Nr. 267 Erstes Blati 182. Jahrgang Samstag, 12. November 1932 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gienener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zronkfurt am Blain 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen limtf und Verlag: vrühl'sche Untverfitäls-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraffe 7. Annayme von Anzeigen für die Tagesnummcr bi» zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrist 20°, mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. Jfj.Ibijriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfürdenAn- zeigenteil i. D. Th.Kümmel sämtlich in Biegen. Gefahr im Verzug ! Die innerpolitische Lage in Deutschland ist nach den Reichstogswahlen nicht durchsichtiger geworden, lind es besteht auch leider nur geringe Aussicht dafür, daß mit schneller Entschlossenheit die Klarheit geschaffen wird, die notwendig wäre, damit Deutschland endlich zu den stabilen innerpolitischen Verhältnissen kommt, die es braucht, um sich mit ungeteilter Kraft seinen großen außenpolitischen Auf- ?aben widmen zu können. Der Herr Reichsprä- i d c n t hat den Reichskanzler von Popen zwar beauftragt, mit den Parteiführern Verhandlungen darüber einzuleiten, ob und inwieweit sie bereit seien, die Regierung in der Durchführung ihres Programms zu unterstützen. Aber wir fürchten, daß der Kanzler, sollte er sich streng im Rahmen dieses sehr eng begrenzten Auftrags halten, sehr schnell wieder an der gleichen Stelle angelangt sein wird, wo es schon im Sommer für ihn kein Weiterkom- men gab. Deshalb bedauern wir diese Zwischenschaltung des Kanzlers, der ja in den letzten Wochen und auch noch nach den Wahlen es oft genug ausgesprochen hat, daß Personalfragen kein Hindernis für das Zuftandebringen einer Regierung der nationalen Konzentration sein dürften. Wir hätten es daher lieber gesehen, wenn der Herr Reichspräsident persönlich sich der Aufgabe unterzogen hätte, in unmittelbaren Besprechungen mit den in Frage kommenden Parteiführern das Vorfeld 3ii klären. Er hätte dann zweifellos sich sofort ein Bild davon machen können, welche Möglichkeiten für die parlamentarische Fundierung einer autoritären Staatsführung vorhanden sind, welche Schwierigkeiten aber auch bestehen, auch nur einen Schritt voranzukommen, wenn man versucht, mit den gleichen Methoden, die sich schon einmal als unbrauchbar e-wiesen haben, dort wieder anzuknüpfen, wo man schon im Sommer stecken geblieben ist. Wir sind überzeugt, daß wir nur bann zum Ziel kommen werden, wenn der Herr Reichspräsident selber diese Verhandlungen schleunigst in die Hand nimmt und die ganze Autorität seiner überragenden Persönlichkeit in die Waagschale wirft zugunsten einer Verständigung zwischen Reichstag und Staatsführung. Der mit de.r Zwischenschaltung des Reichskanzlers eingeschlagene Umweg kostet nur Zeit, die wir wahrlich nicht zu vergeuden haben und kann unter Umständen die an Verstimmungen ohnehin reiche Atmosphäre zu einer Entladung bringen, die keinem der Beteiligten erwünscht sein kann. Schnelles und entschlossenes Handeln halten wir vor allem deshalb für dringend erforderlich, weil die weltpolitische Lage in den nächsten Monaten Deutschland in erhöhter Alarmbereitschaft auf dem Posten sehen muß. Wenn auch von Amerika her trotz der Präsidentenwahl dank der in einer Zeit des Radios und der Flugpost seltsam mittelalterlich anmutenden Verfassungsbestimmungen vor dem nächsten Frühjahr kaum Anzeichen eines Kurswechsels im Sinne einer intensiveren Beschäftigung mit europäischen Dingen zu erwarten sind, so sollte doch die fieberhafte Tätigkeit der Diplomaten in den europäischen Hauptstädten zu größter Aufmerksamkeit mahnen. Die außenpolitischen Unterhaltungen gehen vor allem erneut um das Ab- rüstungsproblern, die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung und Paul-Boncours „konstruktiven Plan", mit dem Frankreich die deutsche Abrüstungspolitik in seinem Sinne umzubiegen sucht. Paul-Boncour hat sich vor wenigen Tagen in einer Sitzung des Bureaus der Abrüstungskonferenz in zum Teil noch recht vagen Andeutungen ausgelassen, erst am 15. November soll nun endlich die Katze aus dem Sack gelassen werden. Immerhin haben sich schon der deutsche Reichskanzler wie auch der britische Außenminister dazu geäußert. Der Kanzler nur kurz unter Hinweis auf das durchaus Fragmentarische des bisher Vernommenen, Sir John Simon dagegen wohl auf Grund genauer vertraulicher Kenntnis der französischen Pläne grundsätzlich und unter Ankündigung eigener britischer Vorschläge. Der Reichskanzler ist in der Hauptsache auf die wehr politischen Punkte des „konstruktiven Plans" eingegangen und hat mit Recht erklärt, daß Deutschland bereitwillig einer Aenderung seiner Wehrverfassung zustimmen werde, die ihm im Versailler Vertrag sehr gegen feinen Willen aufgezwungen fei. Es ist ein eigentümlicher Wechsel der Anschauungen, daß das kleine Berufsheer, das man 1919 Deutschland vorschrieb, weil die alliierten Militärs glaubten, damit den furchtbaren Gegner des Weltkrieges am wirksamsten unschädlich zu machen, heute schon angeblich zu der großen Gefahr für den europäischen Frieden geworden ist und deshalb dem Milizsysteui, also der ausgeprägtesten Fo n einer allgemeinen Wehrpflicht weichen soll. Damit kann Deutschland natürlich einverstanden sein, wenn das Milizsystem in gleichem Umfange für alle Mächte Geltung bekommen soll. Hier hat Paul-Boncour aber schon einige Einschränkungen gemacht, die nicht früh genug beachtet werden können. Er sprach von der Berücksichtigung des Aufenthalts in militärähnlichen Formationen bei der Berechnung der militärischen Ausbildungszeit für die Miliz. Da nicht an- zunehmen ist, daß der französische Kriegsminister damit die lückenlose und sorgfältig durchgeführte militärische Vorbildung der Jugend seines Landes wie der östlichen Verbündeten Frankreichs meint, müssen wir heute schon streng darauf achten, daß in Genf nicht wieder die abgespielte, aber in gewissen internationalen Kreisen immer noch wirksame Platte von der militärischen Ausbildung und Kriegsbrauchbarkeit der deutschen sog. Wehrverbände (Stahlhelm, SA., Reichsbanner u. a.) aufgelegt wird. Tuch die kürzlich von der Neichsregierung getroffenen Maßnahmen zum Zwecke der Iugendertüchtigung haben mit einer militärischen Ausbildung nicht das geringste zu Was sagt man in Berlin znr Gimon-Rede? Die Auffassung des Auswärtigen Amts. — England gesteht die Gleichberechtigung zu. — Deutschland muß jedoch Verzicht auf eine Revision der Vertrage ablehnen. Berlin, 11. Rov. (67103.) (Eigene Meldung.) Die Rede des englischen Außenministers Sir John Simon wird in amtlichen Kreisen der Wilhelm- straße als ein Beweis dafür gewertet, daß feit den Tagen der deutschen Denkschrift über die Gleichberechtigung und der englischen und französischen Antwortnoten ein ganz erheblicher TB a n 6 e I in der Beurteilung dieser Frage in der TBelt eingetreten ist. Wenn Simon allerdings erklärt, er verfolge die gleiche Taktik wie Herriot und werde ebenso wie dieser den französischen Ab- rüstungsplan, den englischen Standpunkt nicht vorher bekanntgeben, so sieht man in deutschen politischen Kreisen darin doch eine unnötige Belastung für die öffentliche Diskussion dieser Frage. Sir John Simon, dessen Rede in Ton und Inhalt sich außerordentlich von ferner Note vom August unterscheidet, hat gestern im großen und ganzen die deutsche Forderung auf Gleichberechtigung sich zu eigen g e - macht. Die Hauptfrage für Deutschland bleibt aber nach wie vor, ob die in Genf abzuschließende Abrüstungskonvention in vollem Umfang auch für Deutschland Geltung haben wird. Erstens werde von England anerkannt, daß eine neue Konvention anstelle des Teiles V des Versailler Vertrages treten solle. Zweitens fei es damit einverstanden, daß die Dauer der Konvention und die Methoden der Abrüstung für alle Staaten dieselben sein sollten. Deutschland müsse noch darauf bestehen, daß klargestellt werde, daß in möglichst kurzer Zeit eine zweite Abrüstungsepoche folgen solle. Drittens habe Simon zuaestanden, daß über die Auswirkung der Abrüstungsforderungen Deutschlands verhandelt'' werden müsse. Es sei ein großer Fortschritt, daß Simon erklärt habe, Deutschland dürften die Waffen nicht verboten werden, die anderen Staaten erlaubt seien. Das Zugeständnis der Gleichberechtigung mache Simon aber davon abhängig, daß Deutschland sich verpflichtet unter keinen Umständen G e - walt anzuwenden. Hierzu müsse vom deutschen Standpunkt aus auf die kürzlichen Erklärun- tun. Ein anderer bedenklicher Punkt in den Erläuterungen Paul-Boncours zum „konstruktiven Plan" ist das Verhältnis von Beoölke- rungszahl zur Rekrutierung der Miliz, womit Frankreich mit feiner der deutschen ziffernmäßig heute schon weit unterlegenen und ständig weiter ahsinkenden Bevölkerung (1931: ohne Kolonien 40,7 Millionen) vorbeugen will, daß Deutschland für sich eine seiner Bevölkerungsstärke (1925: 62,4 Millionen) entsprechende Miliz verlangt. Der Reichskanzler hat dagegen schon mit Recht die Forderung erhoben, daß bei der Bemessung der Heeresstärken und der Bewaffnung der Miliz besonders die Länge und die Verwundbarkeit der Grenzen, wie die Zahl der Nachbarn berücksichtigt werden müssen. Während Frankreich auf der langen Grenzlinie im Westen und Norden von Biarritz bis Dünkirchen vom Meer hespült wird, im Südwesten der Wall der Pyrenäen es von Spanien trennt, im Südosten die Alpenkette einen italienischen Angriff sehr erschwert und an der einzigen offenen Ostgrenze es durch ein engmaschiges Netz modernster Befestigungswerke geschützt wird, vor die sich ein 50 Kilometer breiter Gürtel als entmilitarisierte Zone — die in der künftigen Abrüstungskonoention verschwinden muß — in das deutsche Rheinland vorschiebt, liegt Deutschlands West grenze mit dem besonders empfindlichen rheinisch-westfälischen Industriegebiet, dem Herzen der deutschen Wirtschaft, jedem französischen Angriff schutzlos offen. Gießen und Donaueschingen sind „Grenzgarnisonen". Die Oft = grenze ist durch die Losreißung deutscher Provinzen wenige Schnellzugstunden an die Reichshauptstadt herangerückt, Ostpreußen ist vom Reich getrennt. Kaum nennenswerte und gänzlich ungenügend armierte Befestigungen könnten -inen Ueber- fall der Polen auf Ostpreußen nicht hindern, den Vormarsch eines tschechisch-polnischen Heeres auf Dresden, Breslau und Berlin nicht aufhalten. Eine gegenüber Frankreich so wesentlich ungünstigere geographische Lage, die durch die unmögliche Grenzziehung des Versailles Diktats noch erheblich verschlechtert wurde, bedarf in der Abrüstungkonvention allerdings einer sorgfältigen Korrektur. Die Franzosen sind