Mittwoch, 13. Juli 1932 Mr. 162 Erstes Blatt 182. Jahrgang vnick und Verlag: vrühl'sche Univerfiläls-Vllch' und Sieinörutferei K Lange in Lietzen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Jas innerpMWe Ringen um die Macht das brachte ihm die Anerkenntnis der Prager Rein iffurl a-111- 12.5“" ln-Deuh, ausge- rn Geschältsjah! jmens, die Sivi- i, aus. Es teil' l von MraK> nto 2 Millivna der Aeingetein -n 277353 M. »es Gewinnvoo zendem Organisationstalent geht er an die Herstellung einer Massenproduktion von Schuhen, womit seinem Plane einer Z e n t r a l d e p o t k a s s e heraus, deren Gelder an eine nicht näher zu bezeichnende Stelle abgeführt werden sollten. Mit Recht rochen die Saarländer die Lunte. Die saarländischen Spargroschen sollten ebenso wie ihre Steuergroschen in Frankreich thesauriert und sie selbst damit in die stärkste finanzielle Abhängigkeit zum französischen Danklapital gebracht werden. Die Gegenwehr der Bevölkerung hatte Erfolg. 3m Saargebiet ist jetzt eine Zweig- stelle derDeutschenGirozentralemit der schweren Herzens gegebenen Einwilligung der Saarregicrung eingerichtet worden. Wenigstens in diesem Falle ist der Politik der wirtschaftlichen Durchdringung ein Riegel vorgeschoben worden. Es erweist sich auch hier wieder, daß gerade der Presse des Reiches die Aufgabe zufällt, immer wieder den Verhältnissen im Saargebiet die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Das Saargebiet ist deutsch und wir müssen seine Bevölkerung auf das tatkräftigste in ihren Bemühungen, aus diesem deutschen Land keine französische Dunkelkammer machen zu lassen, unterstützen. Ein KpO.-Zührer tot aufgefunden. Altona, 13. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der seit Montag vermißte Ztommunistenführer Bauer aus Marne ist unweit der Chaussee von Marne—Röst- Husen tot aufgefunden worden. Die Leiche lag in einem Graben und war mit Schlamm bedeckt. Ob ein Verbrechen vorliegt, muß die Untersuchung ergeben. In der Nacht zum Mittwoch kam es in Elmschenhagen bei Riet im Anschluß an einen Deutschen Tag der Nationalsozialisten zwischen heim- kchrenden SA.-Leuten und Reichsbannerangehörigen zu einem Zusammenstoß, bei dem etwa dreißig Schüsse fielen. Drei Angehörige des Reichsbanners wurden verletzt, zwei von ihnen so schwer, daß sie in ein Krankenhaus gebracht werden mußten. Das Kieler Ueberfallkommando nahm 51 Personen fest. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20 \ mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. letzten Zeit gelang, die Warenflut des inzwischen reichlich exzentrisch gewordenen Schuhkönigs — er liebte es beispielsweise, in einem Fesselballon, der über seinem Werke stand, feine Arbeiten zu erledigen — abzustoppen. 3n dem Abwehrkampfe gegen das Eindringen des Schuhkönigs von Zlin haben die deutschen Schuhfabriken den Sieg da- vongetragen. Sie lieferten trotz höherer deutscher Löhne bessere Schuhe als Data zu einem nicht wesentlich höheren Preise. Als dieser schließlich dazu überging, sich in Deutschland selbst Ver- koussgesellschasten anzugliedern und sogar in Oberschlesien Grundstücke zum Dau einer neuen großen Schuhfabrik aufkaufte, war die Data-Ge- sahr für Deutschland eigentlich schon überwun- , den. Sein Prestige war gebrochen und er hat trotz der Hartnäckigkeit, mit der er gerade in Deutschland sein Ziel verfolgte, keine nennenswerten Erfolge auf dem deutschen Markt erriw- gen können. Vielleicht beruhte sein Welterfolg hauptsächlich auf der Vereinigung modernestr amerikanischer Produktionsgrundsätze mit der Verwendung billigster Arbeitskräfte, die sich ihm in der kulturell zurückgebliebenen Slovakei boten. Gegen die Lohnverhältnisse in seinen Fabriken sind mehrfach scharfe öffentliche Angriffe gerichtet worden, die zweifellos ein unbefriedigendes soziales Dild von seinem Zliner Reiche enthüllten, älm die Auswirkungen der Wirtschaftskrise kam auch ein Data nicht herum, der sich im Verlauf von knapp 20 Zähren vom bescheidenen Schuhmacher zum großen Kronenmillionär heraufgearbeitet hatte. Für uns Deutsche wird das Dild dieses Mannes nicht schöner durch die Tatsache, daß er aus seinen Gewinnen nicht unerhebliche Mittel für die Bekämpfung der^ Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei der Sokolbewegung zur Verfügung stellte. Rachdem man an den zuständigen französischen Stellen im Laufe der Jahre hatte einsehen müssen, daß alle Versuche, die Bewohner des Saargebietes für Frankreich zu gewinnen, scheitern mußten, stellten sich die Franzosen um. Sie begannen nun zielbewuht die schon in ihren Kolonien bis zur Meisterschaft ausgebildete Politik der „wirtschaftlichen Durchdringung" eines widerstrebenden Gebietsstriches, die sie seit der Besetzung des Saargebietes im Jahre 1918 nur sporadisch angewandt hatten, zu verfolgen. Jedes Mittel war ihnen recht, um in wirtschaftlicher Beziehung immer neue Verbindungsgräben zwischen Frankreich und dem Saargebiet zu ziehen, Fäden zwischen saarländischen und innerfranzö» KeinReichskommissarsürpreußen Berlin, 12. Juli. (ERB.) Die bisherigen Besprechungen im Reichskabinell haben irgendwelche Beschlüsse nicht gebracht. Rur über eins b c - st e h t Klarheit — und zwar wird das auch nach dem Besuch des deutschnationaten Abgeordneten v. Winterfeld betont —, daß d i e Einsetzung eines Reichko m m i s s ars für Preußen nicht in Frage kommt. Der Preußische Landtag hat sich bis nach den Reichstagswahlen vertagt, ohne daß vorher der ernsthafte Versuch gemacht worden wäre, eine parlamentarische Regierung zu- standezubringen. Das allein spricht nach Auffassung unterrichteter Kreise schon gegen die Einsetzung eines Reichskommissars und macht sie im Augenblick sogar vollkommen unmöglich. Severing mahnt zurvesonnenheit Berlin, 13. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der preußische Minister des Innern, Severing, hat heute einen Aufruf an d i e Bevölkerung erlassen, in dem es heißt: „Bon Tag zu Tag werden die politischen Leidenschaften aufgeregt. Gewaltsame Zusammenstöße mehren sich in erschütternder Zahl. An Stelle geistiger Auseinandersetzung tritt der Kampf mit Messer und Revolver. Die politischen Parteien überfluten die Behörden mit Klagen über mangelhaften Schutz und mit Beschwerden über den Terror der anderen. Unsere Polizei tut mehr als ihre Pflicht. Man spricht von Selbstschutz, aber der w i r k s a m st e S e l b st - schütz ist diO«elbstz u ch t. Jeder andere vermeintliche Selbstschutz kann schließlich zum brutalsten Ausdruck kommen. Ich richte darum an alle, die dringende Bitte, der ruhig en Besonnenheit wieder Eingangim politischen Ringen zu verschaffen. Wenn die Führer aller politischen Parteien und Verbände mithelfen, indem sie gewaltsame Auseinandersetzungen unterbinden und brandmarken, dann wird dem Morden Einhalt geboten." Oer „Völkische Beobachter" fordert den Ausnahmezustand. München, 13. 3uli. (ERB. Funkspruch.) Unter der Niederschrift „Das Reich ist reif für den Ausnahmezustand" schreibt der Neuesten Nachrichten" hören, liner Börsenzeitung" mit der Berichterstattung über rischen Ministerpräsidenten Strafanzeige erstattet. gegen die „B e r • im Zusammenhang die Rede des baye- in Pirmasens 53 # ei-8 i».H 16$ >7'Z li 2-51 L 33,62 0 II 19 >5 85 61 43 00 ,49 ,70 ,79 ,48 3.00 170,8 74.32 81.0 77L izM tj's A 82.73 1,15' 0,327 6.707 13,69 mit reinen Händen vor Amerika zu treten. Er könne versichert sein, daß England auch somit reinen Händen vor Amerika trete. Wenn England an Amerika herantrete, werde dieses erklären: „Ihr habt getan, was wir von euch verlangten, ihr habt euch in Europa geeinigt, ihr habt eine endgültige Regelung getroffen. Wir stimmen eurem Vorgehen zu. Aber wir glauben immer noch, daß wir von euch etwas mehr verlangen müssen als ihr bekommt." 3n einem solchen Fall müsse sich England überlegen, was zu tun sei. Aber es sei unvernünftig, zu verlangen, daß England sämtliche Schulden seiner europäischen Allierten streiche, b e v o r es an Amerika herantrete. Als Chamberlain Lloyd Georges Äußerungen über das sogenannte Gentleman-Abkommen zurückwies, forderte Lloyd George erneut b i e Veröffentlichung der betreffenden Papiere. Das wäre die beste Antwort. „Es gibt", so erklärte Lloyd George, „ein Schriftstück zwischen England und Italien und ein anderes Schriftstück zwischen England und Frankreich. Will die Regierung diese Papiere veröffentlichen, damit wir selbst beurteilen können, was vor sich gegangen ist?" Chamberlain antwortet: „Ich habe nicht den geringsten Einwand gegen eine Veröffentlichung die- ser Papiere, falls die anderen Regierungen ihre Zustimmung geben. Es ist keinerlei Geheimnis, die Lage Englands ist vollkommen einfach. Wenn eine allgemeine Streichung durchgeführt werden kann, dann streichen wir; wenn gegriffenen Industrien ein; insbesondere Deutschland, wo es denn auch im Verlaufe der 2,465 3,057 .69.93 74. 81,1 76.7 14,965 ,938 4.209 58, 21,46 16.523 61.97 33,e , 82- I Ä Randnoten. Des tschechischen Schuhkönigs Bata Leben ist ein einziger folgerichtiger Aufstieg gewesen. Von der höchsten Höhe ist er in des Wortes doppelter Bedeutung abgestürzt: ein Versagen der Flugmaschine, die Bata mit Vorliebe für seine geschäftlichen Reisen benutzte, brachte ihn ums Leben. Es wird gesagt, diese Reise, die seine letzte geworden ist, hätte nach Deutschland führen sollen, wo wichtige Verhandlungen für den tschechischen Schuhkönig bevorstanden. Die so dringlich gewünschte Steigerung der Produktion in Zlin und vor allen Dingen ihr Absatz waren in der letzten Zeit der Hauptantrieb zu allen Bata'schen Arbeiten geworden. Denn über bas eigentlich in kurzer Zeit Erreichte hinaus vermochte sich der tschechische Schuhkönig nicht mehr zu steigern. So märchenhaft schnell sein Aufstieg vor sich ging, so abrupt ist das Ende dieses Mannes, der als ein echter Selfmademan über die Grenzen seiner Heimat hinaus in der ganzen Welt bekannt geworden ist und im Grunde genommen als der hervorragendste Industrielle der Tschechoslowakei galt. Der Sohn eines einfachen Dorfschuhmachers lernte früh mit Hellen Augen die besonderen Bedürfnisse der Stadt kennen und spürte heraus, auf welchen neuen Wegen der Kaufmann das Portemonnaie des Käufers lockern könnte. Ebenso schnell wird dem jungen Menschen die Bedeutung der Maschine für eine verbilligend wirkende Massenproduktion klar, und als er die ersten rationell arbeitenden automatischen Schuhmaschinen in Deutschland kennenlernt und in Amerika ihre Anwendung erprobt, ist für ihn der Weg zum Aufstieg. feine Lebensarbeit klar. Roch im alten Oesterreich gründete er seine erste Schuhfabrik, für die er Aufträge von allen Seiten herbeizuholen suchte, ohne daß das je so glänzend gelang. Aber im Kriege bringt er vom k. u. k. österreichischen Aerar die Heereslieferungen in Massen nach Zlin. einem kleinen Oertchen in der heutigen Tschechoslowakei, in dem er aus einer bescheidenen Fabrik eine ganze Fabrikstadt macht. Rach dem Friedensschluß mit seinen weitreichenden territorialen Veränderungen ist Bata m i t Leib und Seele Tscheche geworden, ünb GießenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen „Völkische Beobachter" u. a., von allen theoretischen aufbauwilligen Ankündigungen der Reichs- rcgierung Papen-Gayl sei nichts geblieben als eine außenpolitische älnterwer- f u n g und der durch die Straßen der deutschen Städte sich ungehemmt austobende R o t m o r d. Das ganze Reich sei schon längst für den Ausnahmezustand reif. Wolle die Reichsregierung nicht