Ur. 160 Erstes Blatt 182. Jahrgang Montag. U. Juli 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernsvrechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richtens Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen DnicT und Verlag: vrühl'sche Univer^iüts-Vuch- und Stetnöruderei K. Lange in Giehen. Zchriftleitung und Geschäftzstelle: Zchulftraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Reklameanzeigen oon 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Deutschland zum Ergebnis von Lausanne. Reichskanzler von papen vor der presse. DasReichskabincti einstimmig fürLausanne Berlin, 11. Juli. (ERB. Funkspruch.) Reichskanzler o. Popen empfing heute vormittag die Vertreter der deutschen presse, um ihnen die Einzelheiten des Lausanner Ergebnisses vorzutragen. Dabei kündigte der Reichskanzler an, daß es jetzt darauf ankomme, durch innere Maßnahmen, die die Reichsregierung von sich aus unverzüglich ergreifen werde, das moralische Ergebnis des Lausanner Vertrages auf die Clemente der deutschen wirtschaft zu übertragen. Das Kabinett fei e i n ft i m m i g der Ansicht, daß keinanderer weg von uns beschritten werden könne. Was sagt Hitler? Berchtesgaden, 10. Juli. (CNB.) Auf einer großen Kundgebung der NSDAP sprach am Sonntag Adolf Hitler. Er führte in seiner etwa einstündigen Rede u. a. aus: Dem internationalen Marxismus und dem zersplitterten Bürgertum stelle der Nationalsozialismus den unbeugsamen Willen entgegen. Die Welt, die die bisherige Ohnmacht Deutschlands erkannte, sehe heute, schon mit anderen Augen Deutschland an. „Der Vertrag von Lausanne", erklärte er, „der uns eben mit 3 Milliarden aufgebürdet wurde, dürste uns in sechs Monaten nicht mehr mit 3 Mark aufgebürdet werden." Die Gegner könnten heute keinen Wahlkamps führen mtb der Erklärung: „ Für uns sprechen unsere Leistungen." Die Gegner solltem dem Herrgott dankbar sein, daß er ihnen noch eine kurze Gnadenfrist, noch die Negierung Papen geschenkt habe, und nicht das Regiment der NSDAP. Die Stellung, Die sich jetzt Deutschland in der Welt erobert habe, komme schon aus das Konto des neuen Deutschland. Die bisher uns führten, werden beurteilt, wie man Landesverräter, Meuterer und Deserteure wertet, weil sie das Vertrauen, den Glauben und die Hoffnung vernichtet haben. Die Wirtschaft kann erst wieder aufblühen, wenn Deutschland groß und mächtig geworden ist. Hilfe von außen kommt uns nicht, sondern zu allen Zeiten mußte Deutschland sich selbst helfen. Dazu gehört auch die Konzentration des deutschen Geistes und der deutschen Seele. Wir wollen eine Partei der Deutschen ganz allein fein, um das Volk wieder aus der Zerrissenheit herauszuführen, und sollte uns dieses Ziel erst in 30 Jahren gelingen. Untere Fahnen sind ein Sammlungszeichen für das deutsche Volk ohne Unterschied seiner Grenzen. Wir wollen nicht und brauchen keine Koalition und wir wer- de:t niemals kapitulieren. Wir wollen auch keine Parteien mehr dulden, sondern nur ein einziges Volk. Eine Wahlrede Brünings. Glatz, 10. Juli. (TU.) Am Sonntag sprach Dr. Brüning, der Spitzenkandidat des Zentrums für Schlesien. Brüning führte etwa folgendes aus: Von dem Ausgang der Wahl ist abhängig, ob sich die Politik der Zukunft in Ruhe und Vernunft abwickeln soll oder ob ein Experimentieren erfolgen wird, das die Wirtschaft nie zur Ruhe kommen läßt. Wir haben dafür zu sorgen, daß d e r g e - rade Weg weitergegangen wird, wir pur= fen keine Experimente zulassen, die vielleicht zeitlich kurz begrenzte Besserung ermöglichen, jedoch in einen um so größeren Chaos enden tonnen. Wir haben während meiner Amtstätigkeit die ganze Kraft dem Osten zugewandt, insbesondere die Bedürfnisse der Landwirtschaft weitgehend gewürdigt und Maßnahmen getroffen, die ihre Erhaltung ermöglicht haben. Das Entschuldungsverfahren hat den Zusammenbruch verhindert. Trotz dieser Tatsache hat die neue Re g i e r u n a die bereits fertiggedruckten Bestimmungen unserer Notverordnung nicht veröffentlicht. Hätte sie es getan, dann hätte das Arbeitsbeschaffungsprogramm f o f o r t verwirklicht werden können. Es ist nicht angängig, daß bei allem, dem Grundbesitz entgegengebrachten Interesse Besitzungen nur dadurch gehalten werden können, daß sie alljährlich durch staatliche Mittel wieder flottgemacht werden. Vielmehr müssen die morschen Gebilde verschwinden, um nachgeborenen Bauernsöhnen durch Siedlung eine Existenz- Möglichkeit zu geben. Man ist Schlagworten zum ■ Opfer gefallen. Wehe aber, wenn mit der bäuerlichen Siedlung nicht bald begonnen wird. Man macht bann .eine Stimmung, die dem Großgrundbesitz sehr gefährlich werden kann. Die Geschichte wird zeigen, daß das Kabinett Papen etwas zu früh gewechselt hat. Ich hätte mich mit einer Umbildung zur nationalen Seite hin abgefunden, hätte aber diesem Kabinett niemals angehört, da es eine Täuschung der Massen gewesen wäre. Klare, offene und loyale Politik, so wie wir sie betrieben, wird immer Den Wert behalten, wogegen Täuschung noch nie in der Geschichte der Völker als Politik Geltung hatten. In Liegnitz bemerkte Brüning, über das A b - kommen oon Lausanne und über die Verhandlungsführung könne er sich nicht äußern. Was in Lausanne zustandegekommen sei, werde beanstandet von Der Presse, als Deren Wortführer Der Reichskanzler v. Papen sich bezeichne. Wenn vor Der Reparationskonferenz ein Regierungswechsel erfolgen Durfte, Dann hätten mindestens d i e Nationalsozialisten die Verantwortung klar und deutlich übernehmen müssen. Die Regierung Popen lasse den Nationalsozialisten zwar die Möglichkeit, starken Einfluß auf die Geschäftsführung zu nehmen, aber trotzdem die Opposition der Unentwegten weiter zu betreiben. Das Zentrum werde aber im neuen Reichstag diese Taktik zu durchkreuzen wissen. Das Abkommen von Lausanne müsse von den Rechtsparteien mit angenommen werden. Die Mmeichnma des Lausanner Abkommens. Der deutsche Außenminister Frhr. o. Neurath unterschreibt. In der Mitte des Konferenztisches der englische Premierminister Macdonald. Oampfkeffelexplosion aufeinemBerlinerVergnügungsdampfer. Fünf Tote. - Zehn Schwerverletzte. TU. Berlin, 10. Juli (Funkspruch.) Am Sonntag gegen 9 Uhr ereignete sich auf dem Ausflugsdampfer „Sperber“ der Reederei Koloff am Charlottenburger Ufer auf der Spree ein schweres Unglück. Auf dem Dampfer, der an der Laprivi- brücke angelegt hatte, um Fahrgäste für eine Fahrt nach den haoelfeen aufzunehmen, explodierte aus noch unbekannter Ursache der Kessel. Von den an Bord befindlichen etwa 90 Ausslüglern wurden 3 5 verletzt, darunter 14 schwer. Bei den Verletzungen handelt es sich größtenteils um Verbrühungen. Der Heizer trug so schwere Verwundungen davon, daß er bald nach seiner Ueberführung ins Krankenhaus st a r b. von den Schwerverletzten sind inzwischen noch vier verschieden. Schon drei Minuten nach dem Unglück war der erste Feuerlöschzug an der Unglücksstelle, so daß den Verletzten sehr bald Hilfe zuteil wurde. Feuerwehr und Polizei holten die verwundeten von dem Dampfer herunter und brachten sie in das in der Röhe befindliche Krankenhaus bzw. zu den Unfallstationen. 