Ur. 109 Erstes Via« 182. Jahrgang Mittwoch, 11. Mai 1952 Erschetnt täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat,-Bezugrpret»: Mit 4 Beilagen NM. l.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 225l. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Gieße». Postscheckkonto: firanffnrt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Drurf und Verlag: vrühl'sche Universttäl5-V«ch. und Steinbrndcrei R. Lange in (Ziehen. Zchnftleitnng un» Geschäftsstelle: 5chulstrafte 7. Annahme von Anzeigen für die lagcsnummer ois zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig; für Re» hlameanjeigen von 70 mm Brette 35 Neickspfennig. Dlatzvorschrift 20'/, mehr. Chefredakteure Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. fi.Ihgriot. für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Bietzen. Eine stürmische Reichsiagssitzung. (Straffer erläutert das nationalsozialistische Arbeitsbeschaffungsprogramm. Das Gchuldentilgungsgeseh in zweiter Lesung angenommen. Berlin, 10. Mai fVD3) Reichstagspräsidcnt Lobe gibt bei (Eröffnung der Sitzung ein Telegramm besannt, in dem der Präsident der franzö- fischen Sammer dem Reichstage den Dank ausspricht für die Beileidskundgebung ,zum Tode von Doumer und Albert Thomas. Die erste Beratung des Schul denttlgungsgefetzes wird fortgesetzt. Abg. Bang (önl.) nennt es eine leere Farce, wenn der Etat dem Reichstage oorgclcgt wird, obwohl die Regierung jetzt schon die Absicht verkündet, im Falle seiner Richtannahme den Etat durch Notverordnung in Straft zu setzen. Wir leben in einem Zustande der Verfassung:lofigkeit Ein Reichstag, der auf fein höchstes versasfungsmatziges Recht, nämlich auf die gründliche Beratung und Verabschiedung des Etats verzichtet, handeltfelbst Verfassung s- widrig, (öcbr richtig' rechts!) Mit dem verfas sungsrechtlich nicht haltbaren S e I b st b e Willi g u n g s v e r f a h r e n des Reichsfinanz, mt nist ers für die Kredite fallen wir zurück in die Zeit der Willkür und Unordnung vor konstitutioneller Zeiten. Der jetzige Anleiheermachtigungs- plan der Regierung wird unter keinen Umständen den Zusammenbruch des Haushaltswesens aufhalten. Auch die Notverordnungen vom Oktober und Dezember 1931 haben den Ausgleich nicht bringen können. Sie haben im Gegenteil mit der ft c i g e n • den Strangulierung der Privat- wirtschaft und ihrer steigenden Sozialisierung das Unheil nur vertieft. 3n einem gesunden Staate lebt die Wirtschaft von der Politik, bei uns lebt seit 13 Jahren die Politik von der Wirtschaft mit dem (Erfolge ihrer Zerstörung. Insgesamt sind im Rechnungsjahre 1931 froh aller Steuererhöhungen und Tteubela ff ungen f a ft anderthalb Milliarden weniger aufgekommen als im Dorjahre. Man hat deshalb vor der Anwendung letzter und verzweifelter Mittel nicht zurückgeschreckt. Die Borocr- legungder AprilRate aus Einkommensteuer- und Körperschaffssteuervorauszahlungen auf den März kann ich nur als rechtswidrig bezeichnen. Sachlich bedeutet dieser Borgang eine gesetzliche 25prozentige Erhöhung der Einkommen st euer, staatsrechtlich bedeutet er eine Etatsverfälschung. Währung und Reichsetat sind bei uns etwas geworden. was wir als Kinder auf dem Jahrmarkt als ..Mädchen ohne Unterleib“ anstaunten. (Heiterkeit.) Helfen kann uns allein die Befreiung und Entlastung der freien Wirtschaft bei grundsätzlicher Umstellung des staatssozialistischen Apparates. Das gilt auch für die Arbeitsbeschaffung. Bisher ist das Gegenteil geschehen. Interessant hat seit 1925 eine Steigerung der Belastung des Steuerzahlers von 45,2 Prozent stattgefunden, und zwar wesentlich bei d.m direkten Belastungen. Nächstens werden die Steuern wahrscheinlich mit dem Ueberlalltommando eingetrieben. Cs ist jedenfalls kein Wunder, wenn die rigorose Praxis der Steuerbehörden in steigendem Maste zu Verzweiflungsakten führt. Das System von heute ist gewogen und zu leicht befunden. Seine Uhr ist abgelausen. Das ist der Sinn der letzten und schwersten Krise unseres Dol- kes. Cs bleibt heute nur noch ein Wunsch: dah der Zusammenbruch dieses Systems nicht den endgültigen 3ufammcnbruii unseres Volkes bedeuten möge. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Battrusch (Solksn. Reichsv.) stimmt dem Schuldentilgungsgeletz zu. (3m Vordergründe stehe die Frage: Wie können wir unsere beschäftigungslosen Volksgenossen wieder zum produktiven Schassen bringen. Wir lehnen einen weiteren Lohnabbau ab. auch wenn er sich hinter dem Schlagwort ..Auflockerung der Tarifverträge' verbirgt. Ohne Abschaffung der Tribute kann unsere Wirtschaft nicht wieder ingang gebracht werden. Wir ersparten. dast in Lausanne das ..Hein“ des Reichskanzlers ausrechterhal- t e n wird. Eine Autarkie kommt für Deutschland nicht in Frage, denn sie würde den Lebensstandard des deutschen Volkes noch tiefer herabdrücken. Ohne Wiederbelebung der Unternehmungslust kann der Arbeitsmarkt nicht belebt werden. Das kann aber nicht erreicht werden, wenn dauernd auf neue Wahlen hin- gesteuert wird. Für den freiwilligenÄr- b e i t s d i e n st must mehr getan werden. Der dafür in Frage kommende Perlonenkreis must so erweitert werden, dast durchschnittlich mindestens eine Million Erwerbslose dabei Beschäftigung finden. Abg. Straffer (Rais.): Der Ausstieg der Rationalsozialisten ist der Pro- test des Volkes gegen einen Staat, der das Recht auf Arbeit und Wiederherstellung des natürlichen Auskommens verweigert, weil er nur daran denkt, die Preise und Gewinne