zum Gespött der Welt werden, wolle sie nicht eines Tages als Gefangene des noch in Preußen amtierenden Marxismus erwachen, wolle sie die Ration vor einem blutigen Untergang bewahren, dann müsse sie den Ausnahmezustand verkünden. Jedes Zögern sei unverantwortlich. Könne die Reichsregierung sich dazu nicht entschließen, dann müsse man erklären: Fort mit diesen Männern! Fort mit ihnen, lieber heute als morgen! Strafantrag des Ministerpräsidenten Or. Held. München, 13. Juli. (CNB. Funkspruch.) Ministerpräsident Dr. Held hat, wie die „Münchener 0:5. fSfr. n Ä;Unb Eik. ;l6'9*5. ? Donath J / Jo den Dielr Dieser Mdmftlidjcn Ämeichenki M'.nen aut N das .eÄ M einen lnö Mi Polen bei ihm der niedrige Lohnstandard in der Tschechoslowakei zugutekommt. Rach kurzer Zeit schon gelingt ihm der Angriff auf die Schuhindustrien in anderen Ländern, lieber Deutschland hinaus bringen seine ganz auf Billigkeit kalkulierten Schuhe bis nach Amerika vor, und es kommt Data dabei nicht darauf an, sich zur Durchführung dieses Angriffs mit einem Bargewinn von einer Krone (gleich 12,5 Pfennig) zu begnügen. Damit gelingt es ihm, die Riefenproduktion von Zlin abzusehen. Um so energischer setzt die Abwehr der anzischen Produzentenkreisen zu knüpfen, um endgültig das Schwergewicht des saarländischen Wirtschaftslebens nach Westen zu verlegen. Bei der Verfolgung dieser Politik kam ihnen der überragende Einfluß, den sie in der sogenannten neutralen völkerbundlichen R e g i e r u n g s kommt s s i o n haben, zugute. Ganz im Sinne dieser Politik lag die Einführung des französischen Franken als amtliche Währung, lag die Einbeziehung des Saargebietes in den französischen Zollkordon, lag die Erlaubnis zum Abbau saarländischer Kohlenflöze durch französische Derg- werksgesellschaften von französischem Territorium aus. Man muh es den Franzosen lassen, daß ihre Initiative keinen Augenblick erlahmte und daß einer ihrer klügsten Vertreter tm Saargebiet, der Minister M o r i z e , geschickt • selbst die unscheinbarsten Begebenheiten und Tatsachen im Sinne dieser Politik auszunuhen verstand. Selbstverständlich ist von der Saarbevölkerung alles getan worden, um einige dieser sauberen Plänchen zu durchkreuzen. Herr Morize, der vielbeschäftigte. ist schon seit langem den saarländi- Das Gläubiger-Abkommen von Lausanne wird veröffentlicht Der Erfolg einer Attacke Lloyd Georges. 5 Spiel”? Ach T »Urte Sil. eeil b4s 'ebener ■ schon Kommunen nicht mehr hold, weil sich gerade in den G e m e i n d e p a r l a m e n t en der Wider st and gegen bie französischen äleberfremdungsmethoben am erfolgreichsten geäußert hat. Man versteht, daß die deutschen Gemeinden keineswegs großes Vertrauen zu einer Regierung haben können, die die Steuergroschen einer deutschen Bevölkerung, unter der sich auch noch nicht einmal ein halbes Prozent Franzosen befinden, auf französischen Danken anlegt. Als im vergangenen Jahre nun die Landesbank der DHeinprovinz als Girozentrale für die saarländischen Kommunen und Sparkassen ausschied, glaubte Herr Morize seine Stunde gekommen, endlich auch hier der „wirtschaftlichen Durchdringung" nachhelsen zu können. Als sich in den Tresors der saarländischen Sparkassen größere Deträge ansammelten, die der Anlegung harrten, als die deutschen Parteien bei Saargebietes den Antrag an die Regierung stellten in Verbindung mit einem deutschen einschlägigen Institut eine saarländische Girozentrale zu gründen, rückte der Fincrnzmimster Oer^our'. France mit von bU =lfen*Ä M-Farbeff-s^ [oi)b M6 "■ J IV M (nach furter 32307 m?« fl„i oas brachte lym oie -eincrtennmis oer Prager -ne- neue Mnuni gierung, was sich zunächst durch Zuschüsse für ben enbe to\tb alfc Ausbau feiner Schuhfabriken auswirkte. Mit glän- )6ör(e nd. Bei äußerst gt- -\t an der Sbtnb bekannten ®rii» eiter Zurtiä Oie Hochwafferkatastrophe bei Augsburg MU D M Ä WW ro teM Wii X......... Niigzmaabffm des tschechischen Schchkömgs Bala Die mährische Stadt Zlin, die ihr enormes Wachstum den Schuhwerken Batas verdankt. Noch heute werden dort trotz der Weltkrise 30 000 Arbeiter beschäftigt. — Rechts: Thomas Bata. Aus aller Welt und stürzte in das siedende Wasser. Sie konnte sich nicht mehr rechtzeitig befreien, so daß sie völlig verbrühte. Die Bedauernswerte wurde tot aufgefunden. Schwerer Raubüberfall. Der Portier eines Dresdener Lichtspielhauses, der mit dem Transport der Tageskasse beauftragt war, wurde von zwei Unbekannten überfallen, niedergeschossen und einer Kassette mit etwa 300 Mark Inhalt beraubt. Nach der Tat sprangen die Räuber in ein fahrbereit gehaltenes Auto und rasten davon. Der schwerverletzte Portier wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht. Großer Dachstuhlbrand in Berlin. — Sieben Feuerwehrleute verunglückt. In einem Hause im Norden Berlins brach auf noch nicht ermittelte Weise ein Dachstuhlbrand £USmZ>vtadt Gießen Unterschiede von 7 bis 13 Millimeter gemessen. Immer noch liegt die Druck- storung fest und entfaltet ihren Einfluß auf die Wetterlage, so daß vorerst durch sie sich Bewölkung und etwas Niederschlag einstellen wird. Aussichten für Donnerstag: Neblig- wolkig mit nur vorübergehender Aufheiterung, Temperaturen wenig verändert, zeitweise noch etwas Negen. Aussichten für Freitag: Aufheiternd, aber aud, wolkig, wieder etwas wärmer. Lufttemperaturen. Am 12. Juli: mittags 29,1 Grad, abends 19,0 Grad, am 13. Juli: morgens 18,9 Grad: Maximum 29,3 Grad, Minimum 16,2 Grad Cel* '^erfrfHäge 13,4 mm; Sonnenscheindauer ir Kunden. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe, am 12. Juli: abends 27,9 Grad; am 13. Juli: morgens 21,0 Grad Celsius. 2)ic Umgebung von Augsburg ist von schweren Hochwasserschäden betroffen worden. Besonders wurde der Dorort Göggingen heimgesucht. In seiner Nähe durchbrach der sonst so ruhige Wertach den Damm , und die reißenden Wasser setzten den ganzen Ort unser Wasser. Unser Bild zeigt, wie der Schutzdamm für die Fahrstraße bei Göggingen notdürftig geflickt wird. Oie Mißwirtschaft des letzten Meniel-OirektoriurnS. Memel, 12.3uü. (ERB.) 3m Mernelländi- schen Landtag kam in der Aussprache über ein Gesetz zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zum Ausdruck, daß die Arbeitslosigkeit im Memelgebiet nur deshalb so groß sei, weil dauernd Leute aus Litauen ins Memelgebiet einreisten. Don der Regierung wurde darauf hingewiesen, daß keine Mittel für produktive Arbeiten mehr vorhanden seien. Das Direktorium Simaitis habe sämtliche für diese Zwecke bestimmten Gelder ausgegeben, so daß bei Uebernahme der Geschäfte durch das jetzige Direktorium nur noch 35 Lit vorhanden gewesen seien. Damit solle das jetzige Direktorium Zahlungen für produktive Arbeiten leisten und Erwerbslosenunterstützungen bis Ende dieses 3ahres zahlen. dotier lleberfall polnischer Schützen auf eine deutsche Schule. Könitz, 12. Juli. (CNB.) Bei einem geselligen Beisammensein im Anschlußanein Kinder- fest der deutsch en Schule in dem überwie- aend von Deutschen bewohnten Grenzdorf Blum- seid (Kreis Könitz), das in den Schulräumen statt- fand, drangen in den späten Abendstunden plötzlich Angehörige des Polnischen Schützen- °c rb andes in die Klassenzimmer ein und griffen öie Anwesenden an. Mehrere Personen wurden dabei verletzt, eine davon schwer. Die Teilnehmer des festes verließen fluchtartig die Schule. Die gesamte Einrichtung der Schule und die Fensterscheiben wurden von den Friedensstörern zertrümmert. Neuer Grönlandstreit. Norwegen dringt weiter vor. Oslo, 12. Juli. (TU.) Wie durch Extrablätter mitgeteilt wird, ist die norwegische Regierung im Begriff, weitere Gebiets- streifen an der Ostgrönlandküste zu besetzen. Eine amtliche Mitteilung liegt noch nicht vor. „Aftenposten" will erfahren haben, daß der ganze Küstenstreifen im Südosten vom 60,30. bis 63,40. Grad in einer Länge von 300 bis 400 Kilometer und in einer Breite von 50 Kilometer besetzt werde. Es wird hinzugefügt, daß dieses Gebiet seit 1900 nicht mehr von Eskimos bewohnt werde. In Kopenhagen haben die Osloer Nachrichten ungeheures Aufsehen erregt. Es w-rd fest' gestellt, daß der'dänische Forscher Knut Rasmussen noch im vorigen Jahr das Gebiet im Auftrage d e r dänischen Regierung besucht habe. Es handelt sich um ein Gebiet, das an seinem Sudzug mit dem grönländischen ßafenpwtz Frede r i k s d a l zusammenstößt und mit dem im vori- gen Jahre durch Norwegen besetzten Ostgrönland, streifen zusammenfällt. Der dänische Ministerpräsident etauntng, der augenblicklich auch die Geschäfte des Außenministers wahrnimmt, ertlärt, daß eine amtliche Nachricht aus Oslo noch nichi ein- getroffen fei. Sollte aber die Meldung zutreffen so sei das ein n o cf) größerer Eingriff als ore Besetzung im vorigen Jahr. Das Gebiet um das es sich jetzt handele, unierstche unmittelbar der Grönlandkolonialdirektion. Em solcher norwegischer Uebergriff würde einen offenkundigen Bruch des Abkommens von 1924 darstellen. Oie Revolution in Süd-Brasilien. R i o d e 3 a n e i r o, 12.3ull. (TU.) Präsident Vargas hat im Hinblick auf die zugespihte Lage in den Südstaaten die äußersten Abwehr- maßnahmen ergriffen und die gesamte Armee und Marine gegen die Aufständischen in Sao Paulo mobilisiert. Der Hafen von Santos wurde für die internationale Schiffahrt geschlossen. 800 See- lß^‘en sind dorthin unterwegs. Die fremden Misse müssen direkten Kurs von Rio nach Montevideo und Buenos Aires nehmen. Präsi- ^klärte, er werde nie vor den Ru, ständischen kapitulieren, ihnen aber Gelegen- ye't geben, den unsinnigen Streit friedlich aufzugeben. Vier Häuser wurden bis zum ersten Stockwerk vollkommen überschwemmt; ein 13jähriges Mädchen konnte nur mit knapper Rot von Rachbarsleuten vom Ertrinken gerettet werden. 3n den Weinbergen wurde erheblicher Schaden angerichtet. Auch nach dem Rhein zu stürzten große Wassermassen zu Tal, die viel Schutt- und Schlammassen mit sich führten, so daß schließlich die Rheinuferstrahe vollkommen verschlammt war. Schlimm erging es einer Schulklasse, die die ersten Ferientage benutzt hatte, um dem Riederwalddenkmal einen Besuch abzustatten. Die Kinder befanden sich auf dem Abstieg nach Aß- mannshausen, als das furchtbare Unwetter losbrach. Vollkommen durchnäßt und frierend kamen die Kinder in Aßmannshausen an. Der Schaden läßt sich bisher noch nicht übersehen. Zwei Personen vom Blitz getötet. In Göllheim bei Kirchheimbolanden (Pfalz) wur- den der 32 Jahre alte Philipp Wendel und der 27 Jahre alte Peter Dilg, als sie während eines Gewitters im Walde unter einem Baurn Schutz suchten, vorn Blitz getötet. Sie befanden sich auf dem Heimweg vom Baden. Von einem Flugzeug getötet. «An der Grenze des Flugplatzes Schleißheim bei München wurde der 35jährige landwirtschaftliche Arbeiter Busi, als er mit einer Mähmaschine Gras mähte von einem niedergehenden Flugzeug von seinem Fahrzeug gerissen und tödlich verlöt. Der Pilot erlitt leichte Verletzungen, das Flugzmg wurde erheblich beschädigt verheerender Wolkenbruch am Starnberger See. Durch einen am Westufer des Starnberger Sees niedergehenden G e w i 11 e r r e g e n , der nach etwa zwei Stunden wolkenbruchartige Ausmaße annahm, wurden verriebene Orte am Westufec des Sees unter Wasser gesetzt. Der kleine Ort Strau- bing war zeitweise vollkommen vom Wasser eingeschlossen. Verheerend wirkte sich der Wolkenbruch über Tutzing aus. Hier stand im Nu hie ganze Ortschaft am See unter Wasser. Die Bewohner wurden in ihren Häusern e i n g e s ch l o s s e n. Das Wasser drang in viele Wohnungen ein und richtete großen Schaden an. In einem Hotel wurden die Speisezimmer stark in Mitleidenschaft gezogen. Der alte Friedhof wurde fürchterlich verwüstet In der unteren Ortschaft ist kein Haus, in dem nicht der Keller ober die unteren Stockwerke vom Wasser überflutet sind. Drei Stunden dauerte der Hauptstrom. Stellenweile flutete das Wasser in einem halben Meter Höhe durch den Ort. In der Nahe von Tutzing wurde der Bahnverkehr durch die Wassermassen gestört. Der durch das Wasser angerichtete Schaden ist nicht annähnnd abzusehen. Schrecklicher Tod einer Wäscherin. Einen qualvollen Tod erlitt die Wäscherin ^vmina Thome in dem kleinen Hunsrück- dörfchen Weihkirchen. Sie kam vor dem mit kochendem Wasser gefüllten Waschkessel zu Fall Die Arbeiter der im Bau befindlichen Petro* leumleitung von Mesopotamien nach dem Mittel* meer wurden bei Kuriaten von einer großen Bande wilder Beduinen überfallen. 