Ur. Ul (Elftes Statt 182. Jahrgang Sreitag, 15. Mai 1932 Erscheint täglich.außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familiendlötter Heimat im Bild • Die Scholle Monat, vezugrpreir: Mit 4 Seilaqen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 180 Zustellgebühr .. , - 25 Luch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8erNfprechanschlüffe unter Sametelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger «iefjen. Ä«ftonto: i Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnirf nnö Der tag: vrühl'sche Universttälr-Vvch' und Steinöruderei R. Lange in Gletzen. §chriftlettung und Geschäftsstelle: 5chnlstraße 7. Annahme van Anzeiaen für die Tagesnummer ois zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Brette 35 'Jieichspfennig, Plahoorschrift 20*, mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Dolmk Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr.H.Tbyriot: für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Sturmszenen im Reichstag. Ablehnung der Mißirauensanttäge gegen das Kabinett Brüning. — Polizei verhafiet nattonalsozialistische Abgeordnete. Vorzeitige Vertagung des Reichstags. Berlin. 13. Mai lBDZ.) Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Rechtsstellung der weiblichen Beamten. Das Gesetz ändert die bisherigen Bestimmungen dahin, daß vor- heiratete weibliche BeichSbeamle von der vorgesetzten Dienstbehörde entlassen werden können. wenn daS Ausscheiden aus dienstlichen Gründen erforderlich ist und wenn die wirtschaftliche Versorgung des weiblichen Beamten nach der Höhe des Familien- cinfommcne dauernd gesichert erscheint- Die auf Grund dcS Gesetze- ausschcidenden weiblichen Beamten erhalten Abfindungen, durch die die Der- lot -ingSbezüge abgcgolten werden Abg. Frau Dr. Bäumer lLtp.) tritt der Meinung entgegen, als fei jede weitere verheiratete Beamtin ohne weiteres als Doppelverdienerin zu betrachten. 3n vielen Fällen fei die Berehelichung nur dadurch möglich geworden, das, beide Gatten ein Einkommen haben DaS fei eine Folge der heutigen Wirtschaftslage Bevölkerungspolitisch mühten die stärkstcnDedcnkcn gegen das Gesetz geltend gemacht werden. Die Staatspartei könne dieser Vorlage nur deshalb zustimmen. weil sonst die Gesahr besteht, daß weibliche Beamte über- Haupt nicht mehr zu unkündbarer Anstellung gebracht werden Abg. Frau Dr. Weber (Z.) meint, dah es am besten märe, wenn die Frauen nicht ins Erwerbsleben bineingestohen werden, sondern sich der Familie widnten können. Nicht das Doppel- verdienertum, sondern der für das Familienleben nicht ersprießliche Doppelberuf habe das Zentrum zur Einbringung der Lorlage veranlaht. Abg. Frau E i t n e r (Ehr Soz.) stimmt der Dor* tage .',i' Die ltzleichberechttgung der Frau solle nicht -ngetastet werden, aber hier handele es sich um eine Notmofznahme. Aba. Frnu Lehmann (Dnt.i begrubt das Beseh Die Frau und Mutter, die nicht durch zwingende wirtschastlläze Not zur Berufstätigkeit genötigt wird, müsse ihre ganze Straft der Familie widmen Da» Beseh wird mit 460 gegen 73 Stimmen der Kommunisten, also mit der für versasfungsändernde Besetze erforderlichen qualifizierten Mehrheit bei 13 Enthaltungen angenommen. Ablehnung der MlrauenS- anlrägegegen dasGesamfkabinett Tlv^mehr folgen die Abstimmungen über das Schuldentilgungsgele h. § 8, der öle Sparprämien - Anleihe - Ermächtigung für die Arbeitsbeschaffung enthält, wird in namentlicher Abstimmung mit 283 gegen 256 Stimmen angenommen. In der namentlichen Schluhabstimmung wird da» Schuldentilgungsgesetz mit 287 gegen 260 Stimmen endgültig angenommen. — hieraus werden d i e Mihtrauensanträge der Ha- tionalsozialisten, Deutschnationalen und ftommuni- ften gegen das Gesamtkabinett mit 287 gegen 257 adgetehnt. Für die Mihtrauens- enträge hatten außer den Antragstellern auch die Deutsche Volkspartei und das Landvolk gestimmt. Vorzeitiges Ende der Aeichsiogssitzung. Präsident ßöbc: Mir wird mitgeteilt, das; ein 3ournalift im Reichstag tätli h angcg rissen worden ist. (Zurufe der Aativ- nalsozialisten.) 3d) habe Anweisung gegeben, dah die Täter, gleichgültig ob es sich um Abgeordnete handelt oder nicht, durch die Kriminalpolizei ermittelt werden. — Aach dieser Mitteilung kommt es zu lärmenden Auseinandersetzungen zwischen den Aationalsozialistcn und Sozialdemokraten. Präsident Löbe unterbricht Die Gihung für eine halbe Stunde. Während der Sitzungspause wird der überfallene Kapitänleutnant a D. Klotz in den Saal geführt Er stellt den nationalsozialistischen Abgeordneten Heines als den ersten Angreifer fest 3n dichten Gruppen stehen die Abgeordneten zusammen und erörtern erregt den Fall. Man hört den Abg Dr Goebbels (Aatsoz.) rufen. »Kommt das Schwein hierher und provoziert!" Aach fast ein stündiger Pause wird die Sitzung wieder eröffnet. Präsident Löbe: 3ch habe der Polizei meine Befugnisse zur Verfolgung der an der Straftat Beteiligten übertragen und alle Maß- nahmen zur Verhütung einer Verdunkelung des Tatbestandes getroffen. Mir ist noch mitgeteilt worden, daß bei der Frau des über- fallenen3ournalistenKlotz vom Reichstag aus angerufen und ihr mitgcteilt worden ist, ihr Mann habe sich im Reichstag ungebührlich ktragen, er sei infolgedessen zusammengeschlagen worden und sie solle berfommen, um sich seine Knochen abzuholen. iStürmische Pfuirufe.) Aach den bisherigen Ermittlungen waren an der Straftat beteiligt die nationalsozialistischen Abgeordneten Heines, Weitzel, Krause (Ostpreußen) und Stegmann, die auf Grund des §91 der Geschäftsordnung wegen gröblicher Verletzung von mir für dreißig Tage von denSitzunaenausgeschlos- sen sind. 3ch sordere diese Abgeordneten auf. den Sitzungssaal zu verlassen. — Aach kurzem Warten erklärt Präsident Löbe dann weiter Diele Herren verlassen den Saal nicht! Die Sitzung ist dadurch Die Tribunenbefucher harren nach Schluß der Sitzung weiter der Dinge, die sich ereignen werden. Nach einiger Zeit erhebt sich auf der Mitteltribüne zwifchen dem Publikum ein junger Mann und ruft in den Saal: „Heil Hiller!" Die nationalfozialistifche Fraktion, die im Saale noch vollzählig versammelt ist, erhebt sich fofort und stimmt dreimal in diesen Nus ein. Auf den Tribünen hört man darauf grelle Pfiffe. Die Diener des Hauses erscheinen und fordern die Tribunenbefucher auf, hinauszu- gehen. Währenddessen öffnet sich auch die Tur hinter den Plätzen der '.Regierung. Der Berliner P o - lizeioizeprafident Dr. Weiß erscheint, begleitet von einigen Kriminalbeamten in Zivil im Türrahmen und bezeichnet den Beamten einige nationalfozialistifche Abgeordnete, offenbar um sie entfernen zu lallen Die Beamten werden von der nationalfozialistifchen Fraktion m i t lautem Hallo begrüßt, ziehen sich aber zunächst unverrichteter Sache zurück. Während inzwi> schen alle Publikumstribünen geräumt sind und nur noch in der Diplomatenloge einige Personen den fortgesetzten Tumultfjenen im Plenarsitzungssaal Zusehen, scharen sich die Nationalsozialisten laut diskutierend um Dr. Frick, Dr. Goebbels und Goering Plötzlich betritt durch eine Tür hinter der fRcgic rungsbank der Berliner Vizepolizeipräsidenf Dr. Weiß abermals den Sitzungssaal, non den Nationalsozialisten mit stürmischen Zurufen empfangen. Dem Polizeivizepräsidenten folgen 2 5 bis 3 0 uniformierte Polizeibeamte, die unter der Führung eines Polizeioffiziers das zwischen ihnen und den Nationalsozialisten liegende hölzerne Hindernis der Negierung s banke durch Ucberfpringcn und lleberflcttcrn nehmen. Sie werden dabei nicht nur von ohrenbetäubendem Lärm empfangen, der insbesondere von den Bänken der Nationalsozialisten klingt, sondern auch von ermunternden Zurufen aus den Reihen der Linken, die noch immer dichter besetzt sind, als zu mancher normalen Reichstagssitzung. Vereinzelt sieht man auch, wie scheinbar für alles gerüstete Abgeordnete die Kamera z ü rf e n , um eine Aufnahme von dem denkwürdigen Vormarsch der uniformierten Polizei über die Regierungssitze hinweg zu erlangen. Die Polizeibeamten holen sich aus den Reihen der Nationalsozialisten zwei Abgeordnete heraus, die sie feftfteUcn. Die beiden Abgeordneten nehmen, als sie ihre Personalien angegeben haben, aus den Plätzen des Reichskanz- Berlin, 13. Mai. (VDZ.) Die Schlägerei, die den Grund zu der vorzeitigen Beendigung der Reichstagssitzung bildete, war nach den vorläufigen Ermittlungen im Neichstagsrestaurant ent- standen. Dort saß der Äapilänleutnant a. D. Klotz, der früher den Nationalfozialisten nahestand und jetzt als Redner sich besonders in Kreisen des Reichsbanners betätigte. Klotz ist der V e r f a s I e r e i n e r Broschüre über eine Reihe führender Nationalsozialisten, u. a. über den Hauptmann Röhm. Klotz soll im Reichstags-Restaurant im Verlauf von Auseinandersetzungen ooneinigen National- sozialisten tätlich angegriffen worden sein. Kellner und Abgeordnete Drängten die Nationalsozialisten aus dem Restaurant heraus. Klotz Sing dann in die Wandelgänge und wollte in den mgängen auf der Rechten Die Täter feststellen. Hierbei kam es erneut zwilchen ihm und Na tionalfojjaliften zu Auseinandersetzungen, die damit endeten, daß Klotz gewaltsam aus den Umgängen gedrängt wurde. Auch "in der Prösidentenoorhalle soll Klotz erneut angegriffen worden sein. ©er Reichstag bis zum S.Zuni vertagt. Llürmifchc Litzunq dcs AeUcftenrats. Der Reitestenrat des Reichstages trat am Aachmittag zusammen, um nach der jäh unterbrochenen Plenarsitzung sich mit den entstandenen Zwischenfällen und der Frage des Wieder- zusammentritts des Reichstages zu veschäftigen. Die Verhandlungen galten vor allem der juristischen Frage, ob Der Reichstagspräsident berechtigt sei, Ordnungsmahnahmen wie den Ausschluß von Abgeordneten auch für Vorgänge zu verhängen, die sich gar nicht im Plenarsitzungssaal, sondern in anderen Räumen des Hauses ereignet haben. Eine Einigung über diese Frage konnte nicht herbeigeführt werden, zumal der TLelteften- unterbrochen. 3ch werde den Damen und Herren mitteilen, wann ich die nächste Sitzung an- beraume. iGrosie Erregung im ganzen Haufe, die Abgeordneten bleiben, auch nachdem Präsident Löbe seinen Platz längst verlassen hat. in erregt debattierenden Gruppen im Saale stehen.) Iers und des Außenministers Platz, zünden sich eine Zigarette an. Der national|o,pa- listifche Abg. Dr. Frick wendet sich Dann an Den PolizeivizeprcifiDenten Dr. Weiß, um ihm zu lagen, daß Die vier an Der. Tat beteiligten Abge- orDncten s i ch freiwillig zur Verfügung stellten. Heines, Weitzel, Krause unD Stegmann begeben sich Dann in Begleitung von Polizeibeamten Durch Den Umgang in einen bcfonDcrcn Raum Des Reichstags. Sie rufen ihren Parteigenossen zu: „W i r sinD verhafte t!" Die Nationalsozialisten antworten mit stürmischen Heil-Rusen. ©ie polizeiliche Vernehmung. Tic vier Abgeordneten verhaftet und unter polizeilicher Vcdcckunq abtransporticrt. 1er li n, 12. Mai. iVdZ.) Die vier vom Präsidenten Lobe wegen der tätlichen Angriffe auf Klotz für 30 Sihungstage ausgeschlossenen Aation'alsozialisten wurden nach ihrer polizeilichen Festnahme in das Beratungszimmer des Aeltestenrats geführt und dort einer vorläufigen Vernehmung unterzogen. Aach Darstellung der Polizei gab bei der Vernehmung durch Kri- minalrat Dr. Stumm Heines zu, den Schriftsteller Klotz geschlagen zu haben, bcftrittxibAt die Richtigkeit der von Klotz gegebenen Darstellung. Auch die übrigen Beschuldigten bestritten die Richtigkeit der Aussagen der bisher vernommenen Zeugen, so daß nach polizeilicher Auffassung Verdunkelungsgefahr besteht und die 3nhaftierung verfügt werden mußte. Die vier Abgeordneten wurden Darauf unter polizeilicher Bedeckung in einem ilcberfall- kommando-Wagen Der Polizei geleitet. An Dem Ucberfalltoagen hatte sich auch ein amerikanische r Pressevertreter eingefunden, dem Der verhaftete AbgeorDnete Heines sagte. „Sie wissen doch Bescheid! Wir sind unerhört provoziert worden. Dieser Mann, wegen Dem wir jetzt verhaftet werden, hat unteren Stabschef Röhm schwer bei ei Digt und hat auch mich wieder einen Fememörder und Mörder geschimpft. Daraus war Die eine Ohrfeige, die wir ihm gegeben haben, die einzig richtige Antwort, ilnb wegen dieser einen Ohrfeige wird nun die polizeiliche Besetzung des Reichstags und unsere Verhaftung durchgeführt!" rat nicht berechtigt ist, über die Zuständigkeiten des Reichstagspräsidenten zu beschließen. Dies ist vielmehr Sache des Plenums. Man erwartet, daß auf Grund der Einsprüche der vier nationalsozialistischen Abgeordneten gegen ihren Ausschluß, die bereits eingelegt sind, das Plenum sich mit der Frage Der ZustänDigkeit des Präsidenten beschäftigen wird Hinsichtlich Der TDieDereinbcrufung des Reichstages wurde der Reichstagspräsident ermächtigt, den Termin i hi Einverständnis mit Dem Aeltestenrat und Der Regierung au bestimmen. Es verlautet mit großer Sicherheit, daß Die nächste Plenarsitzung des Reichstages am 6.3 u n i sein werde, wo man mit einem parlamentarischen "Nachspiel Der heutigen Vorfälle rechnen kann. ASDAP. und Deutschnationale waren für kommunistische Anträge eingetreten, das Plenum bereits Freitag #~r am 19. Mai. wieder tagen zu lassen Diese Anträge wurden jedoch abgelehnt. Die Opposition kündigte daraus an, daß sie unter Bezugnahme auf eine neuerliche Entscheidung des Staatsgerichtshofes dennoch die frühere Einberufung des Reichstages durchsetzen werde. Die Sitzung verlies außerordentlich stürmisch, beinahe wäre es zu ähnlichen Szenen gekommen wie im Plenum. Es wurde noch bekannt, dah von den Aationalsozia- listen ein Strafantrag gegen den Berliner Polizei Vizepräsidenten Dr. Weiß zu erwarten sei. Wie verlautet, wird Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages am 2 4. M a i zu- fammentreten. Eine Erklärung derNGOAp. Berlin, 12. Mai. (£11.) Der Vorstand der nationalsozialistischen Reichs- tagssraktion veröfsentlicht zu den Dorkomm- nifsen im Reichstag eine Erklärung, in der nach Schilderung des Verlaufs Der Vorfälle zum Ausdruck gebracht wird, daß der Reichstagspräsident, ehe noch die ausgewiesenen vier Abgeordneten den Saal hätten verlassen tonnen, die Sitzung aufgehoben und damit die Annahme Der Mißtrauensanträge gegen Die Minister Schiele, Schlange und Groener verhindert habe Das lei von Anfang an der Zweck Der Intervention Der um ihre Regierung bangenden Marristen gewefen. Die Tatsache der Zusammenziehung einer Reihe von Hunderk- Icbaften Der Polizei im RelchstagSgebäude unter Kommando des Polizeipräsidenten von Berlin. Dr. Weiß, und dessen Maßnahmeii im Sitzungssaal. stellten den größten politischen Skandal Dar, den Der Deutsche Reichstag bisher zu verzeichnen habe. Für Die innen- und außenpolitischen Folgen mache die ASDAP. das Kabinett vor der ganzen Ration verantwortlich. ©emGchnellrichiervorgeführt Ter Abg. Krause aus der Haft cutlafscn. Wie die Polizei- mitteilte, werden Die vier Abgeordneten im Laufe des Freitags dem Schnellrichter vorgeführl Den Polizei- beamten gegenüber verweigerten fie jede Auskunft. Sie erklärten fich jedoch bereit, vor Dem Richter Rede und Antwort zu stehen. Einer Der fest genommenen Abgeordneten, und zwar der Abgeordnete Kraule, ist nach eingehendem Verhör heute abend wieder entlassen worden. Die drei anderen Fest genommenen werden weiter in Halt behalten. Die parla mentarilche 3 m m u n i t ä t ist in diesem Falle ausgcIchal t c t . Denn nach der Reichs- Verfall ung ist ein Abgeordneter durch die 3m- munität nicht geschützt, wenn er aus srischer Tat oder gleich daraus fest genommen wird. Die Zustimmung des Reichstags ist allo in diesem Falle nicht erforderlich. Zu ihren Maßnahmen war die Polizei dadurch befugt, dah der Reichstagspräsident ihr seine auf dem Hausrecht beruhenden Polizei- befugnisse übertragen hatte. Berlin. 