Nr. 161 Erstes Blatt 182. Jahrgang Dienstag, 12. Juli 1952 GietzeimAnMger General-Anzeiger für Oberheffen Dnirf und Verlag: vrühl'fche llniver^atr-vuch- und ZteindruSerei H. Lange in Eiehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschei.t und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: firanffurt am Main 11686. Randnoten. Ein Jahr ist seit dem Tag vergangen, an dem im vorigen Sommer d i e neue Krise sichtbar für alle hereinbrach. A m Montug, dem 13. Juli 19 3 1, wurde bekannt, daß die Danatbank ihre Schalter „vorübergehend" geschlossen hätte. Das Reich garantierte die Sicherheit ihrer Einlagen: Trotzdem setzte ein starker Ansturm auf die Kassenschalter aller Geldinstitute ein, die daher am gleichen Tage, am „schwarzen Montag" zur vorübergehenden Schließung ihrer Schalter als Abwehr gegen den Run gezwungen waren. Die Reichsregierung erklärte für die folgenden Wochen Bankfeiertage, während derer nur sehr beschränkte und dann auch nur die allerdringlichsten Auszahlungen geleistet wurden. Dies brachte manche — allerdings kaum vermeidbare — Härten mit sich, hatte doch aber den Erfolg, daß sich in der Zwischenzeit Ruhe und Einsicht fast überall durchsetzen konnten, so daß im August der volle Zahlungsverkehr wieder ausgenommen wurde. Es sind keine schöne Erinnerungen, die jene Zeit wachruft — aber sie gehörte zweifellos zu jenen Perioden der Wirtschaftsgeschichte, die besonders lehrreich sind. Wohl hatte zu der schwierigen Entwicklung im vorigen Jahr das Ausland überragend beigetragen dadurch, daß es in unvernünftiger und überstürzter Weise versuchte, die seit mehreren Jahren zu hohen Zinsen nach Deutschland geliehenen Kredite in kürzester Frist zurückzuziehen. Aber diese unsinnige und schließlich auch gescheiterte Handlungsweise hätte allein noch nicht zu jener Krise geführt, wenn nicht ein Teil des deutschen Publikums gehörig die Nerven verloren hätte. Die große Mehrheit unseres Volkes ließ sich zwar nicht mitreißen durch sie; aber so mancher Bankkunde, so mancher Sparer hob doch im Nahmen des Möglichen Geld ab, obwohl er es gar nicht brauchte. Natürlich sorgen die Geldinstitute von jeher für unerwartete Abhebungen dadurch vor, daß sie sich einen größeren Kassenbestand halten. Im vorigen Sommer konnte aber angesichts der Plötzlichkeit der Abhebungen dieser Vorrat nicht ausreichen. Das meiste den Geldinstituten, insbesondere den Sparkassen anvertraute Geld leiten diese in Form von Krediten weiter an Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, wo sie Ha«- del und Erwerb schaffen. Diejenigen aber, die damals die Schalter stürmten, taten gerade so, als ob ein Geldinstitut nichts weiter tue, als das bei ihm eingezahlte Geld in den Tresor zu stecken. Viele von den damals ängstlich gewordenen Kunden haben inzwischen das Nachteilige ihres Ver- haltens eingesehen und erkannt, daß^ ihre Befürchtungen unberechtigt waren. Allzusehr ließ und läßt man sich z. T. noch heute von den vielen falschen Gerüchten über Inflation, Geldbeschlagnahme und ähnliche Torheiten verwirren. Wie immer schon in schweren Zeiten, so sind auch im vorigen Sommer und Herbst vielfach falsche Gerüchte und Alarmnachrichten in die Welt gesetzt worden. Die Erfahrung zeigt, daß kein Grund vorliegt, sich beunruhigen zu lassen. Die deutsche Mark ist allen Gerüchten zum Trotz stabil geblieben. Sicherer als alle Worte zeigen die zwölf Monate des feit dem 13. Juli vergangenen Jahres, daß kein Grund besteht, von den bisherigen Gewohnheiten im Zahlungs- und Sparverkehr — nämlich alles im Moment entbehrliche Geld elnzuzahlen und nur abzuheben, was wirklich gebraucht wird — abzugehen. * Die Beurteilung des Abkommens von Lausanne fallt naturgemäß ganz verschieden aus, je nachdem, ob man die Erleichterungen ins Auge faßt, die es gegenüber dem TZoungplan für Deutschland bringt, oder ob man nur die neue n Lasten betrachtet, die es uns auferlegt. Als die Konferenzverhandlungen begannen, war der Voung- Plan läng st tot, und niemand dachte im Emst daran, daß Deutschland jemals imstande sein werde, die Zahlungen des Voung- Plans wiederaufzunehmen. Aber rechtlich bestanden seine Verpflichtungen natürlich noch, und erst der Vertrag von Lausanne hat uns endgültig und für immer von dieser ungeheuren Last befreit. Verglichen mit der bisherigen deutschen Repara- tionsschuld wird sich also immer eine sehr bedeutende Entlastun^ergeben. Ganz anders aber sieht das Bild aus, wenn man d i e Lasten ins Auge faßt, die Deutschland auch nachdem Abkommen von Lausanne noch zu tragen hat. Da sind zunächst die Zinszahlungen für dieDawes - und dieVoung-Anleihe sowie die übrigen damit zusammenhängenden Verpflichtungen (belgische Markzahlungen usw.), von denen Deutschland nicht befreit worden ist. Sie werden auf ungefähr 240 Millionen Mark jährlich zu beziffern sein. Hierzu kommen dann noch die auf jährlich etwa 600 Millionen Mark veranschlagten Zinsen für die privaten deutschen Auslandschulden, die ja ebenfalls aufs engste mit den deutschen Reparationsleistungen zusammenhängen. Diese Zinsen sind zwar schon erheblich gesenkt worden, und man wird zweifellos versuchen, noch weitere Zinsermähigungen durchzusehen. Aber die Schuldverpflichtung selbst ist zunächst vorhanden, und kann von der kapitalentblößten deutschen Wirtschaft auch nicht oder jedenfalls nur in sehr langsamem Tempo abgedeckt werden. Seit Mitte 1931 sind schätzungsweise etwa fünf Milliarden Mark deutsche Privat schulden zurückgezahlt worden. Dafür kommt jetzt wieder eine neue Staatsschuld von drei Milliarden Mark hinzu, die zwar nicht sofort und nur unter bestimmten Voraussetzungen bezahlt zu werden braucht, die aber doch eine neue Verpflichtung Deutschlands gegenüber dem Ausland darstellt. Werden die drei Milliarden deutsche Bonds aufgelegt, so ergeben sich dadurch bei fünf- Gegen den latenten Bürgerkrieg. Wird die Reichsregierung zu Gegenmaßnahmen schreiten? Berlin, 12.Juli. (Prio.-Tel.) Der vergangene Sonntag hat dem deutschen Volk neunToteund über 50 Schwerverletzte gekostet. Zum erstenmal seit 1923 muhte die Reichswehr eingreifen, um die Ruhe auf den Straßen wiederherzustellen. Es ist anzunehmen, daß dieser Blutsonntag nur der Auftakt z u weiteren Straßenkämpfen zwischen den radikalen Parteien ist. Eine gewisse Presse hat bereits die Tonart direkter Hetze angeschlagen, wie man sie in den vergangenen Jahren kaum jemals in den letzten Tagen vor der Wahl erlebt hat. Als eine Woche nach der Einsetzung der Regierung Paoen das Uniform- und Demonstrationsoerbot aufgehoben wurde, hat der Reichspräsident in seinem Schreiben an den Reichsinnenminister s ch ä r f st e Maßnahmen angekündigt, falls die Verbotsmilderung m i ß- braucht werden sollte. Unter dem Eindruck der letzten blutigen Vorkommnisse scheint sich die Regierung auf ihre Aufgabe, Hüterin von Ruhe und Ordnung zu sein, besonnen zu haben. Eine Beschränkung des bisher allzu weitherzig gewährten Demonstrationsverbotes steht unmittelbar bevor. Das Reichsinnenministerium beabsichtigt aller- dinas auch jetzt noch nicht, die kommunistische Partei zu verbieten, welche einwandfrei die meisten Angreifer gestellt hat. Die Beratungen im Reichsinnenministerium erstreckten sich darauf, den provinziellen und örtlichen Verwal- tungs- und Polizeibehörden anzuempfehlen, von dem Rechte der Aufmarsch - und Demon- strationsoerweigerung Gebrauch zu machen, wenn ihnen die öffentliche Sicherheit bedroht erscheint. Sollte diese Maßnahme kein Abflauen des latenten Bürgerkrieges zur Folge haben, so ist beabsichtigt, innerhalb der besonders unruhigen Gebiete die „antifaschistischen Kampfblocks" aufzuheben und zeitlich befristete Uniformverbote auszusprechen. Tritt auch dann noch keine Beruhigung ein, so plant der Reichsinnenminister d i e erneute Verhängung eines Reichsuniformoerbote s. Allerdings sind die Meinungen der verschiedenen Kabinettsmitglieder über die Durchführung eines solchen Reichsverbotes noch geteilt. Von einer Verhängung des Ausnahmezustandes glaubt die Regierung auch jetzt noch Abstand nehmen zu können. Schwere Zusammenstöße in Hagenow. Hagenow (Mecklenburg), 11. Juli. (TA.) Am Sonntagabend kam es hier zu schweren Zusammenstößen zwischen der RSDAP., die eine Kriegergefallcnenehrung abhalten wollte und Eiserner Front. Aach polizeilicher Darstellung gab ein Schuß von einem Auto der Eisernen-Front-Anhänger den Auftakt zu einer gewaltigen Schlägerei, in deren Verlauf es fünfzehn Leichtverletzte gab und der Eiserne-Front- Mann Heinke einen Bauchschuß erhielt. Es wurden 30 bis 40 Sozialdemokraten verhaftet, die durchweg aus Bergedorf gekommen waren. Von den Rationalsozialisten wurde der Gauleiter Hildebrandt verhaftet, weil er mit einem Revolver angetroffen wurde, aber nach dem Verhör wieder entlassen. Hildebrandt erklärte, die SPD. wollte nicht nur eine Demonstration, denn sonst hätte man nicht bewaffnetes Hamburger und Lübecker Reichsbanner geholt. Die Hamburger haben schon auf der Fahrt nach Hagenow Terrorakte verübt. Mit dem Reichsbanner tarnen Terrorgruppen der Kommunisten. Die grüne Polizei benahm sich hervorragend. Die vier Mann waren aber zu schwach. Ein Telegramm des Gauleiters an den Reichswehrminister v. Schleicher und den Reichsinnenminister v. Gayl besagt, daß ein wohlvorbereiteter Aeberfall des mecklenburger Reichsbanners etwa 25 zum Teil schwerverletzte nationalsozialistische Opfer gefordert habe. Die Rationalsozialisten seien zur Selbsthilfe entschlossen, wenn nicht die Mordtätigkeit des Reichsbanners verhindert werde. Es wird sofort Einsatz der bewaffneten Macht zum Schuhe der wehrlosen Bevölkerung erwartet. politischer Terror in Hagen. Hagen, 12. 3uli. (TA.) Anläßlich einer Kundgebung der NSDAP, auf der Kuhweide, bei der der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Goebbels sprach, wurden Teilnehmer der /Kundgebung auf den Anmarsch straften von Anhängern der KPD. mehrfach mit Steinen beworfen und verprügelt. Der kommunistische Stadtverordnete Auffenberg wurde wegen Widerstandes und Waffenbesitzes in Haft genommen. Die Kundgebung auf der Kuhweide selbst verlief ohne größere Störungen, obwohl unbekannte Brandstifter den in der Rähe befindlichen Wald in Brand st eckten. Der Feuerwehr gelang es bis Mitternacht noch nicht, den Brand zu löschen. Mehrere Morgen Waldbestand sind bereits vernichtet. Rach der Kundgebung wurden die heimkehrenden Dersammlungsbesucher und auch die sie begleitenden Polizeibeamten be- Eine Erklärung Or. Schachts Der Kampf mit politischem Druckmittel ist beendet. Berlin, 12. Juli. (ERB.) Der frühere Reichsbankpräsident Dr. Hjalmar Schacht setzt sich in der „DAZ." mit dem Lausanner Ergebnis auseinander Selbstverständlich entspreche es nicht unseren Wünschen, dennoch könne kaum jemanddem Reichskanzler v. Papen die Anerkennung versagen, sehr viel erreichtzu h a b-e n. Zu einer wirklichen Gesundung der Welt fei aber erforderlich, daft in absehbarer Zeit auch der Verzicht aus die Begebung der Obligationen ausgesprochen werde. Eine Erholung des deutschen Kredites sei anders nicht denkbar. Die Reichsbank werde auch in Zukunft, angesichts des Problems der privaten Schuldenrückzahlungen. vor den schwierigsten Ausgaben stehen. Ein wesentliches aber sei in Lausanne erreicht: die Ausmerzung des politi- schossen. Zu besonders heftigen Zusammenstößen und Schieftereien kam es in der Iägerstrahe und an der Schwenke. Hier wurde aus den Häusern geschossen, so daft die Polizei gezwungen war, das Feuer zu erwidern. Bisher wurden etwa 20 Verletzte, darunter einige Schwerverletzte, fest- gestellt. Festgenommen wurden insgesamt 13 Personen, die zum größten Teil der KPD. angehören. Auch in Schlesien politische Unruhen. Breslau, 11. Juli. (TU.) In Gnaden frei kam es zu schweren politischen Zusammenstößen. Nationalsozialisten veranstalteten einen Deutschen Tag, während die Reichsbannerleute einen Propagandazug durch das Dorf abhielten. Vor dem Gasthaus „Norddeutscher Hof" und auf der Festwiese kam es dabei zu blutigen Auseinandersetzungen. Auch von mehreren Dächern aus wurde geschossen. Zahlreiche Personen wurden schwer ver- letzt. Ein Motorradfahrer wurde von der Maschine gerissen und mit Messern bearbeitet. Die Maschine war in den Straßengraben geworfen worden, um einen Unfall vorzutäuschen. Ein Molkereilehrling aus Gnadenfrei wurde von Kommunisten übel zugerichtet und mußte in lebensgefährlichem Zustand in das Krankenhaus eingeliefcrt werden. Einer der Täter, der Kommunist Hentschel, der von einem Nationalsozialisten in einer Stube eingeschlossen wurde, verübte dort, ehe die Polizei ihn in Gewahrsam nehmen konnte, Selbstmord, indem er sich an einem Selbstbinder erhängte. Auch in Reichenbach kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen SA.