der Börte in die Höbe zu treiben. Früher verlangten die Sozialdemokraten wenigstens den Lohnausgleich bei der Arbeitszeitverkürzung. (Abg. Torgier (Kom.): .3n aller Bescheidenheit nehmen wir das für uns in Anspruch!» Bescheidenheit und Torgier sind zwei entgegengesetzte 'Begriffe. (Heiterkeit.) Die von Ihnen als Allheilmittel gepriesene Arbeitszeitverkürzung bedeutet ohne Lohnausgleich einen läprozen- t igen Lohnabbau und den Ausgleich auf, die Weise, dast alle verhungern. (Sehr wahr bei den Rattonalsozialistcn.) Die sozialdemokratischen Gewerkschaften haben auf ihrem Kongrest einen viel vernünftigeren Standpunkt eingenommen als die Sozialdemokratische Partei. Ucber daS Arbeitsbeschasfungspro- q r a in in der Gewerkschaften lästt sich reden. Wir sind bereit, daran mitzu arbeiten und sehen in dem im Organ der . Freien Gewerk- fd)aftcn" von Woytinski dafür entworfenen Fi- nanzierungsplan viele Gedanken, die unsere Gedanken sind. Den Regierungsplan der Sparprämienanleihe lehnen wir ab. Er versucht eine Lösung, die keine Rücksicht auf die Arbeiter nimmt und die für uns als unabhängige Arbeiterpartei unannehmbar ist. Unsere Partei wird ein besseres Arbeitsbeschas- sungs Programm vorlegen, das nicht dasGold als seine Grundlage betrachtet, sondern die beiden etoigci) Werte, die es gibt, d i e Bodenschätze und die Arbeit. Falsch ist der Satz: Kapital schasst Arbeit! Richtig muh es beißen: Arbeit schasst Kapital! (Lebhaster Beifall.) Wir verlangen eine Aenderung der schwächlichen Fassung des Dersassungsartikels 163 dahin, dast es künftig beißt, daß jeder Deutsche das Recht auf Arbeit Haden muß. (Lebhafter Beifall.) Für Arbeitsbeschaffung gibt es immer Geld. (Es ift bafürbefferan gelegt,alsfürbic Sanierung von Banken. Wir werben Arbeit schaffen durch die Schaffung von Ligenheimsieblungen. An bem Tage, an bem wir bic Regierung übernehmen, wirb der erste Spatenstich dazu gemacht. (Beifall.) (Es ist ein liberales Schlagwort, wenn in biefem Zusammenhänge gesprochen wirb von Kapital-Fehlleitung. Kapital, bas zur Arbeitsbeschaffung oerwenbel wirb, kann niemals fehlgeleitet sein, denn mit biefer Arbeit wirb neue Arbeit unb neues Kapital geschossen. 1,5 Millionen Hektar Land in Deutschlanb müssen brüniert werden, hier zeigt sich reiche ArbeUs- möglichkeit. Roch viele Millionen Hektar von Oeblanb sind tftbar zu machen, hier kann die Arbeitsbien st pflicht einsehen. (Laute Zwischenruse der Komm.). Die Kommunisten empören sich über die Arbeitsdienstpflicht nicht, weil sie sie brutal finden, sondern weil sie fürchten, daß die damit verbundene Erziehung zum d e u t sch e n S t a a t i h ne n ihre Zer- sehungspläne zerstört. (Lebhafter Beifall bei den Ratsoz). 3n der freien Wirtschaft ausgeführte Arbeiten müllen zum Tariflohn bezahlt werden, für die übrigen Arbeiten ist bic Arbeitsdienst pflicht da Wenn der Staat erst durch die Arbeitsvergebung den Motor angekurbelt hat, dann wird er in zwei Jahren von selbst weiterlaufen; denn Arbeit erzeugt neue Arbeit. Ein staatliches Roggenmonopol wird sich nicht vermeiden lassen, wenn wir endlich das Lohnproblem lösen wollen Die Kontrolle der Lebensmittelpreise und die Ausschaltung der Spekulation mit notwendigen Lebensmitteln ermöglicht es bem Staat erst, dem Lohn eine wertbeständige Grundlage zu geben. Gegen unsere Arbeitsbeschas- fungspläne wird oft cingewendet. wir seien in Deutschland zu arm, Arbeit zu schassen. Wir antworten: Gerade weil wir arm sind, müssen wir Arbeit schaffen, um aus der Armut hcrauszukommen. Wir wollen die Finanzierung des Arbeitsvrogramms durch eine ei gens dafürbe stimmte Wirtschastsbank. Die Ersparnisse an Arbeitslo^enmiticln, das Mchrauf- kommen an Steuern bieten bic Möglichkeit für eine zusätzli che Kreditschöpfung, die unbedenklich ist, wenn ein starker, sauberer Staat darüber wacht, daß damit kein Mißbrauch getrieben wird. Eine Reuorganisation der Elektri- zitätswirtschast muß dem jetzigen Wu - cherbei den Licht - undStrompreiscn einEnde machen. Das wichtigste ist aber die rabifalc Senfung bes viel zu hohen Z'i n s s u st e s. Auf biefem Wege kommen wir zu einer Neugestaltung unserer sozialen Struktur, zu einer Weltenwenbe Wenn wir hier unser Programm vorlegen, so erkennen wir an, daß Brüning an alle diese Probleme mit dem besten Willen herangegangen i ft. (Stufe bei den Kommunisten: „Er biedert sich an beim Zen» trum!*) Aber cs war ihm unmöglich, feine plane durchzuführen, weil er feine ganze Kraft darauf verwenden mußte, bie heterogenen Parteien zufammenzuhalten, mit denen er regiert. Mit einer Vielheit von kleinen Parteien kann man in dieser schicksalsschweren Zeit nicht regieren. (Beifall bei den National fozialisten.) Der Mann, der in Deutschland Arbeit schassen will, muß sich auf die Stimme des Boltes stutzen können. (Er kann die Politik nicht machen mit Aushäuser oder Hugo Wolff ober Silocrberg: Viefe Finanzkapitäne und Wirtschaftsführer haben verfagt. (Unruhe und Rufe bei den Kommunisten ) Regieren kann man nur mit einer Bolfsberoe- g u n g , die ihrem Führer unbedingtes Ber- Irauen entgegenbringt. So haben wir gegen Sie alle unsere Bewegung aus dem Nichts aufgebaut. Zur Erfüllung unserer Pläne erhoffen wir die Hilfe des Herrgotts, das Urteil überlasten wir der Geschichte. (Lebhafter Beifall bei den Nationalsozialisten.) Es folgt nun bie allgemeine politische Aussprache, mit ber bie Misttraucnsanträge unb bic Anträge gegen das Verbot der kommunistischen Gottlosenorganisation und