auch anscheinend auf derartige Einwände gefaßt, sie haben schon für ein Hintertürchen gesorgt, durch das sie sich „zusätzliche Sicherungen" zuschanzen wollen. Das ist das französische Kolonialreich in Afrika, das zweite Frankreich, ein ungeheures Gebiet von rund zehn Millionen Quadratkilometer, also fast zwanzigmal so groß wie das Mutterland und mit einer Bevölkerungszahl von 24Millionen, wozu in den anderen Erdteilen weitere 850 000 Quadratkilometer mit rund 21 Millionen Bewohnern kommen. Hier will sich Frankreich nicht binden, weder in der Heeres- stärke noch im Wehrsystem. Herriot hat vielmehr bereits offen erklärt, daß es für feine Kolonien auch künftig ein Berufsheer aufrecht erhalten müsse, wie ja auch England auf seine Wehrverfassung nicht verzichten will, die neben einem über alle Erdteile verstreuten Berufsheer auch eine Miliz, die Territorialarmee, in einer Stärke gen des Reichskanzlers v. Papen hingewiefen werden, der betonte, daß der Weg Deutschlands e i n Weg der friedlichen Verständigung sein müsse und sein werde. Auch dem englischen Außenminister scheine es vor allem daraus an zu- kommen, die Mittel der Gewalt auszuschließen und die Befolgung der bestehenden Verträge hervorzuheben. Deutschland könne sich natürlich nicht auf eine Anerkennung des Status q u o oder gar ein Ostlocarno einlaffen. Die englische Presse versucht, die Rede Simons so auszuleaen, als ob England jetzt die deutsche Gleichberechtigung anerkannt habe, und weist dann darauf hin, Herriot habe dies in seiner Rede auch getan, also bestehe kein Hindernis mehr für Deutschland, nach Genf zu gehen. Demgegenüber muß zunächst einmal festgestellt werden, daß die Rede Herriots noch keineswegs eindeutig die Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung bedeutet. Der Herriotplan enthält kein Zugeständnis dieser Art. Deutschland will ganz klar wissen, ob die Genfer Abrüstungsabmachungen auch für Deutschland Geltung haben werden. Von der eindeutigen Beantwortung dieser Frage wird es abhängen, ob Deutschland wieder nach Genf geht. England allein kann uns die Gleichberechtigung gar nicht bringen. Dazu gehört die Einheit aller beteiligten Mächte. Die deutsch-französische Wirtschastskommission in Berlin. Oer vierte Unterausschuß prüft die gemeinsame Llebernahme von öffentlichen Arbeiten im Ausland. Empfang beim Reichskanzler. Berlin, 11. Rov. (TA. Amtlich.) Die deutfch-kran^ösische Wirtschaftskommission ist vor der Fortsetzung ihrer Arbeiten von dem Reichskanzler empfangen worden. Der Reichskanzler wies darauf hin, daß zwischen Deutschland und Frankreich die Privatwirt sch aftlicheVer st ändigung und Zusammenarbeit in vielen Industrien schon mehr Fortschritte gemacht und praktische Erfolge erzielt habe, als zwischen anderen Ländern, eine Tatsache, die in der Oeffentlichkeit im allgemeinen nicht genügend bekannt sei und gewürdigt werde. Dies beweise schon, daß die französische und deutsche Wirtschaft zu einer Zusammenarbeit und Verständigung besonders geeignet seien. Er begrüße es besonders, daß diese Zusammenarbeit sich dank der Initiative und Mitwirkung des vierten Tlnterausschusses jetzt auch auf dritte Länder auszudehnen im Begriffe sei. Er hoffe, daß die jetzige Tagung au praktischen und schnellen Ergebnissen führe, denn diie Krise und Arbeitslosigkeit verlangen schnelle Arbeit. Der ReichskanAler schloß daran den Wunsch und die Hoffnung, daß die Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet günstige Auswirkungen auch auf die Lösungderschwebendenpoli- tischen Probleme haben wird. Der Reichskanzler hat dabei wiederholt seinem aufrichtigen Willen Ausdruck gegeben, an einer Entspannung in diesen Fragen mitzuarbeiten. Unterstaatssekretär P a t e n ö t r c dankte dem Reichskanzler für den freundlichen Empfang. Herriot sehe in der deutsch-französischen Zusammenarbeit den Angelpunkt für den europäischen Frieden. Die Annäherung zwischen von 200 000 Mann Vorsicht. Diese Verbindung will nun also auch Frankreich mit dem Hinweis auf seine Kolonien durchdrücken, wobei aber der Hinweis erlaubt sein muß, daß es im Kriegsfälle den Franzosen ähnlich wie 1914 ein Leichtes fein wird, ihre schwarzen Truppen aus Afrika, die sich dort überdies mühelos jeder Kontrolle durch Völkerbundskommissionen entziehen können, auf den europäischen Kriegsschauplatz zu werfen und damit schon rein zahlenmäßig, von der Ausbildung als Berufssoldaten gar nicht zu reden, eine beträchtliche Überlegenheit zu gewinnen. So bedarf schon die wehrpolitische Seite des „konstruktiven Plans" Paul-Boncours einer scharf kritischen Prüfung. Das gleiche gilt in noch erhöhtem Maße von den Sicherheitsforderungen, die die Franzosen in diesen Plan hineingearbeitet haben. Diese Forderungen, wie sie Paul-Boncour in seiner Genfer Rede skizzierte, sind ganz augenscheinlich schon abgestimmt auf das Echo, daß die erste Fühlungnahme in Washington und London sehr zum Kummer der Franzosen ergeben hat. Weder die Vereinigten Staaten noch das Britische Reich sind geneigt, irgendwelche Verpflichtungen zu übernehmen, die über den Kelloggpakt bzw. den Locarnovertrag hinaus gehen. Aber England ist nach den Erklärungen Sir John Simons im britischen Unterhaus durchaus bereit, zu einem neuen Sicherheitspakt der Festlandmächte, auf den die französischen Wünsche sich notgedrungen beschränken müssen, seinen Segen zu geben, weil es damit die Ruhe in Europa erhofft, die es für feine wirtschaftliche Erholung so dringend braucht. Das ist unseres Erachtens der gefährlichste P u n k t in der neuen Lage, wie sie durch die große Unterhausrede des britischen Staatssekretärs am Donnerstag geschaffen worden ist. In den Erklärungen über die künftige Abrüstungskonvention, die auch für Deutschland für die gleiche Zeit gelten soll, wie für die anderen Unterzeichner und damit den Teil V des Versailler Vertrages außer Kraft setzen soll, geht Simon weit über seine berüchtigte Note vom Sommer dieses Jahres hinaus. Die neuen britischen Vorschläge können gewiß auch von Deutschland als Verhandlungsgrundlage über die Nüstungsgleichheit anerkannt werden. Sehr viel schwieriger liegt es aber, wie schon gesagt, bei dem Vorschlag eines „Nichtangriffspaktes europäischer Nationen, die wegen ihrer nächsten Nachbarschaft miteinander in starkem Maße gewissen gemeinsamen Risiken ausgesetzt sind". Diese bewußt in der zugleich schwülstig und unbestimmten Diplomatensprache des Foreign office abgefaßte Formulierung bedeutet in unser geliebtes Deutsch übertragen nichts anderes als Anerkennung des durch den Versailler Vertrag geschaffenen status quo, also zur freiwilligen Anerkennung der in Versailles feftgelegten deutschen Westgrenze nun auch noch ein O st - (ocarno, das den Polen den Besitz des Weichfel- korridors, die Abtrennung Danzigs vom Reich, die Zerreißung Oberschlesiens garantiert. Damit werden wir von England, dos selber keine Beteiligung wünscht, aber den französischen Drahtziehern zu Gefallen fein möchte, in eine Lage manövriert, die deshalb für uns so gefährlich werden kann, weil diese Paktvorschläge scheinbar stabile Verhältnisse in Europa und Garantien für die Erhaltung des Friedens schaffen und daher für die öffentliche Meinung in den angelsächsischen Staaten wie auch für den neuen amerikanischen Präsidenten etwas Bestechendes haben, und das um so mehr, als weder von England noch von Amerika die Uebernahme neuer Verpflichtungen gefordert werden, die beiden so unsympathisch sind. Aber gerade der neue Präsident der Vereinigten Staaten sollte sich der Gründe entsinnen, die in Versailles seinen Parteigenossen undAmtsvorgängerWoodrow Wilson bestimmten, den Völkerbundspakt zu einem Teil des Versailler Friedensvertrages zu machen. Versailles sollte nach dem Wlllen Wilsons keine endgültige Lösung sein. Der Völkerbund sollte als Revisionsm stanz für unhaltbare Vertragsbestimmungen fungieren. Wir müssen also schon um uns die Möglichkeit einer Revision offen zu halten, einen neuen kontinentalen Sicherheitspakt nach den Vorschlägen Paul-Boncours und Simons ablehnen, der die blutende Grenze im deutschen Osten unter den Schutz der Mächte stellen will. Deutschlands Stellung ist äußerst schwierig. Herriot, Deutschlands Gegenspieler, ist von einer verdächtigen Betriebsamkeit. Auf dem Kongreß der Radikalen Partei in Toulouse hat der Ministerpräsident seine innerpolitische Stellung stark untermauern können. Auch hat er zu Italien hinüber ausfallend liebenswürdige Worte gebraucht, die in Rom ein freundliches Echo fanden. Daß den Italienern nach Kriegsschluß moralisch Unrecht zugefügt wurde von ihren ehemaligen Verbündeten, hört man aus dem Munde eines französischen Außenministers in Rom natürlich besonders gerne. Nach dem Grund für diese auffallende Schwenkung braucht man nicht lange zu suchen. Herriot wirft mit der Wurst nach der Speckseite. Um Deutschland in den Abrüstungs- und Sicherheitsverhandlungen zu isolieren, ist ihm auch ein Opfer an Italien nicht zu viel. Der amerikanische Beobachter Norman Davis verhandelt gerade in Rom mit Mussolini über die Flottenrüstungen, Italien kann also durch das Liebeswerben von allen Seiten leicht in eine Loge geraten, in der es zu den britisch-französischen Ab- rustungs- und Sicherheitsvorjchlägen nicht mchr nein sagen kann, ohne in den Geruch des Störenfrieds zu kommen. Das ist also für uns eine Situation, die kaum ernst genug genommen werden kann. Die Aufgabe der deutschen 'Außenpolitik kann sich unmöglich darin erschöpfen, unseren der Welt ja hinreichend bekannten Standpunkt in der Frage der Wehrgleichheit zu wiederholen, im übrigen aber abzuwarten, bis Herriot das Einverständnis aller maßgebenden Mächte zu feinem geplanten kontinentalen Sicherheitspakt in der Tasche hat. Die leitenden deutschen Staatsmänner müssen sich vielmehr trotz der großen Belastungen, die sich aus der ungeklärten inner- politischen Lage für sie ergeben, darüber klar werden, wie sie der Isolierung begegnen wollen, die Deutschland aus der eben geschilderten neuen weltpolitischen Konstellation drohen kann. Aus der Provinzialhauptstadt rückgestellt, da die Fraktionen den Antrag erst noch einmal beraten wollen. — Bei Stimmengleichheit wurde ein nationalsozialistischer Antrag auf Aufhebung von Verwaltungsvorschriften ber der Erteilung vonWaffenscheinen abgelehnt. — Ein sozialdemok a ischer Antrag auf begrenzte Amnestie für politische Gefangene fand mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten bei Stimmenthaltung der Nationalsozialisten Annahme. ken an den vortrefflichen Mann und opferbereiten Diener der Allgemeinheit wird stets in Ehren fortleben. 