13. Mai. (WTB. Funklpruch > Der nationalsozialistische Abgeordnete Gregor Straftet. der nach Zeugenaussagen an Der gestrigen Schlägerei im Reichstagsgebäude beteiligt fein soll, wurde heute früh auf Dem Anhalter Bahnhof, als er gerade im Begriff war, abzureisen, von Beamten der Politischen Polizei fest genommen und nach dem Polizeipräsidium geschafft. Scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei. Berliner Preisestimmen. Berlin, 13. Mai. (TU.) Zum Vorgehen der Berliner Polizei im Reichstag schreibt Der .B ö r* fcncouricr“ (dem.) u. a., das Polizeipräsidium scheine am Donnerstag keinen guten Tag gehabt zu haben. Erst die mehr als dilettantische Regie im Plenarsitzungssaal, too man einen Schupo schneidig über die Hürden springen lieft, um ihn Dann Diskret zurückzuziehen unD Dann Die Geschichte mit Kriminalbeamten, die nicht einmal wußten, wie Der Mann aussehe, mit Dem sie sich beschäftigen sollten. Die Auswahl dieser Beamten hätte vielleicht einer größeren Sorgfalt bedurft. — Die .Germania" (Zentr) kommt zu dem Schluß, das unbesonnene und unkluge Vorgehen des Berliner Polizeipräsidenten Weih, der seine polizeiliche Aufgabe in ertremer Form im Reichstag durchsührte, werde nur zu seht geeignet sein, um die nationalfozialistische Ausschreitung des Donnerstag zu verwischen. - D,e .D A Z ' lDolksp. > ist Der Auffassung, daß die leichtathletischen Hebungen der Schutzpolizei, wenn sie nicht so weitgehende politischen Folgen hätten, g c radezu kornisch gewirkt haben wurden und das politische Hervortreten des Polizeipräsidenten wäre besser unterblieben. Da die Szene von den Tribünen durch Photographen festgehalten wurde, dürste sie in nächster Zeit durch die Agitation im Land Draußen eine gewaltige Rolle spielen. JcucrüberfaU auf ein nationalsozialistisches verkehrslokal. Don kommumstifcher Seite wurde auf eine Gast wirtschaft in Lichtenberg bei Berlin, wo vornehmlich Nationalsozialisten verkehren, ein Feuer- überfall inszeniert. Als sich zahlreiche Gäste in dem Lokal befanden, wurde plötzlich die Tür auf- gerissen und anscheinend von mehreren Tätern blindlings zahlreiche Schüsse in das Lokal abgefeuert. Dabei wurde ein 53 Jahre alter Werkzeugmacher durch einen Rückenschuß tob litt) verletzt. Ferner erlitten Der Gastwirt eine Kopfverletzung, seine Ehefrau einen Beinschuß, eine Frau einen Ober'chenkel'chuß unb ein 60 Zahre alter Selteruxtfferfabrifant einen schweren Oberschenkel schuß. Den Tätern gelang es, im Dunkel der Nacht unerkannt zu entkommen. Das UeberfaU tommanbo sorgte für die Ueberfüftrung der Verletzten ins Krankenhaus, wo sie zum Teil in bc deutlichem Zustande darniederliegen Die verletzten, sowie Der Getötete, fallen sämtlich De r NSDAP, a n g eft ö re n. ©ie Polizei im Sitzungssaal. Die Schlägerei im Reichstagsrestaurant. poienMimKomdormiMischeVorbmiiiingeil Oie Zreiwilligen-Berbände werden mit modernsten Kampfmitteln ausgerüstet. Schneidemühl. 12. Mai. (TU.) Wie die hiesigen Grenzzeitungen berichten, sind im Weichselkorridor bedeutsame militärische Vorbereitungen im Gange, die zu außerordentlichen Besorgnissen unter der Bevölkerung in den deutschen Grenzgebieten Anlaß geben. Die polnischen militärischen verbände, die Sokols, ferner die Großmacht-Liga. die Le- gionärverbände und die verbände zur militärischen Vorbereitung dec Jugend waren bisher nur mit Handfeuerwaffen älterer Systemc gerüstet. Jetzt ist man dazu übergegangen, die Bewaffnung dieser verbände durch neue st e Modelle aus heeresbeständen zu ergänzen und sie mit den modernsten kampf- wasfen auszurüsten. So sind ihnen Tanks, schwere Maschinengewehre, Minenwerfer, Flammenwerfer und Geschütze überwiesen worden. Die Ausbildung der Angehörigen der militärischen verbände wird in großer Zahl durch aktive Offiziere und Unter- ossiziere vorgenommen. In Thorn, Granden; und Kulm ist die Bewaffnung des Zivils besonders auffallend. In den Städten und auf den Truppenübungsplätzen herrscht reges militärisches Leben. Auher den neu eingezogenen Rekruten sollen nach den vorliegenden Rachrichten auch zahlreiche Freiwillige militärisch ausgebildet werden. Wie dazu bekannt wird, ist im Korridor die Aufstellung einer Reservearmee im vollen Gange. Es soll die Schaffung einer Reservearmee im Bezirk der 4., 15. und 16. Division vorgenommen werden. Die Wehrverbände sollen als Teil der Reservearmee verwendungsbereit gemacht und dem 8. Armeekorps angegliedert werden. Groener verzichtet aus das Wchswehrministerium Wieder Trennung von Innenpolitik und Reichswehr. Berlin, 12. Mai. (ERB.) Wie wir von unter- richteter Seite erfahren, wird Reichswehrminister G r o e n e r den Reichskanzler und den Reichspräsidenten bitten, ihm sein Amt als Reichswehrminister abzunehmen und ihm ausschließlich das Reichsmini sie- rium des Innern zu übertragen. Reber die Gründe, die Minister Groener zu diesem Entschluß bewogen haben, erfahren wir folgendes: Unzweifelhaft fpielt bei dem Entfchluß Groeners fein Verhältnis z u feinen nächsten Untergebenen im Relchswehrministe- rium, also den Generälen in leitender Stellung, eine gewisse Rolle. Unzweifelhaft auch ist der Eindruck der vorgestrigen Rede des Ministers im Reichstage für dessen Ent- scheidung mitbestimmend gewesen. Aber die Beweggründe lassen sich wohl auf die verhältnismäßig einfache Formel bringen, daß die Wehrmacht in Deutschland von altershec nicht eine eigentliche parlamentarische Verkörperung zu haben pflegt, sondern im Vorkriegsdeutschland und im Grunde auch in der Zeit seit 1918 mehr oder weniger Exponenten hatte, deren Hauptaufgabe im Parlament und dem Kabinett in der Vertretung der ressortmäßigen Interessen der Reichswehr und Reichsmarine, also eines Verwaltungskörpers, lag und nicht in einer eigentlichen politischen Mitarbeit. Schon durch die lleber- nähme des Reichsinnenmini st eriums im vorigen Herbst ist mit dieser Tradition gebrochen und dem Reichswehrminister gleichzeitig eine Ausgabe in die Hand gelegt worden, die ihn einerseits sehr stark in die eigentliche Politik einspannte und den Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit für die spezifischen Reichswehrinteressen nicht mehr gestattete, die anderseits aber auch eine A r t politischer Einwirkung aus die Reichswehr bedeutete. Diese Zwiespältigkeit seiner Aufgabe hat Dr. Groener in den letzten Wochen und Monaten doppelt empfinden müssen, und seine langjährigen Mitarbeiter im Reichswehrministerium haben offenbar kein hehl aus der Empfindung gemacht, daß sie e i n e Fortdauer dieses Zustandes als nachteilig für die ihnen anoerfrauten Ressort- interessen ansehen. Es wäre also die Möglichkeit geblieben, das Reichsinnenministerium abzugeben, um künftig wieder seine Kraft dem Reichswehrministerium zu widmen. Dr. Groener hat l m Einvernehmen mit Reichskanzler Dr. Brüning den umgekehrten weg bevorzugt, der ihn nicht in seiner sachlichen, sondern in seiner politischen Aufgabe dem Kabinett erhält und damit zugleich ein Bekenntnis einschlieht, das zur Fortführung der Politik, die das Reichsinnenministerium unter seiner Leitung in den letzten Wochen und Monaten betrieben hat, verpflichtet. Das heißt also, daß die beabsichtigte Amtsnieder- legung Dr. Groeners als Reichswehrminister, die noch der Zustimmung des Reichspräsidenten bedarf, weder eine Desavouierung des 5A.-verbotes, noch eine Minderung der persönlichen Stellung Dr. Groeners im Kabinett bedeutet. Oie englische presse zum Rücktritt Groeners. London, 13. Mai. sCRB. Funkspruch, eigene Meldung.) Lllle Blätter berichten sehr ausführlich über die gestrigen Szenen in der Reichstags- sihung, die als unwürdig und noch nicht dagewesen bezeichnet werden. Auch über den Rücktritt des Generals Groener wird ausführlich berichtet. Die meisten Blatter bringen ihn in Zusammenhang zu dem Verbot der SA. und schreiben von einem Mißtrauensvotum hoher Offiziere im Reichswehrministerium. Der Berliner „Times"-Vertreter dagegen sagt, er höre von gut unterrichteter • Seite, daß der Rücktritt tatsächlich auf Gesundheitsrücksichten znrückzu- führen war. Es sei ein offenes Geheimnis, daß das ursprüngliche Ziel der Intrigen auf eine Umbildung der Reichsregicrung mit General von Schleicher als Kanzler und Dr. Vrüning als Außenminister hinausging. Diesem Plan scheine aber Einhalt geboten worGießener Gtadttheater. Goethc-Morgcnfcier. Das Goethe-Bild der „Faust"-Aufführung wurde in der Morgenfeier vom Lyrisch-Hymnischen her ergänzt: wie das Drama als gesammelter Ausdruck von Goethes universellem Geist verstanden werden sollte, so gab die Morgenfeier gleichsam das rezitativische Vorspiel zum mächtigsten Werk seines Lebens: und wenn dort der Dichter in der ganzen Weite und Breite seiner gedanklichen Entwicklung zu Worte kommen sollte, so war cs hier die Stimme des jungen Goethe im Sturm und Drang seiner Geniezeit, welche den Ton und die geistige Haltung dieser Feier bestimmte. Das sanfte und liebliche Adagio (op. 81) von Beethoven gab, durch ein gemischtes Schülerorchester unter der verständnisvollen und sorgsamen Leitung von Dr. Hillenbrand klangschön vorgetragen, den Auftakt. Anschließend rezitierte Intendant Dr. P r a s ch eine geschickt auf das jugendliche Publikum zugeschnittene Auswahl Goethescher Gedichte —: mit vortrefflich geschulter Stimme, mit warmem Gefühl und auch mit jener schönen Heiterkeit, die etwa über der Ballade vom Zauberlehrling oder der Legende vom Hufeisen ausgebreitet ist: der „Gesang der Geister über den Wassern" und „Das Göttliche" fügten sich in den Rahmen dieser Goethe-Feier besonders glücklich ein. Zum Abschluß des ersten Teiles fang ein Schülerchor unter der umsichtigen Führung von Musiklehrer Blaß sehr frisch und akkurat drei Goethe-Lieder: „Die Rachtigall" (Musik von Mendelssohn), das „Heidenröslein" (Werner) und das „Schweizerlied" (Volksweise). Rach der Pause spielte zunächst das Schülerorchester, Leitung Dr. Hillen brand, Schuberts Marche heroique als eine mit gutem Gefühl gewählte musikalische Uebedeitung zum dramatischen Höhepunkt der Veranstaltung, der Ausführung des Fragments „P r o m e t h e u s". Der Dramaturg Wolsgang Kühne, der die Aufführung betreute, gab zuvor eine knappe Einleitung in Geist und Wesen der Dichtung: er sprach frisch und unakademisch: die Vorstellung solle keinen lehrhaften Charakter tragen, es solle auch nicht über Goethe mehr als das Rötigste gesagt werden, der Dichter selbst werde das Wort haben. Der Redner ging dann ganz kurz auf die klassische Prometheus-Sage ein, betonte den fragmentarischen und im landläufigen Sinne undramatischen Charakter der Dichtung, der eine minder theatralische als symbolische Bedeutung zukomme. Die zeitlose Problematik dieser Szenenfolge werde zumal für den jugendlichen Menschen stets lebendig bleiben. Der „Prometheus" ist, wie schon angedcutct wurde, ein Werk des jungen Goethe, 1773 entstanden, in der Rachbarschaft also von „Werther" und ..Göh", ein so genialisches wie unfertiges Manifest des eben berühmt Gewordenen. Die Szenenfolge ist nicht nach den landläufigen Gesehen des Theaters zu messen und zu begreifen: es ist eine hymnisch-heroische Zwiesprache zwischen Göttern und Menschen am Anfang der Welt, und die Fabel des antiken Mythos war in ihrer Großartigkeit dem jungen Dichter eben recht, ihm als Ausdruck und Symbol seines eigenen Wesens zu dienen, wie es in jenen Iahren gärend und brausend im Ueberschwang des Gefühls und^>er Kraft sich entfaltete. In diesem Geiste, ganz auf heroisches Pathos und titanische Gebärde gerichtet, ließ Kühnes Regie den Torso sprachlich-sinnliche Gestalt gewinnen. In strengen und einfachen Linien war das Bühnenbild von Löffler klassisch stilisiert. Den Prometheus gab Iochen Hauer mit schönem Feuer, hingegeben an den frcieli Rhythmus der trotzig aufbegefjrenöen Verse: wie ein Ruhepunkt wirkte im Aufruhr übermenschlichen Gefühls die lyrisch-idyllische Szene der von Beatrice Doering anmutig gespielten Pandora. Maria Koch (Minerva), Schelcher (Merkur) und Fasfott (Jupiter) sprachen würdig die Stimmen der Gottheit. Walter Michel als Epimetheus. Hub und P a e t s ch , als urweltliche Erdbewohner, rundeten die mythische Szene wirkungsvoll ab. Die Morgenfeier, in allen Teilen wohlgelungen und mit lebhaftem Beifall ausgezeichnet, sollte auch bei späteren Wiederholungen ihre Anziehungskraft nicht verfehlen. hth. den zu sein. — „Daily Telegraph" nennt den Rücktritt Groeners „einen neuen großen Sieg der Hit- Icrianer" und fügt hinzu, daß er tatsächlich aus dem Reichswehrministerium vertrieben worden sei wegen der Maßnahmen, die er als Aeichs- innenminister angeordnet hat. General Groeners Rücktritt sei ein sehr ernstes Ereignis. Er mache es klar, daß die Rationalsozialisten führende Stellen der Reichswehr für sich gewonnen hätten. Admiral Raeder als Rachsolger Groeners in Aussicht genommen. B-e r li n, 12. Mai. (ERB.) In parlamentari-' schen Kreisen verlautet, daß der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Raeder, für die Rachfolge als Reichswehrminister in erster Linie in Aussicht genommen sei. Seine Ernennung ist jedoch erst für die Woche nach Pfingsten zu erwarten. Admiral Raeder steht im 57. Lebensjahre. 1894 ist er in die Kaiserliche Marine eingetreten. Als Oberleutnant kam er 1900 als Adjutant zur ersten Marinedivision, von 1901 bis 1903 war er Wachtofsizier auf dem Linienschiff „Kaiser Friedrich III." und wurde anschließend auf zwei Iahre zur Marineakademie kommandiert. 