gegen die Aushebung ber nationalsozialistischen Sturmabteilungen unb Schutzstaffeln verbunden sind. Abg.Graßmann (Soz.): Die Nationalsozialisten haben heute endlich das bisher von ihnen als Gehcim«is gehütete 21 r • beitsbeschaffungsprogramm mitgeteilt. Die von dieser Seite so scharf bekämpften freien Gewerkschaften haben schon seit Januar 1930 immer wieder die Regierung dringend ersucht? recht zeitig die Arbeitsbeschassungsvorfchläge der Gewerk- schäften durchzuführen und vor allem die lieber- ftunben z u verbieten unb die 21 r b c1)ä- Zeit zu verkürzen. In der jetzigen Zeit der akuten Not kann die Hilfe nicht von dem heute vorgetragenen nationalsozialistischen Programm kom- men, dessen Verwirklichung viele Jahre in Anspruch nehmen wurde. Die Arbeitszeitverkürzung auf Höch ftens 40 Stunden wöchentlich muß für alle Produktionsgruppen durchgefuhrl werden, auch für die Eisenindustrie, die sich noch immer dagegen sträubt. Die Anbiederung Strassers an die Freien Gewerkschaften ist nicht echt. Der unerschütterliche Glaube an den Sozialismus wird uns zum Ziele führen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Goering (Rats.): Das Kabinett 'Brüning, das sich als „Kabinett der Frontsoldaten" vorgestellt hat, ist tatsächlich c i n Kabinett der Illusionen. Diesem Kabinett, das auf allen Gebieten versagt und alle Hoffnungen enttäuscht hat, sprechen wir in seiner Geiamtheit unser Mißtrauen aus. Es ist nicht möglich, an internationalen Verhandlungen mit Erfolg teilzunehmen, wenn im Innern nicht eine kräftige völkische Politik gemacht wird. Brüning und (Broener haben bic geringe Einschätzung Deutschlands als MachIsakIor verschuldet, wie sich in den Fällen Danzig und Memel gezeigk hat. Der deutsche Sieg in Danzig und im Memcl- gebict trägt nicht bas Signum Brünings, sondern Hillers. (Lebhafter Beifall bei den Na- tionalsozialisten.) 3m Falle Danzig warnen wir die Mächte, die cs angcht. Solange wir Ra- tionalsozialisten da sind, wird Danzig nicht in polnische Hände fallen. (Lebhafter Beifall bei den Rationalsozialisten.) Bei der Abrüstungskonferenz hätten wir gewünscht, baß nicht ein italienischer Außenminister bic deutsche Politik hätte vertreten und das sagen müllen, was eigentlich ein deutscher Staatsmann hätte sagen müssen. (Beifall bei den Ra- tionalfojiahflcnj Das Verbot ber 6QL unb S S. betrachten wir als bie moralische Abrüstung des nationalen Freiheits- willens durch die Regierung. Diele Sturmabteilungen unb Schutzstaffeln sind keine Privat- armee. sondern sic dienten ausschließlich bem Schutz unserer Partei gegen den Morbterror ber Gegner Wenn das Material Severings erst gerichtlich geprüft ist, wirb bie Beschuldigung des Ganbcä- Verrates gegen unsere Organisationen in nichts zerslattern Wir wollen doch bic Reslortgrenzen achten, für Landesverrat lind Sie (zu den Sozialdemokraten) zuständig! Tnesc Olcußerung führt zu stürmischen Protestkundgebungen der Sozialdemokraten. Mehrere Sozialdemokraten rufen .Dieser Lump will uns beschimpfen!" Vizepräsident Elser ruft den Abg. Goering wegen seiner letzten Bemerkung zur Ordnung. Einige Sozialdemokraten rufen: .Das genügt nicht, ber Lump muß raus!" Vizepräsident 511fr: Wir haben nun anderthalb Tage lang ruhig verhandelt unb wollen doch nun weiter ruhig bleiben. Abg Goering (Ratfoz.) fährt fort. Es ift bestritten worden, baß das Verbot ber SA a u f ausländische Einflüsse zu rückzufüh- rcn ift 3d> richte aber an den Reichskanzler die Frage, ob eS richtig ift. baß ber Botschafter von HoeIch in wiederholten Telegrammen daraus hmgewtefen hat. daß das Verbot der SA. Abg. Hepp (£».) schließt sich dem nationalsozialistischen Vorredner m ber Kritik ber Wirtschastspolitik ber Regierung in vielen Punkten an. Minister Schiele habe daS große Werk burchgesuhrt. ben beutschen Gctreibebau in der schwersten Zeit vor bem völligen Verlall zu bewahren Anzuerkcnnen sei auch bic Tätigkeit bc? Ministers Schlange. Die Schutzmaßnahmen für den bäuerlichen Der- edelungsverkehr hätten leider den erhossten Erfolg nicht gehabt. Das sei auf die unglückliche Zusammensetzung des Kabinetts zprückzusühren Die Steuerpolitik der letzten Zot habe sich nur fiskalischen Bedürfnissen angevaßt Damit ist die erste Beratung des Schuldentilgungsgesetzes beendet Es folgt die zweite Beratung, in der das Schuldentilgungsgesetz gegen die Stimmen der Rationalsozialisten. Kommunisten unb Deutschnationalen angenommen wird §8. der die Ermächtig ring zur Spar- Prämienanleihe für die Arbeitsbeschaffung enthält, wird im Hammelsprung mit 245 gegen 224 Stimmen angenommen. für die Abrüstung-konseren< und für die weiteren internationalen Verhandlungen dringend notwendig sei. Reichskanzler Dr Brüning: Diese Frage kann ich sosort dahin beantworten, daß in keinem Telegramm des Botschafters von Hoesch von einem Verbot der SQL auch nur bie Rede war (Lebhafte Hört- Hört!