60 Arbeiter wurden gefangengenommen und entführt, 100 Arbeiter konnten entfliehen. Die Petroleumleitung wurde schwer beschädigt. Große Strecken des bereits ausgehobenen Kanals wurden von den Beduinen wieder mit Erde zugeschüttet. Die trans* jordanische Regierung hatte vor einiger Zeit mit ber Aufstellung von 30 000 Beduinen zum Schutze der Leitung begonnen. Die kommunistische Bluttat in Worin« 10 Jahre Zuchthaus für den hauplkäler. Mainz, 13. 3uli. (Lpd.) Das Schwurgericht der Provinz Rheinhessen fällte am Dienstagabend das Urteil aegen die angeklagten Kommu- msten, dre den Rattonalsozialisten Hobels b^r- a e r aus Biblis überfallen und so s ch w e r mißhandelt hatten, daß er nach einigen Tagen st a rb. Es wurden verurteilt: Der Arbeiter Ludwig Rebholz zu 10 3ahren Zuchthaus, der Arbeiter Karl Diegi zu drei3ahren Zuchthaus, der Arbeiter 3akob Kaiser zu zwei 3ahren Zuchthaus und der Arbeiter Albert Ludwig Dehosf zu einem 3ahr Gefängnis. Den zu Zuchthaus Verurteilten wurden die Ehrenrechte auf fünf 3ahre aberkannt. 3nt Verlaufe des Prozesses wurden drei Kommunisten unter dem Verdacht des M e i n e i d e s verhaftet. Arbeitsdienstpflicht-Entwurf vor dem Reichskabinett. Noch keine Beschlüsse, In der Sitzung des Reichskabinetts ist man über eine grundsätzliche Aussprache nicht hinausgekorn- men. Das ergibt sich von selbst aus der Bedeutung und der Kompliziertheit des Arbeitsdienstes. Den Beratungen liegt ein Referentenentwurf des Reichs- arbeitsmimfteriums zugrunde, der unter dem Arbeits Minister die Einsetzung eines Reichskommissars und unter diesem wieder ine von Bezirkskommissaren vorsieht. Den Kommissaren sollen dann Beiräte an irie Seite gestellt werden. Die in der Presse bereits angedeutete Begrenzung nach oben auf das 2 5. Lebensjahr ist ebenfalls in dem Entwurf enthalten. Es wird als selbstverständlich angesehen, daß für d?n Arbeitsdienst vor allem zwei Grundsätze gelten sollen, nämlich, daß er nur für ge- meinnützige Zwecke in Frage kommt, und zweitens, daß durch ihn die Wirtschaft nicht noch mehr beeinträchtigt wird. Die Mittel, die für den Arbeitsdienst zur Verfügung stehen, laßen sich noch nicht genau beziffern, weil du dem Etatsansatz noch der vorläufig noch nicht ganz genau abschätzbare Ersparnisbetrag der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung tritt. Rund rechnet man wohl mit aut 60 Millionen, was übrigens auch den Angaben entspricht, die Dr. Goerdeler in seinem Dortrag gemacht hat. Oie ReichötagSkandidaten des Zentrums in Hessen. Mainz, 12.Juli. (WSN.) Für die Reichstags- wähl hat die hessische Zentrumspartei folgende Kan- didaten aufgestellt: 1. Reichskanzler a. D. Dr. Brüning, 2. Rechtsanwalt Dr. Bockius-Mainz, 3. Over- regierungsrat Knoll-Darmstadt, 4. Landtagsabgeord- neter Blank-Gaulsheim, 5. Stadtrat Diehl-Kastel, 6. Kaufmann Herd-Offenbach, 7. Hausfrau Elfe Hat- temer-Darmstadt, 8. Lehrer und Generalsekcerör Gahr-Kastel, 9. Landwirt Ludwig-Gonsenheim 10. Faktor Schmitt-Harheim, 11. Angestellter Krämer- Offenbach, 12. Lederarbeiter Becker-Worms, 13. Stubienrat Professor Sartorius-Mainz, 14. Professor Rupp-Heppenheim, 15. Gewerkschaftssekretär Wesp- Darmstadt. Oer belgische Streik. Die sozialistischen Gewerkschaften in Brüssel prachen sich über den Generalstreik aus, der inzwischen in Rivelles (Provinz Brabant) bereits ausgebrochen ist. 3n Charleroi gab es bei Zu- ' sammenstöhen zwischen Streikenden und Polizei zahlreiche Verletzte. Etwa 200 Verhaftungen wurden vorgenommen. 3n Gent entstand eine schwere Schlägerei zwischen Sozialisten und Kommunisten, wobei ebenfalls mehrere Per- onen verletzt wurden. Die „Nation Beige“ teilt mit, es sei erwiesen, daß die Kommunisten eine Umsturzbewegung vorbereiteten und zu die- em Zweck von einer bolschewistischen Zentrale in .Berlin Geldmittel erhalten. Aus Solidarität mit den Bergarbeitern der Dorinage (Provinz Hennegau) sind die Bergarbeiter in fast allen Kohlenbergwerken des Lütticher Reviers in den Streik getreten. Spanischer Kreuzer gesunken. Die Besahung gerettet. Bei dem an der spanischen Rordwestküste süd- .ich von Cap Finistere abgehaltenen Manöver der panischen Flotte ereignete sich ein Unglück s- alL Der 4725 Tonnen große geschützte Kreuzer „Blas de Levo", der die Bucht von Corcubion verteidigen sollte, fuhr auf einen Unterwasserfelsen auf und sank nach kurzer Zeit. Die Besatzung wurde gerettet. Die Bergungsarbeiten sind sofort eingeleitet worden. Der spanische Kreuzer „Mendez Rines" fuhr auf den gleichen Felsen auf und wurde beschädigt. Do X nach Sroinemünbe gestartet. Nach fast einwöcbigem Aufenthalt in Danzig etzte das Flug schiff Do X heute um 11 Uhr seinen Flug mit dem Ziel Sroinemünbe fort. 100 000 Mark gezogen. 3n der heutigen Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie fiel der Hauptgewinn in Höhe von 100 000 Mark auf die Losnummer 224 514. Das Los wird in der ersten Abteilung in Viertellosen in Westfalen, in der zweiten Abteilung in Achtellosen in Bayern gespielt. Großer Sprengstoffdiebstahl. Im Steinbruch Aus den hohen Hagen" bei Dransfeld find 17 Kisten mit insgesamt 73 entnern Spreng ft off und etwa 1000 Sprengkapseln gestohlen worden. Unwetter am Rhein. Ueber Aßmannshausen und dem zwischen Ah- mannshausen und Rüdesheim lagernden Höhenkamm mit seinen zahlreichen Weinbergen entlud sich ein heftiges Gewitter, das von starkem H a g e l s ch l a g begleitet war. Große Wassermassen stürzten sich von der Höhe des Berges in das Aßmannshauser Tal und richteten besonders in dem an den Berg angelernten Teil von Aßmannshausen beträchtlichen Schaden an. Aus der Provlnzialhmiptfladt. Gießen, den 13. Juli 1932. Magie des Bahnhofs. Wir haben alle Sehnsüchte, große und kleine, laute und versteckte, heimlich tragen wir sie mit uns durch die Straßen und Kontore. Tagsüber liegen sie so, ängstlich behütet, in den Geheimtaschen unserer Seelen, aber in der Versonnenheit leiser Abend« stunden holen wir sie behutsam hervor und drehen sie liebend in müden Händen. Viele Sehnsüchte sind es, die wir dann finden, eine kostbare Sammlung funkelnder Edelsteine. Farbig und froh lächeln sie uns zu, wenn die zarte Hand abendlichen Sommerwindes in die offenen Fenster winkt und der schwingenden Schwalben jauchzender Schrei leuchtende Worte in das Blaßgold des Himmels schreibt, leuchtende Worte, die wir nun in der wunschweiten Zärtlichkeit der blauen Stunde zu lesen wissen: Ferne heißt das erste, Reisen das zweite, Sonnen- sehnsucht das dritte. Und so kann es sein, daß man flüchten muß aus der Enge der Stuben, daß man durch die Straßen wandert und plötzlich, geführt von unsichtbarer Hand, am Bahnhof steht, seltsam bewegt von dem Zauber, der hier ausgeht von den rußigen Hallen die der Vorhof sind zu den Tempeln des Fernenkults. Rund um den Bahnhof zieht sich ein magischer Kreis, zitternd geladen mit den Spannungen erregender Unrast. Der Bahnhof, das ist der Fremdkörper in dem beständigen, erdgebundenen Organismus der Stadt, das ist das Tor in die Welt, die Brücke, die schimmernd ihre Bogen in die Unendlichkeit der Weite schlägt... Nichts ist hier von Belang, was ruhig und scß- haft ist, hier hat nur das Fremde, der Wechsel, die Veränderung und der Uebergang das große Wort. Der Bahnhof — seltsames Haus, in dem niemand verweilt, niemand bleibt, seltsame Säle, in denen man nur wartet auf das Nachher, wo niemand fragt nach der Gegenwärtigkeit des Augenblicks. Bahnhöfe sind so steingewordene Symbole der Sehnsucht. Nie- mand sagt hier: bleib! — aber von allen Wänden, von jedem Plakat und jedem Schild schreit es: geh! Geh und „Besuche den Schwarzwald!", geh und „See Merry Old England" — ..Reise nach Rügen!" und „Komm an den Gardasee!^ Der Bahnhof, das ist das erste Lächeln der Ferne, wenn du am Ende des Bahnsteigs stehst und deine Augen wie schnelle Züge den blitzenden Bändern der Schienen folgen, hinweg über das Dröhnen von tausend Weichen und vorbei an den winkenden Armen der Signalmasten. Erregend strömt das Schreien der eilenden Menschen, das Donnern der Lokomotiven, das Zischen schneeweißen Dampfes aus rußgeswärzten Schloten ins Blut. Allen Zauber der Ferne lockt der Bahnhof in die gewölbte Weite feiner Hallen, wenn die klirrenden D.-Züge hereinbrausen, die vor Stunden noch die Steilheit jäher Gebirgsschluchten, die Stille heimlicher Seen, die Sonnenweite endloser Felder vermittelten. Ewig neue Gesichter, neue Abenteuer, neue Abschieds- schmerzen den winkenden Tüchern trauriger Menschen nach, und an den stählernden Wänden ver- atmender Wagen wmken ewig neue Ziele — Verona und Prag, Köln und Zoppot, Wien und Amsterdam: eine Symphonie der Ferne und ihrer Dämonie... Ewig sind die Bahnhöfe zerrissen von Lärm und Rauch, gespannt von bunten Abenteuern, Züge donnern, märchenhafte Namen locken, und gellend durchschneidet der Pfiff stampfender Lokomotiven das Dröhnen der Halle. DSr Bahnhof, das ist die erste Stufe zur Seligkeit, die Reisen heißt, erste Stufe und wunderhaftes Geschehen mitten im Leben der Städte, in denen wir abends die sehnsüchtige Weite der rufenden Ferne schmerzlich gefesselt empfinden. H. C. o.M. Berlagelbuchhändler Otto iBott) f. Gestern abend verstarb, nahezu 83 Jahre alt, der weit über die Mauern unserer Stadt hinaus bekannte Senior der Familie Roth, Verlagsbuch idler Otto Roth. Mit ihm ist ein Mann in bii Ewigkeit abberufen worden, der zu dem Kreise alteingesessener und hervorragender Gießener Bürger gehörte. Auf sein Wirken als im ganzen Reiche bekannter Verleger werden wir nocy zurückkommen. 30 Buben konzertieren. 3m Lause des gestrigen Tages trudelten etwa 30 Jungens per Eisenbahn mit ihren erwachsenen Begleitern von Kassel her in Gießen ein. Sie brachten ihre Posaunen, sowie Trommel und Pauke mit und machten am Selterstor (später auch in der Südanlage) Musik. Sie spielten aber nicht nur zwei oder drei Stücke, sondern hatten ein richtiggehendes Konzertprogramm vor und unterhielten die Passanten eine Stunde lang mit ihren Darbietungen. Aus einer nahen Gastwirtschaft hatten sie sich Stühle geholt, und da saßen sie nun, die 9-, 10-, 11- und 12jährigen, angetan mit schmucken Matrosenanzügen, und mgchten mit viel Hingabe an ihre Sache Musik. Der ebenfalls noch jugendliche Dirigent stand in aufgekrempelten Hemdsärmeln vor ihnen und leitete das Orchester mit einem Schwung, auf den die jungen Musiker bereit- toiU gft eingingen. Schnell hatte sich ein Ring von Zuhörern gebildet, unter denen besonders die Kinder in lebhaftester Anteilnahme und in unausgesprochener Bewunderung verharrten. Die jugendlichen Musiker machten — das muß unumwunden zugegeben werden — eine gute, saubere Musik, sie haben eine sorgfältige Ausbildung genossen und beherrschten Chorlieder, Märsche und BolkSlieder nicht nur technisch Das Programm brachte verschiedene geistliche Lieder, schöne einfache Bolkslieder, auch eine Anzahl vaterländische Märsche, die recht schneidig wieder- gegeben wurden. Die Jungens sind, wie wir erfuhren, vom Kasseler Bereln christlicher junger Männeri sie bilden dort den Kasseler Ring kreuz- Posaunenchor und sind gegenwärtig auf einer längeren Konzertfahrt begriffen, die sie bis an den Bodensee führen soll. Die Jungens haben Ferien, sie wollen Deutschland kennenlernen, sich durch ihre Konzerte in den einzelnen Städten das Geld für die Reise verdienen und möglicherweise auch etwas für ihre Organisation übrig behalten. Bornotizcn. — Tageskalender fürMtttwoch: Gesell- schaftsoerein, Klub, 20.30 Uhr, Militär-Konzert. — Hausfrauen-Beratung, 14 bis 19 Uhr, Sommer- Handarbeitsausstellung des Alice-Frauenvereins, Abteilung Bienenkorb. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Frau Lehmanns Tächter". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Ab heute beginnt täglich in der Zeit von 10 bis 13 ilbr der Kartenverkauf zu dem einmaligen Gastspiel der „oier Rachrichter", die am Sonntag, 17. 3uli. 20 Llhr, mit der literarischen Bosse mit Gesang und Tanz: »Hier irrt Goethe , bei uns gastieren. »Die vier Rachrichter" sind Werkstudenten, hervorgegangen auS dem theaterwissenschaftlichen Institut der Münchener Universität. Kleine Preise. — Die Deutsche Dtaatspartei veranstaltet am nächsten Freitag, 20.30 Uhr, im Caf6 Leib eine Wahlkundgebung. Reichsfinanzminister a. D. Dr. Reinhold, MdR., wird über das Thema: »Was bedeutet die jetzige Reichstagswahl?" sprechen. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. *• Wehrwisfenschaftlicher Vortragszyklus an der Universität. Der Dortrag von General vo n S ch i ck f u ß über »Die militärische Lage Deutschlands" findet nicht am heutigen Mittwoch. 13. Juli, sondern erst am | Mittwoch, 20. Juli, statt. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Vorgänge am Freitagabend Im Seltersweg. Da über die Vorfälle im Seltersweg am Frei- taaabend bis heute noch kein amtlicher Polizeibericht erschienen ist, sehe ich mich veranlaßt, um den ver- schiedenen, zum Teil unwahren Berichten die Spitze aozubrechen, den Tatbestand zu schildern, wie er nach meiner Wahrnehmung und den Zeugenaussagen sehr ehrenwerter Männer in Wirklichkeit gewesen ist. Denn nicht nur ich, sondern vor allen Dingen die Oeffentlichkeit hat das größte Interesse daran, die Wahrheit zu erfahren. Am Freitagabend zwischen 11 und 12 Uhr wurden wir durch ein ohrenbetäubendes Gebrüll darauf aufmerksam gemacht, daß der Demonstrationszug der Vereinigten Eisernen Front, Reichsbanner und Kommunisten, den Seltersweg passierte. Sofort wurde durch den Sturmbannführer Bender der Befehl gegeben: sämtliche SA. in das Lokal und die größte Ruhe bewahren. Der Sturmbannführer mit seinem Adjutanten blieb im Eingang des Lokals stehen, um ein Eindringen von draußen zu verhindern. Inzwischen hatte die Spitze des Zuges mein Lokal erreicht, ein Wortwechsel konnte wegen des Gebrülls, welches immer stärker wurde, nicht stattgefunden haben. „Nieder mit den Bluthunden", „Heraus ihr Mörder", das waren die gelindesten Ausdrücke, welche man verstehen konnte. Trotzdem verhielt sich die SA. mustergültig ruhig. Polizei war, außer einem Beamten, nicht zur Stelle. An einem vor der Tür stehenden Auto wurden die Scheiden eingeschlagen, einer darinsitzenden Dame Pfeffer in die Augen geworfen. Gleichzeitig versuchte die mit dicken Knüppeln bewaffnete Menge in das Lokal einzudringen, indem sie auf die in dem Eingang stehenden Führer einschlugen. In diesem Moment kam das verspätete Ueberfallkom- mando, welches rechts und links den Seltersweg säuberte. Einige Beamte konnten sich nicht enthalten, wie üblich, auf die SA., welche den Eingang verteidigte, einzuschlagen. Aus der Mitte des Zuges fiel in diesem Augenblick ein Schuß auf das Lokal, wodurch Der Sturmbannführer Bender und Adjutant Schuppe, sowie ein weiterer SA.-Mann die Augen voll Tränengas bekamen. 20 Sekunden später fiel vor dem Laden von Schönau ein zweiter Schuß, der Polizeibeamte Becker aus Butzbach erhielt die volle Ladung Tränengas in die Augen und brach bewußtlos zusammen. Unter größter Lebensgefahr wurde der Verletzte von der SA. aus dem Gedränge geholt und in das Lokal gebracht, von wo aus die Verletzten von der Freiwilligen Sanitätskolonne nach der Klinik gebracht wurden. Nun gelang es der in- zwischen verstärkten Polizei, die Unruhestifter zu entfernen. Unverständlich ist es mir, warum ich mein Lokal vorzeitig schließen mußte. Befanden sich in meinem Lokal die Unruhestifter, ober wird die stärkste Partei in Gießen von der Polizei immer noch als Mensch zweiter Klasse angesehen? Wie verhält es sich mit dem Gewerkschaftshaus? Da wurde die ganze Nacht hindurch randaliert. Wäre es nicht recht und billig gewesen, auch dieses Lokal jju schließen? Noch unoer- stündlicher ist es, daß der Zug der Vereinigten Esier- nen Front, Reichsbanner und Kommunisten den Seltersweg passieren durfte, da bis jetzt sämtlichen Antragstellern in ähnlichen Fällen verboten wurde, den Seltersweg zu passieren. Gleichzeitig stelle ich die Anfrage: Ist der verantwortliche Polizeideamte, welcher in fahrlässiger ober bewußter Absicht bas Leben unb Eigentum friedlicher Bürger, sowie das Leben seiner untergebenen aufs Spiel setzte, zur Rechen- schäft gezogen ober ein Verfahren gegen ihn ein- । geleitet worben? Ich will nicht unerwähnt lassen, daß es nur der eisernen Disziplin der SA. zu verdanken ist, daß kein 1 größeres Unglück geschah. Franz Soldan SJ.-fporl 95 Segelflieger in der Rhön. ■ 1 VlEi c / ... Oben links: Wolf Hirth, der Pionier des Segelflugs, diesmal Führer der schlesischen Segelflug- Expedition. Daneben: G r o e n h o f f (Porträt im Kreis) in seinem Hochleistungssegler „Fafnir". Unten: Robert Kronfeld, der Weltrekordsegler, der diesmal mit der „Austria", dem größten Segelflugzeug der Welt, an dem Wettbewerb teilnehmen wird. FaustbattspieledesT.V.v.L846Gießen Am Sonntag fanden in Marburg die diesjährigen Faustball-Kranzspiele des T. u. Spv. 1860 Marburg statt, die von 22 Mannschaften des Gaues Hessen beschickt waren. Cs wurde gespielt in Meister-, A-, AH.- und Jugendklasse. Die Meister-, sowie die AH.-Mannschaft des Turnvereins von 1846 mußten diesmal die Kämpfe mit Ersatz bestreiten. Während die Oll» tersrnannschaft ihre Gegner (Tv. Haina und T.» und Spv. 1860 Marburg) leicht abfertigte und somit den 1. Sieg errang, mußte sich die erste Mannschaft (Aufstellung: Geismar, Pfeffer I., Rohl, Mohr, Pfeffer II.) mit dem 2. Platz begnügen. 1. Sieger in der Meisterklass« wurde Turnverein Frankenau, der schon seit Jahren bei den Spielen in Marburg sowie bei den Gauspielen hinter Gießen und Friedberg mit einem nut knappen Punktunterschied an dritter Stelle lag. Die einzige Riederlage gegen Tv. Frankenau, 25:31, kam etwas überraschend, während alle übrigen Mannschaften überzeugend geschlagen wurden. Ergebnisse der Gießener Turner: I. Mannschaft. Gegen T.- u. Spv 1860 Marbürg 35:21 — Tlniversität Marburg 27:25 — ATB Marburg 46:22 - Kurhessen Marburg 44:25. AH. - Mannschaft: Gegen Tv. Haina 46:40 T. u. Spv. 1860 Marburg 55:33. Heffeniurnerinnen auf dem Trierer Kreisfest OT. Für die Turnerinnen aus dem Gau Hessen DT., die an den Wettkämpfen des Mittelrheinischen Kreis- turnfestes anfangs August zu Trier teilnehmen, fand am Sonntag zu Gießen unter der Leitung des Gaufrauenturnwartes Rudolf Paul (Gießen) eine Uebungsstunde statt. Es haben sich im ganzen 26 Turnerinnen gemeldet, unb zwar von Gießen 6, Butzback 5, Marburg 4, Krofborf 3, Friedberg, Heuchelheim und Grünberg je 2, von Bad-Nauheim und Wetzlar je 1 Turnerin. Neben den Pflichtübungen für die Mehrkämpfe der verschiedenen Stufen an den Geräten wurden insbesondere die aus der Breitenarbeit erwachsenden Massendarbietungen unter Musikbegleitung abschließend auf gleichmäßigen Rhythmus gebracht! als Sondervorführung im Gau- verband bringen die Hessen einige Gruppen gymnastischer Freiübungen, ferner beteiligen sie sich im Kreisverband an den Keulenübungen, die an die Stelle der üblichen allgemeinen Freiübungen treten, unb schließlich an ben neuartigen chorischen Bewe- aungsgruppen, bie mit- unb gegeneinanber >m Wechselspiel breier Ehormassen in gemessenen Formen sich zu feierlichem Ausbruck entfalten. Da außerbem neben ben kleineren Gruppen der Volksturner, Fechter unb Schwimmer über 50 Wett- turner gemelbet haben unb nahezu 30 Kampfrichter Mitarbeiten, ist ein Sonberzug in Aussicht genommen. Handball im Lohn Oünsberg - Gau Tv. Ahbach Jugend — Tv. Dorlar Jugend 1:3 (0:1). Das Spiel wurde fair und ruhig ausgetragen unb von bem Sieger nur burch bie guten Leistungen feines Torwartes gewonnen. Die unterlegene Mannschaft war stets etwas mehr im Angriff, vermochte sich aber nicht gegen die stabile Hintermannschaft der Gäste burchzusetzen. Tv. Ahbach I — Tv. IDalbgirmcs I 8:5 (6:1). Waldgirmes trat zu dem Spiel mit einigen Ersatzleuten an, während Atzbach seine komplette Mannschaft zur Stelle hatte. Die erste Hälfte sah den Gastgeber klar überlegen, unb in regelmäßigen Abftän« ben zu sechs Torerfolgen kommen, während Waldgirmes nur durch einen Strafstoß einen Gegentreffer buchte. Nach der Pause erhöhte Atzbach zunächst auf 7:1, bann kamen die Gäste kurz hintereinander zu zwei Erfolgen. Mit einem Tor für Atzbach und zwei weiteren Toren für Waldgirmes nahm das Spiel fein Ende. 90 Jahre Gesangverein „Germania" Krofdorf. (D Krofdorf, 12. Juli. Der Gesangverein „Germania" Krofdorf darf den Ruhm in Anspruch nehmen, zu den ältesten Gesangvereinen unserer Gegend zu zählen. Wenn der Verein, der neun Jahrzehnte mit allen Schicksalslagen seines Heimatdorfs aufs engste verquickt war, statt einer Festlichkeit nur eine schlichte Feier hielt, so geschah es, weil erst vor etlichen Wochen hier ein Turnfest ftatt- fand und man die Abhaltung eines weiteren Festes nicht verantworten zu können glaubte. Auf Wunsch der alten Mitglieder marschierte der Verein geschlossen mit seinen Fahnen vom Vereins- lokal zur Wirtschaft Mo o s. Nach einleitenden musikalischen Darbietungen der Krofdorfer Kapelle, dem Sängergruß unb einem Chor begrüßte der Vorsitzende, Hermann Schleenbecker, die Sänger unb ihre Angehörigen. Frl. Frieba Römer trug in ansprechender Weise ein von einem Ehrenmitglied zum Jubiläum verfaßtes Gedicht vor. Sodann berichtete Lehrer Rinn aus der interessanten Vereins» geschichte Das Verdienst, im Jahre 1842 hier den Männergesang ins Leben gerufen zu haben, gebühre dem ehemaligen Musiker Ioh. Gg. Schmidt, den Gg Schmidt, Ludwig Heyer und Ludwig Schmidt unterstützten, indem jeder von ihnen im elterlichen Hause eine der vier Chorstirnmen mit Altersgenossen einübte. Noch aus dieser Zeit vorhandene geschriebene Notenblätter nennen die geübten Lieder. Anfänglich war der Verein gleichzeitig auch Kirchenchor. Besonderen Aufschwung nahm der Verein nach dem Kriege 1870/71. Der Redner, der sorgfältig ben oft unklaren Spuren der Vereinsgeschichte nachgegangen war, lenkte zum Schluß ben Blick aus ber Vergangenheit in bie Zukunft mit bem Wunsche, baß es bem Verein gelingen möge, weiter an seinem Teile mitzuwirken an der Pflege bes deutschen Volksgesanges. In einem gediegen zusammengestellten Programm folgten dann Chöre unb Musikstucke, bie bas Können bes Vereins unb ber Kapelle unter Beweis stellten. Lehrer Praß pries den Gesangverein als Heimatverein unb oolksbildnerischen Faktor unseres Dorflebens. Er wies nach, daß Krofdorf von altersher eine gefangliebenbe Bevölkerung besessen hat, daß schon vor Jahrhunderten dem Gesang in der Kraft oorf-Gletberger Schule eine hervorragende Bedeutung beigemessen wurde, und er zitierte einen bislang unbekannten Ausspruch des damals 58 Jahre lang hier wirkenden Lehrers Philipp Anton Weil aus dem Jahre 1820 über das Singen. Gemütliches Beisammensein und Tanz beschloß die harmonische Feier. Grösse und Qualität entscheiden. CLUB hat gesetzlich zulässiges Höchstgewicht und ist Deutschlands anerkannt beste 3$ Pfg.