Ur. 161 Srühausgabe 182. Jahrgang Dienstag, 12. Juli 1932 Erscheinl täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Sronffurt am Main 11686. Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnitf und Verlag: vrühl'sche Umversilüls Such- und Ztetndruckerei R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Lausanne und die asliierten Kriegsschulden. Besteht ein Vorbehalt über die Ratifizierung der Vereinbarung von Lausanne durch England, Frankreich und Italien? Doch eine Verkoppelung mit den Kriegsschulden? Teutschland an keinem Londerabtommen beteiligt. London, 11. Juli. (TU.) Der „Daily h e r a l b“ halte gemeldet, daß außer dem Lausanner Abkommen vier Geheimverlräge abgeschlossen worden seien, durch die das ganze Abkommen an Wert verliere. Londoner Tages- zeilungen unierslühen die Ansichten des „Daily hcrald" in Leitartikeln. Zu den einzelnen, vom „Daily Herold" erwähnten Geheimabkommen nehmen nunmehr die amtlichen Stellen wie folgt Stellung: 1. Zu dem sogenannten Gentleman-Abkommen, demzufolge England, Frankreich und Italien das Lausanner Abkommen erst ratifizieren sollen, nachdem eine zufriedenstellende Einigung mit Amerika über die Kriegsschuldfrage zustandegekommen ist, wird erklärt, daß Ministerpräsident Macdonatd am Dienstag im Unterhaus hierüber nähere Mitteilungen machen werde. Die Einzelheiten feien etwas verwickelt, so daß der Darlegung Macdonalds nicht vorgegriffcn werden könne. 2. „Daily Herold" hatte behauptet, daß ein Abkommen zwischen England, Frankreich und Ilalien zustandegekommen sei, wonach sich jeder Staat verpflichte, mitAmerikakein Abkommen abzuschließen, das den Interessen der beiden anderen zuwiderlaufe. Die amtlichen Stellen erklären, daß hieran kein wahres wort sei. Die beiden weiteren, vom „Daily Herold" erwähnten Abkommen zwischen England und Frankreich bzw. England und Italien über eine vorläufige Einstellung der Schuldenzahlungen an England sind nach amtlichen englischen Mitteilungen kein Geheimabkommen, sondern sie sind ihrem Inhalte nach bekannt- gegeben worden. * In ausländischen Berichten ist der deutschen Regierung unter st e l l l worden-, daß sie an dem sogenannten Gentleman-Abkommen beteiligt sei bzw. an dessen Zustandekommen mitgewirkt habe. Diese Behauptung entbehrt jeder Begründung. 3m Gegenteil Hot die deutsche Abordnung in Lausanne mit Erfolg den Standpunkt verfochten, daß für Deutschland eine Verquickung von Tributenund Kriegsschulden nicht in Frage komme. Die Franzosen hatten zwar anfangs versucht, eine Klausel in das Lausanner Vertragswert aufzunehmen, wonach dieser Vertrag erst nach einer zufriedenstellenden Regelung der Kriegsschuldenfrage ratifiziert werden sollte. Dieser versuch ist an dem deutschen wider st and gescheitert. An zustän- diger Stelle iy Berlin wird im Zusammenhang mit den eingangs erwähnten Behauptungen erneut darauf hingewiesen, daß Deutschland es unter allen Umständen ablehne, sich in eine europäische Front gegen Amerika drängen zu lassen. Amerika entrüstet. Die Schuldnerfront gegen Washington. Washington, 11.31111 (WTD.) Die Lausanner und Pariser Meldungen, daß trotz aller bisherigen Dementis ein Gentlemen Agreement doch bestehe, erregten hier sehr lebhaften Unwillen und wurden von einigen Parlamentariern als Beweis dafür bezeichnet, daß „Europa sich zu einem gigantischenSchwin- del auf Kosten Amerikas geeinigt habe'. Das Reuyorker Blatt „Herold Tribüne" brachte den vollen Text des geheimen Agreements und meldete, daß Reichskanzler v. P a p e n eine Abschrift erhalten habe, sowie daß er offenbar damit einverstanden wi. daß das Lausanner Abkommen nicht in Kraft trete, ehe sich die amerikanische Regie- ^_uP1r 8U entsprechenden Kürzungen der alliierten Schulden bereit erklärt habe. Außenminister S t i m s o n beschränkte sich in seinem offiziellen Kommentar auf drei Feststellungen: 1. Die Regierung hat keine offizielle DDn bem Gentlemen Agreement. 2. Kein fremder Diplomat hat die Regierung diesbezüglich sondiert. 3. Kein Vertreter der amerikanischen Regierung hat an den Beratungen über das Gentlemen Agreement teilgenommen. 3n amtlichen Kreisen weist man darauf hin, daß die Kriegsschulden Privatschulde n seien, die größtenteils e r st n a ch Kriegs- fi aufgenommen worden seien. Man stettt fest, daß die Regierung der Bereinigten ©temten niemals bindende Versprechen über eine Revision der Kriegsschulden gemacht habe. Senator Shipstead (Minnesota) erklärte, daß eine Zustimmung der amerikanischen Regierung zur Schuldenstreichung an Landesverrat grenzen würde. Gelegentlich des Laval-Besuchs in Amerika sei in den europäischen Hauptstädten behauptet worden, daß Laval mit Hoover ein auf die Streichung von Kriegsschulden und Reparationen hinzielendes Abkommen getroffen habe. Weder das Weihe Haus noch das Staatsdepartement habe diese Behauptung jemals amtlich dementiert. Eine ganze Anzahl von Senatoren soll erneut auf das nachdrücklichste erklärt haben, daß die Vereinigten Staaten schon bei den früheren Schuldenverhandlungen genug Konzessionen gemacht hätten. Dagegen fordert „Rewhvrk Times", daß die Kriegsschuldenfrage im kommenden amerikanischen Wahlkampf überparteilich behandelt wird. Das Blatt hebt hervor, daß gegebenenfalls sogar ein lOpro- zentiger Vergleich besser sei als der Versuch, nicht eintreibbare Schulden zu „folleftieren“. Die Revision der Kriegsschuldenabkommen sei ein dehnbarer Begriff. Die Vereinigten Staaten müßten entweder Europa helfen, sein Haus wieder in Ordnung zu bringen, oder sie müßten darauf gefaßt sein, daß das eigene Haus in katastrophaler Einordnung verbleibt. Scharfe Attacke Churchills. Erste Llnierhausdebatie über Lausanne. London, 11.3uli. (WTD.) Bei der -weiten Lesung der Consolidated-Fund-Dill im älnterhaus heute nachmittag fand eine Debatte über Die finanzielle Seite der Regierungspolitik statt. Sir Stafford Cripps (Arbeiteropposition) betonte, daß die Arbeiteropposition bestimmt, soweit die Lausanner Vereinbarungen in Betracht kommen, den erfolgten Schritten der nationalen britischen Regierung ihre volle Llnterstühung bieten wird. Wir sehen die Regelung als den ersten Schritt zur Beseitigung des Dschungels finanzieller und politischer Tlngerechtigkeiten an, das seinen Tlrsprung im Geiste des Hasses und der Rache hatte, der aus dem Weltkrieg entstand. Wir hoffen, daß die Völker Deutschlands und Frankreichs diese Vorschläge ratifizieren und ihre direkte Billigung der Einleitung einer Politik der Freundschaft mit gegenseitiger Hilfe zwischen diesen beiden großen Rationen geben werden, deren gegenseitige Mißverständnisse früher zu so zahlreichen Schwierigkeiten geführt haben. Churchill, erklärte dann, er könne sich nicht der Zustimmung seines Vorgängers zur Lausanner Regelung anschließen und auch nicht dem anscheinenden Jubel, den dieses Ergebnis verursacht hat. Es scheine ihm, daß es Deutschland sei, das man am ersten von allen zu dem, was stattgefunden habe, beglückwünschen müsse. Innerhalb weniger als 15 Jahren nach dem Weltkriege, betonte Churchill, ist Deutschland völlig befreit worden von allen Lasten, „die furchtbaren Verletzungen wiedergutzumachen, die es feinen Rach- barn zugefügt hat". Deutschland müsse zwar 3 Milliarden Mark zahlen, aber Hitler habe gesagt, daß sie in einigen Monaten nicht mehr als 3 Mark wert sein werden. Dies, so sagte Churchill, sei eine sehr harte Erklärung. Die Anleihen, die England und die Vereinigten Staaten nach dem Kriege in Deutschland hineingesteckt hätten, überträfen bei weitem die Reparationssumme, die Deutschland gezahlt habe. Churchill erinnerte daran, daß unter dem Frie- densvertrag drei große Dampfer von Deutschland ausgehändigt wurden, und dann habe Deutschland Geld geborgt und drei viel bessere gebaut, und diese hätten sofort das Blaue Band des Atlantischen Ozeans errungen. Die Anleihen, mit denen sie aber gebaut wurden, seien einem Moratorium unterworfen, wäh- Oer Reichskanzler das Ergebnis Berlin, 11. Juni (CNB. Funkspruch.) Bei dem angekündigten Empfang der deutschen Presse verbreitete Reichskanzler von Popen sich noch einmal ausführlich über Einzelheiten der Lausanner Konferenz. Er erklärte einleitend, daß es ihm ein Bedürfnis sei, der deutschen Presse in der ersten möglichen Minute die noch notwendigen Aufklä- rungen über die Bedeutung und die Notwendigkeit des in Lausanne erreichten Akkord zu geben. Mit allem Nachdruck unterstrich der Kanzler seinen grundsätzlichen Standpunkt, daß die Entscheidung über eine endgültige Regelung der Reparationsfrage oder ein Scheiternlassen der Konferenz mit allen seinen Folgen einer weiteren Verschärfung der Weltwirtschaftskrise und damit einer weiteren Einengung der Lebensmöglichkeit des deutschen Volkes niemals von innerpolitischen Erwägungen aus getroffen werden konnte. Dafür konnten vielmehr nur Erwägungen maßgebend fein, die die Gesamt- lage des deutschen Volkes betreffen. „Es ist ja nicht so gewesen," fuhr der Reichskanzler fort, „wie das die deutsche Oesfentlichkeit seit langem angenommen hat, als ob wir etwa 100 Meter vor dem Ziele einer Lösung gestanden hätten, die einen glatten Strich durch die doch erst vor zwei Jahren seierlichst gegebene Unterschrift unter den Poungplan mit über 35 Milliarden und einer jährlichen Zahlung von fast zwei Milliarden bedeutete. Gewiß haben die Tatsachen ergeben, daß dieser vor erst zwei Jahren von uns unter- rend die Engländer anderseits nicht in der Lage feien, den neuen Eunard-Dampser zu vollenden, weil sie nicht das Geld erhalten könnten. Alle inneren Schulden Deutschlands, Hypotheken usw. seien in der ursprünglichen Furcht vor der Mark verschwunden, und unter diesen Verhältnissen warte nur die wunderbare Tüchtigkeit Deutschlands aus ein Wiederaufleb en des Handels, um einen riesigen, vielseitigen Ausstieg in der ganzen Welt zu unternehmen. Bestimmt seien die Engländer daher berechtigt, zu fragen, was in Lausanne stattgefunden habe. Er bedauere zu sehen, daß Deutschland noch mehr haben wolle. England sei n i ch t s o g u t aus der Sache her- ausgekommen. Wie gewöhnlich fei es Englands Rolle gewesen, das Opfer zu bringen, und es scheine es äußerst gründlich und froh gebracht zu haben. Bis heute früh habe man annehmen müssen, daß England Europa alle seine Schulden an Reparationen erlassen habe, ohne Rücksicht auf seine Verpflichtungen gegenüber den Vereinigten Staaten. Jetzt heiße es, daß, nachdem der Lausanner Vertrag unterzeichnet worden war, >>in Gen tlemen Agreement erzielt wurde .wonach der Vertrag nichtratifiziert werden soll, bevor die Signatarmächte zu einer Regelung mit ihren eigenen Gläubigern gelangt sind. „Ist das