-Leuten und Angehörigen der Eisernen Front. Ein Nationalsozialist wurde schwer verletzt; ferner wurde der nach Langenbielau einrückende Sturm vor Langenbielau beschossen, wobei es 14 Verletzte gab. scheu Druckes auf die Wirtschaft und dieWährung. Dies und das Fallen der Sanktionsklausel habe den Kampf mit politischen Druckmitteln beendet. Während auf dem wirtschaftlichen Gebiet der Kampf der wirtschaftlichen Vernunft beginne, gehe der politische Kampf um die Gleichberechtigung auf anderem Gebiete weiter. Ganz einerlei, welches Schicksal Lausanne im Reichstag erfahren werde, keine zukünftige Verhandlung könne hinter Lausanne zurückbleiben, es könne nur vorwärts gehen. Der Mgdeutsche Orden lehnt ad Scharfe Entschließung siegen Papen. Wie man uns mitteilt, fand in Gießen in Anwesenheit des Ordenskanzlers Ridder eine Führerbesprechung des Jungdeutschen Ordens aus beiden Hessen und Waldeck statt, die sich mit dem immer dringender werdenden Ausbau des FAD als Vorstufe der vom Jung- AeurStimmen zumErgebnisvonLausanne prozentiger Verzinsung und einem Emissionskurs von 90 Prozent jährliche Zinszahlungen von etwa 180 MillionenMark. Zusammen mit der Verzinsung der privaten Schuld und den nicht aufgehobenen staatlichen Zahlungen für Reparationszwecke ergibt sich dann eine jährliche G e s a rn t z a h l u n g von rund 1020 MillionenMark, was sicherlich e i n e s e h r beträchtlicheDelastungist und keineswegs die Behauptung rechtfertigt, daß Deutschland künftig verhältnismäßig schuldenfrei sei. Bemißt man auf Grund dieser laufenden Zahlungsverpflichtungen die deutsche Gesamt- schuld, so wird sie noch immer auf mindestens 20 Milliarden Mark zu bemessen sein, wovon die größere. Hälfte freilich auf die Privatschulden entfällt, die die deutsche Wirtschaft im Zusammenhänge mit den Reparationen im Auslande eingehen mußte. Verglichen mit den 39 Milliarden Mark der früheren Reparationsschuld ist natürlich eine wesentliche Lastenerleichterung eingetreten. Aber im Hinblick auf die außerordentlich stark geschwächte Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wird man auch diese Last für untragbar und revisionsbedürftig erklären müssen. Es kommt noch hinzu, daß Deutschland im Jahre 1935 im Zusammenhänge mA dem Rückkauf der Saarkohlengruben vielleicht noch neue Verpflichtungen wird eingehen müssen. Bis zum Jahre 1935 ist Deutschland andererseits von allen Zahlungen aus der neuen Dreimilliarden-Schuld befreit. Bis dahin erfordert also der deutsche Schuldendienst an das Ausland rund 840 Millionen Mark jährlich. Man wird versuchen, unter Hinweis auf die heute weit niedrigeren Zinssätze am internationalen Geldmarkt, auch diese Zahlungen weiter herabzudrücken. Könnte man einen nur 3prozen- tigen Zinsfuß zugrundelegen — wie er der heutigen Lage entspricht und für die Schuldenliquidation eines zahlungsunfähig gewordenen Schuldners angemessen wäre —, so würde man mit einer 3ahressumme von noch rund 500 Millionen Mark zu rechnen brauchen. Die Reichsregierung wird sich also keineswegs mit dem begnügen, was in Lausenne unter dem Druck der deutschen Zahlungsunfähigkeit erreicht worden ist. Sie wird vielmehr versuchen müssen, auch die deutschen Privatschulden und die noch übrig gebliebenen staatlichen Leistungen Deutschlands aus dem Versailler Vertrage der deutschen Zahlungsfähigkeit an« zupassen. Diese Bemühungen werden aber vor allem von der zinspolitischen Seite her einzusehen haben, denn jede Verbilligung der Zinsen bedeutet mittelbar auch eine Herabsetzung der Schuldsumme. Der deutsche Kampf gegen Kriegsschulden und Reparationen wird mit dem Lausanner Abkommen ganz gehnh nicht beendet sein. „Stiefel Bier!" Wer kennt nicht dieses Gemäß, das in allen Berliner Kutscherkneipen auf dem Schrank hinter der Theke steht, das meist ein bis drei Liter Bier faßt und das der Wirt herunterholt, wenn eine Runde Gäste „einen aus trudelt" ? Das Spießertum einer gewissen Menschenschicht erblickt in diesem so komisch geformten Bierkrug gleichsam sein Wappen, sein 3dol. And jetzt spielt in einem Mordprozeh, der gegenwärtig im Moabiter Gerichtsgebäude abrollt, ein solches Gemäß die Hauptrolle. 3m Frühjahr dieses Jahres ist ein fünfzehnjähriger Junge an einem Sonntagmorgen den Messern von politischen Row- dies zum Opfer gefallen. Don sechs Stichen durchbohrt, hauchte er sein junges Leben in dem dunklen Stiegenhaus einer Mietskaserne aus. Der Grund? Eigentliche Gründe dafür gibt es gar nicht! Der Junge gehörte der Hitlerjugend an und beteiligte sich an einer Zettelverteilung. Davon hatten Anhänger des Hauptmanns S t e n n e s gehört, die seltsamerweise gute Verbindung zu Kommunisten unterhielten- 'Sen Stennesleuten war der Leiter des Hitlerjugendtrupps, ein gewisser Mondt, nicht genehm und so traf man sich am Biertisch, um die Sache zu besprechen. Mondt sollte „fertig gemacht" werden. Der Preis, jawohl — das ganze wickelte sich wie ein Geschäftchen ab, betrug 10 Stiefel Bier! Dafür haben diese entmenschten Kommunisten gemo.rdet, und als sie statt des Mondt einen falschen erwischten, haben sie den totgeschlagen. Einer mußte eben für 10 Stiefel Bier auf der Strecke bleiben. Hier ist einmal klar erwiesen, daft die ständigen Bluttaten nicht sämtlich aus politischer Leidenschaft begangen werden. Kein Kommunist war von den jungen Zettelverteilern „gereizt" oder „angegriffen“ worden, keine „Provokation" war boraufgegangen: telephonisch wurde von den Stennesleuten Rachricht in die rote Kneipe gegeben, daß sich die Razis dort und dort befänden und wenige Minuten später blinkten die Messer im ersten Morgenlicht. Hier erhält man einen Blick in bie politische Anter- Welt, der einem erschrecken macht. Welche Zusammenhänge überhaupt. Da stehen Stennesleute mit Kommunisten in ständiger Verbindung und einer von ihnen hält engste Freundschaft mit einer enragierten Kommunistin, die in seinem Kreise unter dem Ramen „Revolver-Minna" bekannt ist. Da hält einer den andern für einen Spitzel. Eine dumpfe penetrante Atmosphäre steigt aus diesem mit Alkohol geschwängerten Sumpf auf. Aus ihm aber gebiert sich täglich frecher der politische Mord. Wir sind uns klar darüber, daft mit rein polizeilichen Maßnahmen und Verhütungsvorschriften hier nichts getan ist. Die seelische Grundhaltung dieser Menschen zwingt sie gleichsam zu ihren Lebens„äußerungen“. Hier politische Maße anlegen zu wollen, wäre verfehlt. Mit Politik hat das alles nichts mehr zu tun, wohl aber lebt dieses Gesindel in engster Gemeinschaft mit dem Verbrechen. Zehn Sttefel Bier für einen Mord! Man muh eine Weile die ganze Bedeutung dieses Satzes auf sich wirken lassen. Zehn Stiefel Bier für ein Menschenleben! Das ist restlose Verwahrlosung, das ist Dertierung, und diejenigen, die diesen Grundsätzen huldigen, sind Feinde jeglicher staatlicher Ordnung. Man spricht oft wegwerfend vom australischen oder afrikanischen Dusch. Gibt es nicht auch einen „Busch" deutscher Dorstadtkneipen, wo man mit zynischer Eindeutigkeit einen Mord für eine Lage Bier ausknobeln kann? Das Moabiter Beisviel beweist, daß es so ist. deutschen Orden seit 1922 geforderten allgmei - nen Volksdienstpflicht und der inneren K o l o n i s a t i o n , der Besiedlung des leeren deutschen Raumes, beschäftigte. Zu dem Aus gang der Lausanner Konferenz wurde folgende Entschließung gefaßt, die dem Herrn Reichspräsidenten gleichzeitig zugeht: „Die Führer des Jungdeutschen Ordens aüs beiden Hessen und Waldeck haben mit Erstaunen die Haltung der deutschen Vertretung in Lausanne und das niederschmetternde Ergebnis der Konferenz zur Kenntnis genommen. Alle Berichte lassen darauf schließen, daß dies Ergebnis durch die Schuld der deutschen Delegation zustande kam, einer Delegation, die sich ausdrücklich als die Vertretung des nationalen Deutschlands bezeichnete und nun als solche in der praktischen Auswirkung ihrer Verhandlungen die angeblichen Rechtsansprüche der ehemaligen Feindbundmächte anerkannte! Die in Gießen versammelten Führer des Ordens sehen erwar- tung voll auf den Führer der Nation, für den sie sich seit Jahren eingesetzt haben. Sie können es nicht glauben, daß er dies Ergebnis gutheißen wird. Sie bitten, daß er dieser Vertretung der Nation sein Vertrauen entzieht. Es darf nicht sein, daß die ehemaligen Feindbundmächte das Ergebnis von Lausanne unwidersprochen als eine Anerkennung des Versailler Diktats durch das nationale Deutschland verbuchen!" Oingeldey wieder Spitzenkandidat der Volkspartei in Hessen. WSP. Darmstadt, 11. 3uli. Der Landesausschuß der Deutschen Dolkspartei des Wahlkreises Hessen-Darmstadt trat in Frankfurt a. M. zu einer Sitzung zusammen. Er begrüßte es, daß der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei den Beschluß gefaßt hat, daß die DVP. in allen Wahlkreisen selbständige Li st en zur Reichstpgswahl aufstellt und sieht in diesen und in den Abmachungen, die zur Sicherung der Reststimmen geschlossen wurden, die beste Gewähr dafür, daß auch in schwerster Zeit das nationalliberale Gedankengut zur parlamentarischen Geltung gebracht wird. Ohne Aussprache und einmütig wurde beschlossen, den bisherigen Spitzenkandidaten, den Parteiführer Dingel- dey, wiederum an die erste Stelle des Wcchlvorschlags zu setzen. An den weiteren Stellen stehen Bürgermeister Dr. Riepoth - Schlitz und Hausfrau Anna Kloos- Darmstadt: es folgen noch 5 weitere Persönlichkeiten aus den verschiedenen Landesteilen und Berufsständen. Miliiär-ebaiie in der pariser Kammer. Vertrauensvotum für Herriot. Paris, 12. Juli. (WTB. Funkspruch.) Zu Beginn der gestrigen Aachtsihung stimmte die Kammer über einen Antrag ab, der die Periode der Ernteurlaube der Soldaten beschränkt wissen wollte. Dieser Antrag, dem auch die Regierung zustimmte, den aber der Finanzausschuß der Kammer abgelehnt hatte, wurde schließlich von der Kammer mit 305 gegen 284 Stimmen zurückgwiesen. Der Antrag wurde besonders vom Mbg. Oberst Fabry verteidigt, der erklärte, wenn man sich nicht für eine Ausbildung der Soldaten einsetze, dann organisiere man das „Hinschlachten" (diesen Worten klatschten Ministerpräsident Herriot und Kriegsminister Paul-Boncour ostentattv Beifall). Ministerpräsident Herriot erklärte, wenn es sich nur darum handeln würde, keine Manöver offensiven Charakters abzuhalten, dann würde die Regierung darin keinen Rachteil erblicken, aber es gelte doch jetzt, die einberufenen Reservisten bei den Llebungen aus- W ItW Ml. Original-Roman von Anny von panhuys. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 5 Fortsu Rachdruck verboten! 5. Kapitel. Die falschen Gedanken der Baronin. Werner empfing Lil vor der Tür des blauen Zimmers. Er war bereit gewesen, beim ersten verdächtigen Geräusch einzutreten. Er hatte Angst gehabt, Lil würde sich bei dem Besuch im Totenzimmer zu sehr aufregen. Er wunoerte sich über ihr rasches Wiederkommen und wunderte sich, weil er noch immer keine Träne in ihren Augen sah, um die der Kummer doch so tiefe dunkle Schatten gelegt. Er nahm ihren Arm. „Komm, mein Lieb, wollen in deines Vaters Arbeitszimmer gehen, dort von ihm sprechen." Er wünschte, daß sie weinen sollte, ihre Starrheit gefiel ihm nicht, sie war unnatürlich. Lil ließ sich willig führen. Als sie das Arbeitszimmer betraten, ging plötzlich eine große Verwandlung in Lil vor. Sie fühlte hier ihres Vaters Rähe mehr als dort, wo man ihn aufgebahrt. Mit großen Augen sah sie sich um. Stand der Vater nicht da drüben am Bücherschrank und suchte ein Buch? Ganz deutlich meinte sie ihn zu sehen. Und ging er jetzt nicht an den Schreibtisch? Schob er nicht ein wenig den Stuhl zurück, um sich zu setzen und saß er nicht jetzt schon da, wie sie ihn so oft sitzen sah, wenn sie bei ihm eingetreten? Ihre Augen weiteten sich. 3a, da saß er am Schreibtisch genau so wie an dem Tage, als sie ihn bedrängt, ihr doch das Auftreten als Clown in der Wohltätigkeitsvorstellung zu erlauben. Sie hörte wieder seine Abwehr und schließlich seine Erlaubnis: Tue, was du willst, Lil! Spiele Clown oder dummer August so viel du magst und vor wem du magst. Mach ihnen deine Bajazzostreiche vor, bringe alle zum Lachen. Deutlich, Wort für Wort, drang es ihr in die Ohren, ihr Vater am Schreibtische hatte es gesagt. Sie starrte auf den Stuhl, und Werner, der wohl merkte, daß hier die Erinnerung an den Vater lebendig wurde, schob ihr einen Sessel zurecht: „Setze dich, Lil", bat er. Sie winkte ihm, zu schweigen und sagte traurig: „Run hast du ihn mit deinem Sprechen verscheucht. Eben hat er noch dort am Schreibtisch gesessen. Ganz klar und deutlich habe ich ihn gesehen." Sie schluckte heftig. „Genau so habe ich ihn gesehen wie damals, als ich ihn quälte, mir das Clownspielen zu erlauben." Sie seufzte. „Er erlaubte es mir, wie er mir alles erlaubte, weil z u b i l d e n, denn das Material werde moderner und man müsse auch die Soldaten damit bekannt machen. Cs wär« außerordentlich unvorsichtig, den Soldaten eines Tages Material in die Hand zu geben, mit dem sie nicht umzugehen wüßten. Während Frankreich seine Reservisten «inberufe, gäbe es anderswo Massen, deren Kräfte man nicht so herausstelle, deren politische Macht man aber verkenne. Der sozialistisch« Abgeordnete Renaudel erklärte, die Durchführung der Rescrvisteneinberu- fungen gäbe Deutschland nur Argumente in die Hand, das gleiche Heeressystem wie Frankreich zu fordern. Es gebe in Deutschland geheime Rüstungen, aber damit würde Frankreich nicht mit offenen Rüstungen fertig. Herriot stellte gegen die von den Sozialisten beantragte Streichung der Kredite für die Reservistenübungen auf 1 3ahr die Vertrauensfrage, worauf der sozialistische Antrag mit 360 gegen 179 Stimmen abgelehnt wurde. Wieder Revolution in Brasilien. Die Südstaaten flehen die Zentral, egierunq in Mio. Neuyork, 11. Juli. (TU.) Wie aus Rio de Janeiro berichtet wird, ist in Brasilien wiederum eine Revolution gegen die Regierung Var - I gas ausgebrochen, die hauptsächlich i n d e n S ü d - staaten Santa Katharina und Sao| Paulo um sich greift. Die Aufständischen haben ihr Hauptquartier in den Kasernen der Stadt Sao Paulo errichtet, von wo aus der Aufstand geleitet wird. Präsident Vargas hat einen Aufruf an das brasilianische Volk erlassen, in dem er die Bevölkerung um loyales Verhalten ersucht, um die Revolution niederzukämpfen. In den Staaten Rio Grande do Sul und Minas Gera es find Regierungstruppen mobilisiert worden, um sie gegen die Aufständischen in Sao Paulo einzusetzen. Die sich im Aufstand befindenden Südstaaten fordern die sofortige Einsetzung einer verfassungsmäßigen Regierung. Bisher ist der Aufstand unblutig verlaufen. Der Stadtkommandant von Sao Paulo wurde verhaftet und durch revolutionäre Führer ersetzt. Alle Nacyrichten aus Rio sind einer strengen Zensur unterworfen. Die brasilia- nische Regierung erklärt, daß sie die Lage in der Hand habe. Der Führer der Aufstandsbeweguna jst General Lopez. Die Aufständischen teilen in einer Erklärung mit, daß alle bundesstaatlichen Truppen in Sao Paulo sich der Auf- stondsbewegung angeschlossen hätten. Auch die von der Regierung entsandten Streitkräfte unter dem Oberbefehl von General Vasoncaellos seien zu ihnen über gegangen. Aus dem Staat M a t t o Grosso sind weitere Truppen zur Bekämpfung der Aufständischen abgesandt worden. Die Aufständischen haben den zurückgetretenen bundesstaatlichen Vermittlungsbeamten de Toledo zum Gouverneur von Sao Paulo ausgerufen. Aus aller Well. Oie ltrsache des Ltnglücks auf dem „Sperber". Ein sechstes Todesopfer. Vertreter des Polizeipräsidiums, des Gewerbeaufsichtsamtes, der Kriminalpolizei, des Dampfkessel-äleberwachungsvereins, des Wasserbauamtes und der Binnenschiffahrts - Aufsichtsgenossenschaft haben den Vergnügungsdampfer „Sperber", der unter ständiger polizeilicher Bewachung steht, einer eingehenden D e s i ch t i • gung unterzogen. Als A r s a ch e des llnglücks ist nunmehr festgestellt worden, daß die Verankerung des Kessels vermutlich schon vor einiger Zeit gerissen ist. Sechs Bolzen sind nach und nach durchgebrochen, so daß der Kessel bei einem Druck von acht Atmosphären — die ursprüngliche Druckfestigkeit betrug 15 Atmosphären — in einer Länge von 60 Zentimeter aufgerissen wurde. Der Kessel des Dampfers ist erst im Mai einer amtlichen Prüfung unterzogen worden. Der Dampfer selbst ist im 3ahre 1899 erbaut. Er hat somit ein Alter von 33 3ahren. Für Spreedampfer gilt das als kein hohes Alter. Es hat im übrigen den Anschein, als ob Materialfehler mit unsachgemäßer Behandlung Hand in Hand gegangen sind. Es wird vermutet, daß der Kessel überheizt, während der Wasserdruck zu gering war. Der Heizer hatte es gemerkt und kaltes Wasser hin- zugelassen. Durch das Eintreten des kalten Wassers ist die Spannung zu groß geworden und es erfolgte die Explosion. Die Zahl der Todesopfer der Kesselexplosion auf dem Ausflugdampfer „Sperber" hat sich inzwischen auf sechs erhöht. Kurz nach 12 Uhr verstarb im Westend-Krankenhaus Fräulein S ch m i d t ch e n aus der Turmstraße 58 an den schweren Verbrühungen. Erfreulicherweise hat sich das Befinden der ebenfalls lebensgefährlich verwundeten Frau Friedrich aus der Fruchtstraße 3 etwas gebessert, jedoch ist die Gefahr noch keineswegs beseitigt. Der tschechische SchuhgrotzindustrieUeBata mit seinem Flugzeug tödlich abqestürzt. Prag, 12. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der bekannte tschechische Schuhgrohlndustrielle und Millionär Thomas Bata ist heute früh auf einer Flugzeugreise nach der Schweiz tödlich verunglückt. Ucber den Hergang liegen bisher nur unvollständige private Mitteilungen vor. Danach ist der Apparat, der gegen 6 Uhr früh gestartet war, noch über Batas Privatflugplah in Otrlkovice aus der höhe von etwa 700 Meter plötzlich abgestürzt. Der Pilot war auf der Stelle tot. Bata selbst lebte noch, als man ihn aus den Trümmern herausholte. Er starb aber wahrend der Ueberführung ins Krankenhaus, was den Absturz herbeigeführt hat, konnte noch nicht geklärt werden. Der Tod Batas hat in Prag große Erregung her- vorgerufen. In Prag sind zahlreiche Extrablätter erschienen. Aus diesen ergibt sich noch, daß vor dem Abflug noch verschiedene Wetterflugstationen nach dem Wetterstand befragt und allgemein das beste Flugwetter gemeldet wurde, weshalb trotz dichtem Nebel über dem Flugplatz der Start erfolgte. Bald nach dem Start stürzte dos Flugzeug aus geringer Höhe aus einem Waldrand mit solcher Wucht ab, daß es sich tief in die Erde bohrte und vollkommen zertrümmert wurde. Der Pilot war sofort tot, Bata erlitt sehr schwere innere Verletzungen, denen er bald darauf erlag. Oie Lleberschwemmungen in Güdbayern. Die W e r t a ch hatte bereits am Samstagnachmittag infolge der andauernden Regengüsse einen so hohen Wasserstand erreicht, daß sie bei Bießen- hvfen, Ruderatshofen und Altdorf die Wiesen überschwemmte. Durch den anhaltenden -Regen stieg das Wasser immer höher, so daß das Hochwasser im Innern der Stadt Kaufbeuren bereits eine große Gefahr bedeutete. Besonders stark bedroht er mich so sehr liebte, weil er alles tat, was ich wünscht«, alles." Sie schluchzte kurz auf. „O, hält« er btxfc nein gesagt, hätte er es mir doch verweigert. Vielleicht wäre ich dann gestern zu Hause geblieben und Vati hätte in meiner Gegenwart das Schreckliche nicht getan. Run mußte man mich erst noch holen zu ihm, als er schon tot war. Von Musik und Lärm mußte man mich wegholen! Und ich kam mit bunten Fetzen auf dem Leib und mit einer scheußlichen langen Pappnase. So schauderhaft aussehend, kam ich zum toten Vati." Sie packte in der Erregung Werners Arm. „Äeberlege das einmal, denke einmal darüber nach: Die Tochter spielt Clown, reißt vor fremden Menschen blöde Witze, verrenkt die Glieder wie eine tollgewordene Drahtpuppe, schielt zum Erbarmen, schneidet Grimassen, treibt allerlei Albernheiten, um fremden gleichgültigen Menschen «in Lachen abzuzwingen, und derweil schlägt sich ihr Vater mit schweren Sorgen herum, weih keinen anderen Ausweg mehr als den Tod." Sie flog am ganzen Leibe. „3ch spielte Clown, und zur selben Zeit stahl sich mein Vater aus dem Leben fort. 3ch glaube nicht an eine Geistesverwirrung. Er war ein klardenkender Kopf, ohne ungewöhnlich wichtigen Grund hat Vati das nicht getan. Aber ich, wie stehe ich nun vor mir selbst da? 3ch trieb Rarrenunfug und nicht die kleinste Ahnung, was inzwischen geschah, störte mich. Schamlos bin ich und schlecht. 3ch schäme mich grenzenlos." Es war Werner nicht möglich gewesen, die Erregt« auch nur ein einziges Mal zu unterbrechen. Er sah, wie sich unter ihren langen dunklen Wimpern Tranen hervordrängten und langsam über ihre Wangen flössen. Sie rang die Hände. „3ch bin ja nicht teert, weiterzuleben, ich weiß ja vor Scham nicht wohin." Werner hatte wohl gewünscht, Lil möge weinen, aber er fand die Tränen, die Lil jetzt weinte, waren keine erlösenden, befreienden Tränen. Es waren bittere, brennend« Reuetränen, die ihr unsagbar weh tun muhten. Er umfing sie zärtlich. „Lil, du übertreibst. Du kannst doch nichts dafür, daß du gerade bei dem Wohltätigkeitsfest mitwirktest, als das Traurig« geschah." Sie weinte jetzt laut auf. „3ch bin doch schuldig! 3ch hätte nicht auf meinen Wunsch bestehen dürfen, als Vati dagegen war. Run werde ich immer und immer daran denken müssen, wie das mit mir gewesen, als Vati aus dem Sieben flüchtete. Vor wem oder vor welcher Gefahr, das weih ich ja nicht." Sie konnte vor Weinen nicht mehr sprechen. Alle Tränen, die bisher so fest in dem tiefen Brunnenschacht ihres Herzens verschlossen gewesen, drängten sich jetzt empor. Haltlos, verzweifelt wurde das Weinen, und Werner gab es auf, die arme Lil mit Worten zu trösten. Der Strom der Tränen muhte von selbst abebben, eine andere Hilfe gab es nicht. Er führte Lil zum Sofa, drückte sie darauf nieder und lieh sie weinen, weinen. Die Tür sprang auf und die Baronin trat hastig ein, wie hierhergejagt. „Wo seid ihr denn nur? 3ch suche euch schon überall. Es ist ja furchtbar, was ich eben hörte. Frau von Welp war bei mir. Wir sitzen hier gewissermaßen an der Quelle des Skandals und wissen von nichts, während schon ganz Frankfurt weih, warum sich mein Bruder erschossen hat." Sie achtete in ihrer Erregung gar nicht auf Lil, die mit brennenden, verweinten Augen zu ihr herüberblickte. Werner legte seiner Mutter die Hand auf die Schulter. „Es ist doch völlig gleich, warum Onkel Eduard sich das Leben nahm, das Traurigste ist und bleibt doch, dah er es tat.“ Er wollte verhindern, dah seine Mutter in Gegenwart Lils vielleicht etwas sagte, was Lils Schmerz noch vergrößern konnte. Aber die Baronin war viel zu aufgeregt und kannte keine Rücksicht mehr. „Es blieb ihm kaum ein anderes Mittel als der Revolver übrig", stieh sie hervor, „sein ganzes Vermögen hat er verspekuliert, und man sagt, das Vermögen von anderen Leuten noch dazu. Tausende von Menschen sollen die Dank umlagern und ihr Geld fordern. Die Polizei mußte schon zu Hilfe gerufen werden. Gauner und Betrüger schimpfen die Leute den Toten und —“ Werner wollte der Mutter das Wort abschneiden, aber er kam nicht dazu, denn Lil war jäh aufgesprungen und mit ein paar Sprüngen bei der lebhaft gestikulierenden Frau. Sie hob die Rechte, wie Schweigen gebietend. „Tante Adele, gebrauche die hählichen Worte bitte, nicht noch einmal im Zusammenhänge mit meinem Vati, er verdient sie bestimmt nicht. Es ist möglich, dah er durch schlechte Geschäfte ober falsche Ratgeber fein eigenes Geld verlor, aber das Geld anderer hat er wohl nicht angegriffen. Sollte er es aber getan haben, verdient er auch! noch nicht, dah du, seine Schwester, die Worte .Gauner' und .Betrüger' nachsprichst. 3ch dulde es nicht! Hat jemand Geld durch ihn verloren, so muh man es ihm eben ersehen." Die Baronin war sehr bläh. „3ch wiederholte nur. was ich gehört habe, und ich glaube, dah alles stimmt. Dein Vater muh schon sehr schwerwiegend« Gründe gehabt haben zu seiner Tat. So leicht hat er sich nicht dazu entschlossen, denn er liebte das Leben. Und wovon soll man den Leuten Geld ersetzen, wenn das eigene Vermögen schon zum Teufel ist? Kannst Du mir die Frag« vielleicht beantworten, Lil?" Werner mischte sich ein. war die Mechanische Spinnerei und Weberei, ßtf vollständig unter Wasser stand. In vierstündiger Arbeit schaffte die Feuerwehr 300 Kisten mit Baurn- wolle und Baumwollspindeln aus dem nassen Element. Von der Stadtpfarrkirche wurde Sturm geläutet. Am Wertach-Wehr bei Hirschzell hatten die wilden Fluten einen Teil der Wehranlage durchbrochen und fortgerissen. Mit ungeheurer Schnelligkeit drang das Wasser in die Wiesen und schaffte gefahrvolle Situationen. Fieberhaft wurde am Wertach-Wehr an der Errichtung von Notschutzdämmen gearbeitet. Starke Bäume mußten gefällt und zu Schutzbauten verwendet werden. Unter Aufbietung aller Kraft gelang es, ein weiteres Einbrechen des Wassers zu verhindern. Die Fluten führten starke Baumstämme und Dalken mit sich, die von eingerissenen Brücken und durchbrochenen Dämmen yerrühren. Diele ertrunkene Tier e, besonders Schweine und Haustiere, sah man im Wasser treiben. Das katastrophale Hochwasser der Wertack hat auch in Göggingen und Inningen großes Unheil angerichtet. Weite Strecken Landes stehen unter 'Wasser. In Gödlin schießen die Wassermassen durch die Straße, so daß ein Passieren des Ortes teilweise unmöglich ist. Die an Feldern und Gärten angerichteten Schäden sind außerordentlich groß. Hochwasserkatastrophe im Dürttember gischen Oberland. Die Wolkenbrüche der letzten Tage haben im Württembergischen Oberland Hochwasser- katastrophen zur Folge gehabt. 3n Leut- kirch bildeten sich in den Straßen tiefe Seen. An und in den Häusern wurden große Schäden anaerichtet. Durch die Unterspülung einer Eisenbahnbrücke und des Bahndammes der Linie 3snh—Leutkirch wurde die Zugverbindung unterbrochen. 3n vielen Gegenden des Oberlandes mußten die Straßen wegen Hochwassergefahr gesperrt werden. Verschiedentlich wurden Paddelboote eingesetzt, die den Verkehr aufrechterhielten. 3n Ochsenhausen wurde der Bahnkörper in einer Breite von 6 bis 7 Meter unterspült. Eine Im letzten 3ahr von Ulmer Pionieren erstellte Brücke wurde weggerissen und fortgeschwemmt. 7. Berbanbetag des Verbandes deutscher evang. Beamfenoereine. Die Tagung des Verbandes deutscher evang. Beamtenvereine in B o n n begann mit einer von Pfarrer Lic. Beckmann- Soest gehaltenen Morgenandacht. Das Referat des Verbandsvorsitzenden, Pfarrer von derHeydt - Koblenz, behandelte die innere Lage der evang. Beamtenschaft. Der vom Generalsekretär erstattete Jahresbericht zeigte das äußere Wachstum und innere Erstarken des Verbandes und seiner Vereine und legte die Pläne künftiger Verbandsarbeit dar. Pfarrer Dungs- Krefeld behandelte die öffentlichen Aufgaben der evang. Beamtenvereine. Der Abend vereinigte die Delegierten mit den Mitgliedern des Bonner Vereins und der evang. Bevölkerung zur Feier des lOjähri» gen Stiftungsfestes des Evang. Beamtenvereins Bonn. Am Sonntagmorgen versammelten sich die Teilnehmer zum Festgottesdienst, den Generalsuperintendent D. Stoltenhoff- Koblenz hielt, in der Kaiserplatzkirche. Anschließend sand eine vaterländische Kundgebung am Alten Zoll mit einer Ansprache von Pfarrer Haun- Bonn über Ernst Moritz Arndt in seiner Bedeutung für die Gegenwart statt. In den beiden großen öffentlichen Versammlungen in der Beethooenhalle um 11.30 Uhr sprach über bas Thema „Die Bedeutung der Reformation für das deutsche Beamtentum“ Universitäts-. Professor D. Sorntamm - Gießen und am Nachmittag über „Der Kampf des Beamtentums gegen die Korruption" Studienrat Ka mph off- Cleve. Pfarrer Dr. Haberkamp- Dortmund behandelte „Die Unabhängigkeit des Beamtentums von den Parteien". Das Sprengkörperunglück In Bremen. Zu dem bereits gemeldeten Sprengkörperunglück in dem westlichen Vorort Grambke ist auf Grund der amtlichen Ermittlungen noch fol- „Wozu das erörtern, Mutter, wir wissen ja noch gar nichts Bestimmtes. Leute, die Geld in einer Bank liegen haben, sind immer gleich aus Rand und Band, wenn ein Gerücht umgeht. Das beweist noch gar nichts! Laß das doch alles, Mutter, Lil ist schon zerbrochen genug, sie darf sich nicht noch mehr aufregen." Die Baronin schluckte die heftige Antwort, die sie geben wollte, hinunter, denn sie sagte sich, ihr Sohn hatte recht, noch wußte man nichts Sicheres, und falls Lil doch eine reiche Erbin war, wollte sie es lieber nicht ganz mit ihr verderben. Sie klagte: „Es hat mir doch entsetzlich weh getan, als mir Frau von Welp die hählichen Worte wiederholte." Als Augen funkelten sie an. „Du hättest die alte Klatsche, die dich mit der Sensationsmeldung überfallen hat, die Treppe hinunterwerfen müssen. Wenn es einer wagen sollte, in meiner Gegenwart schlecht über den Vater zu sprechen, dann boxe ich ihn in Grund und Boden. Boxen habe ich zum Glück gelernt und habe es gut gelernt." Der Zorn hatte dem noch vorhin so entsetzlich bleichen Gesicht Farbe gegeben. Werner muhte trotz der traurigen Gelegenheit ein wenig lächeln. Es wirkte komisch, Dieses Liliputfigürchen so bitterernst vom Boxen reden zu hören. Aber er traute ihr zu, dah sie mit kräftigen kleinen Fäusten zuschlug. Die Baronin war einen Schritt zurückgetreten. „Dein Vater hätte dich mädchenhafter erziehen müssen. Wenn der Sport auch jetzt Weibersache ist, so paßt nach meiner Ansicht das Boxen gar nicht zur Frau." „Qlte Verteidigung und um böse Mäuler zum Schweigen zu bringen, ist ein ordentlicher Kinnhaken das einzig Richtige", gab Lil zurück. 3eht schäumt« die Empörung der Baronin doch über. „Soll das eine Anspielung auf mich sein. Lil, dann kann ich nur feststellen, du drückst dich ziemlich ordinär aus." Werner nahm ihre Hand. „Aber Mutter, wie darfst du so etwcis denken. Lil würde sich doch nicht erlauben, dich zu meinen." Das hatte Lil auch wirklich nicht getan. Sie hatte an Frau von Welp und ähnliche Klatschschwestern gedacht, denen es Freude bereitete, ihren Mitmenschen unangenehm« Rachrichten zu bringen. Sie sagte leise und ehrlich: „Rein, Tante, an dich habe ich nicht gedacht, verzeih, wenn ich mich falsch ausdrückte." Sie faßte nach ihrem Kopf. ich ertrage das alles nicht mehr." Sie weint« laut auf: „Vati, lieber, guter Vati, hättest du mich nur mitgenommen, es wäre am besten gewesen!" (Fortsetzung folgt.) I Aus Di Aer % jS«; ’S? Si» öprengstu nisten ha" per aus Lc inen w J mann, * erring llebttb tigen ©f mungen ertränke' Wasser. König §eorg König Seo dem Prinzen ist an 2°rd Albert" m troffen, um ungefähr do zu b-sichbge' sS.;i NtWg ÄÄ ■ Ä raom. wus Kiten 1Ä Fend »o, (Bo er lerer ij,? 3 u Diep Wenn m Verfügung über diesen und des - nichts oder heute nun e der darf u der Psycholi um sich bi schützen. W unangenehm nämlich die, Hause bestiir Heilung zu i die sogenann haben. Reis gelöstheit' b auch Hinsicht! nigstens. 