14 verletzte mußten im Krankenhaus bleiben. Die übrigen konnten nach ärztlicher Hilfeleistung ihre Wohnungen aufsuchen. Ueber das Befinden der Schwerverletzten läßt sich im Augenblick Genaues noch nicht sagen. Wie das Unglück geschah. Zu dem Unglück sind noch folgende Einzelheiten zu melden: Der Ausflugsdampfer hatte am Anlegesteg in allernächster Nähe der Caprivibrücke festgemacht, um die Fahrgäste für einen Sonntagsausflug ins Havclgebiet zu übernehmen. Infolge Des außerordentlich schönen Wetters fanden sich auch zahlreiche Fahrgäste ein. Wenige Minuten vor der Abfahrt, als etwa 100 Fahrgäste, meist Familien auf dem Dampfer Platz genommen hatten, erschütterte eine s ch w e r e D e t o n a t j o n das Schiff- Gleichzeitig schossen aus dem Kesselraum dichte Dampfwolken hervor. Der Fahrgäste bemächtigte sich eine Panik, die noch durch die Hilferufe der zahlreichen Verletzten verstärkt wurde. Glücklicherweise benachrichtigten am vifer befindliche Personen sofort die Feuerwehr und di- Polizei. Schon wenig- Minuten Wer herrschte auf den um diese Zeit sonst so stillen Uferstraßen regstes Leben und Treiben. Schon Drei Minuten nach der ersten Meldung traf Die Feuerwehr ein. Der nur wenig spater Polizei- wagen unD Rettungswagen mit Aerzten unD Sanitätern folgten. Den vereinten Anstrengungen Der Feuerwehrleute, der Polizisten und oamtater ist es zu danken, daß die Verletzten schnellstens dem in der Nähe befindlichen Krankenhaus bzw. Den UnfaUftationen zugeführt werDen konnten. EntslehungSursache noch ungeklärt Die Ursache Des schweren Unglücks laßt sich zur Zeit noch nicht ermitteln. Da Die dafür zuständige Behörde keinen Dienst hat. Die Untersuchung wird am Montagfrüh durch das Gewerbeaufsichtsamt ausgenommen werden. Cs wird eine genaue Nachprüfung durch Sachverständige des Dampfkessel-Ueberwachungsvereins vorgenommen werden. Bei den Toten handelt es sich um ein Ehepaar namens Siegfried und Else Löllbach und um ein Fräulein Erika Arnd. Der getöte Heizer heißt Ernst Schulz; der Name des fünften Toten ist noch nicht ermittelt. Wie die Telegraphen-Union noch ergänzend erfährt, schweben einige der Schwerverletzten in Lebensgefahr. Schwere Hochwasserschäden in Südbayern. Die Stadt Kaufbeuren von der Ueber- schwemmung bedroht. München, 11. Juli. (WTB. Funkfpruch.) Infolge Der starken Regengüsse Der letzten Tage führte die Wertach ein derartiges H o ch w a f s e r, daß Die StaDt Kaufbeuren schwer bedroht wurde. Die Mechanische Spinnerei und Weberei stand vollständig unter Wasser. Gestern gegen mittag wurde von der Stadtpfarrkirche Sturm geläutet, da ein Teil des Wehrs von Den Fluten fort- gerissen morDen war. Durch Errichtung oon NotschutzDämmen konnte ein weiteres Einbrechen Des Wassers verhindert werden. Auch in der Umgebung oon Kaufbeuren sind Hochwasserschäden zu verzeichnen. So wurde die alte Holzbrücke in Pforzen in dem Augenblick eingerifsen, als sie ein Hütejunge passierte. Der Junge wurde von den Fluten fortgerissen, konnte jedoch später gerettet werden. Die Bahndämme der Eisenbahnlinie Kaufbeuren-Füssen und Kaufbeuren—Lechbrück find unterspült; der Verkehr mußte teilweise unterbrochen werden. Die heftigen Regengüsse der letzten Tage haben auch in anderen Gegenden Südbayern wieder schwere Schäden angerichtet. Bereits am Samstag waren auf dem bayerischen Allgäu in der Gegend von Kempten und Memmingen schwere totale Ueberschwemmun- g e n infolge des mehr als 30ftünbigen Dauerregens gemeldet worden. In Bad Tölz drangen im Stadtteil Gries die Wassermengen in die Häuser ein. Das Wasser stand strichweise bis zu einem Meter hoch in den Wohnungen, so daß die Häuser da und dort von den Bewohnern geräumt werden mußten. Die zu reißenden Strömen gewordenen kleinen Bäche offen große Mengen Bretter, Erdreich usw. fort. Da Die Wasserflut bei Nacht ausbrach, wurde Der Schrecken Der betroffenen Einwohnerschaft noch erheblich gesteigert. Auch in der Gegend von Ro- senheim hat sich wieder eine schwere Wetter- katastrophe ereignet. In einer Länge von mehr als fünf Kilometern setzten sich in den Abendstunden des Samstags und um Mitternacht zum Sonntag nach gewaltigen Regengüssen die 50 Meter hohen Dämme Der Jnnleite bei Leonhardspfinzen in Bewegung. TausenDe von Kubikmetern Erdreich stürzten in die Tiefe, Bäume und Strauchwerk mit sich reißend. Besonders schlimm sind Die Verheerungen, Die Der ErDrutsch in Der Umgebung des Schlosses Jnnleite, das von Den Geröllmafsen und herabstür- zenden Bäumen schwer beschädigt wurde, angerichtet hat. Die Gemeinde Stephankirchen schätzt ihren Schaden allein auf 100 000 Mark. Das Wasser ist im Laufe des Sonntags um kaum fünf Zentimeter gefallen. ÄeichsbankprWent Dr. Luther über das Ergebnis von Lausanne. Kiel, 10. Juli. (WTB.) Reichsbankpräsident Dr. Luther sprach im Weltwirtschaftsinstitut Der Universität über das Ergebnis der Lausanner Konferenz. Die deutschen Vertreter hätten" in Lausanne das Bestmöglichste herausgekämpft. Das deutsche Volk müsse nun auf dieser Grundlage weiterbauen. Ein Abbruch der Verhandlungen hätte für Deutschland ernste Folgen nicht nur auf wirt- schaftlichem, sondern auch auf politischem Gebiet gehabt. England stand in vollem Maße auf unserer Seite. Hätten wir den letzten Vorschlägen unsere Zustimmung versagt, so hätten wir ohne Zweifel ganz allein in der Welt Dagestan- Den. Die Ursachen für Die Weltwirtschaftskrise feien vielleicht noch nicht völlig beseitigt, aber Die Vor- aUmsetzungen zu ihrer UeberminDung seien jetzt geschaffen. Lausanne sei der Schlußpunkt einer großen Entwicklung. Die großen staatsmännischen Fähigkeiten, die Der frühere Reichskanzler Dr. Bru- ning gezeigt habe, hätten Die Grundlage geschaffen, auf denen die jetzige Reichsregierung ihre Schritte in Lausanne Durchführen konnte. Das deutsche Volk habe in einer Not ohnegleichen oer- standen, Durch seine berufenen Vertreter eine Politik zu führen, Deren Ziel es immer war. Das Volk Der endgültigen Freiheil zuzuführen. Es werde jetzt vielleicht ein neuer Geistes- kampf um das Goldproblem einfetzen. Er hoffe nur, Daß Die Verantwortlichen genau prüfen, ob Die Illusionen Der Währungsreformatoren strengster Nachprüfung bestehen könnten. Eine Binnenmarktpolitik mürbe zu einem völligen Außenhandelsmonopol führen. Das Gold als Währungs- grunDlage mache uns nicht abhängig vom Ausland, sondern im Gegenteil unabhängig, weil es von fremden Regierungen nicht manipuliert werden könne. Autarkie in Dem Sinne, daß man seinem Volke soviel wie möglich aus dem eigenen Laden geben wolle, fei notwendig. Wenn man sich jedoch vom Auslände mit Gewalt ad- sperre, so würde diese Autarkie zu einer bewußten und gewollten Herabsetzung der Lebenshaltung Des Deutschen Volkes und zur Vernichtung vieler vorhandener Werte führen. Die Devisenbewirtschaftung werde ein Ende haben, wenn Der Run, Der feit Juli 1931 auf Deutschland eingesetzt habe, zu Ende sei, dH. wenn sich Die Einleger über Die Lage in Deutschland wieder beruhigt hätten. preffestimmen aus England. London, 10. Juli. (WTB.) News Chro- nicke sagt, das Bravo Dr. Schachts entspreche zweifellos dem Gefühl der Erleichterung bei der überwiegenden Mehrheit der Deutschen. In Lausanne sei weder für England noch Frankreich noch Deutschland ein Sieg erfochten worden, sondern für die ganze Welt. „Daily Telegraph" ist der Auffassung, daß die extremen Nationalisten in Deutschland den Reichskanzler abfällig kritisieren, „weil er den an Deutschland hängenden Mühlstein durch einen Rettungsgürtel ersetzt habe". „Morning Post" schreibt: nur die Anhänger Hitlers protestieren dagegen, daß Deutschland einen neuen Schuldschein unterschrieben hat. Aber da kein Datum für die neuen Zahlungen festgesetzt ist, und da diese nur einen winzigen Bruchteil der ursprünglichen Schuld darstellen, dürfte dieser Protest von den Aeußerungen der allgemeinen Zufriedenheit übertönt werden. Times meint, im Grunde genommen wird von allen politischen Parteien Deutschlands begriffen, daß die Beseitigung des Wortes „Reparationen' aus dem internationalen Wörterbuch in der kurzen Frist ton nur zwei Jahren, nachdem ihre Lebensdauer auf 59 Jahre festgesetzt worden war, einen ungeheuren Gewinn bedeutet. Eine Erklärung der NSDAP, über die Kaiserhof Rechnung. München. 