-Ruse). Abg. Goering fährt fort: Während die SA. verboten wird, läßt man das Reichsbanner bestehen, das zum größten Teil aus Sozialdemokraten besteht, also aus Angehörigen einer Partei, die die Kriegsdienstverweigerung proklamiert hat. Bei den Sozialdemokraten fetzt hierbei ein neuer Protest sturm ein. Abg S o f I m a n n (Soz.) ruft: ..Sie find ein Lügner'" — Abg. Dr. Frick (Rats.) ruft zum Vizepräsidenten Esser. ..Sollmann muß zur Ordnung gerufen werden!'' — Abg. Soll mann (So;.) ruft: ,.3a. ich habe Goering wegen seiner verlogenen Verleumdung meiner Partei einen Lügner genannt und wiederhole das'" — Vizepräsident Esser ruft den Abgeordneten Sollmann zur Ordnung Abg. Goering fährt fort: Ohne die SA wäre die Ordnung im 3nncrn überhaupt nicht hergestellt worden. Die Rationalsozialisten werden Deutschlands Grenzen schützen, aber sie wer- ben vorher mit ben Verrätern im 3nnern aufräumen. (ßebbafter Beifall bei den Rationalsozialisten.) Der Rebner wiberspricht Darstellungen über Hitlers Lauenburger Rebe unb weist darauf bin, daß Hitler auch erklärt hat „Mir ist bas so verständlich geworden, baß es keine Rettung ber deutschen Kräsle gcht. wenn nicht hinter ben Formationen, die die Grenze schützen sollen, das ganze Volk steht." Wenn wir unsere Bereitschaft zur Leber- nahmederStaatSsührung ausgesprochen haben, so nicht etwa aus Sehnsucht nach Ministersesseln, sondern um dem entgegenzuwirken, daß Deutschland dem Ehaos nahegebracht wird Jetzt, nachdem wir aus den Länderwahlen so stark hervorgegangen sind, wenden wir uns ausdrücklich an alle Parteien, d i e bewußt am Ausbau Deutschlands arbeiten wollen. Wir reichen ihnen die Hand $u gemeinsamem Ausbau, lassen aber auch darüber keine Unklarheit, baß ein völlig neuer -Kurs Platz greifen muß. Wer unter diesen Umständen bereit ist, mit uns jufammenjuarbeiten, den werden wir nicht zuruckstoßen. Die erste Voraussetzung für jede Aufbauarbeit ist. daß das.Kabinett Brüning versdiwindet. Das Kabinett Brüning muß beseitigt werden, damit DeutschlcOd leben kann! (Anhaltender Vc> fall und Händeklatschen bei den Rationalsozialisten.) Reichsinnen- und Reichs- wehrminister Groener: Wenn der Abg. Goering ber Regierung und mir den Vorwurf gemacht hat, daß wir durch das Verbot der 5’21. und SS. der Nationalsozia listen die moralische Abrüstung des Freiheitswillens herbeigeführt hatten, so muß ich dagegen auf das ernsteste Verwahrung einlcgen. (Erregt mit der Faust auf das Rednerpult schlagend.) Ich verbitte mir das! (Händeklatschen in der Mitte — erregte Zurufe bei den Nationalsozialisten ) Herr Abg Goe ring hat in außerordentlich warmer Weife die Da tfrlanbslicbc der SA. gerühmt Es war aber für die ciaatsautorität nicht erträglich, daß 400 000 tatbe gierige junge Leute nur ihrem Parteifüh ^fr zur Verfügung stehen und nicht dem Staat. Ich kann hier nicht das Material oortra gen, daß uns in die Hande gefallen ist, aber einiges muß einmal getagt werden zur Erläuterung der Worte, die Hitler in ßauenburg getagt hat. Hier steht schwarz aus weih „Kleine polnischen Banden sind abzuwehreii. Sobald ein «uhnorifh regulärer Truppen erfolgt, r li rf i d i e SA. in di' befohlenen Bereit st ellungsräuwe" Als Grund ist angegeben: „Wir wollen unseren' Führer unbedingt die SA. zur Verfügung halten " lZuruf von den Nationalsozialisten „3hnen doch mdjt etwa!" — Von links wird geantwortet La" ch das Bekenntnis des Landesverrats!-) Wenn un- Erregte Debatte über das SA.-Verbot. sere Grenzen bedroht werden, dann müssen wir von jedem Deutschen verlangen, daß er sich demReichezur Verfügung stellt, einschließlich der SA. und einschließlich Hitlers. (Beifall bctderMehrheit, Lachen und Unruhe bei den Nationalsozialisten.) Die SA. war bis zum Herbst 1930 verhältnismäßig harmlos. Erst mit dem Erscheinen des Hauptmanns Röhm ist ein ncuei; Zug in die SA. gekommen. (Große Heiterkeit links.) Äic lab fache, daß die ganze SA. in der Hand eines einzelnen Mannes ein unbedingt fügsames Werkzeug ist, bedeutet eine besondere Gefahr. (Lärm und Lachen bei den Nationalsozialisten.) Ich erinnere nur an den Hitler-Putsch. (Lärm bei den Nationalsozialisten.) Das Verbot der SA. war im Interesse der Staatsautorität notwendig. Die Forderung eines Verbots des Reichsbanners konnte dagegen nicht^begründet werden, denn die SA. ist gegen den Staat eingestellt, das Reichsbanner dagegen für den Staat. (Lärm und Lachen bei den Nationalsozialisten.) Wenn Abg. Goering darlegt, ohne die SA. gäbe es keine Ruhe und Ordnung in Deutschland, so antworte id): Ohne die SA. hätten wir seit Jahren Ruhe und Ordnung im Staate! (Stürmischer Beifall bei der Mehrheit.) Wenn Abg. Goering n u r f ü r s e i n e P a r t e i die Vaterlandsliebe in Anspruch nimmt, so ist das eine unerhörte Anmaßung. Die Vaterlandsliebe hat in allen Parteien ihre Stätte und id) will dafür wirken, daß sie im ganzen deutschen Volk immer stärker wird. (Beifall bei den Mittelparteien — Lärm und Gelächter bei den Nationalsozialisten.) Abg. Strasser (Nats.): Ich beantrage, daß diese Groenerrede durch Schallplatten in Deutschland verbreitet wird (Heiterkeit) und daß eine Pause eingelegt wird, damit das Reichskabinett darüber entscheidet, ob dieser Mann weiterhin die öffentliche Sicherheit und die Armee in Deutschland in Händen halten kann. — Die Nationalsozialisten begleiten .diese Erklärung Strassers mit lautem Beifall und Gelächter. Abg. Ör. Bell (Z.) lehnt den Antrag auf Aufhebung des SA.