Montag, 15. Juni 1952 182. Jahrgang ßt. 156 Erstes Matt Gießener 51 Heimat im Di ■amilienblätter ild Die Scholl» gerechten Würdigung beträchtlich näher gcki w e • S Erjchetnt tägltch, außer Sonntags un^Jeimags Beilagen: Die Illustrierte : t u> a triebe lichkeit zurückzukehren „Daily Mail" sagt, die Aussichten seien ein wenig besser. Aber England würde nicht auf Reparationen und Kriegsschulden verzichten, so lange es an Amerika weiter zu zahlen hätte. — „Daily Erpreß" hofft, daß die britischen Delegierten in Lausanne erklärten, daß England keine Berlin. 11. 3uni. (LU.) Die62. Dollversamm- {ung des Deutschen Londwirtschaftsrates im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses war überaus stark besucht. Wit dem Reichskanzler waren die meisten Mitglieder des neuen Reichskabinetts erschienen. Präsident Brandes begrüßte die erschienenen Minister und die übrigen Gäste, insbesondere auch den früheren Reichs- Während Paris die Haltung Großbritanniens als Zeugen eines neuen Geistes in den englisch fron- zäsischcn Beziehungen begrüße, müsse man gleichzeitig zugebcn, daß die Haltung Frankreichs einer des britischen Standpunktes Der aararpMche Kurs des neuen Sabinens. Ernährungöminifter Freiherr von Braun vor dem Deutschen Landwirtschastsrat Was denkt man in Paris? Das Oonauproblem im Mittelpunkt der Besprechungen. Auffrischung des Kelloggpakts. Monat» vezugrpreir: Mit 4 Beilagen DM 1.95 Ohne Illustriert» , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt Hernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger SießeR. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. emä(yningSminifter Schiele, dem er für feine langjährige aufopfernde Arbeit zu Gunsten der Landwirtschaft dankte. Dann nahm Reichskanzler vv n Papen das Wort zu einer Rede, die wir bereits am Samstag veröffentlichen konnten. Die Rede des Kanzlers wurde am Schluß mit langanhaltendem Händeklatschen ausgenommen Rach dem Kanzler sprach das x0*te^u sländlich keine Rede davon sein könne, uns völlig oon der Welk loszulösen. Die Verhältnisse hätten sich aber gegenüber der Vorkriegszeit grundlegend verschoben. Früher sei der deutsche Export, der unseren Import finanzieren muhte, gern und willig in allen Ländern d e r wett aufgenommen worden. Stattbeffen fänden wir heute über- all Autarkietendenzen, die Betonung de» eigenen Innenmarktes. Dieser Enlwick'iung könne sich auch Deutschland nicht entziehen. Die Autarkie in diesem Sinne ist kein Ziel, sie ist Schicksal, aber sie ist nicht ein Schick- sai, da» wir still ynd gefaßt hinnehmen müfsen, sondern da» wir zu meistern haben. Für die Landwirtschast bedeute diese Entwicklung die Verpflichtung, da» Ihre zu tun, um die L r - nährnng de» deutschen Volke» au» ihren eigenen Lei st ungen z u ermöglichen, da die immer knapper werdenden Devisen in erster Linie für die Einfuhr von Roh st offen gebraucht würden. Die allen Methoden der Handelspolitik, die eine ausgeglichene Weltwirtfchaft zur vorausfehung gehabt hätten, mit dem System der allgemeinen Meistbegünstigung würden in den heutigen Zeiten bei der völlig veränderten Struktur der Weltwirtfchaft unferen Jntereffen nicht mehr gerecht. Auf dem Getreidege biet müsse für eine auskömmliche Verwertung der kommenden Getreideernte durch das Zusammenwirken von handelspolitischen und finanzpolitischen Maßnahmen gesorgt werden. 3n aller Kürze werde er auf vielem Gebiet die nötige Klarheit schassen. Aus den Märkten der Deredelungspro- butte beruhe in erster Linie das Uebergreisen der Krise auf die bäuerlichen Wirtschaften. Der gesamten Deredelungsproduktivn als einer Esi-- stenzsrage für den deuttchen Bauer werde die Reichsregierung ihr besonderes Augenmerk schenken. Aus dem Gebiet des Gemüse-, Obst- unb Wein b aues sei eine Verbesserung der Lage nur durch Aenderung der bisherigen Handelsvertragspolitik und Don der Einsicht bet Verbraucher zu erwarten, die endlich einmal deutschen Erzeugnissen den Vorzug geben sollten. Hinsichtlich der Forst- und Holzwirt- sch as t würden zollpolitische Maßnahmen in den allernächsten Tagen getroffen werden. Die Zins- s r age halte et für gleichberechtigt mit der Frage der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Mit der Lösung nur einer dieser beiden Probleme sei der Landwirtschaft nicht geholfen. 3m Rahmen der hier zu ergreifenden allgemeinen Maßnahmen werde die Hilfsaktion für den Osten in beschleunigtem Tempo fortgesetzt werden. Die Ansiedlung deutscher Bauern im Osten sähe er aus nationalpolitischen wirtschaftlichen und menschlichen Gründen als eine der dringendsten Ausgaben von Reich und Staat an. Agrarfragen können nicht allein mit dem Verstände bearbeitet werden. Sie sind eine Sache der gefühlsmäßigen Einstellung deS Menschen zum Grund und Boden. Dieses Gefühl kann man nicht lernen. Man kann es auch nicht beschreiben. Wan kann es nur haben oder nicht haben. 3ch gehöre zu denen, die in der Muttererde den Urgrund allen Werdens erblicken, den der Mensch zu verehren hat. % Die Besprechungen. Zu wcitgcßcndcr Ucbcrcinstiinmung gekommen. Paris, 12. Juni. (TU.) Die Besprechungen zwi- schen dem französischen Ministerpräsidenten H e r - r i o t und dem englischen Ministerpräsidenten Mac- donald, die am Samstag begannen, wurden am Sonntagvormittag fortgesetzt. Englischerseits nahmen daran teil Ministerpräsident M a c d o n a l d, Außenminister Sir John Simon und der englische Botschafter Lord Tyrrel, während Frankreich durch Ministerpräsident Herriot und den Finanzminister Germain Martin vertreten war. Im Anschluß an diese Besprechung wurde solgende amt- liche Verlautbarung herausgegeben Ministerpräsident Macdonald und Außenminister Sir John Simon halten heute vormittag eine Besprechung mit dem französischen Außenminister Herriot und Finanzminister Germain Martin, um die Beratung der am Samstag erörterten Fragen fort- zusetzen. Diese offiziösen und freundschaftlichen Besprechungen haben zu einer U ebercin ft immun g geführt, die eine gerechte und wirksame Lösung für die Lausanner Konferenz und die Wiederher st ellung des Vertrauens fowie die Aufrechter- Haltung des Friedens unter den Völkern voraussehen lassen. Jm Rundfunk. Nach dem Frühstück, das Ministerpräsident Herriot zu Ehren der englischen Minister gab und an dem die Minister Paul-Boncour, Leygucs und Pain- lcvs tcilnahmen, gaben Macdonald und Herriot durch Rundfunk Erklärungen ab. Macdonald gab seiner Genugtuung über die Begegnung Ausdruck, die gestatte, die schwierigen Bedingungen, unter denen die Lausanner Konferenz beginnen werde, zu klären. Nach Macdonald führte Herriot u. a aus: Wir befinden uns in einer fehr schwierigen Periode, die von den verant- wörtlichen Persönlichkeiten Arbeit und Kaltblütigkeit erfordert. Wir sind von dem Wunsche beseelt, der griedenssache zu dienen, und wir haben alle unsere Bemühungen auf dieses Ziel gerichtet. Ich will hoffen, daß die Konferenzen von Lausanne und Gens durch unsere Bemühungen erleichtert werden. Bor der preffe. Macdonald erwartet von Lausanne ,,effektive Wirkungen". Wirf auf die Vollversammlung des Deutschen Landwirtichaftsrates. Aus der Ouerbank links vom Redner dielohtalieder des neuen Kabinetts, und zwar von rechts nach links: Reichskanzler von Popen Innen- Minister^ von Gay!, Reichsernährungsminister von Braum Aus dem Prasidialsttchl un Hintergrund minqter v ) bcr President des Landwirtschastsrats, Dr Brandes. geschästsführende Vorstandsmitglieb D^ Kutscher über bas Thema .60 Jahre Deutscher Landwirtschastsrat". Der deutsche Landwirt habe im lebten Jahrzehnt eine wirtschaftliche Großtat vollbracht. Deutschland stehe heute hundert Schritte vor dem Ziele der Rah- rungss reibeit. Der deutsche Landwirt habe feine Pflicht erfüllt obgleich er immer wieder um den Ertrag seiner Arbeit gebracht worden sei. ^eichSernährungSminister Freiherr von Braun entwickelte die Grundzüge der künftigen Agrarpolitik der Reichsregierung. Seit zwei Jahren Jet iu beobachten, daß in Westdeutschland, wo die bäuerliche Struktur durchweg vorherrsche, die Verschuldung schneller zunehme, als im Osten. Rach den neuesten Buchführungsergebnissen des 5X*ut- scheu. Lotten. 4eil beo? en >enhcitkii bZiPn cTn rrf&M Mu» iUL ur die bSS' tDUI* t°m für ff die französische Regierung geneigt, zu der von Oester- reich geforderten Hilfe am meisten beizutragen. Aber Herriot und der Finanzminister Germain Martin seien sich klar geworden, daß sie Oesterreich nicht Geld geben und gleichzeitig den Forderungen der Donau st aalen gegenüber taub bleiben könnten. Daher verlange die fron- zösische Regierung, daß die österreichische Anleihe ein Teil eines allgemeinen Planes der Sanierung der Donauländcr bilde. Macdonald habe sich überdies dafür stark gemacht, Deutschland zu einer Erklärung über seine friedlichen Abfichten gegenüber Po - 1 e n zu bewegen. Aber er habe sich besonnen, wen er gemeint habe, ein derckrtiges Dokument würde ihm verweigert werden. Er fei daher auf den Gedanken verfallen, eine allgemeine Erklärung oon den verschiedenen Delegierten in Lausanne unterschreiben zu lassen, in dem d i e Erinnerung an den Kelloggpakt ausge- frischt und die Erklärung, daß man dem Werk der Pazisierung treubleibe und den Krieg verurteile, feierlich betont würde. — Das Herriot nahestehende Organ „E r c N o u v e 11 e" mei> t, es scheint, daß die Engländer -genau wie wir begriffen haben und zu- geben, daß oon der Streichung der Annuitäten so- lange'keine Rede sein kann, als Amerika als Gläubiger nicht auf die Kriegsschulden verzichtet. Es scheint ebenfalls sicher zu (ein, daß die Engländer gefühlt haben, welcher Ab- bruch dem internationalen Vertrauen und damit dem Frieden selbst getan würde, wenn man den 'Begriff von der Achtung der Verträge nicht intakt finde. l T r0"'$^,buc"'- 5s.- WK. "tag, tt. Juni. Ämil Satijarin, «Clerf Non -looo.wmg 2utaig \\ ge/Cm ^rrcnar3| $ rot Paris, 13. 3uni. (WTB. Funkspruch.) Die französisch-englischen Besprechungen werden von der Presse im allgemeinen günstig, wenn auch hinsichtlich ihres Ergebnisses zurückhaltend, beurteilt. ..Petit P a r i s i e n" meint, daß man sich außerordentlich um eine Verständigung über die in den kommenden Verhandlungen zu befolgenden Methoden bemüht habe und glaubt bestätigen zu können, daß diese Deinühungen von Erfolg gekrönt worden seien. Alles in allem begrüßt das Blatt mit Genugtuung die Erklärungen, die Ministerpräsident Macdonald und Ministerpräsident Herriot gestern vor dem Mikrophon abgegeben haben, weil es darin die Bv- ftätigung der Besserung der französisch-englischen Zusammenarbeit erblickt. — „Journal" ist etwas abwartender. Erst in Genf und Lausanne, schreibt das Blatt, werde man das wahre Ergebnis der Pariser Besprechungen feststellen können. Der wesentlichste Sah des Kommuniques sei der. in dem erklärt werde, daß die Gemeinsamkeit der Ansichten zwischen den englischen und französischen führenden Kreisen einen glücklichen Abschluß der Verhandlungen von Lau- farme und Gens voraussagen ließe. Man könne vielleicht an diese Erklärung glauben, weil die albe Solidarität zwischen Frankreich und England trotz aller Bestrebungen nach Handlungsfreiheit fortbestehe und weil die Ereigntsse in Deutschland geeignet seien, diese Solidarität zu stärken. m _ Etwas präziser wird „Echo de Parts : Was das österreichische Problem anlange, so se, weiteren Kriegsschulden fordern oder bezahlen würde — „Daily Herold" verlangt Wieder- gutmochung der Fehler von Versailles durch Befcitt- gung der Schulden und der Rüstungslasten. — „News C h r o n i c l e" sagt, dos Terrain für Lausanne werde erfolgreicher vorbereitet, als es bei irgendeiner internationalen Konferenz der neueren .Zeit der Fall gewesen sei. Bei den Besprechungen zwischen Macdonald und Herriot sei ein ungewohnt warmer und freundschaftlicher Ton zu bemerken gewesen. Es bestehe auch Grund zu der Annahme, daß die Besprechungen zwischen Freiherrn van Neurath und Macdonald das Ergebnis gezeitigt hätten, den Gong der Außenpolitik der neuen deutschen Regierung in der oon Dr. Brüning stets beibehaltenen Richtung zu bestärken. Macdonald hat Vertretern der Presse erklärt, man müsse besonders die Tatsache hervorheben, daß die Aussprache keinen offiziellen Eharakter getragen habe. Es habe fia? für Hcrric>t wie für ihn einfach darum gehandelt, die beiderseitigen S t a n d p u n k t e zum Ausdruck zu bringen, gewissermaßen laut zu den- ken Es sei nicht gefeilscht worden, auch sei kein Kompromiß geschlossen worden. Herriot und er hätten lediglich ihre Meinungen gegenuber- aestellt. Sie hätten dabei entdeckt, daß sie t n gleichem Sinne und nach den g.lelchen Direktiven denken. Die französische und die englische Regierung seien entschlossen, dafür Xu sorgen, daß die Lausanner Konferenz von effektiverWirkung sein werde. Man wolle eine gute, praktische Entscheidung. d,e den größten Teil der wirtschaftlichen Unordnung der Gegen- wart beseitige und ein Heilmlttel. für die Zersetzung der europäischen Wirtschaft finden lasse. Optimismus in London. 'Wachsendes Verständnis für den deutschen Ltandpunkt? London, 13. Juni (BIS. 8untfprud)J lieber die Pariser Besprechungen wird in den Morgen- blättern eine hoffnungsvolle Note ^schlagen, roenn auch verschiedentlich vor übertriebenen Erwartungen gewarnt wird. D.e Pariser Korrespondenten der Londoner Blatter erwarten, daß in Lausanne eine Verlängerung des Moratoriums um 6 Monate vor- genommen werden wird, und daß Frankreich in Genf zu einer Verminderung seines Hecresbudgets um 10 o. H. sich bereit er- naiTimes“ sagt: ein neuer Geist scheine ein- " xu fein, der einer realistischen Regelung des verwackelten Problems der Reparationen und Kriegsschulden und vielleicht sogar des nicht roemger verwickle,i Problems der Abrüstung cnffchieden günstig fei. Don Lausanne wird wenig mehr als ?jnc zeitweilige Regelung für möglich gehalten, angesichts der letzten Aeußerungen der amer.ka- niicken Regierung über die Kriegsschulden und angesichts der durch den Regierungswechsel m Deutschland geschaffenen Lage. Daß Deukfchland weder in diesem noch im nächsten Iahre Reparationen bezahlen kann, und die Tatsache, daß kein deutscher Staatsmann die veranlwor- »ung übernehmen wird, zu sagen, daß die Zahlungen wieder ausgenommen werben können, betrachte man nicht langer als willkürliche und einseitige Verleugnung der Haager Vereinbarungen, sondern al» durchaus vernünftig. Annahme van »nzetaen für die Tagesnummer di» zum Nachmittag vorher. Preis lur 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite drilich 8, auswärt» 10 Neichspsenmg; für R- hlamtanjtigen von 70 mm Breit» 35 Rtichspsenmg, IPlatzvorschrift 20* . mehr. Chefredakteur Dr. Frnrdr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Will). Lange, für Feuilleton Dr fj.lbnnot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Ansichten. ' Gemeinden. !