Rr. 266 KvübauSsabe 182. Jahrgang Zreitag.U. November 1932 Erscheint täglich,auher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte ©iehener Familienblälter Heimat >m Bild - Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse unterSammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Zronksurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck und Verlag: vrühl'fche Univerfitäts-Vuch- und Zteindruckerei K Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Lchulllraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» Klam^nzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20" , mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i.D. Th.Kümmel sämtlich in Gießen. Aeue Initiative Englands in der Frage der deutschen Gleichberechtigung. (Simon kündet Vorschläge für eine auch Deutschland umfassende Abrüstungskonvention an. — Als Gegenleistung wird das Ostlocarno erwartet -Eine schwere Zumutung für Deutschland. London, 10. Qlob. (WTB.) Im Unterhaus sand heute die mit großer Spannuntz erwartete außenpolitische Debatte statt. Major Attlee brachte einen Antrag der Ärbeiteroppo- sition ein. Die Abrüstungskonferenz mache keine Fortschritte. So habe sich des ganzen Landes eine tiefe Enttäuschung bemächtigt. Die englische Regierung müsse der Konserenzeine entschiedene Führung geben. Die Antwort des Staatssekretärs auf die deutsche Forderung sei höchst unglücklich, es treffe nicht zu, daß die Forderung in einem ungeeigneten Augenblick vorgebracht worden sei. Jedermann erkenne an, daß England grundsätzlich Deutschland die Gleichbe- rechtigung nicht verweigern könne. Allerdings sei fraglich, ob Gleichheit Abrüstung oder Ausrüstung bedeuten werde. Öer Staatssekretär des Aeußern Sir Zahn Sjmon erklärte, die Gleichberechtigung, wie sie die ge- gentoärtige deutsche Regierung verstehe und aus- lege, bedeute die Frage der erlaubten Waffen und die Frage der Reorganisa- 1 Hon der deutschen Streitkräf te. Eine Zusammenkunft von Angesicht zu Angesicht sei nach wie vor nötig, um eine Grundlage zu finden, auf der Deutschland zur Konferenz in Ehren zurückkehren könne. Der ftanzösische Plan stelle eine entschiedene Bemühung dar, dem deutschen Anspruch auf Gleichberechtigung zu entsprechen. In Deutschland sei der Plan so ausgelegt worden, daß die Klauseln des Versailler Vertrages nicht sakrosankt seien. Der Vorschlag der Richt» angrisfs Pakte europäischer Ratio ne n , die wegen ihrer nächsten Rachbarschaft miteinander in starkem Maste gewissen gemeinsame n Risiken ausgesetzt seien, erscheine ihm d e r Zustimmung Englands würdig. Die । Vorschläge verlangten von England nicht, irgend- ' welche weiteren Verbindlichkeiten über die hinaus einzugehen, die es auf Grund der Völkerbunds- sahung und des Locarnovertrages eingegangen ist. Dann verlas Simon eine Erklärung, in der es u. a. heißt: Mit bezug auf die Regelung i der Schwierigkeiten, die sich aus der deutschen Gleichberechtigungssorderung ergeben, regt die britische Regierung an, daß Hand in Hand mit einem fairen Entgegenkommen gegenüber dem An pruch Deutschlands auf © e chberechtigung d i e 1 europäischen Staaten s i ch in einer feierlichen Zusicherung vereinen sollten. daß sie unter keinen Timständen versuchen werden, irgendwelche gegenwärtigen oder künftigen Schwierigkeiten unter sich durch Rückgriff auf Gewalt zu lösen. Die Anerkennung des moralischen Rechtes Deutschlands auf Gleichheit der Behandlung mit anderen Rationen , brächte für Deutschland u. a. die Annahme dieser : entsprechenden Verpflichtung mit sich. Bezüglich des deutschen Anspruchs auf Gleichberechtigung müssen drei große Punkte erwogen werden. Erstens die Frage, ob die Beschränkung der deutschen Rüstungen in dem gleichen Dokument ausgedrückt werden sollte, wie die Beschränkung der Rüstungen anderer Rationen. Ich glaube, daß die Beschränkung der deutschen Rüstungen in derselben Abrüstungskonvention enthalten sein sollte. Das bedeutet, daß d i e Artikel in Teil V des Versailler Vertrages, die gegenwärtig Deutschlands Waffen und Streitmächte beschränke, anher Kraft gesetzt werden. — Der zweite Punkt betrifft die Dauer der Konvention. wir sind der Ansicht, daß die neu ausgedrückten Beschränkungen für Deutschland d i e gleiche Zeit dauern sollen und den gleichen Methoden der Revision unterliegen sollen, wie diejenigen anderer Länder. Ls würde tei. j praktische Politik sein, wenn irgend jemand versuchen sollte, eine dauernde Vorschrift für eine große Ration zu machen/während sie für sich selbst und ihr Volk nur eine beschränkte Periode der wirkksamkett forderten. — Der dritte Punkt betrifft das Problem der Gleichberechtigung in der Frage der Kriegsmaterialien. Deutschland hat erklärt, es habe keine Absicht, aufzurüsten, sondern wünsche lediglich, daß grundsätzlich die Art der Rüstungen, die anderen Ländern gestattet ist, nicht ihm selbst verboten sei. wenn Gleichberechtigung eingeräumt werden soll, dann muh dieses Prinzip anerkannt werden. England ist bereit, seine Bereitwilligkeit zu erklären, im Zusammenhang mit den anderen Mitgliedern der Abrüstungskonferenz darauf zu sehen, daß dieser Grundsatz in d i e neue Konvention einbezogen wird. Durch welche Mittel und in welchen Etappen dieser Grundsatz angewandt werden kann, muh Gegenstand von Aussprachen in Genf fein. Ls ist absolut notwendig, daß Deutschland an diesen Diskussionen feilnimmt. In der Zwischenzeit wolle er für die Regierung folgende zwei Punkte klärmachen: 1. Das Ziel der Abrüstungskonferenz sei, ein Maximum positiver A b r ü st u n g zu erreichen, auf das man sich allgemein einigen könne und nicht im Namen der Gleichberechtigung Zunahmen in der bewaffneten Stärke zu autorisieren. Zweitens könne die volle Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichheit praktischerweise nicht auf einmal erreicht werden. Sein Ziel sei, Deutschland zur Abrüstungskonferenz zurückzubringen. Er hoffe, Ende der Woche in Genf zu sein; denn die Abrüstungskonferenz müßte so früh wie irgend möglich Gelegenheit erhalten, zu erfahren, welche Methoden und Verfahren die britische Regierung zur Ausarbeitung des französischen Planes Vorschläge. Im Verlaufe der Debatte erklärte Sir Austin Chamberlain, er möchte die deutsche Regierung, die deutschen Parteien und vor allem das deutsche Volk auffordern, denen zu helfen, die ih..en zu Reifen versuchten. Er und viele andere in England und anderen Ländern seien erstaunt und beunruhigt durch Aeußerungen und Handlungen von Leuten, deren Stellung in Deutschland es unmöglich mache, sie nicht zu beachten. Was wir in ihren Reden und in ihrer Politik sehen wollen, ist loyale Annahme ihrer vertraglichen Verpflichtungen. Wir fordern von ihnen nicht, daß sie die Hoffnung aufgeben sollen, die mir selbst in umgekehrten Verhältnissen nicht aufgeben würden. Verträge können nur durch Uebereinfunft geändert werden. Das Ostlocarno. Kür das Zugeständnis der deutschen Gleichbrrecht-gung. London, 10. Noo. (WTV. Funkspruch.) Wie Reuter aus Parlamentskreisen hört, geht der britische Vorschlag dahin, unter keinen Umständen zur Gewalt zu greifen. Die Besorgnis, die vor allem hinsichtlich der Probleme der deui- schen O st grenzen in so vielen Teilen Europas herrsche, sei besonders in den englischen Vorschlägen berücksichtigt worden. Es sei zweifelhaft, ob einige Verträge, denen Großbritannien nicht beigetreten ist, Deutschland ausreidjenb verpflichten, wegen seiner Ostgrenzen nicht zur Gewalt zu greifen. Hauptzweck sei nunmehr eine eindeutige Beteuerung dieses Standpunktes anstatt auf Präambeln von Verträgen zurückzugreifen, die vielleicht nicht völlig klar seien. Mit einer einfachen Erklärung über Deutschlands Grenzverhaltnisse und mit der Deutschland zugestandenen Gleichberechtigung hoffe man, den Geist der Nervosität und der Erbitterung in der deutschen Öffentlichkeit zu verdrängen und eine ruhigere Auffassung zu stärken. Kurz gesagt: man müsse Deutschland zuerst gerechte Behandlung zuteil werden lassen, von der es gegenwärtig noch nichts merke. Dann müsse man von ihm Gewähr dafür verlangen, daß es solches Entgegenkommen nicht ausnütze, um den Frieden Europas zu stören. Die vordringliche Frage sei jetzt natürlich, welche Aussichten der britische Plan hinsichtlich einer Wiede rteälnahme Deutschlands an der Abrüstungskonferenz biete. Zunächst würden darüber Verhandlungen zwischen Simons und dem neuen deutschen Botschafter in London aufgenommen werden. Sie ilnruben in Gens. Die Hintergründe der Krawatte. Ein sozialistisch-kommunistischer Putschversuch. Gens, 10. Rov. (ERB. Eigene Meldung.) Die blutigen Zwischenfälle, die sich in der vergangenen Rächt hier ereigneten, haben ihren tieferen ©rund in der ungeheueren Spannung, die seit längerer Zeit latent zwischen den bürgerlichen Gruppen und .der sozia- listisch-kommunistischen Bewegung in Genf besteht. Die Riederlage, die kürzlich die sozialistisch-kommunistische Bewegung in einer von ihnen beantragten Volksabstimmung über. Steuerbefreiung aller Einkommen unter 700(r Franken erlitten hat und die Angriffe, die der Abg. R ic ole in letzter Zeit in immer stärkerem (Maße in dem Arbeiterblatt „Travail" gegen die Verwaltung und das Bürgertum richtete, hatten eine Gegenströmung hervorgerufen, die schließlich zur Einberufung einer großen öffentlichen Vers ammlung unter Führung der konservativ-bürgerlichen Bewegung, der Union Rationale am Mittwochabend führte. Ricole hatte zunächst an die Behörden die Aufforderung gerichtet, diese Versammlung