llr.y Erstes vlatt 182. Jahrgang Dienstag, 12. Januar 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblütter Heimat im Bild • DieScholle Monat; Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschliisse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger riebe«. Postscheckkonto: Stanffurt am main 11686. GichenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen vntck und Verlag: vrühl'sche Universttätr-Vuch- und Zteindruckerei B. Lange in Siehe 1. Sdfriftietting und Seschästzstelle: 5chulltrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Deranlwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Tlaj Filter, sämtlich in Gießen. Keine Einigung zwischen Frankreich und England. Oie Vorbesprechungen für Lausanne beendet. - Flandin beharrt aus dem Provisorium. Randnoten. Zwei Dinge find bei der Beurteilung der durch die Erklärung des Reichskanzlers ge- schafsenen politischen Lage auseinanderzuhalten: Sie vertraglichen Bestimmungen auf der einen und die tatsächlichen Verhältnisse auf der anderen 'Seite. Dr. Brüning hat nicht etwa, wie die Fran- Ikafen behaupten, die bestehenden internationalen 'Verträge gekündigt, er hat vielmehr nur und mit Deutlichkeit festgesteUt, daß die Voraus- I e h u n g e n, auf denen sie einst beruhten, heute nicht mehr gegeben sind. Die Ausgabe der kommenden Äonferoa^ besteht Larin, die völkerrechtlichen Abmachungen mit dem Stand der Dinge in Liebereinstimmung zu bringen, der ja schon von der Sachverständigenkonserenz in Basel mit wünschenswerter Klarheit festgcstellt worden 'ist. Der ganze Streit geht im Grunde nur noch um das “ÖDic und nicht mehr um das Ob. Daran hermag auch die geheuchelte Empörung der Pariser Presse nichts zu ändern. Die Reparationskon« Irren) in Lausanne hat sich nämlich mit der Ruy» antDcnbung des alten deutschen Rechtswortes zu befassen: »Wo nichts ist, da hat der Kaiser sein Recht verloren." Wir dürfen uns nicht darüber täuschen, daß die nunmehr entstandene Lage sehr klar, aber auch ernst ist. Gerade die Dämpfung der Pariser Empörung deutet darauf hin, daß man alles einigen wird, um den französischen Standpunkt auf der Konferenz gegenüber allen Mächten durchzusetzen. Wenn man aber jetzt schon von Repa- rationszöllcn, von einer Anrufung des Haager kchiedsgerichts und von einer Zurückziehung der Iran^ösischen Kredite für die deutsche Reichsbank spricht, so sind das alles leere Drohungen. Denn auch Frankreich kann das Ergebnis der Konferenz nicht diktieren. Die neue Formulierung bei nunmehr eingetretenen reparationspolitischen Gage ist keine Angelegenheit der französischen Politik, sondern eine solche aller beteiligten Mächte. An der Tatsache, daß wir am Ende der Reparationen stehen, zweifelt kein gesunder Mensch. Trotzdem stehen wir aber nicht etwa am Ende internationaler Verwicklungen, internationaler Kon- Ihlte und Gefahren. 3n Lausanne werden zwar diese gleichsam im Hintergründe in der Betrachtung bleiben. Aber sie können nicht aus der Welt oc schasst werden. Schon jetzt zeigt sich das De- MirfniS, in Brünings Aeußerungen eine zunächst innenpolitische Kundgebung zu sehen. Es wäre rcrhängnisvoll, wenn man sie so auffaßte. Darin liegt ein Versuch, sie im französischen Interesse zu entwerten. Die Gefahr einer Sabotage der Konferenz durch Frankreich scheint insoweit beseitigt zu sein, alS die Konferenz stattfinden muß. Wenn der englische Ministerpräsident sagte, gerade Drü- nings Aeuherung bewiese die Rotwendigkeit der Konferenz, so zeigt das deutlich, in welcher Rich- tung er die Gefahren der Zukunft sucht. Wir Verden uns inzwischen in Ruhe und Geduld üben mäffen. Mit der deutschen Erklärung über das 6nbc der Reparationen ist die weitere Erörterung zunächst dem Auslande zugespielt worden. Hier Kübncn sjch aber immer klarer d i e Gegen- lähc zwischen zwei ganz verschiedenen politischen Anschauungen ab. Wie diese Gegensätze in einem gemeinsamen politischen Dertragsinstrument ver- tmigt werden können, ist im Augenblick ganz unübersehbar. Fest steht nur die unbedingte R o t - vendigkeit, zu einer solchen vertraglichen Abmachung zu kommen, und zwar zu einer Abmachung, die den gegebenen Tatsachen nicht wieder Gewalt antut wie alle bisherigen Verträge, die aus dem gleichen Anlaß geschlossen Vörden sind. Hoffen wir, daß sich dieses deutsche Rein als eine unerschütterliche Grundlage dafür ettoeifen möge. Das führende konservative Blatt in London )at von einem nach Sibirien transportierten deutschen Kolonisten einen -der die russische Grenze geschmuggelten Brief rialten, der ein düsteres Bild von den furchtbaren Schicksalen deutscher Kolonisten gibt, d i e Tiit Weib und Kind aus ihren Dörfern gerissen und nach Sibirien „ver- etzt" worden sind. — Der vor sechs Wochen geschriebene Bries enthält natürlich keine Orts- wgaben. Der vermittelnde Sonderkorrespondent bet Zeitung erklärt jedoch feierlich, daß er für bie Echtheit des Schreibens jede Garantie über- ■immt: .---Wir müssen unser Leben, umgeben rc»n Eisfeldern und unpassierbaren Wäldern, verbringen und beschließen, während andere in Gefängnissen verfaulen oder sich in Höhlen oder fehlen Bäumen verborgen halten. Don den Gefangenen Horen wir nichts mehr. Man muh s cht denken, daß wir mehr als andere Russen leiden. (Die Bauern haben sich sämtlich bei ihrer kinwanderung in Rußland naturalisieren lassen.) Aber ich spreche nut von unseren eigenen Leiben, damit unsere Rot zur Kenntnis der Oef- Irntlichkeit gelangt, und um erneut beim Völkerbund und anderen zivilisierten Zentren zu pro- leRieren- Wir leben im Rot den a l s Opfer kes kreißen Todes. Es ist seltsam, daß bisher niemand gewagt hat, das schreckliche Los ker Frauen und der unschuldigen Kinder zu erleichtern. Der einzige Trost für uns deutsche Hauern liegt in unserem festen Glauben an die göttliche Gerechtigkeit. Darum sind wir denn in die Verbannung geschickt worden? — Weil wir unserem Gotte Paris, 12. Ian. ((DIB. Funkspruch.) „Petit Parifi en“ schreibt, bas gestern abend vom Finanzministerium über die französisch-englischen Sachver- stänbigenverhanblungen ausgegebene Lommuniqus enthalte bas Eingestänbnis, bah Frankrelchund England sich über eine Formel, bie bie B e - ftimmungen des Poungplans aufrechtzuerhalten unb dennoch Deutschland ein Moratorium ; u be willigen erlauben wurde, nicht hätten einigen können. Schwierigkeiten feien wegen der Dauer dieses Moratoriums entstanden. England wolle, um die Privatkredite zu begünstigen, ein möglichst langes Moratorium bewilligen, was Frankreich nicht ; u l a f f e n könne, ohne in Zukunft die poungzah- lungcn mit den Schuldenzahlungen an die Bereinigten Staaten zu gefährden. Der „Malin“ stellt den Stand der Berhandlungen wie folgt dar. Sir Leith-Roh hat dieselbe Argumentation, die er vor einem Monat vorgetragen hatte, wieder aufgenommen und seinem französischen Kollegen die B o r t e i l e , die eine französisch- englische Berftänbigung über ben Antrag auf allgemeine Schulben st reich u n g mit sich bringen würde, vor Augen zu führen gesucht. Aber man hat ihn daran erinnert, dah, wenn auch das Ergebnis der Konferenz für England negativ wäre, das gleiche nicht für Frankreich gelten könne. (Eine allgemeine Schuldenftreichung, die jeden Bersuch einer Kommerzialisierung der Reichsbahnobligationen ausschliehe, würde für Frankreich ein grofjes Opfer bedeuten. Deshalb könne Frankreich die Disfuffion unter diesem Gesichtspunkt nicht in Angriff nehmen. Die Meinungsverschiedenheiten über die Dauer j des Moratoriums, das Deutschland bewilligt werden soll, sind, erklärt der „Matin“ weiter, nicht beseitigt worden. England verlangt ein fünfjähriges Moratorium, während die ftanzöfischen Sachverständigen, der Interpretation des Basler Berichts getreu, für ein ein - oder zweijähriges Moratorium plädierten. Finanzminifter F l a n d i n erklärte, dah die Aus- fpradje es erlaubt habe, die Ansichten der französischen und der englischen Regierung über die Fragen, die aus der Reparationskonseren; zur (Erörterung flehen, zu präzisieren. Der englische Delegierte Leith-Roh werde nunmehr vollkommen orientiert nach London zurückkehren, um seiner Regierung das (Ergebnis der in Paris geführten Berhandlungen vorzulegen. Während der Berhandlungen fei von den Erklärungen des Reichskanzlers Dr. Brüning über die Reparationsfrage nicht die Rede geroefen. Ruhige Auffassung in England. „Lausanne notwendiger denn je." London, 12. Ian. (WTB. Funkspruch.) Unter Bezugnahme auf die gestrige Kabinettsitzung, auf der auch die Erklärungen Dr. Brünings zur Repora- tionsfrage zur Sprache kommen, sagt der parlamentarische Korrespondent der „Times": Die Minister sind keineswegs der Meinung, dah die Erklärung des deutschen Reichskanzlers als eine Drohung oder ein Ultimatum ausgelegt werden könne. Man betrachte sie lediglich als die Wiedergabe der Auffassung der deutschen Regierung über bie Lage, die durch den Bericht des Basler Sachoerständigenaus- schufses enthüllt worden ist. Die Erklärung des Premierministers, daß die Ereignisse des Wochenendes dieAbhaltungderLausanner Konferenz notwendiger denn je gemacht haben, ist nach Beratung mit Sir John Simon treu bleiben und nicht zu den kommunistischen, der Menschheit so unwürdigen Ideen herabsinken wollen. Linser Leben war ein Leben der Arbeit, aber w i r wollen nicht in die Kollektivfarmen gehen und unseren Glauben aufgeben. Die Welt vergißt, daß der Kommunismus nicht nur auf wirtschaftlicher Grundlage, sondern auch auf Atheismus auf- gebaut ist mit einer Haltung gegenüber Frauen und Kindern und einem vollständigen Aufgeben der Persönlichkeit, deren Anerkennung wir deutschen Kolonisten verweigern. Wir haben keine Ahnung, unte^ welcher besonderen Anklage wir in die Verbannung geschickt worden sind. — 3m letzten Juli erschienen sie plötzlich in unserem Dorf und gaben einfach den Befehl, daß jede lebende Seele in 20 Minuten im Zuge sein müsse. Wir konnten nichts mit uns nehmen. Meine Schwester muhte barfuß mit, denn ihre Schuhe befanden sich gerade in Reparatur. Wir wußten nicht, wohin man uns bringen würde, warum und für welche Zeitdauer. Man brachte uns nach Sibirien, und unsere Leiden während unserer Fahrt überfliegen jede Beschreibung. 3n diesem sibirischen Dors leben wir in Baracken. Wir sind alle schwach — und wir wissen. was dies Wort bedeutet. Alle Männer und alle Frauen müssen vom frühen Morgen bis zum späten Abend arbeiten. Für uns gibt es nichts in der Art eines Acht—Stundentages. Linser und Neville Chamberlain abgegeben worden und hat die volle Unter st ützung des ganzen Ministerrates gesunden. Die einzige Sorge' der Minister ist jetzt, dah die Konferenz nicht noch einmal über den 25. Januar hinaus verschoben wird. Gestern wurde amtlich mitgeteilt, dah alle interessierten Mächte ihr Einverständnis mit dem Datum erklärt haben. Bei den zuständigen englischen Stellen herrscht die Auffassung, dah sich sachlich durch die Erklärung des Reichskanzlers die Lage nicht geändert hat. Eine amtliche Erklärung über die von England einzuschlagende Politik werde erst bei Beginn der Konferenz be« kanntgegcben werden. Gleichzeitig wird darauf h.ng.wiesen, daß die Erfahrung gezeigt habe, dah in Fällen, wo die Zusammenarbeit zwischen Paris und London erfolgreich war, auch die deutschen Interessen Berlin, 11. Jan. (TU.) Die Unterredung zwischen hugenberg und Hiller über den Borschlag des Reichskanzlers Dr. Brüning, eine j Berlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten durch den Reichstag vornehmen zu lassen, führte zu der gemeinsamen Ueberzeugung, dah diese Mahnahme aus Verfassung »rechtlichen Bedenken abzulehnen sei. wie wir erfahren, werden die Rationalsozialisten und die ! Deutschnationalen die Antwort auf die Frage des Kanzlers getrennt erteilen. Die beiden Schreiben stimmen in der Ablehnung des parlamentarischen Weges überein, dagegen ist anzunehmen, dah d i e Frage der Botkswah 1 taktisch verschie- j ben behandelt wird. In deutschnationalen ' Kreisen stellt man sich auf den Standpunkt, dah der Kanzler nur eine konkrete Frage g e f( e l U hat, nämlich die nach der parlamentarischen Lösung, und dah deshalb auch nur hierauf eine Antwort zu geben fei. Dagegen ist mit Sicherheit damit zu rechnen, dah in dem Schreiben Adolf Hitlers die Möglichkeit der B o l k s w a h l berührt wird, fo dah damit einlehterAnknüpfungs- p u n 11 für weitere Berhandlungen nach dieser Richtung hin gegeben sein dürste. 