1906 wurde er als Kapitänleutnant ins Reichsmarineamt berufen, wo er bis 1908 tätig war. Rach mehrjähriger Frontdienstzeit wurde er 1911 als Korvettenkapitän Offizier beim Stabe des Befehlshabers der Aufklärungsschiffe Vizeadmiral Hipper. Während des Krieges wurde er Chef des Stabes auf dem Kreuzer „Sehdlih" und übernahm 1918 als Kommandant den Kreuzer „Köln". Rach dem Umsturz war er bis 1920 Chef der Zentralabteilung des Reichsmarineamts und dann bis 1922 dem Marinearchiv zu- geteilt. Auf Grund seiner Leistungen als Verfasser der Bände über den-Kreuzerkrieg im Auslande verlieh ihm die Universität Kiel die Würde eines Ehrendoktors der Philosophie. 1922 zum Konteradmiral befördert, übernahm er die Inspektion des Bildungswesens^der^Marine. war dann von 1924 bis 1925 Befehlshaber der leichten Seestreitkräfte der Rordsee und seit seiner Beförderung zum Vizeadmiral im Ianuar 1925 Chef der Ostseestation. Als Rachfolger des Admirals Zenker wurde Admiral Raeder dann 1928 zum Chef der Marineleitung ernannt. Vor einem Aoigeseh in Hessen. Staatspräsident Adelung erläutert die durch den Spruch des Staatsgerichtshofs geschaffene Lage. WSN. Darmstadt, 12.Mai. Vor Vertretern der Presse sprach Staatspräsident Dr. A d e l u n g über die Situation, wie sie durch die Auflösung des Landtags geschaffen ist. Der Staatspräsident wies darauf hin, daß der Möglichkeit, daß der Landtag durch den Staatsgerichtshof für ungültig erklärt werde, in den hessischen Gesetzen nicht genügend Beachtung geschenkt worden ist und für diese Möglichkeit eine Ueberbrütfung fehle. Die hessische Regierung müsse also mindestens zwei Monate lang ohne Parlament arbeiten. Die Beschlüsse des alten Landtags sind, wie der Staats- Präsident betonte, gültig mit der Einschränkung, daß die vom Landtag beschlossenen Gesetze zur Rechtsgültigkeit der Mitwirkung der Regierung bedürfen. Der Staatspräsident wies weiter darauf hin, daß nunmehr ein budget- loser Zu st and bestehe, denn die beantragte Verlängerung des Etats 1931 wurde vom Landtag nicht genehmigt. Es müsse also, um die Einnahmen und Ausgaben des Staates, sowie die Besoldung der Beamten, Pensionäre usw. sichcr- zustellen, ein Notgesetz erlassen werden. Durch dieses Gesetz wird der Haushaltsvor- a n s ch l a g 1 9 3 2 mit seinen gesenkten Einnahmen und verminderten Ausgaben in Kraft gesetzt werden. Das Gesetz muß verfassungsgemäß dem neuzuwählenden Landtag zur Bestä- tigung oorgelegt werden. Es kann vom Parlament nur im gangen angenommen oder ab gelehnt werden. Bis das Parlament aber Zusammentritt, dürsten immerhin noch drei Monate vergehen, und dann sind bereits die Vorarbeiten für den neuen Etat 1933 in vollem Gange. Heber die bevorstehende Neuwahl äußerte sich der Präsident dahin, daß die Regierung als Termin für die Wahlen vorerst den 3. Juli in Aussicht genommen habe. Dieser Termin liege jedoch noch nicht definitiv fest. Ohne an dem Urteil des Staatsgerichtshofes Kritik üben zu wollen, bedauerte der Staatspräsident doch, daß die hessische Bevölkerung innerhalb eines halben Jahres nun schon zum vierten Male den Gaiig zur Wahlurne antreten müsse, das sei kein erfreulicher Zustand. Mit der Neuwahl werde ein großer Aufwand von Geld, Nervenkraft und Zeit nutzlos vertan und erneut Beunruhigung in die Bevölkerung getragen. Die Regierung habe jedoch die Hoff- nung, daß bei der Landtagswahl im Juli endlich einmal ein verantwortungsbewußtes Parlament gewählt werden würde. Nicht ohne Bitterkeit denke die Regierung an die Abstimmungen in den Ausschüssen zurück, wo sich ein großer Teil der Volksvertreter gerade in entscheidenden Fragen von jeder Verantwortung ferngehalten habe. Warum Reuwahlen in Hessen? Eine Erklärung des Vorsitzenden der Hessischen Wirlschaslspartei. WSR. Frankfurt a. OIL, 12. Mai. Rechtsanwalt A. Ludwig in Ober-Ingelheim, der Vorsitzende der Hessischen Wirtschaftspartei., schreibt u. a.: Am 2. Rovember 1931 erklärte der Rationalsozialist Hauptmann a. D. Was - sung im Wahlprüfungsausschuß: „Was sollen wir uns wegen einer sterbenden Partei herum- schlagen: ich beantrage, den Wahlvorschlag der Wirtschaftspartei abzulehnen." Diesem An-- trag traten sämtliche Sozialisten des Ausschusses sowie der Vertreter des Zentrums bei. In dieser Mißhandlung habe ich nicht sowohl eine Brüskierung der Wp. als vielmehr einen Schlag gegen das sich politisch aktiv betätigende Bürgertum erblickt. Dor dem Staatsgerichtshof habe ich mit aller Schärfe Stellung gegen die Rationalsozialisten genommen und die Richtigkeitserklärung der Landtags- wahl mit der Rotwendigkeit begründet, daß zwischen den zwei großen sozialistischen Fronten des hessischen Volkes eine dritte Front des aktivierten Bürgertums eingeschaltet werden muh, das auf Grund seiner Befähigung Anspruch auf Führung hat. Ich habe auf die Frage des Herrn Präsidenten, ob die Wirtschaftspartei angesichts der rückläufigen Entwicklung der Wirtschaftspartei in Preußen ihre Klage aufrechterhalte, geantwortet: „Es geht hier nicht um die Wirtschaftspartei, sondern um das Recht." Einfach lächerlich berührt der Hinweis auf die Ä oft en der Reuwahlen. Diese Kosten werden durch die Einsparung von Oer Völkerbund huldigt Goethe. In Frankfurt a. M. ist der Ständige Ausschuß für Literatur und K up st des Völkerbundes zu seiner zweiten Tagung zusgmmen- gckommen, um seine Arbeiten mit dem Andenken an den großen Europäer Goethe zu verknüpfen. Die Tagung wurde mit einem Festkonzert und einer Begrüßungsansprache von Oberbürgermeister Dr. Landmann (Frankfurta. M.) eingeleitet, der des ermordeten Präsidenten von Frankreich und der Rationaltrauer des französischen Volkes gedachte, wodurch leider die Teilnahme des französischen Vertreters Paul V a - 1 e r i) an der Tagung verhindert worden sei. In den „Gesprächen über Goethe" wurden die verschiedensten Themen behandelt: so sprach u. a. Thomas Mann über „Goethe und das Amt des Schriftstellers", Helene Vacaresco rAu- mänien) über „Goethe und die europäische Lyrik", Salvador deMadariaga über „ Faust und die geistigen Europäer", Gilbert Murray (Oxford) über „Goethe und den Hellenismus", Iosef Strzygowski (Wien) über „Zwei Zeichnungen Gvethes", Ragnar Oesterberg (Schweden) über „Goethes Architektur", R. P a r i b e n i (Rom) und Prof. Dr. Wilhelm W a e h o l d , Generaldirektor der Preußischen staatlichen Kunst- fammlung in Berlin, über das Thema „Goethe in Rom". Stierkampf-Reform rettet 18000 Pferde. Seit dem Erlaß des spanischen Gesetzes, das den Schuh der Pferde beim Stierkampf durch Polsterungen vorschrieb, ist allein im Iahre 1931 das Leben von etwa 18 000 Pferden gerettet worden. Rach einer Berechnung, die ein Madrider Blatt anstellt, wurden 1931, im Vergleich zu 1930 53 Stierkämpfe mit ausgewachsenen Stieren weniger veranstaltet, außerdem sanden 354 Novilladas, d. h. Kämpfe mit dreijährigen oder noch jüngeren Stieren, weniger statt als 1930, und die Zahl der sog. Capeas, der Kämpfe, die sich auf den Marktplätzen der Dörfer mit irgendwelchen, häufiger recht gefährlichen Ochsen vollziehen, hat sogar 1931 um 1000 abgenommen. Man schätzt, daß durch diesen Rückgang des spanischen Rational- sporteS gegen 4000 Stiere gerettet wurden, während sich die Zahl der am Leben erhaltenen Pferde auf 18 000 belaufen dürfte. Durch das Schuh- geseh ist die Freude an diesem blutigen Sport herabgemindert worden. Die Regierung geht in dieser Einschränkung des Stierkampfes noch weiter. indem sie die „Capeas“ ganz verbietet, da sie keine regelrechten Stiergefechte darstellen, sondern nur eine Volksbelustigung sind, die meist in sinnlose Tierquälerei entartete. Aber dieses Verbot der improvisierten Stierkämpfe muß auf die Dauer zu einem Verfall des Rationalsportes überhaupt führen, denn die Capeas waren das Uebungsfeld für die angehenden Stierkämpfer, die hier Erfahrung sammelten und unter denen die besten dann zu richtigen Toreros ausgebildet wurden. Es wird nun nicht mehr möglich sein, unter der Iugend, die sich an diesen örtlichen Fiestas beteiligte, eine Auslese zu halten, und die geeigneten Persönlichkeiten für die großen Stierkämpfe zu gewinnen. Der spanische Tierschutz-Verein, der durch die Durchsetzung der Schuhbestimmungen einen so großen Erfolg erreichte, sieht sich aber jetzt vor einer neuen schwierigen Aufgabe, denn infolge der geringeren Rach- i frage nach Pferden für die Arena ist der Handel mit alten Pferden beträchtlich gestiegen. Seit 1929, dem Iahre, in dem das Schuhgesetz für die Pferde in Kraft trat, ist die Zahl der nach Frankreich ausgeführten, ausgedienten Pferde von 95 im Iahre 1929 auf 1900 im Iahre 1930 und auf 5675 im Iahre 1931 gestiegen, und man muß mit einer weiteren Zunahme rechnen. Der durchschnittliche Preis, der für diese Pferde gezahlt wurde, lag unter 80 Mark. Die meisten von ihnen finden in den französischen Abdeckereien ein trauriges Ende und liefern den Pariser Roß-Schläch- tereien neue Ware. Hochschulnachnchten. Dem o. Professor Dr. Eduard von Jan von der Philosophischen Fakultät der Universität Greifswald wurde der seit der Emeritierung von Prof. Philipp August Becker verwaiste Lehrstuhl der romanischen Philologie an der Universität Leipzig zum 1. Dttober d. I. übertragen. Der Ordinarius für neuere Geschichte an der Universität Breslau, Professor Dr. Siegfried Koehler, hat einen Ruf an die Universität Halle erhalten. ifal ach 'S >n die Bevölke. 'be j-doch bie Hoss. >m Juli enblid) ngsbewuhle» den mürbe. Nicht mg an bie Übftim. ck, wo sich ein gro. )c in enlscheibenben ! serngehallen habe, linken? orsitzendcn aslspartei. 12. Mai. Archiv er-Ingelheim, btt DirllchaslSparlei, aber 1931 crllärk ann a.D. Daschuh: „Das sollen >cn Partei herum- Wahlvorschlag der icn" Diesem 2n- m des Ausschulles imä bei In dieser >tDol>l eine Heüs- einen Schlag i> aUiv betä- cbM. Tot dem mit aller Schälte IsvziMen genom- xng der Landlags- egrünbei, bah zvn- sozialistischen lles eine dritte n Bürgertums i auf Grund seiner jrung hat. M6ab< prälibtntcn, ob bie ■er rückläufigen Ent- ei in Preuhen ihre ortet: „Es geht h'» i, foubem um ba8 erührt der Hmtoe's ahlen. Diele -osten Maning^ Durch das W lern blutigen SM Regierung geh^ erkämpfet noch »e ganz nervte, echte darltellen. kon' 8,inb'?CÄ 0 Mcr d'efcS Mr te”* iS!rtÄ- 'd *s£ .TÄS 5 «rc6e"„«n "4^ r einer neue der ger'NS^ ^bcl 21rcna DCJftg29, »AÄbk^ man muh n, und man^ K^scrd- flä diele f ihnen Sie me's'. „ .in trau' M bi« 192n . "J 3mmat 1925 A" des Umi, Ä"tan iÄ-S &» an Diätenzah lungen für mehrere Monate an bie für ungültig erklärten LandtagS- abgeorbneten fast gänzlich aufgehoben Da ich mich persönlich für bie Neuwahl mitverantwortlich fühle, so werbe ich unter völliger Hintansetzung meiner Person an bie Führer bet übrigen bürgerlichen Parteien zwecks Bildung einer bürgerlichenSinheit-front mit konkreten Vorschlägen herantreten QLn diesen Parteien liegt es bann, ob sie gewillt sind, zu beweisen, daß sie das Gebot der Stunde erkannt haben, ober ob sie in gegenseitiger Zerfleischung ihrem wohlverdienten Schicksal entgegengehc. wollen LindberghsKind tot aufgesunden Vermutlich schon in der Rächt des Randes gestorben. Irenlon (Neu-Jersey), 12.Mai. (1DIB ) Gouverneur Moore gab bekannt, daß da» Klub Lindbergh» lot aofgefonden worben ist. Die Leiche be» Linbbergh-Daby» ist in Ropewell in der Nähe der Villa Lindbergh» aufgefunden worben. Die Leiche würbe von einem Neger entdeckt. hl» er auf seinem Lastwagen auf der Strafte entlang fuhr, bemerkte er etwa drei Kilometer 00m banse Lindbergh» entfernt am Slra- ßrnranb einen Kinderfoft aus einem Haufen heran» ragen. (£r benachrichtigte sofort die Volizei, die die stark in Verwesung übergegangene Leiche an den Resten der ftlelb u n g als die des Lindbergh- Bc s feilffeflte. Jlad) der gerichtsärzllichen Unter- fucfning ist da» Lindbergh-Baby infolge eine» komplizierte» Schädelbruche» gestorben. irntgegen den ursprünglichen Vermutungen wird erklärt, duft von einer Kugel oder einem Instrument, mit dem ein Schlag ausgeführt worden fein könnte, nicht» zu entdecken gewesen sei. Nach dem Urteil erfahrener Verzte muft das Kind seit zwei Monaten an Ort und Stelle gelegen haben. Cs ist daher durchaus möglich, baß sein lob bereit» in berfelben Nacht erfolgt ist, in be r e» geraubt wurde. Die Volizei Hal eine bestimmte Verbrechergruppe Im Verdacht, bie sie nun rlicksicht» l 0 » verfolgen will. Die Beisetzung des Präsidenten Dvumer. Lebhafte Anteilnahme der Bevölkerung von Paris. Pari-, 12.Mai. sENB.) Um dem von Mörderhand gefallenen Präsidenten Paul Do um er die letzte Ehre zu erweisen, hatten sich Hunderttaufende in den Straften versammelt. durch die der Trauerzug sich bewegte: vor der Notre-Darne-Kirchc stand eine unübersehbare Menge. Am Pantheon, vor dem der mit der Trikolore verhängte Katafalk steht, nicht minder an den Fenstern und auf den Balkonen ein riesenhaftes Gewimmel. Schwarz umflorte Fahnen überall dort, wo der Zug vor- überfommt. DaS auftervrdentlich starke Polizei- ausgebot und der strenge Absperrungsdienst können die Menge kaum in Schach halten. Der Aufmarsch der Frontkämpfervereinigungen und der Truppen mit ihren Fahnen und Standarten bringt in das vom regengrauen Himmel beschattete Bild einen lebhafteren Ton. Ganz Paris ist auf den Beinen. tieberall in den Straften sind Lautsprecher angebracht, die geistliche Musik verbreiten. Gruppen von Pfadfindern bilden auf dem Wege Spalier. Wo der Trauerzug vorüberkommt, nehmen die Männer den Hut ab, die Frauen bekreuzigen sich, die Glocken läuten. Die mit schwarzem Flor verhängten Straften la fernen sind angezundet. Die Menge ist so dicht, daft sich ein Teil der Zuschauer auf die Dächer und Bäume begeben hat, um so den Zug zu sehen. Da« Ginganasporkal des SchlosseS Elhsee war ganz in Schwarz gehüllt und vor bem Tor prangten in großen Buchstaben die Initialen dcS Staatspräsidenten P. D. 3n ununterbrochener Reihenfolge trafen Kränze und Blumen ein, so daft drei große Wagen schließlich unter ihren Massen verschwanden, tim 7.30 tihr erschien alS e,ner der ersten der Kammerpräsident B 0 u i f « s 0 n, von einer Gskorte berittener Truppen begleitet. Hintereinander folgten dann die Vertreter der ausländischen Mächte, der König von Belgien, der Prinz von WaleS, Prinz Paul von Serbien, der Herzog von Aosta, die Mitalieder der Regierung, das Diplomatische KorpS usw. Punkt 8 tihr wurde der Sarg aus der Kapelle unter dem Emgangsportal getragen, während die auf dem Schlofthof ausgestellte Ehrengarde präsentierte. Nachdem der Sarg, der ganz in eine Trikolore gehüllt ist, in den Leichenwagen getragen