern, daft wir keine Fahnen bekommen sollten. Es sah zwar jeder ein, daft namentlich im Schühengrabendienst die Fahnen ein Vallast sind, und daft ihre Bewachung der Front Gewehre entzieht, daft die Fahnenwache in der Feldschlacht mehr als andere dem Feuer aus- gesetzt ist, daß auch das „Sammeln um die Fahne" bei der Ausdehnung des heutigen Gefechtsfeldes und dem Durcheinanderwirbeln der Verbände nicht mehr, wie früher, möglich ist, aber es fehlte unser jungen Truppe das Symbol, der Mittel- punkt und alles, was sich um den Begriff der Fahne rankt, was gefühlt und nicht gesagt wer- den kann. Wie häufig erklärten mir meine Freiwilligen. daß sie unsere Fahne nicht minder tapf^ verteidigen würden, wie die alten Regi- Geschichten ans aller Welt. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Berühmte Nasen. (ad) Rom. Unter dem stimmungsvollen Titel „Berühmte Nasen — oder: Denaste und Nasenlose" veröffentlicht der italienische Historiker Ugo Viviani aus Arezzo ein Buch gelehrten Zeitvertreibs, das sich würdig seinen früheren Werken über berühmte Bucklige und Dickwänste anreiht. Wie andere Leute Bilder. Marken oder verrostete Nägel sammeln, so ist Diviani ein leidenschaftlicher Sammler von Buckeln, Wänsten und — Nasen. Heber Geschmäcker ... usw. Als gründlicher Mann fängt der (Berfaffer mit der Mythologie an und beschäftigt sich mit der Nase Jupiters. Die meisten Nasen, die „in die Historie eingegangen“ sind, waren ansehnlich und kühn geschwungen. Die unumgänglichen Ausnahmen von der Regel bilden die Kartoffelnase des Sokrates, die Sattelnase des Boccaccio und die durch einen Faustschlag eingedrückte Nase Michelangelos. Ins ABC der Geschichte der Nasen verweist der Dersasser die Nase des Ovid und die Dantes — ist doch der 'Begriff der dantesken Nase ebenso Allgemeingut aller Gebildeten geworden, wie die kühn geschwungene Echillernase. Unsterblich ist auch die Riesennase des Cyrano de (Bcrgerac („ein maßloses Stück einer Nase", nennt sie ein Zeitgenosse) und die grofte und traurig zum Mund herabgebogene Nase des unglücklichen Tasso. Wie wir erfahren, hat ein gelehrter Humanist eine Untersuchung geschrieben unter dem Titel: „Warum Petrarka es unterlassen hat, die Nase der Laura besonders zu loben, während er doch alle jene Körperteile derselben besungen hat, die man anständigerweise nennen kann." Don gefrönten Häuptern werden genannt König Numa, der seiner hervorstechenden Nase den Zunamen „Pompilius" verdankte, Karl der Große, „die kaiserliche Nase", Franz I., Je roi grand nez" und Ferdinand IV., von seinen Neapolitanern „il re Nasone“ genannt. Die italienische Sprache verfügt über einen Reichtum von Abwandlungsformen: nasino oder nasetto heißt das Näschen, nasone — die große Nase, und nasaccio die mißgestaltete Nase. Dafür haben wir Deutschen aber den berühmten Ausspruch Onkel Bräsigs: „Daß du die Nase ins Gesicht behältst!", und die estnische Sprache verfügt über das weife Sprichwort: „Erst Nase haben, dann Drille aufsetzenl". Wer kauft Mata Hans Haus? - Paris. In dem Grundstücksanzeiger von Neuilly steht eine kleine Anzeige zu lesen: »Mittelgroßes Haus, englischer Stil, gut erhalten, Buntglasfenster, interessante historische Dergangenheit sofort zu verkaufen. Das Grundamt Neuilly." Und wenn man sich nach diesem mittelgroßen Haus mit der historischen Dergangenheit erkundigt, erfährt man, daß es sich um das Wohnhaus einer der interessantesten Frauen des Krieges, um Mata Hari, handelt. Si ewurde als angebliche deutsche Spionin erschossen. Don diesem ihrem Hause aus verfolgten sie an dem verhängnisvollen Tag die Detektive, als sie das verdächtige Geld an der Bank abholte, das man ihr aus