■ Sonntag noch Irinitafit, s Mahr, zugleich Stiften, trmicrten her Ma»hau- fr; 11: Äinderkirche für bit Ifta; 13.30: tfeflgoiiesbitnii Hirdjlirfifr jraucnwreinr; nhem D. Wagner. - 3o- D; zugleich Christenlekr» o der )ohannesgemeind:; II: Kinderkirche für he iiftent ftncll; 20: Hibrl, »Saal; Psr.Ausseld. - fin- 5.9.30: Psarramiikandidat ür Johanne;, und Luiher- - Llisabelh-ülkinkinder. nlehrc für die ’Jlculon|ir» nde; 9.45: $fr. Lic SBaaa, rfilät. 11.15: llnintrlitai^ ifefior Dr. phil. 'Mph. — enft; Christenlehre für die ergottesbienit. - IBifftd. -Men-buseS. 10. Allen. Kiichbetg. 10: RirdjbcrQ; konfirmierte weibliche 3u- mnsen-Garbenlcich. 9 ■ iristcnlehre; 10.30: hau'e^. j. 10.30: baupigottcsbicnl irüningen. 9: Hauptgon.- istsdechanl Kohn; Christen, ugend. Gemeinden, den ll.Suni. Uhr: Beichte. 4. Sonntag nach $Pn9*,,n- *Ir 7: Meise; SommuniPl .rthiqi; 11: Messe mit Ur« jngfrauen=Äongreganon- it Predig'.-hungni.». nh Christenlehre. - jiqt; 20: Chr'sE" und 5? Weste mit Predig'. t Predig' den 13. Ium. esse. ■ den lo. 3um. ZLSLZ )r. «iidmuigr- --- Das Ergebnis des pariser Wochenendes. Macdonalds Vorbesprechungen mit Herriot. — Beide Partner sehen günstige Aussichten für Lausanne ____ _______ „ ommen lei. Man fange an zu begreifen, daß das 1919 geschossene System zum großen Teil eine Illusion sen, und daß es hohe Zeit sei, wieder zur Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen r.nnf vnd Verlag: vriilst'lche Unwer^lülr-Vuch. and Steinörnderei R. £anqe tn Gießen. Schriftlettnnq und Geschäfl5fteNe: 5-ßnl»traße 7. schen Landwirtschaftsrates fei nur no ein Drittel aller landwirtschaftlichen in der Lage, die Zinsen aus den Reinerträgen zu bezahlen. 3n allen anderen Fällen mürben hie Zinszahlungen auf Kosten der o u b - st a n z vorgenommen. Wesentlich für die Ursachen der Verlustwirtschast in der ganzen RachkriegSzett sei die klaffende Preisschere, das Mißverhältnis zwischen den Produktionskosten und den Einnahmen. Die Schließung dieser Preisschere sei.mit speziellen Agrarmaßnahmen allem nicht möglich. Auf den Märkten für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse mache sich durchweg die V e r - armung unserer Bevölkerung bemerkbar Somit werde das Arbeitslosenproblem in hohem Maße auch ein agrarisches Problem — eine Absatzfrage. Städtischer Konsument und landwirtschaftlicher Produzent bildeten eine Interesseugemeinichaf t auf Gedeih und Verderben. Der Minister ging bann auf bas Problem der Autarkie ein und erklärte, bah selbskver- Die süddeutschen Staatschefs beim Reichspräsidenten. Befriedigendes Ergebnis der Besprechungen. Berlin, 12. 3unl. (WTV.) Der Herr Reichspräsident empfing heute in Gegenwart des Reichskanzlers v. P a p e n den bayerischen Rlinister- präsidenten Dr. Held, den würllembergischen Staatspräsidenten Dr. Volz und den badischen Staatspräsidenten Dr. Schmitt zu einer eingehenden gemeinsamen Besprechung der politischen Lage. Die Aussprache berührte das Verhältnis des Reichs zu den Ländern, den Finanzausgleich, die Wirtschaftspolitik und eine Reihe von innerpolitischen fragen. * In wohlunterrichteten Kreisen glaubt man als Ergebnis der heutigen Aussprache eine weitere Entspannung der Beziehungen zwischen Ländern und d c m R e i ch sehen zu können, die bereits am Samstag durch die Verhandlungen in der Reichskanzlei eingeleitet wurde. Der Empfang beim Reichspräsidenten vollzog sich natürlich in der verbindlichen Form, die bei einer Aussprache mit dem Reichspräsidenten selbstverständlich ist. Was die Ländervertreter vorzutragen hatten, wurde trotzdem mit allem Freimut gesagt. Die Staats- und Ministerpräsidenten brachten nochmals ihren Standpunkt geaen die Einsetzung eines R e i ch s k o m m i s s a r s in Preußen und gegen die Aufhebung des SA.- und SS.-Verbotes vor. Ferner wurde allgemein die Frage des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern und vor allem die Frage des Finanzausgleichs erörtert. Die Besprechungen, die bereits am Samstag zwischen dem Reichskanzler und den süddeutschen Staats- und Ministerpräsidenten hierüber geführt worden sind, dürften wohl im wesent- lichen schon Klarheit darüber geschaffen haben, daß die Reichsrcgicrung keinerlei Pläne gegen die verfassungsmäßige Selbständig- keit der Länder hat. Auch die Bedenken der süddeutschen Staats- und Ministerpräsidenten gegen die Aufhebung des SA.- und SS.-Verbotes dürften im wesentlichen zerstreut worden sein, da die Verbände künftig keinen militärischen Charakter mehr h a b e n sollen und außerdem eine fortlaufende lieber- wachung durch daszu ständige Mini st e - rium geplant ist. Rach Lage der Dinge dürften demnach die geplanten Maßnahmen der Reichsregierung durch den Besuch der süddeutschen Staats- und Ministerpräsidenten eine grundsätzliche Aen- derung nicht erfahren. Die Besprechung ging im übrigen in durchaus freundschaftlicher Form vor sich. Man trennte sich in ziemlichem Einverständnis. Da die süddeutschen Staats- und Ministerpräsidenten bekanntlich alle dem Zentrum eingeboren, vertreten sie in den Einzelfragen entsprechend der augenblicklichen Oppositionsstel- l u n g der Zentrumspartei naturgemäß einen a b - weichenden Standpunkt. Das bezieht sich aber nicht auf das staatsrechtliche Verhältnis der Länder zum Reich. In dieser Frage dürften alle Meinungsverschiedenheiten ausge- glichen worden sein. Was werden die neuen Notverordnungen des Reiches enihalien? Kürzungen in allen Zweigen der Arbeiislofenfürforge. - Gestaffelte Abgabe jur Arbeitslosenhilfe für alle Lohn- und Gehaltsempfänger. — Verlängerung der Krifensteuer. Frankfurt a. M., 13. Juni. (CAD.) Die „Frankfurter Zeitung" will aus dem Inhalt der bevorstehenden Aotverordnungen der Reichsregierung folgende Einzelheiten erfahren haben, die wir m i t a l l e m D o r b e h a I t wiedergeben: In der Arbeitslosenfürsorge solle em« Gesamtersparnis von 520 Millionen Mark durch eine Senkung der Leistungen er- reicht werden, und §war sollten bei der Arbeitslosenversicherung die Sätze durchschnittlich um 23 Prozent gesenkt werden: außerdem werde die Hilfsbedürftig- keitsprüfung statt bisher nach 20 künftig schon nach 6 Wochen stattfinden. Dadurch erhoffe man eine Einsparung von 188 Millionen Mark. — In der Krisenunterstützung sollten die Llnterstühungsleistungen durchschnittlich um 10 Prozent gesenkt und eine unbeschränkte Hilfsbedürftigkeitsprü» fung eingeführt werden. Die Gesamtersparnis hieraus wird auf 184 Millionen Mark errechnet. — In der Wohlfahrtserwerbslosenunter st ützung sollten die Unterstützung um durchschnittlich 15 Prozent gesenkt werden, was eine Ersparnis von 148 Millionen Mark bedeute. — Durch diese Maßnahmen würden die Leistungen der öffentlichen Hand für di? gesamte Crwerbslosenfürsorge um 520 Millionen Mark gesenkt. Da aber auch diese Einsparungen noch nicht genügten, um den Etat auszugleichen, plane die Reichsvegierung eine „Allgemeine A b - gäbe zur Arbeitslosenhilfe" für die Zeit vom 1. Iuli 1 932 bis 31. März 1 9 3 3. Ihr sollen alle Lohn- und Gehaltsempfänger unterliegen mit Ausnahme der Lehrlinge und eines gewissen Personen.kreises, der Arbeitsentgelt für nur vorübergehende Dienstleistungen und für geringfügige Deschäf- tigungen im Sinne der Sozialversicherungsgesetze bezieht. Die Abgabe solle bei einem Arbeitslohn bis zu 1500 Mark jährlich 1,5 Prozent betragen, bei einem Arbeitslohn von 1500 bis 3600 Mark 2,5 Prozent. Einkünfte über 3600 Mark jährlich werden unter Fortfall der Krisenlohnsteuer mit 5,75 Prozent belastet. Die höheren Gehaltsbezieher, die bisher 5 Prozent Krisenlohnsteuer zahlten, sollen zu 6,5 Prozent Deschäftigtenabgabe herangezogen werden. Di« Beamten, die der Krisenlohnsteuer bisher nicht unterlagen, sollen künftig 1,5 Prozent Deschäftigtenabgabe bezahlen. Derjenige Personenkreis, dessen Einkommen nicht aus Arbeitslohn besteht, soll noch zu einer bei* terenRatederKrisen-Deranlagte ii- st euer herangezogen werden. Man glaube, daß die „Abgabe zur Arbeitslosenhilfe" für den in Frage kommenden Zeitraum von neun Monaten im ganzen 400 Millionen Mark erbringen werde. Außerdem würde auch bei den verschiedenen Zweigen der Sozialversicherung (Invaliden-, Unfall» und Angestelltenversicherung) anBrinen Abbau der Lei stungen gedacht, dessen Höhe jedoch noch nicht feststehe. Zu diesen Einnahmen komme auch noch eine Wiedereinführung der Salz st euer vom 1. Iuli 1932 bis 31. März 1933 (Ertrag 40 Millionen Mark) und eine Deseitigung der Freigrenze von 5 0 0 0 Mark bei der Erhebung der Umsatz st euer. Was endlich die A e u g e st a l- tung der Gemeindefinanzen anlange, so sei geplant, daß die Gemeinden selb st für die Wohlfahrtsunterstühung der Erwerbslosen im ganzen 680 Millionen Mark a uf- bringen und dazu noch einen Reichszu- schuh von 867 Millionen Mark erhalten sollen, wobei gleichzeitig eine Aenderung des bisher kg en Verteilungsschlüssels ins Auge gefaßt sei. Der Wahlkampf in Hessen. Hitler spricht in Worms. Worms, 12. Juni. (Lpd.) Vor einer vieltausendköpfigen Zuhörerschaft sprach Adolf Hitler am Sonntagnachmittag in einer großen Kundgebung der NSDAP, im Wormser Stadion. In den gleichen großen geschichtlichen Dimensionen, so führte er aus, wie der Zusammenbruch erfolgte, müsse sich der Aufbau der deutschen Nation vollziehen, der nur erfolgen könne, wenn die notwendigen Voraussetzungen für den Wiederaufstieg gegeben seien. Wenn man auf die vergangenen 13 Jahre zurückblicke, so müsse man sagen, daß entweder Ideen falsch waren, oder die Führer Menschen von ungenügendem Format gewesen seien. Alles, was sie getan und unternommen hätten, sei zum Unheil ausgeschlagen. Es genüge nicht, daß man eine Sache mechanisch in Angrif nehme, sondern das Entscheidende sei die innere E i n st e l° lung, der zuversichtliche Glaube an die Idee und ihr schließlicher Erfolg. Zu den beiden Faktoren Glück und Unglück gehöre die innere Tüchtigkeit des Menschen, seine eigene Zuversicht und sein'Glaube, die ihm Selbstvertrauen geben. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei habe seit den ersten Tagen ihres Bestehens diese innere Zuversicht ge- habt, so daß von ihr Millionen Menschen ergriffen worden seien. Das sei, was jeder einzelne Mensch, das ganze Volk, im Herzen tragen müsse. Die Na- tion müsse ihr ganzes Handeln von einer Idee b e st i m m t wissen und müsse alles Trennende ausschalten, was die tragende geistige Kraft verbrauchen würde. Hitler zeigte barm auf, wie zwischen Sozialismus und Nationalismus die Drücke geschlagen werden müsse. Es sei undenkhar, daß in einem Volk zwei Seelen in einer Drust lebten. Im Kampf der beiden Ideen müsse Deutschland langsam zerfleischt werden, denn mit einem Volk, das sich selbst zerfleische, könne man keinen politischen Erfolg erzielen. In dieser Erkenntnis müsse die Millio- Cdn-Armee der deutschen Arbeiter und Dauern Fusammengeschweiht werden. In den Ländern, in denen Nationalsozialisten regierten, hätte sich die Stimmenzahl verdreifacht, und wenn das Schicksal auch in Hessen der nationalsozialistischen Bewegung die Macht gebe, würde es auch da nicht anders sein. Eine Strasser-Versammlung in Friedberg. Friedberg, 12.Juni. (WEN.) Vor 5000 bis 6000 Personen sprach Sonntagnachmittag Reichs- üagsabgeordneter Straßer auf der Seewiese. Straßer führte u. a. aus, daß die Geschichte keine Bewegung kenne, die einen derartig starken fana« Aschen Willen und Opferbereitschaft beweise wie die nationalsozialistische nach ihrem zwölfjährigen Kampfe. Dieses Ringen habe zu dem ersten Punkt &c£j?QCWtenun9 geführt, das, so hoffe die NSDAP., am 31. Juli durch die endgültige Ergreifung der Macht gekrönt werde. Dort, wo die Nationalsozialisten die Macht ergriffen haben, sei man bestrebt, den Begriffen: Ehre, Freiheit, Vaterland und Volkstum zur Herrschaft zu verhelfen. Die NSDAP, sei i n k e i n e r W e i s e mit dem Kabinett Papen zu identifizieren. Zudem habe die Partei wegen der Reichs- tagsauflösung zum Kabinett Papen keine Stellung nehmen können. Wer im bürgerlichen Leben über feine Verhältnisse lebe und Schulden mache, werde als Hochstapler bezeichnet. Das gelte auch für den Staatshaushalt. Der Staat dürfe nicht mehr ausgeben, als die Volksgenossen aufzubringen vermöchten. Unsere gesamte Volkswirtschaft müsse auf den beiden Faktoren Boden und Arbeit aufgebaut werden. Nur hierdurch sei eine Möglichkeit gegeben, der Arbeitslosigkeit Herr zu werden. Wenn zwei Millionen Arbeit gegeben werden könne durch Aufträge des Staats, fei das Problem mit Aussicht auf Erfolg zu lösen. Der Versailler Ver- trag und der Poungplan würden in dem Augenblick Zu einem lächerlichen Fetzen Papier, in dem in Deutschland wieder der nationale Lebenswille ge- weckt sei. So hoffe denn die NSDAP, im Glauben an die große Idee ihrer Bewegung, die Macht ergreifen zu können und dem Volke durch die Tat das Tor zur deutschen Freiheit zu öffnen. Ein Aufruf der NSDAP. D a r m ft a ö t, 12. Iuni. (WSN.) Der Gauleiter der NSDAP, in Helfen, Reichstagsabgeordneter Lenz, erläßt einen Aufruf an die hessischen Nationalsozialisten, in dem er eiserne Disziplin und unbeugsamen Kampfeswillen fordert, um das Ergebnis der Hessenwahlen am 19. Iuni für die NSDAP, zu einem Sieg zu gestalten. Keiner dürfe ss.ch durch die Methoden des Gegners provozieren und zu Handlungen hinreißen lassen, die geeignet wären, die Partei vor der Oeffentlich- ke-it in Nachteil zu bringen. Der Aufruf schließt: „Der Sieg ist nicht mehr fÄn. Wann unsere Fahnen über Hessen flattern, entscheidet sich än der Kraft und Energie, die der einzelne Parteigenosse in diesem Kampfe aufwendet." - Der Kreisleiter der NSDAP. Darmstadt, Otto Heß, fordert den Innenminister Leuschner in einem offenen Brief auf, sich an einem Abend der letzten Wahlkampfwoche in einer Ver- sammlung in der Fe st hall« zu stellen. Das Thema solle lauten: „Die Erfolge des Marxismus in Hessen". Die Hälfte der Eintrittskarten svlle an Anhänger des Ministers abgegeben werden, und ihm selbst werde di« Redezeit zugebilligt, die er selber wünsche. Auf der Bühne dürfe fio viel Schutzpolizei untergebracht werden, wie der Minister für notwendig erachte. Heß selber verzichtet ausdrücklich „auf den letzten SA.