500 Prozent Bürgersteuer in Gießen. In unserem heutigen Anzeigenteil veröffentlicht die Stadtverwaltung eine Verfügung, durch die sie die Bürger st euer in Gießen für 1933 auf 500 v. H. festsetzt. Die Stadtverwaltung sah sich zu diesem Steuerdiktat durch die einstimmige Ablehnung einer entsprechenden Vorlage im Finanzausschuß des Stadtrats veranlaßt. Durch dieses Votum des Finanzausschusses war klar ge- worde" daß auch das Stadtratsplenum einer Bür« gersteuer von 500 v. H. seine Zustimmung versagen würde. Gießen, den 12. November 1932. Herzstärkung. Von Neinhold Braun. Ein zeitgenössischer Dichter spricht davon, wie alle Märzveilchen des Jahres zusammen sein Herz nicht so überwältigt hätten, wie vier No- vemberveilchen, die er in seinem Garten fand. Und das Tun eines anderen Menschen kommt mir noch in den Sinn, der die spaten Astern seines Gärtchens bei ar.brechender Dunkelheit mit einem Tuche zudeckt, um sie vor dem Frost zu schützen. Wie grost ist dann immer seine Freude, wenn die Blumen am nächsten Tage fröhlich-bunt wieder in der Sonne leuchten. Wohl dem, der sich noch von solchen und der- wandten Dingen überwältigen läßt, gerade in einer Zeit, die voll ist von dunklen Lleberwäl- tigungs-Süchten mancherlei Art. Die deutsche Seele verlangt, wenn sie gesund und schöpferisch bleiben soll, auch nach anderen „Heberwältigungen", verlangt nach den Erscheinungen des anderen Poles, da, wo das Kieme, gerade durch seine Einzelheit Wesenhafte, das Innige, Heimelige, das von verborgener Schönheit Erfüllte auf sie wirken kann. Aber paßt nicht auf die Zeit und viele ihrer Menschen das Wort: Ein Dlümlein blüht am Wege vorn lieben Gott ein Gruß; das hat nun totgetreten Dein eisenharter Fuß ... Vier Novemberveilchen ... Oder wie Goethe das erlebt hat: „Nun weih man erst, was Rosenknospe sei, jetzt, da die Rosenzeit vorbei: ein Spätling noch am Stocke glänzt und ganz allein die Vlumenwelt ergänzt." Wäre Goethe — Goethe, wenn er nicht die hohe Kunst verstanden hätte, sich von dem Winzigsten erschüttern, üverwältigen zu lassen? Zur Vertiefung der persönlichen Existenz, zu ihrem Glücke, ihrer Freude und auch ihrer Liebe gehört das Sich-überwältigen-lassen von den Dingen, die mit Masse und Massen-Aufgebot nichts zu tun haben. Haben wir nicht manchmal gerade in einem stillen Winkel, da ein Liebes für uns lebendig war, unsere größte Kraft geschöpft? Gehören nicht in den Kranz der schönsten Erinnerungen die November-Veilchen, der Spätling am Rosenstocke oder die letzten Astern? Mehr denn je gilt es, aus allem, was gut und stark und schön ist, Zuspruch um Zuspruch ins Herz zu nehmen! Aber vergessen wir über dem äußerlich Machtvollen und wuchtig in die Erscheinung Tretenden nicht das andere, das voll Stille ist und Zartheit. Das Göttliche offenbart sich dort oft am reinsten. Die besten Quellen sind meist die verborgenen .. und im Kleinsten spiegelt sich zuweilen am wunderbarsten das Unendliche. Wen wir aber in unserer Seele noch so mächtig sind, uns solcherweise überwältigen zu lassen, dann haben wir die Gewähr dafür, daß uns das, was nur von dieser Welt ist und sich jetzt in mancherlei Not und Ungestalt kund tut, nie überwältigen kannl Oer Genfer Generalstreik. Genf, 12. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der mit 87 gegen 58 Stimmen sür heute beschlossene 24stündige General st reik wird im großen und ganzen durchgeführt. Doch merkt man in der Stadt vorläufig noch nicht viel von dem Generalstreik. Die Straßenbahnen verkehren wie gewöhnlich, die öffentlichen Betriebe sind in vollem Gange. Die Zeitungen sind heute früh erschienen und hoffen, auch die Mittagszeitungen herausbringen zu können. Die lebenswichtigen Betriebe wie Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, Hospitäler usw. sind nicht von dem Streik betroffen. Die christlichen Gewerkschaften haben ihren »ern empfohlen, am heutigen Tage zu Haus en, um irgendwelche Verwicklungen zu vermeiden. Im übrigen verwerfen sie den Beschluß des sozialistischen Gewerkschaftsbundes. Alle öffentlichen Kundgebungen und Versammlungen am heutigen Tage sind verboten. Im Laufe der Nacht ist zum Schutze der Genfer Garnison ein Regiment aus dem Kanton Wallis, das gerade seine Hebung beendet hatte und demobilisiert werden sollte, in der Nähe von Genf zusammen- gezogen worden. Der Staatsrat hat in einem Aufruf die Bevölkerung aufgefordert, Ruhe zu halten es sei Vorsorge getroffen, daß jede Ruhestörung „unerwünschter Elemente" spfort im Keime erstickt werde. Zn der Stadt ist es bis jetzt ruhig. Italien und Frankreich. Lott der Verfrrch einer Ztrfammcnarbeit gemacht werden? Paris, 10.Nov. (TU.) Herriot empfing am Mittwochnachmittag den italienischen Botschafter Gras Pignatti, der den Ministerpräsidenten über den vorzüglichen Eindruck unterrichtete, ben seine lehtenErklärungen über die französisch-italienische Zusammenarbeit in italienischen Regierungskreisen gemacht hätten, die italienische Regierung werde eine engere Zusammenarbeit mit feinem französischen Nachbarn nur begrüßen. Pertinax sagt im „Daily Telegraph": Wahr- fcheinlich wird die französische Regierung bereit sein, die koloniale Ausdehnung Italiens zu begünstigen. Aber in zwei Punkten wird die französische Politik in absehbarer Zeit schwerlich geändert werden. Cs wird kein Zuge- ständnis auf Ko st en der nordafrikanischen Besitzungen Frankreichs gemacht werden, und Frankreich wird dem auf die Kriegsflotten bezüglichen Teil des Hoover- Planes nur zustimmen, wenn die Ueberle- genheit der französischen Flotte gegenüber der italienischen nicht beseitigt und nicht sehr erheblich verringert wird. Mittiardendefizii in Japan. Schwere Belastung aus dem LZcttrüften. Tokio, 12. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der gestern vom Kabinett angenommene Entwur des Haushaltsplanes für 193 3/3 4 beläuft sich auf die beispiellose Summe von 2 Milliarden 235 Millionen 52)en. Der Voranschlag des Kriegsmini st eriums umfaßt nicht weniger als 662 Millionen Yen, und der der Flotte 472 Millionen Ben. Da die ordentlichen Einnahmen nut 1,33 Milliarden Yen eingesetzt sind, ergibt sich das nie dagewesene Defizit von 905 Millionen. Ausgehend von der Ansicht, daß die Depression er- höhte Steuerlasten unerwünscht erscheinen lassen, schlägt der Finanzminifter die Deckung dieses Betrages durch die Ausgabe von etwas mehr als 1 Milliarde Ben Schatzbonds vor. Seit dem russisch-japanischen Kriege sind die japanischen Finanzen nie wieder einer so starken Belastung ausgesetzt gewesen, und die Wirkung au den Ben verursacht in Geschäfts- und Bankkreisen große Beunruhigung. OaS Urteil im Schweidniher Bombenattentatsprozeß. 3m Schweidnitzer Dombenattentatsprvzeß wurde der Angeklagte Wagner zu fünf Jahren umd einer Woche Zuchthaus verurteilt, der Angeklagte Polomski zu einer Zuchthausstrafe von einem 3ahr verurteilt, Heines zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten, Hahn, Staats und Rauscher zu Gefängnisstrafen von je 4 Monaten. Wolter wird frei gesprochen. Und in allem Schweren haben wir immer noch unsere heimlichen, unzerstörbaren Glückswinkel ... Kreisfeuerwehrinspektor Oickors f. Gestern ist nach langem Leiden der Kreisfeuer- wehrinspektor des Kreises Gießen, August Dickorö, im 77. Lebensjahre entschlafen. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der in weiten Kreisen in Stadt und Land bekannt war. August Dickore wurde am 10. April 1856 in Gießen geboren. Nach dem Schulbesuch wandte er sich dem Büchsenmacherberuse zu. Seiner Militärpflicht genügte er von 1876 bis 1878 in der Leib- kompanie des Inf.-Regts. 116. 3m 3ahre 1883 trat er in die Gießener Freiwillige Feuerwehr ein, der er bis zuletzt seine rege ^Unterstützung ebenso widmete, wie er der Feuerwehrfache im Kreise Gießen überhaupt mit voller Hingabe diente. Don 1889 bis 1922 gehörte er dem Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr an, er war zunächst stellvertretender Geräteführer, dann Ge- rätesührer und schließlich Brandmeister. 3m Jahre 1910 wurde er zum Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr ernannt. Durch seine eifrige Tätigkeit auf diesem Gebiete trat er in den Vordergrund der Feuerwehrsache, lind am 20. Februar 1917 wurde er zum Kreisseuerwehrinspektor des Kreises Gießen ernannt. Für den Ausbau und die Schlagfertigkeit der Feuerwehren im Kreise Gießen hat der Entschlafene allezeit mit großem Verantwortungsgefühl und mit nie erlahmendem Eifer bis wenige Wochen vor seinem Tode gewirkt. Das Amt des Kreisfeuerwehrinspektors beabsichtigte er zum 1. 3anuar 1933 niederzulegen. Er hat sich durch seinen vorbildlichen Feuerwehr- dieust um die Allgemeinheit des Kreises Gießen große Verdienste erworben, die in der Geschichte der Feuerwehren stets an hervorragender Stelle verzeichnet fein werden. Seine selbstlose Hingabe an die gemeinnützige Sache wurde äußerlich sichtbar durch die Verleihung der staatlichen Feuerwehr-Ehrenzeichen für 25jährige und 40jährige Dienstzeit anerkannt. Ferner war er Inhaber des Ehrcnkreuzes des Deutschen und des Hessischen Feuerwehr-Verbandes. Seine Mitarbeit stellte er aber auch noch anderen Organisationen bereitwillig zur Verfügung. Seit 1884 gehörte er dem Kriegerverein Gießen an, in dem er von 1897 bis 1922 Vorstandsmitglied war und der ihn im 3ahre 1922 zu seinem Ehrenmitglied ernannte. Er war ferner Mitgrün- der der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, seit 1885 Mitglied des Schützenvereins Gießen, der ihm im Jahre 1931 die Ehrenmitglied- fchaft verlieh, und gehörte auch dem Gesangverein „Frohsinn" an, dessen Ehrenmitglied er seit 1904 war. Von 1919 bis zum Abschluß der Arbeiten war er Mitglied der städtischen Deputation für die Kohlenversorgung. Alle diese Mitarbeit wurde ihm in gebührender Weise mit voller Anerkennung gedankt. Die Kriegerkameradschaft „Hafsia" ehrte ihn durch die Verleihung des Ehrenkreuzes. Der Verewigte zeichnete sich durch sein liebenswürdiges und dienstbereites Wesen, sowie durch vortreffliche Charaktereigenschaften aus. Dadurch gewann er sich in weiten Devölkerungskreifen in Stadt und Land hohe Wertschätzung. Das Anden- Im Petitionsausschuß fand ein sozialdemokratischer Antrag, der einheitliche Anrechnungs- grundsätze für die Gewährung von Unterstützungen verlangt, einstimmige Annahme, ebenso ein Antrag der gleichen Fraktion, der die pünktliche Auszahlung des vollen Unterstützungsrichtsatzes in den hessischen Gemeinden fordert. Die Regierung wird ersucht, die gleiche Menge verbilligten Frischfleisches wie im Vorjahre an notleidende Bevölkerungskreise abgeben zu lassen. Die Regierung wird ferner ersucht, auf die Verwaltungsstellen mit allem Nachdruck einzuwirken, daß die Schwarzarbeit unterbunden wird, insbesondere durch umfangreiche Arbeitsbeschaffung und Gewährung ausreichender Unterstützung an Erwerbslose. Aus aller Welt 20 Jahre üerkerstrafe für einen entmenschten Gefängnisaufseher. Der Oberausseher des Sunbeam-Gefängnisses in Iacksonville (Florida) ist wegen grausamer Behandlung eines Gefangenen, der daran gestorben ist, zu 20jähriger Einkerkerung verurteilt worden. Der Gefangene, der 22 Jahre als war, war von dem entmenschten Aufseher in eine Holzkiste von zwei Meter Höhe und einem Meter Länge und Breite eingesperrt worden. Während der Nachtzeit mußte er eine eiserne Sicherheitskette tragen, die ihm um den Hals geschlungen war. Das „Milliardenstiibchen". Ein Kaufmann in Wormditt (Kreis Drauns- berg) hat seine Weinstube in ein „Milliarde n ft ü b ch e n" verwandeln lassen. Sämtliche Wände und die Decke sind mitGeldscheinen aus der Inflationszeit tapeziert. Unter Glas liegen außerdem auf den Tischen interessante und wertvolle Notschein-Sammlungen. Wenn der Zecher unter dem ankurbelnden Einfluß der Weingeister diese ungeheuren Geldmengen noch verdoppelt sieht, muh er ja zu der Ansicht gelangen: „Es wird schon wieder besser." Von einer Löwin angefallen. 