Spanien überwiesen hatte. Sie ging also aus diesem Haus in den Tod. Das Haus gehört niemandem, da sich keine Erben meldeten. Im Laufe der Jahre häuften sich die Grundgebühren derart, daß eines Tages das Haus dem Grundamt gehörte. Jetzt will man es verkaufen. Es muß Wohl ein Engländer oder ein Amerikaner kommen, der hier das Gruseln lernen will. Man erzählt sich nämlich, daß man oft nachts hellen Lichtschein durch das Haus streichen sehe. Ein Geist? Ein Gespenst? Nein, ein alter Russe, ein hoher Offizier hat die Stelle als Hauswart übernommen und lebt hier allein seit Jahren. Man sagt, daß er Mata Hari früher gekannt habe und der letzte Liebhaber sei, der hier in ihren Räumen der Erinnerung an Mata Hari lebe. Anwjpiegel ist Vorschrift! (g) London. Dor einem Londoner Gericht hatte sich ein Taxichauffeur zu verantworten. Nicht, weil er jemanden über- oder angefahren hatte, nicht, weil er einen Zusammenstoß mit einem anderen Fuhrwerk herbeigeführt hatte, nicht, weil er zu schnell oder auf der falschen Seite der Straße gefahren war, sondern einzig und allein deshalb, weil ein Polizeibeamter in Zivil, der feine Droschke zu einer privaten Fahrt benutzt hatte, festgestellt hatte, daß der Wagen keinen Chauffeurspiegel besaß. And ein solcher Spiegel ist in einer Lohndroschke, wie der Dichter in der Urteilsbegründung erklärte, eine nicht zu umgehende Notwendigkeit angesichts der Tatsache, daß in der letzten Zeit auch in England (wie in Berlin) die Beraubung der Taxichauffeu re überhand genommen hat. Das Fehlen des Spiegels sei für unlautere und verbrecherische Elemente geradezu ein Anreiz zu einem Raubüberfall, der in den meisten Fällen den Behörden nur Mühen und Kosten verursache, ohne jemals aufgeklärt zu werden. Der Spiegel fei demnach eine Notwendigkeit auch im Älter esse des Staate«, dessen Geldmittel nicht so umsassend seien, daß er sich den Luxus kostspieliger vergeblicher Kriminaluntersuchungen leisten könne. Hnb so muhte der angeklagte Chauffeur eine Geldbuße von zehn Schilling entrichten. Lie Langlebigen von Panama. (a) Neuyork. In der Republik Panama fand vor kurzem die erste Dolkszählung seit 1920 statt. Die Zahl der Bevölkerung flieg in zwölf Jahren von 401 428 auf 467 459 Seelen. Genau 38 Bürger haben ihr hundertstes Lebensjahr überschritten. Der Doyen der Republik ist Herr Luis Cortes mit rund 118 Jähren: dann kommt ein Mütterchen mit 115. Der Dritte im Bunde ist ein Großpapa mit 111; Hundertzehnjährige gibt eS 6, Hundert- achtjährige 5. Die Zahl der Bürger an der Schwelle des 10. Jahrzehnt«, also zwischen 90 und 100, beträgt sogar 240. Man kann den Präsidenten von Panama füglich beglückwünschen zu seinen Untertanen, die sich in einem Lande so gut .halten", von dem fünf Achtel noch gänzlich unkultiviert sich selbst überlassen sind. Die verzauberte Lchauspielerin. (avk) Budapest. Schwarzkünstler sind eine gefährliche Menschenforte: sie verhexen alle«, was ihnen über den Weg läuft. Einer der Zauberkönige der Darietöbühnen, Signor Ufertni, gab mit seiner Truppe ein Gastspiel in Ungarn. In Szegedin schwarzkünstelten die Uferinis im Stadttheater und die Bühnenkünstler wohnten den Ausführungen der Uferini« bei. Die Operettensoubrette wurde eines Abends al« „eine Dame aus dem Publikum" auf die Bühne geholt, um bei einigen Experimenten behilflich zu fein. Die Dorführungen gelangen fo ausgezeichnet, daft nicht nur das kleine Fräulein, sondern auch S.»nor Alfredo Uferini jun., der Kronprinz der Schwarzkünstlerdynastie, „verzaubert" wurde. Er hatte sich in die kleine Ungarin verguckt und „experimentierte" mit ihr in den nächsten Tagen auch aufterhalb der Dorstellung. Mit dem überraschenden