nicht zuzulassen, eine Olufforbcning, der der Staatsrat nicht nachkommen zu können glaubte. Die Veröffentlichungen des „Travail" in den letzten Lagen ließen keinen Zweifel mehr darüber, daß die unter Führung Ricoles stehende Bewegung entschlossen war, entweder das Zustandekommen bir Versammlung der Union Rationale zu verhindern, oder Gegendemonstrationen zu veranstalten^ Die IHorgenbläffer veröffentlichten dementsprechende genaue Anweisungen R i - coles an seine Anhänger. Ls wurden gestern nachmittag in aller (Eile noch Trillerpfeifen verteilt, und die Manifestanten wurden aufgefordert, sich mit Pfeffertüten auszurüsten, um die Polizei an der Aufrechterhaltung der Ordnung gegebenenfalls zu hindern. Die Behörden hatten rechtzeitig Vorsorge getroffen, um allen Eventualitäten begegnen zu können. Außer einem g r o ß em Aufgebot von P o 1 i z i st c n, das schon sehr früh Absperrmaßnahmen vornahm, wurden 600 Mann aus der Rekruten- schule in Lausanne nach Genf geführt. Während die von der Union Nationale einberufene Versammlung ohne größere Zwischenfälle verlief, entwickelten sich auf der Straße vor Beginn der Versammlung gr ö ß e r e Tumulte. Der anarchistische Führer T r o n ch e t hielt auf den Schultern seiner Kameraden eine Ansprache, m der er erklärte, der Faschismus hole zu einem Schlag gegen die Genfer Arbeiterschaft aus. Line ungeheure (Erregung entstand unter den Teilnehmern der Gegenkundgebung, als R i - i Blick auf die herrlich am Genfer See gelegene „Stadt des Friedens e w WA ■ c o I e, der offizielle Führer der Genfer Sozialisten, in den Straßen erschien. (Er wurde mit einem ungeheuren Beifall empfangen. Ricole hielt eine Ansprache, worin er erklärte, daß d i e Stunde sür die Revolution geschlagen habe. (Er forderte die Massen auf, nicht von der Straße zu weichen. Rach der Rede Ricoles wurde der zur Absperrung aufgestellte Polizeikordon in immer stärkerem Maße bedrängt. Verschiedene Polizeibeamte wurden verletzt. Als die Lage für die Polizei immer bedrohlicher wurde, forderte der Polizeikommandant Verstärkungen an. Als sich herausstellte, daß die Polizei gegen die Menge machtlos war, gab der Genfer Staatsrat dem Kommanhanten der Rekrutenschule den Befehl, mit der Truppe zur Entlastung der machtlos gewordenen Polizei einzuschreiten. Der Kommandant ließ die 1. Kompanie ausrücken. Die Truppen hatten jedoch die größte Mühe, sich ihren Weg durch die Straßen zu bahnen. Soldaten und Offiziere wurden von der Menge beschimpft und angegriffen, einzelne mit Gummiknüppeln mißhandelt, andere durch Rlesscr- stiche verletzt. Den Soldaten wurden Gewehre und Stahlhelme entrissen und auf dem Pflaster zertrümmert. Auch ein leichtes Maschinengewehr wurde den Soldaten entrissen und demoliert. Die Kompanie wurde schließlich von der Menge gegen das Ausstellungsgebäude zurück- gedrängt. Angesichts der drohenden Haltung ließ der kommandierende - Major ankündigen, daß er schießen lasse, wenn sich die Demonstranten nicht zurückziehen würden. Als auch dies ftuchtlos blieb, lieh ec laden. Die Menge ging jedoch nicht zurück, sondern bedrohte die Truppe mehr und mehr, so daß der Kommandant schließlich Befehl gab, auf die Füße der Demanstranten eine Salve ab- j u g e b e n. Die Menge rückte nach den ersten Schüssen noch weiter vor. zog sich dann aber fluchtartig zurück, als einige von ihr getroffen wurden. Als die 3. Kompanie der 1. zur Hilfe eilte, wurden von den umliegenden Dächern etwa ein halbes Dutzend Schüsse auf sie abgegeben. Die zahlreichen Toten und Verletzten wurden in die umliegenden Cafes und Speisehäuser gebracht und teilweise auf die Tische und Billards gebettet. Die Genfer Behörden organisierten fofbrt einen umfangreichen Sani t ä ts d i e n st. Die Toten und Verletzten wurden sodann in das Kantonal-Krankenhaus gebracht. Die Kundgebungen der Massen dauerten jedoch noch bis in die frühen Mor- g e n st u n d e n an. Gruppen von Sozialisten und Kommunisten durchzogen bis in die späte Rächt und die frühen Morgenstunden unter Gesang der Internationale die Straßen. Die Polizei batte unterdessen die gesamte Feuerwehr mobilisiert, die bei ihrem-Erscheinen überall von den Massen mit wüstem Geschrei begrüßt wurde, ohne daß jedoch die Versuche der Menge, die Feuerwehrwagen zu besetzen, gelangen. DerSaupträdelssiihrer oerhastel. Tic Genfer Garnison unter Waffen. Vorerst kein Generastreti. Genf, 10. Rov. (TU.) Der Führer der Sozialisten. Ricole, der Hauptverantwortliche für die blutigen Vorgänge der vergangenen Rächt, ist am Donnerstagvormittag verhaftet worden. Ricole, der sich gerade im Bad befand, leistete heftigen Wider st and und erging sich in schweren Schmähungen der Genfer Regierung. Er wird der Gefährdung der Staatssicherheit und der Aufforderung zum Aufruhr beschuldigt. Die Verhaftung erfolgte trotz der Tatsache, daß Ricole im Rationalrat ist und damit die Immunität des parlamentarischen Abgeordneten genießen müßte. Man erwartet, daß die Schweizer Behörden mit größter Schärfe gegen die Anführer und Haupt- verantwortlichen der blutigen Ereignisse vorgehen werden, da derartige Vorkommnisse das Ansehen der Schweiz und insbesondere die Stellung Genfs als internationale Konferenzstadt schwer gefährden. Auf Anordnung des Bundesrates bleibt die gesamte Genfer Garnison vorläufig unter Waffen, um für den Fall neuer Unruhen sofort eingesetzt werden zu können. Am Donnerstagvormittag herrschte in Gens vollständige Ruhe. Die Bevölkerung ist über die gestrigen Ereignisse tief beunruhigt. Man befürchtet, daß es zu Kundgebungen vor dem Gefängnis kommen wird, in dem der Sozialistenführer Ricole gefangen gehalten wird. Reue Verhaftungen sind nicht mehr erfolgt. Es ist bisher noch nicht gelungen, der kommunistischen Führer habhaft zu werden. Es bestätigt sich, daß hier — im Gegensatz zu anderen Ländern — zum erstenmal ein gemeinsames Vorgehen zwischen Kommunisten und Sozialisten stattgefunden hat. Die komnru- nistischen und sozialistischen Massen sind von den gleichen Anführern geführt worden. In der Sitzung der Schweizer Sozialistenführer ist am Donnerstag nach stundenlanger Aussprache beschlossen worden, den Samstag, an dem die Beerdigung der Genfer Todesovser stattfindet, als einen Trauertag zu erklären. Der Arbeiterschaft soll es freigestellt bleiben, die Arbeit während der Beerdigung einzu- stellen oder weiterzuarbeiten. Zu der Frage des Generalstreiks haben die sozialistischen Füh- - 2 uns ff Epielp • tiMg ftcllun .Der unter in dies Damen lander Dclck. Gemöh bcr, tni Lustspic der epi . tung gcl 20.30 Uh! Ton i uns folg der ^rot , »Auf ß MiW L? st Iras bat sich Ser Sie 6h A der K Ersuchen, ( «glichen JveM Wien. Di äfften E ^Reich- Mfen Rt droh!, d°f tofle bet '^Mgh bexung de )>ehe, *Äri ße:\n M V-» hC rnMet fc,Ä[Q9en S und ?ter Aich nur ] Malb 5. Ködert t Lv j Ä Aeni a* pokert, Ril W Anhz'u der ineÄC «»^0. tfll ö Öirettio berg-' W. gUU G>eße> ZUS11 jßntnji Sern > Durch tioen e fönen drei 2 bcfchöSil werden qen der Die nad Ärlctzlei Es find lcichle R Homberg und die ocrletzun konnte Haufe ’ die eber üd) übe: foll geri senden schüchni Ht jedenf steiler der dem ben @üi( auch nod der Loko lenden G Wie m ren, war aus ®rü Aerzten j)i(ie gel Tc 1852: Gras Co 1918: t Deutschi Jedermann. Von Hans Mebau. Federmann hat eine kleine Geflügelfarm. „Wie bist du eigentlich zufrieden?" fragt Mücke. „Rentiert sich das Geschäft?" „Rentieren?" zuckt Federmann die Achsel, „im Gegenteil. Die ganze Sache war ein Reinfall. Die Hühner sangen immer ausgerechnet dann an zu legen, wenn die Eier billig werden." * Mittags hat Federmann sein Handgepäck abgegeben. Abends will er es wieder holen. „Was war es denn?" fragt der Mann am Schalter. „Ein schwarzer lederner Handkoffer", sagt Federmann. Der Mann fängt an'zu suchen. Sämtliche ledernen Handkoffer sieht er nach, vergleicht die Nummern, chiebt sie zurück. Endlich kommt er mit einem großen Paket in braunem Packpapier. „Ist es das?" ragt er. „Jawohl", nickt Federmann. „Aber das ist doch kein schwarzer lederner Handkoffer!" grollt der Mann. „Was wissen Sie davon!", sagt Jedermann und guckt das Paket an, „ich habe ihn doch selbst eingewickelt." „Merkwürdig", sagt Horniebel „Doktor Schott ist doch ein junger moderner Arzt. Aber er benutzt mit Vorliebe die Heilmittel unserer Väter. Mir hat er zum Beispiel Blutegel verordnet." „Mir auch", sagt Federmann. „Aber ich finde, sie schmecken scheußlich." * „Gestern abend", erzählt Federmann, „war ich eingeladen. Aber um acht Uhr hatte das Bügelinstitut die Hosen noch nicht geschickt, und ich mußte warten." „Hm, hm", nickt Mücke, „lange?" „Natürlich", sagt Federmann. „Ich trage doch zum Smokipg keine kurzen." * Jedermann hat, zum zweiten Frühstück schon, Burgunder getrunken. Burgunder am frühen Morgen steigt zu Kopf. Und als Jedermann in seinen Wagen steigt und losfährt, dauert es nicht lange, und er stößt mit einem Wagen des Ueberfallkom- mandos zusammen. Der Anprall ist so stark, daß der Schupochauffeur von seinem Sitz bis auf die Straße fliegt. Langsam steht er auf, nimmt die Dienstmütze vom Pflast.er und guckt Jedermann an. „Donnerwetter", sagt Jedermann, „auch Burgunder getrunken?" * jedermann geht in die Buchhandlung. „Ich habe gestern einen Briefsteller bei Ihnen gekauft", sagt er. „Sie müssen ihn zurücknehmen." „Aber weshalb denn?" fragt der Verkäufer. „Sind Sie nicht zufrieden?" „Nein", schüttelt Jedermann den Kopf und schlägt den Briefsteller auf. „Sehen Sie hier zum Beispiel: .Teuerste Elfriede! Wie oft