0te Antwort Hugenbergs. Berlin, 12. Ian. (ERB. Funkspruch, eigene Meldung.) Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volksparlei, Geheimrat Dr. Hugenberg, hat dem Reichskanzler folgendes Schreiben übermit- teil: Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Sie legten mir gestern die Frage vor, wie sich die Deutschnationale Dolkspartei zu Ihrem Vorschläge der parlamentarischen 'Bet- längerung der Amtszeit des Herrn Reichspräsidenten, Generallfeldmarschall von Hindenburg, stelle. Sie, Herr Reichskanzler, konnten diese Frage nicht aufgerollt haben, wenn Sie dabei nicht des Einverständ- nisfes des Zentrums und der SPD. sicher gewesen wären. Es sind dies die Parteien, die seinerzeit die Wahl des Reichspräsidenten auf das schärfste bekämpft haben. Mil dem Rückhalt dieser Parteien treten Sie jetzt an uns heran, die wir einst feineWahl angeregt und durchgesetzl haben, und be- Lohn bestehl pro Tag aus einem Teller Gemüsesuppe ohne jedes Fleischstückchen und einem halben Pfund von altem, sauren Brot. Wir leiden alle schrecklichen Hunger. In unserer Umgebung gab es etwa 7000 Familien, aber von ihnen sterben ungefähr zehn an jedem Tag. Dann kommen „sie" mit einem Wagen, werfen die Toten auf ihn und karren sie fort ohne ein Wort und ohne Zeremonie. Verwandle dürfen den sogenannten Beerdigungen nicht beiwohnen. Wie tote Hunde schleppt man sie fort und häuft sie auseinander. Unsere deutschen Dörfer sind alle zerstört, die Einwohner deportiert, in das Gefängnis geworfen und er- schossen. Rur die Wertlosen sind übriggeblieben. Richt weil von uns sind viele andere deutsche Kolonisten, Verbannte gleich uns, eingelroffen. Sie haben uns erzählt, dah unsere Heimstätten niedergerissen worden sind, um Diehställe zu bauen. In ihrer bisherigen Heimat im Süden Herrichten schreckliche Verhältnisse, und jede Hoffnung auf Rettung fei verschwunden. Viele Dörfer ständen verödet und es sei die Absicht der Sowjets, die deutschen Kolonisten gänzlich auszurollen, da keine Aussicht bestehe, sie zum Kommunismus zu bekehren. Die hiesigen Behörden sagen gerade heraus. daß die öffentliche Meinung der Welt sich erheben würde, wenn sie alle deutschen Kolonisten in Massen erschießen würden. Daher wür- Dorkeile gehabt hätten. Die Entwicklung lasse sich nur schrittweise vorwärts treiben Man befürchte in Londoner Kreisen, daß die weiteren Ereignisse Brüning dazu zwingen würden, von seiner jetzigen Haltung abzugehen, besonders hinsichtlich seiner Ansicht, daß die Tribute auch in Zukunft nicht gezahlt werden könnten. Im Finanzteil der „M o r n i n g P o st" heißt es, die Erklärungen Dr. Brünings mögen dazu beigetragen haben, eine Erwägung des ganzen Problems der Reparationen und internationalen Schulden in einer praktischeren Art und Weise und in einem schnelleren Tempo herbeizuführen, als bisher zu verzeichnen war. Dies war offenbar auch die Ansicht, die gestern auf dem Geldmarkt herrschte, wo die deutschen Wertpapiere nach vorübergehender Schwäche ungefähr mit den Eröffnungskursen stiegen gründen Ihr Vorgehen mit der außenpolitischen Rotwendigkeit einer Stärkung der „Stabilität" der deutschen Regierungsgewalt. Gleichzeil'0 schwächen Sie aber selbst diese Stabilität empfindlich durch die z ä h e A u f - rechterhallung einer Regierung im Reiche und in Preußen, hinter der k e i n e M e h r- heit des Volkes steht. Sie begründen die Rotwendigkeit Ihres Schrittes weiter mit der außenpolitischen Wirkung einer einheitlichen Der- trauenskundgebung für den Herrn Reichspräsidenten. Demgegenüber sind wir der Auffassung, daß die außenpolilische Stellung Deutschlands am meisten durch einen Rücktritt der jetzigen Re- gierung gestärkt wird, deren Vergangenheit es ihr erschwert, dem veränderten Willen des deutschen Lölkes dem Auslande gegenüber glaubhaften Ausdruck zu geben. Sie, Herr Reichskanzler, er- streben die Wiederwahl auf dem Wege der Beschlußfassung des Parlaments. Nach der Verfassung geht die Wahl des Reichspräsidenten unmittelbar vom Volke aus. Dieses Recht auf den Reichstag zu übertragen, liegt um | o weniger Anlaß vor, als der Reichstag der wahren Volksmeinung nicht mehr entspricht. Als die alten Anhänger des uns nach wie vor verehrungswürdigen Generalfeldmarschalls glau- ben wir, zu der Bemerkung berechtigt zu fein, daß die Art feiner Hineinziehung in parteimäßige und parlamentarische (Erörterungen der verfassungsrechtlichen Stellung und dem hohen Ansehen nicht gerecht wird, das der Herr Reichspräsident im deutschen Volke genießt. Diese Tatsache wird durch die öffentliche Behandlung der Angelegenheit bedauerlich verstärkt. Der parlamentarische Wahlakt wurde als eine Vertrauenskundgebung weniger für den Herrn Reichspräsidenten als für die von uns bekämpfte Politik und ins- besondere Außenpolitik der jetzigen Reichsregierung wirken. Unter diesen Umständen muß ich Ihnen nunmehr endgültig mitteilen daß eine Billigung oder Unterstützung Ihres Vorhabens für uns nicht in Frage kommen kann. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener gez.: (Unterschrift), Das Antwortschreiben Hitlers lag bei Redaktionsschluß noch nicht vor. den sie dorthin gebracht, wo sie untergehen müßten. Betet für uns und möge Gott uns Helsen." Der Tscheche Daka ist alles andere als deutschfreundlich, was ihn nicht daran hindert, in Deutschland Hunderte von Schuhverkaufsstellen zu unterhalten und deutsches Geld zu nehmen. Don gleichem Kaliber ist der Franzose C o t y, der mit seinem Parfüm Deutschland überschwemmt und die deutschen Einnahmen benutzt, um damit seine deutschfeindlichen Hetzblätter zu finanzieren. Es ist, glauben wir, allerhöchste Zeit, diesen Geschäftemachern zu zeigen, daß wir auf die Erzeugnisse von Deutschenfressern nicht angewiesen sind. Einmal kann die deutsche Industrie mit gleichwertigen Erzeugnissen aufwarten, zum anderen ist es besser, deutsche als tschechische Arbeiter zu beschäftigen. Aber Herr Data ist nicht nur Schuhfabrikant, sondern auch ein Schutzheiliger der tschechischen Kriegsflieger. Weil er mit seinen in Deutschland gescheffelten Millionen nicht weiß, was er anfangen soll, hat er sich jetzt angeboten, ein komplettes Fliegerlager mit Kasernen. Ofsizierswohnungen und Flugzeugschuppen in Ottrokowitz einzurichten. Da die tschechischen Flieger fortgesetzt Angriffe auf Deutschland ercr- zieren, dienen also die im deutschen Geschäft erzielten Gewinne dazu, Fliegerbomben für die Käufer tschechischen Schuhwerks anzufertigen. Oie Harzburger Opposition lehnt Brünings Borschlag ab. Oeutschnationale und Nationalsozialisten gegen eine Parlamentsaktion zur Berlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten. Oie Voraussetzungen für eine Volkswahl. In politischen Kreisen Berlins spricht man von der Möglichkeit, daß der Faden nun auch vielleicht oonden Parteien selb st oder einzelnen parlamentarischen Persönlichkeiten w e i t e r g e - spönnen werden kann, zumal die Deutschnationalen grundsätzlich dagegen sind, daß die Verhandlungen von der Reichsregierung geführt werden. Dann würde die ganze Frage also in eine neue Phase treten. Man nimmt an, daß e r st etwa Anfang Februar von der zuständigen Stelle mit den Parteien darüber Fühlung genommen wird, ob eg möglich ist. Hindenburg als gemeinsamen Kandidaten der Rechts, und Mittelparteien, möglicherweise auch der Sozialdemokratie, wieder aufzustellen. Für den genaueren Zeitpunkt hierfür dürfte die Frage von Be- deutung sein, wann der Reichstag wieder Zusammentritt, da er dann u. a die Frage zu erledigen haben wird, wann die verfassungsmäßige Neuwahl des Reichspräsidenten zu erfolgen hat. Die Neuwahl inuß bis zum 5. Mai erfolgt fein. Ursprünglich war der 13. März für den er st en Wahlgang in Aussicht genommen Es ist ober nicht un- möglich, daß dieser Termin nun auf einen früheren Tag angesetzt wird. Im Falle der Zustimmung Hindenburgs zu einer Wiederaufstellung als Präsidentschaftskandidaten wird vermutlich nur ein kommunistischer Gegenkandidat aufgestellt werden, und eine Wahl Hindenburgs im ersten Wahlgange würde dann gesichert sein. Was sagt die presse? Berlin, 12. Januar. (CNB) Einige Berliner Blätter nehmen schon zu dem ablehnendpn Beschluß der beiden Führer der Rechten Stellung. Die „Germania" schreibt, es ist auf keinen Fall stichhaltig, wenn sich die Führer der Oppositionsparteien auf „v e r f a s s u n g s r e ch t - l i ch e B e d e n k e n" zurückziehen, da doch die bisherigen Bemühungen des Kanzlers, eine parlamentarische Basis zu schaffen, bekanntlich gerade darauf hinausliefen, eine qualifizierte Zweidrittelmehrheit im Reichstag zu schaffen, die also in keinem Falle gegen die Verfassung verstößt. Es liegt doch hier wohl ein Eingeständnis vor, daß für die Führer der Opposition taktische Erwägun. g e n maßgebend gewesen sind. Jedenfalls wird auch die Volkswahl, wenn sie unter der einheitlichen Parole „Hindenburg" erfolgen wird, dem deutschen Volke die große und verantwortungsvolle Gelegenheit bieten, vor aller Welt zu manifestieren, daß es über alle Meinungsverschiedenheiten hinaus gerade in dieser Frage nur einen deutschen Wil- l e n gibt. Die „Vossische Zeitung" ist der Auffassung, daß Hugenberg, und nicht im geringsten unter dessen Einfluß auch Hitler, diese Aktion nur aus einem engen parteipolitischen Gesichtspunkt zu beurteilen vermocht hatten. Es fei erstaunlich, wie wenig Hugenberg es zu verhüllen vermocht habe, daß er die parlamentarische Lösung nur deswegen bekämpfe, weil sie von Brüning angeregt worden sei. Das „Berliner Tageblatt" bezeichnet die Ablehnung als .nicht überraschend" Es steht in ihr einen Affront gegen den Reichspräsi- beten, wie er kaum schwerer denkbar sei. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" will wissen, daß die Antworten nicht an den Kanzler, sondern an den Reichspräsidenten gerichtet seien. Das Blatt bezeichnet es als „höchste Zeit", daß die Frage der Präsidentenwahl vor weiteren abgeschmackten parteipolitischen Auseinandersetzungen bewahrt werde. Die Verhandlungen hätten im Laufe des Montags eine wichtige Wendung genommen. Die Einigung werde nunmehr auf dem Wege der regulären Wiederwahl Hindenburgs durch das Volk führen. Reichskanzler Brüning habe am Montag die Landvolkparteiler von Hauenschild und Döbrich, die Staatsparteiler Weber und Meyer, den Wirtschaftsparteiler Mollath und den Volksnationalen Dornemann empfangen. Heute würden sich die Besprechungen mit dem Christlich-Sozialen Simpfendörfer und dem Bayesschen Volksparteiler Leicht anschliehen. Mit Rücksicht auf die außenpolitische Lage werde empfohlen, den ersten Wahlgang für die Reichspräsidentenwahl bereits am 21. oder 28. Februar statt» fin&en zu lassen. — Die „Dör s en z e i t u n g" spricht von einem schweren politischen Mißerfolg Brünings. — Der „T a g" äußert, daß es für die „nationale Opposition unmöglich" getoefen toäre, in einer so wichtigen Frage eine Aenderung Der Verfassung vorzunehmen und damit noch eine Vertrauenskundgebung für die Po- litik des Reichskanzlers zu verbinden, worauf praktisch die Verlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten durch den Reichstag hinausgelaufen wäre. Der „Vorwärts" schreibt zu dem Plan, Hindenburg als alleinigen Kandidaten aller Parteien mit Ausnahme der Kommu- ntften zur Volkswahl zu stellen, solange nicht eine Erklärung sämtlicher in Betracht kommender Parken vorliege, dürfte der Reichspräsident kaum seine Bereitwilligkeit^ erklären, eine neue Kandidatur anzunehmen. Eine solche Erklärung der Parteien liegeabernichtvor. Insbesondere me Sozialdemokratische Partei sei keinerlei nbungen eingegangen und besitze nach leder Richtung volleHandlungsfreiheit. Die 2533- verlängert den Reichsbankkredit. Legi Frankreich die erste Gegenmine? v (WTB.) Der Verwaltungs- ^t der BIZ. hat beschlossen, den Präsidenten der Bank zu ermächtigen, den der Reichsbank gewahrten, am 4. Februar 1932 fälligen Kre- blt in Hohe von 25 Millionen Dollar rut einen Zeitraum bis zu drei Monaten SU erneu et n, wenn die anderen am Kredit beteiligten Rotenbanken ihren Anteil