Ergebnis, daft sich die beiden verlobten. Was den jungen Leuten um so höher anzurechnen war, als beide ausschließlich ihre Muttersprache beherrscht hatten. Die Magyarin konnte nur ungarische Zärtlichkeitsworte stammeln und Uferini lief zu jedem Stelldichein zwangsläufig mit einem ungarischen Wörterbuch. Die Verständigung war trotz alledem ausgezeichnet. Allerdings legte Herr Uferini sen., das Oberhaupt der Zaubererfamilie, mit unverfälscht südlichem Temperament sein (Beto ein: „Du bist wohl von allen guten Geistern verlassen, Fredil Was fällt dir bloft ein, Mensch, eine Ausländerin zu heiraten? Die nicht einmal — deutsch versteht! Ree, mein Junge, daS schlag dir nur aus dem Kopf!" So leicht gab aber Alfred den Kampf nicht auf, er hatte feinen Dickschädel! Und erteilte feiner Auserwählten f eberhaft Unterricht. Einerseits in der ach fo schweren deutschen Sprache, und auf der anderen Seite in der schwarzen Magie. Rach zwei Wochen war die kleine Puhta- fee so weit, sie meldete sich beim alten Signor Uferini aus Pommern zur Audienz: „Dittschön, liebes Herr Direktor, ich können schon fließend Deutsch und sehr gut machen Zauberhexerei. Ick wollen auch fleißig weiterlernen und nicht mehr spielen Operette, nur noch machen changez passez hopp!" „Ach nee“, meinte der alte Uferini, .so leicht wie Sie sich das vorstellen, mein liebe« Kind, geht'« nun doch nicht. Was haben Sie denn bis jetzt gelernt?“ „Dittäh, Herr Uferini, wieviel fein die Uhr?" Der Oberzauberer griff zur Westentasche und — stierte das neueste Weltwunder an, die deutsch- sprechende Dollblutmagyarin, die so erfolgreich von einer Operettensoubrette zur Zauberin avancierte, daft sie dem alten Meister seine Taschenuhr unbemerkt entwenden konnte. Das war allerhand. Der alte „italienische" Schwarzkünstler aus Pommern lieft sein Herz erweichen, und demnächst steigt die neueste deutschungarische Derbindung für ein Leben. Mutmaßlich wird der junge Uferini die ungarische Sprache bald einwandfrei beherrschen und feine kleine ?rau mit pommerschein Dialekt deutsch reden: hangez passez hopp! mentet mit jahrhundertealter Tradition und daß sie unserem Regiment, wenn es dermaleinst im Frieden aufgelöst würde, auch eine Tradition schaffen wollten, die in der Fahne einen sichtbaren Ausdruck finden sollte. „Keinem aktiven Regiment dürfen wir den Dorrang lassen an Tapferkeit, Disziplin und Hingabe" hatte unser Oberst Rott einmal zu uns gesagt, und wir hätten auch für unsere Fahne das Gelöbnis gehalten. Er selbst hat fein Gelöbnis mit feinem Heldentod am 4. Februar 1915 in den Karpathen besiegelt. Ferner wurde der Mangel einer Regi- mentskape Ile sehr schmerzlich empfunden. Gelder standen hierfür nicht zur Verfügung, aber wo ein Wille ist, gibt es auch einen Weg. Die 3. Kompanie schaffte sich in Dischweiler schon eine eigene Kompaniekapelle an. Sie bestand aus acht Mann, hatte allerdings keine Klarinette, Flügel- und Waldhorn, Trompete und Tuba, Piston und Trommel, sondern nur ein einziges Instrument. Sie hat uns aber nicht weniger Freude gemacht. Dieses Musikkorps entstand am 28. September 1914 in Bischweiler. Meine „langen Kerls" des ersten Zugs wurden mit dem Instrument ausgestattet, wir brauchten keine Regimentserlaubnis, keine Noten, keine Uebungszeit und nicht viel Geld. Auf Grund einer milden Stiftung wurden acht Mundharmonikas be- schafft und die Kapelle trat in Tätigkeit. Wie herrlich flaigen da die flotten Soldaten- u d Wandervogellieder in die frische Morgenluft, und tDckfte Freude und Begeisterung lösten die fröhlichen Klänge bei allen aus! Dadurch gelangte die 3. Kompanie zu einem gewissen Ruf. Durch dieses „Wusikkorps" kam unsere