-Zigarette. Der Umsatz beweist es Original-Roman von Anny von panhuyö. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 6 Fortt c: Nachdruck verbotenl Das Herz der Baronin schien doch noch eines kleinen Mitleids fähig. Sie nahm Äks Hand. „Rege dich nicht so auf, Kind, auch die bösesten Stunden gehen vorüber." Werner blickte seine Mutter dankbar an, und dieser Blick belohnte sie. Ihr Sohn war ihr Glück, ihr Abgott. Sie ging, und Werner bemühte sich, 2il zu beruhigen. Aber sie schüttelte zu allem den Kopf, rief fast trotzig: „Vati hätte mich mitnehmen müssen, es war nicht recht von ihm, mich allein zu lassen." — Er zog sie an sich. „Du bist doch nicht allein, Lil, du hast doch mich. Ich habe dich so lieb, so über alle Mähen lieb, das muht du doch fühlen. ilnö du hast mir doch auch versichert, du liebst mich." Mit tränenverschleiertem Blick sah sie zu ihm auf. „Ich habe dich auch lieb, Werner, aber mir ist so zumute, als wäre mit Vati für mich alles Glück und alle Buhe aus der Welt gegangen." Er gab sanft zurück: „Die Zeit wird deinen Schmerz lindern, Lil, so wie du fühlt man wohl immer, wenn einem ein lieber Mensch stirbt. Dein Vater war mit unserer Verlobung einverstanden und wir werden im Herbst ganz still Hochzeit halten. Dann bleiben wir immer beisammen, mein Lieb, und sollten jetzt noch allerlei Sorgen auftauchen, beschwere dir nicht zu sehr das Köpfchen damit. Ob du nun eine reiche oder arme Lil Körner bist, ist ja für uns beide und unsere Zukunft ganz gleichgültig. Ich verdiene genug, so ein winzig kleines Frauchen wie dich, zu ernähren und zu kleiden. Reichtum macht nicht glücklich. Das Glück wollen wir in unserer Liebe suchen." Sie lieh sich von ihm küssen und lehnte sich wie schutzsuchend an ihn an. Ganz leise sagte sie: „Run ich den Vati nicht mehr habe, gehört dir allein all meine Liebe, Werner, dem Himmel sei Dank, dah ich dich habe." Lil nahm sich von jetzt an zusammen, die bitteren Reuetränen, die darüber geflossen, weil sie in der bösen Sterbestunde ihres Vaters als Elown lachenden ilnfinn getrieben, waren versiegt und sie fand mildere Tränen, zärtliche, sehnsüchtig schmerzliche Kindestränen, die den frühen Verlust das Vaters beklagten. Versöhnende, kummerlösende Tränen. Sie stand dann an des Vaters Gruft, warf ihm Blumen nach in die kühle Erde und kehrte heim in das stille Trauerhaus. Aber lange Ruhe war ihr nicht gegönnt, dann begann das traurige Schauspiel, das ihr wehe tat und das sie doch mitansehen muhte. Gerichtsbevollmächtigte erschienen und legten alles unter Verschluh. Das Vermögen des toten Vaters wurde beschlagnahmt. Sein Haus, seine kostbaren Möbel und alle Werte, die man fand. Die klatschsüchtige Frau von Welp hatte die volle Wahrheit ge- sprochen. Die Bank hatte die Zahlungen einstellen müssen, und man sicherte sich nun alles, waS Eduard Körner hinterlassen. Die Baronin war auher sich. Also das Furchtbare war Wirklichkeit, der Tod ihres Stiefbruders zog den Bankerott nach sich. Sie packte ihre paar Sachen zusammen und begab sich in Lils Zimmer. „Ich will nun heimgehen, Lil", begann sie, „und du wirst auch nicht mehr lange hierbleiben können. Da du im Herbst einundzwanzig Iahre wirst, braucht man dich wohl nicht mehr unter Vormundschaft zu stellen. Es geschieht wahrscheinlich auch nicht, da man ja oft Minderjährige auf Antrag früher für volljährig erklärt. Es fragt sich nun, was du zu tun beabsichtigst. Linser Haus steht dir natürlich offen, das machten wir ja aus, aber es gehört sich nach den Gesetzen der Schicklichkeit nicht, dah ihr, Werner und du, vor der Hochzeit zusammen unter einem Dache wohnt." Sie tat nachdenklich: „Das ginge nur, wenn ihr zunächst noch auf die offizielle Verlobung verzichtet. Dann seid ihr eben wie bisher nur Kusin und Kusine. iln& wenn euch auch Eingeweihte für ein zukünftiges Ehepaar halten, seid ihr doch nicht offiziell verlobt. ilnö nur darauf kommt es an." Lil erwiderte leichthin: „Was liegt an der offiziellen Verlobung, die Hauptsache ist doch, dah Werner und ich uns lieben." Die Baronin dachte darüber anders, aber von ihrem Gedankengang durfte sie natürlich nichts verraten. Ihr lag vor allem daran, zunächst eine öffentliche Verlobung zu hintertreiben. Sie fand, das Sprichwort: Kommt Zeit, kommt Rat! war hier am Platze. Solange noch keine Verlobung bekanntgegeben war durch Karten, solange Werner und Lil noch nicht die glatten goldenen Der- lobungsringe trugen, war noch nichts verloren. Solange durfte sie noch hoffen, dcrst es zu keiner Che kam. Es wäre gut für Werner, wenn er sich nicht mit Lil belastete. Wenn sie noch das reiche Mädchen wäre von vordem, hätte die Ehe ja viele Vorteile — so gleichgültig ihr selbst Lil auch war —, aber ein armes Mädel, noch dazu von Lils ziemlich selbstbewuhter Lebensanschauung. schien ihr kein Glück für den Sohn. Ein Mädel, das boxen konnte, das sich in der Rolle eines Clowns gefiel, muhte mindestens sehr reich sein, um sich solche Extravaganzen erlauben zu dürfen. Lil sagte: „Ich fühle mich hier nicht mehr Wohl im Hause, Tante. Alles ist so trostlos und traurig. Fremde Männer kommen und gehen hier herum, wenn es ihnen paht, vor den Zimmern liegen grohe Siegel, die Dienstboten sind schon fast alle fort. Man sagte mir, wenn nicht jemand für Vati als Helfer auftritt, würde hier alles zugunsten der Masse verkauft. Ich mag nicht mehr hierbleiben und ich komme gern mit zu euch, Tante. Werner wird ja ebenso wie ich auf die Verlobung verzichten, wenn du meinst, es gehört sich dann nicht, dah wir unter demselben Dach leben. Mir ist alles recht, nur fort möchte ich hier." Sie atmete schwer, „ilnö doch liebe ich dies Haus. Ich bin doch hier geboren, meine Mutter hat hier mit mir gespielt und ich habe mit Vati Hier so über alle Begriffe glücklich gelebt." Die Baronin erklärte: „Dann packe deine Sachen zusammen und schicke sie zu uns. Meta ist ja noch im Hause, sie kann dir helfen." Lil nickte: „Ich packe sofort, ich habe nicht allzuviel. Meine zwei Pelze habe ich auch der Masse zur Verfügung gestellt, und meine Schmucksachen, ebenso wie die von meiner Mutter, die mir Vati im vorigen Iahre schenkte." Beinahe wäre es der Baronin entfahren: Du bist nicht recht gescheit! Aber sie besann sich. Was hatte es für «inen Zweck, dem verdrehten Mädchen zu erklären, dah sie geradezu blödsinnig gehandelt hätte. Also ihr Schmuck war auch weg. Run war sie das reinste Lumpenprinzehchen. Die gröhte Dummheit wäre es, wenn Werner das Richtchen heiratete. Er, der gesuchte Arzt, der hübsche, grohe Mann, durste sich an die vornehmste und reichste Partie von Frankfurt heranwagen. Sie muhte da etwas aushecken, um das Paar zu trennen. Kommt Zeit, kommt Ratlschwirrte es ihr wieder durch den Kopf. 6. Kapitel. Die unverschämte Zofe? Lil lieh sich von Meta beim Cinpacken helfen, aber ihr fiel auf, die sonst so geschmeidige und ergeben tuende Zofe war heute wortkarg und fast unhöflich. Lil ärgerte sich, als die gewöhnlich so geschickten Hände der Zofe heute Wäsche und Kleider nur nachlässig und schlecht zusammenlegten. Sie tadelte: „Sie packen heute mise- rubel. Meta, ich bin das gar nicht von Ihnen gewöhnt." Metas Augen nahmen den bösen grünlichen Schein an. „Es kommt ja auch gar nicht mehr so genau darauf an, wie ich einpacke. Mit meiner Stellung hei Ihnen ist's doch aus, ob ich die Arbeit gut oder schlecht mache. Sie sollten es jetzt selbst probieren, denn eine Zofe können Sie sich von nun an nicht mehr leisten." Llnverschämt und aufreizend war der Ton, in dem Meta gesprochen hatte. Lil stutzte und sah sie groh an. Sie hatte jetzt wohl grohen Kummer erlitten durch den Tod des Vaters, aber sonst war sie noch so verwöhnt wie vorher, denn bisher war es noch niemand eingefallen, sie mit weniger Höflichkeit zu behandeln. Die meisten Menschen lassen sich vom Schimmer des Reichtums die Augen blenden, sie tun den Deichen schön und behandeln die Armen schlecht. Lil hatte, da sie in diesen traurigen Tagen ganz zurückgezogen gelebt, noch keine Gelegenheit gehabt, die traurige Wahrheit dieser Worte zu erproben. Meta war die erste Person, die ihr einen Beweis davon gab. Lils Augen hingen noch immer befremdet auf dem grobhübschen Gesicht der früher so glatten, gefälligen Zofe. „Ich habe Ihr nachlässiges Packen^ gerügt, Meta, ob ich mir noch eine Zofe leisten kann oder nicht, braucht Sie nicht zu kümmern. Bis heute abend läuft Ihr Dienstverhältnis noch, falls Sie es vergessen haben sollten." Meta hatte vorhin bereits ihr Gehalt bekommen und dazu ein gutes Zeugnis, weil sie ja wirklich tüchtig gewesen. Hm ihre ständige innere Aufsässigkeit wußten nur die anderen Hausangestellten. Lil gegenüber hatte sie sich noch nie gehen lassen. Ieht wagte sie es. „Lind wenn mein Dienstverhältnis, wie Sie sich eben ausdrückten, auch noch eine ganze Woche laufen würde, könnte das nichts daran ändern, datz ich auch mal ein paar ehrliche Worte zu reden wage", begann sie. „Mädels wie Sie kennen ja die Wahrheit nicht, wissen nicht, wie man über sie denkt. Sie sind verwöhnt bis zum Halse, alles konnten Sie bisher kaufen, was Ihnen gefiel, konnten alles tun, was Ihnen paßte. Vaters Geldbeutel war ja groß genug. Da langten Sie mit den Händen so tief rein, wie Sie wollten. Lind Sie konnten sich auch Dienerschaft halten. Dienerschaft ist ja dazu geboren, das Maul zu halten, sonst verliert sie das liebe tägliche Brot. Ra ja, so habe ich auch immer das Maul gehalten, wenn ich Ihnen vor brennendem Reid am liebsten an die Gurgel gefahren wäre." Die grauen Augen schimmerten tückisch und böse. „Llnsereins ist auch ein Mensch und weiß genau wie Sie, was schön und gediegen und bequem ist. Aber unsereins darf bloß immer zugucken und muß dabei helfen, es solchen wie Sie immer noch schöner, noch gediegener und noch bequemer zu machen. Lind dabei vergeht das bißchen 3ugenb! Man hat kaum Zeit, sich umzugucken, ob nicht irgendwo ein Mann steht und wartet und sagt: „Komm mit, sei meine Frau, brauchst nicht mAr Zofe spielen für die verwöhnte Puppe." (Fortsetzung folgt.) Cafe-Restaurant Liebigshöhe Morgen Donnerstag,abends 8.15 Uhr Großes 5191 D Militär-Konzert ausgeführt v. gesamten Musikkorps I.-R. 15 Leitung: Obermusikmeister Krauße »lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllim Machen Sie jetzt eine Bussaat von Winter-Endivien, Kopfsalat, Radies, Rettich, Karotten, Petersilie, Buschbohnen u. Erbsen; Akelei, Maßliebchen, Campanula, Gaillardia, Geum, Bartnelken,Gefüllte Landnelken,Goldlack, Schleierkraut,Pantoffelblumen,Lupinen, Vergißmeinnicht, Silenen, Stiefmütterchen u. Winter-Levkoyen. 