-Mann" auf der Bühne. Die Sammlung -er Mitte. Eckener als Führer der zusammengefaßien bürgerlichen Mitte. Berlin, 12. Iuni. (END.) Wie wir zu den Bestrebungen einer Sammlung der Mitte und der mittleren Rechten erfahren, findet am Mittwochabend in der Deutschen Gesellschaft eine Zusammenkunft führender Männer des geistigen und wirtschaftlichen Lebens statt, um aus diesem Kreise an die zwischen den Nationalsozialisten und dem Zentrum stehendenParteien und bishe igenWähler einen Aufruf zu richten, der dazu auffordert, unter Zurückstellung parteipolitischer und sonstiger Sonderinteressen als geschlossener politischer Block vorzugehen, um bei den Entscheidungen über die politischen Fragen Geltung zu erlangen. Dem Kreise, von dem ein solcher Aufruf ausgehen soll, gehören, wie wir noch weiter erfahren, u. a. Dr. Hugo Eckener, der Ehrenpräsident der Deutschen Handels- und Gewerbekammer Plate, Botschafter a. D. Dr. S o l f und Geheimrat Wikhagen (Leipzig) an. Nach einer Meldung des „Mo Vag . orgen" sol ei an der entscheidenden Sitzung Vertreter Der Wirtschaftspartei, der Deutschen Dolkspartei, der Staatspartei, der Abgeordnete von Lindeiner- Wildau und Vertreter des Hansabundes sich beteiligen. Der Hansabund habe sich in letzter Zeit sehr bemüht, eine Einigung der bürgerlichen Splittergruppen zu erreichen. Man hoffe, wenn es zu einer Einigung kommt, als Führer der Partei Dr. Eckener gewinnen zu können, um damit zugleich der Partei, eine Persönlichkeit mit einem populären Namen geben zu können. Die Stellung derStaatspartei Berlin, 12. Iuni. (END.) Die Staatspartei hielt «ine Gesamtvorstandssitzung ab, in der der Parteiführer, der frühere Reichsfinanzminister Dr. Dietrich, über die Stellung der Staatspartei im kommenden Wahlkampf sprach. Nach einer längeren Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Um der Größe der Entscheidung willen hält die Deutsche Staatspartei die Sammlung aller die Grundlagen unserer Verfassung bejahenden bürgerlichen Kräfte für eine staatspolitische Notwendigkeit. Sie ist bereit, ihre Anhänger zur Mitarbeit dabei aufzufordern. Voraussetzung für diese Mitarbeit- UL daß die neue Partei auf den großen Gedanken der sozialen Gerechtigkeit, der Volksgemeinschaft, der persönlichen, geistigen und wirtschaftlichen Freiheit des einzelnen auf gebaut und gewillt ist, die Rechte und die Freiheiten des Volkes gegenNationalsozialismus und D i k t a t£ r mit Entschiedenheit zu verteidigen und unter Ablehnung aller sozialistischen Bestrebungen von rechts und links auf dem Voden unserer Staats- und Gesellschaftsordnung für die Rettung von Reich, Volk und Wirtschaft zu kämpfen. Außerdem wurde eine Entschließung angenommen, in der die Staatspartei ihre Befürchtungen hinsichtlich der Aufhebung deS SA.-Verbotes zum Ausdruck bringt Oer Christlich-Soziale Volksdienst bleibt selbständig. Kassel, 12. Juni. (CNB.) Reichsleitung und Reichsvorstand des Christlich-Sozialen Volksdienstes haben beschlossen, bei den Reichstagswahlen ohne Bindung an andere politische Parteien in voller Selbständigkeit in den Wahlkampf zu gehen und in allen Wahlkreisen eigene Wahlvorschläge einzureichen. Als Spitzenkandidat für die Reichsliste wurde einstimmig der erste Reichsführer Simpfendörfer' (Stuttgart), M. d. R., aufgestellt. OieLandesgruppeAnhattderOenischen Dolkspartei tritt aus der ODP. aus. Dessau, 12. Iuni. (CNB.) Die Landestagung der Deutschen Dolkspartei Anhalt hieß heute einstimmig den Beschluß des Parteivorstandes, aus der Deutschen Volkspartei aus- §u treten, gut. In einer nachfolgenden Tagung wurde einmütig die Gründung einer „Nativ n a ll i be r a len Partei Anhalts" beschlossen. In dem Kommunique das die Nationalliberale Partei herausgibt, heißt es u. a.: Die Nationalliberale Partei Anhalts trennt sich von der Deutschen Volkspartei, weil sie der Auffassung ist, daß die lebendige Fortentwicklung des alten na tionalliberalen Gedankengutes von dieser nicht mit der notwendigen Energie verfolgt wurde. Ludendorff als Zeuge im Memeidsprozeß Abel. München, 10.Juni. (CNB.) Im Meineids- prozeß gegen Abel wurde General Ludendorff als Zeuge vernommen. Er leistet den nichtreligiösen Eid und gibt an, daß er Abel durch den Graf Schwerin tennengelernt habe, und zwar, wenn er sich recht erinnere, unter dem Namen Abel. Graf Schwerin wollte Abel als Verbindungsmann zwischen Ludendorff und Ö st - preußen haben. An einen zweiten Besuch Abels bei ihm sowie an die beiden von Abel behaupteten Besuche Ludendorffs bei Abel kann sich der Zeuge nicht erinnern. Ein italienischer Offizier sei bei ihm nur einmal eingeführt worden, es habe sich aber nicht um den bewußten Miglio - r a t i gehandelt. Hauptmann Göring hält es für ausgeschlossen, daß im Wurzer Hof ein Italiener mit Hitler gesprochen habe. Göring habe sich damals mit allen italienischen Angelegenheiten zu befassen gehabt. Wenn ein Italiener dagewesen wäre, hätte er sicher davon erfahren. Der Zeuge stellte entschieden in Abrede, daß irgendwelche Auslandsgelder an die Partei gegeben worden feien, auch nicht von Italien. Er sei später viel in Italien gewesen und habe sich bei faschistischen Organisationen erkundigt, ob Gelder an die NSDAP, gegeben worden seien. Man habe dort gelacht und gesagt, man könne selbst jeden Lira gebrauchen. Der frühere Reichswehrleutnant Scheringer, der sich in Festungshaft in Bielefeld befindet, bekundete, er wisse nichts von dem ganzen Fragenkomplex, er lasse sich nicht als Instrument gegen seine früheren Kameraden verwenden, auch wenn er im scharfen Kampfe zur NSDAP, stehe. Rechtsanwalt Frank II erklärt, Hitler habe immer betont, daß er sein Ziel n u r auf legalem Wege zu erreichen suchen werde. Eine Revolutionierung der Reichswehr sei nicht mehr nötig, da die ganze Reichswehr heute eine einzige nationalsozialistische Zelle bilde. Es wurde dann noch ein Brief des angeblichen Gareis-Morders Braun verlesen, in dem dieser die Angabe Abels über seine Person als unwahr bezeichnet und mitteilt, er habe Gareis überhaupt nicht gekannt. Der frühere Kutscher Abels bestätigt, daß Abel sich als Prinz habe ansprechen lassen. Geld habe er von Abel nie bekommen. Dieser habe ihn immer vertröstet und ihm sogar für Zigaretten ausgelegtes Geld nicht wiedergegeben. Aufhebung des SA.- und des Llniform- verbotes am Mittwoch zu erwarten. München, 11. Juni. (CNB.) Der „Völkische Beobachter" will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, es fei bestimmt damit zu rechnen, daß am Mittwoch die Notverordnung über die Aufhebung des SA., und des Uniformverbotes veröffentlicht werde. Kommunistische Terrorpläne. Berlin, 11.Juni. Der „Angriff" bringt Enthüllungen über ein angebliches K P D.-T e r r o r - bureau. das sich in der Redaktion der „Roten Fahne" befinden soll. Das Material soll Pläne für Feuerüberfälle und mehrere Skizzen von SA.-Lokalen mit Standorten kommunistischer Schützen enthalten. Der „Angriff" hat dieses Material der Politischen Polizei zur Verfügung gestellt, die auch bereits bemüht ist, die An- gelegenheit zu klären. Im Anschluß an die Enthüllun- gen fordert der „Angriff" ein sofortiges Ver- bot der KPD. und die Festnahme aller ihrer Führer sowie eine strenge Untersuchung und strengste Bestrafung der Schuldigen. • Der kommunistische Landtagsabgeordnete und frühere Lehrer Hamann wurde vom Bezirks- schöffengericht Darmstadt wegen Verstoßes gegen die Verordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen zu drei Monaten Gefängnis ver- urteilt, wovon zwei Monate mit fünfjähriger , Bewährungsfrist bedingt erlassen werden. Hamann hatte vor einem Lokal, in dem eine kommunistische Versammlung stattfand, eine unerlaubte Versammlung unter freiem Himmel veranstaltet und war dabei als Redner aufgetreten. Aus aller Welt. Deutscher Floltenbesuch in Stockholm. Der deutsche Flottenbesuch in Stockholm hat begonnen. Die Fahrt des Kreuzers „K o n i g s b e r g", zusammen mit den Torpedobooten „Seeadler", "Albatros", „Falke", „Kondor" und „M ö v e" durch die schwedischen Schären fand bei der schwedischen Bevölkerung das größte Interesse, die die deutschen Schiffe herzlichst begrüßte und den Besuch der deutschen Flottille durch reichen Flaggenschmuck feierte. Begünstigt durch das schöne Sommerwetter ruft die Anwesenheit der Deutschen in Stockholm Festesfreude hervor. Im Stockholmer Hasen waren große Menschenmengen in Bewegung, um den Empfangs- seierlichkeiten beizuwohnen und schon seit einigen Tagen lagen die beiden schwedischen Kreuzer „G u st a v V." und „Dro11ning Victoria" so- wie die Torpedoboote „Ehrenskjöld", „Norden- skjold" und „Klas Hom" im Stockholmer Hasen. Als die deutsche Flottille um 10 Uhr die beiden schwedischen Kreuzer passierte, wurde Flaggensalut gewechselt. Kurz daraus ankerte die „Käniasberg" und die deutschen und schwedischen Schisse wechselten Salutschüsse. Der deutsche Admiral Albrecht stattete zunächst dem schwedischen Kriegsminister, dem deutschen Gesandten und anderen Persönlichkeiten einen Besuch ab. Abends waren 30 Unteroffiziere des deutschen Geschwaders zu einem Besuch der beiden Schiffe „Gustav V." und „Drottning Victoria" eingeladen. Nachher fand eine Rundfahrt statt und anschließend daran wurde in dem Freiluftmuseum Skansen ein Essen gegeben. Die deutschen Offiziere aßen an Bord des „Gustav V." und „Drottning Victoria". Abends fand zu Ehren der deutschen ösfiziere ein Ball im Grand Hotel statt. Ein Reichswehrkraflwagen verunglückt, vier lote. Auf der Schleizer Dreiecks-Rennstrecke, der Hofer Straße, wurde in der Nacht zum Sonntag gegen 1 Uhr morgens ein mit 8 Personen besetztesReichswehrauto bei einer scharfen Wegbtegung ausderKurve herausgeworfen, gegen einen Daum und dann in den Straßengraben geschleudert. Der Die Deuischnattvnalen im Wahlkamps einem Einsturz rechnen tender lebhafter Beifall.) maurerei ie teile Schöne weiße Zähne telstandspolitik aus. . , bisher in Hessen gute Politik getrieben, und sie mürben bas auch weiterhin tun. Er gab zum Schluß ber Hoffnung Ausdruck, baß die DNDP. die große nationale Bürgerpartei der Zukunft werbe, bie auch in Hessen nationale Politik vertreten, babel.aber eine einseitige Parteiherrschast verhindern wolle. ('21nf)al- Führer, ei» oerherateter Reichswehrangehöriger. BK tot. Die anderen sieben Jnsal'en wurden iKrankenhaus nach Schleiz gebracht, wo heut« vormittag dr«i von ihnen ihren schweren Verletzungen erlagen. Großscuer Im Berliner Cunapart. sprach sich weiter für eine scharfe Warenhaus, und Filialsteuer, wie überhaupt für eine tatkräftige Mit- Die Deutschnationalen hätten ee Ober hessisch Die diesjährige Tagung des Verbandes ber Hess! schon nach einmaligem PuKen mit der herrlich erfrischend schmeckenden .Thlorodont-Zahnpalie", schreibt uns ein Raucher, Tube 50 Ps. und 80 Ps. Spenber haben mit ihren (Baben einem lobenswerten Werk die verdiente Förderung erwiesen. Geschichtsoerein. Im Automatenrestaurant im Lunapart brach gegen 1 Uhr Feuer aus, bas rasch einen großen Umfang annahm. Versuche, bie Flammen bie in-ber Golbkonstruktion reiche Nahrung fanben im Helme zu ersticken, mißlangen Acht Züge ber Feuer mehr mußten nach unb nach anrüaen, um bas treuer aus 16 Rohren zu bekämpfen, bas inzwischen auch b e n 53 Meter hohen Turm ergrtf. f k n hatte. Auch die umliegenden Gebäude gerieten in Brand. Rur mit Mühe gelang es, die Berg» und Talbahn sowie das angrenzende Haupt- reftaurant vor den Flammen zu schützen Eist nach mehreren Stunden konnte ber Branb gelöscht werden. Don dem Turm steht nur noch die Eisen- konstruttion. so daß man mit I,' ' muh' Man wirb versuchen, ihn vorher abzutragen. Der Lunapark muh zum Teil gesperrt werben. Der Sachschaben ist sehr erheblich. Die Entstehungsursache bes Branbes konnte noch nicht ermittelt werben und Früchte stehen: denn sie bieten neben der gesundheitlichen Wirkung in dieser Zeit auch ganz besonderen Genuß. Viele Menschen fühlen sich rm Sommer am wohlsten. Das hangt vielleicht nicht nur mit der schönen Jahreszeit zusammen, mit der Sonne unb dem vielen Sport, sondern auch mit der gesunden Spcisenkarte, die sich jedes Jahr von neuem darbietct. Oie Frequenz an der Universität Gießen Don der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt: 3m Sommersemester 1932 sind an unserer Llniversität insgesamt 2 198 Studierende eingeschrieben, darunter 167 Studentinnen. Die Gesamtzahl verteilt sich auf die einzelnen Fächer wie folgt: » Theologie 250, darunter 5 Studentinnen: Rechtswissenschaft 338, darunter 5 Studentinnen: Medizin 506, darunter 50 Studentinnen: Veterinärmedizin 227, darunter 1 Studentin: Philologie 367, darunter 74 Studentinnen: Mathemanik 120, darunter. 13 Studentinnen: Raturwissenschaften 139, darunter 13 Studentinnen, Chemie 53; Forstwissenschaft 46; Landwirtschaft 48; Pharmazie 1 Studentin, Staatswissenschaften 103, darunter 5 Studentinnen. 3m Sommersemester 1931 betrug die Gesamtzahl der Studierenden 2131 und im Wintersemester 1931'32 2117. Heimatfest auf dem Schiffenberg. Di« Heimatvereinigung Schiffenberg und die R.- und -E.-Sommer-Stisiung hatten aus gestern nachmittag zu einer gemeinsamen heimatlichen Deranstaltung auf dem Schüfen berg cingclaben. (Die R.- und -S.-Sommer-Stiftung hält ihre Jahrestagung sonst auf Obersteinberg, ab.) Vei dem herrlichen Sommerwetter waren einige tausend Menschen aus Gießen und den Ortschaften am Fuße deS Schiffenbergs dem Rufe gefolgt, die einige anregend« Stunden unter dem einigenden Gedanken der Heimatliebe verbrachten. Die Kapelle Harnisch, Watzenborn-Steinberg, leitete die Dortragsfolge mit einer musikalischen Darbietung ein. Hierauf hielt jlnioer- sitäts-Dibliothekar Dr. Walbrach einen intet- ess amen Vortrag über „O betreff en in den Freiheitskriegen 1813 — 181 5“. Ein bedeutsames Stück deutscher und oberhessischer. aber auch Gießener Geschichte wurde in dem Dortrage den Zuhörern nahegebracht, ein Stück Geschichte, in dessen Mittelpunkt Blücher unb seine Armee stehen. Der Dortragende machte dabei u. a. auch interessant« Angaben über Blüchers Aufenthalt in Gießen und in unserer Umgegend. Der Vortrag. aus den wir demnächst in anderem Zusammenhänge zurückkommen werden, wurde mit lebhaftem Beifall auf genommen. Rach einem weiteren Vortrag der Kapelle Harnisch sprach Geh. Medizinalrat Pros. Dr. Sommer über .D ie hessischen Familien in der Ahnentasel Goethes". Der Vortragende gab in seinen fesselnden Darlegungen Aufschluß über Goethes verwandtschaftlich« Beziehungen zu unserer engeren Heimat unb fand für seine belehrenden Worte wohlverdienten Beifall. Als Höhepunkt ber Veranstaltung folgte nun die Aufführung des Festspiels .Das Lied — Geleit zu jeder Zeit", verfaßt von dem bekannten Heimatdichter Gg. Heß iLeihgestern). Der Dichter hat in diesem interessanten und gemüt- reichen Werk die hohe Bedeutung des deutschen Liedes in allen Lebenslagen hervorgehoben, und in einer Reihe geschickt zusammengestellter Bilder läßt er es. mit sinnigem gekproche und da glaubt die Polizei die Republik dadurch reiten \u müssen, daß sie eine junge Dame verhaftet, die solchen rot gelben Schmuck tragt, und sie lang wierigen Verhören unterwirft oder «n Banquctt in letzter Minute unterlagt, weil Freunde und Verehrer so einem tapferen Mädchen dabei ihre Bewunderung zum Ausdruck bringen wollen, und ähnliche Dinge. 