habe ich in der letzten Nacht Deinen Namen vor mich hin gesprochen. Wie oft habe ich gegen die Wand geschrien: Elfriede!!'" „Ja, und — " fragt der Buchhändler, als Jedermann schweigt. „Sie heißt doch", sogt Jedermann und klappt das Buch zu, „sie heißt doch Dagmar." * Jedermann ist eingeladen. Die Hausfrau stellt den Lautsprecher an. Ein Tenor schmettert das „Friede- rike"-Lied: .Mädchen, mein Mädchen ...' „Eigentlich doch ein fabelhaftes Lied!" sagt der Hausherr. „Kein Wunder", zuckt Jedermann die Achsel, „Goethe —" * . „Du", sagt Mücke, „ich habe gehört, du hast dir einen ausrangierten Eisenbahnwagen dritter Klasse als Wochenendhaus gekauft. Stimmt das?" „Jawohl", nickt Jedermann, „das stimmt." „Na, und •—?" fragt Mücke weiter, „bist du zufrieden?" „Im Gegenteil", zuckt Jedermann die Achsel. „Es war ein Reinfall. Stell' dir vor: Die Reichsbahn hat mir ausgerechnet einen Nichtraucher-Wagen geliefert!" Japanische Puppen-Wunder. Es sind keine gewöhnlichen Spielpuppen, die jetzt zum erstenmal in der Geschichte Japans ihr Heimatland verlassen haben und in einer reizvollen Ausstellung in London zu sehen sind: eine jede von ihnen hat eine besondere Rolle in ihrem Lande gespielt, hat eine reiche Vergangenheit hinter sich. Diele von ihnen find Erbstücke, die sich, sorgsam gehütet, von der Mutter auf die Tochter, die sie am Tage der Hochzeit erhält, forterben. Oftmals kann man die verschiedenen Heiraten in einer alten .Familie aus den Kränzen am Gewände einer solchen Puppe ablesen. Das Fest der Puppe ist der größte Freudentag im Leben der japanischen Kinder. Es wird alljährlich am 3. März begangen. An diesem Tage werden dann die Puppen in allen Familien hervorgeholt, auf mit rotem Tuch bekleideten Gesimsen ausgestellt stnd reich mit Opfergaben, bestehend aus Wein, Reis und Süßigkeiten bedacht. Läe kleine Tochter des Hauses darf an diesem Tage die Gastgeberin spielen. Manches interessante Stück hat nun feijj nen Weg in die fremde Ürnwelt dieser Ausstellung gefunden. Da sieht man eine den ersten Kaiser von Japan, Jimmu Tenno, der 650 v. Ehr. herrschte .darstellende Puppe. Die Gestalt mit ihrem goldenen Schwert quer über den Knien und dem heiligen Halsband aus altem Jadestein zeichnet sich durch außerordentliche Realistik aus. Eine japnaische Hofszene zeigt den Kaiser und die Kaiserin, umgeben von ihrem Hofstaat. Sie tragen juwelengeschmückte Kronen und ihre Gesichter aus lackiertem Holz sind voll lebendigen Ausdrucks . Unter den vielen anziehenden Ausstellungsgegenstände nfallen winzige Orangen- und Kirschenbäume, die Sinnbilder des Himmels und der Erde, große Papierlaternen, schwarze, lackierte Tragsessel mit scharlachroten. Dächern und seltsamem Gepäck auf, das aus auf Stangen getragenen ^sten besteht: das Innere ist äußerst geheimnisvoll, ein In- und Durcheinander von Schubladen und Klappen. Dann gibt es hier winzige Schminkkästchen, die die Farbe zur Erzeugung der beiden schwarzen Flecken auf der Stirn, des königlichen Hoheitszeichens, enthalten. Manche der Spielsachen sind so winzig, daß man ein starkes VergrL ßerungsglas braucht, um sie genau betrachten zu können, wie dies etwa bei dem 12 Millimeter großen Knallgewehr oder dem Zauberschiff notwendig ist. Diel Bewunderung erregt auch eine entzückende, blaugekleidete kleine Figur, die einen großen Goldfisch hochhält. Dies ist eine in Japan besonders beliebte Gestalt, die einen Drunnengott darstellt. Mit ihr wetteifert in der Gunst des Publikums ein kleiner Tänzer, dessen Beruf es ist, die bösen Geister eines Hauses zu vertreiben, was ihm mit dem vergnügten Klingeln seiner Glöckchen sicher gelingt. R- M. Zeitschriften. — „Die Kun st" vereinigt mit „Deutsche Kunst und Dekoration" (Verlag I. Bruckmann, Mün- chen) bringt in ihrem neuen Heft Frauenbildnisse aus 75 Jahren, deren Auswahl nach dem Gesichtspunkt getroffen wurde, den zeitlichen Wandel seelischen Ausdrucks im deutschen Frauenbildnis festzustellen. Diese Frauenbildnisse von Adolf von Menzel bis Willy Iaeckel können bei allen Gradunterschieden in der Qualität des Künstlerischen übereinstimmend angenommen werden/ Wie deutlich trägt z. H. Habermanns Mutter köstliche Reife und einen lieber- schuß seelischer Kraft, die Güte und Wohlwollen ausstrahlen und Willy Iaeckels Bildnis seiner Frau, ein modernes Frauenbildnis in bestem Sinne, das Sorgenvolle, Wache, Hinhorchende, das man als symbolhaften Ausdruck der geistigen Entwicklung der Frau in den letzten Jahrzehnten bezeichnen kann. Die Wohnungskunst ist vertreten durch Ansichten eines Landhauses am Scharmützelsee, das allen modernen praktischen Anforderungen hinsichtlich des angenehmen Wohnens und vereinfachten Haushaltbetriebs entspricht Lichtkultur im modernen Wohn- raum wird fachmännisch besprochen, Musterwohnungen in einem Wiener Hochhaus, neues Kunstgewerbe, darunter Handwebereien, Silberarbeiten, Keramiken und kleine Möbel wie Truhen, Vitrinen sowie neue Schmuckstücke werden im kunsthandwerklichen Teil gezeigt. — Der „Kunstwort" gibt unter dem neuen Titel eben das zweite Heft des 46. Jahrgangs aus. „Deutsche Zeitschrift" (Callwey, München) Auch das neue Heft zeigt mit seinem reichen aktuellen Inhalt, daß die Zeitschrift ihre Bemühung um dos gesamte Geistesleben der Ration, von einem völlig unabhängigen Standort aus erfolgreich fortführt. Hermann Herrigel befaßt sich mit der Frage der Hochschulreform, indem er zunächst alle unmöglichen Ansprüche und Erwartungen beiseite schiebt und sich auf die tatsächliche Problematik des älniversitätswesens einläßt. Carl Linfert betrachtet die Gesamtleistung Max Slevogts und die Wirkung, die von ihm ausging, der Maler A. Kremer die große Ausstellung in Denedig, indem er ein Fazit über den Gesamtstand der heutigen europäischen Malerei zieht. Fritz Endres würdigt das Werk Gerhart Hauptmanns, dessen Vorzüge und Mängel sinnbildlich sind für das wilhelminische Zeitalter, und betont mit Recht das Positive an seinem Lebenswerk. Petzet setzt seine Filmkritik fort, wobei er diesmal auf die unerfreulichen Auseinandersetzungen zwischen Theaterbesitz und Derleih eingeht und Interessantes über den Geschmack des Publikums mitteilt. Das Heft enthält Bilder von Slevogt und Rethel und eine klassische Erzählung des englischen Dichters Thomas Hardy. Hindenburgs Auftrag an den Reichskanzler Oie Fühlungnahme mit den Parteiführern und Länderregierungen beginnt sofort. Die amtliche Mitteilung. Berlin, 10. Koo. (TU.) Amtlich wird mil- geteilt: „Reichspräsident von Hindenburg nahm heute (Donnerstag) den Vortrag des Reichskanzlers von Popen über die Auffassung des Kabinetts zur innerpolitischen Lage entgegen. Der Herr Reichspräsident betonte, daß er an dem der Bildung der Regierung von Popen zugrundeliegenden Gedanken einer nationalen Konzentration auch weiterhin fest halte. Dementsprechend beauftragte er den Reichskanzler, in Besprechungen mit den Führern der einzelnen in Frage kommenden Parteien festzustellen, ob und inwieweit sie gewillt seien, die Regierung in der Durchführung des in Angriff genommenen politischen und wirtschaftlichen Programms zu unterstützen." wie das Wolff-Bureau in Ergänzung bet amtlichen Mitteilung erfährt, werden die Besprechungen mit den Parteien um die Wochenwende aus großen Menschenmenge, die vor und in der Verschalle Aufstellung genommen hatte, begrüßte Führer und Besatzung des so erfolgreichen Flussschiffes. Als erster hieß der württem- bergische Wirtschaftsminister Dr. Maier im Rainen der württembergischen Regierung die Flieger herzlich willkommen. Des weiteren überbrachte Bürgermeister Schnitzler von Friedrichshafen die Glückwünsche der Stadt. Dr. Claude Dornier hieß dann als ßeiter der Dornier- Werke die Flieger seinerseits willkommen und sprach Führer und Mannschaft seine Anerkennung für ihre fliegerische Glanzleistung aus. Von Gronau dankte für sich und seine Begleiter für den eindrucksvollen Empfang', auf heimatlichem Boden. von Schlammkohlenmafsen verschüttet. Auf der Zeche „Unfer Fritz" in Wanne-Eickel hatten sich in früher Morgenstunde mehrere Personen mit Handkarren zur Schlammkohlenhalde begeben, um dort Schlammkohle zu stehlen. Plötzlich brachen von der unterwühlten Halde von oben größere Mengen Schlammkohle 'herab, die fünf Pers onen Begruben. Zechenarbeiter und Feuerwehr konnten sämtliche Personen Befreien. Bei einem Mann war der Tod schon eingetreten, feine Frau und ein weiterer Mann erlagen im Krankenhaus ihren Verletzungen. Mord in der Sennhütte. In dem an der bayerisch-österreichischen Grenze liegenden Gebirgsort Unten stellte sich, von Gewissensbissen gefoltert, ein Dienstknecht der Gendarmerie mit der Angabe, daß er vor einem I a hr auf der Loferer Alm in den Loferer Steinbergen eine in anderen Umständen befindliche Sennerin, mit der er «in Liebesverhältnis hatte, erschlagen habe. Er hatte dann die Sennhütte angezündet, um den Anschein zu erwecken, daß der Blitz eingeschlagen habe. Die Hütte war damals mit dem Vieh verbrannt. Die Sennerin wurde tot aufgefunden. Zwölf Todesopfer eines Brandunglücks in ein ent Schweizer heim für geistesschwache Kinder. Am Donnerstag brach um 5 Uhr in der Erziehungsanstalt Bühl bei Wädenswil am Züricher See, in der geistesschwache Kinder und Zöglinge untergebracht sind, Großfeuer aus. Von den großen Gebäuden an der Straße sind die beiden etwa vierstöckigen Hauptgebäude v o l l - ständig niedergebrannt. Die laut jammernden und verstörten Kinder konnten durch die Feuerwehr über die Baitone gerettet werden. Sie