3m Löwenzwinger des Städtischen Schlacht- und Viehhofes, in dem die Stadt Braunschweig zwei Löwen, die Wappentiere Braunschweigs, hält, ereignete sich dieser Tage ein bedauerlicher Unfall. Der Betreuer der Tiere, der Direktor des Schlacht- und Dtehho'es, Stadtveterinärarzt Dr.Kramer, wurde plötzlich von einer sonst durchaus friedlichen Löwin angefallen und durch Prankenhiebe und Bisse schwer verletzt. Durch das entschlossene Dazwischentreten eines Heizers wurde das Tier veranlaßt, von seinem Opfer abzulassen, so daß Dr. Kramer aus dem Zwinger flüchten konnte. Bevorstehender Streik in der Metallindustrie. Wie wir vor einigen Tagen berichteten, hat der Schlichtungsausschuh in Wetzlar «inen Schiedsspruch gefällt, durch den der Tariflohn für die Metallindustrie in Oberhesfen und in den Kreisen Wetzlar und Limburg von 64 Pf. auf 60 Pf. und die Akkordverdienste im gleichen Prozentsatz herabgesetzt werden. Dieser Schiedsspruch ist vom Arbeitgeberverband angenommen, von den Gewerkschaften abgelehnt worden. Nachverhandlungen vor dem Schlichter blieben ergebnislos. Wie wir nunmehr vom Arbeitgeberverband hören, ist damit zu rechnen, daß ein Teil der Arbeiterschaft am 16. November, dem Tage des Ablaufs des alten Vertrags, in den Streik tritt. Die optischen Betriebe in Wetzlar werden durch die Bewegung nicht erfaßt, da sie einem besonderen Tarifvertrag unterliegen. Gietzener BZoHenmarkLpreife. * Gießen, 12. Nov. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Süßrahmbutter 130, Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 , bis 30, Wirsing, grün 6 bis 8, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15, Unterkohlrabi 5 bis 6, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 35, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln 3, Aepfel 15 bis 30, Dirnen 10 bis 20. Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 80, Suppenhühner 63 bis 80, Gänse 65 bis 75, Enten 80 bis 93, Nüsse 35; das Stück: Tauben 50 bis 60, Käse 5 bis 10, ausländische Eier 12 bis 14, inländische 14, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 15, Ober- Kohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 8 bis 10, Sellerie 10 bis 35; das Bund: Radieschen 10 Pf.; der Zentner: Kartoffeln 2,50, Weißkraut 2,20 bis 2,50, Rotkraut 5, Wirsing, grün 4 bis 4,50, Aepfel 12 bis 25 Mark. Bornottzen. — Tageskalender für Samstag: Stadttheater, 20 bis 22 Uhr. Gastspiel der Eo- median Harmonists. — Münchner Künstlerbund „Isar", „Einhorn", 10 bis 19 Uhr, Kunstausstellung. — Frauenbund der Deutschen Kolomal- gesellschcrft, 20 Uhr, in den Räumen des Gefell- schaftsvereins, künstlerische Darbietungen, Tombola, Tanz. - DHV., 20.30 Uhr, im Heim, Kriegsfilm „Verdun". — Artillerie-Verein, 20 Uhr, Cafe Leib, Gründungsfeier. — R. d. Z.. 21 Uhr, „Aquarium", Monats-Versammlung. — Kurzschriftverein von 1861, 23.30 Uhr, Cafe Ebel, Dereins-Abend. — Kaninchen-Zuchtverein, „Thüringer Hof", 15 bis 18 Uhr, Ausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Eine Stunde mit dir". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Die Geheimnisse deS Zirkus Jordan" und „Sein letztes Edelweiß". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater, 18.30 bis 20.30 Uhr. „Roulette". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand- Platz, 11 bis 13 Uhr, Ausstellung. - Münchner Künstlerbund „3sar", „Einhorn", 10 bis 19 Uhr, Kunstausstellung. — Gesangverein „Heiterkeif, 15.30 Uhr, Neue Aula, Konzert. — Bund Königin Luise, Hotel Schütz, 16 und 20 Uhr. Märchen- Nach mittag und .Abend mit Lichtbildern. — Lukas-Gemeinde, 20 Uhr. Lukassaal, Familienabend. — Kaninchenzuchtverein „Thüringer Hof". Hamm- straße 7. 9 bis 17 Uhr, Ausstellung. — DHV., im Heim, 11 und 16.30 Uhr, Kriegssilm „Verdun". Westanlaqe 31, 20.15 Uhr, Vortrag von Prediger Müller (Frankfurt a.M.) über „Was ist mit unfern Toten". — Konsumverein, 9 Uhr, Gewerk- schaftshaus. ordentliche Dertreter-Ve.sammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. 11.15 Uhr, „Der Geiger von Florenz"; ab 15 Uhr, „Eine Stunde mit Dir". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg, „Die Geheimnisse des Zirkus 3ordan" und „Dein letztes Edelweiß". — Die Evgl. Stadtmission feiert morgen ihr diesjähriges 3ahresfest. Näheres in der heutigen Anzeige. — Der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft weist darauf hin, daß nach den künstierischen Darb:etungen, die der heute in den Räumen aes Gesellfchaftsvereins veranstaltete Wohltät:greitsabend bringen wird, Gesellschaftstanz stattfindet. Außerdem wird ein kleines Kabarett für weitere Unterhaltung sorgen. Näheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. . r _ , — DerBundKöniginLulse, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am morgigen Sonntag im Saale des Hotels Schütz zwei Marchenoeranftaltun- gen (beginnend um 16 und um 20 Uhr), deren Reinertrag für die Winterhilfe des Bundes bestimmt sein soll. Frau Grete St e i n e ck e r wird selbstver- saßte Märchen, Märchen aus dem Urgrund der deutschen Seele zum Vortrag bringen und ihre Vorlesungen durch farbige Lichtbilder (nach Zeichnungen und Aguarell.'iN, nach Holzschnitten usw. von Walter S t e i n e ck e) unterstützen. Die Künstlerin hat die Fähigkeit, zarteste Märchenstimmung um sich zu verbreiten, die nicht nur den Kindern, sondern auch den Erwachsenen viel Freude bereiten dürfte. — „Der Geiger von Florenz". 3n einer Wcvtine wird am Sonntagvormittag, 11.15 Uhr, bei kleinen Preisen im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, der Ufa-F^ilm „Der Geiger von Florenz gezeigt. 3n den Hauptrollen wird man Elisabeth Bergner und Konrad Veith zu sehen Gelegenheit haben. Die frühere Kapelle deS Lichtspielhauses wird konzertieren. • ♦* Sonntagsrückfahrkarten zu m Katharinenmarkt in Butzbach. Dom Bahnhof Gießen wird uns geschrieben: Am Montag, 14. November, u.nd Dienstag. 15. November, findet in Butzbach der Katharinenmarkt statt. Dazu werden von den Fahrkartenausgaben Bad- Nauheim. Ostheim bei Butzbach, Lang-GönS, Kirch-Göns, Großen-Linden und Gießen Sonntagsrückfahrkarten nach Butzhach ausgegeben. Die den beiden Ländern mache zwar nicht so schnelle Fortschritte, wie alle klar sehenden Geister es wün- scheu. Aber die deutsch-französische Wirtschaftskommission habe schon eine wichtige Arbeit geleistet. Sie habe zahlreiche V e r e i n b a r u n g e n zwischen deutschen und französischen Industrien, Schiffahrtsgesellschaften usw. herbeigeführt. Die jetzige Tagung werde eine Organisation ins Leben rufen, die die g e- meinsame Ausführung großer öffentlicher Arbeiten ermögliche. Es wäre paradox, wenn man in Krisenzeiten aus übergroßer Vorsicht Lösungsmöglichkeiten nicht ausnützen wollte, die eine Verminderung der Krise ermöglichen können. Die französische Regierung fei bereit, hier wie in Lau- fanne und in Genf aktiv an der Festigung des europäischen Friedens mitzuarbeiten. SieAufgabedesLnterausschusies Als die deutsch-französische Wirbschastskom- mission von den beiden Regierungen im September 1931 errichtet worden ist, sind ihre Aufgaben aufeine Reihe von Unterausschüssen verteilt worden. Darunter tft dem 4. Unterausschuß die Aufgabe der Zusammenarbeit im Auslande übertragen worden. Zu seinen Aufgaben gehört es. die Voraussetzungen für die gemeinsame älevernäh m e großer öffentlicher Arbeiten im Auslände zu prüfen und die technische und sinanzielle Durchführung zu unterstützen und in jeder Weise zu erleichtern. Es handelt sich also um eine Ausgabe, die in gleicher Weise im 3n- teresse der Länder liegt, deren Wirtschaft weiter erschlossen werden soll, wie im 3nteresse der Länder, denen die betevligben Unternehmen cm- gehören. Dem 4. Unterausschuß ist bei seiner ersten Tagung in Paris im Dezember 1931 und später ein« große Anzahl solcher Pläne unterbreitet worden, deren Sichtung dazu geführt hat, daß einige konkrete Vorschläge zum Gegenstand einer eing^enden Prüfung gemacht werden können. Daher ist der 4. Unterausschuß jetzt zu einer zweiten Tagung in Berlin zusammengertreten, um sich über diese konkreten Pläne Bericht erstatten zu lassen und dazu Stellung zu nehmen. Die Verhandlungen nehmen angesichts der großen praktischen Bedeutung des Projektes längere Zeit in Anspruch. Oie Derwaliungsreform in Preußen. Personalveränderuni zur Vereinfachung und Verbillig mg in der Zentralim anz. Berlin, 11.Nov. (WTB.) Wie der Amtliche Preußische Presfedienst mitteilt, hat sich die kommissarische Regierung mit der Durchführung der Zweiten Verordnung zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung vom 29. Oktober 1932 beschäftigt und hierbei zunächst die erforderlichen Personalveränderungen für die höheren Beamten beschlossen. Die Verordnung vom 29. Oktober 1932 hat das Ziel, die gesamte geschäftliche Betätigung in den Ministerien einzuschränken, straffer zu gliedern, Doppel- arbeit abzub auen und Zuständigkeiten, die nicht in die Ministerien gehören, an Nachgeordnete Behörden abzugeben. Die Neuorganisation der preußischen Ministerien im einzelnen ist vor 14 Tagen bei der Herausgabe der Verordnung mitgeteilt worden. Bei der Durchführung dieser Maßnahmen, die am 1. Februar 1933 zum Abschluß kommen werden, können in den preußischen Ministerien acht Abteilungen eingespart und durch Zusammenlegung und Aufhebung der Bearbeitung von .einzelnen Sachgebieten etwa 14 0 Referate frei gemacht werden. Dadurch wird es endlich möglich, wirksame Ersparnisse auch bei den Ausgaben der Zentral- in stanz zu erzielen. . Die kommissarische Regierung war sich bet diesen Maßnahmen von