wahr oder nicht?" fragte Churchill. Churchill verwies auf die Bemerkung eines Blattes, wenn der Lausanner Vertrag nicht ratifiziert werde, so würde „streng genommen, eine Rückkehr zum Boungplan stattfinden". Wenn irgend jemand, so rief Churchill laut, glaubt, daß man je in Deutschland zum Voungplan zurückkehren werde, so brauche er besondere ärztliche Behandlung, wenn aber die Regelung in Lausanne abhänge von einer Regelung der englischen Schulden an Amerika und wenn die Ratifizierung bis dahin verzögert werden soll, dann fiele der ganze Lausanner Pakt auf ein viel niedrigeres Riveau. Keine unglücklichere Annäherung an die Schuldenstreichung durch Amerika hätte stattfinden können als durch das in Lausanne angewandte Verfahren. — Bemerkenswerterweise wurde eine Reihe von den Stellen der Rede Churchills, in der er die Lausanner Regelung kritisierte, von den Hinteren konservativen Bänken mitBei- fall ausgenommen. erläutert der presse von Lausanne. fdjriebene Vertrag unerfüllbar ist, aber ebensowenig wie wir mit einem einseitigen Akte die von früheren Regierungen seit 1918 abgegebenen Unterschriften auslöschen können, ebensowenig war dies mit den feierlichen Verpflichtungen möglich, die von den damals regierenden Parteien im Namen des deutschen Volkes eingegangen find. Die heutige Regierung hatte einfach eine Lage zu liquidieren, die von allen früheren Regierungen seit der Unterschrift unter den Versailler Vertrag geschaffen worden ist. Die Frage, ob diese Loge dadurch liquidiert werden kann, daß Deutschland die Gültigkeit feiner Unterschrift in Abrede st e l l t und sich damit gleichsam außerhalb der für Kultur- und Rechtsstaaten geltenden Normen stellt, muß ich mit einem glatten Nein beantworten. Also blieb für ein großes Volk von Selbstachtung nur der Weg von Verhandlungen auf Grund tatsächlich festgestellter Gegebenheiten. Wir glauben, daß wir auf diesem Wege ein Resultat erzielt haben, das allerdings einen sehr großen Fortschritt bedeutet. Der Pakt von Lausanne, fuhr der Reichskanzler v. Papen fort, bedeutet das völlige Ende des Systems der Reparationen, der einseitigen Zahlungen ohne Gegenwert, die Abschwächung der großen Gefahr des Transfers — sie bleibt für private Verpflichtungen noch bestehen — sie bedeutet die Beendigung eines Systems, welches die Weltwirtschaft in ein ungeheures Chaos gestürzt hat. Der Reichskanzler unterstrich weiter, daß die Durchführung der Lösung von Lausanne eine wirtschaftliche Gesundung Deutschlands und der Welt geradezu zur Voraussetzung hat. Rach dem Urteil der Fachleute sei es zweifelhaft, ob es gelingen werde, die Bonds im Betrage von 3 Milliarden zu den vorgeschlagenen Bedingungen in dem vorgeschrie- benen Zeitraum von zwölf Jahren aus dem Weltmarkt untergubringen. Wenn das aber doch gelingen sollte, so bedeutet das: daß Deutschland sein finanzielles und wirtschaftliches Gleichgewicht in jeder Beziehung völlig wiedergewonnen hat. Weiter wies der Reichskanzler darauf hin, daß mit dem Voungplan auch das vielerörterte Kapitel gefallen ist, das sich mit der Sanktionsfrage beschäftigt. Wäre es in Lausanne zu einem Mißerfolg gekommen, so hätten wir doch die Verpflichtungen aus dem Hooverjahr abzuzahlen gehdbt, und zwar zehn Jahre lang 190 Millionen. Diese gesetzliche Verpflichtung wäre bei einem Scheitern der Konferenz ohne weiteres in Kraft getreten. Weiter sei nicht zu übersehen, daß dem Reich mit der Beeendigung des Reparationssystems die volle Souveränität über die Reichsbahn und die Reichsbank wiedergegeben wird. Von den finanziellen Fragen kam der Reichskanzler auch auf die politischen Forde- rungen zu sprechen, deren Verquickung mit dem Reparationsproblem man der deutschen Delegation vorgeworfen habe. Hierzu stellte Reichskanzler v. Papen fest: „Wäre es möglich bewesen bei der letzten internationalen Konferenz, die sich mit der endgültigen Beseitigung des Systems der Reparationen befaßte, nicht auch zugleich die Fragen anzuschneiden, die die moralische Voraussetzung unserer ehemaligen Feinde für die Auferlegung der ganzen Tributbelastung und Diskrimination für Deutschland gewesen ist? Es ist doch selbstverständlich, daß mit den Reparationen auch ihr moralischer vorwand beseitigt werden muh. Auch jede andere zusammengesetzte deutsche Delegation hätte einen solchen versuch machen müssen. Dabei bin ich selbstverständlich mit vielen der Ansicht, daß die Kriegsschuldfrage als solche von der bisherigen historischen Forderung bereits vorangetrieben und für uns in absolut positiver Linie entschieden ist. An sich wäre eine Beseitigung des Artikels 231 nur mit einem völligen Widerruf der Mächte von versaille möglich. Aber es wäre doch ein weiterer Schritt in der Fortnahme der Diskriminationen gewesen, wenn der Artikel 231, wie uns von einer Reihe von Ländern zugesagt worden war, mit Teil VIII als gestrichen zu betrachten wäre. Man weiß, welche Hindernisse dieser Möglichkeit in letzter Stunde entgegengestellt worden sind. Für uns ist mit Fortfall des Teiles VIII auch dieser Artikel gestrichen. Aber es ist in Lausanne doch auch erreicht worden, daß eine der großen Mächte, mit denen wir verhandelt haben, wiederholt und unmißverständlich die Berechtigung des deutschen Standpunktes anerkannt hat. Wenn wir auch nicht in der Lage sind, fuhr Herr von Papen fort, den Inhalt meiner Besprechungen mit d e in englischen Premierminister der Oes- fentlichkeit preiszugeben, so werden Sie doch aus seiner Schlußrede und aus seinem Appell an die Adresse Frankreichs ersehen haben, wie weit in der Tat die Erkenntnis und der Wille fortgeschritten sind, die deutsche Diskrimination auszuräumen. Ich lenke Ihre Aus- merksamkeit in dieser Beziehung auf den Sah der Rede Macdonalds, worin er darauf hinweist, daß alle Völker bestrebt fein müssen, zu solchen politischen und moralischen Bezi^ungen zu kommen, die das politische Kapitel des Krieges für Deutschland und Europa endgültig abschließen. Der Kanzler gab seiner Lieberzeugung Ausdruck, daß auf Grund dieser Annäherung auch auf dem Gebiete der Gleichheit der Rechte.in der Wehrfrage in Gens Resultate erzielt werden können, die im Interesse der deutschen Ration unter allen ilmftänöen erzielt werden müssen. Es sei klar, daß das Ergebnis von Lausanne, das in der Presse der Welt als ein Strich unter das Kapitel des Krieges und als Beginn einer neuen Aera anerkannt wird, in Deutschland durch die politische Verwirrung des Wahlkampfes start verzerrt wird. Der Kanzler schloß seine Ausführungen folgendermaßen: Wir werden abwarten, welche Wirkung die Beseitigung des Reparationssystems auf die Besserung der Dettwirtschaftstage ausüben wird, wir können heute nur ab- schähen, inwieweit dieses Ergebnis der Besserung der deutschen Lage, der Wiederherstellung unseres Kredites und, was doch nie zu übersetzen ist, der Aufrechterhaltung der Währung, die nur im Gesamtrahmen der Weltwirtschaft möglich ist, dienen wird. Darüber hinaus hat dieser Pakt unsere Beziehungen zu den anderen großen Nationen in erheblichem Maße gebessert, von dem Maße, in dem diese Dinge sich in der allernächsten Zukunft auswirken werden, un- Die Heimkehr der deutschen Delegation. "Z< rM w» ■?> .$-K>ä 5$ <-4; WML M ■ WN . WW fciS'i r- UGM In der Mitte: Reichskanzler v. Popen wird von dem Reichsinnenminister Frhrn. v. (3a t) I begrüßt. Zwischen beiden Wirtschoftsminister Prof. Warm bald. Links: Ministerialdirektor Gauß. kerslühl von Maßnahmen, die die Reichsregierung nun im Inneren unverzüglich von sich aus ergreifen m i r d, um das moralische Ergebnis des Lausanner Vertrages auf die deutsche wirtschaft zu übertragen, wird es abhängen, ob unsere Unterschrift im Interesse des deutschen Volkes richtig gewesen ist oder nicht. Das Reichskabinett ist einstimmig der Ansicht, daß kein anderecweghat beschritten werden können. Neuer und alter Zahlungsmodus. Minister Warmbold stellt Pergleiche an. Im Anschluß an die Ausführungen des Reichskanzlers erläuterte Reichswirtschaftsminister Prof. Warmbold die wirtschaftlichen Auswirkungen des Lausanner Abkommens. Der Minister wies einleitend darauf hin, daß die Reichsregierung der gesetzlich ein gegangenen Verpflichtungen gegenüberstand, mit 10 Annuitäten von je 19Ö Millionen Mark ab 1. Juli 1933 das S) o o = v er Moratorium abzujösen. Diese unbedingte Verpflichtung ist durch das Lausanner Abkommen in eine bedingte Verpflichtung umgewandelt worden, die zuvor aber noch eine dreijährige S ch o n f r i st oorsieht und die Emission der bprozentigen Bonds nur dann zuläßt, wenn der deutsche Kredit eine so l ch e Emission tragen kann. Wenn das nicht der Fall sein sollte, wird die Emission auf- geschoben werden, aber nicht über zwölf Jahre hinaus. Bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgegebene Bonds werden verfallen. Zahlenmäßig würde ein Vergleich zwischen den Nachzahlungen aus dem Hooverjahr und den Zahlungen aus dem Lausanner Abkommen etwa folgermaßen aussehen: Angenommen, am 1. Juli 1935 ist eine Emission von 400 Millionen möglich, so würden als erste Belastung am 1. Juli 1936 fünf Prozent Zinsen zuzüglich 1 Prozent Amortisation, das sind 24 Millionen, fällig sein. Nach den Vereinbarungen bei Abschluß des Hooverjahres würden aber bis zum 1. Juli 1936 bereits 465 Millionen fällig werden. Oie Nationalsozialisten lehnen ab. München, 11. Juli. (TU.) In einer nationalsozialistischen Versammlung in Miesbach in Oberbayern sprach Reichstagsabgeordneter Dr. Frick über die politische Lage, wobei er auch seinerseits ausdrücklich erklärte, daß die NSDAP, mit dem Kabinett Papen nichts zu tun habe und sich entschieden dagegen verwahre, für dessen Taten verantwortlich gemacht zu werden. Unter dem stürmischen Beifall der Versammlung betonte Dr. Frick in bezug auf das Ergebnis von Lausanne: „Wir Nationalsozialisten erklären heute schon, daß wir den Wechsel von drei Milliarden, den Herr v. Papen in Lausanne unterzeichnet hat, nich-t einlösen werden." Der Papst Über Lausanne. „Erste Morgendämmerung besserer Tage." Rom, 11. Juli. (TL1.) Nachdem bereits am Samstag der vatikanamtliche .,O s s e r v a t o r e Romano" seine besondere Befriedigung über den Abschluß der Lausanner Konferenz zum Ausdruck gebracht hatte, berührte der Pap st am Sonntag dasselbe Thema in einer Ansprache über die Anerkennung der Tugenden der Gründerin einer Wohlfahrtskongregation in Brescia. Pius XI. sagte u. a.: Wir glauben in dieser Stuüde unserer Pflicht nicht voll nachkommen zu können, wenn wir der göttlichen Güte nicht danken würden für diese ersteMorgendärn- merung besserer Tage, die heute den dunklen Horizont zu färben scheint. Diese Pflicht wird