wurden von dem Leiter des Heims, nach dem in der Nähe gelegenen Bürgerheim gebracht. Man ver- | mutet, daß der Brand durch Schadhaftwerden der beginnen. Ein genauer Termin aber sieht bisher ebensowenig fest, wie der kreis der in Frage kommenden Parteien. Das ist im einzelnen dem Kanzler überlassen worden. Das politische Programm, das die Grundlage der Besprechungen bilden soll, erstreckt sich in erster Linie auf die Verfassungsreform, die neben den großen wirtschaftlichen Fragen in der nächsten Zeit das Hauptproblem fein wird. Die Besprechungen mit den Regierungschefs der Länder beginnen morgen nachmittag zunächst mit einer gemeinsamen Besprechung des Reichskanzlers mit den Vertretern von Bayern, Württemberg, Baden und Sachsen. Ls war von vornherein nicht in Aussicht genommen, eine gemeinsame Konferenz aller Ländervertreter abzuhalten, vielmehr nur mit Bayern, Württemberg und Baden eine solche Besprechung verabredet. Dann ist noch Sachsen hinzu- gefommen. Die Vertreter der übrigen Länder werden, soweit sie den Wunsch haben, vom Kanzler einzeln empfangen. Zentralheizung entstanden ist. Gegen 10 Uhr vormittags sand man bei den Aufräumungsarbeiten im Schutt zunächst drei völlig verkohlte Mädchenleichen und später nochmals weitere vier. Nachmittags wurden unter den Schuttmassen die Leichen von den noch vermißten fünf Kindern gesunden. Die meisten von ihnen waren im oberen Stockwerk untergebracht. Sie hatten sich aus Angst vor dem Feuer unter die Decken versteckt, so daß sie ypn der Feuerwehr, die trotz der Gefahr, immer wieder vorging, nicht ausgefunden werden konnten. Die Rettung der schwachsinnigen Kinder und Zöglinge gestaltete sich sehr schwierig. Die Kinder leisteten derartigen Widerstand, daß zum Herausziehen eines einzigen Kindes vielfach zwei Feuerwehrleute benötigt wurden. Insgesamt beherbergte die Anstalt etwa 30 Kinder. Auch ein junges 16jähriges Dienstmädchen, das sich aus dem Flammenmeer nicht retten konnte, ist unter den Opfern. Lin Auto mit vier Jnfaffen im kleinen Belt versunken^ Aus der dänischen Insel F u e n e n wurde zwischen Middelsard und Fredericia aus dem Kleinen Belt ein' Auto geborgen, das feit et to a 1 4X$ agen vermißt wurde. Der Wagen war von Herning in Südwest-Jütland mit dem Ziel Freuen abgefahren. Die vier Insassen wurden tot aus dem Auto geborgen. Geldraub in einem Wiesbadener Postamt. Dieser Tage wurde einem Lehrmädchen, welches in der Postanstalt auf dem Bismarckring in Wiesbaden einen größeren Geldbetrag einzahlcn wollte, vor dem Schalter ein Teil des Geldes in Höhe von 230 Mk. entrissen. Dem Täter ist es gelungen, mit der Deute zu entkommen. vier Gasarbeiter verunglückt. Dieser Tage waren vier Arbeiter der Städtischen Werke in Stettin in einem vier Meter tiefen Schacht beschäftigt. Plötzlich ertönten aus dem Schacht Hilferufe. Vorübergehende konnten zwei Arbeiter im bewußtlosen Zustande aus dem Schacht 'herausztehen. Die anderen beiden Arbeiter, die auf der Sohle des Schachtes lagen, konnten erst von der Feuerwehr geborgen werden. Im Krankenhaus sind zwei der Verunglückten inzwischen gestorben, und zwar die Arbeiter Otto L st d t k e und Georg Heye. Dick beiden anderen Arbeiter, Gebhard Kroll und Karl Lüdtke, der Vater des Gestorbenen, konnten ins Leben zurückgerufen werden. Der Unfall ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß aus einem undicht geworden Rohr Gas aus- strömte. rer keine direkte Stellung genommen, jedoch geht aus den bisherigen Beschlüssen hervor, daß z u n ä ch ft nicht die Absicht besteht, den Generalstreik zu erklären. Maßnahmen des Bundesrats Mehrere Regimenter alarmbereit. z Bafel, 10. Rov. (Täl.) Der schweizerische B u n d e s r a t hat sich am Donnerstagnachmittag eingehrnd mit den Vorgängen zu Gens und Lausanne befaßt. Darüber wird folgende Mitteilung ausgegeben: „Der Bundesrat hat in seiner außerordentlichen Sitzung von heute die schmerzlichen Vorfälle in Genf besprochen. Er hat Kenntnis genommen von der Mitteilung der Genfer Regierung, daß sie am Freitagvormittag das Genfer Infanterie-Regiment und ein Genferisches Landwehrbataillon aufbieten werde. Die Truppen, denen die Aufrechterhaltung der Ordnung anvertraut ist, werden als im aktiven Dienst stehend betrachtet. Der Bundesrat hat davon Kenntnis genommen, daß das Eidgenössische Militärdepartement eine Llntersuchung für Militär- justiz angeordnet hat, um genau festzustellen, unter welchen älm ständen die Truppen gestern bei den Vorfällen in Genf eingegriffen haben./ — Der Bundesrat hat ferner beschlossen, das Dragoner-Regiment II alarmbereist zu stellen. Die Regierung des Kantons Bern hat Alarmbereitschaft der ®e = birgsinfanterie-Brigade IX und der Kavallerie-Brigade II astgeordnet. Der Staatsrat des Kanton Waadt (Lausanne) hat das Artillerie-Bataillon 3 und das Kavallerie-Bataillon in Alarmbereitschaft sehen lassen. ^Ferner hat er eine Verfügung erlassen, durch die Versammlungen mit revolutionärem Charakter sowie Ansammlungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen verboten werden. Hoch immer starkeveunruhigung. Bern, 9. Rov. (TU.) In den großen Schweizer Städten Bern, Basoll, Zürich und Lausanne herrscht unter der Bevölkerung größte Beunruhigung. Die Behörden wollen jedoch zunächst abwarten, welche Haltung die Sozialisten und die Arbeiterschaft einnimmt. Die Genfer bürgerliche Presse schiebt dem sozialistischen Führer R i c o I e die Verantwortung der blutigen Opfer der letzten Rächt zu und stellt ausdrücklich fest, daß die ersten Angriffe von den Massen auf die Soldaten ausgegangen seien. Die Soldaten seien zuerst in brutalster Weise mißhandelt worden. Die Truppen hätten erst nckch mehrmaliger Warnung das Feuer eröffnet. Dagegen veröffentlicht das Genfer sozialistische Arbeiterblatt „Le Tra- v a i I“ einen Aufruf des leitenden sozialistischen Komitees an die Arbeiterklasse zu einem sofortigen schärf st enProte st gegen die Haltung der Truppen. Das Komitee betont seine vollständige Übereinstimmung mit dem Vorgehen der Genfer Arbeiterklasse gegen die korrumpierte Bürgerschaft und erklärt, daß die leitenden Parteiinstanzen un- verzüglich zusammengetreten seien, um den Arbeiterorganisationen die notwendigen Anweisungen für ein allgemeines Vorgehen der Verteidigung zu geben. Im Laufe dech Rachmittags sind neue Truppenverstärkungen aus Bern nach Genf beordert worden. Aus aller Wett. Die Nobelpreise 1932 für Literatur und Chemie. Der literarische Nobelpreis für 1932 wurde von der Schwedischen Akademie dem bekannten englischen Schriftsteller John Galsworthy zugesprochen. Galsworthy, der 65 Jahre alt ist, stand bereits seit mehreren Jahren aus der Bor- John Galsworthy. schlagsliste, so daß feine Auszeichnung in Schweden nicht als Ueberraschung angesehen wird. Fast alle seine Werke sind auch in das Schwedische übersetzt worden. Galsworthy gehört zu den meistgelesenen englischen Schriftstellern. Weltberühmt ist feine „Forsyte Saga". Sie bringt die Schilderung einer Familie durch Generationen hindurch und ist ein Epos des wohlhabenden englifchm Bürgertums im viktorianischen Zeitalter. John Galsworthy selbst stammt aus einer solchen alten Familie — die Gals- worthys lassen sich in Devonshire bis ins 9. Jahrhundert zurückoerfolgen. Der Nobelpreis für Chemie ist von der Schwedischen Akademie ber Wissenschaften dem amerikanischen Forscher Dr. Irwin L a n g m u i r zu- gesprochen. Er ist bekannt geworden durch seine Untersuchungen über die Elektronen-Ausstrahlung glühender Körper und durch die Erfindung der Halbwattlampe. Langmuir ist 51 Jahre alt und lebt in Nordamerika. Die Schwedische Akademie der Wissenschaften hat ferner beschlossen, die beiden Nobelpreise für Physik nicht zu verteilen. Der Preis für 1931 wird dem Reservefonds zugeführt und der für 1932 für das nächste Jahr zurückgestellt. Zum ersten Male seit einer ganzen Reihe von Jahren ist keiner der Nobelpreise an Deutschland gefallen. Mit Ausnahme des Friedens-Nobelpreiies, beffen Verteilung vom norwegischen Storting beschlossen wird, find nunmehr alle diesjährigen, Preise verliehen. Die feierliche Überreichung durch König Gustav von Schweden findet am 10. Dezember, dem Todestage des Senators Alfred Nobel, in Stockholm statt. Die Beisetzung Gertrud Bindernagels. Auf dem Friedhof an der Heerstraße, auf dem schon eine Reihe von bekannten Musikkünstlern. unter ihnen Konrad A n s o r g e und Leo Schütze n d o r f, zur letzten Ruhe gebettet liegen, wurde dieser Tage die Opernsängerin Gertrud Bindernagel beigesetzt. Unter den Trauergästen bemerkte man Vertreter der Behörden, der Berliner Bühnen, des Rundfunks und der Berufsverbände. Diele Hunderte Berliner hatten sich eingefunden, um der toten Sängerin, an deren hoher Kunst sie sich erfreuen durften, ihren letzten stillen Dank abxuftatten. Rachdem der Geistliche der Toten als Menschen und Künstlerin gedacht hatte, sprach Intendant Ebert von der Städtischen Oper, zugleich für das Stadttheater Mannheim, an deren Bühne die Künstlerin viele Jahre gesungen hatte. Tlnter den Klängen des „Pilger- chors'^ aus „Tannhäuser" wurde der Sarg dann zu Grabe getragen, wo viele kostbare Kränze und auch Blumenspenden unbekannter Anhänger der Heimgegangenen Künstlerin niedergelegt worden waren. , Gronaus (Empfang in Friedrichshafen. Rach glücklich beendetem Weltflug ist der deutsche Flieger Wdlsgang v. Gronau, wie bereits gemeldet, von der Flugwerft in Altenrhein kommend, in Manzell gelandet. Sirenengeheul, Böllerschüsse und der Jubel