zu den k ® eJ.ingungen verlängern. Be- kanntUch haben die Bank von England, die Bank von Frankreich und die Federal Reserve Bank von Reuyork je 25 Millionen Dollar für den Gesamtkredit mit 100 Millionen Dollar gegeben. - Der der Oesterreichischen Rational- bank gewahrte, am 16. d.M. fällige Kredit wurde unter gleichen Voraussetzungen für drei Monate verlängert ebenso der der Ungari- io ? a * * " na l bank gegebene Kredit, der Il9nn^efen toäte' Der Anteil bet DIZ. an diesen Wahrungskrediten stellt nur einen, nicht zu bedeutenden Teil der langfristigen Anlagen, gemessen an der Gesamthöhe der der DIZ. zur Verfügung stehenden Mittel dar. Die deuische LandwirWast an der Jahreswende. Eine Rundfunkrede Minister Schieles. - Ohne Rahrungsfreiheii kein Kampf um nationale Unabhängigkeit. Berlin, 11. Ian. (WTB.) Reichsminister Schiele sprach im Landwirtschastsfunk der Deut-- scheu Welle über „Die Landwirtschaft an der Jahreswende". Der Minister bezeichnete die fortschreitende Senkung der Lebensmitteleinfuhr als die entscheidenste Tatsache. der Agrarpolitik der letzten Jahre. Der Einfuhrüberschuß an Rahrungsmit- t e l n, die wir auch im Inland erzeugen können, sei seit 1927 im Jahre 1931 auf ein Drittel des Wert.es zurückgegangen. Die volle Ausnutzung der in der Landwirtschaft noch vorhandenen Produktionsreserven würde uns von jeder Sorge und Abhängigkeit in der Sicherung unserer Ernährung mit den wichtigsten Rahrungs- Mitteln in verhältnismäßig kurzer Zeit befreien können. Deshalb sei es gerecht und klug, wenn Maßnahmen ergriffen worden sind und angesichts der besonders schwer darniederliegenden landwirtschaftlichen Veredelungswirtschaft in der nächsten Zeit ergriffen werden müßten, die vielleicht eine völlige Umkehr der bisherigen wirtschaftspolitischen Auffassungen bedeuten, die aber dazu dienen sollen, insbesondere d i e bä uerl iche Landwirtschaft in ihrer Produktionskraft im Interesse des Volksganzen und der Sicherung der Ernährung zu erhalten und zu stärken. Der Reichskanzler habe erklärt, daß Decktsch- lands verzweifelte Lage die Fortsetzung politischer Zahlungen unmöglich mache, wie wäre es um unsere verhandlungs- freihei, bestellt, fragte der Minister, wenn wir in dieser Krisenzeit von ausländischen Nahrung» mitleleinfuhren und damit praktisch von aus ländischen 6 r e d i t e i n s u h r e n ab hängig wären? Seit Versailles hat uns nie eindringlicher die tiefe Wahrheit vor Augen gestanden, die alle großen Staatsmänner zu ihrem Glaubensbekenntnis gemacht haben: Lin Volk, das sich nicht s e l b st ernähren kann ist auch nicht fähig, seine nationale Unabhängigkeit und Freiheit zu behaupten. Zum Schluß wandte sich der Minister an seine landwirtschaftlichen Derussgenossen und erklärte Ich kann und will Ihnen xum neuen Jahr kein neues Programm bringen. Ich will Ihnen nur sagen, daß die Reichsregierung sich nicht irre machen läßt in ihrem Ziele, dem sie schon in den allernächsten Tagen einen neuen deutlichen Ausdruck verleihen wird. Sie wird für die Sicherheit der deutschen Volksernährung und für die Lebensfähigkeit der deutschen Landwirtschaft alles das tun, was die Lage erfordert und was die Lage möglich macht. Sie tut es in der Lieberzeugung, daß sie hiermit zugleich wichtig st e P i onierarbeit an dem Fundament für die bessere Zukunft des deutschen Volkes leistet. Oie Hilfe für den Osten. Gutes Einspielen der neuen Maßnahmen zur Sicherung der Ernte. Berlin, 11. Jan. (TU.) Der Reichsminister Schlange, Reichskommissar für die Osthilfe, äußerte sich über die Maßnahmen zur Siche- rung der Ernte und der landwirtschaftlichen Entschuldung im O st Hilfegebiet. Er erklärte, daß die Abwicklung des S i ch e r u n g s- ver fahrens nach feinem bisherigen Eindruck auf Grund der aus verschiedenen Provinzen eingelaufenen Nachrichten sich über Erwarten gut vollziehe. Es fei insbesondere nicht der riesige An- fturm seitens der Landwirte auf das Sicherungsver- fahren eingetreten, den die Gläubiger befürchtet hatten. Nach dem bisherigen losen Ueberblick hätten offenbar nur diejenigen landwirtschaftlichen Betriebsinhaber den Sicherungsschutz in Anspruch genommen, deren finanzielle Schwierigkeiten derart waren, daß die Frühjahrsbestellung unter Umständen nicht mehr hätte ausgeführt werden können. „Ich glaube", so betonte der Minister, „daß man aus alledem einen doppelten Schluß ziehen kann: 1. das, was ich ernährungspolitisch erreichen wollte, nämlich die Sicherung der nächsten Ernte, scheint mir im weiten Maße erreich! zu sein. 2 Die Befürchtung der Banken usw., daß nun der 0 ft e n in weitgehendem Ausmaße kreditunwürdig werden würde, hat sich nicht erfüllt." lieber Erwarten gut habe sich auch das Treu- händersystem eingespielt, dem ursprünglich die größten Bedenken entgegengestanden hätten. Gläubiger wie Schuldner sollten das Gefühl bekommen, daß sich das Sicherungsverfahren aufderGrund- l a g e absoluter Gerechtigkeit unter striktem Ausschluß irgendwelcher Bevorzugung persönlicher Art abwickele Das sollte dazu beitragen, das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen. Im übrigen, so setzte der Minister hinzu, fei er sich als praktischer Landwirt darüber klar, daß Sicherungsver- fabren und Umschuldung nur ein er ft er Schritt sein könnten und daß alles darauf ankomme, für die nächste Ernte auch die Rentabilität der landwirtschaftlichen Erzeugung wiederherzustellen, namentlich auch in bezug auf die Veredlungswirtschaft. Nach Abschluß des Entschuldungsverfahrens werde die vordringliche national-politische Aufgabe die Verwendung desjenigen Landes fein, das im jetzigen Besitz wegen zu großer Ueberschuldung nicht g e h a l - t e n werden könne. Diese Aufgabe könne nach Ansicht des Ministers nur mit einem gleichmäßigen Siedlungsprogramm gelöst werden. Der „Matin" erklärt im Zusammenhang mit der Baseler Sitzung der BIZ., baß der Gouverneur der Bank von Frankreich, M o r e t, den Verwaltungsrat ber BIZ. bavon verstänbigt habe, daß die Genehmigung Frankreichs zur Verlängerung des Reichsbank-Re- biskontkrebits über einen Monat hinaus (also über den 4. März hinaus, b. Reb.) s e h r u n- wa hrscheinlich sei. Das Blatt fügt hinzu, bah unter biesen ilmftänben b i e Rechte Frankreichs vollkommen gewahrt seien, ba ber Einspruch bes französischen Vertreters genüge, um bie Verlängerung der Hälfte bes 100-Millionen-Dollar'redits, nämlich 25 Millionen ber Bank von Frankreich und 25 Millionen ber BIZ., zu verhindern- Kampf um Driand. Briands Verbleib im Quai d'Orsay wahrscheinlich. Paris, 11. Ian. (TL1.) Hinter den Kulissen wird um Briand ein harterKampfge- führt. Während seine Freunde alles tun, um ihn zur Zurücknahme seines nur mündlich vorgebrachten Rücktrittswunsches zu bewegen, sind seine Gegner lebhaft bemüht, seinen Entschluß als unwiderruflich darzustellen und sein Ausscheiden zu erzwingen. Dieser Kampf spiegelt sich auch in der Presse wider, da ein Teil der Blätter den Rücktritt Briands als vollzogen ansieht, während andere ebenso betonen, daß von einer Krise am Quai d'Orsay gar keine Rede sein könne. Ein verstärkt auftretendes Gerücht will wissen, daß Driand gar nicht die Absicht habe, im Falle einer einfachen Umbildung des Kabinetts zurückzutreten. Amtlicherseits hüllt man sich in Schweigen. Laval berichtete dem Präsidenten der Republik über die Lage. „Petit Parisien" bestätigt, daß Briand sich seit einigen Tagen b e d § u t e n d erholt habe. Er habe gestern mit Paul Doncour eingehend über die Vorarbeiten der Abrüstungskonferenz gesprochen. Unter diesen Umständen, meint das Blatt, sei es nicht ausgeschlossen, daß Driand das Außen- nn n i ft e r i u m beibehalten werde. Dies wäre auch angesichts der gegenwärtigen Lage die einfachste Lösung, denn wenn die Regierung die Verantwortung übernehmen wollte, Frankreich der großen Autorität Driands in der Stunde der Entscheidung zu berauben, dann würde Laval nur die Gesamtdemission übrigblciben. Laval habe aber gestern abend die sichere Hoffnung gehabt, daß er sich heute vormittag mit Driand werde einigen können. Unter diesen Umständen brauche er nur M a g i n o t zu ersehen. Das Portefeuille Maginots sei Tardieu angebo- t e n worden, der sich zur Annahme bereit erklärt habe. Indiens Kampf. Bombay, 11. Ian. (WTB.) Die Vereinigung der Baumwoll in aller hat heute einstimmig eine Protestentschliehung gegen die Festnahme Gandhis, die als eine Beschimpfung ganz Indiens bezeichnet wird, angenommen. Die Resolution schlägt eine Reihe von Kampf- maßnahmen vor, wie die Förderung des Gebrauches von Khaddar, das in Indien selbst gewonnen wird, Boykott ausländischer Waren, finanzielle Mitarbeit am Aufbau der indischen Industrie. Die Protesterklärung wird als Auftakt zur Lahmlegung von 75 Prozent der gesamten Großindustrie und der G ef ch ä f ts t ä t i g kei t an allen Börsen Bombays betrachtet- Die Regierung in Bombay veröffentlicht dagegen ein Kommunique, daß die von verschiedenen Distrikten eingelaufenen Berichte weiter günstig lauten. Die Kongreß- Partei soll übrigens die Einführung eines all- indischen Po st dien st es planen, dessen Gebühren die staatlichen Sätze um die Hälfte unterbieten würden. Oie Errettung der iotgeglaubien Bergleute in Beuthen. Ein Bild vom Beginn ber Rettungsarbeiten: Ein Verunglückter wirb von ben Hilfsmannschaften zum Schachtausgang gebracht. Trotzdem bie Rettungsarbeiten auf ber Karften- Zentrum-Grube mit allem Eifer i,n angestrengtester Tätigkeit fortgesetzt werben, ist es bis Mitternacht nicht gelungen, einen weiteren Verschütteten zu bergen. Bei ber Schwierigkeit, durch Gestein, Kohle unb einen eingebrochenen Quer- schlag oorzubringen, können in einer achtstünbigen Schicht burchschnittlich höchstens 2,5 bis 3 Meter er- schlossen werben. Man rechnet beshalb bamit, baß es erst im Laufe bes morgigen Nachmittags möglich fein wirb, an bie Stelle zu gelangen, an ber man bie bis jetzt noch nicht geborgenen Verschütteten oer- mutet. Irgenbein Lebenszeichen von ihnen ist nicht zu vernehmen. Um nichts unversucht zu lassen, hat man eine Abhörvorrichtung, wie sie im Sappenkrieg an ber Westfront verwendet wurde, mit in den Stollen genommen, in der Hoffnung, auf diese Weise vielleicht etwaige Zeichen besser' ver- nehmen zu können. Bohrmaschinen können vorläufig nicht in Tätigkeit treten und das Sprengen ist nach wie vor wegen der damit verbundenen großen Ge- fahren für Verschüttete und Retter vom Oberbergamt verboten. Die Schlesische Bergwerks- und Hütten AG. hat dem Herrn Reichspräsidenten telegraphisch über die Rettung von sieben der Verunglückten berichtet. Der Herr Reichspräsident hat hierauf mit folgendem Telegramm geantwortet: Ich habe mit großer Freude aus Ihrem telegraphischen Bericht die Rettung von sieben der auf der Karsten» Zentrum-Grube verschütteten Bergleuten vernommen und spreche der tapferen Rettungsmannschaft Dank unb Anerkennung für biese Tat aus. Gott gebe, baß es gelinge, auch bie übrigen Verunglückten lebend zu bergen, (gez.) von Hindenburg, Reichsprästdent. Oie Preisschilderverordnung. Berlin, 11. Ian. (ERB.) (Amtlich.) Der Reichskommissar für Preisüberwachung hatte die Vertreter der Länder zu einer Besprechung über die Durchführung der Preisüberwachung und die bisher gewonnenen Erfahrungen gebeten. Der Reichskommissar teilte mit, daß Verhandlungen im Gange seien, um weitere Preissenkungen herbei^uführen. Auf die Mitteilung, daß die Durchführung der Preisschilderverordnung noch verschiedentlich zu wünschen übrig lasse, bat der Reichskommissar, mit größter Bestimmtheit vorzugehen. Wie bereits mitgeteilt, habe er sich für Fälle hartnäckiger und vorsätzlicher Widersehung Vorbehalten, dem betreffenden Betriebsinhaber die F o r t - führung des Betriebs zu untersagen, oder den Betrieb ganz zu schließen. Es wurde festgesteklt,Schatz das Einsetzen von sog. S t a f f e l p r e i s e n in die Preisschilder unzulässig sei. Es sei ferner unzulässig, die amtlich vorgeschriebenen Preisschilder mit Reklamebeiwerk wie „Preise laut Rotverordnung" zu versehen. Bierpreissenkung nach Ermäßigung der Steuer. Ter erwartete Mehrertrag ausgeblieben. Berlin, 11. Ian. (ERB.) Der Reichskommissar für die Preisüberwachung, Dr. Gördeler, hat dem Brauerei-und dem Gastwirtsgewerbe von den Preisvorschriften der Rotverordnung biszum l. Februar d. I. Dispens erteilt. Bis zu diesem Termin soll bie Entscheidung über den Umfang ber Biersteuersenkung gefallen sein. Die Vertreter des deutschen Brauerei- und Gastwirtsgewerbes haben der Regierung eine Ermäßigung um 10 M k. j e Hektoliter Vollbier vorgeschlagen. Gleichzeitig sind die Gastwirte bereit, die Ausschankpreise um den doppelten Betrag der Steuerermäßigung zu kürzen, das würde also bedeuten, daß ab 1^ Februar das große Glas Dier 10 Pfennig und das kleine Glas Bier 5 Pf. billiger wird. In der Vorlage, die das Reichsfinanzministerium dem Reichsrat zugehen lassen wird, soll betont werden, daß die in den Jahren 1930 und 1931 vorgenommenen Erhöhungen der Diersteuern den erwarteten Mehrertrag nicht gebracht haben. Für das neue Etatsjahr 1931 32 hat die Reichsregierung selbst den ursprünglich eingesetzten Voranschlag von 510 Millionen Mark auf 4 6 0 Millionen Mark herabgesetzt. Auch diese Summe wird nicht erreicht werden. " X -in X I , verste L lech"« |a El Well un kanntet ffj id, das nächst nützt '"' Wtielk SB ’ l iny* r ' .l j Wenn nnch i ä Illt wie mächtig mit Mod Fre tincr klein-" S ^andergesetzt. 