von uns um so tiefer empfunden, als wir selbst die Menschheit aufgefordert haben, sich im Geist der Güte mit Gebeten an Gott zu wenden, um diese Barmherzigkeit zu erlangen, deren Einsehen wir nun z u erkennen glauben, während wir ein immer größeres Bedürfnis für ihr Fortschreiten empfinden. Oer Einsatz der Reichswehr in Ohlau. Berlin, 11.Juli. (WTB.) Heber den Einsatz von Reichswehr bei den Unruhen in Ohlau am 10. Juli teilt das Reichswehrmini st e° r i u m mit, daß der Bürgermeister von Ohlau den Standortsältesten von Breslau um die G e st e l - lung von Patrouillen zur Sammlung der Verletzten in der Stadt gebeten hat. Diesem Ersuchen wurde entsprochen. Ein bewaffneter Zivilist — wie sich später herausstellte, ein Reichsbannermann — leistete hierbei der Aufforderung, stehen zu bleiben und die Waffe abzugeben, nicht Folge. Da es in der Dunkelheit ungewiß war, ob der Mann nicht seinerseits von der Waffe Gebrauch machen würde, wurde auf ihn geschossen. Er erhielt einen Oberschenkelschuß und wurde von der Polizei sofort fe ft genommen. Wie bisher seststeht, ist nur in diesem einen Fall von selten der Soldaten von der Schußwaffe Gebrauch gemacht worden. Ferner sind Soldaten nur a 19 Patrouillen zum Sammeln und Einbringen von Verwundeten verwendet worden. Ein Einsatz gegen eine bestimmte Front oder zu bestimmten Aufträgen ist nicht erfolgt. Einberufung dessteberwachungs- ausfchuffes des Reichstags. Kontroverse zwischen Straßer und Löbe. Berlin, 11. Juli. (ERD.) Von zuständiger Stelle des Reichstags wird folgender Auszug eines zwischen dem Präsidenten des Reichstages und dem Vorsitzenden des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung ausgetauschten Briefwechsels vom heutigen Tage bekanntgegeben: Der Vorsitzende des Ausschusses des Reichstags zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung Straßer (RS.) hat in einem heute hier eingegangenen Schreiben dem Präsidenten des Reichstags Löbe mitgeteilt, daß er es aus verschiedenen Gründen für unnötig halte, den Ausschuß einzuberufen, und zum Schluß wörtlich erklärt: „Lim irgendwelchen Kombinationen vorzubeugen, weise ich darauf hin, daß die Weigerung eines Vorsitzenden, eine Ausschußsitzung anzusetzen, da der Erfolg dieser Ausschuß- sihung von vornherein nach der früher durch Angehörige der jetzt für die Einberufung stimmenden Parteien getroffenen Regelung gleich Rull ist, nicht gleich einer Verhinderung des Ausschußvorsitzenden gedeutet werden kann. Versuche, über denWeg des ältestenMit- g l i e d e s des Ausschusses den Ausschuß einzuberufen, sind verfassungs- und geschäftsordnungswidrig und würde ich dagegen alle mir möglichen Maßnahmen zu treffen gezwungen sein." Präsident Löbe hat darauf erwidert, daß er dieser Auffassung nicht beipflichten könne, und weiter ausgeführt: „Da es ein völlig unhaltbarer Zustand ist, daß der wichtigste Ausschuß des Reichstags, der die Rechte der Volksvertretung in der parlamentslosen Zeit wahrnehmen soll, einfach außer Kraft gesetzt wird, weil der Vorsitzende ihn nicht einberuft, habe ich, da ein Stellvertreter zur Zeit nicht vorhanden ist, das an Jahren älteste Mitglied ersucht, die Einberufung zu veranlassen. — Och werde den Herrn bitten, auf die Tagesordnung der Sitzung auch den Antrag des Herrn Abgeordneten Dr. Pfleger (D. Vp.): „Abberufung des Vorsitzenden und Wahl eines neuen Vorsitzendem zu setzen. Auf Grund des Ersuchens des Reichstagspräsidenten Lpbe hat der Abg. Heimann (Soz.), das älteste Mitglied des Äeberwachungsaus- schusses des Reichstags, den Ausschuß zum 2 2. 3uIi um 15 LIhr einberufen. DieKoalitionsgesprä'che in Hessen Ein Zweimänncrkolegium Werner-ttirnverger? Bingen, 11. Juli. (WSR.) Die „Mittelrhei- nische Volkszeitung", ein führendes Zentrumsorgan in Hessen, schreibt zu den Koalitionsverhandlungen: Langwierige Verhandlungen haben nicht stattgefunden, doch traf man s i ch zu Besprechungen, bei denen eine gründ- sähliche Einigung über die Möglichkeit einer Koalition herbeigeführt wurde, bei der die R a - tionalsozialisten und das Zentrum je einen 2H i n i ft e r stellen. Die Aemter sollen so verteilt werden, daß der Rationalsozialist Werner Staatspräsident wird und 3 n ne n- und Kultusmini st erium verwaltet, während der Zentrumsmann Kirnberger Finanz-, 3 u ft i 3 - und Teile des früheren Arbeitsmini st erums übernehmen soll. Wir glauben, daß das Zentrum nur dann in eine solche Koalition einwilligen kann, wenn über die Ausübung der Polizeimacht und über die kulturellen Absichten der Rationalsozialisten hinreichende Klarheit besteht und bindende Abmachungen getroffen worden sind. Die Pläne -es Reichskabinetis. Noch vor den Wahlen eine neue Notverordnung. Berlin, 11.3u(i. (ERB.) Wie wir erfahren, ist nun auch Reichsaußenminister Freiherr von Reurath wieder in Berlin eingetroffen. Er war von Lausanne zunächst nach Genf gefahren, um an der Tagung des Völkerbundsrates telhu-' nehmen, die die Weltwlrtschaftskonferen; vorbereiten sollte. Diese Tagung ist aber verschoben worden, und so konnte der Reichsaußenminister bereits heute nachmittag an einer Sitzung des Reichskabinetts teilnehmen. Sie hatte im wesentlichen den Zweck, daß der Reichsinnenminister den Reichskanzler und die übrigen Mitglieder des Kabinetts, die in den letzten Wochen nicht in Berlin waren, über die letzte innenpolitische Entwicklung orientierte. Die nächste Kabinettssihung findet morgen nachmittag statt, und zwar beginnt damit d i e Beratung des Aufbauprogramms, die hier schon am Samstag angekündigt wurde. Sie wird auch am Mittwoch bis zur Abreise des Kanzlers nach Reudeck fortgeführt und sogleich nach seiner Rückkehr wieder ausgenommen werden. Es ist selbstverständlich, daß der Kanzler den Reichspräsidenten neben der Berichterstattung über Lausanne auch bereits in großen Zügen über diese Pläne der Reichsregierung unterrichten wird. 3n unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß die Arbeiten des Reichskabinetts so gefördert werden können, daß noch im Laufe dieses Monats — also vor den Dahlen — die neue Rotverordnung mit dem Aufbauprogramm erlassen wird. Die Hauptvorlagen sind bereits ausgearbeitet, so daß das Kabinett am morgigen Dienstag sofort in die praktische Beratung eintreten kann. Kommen die Dinge in dieser Art vorwärts, dann werden die Ministerien bereits im August an die Durchführung der neuen Maßnahmen gehen können. Dabei handelt es sich vor allem um drei große Fragenkomplexe: 1. Line Arb ei tsdien st pflicht, die, wie sich schon aus dieser Bezeichnung ergibt, über den Charakter des freiwilligen Arbeitsdienstes hinausgeht und die sich damit den Auffassungen und Wünschen der Rechten zu diesem Problem stärker nähert. 2. Die Heranziehung und Beschästi- gung der jugendlichen Arbeitslosen in dem vor einigen Tagen angedeuteten sportlichen Sinne und 3. die Siedlung, für die jetzt das Reichsernährungsministerium federführend ist. Aus dem Ganzen ergibt sich, daß auch der Rest des Monats für die Reichsregierung überaus arbeitsreich werden wird. 3 m August werden der Kanzler und ein Teil der Minister dann vielleicht für kurze Zeit in Urlaub gehen k ö n - nen, um sich für die Aufgaben vorzubereiten, die nach dem Zusammentritt des neuen Reichstages von Ende August ab an sie herantreten. Das Reisebüro, wie es lacht und weint... Oes Schaliermannes Klage, zu Protokoll genommen von Georg Biesenthal. Danke schön, bitte schön. Blau? Sie glauben, wir machen Montag blau? Wo denken Sie hin! Nie ist bei uns mehr zu tun als gerade Montag. Natürlich: Sonntag hatten unsere Klienten Zeit, die Schwiegermutter saß auf dem Sofa, hatte Geld gezählt, geplant, die Ferienreise bestimmt — heute kommen sie zu uns mit lauter ganz kleinen Zettelchen voller Fragen. Da stehen wir uns gegenüber am Schaltertisch und kommen vom hundertsten ins Tausendste — von der hauptstreckesüber die Nebenlinien auf die Privathahnen und vom Flugzeug über die Eisenbahn zum Autobus. Und sie wollen alles ganz genau wissen — ob es auf der Fahrt von Eger über Weiden nach Regensburg auf allen Stationen auch frische Milch gäbe und wieviel der Eintritt koste ins Stadttheater in Konstanz. „MalcLsine", wirft einer in die Debatte — er will durchaus nach Malcesine. Nun: ich bin selbst weit herumgekommen in der Welt, ich wußte zufällig: Malcäsi'ne liegt am westlichen User de- Gardasees — ist aber weder Dampfer- noch Bahnstation und steht natürlich in keinem Kursbuch — so etwas kommt alle Tage bei uns vor Dann müssen wir oft stundenlang suchen und telephonieren und dicke Bücher wälzen — und der Kunde verliert viel eher die Geduld als unsereiner." „Apropos Kunden: kommt da neulich eine Dame, möchte bitte alle Bahnverbindungen nach Rußland wissen. Gut, ich nenne ihr: über Sebesch—Zilupe, über Indra—Pigossowo, Nigoreloye, mit allen Ab- fahrts- und Ankunftszeiten und allen Vor- und Nachteilen. „Nigoreloye?", sagt sie, „danke schön, jein st i m m t mein Kreuzworträtse l". Dreht sich um und verschwindet. Gestern mar große Aufregung: eine Dame stürzt aus mich zu — ob ich ihr nicht sagen könnte, wohin ihr Mann gefahren sei, so und so sähe er aus, klein und dick, und einen grauen Anzug hätte er angehabt, und er sei weg. Das ganze Reisebüro hat sie in Aufruhr versetzt — aber wir wußten von nichts — ich bitt’ Sie, jetzt in der Reisesaison, wo unzählige Leute täglich zu uns kommen!" „Und mit welchen Wünschen sie kommen, diese Ungezählten! Ein altes Mütterchen will nach einem Ort an der Ostgrenze fahren, sie map da mal vor ein paar Jahrzehnten — und natürlich weiß sie nicht den jetzigen polnischen Namen, sondern nur den damaligen deutschen — aber auch den weiß sie nicht, sie hat ihn vergessen. Nun, da blieb mir weiter nichts übrig: ich mußte ihr aus einem alten Fahrplan sämtliche Orte der fraglichen Gegend vorlesen, bis er ihr wieder einfiel. Zur Entschädigung kann man dann wiedermal lachen: viele Leute sind so furchtbar verwirrt im Reisebüro — da war z. B. ein junges Mädchen, die wollte den Fahrpreis Hamburg—Southampton wissen: „welche Klasse", frage ich — da wird sie ganz rot und flüstert „Unterprima"! Ein anderer wieder erkundigt sich, wann der O-Zug nach Posen in Tirschtiegel ist (!), und ein alter Studienrat fragt an, ob man in Griechenland mit Altgriechisch durchkommt Glauben Sie etwa, daß der Schuhputzer dort aus Pietät in Hexametern mit ihm spricht?" „Im Großen und Ganzen wissen ja die Herren besser Bescheid als die Damen — dafür sind sie auch nervöser und ungeduldiger und stehen da mit der Uhr in der Hand. Viele schnauzen mich an — und wenn ich frage, über welchen Weg sie fahren wollen nach einem bestimmten Reiseziel, dann bekomme