einer über Aus der Provinzialhaupistadt Neues für den Büchertisch sich eine rege Aussprache anschloß. Mit Inter- e,se nahm die Konferenz von dem neuen Büchlein des Vortragenden Einsicht, das den Titel tragt „Dein Reich komme", ein Gebetbüchlein für die Familie, und beim Brunnenverlag in Sieben erschienen ist. Zum Schluß berichtete der Geschäftsführer des Hessischen Heimatwerkes in Oberhessen, cand. theol. Seipp über die Betreuung der Arbeitsfreiwilligen und bat um rege Mitarbeit. Aach kurzer Mittagspause schloß sich eine gutbesuchte Bezirksversammlung des Pfarrvereins an, die von Dekan Engel, Obbornhofen, mit der L,ageslesung und einer kurzen Betrachtung hierüber eröffnet wurde. Pfarrer D. Fritsch, Ruppertsburg, hielt hierauf einen Vortrag über -Die Erziehung unserer Kinder zum Gebet". Auch diesem Vortrag folgte eine lebhafte Aussprache. — Familienabend der Lu kasge- mein de. Am nächsten Sonntag, 20 Uhr, veranstaltet die Lukasgemeinde in ihrem Gemeindesaal wieder einen Familienabend. Steuerinspektor Klemmra th und Prokurist Stroh werden einen Vortrag mit Lichtbildern über eine Nord- Ian drehe holten. Musikalische Darbietungen werden den Familienabend einleiten und beschliehen. Man beachte die heutige Anzeige. Eine Warnung für den Lastkraftwagen-Verkehr Rundschreiben der Provinzialdirektion Oberheffen an die Kreisämter. "Ein ungültiger Polizeiausweis. Das Polizeiamt Gießen schreibt uns: Der Dienstausweis Ar. 203 des ehemaligen Polizeiwachtmeisters Hans (Iohannes) Fink, geboren am 8. Mai 1909 zu Darmstadt, zuletzt bei der Bereitschaftspolizei des Polizeiamts Darmstadt tätig, wird gemäß Verfügung Les Herrn Ministers des Innern für ungültig erklärt. Dieser Ausweis berechtigte zum Tragen von Schußwaffen — Faustfeuerwaffen. Sonntags-Rückfahrkarten zur Deutschen Woche in Wetzlar. Vom Bahnhof Gießen wird uns geschrieben: In der Zeit vom 12. bis 16. November findet in Wetzlar eine „Deutsche Woche^, verbunden mit Ausstellungen verschiedener Art und Tagungen statt. Aus diesem Anlaß werden von allen Bahnhöfen der Strecken Sonntagsrückfahrkarten nach Wetzlar ausgegeben. Die Karten gelten zur Hin fahrt vom Samstag, 12.November, 0 Uhr, am Sonntag, 13. November, und am Montag, 14. Novemo.r; zur Rückfahrt am Samstag, 12. November, am Sonntag, 13. November, und am Montag, 14. November, bis 24 Uhr (spätester Antrittszeitpunkt der Rückfahrt); sowie zur Hinfahrt am Dienstag, 15^ November, von 0 Uhr, am Mittwoch, 16. November, und zur Rück fahrt am Dienstag, 15. November, am Mittwoch. 16. November, und am Donnerstag. 17. November. bis 12 Uhr, zu welchem Zeitpunkt die Rückfahrt angetreten sein muh. Große Strafkammer Gießen. • Gießen, 8. Nov. Ein inzwischen nach auswärts verzogener Kaufmann, der wiederholt vorbestraft ist, wurde durch das hiesige Schöffengericht wegen Betrügereien zu einer Gesamtstrafe Dort 3 Monaden Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil verfolgte er Berufung. Obwohl er nicht einen einzigen Angestellten beschäftigte, bestellte er um die Weihnachtszeit bei einer Firma in Nürnberg einen größeren Posten Lebkuchen, und zwar als Sammellieferung für seine Angestellten. Die Bestellung war so abgefaßt, daß sie den Anschein erweckte, als handele es sich bei ihm um eine größere leistungsfähige Firma. Um dieselbe Zeit bestellte er bei einer anderen Firma einen größeren Posten Eierlöffel und Salatbestecke. Als Referenz gab er eine auswärtige Firma an, deren Inhaber er selbst war. Auf diese Weise kam er in den Besitz der Anfrage, die er in einer für ihn günstigen Weise beantwortete. Durch die Vorspiegelung dieser falschen Tatsachen wurde ihm Kredit gewährt, den er andernfalls nicht erlangt hätte. Das Berufungsgericht erblickte in dem Verhalten des Angeklagten ebenfalls einen Betrug und verwarf kostenfällig die Berufung. Zwei junge Leute aus Westfalen, von denen dem eine wegen seines fortgesetzten liederlichen Leallenthalben luftbereift sind, 25 Kilometer in der Stunde vorgeschrieben. Diese Bestimmungen, die nach eingehenden-Verhandlungen mit den beteiligten Verbänden unter Zustimmung des Reichsrats festgesetzt wurden, werden nicht eingehalten. Während ich bisher im Einvernehmen mit den Landesbehörden den Standpunkt vertreten habe, daß Geschwindigkeitskontrollen möglichst unterbleiben möchten, sehe ich mich wegen der großen Schäden, die den Straßen. Häusern und Baudenkmälern drohen, nunmehr doch veranlaßt, die Länder zu bitten, daß, abgesehen von der notwendigen Nachprüfung der Ladungen und Bereifungen, auch in größerem Umfange Geschwindigkeitskontrollen für Lastzüge durchgeführt werden. -Wenn hinsichtlich der leichteren Fahrzeuge die Nachprüfung der Geschwindigkeit, soweit deren Ueberschreitung mäßige Grenzen einhält und nicht, wie z. B. an verkehrsreichen Kreuzungen in den Großstädten, sich vielfach zu einer unerträglichen Gefahr für die übrigen Wegbenutzer und Fußgänger auswirkt, auch weiterhin etwas großzügiger gehandhabt wird, so habe ich dagegen nichts einzuwenden. Sollte dieses Rundschreiben, in dem ich gleichzeitig die nachdrücklichere Beachtung meiner früheren Schreiben in Erinnerung bringen möchte, seitens der Fahr- zeugbesiher nicht in der erwünschten Weise beachtet werden, so würde ich eine baldige Aen° derung der Kraftfahrzeugverordnung in dem Sinne in Erwägung ziehen, daß häufigere polizeiliche Kontrollen, die sich auf die Einhaltung der Geschtpindigkeits-, Gewichts- und Bereifungsvorschriften erstrecken, für Lastzüge gesetzlich vorgeschrieben werden." Wir müssen — so bemerkt hierzu die Provinzialdirektion — diese Ausführungen mit allem Nachdruck unter st reichen, da auch uns ständig Mitteilungen zugehen, daß noch allenthalben Lastkraftfahrzeuge mit unzulässiger Bereifung angetroffen werden und da auch die Beschwerden von Hausbesitzern über Erschütterungen ihrer Häuser, die nur auf unzulässige Bereisung, Ueberladung oder zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen sind, immer dringlicher werden. Dagegen hilft nur allerstreng st es Vorgehen. Wir ersuchen deshalb ergeben)!, die Bemühungen des Reichsverkehrsministers, deren Berechtigung anerkannt werden muß, dadurch^ zu unterstützen, daß Sie Ihren Polizeiorganen unter Hinweis auf die gesetzlichen Bestimmungen die dauernde Ueberwachung der beslehenden Vorschriften über Bereifung und Höchstgeschwindigkeiten der Lastkraftwagen zur pflicht machen. Die Kontrolle der zulässigen Höchstgewichte wird mit Hilfe der von den drei Provinzen beschafften hydraulischen Delastungsmesser laufend durchgeführt." benswandels fein Elternhaus verboten worden war, und der andere schon längere Zeit arbeitslos war, kamen, um sich Geldmittel zu verschaffen, auf den Gedanken, die Großmutter des einen ihrer Ersparnisse zu berauben. Sie wußten, daß die Großmutter, die als eine alte Frau in einem Ort im Vogelsberg wohnt, noch über einige Geldmittel verfügte. Eines Tages setzten sie ihren Plan in t>ie Tat um. In der Frühe des Morgens fuhren sie ab ujib kamen gegen Abend am Tatort an. Sofort zeigte der Enkel seinem Genossen das Haus der Großmutter. Dieser traf die alte Frau in der Küche. Er gab vor, er habe ihr ein Telegramm auszuhändigen und forderte sie auf, den Empfang ju bescheinigen. In diesem Augenblick versetzte er der alten, ahnungslosen Frau einen Schlag gegen den Kopf, daß sie zu Boden fiel. Durch die Hilferufe der Frau bestürzt, verließ er, ohne etwas mitzunehmen, eiligst das H lein 1^, ° nadfa einet ge£? mot9en em bet q v^letn Fs-Zr ZMr i^L**** ^ÄLsauntetfchieden Jie deutlich gM. -he Reise e^ol)ln)oüen ®uLni5 (einer Fr°u, M-kc's m Ginne, das ßni5 l" bestem fl(6 ^°^iaen Entwicklung der >el?e>s 9 c .^nen kann. Mnl " S Ansichten vertret Äfl5 üUcn Scharmützel,ee, ^ M Forderungen md oeremK^ kullur'mmo° „oj, ch bespE"'..es Kunst- ?r 6itt)enir6eiien, MS-- :ifr in^/eu^ff ®etf Zelt' ÄMsS Von der Provinzialdirektion Oberhessen wird uns folgendes Ausschreiben an die Kreisämter der Provinz Oberhessen zur Kenntnis gebracht: „Auf Grund von Beschwerden der Wegeunter- haltungspslichtigen und ihrer Verbände, daß die Bestimmungen über Bereifung, Höchstgeschwindigkeiten und Gewichte der Lastkraftwagen nicht eingehalten würden, hat sich der Rci Fs. erkehrsminister schon wiederholt an die Spitzenverbände des Kraftwagenverkehrs und der Kraftfahrzeughalter gewandt mit dem Ersuchen, auf ihre Mitglieder einzuwirken, die gesetzlichen Bestimmungen streng zu beachten, da sonst verschärfte Maßnahmen angeordnet werden müßten. Diese Mahnungen haben bisher nicht den erhofften Erfolg gehabt, so daß der Reichsverkehrsminister nunmehr^in feinem kehlen Rundschreiben an diese verbände androht, daß er sich nicht zuletzt im eigenen Interesse der auf die Straßen angewiesenen Kraftfahrzeughalter genötigt sehen würde, eine Aen- derung der Kraftfahrzeugordnung in Erwägung zu ziehen, falls auch dieser Mahnruf unbeachtet bleibe. Zur Begründung führt er folgendes aus: „In letzter Zeit sind wieder Beschwerden in großer Zahl, vor allem aus Kreisen des Grund- und Hausbesitzes bei mir eingegangen, in denen darauf Hingewiefen wird, daß Lastzüge mit übermäßiger Geschwindigkeit durch die Straßen fahren und die Häuser, sowie Kunst- und Bau- ^ukmäler erzittern lassen. Der 'Berechtigung dieser Klagen kann ich mich nicht verschließen. Die unb QBeifc, wie heute die Lastkraftwagen unter Nichtachtung der gesetzlichen Vorschriften mcht nur auf den Landstraßen, sondern auch innerhalb der geschlossenen Ortschaften verkehren, erfordert dringend G genmaßnahmen. Es