nr. 160 Srühaussabe 182. Jahrgang Montag, U. Juli 1932 Erscheint täglich, außer Sonntags unb Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Vezugrpreis: Mit 4 Beilagen RM.1.S5 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drarf und Verlag: vrühl'sche llniver^rttts-Vuch' und Zleindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 V, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Das Echo von Lausanne. Nie deutsche Delegation wieder in Berlin. Wetterführung des inncrpolitischen Programms. Berlin, 10. Juli. (TU.) Reichskanzler van Papen und die übrigen Mitglieder der deutschen Abordnung für die Lausanner Konferenz trafen am Sonntag um 13.43 Uhr mit dem fahrplanmäßigen FD=3ug aus Lausanne wieder in Berlin ein. Zur Begrüßung hatten sich auf dem Anhalter Bahnhof der Reichsinnenmini st er sowie u. a. die Staatssekretäre Trendelenburg, Zarden und Planck eingefunden. Aus der Mitte einer etwa hundertkopfigen Menge erschollen Hoch- und Brcwo- Rufe, als der Kanzler in Begleitung des Reichs- innenministers den Seltenousgang des Bahnhofs verließ. Nachdem die Photographen ihres Zimtes gewaltet hatten, setzten sich die Kraftwagen nach der Wilhelmstraße in Bewegung. Wie amtlich mitgeteilt wird, wird das Reichskabinett am M o n t a'g v o r m i 11 a g um 10 Uhr eine Sitzung abhalten, in der der Reichskanzler über den Verlauf und das Ergebnis der Konferenz persönlich Bericht erstatten wird. Im Anschluß daran wird der Kanzler dann um 11.30 Uhr d i c Presse empfangen, um der deutschen Öffentlichkeit die neue Situation im einzelnen auseinanderzusetzen. Im Laufe' der Woche fährt Herr v. Papen nach Neudeck zum Vortrag beim Reichspräsidenten Der Reichspräsident ist natürlich auch bisher schon dauernd auf dem Laufenden gehalten worden. Die Inkraftsetzung des Lausanner Vertrages wird voraussichtlich noch einige Monate dauern, da die Parlamente in den beteiligten Ländern ihn er st ratifizieren müssen. Die wichtigste Ratifikation ist natürlich die durch denReichstag, der Ende August zum ersten Male zusammentritt und hiermit gleich im September vvr eine bedeutungsvolle Aufgabe gestellt wird. Schätzungsweise könnte der Vertrag vvn Lausanne dann etwa im Oktober in Krast treten. Inzwischen wird das Reichskabinett bereits im Laufe der nächsten Woche an die großen Ausgaben des inneren Programms Herangehen, die noch nicht in die letzte Rotverordnung einbezogen werden konnten. Dazu gehören in erster Linie die Maßnahmen, durch die im großen Stil der Arbeitslosigkeit entgegengetreten werden soll. In den zuständigen Ministerien ist man auch während der drei Wochen von Lausanne eifrig an der Arbeit gewesen, um die Vorlagen hierfür fertigzustellen. Jrn Mittelpunkt dieses Programms steht die Arbeitsdienst pflicht und im Zusammenhang damit die Siedlung und die Beschäftigung der Jugend, die man durch ZusammenfasfungzuWehr-und SportoerbändenvonderStraße herunterbringen will. Hierfür find in Zusammenarbeit zwischen dem Reichsinnen- und dem Reichswehrministerium bereits Pläne ausgear- beitet worden. All diese Probleme wird die Reichsregierung auch während der Zeit des Wahlkampfes nun in den nächsten Wochen fo Vorwärtstreiben, daß man sobald wie möglich zu praktischen Lösungen kommt. Begeisterter Empfang Macdonalds in London. London, 10. Juli. (TL1.) Die Ankunft Macdonalds auf dem Viktoria-Bahnhof in London gestaltete sich zu einer begeisterten Kundgebung für den englischen Ministerpräsidenten. Als der Zug einfuhr, wurde Macdonald von einer nach Tausenden Zählenden Menschenmenge begrüßt, die ihn mit beglückwünschenden Zurufen umringte. Rur mit Mühe gelang es ihm, zu dem abgesperrten Platz zu gelangen, wo derVertreter des Königs und seine Kabinettskollegen ihn erwarteten. Auch der französische Botschafter war erschienen. Macdonald unterhielt sich zunächst mit einigen Kollegen, worauf er bemerkte: „Wir haben es geschafft und wir haben mehr geschafft, als wir erwart et haben". Später sprach er folgende Worte ins Mikrophon: „Ich freue wich, wieder hier zu sein, nachdem wir einen außerordentlich schweren Kamps um die großartige Sache mit glänzendsten Erfolgen ausgefochten haben. Ich hoffe, es wird der Beginn des Vertrauens, der Hoffnung und der guten, ehrlichen und harten Arbeit sein,,. Als Macdonald mit seinem Kraftwagen nach der Downingstree« fuhr' wurde er noch einmal von der Menge mit begeisterten Zurufen gefeiert. — Sonntagabend hatte Macdonald eine eineinhalbstündige A u • dienz beim König. Auch Herriot wieder in Paris. Frankreich ratifiziert erst nach Schuldenregelung mit Amerika. Paris, 10. Juli. Ministerpräsident Herriot ist Sonntag hon Lausanne nach Paris zurückgekehrt, wo er trotz der frühen Morgenstunden von einer zahlreichen Menschenmenge begeistert empfangen wurde. Don allen Seiten wurde er beglückwünscht. Auch Blumen wurden ihm überreicht. Herriot erklärte den Pressevertretern: „Sie kennen noch nicht alle Einzelheiten der Verhandlungen. Sie sind sehr hart und schwer gewesen, aber das Ergebnis ist vorzüglich. Ich sehe keinen Punkt, über den man noch streiten könnte. Was man besonders verstehen und im Auge behalten muß, ist die Tatsache der engen Verbindung zwischen den Reparationen und den interalliierten Schulden. Alles ist einem Abkommen mit Amerika untergeordnet. Wenn die amerikanische Regierung dasLausanner Abkommen für gut befindet, und wenn über d i e Schulden frage ein befriedigendes Abkommen getroffen werden kann, so wird die in Lausann getroffene Reparations- regelung ratifiziert und ihre Früchte tragen. Im anderen Falle erlangt jeder seine Handlungsfreiheit wieder. Mac- donald, Chamberlain und Sir John Simon haben uns einen Beweis ihrer aufrichtigen Freundschaft gegeben, und die Uebereinftimmung unserer Auffassung hat es uns erlaubt, zum Ziele zu gelangen. Abschied von Lausanne. 1 ui Links: Reichskanzler o. Papen im Gespräch mit dem französischen Ministerpräsidenten Herriot. Rechts oben: Der italienische Außenminister Grandi, im Kreis: Der englische Premierminister Macdonald. Die Aationalsozialislkn und der neue Kurs. Schärfste Kampfansage gegen das Kabinett von papen-Gayl auf der nationalsozialistischen Maffenkundgebung im Berliner Lustgarten. Berlin, 9. Juli. (TU.) Der Gau Groß-Berlin der RSDAP. veranstaltete am Samstag im Lustgarten einen Massenaufmarsch. Eine riesige Menschenmenge füllte den weiten Platz zwischen Schloß, Dom und Museum und hielt auch noch die Zu- gangsstrahe dicht beseht. Die SA.-Abteilungen marschierten in acht Kolonnen geschlossen aus den verschiedenen Stadtteilen an und nahmen mit umflorten Standarten und Fahnen Aufstellung. Flugzeuge mit dem Hakenkreuz überflogen den Lustgarten. Rach nationalsozialistischen Schätzungen haben rund 2 00 000 Personen an der Kundgebung teilgenommen, darunter 25 000 SA.- Le u t e. Rachdem die Kapellen nationalsozialistische Kampflieder und das Deutschlandlied gespielt hatten, hielt von der Schloßrampe aus der Berliner SA.'-Führer Graf HeUdorf eine scharfe Anklägerede gegen die Reichsregierung. Er erklärte: Als das Kabinett Brüning durch die Regierung Papen ersetzt wurde, wurden diesem neuen Kurs von weiten Kreis en Vertrauen skundge- bungen entaegengebracht. Wir Rationalsozialisten haben von vornherein erklärt, daß wir die neue Regierung nach ihren Taten beurteilen würden. Jetzt halten wir den Tag für gekommen, um zu sagen, was wir für richtig halten. Reichskanzler von Papen hat in unbegreiflicher Schwäche in Lausanne Vorschläge gutgehe iß en, die wirRa- tionalsozialisten niemals gutheißen würden. Das außenpolitische Versagen dieses Kabinetts wird in den Schatten gestellt durch die innerpolitischen Degierungs- kun st stücke des Ministers von Gayl. Man hat nichts dagegen unternommen, daß die SA-Männer auf das Gemeinste verleumdet wer- den Man hat behauptet, ihre Uniformen würden von den Geldern bezahlt, die man den Kriegshinterbliebenen und Rentnern gekürzt habe. (Psur- Ruie l Immer unverschämter wird die Sprache gegen das erwachende Deutschland. Alles das sieht Herr v Gayl mit Seelenruhe an. Wir machen diesen Minister verantwortlich für jeden verwundeten und getöteten SA - Kameraden. Das Kabinett nannte sich das Kabinett der nationalen Konzentration. Daraus ist ein Kabinett der nationalen Schwäche geworden. Schlimmer denn ic treibt Rotmord sein Unwesen in Deutschland. Wir verlangen, daß dieses Mi n i st e r i u m der nationalen Ohnmacht einem Kabinet von deutschen Kampfern Platz macht und daß Minister von Gayl von feinem Posten verschwindet Dr. Goebbels erklärte sodann: Die Männer und Parteien, die das Volk 14 Jahre lang getäuscht haben, müssen jetzt Rechenschaft über ihre beispiellose Mißwirtschaft ablegen. Reue Männer erklärten nun die Absicht, das Rovembersystem zu beseitigen und einen neuen politischen Kurs einzuschlagen. Wir standen von Anfang an diesem Versuch mit Mißtrauen gegenüber. Wir meinen, daß nur eine Millionenbewegung von demonstrativer Wucht überhaupt noch die Fähigkeit hat, in Deutschland eine Wende herbeizuführen. Das Kabinett Papen übernahm die Brüningsche Rotverordnung und verschärf tp sie noch in sozialer Hinsicht. Das Kabinett wird nicht glauben können, daß w i r Rationalsozialisten dieser volksfeindlichen Politik unser Jawort geben. Woher aber nimmt die Sozialdemokratische Partei das Recht, uns eine angebliche Tolerierungspolitik vorzuwerfen, nachdem sie selbst zwei Jahre hindurch die Regierung Brüning toleriert hat? Was hat sich am alten Zustand geändert? RichtsI Die Wirtschaft läuft weiter, aber ein großes Arbeitsbeschaffungsprogramm ist nicht in Angriff genommen worden. Das Elend wächst weiter. Die Regierung Papen hat es nicht gewagt, in Lausanne zu erklären, daß wir nicht mehr bezahlen, weil wir nicht mehr bezahlen können und es auch nicht wollen. Wir haben genug bezahlt und wir wollen, daß Deutschland vor allem von dem Makel der Kriegsschuld freigesprochen wird. Wenn die Welt dieser Forderung Widerstand leistet, so werden wir den Versailler Vertrag für null und nichtig erklären. Man hat in Lausanne nur über Geldfragen verhandelt. Vvr diesen Fragen aber steht für uns die Ehre des Volkes. Ein neues Deutschland ist im Auserstehen. An uns ist das Dichterwort wahr geworden: „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!" Wögen die anderen lügen und verleumden und uns mit Spott und Hohn übergießen, ihre politischen Tage sind gezählt. Hitler klopft an die Tore der Macht und in seiner Faust vereinigen sich Millionen Bauern- und Arbeiterfäuste. Was sagt Hitler? Berchtesgaden, 10.Juli. (TU.) Im Rahmen des am Sonntag in Berchtesgaden von der N^DAP. veranstalteten großen Deutschen Tages j)ielt Hitler nach einem Vorbeimarsch von 6000 «A.