1 •fncine ®egner. ieben machen, ij-ntanh einwenb ss.ch glaube, das !puh man velst iBirb allerdings «an ruhig den van sich nicht Glühe, die t find auch die 1 Kreise beisamm lich Zeit, eine. £ßir rennen bi ler Straße. 211 ßxrüche sind fas z«hr. Da sagt lelomm's!, ber i ur ein Wort. M wünsch^ in' ,„i* ober । fess ■"imetri"® 7das kurze Deckung, einer umm, ZUE tt-'ne^ : j ist, kommt «örtlich übersc Qtemi6 ein gor c nem Glase gu 21us bestimmt freit!" vor, auch ächten. Selbes s tin eigentlich i: drangen, genau si rn irintlprud) .Mundheil!" o! mein aiel; denn Gesundheit am h Generalstreik in Bilbao. Kommunisten unb Syndikalisten erklärten in ber norbspanischen Inbustriestabt Bilbao ben Generalstreik. In Bilbao folgten bem Ruf nur etwa 20 v. H. Der Arbeiter. Im umliegenden Industrie- gebiet jedoch feiert mehr als bie Hälfte. In ver» schiebenen Orten kam es zu kleinen Zusammenstößen. Eisenbahnzüge unb Straßenbahnen wurden vielfach aufgehalten, beschossen ober mit Steinen beworfen, so baß zum Schutz Truppen aufgeboten werben mußten. Die Wetterlage. Q5 die Gesund! spräche beim T «handeln wie i Mßcn, ‘Sieben, 12 j CBuäet 93 bis 1 jJcUe 25 bis TJirling 8 bis Wcihkraul 1 b l^a.Icaui 8 bi: Kartoffeln 4 Selbe Men Spinat 20 b Nnuilohl g fftlblalat 80 äto'cfieln 10 | Haarwurzeln DM 8 bis 10, £ m)40&U50, W'W Hähne 80 « einig pro Pst ^'uinenlohl 20 5 bis 10 2 Oeberiohlrabi 8: _ ~ Taaesi I^Watet G M 22 Uhr. - ?°"°tsverfamr w* Mau Aus d M uns gefchr Wellung im 5>ie Ä Sä ES? ■ Wbo“nb bei e |*lfir Ä"'1 Mül fü. sMde m I j h > .. WMtn L^flffe l'll'ldK ' ®e6Urls( L"">?s>°dtifch 3^ L J1 der, |®fn J^jnoej ’» itlf N^^Tendi V-r'NKb Nr Ri«.8*1 l/,!n g sVJf - ?1 !ik in Bilbao. nbitoliften erklärten in der [labt Bilbao ben General« 'ZKK ■SÄ» p':Ar «KTÄ Vestel1 * * * * * *; er sich ^iberlehung ’e >N- rte6» V:"''Sott. Be‘ti«6* n *K«JU Vre l.„ uVVn. «i stf" "2'W !* wj Senkung "Söertzteiitt. LxS SÄWt Sm’f Cni Stmln M ht jlmfang bet Liei« ll«n lein. Die Bertreier 1 unb ®a^ittÄge1Wtbc| let8Snk\flunfl utn Uv0J?ler vvrge. ,n6 die Tastlvirte bereit le um ben doppelten Te« W künen. bar mürbe Sebruat ba8 grobe ®lai 16 kleine 0lai Biet ZA das AeichSsinanzmInItzt, ehen lassen wirb, soll be- n ben Jahren 1930 und Höhungen bet Versteuern ehrertragnichtge« i neue ElatSjahr 193132 9 leibst ben ursprünglich 'lug von 510 Mionen innen Mark herab« Kimme wirb nicht er« AUS der ProDttutalbaupniaOt Gießen den 12.3anuar 1932. Grüße und Tnnksprüche Wir wünschen uns im täglichen Verkehr vielerlei. U kommt uns kaum noch zum Bewußtsein. baß m|er Gruß „Guten Tag!". „Guten Abend!", „Guten Sorten!", oder auch nur „Tag!", „’n Abend!" und IRoirn!" eigentlich verkürzte Wunschsätze sind, die -nva |o eingekleidet werden müßten: „Ich wünsche >hwen einen guten Morgen, einen guten Abend usw." m Dorübergehen, man nimmt sich ja leider kerne Xit mehr zum langsamen Gang, wird bei Bekann- ■il das kurze einsilbige Wort hingeworsen, der Hut iivas gelüftet, und die Sache ist erledigt Da ift die Sitte, nur mit dem Abnehmer, der Kopf« cöedung, einer kleinen Verneigung, sonst ober ganz !uwim, zu grüßen, doch viel ansprechender Daß da« fi so kleine Aeußertichkeiten, wie ein freundliches 't, ein gewinnendes Lächeln, nicht vergessen -h*., versteht sich oon selbst. Auch im Zeitalter *r Technik sollte man aus den alltäglichen Gruß 11 Wert und Gewicht legen. Je nachlässiger ein 'lannter grüßt, desto freundlicher muß man dan« > das nächste Mal wird er schon höflicher fein, hts nützt im Leben mehr als Höflichkeit. Schaden li igt sie jedenfalls nie. Denn mich jemand sehr freundlich grüßt, dann 1 es genau so, wie wenn mir der Betrrssende ein ■ Dies Geschenk gemacht hätte. Unter diesem Ge- :swinkel pflege ich ebenfalls zu grüßen, auch 1 ine Gegner Diese erst recht. Ich weiß noch ganz ä, wie mächtig mir der Schlußsatz in einem Buche )» Gustav Frenssen gefallen hat. Er hatte sich in , ner kleinen Streitschrift mit seinen Gegnern aus- nenbergefeßt. Der Schlußsatz aber hieß. ,^sch grüße ist, kommt dabei nur wenigen zum Bewußtsein. ! mich übersetzt heißt es: Es möge dir nützen! • miß ein ganz schöner Spruch, wenn man bei tnem Glase guten Weines sitzt .«Jins bestimmten Gründen ziehe ich aber „Gesund- kl!“ vor, auch „Wohl bekomm's!" ist nicht zu ner« «tuen. Beides sind echt deutsche Wünsche und müßte' eigentlich das ewige „Prosit!" langsam Der- innaen, genau wie der Fremdling Toast durch un- frn Irinffprud) abgelost wurde. Gerade der Wunsch .Gesundheit!" oder „Deine Gesundheit!" sagt ungc »'n oicl; denn oon allen Gütern müssen wir die • 'unbßeit am höchsten schätzen. Leiber wird das oft »izessen. Erst wenn wir krank sind, merken wir, ■ die Gesundheit bedeutet Wir sollten unsere Zu- lliidje beim Trinken genau so ernstnehmen und »Modeln wie den täglichen Gruß. Kg (Yictzcncr Wochcnmarttprcisc. efterloge. 6. 25, 60, 60, 35, 4 iMalal SO bi« 100. d ebeln 10 bis 12, bem Ruj nur elmo 20 0. i). egenbtn Onbuftue- )r als bit hülste. Ä m« 1 kleinen ZnsammensNb^ >enbahnen wurden Dicikd) [cn oder mit Steinen be- hutz Truppen ausge- oorgemertt Ist, hat bis zum 31. Januar 1932 „„v - r Behörde mitzuteilen, welches Versorgungs- ' qr(anb belr-frhunMl'r'•i'die Auszahlung der Uebergangsgebührnisse nd iu daivu Endiy ist." ® 1 n Fünfundachtzigjähriger. Am n(Kr’;3!L|li0. 10. Januar feierte Rechnungsrat i. R. und Bieter 1. Klasse Cbg. Jochim, Kaiserallee 139, tu 85. Geburtstag in körperlicher und geistiger W bamü -- 5 l Zunüch^ ’■ 3 Städtische Bren^holzversteige- 13 Bei der gestrigen Brennholzversteigerung d:il bic letzte RotDerordnung bes Reichspräsiben- und zu^„-.Mng v'm 23. Dezember 1931 ist oerorbncl: „Jeber $en)Öltun95I^b über ö^3wrgungsanroärter, der Uebergangsgebührnisse neue 'n» ffiett^' H-jitj: und bei einer Behörde für eine Beamten ri.fnnh betnertbfj-' (II1 ® i c ß c n, 12. 3 n. Heutige Woch.nmarktpreise: ri; ter 9J bis HO Pf. (Kochbutter von 80 Pf. an), T-tle 25 bis 30. Käse (10 Stück) 50 bis 120, Erling 8 bis 12 (pro Zentner 7 bis 8 Mk), Mihkraut 7 bis 8 (pro Zentner 4 bis 5 Mk.), 2, kraut 8 bis 12 (pro Zentner 7 bis 8 Mk.), S toffeln 4 (pro Zentner 3 bis 3,50 Mk.), äI'C Rüben 8 bis 10. tote Rüben 8 bis 10, Eluat 20 bis 25, Unterkohlrabi 5 bis Onirikohl 8 bis 10, Rosenkohl 20 bis Tomaten 50 bis Meerrettich 30 bis trqc Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 80 bis 90 jjcxnig pro Psd.; Tauben 50 bis 60, Gier 11 bis 12, Iumenkohl 20 bis 60, Endivien 8 bis 10, B i 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 40. □Krtofclrabi 8 bis 10 Pf. pro Stück. Vornotizen. TageSkalender für Dienstag: iSilettßcater Gießen, „Verstehen wir uns?", 20 I5i> 22 Uhr. — Technischer Verein, „Augustiner", .2Lmit«DetfammIung. Lichtspielhaus, Bahnhof- IftiNe: „5>ouaumont“. 2l us dem Etadttheaterbureau tt>:d- uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, als 14. Vor» I»iung im Dienstagabonnement alleinige deutsche llihuffübrung des Schauspiels „Verstehen wir von Peter von Preradovie. Spielleitung: Fass 0 11. Mitwirkende. Frau Auguste sA-sch-Grevenberg, Ehrenmitglied des Meinin- Qy Landestheaters, als Gast in der Rolle der 61c{jaultet. Damen: Doering, Koch, Walther« :er; Herren: Hauet, Heyset, Kühne, Michel, -Sk'Fm, Schelchet. Ende: 22 Uhr. 11 Der Fernsprechanschluß der Gen- e r i e st a t i 0 n in Lollar. Dom Kreisamt «■ ui wird uns mitgeteilt: Für den Fernsprechan- »Hl-tz der Genbannerieftation Lollar (Postamt Lol- Pw, Anschluß Nr. 22) ist vom 1. Januar ab während )<« Dienftpaufcn des Postamts Lollar eine Dauer- ?»rirbung mit dem Fernsprechvermitttungsamt 3 nei hergestellt worben. Die Genbannerieftation SwIji kann also nunmehr zu jeder Zeit telephonisch a-n ttt werden. SciDarzwutzeln 25 bis 35, Dörrobst 30 bis L.-sel 8 bis 10, Dirnen 8 bis 10. Rüsse 35 bis 40. - ; tg 40 bis 50. Eat.n 90 b s .00 Gän'e 9.' bis ICO. W| ADl'dl] na" Moderne Krieasnnilel im niandswuMen-Krieg Ein japanisches Bombenflugzeug erhält vor dem Aufstieg seine furchtbare Ladung. Die Diensibezüge der Bürgermeister m den Landgemeinden Wit haben das Kreisamt Gießen übet die Auswirkung der jüngsten Desoldungs» kürzung bei den kommunalen Verwaltungen im Kreise Gießen befragt. Auf unsere Fragen erhielten wir die folgenden Antworten. D. Red. Frage: Was ist aur Durchführung der Angleichungsvorschriften m § 3 der Hessischen Rot- verordnung vom 25. September 1931 geschehen? Antwort: Der Herr Minister des Innern hat mit Verfügung vom 4. Dezember 19£1 die Richtlinien erlassen, nach denen die D i e n st b e - züge der Dürgermeister und Beige- ordneteninStadt-und Landgemeinden künftig geregelt werden. Die Regelung trat bereits rückwirkend zum 1. Dezember 1931 in Kraft. Frage Wie hoch ist die Ersparnis der beteiligten Gemeinden aus diesen Kürzungen? Antwort: Es handelt sich insgesamt um eine Summe von rund 50 000 Mk. Frage: Wie werden die Besoldungen der Bürgermeister in den Landgemeinden geregelt ? Antwort: Zunächst ist zu unterscheiden, ob es sich um Berufsbürgermeister, oder um Ehrenbürgermeister (nichtberufsmäßige Bürgermeister) handelt. Die Dienstbezüge der Berufsbürgermeister in Landgemeinden von 2000 bis 5000 Einwohner werden je nach der Größe und Bedeutung der Gemeinde nach den Besoldungsgruppen A 4b bis A 2d bemessen. Die Dienstbezüge der nichtberufsmäßigen Bürgermeister, sog Ehrenbürgermeister, in den Landgemeinden unterliegen grundsätzlich einer Einordnung in die staatliche Besoldungsordnung nur dann, wenn es sich um Gemeinden von 2001 Einwohner an handelt. Hier kommen die Gruppen A 4d bis A 2d (Gemeinden mit über 8000 Einwohner) in Betracht. Die Dlenstbezüge t>?r Bürgermeister in Gemeinden bis 20v0 Einwohner sind pauschal geregelt. Diese Pauschalvergütungen betragen jährlich: in Gemeinden bis 100 Einwohnern 250 RM ae al H 200 400 „ II ae 300 550 „ aa aa 400 750 „ II 500 900 „ ■ ■ aa .. 600 1100 „ a. 700 1300 „ aa al 800 1500 „ ea II aa 900 1750 „ u aa 1000 2000 „ ff 1200 2250 „ 1, aa 1400 2550 „ a a 1600 2900 „ II 1800 3200 „ ff ff 2000 tt 3500 „ Frage: Sind diese Sähe unabänderlich? Antwort: Die Sähe gelten als Höchstsätze. 