ich mehr als einmal die Antwort: „Das geht Sie gar nichts an!" Neulich erkundigte sich ein Herr nach den Zügen nach Paris — ich fragte ihn, welcher Klaffe er reifen will, da schreit er: ich soll mich um meine eigenen Angelegenheiten kümmern. Aber meine Frage war doch wichtig, denn wenn er zweiter Klasse reifen wollte, hätte ich ihm auch den Expreßzug nennen können." „Ein anderer Kunde bestellt zwei Bettplätze Paris—Marseille und will, wir sollen die Ordre brieflich weitergeben, es sei ja noch acht Tage Zeit. Ich sage ihm, daß im ganzen internationalen Reisebetrieb Bettkarten nicht brieflich, sondern nur telegraphisch bestellt werden können — briefliche Ordre ist gar nicht üblich, wir bekommen da keine Antwort. Er aber ist fuchsteufelswild und will sich beschweren und sagt, wir sind Nepper und Geldzieher. Schreiben Sie doch bitte: das kann ich nicht auf mir sitzen lassen." „Und da wir gerade von Beschwerden sprechen — die entstehen meist nach telephonischen Auskünften. Haben Sie mal versucht, jetzt in der Hochsaison mit uns zu telephonieren? Es ist fast immer besetzt, und da zu den Auskunftsstellen verschiedene Unterverbindungen führen, sprechen oft zwei, drei Kunden auf einer Leitung. Keiner ist so vernünftig abzuhängen — und so entsteht ein Wirrwarr der Auskünfte, das naturgemäß immer zu Ärgernissen führt. Ja, neulich habe ich selbst mit angehört, wie ein Kunde von sich aus einem anderen Auskunft gab, bloß damit der aus der Leitung geht — und wäre ich nicht dazwischengefahren, wir wären in einen sehr schlechten Ruf gekommen: denn die Auskünfte waren falsch. Gestern bekam ich einen Brief — da beschwert sich ein Kunde, wir hätten ihm am Telephon gesagt: „Mensch, bleib doch zu Haus e!" Und auch hier wurde als Ursache eine Doppelverbindung festgestellt" „Da haben Sie nun das Reisebüro, wie es lacht und weint. Wissen Sie, ich kann nicht klagen. Ich dachte immer: wir von der Auskunft haben's besonders schwer, aber kürzlich hatte ich mal den Kollegen von der Fahrkartenausgabe zu vertreten — ich sage Ihnen: der hat's auch nicht leicht! Da ist ein Fall, der sich immer wiederholt: der Kunde verlangt eine Fahrkarte da und da hin, und wenn die Fahrkarte fertig ist, zieht er einen Schein aus der Tasche, der zur Ermäßigung berechtigt. Ich denke immer: die Kunden genieren sich, gleich zu sagen, daß sie Fahrpreisermäßigung haben — aber das ist doch ganz unberechtigt — und hält den Betrieb nur auf." „Schreiben Sie bitte: viele Kunden sind gereizt, daß wir nicht garantieren können, ob ihr Platz ein Vorder- oder Rückplatz sein wird. Schreiben Sie: das ist doch ganz unmöglich, die Eisenbahn weiß selbst nicht, wie die Wagen stehen werden, wir können nur oorausbeftimmen, ob es ein Fenster-, Mitteloder Korridorplatz fein wird — und wer sich rechtzeitig seinen Platz besorgt, bekommt ihn eben am Fenster. Die Geschäftsreisenden sind am vernünftigsten, die sehen das ein — aber die Damen, die wollen immer nur Fensterplätze und im Schlafwagen immer nur Unterbetten — und wenn es nach denen ginge, dann dürfte ein Zug nur aus Fensterplätzen und Unterbetten bestehen." * „Kennen Sie eigentlich unsere Statistik? Jeder von uns Auskunftsbeamten hat ein Formular, mit Rubriken für die einzelnen Länder und Landschaften Fragt der Kunde z. B. nach einem Bad im I Schwarzwald, so wird die Rubrik .Schwarzwald' angekreuzt, abend werden die Kreuze addiert — und I so erfährt man die Beliebtheit und Volkstümlichkeit der einzelnen Reiseziele. Gestern z. B. — sehen Sie hier — betrafen 62 Fragen die Ostsee, 34 das Rheinland, 43 den Harz — 30 Kunden fragten nach Bädern in der Tschechoslowakei, 14 nach Italien, 4 noch Belgien usw. Ein Barometer der R e i s e m o d e!" „Und damit sind wir bei der interessantesten Seite unseres Berufes! Wissen Sie: jeden Morgen, wenn ich hier so hinter meinem Schalter sitze und Menschenmengen wogen heran, und alle wollen was wissen und murmeln dumpf durcheinander .Rhabarber, Rhabarber', und sie fragen dies und das, dann sage ich immer zu mir: Junge, sage ich, du bist doch der Portier für das Hotel .Zur ganzen Weit'! Bei mir müssen sie alle vorbei — und ich gebe ihnen die Schlüssel und sage ihnen Bescheid. In den Köpfen dieser Menschen hier spuken tausend Träume von Reisen und Abenteuern, von Ruhe, Glück und Erholung — und wer verhilft ihnen zu diesen Träumen? Ich! Und ich streichle meinen Schaltertisch und sage: .lieber den Globus, Madame? Jawoll — aber Tonfilm: „Fran Lehmanns Töchter^. Der feit gestern im Lichtspielhaus laufende neue Terra-Tonfilm „Frau Lehmanns Töchter" ist eine sommerlich heitere, volksstück- mäßig aufgezogene Geschichte von den drei jungen und heiratsfähigen Töchtern der Portiersfrau Ottilie Lehmann: ihre von den sorgenden Händen der Mutter betreuten, kleinen Liebesschicksale Überschneiden einander in einer Weise, daß die Handlung stets auf der schmalen Grenze zwischen rauher Wirklichkeit und liebenswürdiger Illusion einherläuft und schließlich zur allgemeinen Zufriedenheit mit der Ensemble-Aufnahme von drei glücklichen Paaren endet. Die Regie — ®arl~ Heinz Wolff — hat ihre hübschesten Einfälle und Pointen in der behaglichen Ausmalung des kleinbürgerlichen Milieus, in dem Hansi Riese mit einer halb derben, halb fenti- mentalisch angehauchten Mütterlichkeit das Zepter führt. Von den Töchtern sind die junge Hertha Thiele (hier schon bekannt als „Mädchen in Uniform“) und die neuentdeckte Begabung Else Elster hervorzuheben: von den zugehörigen Kavalieren Kämpers und Heinz Klingen- b e r g. Zu den Schlagertexten von Rosen und Lion schrieb Franz Doelle eine angenehm leichte Musik. -r- Aus der provinzialbauptstadt. Gießen, den 12.3uli 1932. Zehn Gebote für heiße Tage. 1. Stehe früh auf, lüfte zeitig die Betten, und schließe spätestens gegen 7 Hhr die Fenster und Läden. 2. 3m Zimmer lasse Wasser verdunsten in mog- lichst zahlreichen und flachen Gefäßen, und du wirst über die angenehme Kühle erstaunt fein. 3. Bei Spaziergängen trage leichte Kleidung und bei praller Sonnenhitze eine ebensolche Kopfbedeckung. 4. Beim Trinken vermeide alle Hast und kühle dich erst gehörig ab. Das Durstgefühl läßt ganz bedeutend nach, wenn man einen Schluck Wasser so lange im Munde behält, bis es warm geworden ist. 5. Plötzliche kalte Bäder an heißen Sommertagen können den Tod zur Folge haben. Vor- herige Abkühlung des Körpers und schnelle kalte Abreibung der Arme und der Brust ist dringendes Erfordernis. 6. Am Abend nach Untergang der Sonne öffne alle Fenster und Türen und lasse sie während der Nacht möglichst vsfen. Alle übermäßig warmen Decken beim Schlafen sind zu vermeiden. 7. Sei vorsichtig mit Speisen. Unter keinen Umständen dürfen leicht verderbliche Lebensmittel der Sonne ausgesetzt sein. 8. Habe ein besonderes Augenmerk auf den Magen und auf das Wohlbefinden der Säuglinge. Hihwellen haben fast stets größere Säuglingssterblichkeit zur Folge. Die junge Mutter stille ihr Kind nach Möglichkeit selbst. 9. Eingetretene Hitzschläge suche bis zum Eintreffen des Arztes durch Oeffnen der Kleider und Abwaschungen des Kopfes und Körpers mit kaltem Wasser abzudämmen. 10. Gedenke auch der Tiere in dieser heißen 3ah- reszeit. Vieh, insbesondere Pferde und Rindvieh, aber auch die Kleintiere aller Art den Son- nenstruhlen stundenlang auszusetzen und sie womöglich festzubinden, ist eine verabscheuungs- würdige Tierquälerei. Gib deinen Haustieren mehrmals am Tage reines, frisches Trinkwasser! Oer Freiwillige Arbeitsdienst im Bezirk Hessen. WSR. Schon im Mai stand der Bezirk des Landesarbeitsamts Hessen im ganzen Reiche an der Spitze hinsichtlich der genehmigten Maßnahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Inzwischen ist ein weiteres Anwachsen erfolgt das auch heute noch anhält. Die Zahl der im Bezirk Hessen bewilligten Maßnahmen betrug bis 30. Juni 785, wovon 100 beendet sind. Zahlenmäßig standen an der Spitze 250 Maßnahmen der Verkehrsverbesserung, es folgten 220 Maßnahmen zur Hebung der Volksgesundheit, 185 Boden Verbesserungen, 91 Forst- arbeiten usw. Bei diesen Maßnahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes konnten insgesamt 18 063 Arbeiter beschäftigt werden, abzüglich der beendeten find noch 15 7 5 5 inQIrbeit. Die Hälfte davon waren Jugendliche. In Zukunft soll der Prozentsatz an Jugendlichen allerdings aus etwa 30 Prozent beschränkt werden. Die Mindestarbeitszeit betrug 6 bis 7 Stunden, in ländlichen Bezirken durchweg 7 Stunden. Bei weitem an der Spitze im Bezirk Hessen marschiert das ArbeitsamtGießen mit 273 Arbeiten, das sind etwa 30 Prozent des gesamten Bezirks überhaupt. Sehr verdienstvoll arbeitet hier als Dachorganisation das Hessische Heimo t to e r f, das den etwa 4000 Beschäftigten in der Provinz Oberhessen in den einzelnen Ortschaften auch geistige Schulung zukommen läßt. Es folgen der Arbeitsamtsbezirk Kassel mit 92 Arbeiten, Limburg 76, Dillenburg 60, Frankfurt 56, Marburg 43, Mainz 28, Hersfeld 27, Hanau 26, Darmstadt 24, Riederlahnstein 22, Offenbach 20, Wetzlar und Wiesbaden 19, Treysa 14, Fulda 6 und Worms 2 Maßnahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Zahresiagung des DolkShallevereinS. Gestern nachmittag fand im Stadthaus Bergstraße die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung des Volkshallevereins Gießen' statt, zu der, wie üblich, nur die Vereinsmitglieder Zutritt hatten. Ein offizieller Bericht des V-ereinsvorstan- des über den Verlauf der Versammlung war bis jetzt noch nicht zu erreichen. Wir erfahren aber von zuverlässiger Seite, daß der Geschäftsbericht für das Jahr 1931, sowie der Rechnungsabschluß für 1931 glatt genehmigt wurden. Als Rechnungsprüfer wurden wiederum die Stadtratsmitglieder Schmieder und Beckmann bestimmt. Bei der Neuwahl des Vorstandes gab es keine Veränderungen: der Vorstand bleibt in folgender Zusammensetzung weiter bestehen: Vorsitzender Bürgermeister Dr. Hamm, ferner als Stadtratsmitglieder die Herren Th. Schmieder, Leopold Mayer, Philipp Nicolaus, Adolf Kurz, A. Mann und Gg. Beckmann, schließlich als Vertreter der Bürgerschaft die Herren W. Erle, W. Mattern und H. W i n n. Als Gesäftsführer des Volkshallevereins wurde an Stelle des verstorbenen Verwalters dieses Amtes, Verwaltungssekretär Maus, der städtische Bauobersekretär Dern bestimmmt. Im übrigen fand noch die übliche Auslosung von 50 Anteilscheinen zur Rückzahlung statt. Familientag der Matthäusgemeinde im Philosophenwald. Die Matthäusgemeinde beging am Sonn- tag, wie alljährlich, ihren Familientag im Philo- sophenwald. Bei wunderbarem Sommerwetter bat- , .aiele Gemeindemitglieder der Einladung Folge geleiftet, so daß der große Saal sehr gut besetzt war. , Vortragsfolge war außerordentlich reich und abwech lungsooll. Besonders hervorzuheben sind die Sologesänge von Frau Ilse Schmidt-Wissen- d o r s (öopran), Fräulein Kati Drommers- ha us e n (Alt) und Frau Dr. Fischer (Klavier), die sich dankenswerter Weise in den Dienst der Sache gestellt hatten. Nach einem flotten Jnstrumentaloortrag des Mu- ikkrestes des Herrn Allendörfer erfreute Frl. xati Drommershausen mit zwei fein gesungenen Liedern von Händel: „Dank sei dir Herr" und von Beethoven: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre die Zuhörer. Hierauf begrüßte Pfarrer M a h r mit herzlichen Worten die zahlreich erschienenen @e- metnbemifglieber. Er wies in seiner Ansprache dar- r kr-l’H' ro*e gerade heute in den großen Gegen- laglichkeiten, die nicht nur unser Volk in seiner Gesamtheit, sondern auch die einzelnen Familien avs- emanderreißen, die evangelische Gemeinde mit ihren u, ^Anschließenden Kräften eine große Bedeu- n9 habe. Darum gelte es, daß angesichts der immer mehr sich ausbreitenden Gottlosenfront und der damit im Zusammenhang stehenden Kirchenaustritts, bemegung die bewußt evangelischen Gemeindeglieder um so mehr zusammenhielten und sich der großen Aufgaben bewußt blieben, die der evangelischen Ge> meinde in unserer Notzeit in besonderem Maße acftellt seien. Er schloß seine Ansprache, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß auch dieser Fa- muientag in der Matthäusgemeinde neu das Gemeindebewußtsein lebendig mache und stärke. Ein gemeinsamer Choralgesang schloß sich an. rj.