- und SS.-Mönnern und der Hitlerjugend aus Bayern und Oesterreich auf einer großen Wiese vor etwa 18 000 Menschen eine Rede, in der er einen scharfen Trennungsstrich zwischen der NSDAP, und der Regierung o. Papen zog. Er kam dabei auch auf den neuen Vertrag von Lausanne zu sprechen. Er erklärte, dieser Vertrag, der eine Belastung des deutschen Volkes mit drei Milliarden bringe, werde in6 Monaten nicht mehr als 3 Mark wert sein. Oer „Völkische Beobachter" zum Ergebnis von Lausanne. München, 9. Juli. (ERB.) (Eigene Meldung.) Die SteUungnahmc der RSDAP. zum Ergebnis von Lausanne kommt in den großen Lieber- schristen des „Völkischen Beobachters" eindeutig zum Ausdruck. Es heißt hier u. a.:„Der Geist von Versailles hat gesiegt. — Reichskanzler v. Papen unterschreibt in Lausanne einen neuen deutschen Schuldschein. — Trotz aller Versprechungen umgefallen." Alfred Rosenberg schreibt unter der Ueberschrift „Verpaßte Gelegenheiten" u. et: Außenpolitisch habe die Regierung Papen- Gayl den alten Kurs in neuer Form weitergeführt. Die Rationalsozialisten begreifen ohne weiteres die großen Schwierigkeiten, in der sich jede deutsche Delegation vor einem internationalen Forum befindet. Es fei aber klar gewesen, daß, wenn eine neue Regierung Forderungen von so grundsätzlicher Art aufstelle, wie es Reichskanzler v. Papen in der Frage der Revision von Versailles versucht habe, sie sich darüber vorher hätte im Klaren sein müssen, daß ein Sturm auf ihre Rerven von Paris aus cin- sehen würde. Auch das von dort aus mit ganz unmittelbaren Drohungen gearbeitet werde würde, fei ohne weiteres anzunehmen gewesen. Das Ergebnis bedeute den restlosen Verzicht auf allegefordertenpolitische n.V o r aussetz u n g e n jeder finanzpolitischen Diskussion. Ganz abgesehen von der strittigen Frage, ob es zweckmäßig gewesen sei, einen Ehrenpunkt der Station mit Finanzfragen zu verknüpfen. Darum lehntendieRationalsozialistenLau- sanne eindeutig ab. Das Prestige der Regierung Papen-Gahl, das zu erringen ihr möglich gewesen wäre, fei dahin. Innenpolitisch Be t h - mann - Hollweg - Kurs, außenpolitisch Fortsetzung der alten Linie. Dr. Schacht beglückwünscht von Papen Lausanne, 9. Juli. (TU.) Der frühere Reichsbankpräsident S ch a ch t hat an den Reichskanzler gestern abend folgendes Telegramm gerichtet: „Bravo! Schacht!" Schwere politische Schießerei in Ohlau. Oh lau, 11. Juli. (WTB. Funkspr.) 3n der Rächt zum Montag wurden in Ohlau (Schief.) a t i o n a l- f o 3 i a l i ff e n , die von einer Veranstaltung in Brieg heimkehrten, wie die Polizei mUteilt, von Reichsbannerleuten angegriffen. Ls entwickelte sich eine regelrechte Straften- schlacht, bei der auch Schüsse fielen. Zwei Nationalsozialisten wurden getötet, mehrere Personen schwer verletzt. Die Zahl der leichter verletzten ist sehr erheblich, Hal sich aber noch nicht genau feftftelten lassen. Da die Canöjägerei nicht ausreichte, wurde das Breslauer Ueberfallfommanbo alarmiert und schlieftlich zur Unterstützung der Polizei auch ein halber Zug Reichswehr eingesetzt, der den Ring abriegelte. Dabei wurde auch von der Reichswehr geschossen und ein Wann durch einen Oberschenkelschuß verletzt. Auch einige Unbeteiligte sind bei den Zusammenstößen verletzt worden. 11. a. haben zwei Frauen in ihren Wohnungen S ch u ft v e r 1 e h u n g e n davongetragen, und zwar erhielt eine einen Brustschuft und die andere einen Beinschuft. Nie feierliche Llebergabe des Langemarck-Friedhofes an die deutsche Studentenschaft V p ern. 10. Juli. (TL.) Mit einer schlichten eindrucksvollen Feier ist der deutsche Studentenfriedhof von Langemarck am Sonntagmittag der Deutschen Studentenschaft übergeben worden. Aus allen Teilen Deutschlands und Belgiens waren Landsleute herbeigeeilt, um diesem denkwürdigen Ereignis beizuwohnen. Das Reich war durch den Gesandten Gras Lerchenfeld. Gesandt- schastsrat Dr. Breuer, Brüssel, und Generalkonsul Schubert aus Antwerpen vertreten. Als Vertreter der Deutschen Studentenschaft waren cand. phil. Krüger und Dr. M o k a erschienen. Ferner sah man Diplom-Ingenieur Schult, der sich als Leiter des Amtlichen Deutschen Gräberdienstes in Belgien große Verdienste um die Ausgestaltung des Friedhofes erworben hat. Geheimrot Schlegel, Vizepräsident des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge sowie die beiden für die künstlerische Ausstattung des Friedhofes Der- autwortlichen, die Professoren Hacker und Tischler, München, als Mitpate war Dr. M c i l b a u c r aus Karlsruhe als Vertreter der Offiziersvereinigung des ehemaligen 238. Infanterie-Regiments erschienen. Um 11.30 Uhr waren alle Abordnungen, etwa 40 Personen, auf der Landstraße vor dem Friedhof versammelt. Professor Tischler übergab mit einigen Worten den Friedhof der treuen Obhut der Deutschen Studentenschaft, für die Dr. Moka den Friedhof übernahm. Dr. Moka betonte dabei, daß die Deutsche Studentenschaft stets Ehrenwache an dem Heldenfriedhof von Langemarck für alle im Geiste pon Langemarck gefallenen Brüder halten werde. Hierauf übergab Dr. Moka den Friedhof dem Deutschen Gesandten Graf Lerchenfeld als Vertreter des Deutschen Reiches in Schutz und Obhut. Die Ausführungen Graf Lcrchenfelds gipfelten in der Feststellung, daß der Studentenfriedhof von Langemarck, wo Kameraden aus allen Teilen des Reiches gefallen feien, ein Symbol der inneren Einheit fein müsse. Der Gedanke der Einheit, so sagte er abschließend, höre nicht beim eigenen Volk auf. Er habe erst dann einen wahren Sinn, wenn er die ganze Menschheit erfasse. Oer Wahlaufruf der Oeutschen Volkspartei. Berlin, 10. Juli. (ERB.) Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei erläßt einen Wahlaufruf zu den Reichstagswahlen, dem wir folgendes entnehmen: Der 31. Juli entscheidet darüber, ob Parteidiktatur oder der Gedanke der nationalen Volksgemeinschaft in Deutschland das Feld behaupten werden. Die Deutsche Volkspartei hat den Kampf gegen die Regierung Brüning geführt, weil diese eine große Volksbewegung nicht rechtzeitig vor die Frage der Verantwortung ge st eilt hat, weil sie die nötige Entschlossenheit zur Durchführung angekündigter Reformen vermissen ließ, weil sie in ihrer Politik in wachsendem Maße in Abhängigkeit von der Sozialdemokratie geriet und deshalb mit ihren Notverordnungen notwendigerweise nur Unzureichendes und Verbitterndes leistete. Der Regierung des Reichskanzlers von Papen steht die Deutsche Volksportei ungebunden und abwartend gegenüber. Sie wird sie nach ihren Taten beurteilen. Der Freiheitskampf des deutschen Volkes vereinigt alle vaterländischen Deutschen im Kampf für deutsche Ehre, deutsches Recht und deutschen Boden. Tägliche Gewalttaten, sittliche Verrohung, organisierte Gottlosigkeit und ein schrankenloser Materialismus zeigen die innere Verwilderung unseres Volkslebens. Erwachst aus dieser Welle von Haß und Gewalttat der Bürgerkrieg, barm ist jede Hoffnung auf äußere Freiheit des deutschen Volkes vergeblich. Eine Verfassungsreform, die wir seit langem fordern, muh an die Stelle der herrschenden Parteidemokratie die starke Führung der Reichsspihe und die Durchsetzung ihres Willens gegenüber dem Drang zur Massenherrschaft bringen. Dah der Sozialismus die deutsche Wirtschaft nicht gesunden lassen kann dah der Sozialismus den Arbeiter in seinen Lebens» moglichkeiten nicht stärkt, sondern ihm die Arbeitsstätte raubt, hat die grausame Erfahrung der letzten Jahre bewiesen. Sozialistische Experimente aller Art, aus welchem Lager sie auch kommen mögen, finden uns deshalb als entschlossene Gegner. Sumpfblüten in der Privatwirtschaft müssen rücksichtslos ausgemerzt werden. Die DVP. kämpft gegen Massenherrschaft und Staatsallmacht, für den Grundsatz der freien, sittlichen Verantwortung der an die Rationale Gemeinschaft gebundenen, schaffenden Persönlichkeit. Richt leidenschaftliche Demonstrationen, sondern die sachliche Arbeit von wirklich Sachkundigen auf jedem Gebiet werden unser Volk retten. Die schwere Schuld der Parteiherrschaft und des Zusammenwirkens von Zentrum und Marxismus liegt heute in Preuhen und im Reich offen zutage. Die Deutsche Volkspartei kämpft dafür, diesem unnatürlichen Bündnis die Herrschaft im Staate zu entreißen! Hinter all den Schlagworten Gäste zum Wochenend. Don Hugo Hugito. I. Als Herr Rozink am Montagabend am Stammtisch saß, machte er einen müden Eindruck. Kein Wunder, daß die Tafelrunde ihn zum Objekt ihrer Spottlust machte. „Du siehst aus wie ein verregneter Lämmergeier", lachte Dr. Haschich, „was ist passiert? Fehlt dir etwas?" „Ach", seufzte Herr Rozink, „ich habe mich gestern nicht erholt. Ich bin abgespannt und enttäuscht. Sonntage im Wochenendhaus können verdammt ungemütlich sein, wenn man, wie wir gestern, die ganze Bude voll Besuch hat. Dörings waren da: fünf Mann hoch. Das Lärmen der Kleinen, das Geschnatter der Großen, die drangvolle Enge in allen Räumen, es war gräßlichl" Herr Rozink machte eine Pause, trank einen Schluck Bier und fuhr fort: „Sine tolle Sache ist da noch passiert. Kommt die alte Tante in den Garten und entdeckt, daß sich auf dem Beet, aus dem die Radieschen zwei Zentimeter lang herausragen, ein paar ganz kleine Brennesseln breit gemacht haben. ,Ei, Rolfi', ruft sie ihren fünfjährigen Neffen, .sieh mal hier' — und sie zeigt auf das Unkraut — ,da kannst du dich nützlich machen und die Brennesseln jäten/ .Oh ja', sagt der Kleine und stürzt sich freude- strahlend an die Arbeit. Als die Tante nach zwei Stunden kommt, sich das Werk zu besehen, hat Rolfi schon beendet: Auf dem Wege türmen sich die ausgerissenen Pflanzen, und auf dem Beet stehen, in Reih' und Glied, die — Brennesseln. .Tantchen', zeiat er auf den Radieschenhaufen, .ich habe lieber die e Dinger ausgerissen. Die Brennesseln stachen so urchtbar.'" Die Herren am Stammtisch lachten. „Ja, ja", nickte Studienrat Winnstrow, „ich habe von je her gesagt: Besuch macht immer Freude, wenn nicht beim Kommen, so doch beim Gehen." „Stimmt nicht, mein Lieber", schüttelte Herr Ro- zink