3e den Ferien Wir möchten leichtsinnig Fatalismus Was solle tun? Ganz । Anlage eine finnige Aus. Reisekasse - über, wie sie zi \ö eichermatz- mBoije MM Marls — allerhand 2Kjo nun not beinahe (o q Disposition^ bei den Fino hak, wie das ber Schein schweben, die schließlich ein (Bs gibt fo sich mit der l Mgen, ob, llnsegen, die ; können. j)a tr M dem Gel n®elb will ein w uns nicht 7.b selbst besch ihm r!e si 'M spater Dan mit dem JJei J.Un9 kommen | u, Für Reise und Wanderungen: Chlorodon immer schöneweiße und gesunde Zähne Hitze und Staub erschlaffen den Körper besonders beim Reisen und Wandern. Eine kräftige Mundspülung mit dem herrlich Mundwasser und eine gründliche Zahnreinigung mit Chlorodont-Zahnpaste wirken wohltuend, verschaffen das Gefühl der Sauberkeit und Die MandhMngs- und Znstandsetzungsksflen im Einkommensteuergesetz. Don Steuerinspektor Frees, Gießen. gendeS zu berichten: Die Polizei erhielt von privater Seite die Mitteilung, daß an der Unterführung der Hafenbahn in der Grambker Heerstraße sich eine verdächtige Gruppe aufhalte. Eine Polizeistreife, die darauf nach Grambke geschickt wurde, um die Verdächtigen auf Waffen zu durchsuchen, fand mehrere Pistolen, zahlreiche Steine und verschiedene selbst angefertigte Sprengkörper, bei denen es sich um Handbomben mit Aufschlagsünbung handelte. Bei der Untersuchung eines der Sprengkörper durch den Polizeiwachtmeister Talle erfolgte eine furchtbare Explosion, wobei der Beamte buchstäblich in Stücke gerissen wurde. Ein weiterer Beamter, der in der Bähe stand, wurde durch Sprengstücke schwer verletzt. Die Kommunisten hatten die Absicht gehabt, die Sprengkörper aus Lastkraftwagen, die SA.-Leute aus Bremen in ihre Heimat zurückbeförderten, zu werfen. Talle war ein bekannter Bremer Sportsmann, der wiederholt die Bremer Meisterschaft erringen konnte. lleberschwemmungskatastrophe in USA. 3n EHarleston (Virginia) sind infolge eines heftigen Gewitters ausgedehnte Ueberschwem- m u n g e n entstanden, bei denen 11 Personen ertranken. Viele Wohnungen stehen unter Wasser. König Georg V. besichtigt die englische heimalflotte. König Georg, begleitet von zweien seiner Söhne, dem Prinzen von Wales und dem Prinzen Georg, ist an Bord der königlichen Dacht „Victoria and Albert" in der Bucht von Weymouth eingetroffen, um die dort vor Anker liegende, aus ungefähr 60 Fahrzeugen bestehende Heimatflotte zu besichtigen. Der der Ermittlung des Einkommens sind die zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einkünfte gemachten Aufwendungen (Werbungs- kosten) abzugsfähig. Aufwendungen für die Anschaffung oder Herstellung von Gegenständen, deren Verwendung oder Nutzung durch den Steuerpflichtigen sich bestimmungsgemäß auf ernen längeren Zeitraum erstreckt, dürfen nicht in dem Steuerabschnitt der Anschaffung oder Herstellung voll abgezogen werden: sie können vielmehr für einen Steuerabschnitt höchstens mit dem Betrag berücksichtigt werden, der sich bei der Verteilung auf die Gesomtdauer der Verwendung oder Nutzung ergibt. Nicht abzugsfähig sind jedoch Aufwendungen _ zur Verbesserung und Vermehrung des Vermögens. Die Anwendung dieser in den §§ 16 und 18 des Einkommensteuergesetzes festgelegten gesetzlichen Bestimmungen bietet in der Praxis oft Schwierigkeiten insofern, als die Grenzen des laufenden Crhaltungsaufwandes gegenüber den Anschaffungs« und Herstellungskosten in vielen Fällen sehr flüssig sind. 3n einer grundlegenden Entscheidung vom 28. 5.1927 nimmt der Reichsfinanzhof Stellung zu der Frage der Abzugsfähigkeit größerer Ausbesserungen von Miethäusern. Dis dahin wurde im Schrifttum streng -wüschen Instandhaltungskosten und Instandsetzungskosten unterschieden. Als abzugsfähige Instandhaltungskosten galten nur Aufwendungen zur Erhaltung des den Ertrag bringenden Gegenstandes, während Ausgaben zur Wiederinstandsetzung und damit Aufwendungen für die Erzielung neuer, oder Erhöhung von Einkünften vom Schrifttum als nicht abzugsfähig behandelt wurden. Der Reichsfinanzhof lehnt diesen Standpunkt ab, da das Einkommensteuergesetz 1925 keinen Anhalt dafür gibt, daß die Abzugsfähigkeit auf diejenigen Aufwendungen zu beschränken ist, durch die die Quelle der Einkünfte in ihrem bisherigen Zustand erhalten wird. Nicht jede Aufwendung, die den Zustand der Quelle verbessert, muß eine nicht abzugsfähige Einkommensverwendung zur Verbesserung des Vermögens darstellen. Nach der genannten Entscheidung steht zum Deispiel den Einkünften des Vermieters im Steuerabschnitt sein Gesamtverbrauch zur Erlangung dieser Einkünfte in diesem Zeitraum gegenüber. Er besteht in In- standhaltungskosten und der jährlichen Abnutzung. Instandhaltungskosten sind dabei im Sinne des laufenden Crhaltungsaufwandes zu verstehen. Die Abnutzung bedeutet den trotz der Instandhaltung allmählich eintretenden Verschleiß des Gebäudes und somit den auf den Steuerabschnitt entfallenden Verlust des zur Anschaffung oder Herstellung des Gebäudes ausschließlich Grund und Doden aufgewendeten Kapitals. Im Gegensatz zu dem Erhaltungsaufwand wird es sich bei Umbau- Aufbau-, Anbaukosten oder dergleichen um Her- stellungs- bzw. Anschaffungsaufwand handeln. Die hierfür aufgewandten Ausgaben sind auf die Jahre der Nutzungsdauer zu verteilen. Die Kosten eines Umbaues gehen regelmäßig über den Rahmen des lausenden Erhaltungsaufwandes hinaus, jedoch gehen oft durchgreifende Ausbesserungen und Umbau ineinander über, und die Grenzen können nicht scharf gezogen werden. In den Um- baukosten stecken, wirtschaftlich gesehen, auch Aufwendungen, die zur bloßen Ausbesserung erforderlich gewesen wären. In einem solchen Falle hat eine Aufteilung der Umbaukosten in Herstellungs- und Erhaltungsaufwand stattzufinden, und als Erhaltungsaufwand ist schätzungsweise ein Betrag zugrunde zu legen, der zur Ausbesserung des alten Gegenstandes erforderlich gewesen wäre (Urteil vom 11. 12. 1929). Die vom Reichsfinanzhof aufgestellten Grundsätze gelten sowohl für Mietshäuser, als auch für Eigenhäuser. Nicht zum Erhaltungsaufwand sind Ausgaben zu zählen, die lediglich aus Liebhaberei mit Rücksicht auf private Bedürfnisse auf- gewandt sind. Derartige der Liebhaberei dienende Kosten sind als Werbungskosten auszuscheiden, da ihnen auch keine entsprechenden Einnahmen gegen* überstehen. Weiterhin kommen nicht als Instandhaltungs- bzw. Instandsetzungskosten solche Aufwendungen in Frage, die für vorher nicht vorhanden gewesene Anlagen aufgewandt werden, da es sich hierbei nicht um bloße Nachholung laufender Reparaturen handelt. Wird z. D. in ein Gebäude eine seither nicht vorhanden aewesene Warmwasserversorgungsanlage eingebaut und ist diese damit wesentlicher Bestandteil des Gebäudes geworden, so sind die Kosten hierfür nicht voll im Ausgabejahr abzugsfähig. Die Aufwendungen für die Herstellung der Anlage find dem für die Abnuhungs- absehung maßgebenden Wert des Gebäudes au- zuschlagen und hiervon die Absetzungen nach der Nutzungsdauer des gesamten Gebäudes zu berechnen. Die künftigen Ausgaben für Ausbesserungen an der Neuanlage sind dann natürlich lausender Crhaltungsauswand und im Jahre der Ausgabe voll abzugsfähig. Wird aber z. B. die unbrauchbar gewordene Gasbeleuchtung im Treppenhaus eines Mietwohngrundstückes durch elektrisches Licht ersetzt, so darf der Vermieter die dafür gemachten Aufwendungen im Ausgabejahr ungekürzt abziehen (Urteil vom 28. 9. 1927). Um zu verteilende Herstellungskosten würde es sich dann handeln, wenn etwa die Einrichtung elektrischer Beleuchtung das Mietshaus nach Umfang und Art wesentlich verändert hätte. Dies dürste jedoch nicht anzunehmen sein, und es ist deshalb nicht ausschlaggebend, daß die elektrische Beleuchtungsanlage, für sich betrachtet, naturgemäß etwas anderes ist, als die Einrichtung von Gaslicht. Selbstverständlich sind auch Fälle denkbar, in denen dem Steuerpflichtigen an einer Verteilung größerer Ausgaben aus eine Reihe von Jahren gelegen ist. Es sei nur daraus hingewiesen, daß die Kosten des Erhaltungsaufwandes die Einkünfte in einem Jahre übersteigen und dann diese nicht voll berücksichtigt werden können. Da zur Erhaltung eines Grundstückes in gebrauchsfähigem Zustand gewisse Aufwendungen erforderlich sind, die regelmäßig in geringeren und größeren Abständen wiederkehren, muß zur Ermittlung des Reinertrags des Grundstückes von einem durchschnittlichen Erhaltungsaufwand ausgegangen werden. Der durchschnittliche Erhaltungsaufwand wird ermittelt, indem man den Aufwand für die einzelnen Ausbesserungen jeweils auf die Jahre der Nutzungsdauer verteilt und dann die Summe der Iahresteile der einzelnen Ausbesserungen zusammenrechnet. Zur Vereinfachung des Verfahrens ist im Verwaltungswege von dem Reichsminister ber~ Finanzen für bestimmte Gruppen von Wohnhäusern die Anwendung von Pausch- sähen zur Abgeltung der Werbungskosten zu- gelassen worden. Dadurch wird auch eine Verteilung von größeren Aufwendungen auf mehrere 2ahre erreicht. Die Festsetzung der Pauschsätze erfolgt alljährlich durch die Präsidenten der Landesfinanzämter. Wenn in einem Jahre hohe Werbungskosten vorhanden waren, die mit dem tatsächlichen Betrag abgeseht wurden, ist die Anwendung der Pauschsätze in den nächsten Jahren bei normalen Werbungskosten jedoch nicht zulässig. Für die Ermittlung der Einkünfte auS vermieteten Wohn Häusern, soweit sie der Zwangswirtschaft unterliegen, kann bei der Cin- kommensteuerveranlagung 1932 im Bezirk des Landesfinanzamts Darmstadt ein Pauschsatz von 30 Prozent der Mieteinnahmen zur Abgeltung der Werbungskosten neben der Grundsteuer, der Sondergebäudesteuer, den Schuldzinsen und dauernden Lasten zugelassen werden. Diese Regelung gilt jedoch nur für Häuser, die lediglich Wohnzwecken dienen. Der Sah von 30 Prozent ist kein Durchschnittssah im Sinne des § 46 Einkommensteuergesetz. Die Steuerpflichtigen haben daher keinen Rechtsanspruch darauf, daß die Werbungskosten ohne näheren Nachweis mit 30 Prozent angenommen werden. Die Finanzämter sind vielmehr berechtigt, wenn der Satz von 30 Prozent offensichtlich zu hoch erscheint, im Einzelfalle den Nachweis der tatsächlichen Werbungskosten zu verlangen. Mitglied des Metropoltheaters in Köln. Zur 2fuS führung gelangen: Eine kleine Operette. Parodi- stische Operette in 1 Akt von Dr. Karl K o e n i g e r. Musik von Paul Buchwald (gelangt zum erstenmal in Gießen zur Aufführung. 12 Herren des Gießener Orchesterocreins haben ihre Mitwirkung zuge- sagt. Dirigent: der Komponist. Das Schluhstäck bildet der Lachschlager: „Der Abenteurer", Schwank in einem Akt. Zwischen beiden Einaktern ist ein Soloteil eingelegt worden, in dem die Opernsängerin Mary W i l h e l m y zur Geltung kommen wird. Den Vorverkauf führt das Musikhaus C h a l l i c r. Neuenweg. Numerierter Sperrsitz 1 Mark, Saalplatz 60 Pf., Balkon 40 Pf. Arbeitslose erhalten Billetts nur an der Kasse und gegen Ausweis für 25 Pf. . — Hausfrauen-Deratung. Mittwoch und Donnerstag im Cafö Leib außerordentliche Mitgliederversammlung mit Sonderausstellung von Qualitätswaren. (Siehe heutige Anzeige.) Aus der Provinzialhauptstadt. G i e ß e n, den 12. Juli 1932. Oie Psychologie des Reisegeldes. Wenn man viel Reisegeld für die Ferien zur Verfügung hat, dann erübrigt es sich, noch Worte über diesen materiellen Hintergrund der Erholung und des Vergnügens zu verlieren. Wer aber nichts oder allenfalls sehr wenig hat, wie das heute nun einmal sehr oft der Fall zu sein Pflegt, der darf und soll sich sogar getrost etwas mit ber Psychologie bes Reisegelbes beschäftigen, schon um sich vor unliebsamen H1eberraschung-n zu schützen. Weil nämlich bas Reisegeld eine sehr unangenehme Eigenschaft heimlich in sich trägt — nämlich die, ganz besonders flüchtig zu sein. Zu Hause bestimmen Beruf, Familie, persönliche Einstellung zu den angenehmen Dingen des Lebens die sogenannte Decke, nach der wir uns zu strecken haben. Reisen aber in Ferienlust bedeutet Losgelöstheit bom Alltag und möglichste Freiheit, auch hinsichtlich des Geldbeutels — sollte es wenigstens. Jeder Groschen, jede Mark gibt sich in ben Serien doppelt so leicht aus wie zu Hause. Wir möchten einmal wieder im bescheidenen Sinne leichtsinnig sein und uns einem sonst fremden Fatalismus hingeben. Was sollen wir gegenüber solcher Verlockung tun? Ganz einfach: Vorsorgen! Durch rechtzeitige Anlage einer Reservekasse für sozusagen leichtsinnige Ausgaben. Die „richtige", die große Reisekasse — also sprechen wir lieber nicht darüber, wie sie zustande gekommen ist. Aber wir haben 1° einigermaßen geschafft, was wir wollten, als wir von Woche zu Woche oder von Monat zu Monat die nötigen Markstücke und Scheine zur Sparkasse trugen — allerhand Hochachtung haben wir nun vor uns! Also nun noch die Reise-Reseroe-Kasse — das klingt beinahe so großartig wie Liquidationsreseroe oder Dispositionsfonds — herrliche Begriffe, die sonst nur bei den Finanzinstituten gebräuchlich sind. Natürlich hat, wie das so zeitgemäß ist, auch über dieser Kasse ber Schein einer privatesten Notverordnung zu schweben, die sogar soweit gehen darf, daß wir uns schließlich ein paar Reisetage abknapsen. Es gibt so viele schöne deutsche Sprichwörter, die sich mit der Macht, mit dem Segen des Geldes beschäftigen, aber auch mit der Knechtschaft und dem Unsegen, die uns Geld und Geldausgaben bringen können. Da tröstet uns dies Wort vielleicht: „Man muß dem Gelde gebieten, nicht gehorchen!" Oder: „Geld will einen guten Vormund haben!" Wollen wir uns nicht einmal mit dem guten Vormund in uns selbst beschäftigen? Wer unter uns noch keinen hat, sollte ihn sich schleunigst anschaffen: wir werden ihm später Dank wissen. Selbst wenn er von Anfang an mit dem Verlangen nach einer neuen Notverordnung kommen sollte. Wegen der Reise-Reseroe-Kasse, die wir uns beschafft haben, wird er schon mit sich reden lassen, und auch wegen des kleinen Ferien- Leichtsinns, den, wir in den nächsten Wochen nach der Reise schleunigst wieder ausgleichen werden. Uebrigens gar nicht so dumm, wie das manche Zeitgenossen machen: Sie lassen die Sparkasseninstitute auch ihren Teil zur eigenen Reisekasse beitragen. Wenn die durchaus Zinsen zahlen wollen, soll man fie schließlich nicht daran hindern. Da liegt dann schon der Grundstein für eine Reise-Referve-Kasse, mit der wir hinter die Schliche einer gesunden Psychologie des Reisegeldes kommen, um damit unser tierienfoH und -haben zu balancieren. Womit wir unseren Reiseetat In aller Form und freudigen Herzens verabschieden. Vortragsabend im Gtudentenhaus. Gestern sand im Saale des Studentenhauses ein -uortragsabenb statt, der — wie der Vorsitzende der Gießener Studentenhilfe, Prof. Dr. Eger, in kmer Einführungsansprache u. a. betonte — den beginn einer Reihe von Vorträgen darstellte, die im Studentenhaus im Lause des Jahres von hervorragenden Gelehrten und prominenten Persönlich- teiten der Praxis gehalten werden sollen. Gestern obend sprach der Generaldirektor der AEG., Pros. Dr.