3m Gegensatz zu Madrid werden die Behörden auf der conneninfei Mallorca weniger durch volitiichc al» durch — wollen wir lagen — tounsti sche Probleme in Atem gehalten Und zugegeben, die Probleme sind nicht einfach. Was wurden Sie sagen, wenn die zahllosen amerikanischen Frauen, die die Insel bevölkern, nur mehr mit Büstenhalter und Pyiamahole bekleidet durch die Straßen der Stadt wandelten und Sie sollten einerseits der Moral wieder auf die Füße helfen und anderseits dem Fremdenverkehr nicht ichaden^ Der Gouverneur non Palma hat sich daraus beschränkt, um Verwendung von etwa? mehr Kleidung zu bitten — ist da» nicht höflich'' Aber — wie man sieht, wirklich Frühling ist es eben doch nur auf Mallorca' ein Blitz durch England, Frankreich, Amerika, Japan. Es hat fein Land gegeben, in dem die Geschichte Karl Heinzens nicht Tranen der Rührung gekostet hatte — wunderbar genug, wenn man bedenkt, wie fern und fremd anderswo das deutsche Stuöcnteniniheu mit Liebe, Liedern und -valo- mondern anmuten mußte Es hat einmal einen Alt Heidelberg-Taumel gegeben, wir haben ihn erlebt. Monate um Monate vergingen, und noch immer gab man im Berliner Theater allabendlich und ohne Unterlaß das Stück Meyer-Försters. Es gab in jenem gemessenen ‘Berlin der Jahrhundertwende einen Schauspielerkult -— heute ist er zum Film hiniibergewechjelt — in allen Schaufenstern hingen die Postkarten der ersten Berliner Darsteller: Harry Walden und Leonie I a I i c n i f n Leonie in dem weißen bauschigen Kleid der Kellneiin, Harry in der modischen Eleganz jener Jahre, mit dem sehr hohen Stehkragen, der bis zum Hals hinauf geschlossenen doppelret.htgen Weste hingen neben den Bildern Matkowfkys, Josef Kainz' und Arthur Vollmers Scherl brachte damals eme billige Buchausgabe des begehrten Stucks mit den Darstellern der größten deutschen Buhnen, sie hatte eine Verbreitung, die in die Hunderttausende ging. Und immer noch gab man in allen Stabten und in allen Landern „Alt-Heidelberg". Man gibt es heute noch Man gibt"es immer und überall. Denn das Schicksal Karl Heinzens und feiner Stu- benienliebc ist als Motiv vom Theater zum Film und zum Tonfilm gegangen, und bas Thema spukt unter veränderten Formen immer wieder auf der Leinwand das Thema vom ewigen Wunschtraum Denn das roar's doch, was diese ungeheure Begeisterung heroorgerufen hatte jeder Jüngling wünscht sich, so zu'lieben, jedes Mädchen, so geliebt zu fein ... , Der aber diesen Taumel heroorgerufen hatte — Wilhelm Meyer Förster fclbft — der sich nun im ‘Kubm Glan, unb Gluck hatte fonnen können, er fclbft hat dieses Glück, bas ihm unter Millionen Schriftstellern einmal bclducben war. au? dunkler Vereinsamung und aus weiter tyernc miterlebt. Vier Jahre späte/ erblindete er. der immer schon das Leben mehr aus stiller Zurückgezogenheit betrachtet hatte; auch feine schone Frau hatte dielen unerwarteten Aufstieg nicht mehr erleben tmr.cn ein Schauspiel, bas dem Karl Heinzens an Wehmut nicht nachsteht, nur, baß es leider grausame Wahr- heit geworben iealergefd)id)te beinahe ein Ja baS x°m alten -Berliner Ihm,er in her Berliner Eharlottenftraße lief das schaufp'el Material dafür zu liefern, daß die Lipiiühfuuh. Wiriichaftsocdnung endgültig aus den Fugen geriete und an ihre Stelle eine neue Wirtschaftsform trete, über deren Konturen sich heute viele Edle unb Un edle den Kopf zerbrechen Gewiß, da» Erwachen, da. Kreuger» lob für bie Welt bedeutet, ist bitter unb schwer Aber auch diese Knie wird oorubergehen wie id)on lo viele andere, in ihrer Art vielleicht nicht minder heftige trübere Krisen Perioden fiel» einmal ihren Abfchluß fanden, llebrig bleibt dann, bie Lehren aus dem Skandal zu ziehen. 3u riften. Wirtschaftler unb Politiker werden bann eine Fülle von Snbalispunlien dafür erhalten, wo Re formen an ber Zeit sind Romanschreiber werden ein Leben barficUen fonnen. dessen überraschende! Abschluß der Welt einen Augenblick den Atem stocken ließ. Man wird in jenen Buchern lesen, weshalb Kreuger stet» öffentliche Gesellschaft miet). Heute weiß man. warum Kreuger den bescheidenen Mann spielte Er hatte viel, ja so viel zu verschweigen, daß man sich heute.wundern muß, wie ein einziger, geistig ohne Frage auf schwindelnder Hohe stehender Mensch solange ein derartige» Maß von Verschulden auf sich nehmen konnte. Mit einer Milliarde perfon licher Verpflichtungen und weiteren Milliarden Ge- seUschaftsschulden von bannen zu gehen, ist wahr hastig eine Leistung, bie in ber Welt einmalig bleiben wird lieber den Streich bc» Schuster» von Köpenick lachte bie Welt, bie Erfahrung mit dem Groß betrüger von Stockholm bedeutet aber ein schmerz liffies Reuegelb, da» bie vertrauensselige kultivierte Menschheit ber Gegenwart für ihr kritikloses Auf blicken zu diesem Riesenschwinbler zahlen mußte. Warenhäuser unb Einheitspreisgeschäfte. 3n der sehr gut besuchten TTonatöbcrfammlung der Ortsgruppe Gießen im D e u t f d) n ä t i o n a - len Handlungsgehilfen - Verband sprach Herr Dr. Muller über das Thema .Warenhäuser unb Einhei tspreis - g e s ch ä f t e'. 5er Redner gab zunächst einen allgemeinen Mcberblid über die Entstehung und Entwicklung der Warenhäuser, ihr llcbergreikn von Amerika nach Europa unb ihr Eindringen in Deutschland An Hand von Zahlen zeigte er den ungeheuren Aufschwung der Warenhäuser in ber Nachkriegszeit. Aus ben Warenhäusern entwickelten sich die Einheitspreisgeschäfte, von denen etwa 400 im Jahre 1931 in Deutschland gezählt wurden, davon 50 Prozent in Orten unter 100 000 Einwohnern Es lei keine Frage, daß bie Warenhäuser unb Einheitspreisgeschäfte den selbständigen Einzelhandel stark bedrohen, unb es sei des halb auch verständlich, daß eine starke Bewegung gegen diese Aiesengebilde im Einzelhandel eingesetzt habe Der Redner schilderte die verschiedenen Phasen des Kainpses gegen Warenhäuser unb Einheitspreisgeschäfte, der z. T. vom Staat, vom selbständigen Einzelhandel, von den politischen Parteien, den antifemitifdhen 'Bewegungen und auch teilweise von den Arbeitnehmern getragen wurde Wenn auch hier und da Erfolge in diesem Kampfe erzielt wurden, fo tonne man doch sagen, daß er eS nicht vermochte, die stark borwärtsschreitende Entwicklung der Warenhäuser und EinheitSpleisgefchäste aufzuhalten. Die Notverordnung vom 9 März 1932, die die Errichtung von Einheitspreisgefchästen in Orten unter 100 000 Einwohnern bis 31 März 1934 untersagt, habe einen wirksamen Lchuy für den selbständigen Gin zelhandel nicht gebracht Ts müsse weiter noch Mitteln unb Wegen gesucht werden, um ben seid ständigen Einzelhandel vor dem tteberhandnehmen der Einheitspreisgeschäfte zu schützen. Den mit starkem Beifall auf genommenen Aus fübrungen folgte eine lebhafte Aussprache Kreis- geschästss -ihrer Schroeder wie» darauf hin. daß den Angestellten durch die Einheitspreisgeschäfte Gefahren drohen. Eine weitere Gefahr besiehe für den selbständigen Einzelhandel und für die Angestellten in der Warenautomalenbewegung. Warenhäuser. Einheitspreisgefchäste und Filia! betriebe versuchten vielfach, ihre Unkosten dadurch er auf diese Weife kleinen unb kleinsten südlichen Landern Spater zeigte, nachbem Kreuger einen An- leihevertrag mit Frankreich in ber Tafche hatte — ber jeboch keine Monopole ober ähnliche Vergunsti gungen für Kreuger oorsah —, ber Sozialbemokrat Hilserbing als bamaliger Finanzminister ber Welt, baß Deutschlanb, auf sich gestellt, keinen Kredit an ben Kapitalmärkten mehr hatte, aber ein deutscher Wechsel mit bem Giro Kreugers Marktfähigkeit erhielte. Wohl nie hatte sich Kreuger träumen lassen, einmal bis zu diesem Glanzpunkt auszusteigen. Dann aber schwand langsam auch ber Glaube an ihn. Man borgte Kreuger an ben großen internationalen Finanzzentren nicht mehr so freigebig wie bisher jeben Betrag, seine Anleihen zogen nicht mehr, unb bie Gewinne aus lausenden Geschästen flössen spärlicher. In diesem Stadium halfen keine Buchungsmanipulationen mehr, bie jahrelang bos Bild der Kreugerbilanzen verschleierten und der Oeffentlichkeit einen Reichtum oortäuschien, der nie vorhanden war. Nun mußte Kreuger entweder Farbe bekennen ober von ben Bilanzsälschungen zu noch größerem Betrüge übergehen. Was tat er9 Er brurftc einfach Hunberte von Millionen Obligationen eines angesehenen Laubes, Italiens, packte diese in seinen Gelbschrank unb zeigte ben Bankiers, von benen er Kredite verlangt?, geheimnisvoll diese Pakete Auch das ging aber nur eine Zeitlang, und als lchließlich doch fcftftanb, daß zunächst seine engeren Mitarbeiter und intimen ausländischen Geschäftsfreunde ihn lang sam zu durchschauen begannen, blieb dem Manne nichts übrig, als zum Revolver zu greifen. Das Weltpublikum horcht auf. Hier ist nicht ein mühsam aufgebauter, innerlich gesunder Konzern dem Druck ber Zeiten erlegen, hier würben Millionen von Erwerbern Kreugerscher Aktien unb Obligationen bewußt hinter» Licht geführt. Eine Stütze bes kapitali st Ischen S y st e m s i ft morIch ge wesen unb brach jetzt cnbgültig zusammen Man fragt sich braußen instinktiv, wann folgen anbere Pfeiler unb schließlich bas ganze Dach Wir können so weitgehenbe Ueberlegungen nicht für berechtigt ansehen, benn so wie ber Hauptmann von Köpenick nichts für bie Beurteilung ber milita rischen Organisation bebeutet, so vermag auch ber Tob des Ichwktischen Ingenieurs Ivar Kreuger und der Zusammenbruch seines Finanzkonzerns keinerlei Was man in amerikanischen Büchereien sucht. Daß schlechte Zeiten Hochbetrieb in den öffentlichen Büchereien bringen, hat man auch bei uns beobachtet, aber die Benutzung dieser Anstalten in den Bereinigten Staaten hat einen noch viel größeren, geradezu sensationellen Aufschwung genommen. Eine Statistik über die Büchereien in 36 großen amerikanischen Städten stellt fest, daß im Jahre 1931 über 8 Millionen Bücher mehr gelesen wurden als 1930 und daß die Beluchs- zisfer um über 10 v H anstieg. Gewiß spielt das Bilbungsstreben dabei eine wichtige Rolle, denn die Arbeitslosen haben ja mehr Zeit als je. ihre .Kenntnisse zu erweitern. Aber in der Hauptsache sind es v'cht lolche ibealistischen Ziele, die in die Lekfäle locken, «onbem mehr praktische Absichten Der Gedanke, daß Witten stark macht und in dem harten Kampf ums Dasein wetter- hittt. treibt die meisten zum Studium der Bucher Wie die Bibliothekarin der öffentlichen Bibliothek von Cleveland. Linda Eastman, m der Zeitschrift der amerikanifchen Bibliotheken ausführt, ist es typisch, daß hauptsächlich nützliche Schriften verlangt werden. Man will aus Buchern lernen, wie man .Gelb machen" oder Ersparungen durch- führen kann. Die Bibliothek wird so zu einer Auskunftei .Man verlangt von uns die merkwürdigsten Ratschlage", schreibt die Berfattenn .Sv wurde ich nach Re^vten hir die Herstellung von Schuhwichse. Seife. Zuckerfachen und Schönheitsmitteln gefragt Die Neugierigen wollten die besten Methoden kennenlernen, um solche leicht absetzbaren Waren herzustellen und habe zu verdienen Andere wieder wünschten, sich darüber >u unterrichten, wie man Kraftwagen anstrcicht und poliert, wie man Häuser deckt, wie man Möbelstücke ausbefsert oder anfertigt. Beständige Nachfrage herrscht nach den besten Methoden der Pelztierzucht, nach der Anlage von Farmen für Geflügel. .Kaninchen. Kanarienvögel und Frosche, fnr die Einrichtung einer Pilzzucht. Hausfrauen, die jetzt gezwungen find, mit einem Dollar dasselbe zu leisten, w,e he früher mit zweien vollbrachten. befudjen die Büchereien, um sich über Haushaltsführung. Buchhaltung und Marktpreise zu unterrichten. 6tc verlangen Schriften, au6 lige Polizei nicht rechtzeitig auf die Spur gekommen warc. Vom gefundenen Kleinzeug wie Gewehre und Pistolen gar nicht zu reden. Obwohl jetzt feder Mensch und vor allem dir Polizei ganz genau weiß, wann und wo die Herrschaften losjchlagen wollen, behaupten diese, doch an ihrem Äriegspian, fest- halten und zunächst einmal am kommenden Sonntag zum Angriff übergehen zu wollen. Nun — e» wird nur halb |o ichlinmi werben, benn so schnell wird auch die syndikalistische Ruftungsmduftrie nicht arbeiten und ohne Bomben und Bombchen geht es nup einmal nicht. Nachdem man nun aber in hiesigen offiziellen Kreisen nicht gerne .zugibt, daß bie extremen Linkselemente ein liebevolles Verhältnis mit ber jungen Republik ablehnen, sucht man immer roieber ben bösen Feind krampfhaft auf der rechten Seite der Bühne Ja man ging dabei soweit, schon von einem geplanten Attentat der Rechten aus den Staatspräsidenten und die Minister zu sprechen, bis sich endlich herausgestellt hat, daß auch dieser Gedanke in kommunistischen Gehirnen geboren wurde Die Rechtsoppofition ift dagegen außerordentlich harmlos und beschrankt sich daraus, beim Bummel in ber klassischen Castellano, bem schönsten Boulevard blikanischen Orden, Ausweg zu finden — wer kann das wissen. Der Frühling hat uns aber auch noch weniger angenehme Dinge beschert: 'Bomben! Große Bomben, kleine Bomben, noch kleinere Bomben in allen Fabrikationsarten, angesangen non ber pri mitiiiften Heiminbustrie bis zum Großhersteller Bor vierzehn Tagen etwa ist bics neckische spiel angegangen. Jeden Tag brachten bie Zeitungen mit großen Ueberschristen neue Meldungen über Bombenfunde. Bald war es im «''den. in Andalusien, bald im Nordosten beim edlen Volk der Katalanen unb schließlich sogar in Madrid Hier Frühling in Spanien Von unserem v. Gss -Bend)tfrftaMer. zu vermindern, daß sie die sozialen Sicherungen der Angestellten nicht beachten, vor allem den dort Beschäftigten eine untarifliche Behandlung zuteil werden und die gesetzlichen Arbeitszeitbestimmungen außer QLd)t liehen. Wo solche Beobachtungen gemacht würden, müsse von Gewerkschaftsseite mit allen Mitteln eingegrifsen werden. Es könne nicht angängig sein, daß diese Unternehmungen ihre Kalkulationsbasis auf Kosten der Arbeitnehmer, die ihre Hauptkundschaft darstellten, gegenüber dem selbständigen Einzelhandel günstiger gestalten. In der weiteren Aussprache befaßten sich einige CT ebner mit den örtlichen Verhältnissen. Vertrauensmann Schwarz machte ebenfalls zum Vortragsthema einige Ausführungen und gab sodann einen kurzen Bericht über den Verlauf des Derbandstags des DHD., der kürzlich in Hamburg stattfand und an dem er als Abgeordneter teilgenommen hatte. Er verlas einige dort gefaßte Entschließungen und