den Kopf, „beim Weggehen haben sie noch den gesamten Vorrat des soeben erblühten Rhododen- dron mitgenommen." «Der Stammtisch murmelte unwillig. Nur Dr. verkneifen"""^ ein schadenfrohes Grinsen nicht II. Weinhändler Wengert, der mit zur Stammtisch- runöe gehörte, klopfte am nächsten Montag seinem von Kreditschöpfung, Binnenmarkt usw. verbergen sich die furchtbaren Schrecken und Folgen einer Inflation, die von Sachunkundigen schnell heraufbeschworen, ein wirtschaftliches und moralisches Trümmerfeld in Deutschland schaffen würde. Die DVP. tritt in diesen Wahlkampf ein mit dem festen Willen, dieses Ideengut, auf das sich die Taten unserer Väter in Deutschlands großer Geschichte gegründet haben, über die gäh» rende Gegenwart hinweg zu behaupten. Die DVP. führt diesen Kampf in voller politischer Unabhängigkeit. Sie betont aufs neue, dah der Kampf um Freiheit und Recht Bremen, 9. Juli. (TU.) In einer Wahlrede in Bremen erklärte Geheimrat Hugenberg: Das Ergebnis von Lausanne entspricht nicht den Forderungen, die von der DNVP. für die endgültige Beseitigung der Tribute erhoben sind. Durch unbeirrtes Festhalten an den unverzichtbaren politischen Bodüfnissen der Nation hätte die notwendige Bresche in das Versailler System geschlagen werden können. Trotz der bisherigen unaeheu- ren Leistungen Deutschlands und trotz der furcht- baren deutschen Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit ist in Lausanne entgegen unseren (E r m Ortungen ein neues Versprechen der Zahlung einer neuen deutschen Milliardenschuld gegeben worden. Wir erkennen an, daß die jetzige Regierung unter einer schweren Vorbelastung durch die Vorverhandlungen der Regierung Brüning gestanden hat, gleichwohl wird die Begründung, daß eine Vertagung der Verhandlungen unter allen Umständen hätte vermieden werden müssen, im Volke heute kein Verständnis finden. Denn es lag für die ganze Welt zutage, daß die Schuld an einem Scheitern dieser Konferenz Frankreich zufiel. Es ist nicht Sturheit und Eigensinn, wenn wir sagen: wir dürfen uns die Freiheit von den Tributen nicht dadurch erkaufen, daß wir versprechen, zu den schon gezahlten 70 Milliarden in Zukunft noch weitere 3 Milliarden hinzuzufügen, sondern e» ist dabei die Rotwendigkeit maßgebend, m'i t Ehrlichkeit in eine weitere große Verhandlung hineinzutreten. Sie betrifft die aus den Tributen und dem Kriege entstandenen unerfüllbaren Privatverpflichtungen. Die ganze Welt ist auf diese Verhandlung gefaßt. Man wird uns im Auslande erst dann wieder als ehrlichen Kaufmann betrachten — als der wir früher stets gegolten haben —, wenn wir unsere Karten völlig aufdecken und unsere internationale Zahlungsunfähigkei bekennen. Die Beschwörungsformeln des Herrn Reichsbank. Präsidenten Luther helfen uns nicht. Sie bewirken höchstens, daß man auch der neuen Regierung nicht glaubt. Auch wir, auch die äußerste nativ- na le Rechte — das sind die Deutschnationalen —• möchten um der Zukunft des deutschen Namens willen gern die privaten deutschen Auslandsschulden bezahlt sehen, obwohl sie das Ergebnis einer unverschuldeten Notlage der Schuldner sind. Aber jedermann weiß heute, daß internationale Schulden nur mit Waren bezahlt werden können und daß man unsere Waren in dem erforderlichen Umfang* nicht aufnefjmen kann und will. Die jedem Gläubiger — als Kaufmann — geläufige Technik des internationalen Geschäfts muß also unsere Gläubigerländer selbst veranlassen, darüber nachzudenken, wie sie die uns höchst unerwünschte Deklaration unserer internationalen Zahlungsunfähigkeit vermeiden können. Mit Stillhalteabkommen ist es nicht getan. (Es geht nur auf demselben Wege, wie es so häufig zwischen zwei Privaten gemacht zu werden pflegt, wenn die Zahlungsunfähigkeit des Deutschland gegenüber seinen Kriegsgegnern mit Aussicht auf Erfolg heute nur geführt werden kann, weil unser großer Führer Stresemann unter Einsatz seiner Lebenskraft die Freiheit des deutschen Bodens errungen hat. In seinem Geiste kämpfen wir nun auch für geistige Freiheit im Innern. Wir wissen: Es gibt Millionen Deutscher, die sich trotz allen Drängens gesunden Sinn und Willen zur Besonnenheit bewahrt haben. Keine Stimme, die für die DVP. abgegeben wird, geht verloren. Durch das technische Abkommen mit der DRVP. hat sich die DVP. ihre volle politische Selbständigkeit bewahrt. Schuldners droht und der Gläubiger kann oder will die Aktiva des Schuldners nicht übernehmen: Ls wird eine niedrige — sage mit höchstens 2 v. h. verzinsliche — A m o r t i f a - tlonsfchuld verabredet, wenn diese mit 2 bi» 3 v. h. jährlich getilgt wird, fo kommt es nur noch darauf an, wie die Jahresrate — wir sagen 5 ö. f). — während der Tilgungszeit „transferiert" werden kann. Es handelt sich nur um zwei wahrscheinlich nebeneinander Die feierliche Schlußsitzung. Lausanne, 9. Juli. (WTD.) Pünktlich um 10 Uhr begann in dem großen Sitzungssaal, in dem vor etwa drei Wochen die Konferenz eröffnet wurde .die feierliche Schluß- S i tz u n g. An dem großen hufeisenförmigen Tisch hatten die Vertreter der Mächte in der gleichen Reihenfolge Platz genommen wie damals. Zahlreiche zugelassene Gäste aus dem Publikum und die Pressevertreter umsäumten den Beratungstisch. In der Mitte sitzt Macdonald als Präsident, rechts neben ihm Frankreich, links England, anschließend Deutschland. Rachdem die Hammerschläge gefallen sind, die die Konferenz eröffnen, treten an einen kleinen MitteL- tisch innerhalb des Hufeisens, an den sonst die Uebersetzer ihres Amtes walten, einer nach dem anderen die Delegierten der Mächte, zunächst Macdonald als Präsident, nach ihm der Ministerpräsident Belgiens, Renkin, um mit t>er bereitgehaltenen goldenen Feder di« Unterschriften zu vollziehen. Diese Zeremonie dauert längere Zeit, da nicht nur verschiedene Dokumente, sondern auch für jedes Land mehrere Delegierte zu unterzeichnen haben. Rachdem d i e fünf einladenden Mächte in alphabetischer Reihenfolge, ferner die britischen Do- m i n i e n und Polen die Unterschrift mit einer goldenen Feder geleistet haben, folgen d i e deutschen Delegierten in der Reihenfolge Reichskanzler, Reichsaußenminister, Reichsfinanzminister und Reichswirtschaftsminister, denen nacheinander von dem Generalsekretär der Konferenz, Sir Maurice Hankey, die Dokumente vorgelegt werden. Damit ist der 11 n t e r z e i ch- nungsaft zu Ende. Macdonald hielt dann in dem ihm eigenen Pathos di« Schlußrede: Die Verhandlungen der Konferenz waren außerordentlich schwer und reich an Kämpfen. Ein Erfolg ist dennoch erzielt worden. Die Einigung war nicht leicht. Allzuschwere Erinnerungen lasteten auf den Völkern, die bisher einer Einigung der Völker im Wege standen. Große Opfer sind gebracht worden, um die bisherigen Widerstände zu überwinden. Aber nie» zu beschreitende Wege: 1. Ein entsprechende» handetspotikisches Entgegenkommen der Gläubigerländer, das die Uebernahme entsprechender Warenmengen gewährleistet, ohne die Weltmärkte in Unordnung zu bringen. 2. Die Wiederherstellung eines deutschen Kolonialreiches, über das dann wohl die Gundlage für einen internationalen Zahlungsausgleich geschaffen werden könnte. Jrn Wege eines solchen Vorgehens könnte der untragbare Druck der Fälligkeit ungeheurer internationaler Zahlungen von der ganzen Welt genommen werden. Ohne Nützung des Druckes eines untragbaren Schuldenberges überwinden wir den Zustand der Arbeitslosigkeit und der Schrumpfung nicht. Auf dem Wege, wie die unverantwortliche Mundpropaganda der Nationalsozialisten es den Bauern und Geschäftsleuten veryeißt, nämlich der Schuldenstreichung, geht das nicht. In der Wirtschaft kann man nicht den Teufel mit Beelzebub austreiben. Es geht nur auf dem Wege, den wir der Landwirtschaft schon mit unserem Entschuldungsprogramm vom Dezember 1930 gezeigt haben. Die im Weltinteresse erforderliche Wiederherstellung der Lebensfähigkeit der deutschen Wirtschaft mündet dem Ausland« gegenüber, wenn man von der Handelspolitik absieht, in einen Akkord aus, wie er hier skizziert ist. Erst damit wird das Ende der deutschen Krise der Weltwirtschaftskrise gekommen sein. mals gab es den Fall in der Geschichte, daß Friede und Sicherheit hergestellt wurden, wenn die Völker sich nicht von den alten lastenden Erinnerungen frei machten. Die Erfahrungen seit 1919 lehren zur Genüge, daß es nicht möglich ist, die Lasten nur auf die Schultern einesVol- k e s abzuwälzen, da diese Lasten nach allen Erfahrungen nicht nur ein Cinzeivolk. sondern alle Völker niederdrücken. Diese großen Finanzsragen sind der Ursprung dieser Konferenz gewesen. Die jetzt gefundene Lösung ist einfach und klar, es ist gerecht und selbstverständlich, daß Deutschland sich an dem Wiederaufbau Europas beteiligt und hierbei einen guten Teil der Mitarbeit auf sich genommen hat. Aber es darf keine Lösung gefunden werden, die irgendwie die freie Entwicklung und den Ausbau der Wirtschaft und des Handels gefährden würde. Europa muß jetzt «ine gesunde Grundlage seines Wiederaufbaues finden, um neue Wege für den allgemeinen Aufstieg zu eröffnen. Wir haben keine politische Klausel in unserem Dokument angebracht; aber wir werden keinen Frieden, keine Sicherheit ohne einen Erfolg derAbrüstungsarbeit haben. " Die bisherige Verschwendung der nationalen Reichtümer für die Rüstungen muß endlich aufhören. Hier ist eine plötzliche Entwicklung nicht zu erwarten, aber im Laufe der Zeit muß ein« Lösung der Abrüstungsfrage gefunden werden, die schritt- weise zu einer entscheidenen Herabsetzung der heuti- gen Rüstungen führt. Macdonald betonte, er ljabe nicht die Absicht, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Lander zu mischen, aber er reiche seine Hand seinen Freunden auf der rechten und auf der linken Seite, den Deutschen und den Franzosen, um ihnen zu. einer freundschaftlichen Zusammenarbeit und Regelung aller Fragen zu helfen: Die Lösung der großen politischen und finanziellen Fragen muß die früheren Gedanken des Krieges oerschwin- den lassen. An deren Stelle muß jetzt der Ge- danke der Zusammenarbeit treten. Für die endgültige Beseitigung der deutschen Reparationen ist nunmehr eine Grundlage gefunden worden. Aber dieses jetzt erreichte Ziel genügt nicht, wenn sich nicht die Gesinnung der Herzen ändert. Der Geist ber Freundschaft und der Zusammenarbeit muß jetzt an die Stelle der bisherigen Geistesverfassung