-Jng. Petersen aus Berlin, der von Prof. ~ g e r als Förderer und Helfer des Gießener Stu- dentenhaufes und als Mitglied des Lehrkörpers unserer Umversität mit besonderer Freude willkommen geheißen wurde. Prof. Petersen sprach in gut Inständigen Darlegungen über das Thema „F o r s ch u n g u n d Technik . Er behandelte dabei die innigen Wechselbeziehungen zwischen den Naturwissenschaften und der Elektrotechnik, wobei er unter Zuhilfenahme einer Reihe von Lichtbildern bedeutsame Abschnitte der gewaltigen elektrotechnischen Entwicklung barlegte unb die reiche Befruchtung offenbar werden ließ, bie bie Technik von ber Wissenschaft empfangen unb aus ihrer Arbeit roieber an bie Forschung gegeben hat. Der mit tiefstem fachmännischen Wissen unb großer praktischer Erfahrung funbierte Vortrag wirb für bie Fachleute unter ben Zuhörern eine Quelle reicher Anregungen gewesen fein, er gab aber auch ber Laienwelt mancherlei wertvolle Anhaltspunkte zum Einblick in ein Gebiet ber Wissenschaft unb ber Praxis, bas für unser Zeitalter ber Technik von höchster Bebeutung bis hinab zum einzelnen Volksgenossen geworben ist. Der Vortrag fanb lebhaften Beifall, bem Prof. Dr. Eger am Schlüsse bes Abenbs in herzlichen Worten an ben Sßortragenben Ausbruck verlieh. Gictzcncr Wochenmarktpreise. * Gießen. 12. Juli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 120, Land butter 120, Kochbutter 90—100, Matte 25—30 Pfennig das Pfund, Käse 5—10, Eier 8 Pfennig das Stück, Wirsing 8—10, Weißkraut 8—10, Spinat 15, Römischkohl 12—15, Dohnen .grüne, 30, gelbe 35, Erbsen 15—Iß Pf. das Pfund, Gelbe Rüben 8—10 Pf.^ das Bund, Tomaten 30—40, Zwiebeln 15, Rhabarbar 8—10, Pilze 45, Kartoffeln, neue, 6—7, Aepfel. aus- ländifche, 50—60, Dörrobst 30—35, Kirschen 35 bis 40, Heidelbeeren 20—25, Stachelbeeren 30—35, Johannisbeeren 20—25, Erdbeeren 35—50, Pfirsiche 60, Himbeeren 40—45, Honig 40—45, Junge Hähne 80—90, Suppenhühner 70—80 Pf. das Pfd., Tauben 50—70, Blumenkohl 30—60, Salat 5—10, Salatgurken 20—30, Ober-Kohlrabi 8—10, Rettich 10—12 Pf. das Stück. Radieschen 8—10 Pf. das Bund, Kartoffeln, neue, 5,00—5,50 Mk. per Zentner. Vornotizen. — Tageskalender für Dienstag. T. D.: Monatsversammlung im „Augustiner".— Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Frau Lehmanns Töchter". — Astoria-Lichtspiele: 16.30 und 20.30 IWr, Lichtbildervortrag über die Heilstrahlen „Radium". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Sonntag, 17. Juli, 20 Uhr, hat bie Jntenbanz bas Münchener akabemische Brettl „Die vier Nachrichter" zu einem einmaligen Gastspiel für Gießen verpflichtet. Das Gastspiel bringt bie literarische Posse mit Gesang unb Tanz in 3 Akten „Hier irrt Goethe", bie in München unb Berlin, sowie inzwischen auch in sämtlichen Stäbten, bie bas Ensemble auf feiner Europa-Tournee bisher berührte, mit einem außerorbentlich großen Erfolg aufgeführt würbe. Für bas Gastspiel gelten kleine Preise. Kartenverkauf ab Mittwoch. — Militärkonzert im Klub. Morgen, Mittwoch, 20.30 Uhr, wirb die Kapelle unseres Ba- taillons im Gefellschaftsoerein ein Konzert geben. Leitung: Obermusikmeister K r a u ß e. Die Mitglieder des Vereins werden im heutigen Anzeigenteil zu der Veranstaltung eingeladen. — Theaterabend der Notgemein - schäft oberhessischer Bühnenkünstler. Man schreibt uns: Am morgigen Mittwoch oeran- stattet die NOB. (Notgemeinschaft oberhessischer Bühnenkünstler) einen bunten Theaterabend mit Mary Wilhelmy, Opernsängerin, ehern. Mitglied des Barmer Stadttheaters, Martha Winkler- Buchwald, ehern. Mitglied des Fürstl. Theaters in Gera; Kurt Richter, ehern. Mitglied des Stadt- theaters in Gießen, Walter M a y b r ü ck vom Stadttheater in Kottbus, Paul B u ch w a l d, ehern. ♦* Volkstümliche Rheinfahrt. Am kommenden Sonntag veranstaltet das Hapag-Ncise- bureau in Gießen feine diesjährige, voraussichtlich einzige volkstümliche Rheinfahrt. Das Interesse für diese Veranstaltung, bei deren Vorgängern die Teilnehmer in jedem Jahre einen Tag voller Freude erlebten. ist auch diesmal wieder recht rege. Dis Fahrt wird bekanntlich von Gießen dis Mainz mit einem Sonderzug vor sich gehen, von Mainz über Rüdesheirn-Aßmannshausen (an beiden Plätzen ist reichlicher Aufenthalt vorgesehen) bis Koblenz mit dem Dampfer erfolgen unb am Abenb mit einem ©onbemug von Koblenz nach Gießen zurückführen. Es bürste sich empfehlen, sich beizeiten bie Teilnehmerkarte zu sichern. Man beachte bie Anzeige. Buntes Allerlei. Oie 23. Lt-Bootkatastrophe. Die Katastrophe des französischen U-Bootes bot Cherbourg beweist erneut, daß die U-Dootwaffe, die furchtbarste Angrifsswasfe im Seekrieg, dauernd vom ilnglüd verfolgt ist. Auf der Londoner Flottenkonferenz wehrten sich die Seemächte heftig gegen eine Beschränkung im U-Bootbau, obwohl alle Flotten im Frieden durch älnglückS- sälle mit U-Booten ständig schwere Verluste an Menschenleben und Material erleiden. Die U- Bootwasse befindet sich im dauernden Kriegszustand, im Kampf gegen die Gewalten des Meeres, dem sie nicht gewachsen ist. Die Rettungsaufsichten für die Mannschaften im Falle einer Katastrophe sind äußerst gering, so daß es fast nie gelingt, die Llrsache zu ermitteln. Auch über die Ursache des Llntergangs des »Prornethöe" ist man im Llngewissen. Der Kommandant, der gerettet wurde, weiß keine Angaben zu machen. Er berichtet, daß er plötzlich ein Geräusch hörte, als wenn ein Mensch ins Wasser gefallen fei. Er eilt» auf seinen Kommandoplah und mußte feststellen, daß das Schiff buchstäblich unter seinen Füßen wegsackte. Das Doot sank so schnell, daß di» Mannschaft, die sich an Deck befand, ins Meer geschleudert wurde. Das war ihr Glück, denn nut diesem Almftanb haben sie ihr Leben zu verdanken. Was mit dem U-Doot untergegangen ist, muß als verloren gelten. Allein in der Zeit nach dem Kriege haben sich 23 U-Doot-Katastrophen ereignet. Fast nie ist es gelungen, die Desatzung zu retten. Die Mannschaft hat die Möglichkeit, im Augenblick der Katastrophen alle Luken wasserdicht zu schließen. Die Sauerstoffvorräte des Schiffes gestatten der Mannschaft, sich eine gewisse Zeit auf dem Meeresgrund am Leben zu erhalten. Es bleibt ihnen eine schwache Hoffnung, durch Taucher gerettet zu werden. In den allermeisten Fällen aber erleiden sie einen qualvollen Erstickungstod. 1923 sank das amerikanische U-Doot „O 5“. Nach 31 Stunden gelang es den Tauchern, in daS Schiss einzudringen. Nur noch zwei Mann von der Besatzung waren am Leben. In aller Erinnerung ist noch die furchtbare Katastrophe des amerikanischen U-Bootes „S 4", das im Jahre 1927 gesunken war. Hier stellte man fest, daß im Torpedoraum sechs Mann eingeschlossen waren, die durch Klopfen Lebenszeichen gaben. Tagelang wurden verzweifelte Anstrengungen gemacht, die Leute zu retten. Die Welt mußte das qualvolle Sterben dieser sechs Mann in allen Einzelheiten miterleben, wie sie durch Morsezeichen nach Sauerstoff riefen und nach Lebensmitteln, die ihnen durch das Torpedorohr zugeführt werden sollten, wie die Klopfzeichen schwächer und schwächer wurden, bis sie ganz ausblieben. Unerhörtes wurde geleistet, um an das Wrack des Bootes heranzu- kornrnen. Alles war vergebens. Als es schließlich doch gelang, war es zu spät: die Matrosen waren tot. Keine Flotte bleibt von U-Dootkatastrophen verschont. 1925 sank das englische U-Doot „M 1", 68 Matrosen sanden den Tod. Irn vergangenen Jahr sank das U-Doot „M 2“, wo 55 Menschen ums Leben kamen. 1928 erlitt die italienische Flotte den Untergang des U-Dootes „F 14". Hier ist es wohl zum erstenmal gelungen, das gesunkene Doot in einer Zeit zu heben, in der noch Aussicht bestand, die Desatzung zu retten. Nach 36 Stunden waren aber schon 28 Mann der Besatzung gestorben. Wettervoraussage Währenb über Nord- unb Ostbeutschlanb, begünstigt burch hohen Druck über ber Ostsee, heiteres Wetter mit Morgentemperaturen bis zu 24 Grab herrscht, liegt ber übrige Teil bes Reiches unterem Einfluß ber flachen Störung, welche einen Wolken, schirm ausgebreitet hat. Wenn auch burch bas Tief noch Möglichkeit zu Gewitterbilbung ober vereinzelten Nieberschlägen gegeben ist, sv wirb sich als- halb burch ben vorn Atlantik herannahenben hohen Druck bie Schönwetterlage roieber Herstellen. Aussichten f ü r Mittwoch: Vorerst noch schwüles Wetter mit lokalen Gewittern ober vereinzelten Niederschlägen, aber auch aufheiternb. Lufttemperaturen. Am 11. Juli: mittags 27,1 Grad, abends 24,0 Grad: am 12. Juli: morgens 21,0 Grad; Maximum 27,8 Grad, Minimum 19,2 Grad Cel- sius. Sonnenscheindauer 12^4 Stunden. — Erdtem- peraturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 11. Juli: abends 28,0 Grad; am 12. Juli: morgens 22,5 Grab Celsius. Oberhessischer Geschichtsverein Der diesjährige SommcrauNflug des Vereins findet Sonntag, den 17. Juli, statt. Von Garbenteich aus Limes-Wanderung (Führung: Museums - Assistent Dr. Szczech) nach Kloster Arnis- bnrg (Führung: Univ.-Prof.Dr. Rauch). Abfahrt von Gießen (Sonntagskarte bis Garbenteich): 13" Uhr. Rückfahrt von Lieh IO" Uhr. 5176 D Gäste willkommen. Daunendecken............ab Mk. 58.00 Bettwäsche, Garnitur.......ab Mk. 7.50 Bettücher 150/250...........ab Mk. 4.25 C. O. ä ■ ■ 4 ä. Sonderhaus für v' ff" 9 | T y Ausstattungen ■ % W M W W I Seltersweg 61 5169A Daunendecken das schönste und beste aus eigener Anfertigung nur beste Stoffe und Füllungen zu billigsten Preisen Gießen (Ebelstraße 39), 0)186 Gießen (Nordanlage 35), den 9. Juli 1932. 5171 P Altersvereinigung 1873 — 1923 Klein-Linden, den 11. Juli 1932. 04179 an Gießen, den 12. Juli 1932 5187 D Babenhausen II, Klause bei Winkel, Frankfurt, den 11. Juli 1932. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 13. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt Schr. Ang. u. 04185 den Gieß. Anz. In tiefer Trauer: Therese Stein, geb. Faust Fritz Stein, Resi Stein. Danksagung Für die herzliche Teilnahme und reichen Kranzspenden beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen sagen wir hiermit allen unseren aufrichtigen Dank. Käthe Simmermacher und Kinder Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem so schweren Verlust, der uns betroffen hat, sowie für die überaus zahlreichen Kranz- und Blumenspenden sagen wir allen auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Frau Luise Steger Wwe. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Georg Schönhals. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen guten Mann, unseren liebenVater, Schwiegervater, Großvater und Schwager Herrn Wilhelm Rieb nach langen, mit Geduld ertragenen Leiden, im Alter von 57 Jahren, zu sich zu nehmen. In tiefer Trauer: Frau Anna Rieb nebst allen Angehörigen. Gießen (Kaplansgasse 23), den 11. Juli 1932. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 13. Juli, nachmittags 4 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. ________________________________________14193 3|15-B.M.W.-Limousine 3/15-Dixi offen, Viersitzer, in tadellos. Beschaffenheit. sehr billig i. A. zu verkaufen. 5i83v Karl Schmidt, Bischoffen Tel. Niederweidb.24 Unser lieber Alterskollege Wilhelm Stein ist am Sonntag, dem 10. Juli 1932, entschlafen. Beerdigung findet Mittwoch, den 13, Juli, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand. 5175 d Am Sonntag, dem 10. Juli, abends 8% Uhr, entschlief sanft nach 4tägigem schweren Leiden ganz unerwartet mein lieber, treuer Gatte, unser lieber, treusorgender Vater Wilhelm Slein, Obernosischaiiner i. B. flltinesömiü m. Stallung, inmitt. der Stadt, billig zu verkaufen. 04181 G. Mab LudwigstraHe 45. Schöner großer Bauplatz i. Südviertel billig zu verkaufen. Bullenverkauf. Die Gemeinde Ober-Dessingen beabsichtigt einen abgängigen erstklassigen Dullen auf dem Submisßonswege zu verkaufen. Angebote sind in einer gesamten Kauf- fumme bis zum Freitag, dem 15. d. DL vormittags 11 Uhr, auf der Bürgermeisterei cinzureichen. Verkaufsbedingungen werden vorher bekanntgegeben und können auch eingefehen werden. 5188D Ober-Bessingen, den 11. Juli 1932. Hess. Bürgermeisterei Ober-Bessingen. Steil. e Plötzlich und unerwartet verschied nach kurzer Krankheit unser lieber Kamerad Wilhelm Stein Oberpostschaffner 1. R. Der Entschlafene war allezeit ein eifriger, pflichttreuer und guter Kamerad. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 13. Juli, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand. ____________________5182 D lir. 2-Zimiu.-Wolinung m.groff. Wohnküche zum I.Aug. zu ver- miillen.Zu erfragen im^Gieb. Anzeiger. Ein leeres separates Zimmer zu vermieten. 04200 Steinstraffe 72 Große Werkstatt mit Büro und Garage zu vermieten. Schriftl. Ang. mit. 04196 anü.G.A. | Mietgesuche | Zwei möbl. Zimmer mit 2 Betten und Kochgelegenheit v. Beamten für einige Wochen sofort zu mieten gesucht. Schriftl. Angebote mit Preisangabe u. 5172D an den GieH. Anzeiger erbeten. _ | Stellenangebote| Glottes 51U4D Mädchen nicht unter 20 Jahren, sofort gesucht. Zu erfragen im Gießener Anzeiger. Stellengesuche) ßhriftl. Mädchen (Rheinländerin) 25jäbrig, im Haushalt gut erfahren, sucht Stelle als Haustochter gleich umlgleich,voll- iter Familienanschl. Bedmguna.Schrift- liche Angeb.u.04187 a.d. Gieß. Anzeiger. ! 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Bestimmt: 1 Küchenschrank, Tortenplatten, 3 Hemden, 3 Unterhosen, Span« körbe, Bastkörbe, Henkelkörbe, Rasierpinsel, 1 Kaffee-Vcrkaufsständer (5 Gefache), 6 Röhren, 200 Sicherungen, 1 Schreibsekretär, 3 Oelgemälde, 2 Bilder, 9 Bücher (Ehespiegel), 1 Käseschneidemaschine, 1 Partie Seifenpulver. 