betonte besonders die geschlossene Haltung in allen Fragen der Derbandspolitik, die sich auf dem Verbandstag gezeigt habe. Ein ausführlicher Bericht über den Derbandstag werde in einer der nächsten Versammlungen gegeben werden. Aach einer Mitteilung über ein Protesttelegramm der Verwaltung des DHD. an die Reichsregierung gegen die beabsichtigten neuerlichen ungerechten Belastungen der Arbeitnehmer, wurde die Veranstaltung geschlossert. Oberheffen. Lauterbacher Prämienmarkt. & Lauterbach, 11.Juni. Der Lauterbacher Prämienmarkt fand diesmal bei günstigem Wetter statt. Die Kauflust war, gegenüber früheren Jahren, bedenklich Zurückgegangen, für die gegenwärtigen Verhältnisse jedoch einigermaßen befriedigend. Die Erwartungen, die man auf die mit dem Markt verbundene Verlosung setzte, wurden übertroffen. Fast alle Lose wurden abgcsetzt. Der Prämienmarkt hat wiederum bewiesen, daß es nötig ist, ihn trotz der schweren Zeit beizubehalten, um wenigstens von Jahr zu Jahr einen lleberblick über den Stand der Viehzucht im Kreise Lauterbach zu ermöglichen. Aufgetrieben waren 88 Stück Großvieh (Prämiierungstiere) von bester Qualität. Im vorigen Jahre war der Auftrieb stärker, jedoch nicht so hochwertig. Ferkel und Schweine waren insgesamt 481 Stück aufgetrieben (130 mehr als im Vorjahre), Ziegen 151 Stück. Das Großvieh, ein Teil der Schweine und die Ziegen waren lediglich zur Prämiierung aufgetrieben worden. Für Ferkel wurden 12 bis 16 Mark je nach Qualität bezahlt. Bessere Tiere erzielten Preise über Notiz. Der Handel ging flott, es verblieb jedoch etwas Ueberstand. Auf dem Krämermarkt, der wieder sehr stark beschickt war, herrschte großes Gedränge. Die Umsätze dürften allerdings nicht allzu groß gewesen sein. In Anbetracht des guten Marktbesuches dürfte auch die Geschäftswelt unserer Stadt auf ihre Rechnung gekommen sein. Landkreis Gießen. * Wieseck, 13. Juni. Am Samstagabend wurde hier im Saale der Gastwirtschaft von Hormann eine Wählerversa m m lung der Eisernen Front alsbald nach Beginn von der Gendarmerie a u f g e l ö st, weil an der Versammlung auswärtige Besucher teilnahmen, für deren Anwesenheit die erforderliche behördliche Genehmigung fehlte. = Göbelnrod, 11. Juni. Wie die Aotzeit sich auswirkt, zeigt sich auch bei der Besetzung der Gemeindeämter. Unser 78jähriger Polizei- und Gemeindediener Johannes Seng, der seit etwa 50 Jahren sein Amt bekleidete, hat nun wegen Altersbeschwerden sein Amt niedergelegt. Aus der Zahl der Bewerber — 15 — hat der Eemeindevorstand den seitherigen Beigeordneten Heinrich Kern ausgewählt, der, wenn er bestätigt wird, sein Amt als Beigeordneter niederlegen muß, um Polizeidiener zu werden. Elisabeth erobert sich das Glück Vornan von Margarete Anlelmann Copyright by M. Feuchtwanger, Halle. 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Kaum war sie mit der Säuberung fertig, als auch schon bie- Wirtin erschien, um Elisabeth zum Abendessen zu holen. Drüben im Wohnzimmer sa^en s hon vier Mädchen um den gedeckten Tisch herum. Elisabeth hatte noch nie etwas so Schmutziges gesehen, wie das Tischtuch, das Frau Meyers Abendbrottisch schmückte. Es gab billige Wurst, Bückling und ein bißchen Käse, dazu einen dünnen, hellfarbigen Tee. Elisabeth formte nichts essen; sie hatte Zeit genug, sich ihre Tischgenvssinnen zu betrachten. Was mochten das für Mädchen fein, die um den Tisch saßen, eifrig zulangten und — ohne sich um die Reue zu kümmern — sich ihre mehr oder weniger anziehenden Erlebnisse berichteten. Ab und zu warf eines der Mädchen einen neugierigen Blick auf Elisabeth; keine aber wagte es, Das Verbot der Wirtin zu überschreiten, die AÄie jetzt schon irgendwie aufzuklären. Die würde npch früh genug merken, was die älhr geschlagen ygtte. Solche Landgänschen durfte man nicht kopfscheu machen, die mußte man erst zähmen. Darauf würde sich die gute Frau Meyer schon verstehen. Am anderen Morgen erwachte Elisabeth sehr früh. Hm acht llhr schon verließ sie' ihr Zimmer, fix und fertig angezogen. Vielleicht hatte sie Glück und konnte die Wohnung verlassen, ohne von Frau Meyer oder einer der anderen HauS- genossinnen gesehen zu werden. Sie hatte eine fürchterliche Aacht hinter sich. Gewissensbisse und Angst hatten sie kaum schlafen lassen; ihre Kleider hatte sie nicht abgelegt, weil sie sich vor der schmutzigen Bettwäsche geekelt hatte. Sie sah übernächtig aus und zerquält. Leise öffnete sie die Tür zu dem Korridor, lauschte hinaus. Aichts rührte sich. Auf Zehenspitzen schlich Elisabeth hinüber zur Wohnungstür. <3ie war nicht verschlossen. Im nächsten Augenblick stand Elisabeth im Treppenhaus, rannte die Treppe hinunter, kam ungehindert auf die Straße. Wie gehetzt lief Elisabeth die Straße hinunter, ohne sich um den Weg zu kümmern. Aur erst einmal fort aus dieser Gegend, dann würde sie sich schon weiter finden. Kreuz und quer lies sie, durch viele Straßen. Dis sie auf einem belebten Platz stand, einen Schutzmann sah. Zahreötagung des Im Kaisersaal der Burg Gleiberg fand am Sams- tagnachmittag unter dem Vorsitz des Provinzial- direktors G r a e f die gut besuchte Generalversammlung des Gleiberg-Vereins statt. Als Vertreter des Kreises Wetzlar und der preußischen Auftichtsbehörde wohnte Landrat Miß- Wetzlar der Tagung bei. Der Vereinsvorsitzende, Provinzialdirektor Graes, teilte in seinem Geschäftsbericht für 19 31 zunächst mit, daß sich die Zahl der Mitglieder im Jahre 1931 auf 559 belief; durch Austritt verlor der Verein 74, durch Tod 11 Mitglieder. Der Entschlafenen wurde in der üblichen Weise ehrend ge- dacht. Die Bewegung des Mitgliederstandes in den letzten Jahren war folgende: 1924 = 445, 1925 = 478, 1926 = 493, 1927 = 535, 1928 = 579, 1929 = 647, 1930 = 632. An größeren Unterhaltungsarbeiten wurden insbesondere Teile der Schildmauer, der westliche Giebel des Albertusbaues und ein Teil der östlichen Ringmauer ausgebessert. Zu den Kosten dieser Arbeiten wurde der Rest des von dem Landeshauptmann der Rheinprovinz bewilligten Zuschusses in Höhe von 1000 Mark mit 500 Mark verwendet. Ferner wurde der Bodenbelag des Altaps erneuert, im Kaisersaal wurden zwei Ventilatoren eingebaut. Sämtliche Gartenmöbel wurden zum Schutz gegen Witterungseinflüsse mit einem neuen Anstrich versehen und die Wandbescbieserung in größerem Umfang erneuert. Der Auffahrtsweg zur Burg, dessen Zustand schon längere Zeit Veranlassung zu Bedenken gegeben hatte, konnte im Berichtsjahre neu hergerichtet werden. Insgesamt wurden aufgewendet: für Unterhaltungsarbeiten: 1924 = 830,51 Mk., 1925 = 2101,96 Mk., 1926 = 1888,11 Mk., 1927 = 1814,48 Mk., 1928 = 1967,60 Mk., 1929 = 4541,63 Mark, 1930 -- 2042,09 Mark; für Neubauarbeiten: 1928 = 5540,05 Mark, 1930 = 913,64 Mark. Die Vereinsveranstaltungen im Berichtsjahre konnten als wohlgelungen bezeichnet werden. Allen Spendern und hilfsbereiten Freunden wurde herzlich gedankt. Auch für das kommende Geschäftsjahr stehen dem Verein hinsichtlich der Unterhaltung der Burg Ausgaben bevor, die er nur lösen kann, wenn alle Freunde und Gönner ihn weitest gehend unterstützen. Der Vorstand richtete deshalb im Geschäftsbericht die Bitte an die Mitglieder, trotz der schweren Zeit treu zur Gleiberg-Fahne zu halten, damit es ihm auch fernerhin möglich ist, die Burg Gleiberg, das stolze Wahrzeichen der ganzen Gegend, und damit einen beliebten Ausflugsort zu erhalten. Der Geschäftsbericht wurde einstimmig genehmigt. Die Rechnungsablage 19 31 /32 wies an Einnahmen 8517,20 Mk., an Ausgaben 8461,85 Mk., mithin einen Ueberfchuß von 55,35 Mark aus. Die Rechnung fand ohne Aussprache allseitige Zustimmung. Der Voranschlag 1932/33 wurde in Ein- Im benachbarten Saasen bemüht sich umgekehrt der Polizeidiener um den Dürgermeisterposten. * Bellersheim, 11. Juni. Bürgermeister Müller hat sich entschlossen, aus Gesundheitsrücksichten das Amt des Bürgermeisters niederzulegen. Bürgermeister Müller, der an einer schweren Augenkrankheit leidet, leitete seit 13 Jahren die Geschicke unserer Gemeinde. Die Neuwahl eines Bürgermeisters ist bereits für den 26. Juni vorgesehen. Bisher haben sich drei Bewerber gemeldet. Kreis Friedberg. * Kirch-Göns, 13. Juni. Gestern fand in unserer Gemeinde Bürgcrmei st erwähl statt. Cs waren fünf Wahlvorschläge eingereicht. Abgegeben wurden insgesamt 494 gültige Stimmen. Beigeordneter Müller erhielt 131, Gemeinderatsmitglied Müller 125, Gemeinderatsmitglied Röhrig 151, Reinhard Textor 69 und Otto Wilhelm Zoller 18 Stimmen. Das Ergebnis macht eine Stichwahl zwischen dem Beigeordneten Müller und Gemeinderatsmitglied Sie zog ihren Zettel aus der Tasche, fragte den Schupo nach der dort verzeichneten Adresse. „Ja, Fräuleinchen, das ist weit weg von hier, in "einer ganz anderen Gegend. Da^ Beste wäre, Sie würden sich eine Taxe nehmen und hinfahren, sonst können ©ie es kaum finden." Elisabeth bedankte sich. Dort drüben standen Autodroschken. Rach einer Viertelstunde etwa hielt der Wagen vor einem vornehmen Hause in einer ruhigen und gepflegten Straße. Elisabeth läutete an der Hausglocke. Ein Zimmermädchen erschien, in schwarzem Kleid und weißer Schürze. Zögernd nannte Elisabeth ihren Ramen. „Oh, Fräulein Pfilipp!" sagte das Mädchen. „Wir hatten schon solche Sorge um Sie, weil Sie gestern nicht gekommen waren. Die gnädige Frau wird glücklich sein, daß Sie endlich da sind." “ Das Mädchen führte Elisabeth ins Hausj eine kurze, teppichbelegte Treppe hinauf, in eine gemütlich eingerichtete Diele. Hier wartete Elisabeth klopfenden Herzens auf das, was nun weiter folgen würde. Wenige Minuten später erschien eine ältere Dame. Sie streckte Elisabeth beide Hände entgegen. „Oh, wie gut, daß Sie da sind, Fräulein Pfilipp! Wir hatten solche Sorge um Sie. Ich bin Frau Schelrner, eine Tante des Herrn von Eckertsburg. Er hat mich gebeten, mich Ihrer anzunehmen, und ich freue mich, daß wir Hausgenossen werden. Ich habe schon viel Gutes von Ihnen gehört, und ich hoffe, wir werden sehr gute Freunde werden. Ich führe Sie gleich in Ihr Zimmer, damit Sie sich zurechtmachen können. Ich hole Sie dann bald zum Frühstück, und Sie erzählen mir, was eigentlich mit Ihnen los war." Elisabeths einsames Herz hatte sich vom ersten Augenblick an der warmherzigen, mütterlichen Frau erschlossen, die sie so liebevoll empfangen hatte. Wie dumm sie gewesen war, daß sie nicht gleich hierher gekommen. Mit dieser Frau würde sie sicher gut zusammenleben können. Willig lieh sie sich von Frau Schelmer führen. Es ging wieder eine kleine Treppe hinauf. Frau Schelmer öffnete eine Tür. Elisabeth konnte einen Ausruf des Entzückens kaum unterdrücken. Vor ihr lag ein helles, luftiges Zimmer mit entzückenden, hellgelben Schleiflackmöbeln. In der Mitte der einen Wand stand ein großes, breites Bett mit einer blauseidenen Steppdecke und blendend weißer Wäsche. Das übrige Mobiliar des Zimmers bildete ein runder Tisch, mehrere Armsessel mit blauseidenen Polstern, eine große, geblümte Couch, ein entzückender Frisiertisch mit großem Spiegel. Ein großer Gleiberg-Amms. nähme und Ausgabe mit 3100 Mark genehmigt. Zum Ausgleich des Voranschlags wurden 360 Mark aus dem Reparaturfonds eingestellt. Besondere Herstellungen sind für das laufende Jahr nicht vorgesehen, nur die notwendigsten Unterhaltungsarbeiten sollen ausgeführt werden. Bei der V o r st a n d s w a h l, die für die Jahre 1932 bis 1935 vorzunehmen war, wurde der bisherige Vorstand mit Provinzialdirektor Graes als Vorsitzendem einstimmig wiedergewählt. Der Vorsitzende nahm die Wahl mit Dankesworten auch im Ramen der übrigen Vorstandsmitglieder an. Einstimmig wurde sodann beschlossen, das Sommerfest 1932 als Gleibergtag am 3. I u l i in einfachem Rahmen zu begehen. Zu dieser Veranstaltung wird zahlreicher Besuch aus allen Bevölkerungskreisen erwartet. (Eintrittspreis 50 Pf. für Erwachsene, 30 Pf. für Studenten, 20 Pf. für Kinder.) Von einer Senkung des Mitgliedsbeitrages wurde einstimmig abgesehen. Maßgebend für diese Stellungnahme war 'die Erwägung, daß der Beitrag mit 3 Mk. pro Jahr, also 25 Pf. monatlich, an sich schon sehr niedrig ist und daß damit die Erhaltung der Burg zum großen Teil bestritten werden muß. Man verkannte die Schwere der Zeit nicht, glaubte aber, angesichts der vorgenannten Gesichtspunkte auf das volle Verständnis der Mitglieder rechnen zu können. Kaufmann Val. Frey und Landrat Miß (Wetzlar) dankten dem Vorstand des Vereins für seine vortreffliche Arbeit im Dienste der Vereinsziele, und sicherten ihm weitere tatkräftige Hnterstühung zu. Der Vorsitzende teilte weiter mit, daß Kaufmann Leib (Gleiberg), Landwirt Karl Dender (Krofdorf), KreisfeuerwehrinspektorDi do r 6 (Gießen) und Rentier Wohlmuth (Gießen) für das Vereinsmuseum wertvolle historische Gegenstände gespendet haben. Den freundlichen Gebern wurde dafür herzlich gedankt. Im Anschluß an die Iahrestagung fand eine Feuerwehrübung statt, an der die Kreismotorspritze von Gießen und die Freiwilligen Feuerwehren von Krofdorf, Gleiberg und Wißmar teilnahmen. Die Hebung unter dem Kommando des Kreisbrandmeisters Vogels (Wetzlar) und in Gegenwart des Kreisfeuerwehrinspektors D i d o r e (Gießen) hatte den Zwed, vor den Vereinsmitgliedern zu erproben, in welcher Weise im Ernstfälle Drandhilfe zu bringen ist und wie sie wirksam wäre. Der Verlauf der Hebung gab dem Kritiker, Kreisfeuerwehrinspektor D i d o r e, Veranlassung, den beteiligten Wehren seine Anerkennung auszusprechen. Röhrig notwendig. Die Stichwahl soll am 3. Juli durchgeführt werden. Kreis Büdingen. zt Ranstadt, 12. Juni. In der vergangenen Rächt wurde im Geschäftszimmer des Landwirts und Rechners der Krankenkasse Wilhelm G o r r eingebrochen. Der Täter briidtc ein Fenster ein, stieg in den Raum, öffnete einige Behältnisse und einen Sekretär. Dem Einbrecher sind höchstens erwa 15 Mark in die Hände gefallen. Der Dieb scheint mit den Oertlichkeiten des Hauses vertraut zu sein. . Kreis Alsfeld. fd. B ü ß f e l d, 11. Juni. Unter starker Anteilnahme der Bevölkerung wurde Lehrer Appel, der seit dem Jahre 1900 in unserer Gemeinde amtierte, zu Grabe getragen. Pfarrer Wolf würdigte in seiner Trauerrede die mannigfachen Vorzüge des Verstorbenen. Der Gesangverein Hom- berg sang zu Ehren seines verstorbenen Dirigenten zwei Trauerchöre. Kranzniederlegungen der Behör- Smhmateppich bebedte den Fußboden, und überall standen Blumen. Roch nie hatte Elisabeth ein so reizendes Zimmer gesehen, selbst die Räume der Larsenschen Töchter hatten sich mit diesem Zimmer nicht im entferntesten vergleichen lassen. Elisabeth kam alles vor wie ein Traum. Sie konnte es noch nicht begreifen, daß sie hier wohnen, daß das ihr Reich sein sollte. Frau Schelmer