9. Juli. (CNB.) Die Pressestelle Der NSDAP, teilt mit, Die von Der „Welt am Montag' veröffentlichte Kaiferhof-Rechnung sei niemals 'll Dolf Hitler o De r irgendeinem seiner Beauftragten vom Hotel Kaiser Hof übergeben worden. Sie existiere weder im Original noch im Duplikat. Der Adjutant Adolf Hitlers, Rudolf Heß, auf dessen Namen die gefälschte Rechnung der „Welt am Montag" ausgestellt worden sein soll, hat bereits vor Wochen gegenüber Dem Amtsgericht Nürnberg eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, daß erniemalsdiese Rechnung oder eine Rechnung von Derartiger Höhe vom Hotel Kaiserhof erhalten habe. Die Adolf Hitler in Den MunD gelegte Aeußerung gegenüber feinem Adjutanten: „Wenn Du Das mit Deinem Namen Deckst, Dann unterschreibe ich!" ist eine ledig- Nachdruck verboten! Paris, 11. Juli. (IDIB. Funkspruch.) Jlad) einer Meldung des „Malin" aus Cherbourg berichtet ein Taucher des „Artiglio", er habe festgestellt, daß zwei Dichtungstüren des Unterseebootes „Promethse" nicht geschlossen seien, somit der Beweis erbracht sei, daß das ganze Boot voll Wasser gelaufen sein dürfte. Die Schotten hätten wahrscheinlich nicht mehr rechtzeitig geschlossen werden können, zumal das Boot innerhalb 30 Sekunden gesunken sein soll. An einer der nicht geschlossenen Dichtungstüren will der Taucher die Leiche eines Mitgliedes der Besatzung eingeklemmt gesehen haben. Rach einer Auslassung der Marinebehörde soll e- nahezu unmöglich sein, das Boot zu heben oder wieder flott zu machen. Auf seine Klopfzeichen erhielt er auch jetzt keine Antwort. Er stellte fest, dah es möglich ist, am Bug unter das Wrack zu gelangen, vielleicht können dort Hebeketten angeseht werden. Die Lage des gesunke- nen Unterseebootes ist nunmehr durch vier Bojen kenntlich gemacht. Lin französisches Unterseeboot ist mit ab- In Kreisen des Marineministeriums ist man ziem- lich pessimistisch in bezug auf den Erfolg der Hebungsarbeiten des U-Bootes. Man hebt hervor, daß man nützliche Arbeit nur etwa zwei bis drei Stunden täglich leisten könne wegen der Flut, der Brise und besonders der Strömung, die sogar in den günstigen Augenblicken eine Stundengeschwindigkrit von 7 Knoten erreicht. Immerhin könnten die Arbeiten. die mit größtem Eifer betrieben werden, doch eine Ueberraschung bringen, und solange sie andauern, brauche man nicht die Hoffnung aufzugeben. * Dem „Temps" wird aus Cherbourg gemeldet, daß der Befehlshaber der „Promethäe" erklärt habe, sein Boot sei n o ch gar nicht für Tauchoersuche ausgerüstet gewesen. Der Befehlshaber sagte weiter, er glaube an einen Unfall, der durch die Maschinen oder die Ausrüstung des U-Bootes zufällig hervorgerufen wurde. in der Rahe der Anglücksstelle getaucht, um seinem Mikrophon die Geräusche unter Wasser zuhören. 4 Sortlc" j. Das französische Ll-Bootunglück Andauernde Rettungsarbeiten. — Kein Lebenszeichen von der Besatzung. Mutmaßungen über die Ursache der Katastrophe. Adele Sturm muhte sich einen Augenblick fest gegen die Wand lehnen. Wenn sie auch niemand auf der großen Welt liebte, außer chrem Sohn, halte sie für den Stiefbruder doch manchmal ein so mattes Gernhaben empfunden. Weil er immer sehr entgegenkommend gewesen, ihr am Geburtstag und zu Weihnachten Geschenke gemacht und stets eine offene Börse für sie gehabt. Auch hatte er Werner in seinen Studienjahren reich unterstützt, war auch gegen ihren Mann schon sehr gefällig gewesen. Was diese Frau an Trauer zu empfinden imstande war, das empfand sie in diesem Augenblick. Werner legte liebevoll den Arm um sie. „Mutter, komm, Franz soll uns zu Lil führen, sie wird Trost nötig haben." Franz berichtete, nachdem er ein Zimmer vor den beiden geöffnet: „Das gnädige Fräulein ist vorhin aus einer Ohnmacht glücklich wieder zu sich gekommen, wie tot lag sie auch da neben dem Bett von Herrn Körner. Der Polizelkom- Missar ist eben erst fortgegangen." Die Baronin echote: „Der Polizeikommissar?" Werner sagte kurz: „Tröpfeln Sie uns doch nicht alles langsam ein, Franz! Wie ist mein Onkel gestorben?" „Herr Körner hat sich erschossen," kam die Antwort, der ein Aufschrei des Entsetzens aus dem Munde der Baronin folgte. Sie starrte den Diener groß an. Ohne, daß sie bisher das geringste gemerkt oder geahnt, was darauf schlle- hen ließ, wußte sie jetzt, nur große Bermögens- derluste konnten den Stiefbruder zu der Verzweiflungstat getrieben haben. „Führen Sie uns sofort zu dem gnädigen Fräulein", befahl Werner, „oder nein, melden Sie uns erst an, wir werden hier in diesem Zimmer warten." — Franz verneigte sich stumm und entfernte sich. Es war das Speisezimmer, das Franz vor den beiden geöffnet hatte. ©8 war noch angenehm warm hier, die Zentralheizung tat 6,ut ihre Pflicht. Die Baronin war auf einen Stuhl gesunken, sie flüsterte jetzt zu dem neben chr stehenden Sohne empor: „Ist das Geschehene g»^?^beu«r, ist es nicht furchtbar, 3d) bin ganz durcheinander von der gräßlichen Neuigkeit. Eduard hat sich erschossen! Siri Skandal!! 3d) schäme mich ent- lehucy. 3tjt Mitleid mit dem Stiefbruder war schon Dflü MM Ml. Original-Roman von Anny von panhuyü. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. Buhe war ja nur allerhöchste Aufregung gewesen. Auf feinen Armen trug Werner Sturm die kleine, zierliche Lil in ihr Zimmer, wo die Zofe Meta ihm behilflich war, sie ins Bett zu legen. Der Ohnmacht folgten siebrische Reden. Erst am Mittag des nächsten Tages klärten sich in Lils armem Kopf die wirren Gedanken. -Ihr Vater war inzwischen schon aufgebahrt worden und man sagte ihr, in einem Anfall von Geistesverwirrung habe ft zum Revolver gegriffen. Adele Sturm faß an ihrem Lager, sie hatte stillschweigend die Stelle der Hausherrin eingenommen. Sie befahl den Dienstboten in herrischem Ton, fühlte sich wohl in der großzügigen älmgebung. Lil verlangte den Vater zu sehen, und man durfte ihr nicht widersprechen, um sie nicht von neuem zu sehr aufzuregen. Ganz allein betrat sie den Raum, in dem man ihn aufgebahrt. Sie wollte keine Begleitung. inmitten des blauen Zimmers, das man so nannte, weil alle Möbelbezüge, die Teppiche und Wandbespannung in scharfem Blau gehalten waren, hatte man Eduard Körner aufgebahrt in kostbarem, filberbeschlagenem Sarg. Das traurige Lächeln schwebte noch um seinen Mund, das tieftraurige Lächeln, mit dem er in den Tod gegangen. Auf der wächsernen Stirn lag seltsam klare Ruhe, jene überirdische Ruhe, die man wohl noch nie auf eines lebenden Menschen Stirn gesehen. Kerzenschein spielte über das Totengesicht hin, mühte sich, ihm einen Hauch von warmem Leben zu geben. Aber es gelang nicht, das gelblich starre Gesicht behielt das Aussehen von Kälte und Fremdheit. Lil blickte wie staunend auf den Toten, und ihr war es, als wehe ihr von ihm ein Strom eisiger Luft entgegen. Sie verkrampfte die Hände in den Falten ihres Kleides. Es war ihr Vater nicht, der da vor ihr lag, es war eine seelenlose Hülle, aus der längst alles geflohen war, was ihn zu einem so liebenswerten Menschen gemacht. Nichts las man mehr auf diesem Antlitz von feiner Vatergüte, die war mit seiner Seele fortgeflogen in die Ewigkeit, wo die unsterblichen Seelen wohnen. Sie trat an das Fenster, sah flüchtig in den Garten hinab, über dem die Sonne lag und frühlingsfreudig ihre goldenen Strahlen über die noch kahlen Büsche und Beete des Vorgartens legte. So hell und licht war es draußen und so trübe und kalt hier in dem großen Zimmer. Lil durchschauerte es. Sie flüsterte leise, dabei zum Himmel emporschauend: „Vati, wo du auch jetzt bist in Wahrheit, schütze mich, wenn du es kannst, es. ist so schwer, ohne deine Liebe und Güte weiterzuleben." Sie blickte noch einmal scheu auf den Toten und schlich aus dem Zimmer. (Fortsetzung folgt.) verlangt. Ebenso sei ein Zusammenarbeiten mit französischen Kommunisten geplant gewesen. Zwei Morgen Getreidefeld verwüstet. Ein niederträchtiger Racheakt ist an einem Landwirt aus Andernach am Rhein verübt worden. Ein in schönster Frucht stehendes, zwei Morgen großes Weizenfeld wurde vollst ä n d i g v e r w ü st e t. Die unreife Frucht liegt zerschnitten und zertreten am Boden. Man führt die gemeine Tat auf politische Motive zurück. Der Geschädigte hat für die Namhaftmachung der Täter eine hohe Belohnung ausgesetzt. Bon kochendem Teer verbrüht. Ein furchtbares Unglück ereignete sich in der Nähe von Algier und kostete drei Eingeborenen das Leben. Ein Traktor mit einem Teerwagen fuhr eine abschüssige Chaussee hinauf, als der Leerwagen infolge Kettenrisses sich loslöste und mit großer Geschwindigkeit die Straße hinunterraste. Der Wagen stürzte um, wobei drei Eingeborne' verbrüht wurden und unter den entsetzlichsten Qualen starben. Vier andere erlitten lebensgefährliche Brandwunden. Sprengkörperexplosion in Bremen. 