handelt sich nicht nur um die Einhaltung der Gewichts- und Bermsui^svorschriften, von der in meinem früheren Rundschreiben die Rede war, sondern vor allem auch um die Beachtung derGeschwin - digkeitsvorfchriften. Aach Paragraph 18 Absatz 3 der Kraftfahrzeug- verordnnng beträgt die höchstzulässige Fahrgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortsteile für Kraftfahrzeuge mit Anhänger soweit ihre Räder nicht allenthalben luftbereift sind, 16 Kilometer in der Stunde, andernfalls 25 Kilometer in der Stunde. Für Kraftfahrzeuge ohne Anhänger betragen die entsprechenden Höchstgeschwindigkeiten für den Verkehr innerhalbgeschlossener Ortsteile in dem einen Falle 25 Kilometer (bei Kraftomnibussen unter Umständen 30 Kilometer), im anderen Falle 30 Kilometer (auf Grund örtlicher Anordnung unter Umständen 40 Kilometer) in der Stunde. Außerhalb geschlossener Ortsteile sind für Kraftfahrzeuge m i t und ohne Anhänger, wenn ihre Räder nicht Gießen, den 11.November 1932. Oer Zugzusammenstoß im Bahnhof Saasen. Zu dem gemeldeten Zug zusammen stoß im Bahnhof Saasen teilt die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. mit: Die Strecke Grün- berg—Gießen ist eingleisig. Die Kreuzung von Zügen muß deshalb in Ueberholungs- g l e ij e n erfolgen. Gestern morgen hielt im Bahn- Hos Saasen ein Güterzug, der aus Richtung Gießen gekommen war, um einen Personen- zug aus Richtung Fulda vorbeizulassen. Der Personenzug fuhr nun nicht in das freie Gleis, sondern in das Gleis, in dem der Güterzug stand. Durch den heftigen Zusammenprall der Lokomotiven entgleisten ein Wagen des Personenzuges und von dem Güterzug drei Wagen. Ein Güterwagen wurde so schwer beschädigt, daß er aus dem Verkehr genommen werden mußte. Glücklicherweise sind die Verletzungen der beschädigten Personen nicht allzu schlimm. Die nach der ersten Untersuchung am schwersten Verletzten wurden der Klinik in Gießen zugeführt. Es sind dies Herr Rohn aus Gießen, der eine leichte Kieserverletzung erlitt, Herr Vogel aus Homberg mit einer leichte^ Gehirnerschütterung und die zweijährige Margott Engel (leichte Kopfverletzung). Rach Behandlung durch den Arzt konnte die Mutter die kleine Margott mit nach Hause nehmen. Bei einem Fräulein Pfeffer, die ebenfalls in die Klinik gebracht wurde, ist man sich über die Verletzungen noch nicht klar: die Dame soll geröntgt werden. Eine größere Zahl von Rei- enden erlitt leichtere Verletzungen, wie Hautab- jchürfunaen usw. Die Ursache des Zusammenstoßes ist jedenfalls aus ein Versehen des Weichen- stellers des Bahnhofs Saasen zurückzuführen, der dem Personenzug die Einfahrt in das durch den Güterzug besetzte Gleis frei gab. Da auch noch sehr starker Nebel herrschte, sah der Lokomotivführer des Personenzuges den haltenden Güterzug erst, als es zu spät war. Wie wir zu unserem gestrigen Bericht noch erfahren, wurde dem Verletzten auch von sechs Aerzten aus Grünberg Und Umgegend neben den Gießener Aerzten und der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Hilfe geleistet. Daten für Freitag, 11. November. 1852: der österreichisch-ungarische General Franz Graf Conrad von Hötzendorf in Penzig geboren; — 1918: Waffenstillstand an der Westfront zwischen Deutschland und der Entente. VornoNzen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns getrieben: Um dem 11. im 11. auch im Spiclplan eine gewisse Bedeutung und Dexech- tigivftg anzuerkennen, gelangt heute als 6. Vorstellung im Freitag-Abonnement der Schwank „Der Raub der Sabinerinnen" von Schönthan unter der Spielleitung von Karl D o l (^erstmalig in dieser Spielzeit zur Aufführung. Mitwirkende Damen: Berger, Koch, Schubert-Iüngling, Wie- lanter; Herren: Hamel, Hub, Nieren, Geiger, Delck, Wrede. Anfang 20 Uhr; Ende 22.15 Uhr. Gewöhnliche Preise. — Für Sonntag. 13. November, wird als Fremdenvorstellung letztmalig das Lustspiel „Roulette" von Ladislaus Fodor unter der Spielleitung von Karl Hehse zur Aufführung gelangen. Ermäßigte Preise. 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr. — Das ethische Problem des Krieges in der heutigen Lage. Vortrag an der Universität Gießen am 6. Juli 1932. Von Professor D. Dr. phil. Fr. K. Schumann. 16 Seiten. Preis 50 Psg. Herausgegeben von der Studentenschaft der Universität Gießen. — (379.) — Der Vortrag wurde aus der Reihe wehrwisienschastlicher Vorträge entnommen, die auf Anregung der Gießener Studentenschaft im Sommer-Semester 1932 an der hiesigen Universität gehalten wurden; er geht aus von einer Betrachtung des Kellogg-Paktes und setzt sich dann mit dem Begriff und den Zielen des Pazifismus auseinander; die Stellung der christlichen Ethik zu Krieg und Pazifismus wird ausführlich behandelt. „Die christliche Ethik wird ... den Pazifismus beurteilen müssen als eine gefährliche und im letzten Grund verantwortungslose Jllusionierung der menschlichen Dinge". Die weitere Untersuchung befaßt sich mit der Frage der Teilnahme des Einzelnen am Werke des Krieges und mit Ibej modernen (Entartung des Krieges. Nach einem Hinweis auf den ungeheuren Wesenswandel des Krieges in den letzten Jahrzehnten-schließt die Rede mit der Forderung, nicht die Abschaffung des Krieges zu propagieren, sondern der Entartung des Krieges entgegenzuwirken und den Krieg zurückzuführen zu seiner ursprünglichen Idee und seinem echten Sinn. „Dieser Sinn aber ist der, daß das Werk des Krieges „Amt der Liebe" ist, oder anders ausgedrückt, der echte Sinn des Krieges ist der des Sichopfems der Starken und Wehrfähigen für die Schwachen und Nicht-Wehrfähigen". — Der Vortrag ist im Verlag der Gießener Studentenschaft erschienen und ist auch im Buchhandel erhältlich. — Bruno H. Bürgel: Die Weltanschauung des modernen Menschen. Verlag Ullstein, Berlin. Preis: broschiert 3,— Mk., Ganzleinen 4.50 Mk. — (241) — Unter Berücksichtigung der neuesten Forschungsergebnisse auf allen Gebieten der Wissenschaft gibt Bürgel einen schwungvollen, oft dichterischen Ueberblick über das Entstehen des Kosmos, der Menschheit, über das Werden und Vergehen der Erde, über die religiösen und philofophi- Ichen Strömungen der Nachkriegszeit, über die große Zahl der noch immer und vielleicht auf ewig ungelösten Rätsel unseres Daseins. Bürgel hat sich und uns das schöne Wort Kants als Motto gewählt: „Die größte Angelegenheit des Menschen ist, zu wissen, wie er seine Stelle in der Schöpfung gehörig und recht versteht, was man sein muß, um ein Mensch zu sein". Diese Forderung hat Bürgel in vorbildlicher Weise erfüllt. — Dr. FriedrichKoch: Fre i-heit — Führe r t u m -*• Diktatur. Die Wege zur deutschen Freiheit. 84 Seiten, Oktav. 1,25 Mk. Verlagshaus Darmstadt. —' (231) — Koch übt freimütige Kritik an den Formen, welche die Demokratie bei uns unter der Herrschaft des Listenwahlrechts und der Parteibürokratie aller Art genommen hat, und zeigt die Grenzen auf, die der Demokratie im modernen Großstaat gesetzt sind. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß demokratische und staatsbürgerliche Freiheit in Deutschland nur möglich ist auf dem Wege der Führerherrschaft. Nachdrücklich wird aber auf die Gefahren hingewiesen, die dem Staate daraus erwachsen können, daß aus dem berechtigten Streben nach Führertum sich das Streben nach einer Diktatur erhebt, die die Verantwortlichkeit des Volkes aufhebt. Das Buch wendet sich besonders an die wahlmündig gewordene Jugend und will zur Besinnung führen auf die Kräfte, die den Staat tragen. — PolitikundWissenschaftbeiMax Weber, von Christoph Steding. Verlag W. G. Korn, Breslau. Kart. 3,50 Mk. — (236.) Alle Kritik am Liberalismus, von der heute der überwiegende Teil des geistigen Deutschlands lebt, vermag nicht die Tatsache aus der Welt zu schaffen, daß wir die Söhne und Erben eben des Liberalismus sind. Denn weil ein Volk immer seine gesamte Vergangenheit ist, so sind wir vornehmlich daher auch die Vergangenheit der letzten beiden liberalistischen Menschenalter. Die Schrift über Max Weber, einen repräsentativen liberalen Politiker dieser letzten Iahrzehnte, will Deutschland dazu erziehen, daß es feine jüngste Vergangenheit langsam mit anderen, versöhnlicheren Augen ansieht. Es wird an Hand der Darstellung der politisch-wissenschaftlichen Existenz Max Webers gezeigt, daß der Liberalismus es auch am Ende seiner schicksalvollen Laufbahn immerhin noch fertig gebracht hat, einen solch einzigartigen Marrn wie Max Weber aus sich herauszusetzen. — „Belebung der Wirtschaft" heißt eine Broschüre, die in gedrängtester Kürze neben den vollständigen Texten der Notverordnung und der bisher erschienenen Ausführungsbestimmungen eine systematische Einführ^g enthält, in der Kunkel-Wormö Präsident derHessischen Handwerkskammer. WSN.D arm st a M , 10. Nov. In der heutigen Sitzung der Hessischen Handwerkskammer wurde an Stelle des zurückgetretenen Handwerkskammerpräsidenten A o h I Bäcker- obermeister Kunkel-Worms mit 26 Stimmen 3 um Präsident« nderHessis chenHand- werkskarnrner gewählt. Auf Falk-Maiirz waren 25 Stimmen entfallen. Weiter wurden in den Vorstand gewählt: Zimmermeister Hartmann- Darmstadt und Schuhrnachermeister Richter- Offenbach. Zu der bedeutungsvollen S.tzung war die Presse nicht eingeladen. Ein Bericht ist von der Handwerkskammer angekündigt worden. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. QJL-'Spoit Sechstagerennen. Beginn in Berlin. — Schluß in Lhikago. Am Mittwochabend gab der amerikanische Filmstar Harold Lloyd im Berliner Sportpalast den Startschuß zum 2 8. Berliner Sechstagerennen ab. Am Start "hotten sich dreizehn Paare eingefunden, von denen van K e m - pen-Pijnenburg bei der Ehrenrunde ausgepfiffen wurden. Schon nach kurzer Fahrzeit entwickelten sich wilde Jagden, die das Paar Sie» ^g e l - Th i e r b a ch in großer Form sahen. Bei der Neutralisation lugen die beiden deutschen Straßeüsahrer mit einer Bunde Dorsprung an der Spitze. Auch die Nachmittagswertungen des Donnerstags brachten keine Veränderung. Der Stand: 1. Siegel-Thierbach; eine Runde zurück: Fuhda-Maidorn, Schön-Tietz, Duschenhagen-Re- siger, Buysse-Dilliet, Broccardo-Guimbretiere: zwei Runden: Gebr. Nickel, Kroll-Miethe, Duse- Maczynski; drei Runden: Chmer-Rieger, van Kempen-Pijnenburg: vier Runden: Ahlers-Decker: Dulla-Bresciani. Das Chikagoer Sechstagerennen wurde am Mittwoch abgeschlossen. Sieger blieben die jungen Peden-Audy. Der Berliner W i s- s e I belegte mit dem Amerikaner D e m p s e y den vierten Platz, wahrend Dülberg mit Grimm auf dem sechsten Platz endete. Gerätewettkampf Krofdorf- Großen-Linden -Heuchelheim Zum dritten Male gelangt am kommenden Sonntag — diesmal in der Turnhalle des Turnvereins Krofdorf in Krofdorf — der Gerätewettkampf zwischen den Turnvereinen der Orte Großen-Linden, Heuchelheim, Krofdorf zum Austrag. Bisher konnte der Turnverein Großen- Linden den Gerätewettkampf zweimal für sich entscheiden. Der Wettkampf wird bestritten von je 4 Aktiven, 2 Altersturnern, 2 Turnerinnen und 2 Jugendturnern eines jeden Vereins. Zu turnen ist je eine Hebung am Barren, am Pferd, am Reck (am Reck turnen die Damen nicht) und außerdem gilt es, Freiübungen zu zeigen. Wer den Wettkampf, dem man auch diesmal von feiten der beteiligten Vereine und ihrer Anhängerschaft mit großem Interesse «ntgegensieht, gewinnt, ist, gleichwohl Großen-Linden einige Aussichten hat, im voraus nicht zu sagen. Man erwartet einen harten Kampf um die Punkte. Der Gerätewettkampf wird geeignet sein, dem Geräteturnen manchen neuen Freund zu werben. Man hofft, gute Leistungen zu sehen. Kuriositäten im Sport. Der Begriff „Kuriosität" läßt immer auf etwas schließen, das nicht alltäglich ist, das Vorstellungen an seltsame Begebungen wachruft. Kurios ist immer etwas Absonderliches und Absonderlichkeiten begegnen wir auf allen Gebieten, in der Kunst und Wissenschaft, in der Politik, in der Wirtschaft und auch — im Sport! Da war z. B. der amerikanische Rennfahrer Charles Murphy. Dieser Rennfahrer griff bei einem Weltrekordversuch zu einem recht merkwürdigen Mittel. Er benutzte an Stelle eines Schrittmacher- motors eine Lokomotive bzw. einen ganzen Exprehzug. Das klingt wie ein Märchen und ist dennoch wahr, so wahr, daß man es jederzeit durch Ab- b'.düngen und Zeitungsausschnitte beweisen kann, üm diese seltsame Begebenheit zu erklären, lebe man sich in folgende Vorstellung hinein: Charles Murphy lieh im Jahre 1899 auf der Long- Jsland-Bahnlinie bei Neuyork zwischen den Gleisen eine 4 bis 5 Kilometer lange Holzbahn legen. Er hatte hierbei die Absicht, den Welt- relord über die englische Meile zu schlagen. Dieser Weltrekord wurde mit echt amerikanischem Tamtam in die Wege geleitet, und was die Hauptsache ist, er gelang. Gelang sogar in g'änzender Weise. Murphy fuhr am 30. Juni ■c2'9 hinter dem Expreßzug die englische Meile in der für damalige Verhältnisse unglaublichen -3■':t von 57,8 Sekunden, was einem Stunden- IN t?s von 100 Kilometer gleichkommt. Da der W-: trekord um diese Zeit erst auf 60 Kilometer st?.nd, wollte man diese Leistung zunächst nicht c '.üben, bis sich dann heraus stellte, daß Murphy diesem Rekordversuch folgenden Trick zur nwendung gebracht hatte. Der Amerikaner hatte 7 'n lctzlen Wagen des Expreßzuges mit einer o n-buchlung versehen, die ihn gegen jeden Luftzug, mochte er von vorn oder von der Seite kom- m'n, vollkommen schützte. Einmal im Schwünge, urde er durch die sich in der Einbuchtung des l'tzten Wagens wieder zusammenschließende Luft '■ mlich milgcrissen. Dos war dos Geheimnis scmes unheimlichen Tempos. Obwohl die Zeit gestimmt hat, wurde jedoch die Leistung als solche wegen des unerlaubten Hilfsmittels nicht aner- la v.- 2st es nicht auch ein Kuriosum, wenn sich ein Rennfahrer während des Sechstagerennens im Sportdreß trauen l-ißt? Auch das ist dagewesen. und zwar zu einer Zeit, in der die Neuyorcer Sechstagerennen noch als Einzelrennen bestritten wurden, nämlich Ende der n. unziger Jahre. Damals gab es einen Fahrer namens Charles Miller, der Spezialist für solche Einzelrennen war, die später von der Po- l -"i toen-n Menschcnschinderei verboten wurden. A ei einem dieser Rennen, nachdem er am vierten u'az-e einen solchen Vorsprung vor seinen Geg- r rn herausgeholt hotte, daß feirt Sieg in greif- lih.? rückte, ließ er sich im Jnnenraum der S.-chstag.'bahn trauen. Das ging übrigens nicht rf)nc Schwierigkeiten ab, denn die amerikanische Kirche sah hierin eine unwürdige Handlung und es bedurfte vieler älnterredungskunst, den Bitten von Miller nachzugeben. Diese Trauung wurde natürlich von den Zeitungen ausgeschlachtet, was zur Folge hatte, daß an den beiden letzten Tagen das Rennen stets ausverkauft war. Im Gegensatz zu der marktschreierischen Reklame dieses geschäftstüchtigen Pankees steht des Verhalten eines unlerer besten Herrenreiters aus den Jahren unmittelbar vor dem Kriege. Dieser Herrenreiter war v. Egan-Krieger. der 1913 eine Prüfung in Magdeburg gewann, und zwar das den Tag einleitende Rennen. Da am selben Nachmittag auch Grünewald ein Rennprogramm hatte, begab sich v. Egan-Krieger unmittelbar nach seinem Magdeburger Siege nach Berlin, um auch hier ein Engagement zu erfüllen. Mit dem Schnellzug wäre ihm das Experiment kaum gelungen; also benutzte er ein Flugzeug, wobei man wissen muh, daß sich das Flugwesen erst im Anfangsstadium seiner Entwicklung befand. Zur Ueberraschung der Zuschauer landete das Flugzeug inmitten des Rennbahngeländes, und zwar in einem Augenblick, wo man für v. Egan-Krieger, mit dessen Erscheinen man gar nicht mehr gerechnet hatte, einen anderen Reiter bereits ausgewogen hatte. Schnell wurde die Waage nochmals geöffnet, Leutnant v. Egan- Krieger lohnte sein Pferd selbst reiten und — wie zwei Stunden vorher in Magdeburg — zum Siege steuern. Stürmischer Beifall lohnte dieses Husarenstück, das in der Geschichte der deutschen Herrenreiterei einen ganz besonderen Platz ein» nimmt. Hier eine kuriose Geschichte aus den Anfängen des Berliner Fußballsports. Im Frühjahr 1883 tat sich der „Berliner Cricket-Club von 1883" auf, dessen Begründer der Engländer Tom D u 11 o n war. Der Verein spielte aber nicht nur Cricket, sondern auch Fußball und dazu wurde noch Leichtathletik getrieben. Das Fußballspielen entbehrte aber jeden Reizes, denn der Berliner Cricket-Club hatte, solange er allein auf weiter Flur stand und das Berlin der achtziger Jahre nur Skat- und Kegelvereine hatte, keinen Gegner. Das wurde in dem Augenblick anders, als sich im Jahre 1835 auf der Ostseite des Tempelhofer Feldes ein Konkurrenzverein auftat, der sich merkwürdigerweise Fußballclub Frankfurt nannte. Dieser Verein, dessen Seele der heute noch lebende Georg L e u x war, pflegte in der Hauptsache Idas Rugbhspiel. Dadurch, daß es jetzt zwei Rasensportvereine in Berlin gab, die laut Po- lizeibericht auf dem Tempelhofer Feld i h r Unwesen trieben, war eine Gelegenheit geboten, gemeinsame Wettkämpfe auszutragen, doch ging deren Arrangierung nicht ohne Schwierigkeiten ab. Halsstarrigkeit war schon damals Trumpf; die Engländer wollten von ihrem Association-Fußballspiel nicht abgehen, wie der technische Ausdruck damals lautete, während die Deutschen auf Rugby schwärten. 3n dieser zerfahrenen Situation kam ein Schlaumeier auf den Gedanken, die Wettkämpfe zwischen den beiden vereinen dergestalt auszu- tragen, daß in der ersten Spielhälfte Fußball und in der zweiten Rugby gespielt wurde. Dieses Kompromiß, das in der Geschichte des Fuhballsports einzig dasteht, kam tatsächlich zustande und füllte mit einer Reihe von Wettkämpfen den ganzen Sommer des Jahres 1885 aus. Leider verrät die Chronik nicht, welcher von den beiden Vereinen der erfolgreichere war. Fluge de Pinedos, der 1927 zwar beim Fluge nach Rom scheiterte, dessen Postsack aber gerettet wurde. Georgina hofft, wenn sie demnächst Ferien hat, mit dem Großpapa nach Europa zu reifen, und dort die ihr noch fehlenden Kostbarkeiten für ihre Sammlung zu erlangen. Buntes Allerlei. Briefmarkenjagd um die Welt. Ein zwölfjähriges Mädchen, Georgina Harris ist mit ihrem Großvater auf einer Weltreise begriffen, um ihre Hauptleidenschaft, das Sammeln von Lustpostmarken, zu befriedigen. Der Großvater, Dr. George Munson, ist auch ein fanatischer Philatelist, und von ihm hat das Kind die Sammelluft geerbt. Der alte Herr und die kleine Dame besuchen alle Länder, um ihre Sammlung zu vervollständigen, und sind soeben von einem längeren Ausflug nach Südamerika in ihre Heimat Neuyork zurückgekehrt. In Columbia gelang es ihnen, eine Marke von dem transatlantischn Flug des „Zeppelin" mit Der» kehrtem Aufdruck zu erobern, eine große Seltenheit, von der nur 25 Stück bekannt sind. Georgina besitzt bereits über 4000 Luftpostmarken, die viele tausend Dollars wert sind, aber einige Seltenheiten fehlen ihr noch, darunter die 3-Cent-Marke von Neufundland, die für den Flug Hawkers im Jahre 1919 benutzt wurde, und die Neufundland-Marke vom Strafanzeige gegen böse Geister. Da man es nach dem deutschen Rechtsgebrauch niemandem verwehren kann beliebig viele