riß sie aus ihrem Entzücken. . „Ich sehe an Ihrem Gesicht, Kindchen, daß es Ihnen gefällt. Mein Reffe und ich, wir haben uns auch die größte Mühe gegeben. Sie sollen sich recht wohl bei uns fühlen. So, jetzt lasse ich Sie allein. In einer halben Stunde hole ich Sie zum Frühstück. Ich weiß übrigens, daß Sie Ihr Gepäck noch nicht haben. Dort drüben in dem Schrank finden 'Sie einige Kleider. Ich habe sie für Sie ausgesucht. Hoffentlich finden Sie etwas Passendes. Sie werden froh fein, aus den Reisekleidern herauszukommen. Ich werde Ihnen sofort Wanda schicken, damit sie Ihnen hilft. Auf Wiedersehen also, in einer halben Stunde!" Gleich darauf klopfte es an die Tür; das Stubenmädchen erschien. Elisabeth war noch ganz benommen von dem, was sich in dieser letzten halben Stunde ereignet hotte. ©ie wäre am liebsten allein gewesen. Sie überlegte, wie sie das Stubenmädchen bald wieder sortschicken konnte. Zunächst mußte sie sich's gefallen lassen, daß Wanda ihre kleine Handtasche auspackte, alle Toilettengegenstände zurechtlegte und ihr behilflich war, sich auszukleiden. Elisabeth lieh alles fast willenlos über sich ergehen. Dann war sie fertig, hatte eines der hübschen Wollkleider angezogen, die im Schrank hingen. Sie besah sich im Spiegel. Wie verändert sie aussah in dem eng anliegenden, modernen, dunkelbraunen Kleid mit dem weit auslaufenden Glockenrock, dem Wollkragen und der Aermel- rüsche! Ganz anders als in ihren unmodernen Kleinstadtfähnchen, die zeitlos waren und die ihre Jugend und ihre Schönheit mehr verborgen als gezeigt hatten. Eine völlig neue Elisabeth sah aus diesem Spiegel. „Ich danke Ihnen, Wanda", sagte Elisabeth zu dem Stubenmädchen. „Ich möchte mich jetzt noch ein bißchen ausruhen, bis Frau Schelmer mich holt." Gleich darauf hatte Wanda das Zimmer verlassen. Elisabeth lag mit geschlossenen Augen auf dem Sofa und dachte über alles nach, was sich ereignet hatte. Jetzt war sie also im Hause ihres Förderers, im Hause jenes dunklen Mannes, dessen Gegenwart sie erregte, vor dem sie sich fürchtete, dessen Blick sie scheu machte und unsicher. den, der Gemeinde, der Schüler, des Schulvorstandes, des Gemischten Chores, des Gesangvereins „Frauenlob" Homberg, des Gesangvereins ,Liederkranz" Bleidenrod, des Bezirkslehreroereins Homberg und des Jmkervereins Homberg bewiesen die Hochachtung, die dem Verstorbenen überall entgegengebracht wurde. Kreis Lauterbach. * Schlitz, 11. Jüni. Die „Nationale Einheitsliste eröffnete mit einer stark besuchten Versammlung am Mittwoch den Wahlkampf zu den bevorstehenden Wahlen. Bürgermeister Dr. N i e p o t h sprach über die politische Lage in Hessen und im Reich. Der Vortrag fand bei den zahlreichen Zuhörern lebhaften Beifall. Preußen. Kreis Wetzlar. # Krofdorf, 11. Juni. Aus der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung von K r o f d o r s - G l e i b e r g'ist u. a. zu berichten: Die Ortsstelle Krofdorf des Arbeiter^Gewerkschafts- kartells hat bei der Gemeinde den Antrag gestellt, im Wege des freiwillig e^i Arbeitsdienst es ein Schwimmbad zu" errichten. Vorgesehen 'ist dafür eine Stelle im Fohnbachtal, nördlich der Rodheimer Straße, an der sogenannten „Bleiche". Die Gemeindevertretung konnte sich in Anbetracht der finanziellen Notlage der Gemeinde über diesen Antrag noch nicht schlüssig werden, zumal auch erhebliche Kosten durch Materialbeschaffung entstehen würden. Die Angelegenheit wurde bis zur Etatsberatung zurückgestellt. — Die Erhebung der Ge m e i n d.e b i e r st e u e r soll nach den Sätzen der Notverordnung vom 19. März 1932 erfolgen. 0 Hochelheim, 11. Juni. Dieser Tage fand hier eine f r e i w i l l i g e Grundstückversteigerung statt. Die Preise waren außerordentlich hoch und standen eigentlich in keinem Derhälk- nis zu der schlechten Lage und Unrentabilität der Landwirtschaft. Der Durchschnittspreis für den Morgen Acker- und Wiefenland betrug rund 2200 Mark. Ein Ackerplan von 3,5 Morgen Größe wurde mit 10 012 Mark bezahlt und von einem Besitzer erworben. Eine Wiese 28 Ar groß kostete 3660 Mark. <> Niederkleen, 11. Juni. Der Mitpächter der hiesigen Gemeindejagd, Lehrer Lind- Butzbach, erlegte im Distrikt „An der Dornholzhäuser Seite" des Gemeindewaldes Niederkleen einen Keiler im Gewichte von 2 Zentner?. Meine Strafkammer Gießen. • Gießen, 10. Juni. Ein Viehhändler in Vilbel verfolgte Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Büdingen, durch das er wegen eines Vergehens gegen das hessische Gesetz betr. Besteuerung des Gewerbebetriebs im älmherziehen zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt worden war. Auch die heutige Verhandlung ergab, daß er außerhalb des Gemeindebezirks seines Wohnorts ohne Begründung einer gewerblichen Riederlassung und ohne vorgängige Bestellung Warenbestellungen aufgesucht hatte, indem er sich zur Lieferung ostpreußischen Viehes erbot. Die Berufung wurde daher zurückge- w iese n. Zwei junge Leute aus Vilbel hatten Wahlaufrufe an ein Haus gemalt und waren vom Amtsgericht Vilbel wegen groben Unfugs zu Haftstrafen berurteilt worden. Auf ihre und der Staatsanwaltschaft Berufung wurden sie heute wegen Sachbeschädigung zu 30 und 60 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Berufung der Staatsanwaltschaft, die Verurteilung eines Freigesprochenen erstrebte, hatte keinen Erfolg. Freigesprochen wurde ein Landwirt aus L o r b a ch , der vom Amtsgericht Büdingen wegen Untreue zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte eine unter Eigentumsvorbehalt gelieferte Stute vor vollständiger Bisher hatte sie ihn noch nicht zu sehen bekommen. Vielleicht, daß er gar nicht hier wohnte, daß ihre Angst umsonst gewesen war. Dann konnte das Leben hier sehr schön werden. Frau Schelmer gefiel ihr ausgezeichnet. Sie' hätte sich keine angenehmere Hausgenossin wünschen können. Und die Wohnung, ihr Zimmer — das alles war herrlich. Cs schauderte sie, wenn sie an Frau Meyer dachte, an das schmutzige Loch, an die Mädchen dort. Wie gut es war, daß sie noch rechtzeitig hatte fliehen können! Riemand durfte etwas von diesem scheußlichen Erlebnis erfahren. Elisabeth mochte eine Viertelstunde gelegen haben, als es an ihre Tür klopfte. Frau Schelmer trat ein. „Oh, sehen Sie aber hübsch aus, Fräulein Elisabeth! Sie haben sich aber in dieser halben Stunde gründlich verändert. Ja, ja, Kleider machen Leute. Wir wollen mit dem Frühstück noch ein wenig warten. Herr von Eckertsburg hat sich angesagt. Er weiß nicht, daß Sie diese Rächt nicht hier zugebracht haben, und er braucht es auch nicht zu wissen. Aber mir können Sie vielleicht erzählen, warum Sie fortgeblieben sind? Sie dürfen mir ganz vertrauen, Fräulein Elisabeth." „Ja, ja, Frau Schelmer, ich vertraue Ihnen.. Ich... ich .. .hatte Angst vor Herrn von Eckertsburg. Er sieht so finster aus, durchbohrt einen mit seinen großen Augen. Hnd... und ich wollte mir eine andere Wohnung suchen. Eine Frau sprach mich an, am Bahnhof, als ich meinen alten Professor zur Bahn gebracht hatte. Sie sah so ordentlich aus... ich ging mit ihr... aber es war schrecklich dort. Es gelang mir, heute morgen unbemerkt zu entkommen. Ich fuhr hierher, und jetzt bin ich so froh, daß ich hier bin. Ich werde sicher keine Dummheiten mehr machen..." „Das haben Sie auch nicht nötig, Elisabeth. Sie dummes Mädchen —, Angst zu haben. Sie haben ja keine Ahnung, 'was für einen edlen Menschen Sie gefunden haben. Es gibt niemand, bei dem Sie besser aufgehoben sind als bei Herrn von Eckertsburg. Ich würde das auch sagen, wenn er nicht mein Reffe wäre. Aber ich bin überzeugt davon, daß Sie das bald selbst merken toerben, daß ich Ihnen gar nichts weiter zu sagen brauche. Doch kommen Sie. Wir wollen einstweilen ßinübergehen. Ich werde Ihnen die anderen Zimmer zeigen. Sie soUen selbst sehen, wie schön es bei uns ist." Frau Schelmer führte Elisabeth durch die kleine, reizende Wohnung. Es ging über eine gemütliche Diele zuerst in das Musikzimmer. Cs war nicht groß; in der Mitte des Zimmers stand ein Flügel. (Fortsetzung folgt.) Wirtschaft nimmt. 3: Die n f e • Arbeitslosigkeit mit» Wirtschaftskrise in Heften Von Or. Lind, Direktor des Landesstatistischen Amts. Deoifenmarft Berlin — Jranffurt a. 211. Datorn Datum II ,9 90.75 92,5 91 32,75 32,5 v ?. icdaTVe 3* 187 187 f ■ ii 14 32,25 39 15,5 48.25 96 1 . f 6li . t 133,65 16 32 25,25 »cpenbcaen Lwckhelo: CaubOT. . . »u«o4 jltrti Rrusad . . -■•r Ätafiee - . - fanl . . . eeodj . . Spanten . . Tcryifl . . . 33,5 25.4 21.25 63 67.5 .T.te Srtgbrj . . . . • Älidneroedr..... fföln.SSeuefleu..... Piannrtuunnt-Sibm Naussen« Bered«, . - Cteri*:d. ÄcUsfiff ■ Pbö-rte Peru bau Sbdntid-t Staunte bla. ÄbdnüflW...... 34.5 25 52.5 68 58 116,75 79 50,75 33.5 33.5 24.5 II 81.75 12 32 22,9 53,5 6.5 186.25 44. Vollversammlung der Handwerkskammer Darmstadt 26 64.5 435 46 Berlin freundlich. Berlin, 13.3uni. (WTB. Funkspruch) anhaltend b e f j e r e Beurteilung Aussichten für d i e Lausanner Ä o 34,5 24.5 18 12 33 H-I'tegiots «raa - • Bebtpet. 50 34 32.5 23 83 12.5 15,75 32.9 25 Bnveru» . . TtutitK Srdö! . eeilfnfttdtenn . • Wiederinbetriebnahme bet Krupp- W e t!e in 'Rheinhausen. Zu bet Wieberrnbeiri.'bnahme bet Kruppschen Werke in Rhemh-iusen e'fäbrt WTB.-Handelsdienst. bas» bi« Friedrich-Allred-Hütte am 15. Juni die Hauptbetriebe, Stahl-, Hochofen-. Martin-. ThornaS- und Walzwerke. wieder in Betrieb 24 40.5 14 19 163 40,5 4Vi M . 6 fen. Trotz seines Leugnens war nach bet Beweisaufnahme an seiner Täterschaft kein Zweifel. toten für tienetag, 14 Juni. 1828: ©rofcherpfl Karl August von Sachsen Wei- mar in Orobttt geftorben; — 1880: der Dichter Walter von Molo in Sternberg in Mecklenburg geboren. Ltedl und ftrul: .... r.r?r-:*@at3/-c-.:e-c . . »dtUidiah für (ürfmfdbe Umfrr.cbir.unflcn . . Xbcint'-t* lürfmjttAl . SdiudenAtlo..... Stemm-* 6 tollte . . . LatimroasLo..... Bergmann.........8 ttletn. ti«ftrun94fldeU1d>afl. 10 Nlsaesamt tommen 4890 Arbeiter zur WiebereinsteUung. 6°. DeultL- WtichvaTUeibe v. 1S8'< 7% Deutsche 8ieldi4anleü>e u.1929 55',% TJounfl-anleibc von 1930 Deutsche 2tni -totel-'Sdiulb mit «uloi.-Rochien . - - - • • - De«g>. ebne Susloi -ReLte . . 8% Hell. Pofüftaai von 1929 (rüdtablb. 102%) - - - • ■ Cbcrbciicn Provinj-Anlrihe mtt «u»Ios..Rechien , - - Teutiche flomm. SammclabL Anleihe Serie 1 - - - ■ • 8% Frankl. Hrw-Ban! Soldplr 15 unkündbar bU 1935 . - 7% Franks. Hyp -Ban« choldpfe unkündbar bis 1936 Sene 16 . 444% Franks. Hvp.-Bank Stau.- Psandbriese......- , 4Vi% Rbeinische Hyp -Banl-Siau Eoldpie........... 8% $r. Landespsandbrtesanklalt. Plandbriese R. 19 . . . . . - 7% Pr. Landeipsandbriesanskalt. Psandbriese 8L 10 4% Lesterrctch»che Soldrenre . 4 20% Oekterreichliche Eilberrente 4% Nnaarische ©olbrentt . - - - ■1°; Ungarische Staaterente v. 1910 4*«% betfli. von 1913 - - - - 5% Ägest Goldtnrxikoncr von 99 <0/ Türtische Zoll anleibe von 1911 kÄ£8aflbabbabn.'3nleib< Serie 1 ■ ■ „ 5% Rinnän. vereinb. Kate v. 1905 4V»%Rumän.verclnh.Rentcv.l91- 4% Rumänische vereinh. Rente . 2 %% I. Anatolier....... Alle Teile des Deutschen Reiches sind von der Wirtschaftskrise schwer betroffen. Die Auswirkungen dieser Strifc find jedoch in den einzelnen Bezirken keineswegs ganz gleichmäßig. Der offensichtlichste Gradmesser für die Wirtschaftskrise ist dos Ausmaß der Arbeitslosigkcit. In dem kleinen Hessen- land waren am 31. März 1932 - 30 529 fiauptuntcr- stützungsempfänger der Arbeitslosenversicherung und 34 750 solche der Krisenunterstützung vorhanden. Aus 1000 Einwohner entfielen darnach 22,7 „Alu- Empfänger" (Arbeilslosen-Unterstützungsempfänger. D. Red.) und 25,8 „Kru-Empfänger" (Krisen-Unter- stützungsempfänger. D. Red ). Für das Reich liegen die Zahlen mit 25,3 und 27,9 zwar etwas Häher, aber man darf daraus nicht die Schlußfolgerung ziehen, der Beschäftigungsgrad in Hessen sei noch nichk ganz so schlecht, wie im Reich. Wenn man sich für den gewerblichen Beschäftigungsgrad interessiert, darf man die Unterstützungsempfänger nicht zur Einwohnerzahl in Beziehung setzen, denn nicht jeder Einwohner schlechthin ist der Gefahr der Arbeitslosigkeit ausgesetzt. Man muh vielmehr die Zahl der Unterstützungsempfänger mit der Zahl der Arbeitnehmer (ausschließlich der Beamten) bei der letzten Berufszählung vergleichen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zigern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. - Rcichsbankdiskonl 5 vH. Lombardzinsfuß 6 o.H. 3m Verlaufe war das Geschäft weiter sehr klein, und die Äurfe blieben nicht immer behauptet. 3®. gingen um etwa 0,75 v. H. zurück, während anderseits Reichs bank mit 2.25 v. & höher zur Rotiz kamen. Die (Srunbftimmung war aber freundlich. Am Rentenmorkt ergaben sich ebenfalls meist kleine KurSbesserungen. Pfandbriefe lagen sehr still, aber etwa- freundlicher. Bon ZndustrieobliLationen gewannen Stahlver- einSbonds etwa 1 v. 9>. Ocsterrcichische Silber- renten waren gefragt und fetter. Der Geldmarkt war sehr leicht. Tagesgeld stellte sich auf 4 v. H Frankfurter Lchlachtviehmarkt. Frankfurt a. M.. 13. Juni. Auftrieb: 1431 Binder: darunter 390 Ockfen. 152 Dullen, 451 Kühe. 396 Färsen. 619 Kälber, 48 Schafe. 4202 Schweine. Es notierten: Binder. Ochsen: voll- fleischige. auSgemästete, höchsten Schlachtwerts: 1. jüngere 34 bi- 36: 2. äüere 30 bis 33: sonstige voUsleisch.ge (jüngere) 26 bis 29. Bullen: jüngere, voUfle.schige, höchsten Schlacht Werts 30 bis 32; sonstige vollfletschige ober ausgemästete 26 bis 29. Äüfce: jüngere. vvllfleckchigc. höchsten SchlachtwertS 2b bi« 29, vvllfleischige oder ausgemästete 23 bi« 25; fleischige 18 bi« 22. Färsen (Äalbinnen, Iungrinder): vollflcifchigc, ausgemästete. höchsten SchlachtwertS 35 bis 37; voll- sleischige 31 bi« 34; fleischige 27 bi« 30. Ä ä l b c r. Beste Mast- und Saugkälber 36 bi« 40; mittlere Mast- und Saugkälber 30 bi« 35; geringe Kälber 24 bi« 29. Schweine. Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 39 bis 43; vollfleischig« Schweine von etwa 240 bi« 300 Pfund Lebendgewicht 41 bi« 44; vollflcitchige Schweine von etwa 200 bi« 240 Pfund Lebendgewicht 41 bi« 44; vollfleifch'^ge Schweine von etwa 160 bi« 200 Ps^nd Lebendgewicht 39 bi« 42; fleischige Schweine von etwa 120 bi« 160 Pfund Lebendgewicht 36 bis 41. Marktverlauf: Binder ruhig, Üeberftanb, Schweine mittelmäßig. auSverkauft, Kälber, und Schafe langsam, geräumt. Frankfurter Getreidebörse. Franks urta.M., 13. (Juni. Die geringe Aufnahmelust de« Handels und der Mühlen lieh tüc Getreidebörse zu Beginn der neuen Woche in sehr ruhiger Haltung verkehren. Da« Angebot war in Weizen etwas stärker, so daß hier ein merklicher Preisdruck zu verzeichnen war Doggen blieb dagegen unverändert. Auch Futtergetreide, sowie Braugerste lagen unverändert Hafer konnte sich sogar weiter befestigen. Die Preise für Weizenmehl wurden in alter Ware um etwa 0,25 Mk. ermäßigt. Auch Roggenmehl war billiger offeriert. Kraftfuttermittel setzten ihre Abwärtsbewegung weiter fort. ____ Es wurden notiert: Weizen 269 bi« 267,50 Mk., Doggen 225 {nominell), Sommergerste, für Drau- zwecke 200 (nominell), Hafer, inländischer 175 bis 182,50 Mark pro 1000 Kilo: Weizenmehl, südd., Spez. 0, mit Austauschweizen 38,75 bi« 39,90, Weizenmehl. Niederrhein., mit AuStauschweizen 38,75 bis 39,25, Roggenmehl (70proz.) 27,50 bi« 28.50. Weizenkleie 8,75. Rvggenkleie 9,25. Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke 26 bi« 35, Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke 24 bis 52 Mark für je 100 Kilo; Heu, südd., gut. gesund, trocken 4,25 bis 4,50. Weizen- und Doggenstroh, drahtgepreht oder gebündelt, je 4,50, Treber, getrocknet 10,25 bis 10,50, Industriekartoffeln, hiesiger Gegend, 4,20 bi« 4,25 Mark für je 50 Kilo. Tendenz: fest und ruhig. Frankfurter Eicrmarkt. Frankfurt a. M., 11. 3unt. Infolge des zurück gegangenen Angebots und der festeren Tendenz an den Auslandmärkten konnte sich die Tendenz am hiesigen Markt leicht befestigen. Die Preise zeigen Erhöhungen von ’/< bi« V , Pf., mit Ausnahme der Osteier, die unverändert blieben. Das Geschäft hielt sich weiter in engen Grenzen, nur deutsche Eier waren etwas besser gefragt Gs notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Bulgaren 5.75 bi« 6, (Jugoslawen 5,75 bi« 6, Rumänen 5.5 bis 6. Russen 5 biS 5.75, Holländer 5,75 bis 8. Dänen 5 5 bi« 8. Flandern 6.5 bi« 6.75, deutsche 2ant>- eier 65 bi« 6,75. deutsche Frischeier 5.75 bis 8. Bezahlung weiterverkauft Seine Behauptung, er habe sich zu seiner Handlungsweise berechtigt geglaubt, weit der Verkäufer trotz der Mängelrüge do.« P^erd nicht zurückgenommen habe, lieh '.ch nicht widerlegen. Dim Prüfung eines jungen Mannes au« B i l - bei. b/t wegen ruhe störenden Lärm« drei Tage Haft erhalten hatte, wurde zurückgewie- WSD. Darmstadt. 11.3uni. Gestern fand unter Leitung de« stellvertretenden Vorsitzenden Becker «Gießen) die 4 1. B ol l v e r s a m m- lung der Hessischen Handwerkskammer Darmstadt statt. Der Versammlung lagen der umtangreiche Verwaltungsbericht der Kammer, die Tätigkeitsberichte der Nebenstellen, der Gewerbesörderungs- und Betriebsberatungs- stclle, sowie des Beauftragten vor Außerdem war eine große Anzahl von Anträgen der Kammermitglieder eingegangen. Die mit dem Gesellenausschuß gemeinschattlich zu behandelnden Angelegenheiten, u. a Lehrling-fachen, kamen »ur Beratung und Beschlußfassung Die Verwaltungsangelegenheiten und der Voranschlag wurden nach Dorlage genehmigt. Direktor Schüttler, dessen Amtsperiode abgelaufen war, wurde e i n- fttmmig auf Lebenszeit wiedcrge- wählt und ihm das Vertrauen und der Dank der Kammer ausgesprochen. 3m Mittelpunkt der Verhandlungen stand ein Bericht, den das Kammermilglied Becker (Offenbach) im Aus trag des Ausschusses zur Dach- Prüfung der Kreditwirt s ch aft der Kammer erstattete. Sr kam auf die in letzter Zeit erhobenen starken Angriffe gegen die Kammer zu sprechen und gab ein Bild von den Feststellungen über die wirkliche Sachlage Der Berichs schaffte restlose ftlarhcil auch dar über, daß Fahrlässigkeiten oder dergleichen in der Behandlung der Dinge nicht oorgekommen sind. vorliegende Anträge auf nochmalige Ein- fchung einer unparteiischen Untersuchungskommission wurden damit hinfällig. Anträge, wonach die Beziehungen mit dem Dezirksverband Groß-Gerau sofort wieder aufgenommen werden sollen, verfielen der Ablehnung bzw. wurden zurückgenommen. 3m Zu» fammenbang hiermit wurde auch über einige in der letzten Zeit erschienene Artikel gesprochen. Tie von gewisser Seite verbreitete Behauptung, daß die Handwerker-Zentralgenossenschaft Wechsel platzen lasse, konnte anhand von schriftlichen Erklärungen der beteiligten Danken als unwahr fcftgeftellt werden. Nachdrücklich wurde der Wille zur oertrauent- würdigcn und einmütigen Zusammenarbeit bekundet. Rach Erledigung weiterer Anträge, die insbesondere Wirtschaft--. Steuer- und DerusSfragen betrafen, konnte der Vorsitzende die Versammlung schließen, die eine klare Stellungnahme der Karn- mcrmitgiieöer zu den verschiedenen in letzter Zeit stark umstrittenen Fragen erbrachte. 3m Verlaus der Verhandlungen fand folgende Entschließung Annahme: »Die Vollversammlung der Hessischen Handwerkskammer in Darmstadt, in schicksalsschwerer Stunde versammelt, erhebt an alle verantwortlichen Stellen in Reich und Länder den dringenden Mahnruf. der außerordentlich physischen und seelischen Jlot des Handwerks an Stelle mannigfaltiger ar. SlllS •! ttretun!Önflflen u. Q ” o n ben^Ä5; ‘‘Ä SloÄ’* toS JJ ®alerialbej4|. »«“19.®“ IZ f«n» SrünbfturfDer» ®Qr«n aufeerorbent- »n lemem DnW 1 Unrentabilität her bpreis für den ®or. ugrund 2200 Mark. n Krätze wurde mit 1P1em ^isiher erwov ostele 3660 Mark Der Mitpachter m Lind. Butzbach, ornholzhäuser Seite' leen einen Keiler Führt man eine solche Berechnung durch, bann liegen die hessischen Zahlen (84,5 „Alu-Empfanger" auf 1000 Arbeitnehmer gegenüber 85,1 im Reich und 96,2 „Äru-Empfänger" gegenüber 94,0 solcher im Reich) auf etwa gleicher Hohe. Bei ihrer ausgeprägten klein- und mittelbelrieblichen Struktur müßte die hessische Wirtschaft eigentlich krisenfester fein, als diejenige des Reichs. Wie die Zahlen zei- §cn, ist dies aber nicht der Fall. Dor allem hangt ies damit zusammen, daß die hessische Wirtschaft vorzugsweise Qualitätserzeugnisse' und hochwertige oder luxusartige Verbrauchsgüter produziert, deren Verbrauch weit stärker zurückgegangen ist als der Bedarf an unentbehrlichen Massengütern des täglichen Verbrauchs. Weit schwerwiegender als die ganz ober über« wiegenb von der Reichsanstalt betreuten „Alu- und Kru-Empsängcr" sind vor allem in ihrer Bedeutung für die Gemeindesinanzcn die Wohlfahrtserwerbslosen. Ende März 1932 waren 43 318 Wohlsahrtserwerbslose im Volksstaat Hessen unterstützt worden, das sind 32,2 auf 1000 Einwohner; bis Ende April ist diese Zahl sogar auf 45 751 angestiegen. Für das Reich wurden Ende März 34,6 renz hatte in den heutigen Vormittagsstunden zu einer freundlicheren Stimmung geführt Auch nahm men mit ?.Mereffc von der gestrigen klärenden Au»»fprache zwischen Hindenburg und den Vertretern der süddeutschen Länder- regier nn gen Kenntnis. Ferner machte das neuerliche Bekenntnis Dr. Luthers zur Goldwährung einen amen Eindruck, und schließlich regte die Wiedereinstellung von zirka 5000 Arbeitern bei Krupp an. Die Eröffnung des offiziellen Börfen- Verkehrs war bann zwar etwas enttäuschend, da die ersten Notierungen den hohen vorbörslichen Kurstaxen nicht ganz entsprachen. Die Grundslim- mun» war ober doch durchaus freundlich In der Hauptsache störte, daß bei den Banken nur sehr minimaler Drbcrcingang vorhanden war, und so dielten sich bic Kursvcränderungcn zum Samstag- schluß im allgemeinen in engen Grenzen. Rur Spezialwerte lagen fest, außer daß Siemens, Reichsbank und Farben 1 bis li v. H. gebessert waren, konnten Vapicre wie Schubert & Salzer, Julius Berger, Gelsenkirchen, Rhein. Braunkohlen, Kali Aschers leben und Westeregeln 2 bis 2j v. H. gewinnen Anderseits ncigb*n AEG., Licht & Straft und Schult hei» eher etwas zur Schwäche. Der Renten markt lag lustlos. Trotzdem waren D'Ntsche Anleihen bis zu j o.H. und Reichs jchuldbuchsorderungen bis zu 1 v. H. gebessert, auch Industrieobllgationen und Reichsbahnvorzugsaktien konnten leicht anziehen. Gleich nach den ersten Kursen drückte die G e schästslosigkeit etwas auf die Tendenz der Aktienmärkte. Als jedoch im weiteren Verlaufe 'von Publikumsseite her Orders eintrafen, fetzten sich neue Erholungen durch. Die Spekulation schritt ebenfalls z- Deckungen, zumal von den Aus- londsplätzen London und Amsterdam bessere Kursmeldungen Vorlagen, und auch für deutsche Werte Interesse bestehen soll. Allerdings war die Stimmung später wieder ziemlich nervös, teilweise gingen die im Verlause erzielten Gewinne auch schon wie- der verloren. Rur Salzdetfurth lagen mit 149 v. H. weiter ausgesprochen fest. Mannesmann, die wenig verändert eröffnet hatten, gewannen zirka 1 v. H An Rentenmarkt schienen Pfandbriefe eher angeboten zu sein, fo daß man mit eher bis I v. H fchwächeren Kursen rechnet. Am Geldmarkt war die Situation unverändert leicht, Tagesgeld blieb in der unteren Grenze 5j o. H., Monatsgeld 6 bis 8 o. H. nominell. Frankfurt still, ober freundlich. Frankfurt a. M., 13. 3uni. (WTB. Draht- Meldung.) Der erste Börfenverkehr der neuen Woche begann in sehr stiller Haltu n g. Die Stimmung war auf Grund der weiterhin optimistischeren Beurteilung für die beoorftefrenbe ' Lausanner Konferenz etwas freundlicher, da die Auffassung vorherrscht, daß man dort eine für alle Beteiligten befriedigende Regelung treffen wird Don der Kundschaft lagen keine Orders vor, so daß sich die Umsatztätigkeit in der Hauptsache auf die Spekulation beschränkte, die kleines Dek- kungsbedürsnis zeigte. Gegen den Wochenschluß ergaben sich für die Mehrzahl der Papiere zwar Erhöhungen, doch betrugen sie selten mehr als 0 25 bis 0.5 v. H. 3G. gewannen 1.5 v. H. dagegen eröffneten Elektrowerte um Bruchteile eines Prozentes höher, Licht & Kraft blieben fogar nut knapp behauptet. Arn Montanwarkt hatten Gelsenkirchen etwas lebhaftere Dachfrage, und der Kurs stellte sich um 2 v. H. höher. Rheinstahl und Stahlverein gewannen bis zu 1 v. H. Anfangs zur Dotiz tarnen noch Aku mit minus 0,5 d. H. Metallgesellschaft mit minu«5 «v. H. und Deutsche Erdöl mit minus 0.25 v. H. An den Debenmarkten herrschte Geschäftsstille. ner Gießen. Sin Viehhändler in 8 gegen ein Urteil durch das er wegen hessische Gesetz bett, toerbebetrieb« X) Marl Geldstrafe h die heutige Ver« • :halb des Gemeinde- c Vegründung einer mb ohne borgängige in ausgesucht Halle, »sipreubischen Viehes daher zurückge- Ibel hotten MHI- 't und waren Pont jrofien Unfug« zu :n. Aus ihre unb ang wurden sie heute tg zu 30 und 60 [teilt Die Verusung Verurteilung eines alte keinen Ersvlg. )e ein Landwirt aus ,erkl)t Vüdingen bemal Gefängnis verte eine unter Eigenste vor vollständiger > nicht zu sehen be- ar nicht biet wohnte, jcteelen wat. Dann schön Werden. t ausgezeichnet. Cie - HauSgenoslin wun- mng, ihr Zimmer — sie an Frau M" och. an die Mädchen i sie noch rechtzeikg nb Durfte etwas von erfahre Opftc. Frau Schelm« Säs mit es«“*"“’1 durchbohr,sollte '-■2 Sine fu^ii alten als ich mSat) so hi 6 aber e- mit chr- norge" u^bin $ SM1" i*Ä in wen" ‘“U&sffsg io. Sarttew-.tnsuftnc . . H non. jHtuftrte Jt®tb tun a.®.......... gdKtxenftaU.......1" tr.iM.........v üvmvurfl-etnenla satri . • [•Sübatn. TamoNSitt. Paula $4nwHd?tff ..... «orltcutldter Vleob . . - • «.«. für SerfeMBctfli «t • ©edinet Canöel»«t4ctientai» . . . »al....... Tdzn’rr 5»cirrni..... . t . 0 — 45 »4 Ttnxldje fctiwtena .... . 5 — 25.65 26.5 Ctnta & fcppd .... . 0 — £-rc=barb Ite»...... » ? — 23.75 =erti!a......... 15 40.5 40 39.9 IboX ........ - 14 — 31 31.5 3tc.!hinrt ».tuen . . . _ 184 ilr^rrr......... j _ 163.5 165 7 5 £P".nh:fLT'trfe H: -Ü a. ET-. 40,75 40,75 41A LLvdemIL« Zi-cker . . . »eHtn, M.lurri ®elt> ‘ Brltl .-rrtiirrt^ Xrtew....... 4,20 4.22 B r lgrl idt 9kl ten......... 58,53 58.77 Danach« Tlotra......... 54.23 64 57 enML-R-ten......... 15-415 15,475 tldx Älter........ 16,54 16.60 feoMuWt't Wirten........ 170.26 170.94 gialtentidx 9?otni........ 21,59 21.67 Sjroetjtffrt 91c:en........ 76,85 77.15 I eJtl C • tenrt*, 4 100 Cdrtning Ruennüdte ?i-ten........ 2,495 2.515 CtfcTt:-.f±-e Rrten........ 78.89 79.21 ed)om rt Rotte......... 61.94 82.26 Epcnt’dx Roten. ........ 34,53 34,67 Ungcrrldte Rotes ........ Wohlfahrtserwerbslose auf 1000 Einwohner ermittelt. Abgesehen davon, das; auf die 1925 gezählten erwerbstätigen Arbeitnehmer bezogen die Zahl der Wohlfahrtscrwerbslosen in Hessen ungünstiger ist als im Reich, wirken bei dem Vergleich zwischen Hessen und dem Reich die Unterschiede in der (9c- mcindegrößenklasson - Gliederung sehr vcrglcichs- störcnd. Hessen ist das Land der Mittel- und Kleinstädte. Arbeiterwohngemeinden, deren Einwohner in den nahen Bcschäftigungszentrcn Franksurt- Offenbach, Mainz-Wiesbaden und Mailnheim-Lud- wigshafen tätig find, geben der Größenklassengliederung der hessischen Gemeinden ihr besonderes Gepräge. Schaltet man durch entsprechende Umrechnung die voneinander abweichende Gemeinde- größenklassen-Glicderuna aus der Berechnung aus, dann hätte Hessen bei Anwendung des Grades- der Wohlfahrtscrwerbslosigkcit des Reichs statt 43 318 Wohlfahrtserwerbslose nur 39 6iy am 31. März 1932 haben dürfen, das heißt also, Hessens Gemeinden sind durch die Aufwendungen für Wohlfahrtserwerbslose wesentlich schwerer betroffen, als die Gemeinden gleicher Einwohnergräßenklassen im Reich im allgemeinen. Die Arbeitslosigkeit zugleich mit der st a r k e n Zunahme der Kurzarbeit und vor ollem auch die Auswirkung des Lohn- und Gehaltsabbaues hat die Einkünfte der Arbeitnehmer und damit das Aufkommen an Lohn ft euer bei den Finanzkassen des Landesfinanzamtsbezirkes Darmstadt sehr beeinträchtigt. Das Bruttoaufkommen an Lohnsteuer pro Kopf der Einwohner betrug insgesamt im: Landesfinanz- Deutschen amtsbezirk Reich Darmstadt 1930 Januar bis März 4,12 RM. 5,83 RM. 1931 Januar bis März 3,81 RM. 5,18 RM. 1932 Januar bis März . 