3n besonderen Ausnahmefällen kann die Paufchalvergütung jedoch erhöht werden- Frage Wie wirkt die neue Besoldungsregelung? Antwort: Gegenüber dem Stand der Vergütungen der Bürgermeister vom 1. April 1931 sind sehr weitgehende Ab striche erfolgt. Rur in einigen Gemeinden haben sich keine größeren Unterschiede gegenüber der seitherigen Besoldung ergeben, in etwa drei Gemeinden tritt gegenüber seither überhaupt keine Qlenbe- rung ein. Prozentual betrachtet sind die Auswirkungen so erheblich, daß Senkungen der seitherigen Bezüge um 50 und mehr Prozent nicht zu den Seltenheiten gehören. Frage Sind mit dieser neuesten Kürzung die durch die Rowerordnungen angeordneten prozentualen Abzüge abgegolten? Antwort: Rein, trotz der starken Senkung der Bürgermeister-Bezüge werden die angeordneten prozentualen Kürzungen noch einmal besonders abgeseht. Hierbei handelt es sich um weitere Abzüge in Höhe von 14 bis 20 Prozent. tnüppel 5 Mark je Raummeter; Buchenreisig 2. Kl. 20 Mark, Eichenreisig 2. Kl 14 Mark je 100 Wellen; Eichengartenpfosten, 220 Meter lang, 7,60 Mark, Fichtenrundscheiter, 3 Meter lang, 5,60 Mark. •’ Verbotenes <3 l ü d 0 I p i e l in Gießen. Der Polizcibericht meldet: Ende des vergangenen Jahres konnte die Kriminalpolizei eine größere Anzahl von Personen ermitteln, die gewohnheitsmäßig dem Gludsspiel huldigten. Es wurde das Lotteriespiel, sog. .W u tz' , gespielt, wobei Karten von 50 Pf. bis 3 Mk., manchmal sogar bis 10 Mk., verkauft wurden. Die Umsätze waren teils recht erhebkich. Die Spieler trafen sich gewöhnlich in einem hiesigen Cafe, oder in der Privatwohnung eines Mitspielers. Auch stellte in einem Falle ein Student sein Zimmer zur Verfügung, der bei jedem Hauptgewinn den Betrag in Höhe des Einsatzes als Vergütung für die Bereitstellung des Zimmers erhielt. Soweit festgestellt werden konnte, haben sich 17 Personen aus den verschiedensten sozialen Schichten an den Spielen beteiligt, die jetzt ihre Bestrafung zu erwarten haben. " Geimpfte Kaninchen gestohlen. Der Polizeibericht teilt mit: Aus einem Gebäude der medizinischen Universitätsklinik wurden zehn Stallhasen entwendet, die zu Dersuchszweden Verwendung fanden. Die Tiere sind geimpft und zum Genuß unbrauchbar. " Einbruch auf Bahnhof Abend- stern. Der Polizeibericht meldet: 3n der letzten Rächt wurde im Bahnhof Abendstem ein Einbruch verübt. Die Täter drangen mittels Rachschlüssels in das Stationsgebäude ein und entwendeten, nachdem sie verschiedene Schubladen erbrochen hatten, zwei Dlods Llanko'ahrkarten 2. und 3. Klasse, einen runden Dienst stempel „Bahnhof Abendstern" und eine auf dem Fußboden aufgeschraubte eiserne Kassette in der Größe von 55> 42>U5 Zentimeter. An dem Güterschuppen zertrümmerten sie eine Fensterscheibe, wirbelten daraus das Fenster auf und fliegen ein. In dem Schuppen wurde von den Tätern nur eine Kiste gewaltsam geöffnet. Da der Inhalt nicht gefiel verließen die Einbrecher, ohne etwas mitzunehmen, wieder den Schuppen. Der noch in der Dunkelheit angefehte Polizeihund von der Landeskriminalpolizeistelle Gießen fand in einer Entfernung von 250 Meter vom Tatort eine rote Verstehermütze und die erbrochene Kassette. Aus dieser wurden von den Tätern etwa 10 Mark Wechselgeld entwendet. Die sofort aufgenommenen Ermittlungen sind noch im Gange. " M ilitärkonzert im Cafö Leib. Das Mililärkonzert am Sonntagabend im Cafe Leib gestaltete sich wieder zu einem großen äußeren und künstlerischen Erfolg für die Musikkapelle unseres Bataillons. Viele Zuhörer hatten sich eingefunden. D&ermufilmeißcr K r a u ß e, der sich in. Gießen bereits vieler Sympathien erfreut, dirigierte das Orchester mit der souveränen Beherrschung, die dem Zuhörer jedes Konzert zu einem uneingeschränkten Genuß gestaltet. Das Orchester wird, dafür erbrachte es auch am Sonntag wieder den Beweis, hohen künstlerischen und technischen Anforderungen gerecht. Einem einleitenden Marsch folgte als prächtiger Auftakt die feine und immer wieder gern gehörte Ouvertüre zu ..Martha"; einem Walzer von Waldteufel und den Szenen aus der Oper „Carmen" war der Erfolg von vornherein sicher. Die Zuhörer dankten mit lebhaftem Beifall und erzwangen sich Zugaben. In der Paraphrase über Walthers Preislied aus „Die Meistersinger von Rürnberg" wies Korpsführer Wanitzek als Solist erneut die vollständige Beherrschung der Violine nach. Die sprühenden, temperamentvollen spanischen Tänze von Moszkowsky und eine Fantasie aus Verdis „Traviata" sanden ebenfalls starken und verdienten Beifall Das weitere Programm brachte noch eine Ouvertüre zu einer Suppeschen Operette, ein Potpourri aus „Paga- nini“ (Lehär). einen Walzer und ein modernes Potpourri. Das musikalische Programm des Abends vermittelte in dieser Zusammenstellung einige unterhaltsame Stunden. " „W i n t e r in Bayern." 3n Erwartung eines besonderen Erlebnisses sanden sich am Sonn- tagoormittag viele Besucher im Lichtspielhaus. Bahnhofstraße, ein. Sie wurden nicht enttäuscht. Der erste Film führte nach Bayern und war dazu angetan, jeden Besucher zu interessieren. •ine L-euijoye ^ceiein 1 J- Löwen-Drogerie W. Kilbinger Nacht., Seltereweg 69. Drogerie Winterhoff, Kreuzplatz 10. Kreuz-Drog. A.Noll, BahnhOT8tr.63,Med.-Drog. Haue Hindenburg,Seileraw.68a Mittwoch, den 13. Januar 1932, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 1. Büfetts, Kredenzen, Vertikos, Nähmaschinen, Warenschränke, Grammophone, Sofas, Schreibtische, Kleiderschränke, Bettstellen, Diwans, Ladentheken, Photoapparate, Pia- ninos, Sperrholz, 200 Mistbeetfenster, Schreibmaschinen, 1 Bohrmaschine, 1 Rind, 1 Kuh, 1 Dauerwellenapparat, 10 Flaschen Portwein, 1 Radioapparat, Werfpup- pen, 1 Lederwalze, 1 Ständerlampe, Schreibmappen, 25 Fläschchen Leim. 2 Verkauf aus freier Hand: 284D 1 Nähmaschine (Nothmann), 1 Motorrad (Triumpf), fabrikneu. 3unfer Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 280 A Sobald Sie raus in die rauhe Luft gehen, nehmen Sie ein Winterhoffs extra starkes Euka’bonbon in den Mund und Sie bleiben gesund GeneralVerlreluDg Gesucht: Arbeitsfreudige Herren als General-V ertreter. 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Minute den ersten Erfolg, in der 35. Minute wurde ein Strafstoß in blendender Manier verwandelt. Ter Ball kam von rechts auf das Tor, ein Stürmer der Fuldaer verlängerte mit dem Kopf und Balser mußte den Ball passieren lassen. Während der restlichen Minuten ereignete sich nichts mehr von Bedeutung. Tie Gäste drängten sehr, ein drittes Tor hing in der Luft, es blieb aber beim 0:2. Die BfBer enttäuschten. Allerdings ist die Niederlage nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß Därenfänger, Dingel und Kreß erseht werden mußten. Ter Beste der Mannschaft war Haupt; Leutheuser war äußerst wuchtig, K'einke überraschend aufopfernd. Balser nicht immer ganz sicher. Handball im (Hau Hessen (O. T.) Tg. Friedberg I — Mio. Gießen I 1:3. Das Spiel der beiden Gruppenmeister endete mit dem erwarteten Ergebnis. Der Mtv. zeigte die ein- hciUichere Spielweise, die ihm besonders in der ersten Halbzeit zu einer Ueberlegenheit verhalf. Das gute Stellungsverm^gcn der Hintermannschaft und Läuferreihe verhinderte die Entfaltung des schnellen Friedberger Sturmes. Die energischen Vorstöße des DfB.-Gießen. VfL. (Liga) — Germania Fulda (Liga). Tas Spiel des Sonntags auf dem DfD.-Plah war ein Beweis dafür, daß sich die Mannschaft der Grün-Weißen zur Zeit ziemlich außer Form befindet und in der Aufstellung, in der sie gestern antrat, gegen keinen Gegner der Liga Chancen Hot. „Germania“ Fulda war gewissermaßen die letzte Chance des Sieges und diese Chance wurde vom Sturm , verschenkt, der gestern aber auch gar nichts schasste und Gelegenheiten ausließ, die unbedingt hätten verwandelt werden müssen. Ter Sturm hat wieder einmal das Spiel verloren. (Die Mannschaft trat in folgender Ausstellung an: Balser, Henrichs, Leutheuser; Knaus, Köhler. Lehrmund; Kleinke, Mattern, Haupt, Wlodarcck, Schmidt.). Tie Germanen waren, wenn auch nicht wesentlich, so doch besser, spielten manchmal auch reichlich unproduktiv, hatlcn einige schwache Stellen in der Mannschaft und waren auch ihrerseits vor dem Tore nicht schlagkräftig und nicht ent- schlossen genug. Immerhin waren sie im Feldspiel stets leicht überlegen und machten dem Gegner das Leben schwer. Ter Spielverlauf gestaltete sich nicht sehr spannend. Zu Beginn sah man zehn Minuten lang ein ziemlich ausgcg'ichenes Spiel, eine kritische Si.ua- tion vor dem Tor der Gäste wurde aber nicht ausgenützt, da ein Spieler dem eigenen anderen im Wege stand. Allmäh ich arbeiteten die F.'.ldaer eine leichte Ueberlegenheit heraus, dos Spiel wickelte sich eine Zeitlang in der Spielhälfte der Grün-Weißen ab, aber auch die Gäste vermochten nichts zählbares zu erreichen, da Lculheuser in (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Danzig, Januar 1932. Dieser läge wird die Frage akut, ob die bisherige Form der Wirtschafts. und Zollunion mit Polen für die Freie Stadt weiterhin tragbar erscheint, ober ob eine Wandlung eintreten muß, soll die Danziger Wirtschaft nicht systematisch zugrunde gerichtet werden. Bekanntlich ging man in Versailles von dem Grundsatz aus, daß die Freie Stadt Danzig als „alleiniger Zugang Polens zur See" möglichst eng in wirtschaftlicher Beziehung mit Polen verbunden sein müsse, daß keine trennenden wirtschaftspolitischen Grenzen zwischen beiden Staaten vorhanden fein dürften und fügte daher das Gebiet der Freien Stadt Danzig in das polnische Wirtschaftsgebiet mit ein. Um aber die Danziger Interessen zu wahren, wurde zunächst bestimmt, daß Polen bei allen wirtschafts politisch-n Maßnahmen, die auch Danzig in Mitleidenschaft ziehen, zunächst die Danziger Regierung zu hören habe, daß bie Danziger Wünsche nach Möglichkeit von Polen berücksichtigt werden müßten und daß endlich für den Eigenbedarf der Freien Stadt bestimmte Kontingente von Waren zugelassen werden, die Polen für fein Wirtschaftsgebiet von der Einfuhr ausschließen sollte. Die Erfahrung der letzten Jahre hat bewiesen, daß diese vorgesehenen Sicherungen nicht aus- reichen, um die Danziger Wirtschaft vor schweren Nachteilen zu schützen. Bekannt ist, daß die Danziger Landwirtschast völlig unrentabel geworden ist infolge des Einstromens auf Zlolybasis erzeugter und daher sehr billiger polnischer landwirt- schastlicher Produkte. Bekannt ist ferner, daß durch die Einrichtung polnischer Ausfuhr- f p n b i f a t e , benen besonders Vorteile zugebilligt worden sind, der Danziger Großhandel von feiner führenden Rolle im polnischen Außenhan- bei systematisch abgedrängt worden ist. Bekannt ist. daß mit allerlei Schikanen, wie Haussuchungen bei polnischen Kaufleuten nach angeblichen Danziger Kontingentswaren, der Handel zwischen Danzig und Polen systematisch erschwert und der Danziger Kauf- Mannschaft das polnische Geschäft möglichst oorent- halten wird. Bekannt ist endlich, baß die gesamte polnische Wirtschaftspolitik darauf eingestellt ist, den eigenen polnischen Hasen Gdingen zu fördern — auf Kosten Danzigs, dessen Umschlag vor allem der gewinnbringende Stückgutoerkehr. um den gleichen Prozentsatz zurückgeht, um den Der Umschlag in Gdingen zunimmt. Rur ber für Danzig keinerlei Gewinn abwerfende K o h l e 'n e x p o r t läßt scheinbar die Umschlagsziffer im Danziger Hafen noch relativ hoch erscheinen. So ist der Anteil Danzigs am Handel mit Eiern, Butter, Bacons. Zucker, Getreide, Düngei ein w icntlid) zurückgegangen oder ganz vernichtet or- ben. Kolonialwaren gehen in steigendem Maße über Gdingen, vor allem Reis ist fast ganz nach Gdingen abgewandert. Die soeben an Polen gerichteten Roten der Danziger Regierung haben darüber hinaus auf die Gefahr hingewiesen, die aus den beabsichtigten polnischen Staffeltarifen bei der Zollerhebung für Kolonialwaren für den Danziger Kolonialwarenhandel erwachsen würde. Kurz auf allen Gebieten der Wirtschaft ist fcstzustellen, daß Polen Danzig nicht als Zugang Polens zur See voll auszunuken bestrebt ist, fonbern im Gegenteil, alle Danziger Bemühungen. dem polnifchen Außenhandel im beiber- fettigen Interesse zu bienen, systematisch erschwert. Angesichts biefer Lage hätte man es Danzig nicht übel nehmen können, wenn es offen zum Ausbruck gebracht hatte, baß bie Nachteile ber Zollunion mit ber Danziger Industrie Absatzmöglichkeiten in Polen ZU sichern und dem ranziger Handel die führende Rolle im polnischen Auslandgeschäft zu erhallen, die ihm dank (einer Tradition, feinen Verbindungen tm Ausland und feiner vielfach bewiesenen Ueberlegen heil über den noch unerfahrenen polnischen Handel zukommt. Solch eine Korrektur der Fehler ber bisherigen Zollgemeinschast bzw der Auswirkungen der polnischen Wirtschaftspolitik auf Danzig kann auch ohne Ausrichtung von Binnenzollgrenzen zwischen Danzig und Polen erfolgen. Dazu ist nur guter Wille ZU wirtschaftlicher Zusammenarbeit erforderlich, dazu muß man sich aber natürlich erst an den Verhandlungstisch setzen. Leider aber muß sestgestellt werden, daß trotz mehrfacher Danziger Bemühungen, wirt schaftspolitische Verhandlungen mit Polen aufzu nehmen, von polnischer Seite immer wieder mit nichtssagenden Gründen ausgewichen worden ist. Wenn Polen nicht nicht offenkundig