-Verbots ab. Der Einwand, daß es sich um ein einseitiges Anterdrückungssystem gegen eine bestimmte Partei handele, entbehre jeder Grundlage. Der Reichswehrminister, der durch seinen bekannten Erlaß Angehörigen der Nationalsozialisten den Eintritt in die Reichswehr gewährt habe, sei sicherlich gegen solchen Verdacht gefeit. Durch die neue Notverordnung über die militärähnlichen Verbände werde der Vorwurf der Imparität ausgeräumt. Die Zeiten des schrankenlosen Individualismus seien endgültig vorüber. Im volkswirtschaftlichen Interesse liege es. ^lebertreibungen von Konzentrationsgebilden zu verhüten und im Rahmen der allgemeinen Wirtschaftsförderung das Hauptaugenmerk auf die mittleren und kleineren Betriebe zu richten. Berieten heute ehemalige Kriegsgegner gemeinsam am Verhandlungstisch, dann seien die Zeiten wahrlich ernst und bitter genug, um auch Arbeiter und Angestellte mit den ülnternehmern an einenTischzu bringen. Alle autarkis'chen Bestrebung en scheiterten an der internationalen Verflechtung von Wirtschaft und Kapital, von Kredit und Verkehr. Zu den außenpolitischen Problemen erklärt der Redner, daß der Worte genug gewechselt seien, auch der Friedensversicherungen und Dersöhnungsbeteue- rungen. Sollte wirklich in Lausanne und Genf ein großer Aufwand schmählich vertan werden, bann wären die verheerenden Auswirkungen einer Enttäuschung nicht abzusehen. Troß schärsttcr innerpolitischer Gegensätze sei das deutsche Volk in den brennenden außenpolitischen Fragen ohne Unterschied der Parteien einig. Die Kriegsschuldthese des Versailler Diktats sei durch die historischen Feststellungen längst umgeprägt in eine Kriegsschuldlüge, ebenso wie die Kolonialschuldlüge, wir treten ehrlich ein für einen dauernden Frieden, aber weder für einen Gewallfrieden noch für einen Kirchhofsfrieden, wahrer Friede muß als endgültige Liquidation des we'lt- krieges Deutschland wie allen anderen Staaken gleiches Recht, gleiche Sicherheit und Enk- Wicklungsmöglichkeit gewährleisten. Abg. Bell ging dann auf die Ausführungen des Abg. Strasser ein. So sehr anzuerkennen sei, daß Strasser sich nicht auf negative Kritik beschränkt, sondern etwas deutlicher über positive Ziele gesprochen habe, könne man doch auch diesen Ausführungen den Eharakter von verführerischen, aber *1 n erfüllbaren Illusionen nicht absprechen. Die Kre- ditoersprechungen,Strassers boten insofern keine Garantie, als er wohl an die Ausgabe von Wertpapieren denke, während die Arbeitenden einen Lohn haben wollen, den sie auch versilbern können. Auch die damit verbundene kleine In- flation könnte leicht ein Sprung ins Verderben fein. Auch in der Frage der Arbeitsdienstpflicht seien Fragen von größter Tragweite ungeklärt. Das Zentrum habe im übrigen den Beweis dafür erbracht, daß es jede mögliche Arbeitsbeschaffung unterstütze. Es habe deshalb auch dem Anleihegesetz zugestimmt und bedauere, daß die Opposition sich dem versagt habe. Lebrun zum Präsidenten der französischen Republik gewählt. Oie Nationalversammlung tagt in Versailles. Paris, 11. Mai. (TU.) 3m äußeren Bild von Versailles deutete bis in die Morgenstunden des Dienstags nichts auf den großen Tag hin, wie ihn der Zusammentritt der Nationalversammlung sonst darstellt. Erst am frühen vormittag belebte sich das Bild. Regimenkerweise marschierten Infanterie und Kavallerie auf und sperrten den Platz vor dem Schloß in weitem Umkreise ab. Zahlreiche Schaulustige sammelten sich hinter den Truppenreihen. Sämtliche Zugänge zum Schloß sind polizeilich und militärisch abgesperrk. Die Kontrolle war äußerst streng. Niemand konnte ohne einen aus den Namen ausgestellten Ausweis in die Nähe des Schlosses gelangen. Die Bahnhöfe und Brücken zwischen Versailles und Paris wurden von Militär in feldmarschmäßiger Ausrüstung bewacht. Ohne Störung erfolgte die Anfahrt der Mini st er und der Mitglieder der Nationalversammsting. wie üblich.trafen sich in den großen Hotels, vor allem dem Trianon-Palast, die oberen Zehntausend von Paris, unter ihnen die Botschaften und Gesandten der fremden Mächte. Ohne besondere Spannung und Erwartung verlief der große Tag im Gegensatz zur letzten Präsidentenwahl, als der Name Briand die Menge anzog, die Kopf an Kopf in großer Erregung auf die Entscheidung wartete. Bereits nach 13 Uhr begann sich der Kongreß- saal zu füllen. Pünktlich um 14 Uhr erschien der Präsident der Nationalversammlung, Senakspräsi- dcnt Albert Lebrun, von den schon zahlreich anwesenden Senatoren und Abgeordneten stürmisch begrüßt. Doch fiel auf, daß ein Teil der Linken sich an dieser Kundgebung nicht beteiligte. Tardieu und seine Ministerkollegen hielten ihren Einzug, ohne daß ihnen von ihren Anhängern eine Demonstration bereitet worden wäre. Punkt 14.15 Uhr erklärte Lebrun die Nationalversammlung für eröffnet 3n bewegten Worten gedachte er des verstorbenen Präsidenten Doumer, während sich sämtliche Kongreßteilnehmer und das Publikum auf den Tribünen von den Plätzen erhoben. Nach alter Tradition stieß Lebrun darauf ein Papiermesser zwischen die Seiten eines geschlossenen Buches und schlug den vom Schicksal bestimmten Buchstaben auf, mit dem d i e Abstimmung beginnen soll, heute ist es der Buchstabe M, und als erster tritt der Abg. M a l v y an die Urne. Der Wahlakt nimmt seinen eintönigen und langwierigen Verlauf. Bei der Abstimmung erhielten Lebrun 639 Stimmen (gewählt!), Paul Faure (Sozialist) 114, Marcel Eachin (Kommunist) 8. Der neugewählte Präsident begab sich, begleitet vom Ministerpräsidenten Tardieu, dem vizepräsiden- ten des Senats und dem Ehef des Protokolls, in einen besonderen Saal, wo die llebertragung der Vollmachten an das neue Staatsoberhaupt vor sich ging. Sofort nach seiner Rückkehr von Versailles nach Paris begab sich Präsident Lebrun in Begleitung von Ministerpräsident Tardieu ins Elysee, um Frau Doumer erneut sein Beileid auszu- drücken. Dann legte er am Grabe des unbekannten Soldaten eine Blumenspende nieder. 