<-?frr-x.3lDC*tc ^il der Vortragsfolge war aus- schließlich Instrumentalvorträgen und dem Solo- gefang gewidmet, die in bunter Folge miteinander wechselten. Hier gaben besonders die beiden Damen ausgezeichnete Proben ihres großen Könnens und ernteten reichen Beifall. Zur gleichen Zeit, als diese beiden Teile der Vortragsfolge sich abwickelten, war draußen im Wald die Kinderkirche der Matthäusgemeinde in frohem Spiel und Treiben beieinander, das mit einer Brezelverteilung feinen Abschluß fand. Dann zogen alle Kinder in den Saal ein, und nun begann der dritte Teil der Vortragsfolge, der ausschließlich von der Iugendvereiniaung der Mat- thäusgemeinde bestritten wurde. Nach einigen fröhlich und sauber gelungenen Kanons, bei denen die beiden Iagdkanons besonders gefielen, sprach Pfarr- assjstent K n el l, der Leiter der Jugendarbeit, einige Worte über Sinn und Art dieser Arbeit. Er wies daraus Hin, daß heute kirchliche Jugendarbeit mehr denn je nötig sei, daß es gelte, alle Möglichkeiten, die zu einer echten, frohen und reinen Jugend- gemeinschaft führten (das alte echte Volkslieds der deutsche Volkstanz, frohes Wandern und Spielen) heranzuziehen. Und erst auf dem Boden dieser Ge- meinschast soll dann auch — und das ist der letzte und tiefste Sinn aller kirchlichen Jugendarbeit — das Evangelium und die großen Kräfte einer evangelischen Gemeinde unter der Jugend lebendig werden. Es folgten dann in bunter Folge mehrstimmige Volkslieder, Reigen der Kleinsten, die viel Freude bereiteten, und Volkstänze der Aelteren. Zum Ab- schluß spielten dann die Buben ein Laienspiel: „Spottvogel gegen Schmierfink", bei dem die Darsteller ganz Hervorragendes leisteten und reichen Beifall ernteten. Bei allem, was die Jugend fang, spielte ober tanzte, gefiel die große Zucht und die feste Zusam- mengehörigkeit, und die gespannte Aufmerksamkeit, mit der die Gemeinde allen Darbietungen folgte, bewies, daß die Jugend den rechten Ton getroffen hatte. Mit einem Schluhmarsch fand der sehr anregende und harmonisch verlaufene Familientag sein Ende. •• O be rhe ssen interessiert in 21t- g € n t i n i e n. Die Ankündigung des Derkehrs- bundes Oberhessen, daß er im Lause dieses Sommers eine Reliefkarte von Oberhessen herausgeben werde, hat ihr Echo bis jenseits des Ozeans gesunden. Wie aus einer Postkarte aus Buenos Aires an den Verkehrsbund Oberhessen hervorgeht, hat die „La Plata-Zeitung" in Buenos Aires die Meldung über die Herausgabe der Reliefkarte von Oberhessen den deutschen Landsleuten in Argentinien übermittelt. Daraufhin schreibt Herr Daniel Soemmerring aus Buenos Aires, daß er sich für diese Karte interessiert und um ihre Zusendung bittet Herr Soemmerring bemerkt, er sei zwar Marburger, kenne aber Gießen sehr gut, obwohl er seit mehr wie dreißig Jahren nicht mehr dahin gekommen set Zwar sei die Wirtschaftskrise in Argentinien furchtbar, aber die Karte von Oberhessen möchte er sich doch kaufen. Die Anschaffung wird ihm allerdings trotz der Krise nicht schwer fallen, da voraussichtlich der Anschaffungspreis in bescheidenen Grenzen gehalten sein wird. Für uns Oberhessen ist es sehr erfreulich, daß die Werbearbeit für unsere Provinz ein so weittragendes Echo findet, das hoffentlich auch bei passenden Gelegenheiten die Interessenten zum Besuche unserer landschaftlich schönen Provinz veranlassen wird. ** E i n Achtzigjähriger. Am morgigen Mittwoch, 13. Juli, kann der Schriftsetzer i. R. Michael Kehler, Schiffenberger Weg 7 wohnhaft, in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag begehen. Der alle Herr, der in Eßlingen am Neckar geboren wurde, kam 1892 nach Gießen und hat hier viele Jahre lang in der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange als Schriftsetzer gearbeitet. In weiteren Bevölkerungs- freifen wurde er durch seine Mitwirkung bei der Gründung des Konsumvereins und durch seine langjährige ehrenamtliche Mitarbeit an der Spitze dieses Vereins bekannt. Im Sommer 1929 zog er sich von seinem Beruf als Schriftsetzer in den wohlverdienten Ruhestand zurück. Zur Weihe der Schutz Hütte auf der Theodorsruh wird uns von Rektor i. R. Valentin Müller geschrieben, daß mit dem in dem „Hüttenspruch" genannten Theodor nicht der Forstmann Theodor Heyer gemeint war, sondern hier sollte „ein anderer Theodor" geehrt werden, nämlich der verdienstvolle erste Vorsitzende des Verkehrs- und Derschönerungsoereins, Stadtratsmitglied Theodor Schwieder. Er und Herr Oberforstmeister Nicolaus waren die in dem Gedicht genannten „wackren Bauherrn", deren Lob und Anerkennung der Name der Hütte auf die nachkom,lenden Geschlechter bringen soll. Der „Hüttenspruch" stammt übrigens nicht van mir, sondern, wie ich einleitend bemerkt habe, van einer mir sehr nahestehenden „Waldfrau", die ihn mir zum Dorlesen übergeben hatte: und die dritte Strophe fängt nicht mit „Doch" (ein Druckfehler!), sondern mit dem Wörtchen „Da" an. ** D i e Beschäftigung von Ausländern ist genehmigungspflichtig. Um zu verhindern, daß bei der Stellenbesetzung Ausländer den erwerbslosen deutschen Arbeitern in ungehörigem Maß bevorzugt werden, üben die Landesarbeitsämter eine Kontrolle darüber aus, inwieweit eine solche Stellenbesetzung stattfindet. Will jemand einen Arbeiter, der Ausländer ist, engagieren, so hat er den Meldebcstimmunaen nachzukommen, wenn er sich nicht strafbar machen will. Erst wenn die Genehmigung erteilt ist, was scheinbar meist stattfindet, darf der Arbeitgeber den Stellenlosen einstellen. Heber 6000 K i n de r he i l v e r f a h- ren, davon über 1500 im Jahre 1931, mit einer durchschnittlichen Kur dauer von 40 Tagen führte die Deutsche Angestellten-Krankenkasse in den letzten vier Jahren durch. Die Kasse hat — wie man uns schreibt — ein vorbildlich eingerichtetes Kinderheim im Solbad Frankenhausen am Kyfs- häuser. Die Heilerfolge waren ausgezeichnete. Diese Standeskrankenkasse der Angestellten konnte die Kinderheilfürsorge als freiwillige Leistung neben der Aufrechterhaltung aller anderen Mehrleistungen bieten. Ein günstiger Jahresabschluß ermöglichte es ihr, ab 1. Juli abermalige Dei- tragsermäßigungen für die arbeitslosen Mitglieder, für die Altersrentner, für geringbezahlte Angestellte und in der freiwilligen Familienversicherung zu beschließen. Was gibts Neues in der Medizin? Vernünftige Erholung. - Wirksame Bekämpfung der Rachitis. - Krankheit und Witterungseinflüsse. Von Dr. p. Wölffel. Ferien vom Ich! Gerade zur rechten Zeit wendet sich ein deut- einer medizinischen Zeitschrift an alle Erholungsbedürftigen. Und wer wäre das in dieser aufreibenden Zeit nicht, in diesem Zeitalter der ewig drängenden Sorgen, da man nicht einmal im Schlafe mehr der harten De- laftung vollständig ledig wird? Das Erholungsbedürfnis ist heute für jeden ungeheuer, aber gerade in unseren Tagen liegt, wie von ärztlicher Seite betont wird, eine besondere Gefahr in diesem allgemeinen verzehrenden Verlangen, die Ruhebilanz wieder in Ordnung zu bringen. Deswegen nämlich, weil der Begriff Erholung schon fast stereotyp geworden ist. Es kann sich nicht um eine Erholung schlechthin handeln, es muß vielmehr eine völlige geiftigc und körper- licheHmstimmung ganz abseits von den Alltagsgewohnheiten und den beruflich aufgedrängten Einflüssen erreicht werden. Mit anderen Worten: es muh gaiu radikal zu „Ferien vom eigenen Ich" kommen. Deshalb darf auch das Erholungsprogramm keine auch noch so flüchtige Anlehnung an das Alltagsschema, an das Berufs- mileu enthalten. Der Arzt teilt die Menschen in sechs große Gruppen. Die erste dieser Gruppen, die vorwiegend geistig beschäftigten Siharbei- ter, benötigen in erster Linie lebhafte körperliche Bewegung im Freien. Wandern, Schwimmen und Tummeln sind hier das Gegebene. Der geistige Arbeiter also, der während des Urlaubs in der Stube hocken bliebe und sich etwa mit schwierigen Radiobasteleien befassen wollte, triebe schmählichen Raubbau an seinen Kräften und ließe die wertvollen Wochen der Wiedererneuerung unwiederbringlich nutzlos verstreichen Der vorwiegend körperlich beschäftigte Sitzar- be i t e r wieder also beispielsweise der Schuster, täte sich gesundheitlich einen ganz schlechten Gefallen, wollte er sich die freie Zeit etwa mit Radfahren vertreiben. Diese Kategorie von Menschen muh viel spazierengehen, sonnenbaden und sich, wenn möglich, mit Gartenarbeiten beschäftigen. Ebensowenig kann es gleichgültig sein, welche Maßnahmen die andere große Kategorie, das Heer der Laufarbeiter anwendet, um dem Körperhaushalt eine neue Kraftreserve zu schaffen. Der vorwiegend geistig beschäftigte Laufarbeiter, der im Urlaub vor allem auf Ruhe und Gleichförmigkeit angewiesen ist, darf sich nicht etwa einen anstrengenderen Sport in den Ferienwochen zumuten. Fußball z. B. wäre für ihn Gift in ganz ernstem Sinne. Gerade der geistig beschäftigte Laufarbeiter braucht gänzliche Entspannung, noch mehr sogar als jeder andere. Er sollte deshalb in der Ferienzeit dem Sport am besten völlig fern» bleiben. Sonnenbäder mit viel, viel Ruhe werden ihm am zuträglichsten sein. Dem meist körperlich beschäftigten Laufarbeiter hingegen werden insbesondere Rudern und Gartenarbeit zu empfehlen sein. Dagegen wäre für diese Klasse von Arbeitern das Bergsteigen während des Hrlaubs völlig sinnwidrig und schädlich. Die letzte Kategorie, die Steharbeiter, bedürfen, und zwar sowohl die meist geistig wie die meist körperlich beschäftigten Steharbeiter, einer genau angepahten Ausgleichsgymnastik. Dem Zahnarzt z. D., welcher der ersteren dieser beiden Gruppen beizuzählen ist, würde für die Ferienwochen vor allem Paddeln zu empfehlen sein, während der Tischler, der zu den vorwiegend körperlich beschäftigten Steh- arbeitern gehört, gut tut, fein Erholungs- Programm vorzugsweise auf Wandern und auf körperliche Hebungen im Freien einzustellen. Selbstverständlich muh der Erholungssuchende auch geistig vom Zuhause, vom Kreise der alltäglichen Pflichten loskommen. Menschlich und kameradschaftlich gesehen, mag es eine Freude sein, im Bade Kollegen zu treffen. Wenn diese Kollegen jedoch etwa im Hrlaub zum Objekt werden, mit dem man vom frühen Morgen bis zum späten Abend fachsimpelt, und Berufserfahrungen austauscht, dann hat man sein Geld für die Ferienreise großenteils umsonst ausgegeben, denn für die körperliche und geistige Hmftimmung wird man kaum viel gewonnen haben. Eine Lanze für das Ergosterin. 