treten." Die Deulschnationalen und Lausanne. Hugenberg weist auf die Notwendigkeit einer Regelung der privatschulden hin. Die Änieneichnung des Lausanner Abkommens. Macdonald hält die Schlußrede. Nachbarn, Herrn Rozink auf die Schulter. „Du kommst mir so nervös vor", sagte er, „bist du krank?!" „Das nicht", sagte Herr Rozink und fuhr sich mit einer zerstreuten Geste über die Glatze, „aber wenn >ch am Sonntag meine Ruhe nicht finde, bin ich Montags nicht zu genießen." „Wieso keine Ruhe gefunden?' mischte sich Stu- dienrat Winnstrow ein. „Wie ist das möglich? Wo du doch ein Wochenendhäuschen hast!" »Das ist's ja eben", seufzte Herr Rozink. „Diese Tatsache scheint sich in meinem Verwandten- und Bekanntenkreise herumgesprochen zu haben, und nun roirö es wohl so kommen, daß ich — als sei mein Landhauschen ein Ausflugslokal — an jedem Sonntag Gäste bewirten muß. Gestern war mein Schwager Nolle da, mit Frau und Köter, Kind und Kegel, und während sie in einer Weise in Haus und Gar- ten herumtobten, daß ich nicht meinen Mittagsschlaf halten konnte, hatte meine Frau das zweifelhafte Vergnügen, für die Bewirtung der Mahlzeiten Sorge tragen zu dürfen, nebenbei gesagt für insgesamt dreizehn Personen!" „Na, na," sagte Dr. Haschich, „wer wird denn abergläubisch sein!" „Davon ilt nicht die Rede", fuhr Herr Rozink fort, „aber so sehr meine Frau sich auch anstrengte, die Speisen und Getränke reichten nur für sechs." Die Tafelrunde lachte. „Aber das ist noch nicht das Schlimmste", erzählte Herr Rozink weiter, nachdem er sich eine neue Zigarre angezündet hatte. „Nachmitags geht mein Schwager mit dem Hund, der so groß war wie ein ausgewachsener Bernhardiner, in den Garten und bindet ihn, als gäbe es anderweitig keine Möglich- feit, an der Sonnenblume fest. Als dann eine Katze im Garten erscheint, hetzt er den Köter auf diese. Der Hund zerrt wie verrückt an der Seine, und rumms! — hat er die Sonnenblume ausgerissen. Dann rast er, schneller als die Feuerwehr, hinter der Katze drein, über sämtliche Beete hinweg, dreimal ums Haus herum und kreuz und quer durch den Garten, immer mit der Sonnenblume im Schlepptau Schwager Nolle hielt sich den Bauch vor Lachen, während ich, mit Mühe einen lästerlichen Fluch unterdrückend, den aus dieser Raserei resultierenden Schaden abschätzte. Der Schaden aber war: zwei verdorbene Spinatbeete, fünfeinhalb Dutzend demolierte Erdbeerpflanzen und einundzwanzig zertretene Salatköpfe. Die Sonnenblume ungerechnet." Die Herren, die aufmerksam zugehört hatten, waren empört. Nur Dr. Haschich konnte sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen. III. „Rozink läßt sich entschuldigen", berichtete Studienrat Winnstrow eine Woche später am Stamm» tisch, „er hat sich eine schlimme Erkältung zugezogen und muß ein paar Tage das Bett hüten.' „Und ich dachte schon", murmelte Dr. Haschich, „er hätte wieder Gäste zum Wochenend gehabt." „Hat er auch", ging der Studienrat auf diese Be- mertung ein. „,21m Samstag' erzählte er mir am Telephon, ,als ich eben im Begriff war. Rosen und Rhabarber zu begießen, knarrte die Gartenpforte, und hereinspaziert kam Familie Hanfziegel, er, sie und die drei Kinder, um, wie sie sagten, unseren Landsitz einmal persönlich in Augenschein zu nehmen. Das taten sie denn auch. Und blieoen zum Kaffee. Und zum Abendbrot. ,Hör mal', sagte ich, als sie um zweiundzwanzig Uhr immer noch keine Anstalten machten, aufzubrechen, ,wo wollt ihr eigentlich schlafen? Hier im Hause gibt es nur zwei Betten und eine Chaise.'" ,2Iber, ich bitte dich', sagte der alte Hanfziegel, ,das wird sich schon stnden. Wir sind ja so genügsam.' Als ich gegen Mitternacht das Haus geschlossen hatte und ins Schlafzimmer gehen wollte, lernte ich die Genügsamkeit Hanfziegelscher Prägung kennen: er und sie hatten sich in unseren Betten niedergelassen. Die Chaise auf der Wohndiele hatte Fräulein Hanfziegel bezogen, und auf dem Wege zum Badezimmer hätte ich fast meine Frau zertreten, die, notdürftig mit einem Mantel zugedeckt, auf dem Fußboden lag. Im Badezimmer selbst schrak ich leicht zusammen, denn aus der Wanne vernahm ich die Stimme meiner Tochter: .Bist du es, Papa?' Leider war auch im Keller kein Platz mehr für mein müdes Haupt, denn auf der Hobelbank schnarchte bereits der achtzehnjährige Robert, und auf dem Plättbrett wälzte sich der kleine Fedor. Einen Augenblick stand ich ratlos. Dann schloß ich die Haustür wieder auf und legte mich in die Hängematte hinter dem Haufe, die da im kühlen Nachtwind leicht hin- und herschaukelte. Daß ich mich dabei erkältet habe, ist genau so wenig verwunderlich wie die Tatsache, daß ich die ganze Nacht kein Auge zubekommen habe." Das ist Rozinks wörtlicher Bericht. Die Tafelrunde bekundete durch lebhafte Erörterung dieses Falles ihre Anteilnahme an dem unangenehmen Abenteuer des Freundes. Nur Dr. Haschich konnte sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen. IV. 2116 Herr Rozink am folgenden Montag wieder gesund, gebräunt und munter am Stammtisch erschien, wurde er stürmisch begrüßt. „Das war ein Sonntag!" erzählte er. „Kein Lärm, keine Enge, kein verwüsteter Garten, nur Sonnenschein und Ruhe, diese wohltuende Ruhe: einfach himmlisch! Am meisten aber freue ich mich darüber, daß ich für den Rest des Sommers aller Voraussicht nach vor unbequemen Gästen sicher bin." „Nanu?" wunderte sich Studienrat Rinnstrow. „Woher willst du denn das so genau wissen?" „Sehr einfach", antwortete Herr Rozink. „Dörings sowohl wie Nolles und Hanfziegels haben mir mitgeteilt, daß sie unsere freundschaftlichen Beziehungen abgebrochen hätten." „Haha", lachte Weinhändler Wengert, „warum denn nur?" „Auch sehr einfach", zwinkerte Herr Rozink mit den Augen. „Ich habe bei ihnen per Postkarte an- gefragt, ob ihnen zufällig zwei silberne Löffel und meine goldene Uhr zwischen das Gepäck geraten wären." Die Herren lachten und fanden die Idee famos. Nur Dr. Haschich tat, als hätte er das nicht begriffen. Zur Hochzeit gehört -er Zrack. In einem französischen Städtchen wollte ein junger Mann heiraten. Er hatte die Zusage seiner Braut und auch die Zusage seines Schneiders, ihm bis zum Hochzeitstag einen gut sitzenden würdigen Hochzeitsanzug anzufertigen. Am festgesetzten Tag stand beides für den jungen Mann bereit, die Braut tn Myrthe und Schleier, der Anzug hing tadellos gebügelt fix und fertig beim Schneider. Morgens früh am Hochzeitstag gab er seiner Braut den Guten-Morgen-Kuß und sagte ihr, er gehe schnell zum Schneider, um den Anzug abzuholen. Die Braut wartete vergeblich auf die Rückkehr des Bräutigams. Die vom Standesamt festgesetzte Zeit verstrich, die Verwandten und Freunde erschienen zum Hochzeitsmahl, der Bräutigam fehlte. Erst spät am Abend erschien der Bräutigam und berichtete von seiner Irrfahrt: er hatte kein Geld und der Schneider weigerte sich, den Anzug ohne Bezahlung herauszugeben. Dann habe er vergebliche Anstrengungen gemacht, sich das Geld für den Anzug zu borgen. Als alles fehlschlug, fei er aus der Stadt gewandert und erst am Abend sehnsuchtsvoll zu seiner Braut zurückgekehrt. Das war gewiß ein trauriges Schicksal, aber in allem Leid hatte der junge Mann doch die Genugtuung, daß er tags darauf dem Schneider sagen konnte, er brauche den Hochzeits- anzug nicht mehr, denn die sitzengelassene Braut hatte, ihrerseits erklärt, sie brauche diesen Bräutigam nicht mehr. Aus Der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 11.3uli 1932. Unerlaubte Verlosungen in Geschäften. Vom Polizeiamt Gießen wird uns mit- geteilt: , In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Einzelhändler und wirtschaftliche Verbände bei besonderen Veranstaltungen, z. B. Geschaftseroffnun- gen, Ausverkäufen und dergleichen Verlosungen veranstalten in der Art, daß Käufern Lose unentgeltlich behändigt oder Lose in der Form von Reklame- zetteln verteilt werden, die zur Teilnahme an einer solchen Verlosung berechtigen. Diese Art Verlosung, die lediglich auf Kunden- erwerb und Warenabiatz eingestellt ist, fällt unter den Charakter einer öffentlichenVerlosung und ist genehmigungspflichtig. Gegen die Veranstalter derartiger, behördlich nicht genehmigter Verlosungen wird mit Strafanzeige ge- mäß § 286 Reichsstrafgesetzbuch vorgegangen. In gleicher Weise sind in der Mehrzahl die Fälle der öffentlichen Preisausschreiben zu beurteilen, die in letzter Zeit von gewerblichen Firmen der verschiedensten Art in zunehmender Zahl veranstaltet werden. Daten für Montag, 11. Juli. 1657: König Friedrich I. von Preußen in Königsberg geb. — 1700: Stiftung der Akademie der Wissenschaften in Berlin. ** Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Die Intendanz hat für Sonntag, 17. Juli, „Die vier Nachrichter", die Repräsentanten des Münchner akademischen Brettls, zu einem einmaligen Gastspiel nach Gießen verpflichten können. Das Gastspiel der vier Nachrichler aus München bringt die Ute- rarische Posse mit Gesang und Tanz in drei Akten „Hier irrt Goethe". „Die Nachrichter" sind Werkstudenten, heroorgegangen aus dem Theaterwissenschaftlichen Seminar in München: nach dem Vorbild der Schöpfer des modernen Brettls, den elf Scharfrichtern, die auch von München her kamen, haben sich diese jungen Leute unter dem Namen „Die vier Nachrichter" zusammengetan und gastieren bei uns mit dieser „literarischen Posse mit Musik, Gesang und Tanz". Für das Gastspiel gelten kleine Preise. Kartenoorverkauf ab Mittwoch, 13. Juli. ** Zu den Unruhen der letzten Tage ist ergänzend noch mitzuteilen, daß der junge Nationalist, den die Polizei am Donnerstagabend wegen des Schusses auf dem Kirchenplatz verhaftete, mittlerweile wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Es hat sich herausgestellt, daß der junge Mann den Schuß nicht absichtlich abgegeben hat, sondern daß er im Verlause der kurzen Schlägerei die Schußwaffe zum Schlagen benutzte und dabei der Schuß von selbst losging. Der getroffene Fritz Fischer ist übrigens nicht, wie am Samstag in der Stadt erzählt und gestern in einer großen Frankfurter Zeitung sogar berichtet wurde, gestorben, sondern er befindet sich, wie wir auf Anfrage in der Chirurgischen Klinik erfahren, auf dem Wege der Besserung. Ueber die Vorgänge in der Nacht zum Samstag auf dem Sei- tersweg liegt uns bis jetzt ein amtlicher Polizeibe- richt noch nicht vor, so daß über die