war, setzte sich der Zug in Bewegung. Hinter sechs hohen Würdenträgern, die die Ordenskisfen des Derstorbenen trugen, folgten vier Krankenschwestern, die den verstorbenen Staatspräsidenten während der wenigen Stunden im Krankenhaus gepflegt haben. Danach schritten die nächsten Familienangehörigen und persönlichen Freunde Doumers, die Mitglieder der Zivil- und Militärbureaus des Präsidenten, der neue Präsident der Republik Lebrun, die Vertreter der ausländischen Mächte, der Vizepräsident deS Senats und der Präsident der Kammer, die Mitglieder der Regierung, das Diplomatische Korps, die ausländischen Vereinigungen und schließlich die Vertreter der Pariser Behörden und der tiniversität. In der Notre - Dame - Kirche las der Generalvikar von Paris. Monsignore D e l a b a r, die Wesse unb der Erzbischof von Pari-, Kardinal Der vier, erteilte die Absolution. Auf dem Platze vor der Kirche bildete sich darauf wieder der Traucrzug in der früheren Reihenfolge und bewegte sich auf den Platz vor dem Phan- t h e 0 n, wo Tribünen errichtet waren. Der Katafalk auf dem Pantheon-Platz ist von zwei umflorten Kandelabern flankiert. Ministerpräsident T a r d i e u hielt dort die Gedenkrede, die durch Lautsprecher auf zahlreiche Plätze von Paris und gleichzeitig auch durch alle französischen Sender verbreitet wurde. Rach der Rede begann der Vorbeimarsch der Truppen mit ihren Fahnen. Der König der Belgier, der Prinz von Wales und die Vertreter der fremden Staatsoberhäupter verließen mit dem Präsidenten der Republik den Platz vor dem Pantheon. Darauf wurde der 6arg auf einen Automobilleichenwagen gehoben und nach dem Daugirard-Friedhof übergeführt, wo die Beisetzung erfolgte. Aus aller Well. Bunbeslagung des BOB. Die zweitägige Dundeslagung des Deutschen Dffl- zierbundes wurde im Berliner Landwehrkafino eröffnet. Der Bundespräsident, Exzellenz von S) u • t i r r, begrüßte die aus allen Teilen des Reichs erschienenen Vertreter der Landesverbände und Ortsgruppen. Eine Entschließung wurde gefaßt, in der es heißt: „Die Rot des Vaterlandes kann nur behoben werden, wenn die sittliche Erneuerung der deutschen Volksseele im Sinne der Tugenden des alten taijcrlidKn Deutichlands und seiner unvergleichlichen Wehrmacht weitere Fortschritte macht. Rur ein im nationalen und christlichen Weifte geeintes Deutschland wird dem feindlichen 'Auslande gegenüber den Willen und die Straft aufbringen, die Revision der entwürdigenden Bestimmungen des Schanddiktats von Versailles zu erzwingen." Zn der Aussprache wurde vor allem auf die Notwendigkeit hingewiesen, daß die Bundesmitgliedcr nur beut- ' ch e Waren unb deutsche Erzeugnisse in deutschen Geschäften kaufen sollten, lieber die Arbeitsbeschaffungsfrage sprach ©encrnlmaior Faupel, der sich dieser Ausgabe werbend und för dernd widmet. Oberleutnant a. D. Fürstner sprach über die Frage, in welcher Weise die Heranwachsende Jugend am besten im altpreußischen Keifte ertüch tigt werden könne. 350-Jaftr-Jeter der Universität IDünburg. Würzburg steht im Zeichen des 350. otiftungS- teftes seiner tiniversität. Im frühlingsbräutlichen Festgewand, das die Natur der von ihr sichtlich bevorzugten Frankenmetropole angelegt hat, und in reichem Fahnenschmuck, jedoch nicht bei bestem Wetter, empfing die Stadt die zahlreichen Gäste von nah und fern. Es befanden sich unter ihnen Kronprinz Rupprecht von Bayern, Ministerpräfident Dr. Held. Dr. Eckener. Geheimrat Exzellenz Dr. v. Miller u. a. Ein- gcleitct wurden die Festlichkeiten durch die lieber» nähme des von Geheimrat Otto Richter gestifteten IünglingSstandbildes in der Vorhatte des neuen tiniversitätsgebäudes Der Rektor Magn. Prof. Dr. Flury übernahm das Denkmal aus Erz, das ein Symbol der deutschen Jugend sei in ihrem Ringen um eine belfere Zukunft. An das im dicht- aefüllten. mit frischem Grün und den Fahnen der Studentenkorporationen geschmückten Huttensaal gehaltene Festkonzert schloß sich unmittelbar der Begrüftungsavcnd. Rektor Prof. Dr. Flury entbot den Anwesenden den herzlichen Willkommengruß der tiniversität, besonders den Ehrengästen und den auswärtigen Kollegen. Aus der Fülle der Glückwunschtelegramme sehe man, daß die tiniversität wie ein gemeinsames Band alle Völker umspanne, daß der Reichtum ihrer Wissenschaft jedem Menschen gehöre. Festgottesdienste leiteten den Hauptsest- t a g ein. Im Kaisersaal der Residenz versammelte sich um 11 tihr eine illuftre Gesellschaft, wie sie in gleicher Zahl, Bedeutung und Internationalität Wurzburg wohl noch nie in 'einen Mauern faß. Nachdem Mozartsche Weisen verklungen waren, verlas der Rektor der tiniversität, Pros. Dr. Flury. dann aus der Unzahl der aus der ganzen Welt eingclaufenen Glückwünsche ein Handschreiben des Reichspräsidenten v. Hindenburg und huldigte dem Gründer der tiniversität. Julius Echter von Mespelbrunn, Fürstbischof von Würzburg. dem bayerischen Herrscherhaus und tun: neuen bayerischen Regierung als den Schirmherren der Universität. Kultusminister Dr. (Selben be rge r überbrachte die herzlichsten Glückwünsche der bayerischen Staatsregierung. Weitere Glückwunschansprachen hielten der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg, Dr. Lössler, der als Iubiläumsgabe eine goldene Schaumünze aus der Zeit Julius Echters überreichte, der Rektor der tiniversität München, ferner Vertreter der Universitäten der Schweiz. Hollands, Irlands, der Eolumbia-tiniversität in Neuyork. der Washingtoner Universität und der Londoner Akademie. 3m weiteren Verlaus der Feier wurde eine große Anzahl von Ehrungen bekannt- gegeben. Uniocrfitäfsbranb in Valencia. Zn Valencia ist die Universität in Brand geraten. Die Feuerwehr arbeitet ohne Unterlaß, wobei sie von der Bevölkerung unterstützt wird. Zahlreiche Studenten versuchen unter Äbensgesahr wertvolle Manuskripte der Universitäts- b i b 1 i 0 t h e k zu reiten. Leider hat das Feuer trotz aller Bemühungen allmählich an Ausdehnung zu- genommen. Außerdem ist Wassermangel ein- getreten, lieber die Ursache der Feuersbrunst ist nichts bekannt. Wettervoraussage. Obwohl sich das Tief nur langsam ostwärts be- wegt, gelangen doch an feiner cübte’te fortgesetzt Staffeln warmer Luft zum Dordringen, die über Deutschland hinwegziehen und die Temperaturen noch zum weiteren Steigen bringen. Dabei gestaltet sich der Witterungscharakter nicht unsreundlieh. Nur vereinzelt ist mit etwas Niederschlag zu rechnen. Sonst tritt durch den Bewölkungsrückgang Aufheiterung ein. Aussichten für Samstag: Warmes, wolkiges Wetter mit Aufheiterung, nur vereinzelt geringe Niederschläge Aussichten für Sonntag: Meist trockenes, warmes, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter wahrscheinlich. r„Daß jetzt 1 so gute Seife so billig k ist...“ 1 SUNLICHT SEIFE... 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Berlin, in einem Referat die Bor des Iungakademikertuins. Die Botlage deS akademischen Bachwuchses ist eine Quelle staatSpoliti- schcr Gefahren Die Botlage hat ein so großes Ausmaß angenommen, weil man an amtlichen Stellen jahrelang des verhängnisvollen Glaubens war. der Zudrang zu den akademischen Berufen sei ein Bildungsproblem. daS man durch bildunge- politische Mahnahmen meistern könne. Zu spät sah man an leitender Stelle ein. dah eS sich um ein wirtschaftspolitisches Problem handelt, dah der Zustrom in vielen Fällen d i e Fluchtvor dem Gespenst derArbeitS- l o s i g k e i t bedeutet. Dah die Lage auch heute noch nicht von den Begierungen und der Oeffent- lichkeit in ihrer ganzen Schwere erkannt wird, zeigt der Wahn, der Bot könne durch Selbsthilfe und Opfer der akademischen Berufsorganisationen gesteuert werden In der letzten Zeit sind eine Beihe von Plänen zur Linderung der Bot des akademischen Bachwuchses erörtert worden, 'bic aber nur negative Mahnahmen inS Auge,fallen und so nur zu unzulänglichen Scheinlösungen führen können. Der Vorschlag der Arbeit- st r eckung verkennt, dah man die geistige Arbeit nicht wie die mechanische beliebig austeilen kann. Die Arbeit verlangt einen ganzen Mann und dieser wieder eine ganze Arbeit AuS ähnlichen Gründen ist die Einführung eines Freijahrs bedenklich weil sie die notwendige Beziehung der Persönlichkeit zum Amt lodert- Ebenso ist die rein negative Maßnahme der Herabsetzung der Altersgrenze abzulehnen. Ihre Durch- süh ung würde in einer Zeit, wo sich das Arbeitsalter der übrigen Stände erhöht hat. das Ansehen des BeaintenstandeS schädigen. Dazu zeigt das preußische Beispiel der Herabsetzung der Altersgrenze für die Philologen, dah der Bachwuchs keinen Gewinn von vieler Maßnahme hat, während sie den von ihr Betroffenen schweren wirtschaftliche^ Schaden zufügt. Da der höhere Beamte erst verhältnismäßig spät zu der Gründung einer Familie schreiten kann, würde die Einkommenseinbuhe infolge vorzeitiger Pensionierung den höheren Beamten in einem Lebensalter treffen, in dem er noch für Ausbildung feiner Kinder große Aufwendungen zü machen hat Allen diesen negativen Maßnahmen haftet noch der gemeinsame Bachteil an. daß sie in kurzen Zeitabständen immer wieder erneuert werden müßten. Die Bot des Bachwuchfes ist wirkungsvoll nur durch positive Maßnahmen zu begegnen. In Abkehr von der bisher geübten Methode der fortschreitenden Einschränkung der Arbeitsmöglichkeit. sind alle Arbeitsmöglichkeiten auszuschöpfen. Alle Stellen und Funktionen. die akademische Dorbildung erfordern, müssen dein akademischen Bachwuchs Vorbehalten bleiben. Ferner ist es unerläßlich, eine strenge Auslese durch schärfsten geistigen Wettbewerb einzuführen, die Auslese nach dem Bedarf zu regeln und die durch dielen Wettbewerb gesichteten Iungakademiker bei Zeiten, nicht erst im Alter von 40 Jahren, wirtschaftlich sicherzustellen Daneben muß versucht werden, der Jugend einen neuen Lebensraum zu erschließen Line entschiedene Siedlungspolitik muß alle Kräfte für die Beseitigung des Mißstandes Oie Platzordnung im Flughafen. Eine neue polizeiverordnung. Das Polizeiamt Gießen veröffentlicht im gestrigen Amtsverkündigungsblau eine neue Polizei- Verordnung für den Flughafen der Prooinzialhauptstadt Gießen. Die An- ordnung. die mit der gestrigen Veröffentlichung in Straft getreten ist. bestimmt folgendes: 8 1. Die Grenzen des in der Gemarkung Gießen auf dem „Vordersten stolzen Morgen" liegenden Flughafens find durch weiß gestrichene, an den Endpunkten niedergelegte Bretter kenntlich zu machen. § 2. Das Betreten und Befahren des Flughafens sowie das Reiten auf demselben ist Unbefugten oer boten. Der Flughafen bleibt ausschließlich dem Luftverkehr vorbehalten. §3. Die bevorstehende Landung eines Flugzeuges wird durch Sirenensignal erkennbar gemacht. Beim Ertönen der Sirene. ift das Betreten des „Alten Rodger Weges" in der Lände des Rollfeldes verboten und von sämtlichen Wegebenutzern zu räumen. Zuschauer dürsen sich nur auf den zugewiesenen Aufstellungsolatzen aufhalten. * § 4. Das Aufstellen von Straftfahyeugcn und anderen Fahrzeugen darf nur auf den zugewiesenen Platzen erfolgen. Ausgenommen hiervon sind Fahrzeuge. die der Start- und Flugleitung zur Verfügung flehen und die als solche kenntlich gemacht sind § 5. Hunde müssen an einer kurzen Leine geführt werden. Die allgemeinen Bestimmungen über das Führen von Hunden (Maulkorbzwang u. dgl > werden durch diese Verordnung nicht berührt § 6. Das 'Betreten der Raume der Flugleitung, der Werkstätten und anderer der Bodenorganisation des Luftverkehrs dienenden Räumlichkeiten ist ohne be sondere Genehmigung der Flugleitung im Benehmen mit der LuftsahrtüberwachungsfteUe unterlagt. § 1. Es ist verboten, in der Rahe der Flugzeuge und der Tankanlagen zu rauchen, unoerwahrtes Feuer und andere Leuchtmitkel außer elektrischen Glühlampen^ mit lleberalocfen zu benutzen, sowie brennende Streichhölzer sortzuwerfen. § b. In den Werkstätten müssen Handseuerloscher betriebsfertig bereit stehen. Die Inhaber der betreffenden Räume sind hierfür verantwortlich. Sie sind verpflichtet, allen behördlichen Weisungen bezüglich Beschaffung und Erhaltung von Feuerlöschgeräten Folge zu leisten. § 9. Den Anordnungen der Beamten der Lustüberwachungsstellen ist Folge zu leisten. 8 10. Sofern nicht nach allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, werden llebertretun- gen dieser Verordnungen mit Geldstrafe bis zu 150 Mark, im Falle des Unvermögens mit entsprechender Haft bestraft. einschen. daß zur selben Zeit, in der Millionen untätig in den Städten sitzen, deutsches Kulturland sich entvölkert Das Arbeitsjahr ift in den Dienst des Siedlungsgedankens zu stellen. Die Vermehrung des Beichsheercs muß von den zuständigen Stellen mit Bachdrud betrieben werden, nicht von dem Gesichtspunkt des Wettrüstens aus. sondern unter dem Gesichtspunkt ihrer wirtschaftlichen Botwendigkeit zur Entlastung unseres Arbcitsmarktcs von dem ileberangebot jugendlicher Arbeitskräfte. An den Kosten darf das große Werk nicht scheitern: der Staat, der Hunderte von Millionen Mark für die Sanierung von Privatbanken zur Beifügung stellen mußte, muh auch die Mittel zur Finanzierung des nationalen Werkes der Schaffung eines neuen Lebensraumes für seine Jugend auftreiben können. Aus der provmzialhauptstadt. Gießen, den 13. Mai 1932. Ein Knigge für Waldbesucher. Die Wälder der engeren und weiteren Umgebung sind an Sonn- und Feiertagen das Ziel vieler Ausflügler, die durch einige Stunden des Naturgenusses und der Erholung in der ozonreichen Waldluit neue Kräfte für die Alltagsarbeit sammeln wollen. Leider wird von vielen Ausslüglern aber noch immer nicht die gebührende Rücksichtnahme auf die von der Forstverwaltung mit größter Sorgfalt ausgeübte Pflege des Waldes bekundet. Zerstörungen des Forstbeftandes und der Wege dzw. der Ruhebänke, Verunreinigung der Reviere durch Fort- werfen von Papier, Speiseresten usw. sind vielfach zu beobachtende Erscheinungen. Gerade im Hinblick auf die bevorstehenden Feiertage sollten cs sich alle Ausflügler angelegen sein lassen, die Schönheiten des Waldes zu schützen und die Bestrebungen zur Erhaltung und Förderung gepflegter Forsten zu unterstützen. Dies kann schon dadurch geschehen, daß beim Besuch des Waldes folgende Regeln beachtet werden: 1. Laß den Waldgewächse nihre Zweige, Blätter und Bluten; sie sind der Schmuck des Waldes und berufen, hier noch viele dauernd zu erfreuen und neues Leben zu bilden Abgerissen welken sie rasch, dienen niemand mehr zur Freude und werden meist bald weggeworfen, das befchadigte Gewächs aber verkümmert. 