3ns Senatsgebäude zurückgekehrt, wurden ihm vom Grohkanz- ler der Ehrenlegion die 3nfignicn des Großmeisters der Ehrenlegion feierlichst überreicht. Der neue Präsident. Der neue Präsident der französischen Republik, der bisherige Senatspräsident Albert Lebrun, wurde am 29. August 1871 in Mercy-le-Haut (Departement Meurthe et moselle) geboren. Er stammt aus einer bäuerlichen Fami- l i e, besuchte das Gymnasium zu Nancy, später das Polytechnikum und war drei Jahre auf der Dergbauhochschule, nach deren Absolvierung er bis 1900 a ls Bergwerksingenieur im Staatsdienst war. 1900 wurde er zum ersten Male in die Kammer gewählt. Er war dort bei der Fraktion der Linksrepublikaner eingeschrieben. K o l o n i a l m i n i st e r im Kabinett Caillaux 1911/12, Kriegs Minister im ersten Kabinett Poincare 1912 13 an Stelle des zurückgetretenen Millerand, später wieder Kolonialminister, 1917 im Kabinett Clemenceau Minister für die Blockade und der befreiten Gebiete (bis 1919), 1920 zum Senator . gewählt, und zwar ließ er sich einschreiben b e i der Fraktion Poincare, 1925 bis 1929 Vizepräsident des Senats und 1931 an Stelle des zum Präsidenten der Republik gewählten Doumer Senatspräsident. 1923 war Lebrun auch französischer Delegierter beim Völkerbund. Lebrun gehörte der Republikanischen Anion (Poincare) an. Befriedigung über die Wahl Lebruns. Paris, 10. Mai. (TA.) Das Ergebnis der Präsidentenwahl wird in der französ^chen Oef- fentlichkeit mit großer Befriedigung aufgenommen, da man in Lebrun einen würdigen und erfahrenen Vertreter Frankreichs erblidt. Der neue Staatspräsident ist eine sehr repräsentative Erscheinung und gilt als wohlhabend. Seine politische Rechtsein - Losephine. Spielereien einer Kaiserin. Wie es eine Napoleon-Legende gibt, so gibt es auch eine Ioscphincn-Legende. Diese elegante und reizende Frau, die mehr ein „Weibchen" als eine „große Dame" war, wurde durch den Zufall des Schicksals dazu ausersohen, in einem der größten Genies der neueren Geschichte die Leidenschaft der ersten großen Liebe zu erwecken und die Sonnenbahn seines Aufstieges lange Zeit als Trabant zu begleiten. So ist ihr Name mit dem feinen auf immer verknüpft. Ihre Familie, die Deanharnais, haben alles getan, um sie der Nachwelt als liebende Gattin und treue Gefährtin Napoleons darzustellen. In Wirklichkeit hat sie die Größe dieses „komischen Bonaparte", wie sie ihn zuerst nannte, spät erkannt und sich dann von ihr bedrückt gefühlt; sie hat sich ^hm lange ent» Sogen, ihn betrogen und gequält, bis sie der Dämonie und Aebcrmacht seiner Natur unterlag und nun als Besiegte seinem Triumphwagen folgte; stets ist sie nur im Vorhof geblieben, hat niemals Zutritt zu dem Inneren seines Geistes erlangt. Als sie von ihm verstoßen wurde, war es auch nicht die Tragik einer Liebenden, die uns heute noch erschüttern, würde, sondern nur die Anzusriedenheit einer Entthronten, die bald mit den Feinden ihres früheren Gatten kokettierte. Die Zerstörung der Iosephinen-Legende wird jetzt zum erstenmal konsequent durchgeführt in dem psychologisch tiefschürfenden Buch „Josephine Ihre Liebes- und Lebensgeschichte" von C. A. R h e i n- barbt, die bei S. Fischer in Berlin erscheint und die erste schonungslos realistische Schilderung dieser anmutigen und oberflächlichen Frau enthalt. Einen Schlüssel zu ihrem Wesen liefert ihre Verschwendungssucht, ihr ewiges Schulden- machen, das sie in stete Abhängigkeit von der Freigebigkeit Napoleons brachte und ihr Verhältnis zu ihm weitgehend bestimmte. > ^osephme hatte auch als Kaiserin, da Millionen durch ihre Hände gingen, immer Schulden, von Denen sie unter großen Weinszenen nur einen Teil ihrem Gatten gestand, so daß sie die Last weiter- schleppen muhte und von neuem vermehrte; ihre Gläubiger begleiteten sie ebenso durchs Leben wie das Heer der Händler, die ihr stets neue Sachen aufdrängten, die sie wahllos kaufte. Zwar redete sie viel davon, daß sie Ersparnisse machen und ihre Schulden bezahlen wolle. 2lber diesen löblichen Vorsatz vergaß sie ebenso schnell wie die ungeheuren Ausgaben, die sie machte. In sechs Jahren hat sie bei geringer Schätzung 25 Millionen Goldsrankcn ausgcgebcn, und zwar das meiste für „Spielereien", für Launen, die keinen Sinn und Verstand hatten. Ihre frühste und kostspieligste „Spielerei" war das Einrichten. In ihrem Hause kn Paris, in dem Schloß Malmaison, das ihr Hauptsih wurde, häufte sie alle nur erdenk- lid/cn Dinge auf. Mit einer wahren 'Besessenheit wendete sie sich dann der Gartenkultur zu und steckte binnen kurzer Zeit in die Anlagen von Mal- niaison 130 000 Franken. Dafür hat sie allerdings Frankreich ein paar neue Dlumensorten geschenkt, denn aus Malmaison kam der Phlox und die Kamelie, Geranien, Mimosen. Kakteen usw. in die französischen Gärten. Auch Kunstwerke kaufte sie in großen Mengen, ließ sich dabei aber viel Wertloses ausschwatzen. Dann hatte diese kokette Gesellschaftsdame natürlich stets Bedarf für alle Dinge der Mode, für Kleidung, Schmuck usw. Sie befaß Juwelen, die einen Wert von minderns 4,5 Millionen Francs darstellten, wobei sie selbst dafür sehr viel mehr ausgegeben hat, denn auch hier überzahlte sie alles. And dann ihre Kleider. In einem willkürlich herausgegriffenen Jahr erwarb sie für ihre Garderobe: 23 große Stucke Spitze, 7 Staatstoiletten, 136 Kleider 20 Kaschmir-Schals, 75 Korsetts. 48 Ballen Stoff, 87 Hute 71 Paar Seidenstrümpse. 