Anfang an bewußt, daß es unmöglich ist, die notwendigen Ersparnismaßnahmen durchzuführen, ohne gleichzeitig an eine B e > chrankung d e s Beamten apparates heranzugehen. Die Einsparung der 140 Referate erfordert nicht die Verabschiedung der gleichen Anzahl von Referenten. Es ist vielmehr gelungen, die Zahl der betroffenen Beamten in engeren Grenzen zu halten. Das konnte dadurch erreicht werden, daß in der letzten Zeit durch den natürlichen Abgang von Beamten entstandene Lücken bereits vorsorglich nicht mehr ausgefüllt und in den Zentralstellen entbehrlich gewordene Beamte an andere BehötHenuwi.d9Awpyumlhww Beamte anandereBehördenverfetzt wor- den find. Natürlich trifft die Verabschiedung die betroffenen Beamten besonders in der heutigen Zeit chwer. Es ist aber versucht worden, durch sorgfältige Prüfung aller einzelnen Fälle Härten zu vermeiden. Ferner ist in Erwägung gezogen, in den einstweiligen Ruhestand versetzte Beamte in geeigneten Fallen später wieder im aktiven Staatsdienst zu verwenden. Aus denLandtags-Ausschüffen WHP. Darmstadt, 11. Nov. Der Gesetz- gedungsausschuh des Hessischen Landtages lehnte zunächst drei Ersuchen der Regierung auf Aufhebung der Immunität von Landtagsabgeordneten ab, da es sich in allen Fällen um politische Vergehen handele. — Ein volrsparteilicher Antrag auf Aenderung des Artikels 83 der hessischen Verfassung (Einsetzung des Ooerlandesgerichtspräfidenten anstelle eines geschäftsführenden StaatsprÜsidenten) wurde zu- n ^ren ssKr Ä“jS LLK ergfreif wöultrie. ZT verklchchrn abgr!M u v°r dm W -f r MM vom 2r. L^iUu rechnen. Lfc ^rkM, S puschen Betriebe in «wegung nicht ersaht, Tarifvertrag unter« mmt-rerfc. ! Reim aus dem beu- MÄi Sührahmbuttee hbuttu X Mtle 25 WM 5 bis e Wen 8 dir W, rote t 15, UnterWM 5 >, FrldsM 83 AM bis 10, Meerrettich JÖ 25 bis )), Kürbis 5 >M 15 bis 30, Birnen s 35, Honig 40 bis 45, uppenhühner 63 bis 80, 80 bis 93, Msse 35; >is 60, Käse 5 ois 10, 14, inländische 14, Liu« Lien 10 bis 15, Ober« bis 10, Rettich 8 bis 10, und: Radieschen 10 N; 2,50, Deihlraut 2,20 irsing, grün 4 bis 4ch0, tijen. er für bamstag: Hr, Gastspiel der Lo- Münchner Künstleibund iis 19 Uhr, Kunstaus« her Deutschen Kolonial« «n BäUMN des Gesell« he Darbietungen, Tom« 20.30 Uhr, im Heim, - RitiUerie-Derein, 20 drmgsfeier. - D. d. 3., ,23.30Ufa MeM hen.Zuchtverem, >Thu« Lhr, ÄnMung. - * „ siä'*e -Mtz Mabend^tvirö idrt- DKung ^ ... vrtstzrupp« isi"^n ^on« >s--zs: 'i"edur1"-i,rä: tigS§> ?-DN 1,1 *!* kN. kon-cl" ünt Karten gelten am 14. und 15. November jeweils von 0 bis 24 Uhr, zu welchem Zeitpunkt die Rückfahrt angetreten sein muh. •* Letzter Tag derKunstausstellung „3 s a r“. Die sehenswerte Gemäldeausstellung des Künstlerbundes „Isar" im „Einhorn", die bis heute von insgesamt etwa 250 Erwachsenen und über tausend Schülern, sowie von der Reichswehr besucht wurde, ist noch bis einschließlich morgen, Sonntag, 13. Rovember, geöffnet. Alm allen Schichten der Bevölkerung den Besuch zu ermöglichen, wurde der Eintrittspreis um 50 v. H. ermäßigt. Die Ausstellung zeigt Werke von 40 bekannten Münchener Künstlern. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. ** Die Haushaltungsschule der Hessischen Landwirtschaftskammer in Michelstadt (Odenwald) kündigt im heutigen Anzeigenteil einen fünfmonatigen Kursus an. Die Schülerinnen werden in allen Zweigen der Haus- wirtschaft, Molkerei und Kleintierzucht, ferner in Helft der Winterhilfe! Geldspenden werden an den nachstehenden Sammelstellen angenommen: Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers. Gießen. Oberhesfifche Volkszeitung. Giehen. Pfeiffersche Suchhandlung. Giehen. Germania-Drogerie. Karl Seibel. Giehen, Frankfurter Strahe. Han» Roll, Ludwigsplah-Drogerie. Giehen. Wilhelm Benner. Schuhmarenhandlung. Giehen. Marktstrahe. Verkehrs- und Verschönerungsverein e. v.. Gießen. Handels- und Gewerbebank. Giehen. Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft. Gießen. Dresdner Bank, Giehen. Commerz- und Privat-Vank. Giehen. Bezirkssparkasse Giehen. Bankgeschäft her; & Co.. Giehen Volksbank e- G- m. b. h.. Giehen. Zeder sei Heiser! Handfertigkeitsarbeiten usw. vollständig ausaebildet. Die Teilnahme an dem Kursus ist zu empfehlen. — Näheres in der Anzeige. * „Eine Stunde mit D i r l" Sin Tonfilm im Lichtspielhaus Bahnhofstraße. Ein Lustspielfilm, ein Alnterhaltungsfilm von so typisch amerikanischem Gepräge, daß man sich erst etwas umstellen muh auf diese Art Humor, auf diese Art der eigenwilligen Regieführung. Dazu wird eng. lisch gesprochen (während der deutsche Text in der Schrift wiedergegeben wird), so dah man auch da erst einige Widerstände auszuschalten hat. Der Film schasst aber doch bald die Verbindung, denn das Thema ist an sich nicht eben kompliziert und dabei drollig behandelt. Gs geht um vier Menschen, um eine Ehe insbesondere und um eine andere Ehe nebenbei, um Eifersucht und grenzenlose Liebe, um Spiel und Flirt, um scheinbare Betrügerei, um Glaubhaftes und älng'aubhastes und zum Schluß um die Tatsache dec Wiedervereinigung der beiden Liebenden, um das glückliche Ende. Der Regisseur hat sehr gute Einfälle (er richtet sogar durch den Hauptdarsteller einige hochnotpeinliche Fragen an die K nobesucher und unterhält mit reizvollen kleinen Zwiegesprächen ganz ausgezeichnet. So gestaltet sich der (Para- mount-)Film zu einem Alntcrhaltunassilm, wie er eben sein muh. In den Rollen sieht man Maurice Chevalier, Jeanette MacDonald (sie singt übrigens sehr gut), Genevieve To - bin, Charlie Ruggles und Roland V o u n g. Die Regie führt Ernst L u b i t! ch , v n dem man zwar schon bessere Filme gesehen hat, uve aber doch beweist, dah er selbst einem leichten unproblematischen Alnterhaltungs ilm noch e'ne persönliche Note zu geben vermag. Photographie und Tonwiedergabe sind gut. ** Kutscherverein Giehen. Man schreibt uns: Am 5. November waren es 40 Jahre, dah der Kutscherverein Giehen gegründet wurde. Zur Feier der Wiederkehr des Gründungstages hatte der Verein zu einer Zusammenkunft eingeladen, zu der auch der Verein ehemaliger hessischer Leib- Tragoner des Kreises Giehen und der Kutscherverein Hanau erschienen waren. Der Abend wurde mit einer Vegrühungsansprache eröffnet, zur Ehrung der seit der Gründung abberufenen Mitglieder erhoben sich die Besucher von ihren Plagen. Der langjährige erste Vorsitzende, Lohnkutschereibefitzer Ludwig Haas, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der Verein ehemaliger hessischer Leib-Dragoner überreichte als Iubiläums- gahe einen Fahnennagel. SJ.-fpor/ Handball im Lahn-Oünsberg-Gau In der Gauklasse ist der Meister Allendorf am Sonntag spielfrei. Londorf hat gegen Lollar anzutreten und steht vor einem schweren Kampf. Wenn sich die Londorfer die Anwartschaft auf die Meisterschaft halten wollen, müssen sie gewinnen. Ob cs zum Siege reicht, ist fraglich. Lollar ist ein gefährlicher Gegner. Dorlar empfängt auf eigenem Platz die Nachbarn aus Ah- bach. Der Ausgang des Kampfes ist nicht vorherzusagen. Man ist geneigt, den Gästen die besseren Aussichten zu geben. Wieseck sollte auf eigenem Platz gegen Staufenberg einen knappen Sieg landen. In der Dez i rk s k l a s se (1. Bezirk) erwartet Wißmar die Mannschaft von Garbenheim. Der Ausgang auch dieses Kampfes ist völlig offen. Waldgirmes tritt in Launsbach an und wird die Punkte dem PlahbesiNer überlassen müssen. Die Mannschaft von Rodyeim fährt nach Erda. Die Chancen auf Sieg hat der Gastgeber. Im 2. Bezirk erwartet man einen gleichwertigen Kampf zwischen Lollars 11. und der I. von Allertshausen. Der Ausgang des Spieles ist nicht vorherzusagen. Im Spiel Mainzlar gegen Nordeck sollten die Gäste im Vorteil fein. Im Spiel Ruttershausen— Kesselbach erwartet man die Platz- mannschast als Sieger. Im 3. Bezirk stehen sich Beuern und Burkhardsfelden in einem zu erwartenden gleichwertigen Kampf gegenüber, während Albach im Kampf gegen Steinbach in Steinbach zu zwei Punkten kommen sollte. Ardeiler-Turn unO Sportdund In der Kreisklasse spielt am Sonntag Gießen I in Heuchelheim. Es dürfte ein spannendes Spiel in Aussicht stehen, zumal Heuchelheim alles daran- setzen wird, vom Ende der Tabelle zu kommen Die Gießener werden sich sehr bemühen müssen. Das spannendste Treffen wird wohl zwischen den Spitzenführern der ersten Gruppe in Naunheim zum Austrag kommen, wo Niederflorstadt I zu Gast ist. Der Sieger dieses Spieles sollte sicherer Anwärter auf den Titel des Gruppenmeisters werden. Wieseck I ist in Niederwöllstadt zu Gast und darf seinen Gegner nicht unterschätzen, wenn es die Position in der Tabelle verbessern will. In Niederwöllstadt sind nur sehr schwer Punkte zu holen. In Dorheim stehen sich Dorheim I und Altenstadt 1 gegenüber. Auch hier erwartet man einen ausgeglichenen aber scharfen Kampf. In der 1. B e z i r k sklasse hat Gießen II Lollar I auf dem Trieb zum Gegner. Hier wird man den Gasten die meisten Siegesaussichten geben müssen. Wiesecks II. ist in Marburg zu Gast und wird gegen die zurzeit aufstrebenden Gastgeber alles aufbieten müssen, wenn eine Enttäuschung vermieden werden soll. Londorf I ist in Daubringen zu Gast und wird dort auf einen gleichstarken Gegner treffen. Wetzlar 1 hat Leun I zum Gegner und wird diO Punkte wohl für sich behalten. Kinzenbach I ist in Allendorf zu Gast und wird dort nur schwer um eine Niederlage herumkommen. Hungen I hat Großen-Buseck 1 zum Gegner. Hier dürften die Gäste wohl die Besseren fein. Burkhardsfelden I ist in Großen-Linden zu Gast und wird dort den Dor- spielsieg nur schwer wiederholen können. In der 2. B ez i r k s k l a ss e finden folgende Spiele statt: Blasdach I — Fellingshausen I; Betzberg 1 — Frankenbach I; Kinzenbach 1 — Wetzlar II; Waldgirmes I — Leun II; Gleiberg I gegen Launsbach I; Gießen III — ©rüningen I; Nieder- Ohmen I — Großen-Buseck II; Alsfeld II gegen Lindenstruth I; Watzenborn I — Annerod 1; Hausen I — Wieseck III; Sich II — Großen-Linden II. In der Iuaendklasse stehen sich Gegenüber: Blasbach — Heuchelheim; Krofdorf — Launsbach; Wieseck — Lollar Große Strafkammer Gießen. * Gießen, ll.Nov. Ende August wurden in einer Samstagnacht in Friedberg in der Nähe der Alf abrüde zwei junge Leute aus Schwalheim, die der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei angehören, auf dem Nachhauseweg von mehreren Personen überfallen, die, wie sich herausstellte, Mitg ieder der Kommunistischen Partei waren. Diese standen jetzt unter der Anklage der aus politischen Beweggründen gemeinschaftlich begangenen gefährlichen _ Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung. Zwecks Aufklärung war die Vernehmung einer großen Zahl von Zeugen erforderlich. Die Angeklagten gaben zu ihrer Verteidigung an, sie