Kompanie auch zu einem Spitznamen, aus den wir alle stolz waren. Auf Eifässer Ditsch heißt die Mundharmonika „Schnuffelrutsch", und roenn die „Schnuffelrulscher" kamen, da gab e» fröhliche Gesichter und leuchtende Augen. Es ist mir ein Herzensbedürfnis, dieser acht „Schnuffelrutscher", von denen vier der grüne Rasen deckt, in Treue zu gebenfen. Sie haben uns manche schöne und unvergeßliche Stunde bereitet, und wenn uns lleberlebenbe die liebgewordenen Klänge wieder zu Ohren kommen, dann tauchen vor unserem geistigen Auge die acht langen Feldgrauen der 3. Kompanie auf der staubigen Straße nach Oberhofen, im Schützengraben in Äordfrank- reich und auf den Landstraßen Polens wieder auf, da wird es hell in uns, und wir leben noch einmal die Stunden jugendlicher Begeisterung, die uns damals alle beseelten. Die .Schnuffelrutscher“ der 3. Kompanie werden niemals vergessen werden. Dank einer Geldsammlung des Offizierkorps und einer Spende des Geh. Rat Heichelheim gelang es ohne Inanspruchnahme staatlicher Gelder, in Metz eine Regi men tsmusik von 20 Mann ins Leben zu rufen, die unter der tüchtigen und funftoerftänbigen Leitung des Gießener Wu- siklehrers Kasten am 20. Oktober zum ersten Male ihre Weisen ertönen ließ. Wieviel Freude hat uns „unsere" Regimentsmusik gemacht! Auch von diesen 20 Kameraden sind acht gefallen, vier wurden verwundet, einer vermißt und der Rest mußte erkrankt in die Heimat zurückkehren. Erst im Sommer 1915 gelang es dem tüchtigen Regi- mentsmufiker M a n k, eine neue Kapelle aufzustellen, die im Derlaus des Krieges auch einmal hier in Gießen ihr Können zeigte. (Schluß folgt) L. G. SJlxfpoti Rückspiel VfB. - Kronhausen. Tie Fronhausener aus dem Dillkreis mußten den DfBern auf ihrem eigenen Platz einen sicheren Sieg lassen. Morgen müssen sie nun gar auf dem Waldsportplatz antreten. Da wird für sie nicht viel zu erben sein. Die Gäste des Sonntags verloren schon einmal hoch auf diesem Platz. 8:1 oder so! Nach dem Ergebnis des Dorsonri- tags wird vielleicht auch dieses Treffen nicht anders ausgehen. Das Publikum wird also Tore zu sehen bekommen. Voraussichtlich! Cs sei denn, daß die Leute von Fronhausen eine_ anständige Portion Ehrgeiz mitbringen und überraschen. Trotzdem aber wird es ihnen schwer fallen, sich gegen die technisch weitaus geschickteren VfBer (die ja in Fronhausen auch noch mit 4 Mann Ersah spielten) durchzusehen. Die unteren Mannschaften sind spielfrei. Die 1. Jugend tritt gegen die 1. Jugend von Herrmannstein an, die 1. Schüler kämpfen gegen eine neugegründete Echüler- mannschast der Spielvereinigung Leihgestern und sollten einen Sieg nach Hause bringen. stoßen: Luh: Handgranatenweitwerfen: Mohl, Luh, Jakob; Dreikampf: Mohl, Luh, Jakob. Bei diesen zahlreichen Meldungen hofft der OSC. auf einige gute Erfolge. Leichtathletik der Sp.-Dg. 1900. Gerhardt beim Championat in Berlin. Heute, Samstag, abend geht das bekannte Championat der Streckenläufer, ein 25-Kilometer-Bahn- laufen, auf dem Sportplatz Friedrichshain in Berlin vonftatten. Der Veranstalter, BSC. Komet 1899 Berlin, hat es auch in diesem Jahre verstanden die Elite der deutschen Langläufer zu verpflichten. Auch der 1900er Gerhardt hat schon früh eine Einladung erhalten, nicht zuletzt wegen seines großen Erfolges beim letzten Championat, wo er zum Schluß alles überspurtete und bis auf wenige Meter zu dem Sieger Bräsicke (Berlin) auflief. In diesem Jahre wird er einen weit schwereren Stand gegen die ausgezeichneten Berliner Langstreckler, allen voran Brauch (Osram), haben. Man darf auf das Abschneiden des 1900ers gespannt sein. Städtewettkampf der Turnergilden im DHV. Am morgigen Sonntag nimmt die