3n neuester Zeit ist die Zahl der Todesfälle infolge von Rachitis, die in den letzten Jahren erheblich nachgelassen hatte, wieder ausfallend gestiegen. Es sterben zur Zeit wieder mehr Kinder an dieser Krankheit, allerdings nicht unmittelbar sondern mittelbar. Es ist interessant, dah geraoe jetzt ein angesehener deutscher Fachmann eingehend zu der Ergosterin- Frage Stellung nimmt, zu einer Frage, die vor einiger Zeit durch die Veröffentlichungen eines anderen Mediziners eine gewisse Beunruhigung unter den Aerzten hervorgerufen hatte. Bekanntlich entdeckte bereits im Jahre 1926 der Göttinger Forscher Professor Windaus in der Hefe und im Mutterkorn einen Stoff, den man durch Bestrahlung mit ultraviolettem Licht in Vitamin D umwandeln kann. Dieser Stofs ist das Ergosterin. Nachdem es gelungen war, das bestrahlte Ergosterin technisch in größerem Hmfange herzu stellen und es technisch als rein hergestelltes Vitamin dem Heilmittelschatz einzuverleiben, war eine wertvolle Waffe im Kampfe gegen die Rachitis gefunden. (Die Rachitis, englische Krankheit, kommt im Wachstumsstadium des Kindes bekanntlich dann zum Vorschein, wenn das antirachitische Vitamin D fehlt.) Die gesamte Kulturwelt hat sich inzwischen von der ungeheuren Bedeutung des Vitamins D bei der Rachitisbehandlung überzeugen können. Freilich kann es, wie so oft bet neuen Mitteln, durch eine Heberdosierung zu Gefahren kommen. Die Fälle ungünstiger Wirkung lassen sich aber schon deshalb njcht zu Hngunstem des Ergosterins ausleaen, weil sie im Vergleich zu den ungezählten übrigen Fällen, da die Behandlung mit Vitamin D vollen Erfolg brachte, immer nur als Ausnahmefälle angesehen werden können. Inzwischen hat man weit mehr als tausend Fälle sorgsam auf solche ungünstigen Einflüsse hin beobachtet. Diese Beobachtungen sind gänzlich negatiD ausgefallen. Diese Wahrnehmungen aus jüngster Zeit bezeugen völlig eindeutig, daß keinerlei Gefahren vorhanden sind, sobald eben bei der Bemessung der Ditamindosen — Vitamin D barf nur in ganz geringer Menge der Rahrung beigemischt werden — die nötige Vorsicht herrscht. Mit der genauen Bemessung der Ditamingaben dürfte tatsächlich nun jede Veranlassung zu einer Beunruhigung entfallen sein. Oie Blutgefäße im Gommer. Bei der Hntersuchung der Einflüsse von Witterung und Jahreszeit auf den Menschen und bei der Prüfung der Frage, inwieweit diese Einflüsse als Krankheitsfaktoren in Betracht zu ziehen sind, ist man neuerdings auch auf interessante Zusammenhänge zwischen Jahreszeit und Blutgefäßen gekommen. Cs ergab sich, daß bei einer erheblichen Anzahl von Menschen während der Sommermonate die Blutgefäße geweitet sind, so daß die Blutdurchströmung weit schneller und infolgedessen mit betonter Gleichmäßigkeit vonstatten gehen farm. Hingegen wird während der Wintermonate eine Verengerung der Blutgefäße wahrgenommen, woraus sich eine Der- lagfamunq der Blutdurchstr ömung ergibt. Freilich reichen diese Befunde nicht etwa hin, um aus ihnen bestimmte Folgerungen zu ziehen, noch wenigen rechtfertigen sie etwa eine Verallgemeinerung. Hierzu kann schon deswegen keine Veranlassung bestehen, weil sich bei einem nicht geringen Prozentsatz der Menschen der Hebergang von der kälteren zur wärmeren Jahreszeit und der Angleich an tne neue Wetterlage unter oft nicht unwesentlich veränderten Bedingungen vollzieht. Immerhin dürfte das eine schon heute ziemlich einwandfrei feststehen, daß die feinsten Blutgefäße ganz besonders empfänglich für den Wetterwechsel sind und auf die klimatischen und meteorologischen Einwirkungen empfindlich reagieren. Das Stadium der Dlutdruckschwankungen hat gerade in aller- jüngster Zeit besonders ausfälliges Material dafür erbracht, daß die Einflüsse der Witterung auf das Blut besonders stark sind. Man hat ferner gefunden, dah der Organismus nicht etwa erst nach Eintritt der neuen Wetterlage zu reagieren beginnt die veränderten Einflüsse zeigten sich oft bereits stundenlang vor dem Witterungswechsel. Für die Serie der Gesetzmäßigkeiten, in denen die von der Witterung ausgehenden Reize ständig, aber uns unbewußt auf den Organismus eintoir- ten, haben sich neuerdings besonders bedeutsame Unterlagen beibringen lassen. Das Hervortreten von bestimmten Hautkrankheiten zu gewissen Jahreszeiten ist z. B. nur ein ganz kleiner Teilbeweis für das Abhängigkeitsverhältnis der menschlichen Lebensvorgänge vom Raturgeschehen der Wettergestaltung und Wetterveränderung. Man weiß heute, daß für das zeitweise Verschlimmern von Ekzemen, Gürtelrose, Schuppenflechte usw. nicht allein die chemischen Strahlen und nicht allein die Intensität des Lichtes verantwortlich zu machen sind, auch der Windbewegung, den Riederschlägen, dem Luftdruck, der Luftverunreinigung und dergleichen dürfte eine nicht unbedeutende Rolle zutommen. Hnfer ganzes vegetatives System reagiert bei diesen Einflüssen mit. Die krankmachenden Hmstände auf diesem Gebiete sind bis heute freilich erst zu einem Teile geklärt. Zusammenstöße im Kreise Friedberg. WSR. Friedberg, 11. Juli. Arn Sonntag tym es in einigen Ortschaften des Kreises Friedberg zu ernsten Zusammenstößen zwischen -Angehörigen politischer Gruppen. In Holz- Ha u s e n v. d. H. wurden bei einer Schlägerei mehrere Personen schwer verletzt. Das Heberfallkommando muhte die Ruhe wiederberstellen. Auch in Dorheim trugen bei ähnlichen Vorgängen mehrere Personen erhebliche Verletzungen davon. Einweihung eines Kriegerehrenmals in Friedberg. WSR. Friedberg, 11. Juli. Hnter starker Anteilnahme der Bevölkerung wurde am Sonntag das Kriegerehrenmal der Stadt Friedberg feiner Bestimmung übergeben. Dieses schon früper näher beschriebene Kriegerehren- mal befindet sich bekanntlich in einem neuerrichteten Wasserturm, auch Wartturm genannt, und stellt in seiner künstlerischen Ausgestaltung etwas Außergewöhnliches dar. Der Ausbau der Krypta erinnert stark an die Berliner Kriegergedächtnis- ftätte in der Wache am Brandenburger Tor. Den Weiheakt vollzog Bürgermeister Dr. S e h d, der aus der Hand des Erbauers, Baurat Metzger, den Schlüssel zur Gedächtnisstätte entgegennafym. Daten für Dienstag, 12. Inti. 100 o. Chr.: Der römische Feldherr und Staatsmann Gajus Julius Cäsar geb. — 1868: Der Dichter Stefan George in Büdesheim geb. — 1874: Der Dichter Fritz Reuter in Eisenach geft. — 1919: Aufhebung der Blockade gegen Deutschland. Langfristige Wettervoraussage. TBUferungsoorausfage für Rorddeutschland, westlich der Oder, West-, Mittel- und Süddeutschland für die Zeit vom 12. bis 21. Juli 1932. Herausgegeben von der Staat!. Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersage in Frankfurt a. M. Das Witterungsgepräge der nächsten 10 Tage wird in dem Gebiet für das die Voraussagen gelten, zeitlich und räumlich nicht einheitlich, im ganzen genommen aber ziemlich schön sein. Zunächst wird schwüles, wechselnd bewölktes, zu gewittrigen Niederschlägen geneigtes Wetter vorherrschen. Dann werden 1 bis 2 kühlere bewölkte Tge mit zeitweisen Regenfällen kommen, Tage, die aber im ganzen nicht unfreundlich fein werden. Schließlich wird wieder meist schönes, warmes dis sehr warmes, vorwiegend trockenes Wetter eintreten. Von diesem gewissermaßen mittleren Witterungsverlauf ifh ganzen Dorhersagegebiet wird die Witterung in Nordwestdeutschland insofern abweichen, als dort im allge- meinen mit schönerem und trockenerem Wetter zu rechnen ist, während die Gewitter- und Niederschlagsneigung in Süd- und Mitteldeutschland, besonders im nördlichen Vorland der Alpen und Mittelgebirge am größten sein wird. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12-30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenanfträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Wirtschaft. Oer gesunde Kern im Bausparwesen. Es kann einem guten Gedanken nichts Schlimmeres passieren, als das; er in einer Zeit zur Verwirklichung gelangt. in der das Krisengespenst umhergeht und sucht, was es zerstören könnte. Der Vauspargedanke, der in England so segensreiche soziale Werke geschaffen hat, droht in Deutschland diskreditiert zu werden, teils, weil er in falscher, oft in höchst leichtsinniger Weise in Anwendung gebracht worden ist, teils weil die Zeitvcrhältuisfe für seine Durchführung sehr ungünstig waren. Aber das alles beweist doch nur. dah man Fehler begangen hat, nicht dah der G r u n d g c d a n k e s e l b st abwegig oder undurchführbar ist. Die Grundidee des Vausparwescns besteht bekanntlich darin, das) ein Kollektiv von Sparern die Gelder zur Beschaffung von Eigenheimen gemeinsam zusammenspart, und das) der Bau der Eigenheime allmählich, je nach dem Fortschreiten der Spartätigkeit erfolgt. Dabei läßt es sich wohl nicht vermeiden, dah die später Eintretenden zunächst für die zuerst Gekommenen mitsparen. Sie werden dadurch entschädigt,, dah später wieder andere kommen, deren Spargelder dann ihnen zugute kommen. Wie aber, wenn nun plötzlich der Zustrom neuer 'Bausparer ausbleibt und dadurch das ganze Sporsystem mehr und mehr lahmgelegt wird. Wenn schließlich auch die alten Mitglieder der Bausparkassen und selbst diejenigen, die bereits Eigenheime zugeteilt erhalten haben, ihren Verpflichtungen infolge der Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage nicht mehr nachkommen können und mit ihren Einzahlungen