seien von einem der Schwalheirner zuerst beleidigt und von diesem gereizt worden. Das Gegenteil wurde ihnen nachgewiesen. Die Angeklagten hatten in jener Nacht ohne Grund den Schwalheimem, deren Parteizugehörigkeit sie kannten, aufgelauert. Als sie diese gegen 1 Uhr aufgespürt hatten, eilte einer der Angeklagten ihnen nach und versetzte dem einen Schwalheimer mit den Worten: „Na. ihr Nazi" einen heftigen Stoß wider das Kinn. Während es diesem gelang, sich los zu machen und das Weite zu suchen, wurde der andere Schwalheimer festgehalten und von drei der QlngeHagten auf die Erde geworfen, wo man ihm mit beschuhten Füßen in das Gesicht und in die Rippen trat. Die Angeklagten hatten aber damit noch nicht genug. Ein Zeuge, der wie viele Anwohner infolge des Lärms und der Hilferufe aus dem Schlafe erschreckt an das Fenster eilte, hörte gerade in diesem Augenblick das KommandiM 1, 2, 3, worauf er einen Platsch vernahm, wie wenn ein Hund in das Wasser geworfen worden wäre. Notdürftig bekleidet eilte er an die fragliche Stelle. Dort stellte er fest, dah der Schwalheimer Nationalsozialist über eine etwa 1,70 Meter hohe Böschung in die Ufa geworfen worden war, an der Stelle, an der die Ufa damals 1 Meter tiefes Wasser mit sich führte, und das Flußbett im übrigen in einer weiteren Tiefe von 55 Zentimeter durch reichliche Mengen Schlamm aufgeweicht war. Das Gericht hielt für erwiesen, dah zwei der Angeklagten die gefährliche Körperverletzung des Schwalheimer Nationalsozialisten aus politischen Beweggründen begangen hatten, und verurteilte den einen Angeklagten zu einem Jahr a ch t Monaten Zuchthaus und den anderen zueinemIahr zwei Monaten Zuchthaus. Ein weiterer Angeklagte, dem das Motiv nicht zweifelsfrei nochzuweisen war, wurde zueinemIohrGe- f ä n g n i s verurteilt, während ein anderer Angeklagter mangels ausreichenden Beweises frei- gesprochen wurde. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12 30 llhr, 16 bl» 17 Uhr Samstag nachmittag geschloffen Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Zum Eingesandt „Qln den hessischen Finanzminister". Zur Aufklärung des gefangen Einsenders „An den hessischen Finanzminister" diene folgendes: Das staatliche Gebäude, Wilhelmstrahe 56, wurde in den Jahren 1920 und 1921 erbaut, und zwar für Deamten-Mietwohnungen. Die Unterbringung der Forstämter Schiffenberg und Gießen in dem Hause war nur provisorisch. Das Forftamt Schiffenberg ist bereits anderweitig untergebracht (Dtephanstraße 4). Das Forstamt Gießen wird nun ebenfalls anderweitig untergebracht durch eine besonders günstige Gelegenheit. Durch den zu diesem Zweck erfolgten Hauskauf in der Moltkestrahe werden der hessische Staatshaushalt und die Steuerzahler in feiner Weise belastet. Der Kauspreis ist erst nach einer längeren Reihe von Jahren zahlbar, und die sehr mäßige Verzinsung wird durch die eingehenden Mieten für Haupt- und Nebengebäude vollauf gedeckt. Zudem werden in dem staatlichen Hause, Wilhelmstrahe 56, zwei Mietwohnungen frei für zwei pensionierte Beamte, mit entsprechenden Mieteingängen. Das von dem Einsender befürchtete Defizit des hessischen Staatshaushaltes wird also keinesfalls ein treten. Gießen, 11. November 1932. Oberforstmeister S ch üz. Wettervoraussage Der Luftdruck ist über Skandinavien schnell und auherordentlich stark angestiegen, so dah sich dort ein Hochdruckkern mit Barometerständen von über 785 Millimeter entwickelt hat. An seiner Südseite hat sich die Ostwindstromung bei ziemlich lebhafter Cuftbetoegung bis in größere Höhen durchge- seht und treibt die vorgedrungene mildere Ozean- lüft zurück. Dabei kommt es teilweise noch zu leichteren Störungen, die aber, nachdem sich die kontinentale Luft durchgeseht hat, aushören. Nach Frühnebel wird sich der Himmel aufflaren, die Temperaturen gehen zurück und kommen in der Nacht infolge Der Ausstrahlung bis unter den Gefrierpunkt zu liegen. Aussichten für Sonntag: Neblig mit Aufklaren, kälter, nachV Temperaturrückgang bis unter den Gefrierpunkt, trocken. Aussichten für Montag: Weiterhin Frühnebel, tagsüber aufheiternd, tr den. Nachtfrost. Lufttemperaturen am 11. November: mittag 7,2 Grad Celsius, abends 6,6 Grad; am 12. November: morgens 6,6 Grad. Maximum 8,5 Grad, Minimum 5,8. — Erdtemperaturen in 10 Dr. Borchers, der Führer der deutschen Anden-Expedition, die jetzt ihre Forschungszüge durch die Kordilleren mit der Ersteigung des höchsten Berges Amerikas, des 6953 Meter hohen Aconcagua, krönte. Zentimeter Tiefe am 11. November: abends 6,4 Grad; am 12.Nooember: morgens 6,2 Grad Celsius. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 13. November. 25. Sonntag nach Trinitatis. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Mahr; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde; Pfr. Mahr; 17: Pforr- affiftent Knell. — Iohonneskirche. 9.30: Pfr. Bech- tolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 17: Pfr. Ausfeld; 20: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfr. Müller. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinderkirche für die Lulhergemeinde; Pfr. Lenz. Elisabeth-Kleinkinderschule. 9.45: Pfr. Lic. Waas. — Saal der neuen Krippe. 11: Kinderkirche für die Io- hannesgemeinde; Pfr. Ausfeld. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst; bl. Abendmahl für die Uebrigen; 11: Kindergottesdienst. — Wieseck. 9.45. — Alten- Vufeck. 9.30: Beichte; 10: Gottesdienst; Feier des hl. Abendmahls; 13' Kinderkirche. — Großen-Buseck. 10.30: Gottesdienst; 11.30: Beichte und Feier des hl. Abendmahls. — Oppenrod. 8.30: Gottesdienst; 19: Liturgische Gustav-Adolf-Feier (Vortrag, Lichtbilder). — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: hl. Abendmahl für die Jugend von Mainzlar; 13.30: Lollar.— Haufen-Garbenleich. 10: Garbenteich, 13: Hausen.— wahenborn-Sleinberg. 915: Beichte; 9.30: Predigtgottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls (männliche Jugend, Kollekte); 11.15: Kinderkirche.— (Brünlngen. 13: Hauptgottesdienst. — Cid). 9.30: Stiftsdechant Kahn; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Stiftspfarrer Draudt. Montag, den 14. November. Kirchberg. 20.30 Uhr: Lollar; Bibelstunde. Donnerstag, den 15. November. Kirchberg. 20.30 Uhr: Daubringen; Bibelstunde. Freitag, den 16. November. Kirchberg. 20.30 Uhr: Mainzlar; Bibelstunde. Katholische Gemeinden. Samstag, den 12. November. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 13. November. 26. Sonntaa nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten; 8:, Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 16.30: Versammlung der Jungfrauen-Kongregation; 17.30: Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Pre- digt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Lich. 7.30: Hochamt mit Dredigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Collar. 8.45: Messe mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 14. November. Caubach. 7.30 Uhr: Messe. Mittwoch, den V. November. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. Sonnlanodienst d Aerzw n.-’nunbcten am 13 11 32 ftrl. Dr. Gürtler. Dr Schäffer. 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Es wird sich also zeigen müssen, ob diele unpopuläre Parole „Gegen den Alkohol!", die längst ihre Schlagkraft eingebüßt hat, in Zukunft von den neuen Steuermännern Amerikas gestürzt werden kann — oder ob sie so fest in der Verfassung oer> ankert ist, daß selbst das neue Amerika nichts gegen sie vermag. In jedem Falle werden die deutschen Brauereien und Winzer gut tun, wenn sie sich von dem Sieg der „Nassen" in Amerika nicht alhu viel versprechen. So schnell ist die in der Verfassung verankerte Prohibition nicht erledigt: eine Verfassungsbestimmung kan nur geändert werden, wenn sich eine Zweidrittelmehrheit öcr beiden Parlamente dafür ausgesprochen hat, und wenn außerdem zwei Drittel der Bundesstaaten, ebenfalls wieder nach Beschluß der Bundesparlamente mit Zweidrittel- Mehrheit, zuqestimmt haben. An diese Möglichkeit glaubt kein Mensch. Es kann also nur eine Aende- rung auf dem Wege erfolgen, daß die Ausfüh- rungsbestimmungen zu dem Amendement der Verfassung geändert werden, in dem Sinne vielleicht, daß di e einzelnen Staaten selbst zu bestimmen haben, welches Getränk als „toxicating" anzusehen ist. Vielleicht gestatten dann die hauptinteressierten Staaten wieder die Einfuhr von leichten Bieren und Weinen. Auf Vorrat brauchen die deutschen Brauereien also noch nicht zu arbeiten. Es wird noch eine gute Weile dauern, bis die ersten Abrufe erfolgen werden. Im Übrigen tritt Roosevelt auch erst am 4. März nächsten Jahres sein Amt an. In der Zwischenzeit zwischen Wahl und Amtsantritt bezeichnet man drüben das Parlament als ein solches „der lahmen Enten" weil es keine Lust verspürt, irgendwelche Beschlüsse von größerer Bedeutung zu fassen. >lar eder munter und frisch'. uf'chmiM, Unbehagen sind i für die Stau. Sie künden Unterleib Schäden vnbetti- r schlimme Zustände folgen, brauengurt vonidm. an raum die Erlösung. 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Diese Frage geht «aber nicht allein die Reichsfinanzverwaltung an, sondern sie ist auch von großer Bedeutung für die hessische Regierung, die Provinzialdirektion Oberhessen, die Kreisämter, die Gießener Stadtverwaltung und die gesamten Wirtschaftsinteressenten des Gießener Bezirks. Wenn auch bei den Behörden in Gießen bis jetzt von den aus Kassel gemeldeten Plänen der Reichsfinanzverwaltung nichts bekannt ist — nebenbei bemerkt ist auch nicht zu erwarten, daß man von Berlin aus seine Reformkarten allzufrüh offenlegen wird —, so sollte doch von allen in Betracht kommenden Behörden und Wirtschaftsstellen jetzt schon energisch und gründlich darauf hingewirkt werden, daß eine Reform der Reichssinanzverwaltung in Hessen und Hessen- Rassau nichts an dem Weiterbestand des Hauptzollamtes in Gießen ändert. Was wird aus -er Prohibition? Keine Möglichkeit auf einen Wechsel von heute aus morgen. Don John Decker. Ver'°mn99u’en R0‘ e^6 Händler oder. dl° . mOPhoA 8SGSZ Revoi r b Mit dem unerwartet großen Wahlsieg Roosevelts über Hoover haben nicht nur die Demokraten über die Republikaner gesiegt, sondern auch d i e Prohibitionsgegner über d ie Anhänger des A l k'o ho l ve r b o t s. Die kleine scherzhafte Geschichte, die man sich in Neuyork als angeblich wahr einige Tage vor der Wahl von einem Mann namens Roosevelt erzählte, der wegen Trunkenheit von einem Polizisten namens Hoover verhaftet wurde, hat somit ihren ernsten, konkreten Hintergrund bekommen. Und so hat sich von einem Tag auf den andern mit erneuter Dringlichkeit die Frage gestellt: Waswird nunausderPro- h i bi t i o n ? Wird es jetzt möglich