Turnergilde Gießen im DHB. mit drei Mannschaften an dem Städtewettkampf in Wiesbaden teil. Es gelangen zum Austrag: Mannschaftskämpfe in 100 Meter, 3000- bzw. 2000-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen (beidarmig), Keulenweitwurf und 10 X 100- Meter-Gaustaffel. Da die Anmeldungen sehr zahlreich eingegangen sind, muß die Turnergilde Gießen alles aufbi'eten, wenn sie sich erfolgreich durchsetzen will. Olympia 1932. Dor dem Abschluß der Spiele. Liga 1900 - Spv. Alsfeld Liga. Die Mannen der Spielvereinigung 1900 absolvieren heute abend ein schweres Spiel. iln& morgen begeben sie sich auf die Reise nach Alsfeld. Die Liga des Sportvereins Alsfeld 04 ist der Gegner. In Alsfeld wurden bisher von feiten der 1900er noch nicht viel Siege errungen. Ob es diesmal reicht, ist nach den Anstrengungen des Vortagsspieles, wie sie nun einmal zu erwarten sind, sehr fraglich. Man wird unter Umständen mit einem ehrenvollen Unentschieden oder einer knappen Niederlage rechnen müssen. Die Alsfelder sind Gruppenmeister in der Gruppe Fulda der 1. Bezirksklasse. Der Papierform nach könnte das einen gleichwertigen Gegner bedeuten. Aus eigenem Platze sind aber die Gastgeber sehr gefährlich. Die Dlauweißen werden sich anstrengrn müssen. Das letzte Spiel der vergangenen Saison, dach die Spielvereinigung 1900 gegen Alsfeld austrug, endete in Alsfeld mit 4:1 für den Gegner des Sonntags. Das Spiel am Samstagabend dürfte für den Kampf des Sonntags irgendwie ausschlaggebend sein. Freundschaftliche Beziehungen verbinden die Vereine Alsfeld und Spielvereinigung. Man wird in Alsfeld ein schönes, spannendes, vor allem aber faires Spiel zu erwarten haben. Die Ligareserve, in guter Besetzung, erfüllt gegen Ehringshausen in Ehringshausen eine Rückspielverpflichtung. Wenn sich die 1900er mit den Platzverhältnissen abzufinden vermögen, sollte der Sieg nicht außer Frage stehen. Die 4. Mannschaft hat einen spielstarken Gegner in der 1. Mannschaft von Werdorf vor sich. Das Vorspiel verloren die Dlauweißen mit 5:1. Man hofft, dach sich die 1900er aus Prestigegründen revanchieren. 3. und 5. Mannschaft ist spielfrei. Gießener Leichtathleten in Diez und Butzbach. 1900 auf zwei Fronten ... Am Sonntag werden die bekannten Oranien- kampfspiele des VfB. Diez sowie die 2. Nationalen Wettkämpfe des Polizeisportoereins Butzbach von der Spielvereinigung 1900 beschickt. In Diez starten sieben Aktive, darunter W. Müller, Jung, Peters und Bepperling, und ebenfalls sechs Damen. In den Herrenkonkurrenzen wird man auf das Abschneiden der 1900er in der Olympischen Staffel gespannt sein. In Butzbach sind, von dem Langstreckler Schaaf abgesehen, zumeist jüngere Kräfte wie Felsing, Reitz, Mootz, Glagow usw. im Rennen. Da für die Wettkämpfe ein ausgezeichnetes Meldergebnis vorliegen soll, wird es den Spielvereinigungsleuten schwer fallen, sich durchzusetzen. Die Jugendwettbewerbe werden bereits heute, Samstag, nachmittag ausgetragen. Leichtathleten des OSG. in Buhbach. Der OSC. beteiligt sich am heutigen Samstag an den Jugendwettkämpfen und am Sonntag an den Seniorenwettkämpfen des Polizei-Sportvereins Butzbach. In folgenden Wettkämpfen werden die Leichtathleten des OSC. an den Start gehen: Jugend: 100 Meter: Stroh, Simon, Radon; 1500 Meter: Goldschmidt, Simon; Kugel: Radon, Laudon, Simon; Olympische Staffel, Jugend-Klasse B, Kugelstoßen: Laudon; 200 Meter: Laudon. Senioren: Klasse 1, Diskuswerfen und Kugelstoßen: Mohl, Luh; Weitsprung: Jakob, Luh; Dreikampf: Mohl, Luh. — Klasse 2: Speerwerfen: Mohl, Luh, Jakob. — Klasse 3: 100 Meter: Sigmund, G. Müller; 400 Meter: G. Müller; 5000 Meter: L. Grölz; Weitsprung: Jakob, Luh; Kügel- Der Donnerstag