Strafanzeigen an die Staatsanwaltschaften zu richten, solange man nicht fürchten muß, dadurch selbst'mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, können die deutschen Justizbehörden nicht selten von überaus sonderbaren Anzeigen berichten. Dieser läge ist in Kassel sogar eine Strafanzeige gegen böse Geister eingereicht worden. Der Anzeigende behauptet, er sei in einer dunklen Nacht auf einem Spaziergänge von übersinnlichen Wesen angefaflen und verprügelt worden. In der Anzeige wird des längeren ein „Beweis" dafür angetreten, daß es sich in der Tat um Geister gehandelt habe, die sich der Körperverletzung und Sachbeschädigung schuldig gemacht hätten. Die zuständige Staatsanwaltschaft hat auf Grund ihrer bisherigen Ermittlungen alle Ursache anzunehmen, daß in der Tai bei diesem sonderbaren Vorfall Geister ihre Hand im Spiel hatten. Ebenso fest dürfte es allerdings stehen, daß es sich dabei um Weingeister handelte ... Wirtschaft. * Die Städtische Werke AG., Kas - sei verteilt 9 Prozent Dividende. Der Aufsichtsrat der Städtische Werke AG., Kassel hat der Generalversammlung den Abschluß und den Geschäftsbericht für das am 31. März abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt. Entsprechend der Absahverminderung betrug die Verminderung der Einnahmen beim Elektrizitätswerk 342 845 Mark, beim Gaswerk 189 556 Mark und beim Wasserwerk 86 543 Wk. Beim Gaswerk waren auch die Einnahmen aus den Nebenprodukten um 20 Prozent niedriger als im vergangenen Jahve. Dem Werk gelang es aber, die Ausgaben den gesunkenen Einnahmen anzupassen, ohne die Betriebssicherheit zu vernachlässigen. Die Betriebsunkosten sind auf 1,041 Millionen Mark gesunken, gegen 1,136 Millionen Mark im Vorjahre und 1,696 Millionen Mark im Jahre 1929. Dieses günstige Ergebnis gestattet neben der vertraglichen Konzessionsabgabe die Ausschüttung einer Dividende von 9 Prozent (11 Proz.). Der Reingewinn beträgt 1 164 582 Mark, gegen 1 371 424 Mark im vergangenen Jahre. ZrankfnrlerAbendbörse still und schwach Frankfurt a. M., 10. Nov. Mangels jeglicher Anregungen verkehrte die Abendbörse in sehr stiller und eher schwächerer Haltung. Gegen den Berliner Schluß betrugen die Rückgänge jedoch selten mehr als 0,5 o.Jft. Nur Kunstseideaktien reagierten im freien Markt zunächst etwas stärker auf die schwachen Meldungen aus Amsterdam. Später zeigte sich jedoch eher Nachfrage, so daß Aku schließlich noch um 0,5 v. H. über den niedrigen Berliner Kurs zur Notiz kamen. Im Verlaufe blieb das Geschäft Mein, IG.-Farben lagen nach vorübergehend leichter Besserung wieder schwächer. Am Rentenmarkt neigten deutsche Anleihen zur Schwäche, Schuldbuchforderungen biteben etwa behauotet. Am festverzinslichen Markt waren die Kurse nahezu unverändert. Altbesitz 54,75, Neubesitz 6,65, Schutzgebiete 6,45, Reichsbank 128, Gelsenkirchen 38, Phönix 27,25, Aku 56, Bemberg 58,50, IG.-Farben 95,90 bis 96,13 bis 95,90, Schlickert 71,50, Süddeutscher Zucker 135, Hapag 17. Der deutsche Außenhandel im 3.Vierieljahr 1932. Starker Rückgang des Ausfuhrüberschusses gegenüber dem Vorjahr. Die rückläufige Bewegung der Einfuhr hat auch im dritten Vierteljahr 1932 an- gehalten. Mengenmäßig beträgt die Abnahmeder Einfuhr gegenüber dem vorangegangenen zweiten Vierteljahr rund 3 v. H. Da die Durchschnittswerte für die Gesamteinfuhr um etwa 4,5 v H. gesunken sind, ergibt sich für den Wert der Gesamteinfuhr eine Abnahme von fast 7,5 v. h. Diesem Prozentsatz entspricht ein Rückgang um 85 Millionen Mark, von benetz 47 Millionen Mark auf bk Einfuhr von Lebensmitteln, 24 Millionen NWrk auf die Rohstoffeinfuhr und 15 Millionen Mark auf die Fertigwareneinfuhr entfallen. In bezug auf die Preisbewegung ist bemerkenswert, daß die Durchschnittswerte für eingeführte Rohstoffe nur um annähernd 3 v. H. gesunken find, während die Durchschnittswerte für eingeführte Lebensmittel um 6,5 v. H. und für die Fertigwaren um 5,5 v. H. niedriger liegen, als im zweiten Vierteljahr. Die Ausfuhr ist vorn zweiten zum dritten Vierteljahr der Menge nach um 0,5 v. H. gestiegen. Da jedoch die Durchschnittswerte der Gesamtausfuhr um 6 v. H. (der Fertigwaren allein um 5 v. H.) gesunken sind, ergibt sich dem Wert nach ein Auvführrückgang um rund 5,5 o. h. (bei den Fertigwaren, die der Menge nach um fast 2 v. H. abgenommen haben, um 7 v. H.). Die mengenmäßig leichte Zunahme der Gesamtausfuhr ist durch die Lebensmittelausfuhr bedingt, die dem Volumen nach erheblich gestiegen ist. Die Handelsbilanz schließt im dritten Vierteljahr mit einem Ausfuhrüberschuß von 245 Millionen Reichsmark gegenüber 240 Millionen Reichsmark im zweiten und 363 Millionen Reichsmark im ersten Vierteljahr ab. Im DerkHr mit den europäischen Ländern ist der Ausfuhrüberschuß, der im ersten Vierteljahr 636 Mill. Mk. und im zweiten Vierteljahr 525 Mill. Mk. betragen hatte, aut 473 Mill. Mk. im dritten Vierteljahr zurückgegangen. Dom zweiten zum dritten Vierteljahr Hot sich insbesondere der Ausfuhrüberschuß im Verkehr mit der UdSSR. (— 35 Mill. Mk.), mit Frankreich (— 23 Mill. Mark) und mit der Tschechoslowakei (— 6 Mill. Mark) vermindert. Im Verkehr mit Italien zeigt das dritte Vierteljahr einen Einfuhrüberschuß von 0,6 Mill. Mk., während des zweite Vierteljahr einen Ausfuhrüberschuß von 17 Mill. Mk. zugunsten Deutschlands aufwies. Im Handelsverkehr mit Spanien schließt die Handelsbilanz im dritten Vierteljahr mit einem Ausfuhrüberschuß von 11 Mill. Mk. ab, während sie im zweiten Vierteljahr um 2 Mill. Mk. passiv gewesen ist. Eine bedeutende Steigerung, und zwar um 27 Will. Mk., hat der Ausfuhrüberschuß im Handelsverkehr mit Großbritannien erfahren. Der Einfuhrüberschuß aus dem Handelsverkehr mit den überseeischen Ländern (ohne Eismeer und nicht ermittelten Ländern) ist von 276 Milk. Mk. im zweiten Vierteljahr (269 Mill. Mk. im ersten Vierteljahr) auf 220 Mill. Mk. im dritten Vierteljahr zurückgegangen. Namentlich hat sich der Einfuhrüberschuß im Außenhandel mit den Vereinigten Staaten von Amerika (— 34 Mill. Mk.) vermindert. Jür den Zeitraum Januar—September 1932 (1931) s chlieht die Handelsbilanz mit einem Ausfuhrüberschuß in höhe von 847 Millionen Reichsmark (1962 Millionen Reichsmark) ab. Es beträgt der Ausfuhrüberschuß im Warenverkehr mit Europa 1634 Mill. Wk. (2886 Will. Mk.). der Einfuhrüberschuß im Handelsverkehr mit Liebersee 765 Mill. Mk. (896 Mill. Mk.). Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 3 v.H. Franlfurt a. 2J1. Berlin iyrontiun u. -vc Äerlin Schlußkurs Schloßt. Abend- bölch Schluß- lurs Schlußk. Mittaq- börse Schluß» ktirS Schlußk. Abend, börfe Schluß- kurs Schlußk. Mittag, börse Jjtun | 4 II. 10-11. | 9.11. 10.11. Datum 9-11. 10.11. 9-11. 10-11. b ,, £• iiiirtie ykidisanietljc d. 192. 75,65 75,25 75 75,25 Vamburg-Amerua Pme. 1 18 17 17,9 16,9 ■" e6cm.7%SLiHeid)AanI.b.l929 90 90.5 90 90 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 — 31 -tzunug-Anleihe von 1930 . 72 72 72 72,4 pansa Dampfschifi . . . ( — — 27,75 27 Scutfdje VI Ablos.-Schuld mit Norddeutscher Lloyd .... . ( 18,4 18,13 18,9 17,75 AuSIu«.-Rechten ... — 54,75 56.25 55 A.G. für Verkehrswesen Ml. . 0 43 42,71 42,9 42,5 Ler.il. ohne Auolol. Rechte . . — 6,65 7 6,75 Berliner Handelsgesellschaft . 4 91 91 91 6"., chcm 8% ßvil. Boltostaai 1929 Commerz, und Piival-Banl . Darmstadter und Nationalban 0 53,5 53,5 53,5 53,5 rüiitühlb i(i-2%)...... 69 — 68,9 — 0 Eberbeiien Provinz-Anleibe mti Deutsche Bank und Ausloi. Rechten . . 56 55,5 — - DtSconto-Beseilschasi . 0 75 75 75 75 iitjrbe Homm Saminelabl Dresdner Bant...... 0 61,75 61,75 61,75 61,75 Anleihe Serie i 53 52,5 53 52,25 ReichSban, .... 1. 129 128 129,25 128,13 6% ebem. 8% -rranls. Hyp.-Bonl Ävldtm. 13 unkündbar bis 1935 81,25 81 - — A.E.Ä . . 0 33,5 32,5 34,25 32.4 ti"„ ehe in <% krankt Hyv.-Bant Bergmann . ...... . 0 — — — 20,75 Goldv- 16 unkündbar bis 1936 — 80,75 — — Elektr. Lieferungsgesellschaft. 5 71,5 — 71,5 70 51 _■ °o clicm. 4%% ,Zrankf.Hhp.- Bank Miau Pianvbriese Licht und Kraft ..... 6 93,5 — 94,25 91 85,25 84,25 — — Felten & Guilleaume.... a 56 55 57 55 612% ebem. 4>/,% Rheinische Gesellschaft für Elektrische Hnv.-Banl-Liau -Goldpie. . 86 86 — — Unternehmungen . . . 4 71,13 68,5 72,75 68,75 6% ehem 8% Pr. Lan verpfänd- briejansta Vsandbriese R. 19 73,5 Rheinische Elektrizität . . . bV 75 75 74,25 75 78,5 78,5 78,5 Schuckeri & Eo....... 0 73,9 71,5 73,5 70,5 6% ehem. 7% Pr. SanbeSpfanb- 78 Siemens & Halske..... 9 122 123 119,5 briefanstal Pfandbrief» R c 79 Labmetier L Co....... 10 111 108 110 107,5 4% Ceitenetamdie (.Moteiue . 10,75 10,75 10,75 — yilüc.u. . ..... 4 41 ,5 39,5 41,5 39,5 4,20% Oesterreichiiche Sllbcrrentc — — — 1,15 Deutiche Erdöl...... 5 75 74,13 76,65 73,65 4% Ungarische Goldrente ... 6,5 — 6,5 6,3 39,13 38 39,5 38,5 i"„ Ungarische Staoterente v. 1910 6,2 6,2 6,25 6,45 Harpeuer......... O 76,5 75,5 4S% öesgl. von 1913 — — 6,15 6.3 Hoefch Bf en........ 3He Bergbau....... 6 — — 39,25 37,25 5% abfleft. Äoldmexilaner von 99 6,25 6,25 6,25 6,65 10 — — 133 133,5 4% Türkische Zollanleihe von 1911 3.5 3,5 3.45 3,3 Ilse Bergbau Genüsse . . . 100.5 98 99,75 97,25 4% Türkische Bagdadbahn-Anleib Älödnenuerie . ...... K 35,5 32,75 35,5 32,75 Serie I 3,65 3,5 3,5 3,4 3,4 ManneSmann-Röhren . . . 6 55,4 54 55,75 53,25 4% vesgt. Serie l< 3,6 3,5 3,3 ManSselder Bergbau .... O 24,25 23,13 20,5 5% Rumän. ver mH. Rente v.1903 5,5 5,6 5,8 5.8 Oberschlei. Kokswerke . 8 _ 42,75 39,75 4^%Rumän.veretnh.Rentev.l913 8,9 9,4 3,75 Phönix Bergbau......