dem Vorwurf aussetzen will, daß es kraft seiner Vorrechte aus ber Zollgemeinschaft die Danziger Wirtschaft und damit den Danziger Staat nur in vollkommene Abhängigkeit von Warschau zu bringen bestrebt ist. daß also ein Mißbrauch der Zollunion durch Polen'vor- liegt, dann wirb es sich angesichts bes erneut be- funbeten Danziger Willens zur wirtschaftlichen Verständigung und Zusammenarbeit mit Polen einer Korrektur der bisher geltenden Wirtschaftsverträge zwischen Danzig und Polen nicht mehr widersetzen können. Dann wird es aber auch seine bisherige auf systematische Benachteiligung der Danziger Wirtschaft hinauslausende einseitige Wirtschaftspolitik aufgeben und sich dem Sinn der in Versailles verfügten „Wirtschaftsgemeinschaft" zwischen Danzig und Polen anbequemen müßen. Bolen die Vorteile für Danzig überwiegen, und daß die Freie Stadt sich daher das im Warschauer Abkommen enthaltene Recht auf spätere Einrichtung wirtschaftlicher Schutzmauern zwischen Danzig und Polen vorbehasten müsse. Wenn die Freie Stadt nach reiflicher lieber- (cgung von diesem Recht keinen Gebrauch zu machen sich entschlossen hat so kann man darin den stärksten Beweis für den Willen der Danziger Regierung und ber Danziger Wirtschaft auf wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Polen erblicken. Danzig kann (ebenfalls nicht ber Vorwurf gemacht werden, nicht alles versucht zu haben, was zu einer Förderung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Danzig und zu einer Erleichterung des polnischen Handelsverkehrs über Danzig beitragen könnte. Daß Danzig dabei seine politischen Rechte wahren muß und selbstverständlich seineExistenzalsselb- ständiges Staatswesen bzw. als besonders gearteter Wirtschaftsorganismus nicht preisgeben kann, braucht wohl nicht besonders unterstrichen zu werden. Als Gegenleistung von polnischer Seite muß allerdings erwartet werden, daß man in Warschau dieses unbestreitbare Danziger Entgegenkommen mit der Einsicht beantwortet, daß es so wie bisher mit der Schädigung Danzigs durch polnische wirtschaftspolitische Maßnahmen nicht weitergehen kann. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, die Danziger Landwirtschaft rentabel zu machen, es müssen ebenso Mittel und Wege gefunden werden. Danzigs VirtschaslSpoMsche Notwehr Von unserem F. v. ^.-Berichterstatter. Goethe-Bund. Vortragsabend Werner Bcumclburg. Ter dritte Dichterabend des Goethebundes vermittelte die persönliche Bekanntschaft mit Werner Deumelburg, dessen Kr.egs- und Rach- kriegsbücher „Sperrfeuer um Deutschland', „Gruppe Bosernül.er" und .Teutsch'and in Kelten“ in hohen Auflagen weite Verbreitung gefunden haben. Im Herbst vorigen Jahres ist der historische Roman „Ter Kuckuck und die zwölf Apostel" erschienen, der kürzlich im Büchertisch angezrigt wurde. Beumelburg begann seine Vorlesung — etwas überraschend — mit 'Abschnitten aus seinem jüngsten Buch, das die Gestalt des Fürsten Bismarck ins Zentrum der Darstellung rückt und — im betonten Gegensatz zu andern Biömarck- Tüchem — Probleme und Ereignisse seiner Epoche vom Blickpunkt des Rachkriegsbettachters aus an- schaut und sie au unserer Gegenwart in Beziehung zu sehen versucht. Ter vorgelragene Abschnitt handelt vom Jahre 1862; er schildert in historischer Szenerie, vor bekannten Kulissen, den Kamps um die Heeresvorlage. die Kabinettskrise, Bismarcks Berufung zum preußischen Ministerpräsidenten. Er stellt Bismarck neben den K.nig, neben seine alten Freunde, zeigt ihn in diplomatischer Tuchfühlung mit den Liberalen, in entscheidender Par- lamentssihung, vor der oppostl.onellen Front seiner parlamentarischen und publizistischen Gegner; auch die Rolle der Königin Augusta wird gestreift; eine letzte Begegnung mit dem König im Zuge nach Berlin bildet den Abschluß. — Was man hörte, war ein interessant geschriebener historischpolitischer Essay, getragen von der Liebe zur berühmten Gestalt, ein ilrieil über das Buch als Ganzes ist nicht möglich, weil man aus diesen Proben nicht erkennen kann, wieweit Deumelburg die oben angedeutete Lösung seiner Aufgabe gelungen ist: das muh der Lektüre Vorbehalten bleiben. Mehrfach geäußerten Wünschen Folge leistend, gab Deumelburg (der übrigens, mit sympathischer und tragender Stimme lesend, ein vortrefflicher Interpret seiner Arbeiten ist) Proben aus seinen Kriegsschilderungen, und zwar aus dem Frontsoldatenroman „Gruppe Bosemüller“, der die Schicksale einer deutschen Pioniergruppe vor Verdun zum Thema hat. Rach einem heiteren Auftakt beschreibt der vorgetragene Auszug die groteske Begegnung echter Feldsoldaten in der Stellung mit etlichen unmöglichen Etappenoffizieren, die sich auf unwahrscheinliche Weise nach vorn verirrt haben: eine Episode, die an drastischer Deutlichkeit und grimmigem Humor nichts zu wünschen übrig läßt. Dann geht die Schilderung in den bitteren Ernst der welthistorischen Fabel ein. Das Erlebnis der Front und des Krieges rückt hart in unmittelbare Blicknähe; Bild reiht sich Plastisch und greifbar an Bild: die niedrig kreisenden Flieger einer französischen Staffel im Vorfeld, die mit Maschinengewehren auf einzelne Gruppen Jagd machen; die atemraubende Bergung eines Verwundeten: der Weg nach rückwärts auf überfüllten und verstopften Anmarschstraßen; das in typischen Einzelheiten festgehaltene Bild des Hinterlandes; unterdrückte Bitterkeit in dec Schilderung der verhängnisvollen Kluit zw schen Etappe und Front; zuletzt der Besuch bei einem schwer verwundeten jungen Kameraden im Lazarett: das ist alles aus unmittelbarem, tief eingeprägtem Erlebnis historisch und menschlich echt und überzeugend geschrieben. Kein Zwei el, daß dieser zweite Teil der Vorlesung die stärksten Eindrücke des Abends vermittelte. — Tie zahlreiche Hörerschaft dankte mit ehrlichem Beifall. -y- Gießener Konzertverein. Viol nkonzcrt Edith Lorand. In letzter Zeit hat Wohl kaum eine Geigerin die Oe.fentlichceit so stark auf sich aufmerksam gemacht wie Edith Lor and. In den illustrierten Zeitschriften, auf den Reklameanzeigen der Schallplattengeschäfte, überall trat einem ihr Rame entgegen. Dazu hatten Radiohörer in der vergangenen Woche Gelegenheit, von ihrem Kon- zert mit dem Kammerorchester in Frankfurt C.n- drücke zu gewinnen. Alles das wirkte zusammen, und so konnte die Geigerin für ihr Gießener Konzert ein volles, ja übervolles Haus buchen. Sicher ist Edith Lorand eine so versierte Dir- tuosin, wie man in rein technischer Hinsicht so leicht keine zweite nennen könnte. Das scheinbar Unmögliche vermag sie glaubhaft zu machen. Raketengleich läßt sie ihr technisches Feuerwerk aufblihen, Doppelgriffe, Oktaven. Flageolettspiel, alles mit einer persönlichen Selbstverständlichkeit als großen Erlebnisakt. Dazu kommt eine ideal gelockerte Bogenführung, jeder Muskel ist gelöst. Daher gelingt ihr ein sprühendes, glitzerndes Stakkatospiel; ihren Ton vermag sie zu fast übergroßem Volumen anwachsen zu lassen. Aber alles das würde auf das Publikum nicht zündend ein- wirken, wenn die Künstlerin nicht mit sehr starker rassebedingter Musikalität erfüllt wäre, der sich ein überschäumendes ausgeprägtes Temperament verbindet- Jeder Rcrv, jede Faser, jede Bewegung, jede Gebärde vom Kopf bis zu den Füßen kündet von starkem, völligem Durchdrungensein und innerem Deteiligtsein. Müßte nicht nach alledem Edith Lorand eine Königin des Geigenspiels fein? Vielleicht wird sie ihren stammesverwandten Rationalitäten als eine solche erscheinen; der deutschen Musikausfassung könnte sie es vielleicht auch, wenn sie nicht in ihrer selbstbewußten Art das innere Gesetz alles Musizierens, nämlich die Hochachtung vor dem Werk des Schaffenden, seinem Stil, seiner geistigen Haltung, säst völlig außer acht liehe. Sie ist sich ihres Temperaments voll bewußt; aber, anstatt es zu zügeln und dem Willen des Werkes unterzuordnen, gibt sie sich ausschließlich als Temperamentsmusikerin. Ueberall sieht sie eine Gelegenheit, ihre nationale Eigenheit durchzudrücken. Es liegt in ihrem Spiel etwas Unve- herrschtes, Ungezügeltes, aber auch Unverfälschtes. Raturkräftiges. dem sie bis hart an die Grenze des Erlaubten nachgeht. Die Geige ist ihr nicht das Instrument, dem man Wohllaut entlockt; sie zwingt sie zum Klingen, sie bändigt sie. So wird ihr Ton oft überdimensional, bis zu klanglicher Rauheit. Eine Passage gibt ihr bie Möglichkeit zu affektgeladener Motorik, ohne daß sie dabei dem geistigen Wert und der organischen Berechtigung nachspürt. Das energische Auftreten Edith Lorands kündet schon äußerlich, daß sie es gewohnt ist, einem größeren Klangkörper vorzustehen. Ihr Ichbewußtsein geht so weit, daß sie ihrem Portner am Klavier (Earl Lothar Mikulicz) eine untergeordnete Stellung zuweist. Nur daraus ist es erklärlich, daß sie während der Zwischenspiele des Klaviers in unbekümmerter Rücksichtslosigkeit ihr Instrument stimmt, ohne dabei zu beachten, daß bei jedem musikalischen Werk alle Teile organische Gleichberechtigung hoben. Ihr fehlt das, was man gemeinhin die akademische Schulung des Musikers nennt: nämlich dos bewußte Erfassen und Durchdringen des Werkes aus einer idealistisch fundierten geistigen Einstellung. Das Programm war mehr nach virtuosen Rücksichten, ihrem Können entsprechend, ausgewählt. Die stärksten musikalischen Bindungen legte sich Edith Lorand durch Caesar Francks A=Dur»Sonale auf. Dieses in stilistischer Hinsicht Richtung weisende Werk der neueren französischen Kammermusik ist teilweise noch von Klassizismus erfüllt, wie etwa in dem auf Brahms verweisenden Finale. Zum andern aber machen sich, zumal in dem Mittelsatze, formauf- loiende Strömungen bemerkbar, die dann später unter den griff.gen Nachfolgern Francks in den im- prcfsionistischen Stil hinübermünden. _3n Dachs Chaconne aus ber D-Moll-Suite für Violine allein schien bie Künstlerin mehr bie technischen Probleme zu sehen, unb so muhte man- ches Wesentliche in biefer mit unermeßlicher Meisterschaft aufgebauten Folge von thematisch- kontrapunktischen Variationen vom geschulten Hörer vermißt werben. Händels Larghetto wie auch Mozarts Menuett in D-Dur führte sie mit einer Eigenwilligkeit in Temponahme unb Tongabe durch, bie erkennen lieh, bah ihr bie deutsche klassische Musik nicht sonderlich no^steht; zumal das Trio des Mozart-Menuetts erwies, wie wenig sie im klassischen Sinne zu artikulieren und zu gestalten vermag. Um so stärker zeigte sie sich in Vieux- temps Violinkonzert Rr. 4 in D-Moll. Hier fand sie Gelegenheit, ihr eminentes technisches Können ins hellste Licht zu stellen unb überall Erstaunen, Bewundern:- - Begeisterung zu er- wecken. Vollkommen in rem Element war sie mit Pablo de Sarasates »Zigeunerweisen“. Hier konnte sie ihr Temperament mit vollem Mtv -Sturmes waren stets gefährlich. Schon in der 5. Minute fiel der Führungstreffer für die Gießener Mannschaft. Zwei weitere Tore erhöhten bis zur Halbzeit den Vorsprung auf 3:0. In den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit spielte der Mtv. klar überlegen. Spater wurde der Kampf ausgeglichener. Nach einem geschickten Durchspicl des rechten Flügels konnte der Friedberger Halblinke den Ehrentrcffer erzielen. Die Angriffe beider Sturmreihcn in den letzten Minuten waren nicht mehr kraftvoll genug, um weitere Torerfolge zu erreichen. Der Sieg des Tito, mar auf Grund der befferen Gesamtleistung verdient. Vorher standen sich im Freundschaftsspiel die verstärkte zweite Mannschaft des Tv. Pohl Gons und eine kombinierte Elf (Jugend unb 2 Mannschaft) öes Mtv. gegenüber. Nach wechfelvoUem Spielverlauf siegte die Gießener Mannschaft mit 6:4. Handball der Stadtmannschast. Am Mittwochnachmittag stehen sich die Els der Universität und die Stadlmannschast auf dem Uni- versitätssportplatz im Freundschaftsspiel gegenüber. Leider muß die Stadtmannschaft auf die Spieler des Männerturnvereins verzichten, da biefer augenblick lieb noch Verbandsfpiele auszutragen hat. Immerhin ist bie Elf aber noch sehr spielstark und die Studenten werden sich anstrengen müssen, wenn sie die Scharte des Vorspiels w.cttmachen wollen. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Raunheim I — VfL. Bornheim I 5:2. 