war in Los Angeles ein ereignisreicher Tag. Es geht jetzt allmählich dem Schluß der Spiele entgegen und das bedingt ein Zusammendrängen der Wettbewerbe und eine Fülle von Entscheid'ungskämpfen. Bei gutem Wetter waren am Donnerstag alle Kampfbahnen wieder glänzend besucht. Für einzelne Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Reitturnier, kann man überhaupt Karten nur noch im Schleichhandel bekommen. Für die deutschen Teilnehmer war der Tag etwas freundlicher als sein Vorgänger. Es gab eine Anzahl netter Teilerfolge. Im 100-Meter-Rücken- jchwimmen blieb Ernst Küppers im Zwischenlauf hinter dem in 1:09 Min. siegenden Japaner Jriye knapp Zweiter und damit hat sich der Deutsche für den Endlauf qualifiziert. Alle anderen Europäer sind ausgeschieden. — Der Hamburger Sietas belegte im ersten Vorlauf zum 200-Meter- Brustschwimmen hinter dem in neuer olympischer Rekordzeit siegenden Japaner Toike (2:46,2 Minuten!) 'ebenfalls einen zweiten Platz und rettete sich damit in die Zwischenläufe. In den weiteren Schwimm-Vorkämpfen des Tages, dem 400-Meter- Crawlfchwimmen der Damen und dem 1500-Meter- Crawlschwimmen der Herren waren deutsche Schwimmer nicht vertreten. Ls wird aber inlereffieren, daß der Japaner kitamura, der den ersten vorlauf zum 1500- Meler-Rcnnen in der glänzenden Zeit von 9:55,2 Minuten vor dem Amerikaner Lrabbe und dem Franzosen Jean Taris gewann, ein ... 14jähriger Schüler ist. In der einzigen Schwimm-Entscheidung des Tages, dem 100-Meter-Rückenschwimmen der Damen, gab es einen amerikanischen Sieg. Eleonor Holm siegte in 1:19,4 Min. vor Mealing-Australien und Braun-Holland. Entschieden ist auch jetzt die Frage nach dem Sieger des Wasserballturniers. Ungarn besiegte Amerika mit 7:0 und hat damit das Turnier ungeschlagen beendet. Vorausgesetzt, daß Deutschland am Freitag sein Spiel gegen Japan gewinnt, was Wohl mit Sicherheit anzunehmen ist, so wird ein Entscheidungsspiel um den zweiten Platz zwischen Deutschland und Amerika notwendig. Der Sieg im Hockeyturnier ist natürlich an Indien gefallen, dessen Mannschaften zuletzt gegen Iapan mit nicht weniger als 24:1 Treffern siegreich blieb. Den zweiten Platz des Turniers beseht Japan vor Amerika. Nachdem diedeutschenRudereram Mittwoch auf der ganzen Linie geschlagen worden waren, konnten sie am Donnerstag in den Hoff- nnngsläufen schöne Erfolge erzielen. Drei deulsche Vooke stehen in den Lndläufen, nämlich der Doppelzweier mit Vuhh und Böhe- len, der vierer „ohne" und der vierer mit Steuermann. Linser Doppelzweier gewann seinen Hoffnungslauf ganz überlegen mit sechs Längen Vorsprung vor Italien unb Brasilien. Der Vierer ohne Steuermann, von der Renngemeinschaft Mann- Heim-Frankfurt gestellt, war vor Amerika und Kanada siegreich. Der Vierer mit Steuermann wurde in seinem Hoffnungslauf zwar hinter Neuseeland nur Zweiter vor Amerika und Iapan, aber auch der zweite Platz genügte, um in den Cntschei- dungslauf zu kommen. Ausgeschieden ist lediglich der Achter, der von dem kanadischen Achter erneut geschlagen wurde. Linser Segler Behr war am Vormittag vorübergehend auf den dritten Platz vorgerückt, am Nachmittag fiel er aber wieder auf den vierten zurück, und den hat er auch im Gesamtklassement hinter Holland, Frankreich und Spanien behauptet. Hinter Behr stehen noch die Vertreter von Kanada, Amerika, England und von vier weiteren Ländern. Der vierte Platz ist für den erst 18jährigen Segler immerhin ein recht schöner Erfolg. von unseren Boxern kam Lampe im Weltergewicht zu einem weiteren Lrfolg, er schlug den Dänen Jensen unter dem Beifall des Publikums ganz überlegen und steht nun schon unter den letzten vier. Dagegen mußte