Schuldfrage zur Zeit noch nichts berichtet werden kann. Langemarck-Gedenkfeier der Universität Anläßlich der gestrigen Uebergabe des (Befallenen- friebhnfes bei ßangemard von der belgischen Regierung an die Vertreter der Deutschen Studentenschaft fand gestern mittag in der Aula der Universität ein feierlicher Gedenkakt zu Ehren der Gefallenen von Langemarck, aber auch der übrigen deutschen Opfer des großen Weltkrieges statt. Der Feierstunde wohnten zahlreiche Mitglieder des Lehrkörpers, ferner viele Studenten und eine Anzahl Gäste aus der Bürgerschaft bei. Nach feierlichem Orgelspiel gedachte zunächst Ge. Magnifizenz der Rektor Professor Or. Vanselow der Gefallenen in einer Ansprache, in der er u. a. sagte: £*e Marneschlacht war geschlagen, zu unseren Ungunsten entschieden. Der Bewegungskrieg begann im Stellungskrieg zu erstarren. Eine menschliche Mauer stand von Belfort bis zur Nordsee und schützte die Heimat vor dem Feind, der sie immer wieder zu durchbrechen und an den Rhein in unsere Heimat einzudringen suchte. An der Stelle der Front, die Langemarck, einer kleinen flandrischen Stadt, gegenüberliegt, wurden Anfang November Regimenter junger deutscher Freiwilliger, besonders junger Akademiker, eingesetzt, die am 11. November 1914 unter dem Gesang des Deutschlandliedes ohne vorhergegangene Artillerievorbereitung die feindliche Front stürmten, wie der Kriegsbericht dieses Tages meldet. Doll Zuversicht und Siegeshoffnung waren die jungen deutschen Studenten ausgezogen, mit unvergleichlicher Tapferkeit waren sie vorgestürmt, reihenweise hat der Tod die Angreifer niedergemäht, Hunderte junger deutscher Studenten lagen von dem Hagel englischer Kugeln getroffen, auf flandrischem Boden. Trotz Tod und Verderben sang die Schar der edelsten Söhne Deutschlands auf Flanderns blutigen Gefilden das letzte Bekenntnis ihres Willens und Lebens: ,Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!" In tiefster Trauer beugen wir wehmutsvoll und ergriffen das Haupt, aber auch Stolz erfüllt uns. Stolz über solche Heldentaten, solchen Kampfesmut und Todeswillen, aufgebracht von unseren Brüdern, Blut von unserem Blut, unausrottbar auch in uns schlummernd. Langemarck ist das gewaltige Symbol höchster uneigennütziger Opferbereitschaft für das Vaterland. Die Kommilitonen möchten in alle Zukunft so handeln und so leben wie die Schar von Langemarck zu sterben wußte. Nachdem ein Student zwei Feldbriefe gefallener Kommilitonen verlesen und dadurch einen tiefen Einblick in das Gemüts- und Seelenleben jener, jungen feldgrauen Kameraden gegeben hatte, sprach stud. rer. pol. Edler von Graeve als Vorsitzender der Gießener Studentenschaft. Er stellte seinen Zuhörern Langemarck als Symbol des deutschen Bekenntnisses zum Reichsgedanken und als Inbegriff deutschen Heldentums über alle Sabre hinaus dar. An diesem hehren Beispiel müsse unser Volk immer wieder den Tatwillen zur Opferfreudigkeit für die Gesamtheit des Volkes gewinnen. Die Faust-Natur des deutschen Menschen sei in den Gefallenen von Langemarck verkörpert gewesen, deren Geist der Selbstaufopferung allezeit fortleben werde. Diese Gefallenen hatten an die Erfüllung der alten Barbarossa-Sehnsucht geglaubt, sie hätten auf die Erfüllung der Sehnsucht aller Deutschen nach einem einzigen großen Deutschen Reiche gehofft, und aus ihrem Geiste von Langemarck sei dann der stählerne deutsche Frontgeist entstanden, der einen neuen Adel, gehärtet durch Blut und Tod, in dem jahrelangen Widerstandswillen gegen eine Welt von Feinden erzeugt habe. Der Geist von Langemarck sei glücklicherweise trotz aller Not im deutschen Volke erhalten geblieben, und aus ihm könne man immer wieder den Glauben schöpfen: das Reich muß uns doch kommen! Die Gefallenen von Langemarck hätten uns die große Aufgabe hinterlassen, die starke Saale des Deutschen Reiches unvergänglich in die Vergänglichkeit der Welt zu plauzen, Deutschland, Deutschland über alles in der Welt zu lieben. Der Geist der Gefallenen lebe in unserem Volke und werde es einst wieder zum Auferstehen führen. In diesem Sinne reden die Toten von Langemarck durch ihren Geist immer wieder zu uns. Mit dem Gesang des Liedes „Ich hatt' einen Kameraden" fand die würdige und eindrucksvolle Gedenkstunde ihren Abschluß. Am Gefallenen-Ehren- mal im Vorraum der Aula waren zahlreiche Kränze als Zeichen der Dankbarkeit und der Liebe nieder- gelegt. Am Samstagabend fand auf dem Gleiberg eine studentische Langemarck-Gedenkfeier statt, über die wir heute mittag noch berichten werden. Eine Echntzhütte auf der Theodorsnch. Wertvolle Verschönerung in der Umgebung unserer Stadt. Am Grenzweg zwischen dem Leihgesterner Gemeindeforst und den Staatswaldungen Schissen- berg, links der Landstraße Gießen—Leihgestern, stand seit vielen Jahren mitten im Walde eine Ruhebank, deren Stätte Theodors ruh genannt wurde. Der idyllische Platz mitten^ im hohen Forst, mit wunderbarer Aussicht über einen kerzengeraden Waldweg auf den hochgelegenen Schiffenberg, war vor einer Reihe von Iahren von dem früheren Gießener Forstmeister Theodor Heyer entdeckt und durch die Aufstellung der Ruhebank zu erquickendem Verweilen hergerichlet worden. Aber nur verhältnismäßig wenigen Gießenern war die wundervolle Schönheit dieses traulich-stillen Waldwinkels bekannt und wert geworden, der Blick von dort auf den Schiffenberg — vergleichbar dem herrlichen Ausblick von der Hohen Sonne bei Eisenach auf die Wartburg — hat bisher noch nicht viele Menschenaugen erfreut. Der Verkehrs - und Verschönerung s- ve rein © ie hen und die H ei m a tv e r e ini- 9 u n 9 Schiffenberg, beide bestrebt, zur Erschließung der Schönheiten unserer engeren Hei- mat nach Kräften beizutragen und dadurch die Liebe zur heimatlichen Erde zu vertiefen und m immer mehr Menschenherzen anzufachen, haben im Laufe der letzten Wochen in schönstem Zusammenarbeiten das herrliche Plätzchen der Theo» dorsruh durch die Errichtung einer Schuh- h ü t t e in Gestalt eines kleinen Pavillons schlicht und schön ausgestaltet. In dankenswerter und von bestem Verständnis für bie Heimatpflegearbeit geleiteter Bereitwilligkeit hat die Gemeinde Leihgestern das erforderliche Gelände von ihrem Waldbesitzkostenlos zur Verfügung gestellt, das staatliche Hochbauamt Gießen hat in der gleichen anerkennenswerten Weise den Plan für die Schuhhütte geschaffen, die staatliche Forst- verwaltung Schiffenberg hat das gemeinnützige Werk in hochherziger Weise durch bulige Holzlieferung unterstützt, Zimmermeister W e Iler von Leihgestern hat mit viel Geschick und Opferbereitschaft die Hütte gebaut, Förster D e ß von Leihgestern hat mit gutem Verständnis und Eifer den forstlichen Teil zur Herrichtung des schönen Platzes erledigt, während der Verkehrs- und V e r s ch ö n e r un g s v e r e i n Gießen und die Heimatvereinigung Schiffenberg gemeinsam die Deckung der Kosten übernahmen, die dank großer Opferwilligkeit von allen Seiten in verhältnismäßig bescheidenen Grenzen blieben. Unö so entstand in gemeinsamer zielfroher Arbeit ein Werk, das eine gute Verschönerung unserer landschaftlich reizvollen Umgebung bedeutet und allen an seiner Entstehung beteiligten Personen und Vereinen zur Ehre gereicht. Am Samstagnachmittag vereinigten sich die Vorstände deS Verkehrs- und Verschönerungs- Vereins Gießen und der Heimatvereinigung Schiffenberg, sowie Bürgermeister Heß-Leihgestern, Bürgermeister Schäfer- Watzenborn-Steinberg, Oberbaurat 2 e r t h vom staatlichen Hochbauamt Gießen, der Heimatdichter Gg. H e ß - Leihgestern, Zimmermeister Weller-Leihgestern, Förster Heß- Leihgestern und die an dem Schuhhüttenbau beteiligten Arbeitskräfte vor der Schutzhütte zu einer schlichten Weihefeier in dem erhabenen Waldesdom. Oberforstmeister R i c o - laus-Gießen als staatlicher Verwalter dieses Forstgebiets und Vorsitzender der Heimatver- einigung Schiffenberg, übergab die Schutzhütte mit einer gedankenreichen und gemütvollen, von vorbildlicher Liebe zur Heimaterde und zum herrlichen deutschen Walde erfüllten Ansprache der Volksgesamtheit, er dankte allen Mithelfern und Förderern an dem gemeinnützigen Werke und wünschte, daß es vielen Bürgern aus Stadt und Land und Volksgenossen aus anderen deutschen Gauen Freude bereiten möchte. Rektor t R. Dal. Müller verlas dann folgenden von ihm gedichteten Hüttenspruch, durch den die Schutzhütte nach dem Oberforstmeister R i c o l a u s auf den 2 amen „Ricolaushütte auf der TheodorSruh" getauft wurde: Der Theodor saß in heitrer Ruh Auf seiner Bank im Walde Und hört dem Klosterglöcklein zu Dort auf des Berges Halde. Forschung iui not! Wie hilft sich die deutsche Wissenschaft weiter? Don der Spitzenorganisation wissenschaftlicher Gemeinschaftsarbeit in Deutschland, der „Notgemeinfchaft der Deutschen Wissenschaft" wird uns der folgende Beitrag zur Verfügung gestellt. Vor dem Erliegen bewahren..! Treu ihren von Anfang an festgehaltenen Zielen sucht die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft auch mit verminderten Mitteln die deutsche Forschung überall dort zu stützen, wo unter möglichst sparsamem Einsatz wichtige Aufgaben durch- geführt werden können und wo die Kräfte hervorragender Forscher au grunlegenden und lebenswichtigen großen Forschungen auf bestimmten Gebieten Ausammenzufassen sind. Die Aufgabe der Notgemeinschaft läßt sich heute wie zur Zeit ihrer Gründung so umschreiben, daß es gilt, die deutsche Forschung „v o r dem Erliegen zu bewahren". In starker Anspannung der Kräfte ist in den vergangenen Iahren die wissenschaftliche Arbeit auf den verschiedenen Gebieten soweit in Gang gebracht worden, daß wenigstens teilweise die deutsche Wissenschaft hinter den Ergebnissen der verstärkten wissenschaftlichen Anstrengungen des Auslandes nicht zu weit zurückblieb und daß neue erprobte wissenschaftliche Kräfte nachwachsen. Nur mit höchstqualifizierten wissen- schaftlichen Aroeiten und der Zielrichtung auf forsche- rll-be Höchstleistungen kann die Wissenschaft die Aufgaben, die ihr zu stellen stnd, erfüllen. Die Stockungen der letzten Jahre haben nun nicht nur die Fort- ührung vieler Arbeiten oerlangjamt, andern drohen geradezu den Erfolg beträchtlicher rüber aufgewandter Mittel illusorisch zu machen und auch an dem Unternehmungsgeist und Mut der deutschen Forscher schwer zu übersehenden Schaden anzurichten. Unter diesen