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Erwerbslose gegen Ausweis frei. 51970 Deutsche Staatspartei Eine neue Küche gut und billig aus dem Spezial-Geschäft für Küchen-Möbel Küchen-Blum • Gießen • Bahnhofskolonnaden Nr. 162 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 13. Juli 1952 Jugend und Hochschule. Künstlerische Werkstudenten. Von Or. E. H. Lehmann. Zum bevorstehenden Gastspiel der „Vier N a ch r i ch t e r" aus München am Gießener Stadttheater. Immer größer wird die Notlage der Studenten. Die Zeiten der alten Burschenherrlichkeit sind längst Darüber, und ein großer Teil unserer Studenten muß versuchen, sich eine Nebeneinnahme zu ver- schassen. Sa wird jede Gelegenheit, sich etwas zu verdienen, vom Werkstudenten gern ergriffen; in den Angeboten, die heute auch von den Unioersitäts- behorden rveitergeleitet werden, heißt es immer wieder: „... sucht Arbeit, gleich, welcher Art". Die Tragik dieses Studententums liegt darin, daß ein junger Mensch oft längere Zeit in einem Berufe arbeiten muß, der ihm völlig fernliegt. Glücklich dagegen der Student, der schon in seinem künftigen Arbeitsgebiete tätig sein kann! Wer das Gastspiel der Nachrichter aus München miterlebt, wird van der Frische und Begeisterunas- sähigkeit dieser Werkstudenten beglückt fein. Wie erklärt sich der beispiellose Erfolg der jungen Menschen? An einigen großen Universitäten Deutschlands bestehen theaterwissenschaftliche Institute, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, alle Fragen des Theaters zu erforschen. Die Liebe zum Theater bringen die meisten Mitglieder dieser Seminare mit, und so ist es rerständlich, daß man sich auch gelegentlich praktisch betätigt. In Köln, Berlin und München haben sich Gruppen künstlerisch begabter Studenten zusammengefunden, die in gewissen Abständen Theaterabende veranstalten. Studentische Feste werden oft von den Darbietungen der Theaterwissenschaftler umrahmt. Der Leiter des Münchener Theaterinstitutes, Professor Arthur Kutscher, dessen 25jähriges Do- zentenjubiläum in diesen Tagen gefeiert wird, hat eit vielen Jahren einen Kreis junger Menschen um ich geschart. Viele unserer führenden Theaterleute ind durch seine Schule gegangen, und seinem (Ein- lusse ist es vor allem zu danken, wenn diese Mün- chener Studenten nicht nur schauspielerisch, sondern auch dichterisch tätig sind. Das erfolgreiche Stück „Hier irrt Goethe" war ursprünglich nur eine der Aufführungen, die die Münchener Theaterwissenschaftler — wie all- jährlich — ihrem verehrten Lehrer zum Faschings- feste darbrachten. Daß man alles selbst dichtete, komponierte und in Szene setzte, war seit langer Zeit Ehrensache. Hatte man damals die amerikanische Oberammergaubegeisterung parodiert, so mußte in diesem Jahre unbedingt der .Litsch um Goethe" durch Songs und Pantomime veranschaulicht werden. Und als die Kritik voll des Lobes war — als dann einem (Engagement an die Münchener Kammerspiele der Ruf an das Berliner Renaissance- theater folgte, legten diese Münchener Studenten mit Freuden ihre Kolleghefte beiseite, um vorläufig nur zu spielen — und was nicht zu vergessen war, Geld zu verdienen für das weitere Studium. Die Auseinandersetzung mit dem Herrn Papa war ja teilweise recht unangenehm — aber bitte: einer der Freunde hatte soeben promoviert und war stellungslos. „Der Doktortitel bringt uns heute auch nicht vorwärts" — was zu beweisen war! Schon haben die „Nachrichter" neue Pläne. Ich glaube, nächstens sollen die „Gruselfilme" dran- kommen. Oberstes Gesetz ihres Schaffens ist: „Unpolitisch und sauber!" Jeder zweideutige Witz ist verpönt. So viele Studentengruppen suchen durch Sprechchöre ihre politische Meinung kund zu tun. Das ist aber nicht mehr Kunst — das lehnen die Nachrichter ab. Vierzig Gastspiele gaben die Münchener Studenten in Berlin. Welch ein Theatererfolg in unserer Zeit! Im Parkett saßen oft „Prominente" und staun- ten über das Publikum, das zwei Stunden glücklich war. Bedroht ein solches Laienspiel etwa gar „das Theater"^ Nein! Die Wirksamkeit liegt allein in der uralten Weisheit, daß wirkliches Theater nur dann erfolgreich fein kann, wenn das gemeinsame Erlebnis von Spielern und Zuschauern vorhanden ist. Diesen Münchener Studenten fehlt jede Gerissenheit — sie sind Laienspieler im besten Sinne und verkörpern gleichzeitig glücklich eine Studentenschaft, die sich nicht an falscher Romantik berauscht, sondern mit lebendigem Auge ihre Zeit betrachtet. Die „Vier Nachrichter" aus München und all die andern Studenten, die in ihrem Sinne wirken, sind wahre Künstler — sie haben eine kulturelle Aufgabe! OieRöntgen-Giadt Lennep. Don Otto Sosimann. Lennep, die frühere Hauptstadt des Bergischen Landes und heute durch das Eingemeindungs- geseh zu einer Dorstadt Remscheids geworden, ist infolge seiner eigenartigen Entwicklung eine der interessantesten Städte Deutschlands. Wann die Stadt gegründet wurde, ist heute nicht mehr festzusteUen, da in wiederholten Bränden alles wertvolle urkundliche Material vernichtet wurde. Wahrscheinlich haben Missionare, die von Köln nach Borden zogen, an dem Kreuzungspunkt zweier uralter, aus der Bodengestaltung entstandener Verkehrswege Kloster und Kirche erbaut, und im Umkreise um diese ist dann allmählich die Stadt erwachsen. Bach dem großen Brande im Jahre 1746 wurden die Häuser auf den Grundmauern der abgebrannten Grundstücke neu errichtet, und so zeigt auch heute noch die Altstadt m t ihren winkeligen, heimeligen Gassen und alten bergischen Schieferhäusern das typische Bild mittelalterlicher Ringbebauung. 3m Lause der Jahre, besonders des vergangenen Jahrhunderts, hat die Stadt eine ste^e Aufwärtsentwickelung genommen. Als die Eisenbahn aufkam, wurde Lennep der Mittelpunkt der für das Bergische Land wichtigsten Eisenbahnlinien und dehnte sich in den guten Zeiten nach dem Kriege 1870 71 immer weiter aus. Das östlich an die Stadt anschließende Gebiet wurde städtebaulich erschlossen, und heute ist die eigentliche Altstadt zu einem reinen Geschäftsviertel geworden, während in weitem LImkreis an den Berghängen und in den Tälern neuzeitliche Siedlungen in malerischen Gruppen sich hinziehen. Dazwischen sind überall schöne Grünanlagen geschaffen worden, der Lenneper Stadtwald bietet wundervolle Erholung. auf dem neuerbauten Stadion tummelt Akademisches Arbeiissanaionum. Ein Werk deutscher Studenten in der Schweiz. Don Or. Hermann pörzgen. Auf der ersten Schweizerischen Hygiene- und Sportausstellung befand sich eine kleine Sonderschau „Arbeitstyerapie", die deshalb unsere Anteilnahme verdient, weil hier eine Leistung gezeigt wurde, die ganz auf der Initiative und Willenskraft deutscher Studenten beruht. In der gemeinnützigen deutschen Heilstätte, Sanatorium Agra (am Luganersee), die mit dem Deutschen Studentenwerk in engster Zusammenarbeit steht und in der sich ständig etwa vierzig bis fünfzig tuberkulös erkrankte Kommilitonen zur Genesung befinden, in dieser Heilstätte wurde vor etwa anderthalb Jahren die Einrichtung geschaffen, durch die nun Agra an der Spitze der Mit- telftanbsorganifatorien steht, das „Arbeitssanatorium". Das Arbeitssanatorium, dessen Organisator ein deutscher Student ist, Diplomoolkswirt Kurt Alexander, legt auf der Schweizerischen Hygiene- und Sport-Ausstellung zum erstenmal Rechenschaft über seine bisherige Tätigkeit ab. Der Gedanke der Arbeitstherapie — in Holland, Italien und vor allem in der Schweiz für ehemals werktätige Patienten schon lange bewährt — dieser gute Gedanke wurde in Agra zum erstenmal auf Intellektuelle angewandt. Es ist von vornherein klar, daß bei diesen mit manueller und körperlicher Beschäftigung nicht viel erreicht werden kann. Bei ihnen, die den seelischen Schädigungen durch lange Kur, der „Zauberbergatmosphäre" am stärksten ausgesetzt sind, bei ihnen kommt es vielmehr auf Erhaltung der geistigen Spannkraft an. Zwei Grundsätze werden durch die Schau von Agra betont: Die Forderung absoluter Marktfähigkeit der Erzeugnisse und die Durchführung rklicb vollwertiger Entlohnung. Sie werden in der Ausstellung deutlich zum Ausdruck gebracht. Im Vordergrund stehen Erzeugnisse der in Agra bestehenden Abteilung für Uebersetzung und wissenschaftliche Hilfsarbeiten, eine ganze Vitrine voll Uebersetzungen, .Registerarbeiten usw., die von Patienten des Arbeitssanatoriums ausgeführt worden find. Dies Material hat seine Marktfähigkeit schon erwiesen. Es ist gedruckt. Ueberschaut man die Reihe der Bücher und Werke, an denen kranke Studenten als Uebersetzer, Bearbeiter, durch Entwürfe und Lichtbildbeitrage mitgearbeitet haben, so gewinnt man ein imponierender Bild. . Es gibt feine andere Heilstätte bisher, m der für Patienten, zum Zwecke des geistigen Trai- nings, intelleftueUe Arbeit systematisch beschafft und vergeben wird. Auch in der Frage vollwertiger Entlohnung legt diese Sonderschau überzeugend Rechenschaft ab. „Das Sach- und Personenregister dieses Werkes", heißt es bei einem ausgestellten Buch, „(S. 393—404) haben drei Studierende während der Kur bei uns in 87 Arbeitsstunden hergestellt. Lohn: 25.— und 80— und 70— Franken, zusammen 175— Franken." Aehnlich die übrigen Inschriften. Auf einer besonderen Plakette kündet das Arbeitssanatorium an: „Zurzeit bearbeiten wir das Generalregister der Zeitschrift für Tuberkulose, die letzten zehn Jahrgänge, eine riesige Arbeit von etwa 20 000 Stichworten, die eine ganze Gruppe von Patienten mehrere Monate Tag für Tag beschäftigt." Es versteht sich, daß Agra sich die Gelegenheit nicht entgehen läßt, im Rahmen dieser Zusammenstellung auch für die Abteilung „Aeber- sehung und wissenschaftliche Hilssarbeiten" zu werben. Eine Plakette propagiert: „Die Lleber- setzung, die wissenschaftliche Hilfsarbeit eignet sich hervorragend als Heilstättenarbeit und sollte zum Reservat der lungenkranken 3ntellektuellen gemacht werden!" 3n lebendiger Weise hat Agra die Erzeugnisse dieser intellektuellen Arbeitstherapie durch bildliche Darstellungen ergänzt. Patienten bei der Ausarbeit eines Buchregisters, bei Llebersehun- gen, Sprachkursen, dann aber auch bei rein manuellen Arbeiten: Buchbinden, Weben, Schneiderarbeiten und kunstgewerblicher Tätigkeit. Auch Erzeugnisse einer Abteilung „Kunstgewerbe und Handarbeit" liegen übrigens in einem umfangreichen Photoalbum für den Beschauer vor. Der Eindruck, den diese Schöpfung deutscher Studenten auf der Schweizerischen Hygiene-Ausstellung hinterläßt, ist imponierend. Ern Stuck deutscher Kulturpropaganda in der Schweiz. Lind nicht nur das, für die ganze Frage der Behandlung langwieriger Krankheiten steht diese Schau als neuer, wertvoller Beitrag da. Denn hier ist zum ersten Male dargetan, daß es auch für den erkrankten geistigen Arbeiter einen Weg zur Erhaltung der seelischen Energien gibt. Lind hier ist ein weiterer Schritt getan, hinter dem der Anspruch des Kranken auf fein Heilmittel steht. Bämlich das Arbeitssanatorium fordert: Das Recht des Kranken auf Arbeit! Deutscher Gtudentenspiegel. Don Or. Kurt Bock. 1598 Wittenberg. Enge Gasse windet sich bergan zwischen frer- winkelten Häusern, deren bunte Giebelnasen srch fast aneinanderlehnen. 3n einer Hoftür flackert eine verstaubte Laterne. Zwei Jungen in verschlissenen Kleidern darunter. Der eine greift aus grober Laute verstimmte Akkorde, der andre hält ein fleckig Pergament in der Hand; und sie singen. Hoch oben springt ein Butzenfenster auf, voraus gucken mit hellem Lachen zwei Blondköpfe imb auf dem Holperpflaster klingen dürftige Münzen. Die Scholaren Winken Dank mit dem Barett und drücken sich weiter. Gegenüber aus dem Wirtshause „Zum güldin spieß" juchheit die lärmende Zechfreud': „Meum est propositum in taberna mori, ubi vina proxima morientis ori.