Spannagel im Fliegengewicht ausscheiden. Der Deutsche fiel einem Fehlurteil zum Opfer, er war augenscheinlich besser als der Amerikaner Salica, das Schiedsgericht erkannte aber dem Amerikaner den Sieg zu. Der Sieg im Mannschafts-Säbelfechten ist an Ungarn gefallen, dessen Fechter im Finale über Italien 14:2 siegreich blieben, nachdem sie vorher Amerika mit 13:3 ausgeschaltet hatten. Im Kampf um den dritten Platz war Polen gegen Amerika dank seiner besseren Tref- fei^ahl erfolgreich. Bei den Turnern hat Italien vor Amerika und Finnland den Mannschafts-Fünfkampf gewonnen, während im Einzel-Fünfkampf der Italiener Neri vor Pelle-Llngarn und Savolainen- Finnland siegte. Eine ungünstige Nachricht kommt aus dem olympischen Dorf. Da es in Los Angeles in den Nächten sehr kühl ist und weil die Häuschen im olympischen Dorf keine Glas-, sondern nur Gazefenster haben, so haben sich zahlreiche Mitglieder unserer Mannschaft Erkältungs-Erkrankungen zugezogen. Llnser Sprintermeister Ionath erlitt sogar einen Hexenschuß, der ihm die geplante Teilnahme am Athletikfest in Chikago in der nächsten Woche unmöglich macht. Buntes Allerlei. Schulen auf Näbern. In einigen Teilen von Kanada gehen nicht die Kinder zur Schule, sondern die Schule geht zu den Kindern. Es gibt in weiten Gebieten des Landes Bezirke, in denen es nicht möglich ist, feste Schulen zu unterhalten, da die Bevölkerung zu dünn gesät ist, und zu weit voneinander wohnt. Das Erziehungsproblem hat hier seine großen Schwierigkeiten. Man hat sehr verschiedene Lösungen versucht. Zunächst wird in weitem Umfange schriftlicher Schulunterricht erteilt. Die Eltern müssen versuchen, ihren Kindern Lesen und Schreiben beizubringen, und die schriftlichen Arbeiten, die die Kinder dann machen, werden einem Lehrer eingesandt, der sie mit Verbesserungen und Ratschlagen zurückschickt. Ferner werden Schulunterrichtsstunden von vielen der großen Rundfunk- Stationen Kanadas veranstaltet. Als das beste Mittel, der Schwierigkeit Herr zu werden, hat sich aber die Schule auf Rädern erwiesen. Es ist ein großer Eisenbahnwagen, der als Schulzimmer mit Pulten und Tafel eingerichtet ist und der an Züge angehängt wird, die zu der in Aussicht genommenen nächsten Station fahren. An jedem Ort bleibt er etwa 14 Tage, und in dieser Zeit strömen die Kinder von weither in allen möglichen Verkehrsmitteln herbei, um an dem Unterricht teilzunehmen. e Oer wildgewordene Amtsschimmel. Dem Amtsschimmel muß der behördliche Hafer, mit dem er gefüttert wird, trotz seines ehrwürdigen Alters gut bekommen, denn von Zeit zu Zeit packt ihn der Uebermut, der ihn zu seltsamen Sprüngen verleitet. In Lehrerkreifen wird folgendes erzähl?! An einer Schule in Hagen in Westfalen wurde ein Junglehrer aus Ersparnisgründen abgebaut. Seine Klasse erhielt einen Lehrer aus Marten bei Dortmund. Der Lehrer muß täglich mit der Bahn von Marten nach Hagen fahren, um die Kinder zu unterrichten. Durch die zeitweilige Abwesenheit des Lehrers in Marten fehlte dort eine Lehrkraft; es wurde ein Junglehrer eingestellt. Raten Sie, wer das war? Tatsächlich, der in Hagen abgebaute Junglehrer: der wurde in Marten angestellt. Jeden Morgen fährt der Lehrer aus Marten mit dem Frühzug nach Hagen, im Gegenzug sitzt der Jung- lchrer aus Hagen, der nach Marten fährt. Es ist nichts dadurch erspart worden, nur die beiden Lehrer haben monatlich jeder 30 Mark Unkosten für Fahrgeld. Wirtschaft. "Russen-Aufträge anPolen. Diepol- nisch-oberschlefische Montanindustrie hat nach der Unterzeichnung des polnisch-russischen Nichtangriffspakts umfangreiche Russenaufträge, insbesondere für Walzwaren erhalten. Die Russen wollen der polnischen