2. Betritt keine jungen Anpf 1 anzun - g e n, locken dich auch die schönsten Beeren und Blumen; denn du siehst die jungen Pflanzen nicht, die zu Bäumen heranwachien sollen. Die Zerstörung, die dem Fuß dort anrichtet, ist noch nach zehn Jahren kenntlich. 3. Springe nicht an Waldböschungen hinaus oder hinunter und kürze keine Fußwege ab. Den Weg machen andere nach und schließlich findet ihn das Wasser. Bei Gewittern entsteht ein Wildbach, der Baume entwurzelt und mit sich reißt und Wege und Psade zerstört. 4. Laß Zeitungen, Frühstückspapier und sonstige Abfälle nicht aus Wegen und Ruheplätzen Herumliegen; balle sie vielmehr zusammen und wirf sie in Dickungen ober vergrabe sie in Moos ober Laub, am besten aber nimm bas Papier mit nach Hause. Zerschlage auch keine ausgetrunkenen Flaschen, fonbern lege sie bei- feite in ben Walb. Denn was ist häßlicher, als wenn einzelne Stellen im Walde aussehen wie Sammel platze für Abfälle? 5. Gehe mit Feuer, Zigaretten und Zigarren recht vorsichtig um. Bei trockenem Wetter kann jede brennend weggeworfene Zigarette und jedes glimmende Streichholz einen Waldbrand verursachen. 6. Störe bic Tiere des Waldes nicht; alle fürchten den Menschen als ihren größten Feind. Die Berührung durch Menschenhand kann die Mutter veranlassen, ihr Junges oder ihre Eier zu verlassen und so dem Verderben zu weihen. Nimm deshalb auch deinen Hund stets an die Leine. Bornotizcn. — Tageskalender für Freitag: Stadl fbeater, 20 bis 22.30 Uhr, „Die Entscheidung der Lissa Hart". — vberhefs. Äunftöcrein, Turmhaus Roman von (5ed Rothberg. Copyright by Martin Feuchtwanger. Hall« 14. Fortsetzung. Bachdrud verboten! Lisa zudte verächtlich mit den Schultern: „Was denn noch ändern? Du lebst hier ja schon wie eine Bonne. Ernst müßte sich auch überlegen, daß du noch jung bist und Anspruch auf ein bißchen Zerstreuung hast." .Ja, natürlich. Ich traue mich aber nicht, ihm zu" sagen, daß ich gern ein Fest in Polzenhagcn abhalten möchte. Unb dann du hast wohl ganz tergeffen, daß cs eine Zusammenkunft ohne Musik und Danz sein mußte. Schließlich dürfen wir doch nicht vergessen, daß Papa erst wenige Wochen tot ist." „Ja du hast recht. Es wird nur nach und nach sehr langweilig in eurer kalten, verschneiten Ecke hier. Aber du hast recht, ohne Danz und Musik ist es nichts. Also langweilen wir uns weiter." Traute schwieg. Aber in ihren dunklen, schönen Augen war etwas, was kein Wohlwollen für die Schwester verriet. Sie hatte deren Oberflächlichkeit jetzt voll erkannt und wunderte sich nicht mehr, daß Budolf Ansbrüd aus dieser Ehe fort- verlangte. Aenne Ohlen stand mitten zwischen einem Berg von Kleidern und Mänteln. Sie seufzte ein bißchen. Eine verwöhnte Kundin war über drei Stunden hier gewesen und hatte alle Kleider und Mäntel probiert.Madame Sndiee halte es nur eine Stunde ausgehalteir, dann war sie geflohen. Die Börgeleien der verwöhnten, anspruchsvollen Dame gingen ihr auf die Berven. Sie begab sich in die vorderen Bäume und in die Bähsalons, selbst auf die Gefahr hin, die gute Kundin zu verlieren. Aber sie verlor sie nicht einmal. Die probierte weiter und hatte dann für einige tausend Mark gekauft, als Aenne endlich ganz erschöpft die Dame zur Dür begleitete. Es wurde wie gewöhnlich zugcschidt, und es hatte Zeit bis morgen. Sic meldete Madame Endiee das Ergebnis der langen Bedienung und machte sich nun daran, bic Mäntel und Kleider wieder in die dafür bestimmten Glasschränke zu räumen. Ein silbern schimmerndes Kleid! Aenne schloß cr'cbaucmb die Augen. Sin 2raum! Bichts als ein sch.ner, unwirklicher Traum! Kam denn das törichte Herz nicht zur Buhe? Schlug es noch immer in wilder Sehnsucht nach dem Manne, der einer andern gehörte? War nicht alles nur eine große Siinde gewesen? .Ich hole dich, Aenne!" Ganz deutlich hörte sie wieder diese Worte. Aber sie wehrte sich gegen die Versuchung, die ihr einflüstern wollte: .Wenn er es ehrlich gemeint hätte?" Dann aber mahnte die Vernunft: .Einmal im Leben hast du vergessen, daß du nur eine kleine Modistin bist. Vergiß es nie wieder, Aenne Ohlen! Ausgerechnet dieser Mann wird kommen und dich heiraten. Es wäre ein Märchen. Und Märchen gibt es heute kaum noch. Es gibt nur kalte, grausame Vernunft und bitteren Lebenskampf. Zudem — seine Frau! Schäm dich, Aenne!" Mechanisch räumte sie die Kleider ein. Liebkosend strich ihre Hand über das si Iber durchwirkte, das einem anderen so ähnlich war! Von ihrem Ausflug in die Sonne war ihr nichts verblieben als eine große, sehnsüchtige Liebe! Eine Liebe, die immer und immer wieder nur Sehnsucht bleiben und doch nie Erfüllung werden würde Diese Liebe würde immer da sein, würde nie erlöschen. Endlich war Aenne fertig. Sorgsam schloß sic die Schränke, die die teuren Wiener und Pariser Modelle bargen. Sie setzte sich still in eine Ede drüben im Atelier und nähte an dem Kleid der Prinzessin Adelheid einige von dieser gewünschte Aenderungen. Sie hörte nur halb zu, als Hilde John ein lustiges Erlebnis zum besten gab. Alle jungen Mädchen lachten herzlich, während die ältliche Direktrice mit grämlichem Gesicht aus einem großen Karton köstliche Bosen nahm — künstliche Blumen, die wie frische, natürliche ausfahcn und von denen man meinte, ein süßer, betäubender Dust müsse von ihnen ausströmcn. Aennes feine Finger arbeiteten fleißig, doch die Gedanken waren weit, weit fort. Sie suchten Budolf Ansbrüd! Um sie klang frohes Gelächter, das jedoch plötzlich verstummte, weil Madame Endiee das Atelier betrat. Die Dame hatte etwas in ihrer ganzen Erscheinung, was sogleich Bcspckt um sich verbreitete. Ihre Augen blitzten über die Mädels hin Da hatten sie Aenne erspäht. Madame Endiee lächelte liebenswürdig und ging auf Aenne zu. . Fräulein Ohlen, es tut mir sehr leib, dah Sie heute nicht viel Buhe haben werden. Soeben hat sich eine Amerikanerin angelegt, eine ältere Dame, die einige passende Gesellschaftskleider haben möchte. Ich muh mich da wieder einmal auf Ihren guten Geschmad verlassen und auf die seltene ®abe, jeder Kundin das Passendste zu empfehlen." Aenne nidte. „Ich freue mich, wenn Sie zufrieden mit mir sind." .Das bin ich. Und ich habe..." Madame Endiee schwieg. Weshalb sollte fie denn freiwillig das Gehalt des jungen Mädchens erhöhen? Fräulein Ohlen schien doch ganz zufrieden zu fein? Zu dumm, daß sie. Madame Endiee, zuweilen so eine weiche Anwandlung hatte! Die heutige Zeit verlangte Härte und Eigennutz, sonst kam man zu nichts. Aenne, hatte sich längst erhoben, um die weiteren Befehle entgegeckzunehmen. „Die Dame hat telephonisch angerufen. Wenn sie kommt, werde ich Sie rufen lassen", sagte Madame Endiee freundlich. Dann ging sie wieder hinaus, denn die Buchhalterin wartete auf sie. Es war Lohnabrechnung, und da gab es stets sehr viel zu tun. Kaum hatte Madame Endiee das Zimmer verlassen, ging das lustige Gelächter von neuem los. Die Direktrice richtete einige verwarnende Worte an die jungen Mädchen, worauf es ein Weilchen still blieb. Es dauerte aber keine Viertelstunde, da lachten sie wieder. Die Hilde John war aber auch heute ganz aus dem Häuschen! Aenne Ohlen aber dachte Wie doch eine Bacht. eine Stunde im Leben eines Menschen zum Schidsal werden kann! Denn auch ich habe doch vor noch nicht allzulanger Zeit fröhlich mitgelacht. Und nun kann ich mich nicht einmal mehr über Hilde Johns drollige Erzählungen freuen! Aenne war mit ihrer Arbeit gerade fertig, als das Laufmädchen kam. „Fräulein Ohlen möchte nach vom kommen. Eine Kundin ist da", meldete sie mit piepsender Stimme. Aenne erhob sich Die strich nur schnell ohne Spiegel über das lockige Blondhaar, bann fuhr sie glättend an ihrem dunkelblauen Samtkleid herunter und ging rasch den Gang entlang. Madame Endiee begleitete die Dame gerade zu den hohen weißen Glasschränken. Das Emp> fangdfräulcm schob einen bequemen Sessel zurecht. und dann erstrahlte alles ringsum in hellstem Lichte. Die hohen, geschliffenen Spiegel warfen strah- lende Helle zurück. Madame Endiee sagte gerade: „Mistreß Harrison können versichert sein, daß ich die beste Bedienung zur Verfügung stelle. Da ist Fräulein Ohlen schon." Die Dame wandte sich um. Ein kurzes, bestürztes Erkennen auf Aennes Seite. Sie wankte — dann aber hatte sie sich wieder in der Gewalt. Ruhig wandte sie sich den Schränken zu, nachdem sie höflich den Kopf neigte. Die Amerikanerin aber sah starr in das reizende Gesicht. Bein, da war kein Irrtum möglich. Sie war es! Sie. die man ihr im Haufe Doktor Ansbrücks als dessen Gemahlin vorgestellt hatte! Das war ein Affront! War ein unverzeihlicher Verstoß gegen die Gesetze des guten Tones! Miß Harrison wollte aufbraufen. Aber sie konnte es nicht. Fühlte ein weiches Gefühl in sich gegen dieses schöne, junge Mädel am Brandplatz. 15 bi» 17 Uhr. Inbiläums-Ausstcl lung. — L'iditipielbaus, Bahnhofstraße: ..Seiten fprange". — Astoria-tsichtspicle, Sdtcr»mcg: .Aline Woche unter Apachen" und ..Die kokette Frau". — Wiefecker Lichtspiele, „Im Westen nicht» Neue»!". Aus dem Stadttheaterbureau wird unS geschrieben Heute. 20 Uhr. als 30 Vorstellung im Freitagabonnement zu gewöhnlichen Preisen Wiederholung des nachgelassenen Werkes „Die Entscheidung der Lissa Hart" von Hermann Sudermann. Der außerordentliche Beifall. den das Publikum diesem Bachkriegsstück entgegenbrachte, beweist von neuem die brama- tische Meisterschaft bes verstorbenen 'Autors. Wir weisen darauf hin, daß daS Werk, eine südwest- deutsche Erstaufführung, außer am heutigen Abend nur noch einmal auf dem Spielplan steht Wer es noch sehen will, wird daher gebeten, sich rechtzeitig Karlen zu besorgen. Spielleitung hat Peter Fassott. Die Titelrolle spielt Edith Berger. -- Sonntag, 15. Mai. 16.45 Uhr. als Fremdenvorstellung zu kleinen Preisen bic große Goethe-Inszenierung des Intendanten . Faust I “ Mit dem frühen Vorstellungsbcginn ist den auswärtigen Dheaterbefuchcm die Rückfahrt gesichert Wer erst etwas später alS 16.45 Uhr im Theater fein kann, versäumt nur den .Prolog im Himmel". flenne es, wie Ou willst . .. Sic schmiegen sich, biegen sich, trippeln und hupfen, sie laufen und krummen sich, stapfen und schubsen, sie ichlcnkern und schlottern, sie wackeln und gehen, fie hupfen und schleichen in Winden und Drehen, sie watscheln und wackeln in taumelndem Kranz ... Sie hoppeln und humpeln, sie drucken und puffen, fie fliegen und traben, man sieht, wie sie knuffen. Man sicht, wie sie wanken und stelzen und schreiten, stolzieren und schieben und feierlich gleiten, und all diese Tätigkeit nennt sich dann — Tanz. Puck. Oevisenerleichterungen für Reifen nach Oesterreich. Wie halbamtlich mitgeteilt wird, ist jetzt zur teilweisen Fliissigmachung der in Oesterreich fcftlicgcn den deutschen Schillingguthabcn eine Vereinbarung zwischen der deutschen und der österreichischen Re gierung getroffen worden, nach der deutsche Bei sende nach Oesterreich außer dem Betrag von 200 Mark noch den Gegenwert von 500 Mark in einem Kalendermonat mitnehmen dürfen. Dieser Mehrbe trag kann aber nur durch die deutschen Postanstalten und Rcisebureaus erworben werden. Daneben wer den auch die deutschen Kreditinstitute ihren Kunden bis zu dieser Höhe ohne besondere Genehmigung 'Akkreditive ausstellen. Reisende erhalten nähere Auskunft bei allen deutschen Postanstalten, den Bor tretungen des Mitteleuropäischen Reiseburcaus und bei inländischen Kreditinstituten. Die Eigentümer von gesperrten Schillingguthaben können diese für den Reiseverkehr bis zum Höchstbetrag von 5000 österreichischen Schillings zur Verfügung stellen. Die hierzu nach den deutschen Devisenbestimmungen er- forderliche Genehmigung der Devisenbcwirtschas kungsstelle wird auf Antrag erteilt werden lieber die Einzelheiten des Verfahrens werden die In- dustrie- und Handelskammern Auskunft erteilen. " ©in Achtzigjähriger Am 15 Mai vollendet Herr Wilhelm Stumpf. Am Bah- rungsberg 37 wohnhaft, sein 80. Lebens;ahr. ' Maienblasen. Bei dem am morgigen Samstag. 19 Uhr, vom Turme der Johannes- kirche aus stattfindenden Maienblasen werden folgende Stücke zu Gehör gebracht: 1. O, heiliger Geist kehr' bei uns ein; 2. Preis und Anbetung (von Rink». 3. Don des Rheines Strand. Am 1. Pfingstfeiertage wird der Verein für christliche Musik an verschiedenen Krankenhäusern konzer- Oder war sie es doch nicht? War es eine andere? Es konnte immerhin ein Wunder der Batur sein, zwei solche schöne, sich vollkommen ähnliche Geschöpfe zu schaffen. Waren es Schwestern? Dje Frage mußte geklärt werden. Schließlich hatte sie, Miß Harrison, ein Becht dazu. Madame Endiee wurde abgerufen Aenne Ohlen breitete wundervolle Toiletten vor der Amerikanerin aus. Die sah aber kaum hin Sie sah nur immerfort in das schöne, blasse Gesicht des Mädchens. Und Aenne wußte, daß auch die Dame sie erkannt hatte. Ihre kleinen weißen Hände zitterten leicht, sonst aber hätte niemand merken können. wie es in Aenne aussah. Wie die Erinnerung an jene Bacht sie aufs neue durchwühlte! Die Amerikanerin ftnnb plötzlich auf. Dicht trat sie zu dem jungen Mädchen hin. „Wir kennen uns. Fräulein. Darf ich um eine kurze Aufklärung bitten?" Aenne sah sie groß an. „Verzeihung, Mistreß Harrison, ich kann Ihnen nichts sagen." „Also Sie sind es doch! Ich hatte Sie sofort erkannt, doch wäre es mir wahrhaftig lieber gewesen, Sie hätten eine Doppelgängerin Ich hatte Sic ehrlich liebgewonnen. Bun, ich werde mir die Aufklärung von Herrn Doktor Ansbrüd erbitten. Er dürfte immerhin Ehrenmann genug sein, mir diese Aufklärung zu geben. Wenn ich auch sein sonstiges Verhalten unbegreiflich finde ‘ Mit niedergeschlagenen Augen stand Aenne vor der reichen Frau Plötzlich sagte fie „Es waren d.e Umstände. Sie zwangen Herrn Doktor Ansbrüd Ich spiele ja gar keine Bolle in der ganzen Angelegenheit. Oder doch es war nur eine kleine Rolle, bic mir zudiktiert wurde. Es war aber doch nur. damit Sic, Mistreß Harrison. in Doktor Ansbrucks Haus kommen konnten. Die Hausfrau war plötzlich abgereift. Ich weiß selbst nichts weiter. Bitte, fragen Sie nicht mehr! Irgendwelcher Betrug war bestimmt nicht gegen Sie geplant. Doktor Ansbrüd schätzt Sie und Ihren Herrn Gcmphl viel zu hoch dazu. Ich — bin — ich kann nichts weiter sagen. Ich habe im Leben Doktor Ansbrüds nichts zu suchen." Die Miene der Amerikanerin hatte sich nach und nach immer mehr aufgehellt. Jetzt lächelte Miß Harrison, nahm die Hand des Mädchens in bic ihre „Ich glaube, jetzt verstehe ich alles. Ich labe Sic für heute abenb zu einer Taffe Tee zu mir. Wir wohnen im .Esplanade". Werben Sie kommen?" .Ja: »Denn Sie bic Güte haben, bann komme ich. Und ich danke Ihnen sehr, gnädige Frau, daß Sic mir verziehen haben.' Die Same strich über den Blondkopf. (Fortsetzung