3m ersten Spiel um bie Kreisrneister- fchast ftanben sich biefe Gegner am Sonntag in Raunheim gegenüber. Beide Mannschaften in stärkster Ausstellung, lieferten sich ein slottes Spiel- 3n ber ersten Halbzeit sah man einen technisch hochstehenben. völlig ausgeglichenen Kamps. Rach bem Wechsel wurde Raunheim merklich überlegen, während bie Gäste nur noch selten gefährlich würben. Raunheim gelang es bis zum Schluß burch seinen sehr schußsreubigen Sturm bie Grohstäbter mit einer empfindlichen Rieberlage heimzusenben. Allenborf (Lahn) I — Lollar 1 8:4. 3n Allenborf standen sich beide Mannschasten als Meister der B- und A-Älaffe im Vorspiel um bie Dezirksmeisterschaft des 3. Bezirkes gegenüber. Beide Mannschaften traten komplett an und lieferten sich ein flottes, faires Spiel. Aliendors, auf eigenem Platze ein sehr gefährlicher Gegner, zeigte den Gästen, dah ihr Können als Meister der B-Klasse, dem der Gäste nicht nachstand. Bereits zu Halbzeit führten die Platz- bescher mit 5:3 Toren. Rach dem Wechsel wurde bie Ueberlegenheit der Platzbesiher noch deutlicher und es gelang ihnen, drei weitere Tore vorzu- legen, denen Lollar nur noch eines entgegensetzen konnte. Gießen I — Großen-Vuseck I 4:0. Deide Mannschaften trugen auf dem Trieb ein Freundschaftsspiel aus. Die Gäste gaben durch ihr eifriges Spiel den Plahbesihern einen dem Klassenverhältnis entsprechenden Gegner ab. Gießen lag stets im Angriff und konnte dem sehr guten Hüter der Gäste viermal das Rachsehen geben, indessen alle Angriffe des Gegners an bet guten Abwehr der Einheimischen scheiterten. Vorher standen sich eine kombinierte Mannschaft von Gießen und Großen-Duseck II gegenüber. Ruch hier konnten die Platzbesitzer einen 4: O-Sieg erringen. Dieseck 2. Jugend hatte die Jugend von Krofdorf zu Gast. Die körperlich weit überlegenen Gäste mußten eine 6: O-Riederlage kassieren. Recht durchbrechen lassen; hier ging von ihr eine elementare Kraft aus, die jeden mit sich fori» reißen mußte und alle in hellster Begeisterung aufflammen lieft. Da konnte man sie als die große Geigerin bewundern. Sie wurde förmlich mit Beifall überschüttet, und immer wieder nötigte man ihr weitere Zugaben ab. Heber den Begleiter am Flügel (Carl Lothar M i k u l i c z) lieft sich angesichts ber Umstände kein abschlieftendes Urteil gewinnen; er wußte sich mit seinem musikalischen Takt und Rachgiebig- feit der dominierenden Solistin anzupassen. Dr. H. Tonfilm: „Douaumont". Der Film versucht eine dildmähiae und klangliche Rekonstruktion der wechselvollen Kämpfe um das Fort Douaumont, die vorn Frühjahr 1916 an im Brennpunkt des unerhört verlustreichen Ringens um die Festung Verdun standen, und zwar: nicht in der — hier unangemessenen — Form eines Spielfilms, sondern als Reportage auf Grund authentischen Bildmaterials unter persönlicher Mitwirkung der seinerzeit im deutschen Heeresbericht genannten Offiziere, Hauptmann Haupt und Leutnant d. R. Radtke; unter deren Führung wurde im ersten Angriff, Februar 16, der nordöstliche Eckpfeiler der Festung, Fort Douaumont, von Teilen des brandenburgischen Infanterieregiments 24 gestürmt. ls 6 v. H., künftig 6 v. H. Wenn er mehr als 8 v. H. betrug wieder im Verhältnis 8 zu 6 herabgesetzt. Forderungen und Grundschulden kann der Gläubiger nicht vor dem 1. Dezember 1933 kündigen. Die Ihnen jetzt erst zugegangene Kündigung ist hinfällig. Ist die Kündigung aber für eine bestimmte Frist ausgeschlossen, so verlängert sich diese Frist um zwei Jahre. Don einer Ratenzahlung ist nicht die Aede. — II. Sie können auf Aufhebung des Mietverhältnisses klagen. Wenden Sie sich an die Geschäftsstelle des Amtsgerichts, oder nehmen Sie einen Rechtsanwalt an. Für Ihre Forderung aus dem Mietverhältnis haben Sie nach § 559 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ein gesetzliches Pfandrecht an den eingebrachten Sachen des Mieters. Sie dürfen die Entfernung solcher Sachen auch ohne Anrufen des Gerichts verhindern und, wenn der Mieter auszieht, in Ihren Besitz nehmen. innerpolitischen Lage durch die Haltung der Rechtsparteienführer in der Frage der Reichspräsidentenwahl und die schwächere Tendenz der Reuyorker Börse führten zu Abgaben, so daß zum Teil prägnante Abschwächungen festzustellen waren. Auch die Rede Brünings über die Reparationsfrage hat im Ausland Berstim- mung hervorgerufen, und man erwartet daher auf der bevorstehenden Lausanner Konferenz schwierige Verhandlungen. Größere Kursrückgänge stellten sich am Elektromarkt ein, wo AEG., Siemens, Schuckert und andere bis zu 3 Prozent niedriger lagen. 2G.-Farben büßten etwa 2,5 Prozent ein, während Reichsbank 3,5 Prozent schwächer tendierten. An den übrigen Märkten betrugen die Rückgänge etwa 1,5 bis 2 Prozent. Am Rentenmarkt ergaben sich auf fast allen Gebieten halb- bis einprozentige Abschwächungen. Rur für einige Industrie-Obligationen erhielt sich etwas Interesse bei unveränderten Kursen. Tagesgeld war mit 5,5 Prozent leicht. Oie gestrigen Oevisenmärkie. Berlin, 11. Jan. (WTD.) An den internationalen Devisenmärkten habeil sich das englische Pfund und die Reichsmark gegen Samstag abgeschwächt. Das Pfund, das mit 3,40 am Samstag gegen den Dollar geschlossen hatte, eröffnete heute mit 3,3975, ging aber im Laufe des Vormittags auf 3,3750 zurück, gegen den Gulden schwächte es sich auf 8,42, gegen Paris auf 86, gegen Zürich auf 17,33 und gegen die Reichsmark auf 14,34 (Samstag 14,3350) ab. Der Dollar war knapp gehalten. Die Reichsmark ging in Amsterdam auf 58,8875, in Zürich auf 121,30 und in Paris auf 603 zurück. Die Rorddevisen tendierten gleichfalls etwas schwächer, auch der französische Frank war leichter. Am Aachmittag war das Geschäft ziemlich bedeutend, doch ergaben sich keine größeren Veränderungen, mit Ausnahme der Reichsmark und des Dollars, die beide schwächer tendierten, während das englische Pfund eine leichte Erholung au verzeichnen hatte. Gegen den Dollar stellte sich das Pfund auf 3,3825, gegen den Gulden auf 8,43, gegen Paris auf 86,31, gegen Zürich auf 17,35 und gegen die Reichsmark auf 14,35. Der Dollar ging in Amsterdam auf 249,22 zurück, die Reichsmark schwächte sich in Amsterdam auf 58,6950 (Samstag-Schluß 59,1750) ab, in Zürich auf 120,65 (Samstag-Schluß 121,85) und in Aeuhork aus 23,60 bis 23,65 (Samstag- Schluß 23,7150). Die Rord-Devisen lagen ebenfalls schwächer, auch Japan tendierte leichter, dagegen konnte sich der Franken gut behaupten. „Aber wenn ich sie Wiedersehen darf, was werde ich ihr sagen, wie soll ich ihr erklären — hilf du mir, Bruder! Glaube mir, ich habe ehrlich gerungen,_ mich aus den Fesseln dieser Zauberin hier zu lösen — es gelang mir, solange sie fern bon mir weilte. Aber sowie sie wieder hierher ^u.r“^am- i?ar es wie ein magischer Zauber, der mich Überwältigte. Ich sah sie nur einmal zufällig in Den Straßen der Stadt -- und mit meinem Widerstand war es vorbei. Du kennst sie nicht!" „Ich werde sie kennenlernen“, sagte Graf Friedrich mit einem tiefen Aufatmen, „denn ich werde sie zwingen, dich freizugeben. Geh jetzt, der Wagen wartet auf dich, und vertraue auf mich. Ich werde" — und hier hob ein tiefer, schmerzlicher Seufzer Friedrichs Brust —, „wenn es nötig ist, bei Birgit für dich sprechen." Hans Egon drückte dem Bruder heiß die Hand und ging mit gesenktem Kopf, ohne sich umzu- schauen, wie auf der Flucht vor sich selbst, schnell aus dem Zimmer und aus dem Hause. Kaum waren seine Schritte verklungen, da öffnete sich wiederum die Tür. Lu dern Türrahmen stand mit ihrem verlockendsten Lächeln Dolores. „Oh sagte sie in liebenswürdigem Bedauern, „so allein, Herr Graf?" Sie trat geschmeidig näher. „CIBd ist Ihr Bruder? Hat er es verabsäumt ^unseren kleinen Kreis zu führen? Aber vielleicht darf ich Sie bitten? Der Diener wird Ihnen sogleich behilflich fein, abzulegen" Sie machte Miene, auf den Klingelknopf zu Drusen. ®raf Friedrich Rauenstein betrachtete die schöne Frauengestalt mit finsterer Abweisung: „Ich bedaure, gnädige Frau, Ihre Aufforderung abrehnen zu müssen und unhöflich zu erscheinen: aber — und hier wurde seine Stimme schneidend — mit gesellschaftlichen Formen kommen wir beide nicht weiter. Der Grund meines Kommens ist nur der, meinen Bruder an seine Hu mahnen, die er gegenüber seiner Frau, seinen Angehörigen und seinem eigenen Aamen zu erfüllen hat." Dolores sah ihn mit einem böse schillernden •vliu an. „Meinen Sie damit vielleicht, Herr Graf Rauen- steln, daß Ihr Bruder seine Pflicht berichte, wenn er Gast war im Haufe einer bekannten Künstlerin von meinem Rufe?" Frankfurt schwächer. Frankfurt a.M., 11. Ian. Der Frankfurter Effektenfreiverkehr begann die neue Woche in schwächerer Tendenz, nachdem bereits am Samstag auf Realisationen kleine Abschwächungen zu verzeichnen waren. Die Spekulation bekundete stärkere Zurückhaltung, so daß das ®e- schaft sowohl am Aktien-, als auch am Renten« markt nur sehr gering war. Die Zuspitzung der Oer Grundgedanke und Inhalt der Zinsvereinbarungen. Rach einer Erklärung des Reichskornmissars für das Dankgewerbe haben sich die beteiligten Stellen bei der Festsetzung der Zinsvereinbarungen von dem Gedanken leiten lassen, die Regelung mit einer gewissen Biegs amkeit auszustatten. In den Durchführungsbestimmungen zur Zins- senkung auf dem Geldmarkt wird festgestellt, daß 6er_ Bankkommissar seine Zustimmung jederzeit zurückziehen kann. Einer Majorisierung wird dadurch vorgebeugt, daß die Beschlüsse im zentralen Kreditausschuß einstimmig gefaßt werden müssen, anderenfalls entscheidet der Bankkommissar. Hypothekengeschäfte, Zinsenvereine, sowie Dau- und Werkssparkassen sind nach den Durchführungsbestimmungen gleichfalls an die vorgeschriebenen Zinssätze gebunden. Die ganze Zinsregelung bezieht sich auf den Verkehr mit der Richtbankierkundschaft: der Verkehr zwischen Danken untereinander ist ausdrücklich frei- gelassen. Bei den S o l l z i n s e n ist die Feststellung eines einheitlichen Rormalsahes aus dem Grunde unterblieben, weil ein derartiger Satz voraussichtlich bald den Charakter eines Mindest- satzes angenommen und auf diese Weise verteuernd gewirkt haben würde, während der Zweck der Zinsvereinbarungen gerade in einer Zinsverbilligung bestehe. Bei Kapitalgesellschaften richtet sich der Voraus nach der Bilanzsumme. Er beträgt bei einer Bilan-'imme von nicht über 15 Mill. Mk. 0,5 v. H., bei :r solchen von nicht über 30 Mill. Mk. 0,25 v. für den normalen Geldverkehr und 0,5 V.H. für den Grohgeldver- kehr, bei einer Bilanzsumme bis zu 50 Mill. Mk. 0,5 v. H., und zwar nur für den Großverkehr. Privatbanken erhalten grundsätzlich ein Voraus von 0,5 v. H. Reu ist die Vorschrift, daß als täglich fällige Gelder auch solche anzusehen sind, für die eine feste Laufzeit von weniger als einem Monat (bisher 7 Tage) vereinbart worden ist. Eine Dereitschaftsprovifion darf in Zukunft nicht erhoben werden. Die Verknüpfung der Sollzinsen mit dem Reichsbankdiskont wird dadurch eingeschränkt, daß sich der Zinssatz im allgemeinen an den Reichsbankdis kontsah anlehnen soll. „Hätte mein Bruder nur dem Ruhm Ihrer Künstlerschaft gehuldigt, gnädige Frau, ich wäre der letzte, der ihn darum tadeln würde: aber — muß ich wirklich deutlicher werden?" Er sah Dolores von oben bis unten an. „Kann ich mich nicht lieber entfernen in der Gewißheit, daß Sie von heute an meinem Bruder 3hre Tür verschließen werden?" Dolores war einen Augenblick bleich geworden: ihre Stimme hatte jetzt den weichen, betörenden Klang verloren und eine stählerne Schärfe angenommen; „llnb warum sollte ich Ihrem Bruder mein Haus verschließen? Ich war es nicht, die ihn je gerufen hätte. Er bestürmte mich, er umwarb mich und behauptete, ohne mich nicht leben zu können. Ich habe" — ein höhnisches Lächeln entstellte ihre schönen Züge — „Mitleid gehabt mit ihm, der sich zu Hause langweilt mit einer Frau, die —“ Graf Friedrich trat drohend auf Dolores zu: »Ich verbiete Ihnen, in diesem Hause den Ramen einer Frau auszusprechen, deren Reinheit zu hoch ist, als daß sie von Ihnen gewürdigt werden könnte. Im übrigen wird es Ihres Versprechens nicht mehr bedürfen. Mein Bruder wird jetzt erkannt haben, wohin er gehört. Es mußte wohl nur eine tiefe Erschütterung seines Gemüts kommen, um wn aus dem Irrtum zu lösen. Er selbst, gnädige Srau, wird es fein, der'dieses Haus nicht mehr zu betreten wünscht." Er machte eine kurze Verbeugung und ging hinaus, ohne die schone Tänzerin noch eines Blickes zu würdigen. Dolores sah ihm mit wutverzerrtem Gesicht nach: ihre Hände ballten sich. Höhnisch dachte sie in ihrer Eitelkeit aufs tiefste getroffen: »Mein Haus nicht mehr betreten? Das werden wir sehen, Herr Graf Rauenstein!" * Die Glocke von St. Marien hatte acht Mr geschlagen. Aus den morgendlichen Straßen lag der warme Glanz der Juvisonne. <5rauen mit Milchkannen, flachsblonde Kinder an der Hand, gingen eilig über den Markt, auf Dem die Händlerfrauen schon die bunten Schirme über i^re QBagen ausspannten. Kleine, verspätete Verkäuferinnen hasteten durch die schmalen Stra- ßen zu ihren Arbeitsstätten. Auf dem Schulhof der Jurgens-Schule ertönte lautes und fröhliches Sa H’- u?0 ^nc Männerstimme mahnte die fröhliche Kinderschar zur Ruhe. Weiße Tauben flogen gurrend über den alten Xtrdjturm von St. Marien und strahlten wie ausgebreitete weiße Fächer in der blauen Lust. Prokurist Claassen eilte mit raschen Schritten das Geschäftsviertel hinunter in die Hafen- Ich hab dir verzieh«! Roman von Clotilde von Gtegmann«Stein. Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle. Berlin festere Tendenz. Berlin, 12. Jan. (WTB. Funkspruch.) Der relativ feste Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse konnte nicht verhindern, daß im heutigen Frelver- kehr überwiegend Abgabeneigung bestand, obwohl eigentlich bei der Kundschaft als Folge des leichten Geldmarktes noch Anlagebedürfnis bestehen sollte. Auf Grund der innerpolitischen Schwie- riykeiten und infolge der ungeklärten außenpolitischen Situation zeigte die Spekulation stärkere Zurückhaltung, und die Stimmung war eher schwächer. Das Geschäft blieb an und für }id) sehr klein. Anfangs wurden 1 bis 2 v. $). schwächere Kurse überhaupt nur gesprochen, und als dann später einige Umsätze zustande kamen, geschah dies auf etwas über diesen Kursen liegender Basis. Der französischen Gegenmaßnahme, den BJZ.-Kredit an Deutschland nur auf einen Monat zu verlängern, wurde keine übermäßige Bedeutung beigelegt, da man in diesem Vorgehen Frankreichs eben nur eine Antwort auf die Erklärung Brünings sah. Im übrigen werden die Vorbereitungen für Lausanne fortgesetzt, und auch das Stillhalteabkommen soll noch in dieser Woche zum Abschluß gebracht werden. Die Zinskonvention ist unterschrieben und tritt bekanntlich heute in Kraft, doch sind Auswirkungen auf dem Geldmarkt bisher noch nicht zu erkennen. Rein kursmäßig war die Tendenz fetter, d. h. schon gestern abend hatte man niedrigere Kurse genannt, die heute schon nicht mehr nennenswert unter- schritten wurden. Gegen gestern mittag betrugen die Verluste durchschnittlich 1 v. Sy Angriffe gegen die Norddeutsche Lloyd-Verwaltung haben am Schiffahrtsmarkt keinen stärkeren Eindruck hinterlassen. Auch Montanpapiere und Bankaktien, Dessauer Gas und einige Spezialnebenwerte waren relativ gut gehalten. Der Elektromarkt lag ruhig, Kunstseidenwerte leicht abgeschwächt. Auch der Anlagemarkt neigte weiter eher etwas zur Schwäche. Goldpfandbriefe hatten geringes Geschäft und gingen etwa 0,5 v. H. unter gestern um. Reichsbahnvorzugsaktien büßten etwa 1 v. ch. ein, während Farbenbonds sich gut behaupten konnten. Am Anleihemarkt blieben die gestrigen Kurse gut behauptet. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M straße. Er hatte sich schon ein wenig verspätet, weil er noch in der Dtuckerei vorgesprochen hatte, um einige Bestellungen aufzugeben. Der frische -Seewind, der vom Hafen heraufwehte, ließ die bunten Markisen vor den Geschäften fröhlich knattern, ein paar Dampfer stießen laute Pfiffe aus, und der erste Sprengwagen übersprühte den grauen Fahrdamm. Dies ist ein Frühling!, dachte Prokurist Claassen. Er blieb einen Augenblick vor dem Sibeliusschen Hause stehen, ehe er die Granitstufen hinaufstieg. Er dachte an einen ähnlichen Juni tag, beinah funftig Jahre zurück, als er zum ersten Male klopfenden Herzens in seinem neuen Konfirmandenanzug diese Treppen hinaufgestiegen war. Damals hatte noch der Vater des jetzigen Konsuls Sibelius gelebt, es war ein ganzes Stück Familiengeschichte, mit dem er, Claassen, verknüpft war. Auf und ab war es gegangen im Wandel der Zeiten. Aufstieg und Kriegsnöte und Wiederaufstieg hatte er mitgemacht. Als er an seine Lehrlingszeit dachte, wurde ihm warm uns Herz, und so fuhr auch kein strafendes Donnerwetter hinein in die lärmende Balgerei, die sich in der Registratur abspielte, die am Eingang der Dureauräurne gelegen war. Die beiden Lehrlinge, die erst zu Ostern eingetreten waren, der kleine sommersprossige Rotkopf und der lange, schlackige, schwarze Sohn des Schneidermeisters Petje lieferten sich eine vergnügte Schlacht. Sie rollten auf der Erde umher, hatten sich an den Ohren gefaßt und schlugen sich Aktendeckel um die Köpfe. Der dritte Lehrling, der schon seit einem Jahre hier war, hockte auf dem Tisch und spielte den Schiedsrichter. „Holla! Heda! Gib es ihm tüchtig!" rief er aufmunternd, gerade in dem Augenblick, als Prokurist Claassen die Tür öffnete. „Ra!, eigentlich sollte ich es euch allen dreien geben!" sagte er wohlgelaunt, mitten in das plötzliche, erschreckte Schweigen und drohte mit seinem Ebenholzstock, den er im vorigen Jahrs vom Chef zu Weihnachten bekommen. Drei feuerrote Gesichter starrten ihn wortlos an. »2la, laßt nur gut sein, Jungens", sagte Claassen. „Euch ist wohl die Finihlingsluft zu stark in die Köpfe gestiegen?! Aber nun schnell an die Arbeit! Heute gibt es extra viel zu tun! Ihr Säuglinge wißt ja gar nicht, was gestern abend für eine große Post gekommen ist." Er ging weiter, grüßte die Buchhalter im Rebenzimmer und warf einen Blick in den Kassenraum, in dem unter grünbeschirmten Lampen junge Leute ihre hellbeschienenen Gesichter ernsthaft über große Bücher beugten. Kaum war er in seinem Zimmer angelangt, als das dreimalige Klingelzeichen des Chefs ertönte. Claassen zog seinen Rock zurecht, rückte mecha- 11 .Zanvar 12.Januar Amtliche Dotierung Amtliche Notierung (SVlh Arie- Geld Arie» Heljingsor» 6.014 6,026 6,014 6,026 Wien 49.95 50,05 49,95 50,05 Prag 12.465 12,485 12,465 12,485 Buvaveü 61.94 62,06 60,94 61.06 Sofia 3,057 3.063 3,057 3,063 Holland 168,84 169,18 168,98 169,32 Oslo 77,62 77,78 77,92 78,08 RoDcnbage«. 78,37 78.53 78,72 78,88 Stockholm 79,42 79,58 79,72 79,88 London 14.22 14.26 14,29 14,33 Buenos Aires 1,028 1,032 1,038 1,042 Neuvcri 4,209 4.217 4,209 4,217 Brüssel 58,39 58,51 58,40 58,52 Italien 21,31 21,35 21,26 21,30 Paris . . 16,49 16,53 16,49 16,53 Schweiz 81,92 82,08 81,94 82,10 Spanien 35,66 35,74 35,66 35,74 Danzig 81,87 82.03 81,87 82,03 Japan 1,499 1.501 1,499 1,501 Rio de Ian.. 0,249 0,251 0,254 n 256 Jugoslawien. 7,433 7,447 7,433 7,447 Lissabon 12,94 12,96 12,94 12,96 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Dassergeldverrechnung. Ein Gießener Hausverwalter gißt der Hessischen Verordnung über die Berechnung und Umlegung des Wasser- geldes eine Auslegung, die der Gesetzgeber nicht gewollt hat. Rach dieser Verordnung hat Der Vermieter das Recht, das Wassergeld umzulegen, wenn er 3 Prozent der Friedensmiete nachläßt. Will er diesen Modus nicht anwenden und macht er den Abzug von 3 Prozent der Friedensmiete nicht (berechnet er also die volle gesetzliche Miete von 122 Prozent), so muß er das Wassergeld voll und ganz selbst tragen und hat keine Berechtigung, den über 3 Prozent hinausgehenden Betrag umzulegen. Er kann nur den einen, oder den andern Modus anwenden, nicht aber beide miteinander verquicken. Allerdings kann er sich den für ihn günstigsten Modus aussuchen. Wer also die volle gesetzliche Miete bezahlt und außerdem zif einer Teilzahlung an Wassergeld herangezogen wurde, ohne daß dazu eine vertragliche Verpflichtung vorliegt, hat zu- viel bezahlt. Mieterverei nJ3 ießen. Aus dem Amtsverkünbigungekblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt R r. 2 vom 8. Januar enthält: Hessische Verordnung zur Durchführung der Mietsenkung. — Falsche Reichsbanknoten. — Straßensperre-Aufhebung. — Aufhebung der Steuerverzugszuschläge und Senkung der Steuerzinsen. — Stundungs- ainfen. — Buchführmigsunterricht an ländlichen Fortbildungsschulen. — Dienstnachrichten. Letzte Nachrichten. Sitter schreibt an Hindenburg. Berlin, 12.Dan. (2BIB. Drahlmeldung.) wir wir erfahren, hat Adolf Hitler seine Antwort auf die Frage wegen der Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten in Form einer langen Denkschrift dem Reichspräsidenten direkt, nicht aber der Reichskanzlei übermittelt. Sie enthält eine ausführliche Darlegung der juristischen Beden- ken, die nach nationalsozialistischer Auffassung einer Lösung auf parlamentarischem Wege von der verfassungsrechtlichen Seite her entgegenstehen. Lin glattes Rein enthält die Antwort wohl nicht. Vor allem glaubt man in politischen Kreisen, ihr entnehmen zu dürfen, daß auch die Ralionalsozia- lisken sichkaumeinervolkswahlaufbrei- ter Basis entgegen st eilen würden. Der Reichspräsident hat den Reichskanzler nunmehr gebeten, von weiteren Verhand- lutigen abzusehen. Von welcher Seile her der Faden jetzt weitergesponnen wird, muß man abwarten. 3n politischen Kreisen rechnet man damit, daß es nun zur Volkswahl Hindenburgs auf breiter Basis kommen wird. Oie Reichstagseinberufung abermals abgelebnt. Berlin, 12. 3an. (TU. Drahtmeldung.) Der Aelteftenrat des Reichstags hat am Dienstagmittag den Antrag auf sofortige Linberufungdes Reichstags abermals abgelehnt. Rücktritt des Kabinetts Laval. Pa r i s, 12. 3an. (TU. Drahtmeldung.) Das französische Kabinett, das heute zusammentrat, hat auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Laval beschlossen, dem Staatspräsidenten das Rück- lriktsgesuch zu unterbreiten. nisch an seiner Brille und betrat das Privatkontor des Konsuls Sibelius. Der Konsul faß an seinem Schreibtisch. Er schien besonders guter Laune zu sein. Freundlich nickte er seinem treuen Mitarbeiter zu und reichte ihm sogar aus der Honoratiorenkiste eine seiner berühmten schweren Holländer Importen. Dann lehnte er sich behaglich in seinen Stuhl zurück und sagte: „Run, Claassen, wer hat recht behalten? älnsere Anständigkeit hat sich gelohnt. Die Dahamasache entwickelt sich über Erwarten gut. Wir haben also kein Opfer gebracht, als wir damals unser schönes Geld in die etwas riskante Sache steckten. Wir haben sogar schon unseren ersten Gewinn zu verzeichnen. Sie haben doch in den gestrigen Abendzeitungen den Handelsteil gelesen?" Claassen suchte eifrig in seiner Brieftasche. «Ich habe mir die Rachrichten sogar ausgeschnitten." Er reichte ihm einen Zeitungsausschnitt hinüber. Sibelius lächelte. „Also haben Sie es sogar schwarz auf weiß, mein lieber Claassen. Sie sehen, man muß es mit dem Sprichwort halten: Wohltun trägt Zinsen! — Ich freue mich aber auch für das Haus Lund, das den schweren Schlag vom vergangenen Jahre durch das neue Geschäft wieder ausgleichen konnte. Ich denke, daß uns das Ganze sogar eine gute Verzinsung unserer Einlage bringen wird. Aber nun wollen wir schnell die heutigen Eingänge durchsetzen und die nötigen Dispositionen treffen. Ich möchte heute so zeitig wie möglich, wenn es geht schon zum Mittag auf Tannenaue sein. Sie wissen, unsere Birgit — sie feiert heute ihren Geburtstag." „Und ob ich es weiß, Herr Konsul. Es ist mir, als wäre es gestern gewesen, daß Sie, Herr Konsul, frühzeitig mit der frohen Rachricht zu uns ins Kontor tarnen, daß der Herrgott Ihnen und der hochseligen Frau Konsul ein Töchterchen beschert hatte. Ich werde den siebenten Juni nie vergessen, obgleich es schon zwanzig Jahre her sind, und ich möchte den Herrn Konsul un- tertänigst bitten“ — er zögerte, wurde verlegen, rückte an seiner Drille und zog 'endlich aus seiner Altenmappe ein mit Seidenpapier verhülltes Päckchen heraus, das er auf den Schreibtisch legte —, »dies hat meine gute Alwine für die gnädige Frau gearbeitet.“ „Danke Ihnen, mein guter Claassen. Was ist es denn? Da bi i ich aber neugierig.“ Der Konsul hob das rosa Seidenpapier ein wenig hoch — auf dem ernsten, dunklen Männerschreibtisch lag ein winziges Kleidchen aus fein, ster, weicher Häkelei, klein und zierlich, wie für eine Puppe. (Fortsetzung folgt.)