sein, diese zweischneidige Angelegenheit aus der amerikanischen Verfassung auszumerzen? Ist mit dem „demokratischen Erdrutsch", der eine Umstellung der gesamten Aemterbesetzung Amerikas mit sich brachte, die notwendige Dreiviertelmajorität der Staaten und die Zweidrittelmajorität im Senat und im Kongreß gegeben, um dieses Gesetz für immer zu begraben? Es ist augenblicklich trotz des Siegestaumels der Demokraten außerordentlich schwer, auf diese Frage eine befriedigende Antwort zu geben. Es ist zwar richtig, daß zum erstenmal seit Zwölf Jahren ein offizieller Anlaß auch von exponierten Persönlichkeiten ganz ungeniert mit Alkohol begossen wurde. Ebenso unbestreitbar ist, daß sich an der illegalen Alkoholbörse der Gangsters eine schwere Panik bemerkbar gemacht hat, die vielfach zum Verkauf von Alkohol zu Schleuderpreisen führte. Aber die Verfassung eines Riesenlandes ist nun einmal durch eine Wahlkampagne nicht auf den Kopf zu stellen. Denn nicht Personalfragen sind es gewesen, die die Prohibition zum Gesetz und zum Der- fassungsbestandteil gemacht haben, sondern eine langwierige Entwicklung über ungefähr hundert Jahre, eine Entwicklung, die von gewissen Faktoren gefördert und stetig unterstützt wurde, an deren Macht die Amerikaner und insbesondere die Demokraten heute ebenso wenig rütteln können wie vor Jahrzehnten. berufsmäßig geistige Getränke ausschenkte. Diese persönliche Note der Methodisten erregte bei den anderen Konfessionen so starkes Aufsehen, daß sie nach und nach alle diese Klauseln annahmen. Auf der Plattform der Kirche also entstand bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts jene alkoholfeindliche Stimmung, ohne die es niemals zu einer gesamten Prohibition gekommen wäre. Aus dem Boden der Kirche wuchs ihrerseits eine Strömung, die langsam zu einem ausschlaggebenden kulturellen Faktor in den Vereinigten Staaten wurde: die Frauenbewegung. Eines ihrer Hauptargumente war von jeher ihre erklärte Geg- nerscl)aft gegen berauschende Getränke, die sich vor allem in der Gründung der berühmten „Anti- Saloon-Liga"' kundtat. Wie mächtig auch heute noch die Frauenvereinigungen in Amerika sind, geht nicht nur aus der Prohibition selbst hervor, sondern auch aus den zahllosen Skandal- affairen berühmter Leute, von denen bloß der Fall der Ehescheidung Chaplins erwähnt sei. In dem Maße aber, in dem Kirche und grauen sich gegen den Alkohol aussprachen, wurde die Gegnerschaft 6egen den Alkohol auch von dritter maß- geblicher/Seite gefördert, nämlich von feiten der Gr oßk-apita listen. Zn den neunziger Jahren machte der Ausspruch Edisons die Runde: „Ich weiß mir etwas Besseres mit meinem Gehirn anzufangen, als es zu vergiften." Es ist klar, daß die großen Unternehmer, die sich zugleich als Reformatoren der Arbeiterklasse fühlten, wie vor allem Henri; Ford, mit allen zehn Fingern nach diesem Argument griffen. Allmählich wurde die Prohibition für die überwiegende Mehrzahl der amerikanischen Arbeitgeber zur moralischen Pflicht — wen wundert es allo, daß diese morali,che Pflicht später auch gesetzmäßig erhärtet wurde Auf das religiösen Motiven entspringende ^Ausfchankverbot von Branntwein an Sonn- und Feiertag n folgte das Verbot, das Soldaten und Negern untersagte, Überhaupt konzentrierten Alkohol zu sich zu nehmen Die sportlichen Instanzen der Vereinigten Staaten taten zudem das ihre, das Alko- ber gestrigen Neu York er Börse blieb gegeiiüber den Schwierigkeiten in der innerpolitischen Situation fast wirkungslos. Die Kulisse schritt zu kleinen Po- sitionslösungen, zumal von der Kundschaft Orders Vorlagen. „„„ . „ Am Elektromarkt lagen Chade-Aktien 3 Mk. fest, was auch für die übrigen Elektrizitätspapiere kleine Kursbejserungen zur Folge hatte. Auf die weitere Aufwärtsbewegung des Kupferpreises konnten sich Otavi Minen um 0,75 Mk. erhöhen, während die Mehrzahl der Montanaktien um 0,50 bis 1 v. H. nachgaben. Leicht befestigt waren noch Kunstseide- werte, Aku gewannen 0,25 v. H., Bemberg 0,50 o. H. IG. setzten 0,50 v.H. niedriger ein, dagegen zogen Rütgerswerke um 0,25 o. H. an. Don sonstigen Werken verloren Deutsche Linoleum 1 v. H„ anderseits konnten sich Gebr. Junghans um 0,50 v H. erhöhen. Aus den übrigen Marktgebieten stagnierte das Geschäft vollkommen. Am Rentenmarkt blieben Deutsche Anleihen unverändert. Reichsschuldbuchforderungen gaben nach behauptetem Beginn etwa 0,50 v. H. nach. Am Auslandsrentenmarkt zogen 4prozentige Goldmexi- kaner 0,25 v.H. an. Am Markte der festverzms- lichen Papiere lag kleines Angebot vor, so daß die Kurse durchweg leicht zurückgingen. Deutsche Anleihen blieben auch im Verlaufe gut behauptet, während Reichsschuldbuchforderungen nochmals leicht abgeschwächt waren. . Am Aktienmarkt war die Haltung in der zweiten Börsenstunde überwiegend schwächer. IG. verloren 0,75 v. H. und die Mehrzahl der übrigen Marktgebiete etwa 0,25 bis 0,50 v. H. Chadealtien blieben relativ «ut gehalten. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,25 v. H. um 0,25 v.H. ermäßigt bei sehr leichter Tendenz. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus: Sonntag, 13. Rov.: Anfang 14.30 Ahr: 3m weißen Röhl; Anfang 19.30 Ahr: Don Carlos. Montag, 14.: Geschlossen. Dienstag. 15.: Die Boheme; An ang 20 Uhr. Mittwoch, 16.: Tie Walküre; Anfang 18 Uhr. Donnerstag, 17.: Tie Entführung aus dem Serail; Anfang 2J Uhr. Freitag, 18.: Don Carlos; Anfang 19.30 Uhr. Samstag, 19.: Hoffmanns Erzählungen; Anfang 20 Uhr. Sonntag, 20.: Anfang 11.30 Uhr: Gedenkfeier für Dr. Ludwig Rottenberg; Anfang 13 Uhr: Siegfried. Montag, 21.: Margarethe; Anfang 19.30 Uhr. , Schauspielhaus: Sonntag. 13.: Der Raub der Sabinerinnen; Anfang 16 Uhr; Wetter veränderlich: Anfang 20 Uhr. Montag, 14.: Slorian Geyer; Anfang 20 Uhr. Dienstag, 15.: Die endlose Straße; Anfang 20 Uhr. Mittwoch, 16 : Liebelei, Anfang 16 Uhr; Florian Geyer, An ang 20 Uhr. Donnerstag, 17.: Hedda Gabler; Anfang 20 Uhr. Freitag, 18.: Tanzabend Riddy Impekoven; Anfang 20 Uhr. Samstag, 19.: Moral; Anfang 20 Uhr. Sonntag, 20.: Iph gerne auf Tauris Anfang 16 Uhr; Die endlose Straße Anfang 20 Uhr. Montag, 21.: Faust. 1. Tsil; Anfang 19Uhi Berlin ruhig und schwächer. Berlin, 12. Nov. (WTB. Funkspruch.) In den Kreisen des Publikums machte sich eine gewisse Enttäuschung über die Rückgänge zum Ende des gestrigen Börsenverkehrs bemerkbar, so daß der stimmungsmäßige Einfluß der festen Veranlagung Amerikas, auf den man noch im Dormittagsoer- kehr größere Hoffnungen gesetzt hatte, so ziemlich wirkungslos gemacht wurde. Auch die Unternehmungslust der Spekulation ließ zu wünschen übrig, so daß die Samstagbörse bei ruhigem G e - schäft kein einheitliches Bild zeigte. Im übrigen will man auch die Weiterentwicklung in der Innenpolitik, insbesondere das Ergebnis der Besprechungen des Reichskanzlers mit den Führern der Landerregierungen und der Parteien, sowie die Auswirkungen des Abbaues von 140 Ministerial- beamten abwarten, ehe man sich zu Neuengagements entschließt. Beachtung fanden Mitteilungen über Paketoer- täufe, die außerhalb der Börse vorgenommen worden sind, zumal man mit weiteren Umschichtungen rechnet. Dem eintägigen Generalstreik in «der Schweiz maß man keine besondere Bedeutung bei. Die Veränderungen gegen gestern waren vom Zufall abhängig und beliefen sich meist nur auf Bruchteile eines Prozentes nach oben oder unten. Ganz selten bemerkte man Abweichungen bis zu 1,50 v. H. Im Verlaufe ergaben sich^ bei kleinstem Geschäft Abbröckelungen bis 1 v. H. Am Anlagemarkt war es zunächst noch fester. Deutsche Anleihen hatten kaum Veränderungen aufzuweisen. Im Verlaufe gaben Neubesitz und Schutzgebiete bis zu 20 Pf. nach. Reichsschuldbuchforderungen und Reichsbahnvorzugsaktien gingen nach behaupteter Eröffnung um 0,5 v. H. zurück Von variablen Jndustrieobligationen fetzten Hoesch 2,25 v. H. höher ein, die übrigen Werte gingen nach freundlicherer Eröffnung zurück. Dollarbonds konnten sich eher wieder befestigen. Pfandbriefe, Kom- munalobligationen, Landschaften usw. wurden bei Feststellung der Einheitskurse bis zu 0,5 v. H. schwächer. Von Ausländern waren Bosnier schwächer, Mazedonier etwas freundlicher, im übrigen ergaben sich nur sehr kleine Abweichungen nach beiden Seiten. Am Geldmarkt war die Situation zu gestern völlig unverändert. Tagesgeld blieb mit 4,13 v. H. an der unteren Grenze und Monatsgeld mit 5 bis 7 v. H. Privatdiskonten waren weiter in geringen Posten angeboten, doch steht dem genügend Kaufneigung gegenüber. Nach Reichswechseln und Reichsschatzanweisungen zeigte sich weiter kleine Nachfrage. Frankfurt schwächer. Frankfurt a. M., 12. Nov. (WTB. Drahtmeldung ) Die Wochenschlußbörse eröffnete bei f a ft vollkommener G e s ch ä f t sst i 11 e zunächst in uneinheitlicher Haltung, später überroogen_meift kleine Abschwächungen. Der feste Schluß Hauptzollamt Gießen. Dor einigen Tagen hat die „Kasseler Post" eine Meldung über angebliche Reformen in der Reichs- finanzverwaltung in Hessen und Hessen-Nassau verbreitet. Danach soll (vgl. Gieß. Anz. Nr. 263 vom 8. Nov.) geplant sein, in Frankfurt a. M. ein neues Landesfinanzamt für Hessen und Hessen- Nassau aus den jetzigen Landesfinanzämtern Darmstadt und Kassel zu bilden, ferner soll nach jener Kasseler Meldung die Frage geprüft werden, „ob die jetzt in Marburg und Gießen bestehenden Häuptzollämter künftig nicht von einer Hand geleitet werden könnten, d. h. ob entweder das Amt in Gießen, oder das in Marburg aufgelöst werden könne". Aus dieser Darstellung des Kasseler Blattes muß der Schluß gezogen werden, daß unter Umständen Gefahr für den Fortbe - ftanb des H a u p t z o 11 a m t e s Gießen be- l)ie Bedeutung des Hauptzollamts Gießen für den Gießener Wirtschaftsbezirk und für ganz Oberhessen erkennt man bei einem Einblick in den Tä- tigteitsbereid) des Amtes. Das Arbeitsgebiet dieser Behörde umfaßt die gesamte Provinz Oberhessen mit 3288 Quadratkilometer und 328 490 Einwohnern in vier Städten und 430 Gemeinden. Dem Hauptzollamt Gießen sind die Zollämter Friedberg, Lauterbach, Bad-Nauheim, Nidda und Gießen- Bahnhof, die Bezirkszollkommissare in Gießen, Friedberg, Lauterbach und Nidda, sowie die Zoll- aufsichtsstellen in Gießen, Butzbach, Friedberg, Bad-Nauheim, Vilbel, Lich, Hungen, Nidda, Büdingen, Lauterbach, Herbstein, Alsfeld und Grünberg unterstellt. Beim Hauvtzollamt in Gießen werden 23 Beamte, bei den Unterstellen 35 Beamte, ferner beim Hauptzollamt ständig noch zwei An- gefteUte und zwei Arbeiter beschäftigt. Im Bezirk des Hauptzollamts Gießen befinden sich an wichtigen Betrieben, die der Steueraufsicht unterliegen: 40 Brennereien, darunter 25 landwirtschaftliche Kartoffelbrennereien und eine gewerbliche Großbrennerei, 7 Brauereien, 56 Zigarren- und Rauchtabakfabriken, darunter 4 mit mehr als je 100 Arbeitern, außerdem 26 nicht sechständige Werkmeisterbetriebe, in denen Zigarren hergestellt werden, mit einer jährlichen Produktion von insgesamt rund 175 Millionen Zigarren, 25 Steuerlager jur Zigarren, eine Rübenzuckerfabrik in Friedberg und vier Essigfabriken. Diese Auszählung enthält nur die wichtigsten Betriebe des Amtsbezirks. Außerdem sind im Bezirke des Hauptzollamts Gießen noch vorhanden: rerxfT CRIfMT der unsterbliche Teppich lleberschuh- Reparaiuren Frankfurt. Str. 84 (Laden). 