2,48 RM. 3,41 RM. Der R ü ck g a n g beträgt sowohl in Hessen, wie im Reich etwa 4 0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Daß im Reich pro Kopf des Einwohners höhere Beträge an Lohnsteuer aufkommen, hängt mit der andersartigen sozialen Schichtung der hessischen Bevölkerung (relativ mehr Selbständige, aber weniger Arbeitnehmer als im Reich) zusammen, vor allem aber auch damit, daß die Lohnsteuer im Beschäftigungsart entrichtet wird und daher die den in Frankfurt, Mannheim ujw. beschäftigten Pendelwanderern einbehaltene Lohnsteuer nicht in die Finanzkassen des Landesfinanzamtsbezirk Darmstadt fließt. Auch das Aufkommen an Umsatz st eucrn läßt sich als Konjunktursymptom verwerten. An Umsatzsteuer pro Kopf des Einwohners kamen insgesamt auf im: Landesfinanz- Deutschen amtsbezirk Reich Darmstadt 1930 Januar bis März 3,36 RM. 4,22 RM. 1931 Januar bis März 3,09 RM. 4,03 RM. 1932 Januar bis März 2,63 RM. 3,89 RM. Hier ist der Rückgang in Hessen mit 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr weit stärker, als im Reich, wo er 8 Prozent beträgt. Dabei wurde jedoch von 1930 bis 1931 die Umsatzsteuer von 0,75 auf 0,85 Prozent und dann bis 1932 auf 2 Prozent erhöht. Diese Aenderung in den Steuersätzen macht es für die Uebergangsmonate auch unmöglich, aus dem Umsatzsteueraufkommen die geldmäßigen Umsätze selbst annähernd zu errechnen. Soviel steht- jedoch unbedingt fest, daß die volkswirtschaftlichen Umsätze (Absatz der Erzeuger und des Handels zufammengenommen) weit stärker noch gesunken sind, als dies allein die Preissenkung hätte zur Folge haben müssen. Daß die Zahlen an sich in Hessen die ganze Zeit über wesentlich unter der Höhe des Reiches liegen, hängt damit zusammen, daß der Handel mit seinen sehr ins Gewicht fallenden Umsätzen in Hessen verhältnismäßig schwach .vertreten ist und daß auch die steuerpflichtigen Umsätze der hessischen Landwirtschaft infolge ihrer starken betrieblichen Zersplitterung gegenüber den Bezirken mit großbetrieblicher Struktur nur gering sind. Eine Reihe weiterer Symptome beleuchten die Schrumpfung der gesamten wirtschaftlichen Tätigkeit in Hessen. Der Bieraus- stoß der hessischen Brauereien war nach den Ergebnissen der Biersteuerstatistik im 1. Vierteljahr des Kalenderjahres 1932 um fast 44 Prozent geringer, als um die gleiche Zeit des Vorjahres, während im Reich der Rückgang sich nur auf 26 Prozent belief. Das Kalenderjahr 1931 brachte im Reichsbahnverkehr gegenüber den Vorjahren einen starken Rückgang. Der Personenverkehr in Hessen an der Zahl der beförderten Personen veränderte sich im: ganzen Reichsbahndirek- Reich tionsbezirk Mainz von 1929 auf 1930 — 8 v.H. — 12v.H. von 1930 auf 1931 — 14v.H. —17 vH. Im Güterverkehr war der Rückgang noch stärker. Besonders betroffen war der Wagenladungsverkehr mit Baumaterial. Für die neun wichtigsten Stein- versandstationen Hessens, die vor allem auch Schottermaterial für Straßenbauzwecke versandten, betrug der gesamte Wagcnladungsverkchr 1929: 634 500 Tonnen 1930: 524 000 Tonnen 1931: 337 600 Tonnen Gerade die Eigentümlichkeiten in der hessischen Wirtschaft, die ihr in guten Zeiten mit zu besonderer Blüte verhalfen, bewirken unter den augenblicklichen Verhältnissen, daß Hessen stärker unter der Arbeitslosigkeit und der Wirtschaftskrise leidet, als viele andere Reichstelle. Die hessische Industrie ist starker auf Export angewiesen, als die Industrie im Reich im allgemeinen. Die Ergebnisse der Umsatzsteuerveranlagung 1930 ermöglichen es, die Exportquote, d. h. den Teil ihres Absatzes, den die Industrie unmittelbar ins 'Ausland liefert, annähernd im Rahmen des gesamten industriellen Absatzes zu ermitteln. Darnach ist die Exportquote für die hessische Industrie einschließlich des Handwerks, das sich leider nicht aussondern läßt, um wenigstens ein Zehntel höher als für diejenige im Reich insgesamt. Die ständig zunehmenden Hemmungen, die sich dem internationalen Güteraustausch in den Weg legen, treffen somit die hessische Industrie stärker, als diejenige im Reich. Gerade die beiden Bezirke Offenbach und Worms, in denen die Arbeitslosigkeit ohnedies am höchsten ist, haben seither in besonderem Ausmaß für den Export gearbeitet. Bei der Bedrohung ihrer Exportaussichten müssen leider gerade diese beiden Bezirke für die Zukunft noch eine weitere Zunahme ihrer Arbeitslosigkeit durch den Verlust ausländischer Absatzgebiete befürchten. Auch die hessische Landwirtschaft verspürt bei der Besonderheit ihrer Produktionsrichtung die Wirtschaftskrise und die damit verbundene Schrumpfung, der Kaufkraft der heimischen Verbraucher stärker als die Landwirtschaft mancher anderer Bezirke, denn die bäuerliche Veredelungswirtschaft, die ja für die Landwirtschaft Hessens besonders charakteristisch ist, mußte für ihre Erzeugnisse weit stärkere Preisstürze ertragen, als etwa die Brotgetreideproduk.tion. Der für Rheinhessen und beträchtliche Teile. Starkenburgs so bedeutsame Wein-, Obst- und Gemüsebau leidet sehr unter den tiefgedrückten Preisen seiner Erzeugnisse. Aehnliches gilt für die Viehwirtschaft, insbesoiiderc auch die ober hessische Milchwirtschaft. Fünfzehn an der monatlichen Molkereistatistit beteiligte Molkereien Hessens setzen von Januar bis April 1932 fast 12 Prozent weniger Frischmilch ab, als in der gleichen Zeit des Vorjahres, nachdem auch dieses schon gegenüber 1930 einen Rückgang von fast 9 Prozent gezeigt hatte. Da die Mllchanlieserung seitens der Erzeuger im wesentlichen gleichblieb, mußte ein wesentlich 'größerer Teil der Milch als früher zu Butter verarbeitet werden. G.JL-'fport Bayern München DeuischerMeister Eintracht Frankfurt im Endspiel mit 2:0 geschlagen. Die Entscheidung ist gefallen. Die „Bayern" haben es nach verschiedenen Anläufen fertig- gebracht, die erste deutsche Fußballmeisterschaft nach München zu holen. Und man kann sagen, sie haben sie auch verdient gewonnen, denn in diesem Spiel zeigten sie bestimmt die geschlossenere Leistung. Ihre „Tagesform" war bessär als die der spielerisch an sich völlig gleichwertigen Eintracht-Mannschaft, die sich lange Zeit gar nicht finden konnte und deren Sturm eine seltene Zerfahrenheit zeigte. Der Kampf war sehr hart. Technische Feinheiten bekam man nicht allzuviele zu sehen. Schon lange vor dem Spielbeginn war das Nürnberger Stadion überfüllt. Bund 60 000 Zuschauer waren es, die in der drückenden Sommerhitze dem Kampfe folgten. Nürnberg stand ganz im Zeichen des Endspiels. Die Frankfurter Schlachtenbummler mit ihren rotweihen und die Münchener Fußballanhänger mit ihren weißblauen Fähnchen bevölkerten das Stadtbild der alten Noris. Mit Sonderzügen, auf Nädern, in allen möglichen Kraftfahrzeugen und viele auch zu Fuß, so waren sie in Nürnberg eingezogen, um das Endspiel zu sehen. Punkt 16 Uhr pfiff der energisch und gerecht amtierende Schiedsrichter D i r l e m (Berlin) das Spiel an. Folgende Spieler hatten Aufstellung genommen: Eintracht: Schmitt: Schütz, Stubb: Grämlich, Leis, Mantel: Schalter, Trumpler, Etzmer, Dietrich, Möbs. Bayern: Lechler: Heidkamp, Haringer: Nagl- fchmitz, Goldbrunner, Breindl: Welker, Schmid, Nohr, Krumm, Bergmeier. An Ehrengästen waren vertreten die Oberbürgermeister von München und Nürnberg, Vertreter des bayerischen Staatsministeriums, der Neichswehr und der Sportbehörden. Am Mikrophon amtierten Dr. Ernst (Köln) und Dr. Schmieger (Wien). Das Spiel.. . begann mit dem Anstoß von Eintracht, nachdem sich der Bayernkapitän Heidkamp bei der Platzwahl für das Spielen mit der Sonne entschieden hatte. Die Bayern kommen schneller ins Spiel, Schmitt im Eintrachttor mußte einigemale rettend eingreifen. Ein gefährlicher Angriff der Frankfurter endete mit einem Kopfhall von Möbs, der aber im „Aus" landet. Schütz und Stubb machen dann verschiedene Bayernangriffe, die meist von der rechten Seite Bergmeier-Krumm eingeleitet werden, zunichte, einmal macht Schütz dabei unnötigerweise „Hand", den Strafstoß am 16-Meter-Raum schießt aber Haringer knapp über das Tctr. Frankfurt spielt nun einige Minuten überlegen, der Sturm hat hierbei durch die Hintermannschaft gute Unterstützung. Die Situationen wechseln blitzschnell, auf beiden Seiten stechen die Verteidigungen durch solide Arbeit hervor. Endlich in der 35. Minute fällt das erste Tor. Bergmeier schießt die erste Bayernecke, Schütz schlägt den Ball Krumm vor die Füße und besten Schuß kann Stubb auf der Torlinie stehend nur mehr durch Handspiel abwehren. Den fälligen Elfmeter verwandelt Rohr unhaltbar zum 1:0 f ür Bayern. Das Publikum und natürlich besonders die Münchener klatschen begeistert Beifall. Die restlichen Minuten bis zur Halbzeit bringen das Ausscheiden von Dietrich, der am Kopfe eine Verletzung erlitten hat. Bei München muß Haringer verletzt ausscheiden. Die zweite Halbzeit. Dietrich-Eintracht ist wieder eingetreten und spielt nun auf Linksaußen, Möbs auf Halblinks. Auch Naglschmitz ist wieder mit von der Partie. Die Bayern spielen jetzt überlegen, doch bildet die Eintrachtverteidigung ein starkes Bollwerk. In der sechsten Minute muß Möbs vorübergehend verletzt ausscheiden. Trumpler begeht an Haringer ein Foul und wird verwarnt. 3n der 20. Minute stellen die Frankfurter erneut um, der Sturm spielt nun in seiner ursprünglichen Aufstellung. Etwas überraschend kommt dann in der 30. Minute das zweite Tor der Bayern, Krumm hatte sich durchgespielt, sein plötzlicher Drehschuß läßt Schmitt keine Chance zum Eingreifen. Von der Innenkante springt der Ball ins Netz. Es steht 2:0 fürDayern. Eintracht greift nun stürmisch an, aber Bayern verteidigt zahlreich. Ein scharfer Strafstoß von Stubb geht an die Latte und in der letzten Minute haben die Münchener noch eine gute Gelegenheit, doch Krumm verschießt aus aussichtsreicher Stellung. Zn der Kritik kommen die Bayern bedeutend besser weg als die Frankfurter. Hauptsächlich der Sturm spielte flüssiger und ideenreicher. Dergmeier und Welker, die beiden Außen, waren die treibenden Kräfte. Das Jnnentrio spielte ausgezeichnet und vergaß auch das Schießen nicht. Der beste Mann der Läuferreihe war Naglschmitz, auch Goldbrunner machte einen guten Eindruck, Breindl fiel etwas ab. Heidkamp und Haringer erwiesen sich ihren großen Gegenübern vollkommen ebenbürtig und Lechler im Tor arbeitete bei nicht allzugroher Beschäftigung ruhig und sicher. Der beste Teil der Eintrachtelf war die Verteidigung, Schütz und Stubb in großer Form. Das Spiel verlor der Sturm, bei dem alle fünf anscheinend sehr unter einer schlechten „Tagesform" zu leiden hatten. Ehmer konnte noch einigermaßen imponieren, wurde aber stark bewacht. Die Läuferreihe spielte zufriedenstellend, Mantel hatte hervorragende Momente. Tormann Schmitt war an den beiden Toren schuldlos. Das Publikum verhielt sich objektiv und applaudierte anfänglich die güten Leistungen auf beiden Seiten. Schließlich wandte sich aber die Gunst ganz der Bahernels zu, wozu einige Derbheiten der Frankfurter nickt wenig beitrugen. Fußball der Gießener Mannschaften. Spieloereinigung 1 9 0 0: Die Liga weilte am Samstag beim Sportverein Wetzlar, lieferte ein ausgezeichnetes Spiel, das jedoch durch ein Selbsttor Zellers mit 1:0 verloren wurde. Der Gegner des Sonntags, BSC. Frankfurt-Oberrad, ließ allzu lange aüf sich warten, so daß das Spiel abgesetzt werden mußte. Die Ligareferve gewann auf eigenem Platze gegen die i. Mannschaft von Grünberg mit 4:0. Die 1. Jugend war spielfrei, die 2. Jugend kam kampflos zur Meisterschaft, denn Wetzlar-Büb- lingshaufen trat nicht an, die 3. Jugend gewann gegen Klein-Linden 1. Jugend mit 2:0, die 1 Schüler gewannen gegen Garbenteich 1. Schüler ebenfalls. Ergebnis 1:0. V f B. Gießen: Das mit Spannung erwartete Spiel gegen „Teutonia" Watzenborn - Steinberg endete mit einer glatten Niederlage der Gäste, die in der Höhe von 9:2 Toren noch nicht einmal un- verdient war. Die 2. Mannschaft verlor in Steinbach gegen die dortige 1., mit 6:2 Toren, die Alten Herren gewannen gegen Äeinbachs 2. mit 5:1. Die 1. Jugend schlug die 1. Jugend von VfR. Butzbach auf dem Waldsportplatz mit 5:0, Wiesecks 2. Schüler mußten sich vom VfB. 2. Schülern miM:0 geschlagen bekennen. Internationales (Sportfest in Frankfurt a. M. HirschseldS großer Gegner Douda enttäuscht. — Sievert verletzt. Anläßlich der Weihe seiner neuen Plahanlage führte der IG.-Sportverein -Frankfurt am Sonntag ein internationales Athletikfest durch. Bei schönstem Sommerwetter kamen 3000 Zuschauer, die aber manche Enttäuschung erlebten. Zunächst waren wieder einmal einige der gemeldeten Größen nicht am Start. Diesmal hatten aber weder der Veranstalter noch die Aktiven ein Verschulden. Mehner- Frankfurt und der Italiener F a c e l l i waren verletzt und der Oester- reicher N i n n e r mußte zu Hause bleiben, weil er zur Zeit disqualifiziert ist. Ein weiterer namhafter Athlet schied während der Veranstaltung durch einen bedauerlichen Zwischenfall aus. Bei einem verunglückten Kugelstoß von Vogl-Wüns- dors wurde unser Zehnkampfmeister Sievert mit der Kugel auf das Schulterblatt getroffen und kampfunfähig gemacht. Die Folgen dieser Verletzung sind zur Zeit noch gar nicht zu übersehen. De5 Zwischenfall löste bei den Kugelstoßern eine erhebliche Depression aus. die sich auch in den Leistungen spiegelte. Der Sieg fiel mit der immerhin recht guten Leistung von 15,62 Meter an den deutschen Weltrekordmann Hirschfeld, während sein tschechischer Nivale Douda stark enttäuschte. Er kam nur auf 15,19 Meter und wäre sicher auch noch von Sievert geschlagen worden. Neben diesen Enttäuschungen gab es auch eine Reihe von sehr schönen und spannenden Kämpfen. Bemerkenswert ist vor allem di^ Tatsache, daß sich Dr. P e l h e r wieder in guter Form zeigte. Er gewann durch seinen unwiderstehlichen Endspurt die 800 Meter in 1:55.7 Sek. sicher vor Lesebre und Müller. Eine LIeberraschung gab es im 100-Meter-Lauf, wo die Westdeutschen H e n- d r i x bzw. Buthepieper über die Frankfurter (Sterling bzw. Mährlein siegten. Eine Klasse für sich stellte Frl. Dollinger- Nürnberg im 100-Meter-Lauf der Frauen dar. Den 110-Meter-Hürdenlauf gewann nach spannendem Rennen Wegener -Schöneberg vor Welscher- Frankfurt. Ein Glanzpunkt der Veranstaltung war der 1500-Meter-Lauf, bei dem der Italiener B e c c a l i durch einen in der glänzenden Zeit von 3:54.1 Min. errungenen leichten Sieg seine große Klasse zeigte. Oer deutsche Olympia-Vierer. ■ MM - Der Vierer ohne Steuermann der Mannheimer „Amicitia" (von links nach rechts: Aletter, ©aber, Flinsch und Maie r), der voraussichtlich Deutschland auf der Olympiade in Los'Angeles vertraten wird. Es handelt sich nur um reguläre hochwertige Ware 4490 A Schulstr. 4 aus la Siamosen oder Zephir oder la kunstseidene oder B'woll-Beiderwand, voll weit, in sehr schönen Zusammenstellungen. Jedes Kleid nur Wasch-. . Garten Kleider Berufs Ein Restposten von ca. 70 Stück ix» Salomon Bekanntmachung. 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Vvuchlerdende .Kommen Sie zu mir, ich; lege Ihnen meine Bmidnge an, damit Sie an sich feststellen, daß meine von nuten wirkende, durch zwei deutsche Ncichspatente geschützte Reform-Kugelgelenk-Bandage ;ibrc Brücke—auch schwere—sicher zurück hält! Bücken,Strecken,Husten,Hebenusw. muß Sie überzeugen, daß die Lieferung von über 12000 Stück in kurzer Zeit wohl begründet ist. Ohne Jeder, Gummi über Lchentelriemen bcaucui und unauffällig^ Aerztlich begutachtet und emv- fohlen. Tägl. Dankschreiben. Auf Wunsch 11 Tage zur Probe, evtl. Teilzahlung. Brnchleidcndc - auch für Kinder -Blind darmoverierle il.Borfall-Leidende wenden sich kostenlos Gießen: Mittwoch, 15. Juni, Hotel Prinz Earl, von 3 bis 7 Uhr; Wetzlar: Mittwoch, 15. Juni, Hotel Kalt- wasser; oott 8 bis 1 UbrttAlsfeld: Donnerstag, 16. Juni, Hotel Deutsches Haus, von 8 bis 1 Uhr, an den Erfinder u. 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