4. Zwangsweiser verkauf aus freier Hand: 1 Bild (Stilleben), 1 Schlafzimmerbild mit Goldrahmen. Rösch stellv. Gerichtsvollzieher, Gießen, Wiesecker Weg 16, Telephon 3383. Vackvaplov Gvotzbandlung sucht für den Bezirk Giehen u. Umgegend teleo$eiogelrl.Mreler Ausführliche schriftliche Angebote mit Angabe von Referenzen unter 5180D an den Gießener Anzeiger erbeten. Ins enieur- Schule \ Maseru n en oan Etettro- iecnnUJ-iocD-nnetbiü. Toninaustria. Wer Im Meter-* »re/*u«u | frei. die Hitze kann Ihm nichts verderben. Und wenn das Barometer auch höher und höher steigt, jetzt hat Onkel Mollig seinen Efsschrank, in dem er alles verstauen kann, was ihm durch die Sonnenstrahlen davon laufen könnte. Butter und Milch, Wurst- und Fleischwaren, sie sind jetzt immer frisch zur Hand und stets genießbar. Gerade in der heißen Jahreszeit ist so ein Kühlschrank eine Sache für sich. Warum sollen Sie sich immer mit Ihrer besseren Ehehälfte herumzanken, wenn Ihre Eßwaren nicht frisch genug auf den Tisch kommen. Machen Sie es doch auch wie Onkel Mollig und schaffen Sie sich solch unentbehrliches Möbelstück an. Aber gehen Sie gleich zum Häuser, hier haben Sie die größte Auswahl in sämtlichen führenden Modellen. Häuser führt auch nicht nur allein diese Eisschränke, er hat auch elektrische Kühlschränke und Eismaschinen, mit denen Sie Berge von Eis hervorzauLern können. Und wenn die Fliegen gar zu frech werden in Ihren Vorratsschränken, so können Sie bei ihm auch sämtliche Arten von Fliegenschränken bekommen. Kurz, Häuser ist der Mann für diese Spezialitäten und ist auch gar nicht teuer. 4625 A X B. H AUSER, GIESSEN AM O S WAL DSC AR TEN Gesellschaftsverein e.V. (Klub) Mittwoch, den 13. Juli 1932, 20% Uhr KONZERT der Kapgfle des hiesigen Bataillons unter Leitung des Herrn Obermusikmeisters Krauße, anschließ. TANZ. Um pünktl. Erscheinen wird gebeten. Der Vorstand. ________________________________________________________________5178 D la gelbfl. Speise- kartoffel, per Zentner Mk. 3.70 mit Sack, versendet un- 1erNachnahme5l8iv I. Noffmann, Kartoffelversand, Echzell (Wetterau), Fernsprecher 36, Amt Reichelsheim. Unter Garantie Sterte hwinde» aa ob Ihre ommer prassen oTBeatnnreinigkeitcn bei Anwendung von Drula Bleichwache eestloe [jetet M. 2.25) Kngelapotheke. Das richtige oberh. Landbrot (Dienst, u. Freit.). Bekömmlich, wohlschmeckend, [04194 für warme Tage. Kräuterhaus Jung in der Schulstraffe. Hühneraugen Warzen,Hornballen beseitigt restlos auch in den hartnäckigst. Fällen totsicher unt. Gar.innerh.5-6 Tg. Mnmp-Rapid Erhält!, nur: Löwen- Drogerie W. Kilbinger Nacht, Seltersweg 69. Detektiv K. Gerz, Bad-Nauheim, Kurstraße 17 erledigt aUc vertrauliche Privat- u. 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Für die Braut das Oberhemd den Kragen die Krawatte die Handschuhe den Stoff zum Kleid die Wäsche den Schleier den Kranz die Strümpfe die Handschuhe Für den Bräutigam Alles in großer Auswahl im ModehausSalomonSchulstr, Nr. 161 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 12. Zuli 1952 Sie papierschiachi. - Die zersetzende Wirkung der feindlichen Propaganda während des Weltkrieges wird auch heute noch in ihrer Wirkung und Bedeutung für den Kriegsausgang noch längst nicht richtir eingeschätzt. Wenn auch mancherlei Bücher oorliegen, die biographische Darstellungen der führenden Männer der Feindpropaganda bringen, so hat es bis jetzt do. an einem dieses Problem in seiner Gesamt heil behandelnden Werk gefehlt. Nun wird diese Lücke durch das ausgezeichnete Buch des Reichsarchivrats Hans T h i m m e : „We l t - krieg ohne Waffen" (Verlag Cotta) ausgemerzt, das sich zu wesentlichen Teilen auf bisher noch nicht benutztes amtliches Material gründet. Es unterrichtet umfassend über Organisation, Inhalts Wirkung und Abwehr der Kriegspropaganda; interessante Aktenbeigaben und Bildmaterial vervollständigen es. Welch ungeheures Ausmaß auch diese „Materialschlacht annahm, zeigt ein Ausschnitt aus dem Kapitel: Die Propaganda an der Front: „Die Entwicklung der Technik befähigte die Frontpropaganda in den letzten Monaten des Krieges zu außerordentlichen Leistungen. Auf Grund genauer Mitteilungen in der Literatur der verschiedenen Länder ist es möglich, eine ungefähre Berechnung der von den einzelnen Ententemächten während des Krieges abgeworfenen Flugschriften zu geben. Als der amerikanische Nachrichtenoffizier Blankenhorn am 11. September 1918 eine Aufstellung über die Zahlen der bis dahin von der Entente abgeworfenen Flugschriften machte, kamen auf Frankreich 2 7 Millionen Stück. Im September wurden nach französischen Angaben 14 Millionen zur Front befördert. Für die Zeit vom 11. September bis zum Schluß des Monats macht das etwa zwei Drittel, das heißt 9,3 Millionen Stück aus. Rechnet man für den Oktober, der geringere Abwurfzahlen brachte als der September, und für den Anfang November auch nur die Hälfte der Septemberabwürfe, 7 Millionen, hinzu, so erhält man für Frankreich eine Gesamtsumme von 43,3 Millionen Flugschriften. Nach den Miteilungen Sir Campbell Stuarts gab die englische Propagandaabteilung vom Juni vis zum 10. November 1918 18,295 Millionen Flugschriften zum Abwurf gegen Deutschland aus. In den vorhergehenden Monaten und erst recht während des Jahres 1917 hielt sich der Abwurf an der englischen Front in viel bescheideneren Grenzen. Immerhin muß man für die ganze Zeit vor dem Juni 1918 doch mindestens mit einer Million Abwürfe rechnen. Die Gesamtzahl erhöht sich dadurch für England auf 19,295 Millionen. Die Zahl der durch das amerikanische Heer über der deutschen Front abgeworfenen Flugblätter gibt E. Powell auf 3 Millionen an. Rechnet man die Leistungen der verbündeten Staaten zusammen, so beträgt die Summ e der von den verschiedenen feindlichen Propaganda- zentralen ausgegebenen und gewiß auch zum größten Teil abgeworfenen Flugschriften 65,595 Millionen Stück. Das ist eine gewaltige Zahl, auch wenn man in Betracht zieht, daß das deutsche Heer im Westen, gegen das sich diese Anstrengung in erster Linie richtete, zur _ Zeit seiner größten Stärke 3,7 Millionen Mann zählte. Mehr als die Hälfte der Flugschriften ging von Frankreich aus. Freilich muß man damit rechnen, daß ein großer Teil der Flugblätter den deutschen Soldaten nicht vor die Äugen gekommen ist. Diele Flugschriften sind vor den deutschen Gräben niedergcfallen oder, vom Winde über Wälder und Felder verstreut, durch Regen und Feuchtigkeit verdorben. Auch die abgelieferten Flugblätter befanden sich oft in einem höchst traurigen Zustande." Lieber die Technik der Verbreitung heißt es: „3m Anfang des Jahres 1918 gelang den Fran- Weltlries ohne Waffen. 8ofen eine Erfindung, durch die eine Massenverbreitung von Flugblättern auf kurze Strecken ermöglicht wurde. Sie konstruierten ein Propa- gandageschoß aus Weißblech, das nach Art der Gewehrgranaten aus dem Jnfanteriegewehr verschossen werden konnte, die sogenannte Granate V. B., auch „portetract“ genannt. Die Reichweite der Geschosse betrug etwa 200 Meter. Sie explodierten in der Lust. Bei günstigem Wind konnten die Flugblätter noch gut 100 Meter weitergetragen werden. Jede Hülse hatte Raum für etwa 150 Flugblätter oder 5 bis 10 Zeitungen. Das erste Massenschießen mit der neuen Waffe wurde in der Champagne in der Rächt vom 12. auf den 13. Mai 1918 vorgenommen. Die französischen Schützen hatten den Auftrag, aus ihren eigenen Gräben näher an die deutsche Stellung heranzugehen, falls die Entfernung zu groß sein sollte. Es wurden in einer Viertelstunde ein bis zwei Millionen Flugblätter zu den Deutschen hinübergeschossen. Ein großer Teil der Papiermunition wird die deutschen Gräben doch wohl nicht erreicht haben. 3mmerhin wurden bei der 1. Armee allein etwa 14 000 Flugblätter abgeliefert. Der Erfolg erschien den französischen Kommandostellen so vielversprechend, daß sie in den nächsten Monaten von dem Propagandaschießen vorzugsweise Gebrauch machten. Eine deutsche Armee meldete eine Steigerung der Zahlen der gefundenen französischen Flugblätter um das Fünfundzwanzigfache. Der größte Mangels der Propagandagewehrgranate war ihre beschränkte Reichweite. Deshalb gingen die Franzosen daran, ein Propagandageschoß herzustellen, das aus dem leichten Feldgeschütz, der berühmten 75-Millimeter-Kanone, verschossen werden konnte. Die Versuche gelangen im März 1918. Die Flugblattgranate hatte eine Reichweite von 4 bis 5 Kilometer. Ein neuer Aufschwung der Propa- ganda erfolgte. Die Spuren des Schießverfahrens kann man noch heute an manchen Flugblättern sehen, die bei der Explosion angebrannt wurden. Besonders ost wurden die Kanonen mit Propagandabroschüren und Flugblättern allgemeinen Inhalts geladen, da das Füllen der Granaten zu lange Zeit erforderte, als daß man eilige Rachrichten auf diese Weise hätte befördern können. Bei dem deutschen Vormarsch 1918 wurden neben anderer Munition auch französische Pro- pagandageschosse in reichlichem Maße erbeutet. Allein im französischen Munitionspark Cirh-Sal- sogne fand man Geschosse mit einer halben Million Flugschriften, in Fismes 200 Kisten mit der gleichen Ware." Evangelisches Jugendtreffen für Aordwest Oberheffen. f KlosterArnsburg beiLich.il. 3uli. Unsere Klosterruine hatte am Sonntag Massenbesuch. . Die evangelische 3u gend des nordwestlichen Oberhessens (aber auch aus den übrigen Teilen Oberhessens waren 3ugendgruppen vertreten) hatte sich hier ein Stelldichein gegeben. Besonders stark waren die verschiedenen Iugendbünde der Stadt und des Kreises Gießen vertreten, auch viel nichtbündische 3gend, viele Bewohner der nördlichen Wetterau, alles Freunde unserer evangelischen Sache, hatten der Einladung Folge geleistet. 3n den alten Ruinen wurde das Treffen mit einem Gottesdienst eröffnet. Der Posaunenchor Lich blies einen Psalm, und ein Jugendchor erfreute mit dem Chorvortrag „Kommet herbei". Wechselgesang von Jugendlichen und Gemeinde unter Posaunenbegleitung hallte in den Ruinen wider. Der an Zahl starke Licher Kirchengesang- verein hatte mit Lehrer Stein den Chor ein- geübt „Lobt Gott getrost mit Singen", und mit dankerfülltem Herzen lauschten die Zuhörer der Weise. Der hessische Landesjugendpfarrer Lic. von der Au (Darmstadt) predigte über das Dibelwort aus dem 2. Korintherbrief 6, V. 16: „Ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes". Gemeindegesang, Chorvortrag und das Posaunen- spiel „Ich hebe meine Augen auf..beendeten die Feierstunde. Den Rachmittag füllten Spiel, Tanz, Reigen und Volkstänze der Jugendgruppen aus. Unter dem Dlätterr au scheu der alten Buchen des Klosterwaldes führten oberhessische Jugendliche der Volkshochschule Hohensolms, geleitet von Lehrer Dr. Kammer, jetzt in Dillingen, seither Mitarbeiter an der Volkshochschule Hohensolms das Teil- spiel der Schweizer Bauern auf. Lebhafter Beifall dankte den Laienspielern für ihre Darbietun- Bcn. Viel Freude bereiteten auch die Glieder der kugendvereinigung Lich (Leitung Stiftspfarrer D r a u ö t) den Zuhörern mit der Aufführung des Lustspiels „Peter Sqenz". Ein Schlußwort zum Ausklang von Pfarrer Strack (Münster), an Jugendliche und Erwachsene gerichtet, hinterließ nachhaltigen Eindruck bei jung und alt. Leider mußten schon viele Jugendliche wegen der weiten Heimwege vorzeitig das Treffen verlassen. Die Weihe des Heldemals von Langeniank. Die Feier an der Ehrenmauer des Heldenfriedhofs von Langemarck, der jetzt der Obhut der deutschen Studentenschaft übergeben wurde. Kreisfeuerwehrtag in Großen-Buseck. LSjähriges Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Großen-Buseck. * Großen-Buseck, 11. Juli. Es find schon zehn Jahre her, daß die Vertreter der F r e i w. Feuerwehren des Kreises Gießen zum Kreisfeuerwehrtag in Großen-Buseck weilten. Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Freiwiligen Feuerwehr Großen-Buseck war am Sonntag die diesjährige Tagung nach Großen- Buseck verlegt worden. Der Veranstaltung ging am Samstagabend ein Fackelzug durch die Straßen nach dem Festplatz voraus. Hier fand zunächst die Begrüßung der Vertreter, an deren Spitze der Vorsitzende des Kreisverbandes stand, durch den stellvertretenden Kommandanten Henkel statt. Fräulein Wagenbach brachte sodann einen sinnvollen Vorspruch sehr gut zu Gehör. Im Anschluß daran sprach der älteste noch aktive Feuerwehrmann, Abteilungsführer S ch l o s- sermeister Döring von der Großen-Busecker Wehr. In kurzen Umrissen zeichnete er ein lebendiges Bild vom Werdegang der Wehr, die mit 50 Kameraden im Jahre 1907 ins Leben gerufen wurde, von denen heute noch 17 Mitglieder der Wehr aktiv angehörten. Er erinnerte an den Gemeinschaftsgeist, der damals schon in hervorragendem Maße vorhanden gewesen sei und heute in verstärktem Maße in der Großen-Busecker Wehr fortlebe. Mit einem dreifachen „Hoch" auf die engere Heimat und das deutsche Vaterland schloß Kamerad Döring seine mit großem Beifall auf» genommene Ansprache. Hierauf übermittelte der Vertreter der Freiwilligen Gail'schen Feuerwehr, Kommandant Münch, Gießen, herzliche Glückwünsche unter Ueberreichung einer von Kameraden der Wehr kunstvoll gearbeiteten Plakette als äußeres Zeichen der Verbundenheit mit der Großen-Busecker Wehr. Der Vorsitzende des Kreisverbandes, Brandinspektor W e n - 3e l, gedachte ebenfall in herzlichen Worten des Jubiläums der Wehr und brachte die Glückwünsche des Kreisoerbandes und der Gießener Freiwilligen Feuerwehr zum Ausdruck. Im weiteren Verlauf des Abends wechselten Gesangsvorträge der Gr.