3m Bremer Stadtteil Gramke traf eine Polizeistreife auf einige Kommunisten. Sechs von diesen wurden fest genommen. Bei einem von ihnen wurde ein Sprengkörper vorgefunden. Der Sprengkörper explodierte plötzlich, wobei ein Polizeibeamter getötet wurde. Ein zweiter Beamter wurde am Bein verletzt. Die Rotlandung der amerikanischen Weltflieger. Nach den ersten Berichten über den Flugzeugunfall, der dem Weltflug der beiden amerikanischen Piloten ®riffin und Mattern ein vorläufiges Ende bereitete, sind die beiden amerikanischen Flieger 150 Kilometer südlich von der vorgesehenen Flugbahn abgewichen und haben die Stadt Borissow überflogen. Dabei löste sich ein Teil der Kabinenverschalung und zerschmet- tertedasSeitensteuer. Dadurch war eine Notlandung erforderlich. Das Flugzeug ging im Gleitflug über einen Wald und ver> uchte auf einem freiliegenden Gelände, das sich jedoch als Torfmoor erwies, niederzugehen. Die Maschine legte etwa 100 Meter über dem Moor zurück und geriet dann in einen tiefen Sumpf, wo sie sich überschlug. Arbeiter einer benachbarten Fabrik, die den Vorgang mit angesehen hatten, kamen sofort herbeigeeilt und organisierten die erste Hilfeleistung. Verhängnisvolles Spiel mit der Waffe. Der 16jährige Lehrling Paul Lehr, fein 12- lähriger Bruder Herbert und der 16-j^hrige Otto Wegener in Dortmund untersuchten gemeinsam einen Trommelrevolver. Plötzlich löste sich ein Schuß und Wegener brach schwer verletzt zusammen Paul Lehr, der sich die Waffe heimlich gekauft hatte, jagte sich in seiner Angst eine Kugel in die Schläfe. Tödlicher Unglücksfall beim Motorradrennen auf dem Sachsenring. Bei dem Motorradrennen auf dem Sachsenring im Grillenburgerwald, wo der dritte Laus zur deutschen Motorradmei st er schäft aus- getragen wurde, ereignete sich beim Rennen der Motorräder mit Seitenwagen ein tödlicher Tlnglücksfall. Der Beifahrer Siemens des Rennfahrers E l s m a n n wurde in der Kurve herausgeschleudert und zog sich so schwere Verletzungen zu, dah er an den Folgen starb. 6 Tote bei einem Autounglück in der Schwei;. Ein mit sechs Personen besetzter, von einem Kaufmann aus Sitten (Kanton Wallis) gesteuerter Kraftwagen kam bei der Fahrt das Eifischtal hinauf vom Wege ab und stürzte die tiefe B ö - schung hinab. Fünf der Insassen wurden auf öer Stelle getötet, der sechste Insasse erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Werner streichelte noch immer daS bloßde Haar, dem der sanfte und doch erfrischende Duft der Akazien entströmte, den Lil allen anderen Wohlgerüchen vorzog. Er sprach, sich zu ihr niederbeugend: „Es gibt wohl kein Trostwort, das stark genug wäre, dich schnell zu trösten, Lil, aber nimm die Versicherung, in Mutter und mir hast du zwei Menschen, die es gut mit dir meinen^ und dich liebhaben. Die dir helfen und dich stützen wollen in deiner Not." Die Baronin bekräftigte: „Ja, Kind, das wollen wir, vertraue uns." Sie war aufgestanden und zog sich einen Stuhl an Lils Seite, nahm die Hände des jungen Mädchens, fuhr wie beruhigend darüber Lil entzog ihr die Hände, es geschah gedankenlos, vielleicht nur aus dem Gefühl heraus, mit den Händen nach der Stirn greifen zu muffen, hinter der es hämmerte und bohrte. Aber Adele Sturm ärgerte sich darüber, daß ihr Lil die Hände entzog, doch schwieg sie. Erst wollte sie Gewißheit haben, wie es um die Vermögens- Verhältnisse des Toten bestellt war. Lil fand noch immer nicht die Tränen, die sie wahrscheinlich ein klein wenig von der großen Last befreit hätten, die sie trug, seit sie den geliebten Vater so starr und wächsern vor sich ge- M>en. Sie sprach stockend und mit bebender Stimme, die Worte kamen aus ihrem Munde, als bereite ihr jede Silbe davon Schmerzen. „3dj weiß nichts, gar nichts darüber, warum ^ti so von mir gegangen ist. Er hatte mich doch so lieb." Sie blickte mit verzweifelten Augen |u dem Manne auf. „Kannst du mir nicht er- klaren, Werner, weshalb Vati das getan hat?" Er erwiderte weich: „Nein, Lil, das kann ich dir auch nicht erklären, aber nun mach dich fertig und komm mit zu uns, Mutter und ich wollen dich nicht allein lassen diese Nacht." — Sie schüttelte abwehrend den Kopf. — „Ich bleifce bei meinem Vater, das geht doch gar mdjt anders. Ich war ohnmächtig und da trug man mich von ihm fort, aber jetzt will ich wieder zu ihm. Ich will ihn die ganze Nacht befragen, warum er mir das angetan hat. Vielleicht begreife ich dann bis morgen früh, was ich jetzt nicht verstehe." Es klang erschütternd. Werner trieb das Mit- leiö mit der armen Geliebten die Tränen in die Augen. „Wenn du uns nicht begleiten willst, dann bleiben wir natürlich hier bei dir, allein lasse ich dich jetzt auf keinen Fall." „3$ möchte aber allein mit dem Vater fein, möchte allein mit ihm reden", beharrte Lil und stand aus, ging zur Tür, als wäre sonst niemand im Zimmer. Mutter und Sohn folgten ihr. Am Fuß der Treppe aber brach Lil zusammen, ihre scheinbare kutta und Bagdad nach Deutschland zurückzukehren. Die Fliegerin Elli B e i n h o r n ist an Bord des Dampfers des Norddeutschen Lloyd, „Cape Norte", in Rio de Janeiro eingetroffen, wo ihr an der Landungsbrücke von der deutschen Kolonie ein herzlicher Empfang bereitet wurde. In Rio de Janeiro wird sie voraussichtlich dem „Cape Norte" mit einem Dornier-Wal- Flugzeug der dortigen deutschen Luftverkehrslinie, dem Con- dor-Shndikat, einer Tochtergesellschaft der Deut- schen Lufthansa, nach Bahia vorausfliegen, um t>ie dortige deutsche Kolonie aufzusuchen. Schwere Zusammenstöße im belgischen Streif gebiet. 3n den letzten Tagen ist es im belgischen Streik- gebiet mehrfach zu schweren Zusammen- st o h e n zwischen der Gendarmerie und den Streikenden gekommen. In Mons, Charleroi, La Louviere und anderen Orten mußte die Polizei mehrfach mit blanker Waffe gegen die Streikenden vorgehen. Bei den Zusammenstößen wurden fünf Gendarmen und neun Streikende zum Teil schwer verletzt. In Marchienne au Pont drangen Streikende gegen die Villa des Direktors einer Bergwerksgesellschaft vor unö setzten sie i n B r a n d. Die Gendarmerie konnte erst nach vieler Mühe die Ordnung wiederherstellen und die Ansammluna von etwa 6000 Streikenden auseinandertreiben. Auch hierbei gab es mehrere Verletzte. Zwölf Streikenden konnten v e r h a f - tet werden. Die Streikführer machen alle Anstrengungen, um die Bewegung auch nach Brüssel zu tragen, wo die Kommunisten mehrere Versammlungen unter freiem Himmel abhalten wollten, die jedoch von der Polizei auseinandergetrieben wurden. Die Regierung ist der Ansicht, daß die Streikbewe- guna einen revolutionären Charakter trägt. Die Gendarmerie im Unruhebezirk ist weiter verstärkt worden. Die Provinz Hennegau macht den Eindruck eines Landes unter Belagerungszustand. Die Staatsanwaltschaft hat gegen 13 kommunistische