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Wenn es ihm auch gelungen war, die Bekanntschaft der Bremerschen Damen zu machen, und beide durch seine geschickte und schmeichlerische Art zu gewinnen — dem Kommerzienrat gegenüber würde er vielleicht einen schweren Stand gehabt haben, denn diesem klarblickenden Manne wäre es wirklich nicht verborgen geblieben, wie die Ivarsenschen Fabriken seit dem Tode des alten Ivarsen heruntergewirtschaftet waren. Auch über das Privatleben des Bewerbers hätte sich der alte Bremer vermutlich sehr genau erkundigt. Äurx, allerlei Schwierigkeiten hätten ihm noch im Wege gestanden. All das war nun mit dieser Todesnachricht gelöst worden, lind so wurde es Axel fast schwer, seinem Gesicht den notwendigen Ausdruck der Teilnahme und des Kummers zu geben. Er muhte die ganze Kraft seiner Berstellungskunst aufbieten, . als er sich nun wieder den Damen zu- wandte, die sich schluchzend umschlungen hielten. Ehrerbietig beugte er sich über die Hand der Frau Kommerzienrat. „Gestatten Sie mir, gnädige Frau, Ihnen mein aufrichtigstes Beileid auszusprechen", sagte _ er gedämpft, „und auch Ihnen, mein gnädig^ Fräulein. Bei allem Mitfühlen des schweren Verlustes, den Sie erlitten haben, empfinde ich es als eine Gnade des Geschickes, daß ich in diesem schweren Augenblick bei Ihnen weilen darf. Der Gedanke, daß Sie diese Hiobsnachricht gcmz allein erhalten hätten, daß niemand in_ diesem Moment an Ihrer Seite gewesen, wäre für mich entsetzlich. Verfügen Sie über mich wie über einen Sohn, gnädige Frau. Ich möchte alles tun, um Ihnen abzunehmen, Was irgendmöglich ist. Haben Sie beide doch genug an dem unerwarteten Schlag zu tragen, der über Sie hereingebrochen ist." Frau Melanie sah den vor ihr Stehenden dankbar an. „Sie sind ein guter Mensch, Herr Ivar- sen. Wir nehmen Ihre Hilfe dankbar an — nicht wahr, meine Hiltrud?'' Vorgekühlie Vollmilch täglich 60 bis 80 Liter, sind abzugeben. Zu erfragen in der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers. »sod drückt. In der im Todeskrampfe zusammengekrallten Faust hielt der Verstorbene noch jenen unheilvollen Brief, in dem ein Unbekannter von ihm die Zahlung hoher Spielschulden forderte, die Hans Egon von Stübben gemacht hatte. Eine halbe Stunde später flog eine Depesche mit der Todesbotschaft zu Frau Melanie Bremer, die nichtsahnend mit Hiltrud in G... weilte. Tie Äachricht traf sie gerade, als sich die beiden Damen zu einer Dampferpartie fertigmachten und an der auch der zurückgekehrte Axel Ivarsen teilnehmen wollte. Jetzt wartete er bereits in dem kleinen Salon, der zu den Appartements der Damen Bremer gehörte. Auf dem Tische lagen zwei herrliche Sträuße, der eine aus mattgelben Aelken für Frau Melanie, der andere aus zartrosa Rosen für Hiltrud bestimmt. Axel Ivarsen ging in dem kleinen Salon unruhig auf und ab. Er hatte die Damen Bremer seit seiner Rückkehr von seiner Geschäftsreise noch nicht gesehen. Aber es war ihm berichtet worden, daß Olaf Erikson unvermutet aufgetaucht war. Das erfüllte ihn mit geheimer Angst. Was konnte Erikson hier gewollt haben? So viel war Axel klar geworden, daß sich etwas zwischen Olaf und Hiltrud abgespielt haben muhte. Zu offensichtlich war damals Olafs Verlegenheit gewesen, als er ihn an den Tisch der Bremerschen Damen führen muhte. Zu betont auch Hiltruds Ablehnung. Es muhte sich während Olafs Aufenthalt als Gast auf Bremerschloh irgend etwas ereignet haben, was zu dieser Spannung zwischen ihm und den Bremerschen Damen Veranlassung gegeben. Aber, Axel wuhte das aus seinen vielfachen Erfahrungen mit Frauen, gerade solche Spannungen lösten sich oft und unerwartet in Freundschaft und Liebe. Das muhte um jeden Preis verhindert werden. Wenn es ihm jetzt nicht gelang, durch eine reiche Verlobung sich zu rangieren, dann war die Geduld seiner zahlreichen Gläubiger für immer zu Ende. Seine kurze Reise jetzt hatte ja nichts anderem gedient, als diese Gläubiger noch einmal mit dem Hinweis auf seine bevorstehende Verlobung mit der reichen Stieftochter des Kommerzienrats Bremer zum Stillhalten zu bewegen. Schwer genug war es gewesen. Und nun sollte ihm vielleicht dieser verhaßte Erikson in die Quere kommen? In seine Gedanken hinein ertönte ein lauter Aufschrei von drinnen. Erschreckt lauschte er. Die Tür zum Nebenzimmer wurde aufgerissen — mit kreideweißem Gesicht erschien Frau Melanie. Ärmel Hände Werk Roman von Klothilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Feuchtwange'-. Halle (Saale) 14 ixorticRung Nachdruck verboten Kommerzienrat Bremer stand in seinem Ankleidezimmer und machte sich zur Fahrt in die nahegelegene Kreisstadt bereit. Es war ein glühend heißer Tag. Der Kommerzienrat hatte von früh an ohne Unterbrechung bis zur Mittagsstunde gearbeitet, ohne sich einen Augenblick Atempause zu gönnen. Es waren ein paar Bestellungen auf Motoren eingelausen, die eine eilige Kalkulation und Beantwortung verlangt hatten, dazu die notwendigen Werkkonferenzen — nun fühlte er sich eigentümlich ermattet. Gern hätte er sich eine halbe Stunde Ruhe gegönnt, aber es war höchste Zeit, wollte er den Zug noch erreichen. Hatte er sich doch für den Rachmittag bei dem Professor der Universität in der Stadt angemeldet, und auch bei seinem alten Iustizrat, mit dem er eine Aenderung des Testamentes zugunsten von Kurt besprechen wollte. Franz, der Diener, hatte ihm vorsorglich alles zurechtgelegt und half seinem Herrn nun umsichtig und geschickt. Schon stand Kommerzienrat Bremer fertig in einem leichten sommerlichen Anzuge, warf noch einen letzten Blick in den Spiegel und wollte gerade die Aktenmappe mit den für den Iustizrat notwendigen Dokumenten ergreifen, als es klopfte. Das Hausmädchen brachte einen dringenden Eilbrief herein. Bremer warf einen Blick darauf: es war eine unbekannte Handschrift. Er öffnete — las — seine Augen bekamen einen starren Blick, quollen vor, ein gurgelnder Laut kam aus seinem Munde. Franz, der nebenan die Schränke schloß, fuhr erschreckt herum — er sah seinen Herrn wanken. Ehe er noch entsetzt zuspringen konnte, fiel Bremer schwer, w'e von einem Axthieb gefällt, mit einem krachenden Geräusch zu Boden. Wenige Minuten später war der Herr des Dremerwerks, von den Händen der erschütterten Hausangestellten gehoben, auf dem Diwan des Ankleidezimmers gebettet. Das unten wartende Auto jagte in die Stadt zum Arzt, ein Diener rannte hinüber zum Prokuristen im Bremerwerk. Als der Arzt nach wenigen Minuten erschien, war schon alles zu Ende. Degener hatte seinem Herrn mit zitternden Händen die Augen zuge- toer, ans, 50, mit eig. Amv., in Verb, zu treten ? Nur dir. schriftl. Ang. unter 06617 an b. G. A. EDLES PORZELLAN! Der Wunsch jeder Frau! la Tafel-Service, Kaffee- und Mokka-Service in modern, reichen Mustern tti- Massivgold (echt) Nur bestes bayr. 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Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten ober die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Freilag, den 2. Dezember 1932, vormittags 9 Uhr vor dem unterzeichneten Gericht, Zimmer Nr. 101, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen ober zu leisten, auch bie Verpflichtung auferlegt, von bem Besitze ber Sache unb von ben Forberungen, für welche sie aus der Sache abgesonberte Beftiebigung in Anspruch nehmen, bem Konkursverwalter bis zum 25. November 1932 Anzeige zu machen. hessisches Amtsgericht zu Gießen. Hiltrud nickte unter Tränen, unv Fran AekanEtz fuhr klagend fort: »Wir haben ja niemanden, der uns zur Seite steht. Hans Egon ist auf eina längeren Reise mit seinen Freunden, und unser Stiefsohn hat sich immer feindlich gegen mich gestellt. Auch die Angestellten vorn Bremerwerk stehen nur zu ihm und betrachten uns nur als Eindringlinge. Wir werden einen schweren Stand dort haßen." Axel Ivarsen überlegte blitzschnell. — Jetzt war der Augenblick^da, wo er die Frauen überrumpeln mußte. Diese Stimmung der Trauer und Hilflosigkeit mußte ausgenützt werden; sie kam so günstig nicht wieder. „Gnädige Frau", sagte er leise und mit zarter Stimme, »ich stehe unbedingt und mit allem, was in meinen Kräften steht, zu Ihrer Verfügung. Ich habe Sie vorhin gebeten, von meinen Diensten Gebrauch zu machen, als wäre ich ein Sohn von Ihnen. Gnädige Frau, verehrtes Fräulein Hiltrud, es ist vielleicht undelikat, in dieser Stunde von meinen Gefühlen und Wünschen zu sprechen. Aber wiederum läßt mich die heiße Sorge um Ihrer beiden Ergehen alle Bedenken zurückstellen. Cs wird Ihnen nicht verborgen geolieben fein, mit welchen Gefühlen ich Fräulein Hiltrud gegenüberstehe. Wenn Sie mir vergönnen würden, in diesen schweren Tagen an Ihrer Seite zu stehen, nicht wie ein Fremder, sondern wie —" Er zögerte, die Rührung schien ihn zu überwältigen. „Gnädige Frau", fuhr er dann entschlossen fort, „ich hcche die Ehre, Sie um die Hand Ihrer Tochter zu bitten, sofern Fräulein Hiltrud mich ihrer Zuneigung für würdig halt." „Es kommt sehr überraschend. Baron Ivarsen". sagte Frau Melanie scheinbar verwundert und blickte ihre Tochter an. „Hiltrud muh entscheiden." Hiltrud war sehr bleich geworden. Dor ihrem Geiste stand ein blonder, schöner Mann mit einem durchdringenden, klarblauen Blick — ein Schauer ging durch sie — sie muhte vergessen — und sie würde vergessen, wenn sie sich einem anderen zu eigen gegeben. Das war der Weg, jenem anderen , zu zeigen, daß man sich nichts aus feinen schulmeisterlichen Ermahnungen machte, dah man nichts mit ihm zu tun haben wollte, und dah es andere Männer gab, die sie begehrten. „Gnädiges Fräulein", klang die werbende Stimme Ivarsens an ihr Ohr. Seine Augen ruhten mit einem Ausdruck von Verlangen und Unruhe auf ihr. „Ich nehme Ihre Werbung an, Axel", sagte Hiltrud. Sie streckte ihm die Hand entgegen ihr Gesicht war sehr bleich. l Fortsetzung folgt) in brauchen Blut und feste Knochen. Beides geben — ihnen giftfreier Kinrinr Kaiksaft Ulllllr.l Znsatxnabmng, Feleke* 11111U Ul leberlran, Pnansenslfte, Wurmmittel nsw. oec?« Kräuterhaus Jung für BesandhelUpfiege in 6er Schalstraße. 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