“ In der Burse harrte der Magister heute wieder einmal vergeblich, daß das Välklein seiner studentes sich vollzählig versammle. Dor dem Lehrstuhl jedoch werden sie morgen hocken, von der neuen „reinen Lehr" zu hören und sie in ihren Liedern zu ver- breiien. 1815 3ena. Vor der Zeise stehen breitbeinig die Studiosen im Kreis, mit hohen Hüten, langen Röcken, die gewalttge Quastenpfeife oder den zerschnitzten Ziegenhayner in Händen. 3n Marktes Mttte, zu Füßen des Harrfried liegen zwei Burschen aus zur Etoßmensur; die Sekundanten springen ein mit dem Knotenstock, ilnterm Fuchsturm tafelt die Burschenschaft, hoch in den hölzernen Länzchen schäumt der Lichtenhayner Stofs, und ferner über die üppigen Waldwipfel jubelt ein Lied: „Als Bursche trägt er stets bei sich die Zierde, die ihm gnügt, den Hieber, der sich fürchterlich an seiner Seiten wiegt. Weh dir, wenn du dich zu ihm drängst tm parfümierten Rock, er schimpfet dich Pomadenhengst, dir droht sein Knotenstock! Es lebe jeder deutsche Mann, der, wie er denkt, auch spricht! Wer je auf Trug und Bosheit sann, verlösche wie ein Licht!" Schlichte, graue Jacken tragen die Wandrer, die ersten Turner, die unter Jahns Führung durch Deutschland ziehen. 19 00 Cambridge. Die siebzehn Colleges vom Cambridge bilden ein abgeschlossenes Städtchen, in das der Besucher durch gotische Portale eintritt. Die Col- legienhäuser umschließen blumenbunte Höfe, in denen leise Brunnen rieseln. Die Llniversität zieht sich am Flüßchen Cam hinab. Das Speisehaus mit seinem großen Saal zeigt sich reich geschmückt mit den Bildnissen der Männer, die Cambrrdge zu seinen Schülern zählt: Bacon,' Rewton, Byron Milton... Das älteste College Peterhouse wurde 1257 gestiftet. Trinity College deht sich am größten; ihm gehören ungefähr achthundert men (Studenten) der dreitausend under- graduates an, die in den einzelnen Hausern unter ihrem besonderen master (Rektor) und ihren fellows (Professoren) studieren. Sonntags findet Gottesdienst in der Jesus College Chapel statt; ihm beizuwohnen, in ihren surphees, weißen Talaren, sind die Studenten verpflichtet. Die Geistlichkeit im Ornat, die Chorknaben lateinische Hymnen singend; die Highchurch unterscheidet sich im Ritus wenig von der katholischen Kirche. Auf der Cam liegen die Ruderboote im scharfen Training für die Mai-Regatten. Am Ufer spielt man (Triefet und Fußball. Der englische Student schenkt alle Freizeit dem Sport: Parforcejagd, Kunstfahren, Autotouren, alles betreiben die men, ihr Ziel ist. Höchstleistung, Sieg im Hochschultreffen. 1905 Brooklyn. Razzle—dazzle! Hobble—gobble! Zip—bum— ah! Rah—rah—rah! Hipzoo!“ Diese liebliche Stu» dentenschnurre, dieser cry, erschallt von dem Rasen- Platze der Columbia-University, wo die jungen Leute beim Fußballspiele schwitzen, sich im Ringkampfe wälzen, im Reiten üben. Abends findet im Theater eine Aufführung der „Antigone" statt von den Studenten agiert; auch die weiblichen Rollen werden von ihnen beseht. Die „Füchse", dem Brauche folgend, alle glatt rasiert und geschoren, haben eine Kapelle gebildet und spenden eine ohrenbetäubende Ouvertüre; Pauke- und Trommelschlagen scheint auch eine beliebte Krast- leistung zu bilden. Der amerikanische Student ist ein Mann rastloser Betätigung. Ihrer einer trug von Mitternacht bis in den grauen Morgen Milch aus, drückte die Bänke der medizinischen Fakultät; abends bis tief in die Rächt studierte er daheim; nur Samstags gönnte er sich tiefen Schlaf; sechs Jahre führte er dieses Leben der Arbeit und Entbehrung durch, bis er im Jahre 1891 fein Diplom errang: fein Rame ist,C o o k, er entdeckte den Rordpol. 1908 Berlin. Die Paukanten der zwölften Partie sitzen sich gegenüber und werden vom Faxen anbandagiert. Die Luft hängt dick vom Rauch und Blutdunst. Füchse fteben am Fenster und betrachten scheu und neugierig die Dessinkiste und Linkserbrille, mit der sie soeben geleimt wurden. „Silentium 1" — „Mensur — Fertig — Los!" Klingen rasseln, Schlägerglocken dröhnen. Die ©tuRenten stehen starr da. Keine Miene zuckt, durch die Paukbrille leuchten die Augen, die Faust wirbelt den Speer. Das Füchslein weih nicht recht, was es s agen und denken soll, als das Blut seines Leibburschen über Band, Schurz und weihe Hose in die Sägespäne rinnt. Kling—ling—ling! schmettert die Alarmglocke. Die Wirttn kreischt: „Polizei!" Paukanten und Sekundanten sind spurlos zerplatzt. Der befruftete Mensurteppich rollt in die Ecke, und als das Fettauge des Gesetzes hereinspäht, erblickt es eine fröhliche Kneip täfel: bunte Mühen winken ihm entgegen, und feierlich ertönt das Klavier: Stille Rächt, heilige Rächt... 1912 Heidelberg. Vom Berge glüht die Farbenpracht des jubelnd erleuchteten Schlosses durch die Rächt, Funken und Raketen schwirren am Himmel und das Rot- seuer spiegelt sich in den silbrigen Fluten des Reckar, auf dem sich Boote mit Satementetten schaukeln. sich die bergische Jugend, und vor wenigen Jahren erst wurde die Ringstraße als Llmgehungs- vftrafoe ausgebaut, deren Bedeutung weit über das örtliche Interesse hinausgeht. Diese Straße dient dem Durchgangsverkehr von Schwelm mit seinem westfälischen Hinterlande, bzw. von Radevormwald und dem Sauerland nach Remscheid, Solingen, Düsseldorf und Köln. Auch der Verkehr von und nach Wuppertal kann um die Altstadt herumgeführt werden, und so hat Lennep, vielleicht als eine der ersten Städte, Dem Durchgangsverkehr freie und gefahrlose Bahn und staubfreie und geräuschlose Wege geschaffen. Reben dieser fortschreitenden städtebaulichen Entwickelung Lenneps, das über den engen Rahmen der mittelalterlichen Innenstadt längst weit hinausgewachsen ist, hat die kleine Stadt neuerdings noch eine besondere Bedeutung gewonnen. Am 27. März 1845 erblickte in Lennep Wilhelm Conrad Röntgen, der Entdecker der X-Sttahlen, nach ihm „Röntgen-Strah- l e n“ benannt, das Licht der Welt. Röntgens Geburtshaus steht noch heute. Am 30. Rovember 1930 wurde dem großen Forscher zu Ehren in Lennep ein Denkmal errichtet, das eine Fackelträgerin, den Genius des Lichtes, xeigt. Eine Straße wurde nach ihm benannt, und das Lenneper Realgymnasium erhielt den (Hamen: „Röntgen-Realgymnasium". Schließlich wurde beschlossen, in dem schönen bergischen Patrizierhaus hinter dem Röntgen-Denkmal ein Röntgen-Museum einzurichten, das seiner Vollendung entgegengeht und demnächst eingeweiht werden soll. Das Röntgen-Museum enthält zunächst ein Röntgen-Gedächtniszimmer, in dem Bilder des Forschers und einige Schriftstücke von feiner Hand (sein schriftlicher Rachlaß mußte nach dem Testamentsbeschluß vernichtet werden), vor allem aber eine reichhaltige Geschichte der Familie Röntgen untergebracht sind. Ein weiterer Raum ist berühmten bergischen Aerzten gewidmet. Man findet hier Schriften und Bilder vom Hofarzt Weyer, dem ersten Dekämpfer des Hexenwahns, von dem berühmten Chirurgen F a o r i c i u s, von Jung-Stil- ling, dem Freunde Goethes, von Pollender, dem Entdecker des Milzbrandes, und viele andere mehr. Alles, was über die Geschichte der Heilkunst im bergischen Lande zusammengetragen werden kann, soll hier Aufnahme finden. In einem weiteren Raum wird der Versuch gemacht, das auf den verschiedenen Gebieten der Röntgen-Literatur erschienene Schrifttum in einer Röntgen-Bibliothek zu sammeln. Dann wird in drei Räumen die Entwickelung der Röntgen-Technik (Röhren und Filme), sowie die Bedeutung der Röntgen-Strahlen für Diagnostik und Therapie dargestellt. Die nächsten Räume veranschaulichen die Bedeutung der <5trabten für die Industrie und für gewisse Rebengebiete, z. D. für die Kunst (Aufdeckung von Dildfälschungen, üe&ermalungen usw.), und schließlich ist noch ein Raum für die Tagungen der Rheinisch-Westfälischen und der Deutschen Röntgen-Gesellschaft, die die Hauptträger des Museums find, als Sitzungszimmer eingerichtet worden. Das schon jetzt reichhaltig ausgestattete Museum wird besonders geeignet sein, den Jüngern und Freunden der Röntgen-Wissenschaft wertvolle Aufklärung über das Wirken des großen Forschers und die weltumspannende Bedeutung seiner Arbeiten zu vermitteln. Wenn die Stadt Lennep auch heute ein Vorort der größeren Stadt Remscheid geworden ist, so verleiht die Tatsache, daß sie der Geburtsort eines der größten Deutschen ist, ihrem (Kamen unvergänglichen Ruhm. Ein Abglanz dieses Ruhmes fällt auch auf Remscheid, das nunmehr den großen Forscher ebenfalls als sein Stadtkind bezeichnen darf. Aber die eigentliche Röntgen- Stadt wird immer Lennep bleiben. Jauchzender Gesang schwingt durch die Luft. Aus den Kneipsälen erklingt Jugendfrohsinn; durch die geöffneten Fenster weht der warme Mai herein, zu vollen Zügen schäumt der Gerstensaft. Was schadet auch im langen Rausch der Jugend ein kleiner Kater? 1 9 2 4 Stadion. Startschuß. pfeilgleich losgeschnellt von gespannten Fußsehnen wirbelt die Läuferreihe, Auge und Wille dem Ziel entgegen. Schon zerfällt sie, der Dritte stößt §ur enteilenden Spitze vor, überholt, lächelnd, überflutet vom rauschenden Ruf der Zuschauer. Das Band flattert hinter ihm. Studentensieg! — Aus der stillen, geduldigen Kleinarbeit der Lln- zahl von Verbindungen, aus den Wettkämpfen der Hochschulen und Verbände, aus zäher Schulung ttotz wirtschaftlichem Zwang zu beeiltem Examen, trotz Mütze und Mensur treten immer wieder, immer neue, immer mehr Kämpen aus der Studentenschar, die zu Deutschlands Ehre die Lorbeeren der Welt gewinnen. Hinter ihnen steht das Feld der Jungen, die mit ihnen streben zur gesunden Einheit von Körper und Geist, die nacheifern den Vorbildern, die immer noch und in tieferem Sinne das „Deutschland, Deutschland über alles!" fingen, dessen Mär sie 1914 vernahmen. Sie marschieren: das neue Geschlecht, unsere Zukunft. Sod)fd)ulnad>rWen. Für das neue Amtsjahr 1932/33 ist der ordentliche Professor der wirtschaftlichen Staatswissenschaften Dr. Wilhelm Gerloff zum Rektor der Universität Frankfurt gewählt worden. Die durch die Emeritierung von Professor Lehmann erledigte ordentliche Professur für Hygien« an der Universität Würzbur g ist dem Professor Goetten an der Universität Münster angeboten worden. Die Privatdozentin für Pharmakologie und pathologische Physiologie an der Hamburgischen Universität, Dr. Klothilde Go11witz er - Meier ist zum nichtbeamteten ao. Professor ernannt worden. In der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität R o st o ck ist der Profesior für Deutsches Recht Waller H a 11 ft e i n zum ordentlichen Professor ernannt worden. Wirtschaft. Denken Sie an Stoffe, denken Sie an L Bernard Verlagsbuchhändler Otto Roth Gießen (Liebigstraße 64), Riedgefleld (Irvington, USA.), 13. Juli 1932. Die Trauerfeier fand in der Stille statt 041981 Gießen, Berlin und Leipzig, den 13. Juli 1932. 5211 Gießen, den 13. Juli 1932. 