Streikagitatoren ein Verfahren wegen Aus - hetzung zum Bürgerkrieg eingeleitet. Die Betreffenden sind verhaftet worden. Zahlreiche wichtige Dokumente konnten beschlagnahmt werden, darunter eine umfangreiche Korrespondenz mit Moskau. Aus dem Material soll sich ergeben haben, daß es sich bei dem Streik um eine wohlvorbereitete Ak- tion handelt, bei der auch die kommunistischen Parteien anderer Länder mitherangezogen werden sollten: so habe die kommunistische Parteileitung in Brüssel von den Kommunisten Hollands die Ent- sendung von Gesinnungsgenossen zur Unterstützung lich durch den Prozeßbevollmächtigten beim Gericht verwendete Redewendung, die Adolf Hitler niemals gebraucht hat. Gevenngs Gruß an den „Vorwärts". Die Dcuischnationalcn fordern Rcichökommiffar für Preußen. Berlin, 10. Juli. (TU.) Unter der Heber- fchrift „Her mit dem Reichskommissar für Preußen!" beschäftigt sich der „Tag" mit dem Glückwunsch. den der geschäftsführende preußische Innenminister Severing dem „Vorwärts" bei seinem Wiedererscheinen nach fünftägigem Verbot hat zugehen lassen. In dem Glückwunsch Se- verings hieß es u. a.: „Ich stand über zehn Jahre in Amtsstellen des Reiches und Preußens und halte mich darum für befugt dem „Vorwärts" zu bescheinigen, daß er die Arbeiten der Regierungen des Reiches und Preußens stets nach besten Kräften gefördert hat. Wenn ein Matt dieser Art zum Feiern verurteilt ist — „verurteilt" in des Wortes verwegenster Bedeutung — dann ist das nicht nur eine Unbequemlichkeit der Leser, sondern auch ein Verlust für den Staat. Darum gerade beglückwünsche ich den „Vorwärts" zur wiedergewonnenen Freiheit, die ich mit ihm beharrlich verteidigen werde, well ich der Meinung bin, daß die Ausübung sachlicher, dem Staatswohl dienender Kritik nicht unterbunden werden darf, wenn anders Staat und Volk nicht den größten Schaden erleiden sollen." Zum Schluß seines Glückwunsches erklärte Severing, dah weder Drohungen radikaler Parteien noch Verbote von Parteizeitungen die kampfentschlossene organisierte deutsche Arbeiterschaft schrecken könnten. In seiner Stellungnahme dazu erklärt der „Tag" u. a.: „Der Gruß des preußischen Innenministers an die Zeitung „Vorwärts", die über den Instanzenweg seiner eigenen'Behörde verboten wurde, stellt einen Verstoß gegen den primitiven Grundsatz jeder Staatsführung von Autorität und Autoritätsgefühl dar, der einfach unfaßbar ist. Die Reichsregierung wird verstehen, daß durch diesen hier gekennzeichneten Vorgang nicht nur ihre eigene Autorität, sondern das staatliche Autoritätsprinzip überhaupt ins Mark getroffen wurde." Das Blatt knüpft daran die Annahme, dah der Reichspräsident die Reichsregierung veranlassen wird, durch Einsetzung eines Reichs- kommissats in Preußen Zuständen ein Ende au bereiten, welche die Anwendung des Artikels^ der Reichsverfassung zu ihrer Behebung kategorisch fordern. Don dem zurückkehrenden Kanzler erwartet der „Tag", dah er unverzüglich jene Aktivität einsetzt, die bisher an dem Reichsinnenminister von Gahl nicht anzuerkennen gewesen fei. Oie Kandidatenliste der Deutschen Volkspartei für Hessen Aassau. WSN. Frankfurt a. M., 9. Juli. In einer Wahlkreisvorstandssitzung der Deutschen Volkspartei wurde die Kandidatenliste im 19. Reichstagswahl, kreis Hessen-Nassau festgesetzt. An der Spitze steht . wiederum der bisherige oolkparteiliche Vertreter im Reichstag Chemiker Dr. Wilhelm F. Kalle (Frankfurt a. M.) Die Lifte enthält weiter die folgenden fünf Namen: Oberstudiendirektor Dr. Franz Becker (Kassel), Frau Stadtverordnete Marie R o e t h e r (Wiesbaden), Landwirt Friedrich Dinges X. (Bad Soden), Glasermeister Ludwig Schmidt (Kassel) und Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Lohmann (Weil- bürg). Verbot nationalsozialistischer Tages- zeitnngen in Hessen-Nassau. Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau hat die in Frankfurt erscheinende nationalsozia- listische Tageszeitung „FrankfurterVolks- blatt" sowie die in Wiesbaden erscheinende ebenfalls nationalsozialistische Tageszeitung „Wiesbadener Volksblatt", die im 3ahre 1932 bereits dreimal verboten worden waren und am 29. Juni d. I. wegen Beschimpfung der Polizei verwarnt wurden, wegen erneuter schwerer Beschimpfung der Polizei nunmehr auf die Dauer von zehn bzw. sechs Tagen verboten. Die Koalitionsgespräche in Hessen. WSN. Darmstadt, 9. Juli. Von führender Zentrums feite wird Wert auf die Feststellung gelegt, dah es entgegen den von verschiedenen Seiten aufgestellten Behauptungen weder zutreffend ist, dah wochenlange Verhandlung e n zur Regierungsbildung in Hessen geführt wurden, noch daß Prälat K a a s, der zur Zeit schwer erkrankt ist, in Darmstadt war. Aus aller Well. polizelaulo raff in einen Strahenbahuzug. 6 Schwerverletzte. Im Südosten Berlins ereignete sich ein schwerer Der kehr sunf all, bei dem eine Anzahl von Personen zum Teil sehr schwer verletzt wurden, darunter auch Kinder, die aus Treptow von einem Ferienaufenthalt zurückkehrten. Ein großer Ueberfalltoagen der Polizei, der von der Lustgartenkundgebung der Nationalsozialisten zurückkehrte, raste in voller Fahrt auf einen S t r a h e n b a hnz u g der Linie 3, der aus Treptow kam, auf. Der Zusammenstoß war so stark, daß der Ueberfallwagen stark beschädigt und ein Straßenbahnwagen in der Mitte durchgeknickt und aus den Schienen gehoben wurde. Mehrere Löschaüge der Feuerwehr waren beschäftigt, die beschädigten Fahrzeuge aus dem Wege zu räumen. Wie verlautet, sollen sechs Personen schw-r und zehn Personen leicht verletzt sein. Heber die Schuldfrage ist bisher noch nichts bekannt. Marga o. Etzdorf und Elli Beinhorn' auf der Heimreise. Die bekannte deutsche Sportfliegerin Marga von Etzdorf, die im April d. I. in Bangkok mit ihrem Flugzeug abgestürzt war, verlieh mit dem Flugzeug der Holländischen Luftverkehrslinie, die den regelmäßigen Dienst Amsterdam-Niederlän- disch-Indien versieht, Bangkok, um über Kal- erloschen, die eigene Person schien ihr bereite wichtiger. Werner seufzte heimlich. „Mutter, das ist doch alles Nebensache. Wir brauchen zunächst an gar nichts weiter denken als an Lil. Sie war mit ihrem Dater wie verwachsen. Wir müssen ihr beistehen, sie trösten. Sie darf die Nacht nichfhier im Hause bleiben. Wir haben ja daheim Platz genug.“ Er erhielt nicht gleich Antwort. Die Baronin überlegte. Dielleicht irrte sie sich doch, wenn sie als Grund zu dem Freitod ihres Stiefbruders Geldverluste annahm. Dielleicht waren seine Nerven überreizt? Dielleicht hatte er an einer Krankheit gelitten, die ihm zugeseht und die er forg- ältig zu verbergen gewußt? Vielleicht gab es onft noch einen Grund, der ihm die Waffe gegen td) selbst in die Hand gezwungen? Wenn er Lll ein reiches Erbe hin ter lieh, war es klug, sich jetzt mit ihr gut zu stehen. Sie war jetzt hilflos, würde sich anschmiegen, man konnte jetzt leicht die Herrschaft über sie gewinnen. Adele Sturm dachte noch weiter. Wenn Lil dann Werner heiratete, konnten die beiden hier in dem großen Hause zusammen wohnen und sie würde zu ihnen ziehen, in diesem Palast mitregieren. Lil besah keine besonderen Hausfrauentalente, sie selbst würde dann die Leiterin des grohen Haushaltes sein. Sie lächelte ein wenig. „Natürlich, Werner, muh ich mich Lils anneh. men, die Aermste tut mir in tiefster Seele leid." Die Tür öffnete sich und Lil trat ein. Sie ging nicht, sie wankte ins Zimmer. Werner schritt ihr entgegen, umfaßte sie fest mit beiden Armen. „Mein armes Mädelchen, mein liebes, armes Mädelchen, wir sind gekommen, um dir beizu- stehen." Er strich liebkosend über ihr weiches Coden- haar, führte sie zu einem Armstuhl, der neben einem kleinen Tisch stand. Lil sah geisterhaft bleich aus in dem schwarzen Äleiö, öcte