520 Paar Schuhe 980 Paar Handschuhe; aus einem anderen Jahr wird aufgezählt, daß Josephine 498 Hemden befaß; sie wechselte dreimal am Tage die Wäsche an Strümpfen hatte sie um diese Zeit 15Q Paar weißseidener, 30 aus rosa und 18 Paar aus fleischfarbener Seide; diese Strümpfe mußten so straff sitzen, daß sie ohne Strumpfbänder getragen werden konnten. Ihre Kleiderschränke faßten damals 676 Stoffkleider, wozu 60 Kaschmir-Schals gehörten, von denen die schönsten 8000 bis 10000 Francs kosteten. Die Summe, die für ihre Toilettenausgaben angeseht war, betrug jährlich 360 000 Francs, aber sie hat in manchen Jahren mehr als das Vierfache ausgegeben. Geld spielte bei ihr keine Rolle, und jedes Mittel war ihr recht, um es sich zu verschaffen. Wie sie verschwendete, davon gibt eine bezeichnende Geschichte ein Beispiel: sie lebte mit den Mitgliedern der Familie Napoleons in Anfrieden und suchte ihnen auf jede Weise einen Streich zu spie- len. Als die schone Pauline, Napoleons zweite Schwester, nach ihrer Verheiratung mit dem Fürsten Borghese ihren vorgeschriebenen Besuch ab- stattete, da hatte sie vorher in Erfahrung gebracht, daß die verhaßte Schwägerin bei dieser Gelegenheit ein Kleid von starkem Grün tragen würde; sofort ließ sie den Salon, in dem sie solche Besuche zu empfangen pflegte, mit großen Kosten umgestalten, und zwar wurden Tapeten, Möbel- beziige und Teppiche in einem Blau gewählt, das jenes Grün schreiend und gemein wirken lassen mußte. Die Kauflust artete bei ihr zu einem krankhaften Zwang aus, und sie umgab sich mit den sinnlosesten Dingen, wie z. B. einem künstlichen Orangenbaum, einem geigespielenden Affen, einem Blumenstrauch mit singenden Vögeln und anderem Spielzeug, für das sie ungeheure Preise zahlte. Napoleon wußte sich schließlich nicht anders mehr zu helfen, als daß er einen strengen Vesehl erließ, durch den der Umgebung der Kaiserin verboten wurde, in ihren Gemächern Möbel, Bilder, Schmucksachen und andere Gegenstände von Händlern oder Privatpersonen zuzulassen, und alle, die ihr etwas verkaufen wollten, an den Intendanten zu verweisen. Bruck als Mephisto. In der gestrigen „Faust"-Ausführung spielte Herr Bruck zum ersten Mal den Mephisto. Er formt die Gestalt nach seiner Individualität, gibt sie nicht eigentlich aus dem Metaphysischen und Dämonischen heraus, sondern ganz leicht, elegant und spielerisch. Er macht den Mephisto als weltmännischen Kavalier und spöttisch-überlegenen Gegenspieler des schwerblütig-grüblerischen Doktors. Er beherrscht die große Partie dialektisch vollkommen und ist übrigens sichtlich von den rein komödiantischen Möglichkeiten der Rolle fasziniert, was vor allem in der Schüler- szene amüsant zur Geltung kommt. Sehr witzig und mit das beste Stück seiner Darstellung: der erste Besuch bei Marthe Schwerdtlein; während das wahrhaft diabolische Wesen seines Mephisto überraschenderweise viel weniger in den ersten Partien als in der Szene „Wald und Höhle" sichtbar wurde, die zuvor nicht so eindringlich wirkte. Brucks temperamentvolle Leistung fand viel Beifall im gut besetzten Hause. — Bemerkenswert scheint uns noch, daß die Erdgeist-Stimme jetzt wesentlich besser und klarer verständlich wird als in der ersten Aufführung. hth. ste llung ist der großen Masse der Bevölkerung vollkommen gleichgültig, da der Präsident ja aus jeder Parteipolitik ausscheidet und auch auf das praktische politische Leben im wesentlichen nur einen vermittelnden Einfluß hat. Schließlich begrüßt man es, daß die Radikalsoziali- sten die Kandidatur des Sozialisten Faurenicht unterstützt haben. Man glaubt hieraus, Schlüsse auf die zukünftigen Absichten H e r r i o t s ziehen zu können. Wenn Herriot auf das Kartell eingeschworen wäre, hätte er von feiner Partei zumindesten Stimmenthaltung fordern müssen. Da von 826 Mitgliedern der Nationalversammlung nur 767 gültige und 10 ungültige Stimmzettel abgegeben worden sind, haben 'sich tatsächlich 49 Volksvertreter der Stimme enthalten, worunter sich eine Anzahl der dem linken Flügel der Partei angehörigen Radikalsozialisten befinden mögen. Ihre Zahl ist jedoch so gering, daß sie auf die Gefarntrichtung kaum einen Einfluß ausüben können. — Der Sozialist Paul Faure hat 114 Stimmen auf sich vereinigt. Da an der Nationalversammlung etwa 126 Sozialisten aus Kammer und Senat teilnehmen, ist er sogar von seinem Parteifreunden nicht einstimmig gewählt worden. Wie wird die Kabinettsbildung aussehen? Der Schlüssel für jede Mehrheit liegt bei Herriot. Paris, 11. Mai. (WTD. Funkspruch.) Nach der Wahl des neuen Präsidenten der Republik und nach der Beisetzung Doumers, die morgen erfolgt, wird die kurze Periode des politischen Waffenstillstandes durch eine rege politische Geschäftigkeit abgelöst werden. Das Kabinett Tardieu amtiert feit gestern nur noch als Gefchäftsministerium, das die laufenden Angelegenheiten erledigt. Wie bereits wiederholt betont, bestehen zwei Möglichkeiten, und zwar entweder die Bildung eines linksstehenden Kabinetts, also die Wiederherstellung des Kartells der Linken oder die Schaffung einer Konzentration, was den Ausschluß der Maringruppe und der Sozialisten nach sich ziehen müßte. In beiden Fällen ist eine Mehrheitsbildung möglich. Will der neue Präsident der Republik die parlamentarische Tradition einhalten, so muh er Edouard Herriot mit der Regierungsbildung betrauen. Dessen Aufgabe wird es sein, die Lage schon jetzt so weit zu Hä reif, daß bereits nach der Konstituierung der neuen Kammer, die am 1. Juni zusammentritt, ein neues Kabinett vorhanden ist. Die Wiener Regierungskrisis. Dollfuß mit der Kabinettsbildung betraut. Wien, 10. Mai. (TA.) Der Bundespräsident hat den bisherigen