im Rückstände bleiben? Das aber ist die Lage, in die das junge deutsche Bausparwesen teils mit, teils ohne Verschulden hineingeraten ist. Vicht etwa nur die Bausparkassen, sondern das ganze Sparwesen durchlebt gegenwärtig eine schwere Krise , die teils auf die Erschütterung des Vertrauens, teils auf das Sinken aller Einkommen zurückzuführen ist. Die alten, wohlfundierten öffentlichen Sparkassen wissen von den Auswirkungen dieser Krise ein Lied zu singen. Hin wieviel härter mußten sie die junge, eben erst in der Entwicklung begriffene deutsche Dausparkassenbewegung treffen. Tatsächlich sind bis jetzt etwa 93 Prozent aller Bausparkassen der Krise zum Opfer gefallen, und auch die übriggcbliebenen haben infolge des Rückgangs der Einzahlungen und des Ausbleibens neuen Mitgliedcrzuzugs mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Trotzdem wird man fest stellen müssen, dah cs sich hier um einen Auslcseprozch handelt, der die faulen und schwachen Gebilde in Massen dahinrafft, die wenigen starken aber in ihrem Lebensnerv nicht treffen wird. Das Eingreifen des Staates, der die Bausparkassen dem Reichsaufsichtsamt für Privatversichcrung unterstellte. hat zwar die Zahl der zusammengcbrochc- nen 'Bausparkassen verinehrt und die Katastrophe beschleunigt, aber auch eine neue Vertrauensbasis für die gesunden und lebenskräftigen Kassen geschaffen. Man kann daher heute feststellen, daß der intakt gebliebene Kern des deutschen Dauspar- wqscns die Krise überstehen wird. Allerdings läßt sich nicht verschweigen, daß der Zusammenbruch so vieler Bausparkassen und die Liquidierung von ein paar hunderttausend Bausparverträgen in den Reihen der Gesamtheit der Dausparer große Beunruhigung hcrvorgerufcn und dadurch auch die lebensfähig gebliebenen Kassen geschädigt haben. Auch diese haben daher das allergrößte Interesse daran, daß zwar nicht die zusammengebrochcncn Bausparkassen, wohl aber die von ihnen abgeschlossenen Bausparverträge in irgendeiner Weise saniert und dadurch in Wirksamkeit erhalten werden. Man müßte zu diesem Zweck die Dausparer der aufgelösten Kassen in die gesunden überführen, natürlich unter entsprechender Acnderung unerfüllbar gewordener Verträge. Sicherlich würden die meisten Bausparer hierdurch, wenn auch unter größeren Opfern und in längerer Zeit, dennoch das Ziel ihres Bausparvertrags, nämlich die Gründung des eigenen Heims erreichen. Dem Bauspargedanken würden hierdurch Zehntausend« erhalten werden können, die ihm andernfalls, wenn ihre Bausparverträge jetzt gegenstandslos werden, für immer verloren gehen werden. Gelingt es dagegen. diese Bausparer unter Sanierung ihrer Verträge den anderen Bausparkassen zuzuführen, so kann sich die Konzentration des Bausparwesens sogar als sehr nützlich erweisen. Das Reichsaufsichtsamt sollte sich nicht länger darauf beschränken, den Abbau des Bausparwesens zu beschleunigen, sondern auch an seinem Wiederaufbau positiv mitarbeiten, damit seine gesunden Bestandteile über die gegenwärtige Katastrophe in bessere Zeiten hinübergerettet werden können. Denn dieser Gedanke hat trotz seiner Vicderlage auch in Deutschland noch eine Zukunft. * 'DieIndexzifferderGrohhandels- preise. Die vom Statistischen Reichsamt für den 6. Juli berechnete Großhandelsindexziffer ist mit 95,9 gegenüber der Vorwoche unverändert. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 92,5 (plus 0,5 Prozent), Kolonialwaren 84,9 (plus 0,1 Prozent), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 86,7 (minus 0,2 Prozent), industrielle Fertigwaren 117,0 (minus 0,2 Prozent). Der Großhandelsindex für Produktionsmittel stellt sich auf 118,1 (minus 0,1 Prozent), der für Konsumgüter auf 116,2 (minus 0,2 Prozent). • D i e Hessische Landcshypotheken- bank, D a r m st a d t. schließt ihr Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 0,19 (0,22) Mill. Mk. ab. Davon werden 0,06 (0,08) für Rückstellungen verwandt, 0,08 (0,08) werden als Dividende von 5 Prozent ausgeschüttet und 0,05 (0,05) vorgetragen. * Besprechungen zwischen Junkers und Henschel in Kassel. Professor Junkers stattete mit einigen Herren der Dessauer Unternehmungen den Henschel-Werken einen Besuch ob. Bei diesem Besuch handelte es sich um eine persönliche Fühlungnahme und um eine Aussprache über prin- zipieUe Fragen. Die Verhandlungen über ein etwaiges Zusammengehen von Henschel und Junkers anläßlich der Reorganisation der Junkers-Betriebe befinden sich noch im ersten Stadium, so daß über deren Ausgang noch nichts mitgeteilt werden könne. 1900 (Liga) — Universität Am Samstagabend war den Gießener Studenten gegen die Liga des VfB. kein Sieg be- schieden. Einen Sieg ihrerseits hatte man wohl auch kaum erwartet. Immerhin fiel die Vicder- lage mit 7:3 etwas hoch aus. Am morgigen Mittwoch treten nun die Studenten gegen die Liga der Spielvereinigung 1900 an. Auch hier dürste der Hniversitätsmannschaft kaum ein Sieg beschieden sein, denn in technischer Hinsicht sind die Blauweißen den Studenten bedeutend überlegen. Ein Ausgleich zu diesem Plus der 1900er könnte bestenfalls erhöhter Eifer sein. Das Ergebnis gegen die Mannschaft der 1900er dürfte den tatsächlichen Kraftverhältnissen nach nicht viel anders lauten, als das Ergebnis des Samstags. Oie Ergebnffie der Zrauen-Bezirksmeisterschasten. Frauen. 100 Meter: 1. Hadler, Hessen-Preußen, Kassel, 12,9: 2. Hablitz, 1900, 14,6; 3. Vickel. 1900, 15.0. 200 Meter: 1. Hadler , H.-Pr., 27,1; 2. Crede, H.-Pr., 29,9; 3. Hublitz, 1900 (gestürzt). 8 0 0 Meter: 1. ©tret), H.-Pr., 2,42; 2. Etzelmüller, 1900, 2,46. Kugelstoßen: 1. E. Wolf, H.-Pr., 8,29; 2. Luh. 1900, 8,18; 3. Loschen, H.-Pr., 7,30 Met. Weitsprung: 1. Hadler, H.-Pr., 4,72; 2. Leschen. H.-Pr., 4,37; 3. Streß, H.-Pr., 4,26 Met. Diskuswerfen: 1. E. Wolf, H.-P., 25,66; 2. Luh. 1900, 23,93; 3. Vickel, 1900, 22,28. Hochsprung: 1. Leschin, H.-Pr., 1,30; 2. E. Richtberg. 1900, 1,25; 3. Wegfarth. H.-Pr., 1,25 Meter, durch Stechen entschieden. Speerwerfen: 1. Schilling, H.-Pr, 25,70; 2. Loschen, H.°Pr., 21,04; 3. Vickel, 1900, 19,65 Meter. 4 X 100 - Meter - Staffel: 1. Hessen- Preußen, Kassel I., 55,2; 2. H.-Pr. 11. 57,6; 3. 1900 Gießen i. 59,5; 4. 1900 Gießen II 60. Mädchen Klasse A (Jahrgang 1915/1916). Dreikampf: 1. Wegfahrt, H.-Pr., 79; 2. Lösch 1900 59; 3. Guth 1900 44; 4. Döckenhauer, H -Pr., 44 Punkte. 4x100 -Meter-Staffel: Hessen-Preußen, Kassel, 1900 Gießen 59,9. Totes Rennen. 100 Meter: 1. Guth, 1900, 15,1; 2. Lösch, 1900, 15,6 ; 3. Leinlos, H.-Pr., 16,2. Mädchenklasse B (1917/1918). Dreikampf: 1. Göbel, H.-Pr., 81; 2. Lippert, 1900, 66; 3. Wilhelm, H.-Pr., 59; 4. Stic- gel, H.°Pr.. 49 Punkto. 100 Meter: 1. Göbel, H.-Pr., 14,8; 2. Lippert, 1900, 15,1; 3. Ruppel, H.-Pr., 15,1. 4 X 1 0 0 - Meter - Staffel: 1. Hessen- Preußen, Kassel, 58,1; 2. 1900 Gießen 60. Allen bisher erschienenen anderslautenden Mitteilungen stehen sowohl die Junkers-Werke, als auch die Henschel-Werke fern. Die Aussprache hat ergeben, daß eine beschleunigte Weiterführung der Verhandlungen beiderseits als zweckmäßig erachtet wird. Für weitere Aussprachen u. a. über gemeinsam interessierende technische Fragen, ist ein Gegenbesuch in Dessau in Aussicht genommen. frankfurter Abendbörse sehr still. Frankfurt a. M., 11. Juli. Das Fehlen jeglicher Anregungen ließ die Abendbörse in äußerst st i l l e r Haltung verkehren. Nach wie vor wird der Ordermangel als sehr geschäftshemmend emp- sunden, wozu noch die starke Zurückhaltung der Kulisse im Hinblick auf die innerpolitischen Verhältnisse beiträgt. Boi sehr geringen Umsätzen eröffneten I. G. Farben und Reichsbank gegen den Berliner Schluß bis zu 0,75 v. H. niedriger. Im übrigen waren die Kurse knapp behauptet. Im Verlaufe hielt die Geschäftsstille an, doch zeigten die Kurse keine Veränderungen, mit Ausnahme von Reichsbank, die weiter abbröckelten. Am Ren - tenmarkt eröffneten Reubesitzanleihe gut behauptet, gingen aber später um 0,30 v. H. zurück. Goldpfandbriefe waren weiter gesucht und nochmals 0,25 v. H. höher. Reichsschuldbuchforderungen in späten Fälligkeiten blieben mit 57—57,25 v. H. behauptet. Altbesitz 44,38, Neubesjtz 5,80—5,50, Schutzgebietsanleche 3 v. H., 6proz. Franks. Hyp. Bank Gold Reihe 1—15, 73, 54proz. do. Liquidation 79,9, 6proz. Rhein. Hyp. Bank Gold Reihe 26—30, 72,75, Reichsbank 127,75—127,39, Gelsen- kirchen 32, Westeregeln 104, Phönix 17, AEG. 26, Schebdeanstalt 136, I. G. Farben 91, Gesfürel 59, Lahmeyer 79, Zellstoff Waldhof 30,5, Nordd. Lloyd 13,90. Mädchenklasse C (1919 und jünger). Dreikampf: 1. Diehl, 1900, 97; 2. Gagel- mann, H.-Pr., 89; 3. Hentze, H.-Pr., 88; 4. Hage- mann, H.-Pr., 86 Punkte. 7 5 Meter: 1. Hagemann, H.-Pr., 11,5; 2. Diehl, 1900, 11,6; 3. Mehlis, H.-Pr., 12. 4 X 75 - Meter - Staffel: 1. H.-Pr., Kassel, 31,5; 2. 1900 Gießen, 32. Dreikampf: 1. Schilling, H.-Pr., 121; 2. Leschen, H.-Pr., 103; 3. Luh, 1900, 62 Punkte. Die Ausreise unserer Olympiakämpfer. Telegramm von Bord der „Europa". Bei strahlendem Sonnenschein und wohl behütet von Commodore Johnson haben die Olhmpia- fahrer am Sonntag ihre Reise nach Los Angeles angetreten. 105 Deutsche, 11 Oesterreicher, 11 Tschechen und 2 Letten machen die Lleberfahrt nach Amerika mit. Roch ist der Abschied in aller Erinnerung. Gleich nach dem Einbooten wurde die Feier mit Ansprachen von Exzellenz Dr. Le- wald, Commodore Johnson und Geheimrat Albert vom Lloyd eröffnet. Eine riesige Menschenmenge hatte sich am Pier eingefundcn. Unter den Anwesenden bemerkte man den früheren deutschen Kronprinzen, der am Sonntagfrüh eingetroffen war, um dem Abschied beizuwohnen. Rachdem sich das Schiff schon in Bewegung gesetzt hatte und die offene See erreicht hatte, machte man es sich in den geräumigen Kabinen bequem. So mancher hatte mit Bangen auf die ersten Anzeichen der Seekrankheit gewartet, aber bei ruhiger See bewegte sich die „Europa" kaum, man fühlte sich wie zu Hause und gab sich mit wonnigen Gefühlen der frischen Seeluft hin. In Southampton gibt es dann eine zweite Begrüßung, wenn die Ruderer des Berliner RC., die in der Vorwoche einen Abstecher nach Henley machten, dort zusteigen. Bei der Abfahrt der ..Europa" hatten sich am Pier Tausende von Zuschauern eingefunden, die dem Schiff begeistert zuwinkten und sich auch noch nicht beruhigten, als das Schiff längst den Augen entschwunden war. OieBerlinerirudereraufder^Europa^ Die deutsche Olympia-Expedition ist jetzt vollständig. In Southampton stiegen als letzte Deutsche die Berliner Ruderer Buhtz, Bötzelen, Sprem- berg, Hoeck, Meyer und Eller mit ihrem Trainer Sullivan an Bord des Olympiadampfers. Europa-Schlußrunde im Daviscup. Deutschland — Italien. Vach dem Sieg gegen England trifft Deutschland in der Schlußrunde der Curopazone im Daviscup vorn 15. bis 17. Juli auf Italien. SJi.