Umständen muß es die besondere Aufgabe der Notgemeinfchaft fein, mit den iyr verfügbar gebliebenen Mitteln (40 v. H. weniger als in den Vorjahren) möglichst zu verhindern, daß die deutsche Wissenschaft von dem internationalen Wettbewerb um forscherische Höchstleistungen ganz ausgeschlossen wird, und vor allem diejenigen Arbeiten zu fördern, denen im Hinblick auf das wirtschaftliche und soziale Leben wie auf die Gesamtentwicklung der Wissenschaft und das geistige Wachsen und Erstarken unseres Volkstums größte Lebenswichtig, feit zuzusprechen ist. Leider ist bei dem gegenwärtigen Stande der Mittel unzureichende Ausstattung selbst wichtiger und aussichtsreicher Aufgaben nicht zu vermeiden. Der Rückgang der Forschungen. Die gegenwärtige Lage wird besonders dadurch gekennzeichnet, daß im Bereich der Erperimen- ta l f o r s ch u n g etwa 300 von den Fachausschüssen und vom Hauptausschuß genehmigte Anträge trotz sparsamster Ansätze aus Mangel an ausreichenden Mitteln nicht zur Erledigung gebracht werden können. Es handelt sich hierbei teils um Einzelunter- suchungen, zum Teil aber auch um Arbeiten, die im Rahmen der großen Gemeinschaftsforschungen liegen und für deren gedeihliche Weiterführung unentbehrlich sind. Gelehrte allerersten Ranges sind unter diesen Umständen in der Weiterarbeit behindert. So können grundlegende Forschungen von Professor Hans Fischer (München) zur Synthese des Chlorophylls trotz ihrer wahrscheinlich weitreichenden wirtschaftlichen Bedeutung seit dem vergangenen Jahr nicht in dem wünschenswerten Ausmaß gefördert werden. Das gleiche gilt für die hochbedeutsamen Vitamin- und Hormonforschungen von Profestor Windaus (Göttingen) und für zahlreiche andere wichtige Arbeiten. Im Fortgang der Gemeinschaftsarbeiten der Notgemeinschaft ist infolge der Verknappung der Mittel auf allen Gebieten eine Verlangsamung festzustellen. Die Metallforschung, die geophysikalische Forschung, die bergbauliche und vor allem auch die landwirtschaftliche Forschung leiden besonders unter dieser rückläufigen Bewegung. Insbesondere bleiben auf letzterem Gebiet wichtige bei der Notgemeinschaft angeregte neue Aufgaben, wie gründlichere Pflanzen- zuchtforschung und Holzforschungen (Fragen der Holzgewinnung, der Holzkonservierung und Holzverarbeitung, der Abfallverwertung und des chemischen Holzaufschlusses) noch unbearbeitet, weil die Mittel bisher nicht zur Verfügung standen. Auch die physikalischen und chemischen Bedingungen der Stahlerzeugung könnten in weit größerem Maße, als es jetzt geschieht, zum Gegenstand gemeinschaftlicher Forschungsarbeiten gemacht werden. Jtorfefeller hilft. Erfreulicherweife ist der Notgemeinschaft durch die Bereitstellung von Mitteln der Rockefeiler Foundation für Forschungen auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen die Einleitung mehrerer sozialwissenschaftlicher Gemeinschaftsforschungen möglich geworden, von denen eine Vertiefung unserer Erkenntnisse über verschiedene durch die Wirtschaftskrise besonders dringend aufgeworfene Probleme erwartet werden darf. Ob die Notgemeinschaft, die soeben das Ergebnis der von ihrem Fachausschuß eingeleiteten Gemeinschaftsarbeit über „Wirkungen und Ursachen des hohen Zinsfußes für langfristige Kredite in Deutschland" vorlegen konnte, den mehrfach vorliegenden Anregungen auf Durchführung neuer, gegenwärtig wichtiger sozialwissenschaftlicher Gemeinschaftsforschungen aus ihren Mitteln wird weiter nachgehen können, muß bei dem Stande der Mittel noch als ungewiß bezeichnet werden. Die Zahl der Forschungsstipendien an Glieder des wissenschaftlichen Nachwuchses ist von etwa 600 im März auf 380 am 1. Juni 1932 g e - fünfen. Die Drucklegung wissenschaftlicher Werke sowie die Beschaffung der Auslandliteratur für die wissenschaftliche Benutzung kann in diesem Jahre nur nach einem stark verengten Plan durchgeführt werden. Erfreulicherweise konnte dagegen auf dem Wege des Tausches, der Dubletten- und Geschenke- Verwertung die Menge der von der Notgemeinschaft der wissenschaftlichen Auswertung zugeführten Literatur andauernd gesteigert werden. Kistenweise kommen Bucher aus dem Ausland und wandern Wiedern dort hin. Daß die Wissenschaft eine Einheit ist und nur bet gleichmäßigem Fortschreiten der verschiedensten Forschungsgebiete wirklich gedeihen kann, hat die Not- aemeinschaft in ihrem Aufbau wie in ihrer ganzen Arbeit fortgesetzt zum Ausdruck gebracht. Wenn die Notlage es erforderlich gemacht hat, einzelne mit bestimmten praktischen Lebensbestätigungen in näherer Berührung stehende Forschungszweige besonders wirksam zu fördern, so wäre es doch für die Wissenschaft und Volk verhängnisvoll, Trennungen zwischen praktisch nutzbarer und zweckloser Wissenschaft vornehmen zu wollen. Soll ein Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft gelingen, so nur mit Hilfe der Energien, die in der Tätigkeit der zahlreich vor- handenen arbeitsbereiten und begeisterten Forscher Deutschlands bereitstehen. Er achtet nicht der Flocken Tanz, Der wirbelnd ihn umkreiste So hielt der Schiffenberg ihn ganz Gefangen in dem Geiste. Doch schritt der Nikolaus durch den Tann Kn-b rief: „Daß Gott behüte! So seht mir doch den Theodor an — Ist der des Lebens müde? — * Sitzt er doch da im Sturmgebraus, Der Unbill preisgegeben! — Müßt schaffen hier ein schützend Haus Als Hort für Selb und Leven!?" Er klopft ihm auf die Schulter leis: „Hier laß uns Hütten bauen, Kein schönres Plätzchen rings ich weiß Den Schiffenberg zu schauen!" — Dann riefen sie der Freunde Schar Mit Stein und Holz und Kelle; Und sich', in aller Eile war Das Hüttlein auch zur Stelle. Nun stehst du da, du Hüttlein traut, Für alle Zeiten hier, In Heimatliebe aufgebaut Im grünen Waldrevier. Und wer dir naht im Sonnenschein Wen Stürme hier umtoben. Wird dankbar auch im Herzen sein, Die martern Bauherrn loben. Dein Name mag drum allezeit Noch unfern Enkeln sagen, Was beide Männer frohbereit Geschafft in schweren Tagen. Bleib ihres Lobes Künderin, Du schöne Ruhstatt du, Und weck des Wandrers Dank und Sinn Als „Nikolaushütte auf der Teodorsruh"! * Nach einer Besichtigung des Nicolaus-Brunnens und des Schweinsbrunnens versammelte man sich im Forstgarten noch zu einem geselligen Beisammensein, in dessen Verlauf der Vorsitzende des Derkehrs- und Derfchönerungs - Vereins, Stadtratsmitglied S ch w i e d e r, eine kurze Ansprache hielt, in der er namens seines Vereins allen Förderern des guten Werkes dankte und die Bewohner unserer engeren Heimat zu diesem neuen Besitz beglückwünschte. Auf Anregung von Gg. Heß (Leihgestern) wird im Fundament der Hütte noch eine Stiftungsurkunde niedergelegt werden. Zum Schluß noch der Wunsch an den D H C , er möge baldmöglichst den Weg von der Leihgesterner Landstraße her zu diesem schönen Plätzchen durch eine geeignete Wegemarkierung allen Freunden der Natur leicht auffindbar machen. Sprechstunden der Redaktion. 1L30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenaufkräge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Buntes Allerlei. Eine Komödie um Oichterlocken. Eine luftige Geschichte, über die ganz Madrid lacht, ereignete sich in einem Hotel, in dem der kata- Ionische Abg. Sennor Gassols abgestiegen war. Dieser Politiker, einer der getreuesten Mitarbeiter des Obersten Macia, der feurig für die Unabhängigkeit Kataloniens eintritt und kürzlich in einem Artikel erklärte, es sei „Zeit, alle Schweine aus Katalonien herauszuschmeißen", womit er die spanischen Nicht- Katalonier meinte, ist ein Dichter und mehr noch als durch seine Verse durch seine klassischen Sorten bekannt, die von den spanischen Karikaturisten mit besonderer Freude gezeichnet werden. Dieser echte Katalonier befand sich eines Morgens auf dem Weg zu dem Badezimmer des Madrider Gasthofes, in dem er wohnt, als sich plötzlich vier Männer, mit Scheren bewaffnet, auf ihn stürzten. Sie zerrten den Poeten in den Baderaum, und während er heftig gegen fie ankämpfte und um Hilfe schrie, wußte ihn einer der Amateur-Friseure einige seiner Prachtlorten abzuschneiden, die er im Triumph davontrug. Der Senor hatte sich unterdessen befreit, stürzte über den Gang in fein Zimmer, ergriff einen Revolver und jagte hinter feinen Angreifern her, durch das ganzeHotel, wobei er beständig Schüsse abfeuerte, die glücklicherweise niemanden, auch keinen der vier Fliehenden, trafen. Nur einer der Lortenräuber, der sich im Weg irrte und in die Küche geriet, boxte den Koch nieder und zertrümmerte einige Teller. So verlief dieser komische Lortenraub ohne ernsteren Zwischenfall. Die Polizei sucht die vier „Verbrecher" und Madrid lacht über Sennor Gassols. Oie Symphonie der Grippe. Der kanadische Komponist Mac Loughlin lag zu Bett, mit Kissen schwer bepackt, und schwitzte. Er nährte sich von Aspirin und heißem Zitronensaft, denn ihn plagte die Grippe. Cs ist ein höchst peinlicher Zustand, den wir alle kennen. Die Geißel der Grippe trifft alle Menschen gemeinsam, doch reagieren sie darauf ganz verschieden. Der eine mag stöhnen, der andere fluchen usw. Loughlin beschloß, als das^ Fieber die kritische Grenze von 38 Grad überschritten hatte, feine Gefühle in Musik zu setzen. Er schuf die Symphonie der Grippe, Tondichtung in fünf Sähen. Erster Satz: Erkältung: zweiter Satz: Kopfschmerzen: dritter Satz: Schweißausbruch; vierter Satz: Delirium: fünfter Sah: Genesung. Wenn man den Zeitungsberichten glauben darf, entwickelt sich die Grippe in musikalischer Form folgendermaßen: Klarinetten und Flöten brillieren m Zweiunddreihigstel - Passagen, treiben ihre phantastischen Tonteufeleien und steigen auf in einem schnellen Crescendo. Das ist das Kribbeln in allen Gliedern, das Loughlin verspürte, als er zur ersten Aspirintablette griff und bei sich feststellte: Ich habe mich erkältet. Dann nehmen die Bässe das Thema auf, Pauken bumsen dazwischen. Leicht zu erraten, daß der Patient Kopfschmerzen hat und erhitzten Zitronensaft schlürft. Streichinstrumente wühlen mit schmelzendem Strich in den Zentren des menschlichen Ge- fühls. Der Kranke schwitzt. Llnd dann steigt das Orchester zum gewaltigen Fortissimo an, die Haarlocken der Streicher flattern gespenstisch im Takt des Bogenstrichs, die Bläser pusten, was das Zeug hält, die Frackschöße des Dirigenten zittern. Der Fiebcrmesscr zeigt 39 Grad, die Krisis ist da und wird überwunden, der Sturm legt sich und das Finale schildert den Patienten schwach, aber mit neuen Hoffnungen. Wenn man cs so liest, wäre es gar nicht notwendig gewesen, der Symphonie den Titel die Grippe zu geben; er könnte auch lauten: „Tod und Verklärung". nur hat Strauh diesen Titel bereits für sich in Anspruch genommen. Hoffentlich ist nicht nur die Schilderung dieser Grippe-Symphonie in fünf Sätzen gut. sonst könnte es der Komponist bei der Uraufführung erleben, daß das Publikum von jenem unbehaglichen Gefühl befallen wird, das der Grippe vorangeht. Fluchtartig würde es den Saal verlassen, um rasch ins Bett zu kommen, und ein boshafter Kritiker würde schreiben: Die Symphonie bestand aus fünf Sätzen, — ich war mit einem Sah draußen! ÖJ.