5212 D 5210 D billigst e”‘D Telephon 3627 Südanlage 20 5133 D e Beileidsbesuche dankend abgelehnt — Die Beerdigung findet am Freitag, dem 15.Juli, 15 Uhr, von der Neuen Friedhofskapelle aus statt wirksame Werbe-Drucksachen liefen di* Brühl'sche Druckerei Dienstag abend x/t7 Uhr verschied sanft, kurz vor Vollendung des 83 Lebensjahres, der Senior der Familie Roth, unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater M.CH.Mühlstein Sackfabrik Gießen Telephon Nr. 2132. Frische Seefische <£♦ G. ^leittbenu Bahnhofstraße 61 5209 d Telefon 3866 Faltboot-Bau Führendes Unternehmen sucht für Gießen solventen Vertreter. Besuch erfolgt durch General-Vertreter. Schriftliche Eil-Angebote unter 04202 an den Gießener Anzeiger erbeten. In tiefer Trauer; Fritz Roth Otto Roth Martha Gutschmidt, geb. Roth Emmy Roth, geb. Zinßmann Else Roth, geb Lindig und 7 Enkelkinder Danksagung. Für die vielen Beweise wohltuender Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen sagen wir herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Friedrich Lenz, Schreinermeister. Gestern ist nach einem schaffensreichen Leben unser allverehrter Seniorchef Herr Verlagsbuchhändler Otto Roth nach längerer Krankheit sanft entschlafen. Sein eisernes Pflichtbewußtsein, seine nie erlahmende Energie und sein bestes Wollen werden uns stets ein Vorbild sein. Unser Gedenken soll darin bestehen, an dem von ihm geschaffenen Lebenswerk in seinem Sinne weiterzuwirken Möbelstoffe, Drelle, Roßhaar, Kapok und Bettfedern in größter Auswahl zu heutigen Tagespreisen! Spezialwerkstätten Gebr. Seelbach Jetzt ist die Zeit für Ofenreparaturen! Ich kann Ihnen die nötigen Ersatzteile prompt liefern und Sie haben dann Ihren Ofen bet. den ersten kalten Tagen betriebsfertig. — Postkarte oder Telephonanruf zur Nachricht genügt. 6119A Göflflt Boiraiann, 6lfenf)öis.> lei. 4165 Am Sonntag, 10. 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Juli 1932. 04213 Frische Seefische ZlslMel leb. 5 Wen M.1.05 so lange Vorrat reicht, empfiehlt 1 loch Nachfolg. MtLusburg 15 Tel. 3612 5204 D Während der Ferien erneuert man am besten seine Polstermöbel und läßt Matratzen u. Bettwerk aufarbeiten Oberheffen. Bürgermeisterwahl in Butzbach. pb. Butzbach, 12. Juli. In der heutigen Stadtratsfi tzung beantragte Stadtratsmitglied Link mann (SPD.), den Punkt 4 der Tagesordnung (Wahl des Bürgermeisters), zuerst zu erledigen. Gegen die Stimmen der Nationalsozialisten wurde der Antrag angenommen. Darauf erfolgte zunächst ein kleines Geplänkel mit Beigeordneten Dr. Schmidt roegen seiner Kandidatur. Dann schlug Professor Dr. Weide den Bürgermeister Dr. Scheller-Franzburg zur Wahl als Bürgermeister vor, Stadtrat Oppenheimer den abgesetzten Bürgermeister Georg Zwilling-Mörfelden und Stadtrat Weichert den Beigeordneten Dr. Schmidt-Butzbach vor. Stadtrat Professor Werner beantragte allgemein« Aussprache über die vorgeschlagenen Kandidaten, die jedoch mit Stimmenmehrheit abgelehnt wurde. Hierauf erklärte Werner, daß die Ablehnung des Antrags gegen das demokratische Prinzip verstoße und verließ mit den anderen Nationalsozialisten den Sitzungssaal. Bei der nun oorgenommen-en Wahl erhält Dr. S ch e l l e r - Franzburg 13 Stimmen, Zwilling-Mörfelden 1 Stimm«, außerdem wurden zwei weiße Zetter abgegeben. Somit ist Dr. Scheller mit Stimmenmehrheit zum B ü r - germeister von Butzbach gewählt. Dr. Scheller ist geborener Kasseler und 38 Jahre alt. Er besuchte die höhere Schule zu Gießen, ging mit Primareife ab, wurde zunächst Kaufmann, nahm am Weltkrieg teil, wurde gefangengenommen und kam als Austauschgefangener nach Daoos. Dort holte er das Maturum nach, studierte später in Marburg, wo er den Dr. rer. pol. erwarb. Nach Betätigung im Verwaltungsdienst wurde er im Jahre 1928 zum Bürgermeister von Franzburg '(Pommern) gewählt. Landkreis Gießen. ch Großen-Linden, 12. Juli. Die hiesige Ortsgruppe der NSDAP, veranstaltet am Donnerstagabend hier auf dem hochgelegenen Loh eine Sonnenwendfeier. Redner ist Studienrat Dr. H e n ß von Gießen. 4 Treis a. d. Lda., 12. Juli. Gegenwärtig find in den Wäldern links vom Totenberg von früh bis spät viele damit beschäftigt, Heidelbeeren zu pflücken. Nicht nur hiesige Einwohner, sondern auch viele Erwerbslose aus den umliegenden Ort- schäften sind täglich anzutreffen. Soweit sie die Beeren nicht zum Eigenverbrauch benötigen, setzen sie diese in den abseits gelegenen Gebieten ab. Die Beeren sind infolge der feuchten Witterung während ihrer Entwicklung durchweg voll und kräftig ausgebildet und zahlreich vorhanden. toller waren etwas freundlicher. Am Markte der festverzinslichen deutschen Werte lag heute gleichfalls allgemein Angebot bor; die Rückgänge betrugen in der Regel bis zu 1 Prozent, bei Reichsschuldbuchforderungen bis zu 2 Prozent. Reichsbahnvorzugsaktien büßten 0,5 Prozent ein und gaben im Verlaufe weitere 0,4 Prozent nach. Frankfurt schwächer. Frankfurt a. M., 13. Juli. (WTB. Drahtmel- düng.) Im Anschluß an die schwächere Abendbörse setzte sich auch zu Beginn des heutigen Börsenverkehrs der Kursaboau fort. Die innerpolitische Besorgnis und die Ungewißheit über das Schicksal der Lausanner Abmachungen vor dem Reichstag bewirkte bei der Spekulation st g.r k e Zu - r ü ck h a l t u n g , so daß das herauskommende Material nur zu 1 bis 2 Prozent niedrigeren Kursen Aufnahme fand. Neben diesen Momenten machte der zweite Quartalsbericht der JG.-Farbenindustrie, der eine weitere Geschäftseinengung verzeichnet, einen ungünstigen Eindruck, ebenso wie die schwächere Tendenz der Auslandbörsen und das weitere Angebot am Rentenmarkt verstimmte. In JG.-Farben lag etwas größeres Angebot vor, so daß der Kurs um 1,5 v.H. zurückging, auch Scheideanstalt verloren 1,40 v.H, Am Elektromarkt betrugen bje Abschwächungen von 1,5 bis 2 v. H. Don Montanwerken setzten Gelsenkirchen und Rheinstahl je 1 o. H. niedriger ein, und auch Stahlverein blieben trotz des günstigeren Quartalausweises nur knapp behauptet. Don Kaliwerten lagen Aschersleben wieder 4 v. H. schwächer. Niedriger eröffneten ferner Reichsbank, Holzmann und Schiffahrtsaktien bei Rückgängen bis zu 1 v. H. Anderseits konnten sich Leonhard Tietz um 1 o. H. erholen. Zellstoffwerte blieben gut behauptet. Am Anleihemarkt lagen besonders Altbesitz und Reichsschuldbuchforderungen mit Verlusten bis zu 1 v.H. schwach. Auch Neubesitz gaben 6,5 v.H. nach. Am Pfandbriefmarkt überwog auch heute das Angebot, und die Kurse wurden erneut von 0,5 bis 1 v.H. schwächer taxiert. Frankfurter Getreidebörse. F r a n k f u r t a. M., 13. Juli. Es wurden notiert: Weizen 255 bis 253,50 Mark, Roggen 215, Sommergerste für Brauzwecke 170 bis 180, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschweizen) 38,15 bis 39,05, Weizenmehl (niederrheinifches, mit Austausch- wehen) 38,15 bis 38,80, Roggenmehl 28,50 bis 29,25, Weizenkleie 9,15 bis 9,25, Roggenkleie 9,25 Mark. — Tendenz: matt. Berlin schwach und unregelmäßig. Berlin 13. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die Börse zeigte weiter stimmungsmüßig ein unver- fennbar schwächeres Aus sehen, was allerdings, wohl hauptsächlich infolge des kleinen Geschäftes, kursmähig weniger stark zum Ausdruck kam. Immerhin waren Abschläge bis zu 1 Proz. gegen den gestrigen Schluß recht häufig. So lag eine ganze Reihe verstimmender Momente vor, die beim Publikum und der Spekulation starke Zurückhaltung auslöste. Der 2. Quartalsbericht der JG.-Farben, der von einer weiteren Geschäftsschrumpfung schrieb, die Abschwächungen der gestrigen Reuhorker Börse, die Erklärung Cham» b e r J a l n & im englischen Unterhaus, daß England vorerst nicht die Absicht habe, zur Goldwährung zurückzukehren, sowie die allgemeine Unsicherheit bezüglich der Weiterentwickelung der politischen Situation in Deutschland waren solche äln- sicherheitsfaktoven. In Dörsenkreisen bespricht man die Aussichten der Ratifizierung des Lausanner Abkommens in den einzelnen Ländern, besonders in Deutschland und Frankreich; bei diesen Diskussionen kommt eine recht wenig zuversichtliche Auffassung zum Vorschein. Auch die Pläne des Arbeitsministers werden nicht besonders freundlich beurteilt. Stärker gedrückt waren Deutsche Erdöl, Hoesch, Stolberger Zink, Ilse Genuhscheine, Sarben, Contigummi, Deutsche Linoleum, eine Reihe von Elektro- und Gaswerten, Maschinenbauunternehmungen, Demberg, Polyphon und Reichsbank. Mit Minus-Minus-Zeichen erschienen Westeregeln und Hamburg-Süd. Die Verluste der genannten Werte gingen bis zu 3,65 Proz., Chadeaktien waren 4,50 Mark niedriger. Auf der anderen Seite waren Werte, wie Norddeutscher Lloyd, Dortmunder Llnion, Leonhard Tietz und Rütgerswerke bis zu 1,50 Prozent gesteigert. Bei dem letztgenannten Papier verwies man auf die Vorgänge in der gestrigen Generalversammlung. 2km Verlaufe war die Tendenz recht unregelmäßig. Einerseits wirkten sich die angeführten Momente weiter aus, und eine große Anzahl von Werten, insbesondere Kalipapiere, büßten bei kleinsten Umsätzen bis zu 2,5 Prozent ein. Anderseits waren aber Gelsenkirchen stärker gefragt und um 1,25 Prozent gegen den gestrigen Schluß befestigt- Diese Sonderbewegung bot auch den übrigen Märkten eine gewisse Stütze. Deutsche Anleihen lagen sehr schwach. Auslandrenten lagen still und etwas schwächer. Ana- Zustizbürobeamten-Taglmg. • Frankfurt a. M., 12. Juli. Der Ver- band Hess. Zustizbürobeamten hielt am Sonntag seine diesjährige Hauptversammlung in Frankfurt a. M. ab. Der erste Vorsitzende, Justiz- sekretär Schäfer (Darmstadt), eröffnete die gut- besuchte Versammlung und begrüßte die Delegierten und Gäste. Auch die diesjährige Tagung stand, wie diejenige des Vorjahres, im Zeichen der Rot- verordnungen. AuS dem Geschäftsbericht des Vorsitzenden ging hervor, daß der Verband alles getan hat, damit sich die Lage feiner Mitglieder nicht weiter verschlechtere. Bei der fortgesetzt steigenden Rot des deutsches Volke- und der dadurch hedingten schlechten finanziellen Lage des Staates, mußte der Verband seine Tätigkeit auf die Abwehr unsozialer und vor allem ungleicher Belastung seiner Mitglieder beschränken. Rach Beratung der eingegangenen Anträge erfolgte die einstimmige Wiederwahl des seitherigen Vorstandes. Die Versammlung dankte dem Vorstand für die geleistete schwierige Arbeit in schwerer Zeit. Als Tagungsort für die nächste Hauptversammlung ist Bad-Rauheim bestimmt worden. Kammerwahlen der Marburger Studentenschaft. H Marburg, 12. Juli. Unter zahlreicher Beteiligung fanden heute die Wahlen zur Kam- merder Allgemeinen Marburger Studentenschaft statt. Die vier eingereichten Wahl- Vorschläge hatten folgende Ergebnisse: 1. National- sozialistischer deutscher Studentenbund 1511 Stimmen = 24 Sitze; 2. Ring deutscher Studentinnen 112 Stimmen = 2 Sitze: 3. Nationaler Block 560 Stimmen - 9 Sitze: 4. Ueberparteiliche Arbeitsgemein, schäft katholischer Korporations. und Freistudenten 201 Stimmen = 3 Sitze. Wahlberechtigt waren 3835 Studierende. Im Vorjahr entfielen auf Liste 1 = 21, Liste 2 = 1, Liste 3 - 11 und Liste 4 = 3 Sitze. Eine Professur für Arbeitsbeschaffung, Arbeitsdienst und Siedlung gefordert. * Marburg, 12. Juli. Die Kammer der Allgemeinen Marburger Studentenschaft hat am 11. Juli folgenden Antrag ihres Vorstandes einstimmig angenommen: „Die Allgemeine Marburger Studentenschaft bittet Rektor und Senat der Philippsuniverfität, beim preußischen Ministerium für Wissenschaft Kunst und Volksbildung die Einrichtung einer Professur für Arbeits- beschaffung, Arbeitsdienst und Siedlung zu erwirken." Das Personal der Firma Emil Roth, Verlagsbuchhandlung und hessischer Schulbuchverlag, G. m. b. H. Gießen, den 13. Juli 1932 Mersvereinlgung 1875-1925 Unser lieber Alterskollege Wilhelm Rieb ist aus unserer Mitte geschieden. Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag 4 Uhr statt. WirwerdenunsremliebenAlters- kameraden ein treues Gedenken bewahren. Der Vorstand. Gießen, den 18. Juli 1932. 5206 D Nichtraucher in 3 Tagen durch Nilok-Mnnöwasser Zu haben in d. Drog. Winterhoff, Kreuzplatz 10 W. Kilbinger Nachfolger, Seltersweg 78a. 43"°p Wasserdichte Wagenplanen sowie Erntedecken und Erntesäcke in jed. Größe liefert