Industrie auch Lokomotiv- und Waggonbestellungen geben, über die die deutsche Industrie bisher vergeblich verhandelt hat. Krankfurier Abendbörse still. Frankfurt a. M., 12. Aug. Mangels jeglicher Anregungen verkehrte die Abendbörse stiller denn je. Die Kulisse bekundete wegen der noch ungeklärten innerpolitischen Lage starke Zurückhaltung, so daß Umsätze in nur ganz beschränktem Umfange zustandekamen. Die Kurse der Mittagsbörse waren indessen gut behauptet. Im Verlauf stockte das Geschäft fast vollkommen. Der Rentenmarkt lag gleichfalls sehr still und ohne nennenswerte Kursveränderungen. Für Goldpfandbriefe erhielt sich verschiedentlich noch etwas Nachfrage, deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuchforderungen lagen behauptet. Altbesih 48,60, Neubesih 5,60, Schutzgebietsanleihe 3,20, 4prozentige Einheitsrumänen 4,20, Reichsbank 125,25, Gelsenkirchen 35,50, Salzdetfurth 167, Rheinstahl 52,25, AKLl. 39, Scheideanstalt 139,25 bis 139,50, Licht und Kraft 80. IG.-Farben 88,60, Gesfürel 63,75, Holzmann 40, Metallgesellschaft 29,50, Siemens 125,50, Reichsbahn-Vorzugsaktien 77, Hapag 14,25, Norddeutscher Lloyd 15,60. Wochenbericht vom Krankfurter Schlachtviehmarki. Am Rindermarkt betrug der Auftrieb 1623 Stück (gegen 1373 Stück in der Vorwoche). Nach schleppendem Geschäft verblieb etwas Ueberstand. Während Ochsen, Kühe und Färsen je 1 Mk. ein* büßten, konnten sich Bullen infolge des nicht so starken Auftriebs behaupten. Ochsen al) 32—34, a2) 27-31, bl) 24-26. Bullen a) 27-30, h) 22 bis 26. Kühe a) 24—27, b) 20-23, c) 14—19. Färsen a) 32-35, b) 29-31, c) 25-28. Die Zufuhr am Kälbermarkt mit 1487Stück war nur 21 Stück größer. Daher blieben auch die Notierungen relativ behauptet, ein Rückgang von 1 Mark fiel nicht so sehr ins Gewicht, obwohl das Angebot ebenfalls nur sehr langsam geräumt werden konnte. Für beste norddeutsche Kälber wurden jedoch Preise über Notiz bezahlt. Kälber, b) 36—40, c) 31—35, d) 25—30. Am Schafmarkt trat trotz der erhöhten Zufuhr gegenüber der Vorwoche keine Abschwächung ein, gegen die Notierung des MontagsrnarkteS allerdings eine solche von 2—3 Mk. Der Handel war zunächst mittelmäßig, flaute aber später stark ab, doch konnte der Markt geräumt werden. Schafe al) 26—30, b) 20—25, c) 16—19. Der Auftrieb war mit 302 Stück um 134 Tiere stärker beschickt. Die starken Preisbesserungen der letzten Zeit haben besonders am Schweinemarkt eine stärkere Beschickung ausgelöst, so daß auch hier die größten Verluste eintraten. Besonders gaben geringe Schweine bis zu 7 Mk. nach, aber auch gute und fette Schweine büßten bis zu 3 Mk. ein. Der Absatz war zunächst noch recht befriedigend, gegen Schluß der Woche nahm er aber schleppende Haltung ein, wobei die wieder plötzlich starke Erwärmung sehr von Einfluß war. Die Gesamtbeschickung stellte sich auf 6083 Stück (gegen 4612), 1 worunter sich 448 Schweine aus Litauen befanden. Schweine a) —, b) —, c) 48—52, d) 45—51, e) 41—44, f) und g) gestrichen. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 13. August 1932. Freitag abend 7.15 Uhr; Samstag vormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 8.40. — Wochengottesdienst: morgens 6.30; abends 7 Uhr, Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a.M. Aerltn Schlußkurs Schlußk. Abend- börse Schluß, fürs Schlußk. Mittag, börse Datum 11.8. 12.8. 11.8. 12-8. 6% Dcuyche Retchsanleihe v.192, 63,25 63 62,75 — 6% ehem. 7 %5)L Reichsanl. 6.1929 68,5 68,5 68,9 68,5 ’Wi% Doung-Anleihe von 1930 . — 59 — 59,75 Deutlche Anl.-Ablüs^Schuld mil Auslos.-Rechten....... 48 48,65 48,25 48,5 Desgl. ohne Auslos.-Rechte . . 6% ehem ö%Hesj. Volksstaat 19L9 5,4 53 5,6 5,45 53,4 5,65