-fpor/ Deutschland — England 3:2. Ueberraschender deutscher Sieg um den Davis-Pokal. Nachdem am Samstag die englischen Tennisspieler durch den Gewinn des Doppelspieles noch eine 2:l°Führung herausgcholt hatten, glaubte niemand mehr an einen deutschen Erfolg. Das Unerwartete geschah aber, denn von Gramm schlug den diesjährigen Wimbledonfinalisten Bunny Austin und Prenn buchte den letzten Punkt durch einen Sieg über den Weltranglistenspieler Perry. Die Anlagen des Rolweitz-Club Berlin waren am Sonntag' überfüllt. In den Ehrenlogen war die Prominenz der Sportwelt und der Diplomatie vertreten. Als erstes der beiden Einzelspiele stieg die Begegnung Gottfried von Cramm — Bunny A u st i n. Der Engländer spielte noch schlechter als am Freitag und war außerdem sehr nervös. Aach einer 4:0°Führung von Gramms int ersten Satz holte Austin auf, machte kurz hintereinander fünf Spiele, die ihm den Gewinn des ersten Satzes mit 7:5 einbrachten. 2m zweiten Satz wurde der Deutsche aggressiver und holte ihn sich durch schönes Spiel 6:2. 2m dritten Sah fiel Austin stark ab. so daß sich Cramm den Sah leicht 6:3 holte. Aach der Pause wurde Cramm immer besser, während Austin immer mehr abfiel. Durch schöne Passierlchläge holte sich der Deutsche den vierten Satz 6:3 und gewann somit im Gesamtergebnis mit 5:7, 6:2, 6:3. 6:2. Unter großer Spannung wurde das letzte Spiel Prenn gegen Perry in Angriff genommen. Der Deutsche lieferte einen ganz großen Kampf und glänzte in allen Schlägen. Außerdem kämpfte er sehr klug und gewann so die beiden ersten Sähe überraschend schnell 6:4, 6:4. Minutenlang hielt 6er Beifall an ob dieser großen Leistung. Der dritte Sah ging ohne nennenswerten Widerstand an den Engländer 3:6. Auch nach der Pause war der Engländer etwas besser und holte sich den vierten Sah ohne Spielverlust 0:6. 2m letzten Satz hatte Perry bei 5:3 schon Matchball, als Prenn in wundervollem Angriffsspiel den Engländer überrannte und den siegbringenden Sah mit 7:5 an sich brachte. Das Endergebnis stellte sich somit auf 6:2, 6:4, 3:6, 0:6, 7:5 für Prenn. Prenn, der den weitaus größten Anteil an dem deutschen Da- vispokalsieg hatte, wurde stürmisch gefeiert. Der nächste Gegner im Schlußspiel der Europa- zone ist 2talien. Der lachende Sieger: Daniel Prenn. Abschiedsfest der Olympia-Teilnehmer, hoher Sieg der Wasserballer. Das Abschiedsfest unserer Olympia-Teilnehmer wurde am Samstag im herrlichen Weserstadion zu Bremen mit einem Spiel der Wasserballer gegen eine Stadtmannschaft von Bremen eingeleitet. Die Olympia-Wasserballmannschaft präsentierte sich noch einmal in bester Verfassung: sie trug auch einen hohen und verdienten Sieg von 7:1 (3:0) davon. Das Spiel der Olympia-Mannschaft wurde von stürmischem Beifall der Zuschauer begleitet. Die anschließend ausgetragenen Schwimm wettbe- Bezirksmeisterschasten -er Frauen. Ein Mannschasts Zweikamps zwischen Hessen-Preußen Kassel und 1900. Der leichtathletische Meisterschaftskampf der Frauen und Mädchen des Bezirkes Hessen-Hannover brachte eine Enttäuschung. Und zwar weniger der Leistun- gen, als der überaus schwachen Beteiligung wegen. Es traten lediglich die Mannschaften zweier Vereine an. Hessen-Preußen Kassel rückte mit einer starken und vor allem sehr leistungsfähigen Vertretung an; die Spielvereinigung 1900 hatte ihre aktiven Leichtathletinnen aufgeboten und stellte sie den Gästen gegenüber. Wetzlar — man kann nicht umhin, diese Tatsache mit größtem Erstaunen und Befremden festzustellen — war gar nicht vertreten. Der VfL. Wetzlar ließ den ausrichtenden Verein, die Spielvereinigung 1900 glatt in Stich und entsandte niemanden zu den Meisterschaftskämpfen, obwohl doch begründete Aussicht bestand, daß einige der ehrenvollen (übrigens hervorragend schönen) Plaketten an die Leichtathletinnen des VfL. Wetzlar gefallen wären. Auch Marburg glänzte durch Abwesenheit und von Göttingen — die allgemeine wirtschaftliche Notlage mag es verboten haben — erschien auch niemand. So gestalteten sich die Bezirksmeisterschaften zu einer reichlich einseitigen Angelegenheit. Die Damen von Hessen-Preußen Kassel brachten mit großem Elan bis auf zwei. sämtliche Wettbewerbe an sich. Die Gäste aus Kastel' hatten ganz vorzügliche Läuferinnen in ihren Reihen, besonders Fräulein Hadler lief über 100 Meter (12,9) und über 200 Meter (27,1) ganz vorzügliche Zeiten heraus. Die Staffeln entschieden sie ebenfalls überlegen für sich. Dabei wurde ausgezeichnet gewechselt. Auch die 1900erinnen wechselten sehr gut, das konnte indessen nicht viel nützen, weil eben die Kasselerinnen auf der Strecke immer wieder schneller waren. So mußten sich die Gießener Sportlerinnen mit zweiten dzw. gar mit dritten Plätzen begnügen und den Gästen fielen die ersten Siege mit Sicherheit zu. Schade, daß diese Meisterschaftskämpfe nicht zahlreicher beschickt worden waren; man hätte es dem tapferen Fähnlein von Hessen-Preußen gewünscht, daß sie die Meisterschaften eindrucksvoller, als es in einem Klubzweikampf möglich ist, an sich gebracht hätten. Die Abwicklung der Wettkämpfe nahm trotz der geringen Beteiligung 3% Stunden in Anspruch. Allerdings war dabei zu berücksichtigen, daß etwa 30 Wettbewerbe durchgeführt werden mußten. Den Abschluß der Wettkämpfe bildete die Siegeroerkündigung im Schützenhaus. Die Ergebnisse folgen. werbe, bei denen ebenfalls einige Olympia-Teilnehmer in Aktion traten, hatten folgende Ergebnisse: 10 0 Meter Crawl: 1. Schwartz 1.03,5 Min.; 2. Schulze 1:04,2 Min. 2 0 0 Meter Brust: 1. Sietas 2:53,4 Min. 100 Meter Rücken: 1. Küppers 1:12,3 Min. 50 Meter Crawl alte Herren: 1. Bin- ner-Breslau 33,2 Sek. Die Kunstspringer Esser und Frl. Jordan- Nürnberg zeigten in einem Schauspringen schöne und abgerundete Leistungen. 20 000 Zuschauer bei den Leichtathleten. Nach den Schwimmern traten in der Hauptkampf- bohn des Weserstadions die Leichtathleten in Aktion. Zu ihren Abschiedskämpfcn hatten sich nicht weniger als 20 000 Zuschauer eingefunden, so daß die Reisekasse des Olympia-Komitees noch einmal einen hübschen Zuschuß erhielt. Zunächst hielt unter dem Jubel der Zuschauer die gesamte deutsche Olympia- Expedition einen feierlichen Einmarsch. Nach kurzen Ansprachen begannen die Kämpfe. Die Leistungen waren recht unterschiedlich, was zum Teil auf die mäßige Verfassung der Laufbahn zurückführen ist. In prächtiger Verfassung waren in den Laufstrecken wieder Jonath und Metzner, die ihre 100- bzw. 400-Meter-Läufe überlegen an sich brachten, lieber 100 Meter siegte Jonath in 10,5 Sekunden leicht vor seinem Clubkameraden Borchmeyer und dem Aachener H e n d r i x. L a m m e r s zog sich eine Sehnenzerrung zu und mußte aufgeben. Im 400-Meter-Lauf hatte der Frankfurter Metzner zum Schluß nicht weniger als 10 Meter Vorsprung vor dem Zweiten, dem Altmeister Büchner. Dr. Peltzer konnte noch Dritter vor Ne Hb-Rastatt werden. Im Hürdenlauf ließ cs Welscher nicht auf einen Kampf mit Wegener ankommen. Er riß einige Hürden und lief zum Schluß nicht aus. Eine hervorragende Leistung vollbrachte der Darmstädter S ch i 1 g e n , der im 3000-Meter-Lau- fen vom Doppelmeister Syring- Wittenberg in der ausgezeichneten Zeit von 8:37,1 Minuten nur um Handbreite geschlagen wurde. Unsere Olympia- Staffel in der Aufstellung Hendrix-Geerling-Borch- meyer-Jonath lief über 4 mal 100 Meter in 41,3 Sekunden ein ganz überlegenes Rennen gegen den Hamburger SV. Beim Speerwerfen zeigte Meister Weimann einen Wurf von 65 Meter. Einige recht schöne Leistungen sah man bei den Frauen. So siegte Frl. Rotte im Hochsprung mit 1,56 Meter, während Frl. Dollinger- Nürnberg die 100 Meter in 12,4 Sekunden durchlief und Ellen Braumüller im Speerwurf 44,01 Meter erreichte. Regatta in Bad Ems. Arn Samstag und Sonntag war in Bad Ems Regatta. Vor vielen Zuschauern wickelten sich am Samstag reibungslos die 11 vorgesehenen Rennen ab. In fast allen Wettbewerben waren gut trainierte Mannschaften am Start. Die Gießener Ruderer hatten zum Samstag drei Rennen belegt, aus deren zweien sie siegreich hervorgehen konnten. Im Z w e i - t e n Vierer ließen die Gießener die Kölner Mannschaft von 1931 weit hinter sich und landeten einen sicheren Sieg. Bad Ems hatte aufgegeben. Im Zweiten Einer konnte I o e b t abermals seine ausgezeichnete Form unter Beweis stellen und errang vor F r i e d r i ch s (Cochem) und A l t m a n n (Neuwied) einen überlegenen Sieg. Im Mittelrhein- Achter, dem mit großer Spannung erwartetem Rennen (die Gießener lagen leider an einem ungünstigen Startplatz, mußten die Hiesigen dem Achter der Mainz-Kasteler RG. den 1. Sieg überlassen und konnten lediglich den 2. Platz, allerdings nach einem spannenden Kamps gegen Kölner Wassersport, belegen. VfB. (Liga) - Universität 7:3. Sommerfußball auf dem VfB -Platz! Nicht weniger und nicht mehr. Einiges, und, wie es schien, ernsthaftes Bemühen um den Sieg, war wohl festzustel- len, eine große Leistung vermochte das Bemühen aber nicht auszulösen. So spielte man schlecht und recht, die Spieler liefen sich sehr schnell warm und es dauerte nicht allzulange, da ließ die Kampfhandlung nach, das Spiel hatte nur wenige Höhepunkte aufzuweisen und verlief nicht in dem Maße fesselnd, wie man cs erwartete. Die Studenten, zum Teil kräftiger als ihre Gegner, verfügten nicht über das Können, das einen Sieg hätte möglich werden lasten. Man spürte es immer wieder: die VfBer waren routinierter, sie arbeiteten viel bester zusammen, als ihre Gegner, sie waren in der Kombination und in der Ballbehandlung reifer, ihre Angriffe hatten mehr System. Ganz abgesehen, daß die Mannschaft mehr Ausdauer bewies und