- Busecker Männergesangvereine mit turnerischen Ausführungen des Turnvereins Großen-Buseck mit- Handschrift. Von Else Laster-Schüler. Ich habe beobachtet, daß Kinder und Große so recht in Gedanken versunken, mit der Feder, mit dem Bleistift an zu kritzeln fingen, dann ganz unbewußt bemüht waren, schöne oder verschnörkelte Buchstaben und Worte zu schreiben; sich dann später selbst über inte Bedeutung des Geschriebenen wunderten. Auf einmal steht auf dem weißen Rand der Zeitung ein Name im Arabeskenschmuck oder blumenverziert. Dort ist ein Zeitwort auf den Kopf gestellt, ich meine ein ^beliebiges Wort in Spiegelschrift geschrieben. Ich habe dasselbe fesselnde Gefühl beim Ansehen einer interessanten Handschrift wie bei einer guten Federzeichnung oder einem Gemälde. Und doch möchte ich darum die Handschrift nicht mit der Malzeichenkunst in einen Farbentopf oder in ein Tintenfaß werfen. Aber der, welcher sich verzweifelt nach einem Talent sehnt, möge es zunächst in seiner Handschrift suchen. Oft hat schon der Lehrer sie im Keim erstickt. Den meisten bleibt die Schrift nichts wie Inhalt — die Nachricht erfreut ihn, ärgert ihn, namentlich wenn sie noch dazu undeutlich geschrieben ist. Warum höre ich nie niemand sagen: Erklären Sie mir diese oder jene Handschrift. Ich meine nicht des sprachlichen Verständnisses wegen, auch nicht aus graphologischem Grunde; rein künstlerisch! Wie ja so oft die Frage aufgeworfen wird vor einem Bildnis. Es hat noch nie jemand von einer Handschrift den bornierten Ausruf getan: „Die ist mir zu hoch!" und doch gibt es gerade Meister dieser Schulmeister- kunst. Diejenigen sind's, die sich im Klassenzimmer Strafe holten ihrer Klaue wegen. Es geht ihnen wie dem Genie, welches die Kunstschule ausspie. Handschrift ist erblich wie jedes Talent. — Für mich kommt kaum der Inhalt eines Brieses in Betracht; ich kann mich für Den Schreiber nur feiner Buchstaben wegen interessieren. Und es geschah schon, daß ich ganz entzückt einen unverschämten Brief beantwortete und umgekehrt. Die Schrift ist ein Bild für sich und hat nichts mit dem Inhalt 3u tun. Jeder lernt schreiben, eine Menge Menschen haben es in ihrer Handschrift zur Kunst gebracht. Und darum auch gibt es in keiner Kunst so viele Epigonen wie in der Kunst der Buchstaben. Für diese Nachahmer ist jeder Buchstabe ein Gestell, dem sie einen Mantel umhängen, den ein anderer gewebt hat, sie verstehen eben ihre Blöße zu bemänteln. Die alltäglichen Epigonen sich reichgewordene Frauen, die sich bemühen, ihre so oft charakteristische Ladenmädchenschrift zenti- meterhoch heraufzuschrauben direkt zu hochmütigen Gänsehälsen. Der Mann möchte Bedeutung in seine Schrift legen und ahmt der Hand des ihm Geistig- überlegenen nach. Ungemein sympathisch berührt mich die sogenannte Tatze, die Schrift der Knaben, wenn sie den Aufsatz ins Diarium schreiben. — Hier diese Zeilen hat ein Mädchen vorsichtig und sanft geschrieben. Manchmal lachen auch Briefe oder sind erbittert, die Schrift riecht fast nach Galle. Meines Freundes Brief blinzelt, eine Faunland- fchaft. Dein Onkel schreibt eine kleine, rundliche, gleichmäßige Handschrift wie Taler. Geizhals ist er, aber ein Handschriftenkünstler wie mein Freund der Faun. — Interessant sind die spitz austaufenden Buchstaben aus dieser Seite, jedes Wort ein Wolfsgebiß. Und doch kein Tiergemälde. Meine Handschrift hat als Hintergrund Den Stern des Orients. Oft sagten mir Theologen, ich schreibe deutsch wie hebräisch ober arabisch. Ich denke an Der späten Aegypter Fetischkultur; ihnen ging aus dem Buchstaben schon die Blüte auf, der Zwischenduft, der Handschrift mit Zeichenmalkunst verbindet. Mir fallen noch die Schriften der Chinesen und Japaner ein. — „Die Mitternacht zog näher schon, in stummer Ruhe tag Babylon" — Die plötzliche Geisterschrift an Der Wand entsetzte die berauschten Gäste, nicht der Inhalt; das furchtbare Schriftbild war es. Sie erblickten Den Inhalt Des Fluches. Darum ist auch das Verständnis zur Kunst ein Seltenes und Erhabenes — es liegt uns im Gesicht und geht uns vom Gesicht aus. — Die Kaufmannshandschrift — ich möchte noch vorher fragen, hat schon einer der Leser einmal ein Lebenszeichen vorn Dichter Peter Baum bekommen? Nämlich gerade bringt mir der Postbote so ein Sommerbildchen, Buchstaben: Mückenschwarm, der zerstreut in der Sonne tanzt. Seine Karte blendet. — Ich bin bei Der KausmannshanDschrift — phantasielos, nüchtern, sie liegt bewegungslos auf Dem Papier. Kühle Tatsache. Der kaufmännische Reisende dreht seinen Buchstaben eitel Den Schnurrbart. Stutzig machen mich Briefe, Die von einem Geschäftsmann geschrieben sind und von Der Buchführung Doppelt abweichen. In Dem Schreiber steckt sicherlich Das HanDschriftentalent. Es gibt auch Launen Der Schrift. KinDer, Die erst morgen Dem ChristkinD schreiben wollen, da sie heute nicht schön schreiben können Meiner Mutter Briefe waren schwermütige Zypressenwälder, meines Vaters Schrift reizte zum Lachen, humoristische Zeichnungen aus Dem Struwelpeter. Kohlrabenpechschmarze Mohren ober der böse Nikolaus steckt die Jungens ins Tintenfaß; gelungene, amüsante Ueberschwemmungen von Tinte — Es gibt auch Schriftinspirationen, viele Menschen berauschen sich an ihrer Schrift, und der Inhalt, Den sie aufschreiben, ist nur Vortäuschung. Ich schreibe oft, um mich durch meine Schrift zu erinnern, meine Mutter schrieb, um zu träumen, mein Vater, um sich zu ergötzen. Meine Schwestern schrieben zweierlei — die älteste: Reisedilder, die andere: Kinderbilder. Der einzige Plastiker der Handschrift, den ich kannte, war St. P. Hille, Petrus —er schrieb Michelangelos. Nicht anders ist das mystische Bildnis als die ausgeschriebene Handschrift zu verstehen, doch die kann wie das Gemälde dilettantisch sein, wenn sie ohne Tiefe und Geist und nur als Ausübung entstanden ist. — Habe ich schon gesagt, daß es auch Stilleben in der Handschrift gibt, zehn Seiten lange Briefe, die fchlafen, aber deren Inhalt voll Leben sprudeln; Handschriftkünstler, die schul- akademifch erzogen und erwogen sind. — Manche Buchstaben gucken neugierig. — Gewissenhafte Handschriften: Wie die Buchstaben getrennt auseinanderstehen. Der Doktor war vermutlich sehr niedergeschlagen, als er diesen Brief schrieb, seine Handschrift war Dünn aufgelegt. — Hochbeglückt, glänzen die Vokale — Lachende Handschrift, Sonne! Ich habe ein kleines Laboratorium von Schreibkaninchen, die ich anrege, mir Briefe zu schreiben. Sie können sich also auf meine Erfahrung verlassen, lieber Zuhörer. Trotzdem das Manuskript dieses Aufsatzes mit schwarzer Tinte geschrieben ist, wirkt es blau, tiefblau, liebesblau. Den wissenschaftlichen, langweiligen Inhalt müssen Sie schon in Kauf nehmen — seine Handschrift ist ein Liebesbildnis. Oer Schwarzfahrer im $ ugzeug. In Amerika ist das Schwarzfahren der Tramps auf der Eisenbahn gang und gäbe. Es hat doch schon einen blinden Passagier gegeben, Der sich an Bord Des „Zeppelin" geschlichen hatte. Daß es möglich sein würde, sich in einem Flugzeug so zu verstecken, daß man nicht entdeckt wird, galt als ausgeschlossen. Und doch hat es ein zwanzigjähriger Deutscher, Der Schlosser Kaiser, fertig gebracht. Er hatte sich im Gepäckraum Des Flugzeugs versteckt und ist als blinder Passagier von Panama bis nach Miami geflogen. Hier erwischten ihn die revidierenden Zollbeamten. Er wollte sich nur auf dem Luftwege in Die Vereinigten Staaten einschmuggeln in Der Hoffnung, in Den Staaten leichter Arbeit finden zu können als in Panama. Aber Die Einwanderungsbehörden Der Vereinigten Staaten sind an ihre Vorschriften gebunden. Trotz allen Respekts vor dieser Rekordleistung wollen Die Vereinigten Staaten den Inhaber des Rekords nicht behalten. Er ist im Fluge ins Land gekommen und wird per Ackse dorthin zurückgebracht, von wo er kam. Zeitschriften. — Mutter und Kind. Zeitschrift für Ernährung, Pflege und Erziehung des Kindes. Verlag Elw. Staude, Osterwieck a. H. Vierteljährlich (3 Hefte) 1,65 RM. einschließlich Porto. — Das Julihest enthält wieder eine Fülle interessanter und lehrreicher Beiträge. Oberin B. Woerner schreibt einen Artikel: „Um der Wende des ersten Lebensjahres", lieber „Aerzt- lich-Erzieherisches" schreibt Kinderarzt Dr. med. Prückner. Lotte Hirschberg-Hansen behandelt Das Thema: „Soll mein Kind wissen ,Daß ich nicht seine richtige Mutter bin?" Dr. Liesegang roürDigt Die Verdienste Des ungarischen Arztes Ignaz Semmel- roeis in einer längeren Abhandlung. Es folgen dann noch Beiträge wie „Die Gefahren des Sommers für Den Säugling — Sachgemäße Behandlung Der Kin- Dermilch"; „Aus Italiens Frauen- unD Kinderwelt"; „Küche ohne Feuer"; „Ein neues Geschirr für Die Kinderstube usw., die dazu beitragen Dürften, Der Zeitschrift neue Freunde zuzuführen. Hochschulnachrichten. Der ordentliche Professor für römisches und bürgerliches Recht Dr. Hans Lewald in Frankfurt a. M. wurde in gleicher Eigenschaft an Die Universität Berlin versetzt. — Das Programm des Deutschen Historikertages, der, wie bereits gemeldet, vom 1. bis 5. August in G ö ttingen stattfindet, steht wesentlich im Zeichen der Außenpolitik. Die Tagung wird sich außerdem mit der Beschickung des Internationalen Historikertages 1932 in Warschau befassen. 2m Hinblick darauf werden Probleme des deutschen und europäischen Ostens in den Vordergrund rücken. Cs werden u. a. sprechen: Professor Aubin (Breslau) über die Ostgrenze des alten deutschen Reiches. Dr. Maschke (Königsberg) über die Anfänge des Rationalbewuhtfeins im deutschslawischen Grenzraum. Im Anschluß daran wird über die Minoritätenfrage debattiert werden. Professor Heichelheim (Gießen) behandelt welthistorische Gesichtspunkte der vormittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte, Professor Herzfeld (Hatte) die russische Politik am Vorabend des Weltkrieges. Das bedeutet eine Ausrollung der Kriegsschuldfrage. Jrn Hinblick auf das Göttinger Bismarckjubiläum spricht Professor Stadel- mann (Freiburg) über das Problem von Bismarcks deutscher Politik und Professor Roth- f e l s (Königsberg) über Bismarck und der Osten. Die Katastrophe des berliner Aasflug-Dampfers. ■ n In Berlin ereignete sich bei der Abfahrt eines Vergnügungsdampfers auf der Spree eine Kesselexplo- pon, die furchtbare Folgen hatte. Durch ausströmende heiße Dämpfe wurden sechs Passagiere getötet und 40 verletzt. Unser Bild zeigt den Ausflugsdampfer „Sperber" nach der Explosion. einander ab. Eine Glanznummer des Programms war der von Turnerinnen aufgeführte Fackelreigen unter Führung des Turnwartes. Der Sonntag vereinigte die Kameraden, die Abgeordneten der Freiwilligen Feuerwehren im Saale der Wirtschaft Wagner zur Arbeitstagung. Der Vorsitzende, Brandinspektor Wenzel-Gießen, begrüßte zunächst die Vertreter der staatlichen und kommunalen Behörden, sowie die Abgeordneten der Feuerwehren. Sodann dankte der Dezernent des Feuerlöschwesens im Kreise Gießen, Oberregierungsrat Ritzel, für die Einladung und teilte mit, daß auch Regierungsrat Krüger und der Sachbearbeiter, Herr Hernbd, als Vertreter des Kreises an der Tagung teilnehmen. Ober-Reg.-Rat Ritzel führte u. a. aus, daß er jederzeit für die Interessen der freiwilligen Feuerwehren einzutreten bereit sei, und nach bestem Können für die Belange der freiwilligen Feuerwehren und deren Ausgaben zur Ausführung ihrer schweren und verantwortungsvollen Pflichten im Dienste der Nächstenliebe eintreten wolle. Enge persönliche Verbindung durch den Kreisfeuerwehrinspektor Dickors zum Kreisamt setzten ihn jederzeit in die Lage, zu prüfen, wie und wo geholfen ' werden muß und kann? Auf seine Unterstützung im Rahmen des Möglichen sei bestimmt zu rechnen. Zum Abschluß seiner Ansprache wünschte er der Tagung guten Verlauf. Branddirektor Braubach überbrachte die Glückwünsche als Vorsitzender des Provinzialoerbandes und im Auftrage des Landesausschusses und wünschte der Tagung ebenfalls guten Verlauf und vollen Erfolg. Der Großen-Busecker Wehr sprach der Redner herzliche Glückwünsche zur Jubelfeier aus. Kommandant Harbach von der Jubelwehr hieß die Anwesenden willkommen. Die Tagung selbst ging flott vonstatten, so daß nur in wenigen Punkten Aussprache nötig wurde. Der Vorsitzende verlas die Einladung zum Deutschen Feuerwehrtag in Karlsruhe, der eine n.achtvolle Kundgebung werden soll und empfahl den Wehren, wenn irgendmöglich doch einen Vertreter nach Karlsruhe zu entsenden. Oberregierungsrat Ritzel griff hier in die Aussprache ein und legte ebenfalls den Wehren, insbesondere den anwesenden Bürgermeistern nahe, doch noch einmal ihren Etat zu überprüfen, ob nicht für einen Vertreter nach Karlsruhe einige Mittel aufgebracht werden könnten, die es ermöglichten, den Deutschen Feuerwehr- tag im August zu beschicken. Daß er nicht nur ein Mann des Wortes sei und der guten Ratschläge, sondern auch die Tat folgen lasse bewillige er aus seinem Dispositionsfonds als Ansporn für die Wehren bzw. die Gemeinden 100 Mark, wozu der Kreisoerband ebenfalls 100 Mark bewilligte, so daß 200 Mark zu Verfügung stehen, und damit für 18 dem Kreisverbande angeschlossenen Wehren- Vertreter das Fahrgeld gesichert ist. Sodann sprach Oberregierungsrat Ritzel zu den Ehrenmitgliedschaften ehemals akttoer Feuerwehrleute und empfahl, mit der Verleihung solcher Auszeichnungen sparsam umzugehen, da deren Wert unter allzu häufiger Verleihung leiden müsse. Kamerad Rohrbach von der Lol- larer Wehr widersprach Man habe seinen Antrag falsch verstanden und er behalte sich vor, denselben Antrag erneut beim Prooinztag einzubringen. Oberregierungsrat Ritzel empfahl ferner, schon heute innerhalb der Verbände Richtlinien über die Ernennung von Ehrenmitgliedern aufzustellen, damit in allen freiwilligen Feuerwehren des ganzen Landes nach einheitlichen Grundsätzen verfahren werden kann. Der Vorsitzende, Kamerad Wenzel, betonte, daß er dem Vorschlag sympathisch gegenüberstehe. Eine weitere Aussprache über diesen Punkt wurde nicht gewünscht. Damit war die Tagesordnung erschöpft und der Vorsitzende schloß die Tagung mit dem Dank an alle, die zur reibungslosen Erledigung der Aufgaben beigetragen haben. Anschließend versammelten sich die Vertreter und die inzwischen in großer Anzahl erschienenen Wehren zum Brandangriff, dem eine Geräteaufstellung und Exerzieren der Mannschaften vorausgegangen war. Nachdem der Angriff schon in vollem Gange war, wurde die Kreismotorspritze telephonisch herbeigerufen, die nach etwa 17 Minuten zur Stelle war und in den Kamps eingriff. Die Leistungen waren, wie Kreisfeuerwehrinspektor D i d o r 6 in feiner Kritik hervorhob, durchaus gut, wenn von einigen Schönheitsfehlern abgesehen wurde. In der Zusammenfassung ist zu sagen, daß die Großen-Busecker Wehr an Schlagfertigkeit und technischem Können den Wehren des Kreises nicht nachsteht und die Gemeinde im Falle der Feuersnot zuverlässig geschützt werden kann. Am Nachmittage bewegte sich ein stattlicher Fest- z u g, der zugleich eine Heerschau der Feuerwehren des Kreises Gießen war, unter Mitführung imposanter Festwagen nach dem Festplatze. An der Kirche sammelte sich der Zug in Staffeln, um einige Minuten in ft i H e m G e denken für d i e gefallenen Kameraden im Weltkriege zu verharren. Der 1. Kommandant, Harbach, legte an dem vor der Kirche erstelltem Denkmal einen prachtvollen Kranz nieder, während die Glocken läuteten und die Kapelle das Lied: „Ich hatt' einen Kameraden" spielte. Nachdem der Festzug auf dem Festplatz angekommen war, entwickelte sich bald ein buntes Leben und Treiben. Unter Ansprachen des Ortsgeistlichen und des Bürgermeisters wurde die von den Jungfrauen gestiftete Fahne als Symbol der Treue dem Fahnenträger überreicht. Der 1. Kommandant nahm die Fahne in feine Obhut, versprach weiter in treuester Verbundenheit mit der Gemeinde seine Pflicht zu tun und die Fahne heilig zu halten. Der Gemeinde und der festgebenden Großen-Busecker Wehr gereicht es zur besonderen Ehre, daß sie in dieser ferneren Notzeit es fertig brachten, der Veranstaltung durch die reichgeschmückten Straßen und des prächtig aus- gestatteten Festplatzes