sie vorhin angezogen, nachdem sie den bunten Kittel des Nasenzwerges abgeworfen. auf 2 blickte mit tränenlosen Augen zu Werner „Ich finde mich ja nicht zurecht", klagte sie mit verzweifeltem Ausdruck in der Stimme. „Warum hat denn Vati das nur getan? Cs ist ja unglaublich, unfaßbar. Wir haben noch keine Not und Sorgen gehabt, und er war doch eigentlich immer guter Laune." Sie wußte nicht, wie schwer ihrem atmen Batet in letzter Zeit die gute Laune geworden, die er zur Schau tragen muhte, damit niemand mihtrauisch wurde gegen die allgemein geachtete Dank „Körner & Sohn" und gegen seinen Inhaber. Aus der provinzialhauMadt. Gießen, den 11.3uli 1932. Härte. „Ein Messer wehet das andere, und ein Mann den anderen", heißt es in den Sprüchen Salo- monis, und in einer Zeit, die uns geruhsamer dünkt, als es die heutige ist, setzte bereits der weise Wilhelm Raabe hinzu: »Wir leben meinem großen Gedränge: es fehlt weder an Messern, noch an Männern, — wer aber vom besten Stahl ist. der kommt auch am besten weg." — Die kristallharte Art unseres Daseinskampfes erfüllt manchen mit Angst und Verwirrung, und das Gedränge unseres äußeren Daseins versuchen sogenannte Lebenskluge zu überwinden, indem sie lehren, den geistigen Menschen und die Schwin- gungen der Seele zu verachten. Rur die brutale Gewalt, der harte Stoß, der Faustschlag, das Riedertrampeln, das starre Gradauskämpsen schaffe, lehren sie, Raum im Gedränge, und nur solche Drutalilät, der Wille zur Gewalt, liehe aufwärts gelangen. Aber wenn sie aufwärts gelangen, wo sind dann, die Sterne geblieben? Hat man nicht den Sinn dafür verloren, setzte sich nicht die Brutalität wie ilnfraut im Herzen fest, erstickten nicht darunter der Sinn für die Sterne, für Freiheit und Freude, das Geistige und die feineren Beziehungen des Lebens? Hart gegen -enStre sein ist, für sich, ein Zug von primitivem Charakter. Der freimachende Ruf „Gesegnet seien unsere Sterne" kann nämlich nur dann aus dem Herzen quellen, wenn wir hart zuvörderst nicht gegen andere, sondern gegen uns selbst waren. Das deutsche Volk hat in gesunden Zeiten mit gesundem Sinn stets die materielle Brutalität gehaßt, aber das Herrische, das hart war gegen sich und gerecht und sich nicht mit anderen vermengte, stets geachtet. Es ist ein guter altgermanischer Zug, daß der Freie jedem anderen das Seine zubilligte, für sich auch nicht mehr verlangte, allerdings dieses Eigene mit allen Kräften wahrte. So wurde in einem freiheitlichen Gemeinwesen der Einzelne hart, aber elastisch und schneidend wie eine gute Stahlklinge. Das war nicht die brutale Massenhaftigkeit, die heute die Gassen beherrscht. Und wenn wir im Leben unseren Mann stehen, im Kampf der Meinungen und Existenzen beobachten, daß Zertreten den Zertretenden nichts nützt, sondern sehr wohl das Lebensrecht der andern sich bei aller hart-elastischen Verteidigung unseres Lebensrechtes anerkennen läßt, dann kommen wir zu der Erkenntnis, dah jedes unruhige und kämpfende Geschlecht dann verdirbt, wenn die Härte zur Brutalität der Masse Mensch wird. Die Erlebnisse von Freud und Leid, das Lernen und die Freude am Gelernten, das Formen an der eigenen Persönlichkeit, sie bringen den harten und freien Menschen, der nicht im Kampf um materielle Dinge allein den Sinn dieses Lebens sieht und diesen Dingen untertan würde oder gar der Massenbrutalität sich unterwirft. Der Freie liebt und kennt beide Welten, die der Kampfstrahe und die der Sterne. „Sieh' nach den Sternen! Gib acht auf die Gassen!" lehrt Wilhelm Raabe. Sind wir von gutem Stahl, der sich nicht abwehen läßt, dann wird uns die Gasse nicht imponieren, aber jeder gewordene und in sich selbst ruhende Mann, der weiß, dah Gasseirbrutalität diese Welt nicht zu regieren vermag, ist unseresgleichen. rt. Langemarck-Feier der nationalsozialistischen Studentenschaft. Auf dem Gleiberg versammelten sich am Samstagabend zahlreiche Gießener Studenten zu einer Langemarck-oeier, die einen würdigen Verlauf nahm. Schon am Nachmittag flatterte die Flagge der Nationalsozialisten vom Turme der Burg auf Halbmast. Bei Einbruch der Dunkelheit begann die Gedenkfeier im Burghöfe mit einem Marschlied der Musikkapelle. Dem Liede „Wir treten zum Beten", vom Turm geblasen, dem alle Teilnehmer in andächtiger Stille lauschten, folgte ein Vorspruch, dec die Hewentat derer, die bei Langemarck fielen, lebendig werden ließ. Nach dem Liede „Ich hott' einen Kameraden" hielt der Vorsitzende der Gießener Studentenschaft, Edler v. Graeve, die Gedenkansprache. Langemarck, so führte er u. a. aus, fei nicht nur ein Erinnerungszeichen für unsere Generation allein. Langemarck sei ein Flammenzeichen, das mit Worten nicht geschildert werden könne. Die Opfer von Langemarck konnten nur Deutsche bringen, nur der Deutsche könne streiten für abstrakte Begriffe. Er sei nicht unterzukriegen, wenn er sich seiner Kraft bewußt sei. Der Deutsche fei nicht der Mensch eines „Typs", der Deutsche sei eine Faustnatur. Weich und empfänglich für alles Schöne und Gute, sei er, hart aber auch, wenn der furor teutonicus über ihn komme. So stünden die Toten vor unserer Erinnerung: begeistert und hart — bereit, freudig in den Tod zu gehen, um eines hohe Zieles willen. Alles haben sie gegeben, geopfert für Volk und Vaterland. Der Geist von Langemarck aber gestaltete das Opfer. Sie wußten, daß die Heimaterde ein Etwas ist, dem sie alle mit dem Geiste und der Kraft des Blutes verbunden waren. Das Lied der Deutschen, das sie sangen, als sie in den Tod stürmten, klinge über uns alle hinweg, das Lied „Deutschland, Deutschland über alles!" sei Gebet geworden. Der Geist jener Toten lebe auch heute mehr denn je, denn wieder seien junge Menschen bereit, ihr Leben zu geben für dieses Reich und Vaterland. Die Opfer, die die Gegenwart fordere, seien für das kommende Reich. Die Nationalsozialisten würden siegen in diesem Kampf. Der Sieg werde die Erfüllung sein für die Opfer der Toten von Langemarck. Man spreche um Langemarck, man weine um Sange« mord, uns bleibe das Vermächtnis, den Gedanken an das Reich ooranzutragen. Der Erfolg müsse der kämpfenden Jugend gehören und erst wenn er errungen fei, dann fei der Geist von Langemarck erfüllt. Lebhafter Beifall und das gemeinsam gefangene Deutschlandlied beschlossen die Ansprache. Die Dunkelheit war inzwischen völlig herein- gebrochen und die Sterne standen klar am Himmel, als auf dem Turme rote Flammen aufzuleuchten begannen, deren Licht die wehende Flagge zu glutvollem Leben erweckte. Opferfeuer für die Toten von Langemarck! Raketen zischten zum nächtlichen Himmel empor und gossen für kurze Sekunden hellen Glanz über Burg und Burghof. Gedichtvorträge, die siegesgewiß und vertrauend in die Zukunft wiesen, breiteten großen Ernst über die Versammelten. Sprechchor und Musik füllten weiter den Abend. Ein loderndes Feuer wurde entzündet. Mit dem Horst- und Wessel-Lied fand der Abend feinen Abschluß. 