im Spiel fast immer die Führung behielten. Die Studenten gaben sich in der 1. Halbzeitzeit alle Mühe und konnten bald mit einem Tor in Führung gehen, die VfBer holten aber schnell auf und erhöhten auf 2:1. Da sich die Studenten bis zur Halbzeit tapfer hielten und aufopfernd spielten, dabei aber auch einige zwingende Gelegenheiten ungenützt ließen, blieb es beim Halbzeitstand von 2:1. Nach der Pause gab das bessere Stehvermögen der VfBer den Ausschlag. Die Studenten waren dem Spiel nicht mehr gewachsen und ließen mehr und mehr nach. Wohl vermochte der Sturm noch zwei Torgelegenheiten auszunützen, die VfBer aber rückten immer mehr auf, so daß der Gegner sich auf einige Durchbrüche beschränken mußte. Der Torwart der PfBer bekam nicht mehr viel zu tun, während Schlarb im Tore der Studenten alle Mühe hatte, seine Mannschaft vor einer höheren Niederlage zu bewahren. Mit 7:3 Toren endete der etwas ungleiche Kampf. Welscher doch abgereist. Wegen der am Donnerstag vom D R A. ab» zehnten Teilnahme Welschers hatten am gleichen Abend und am Freitagfrüh noch längere telephonische Verhandlungen mit dem DRA. in Berlin stattgefunden. Die Gründe des DRA., daß mit Rücksicht auf das Ausland die deutsche Expedition nicht noch stärker werden dürfe, schienen roeni^ stichhaltig. Nachdem man bereits bei Köchermann, Danz und vor allem bei Wegener eine Ausnahme gemacht hatte, tarn es auf einen Mann mehr oder weniger auch nicht mehr an, zumal ja die Mittel für die Reise Welschers bereits von privater Seife sichergestellt waren. Man begrüßt es jedenfalls, daß dem sympathischen, strebsamen und erfolgreichen Sportsmann Welscher nun doch noch die Reise ermöglicht worden ist. Er hat bei den Deutschen Meisterschaften zumindest die gleiche Leistung wie Wegener gezeigt. Die Fechterin Helene Mayer und Erwin C a s m i r, sowie die Ruderer H ü 11 i n g h o f s und Walter Flinsch reiften am Samstagmorgen nach Bremen, um sich dort der deutschen Expedition am zuschließen. Kurze Sportnotizen. S f e l l a W a l s h, die hervorragende, in Amerika lebende polnische Leichtathletin, hat das ihr angebotene amerikanische Bürgerrecht abgelehnt, da sie in Los Angeles für ihre alte Heimat starten teilt • Hellas Magdeburg mutzte sich beim vierten Start der Süddeutschlandreise in Karlsruhe mit einem Unentschieden zufrieden geben. Der Klubkampf gegen Neptun Karlsruhe endete mit 20 zu 20 Punkten. Palastpage, der Gewinner des Deutschen Derbys, wird an den drei grohen Nennen der Baden-Badener Rennwoche nicht an den Start gehen, da der Stall Mülhens seinen „Crack" schonen teilt Einen deutschen Radsieg gab es im „Drciländerkampf der Steher" in Amsterdam durch die beiden Dauerfahrer Sawall und Kreteer, die im Gesamtergebnis gegen die Vertreter Frankreichs und Hollands gewonnen. Wirtschaft. * Vorschützung der deutschen Getreideernte zu Anfang Juli. Nach Durch- schnittsschätzungcn zu Anfang Juli ist eine Gesamternte an Roggen von 7,95 Millionen Tonnen (gegen 6,68 Millionen Tonnen im Vorjahr), an Weizen von 4,99 Millionen Tonnen (4,23 Mill. Tonnen), an Wintergerste von 584000 Tonnen (507 000 Tonnen), an Sommergerste von 2,60 Mil- lionen Tonnen (2,51 Mill. Tonnen) und an Hafer von 6,31 Mill. Tonnen (6,20 Mill. Tonnen) zu erwarten. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. 9. Juli. Das Geschäft hielt sich während des ganzen Wochenverlaufs in äußerst engen Grenzen. Die Preise haben infolge verstärkten Angebots teilweise eine Ermäßigung um 0,25 Pf. erfahren. Deutsche Eier konnten ihre Preise behaupten. Es notierten in Pf. per Stück ab loco Frankfurt a. Main: Russen 5,50 bis 6,00, Holländer 5,75 bis 7,75, Dänen 5,00 bis 7,50. Flandern 6,75 bis 7,00, deutsche Landeier 7,00 bis 7,50, deutsche Frischeier 6,50 bis 8,50. Don den Balkanländern wurden infolge des hohen Zolls keine Eier eingeführt. Lichtspielhaus Giefren Achtung siBoC anläßlich der Aufführung des Films „Frau Lehmanns Töchter“ werden heute Montag 6.30 Uhr vom Eingang des Lichtspielhauses einige hundert Luftballons mit Freikarten abgelassen. Kurszettel der Berliner und Krankfutter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börse Echluß- kurs Schluß! Mittag- börse Datum 8.7 9 7. 8.7. 9.7. 6% Deupche Reich-unleihe d. 1927 59,4 — 59 60,5 7% Deutsche Retchsanleihe V.192S 62.5 — 63 — &Vi% Doung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablös^Schuld mit 64 — 64 65 Auslos.-Rechten....... 42,9 44,5 42.5 44,75 Desgl. ohne Auslost-Rechte . . . 8% Hess. Bolksstaat von 1929 5 6,1 4,9 5-7 (ruckzohlb. 102%)...... Oberhejsen Provinz-Anleihe mit — '— 46 49 Ausl os ^-Rechten....... Deutsche Komm. Sammelabl. 37 37 — — Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse — 40.5 38 41 15 unkündbar bis 193a .... 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 69,75 71 — — unkündbar bis 1936 Serie 16 . 4%% Franks. Hyp.-Bank £Iqu.- 69,75 — —- — Pfandbriese......... Rheinische Hyp.-Bank.Liqu. 77,9 79,65 — — Goldpse........... 8% Pr. Landespsandbriesansialt, 78,13 80 — Pfandbriefe R. 19...... 7% Pr. Landespfandbriesanstalt, 66 67 66,5 67,5 Pfandbriefe R. io 65,5 67 — — *% Oösterreichische Goldrente . . — — 9,75 10,13 4,20% Oesterreichische Sllberrente 4% Ungarische Goldrente . . . . 1,1 — — 1,15 5,9 5.95 — 6,05 4% Ungarische Staotsrenle V. 1910 — 6,75 6.4 6.6 <’ä% desgl. von 1913..... - 5.7 — 6% abgest. Goldmexikaner von 99 5 5 5.1 4% Türkische Zollanleihe von 1911 *% Türkische Äagdadbahn-Anleihe 3,4 3,4 3.4 3,45 Serie I . . . . ... — — 3,4 __ *% desgl. Serie II...... 3,35 _ 3,45 6% Rumän. Vereivh. Rente v. 1903 4 4,1 _ 4,13 4H%Rumän.vereinh.Rentev.l913 7.5 8 8,15 8 4% Rumänische veretnh. Rente 3,75 3,8 3,75 3,9 2^% I. Anatolier...... 16 Frankfurt a.M Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend, börse Schlußkurs Schluß!. Mittag- börse Datum 8 7 9.7 8.7. 9.7. Hamburg-Amerika Palei . . . 6 13 14,25 12,13 14,25 Hamburg-Südam. Dampfschis! . 0 — — — —— Hansa Tampsschifs .... . 0 — — — —— Norddeutscher Lloyd .... . 6 13,9 15.5 13 15.9 A.G. sür Berkcbrswesen Akt. — 28 28 29.5 Berliner Handelsgesellschaft . 88 88 88 89 Commerz, und Privat-Bank. Darmstädter und Nationalban 7 —— 16 16 16 8 18,25 18,25 18.5 18,5 Deutsche Bank und Disconto-Gejellschast. . . 6 30,5 30.5 30 30,5 18,5 Dresdner Bank...... 6 — 18 25 18.5 RetchSbank........ 12 129 128.25 127,65 129,5 A.E.G........... . 7 32,13 26 24,4 26,5 Bergmann........ . 9 — — — — Elektr. LteserungSgesellschaft. 10 67 — 64,5 65 Licht und Kraft...... 10 75 77 73,4 75,5 Felten & Guilleaume.... G'A 40 40.5 40 42,5 Gesellschaft sür Elektrische Unternehmungen .... 9 60,5 60.5 58,25 60,9 Rheinische Elektrizität . . . . 9 70 69 ■— — Schuckert & Co. . . . . . . 11 63,5 64.25 62,5 63,75 Siemens & Halske ..... 14 122,75 123 120,5 123,5 Lahmeyer & (So....... 12 79.5 30,75 78,25 79 Buderus......... . 4 27,5 28,75 27 28 Deutsche Erdöl ...... . 6 68.9 69,75 66.25 69,9 Gelsenkirchener ...... . 8 30,25 33,5 30,75 33,5 Harpener......... . 0 — 53 50 52 65 Hoejch Eisen..... . . . 6 — —— 25,5 28 ylse Bergbau....... 10 — — 129 Lläcknerwerke....... . 6 —— 24,75 — 25 Köln-Neuesten....... — — — — Mannesmann-Röhren ... . c 41 41 39,25 41.13 Manssesder Bergbau .... . 0 — 14 —— 13,13 Oberschles. Kolswerke . . . . t -— — 31,5 34 Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen. . . VA 17 — 15 16,75 10 — 174 - 170 174 49,25 '— 47,75 49,5 Jrantturt a. M. Berlin Schluß, kurs Schluß!. Abendbörse Schluß, lurs Schluß!. Mittag- börse Datum 8.7. 9.7. 8.7. 9.7. Riebeck Montan . . . . . . 7,2 — — — — Vereinigte Stahlwerke . . . . 4 13,5 14,9 13,13 9,75 14,65 Otavi Minen . . . . . . 16'/ — 10 — Kaliwerke Aschersleben . . . 10 96,5 95,5 94 97 Kaliwerke Westeregeln . . . 1( 104,5 105,5 —— 107 Kaliwerke Salzdetfurth ... 16 — 162,5 163 165 3. G. Färben-Industrie . . . 12 93,25 93,75 90,65 94 Beretn. chem. Industrie Frank» surt a. M......... _ — — — Scheideanstalt....... 10 135 136 — —• Goldschmidt........ . 0 18 17,75 — 18,65 Rütgcrswerke....... . 6 — 33.5 32 33 Metällgesellschaft...... . 5 26,5 26,5 — 25 Philipp Holzmcmn ..... Zementwerk Heidelberg. . . . 8 35 — 34 — . 7 —— 38,5 — —- Cementwerk Karlstadt. . . . . 7 — — — —- Wayß & Freytag..... . 0 — 3,25 — — Schultheis Patzenhofer . . . 15 _ — 55,9 59 Aku < Allgemeine Kunstseide) 0 32,13 34 31,5 34,5 Bcmberg......... 0 — 33,5 30 32,25 Zellstoff Waldhos..... 12 — 29,5 27 — Zellstoff Aschaffenburg . . . 6 — — 20 23 Dessauer Gas....... . 9 — —— 86-75 90 Daimler Motoren..... . 0 13 12,75 12,5 12.25 Deutsche Linoleum .... . 5 33,25 31,75 33,9 OrenstetnL Koppel . . . . . 0 — — 23 24,5 Leonhard Tietz...... . 8 — 55 55 57,5 Svenska......... 15 — — —— — Cbade.......... — 182 181 180 Frankfurter Maschinen . . . Gritzner......... . 0 . 0 17 — 19,25 Matnkrastwerke Höchst a. M.. . 6 51 — —— Süddeutscher Zucker .... 10 104 104 —- Devisenmarkt Berlin — Frankfurt 0.2TL 8-3uli 9.Juli Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld 25rief Geld Brief Helstngsor« . 6,344 6,356 6,354 6,366 Wien. . . . 51,95 52,05 51 .91 52,05 Prag . . . 12,465 12-485 12,465 12,485 Budapest. . — — — -- Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 170,18 170,52 170,13 170,47 OLlo. . . . Kopenhagen. 74,13 74,27 74,38 74,52 81,47 81,63 81.62 81.78 Stockholm . 77,02 77,18 77,07 77,23 London. . . 15.02 15.06 15,06 15,10 Buenos Aires 0,938 0,942 0,938 0.942 Neuyork . . 4,209 4.217 4,209 4,217 Brüssel. . . 58,50 58,62 58,50 58.62 Italien. . - 21.49 21,53 21.48 21,52 Paris . . . 16,525 16,565 16,525 16,565 Schweiz . - 82,05 82,21 82,02 82,18 Spanien . . 34,17 34,23 34.12 34,18 Danzig. . . 82,17 82,33 82,20 82.36 Japan . - - 1,149 1,151 1.139 1,141 Rio de Jan.. 0,325 0.327 0,325 0,327 Jugoslawien. 6,393 6.707 6,693 6,707 Lissabon . . 13.960 13,971 13,71 13,73 Banknoten. Berlin, 9 . Juli Geld Brief Amerikanische Noten ....... 4,20 4,22 Belgische Noten ......... 58,34 81,44 58,58 Dänische Noten ......... 81,76 Englische Noten ......... 15,02 15,08 Französische Noten........ 16,485 16.545 Holländische Noten........ 169,76 170,44 Italienische Noten........ 21,46 21,54 Norwegische Noten........ 74,20 74,50 Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling ■— —— Rumänische Noten........ 2,49 2,51 Schwedische Noten........ Schweizer Noten......... 76,90 77,20 81,84 82,16 Spanische Noten......... 33,98 34,12 Ungarische Noten ........ —