folgt.) fieren, um den Pattenten eine Pfingstfreude zu bereiten. •• Einbruchsversuch. Dec Polizeibericht meldet: 3n der Rächt zum Donnerstag hatten es Einbrecher auch auf die LIHren, Gold- und Silber- gegenstände des llhrmachermeisters 'S c d im Seltersweg abgesehen. Die beiden Vorhängeschlösser, die zur Sicherung des vor dem Schaufenster angebrachten eisernen Schutzgitters dienten, wurden von den Tätern gewaltsam erbrochen. Bei dieser Arbeit müssen die Täter gestört worden sein. Es ist mit grober Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß sie nachdem den Schaufenstereinbruch in das Herrenkonfektionsgeschäft Köh- l e r ausgeführt haben. Die bis jetzt durchgeführten Ermittlungen haben noch nicht zur Festnahme der Täter geführt. ** Fe st genommene Fahrraddiebe. Bei einer in der letzten Rächt durchgeführten Streife wurden, wie dec Polizeibericht meldet, in einem Heuschober der Orgelbauer Reinhard Prorod, geb. am 12. April 1887 zu Kattowitz. und der Schleifer Ernst Lenz, geb. am 1. April 1897 zu Tietidon, Kreis Zürich, beide auf Wanderschaft, aufgestöbert, die im Besitze von zwei Fahrrädern waren. Durch die polizeilichen Ermittelungen stellte sich heraus, dah die beiden die Fahrräder vor dem Aussuchen ihres Lagers aus einem Gartenhaus in der Buchnerstrahe entwendet hatten. Die beiden Täter wurden dem Amtsgericht zugeführt. ** Kleinere Diebstähle. Entwendet wurden aus einer Hofreite in der Mühlstrahe ein vierrädriger Handkastenwagen ohne Deichsel, aus einer Hofreite in der Dismardstrahe ein Dosch- dhnamo und Laterne und in der Bahnhosstrahe eine elektrische Boschlaterne. ** Der Hubertus, Verein weidgerechter Jäger, Sih Giehen, hielt am.Mittwoch nach vorausgegangenem Anschiehen der Büchsen seine Monatsversammlung im Schützcnhaus ab. Rach Bekanntgabe von Reuanmeldungen erfolgte der Bericht über die Jugendprüfung, die wieder sehr gut beschidt war, der zeigte, dah die heimische Gebrauchshundezucht in sicherem Fortschreiten ist. Eine Aussprache über Wildstandsoerhältnisse ergab, dah offenbar Rehwildverluste in diesem Jahre nur in geringerem Mähe eingetreten sind und dah die Aussichten für die Riederjagd nicht ungünstig zu sein scheinen. Schließlich wurden die Mitglieder noch aufgefordert, einem Fragebogen des Forstzoologischen Institutes der Universität, der sich mit der Frage der Hähersaaten beschäftigt, ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Im Anschluh daran sprach der 1. Vorsitzende, Pascoe- Dutenhofen, über „Allerlei Interessantes aus der Jagdpresse", wobei Fragen des Jagdrechtes, der Biologie der Jagdtiere, des Schiehwesens und der Wildkrankheiten in anregender Weise behandelt wurden und Gelegenheit zur Aussprache und zum Erfahrungsaustausch boten. ** Männer-Turnverein. Die diesjährige Mitgliederversammlung des Männer-Turnvereins wies einen recht guten Besuch auf. Zunächst berichtete der erste Sprecher über die Dereinstätigkeit im allgemeinen, während der Oberturnwart über die gesamte turnerische Tätigkeit und die einzelnen Fachwarte über die von ihnen geführten Abteilungen berichteten. Im verflossenen Dercinsjahre nahmen die Turnerinnen und Turner des Mtv. an 21 Veranstaltungen teil und brachten insgesamt 286 Siege heim, darunter vier Kreismeisterschaften und mehrere wertvolle Wanderpreise. Der auf dem Feldbergfest errungene Brunhilde- und der Emanuel-Schmud- schild wurden erfolgreich verteidigt. Das am 22. und 23. August 1931 von dem Mtv. in Giehen erstmalig veranstaltete kreisoffene volkstümliche Turnen fand großen Anklang. Es soll in diesem Jahre wiederum abgehalten werden, und zwar am 11. September. In allen Abteilungen wurde fleißig gearbeitet und allen Tümern und Turnerinnen, sowie den Abteilungsleitern der Dank des Vereins ausgesprochen. Die Kassenverhältnisse waren im Hinblick auf die wirtschaftliche Rotlage vieler Mitglieder befriedigend. Bei der Reuwahl des Vorstandes und des Tumrates wurden gewählt: 1. Sprecher Gg. Kling, 1. Schriftführer C. L a n g, Rechner Gg. Dreher, 2. Sprecher W. Georg, 2. Schriftführer H. Dechert, Oberturnwart K. Hußke, 1. Tumwart H. Zammert, 2. Tumwart H. M e y e r, Gegenrechner und Spiel- Wart P. R i t s e r t, Sportwart L. M a l k o m c • sius, Fechtwart E. Dü r ck, Schwimmwart H. Schorkopf, Wanderwart L. T h ö t, Zeugwart Ehr. Bingmer, Beisitzer H. D a u m a n n, Gg. Bidelhaupt, W. Gerhard und K. S t r a d. Rachdem noch über die Vorbereitungen zum diesjährigen Gautumen, das voraussichtlich am 3.Juli in Giehen stattfindet, berichtet und verschiedene Vereinsangelegenheiten besprochen worden waren, schloß der 1. Sprecher mit einem „Gut Heil" auf den Mtv. die Versammlung. Wirischast. OerneueLeitef-eöNorddeutschenLloyd Bremen, 12. Mai. (WTB.) Der Rord- deutsche Lloyd, Bremen, teilt mit, dah Geheimrat Dr. Albert, Reichsminister a. D., in Berlin in den Vorstand berufen worden ist und dessen Vorsitz übernehmen wird. Dr. Qflbert wird am 1. Juni 1932 seine Tätigkeit aufnehmen und in der Hauptsache die Finanzangelegenheiten und die damit zusammenhängenden Geschäfte bearbeiten. Minister a. D. Albert stammt aus Magdeburg. Don 1918 bis 1919 war er Präsident des Reichsamtes zur Verwertung der nach der Demobilisierung freigewordenen Heeresgüter. Don 1919 bis 1921 hatte er den Posten des Chess der Reichskanzlei inne und vom Rovember 1922 bis 1923 war er Reichsschahminister und Reichs- kommissor für den Wiederaufbau im Kabinett Cuno. Jrn Jahre 1924 nahm er seine Anwalts- Praxis wieder auf. Oiskontermäßigung in England. London, 12. Mai. (WTB.) Die B a n k v o n England hat ihren Diskontsatz heute um 0,5 Prozent von 3 a u f 2,5 Prozent herabgesetzt. Der Satz von 3 Prozent war seit dem 21. April 1932 in Kraft. Berlin widerstandsfähig. Berlin, 13. Mai. (WTB. Funkspruch.) Trotz der durch den Rücktritt Groeners als Reichs- wehrminifter geschaffenen innerpolitischen Unsicherheit war die Anfangstendenz als relativ wider- standsfähig zu bezeichnen. Abschläge von mehr als 1 Proz. waren nur selten, trotzdem die schwache Veranlagung der gestrigen Reuyorker Börse leicht verstimmte. Es gelangten aber im Hinblick auf die bevorstehenden Feiertage nur einige kleinere Realisationen zur Ausführung. Die anhaltenden Käufe in Spezialwerten boten dagegen der Allgemeintendenz eine gute Stutze. Berger, Dortmunder Union, Ilse Bergbau, Kalichemie, (Elettriji- tätswerk Schlesien und Gesfürel gewannen etwa 2 Prozent. Anderseits waren Chadeaktien, wohl im Einklang mit dem Auslande, 2K Mark schwächer, Svenska gaben anfangs 7i Mark und unmittelbar darauf erneut Vi Mark nach. Hansadamps erschienen mit Minus-Minus-Zeichen und wurden später zwei Prozent niedriger festgesetzt. Harpener lagen zwar anfangs nur knapp behauptet, wurden aber kurz nach der Eröffnung lebhaft gefragt, wobei man auf Meldungen über bessere Kohlen.' und Eisengewin- nung im Ruhrbezirk verwies und von Fusionsab- sichten zwischen Harpener und Rhein. Braunkohlen sprach: die letzte Vermutung läßt sich im Augenblick noch nicht nachprüfen. Jedenfalls zogen Harpener im Verlaufe um mehr als 2 Prozent an. Davon vermochten auch die übrigen Montane zu profitieren. Im übrigen war die Tendenz nicht ganz ein- h e i 11 i ch. Dos Geschäft war weiter äußerst klein. Eharlottenburg-Wasser tendierten heute exklusive Dividende. Deutsche Anleihen waren zeitweilig etwas freundlicher, unterlagen jedoch mehrfachen Schwankungen. Der Rentenmarkt lag bei kleinem Geschäft eher etwas schwächer. Reichsschuldbuchforderungen waren bis zu % Prozent gedrückt. Von Ausländern waren Ungarn, Rumänen und Anatolier teilweise etwas schwächer. Am Geldmarkt war angesichts des bevorstehenden Medio eine Versteifung festzustellen. Tagesgeld zog auf 5% bis 6% Prozent an, Mo- natsgeld blieb mit 6 bis 8 Prozent nominell un- verändert. Sranffurf gui behauptet. Frankfurt a.M.. 13. Mai. (WTB. Drahtmeldung.) Am letzten Börsentag vor der Anter» brechung des Derkehrs durch die Feiertage dnt- widelte sich nur geringes Geschäft, da auch die Spekulation in Anbetracht der unklaren innerpolitischen Situation, die durch den Rück- tritt Groeners als Wehrminister geschaffen würd'', weitere Zurüdhaltung bekundete und offerf chtlich vermied, Rcuengag?ments einzugch?n. Trotz der schwachen Reuyorker Börse tendierten die Kurse gut behauptet, da von der Kundschaft keine Abgaben vorgenommen wurden und die feste Veranlagung einiger Montanaktien der Börse Anterstühung bo^ Dom Rheinland lagen einige Kauforders, Gelsenkirchen, Buderus, Har- pener und Mannesmann, vor, so daß für diese Werte Erhöhungen bis zu 1 Prozent eintraten, während die Aktien der Dtahlvereinsgruppe vernachlässigt und nur gut behauptet waren. Von Braunkohlenwerten gewannen Ilse Bergbau 3 Prozent, Rheinische Braunkohlen lagen unverändert. Kali Westeregeln zogen um Bruchteile eines Prozentes 'an. IG. eröffneten mit 93.25 Prozent gegen die Abendbörse unverändert und wiesen auch im Verlause keine wesentliche Veränderung auf. Am Elektromarkt lagen Gesfürel 1.5 Prozent höher, während im übrigen die Kurse behauptet waren. Von Schiffahrtsaktien zogen Hapag leicht an. Etwas niedriger setzten Deutsche Erdöl. Aku und Zellstoff Aschaffenburg ein, doch hielten sich die Rüdgänge im Rahmen bis zu 1 Prozent. Reichsbankanteile waren vernachlässigt und nur knapp gehalten. Deutsche Anleihen tendierten uneinheitlich. Altbesitz gingen um weitere 0,25 Prozent zurück, wogegen Reubesih 1 R Prozent anzogen. Von Auslandrenten gaben Anatolier 0,5 Prozent nach. Gold- und Liguidationspfandbriefe. sowie Reichs- schuldbuchforderungen lagen bei stillem Geschäft behauptet. Im Verlaufe hielt das Interesse für Kohlen- toerte unter Bevorzugung von Harpener mit plus 2 Prozent an, auch Rheinische Braunkohlen lagen später 3 Prozent höher. Die übrigen Kurse blieben auf dem Anfangsniveau behauptet, nur IG. zogen etwa 1 Prozent an. Von Anleihen konnten sich Altbesih wieder auf dem gestrigen Stand behaupten. Der Schluß der Börse brachte für alle Kurse Besserungen, und die Hauptwerte schlossen auf Höchststand. Am Geldmarkt zeigte sich einige Medionachsrage, so daß der Sah für Tagcsgeld um 0,25 Prozent auf 4,25 Prozent erhöht wurde. • Schwcilicrnarkt in Grünberg — Grünberg, 12. Mai. Der heutige Schweinemarkt hatte einen Auftrieb von 530 Ferkeln. Folgende Preise wurden erzielt: Ferkel bis 6 Wochen alt 13 bis 15 Mark, 6 bis 8 Wochen alt 17 bis 20 Mark, 8 bis 13 Wochen alt 22 bis 25 Mark. Es verblieb geringer Aeberstand. Oberheffen. Gemeinderat in Laubach. □ Laubach, 12. Mai. In der jüngsten G e- meinderatssitzung erstatteten Bürgermeister H ö a y und Gemeinderatsmitglicd Dr. Roßbach über die wegen der Erhaltung unserer Realschule mit dem Hessischen Ministerium für Kultus und Dildungswesen stattgehabte Unterredung eingehenden Bericht. Ein Abbau der Realschule ist nicht zu befürchten, und falls die Schülerzahl sich in den nächsten Jahren erhöht, wird die zur Zeit geschlossene Untersekunda wieder eingerichtet. Weiter nahm der Gemeinderat von der vorgelegten Aebersicht über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben der Realschule für das Schuljahr 1931 Kenntnis, wonach die Stadt Laubach im abgelaufenen Jahre nur einen Zuschuß in Höhe von 1390 Mark au leisten hatte, obwohl im Voranschlag fast oer doppelte Betrag vorgesehen war. Der Gemeinderat bewilligte 500 Mark für den Anterstühungsfonds der Realschule: außerdem hat auch die Vereinigung ehemaliger Laubacher Gymnasiasten zu diesem Fonds einen namhaften Betrag zur Verfügung gestellt. Die Vorschlagsliste für die ganzen und halben Freistellen wurde geprüft und genehmigt. Lanvkreis Gießen. * Leihgestern, 12. Mai. Einem Wunsche der hiesigen Erwerbslosen entgegenkommend, hielt Lehrer K r a u s ch, Giehen, als Vertreter des Jungdeutschen Ordens hier einen Vortrag über den freiwilligen Arbeitsdienst. Es waren etwa 70 meist jüngere Erwerbslose erschienen, denen der Vortragende in klarer Weise den Sinn und Zwed des freiwilligen Arbeitsdienstes erläuterte, wobei er besonderen Rach- druck auf die arbeitspädagogischen und ethischen Werte dieses Dienstes in der Gemeinschaft und für dieselbe legte. Er zeigte dabei, wieNehr leider noch einengende Bestimmungen viele Arbeitswillige zunächst ausschließen, wie notwendig darum auch die allgemein zu erhebende Forderung ist, daß zum mindesten für alle Jugendlichen hier der Weg freigemacht wird. In der Aussprache ging der Redner noch näher auf die Rotwendigkeit einer umfassenden Siedlungsbewegung ein. Auf eine Frage des Redners, wer von den Anwesenden sich positiv für den Gedanken des freiwilligen Arbeitsdienstes ein* stelle, gaben alle ihre Zustimmung. Leider scheidet von den Arbeitswilligen zunächst eine große Zahl aus, so dah sich am Schlüsse 25 melden konnten, bei denen wohl die Zulassung zum Dienst möglich ist. Man hofft, dah bald mit der Gemeinde Leihgestern und dem Forstamt Schiffenberg eine Arbeit für diesen Dienst gefunden werden kann. # Rieder-Bessingen, 12. Mai. Dieser Tage feierten die Eheleute Konrad Drück und Frau Katharine, geb. Samer, das Fest der goldenen Hochzeit. Die Ehegatten stehen im 81. Lebensjahr und erfreuen sich noch recht guter Gesundheit. Der Jubilar war nahezu 40 Jahre Kreisstrahenwart. Es fand unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde eine kirchliche Feier statt, in der Stiftspfarrer Draudt (Lich) erhebende Worte sprach. Der Gemischte Ehor ehrte in der Feier das Paar mit dem Dachschen Ehoral »Befiehl du deine Wege". Amtsgericht Gießen. In drei Fällen soll sich ein Landwirt und Schäfereibesiher in einem Rachbarorte gegen gesetzliche Bestimmungen zur Abwehr von Viehseuchen vergangen haben. Zunächst hat er nach der Anklage der zuständigen Behörde von Anzeichen, die einen späteren auch amtlich fest- gestellten Ausbruch der Maul- und Klauenseuche unter seiner Herde schon stark vermuten liehen, keinerlei Kenntnis gegeben: dann hat er in seinem wegen Seuchengefahr amtlich gesperrten Stall noch ein Stück Vieh einstellen lassen und schliehlich am 6. Januar einen Transport Schafe nach Giehen getrieben und dort auf die Dahn nach Frankfurt verladen, ohne jede Untersuchung und ohne behördliche Genehmigung. In den beiden ersten Fällen erfolgte Freis p^xcchung, im letzten "Verurteilung des Angeklagte zu einer Geldstrafe von 20 Mark. Seine Schutzbehauptung ging im ersten Falle dahin, er sei in den einschlägigen Dingen durchaus Laie und mit den Vorerscheinungen der Seuche, die er in seiner Landwirtschaft und unter seiner Herde noch nie erlebt habe, keineswegs vertraut. Die Behauptungen »konnten ihm nicht widerlegt werden. Die Zeugen sprachen zu seinen Gunsten. Im zweiten Falle war der Angeklagte, wie einwandfrei festgestellt wurde, zur Zeit der Einstellung des Viehs in Frankfurt a. M. abwesend, und von der nach seiner Abreise stattgehabten amtlichen Sperre seines Stalles wuhte er nichts, konnte demnach auch nicht für die verbotswidrige Einstellung des Viehs verantwortlich gemacht werden. Der Viehtransport vom 6. Januar, so wie geschehen, war unzulässig. Der Angeklagte berief sich auf eine allgemeine behördliche Ermächtigung, die aber, wie die Beweisaufnahme ergab, niemals stattgefunden hat. Die Seuchengefahr rechtferttgt die Höhe der Strafe. Eine Frau gewährte einem Dekorateur für einige Monate Kost und Logis. Sie hielt ihn auf Grund seiner Angaben für einen reellen Menschen. der zahlungsfähig und zahlungswillig sei, täuschte sich aber. Der Angeklagte hatte eS. mochte er auch anfangs Zahlungen zuweilen leisten, von vornherein darauf abgesehen, die Frau zu betrügen. Insbesondere ließ sie sich dadurch irre- führen, daß der Angeklagte wahrheitswidrig versicherte, er erhalte seinen Lohn monatlich und zahle auch monatlich. In Wahrheit erhielt er aber den Lohn wöchentlich und verausgabte ihn gleich für andere Dinge, als zur Tilgung seiner auf etwa 100 Mark angelaufenen Schuld bei seiner leichtgläubigen Vermieterin. Mildernde Umstände wurden ihm versagt, insbesondere um deswillen, weil Logisgeber, die oft ausschließlich auf derartige Einnahmequellen angewiesen sind, vor derartigen unlauteren Elementen geschützt werden müssen. Strafe: 2 Wochen Gefängnis. In der Kläranlage war scharf geschossen worden. Eine Zeuge erklärte, eine Kugel sei ihm am Kopf vorbeigeflogen. Der Schütze war nicht feft* zustellen. Es ergab sich aber, daß der Angeklagte ein Flobertgewehr, Kaliber 9 Millimeter, mit gezogenem Lauf bei sich trug. Er hielt sich für straflos, weil er nur auf dem Wege gewesen fei. einem nahe wohnenden Bekannten die Dchieß- toaffe zu zeigen. Dies mag richtig gewesen sein, vermochte ihn aber auf Grund des klaren Wortlautes des Gesetzes vom 12. April 1928 über Schußwaffen und Munition vor Strafe (2 0 Mark) nicht zu schützen. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Stammtisch § 11. Die Bezeichnung „Kapellmeister" kann jedermann führen, der eine Kapelle leitet. Dagegen ist die Bezeichnung „Musikmeister" oder „Obermusikmeister" ein Amtstitel, der nur von solchen Personen geführt werden darf, die ihre Prüfung auf der Hochschule für Musik abgelegt haben uno vom Reichswehrministerium zum Musikmeister bzw. Obermusikmeister ernannt worden sind. Die mißbräuchliche Führung dieser Titel ist strafbar. $. £)., Gießen. Als Unterhaltungskosten für Diensthunde werden gewährt: Bei der Polizei ein Futter- geld von 200 Mark pro Jahr, bei der Reichswehr reine Derpflegungskosten von 35 Pfennig pro Tag. BJ. B„ Allen-Vufeck. Leider konnten wir eine Adresse der von Ihnen gewünschten Art nicht ermitteln. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. AI. Berlin Gchluß-s Iure \ 1-Uhr- Kurs Schluß- kurs Anfang« Kurs Datum 12.5. 13.5 12 5. 13.5. 6% Deutsche Reichsanlethe v. 192'- — _ 57,75 — 7% Deutsche Reichsanleihe 6.1925 65,5 — 65,5 — 6%% Doung-Anleihe Don zggy . Deutsche Anl.-Ablül.-Schuld mü 53,5 — 54.5 — AuSIos.-Rcchten....... 43 42.75 42.9 42-75 TeSgl. ohne AuSlos.-Rechie . . . 8% Hell. Bolltstaal von 1929 3,25 3,4 3,25 3,3 sruckzahlb. 102%)..... Oberhellen Provinz-Anleihe mit 50,5 — Auslos.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammelabl. 34 Anleihe Serie I...... 8% Franks. Hhp.-Bank Goldpse 39,65 — 39,4 1- 15 unkündbar bi- 1935 . . . 7% Franks. Hyp.-Bank Soldpse unkündbar bti 1936 Serie 16 47i% Franks. Hyp.-Bank Clqu 73 — — — 72,4 — — — Pfandbriefe........ 171% Rbe'ntsche Hyp.-Bank-Liqu 78,5, Goldpse.......... 8% Br. LandeSpsondbrkesanstal 77,5 — — — Pfandbriefe R. 19..... ?% Pr. LandeSpsandbriesanstal 73 73,25 — Pfandbriefe $R. 10 . — — — 4% Oeslerreichische Golbrente . — - 8,25 4,20% Oelterretchtschr Sllberrenl - 1,05 _ «% Ungarische Goldrenle . . . 5,2 5,3 _ 4% Ungarische StaatSrentev. 191 —— 5,2 _ 47i% desgl. von 1013 .... _ 4,9 _ 6% abfieft. Goldmexikaner von 9 — — 5,6 ._____ 4% Türkische Zollanlcche von 191 4% Türkische Bagdadbahn-Anleih — — 2'1 2,2 Serie I.......... _ _ _ 0.» 4% besgl. Serie II...... _ _ 2,2 2,2 5% Miimän. vereinh.Rente v. 190' _ _ 4,7 4.5 4^%Rumän.vereinh.Renlev.iSU __ _ 8,25 4% Rumänische veretnh. Rente 4 — 3.85 _ 8^'.Anatolier...... — 14,5 14,2 Fronliuri a. 2)1. Berlin ischluß- lure 1-Uhr- Kurs Echluß- lur" Anfang» Kurs Datum 12.S. 13.5 12-5 13.5. Vamvurg.Amerika ’l'olei . . . t — 12.75 12,5 12-5 Hamburg-Südam. Tampsschif . n — 40 40,13 Hansa Dampfschiff .... . 0 — — - - Norddeutscher Lloyd .... . 6 — — 13.4 13.5 A.G. für Berkebrrwesen Akt. — — 33 32.5 Berliner Hanbelsgelellschaft . 8 83.25 — 83 Commerz- und Privat-Bank . 7 18.75 — Darmstädter und Pationalbonl 8 20,5 — 20.5 —— Deutsche Bank und Dlsconlo-GeseUschast. . . 6 36,25 36.25 — Dresdner Bank ...... 6 20,5 — 20,5 — Reichsbank........ 12 115,5 — 116 115 A.E.G........... . 7 — 25,25 25 25 Bergmann........ Eleklr. Lieferungrgelellschaft. . 9 — 16.9 10 — — 61 49.75 Licht und Kraft...... 10 74,75 — 75,25 74,75 Fellen L Guilleaume. . . . —— — 41 —— Hefellschast für Elektrische Ünternehmungen .... 9 54.75 56,25 55 56.4 ndeinische Elekrrizuät . . . . 9 —— 72 72,13 Schuckert & Co. ...... 11 57,5 57,75 57 58 Siemens & HolSke..... 14 — 113 113,5 113 Lohmener L Eo....... 12 82,5 - 83.5 Buderus......... . 4 — 27,5 26,4 27 Deutsche Erdöl...... . 6 — 59,5 59.9 59.13 Gelsenkirchener...... . 8 38,9 39.5 38,75 39,75 Harpener......... Hoesch Eisen........ Flse Bergbau....... Klöcknerwcrke....... . 0 — 43 43.25 43 . 6 10 — 129 27.5 126 28.13 128 . 6 — -- 26.5 27 Köln-Reuessen....... 67i — — PlanneSmann-Röhren . . . . 6 39.65 39.25 39.25 39 Maneselder Bergbau .... . 0 15.5 15.5 15 Oberschles. Koktwerke . . . . 8 — 34.5 35,13 Phönix Bergbau...... 47i 18,75 — 18.5 18,75 Rheinische Braunkohl«,. . . 10 156,25 156.25 157 Rheinstahl........ . 6 — 40,75 40,75 Frankfurt a. 2)1. Berlin Schluß-, t-vhr- Schluß-i Anfang- lürs | .«■•re kurs Kurs Dalum 12.5. 13.5. 12.5. 135. Rleveil Montan...... 7,2 — — — Bereinigte Stahlwerke . . . . 4 16 16 16 15,65 Olavi Minen......16*; —- — 10.4 10,25 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 89 — 88 88 Kaliwerke rScstecegeln . . . IC 98 98,5 93 97,5 Kaliwerke Salzdetiurth . . . 15 — 150 149 I. ®. Farben-Inbustrie . . . 12 93,25 93,25 93 93,25 Berein. chem. Industrie Frank - ___ __ Scheioeanslalt....... 10 128,25 — — _ Goldschmidt........ . 0 18 — 18,25 — RütgerSwerke....... . 5 30.5 — 30,75 30,75 Melallgeiellichaft...... . 5 29,4 — 30 Philipp Hol,mann..... 39,5 39.5 40 40 Zementwerk Heidelberg. . , • < —— —— — Tcmcntwerk Karlstadt. . . . . 7 - — — — Wayß S Frentag . . . . . 0 - — — - Schulldeis Popenhoscr . . . 15 — — 58,13 58,25 Aku (LUIge meine Kunstseide) 0 41 40.25 41 40,75 Bemberg......... 0 —- 40.5 39,5 Zellstoff Waldbof..... 12 — — 31 30,5 Zellstoff Aschaffenburg . . . 6 23 22 23 22.5 Dessauer Gas....... . 9 — — 90,75 90.65 Daimler Motoren..... . 0 —— —- 12 11 ,9 Deutsche Linoleum .... . k> 36,13 —- 36 35,9 Orenstein & Koppel .... . 0 — —- 24,5 23,5 Leonhard Tietz...... . 8 — 57,5 Svenska......... 15 11 10.25 Cbade ......... — 205,25 203 Frankfurter Maschinen . . . . 0 - — — Gritzner......... . C — — Mainkraftwerke Höchsl a.M.. . 6 — —— — — Süddeutscher Zucker .... 10 — — 96,65 96.75 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 217. 12.Mal 13.Mai «miliche «eld Dotierung I 2rtek Amtliche Selb Kotierung Sries Helsingsor» . 7.133 7.147 7,133 7.147 Wien. . . . 51 .95 52,05 51,95 52.05 Prag . . . Budapest . . 12,465 12,485 12,465 12,485 — — —* Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3.063 Holland . . 170,78 171,12 170,78 171,12 Oslo. . . . 77,92 78,08 77,42 77.58 Kopenhag«. 84,52 84,68 84,17 84.33 Stockholm . 78,12 78,28 78,22 78,38 London. . . 15.45 15.49 15.38 15.42 Bueno» Aires 1,018 1.022 1,018 1,022 Reuyvrk . . 4.209 4.217 4,209 4.217 Brüssel. . . 59.14 59,26 59,14 59,26 Ftollen. . . 21 .69 21,73 21.38 21,72 Paris . . . 16.605 16.645 16,605 16.645 Schweiz . . 82,27 82.43 82,27 82.43 Spanien . . 34.12 34.18 34,37 34,43 Danzig. . . 82.62 82.78 82,62 82.78 Japan . . . Rio dr Fan.. 1,369 1,371 1,339 1,341 0.314 0,316 0,314 0.316 Jugoslawien. Lissabon . . 7.423 7.437 7.423 7.437 14.09 14,11 14,09 14,11 Banknoten. Serlin, 12.Mai Geld irlef ■ Amerikanische Noten ....... 4,20 58,98 4,22 59,22 Belgische Noten......... Dänische Noten ......... 84,33 15,41 84.67 15.47 Englische Noten ......... Französische 9!ölen ........ 16,57 16,63 171,09 Holländische Note»........ 170,41 Italienische Noten........ 21,76 77.74 21,84 78,06 Norwegische Noten........ Deutsch-Oesterreich, * 1OO Schilling Rumänische Noten........ 2,49 77,94 82.09 33,98 2,51 78,26 82,41 34,13 Schwedische Noten........ Schweizer Noten. ........ Spanische Noten. ........ Ungarische Note» ........ C Men gWjte -leU'H&id,Cr l<Äinb< ! I4-" Ther beb? etns Z .. Dillen. Der Bezirk be» Landesfinanzamts Darmstadt ist weiter in folgende Bewertungsbezirke eingeteilt 1. Stabt Mainz mit Kastel, aber ausschließlich ber 58,?? 8«,« 15. 4s 19 a 77.94 62.* 33* iredattion. LerblnMktlt der 10.) bnung „StapeUmelfter ine Kapelle teilet Da* fümeifter* ober .Mr- ber nur van fachen irf, die ihre »rufuna k abgelegt haben und M HlufitmeHler b,w- orten sind, D>« ilel ist st»sb?r. , hinaoloften furWfflW Kr Polisei ein i'utter 35 Pfennig pro Tag- er lonnten mir e ünfchlen W ach Oospfingstfest der deuffchenKanufahrer Die erste große Gesellschaftswanderfahrt des DSU. auf dem Oberrhein. Die Pfingstfeiertage waren von jeher im deutschen Kanusport ber Zeitpunkt für die ersten großen Ge- meinschaftsfahrten. Die Kreise bes Deutschen Kanu- Verbandes vereinen bie Boote ihrer Mitglieber zu großen Geschwabern, bie in fröhlicher Wanderfahrt stromabwärts fahren. An den Abenden erstehen auf ben bafür auserwählten Platzen gan^e Zelt-Groß- stäbte mit ihrem luftigen Treiben. Riesige Pfingst- feuer flammen auf, unb die Bevölkerung der kleinen Städte, in deren Nähe diese lustigen Zeltlager entstehen, nehmen an ben Veranstaltungen ber Kanu- sahrer lebhaften Anteil. Der Deutsche Kanu-Verband ist sich der großen Werbewirkung dieser Kreisver- anstaltungen bewußt geworden und hat für die Pfingsttage 1932 die erste Verbandswonderfahrl auf dem Rhein ausgeschrieben. Die Durchführung hat der Oberrhein- unb Mainkreis (Sitz Frankfurt o. M ) übernommen, ber bie größte Erfahrung in der schwierigen Organisation dieser Massenaufgebote von Kanusahrern besitzt. Die Hauptsahrt beginnt auf dem Oberrhein bei ber Stadt Breisach. Die Stadt selbst veranstaltet einen Empfangsabend auf dem Münsterplatz und einen Fackelzug zu Ehren der Gäste. Am Pfingst- famstag führt die Reise bis nach Kehl und am 1. Feiertag nach einer Besichtigung von Straßburg nach Karlsruhe. Die Teilnehmer beziehen Zeltlager in der Strandbadanlage der Stadt Karlsruhe, Rappenwörth. Am 2. Feiertag wandern die Paddler weiter rheinabwärts nach Mannheim. Bereits zu Beginn ber Pfingstwoche trifft sich ein Teil ber’Jxaltbootfabrer auf Schweizer Boden in Chur, befährt bas Wilbwasfer bes Vorberrheins, den Bodenfee und den Oberrhein, um in Dreifach zur Hauptmosie zu stoßen. Der dritte Teil der Fahrt führt den Rest der Teilnehmer in der Woche nach Pfingsten über Mainz, Rüsselsheim, Koblenz bis nach Köln. Rach den bisherigen Erfahrungen rechnet man mit insgesamt rund 1000 Teilnehmern Eine stattliche Anzahl Mitglieder der Paddlergilde Gießen wird an dieser Fahrt teilnehmen Oer LlniversitaiS'TenniSplah vor der Vollendung. Der Tennisplatz der Studenten, der auf dem idealen Gelände des Unioerfitätsfportplatzes gr schaffen worden ist, steht nun unmittelbar vor feiner endgültigen Fertigstellung. Der Platz, der vorläufig nur einen Teil bes zur Verfügung stehenden Geländes ausmacht, ist nach der Planierung mit einem soliden Unterbau versehen worden und hat nun auch die charakteristische rote Bürgerdecke bekommen, die den modernen Tennisplätzen ihr besonderes Gepräge gibt. Ein hoher Drahtzaun umgibt das Spielfeld, das nun in nicht mehr allzu ferner Zeit feiner Bestimmung übergeben werden kann. Die ganze Anlage macht einen sehr exakten Eindruck, und der Oie Einheiiöbewertung in Hessen Von Rechtsanwalt Gg. Lind, Grünberg (Hessen). daß die Einheimischen bi» zur Halbzeit siebenmal rriolgreid) waren. Rach Dieberanstoß konnte die Plotzels noch bei etwas verieilterem Spiel noch zweimal einsenden, wahrend bie Gaste nur zu einem Gegnertreffer kamen. Vorher spielten bie 2. Mannschaften de» Io Lang-Gon» und des To. Grüßingen gegeneinander Lang-Gons entschied das Treffen mit 9:2 (4:1) Toren für sich Die 1 Mannschaft be» Turnvereins Id Lich hatte bie 2 Elf bes Pollzeifportverein» Butzbach zu Gast. Die Polizisten stellten die körperlich stärkere Mannschaft, die sich trotz einer festzustellenden leichten tech- nischen Ueberlegenheit den Lichern mit 6.3 Toren (Halbzeit 2:2) beugen mußte. Handball im LabN'Oünsberg'Gau. Lollar I — «Ibach I 4:2 (3:1). Die Gäste mußten zu biefem Aufstiegspiel mit fünf Mann Ersatz antreten, sie hielten sich aber wider Erwarten sehr gut. Das Spiel wurde sehr fair aus- getragen, war reich an schonen sportlichen Leistungen und faß bie Plagbesitzer als verdiente Sieger. Der beste Mann auf dem Platze war der Gaste-Torhüter. Beuern I — Burkhardsfelden 1 7:5 (5:1). Dor der Pause waren die Gastgeber klar überlegen und kamen zu fünf Erfolgen. Die Gaste er zielten wahrend dieser Zeit nur ein Tor. Rach der Pause gestalteten die Gaste bas Spiel leicht überlegen für sich, erzielten vier Tore, benen bie Mannschaft von Beuern nur zwei Erfolge entgegensetzen konnte. Der Sieg ber Platzbesitzer war verdient Kinzenbach I — Vobheim 1 5:3 (2:0). Beide Mannschaften lieferten sich in Kinzenbach ein spannendes Spiel, das Kinzenbach auf Grund brr ausgezeichneten Leistung seine» Torhüter».ver» bient gewann. Mannschostslampf im Klein-Kaliberschießen. Polizei Bußbach gegen kleinkallderschüßen Rodheirn a. b. Horloff. 