25 Iahte Kavallerie-Verein Gießen. Am Samstag beging der Äa oa 11 e r i e • 23 e r • ein Gießen in würdiger, von echtem Kamerad- fchaftsgeist getragener Weife die Feier feines 25jährigen B e st e h e n s. Im Verlaufe des Nachmittags ehrte der Vorstand das Gedächtnis an die 32 gefallenen und verstorbenen Kameraden durch Kranzniederlegunkf auf dem Neuen Friedhof. Abends fand im vollbesetzten und schöngeschmück- ten Saale des Cafä Leib ein Festabend statt, dessen gehaltvoller Verlauf in der Geschichte des Vereins einen ehrenvollen Platz einnehmen wird. Nach flotten musikalischen Darbietungen von Mit- gliedern unserer Gießener Reichswehrkapelle sprach Sri. Preis einen Prolog, in dem der Sinn und Zweck des kameradschaftlichen Zusammenschlusses in dem Verein gefeiert wurde. Hierauf hielt der Vereinsvorsitzende Ernt Hartmann die Begrüßungsansprache, in der er nach herzlichen Worten an die zahlreichen Ehrengäste und Kameraden mit Genugtuung feststellen konnte, dah alle Hoffnungen, die man einst bei der Gründung des Vereins hegte, im Verein und in der Gemeinschaft mit dem Waffenring der Deutschen Kavallerie in Erfüllung gegangen find. Der Verein, dessen Mitglieder sich aus allen Ständen und Berufen zusammensetzen, stehe fest gefügt in echter Vaterlandsliebe und kameradschaftlicher Treue da und stelle stets seine Kraft in den Dienst der guten Sache, die mit der Vereinsarbeit vertreten werde. Er dankte zum Schlüsse den Gründern und den Kameraden, die dem Verein stets unentwegt die Treue hielten, und forderten sie auf, auch fernerhin treu zur Standarte und den Zielen des Vereins zu stehen. Sodann hielt der Vorsitzende des Waffenrings der Deutschen Kavallerie, Kam. Th. Schröder (Bochum), die Festrede, in der er zunächst die sol- datische Kameradschaft innerhalb der Militärvereine im allgemeinen und zugleich die traditionsgemäße kameradschaftliche Verbundenheit in der deutschen Reiterei im besonderen feierte. Auf dieser Grundlage sei bisher an der Ausbreitung und Vertiefung der Vaterlandsliebe und der Tradition der alten Armee gearbeitet worden. Dieses hohe Gedankengut müsse auch weiterhin für alle Kameraden als Führer und Leitstern bewahrt werden, damit einst das deutsche Vaterland aus seiner jetzigen Ohnmacht und Knechtschaft wieder zu neuer Größe und Herrlichkeit erhoben werden könne, damit sich der Kyff- häuser-Geist wieder entfalte, nicht zu einem Rachefeldzug und zu neuen Kriegen, sondern zu dem Wiederbeginn eines Zeitalters wahrer innerer Einigkeit und Freiheit. Nach dem Treugelöbnis, im Geiste der gefallenen Kameraden weiterhin auf den bewährten Bahnen der alten Armee zu arbeiten, forderte der Redner für das deutsche Volk das Wehr- recht als Ehrenrecht, falls das Ausland uns auf dem Wege der Abrüstung nicht folge. (Lebhafte Zustimmung.) Die Welt müsse wieder Respekt vor dem alten deutschen Soldatengeist gewinnen, durch den unser Volk groß geworden sei und der uns weiterhin erhalten bleiben müffe, um das deutsche Vaterland wieder zur Höhe emporzuführen. (Stürmischer Beifall.) Nach zwei Gesangsvorträgen des Gesangvereins yßiebertrany unter der Leitung von Musiklehrer Wilhelm Schüttler, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden, nahm der Dereinsvorsitzende die Ehrung der Vereinsgründer vor. Mit dem Verdienst kreuz für 25jährige Mitglied- K wurden folgende Mitglieder ausgezeichnet: Becker, Wilhelm Söll, Ferdinand Even, Johannes George, Fritz Groß, Hans Keit- 3er, Hermann Kreie, Wilhelm K u tz f ch r a d , Heinrich Kümmel, Wilhelm Maisch, Wilhelm Mühl, I. Fr. Müller, Kommerzienrat Ad. Noll Karl P a r r, Hans Preiß, Georg Sch ä- f e r, Ludwig Schäfer, Otto Schmidt, Gustav Schneider, Albert W l o d a r e ck, Gg. Wald- fchmidt, Heinrich Bachmann, Karl Den- hardt, Heinrich Hederich, Wilhelm Mank, Heinrich P r eu ß e r, Karl Sommer, Wilhelm Schaum, Johannes Weitzel, Dippel, Knobel und S ch i e f e r ft e i n. Hierauf zeichnete Kam. Schröder-Bochum namens des Waffenrings der Deutschen Kavallerie die Kameraden Ernst Hartmann (Vorsitzender), Wilhelm Döll, Kommerzienrat Noll, Karl D e n h a r d t, Johannes George und Georg Schäfer für ihre Verdienste um den Verein und die Förderung der Ideale des Waffenrings durch die Verleihung des Mackensen-Kreuzes 1. Klaff e aus. Der Gießener Dereinsoorfitzende Kam. Hartmann ehrte sodann den Kameraden Schröder- Bochum im Auftrage des Vereins durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft. Glückwünsche an den Jubilarverein ließen der Reiterverein Dillenburg, die Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine Gießen, der Artillerieverein Gießen, der Gardeverein Gießen, der Marineverein Gießen und der Kriegerverein Leihgestern, sowie die Damen des Bereins übermitteln: dabei wurden dem Berein Fahnennägel, vom Marineverein ein Bild des Admirals Scheer und von den Damen des Bereins ein silberner Jubiläumskranz als Angebinde überreicht. Mit herzlichen Dankesworten für alle Ehrungen sand dieser Teil des Abends seinen Abschluß. Im weiteren Verlaufe erfreute der Gesangverein „Liederkranz" unter seinem Chormeister Schüttler noch durch den Vortrag einiger Lieder. Sodann brachten die Damen Hofmann, Kolbe, Preis und W l o d a r e ck ein Gesangsstück „Die schneidige Kavallerie" zum Vortrag, schließlich erfreute noch eine Mintärhumo- reske die Besucher in bester Weise. Alle Darbietungen wurden verdientermaßen mit lebhaftem Beifall belohnt. Flotte musikalische Darbietungen der unermüdlichen Militärmusiker leisteten dann zum Tanz als Ausklang des in allen Teilen schönen und genußreichen Abends über. Vornotizen. — Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Banhofstraße: „Frau Lehmanns Töchter". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg 20.30 Uhr, Lichtbildervortrag über die Heilstrahlen „Radium". * *• Wascht das Obst! Eigentlich soUte sich die Mahnung „Wascht das Obst" erübrigen, denn für viele wird es eine Selbstverständlichkeit bedeuten, Obst vor dem Genüsse zu säubern. Dennoch kann man oft genug sehen, daß Leute mit ihrer Tüte durch die Straßen gehen und die Kirschen daraus verzehren, also nicht abwarten können, bis sie die Möglichkeit haben, die Früchte zu waschen. Ganz abgesehen davon ist auch mit dem sofortigen Verzehren des Obstes auf der Straße die Ansitte verbunden, glitscherige Obst- kerne auf den Boden zu Wersen, so daß das eilige Verzehren nicht nur den Genießenden, sondern auch ihren Mitmenschen Gefahr bringen kann. Bakteriologische Untersuchungen an verschiedenen Obstsorten, wie solche an den Verkaufsständen in den Straßen feilgeboten werden, haben ergeben, daß das sterilisierte Wasser, mit dem die Früchte gewaschen wurden, eine ganze Dlütenlese von Bakterien enthielt, unter denen sich einige recht gefährliche befanden. Die Zahl schwankte je nach dem Reinlichkeitsgrad der Früchte zwischen 68 000 und 3 200 000 Keimen im Kubikzentimeter. Beim zweiten Waschen ergaben sich noch 7000 und 20 000 Keime, und nach dem dritten Reinigen immer noch zwischen 3000 und 7000 Keime. Die Zahlen zeigen deutlich genug, wie notwendig es ist, das Obst vor dem Genuß gründlich mit Wasser zu reinigen. **E in Einbruch wurde in der Nacht zum Samstag in das Schuhlager von Blum, Bahnhofstraße 66, verübt. Die Spitzbuben nahmen etwa 20 Paar Herren-, Damen- und Kinderschuhe mit. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Oderheffen. SOZahre Kirchengesangverein Londorf. ch Londorf, 11. Juli. Aus Anlaß des 50jähri> gen Bestehens des Evangel. Kirchengesangvereins Londorf hatte der Jubelverein die Kirchengesangvereine des nordöstlichen Teiles des Dekanats Gießen und einige befreundete Vereine in unsere Gemeinde eingeladen, Der Einladung waren die Vereine zahlreich gefolgt. Auch die hiesigen Vereine, der Arbeitergesangverein „Union“ und der Män- nergesangverein „Frohsinn", zeigten ihre Verbundenheit mit dem Jubelverecn und wirkten mit. Das Fest begann mit einem Gottesdienst in der geräumigen Kirche. Lehrer T r i n k a u s eröffnete mit einem Orgelvortrag die Feier. Pfarrer Hilbert (Winnen) hielt die Festpredigt, die auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Ein Massenchor von etwa 250 Sängerinnen und Sängern, geleitet von Lehrer T r i n k a u s trug mit dem Vortrag der Choräle „Komm, heiliger Geist, erfülle mich" von Frank und „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" nach Dach zur Bereicherung des Gottesdienstes bei. Gemeindegesang beschloß die Feier. Die ansehnliche Kollekte kommt der Kirchengesangvereinsarbeit zugute. Rach einer Pause, bei