eine besondere Note zu geben. Durch den zahlreichen Besuch wurde der gastfreien Gemeinde der Dank abgestattet. Oberheffen. Landkreis Gießen. * Lollar, 12. Juli. Gestern nachmittag wollte die NSDAP, hier eine öffentliche Versammlung vor dem Vuderusschen Eisenwerk veranstalten, zu der eine Anzahl Gießener Nationalsozialisten mit dem Redner aus Gießen erschienen waren. Da die Versammlung nicht angemeldet war, wurde sie auf Weisung des Kreisamtes durch Eingreifen der Gendarmerie verhindert. Die Gießener Nationalsozialisten konnten sich unter dem Schuhe von sechs Gießener Polizeibeamten, die an Ort und Stelle erschienen waren, unbehelligt wieder entfernen. Drei Nationalsozialisten, darunter der Redner aus Gießen, hatten sich nach einer hiesigen Gastwirtschaft begeben. Als sie einige Zeit später das Lokal verliehen, gerieten sie auf der Straße mit politischen Gegnern in ei ne n Wortwechsel, der leider zu Tätlichkeiten führte, in deren Verlauf der Nationalsozialist Werner Jacobi von hier durch Schläge am Kopfe und im Gesicht verletzt wurde. Die beiden anderen Nationalsozialisten berichteten, daß sie gleichfalls mißhandelt worden seien: behördliche Ermittelungen nach dieser Richtung hin sind im Gange. Die Gendarmerie war alsbald zur Stelle und sorgte für die Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung. § Dau bring en, 11. Juli. Der freiwillige Arbeitsdienst ist nun auch in unserer Gemeinde eingeführt worden. Als vorläufig notwendigste Arbeit ist der Ausbau der Gemeindesandgrube angesehen worden, deren Zu- und Absahrtstrahe sich seither in wenig günstigem Zustand be'and, besonders bei längerer nasser Witterung. Nunmehr soll an deren Stelle eine chauffierte Ausfahrt angelegt werden. Außerdem muß ein Abraum der Grube vorgenommen werden, der einige Meter Umfang umfaßt, wenn sie genügend brauchbaren Sand liefern soll. Der neue Weg wird in einen bisher noch unausgebauten Waldweg einmünden. Auch bei diesem sind an verschiedenen Stellen Erdbewegungen notwendig, so Erdauffüllungen bis zu 80 Zentimeter Höhe und Ausschachtungen bis zu 4 Meter Tiefe. Die Vorarbeiten find in vollem Gange. Es sind mehr als 20 meist junge ausgesteuerte Arbeitskräfte aus unserer Gemeinde beschäftigt. Die Erdmassen, die rund 3000 Kubikmeter betragen, sollen nach dem Voranschlag in etwa 3400 Tagwerken ausgehoben und befördert werden, bei einem vorgesehenen Kostenaufwand von rund 6000 Mk. * Hattenrod, 12. Juli. Am Sonntag fand hier ein von zahlreichen alten Artilleristen besuchtes Artilleri st en°Treffen statt, dem u. a. Generalleutnant Exz. v. Kleinschmidt beiwohnte. Die Veranstaltung nahm in allen Teilen einen sehr harmonischen, von echt kameradschaftlichem Geist erfüllten Verlauf und bereitete den vielen Teilnehmern einige schöne Stunden geselligen Beisammen- seins. Wir werden über die Tagung noch näher bc- richten. Preußen. Kreis Wetzlar. > Wißmar, 11. Juli. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung, an der Landrat M i ß (Wetzlar), Bürgermeister Brockmeier lKrofdorf) teilnahmen, wurde die finanzielle Lage der Gemeinde erörtert, die infolge der hohen Wohlfahrtslasten trostlos geworden ist. Die Gemeinde hat bereits einen Vorschuß von 13 700 Reichsmark, um die laufenden Unterstützungen zahlen zu können; die Einnahmen fließen infolge der all- gemeinen Not spärlich. Auf Vorschlag des Landrats beschloß die Gemeindevertretung, einen Antrag auf Unter st ützung aus der Reichswohl - fahrtshi 1 fe zu stellen, jedoch überließ sie es der Aufsichtsbehörde, die erforderliche Vorbedingung — Erhebung des d r e-r-f a chen Satzes der Bürger ft euer — von sich aus zu verfügen. Die Gemeindevertretung glaubte angesichts der Not der wenigen Erwerbstätigen und der Bauernschaft, einen solchen Beschluß nicht verantworten zu können. Ferner wurde beschlossen, die verschiedenen Fonds ab- zuheben, damit ein Teil des Vorschusses gedeckt wer- den kann. Auch wurde beschlossen, durch Einrichtung des freiwilligen Arbeitsdienstes zu versuchen, der Not etwas zu steuern. S.ji.-fportf Das olympische Dorf von Los Angeles. Ein Heerlager der Sportheroen. Dor den Toren von Los Angeles ist es aus dem Doden emporgewachsen, dieses neu« Dorf, bestimmt, den Mitkämpfern bei der Olympiade Dehaglichkeit zu gewähren, zu deren Empfang das Komitee der Olympischen Spiele jetzt die letzten Vorkehrungen trifft. Werden doch die ersten Mannschaften, darunter die Deutschen, bereits um die Mitte des Monats hier erwartet. Wenn am 30. Juli Präsident Hoover die Spiele feierlich eröffnen und die Vertreter von 50 Nationen begrüßen wird, dann werden auch in die schmucken kleinen Häuschen, die jetzt noch so verlassen nahe dem Stadion im 2lusst«llungspark stechen, alle Gäste eingezogen fein. 550 Zweizimmer-Dauten werden 2000 Sport-- leute beherbergen. Außerdem weist das neue Dorf Speifechallen in einer Länge von 400 Meter, ein Freiluft- Theater und — da man ja nun einmal in der Nähe von Hollywood ist — natürlich auch ein Kino auf. Jede der kleinen Villen hat Telephon- anschluh, und auch ein Schwimm-Dassin darf im Dorfe nicht fehlen. Ferner sind alle Rennbahnen, Schwimmanstalten und Ringkampfplähe, die die Schulen von Los Angeles in vortrefflichem sportlichen Zustand besitzen, den Spielteilnehmern zum Trainieren frei gegeben. Die weiblichen Festgäste werden nicht in dem Dorfe untergebracht, das den Eharakter eines männlichen Feldlagers bewahren soll. Den eigentlichen Mittelpunkt aller Veranstaltungen wird das Olhpia-Sladion bilden, «in Bau, der von den Steuerzahlern von Los Angeles schon vor der Olympiade errichtet wurde und der erhalten bleibt. Mit seinem Umfang von rund 1000 Meter und einem Flächeninhalt von 6,8 Hektar kann es 2 3 0 0 00 Besuch e r fassen. In dem Stadion und den umschließenden Kampfbahnen werden u. a. die Cr- öffnungs- und Abschluhumzüge, die Schluhkämpf« im Reitsport, Hockey und der ost-westamerikanische Fuhballkampf stattfinden. Das Olympia- Auditorium, das dem Sportklub von Los Angeles gehört und 104 000 Zuschauer fassen kann, wird die Stätte der Dox- und Rickgkämpfe sein, während für d ie Radfahrer eine besondere hölzerne Dahn in Rose Bowl in Pasadena errichtet worden ist. Unmittelbar vor den Mauern des Stadions breitet sich ein ausgedehntes Bassin mit Sprungbrettern aus, das verschiedenen Arten des Wassersports einschließlich des Wasserpolos, dienen soll. Unterwasser-Beleuchtung und Heizvorrichtungen machen es auch zur Abhaltung von Nachtkämpfen geeignet. Große Tribünen werden 10 000 Zuschauern ermöglichen, bei den Wettspielen des so überaus volkstümlichen Schwimmsports anwesend zu sein. Die Ruderwettkämpfe hat man nach dem 29 Kilometer von Los Angeles entfernt gelegenen Strand von Long Beach verlegt, wo Dampf-Schaufler eine Kampfbahn von 2000 Meter Länge und 130 Meter Breite ausgehoben haben und die notwendigen Landungsplätze und Bootshäuser errichtet worden sind. LoS Angeles ist wohl gerüstet, seine Gäste würdig zu empfangen und mit Trompetenklang chren Einzug zur zehnten Olympiade zu feiern. Wie weit diese Töne durch den Ernst der Weltkrise gedämpft sein werden, wie sich die allgemeine Rot in einer hinter den Erwartungen zurückbleibenden Besucherzahl auswirken wird, das ist die Sorge, die auf dem Komitee der Olympischen Spiele wie auf der Handelskammer von Los Angeles bis herab zum kleinsten Geschäftsmann der Stadt lastet. Der Besuch aus den Staaten dürste sich nach den Vormerkungen bei den Eisenbahngesellschaften, die natürlich durch besonders vorteilhafte Fahrkartenpreife das ihrige zum Gelingen beitragen, recht günstig gestalten und kaum hinter dem bei ähnlichen Veranstaltungen in ruhigeren Zeiten zurückstehen. Wie es aber mit den Gästen von jenseits des Ozeans bestellt sein wird, das ist bei den schweren wirtschaftlichen Erschütterungen des alten Europa noch eine ungelöste Frage. L. R. Die neuen Olympia-Marken, die die amerikanische Postoerwaltung jetzt anläßlich der bevorstehenoen Eröffnung der Olympischen Spiele herausgibt. ■2222SZ23 Wirtschaft Berlin abgeschwächt. Berlin, 12. Juli. (WTB. Drahtmeldung.) Die schon gestern im Verlause der Börse und abends in Frankfurt erkennbare Kursbewegung fetzte sich im heutigen Verkehr trotz der Erholung gestern in Neu- york fort. Auf Grund der sich immer wieder zeigenden Meinungsverschiedenheiten in der Außenpolitik und der anscheinend bestehenden Differenz innerhalb des Kabinetts beteiligte sich das Publikum wieder nur wenig am Geschäft. Man nahm erneut Realisationen vor, so daß sich selbst gegenüber den schon schwachen vorbörslichen Taxen noch A b schwäch u n g e n um Bruchteile eines Prozents ergaben. Verschiedentlich traten dadurch gegen gestern Verluste von 2 bis 3 v. H. ein, Chadeaktien verloren 4 Mark. Auch Jlse-Genußscheine waren mit minus 3,5 v. H. und Feldmühle mit minus 3 o. H. bemerkenswert schwach. Die seit einigen Tagen zur Notiz gekommenen Hamburg-Süd und Hansa-Aktien erschienen mit Minus-Minus-Zeichen. Aber auch am Rentenmarkt war eine Ernüchterung heute unverkennbar. Von deutschen Anleihen büßten Neubesitz nach anfänglicher Minus- Minus-Notiz zirka 0,5 v. H. ein, während Altbesitz fast 1 v. H. niedriger lagen. Jndustrieobligationen verloren etwa 1 bis 1,5 v. H. und in gleichem Ausmaße waren Reichsschuldbuchforderungen notwendig. Aber auch für Pfandbriefe schien von feiten des Publikums Realisationsneigung zu bestehen, zumal die Diskontentscheidung der Reichsbank für die nächste Zeit wenigstens hinausgeschoben sein sollte. Der Tod Batas hatte auf die Börsentendenz keinen Einfluß, zumal der Verstorbene kaum als Spekulant anzusprechen war. Auch im Verlaufe neigte die Tendenz eher zur Schwäche, wobei in der Hauptsache der geringe Geschäftsumfang, daneben aber auch schwächere Meldungen aus dem Auslande mitsprachen. Erst geaen 12.45 Uhr setzte sich in Montanwerten eine kleine Erholung durch, wobei man auf die Verschärfung der belgischen Streikbewegung verwies. Am Äus- landrentenmarkt waren die A b schwäch u n g e n gegen gestern gering. Der Geldmarkt erfuhr eine weitere Erleichterung, so daß Tagesgeld vereinzelt schon mit 5 bis 5,13 v. H. erhältlich war. In Bekula-Aktien entwickelte sich der Allgemeintendenz entsprechend mit 2 v. H. unter gestern lebhaftes Geschäft. Die erste offizielle Notiz dürfte bei 90 liegen. Frankfurt schwächer. Frankfurt 12. Juli. (WTB. Drahtmeldung.) Die heutige Börse war zu Beginn aufder ganzen Linie abgeschwächt wobei die Stellungnahme Amerikas zu den Lausanner Abmachungen noch ungünstig nachwirkte und weitere Glattstellungen bei der öpefulation auslöste, zumal das Publikum der Börse nach wie vor fernbleibt. Auch die ungeklärte innerpolitische Lage wirkte sich jetzt stärker auf di« Börse aus, daneben verstimmte der starke Kursrückgang der deutschen Bonds an der gestrigen Neuyorker Börse. Auch die noch bis gestern. bestehende Hoffnung auf eine baldige Diskontsenkung der Reichsbank scheinen heute wieder verschwunden zu sein. Nach vorbörslich, noch behaupteten Kursen eröffnete die Börse mit durchschnittlichen Kursein- büßen von A bis 1% v. H. Am Farbenmarkt eröffneten IG., Scheideanstalt und Rütgerswerke bis 1 o. H. niedriger, Deutsche Erdöl gaben g v. H. nach. Die Verluste am Elektromarkt betrugen bei Ges- fürel und Schuckert VA o. H., AEG. gaben nur leicht nach. Einen markanten Kursrückgang wiesen Salzdetfurth mit minus 5% v. H. auf, am Montanmarkt büßten Rheinstahl 2 v. H. ein, dagegen konnten Gelsenkirchen ß o. H. anziehen. Schiffahrtspapiers gaben bei ruhigem Geschäft g v. H. nach. Auch der Anleihemarkt zeigte meist rückläufige Tendenz. Altbesitzanleihe und Reichs- schuldbuchsorderungen gaben je 1 v. H. nach, Neubesitz büßten § v. H. ein. Von Jndustrieobligationen konnten Stahlverein-Obligationen | v. H. anziehen. Auch am Pfandbriefmarkt kam in verstärktem Umfange Material heraus, dem nur. wenig Aufnahmeneigung gegenüberstand, so daß die Surfe für Goldpfandbriefe 1 bis 2 v. H. niedriger lagen. Nach einer vorübergehenden leichten Erholung war die Tendenz im Verlause weiter schwach, da neues Angebot auf die Kurse drückte. Die Rückgänge betrugen weitere 1 bis VA v. H. Am Geldmarkt war. Tagesgebd mit 4£ v. H. unverändert. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. Juli An der Getreidebörse herrschte bei Beginn der neuen Woche sehr stilles Geschäft. Die Umsätze beschränkten sich nur auf die Deckung des notwendigsten Bedarfs. Die Preise für Brotgetreide lagen unverändert, dagegen konnten Hafer und Futterartikel weiter leicht anziehen. Auch für ölhaltige Futterartikel hielt sich größeres Interesse. Das Mehlgeschäft war sehr klein, doch blieben die Ende der Vorwoche eingetretenen Erhöhungen für Weizenmehl behauptet. Roggenmehl war in freiem Markte billiger offeriert. Es wurden notiert: Weizen 256,50; Roggen 220; Hafer (inländischer) 172,50 bis 182,50; Weizenmehl (süddeutsches Spezial 0 mit Austauschweizen) 38,75 bis 39,50; Weizenmehl (niederrhein. mit Austausch- weizen) 38,75 bis 39,40; Roggenmehl (70 v. H.) 28,75 bis 29,25; Weizenkleie 9,15; Roggenkleie 9,25; Erbsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 24 bis 35; Linsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 22 bis 48; Heu (süddeutsches, gut, gesund, trocken) 3,40; Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt) 3,50; Weizen- , und Roggenstroh (gebündelt) 3,20 bis 3,50; Treber (getrocknet) 10,25 bis 10,50; Kartoffeln: Erstlinge, hiesiger Gegend, 3,80 bis 3,90; Böhms allerfrüheste, gelbe, 3,30 bis bis 3,40 Mark. — Tendenz: behauptet. «a Ä 7 .meinen ■ Igt W. ».'djrift f**r. ' MU pgffurt oif N*a 1 eonöon, 1- ■jachnalo LjauS fcuv ’w Erklärung' kserenz ab. < ' .Oers duck • Hria-Dahm >e hatte be be Tätigkeit ! jst des how Agenden Te Mannes rrungen hat. gesetzt. 2n len zahlreiche kutsche Gescho pefvHÖ. Schon Unterbau Anhängern f Nationen ü Macdonal ki Ackerung- i, in der es h ir erhebe d jchrenz und fag jener Dep Ki Spuren i kjwierigk' 5-lt seit dem lionalen 2ud Bittelpunl teilt haben, Bedrohung d die viel d tonale Mrtsch kolenge Aepai Mge toirtschi tot leine ( iu= einen '/m.ti lei bu. „M Ni ne Maedonaid, „u ligcn, und ch t ^schuldigen, ■ ® i d) t i g ft e Suff jetzt we ^’parationspi ; H hoffe, da 1' 'unmehr d Mratione Racdonald j Mung feit bi iMrofce, z b-üler Sachve fchrenz gere Rüfl davi Mltn zu i Reichskan oädig gtroei hnb irgendein II tun habe., raitHid) ein | ^leie Dopen Erwägungen h eine B, ■ Uvn;. Unt tzrA JWhn h( a S Hi 3 .tlne Sta °?^neuc > roate ^nunb „ rc S|j ächtet 7 Ns Som„ Itz?,- I ,r.eitheVVu Stteif .Mge,