21m vergangenen Sonntag fanb in Butzbach ein Wettbewerb im Kleinkaliberschießen zwischen einer Mannschaft der Polizei Butzbach und de» Klein- kaliberschutzenvereins Rodheirn a. d Horloff statt Die Polizisten konnten den Wettbewerb mit 707 zu 6S8 Ringen gewinnen. Die Schntzkn der Polizei traten zum erstenmal in den Wettbewerb, während Rodheim schon seit drei Zahrcn den Meister stellte, zu form Kamps des Sonntags aber mit drei Mann Ersatz anlreten mußte und einer der Ersatzschutzen versagte. Im einzelnen wurden folgenbc Ergebnisse erzielt: Polizei Butzbach: Oberwachtmeister E. R a s p 1.30 Ringe Wachtmeister R Kuhl 130, Obermacht- melfter D. Dörlam 123, Oberwachtmeister O. ^Hornberger 115, Oberwachlmeister L. M o h r 108, Hauptwachtmeister PH. Schöneck 101 Ringe. K l e i n k a l i d e r s ch üY e n v e r e i n R 0 b h e । m: W M e i e r 123 Ringe, W- R i ck l a s 121, H. Kroll 121, O. Momberger 117, W. Hornberger 117, H. Krö11 89 Ringe. Die Zeilverhällnisse verlangen billige Artikel. Mouson 70v ^emcShampoo 44/ igemoRdsiehCreme I bringt sie in den hochwertigen Igemo-Erzeugnissen. 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Elementen oelchlltzt vochen SesSng' jarf gtWItn toor- i Kugel fei ißm air. lüty? war E daß der Ängellagte 9 Millimeter, mit ig. Er hielt sich für dem Wege gewe'en gekannten die Lchieh- richtig gewesen lein, nd des klaren Wort- 12. April 1928 übet ; vor Strafe (20 Sportplatz bes Instituts für Leibesübungen, ber in seiner Gesamtheit noch sehr ausbaufähig erscheint, hat bamit eine wertvolle Bereicherung Erfahren, bie «auch von ben Stubcnten unb Stubentinnen rüßt werden wird. Es verdient dabei beson- ders erwähnt zu werben, daß sich die Studenten selbst in den Dienst der Sache stellten unb ben Platz unter der Aufsicht eines Fachmannes schusen. Auf dem anschließenden Gelände sollen, sobald die Mittel dazu aufgebracht werden können, zwei weitere Platze geschaffen werden, öpidüereinigung 1900 Gießen. Die 3. Mannschaft kehrte von Schotten mit einer 5: 0-Aicberlagc zurück. Die Gastgeber waren zu Hause in bester Form. Die l . Mannschaft Schottens steht zur Zeit in einem intensiven Training unter einem süddeutschen Trainer. Bei den Gießenern versagte die Läuserreihe. Etwa 400 Zuschauer wohnten dem fairen und stets spannenden Spiel bei. Die Blauweißen mußten sich dem belferen Gegner beugen. Die 5 Mannschaft landete in Lich gegen die dortige 2. Els ein Unentschieden (2:2) Die Gießener verscherzten sich den sicher erscheinenden Sieg, indem sie nur mit neun Spielern antraten Dis zur Pause hielten sich die Dlauweißen noch ansprechend (2:0 für 1900), hatten aber nicht die Kraft, den Ausgleich deS Gastgebers zu verhindern. Dugcnbfpiele. Die zweite Jugend gewann gegen die gleiche in Schotten 3:1. Infolge Ausfälle- einiger Spieler mußte die Mannschaft umgestellt werden, so daß es anfangs nicht recht klappte. Der Gastgeber spielte schnell und wuchtig, ohne aber zu einem Erfolg zu kommen. Allmählig gewann 1900 durch sein belfere- technisches Spiel die Oberhand und konnte bis zur Halbzeit zwei Tore vorlegen. Aach der Paufe glückte ben Gegnern ein ile&cr- raschungstor D e Dlauweißen wurden »um Schluß drückend überlegen, doch nur noch ein Treffer war die Ausbeute. - Die l. Schüler beteiligten sich nut gutem Erfolg an dem Schülertumier in Butzbach. Aachdem sie gegen die Schüler von Hanau 93 5.0, von Aeu-Isenburg 2: 0 und von Vieleck 1 0 gewonnen hatten. v:rloren s e gegen die bedeutend kräftigeren Wetzlarer nach leichtsinnigem Spiel der Derteidigung 0:3 und mußten dann auf Anordnung der Turnierleitung mit den anderen Vertretern von Westdeutschland zurücktreten. Die 2 Schüler gastierten in Wieseck und gewannen im Rückspiel gegen die dortigen 2. Schüler mit 3 1. Beide Mannschaften verbuchten mit großem Eifer den Sieg zu erringen. Handball im Gau Hessen (O.T.) Io. Lang-Göns I — Io. Klein-Rechtenbach I 9:3 (7:2). Beide Mannschaften standen sich in einem Freund- schaftsfpiel gegenüber. Die Gaste lieferten ben Platzbesitzern einen flotten Kampf, gingen sogar in Führung, konnten in ber Folge aber nicht verhinbern, Aus ben 1. Januar 1931 hat eine allgemeine Neufeststellung ber Einheilswerte de- landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen, gärtnerischen unb Weinbauoermoaens, des Betriebsoermo gens unb ber bebauten unb unbebauten Grundstücke (Gebäude Bauplatze usw.) stattgefunden. Die Werte — mit Ausnahme des gewerblichen Betriebsvermögens — liegen in der Zeit oomlS. Aprilbi» 14. Mai einschließlich in Hessen in Listen offen. Die Geltungsdauer der Einheitswerte ist für den aefamten Grundbesitz auf sechs Fahre und für bas Betriebsvermögen auf drei Fahre ausgedehnt worden. Da aber die Besttm tnung längerer ober kürzerer Zeitabstänbe als Haupt- feststellungszeitraum burch eine Rechtsoerordnung vorgesehen ist, ist damit zu rechnen, daß wenigstens hinsichtlich der Betriebsgrundstucke ein kürzerer Zeit, punkt für die Einheitsbewertung bestimmt wird, solange bie wirtschaftlichen Verhältnisse bei uns noch nicht stabiler geworden sind. Der sechs- bzw drei- fahrige Haupiseststellungszeitraum beginnt mit dem 1. April 1 932, während die Feststellung der Ein. heitswerte nach bem Stanb vom 1 Januar 1931 erfolgt ist. Es ist dies bie britte allgemeine Feststellung der Einheitswerte, seitdem bas Reichsbewertungs- gesetz von 192-5 in Kraft getreten ist In Zukunft ist ben Einheitswerten eine oiel größere B e b e u ttu n g beizumessen, als in ben vergangenen Jahren. Sie erstrecken sich nicht bloß auf bie Reichsoermogens- unb auf bie (Erb- schaftssteuer, lonbern auch auf bie Grunb- unb auf die Gewerbesteuer. Auch sie werben nun nach bem Einheitswert bemessen, und mit dem 1 April 1932 fallt bas Recht der Länber und Gemeinden weg, die ihnen auch spater noch verbleibenden Steuern iGrund- und Gewerbesteuer) nach eignem Recht zu ermitteln unb sestzuletzen, fonbern sie finb an bie tjeflfeQung der Einheitswerte gebunden, die somit auch für diese Steuern maßgebend sind. Die Offenlegung ber Giften ber Einheitswerte ist ein Ersatz für die besonderen Feststellungsbescheide, die früher ben einzelnen Steuerpslichtiaen erteilt worben (mb. Mit dem Ablauf de» letzten Tages der Offen- legungsfrift, 14. M a i 1 9 3 2, gilt Die Zustellung ols erfolgt, gerade als wenn zu diesem Zeitpunkt bem Steuerpflichtigen ein besonderer schriftlicher (Einheit»- Wertbescheid zugestellt worden wäre. Mit diesem Tage beginnt die Rechtsmittelfrist —- bie Einspruchsfrist — zu laufen. Sie beträgt einen Monat und endigt mit dem Ablauf bes 14 Juni 1932. Die Einheitswerte für bas gewerbliche Betriebsvermögen werden in keinem Fall offengelegt. Hierüber wird den Betriebsinhabern ein besonderer Einheitswertbescheid zugestellt. Don der Zustellung ab lauft bann bie einmonatige Einspruchsfrist Rach bem Reichsbewertungsgesetz gilt al» zu bewertende» Vermögen das gesamte bewegliche unb unbewegliche Vermögen nach AbzugderSchulben. Es umfaßt folgenbe Der- mögensarten: 1. landwirtschaftliches, forstwirtschaftliches unb gärtnerisches Vermögen, 2. Betriebsvermögen, 3. (Brunboermögcn, 4. sonstiges Vermögen. Qebe wirtschaftliche Einheit wirb für sich bewertet unb ihr Wert im ganzen festgestellt. Was als wirtschaftliche Einheit zu gelten hat, ist nach ben Anschauungen bes Verkehrs zu entscheiben, wobei bie örtliche Gewohnheit, bie tatsächliche Hebung sowie die Zweckbestimmung und wirtschaftliche Zusammen- gehorigkeit ober Abhängigkeit ber einzelnen Gegen- ftänbe zu berücksichtigen smb. Die Zurechnung mehrerer Gegenstände, die teils bem einen, teils bem enberen Ehegatten gehören, zu einer wirtschaftlichen Einheit ist möglich Hier sollen zunächst die Bewertungen ber oben unter 1 unb 3 angeführten Vermögen einer kurzen Betrachtung unterzogen werben. Der Bewertung ols landwirtschaftliches Vermögen unterliegen alle Teile einer wirtschaftlichen Einheit, die dauernd einem landwirtschaftlichen Betrieb ein- schließlich der Fischzucht dient, insbesondere Grund und Boden. Gebäude, stehende unb laufenbe Betriebsmittel,* Nebenbetriebe unb Sonbcrfulturen. Ihre Bewertung erfolgt nach bem Einheits - wert. Zur Sicherung ber Gleichmäßigkeit innerhalb Deutschlands und zur Schaffung von Grundlagen werden bestimmte Betriebe, sog. Vergleichs- betriebe, nach besonders eingehender Prüfung durch einen Verwaltungsbeirat vorweg bewertet. Alle landwirtschaftlichen Betriebe werden bann zwecks Feststellung bes Einheitswertes in Ertrags- w e r t k l a f s e n gegliedert unb in Rahmensätze eingereiht wobei in befonberen Fällen an bem burch Die (Einreihung ermittelten Einreihungswert noch Ab- oder Zugänge angebracht werden können. Der für einen landwirtschaftlichen Betrieb anju- setzende Wert bars nicht geringer sein, als ber Er- trogsmert, der sich für die bebauten Grundstücksteile ergeben würde. Berechtigungen, bie ben Vorschriften bes BGB. über Grundstücke unterliegen, finb, sofern sie eine landwirtschaftliche Nutzung zum Gegenstand haben, wie landwirtschaftlicher Grundbesitz, wenn sie eine nicht landwirtschaftliche Nutzung zürn Gegen- stand haben wie derartiger Grundbesitz zu bewerten. Neben dem landwirtschaftlichen Vermögen kommt ber Bewertung bes (Brunboermögens besondere Bedeutung zu. Die Bewertung des Grundvermögen» erfolgt nach den Durchführungsbestim- tnungen vom 22. Mai 1931. Zum Grundvermögen gehört ber Grunb unb Boden einschließlich ber Be- ftanbteile (insbesonbere Öebäube) und bes Zubehörs, jedoch ohne Einbeziehung der zu einer B e ■ triebsanlage verwendeten Maschinen unb Ion- fügen Vorrichtungen aller Art, auch wenn diese Be- standteile finb. Nicht unter ben Begriff des ..Grunb- vermögens" fällt derjenige Grund und Boden, der '. iU einem landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen eher gärtnerischen Betrieb ober zu einem geroerb- Ich en Betrieb gehört. . , , v ■ Unbebaute Grundstücke, insbesonbere Sauland sind mit dem Gemeinwert zu bewerten. Unbebaute Grundstücke, die der Dolkswohlfahrt dienen, sind mit 20 v. H. de» an sich maßgebenden ge- meinen Wert» zu bewerten. Bei bebauten Grundstücken wird unter- schieden zwischen zwangsbewirlschafleten und nicht zvangsbewirtschafteten Grundstücken. Als Z w a n g s- bewirtschaftet im Sinne dieser Destimmunaen gelten alle bebauten Grundstücke einschließlich der Belriebsgrundstücke, von denen am 1. Januar 1931 mindestens ein Fünftel einem der drei Dohnungs- zwangsgefege (Reichsmietengesey, Mieterschutzge'etz und Zwangswohnungsgesetz) ganz ober teilweise unterliegt. Das Fünftel ist nach dem Verhältnis ber Zahresrohmieten zu bemessen. Solche Grunbstücke finb mit dem Ertragswert zu bewerten, d. h mil einem Vielfachen ber Iahresrohmiete. Die Präfibenten ber Lanbesfinanzämter können für ihren Bezirk anorbnen, baß solche Grundstücke statt mit einem Vielfachen der Fahresrohmiete mit einem Vielfachen der Friedensmiete zu bewerten finb. Für Hessen ist durch bie Präfibialoerorbnung vom 15 September 1931 bie Bewertung mit einem Vielfachen der Iahresrohmiete vorzunehmen. Iahresrohmiete ist die Rohmiete, bie von ben Mie- lern für bas Jahr 1931 nach bem Stand vom 1. Januar 1931 für bas Grunbstück zu entrichten ist, einschließlich ber etwa von ben Mietern übernommenen Verpflichtungen, b h. also nicht bie Friebens- miete, fonbern bie jetzige tatsächliche Miete Hat biefe sich in der Zeit vom 1. Januar bi» zum Ablauf der für die Vermögenserklärung .maßgebenden Frist geändert, ober steht fest, baß sie sich noch im Laufe bes Kalenberjahre» andern wird, so ist die n e u e M i e t e zugrunde zu legen. Bei der (Ermittlung der Fahresrohmiete finb auch abju- ziehen bie Beträge für Fahrftuhldenutzung, Warmwasserversorgung, Zentralheizung und ber auf bie Mieter umgelegte Betrag ber Grunboermogens- steuer ber Gemeinbe (b. i. ber über 100 v. H. hinaus- aehenbe Zuschlag zur (9cmcinbcgrunbftcuer). Die Wertermittlung erfolgt inbem bie Gebiete ber Can- desfinanzamter in oerschiebene Bezirke zerlegt und verschiedene Grundstücksgruppen gebildet werden. Für Hessen ist dies erfolgt durch die vorerwähnte Verordnung. Auch das Vielfache ist durch diese Der- ordnung feftgelegi. Für zwangsbewirtschas- t e t e Grundstücke werden folgende Gruppen Hinsicht- Ser Erweiterungsbau des Konitzky'Stifts in Bad-Aauheim. WSA. Dad-Aauheim. 11. Mai. Mtt einem schlichten Festakt wurde gestern der Erweiterungsbau des Konihky-Stists das zur Aufnahme gering bemittelter und besonders pflegebedürftiger Kranken bient unb als soziales Sanatorium angesprochen werden kann, eröffnet. Das Bauprogramm iah eine Erweiterung des Stifte« von 164 auf 250 Betten not und brachte neben den in Verbindung damit notwendigen Einrichtungen auch den Einbau eines für die einheimische Bevölkerung benutzbaren Ba-des mit 9 Wonnen und 16 Brausebädern. Die Daulumme in Höhe von rund einer Million Mark wurde der Stadt Bad-Aauheim von einer Reihe von Landesversicherungsanstalten zur Verfügung gestellt. Die Bauzeit betrug eineinhalb 3aß re; abgesehen vpn einigen Dpeziallieferungen wurden alle Arbeiten von Bad-Rauheimer Handwerkern und Geschäftsleuten auSgeführt. Dem Er- offnungsakt wohnten außer Frau Koniyky, die Ehrenbürgerin Bad-Rauheims ist. zahlreiche Vertreter von Behörden, von Landesversicherungsanstalten und anderen sozialen Einrichtungen bei. Rach einem Baubericht von Regie- rungdbaurat Metzger von ber hiesigen Zweigstelle des staatlichen Hochbauamts Friedberg, der die Dauarbeiten leitete, übernahm Bürgermeister Dr. A h I den Bau in die Verwaltung der Stadt. Die Glückwünsche der Regierung und des Staat-- bades überbrachte Ministerialrat Dr Meller (Darmstadt). Glückwunschanlprachen hielten u a ber PräNbent ber Lanbesversicherungsanstalt Hessen, Dr. h. c. Reumann- Darmstadt, Kreisbirektor R e ch t h i e n - Friedberg. Bürgermeister Rech-Offenbach a. M. als Vertreter der im Hessischen Städtetag vereinigten Städte und Be- zirkslür^orgeverbände und Prof. Dr. Droedel, ber Leiter des hiesigen Kerckhoff-Inftituts. Kirchliche Nachnchten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 14. Mai. Vorabend 7.45 Uhr; morgen» 8.30; abends 8.20 unb 9 Uhr. __________(Schluß bes redaktionellen lells.)___ Trotz der durch Preisnachlässe und Frachtermaßi- gung bislang schon stark herabgesetzten Preise für Ruhrkohlen sind für die Sommermonate noch weitere erhebliche Nachläsie für Ruhr-Anthrazit, Ruhr-Anthra- zit-Eisvrmbriketls und Ruhr-Brcchkoks festgesetzt war- den. Die Auswahl ber drei Brennstoffe ist so getroffen, baß für jede gebräuchliche Heizungsart ein pasienber Ruhr-Brennstofs zu ermäßigtem Sommer- preise vorhanden ist. Die Preisnachlässe sind im Mai am größten. 21 tf August gelten wieder die üblichen Preise. Jeder Kohlenhändler gibt Auskunft. '______________________________________3774V Bede Bohne: Qualität jede Tasse: Genufo jeder Tropien: Gesundheit — das ist Kaifee Hag- Pfingsten 1932 02967 BLAU-BLITZ RAD 3775 D Tanz 3772 D gerichtet Deshalb kaufen Sie Ihre So billig 5.50 4.90 Niedrigste Preise Ungeahnte Auswahl 3782 D SCHUHHAUS GIESSEN la Oberh. 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