der die auswärtigen Festteilnehmer Gäste der hiesigen Familien waren, begann um 16 Uhr in der großen Dolkshalle die Rachversammlung. Dach der Eröffnung durch Vortrag des hiesigen Posaunenchores und eines Massenchores der Sänger und Sängerinnen hielt zunächst der Ortsgeistliche, Pfarrer Düh- ler die Begrüßungsansprache. Er hieß im besonderen willkommen den Superintendenten für Oberhessen Oberkirchenrat v. Wagner (Gießen), den Vertreter des hessischen Hauptvereins, Dekan Zimmermann (Darmstadt), den ehemaligen Vorsitzenden und Dirigenten, Lehrer Schäfer (Reichelsheim i. d. Wett.), den ehemaligen Dirigenten, Lehrer S t ö h r (Londorf), die Gönnerin der Frauenvereine in der Rabenau, Freiin Ernestine von Rordeck zu Rabenau, und die zehn noch lebenden Gründerinnen und Gründer. Aus seinem kurzen Ueberblick über die Dereins- geschichte sei erwähnt, daß der Verein im Jahre 1882 von Pfarrer Weber gegründet und von Lehrer L a ub i n g e r als dem ersten Dirigenten geleitet wurde. Auch der Baron Karl von Rordeck zu Rabenau war dem Verein ein eifriger Förderer. Oberkirchenrat D. Wagner überbrachte Grüße von Prälat Dr. D. Diehl (Darmstadt) und kennzeichnete die Aufgaben der Kirchenchöre, die darin bestehen sollen, Freude und Gottvertrauen in die Gemeinden hineinzutragen. Dekan Zimmermann (Darmstadt) grüßte im Ramen des Hauptvorstandes. Für das Dekanat Grünberg beglückwünschte Dekan S ck m i d t (Grünberg) den Jubelverein und gedachte oer besonderen Verdienste des derzeitigen Dirigenten, Lehrer Trink- a u s. Die Leistungen der Gastvereine, von denen jeder ein geistliches und ein im Volkston gehaltenes Lied vortrugen, standen auf beachtenswerter Höhe. Am Einzelsingen beteiligten sich die Kirchengesangvereine von Beuern (Dirigent Musiker S ch o m b e r), Burkhardsfelden (Bürgermeister Albach), der Arbeitergesangverein älnion-Lon- dorf (S ch o m b e r), Grünberg (Lehrer Roth), Treis a. d. Lda. (Lehrer W a 11 h er), Mannergesangverein Frohsinn-Londorf (Musiklehrer Kasten, Gießen). Allendorf a. d. Lda., (der als jüngster Verein des Dekanats Gießen unter Leitung von Lehrer Heil, erstmalig am Singen teilnahm und mit einer beachtenswerten Leistung aufwartete), Winnen-Rordeck (Frl. B e r d u x) und der festgebende Verein. Dor dem Schlußlied sprach Pfarrer Bühler herzlichen Dank allen denen, die zum guten Gelingen der Feier beigetragen hatten. Er dankte insbesondere dem Dirigenten des Jubelvereins, Lehrer T r i n k a u s und überreichte ihm eine Ehrenurkunde. Auch den zehn noch lebenden Gründern und einigen Sängern und Sängerinnen, die dem Verein länger als 20 Jahre aktiv angehören, wurden Ehrenurkunden überreicht. Mit dem Schlußmarsch des Posaunenchors fand der offizielle Teil des Festes sein Ende. Landkreis Gictzerr. D Lich, 10. Juli. Die Bautätigkeit in unserer Stadt liegt in diesem Jahre f a ft völlig brach. Neben einigen unbedeutenden Umbauten sind nur zwei Wohnhäuser im Bau begriffen, nämlich ein Zweifamilienhaus in der Hungener Straße, das schon im vorigen Herbst begonnen wurde, und ein Einfamilienhaus, ebenfalls in der Hungener Straße. Beide Bauten gehen in den kommenden Wochen ihrer Vollendung entgegen. Ferner wurde noch die im Winter abgebrannte Scheune des Landwirts Peter Dietz wieder aufgebaut und ihrer Bestimmung übergeben. preuhen. Kreis Wetzlar. I Niederkleen, 10.Juli. Ein schwerer Motorradunfall ereignete sich gestern gegen 21 Uhr am Wetzlarer Berg auf der Prcwinzialstraße Wetzlar-Butzbach. Ein Motorradfahrer aus Bad- Nauheim, der in Richtung Wetzlar fuhr, stieß mit einem auf der Heimfahrt befindlichen Motorradfahrer aus Niederkleen mit großer Wucht zusammen. Beide erlitten erhebliche Verletzungen. Der Fahrer aus Niederkleen wurde sofort nach Hause gebracht, Dr. Speck (Großen- Linden leistete dem Verunglückten die erste Hilfe. Der Bad-Nauheimer Fahrer wurde durch einen hiesigen Autobesitzer in das Krankenhaus nach Bad- Rauheim übergeführt. Die Soziusfahrerin des Bad- Nauheimer Motorradfahrers kam mit leichteren Verletzungen davon. Die Motorräder wurden beide sehr chwer beschädigt. Mit welcher Wucht der Zusammen- toß erfolgte, gebt daraus hervor, daß an der Ma- chine des Bad-Nauheimer Fahrers der eine Zylin- )er vollständig abgerissen wurde: am Motorrad des Kraftfahrers von Niederkleen wurde der vordere Teil völlig zertrümmert. Die polizeillchen Ermittlungen über die Schuldfrage wurden sofort ein- geleitet. Nationalsozialistischer Kampsbund für deutsche Kultur. Darmstadt, 10. Juli. (WSN.) Der Kampf- b u n b für deutsche Kultur hält gegenwärtig hier feine Tagung ab. Samstag abend wurde im Garten des Heylshofes eine Nachtmusik durchgeführt. Sonntag vormittag wurde im großen Saal des Städtischen Saalbaues die eigentliche Tagung abgehalten. Als Einleitung spielte das gesamte Orche- fter des Hessischen Landestheaters unter Leitung des Konzertmeisters Otto Drumm das Meistersinger- Vorspiel. Die Tagung wurde durch den westdeutschen Leiter des Kampsbundes Dr. Werner Kulz- Darmstadt eröffnet, der die aus ganz Westdeutschland erschienenen Teilnehmer begrüßte und die Tat- sache, daß das gesamte Landestheater-Orchester anstelle eines vorgesehenen Streichquartetts sich freiwillig in den Dienst der Sache gestellt habe, als Symptom bezeichnete. Anschließend fanden drei weltanschauliche Vorträge statt. Professor Dr. Ernst K r i e ck - Frankfurt a. M. behandelte das Thema „Organische Weltanschauung". Er betonte darin, die heutige Stunde müsse genutzt werden, um ein neues, völkisch bewußtes Deutschland zu gestalten, den Staat zu formen und eine der deutschen Art entsprechende Wirtschaft zu schaffen, damit Deutschland wieder den Platz einnehme unter den Völkern, der ihm gebühre. Anschließend sprach Professor Dr. Lacroix - Heidelberg über „Goethe und die Natur". Den Schlußvortrag hielt Dr. Werner Kulz- Darmstadt über .Heldentum und Menschengröße". Ein musikalischer Vortrag beschloß die Vormittagssitzung. Am Nachmittag wurde auf einer Festwiese in der Nähe des Jagdschlosses Kranichstein ein Volksnachmittag, insbesondere für die Jugend, durchgeführt, wobei Chöre, kammermusikalische Aufführungen und Darbietungen einer Spielschar die Teilnehmer erfreuten. Am Wend fand ein Konzert mit Aufführung von Werken junger deutscher Tondichter unter Leitung von Musikdirektor Heinrich Pfaff- Freiburg statt. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Unruhen im Seltersweg. In der Samstagnummer berichtet der „Gießener Anzeiger" über neue „Unruhen in Gießen" und schreibt unter anderem: „Die Polizei griff sofort mit großer Energie durch und trennte die streitenden Parteien, so daß ein weiteres Ausdehnen der Prügelei zum Glück verhindert wurde.." Ich werfe die Frage auf, warum muhte denn erst eineSchlägerei in Gang kom- men, wenn solche hätten vermieden werden können? Als der 19A Verschiedenes Wissenschaftliche Werke Sondergebiet der Brühl'schen Druckerei BlnlOomörol- leidende (Berkalkg., Schlaganfall)nehm. den bestbewährten Knoblauchextrakt. Berichte u.Gutacht. Kräuterhaus Jung das Fachgeschäft i.d.Schulstrahe.0,177 Z • Betten LU Schti-fzlm..Kinderbetten. PoULS’Hhlmatr., ChaleoL, an Jeden. Tolliahlg. KataL tr. äaenmöbelfabrik Suhl CThJ llllllllllllllllllllllllllllllllllll Gebrauchte -Mavleve sehr gut erhalten, zu verkaufen oder zu verm. IsmD Georg Ebert, Klaviermacher, Ludwigstraße 5. nilllllllllllllllillllHIIIIHIIID Vereine lisriv Dienstag, 12. Juli: Monats Versammlung im „Augustiner" Verschiedene Besprechungen. 5163D Ter Borstand. m \-. £ ££E£ ar 's- S) trS E A 3^ ^r:€ >- g £ 2 KE Q c 2 E 3 ” ;<9 e L e”? - Sc E B LZ L E s; i S- m 2 a E E je— efq-o sr GQ<= 2 ee A g5 o 8 “ E 5€£ 3 2 2 E .E ac e 2 £ 2K'< D e e = «•_. 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