-^pont Die deutsche Mannschaft spielt mit Prenn, b. ©ramm, 2 aenecke und Frenz. Von den beiden letzteren kommt Iaenecke als Ersah für die Einzelspiele in Betracht, während Frenz im Votfall im Doppel einspringen soll. Italien hat de Stefani, Palmieri, del Dono und Sertorio nominiert. Kreß nicht mehr bei Rot-Weiß. Der internationale Torhüter Willi Kreß hat seinen schon längst beabsichtigten Austritt beim SC. Rot-Weiß jetzt nun endgültig vollzogen. Wohin Kreß gehen wird, ist zur Zeit noch unbekannt. Man vermutet, daß Kreß einem Klub in Dresden oder Berlin beitreten wird. Bei einem anderen Frankfurter Klub als Rot-Weiß dürfte Kreß nicht bleiben, da diese Vereine wohl kaum durch eine Uebernahme von Kreß das gute Einvernehmen mit Rot-Weiß beeinträchtigen wollen. Oie vierte Etappe der „Tour". Die Tour de France wurde am Montag nach einem Ruhetag in Bordeaux mit der Etappe Bordeaux—Pau, die über 206 Kilometer führte, fortgesetzt. Nach anfangs ruhiger Fahrt glückte dem Belgier Ronße zusammen mit dem französischen Touristen Le Drogo ein Ausreißversuch.. Beide dehnten ihren Vorsprung auf eine Minute aus und erreichten in 6:23:20 das Etappenziel. Im Endspurt siegte der Belgier in vier Längen vor Le Drogo. Die Deutschen Stöpel, Thierbach, Geyer, Um- benhauer und die Touristen Hermann Müller und Olböter wurden mit weiteren 40 Fahrern auf den 12. Platz gesetzt. In der Einzelwertung führt der Franzose L e d u c q weiterhin vor dem Deutschen Stöpel. Kurze Sportnotizen. Ivckeh Rastenberger wurde vom Stall Graditz als Stalljockeh fest verpflichtet. Damit wird eine alte erfolgreiche Verbindung wieder neu ausgenommen. Dr. B a r a n a h, der ungarische Meisterschwimmer, schlug in Veuyork über 100°Meter-Crawl die bekannten Amerikaner Kojacs und Spence. ♦ Einen Riesen - Fußballskandal gab es auch beim Rückspiel zwischen Juventus Turin und Slavia Prag am Sonntag in Turin. Bereits während ihres ganzen Aufenthaltes mußten sich die Tschechen unter polizeilichen Schutz begeben. In der zweiten Halbzeit des Spieles wurde der Slavia-Torwart Planicha von einem Steinwurf getroffen, worauf das Spiel abgebrochen wurde. * Der D FC. Prag errang erneut die Meisterschaft des Deutschen Fußballverbandes in Der Tschechoslowakei. Buntes Allerlei. Oer erste fliegende Schornsteinfeger. Es ist doch etwas Herrliches um Wetten, nament- lich bei 30 Grad im Schatten. Seltsame Ideen kom- men da ans Licht der Hochsommersonne. In London stolziert ein Unterhausmitglied mit der Herzogskrone auf der Glatze durch die Bondstreet. Um einer Wette willen. In Deutschland hatte ein junger Schornstein- fegergehilfe in Dessau am Stammtisch behauptet, daß er der erste fliegende Schornsteinfeger fein werde. Seine Freunde stritten dagegen und behaupteten, man würde ihn in das Flugzeug gar nicht einsteigen lassen, wenn er daherkommt ohne Strümpfe, nur mit Pantoffeln, im schwarzen ruhigen Anzug und Zylinder, das Eisen und den gerollten Besen über der Schulter. Das käme auf den Versuch an, meinte der junge Dachreiter, löste sich ein Flugbillett und begab sich auf den Flugplatz. Der Luftdienft ist ein der Allgemeinheit dienen- des Verkehrsmittel, jedem zugänglich. Die Beamten haben ihre Vorschriften. Darin steht nicht, daß der Flugreisende entsprechende Kleidung anzulegen hat und derjenige von der Beförderung ayszu- schließen ist, dessen Anzug den Vorschriften nicht entspricht. Das Flugzeug dient jedem, der es besonders eilig hat. Generaldirektoren benutzen es, um an wichtigen Konferenzen teilnehmen zu können, Aerzte, um einem Patienten zu helfen. Warum sollte das Flugzeug sich dem Schornsteinfeger versagen, der vielleicht dringend gerufen wurde, um eine verstopfte Esse zu fegen. Der Flugzeugführer hat ein A^nt und keine Meinung. Er hat das 21 m^ den Reifenden schnell und sicher ans Ziel zu bringen, seine Meinung, ob die Reise des einen wichtig, des anderen spleenia ist, muß er für sich behalten. DerSchom- fteinfeger flog und hatte seine Wette gewonnen. Die Leitung des Flugplatzes sowie die Presse wurden rechtzeitig über die Ankunft des schwarzen Gastes unterrichtet. Daher klappte alles. Der erste fliegende Schornsteinfeger wurde freundlich begrüßt, bestaunt und photographiert. Was fehlt ihm noch zu seinem Glück? Kurszettel -er Berliner un- Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H, Lombardzlnsfuß 6 v. H. Jranirut. u. jii. Derhn Schluß- htrd Schluß! Abend- bSrfc Schluß- kurs Schlußk. Illtiag- börse Datum 97. 11.7. 9.7. 117 6% Deutsche iHctdieanieihe d. 192'. — — 60,5 64,75 7% Deutsche Reichsanlethe 6.1929 5)'s% Doung-Anleihe von 1930 . — — 69 — 66,75 65 66 Deutsche Anl.-Ablos.-Schuld mit AuSlos.-Rechten....... 44,5 44.4 44.75 44.9 Desgl. ohne Auslos.-Rechle . . . 8% He>>. Kolli float von 1929 (rückzahlb. 102%)...... 6.1 5,5 57 6,2 _ 52 49 52 Cberheiien Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ....... 37 37 Deutsche Komm. Sammdabl. Sin leihe Serie 1....... 40.5 41 41 41,5 8% tfronff. Hnp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 .... 71 73 7% frranlf. Hnp.-Bank Goldpse. unkündbar 6US 1936 Serie 16 . 4!j% Krankt. Hyp.»Bank CiqiL- Pfandbriefe......... 79.65 79,75 4)■■% Rheinische Hyp.-Banl-Liau Goldpse........... 80 81 8% Pr. LandeSpsandbriesanstali, Pfandbriefe R. 19...... 67 69,5 67.5 68,5 7% Pr. Landeepsandbriesanstalt, Pfandbriefe R. 10 67 4% Oesierreichlsche Goldrenie . . _ 10.13 4,20% Oeslerreichische Silberrente _ 1,1 1.15 _ 4% Ungarische Goldrcnte .... 5.95 6,05 6,05 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 6.75 6,5 6,6 6,75 4';% bctgl. uon 1918..... 5,6 f>% abgeft. Goldmexikaner von 99 5 4,75 5,1 5 4‘.. Türkische Zollanleihe von 1911 3.4 3,4 3,45 3,4 4% Türkische Äagdadbahn-Anleihe l 4% 6eogl Serie 11....... 5% Rumün. vereint,. Rente v. 1903 4H%Rumün.verelnh.Rentev.l913 3,4 3 d 3,45 4.13 3,4 4,1 7.25 3,8 16 4,1 <% Rumänische vereint). Rente . 8)4% 1. Sinaioliet....... 3,8 3.9 16 3,8 16 Frankfun a.M. Berlin Schluß« fünf Schlußt. Abcnd- bflrfc Schluß« kurs Schlußk. Dliilag» bärfc Datum 9.7. 11.7. 9-7. 11.7. Hamburg-Amerika Pate, . . . L 14,25 14,25 13,5 pamburg-Südam. Tampsschif . 0 Hansa Dampfschiff .... . 0 — — — Norddeutscher Lloyd .... . 6 15,5 13,9 15,9 13,9 A.G. für Verkehrswesen Akt. 28 - 29,5 28,5 Berliner Handelsgesellschaft . 8 88 88,5 89 89 Commerz, und Pnvat-Bank. 7 16 16 16 Darmstädter und Nationalbank 8 18.25 18,25 18,5 18,5 Deutsche Bank und DiSconto-Gesellschast. . . 6 30,5 30,75 30,5 30,75 Dresdner Bank...... 6 18 25 18.25 18.5 18,5 Reichsbank........ 12 128.25 127,4 129.5 128,5 A.E.G........... . 7 26 26 26.5 26,5 Bergmann........ . 9 Sicht. LieserungSgesellschasi. 10 —— _ 65 63.5 Licht und Straft...... 10 77 75 75.5 75 Felten & Guilleaume.... 6';- 40,5 42.5 41 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 9 60.5 59 60,9 59,75 Rheinische Elcktüzllüt . . . . 9 69 Schuckert & Co..... , 11 64.25 — 63.75 63.75 Siemens 8 Halske . . . . . 14 123 - 123,5 121,75 Lahmeyer L Lo.. ..... 12 80,75 79 79 78 Buderus........ . 4 28,75 27.75 28 27,75 Deutsche ErdSI...... . 6 69,75 69,9 68 Gelsenkirchener...... . 8 33,5 32 33,5 33,5 Harvener......... . 0 53 50.5 52 65 50,25 Hoesch Eisen........ . 6 28 27.75 Ilse Bergbau ....... Klöcknerwerke....... 10 . 6 24,75 _ 129 25 129,5 25,4 Köln-Neuessen....... • K — ManneSmann-Röhre« . . . . 6 41 — 41,13 40.13 ManSselder Bergbau .... . 0 14 — 13,13 Oberschlei. Kokswerke . . . . 8 — 34 33.65 Phönix Bergbau . .... 4Vr — 17 16.75 17,5 Rheinische Braunkohlen. . . 10 174 174 173,5 Rheinstahl ........ . c — 49,5 49,4 Jramiuri a. M. Derlin Schluß» kurs Schlußk. Abend- börse Schluß- furt Schlußk Mittag« bSrse Datum 9.7. 11.7. 9.7. 11.7. Rtebeck Montan...... 7,2 — — _ — Bereinigte Stahlwerke . . . . < 14.9 — 14,65 14,5 Otavi Minen......1 6'/, 10 — — 10 Kaliwerke Aschersleben . . . IC 95.5 94 97 93,5 Kaliwerke Westeregeln . . . IC 105,5 104 107 104 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 16 162,5 165 162.5 I. ®. Färben-Industrie . . . 12 93,75 91 94 91,4 Beretn. chem. Industrie Frank- fort a. M......... — — — — Scheideanstalt..... . 10 136 136 — — Goldschmidt........ . O 17,75 18 18,65 19 RütgerSwerke ...... . 6 33.5 32 33 32,25 Metällgesellschaft...... . 6 26.5 25,5 25 25,65 Philipp Holzmann . . . . . Zementwerk Heidelberg. . . Cementwerk Karlstadt. . . . . 8 _ 35,5 35 . 7 38.5 _ . 7 — — Waytz & Freytag..... . 0 3,25 — — — Schultheis Patzenhofer . . . Akn (Allgemeine Shmflfeibe) 15 _ _ 59 58 O 34 345 34,5 34.75 Bemberg......... O 33.5 31,5 32,25 30.4 Zellstoff Waldhof..... 12 29,5 30,5 30,5 Zellstoff Aschaffenburg . . . 6 — 23 25 Dessauer Gas....... . 9 — — 90 82,25 Daimler Motoren..... . O 12.75 12,25 12,25 12,75 Deutsche Linoleum .... . 6 33,25 33 33.9 34 Orenstein & Koppel .... . O 24.5 24,9 Leonhard Tietz...... . 8 55 — 57.5 56,13 SvenSka......... 15 — — — Cbade.......... 182 — 180 178,5 Frankfurter Maschinen . . . . O _ _ Gripner......... . O 17 __ 19,25 20 Mainkraftwerke Höchst a. M.. . 6 51 — Süddeutscher Zucker .... 10 104 — — — Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. Bl. 9 Juli 11.3nfi Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld 1. Ärief Geld Ariel Helslngsor« . 6.354 6.366 6.364 6.376 Wien. . . . 51,91 52,05 51 .95 52.05 Prag . . . 12.465 12.485 12.465 12,485 Budapest . . — — — —- Sofia . . . 3.057 3.063 3 057 3,063 Holland . . 170,13 170,47 170,08 170,42 OSlo. . . . Kopenhagen. 74.38 74,52 74,33 74,47 81.62 81 78 81.37 81,53 Stockholm . 77,07 77.23 76.97 77,13 London. . . 15.06 15.10 15.02 15 06 Buenos Aires 0,938 0.942 0.938 0.942 Neunork . . 4.209 4,217 4,209 4,217 örftlicl . . . 58,50 58,62 58,47 58,59 Italien. . . 21 .48 21.52 21.46 21,50 Pari« . . . 16.525 16.565 16,525 16.565 Schweiz . . 82,02 82,18 81 ,98 82.14 Spanien . . 34.12 34,18 34.07 34,14 Danzig. . . 82.20 82.36 82.17 82,32 Japan . . . Rio de Jan.. 1 .139 1 141 1,139 1,141 0,325 0.327 0.325 0,327 Jugoslawien. Lissabon . . 6.693 6,707 6 693 6,707 13.71 13.73 13.69 13,71 Bantnoten. Berlin, 11. Juli Geld Ärles Amerikanische Noten....... 4.20 4 22 Belgische Noten......... 58,31 58,55 Dänische Noten......... 81,19 81.51 Englische Noten......... 14.98 15.04 Französische Noten........ 16 485 16 545 Holländische Noten........ 169,71 170.39 Italienische Noten........ 21 .43 21,51 Norwegische Noten........ 74,15 74,45 Deutsch-Oesterreich, i 1OO Schilling — Rumänische Noten........ 2.49 2,51 Schwedische Noten........ 76.80 77,10 Schweizer Noten......... 81,80 82,12 Spanische Noten......... 33,93 34,07