Landwirtschaftsminister Dr. D o 11 f u ß mit der Neubildung der Regierung betraut. Dollfuß, der früher Sekretär der Landwirtschaftskammer für Niederösterreich war, bekleidete zum erstenmal in dem am 4. Dezember 1930 ernannten Kabinett Dr. Enders die Stelle eines Landwirtschaftsmini st ers und gehörte dann neuerlich dem Kabinett Bu- resch l und II an. Er hat seine Ausbildung zum großen Teil im Deutschen Reich empfangen und ist seit Jahren wirtschaftlich ein Verteidiger desPräferenzzollsystems. Dr. Dollfuß verhandelte heute mit den Vertretern der bürgerlichen Parteien bis spät nachts in dem Bemühen, ein bürgerliches Son- zentrationskabinett zu erreichen. Wie verlautet, stehen die G r o ß d e u t f ch e n auf dem Standpunkt, erst die Entscheidung über die Auflösungsanträge im Verfassungsauschuß, für die sie stimmen werden, abzuwarten, ehe sie zur Regierungsbildung selbst Stellung nehmen könnten. Vom H e i m a t b l o ck heißt es, daß er bestimmte Forderungen bezüglich der innerpolitischen Richtung der neuen Regierung gestellt habe. Von deren Erfüllung soll er auch seine Haltung bei der Abstimmung über die Auflösungsanträge abhängig gemacht haben. Oer kluge Biber. Die Schlauheit und Tatkraft des Bibers ist von dem amerikanischen Biologen Dr. Vernon Bailey auf die Probe gestellt worden und hat sich vortrefflich bewährt. „Ich machte einen tiefen. Einschnitt in den vortrefflich angelegten Damm einer Biberf.edlung, der das Wasser in einem klaren tiefen Teich hielt", berichtet der Gelehrte. Es war kurz vor Sonnenuntergang am Abend eines klaren Herbsttages. Die Biber hatten Holz geschnitten und aufbewahrt, um sich für den Winter zu rüsten, und sie wußten ganz genau, wie wichtig für sie war, den Tcich angefüllt mit Wasser zu halten. Sobald der alte Biber, das Oberhaupt der Familie, den Schaden entdeckte und das ab- ftrömenbe Wasser bemerkte, besichtigte er beide Seiten des gebrochenen Dammes. Er suchte augenscheinlich nach einer Arsache dieser Katastrophe, aber bald wendeten sich seine Gedanken praktischen Zielen zu. Er verschwand dicht unter dem Damm im Wasser und kam bann mit einer Menge von Schlamm und Schlinggewächsen herauf, die er mit feinen Vorderpfoten umspannte. Damit versuchte er. das Loch in dem Damm zu verstopfen. Aber als er nach einer Minute beobachtete, wie das Wasser immer weiter abfloß, wandte er sich dem Ufer zu, wo er einen starken. Pusch abschnitt. Diesen brachte er bann nach dem Damm, unb mit beiden Vorderpfoten und seinen Zähnen drückte er das dicht belaubte Ende in dem Schlamm auf der einen Seite des Loches. Dann tauchte er wieder auf den Boden des Teiches, brachte einen etwa 2 Fuß langen Holz- block herauf, schwamm mit dieser Last, die er mit seinen großen Zähnen festhielt, zurück zu dem Damm und preßte das Holz in die andere Seite der Lücke. Ohne länger zu verweilen, als ein Blick brauchte, der die Festigkeit des Blockes begutachtete, schwamm er zu einem andern Teil des Teiches, brachte einen langen Stock, legte ihst quer über die beiden andern Hölzer, so daß nun der Abfluß nicht mehr so stark war. Da aber die Quelle der Beunruhigung noch immer nicht verstopft war, brachte er weiter Schlamm und Schlinggewächse vom Grunde herauf, Ladung nach Ladung, und preßte sie überall in die noch vorhandenen Lücken, bis kein Tropfen mehr hin- durchkonnte. Dann war die Arbeit getan. Oanzig'polnische Streitfragen vor dem Völkerbundsrat. Genf. 10. Mai. (LU.) Der DölKrbund-r-t be- handelte eine Reihe von Danziger Fragen von grundsätzlicher Bedeutung. 3n den verschiedenen vom parlamentarischen UnterftaatLsekretär de- englischen Auswärtigen Amte-. Eden, al- Berichterstatter vorgetragenen Berichten kam zum Äu-bruck, dah der Völkerbund-rat uneingeschränkt die bisherigen Entscheidungen deS Danziger Völkerbundskommissar- b e st ä t i g t hat. 3n der Gdinger Frage stellt der Rat-beschluh test, dah Polen die Verpflichtung hat. den Hafen von D a nzi a v oll a u-z u nu tze n. Die weitere Frage, welche praktische Folgerungen au- dieser Verpflichtung Polen- zu ziehen sind, ist noch offen geblieben. Der Hohe Kommissar soll zunächst beiden Parteien Gelegenheit geben, ihre Ausführungen zu ergänzen. Danach dürfte al-bald ein neuer ScuchverständigenauSschuh, bestehend au- 3uriften und Wirtschaftssachverständigen zufammentreten. Endgültig wurden die anhängigen Danziger Eisenbahnsragen erledigt. Es steht nunmehr rechtskräftig fest, dah bis auf die wenigen leitenden Beamten der gesamte Beamtenkörper der Danziger Bahnen au - Danziger Staatsangehörigen sich zusammensetzen muh und dah die polnische Eilenbahnverwaltung mit diesen Beamten nicht nach Willkür verfahren, sie insbesondere nicht gegen ihren Willen nach Polen versetzen darf. Der Völkerbundsrat wird noch eine Entscheidung treffen müssen, die nicht nur für die Danziger Wirt- schäft, sondern auch für die völkerrechtliche Stellung Danzig» von höchster Tragweite ist. Bekanntlich hat der Hohe Kommissar des Völkerbundes in Sachen des Danziger Veredelung»verkehr» ent- schieden, daß Polen mit dem Ausschluß der Danziger Deredelund»waren vom polnischen Gebiet eine gegen den Sinn de» Zollvereins verstehende „a c t i o n d i r e c t e“ begangen hat Polen hat diese Entscheidung bis heute völlig mißachtet. Luch nach dem Spruch des Hohen Kommissars werden Danziger Deredelungswaren in Polen nach wie vor beschlagnahmt. Polen ist in seiner Mihachtung der Entscheidung des Hohen Kommissars sogar so- wen gegangen, daß es eine neueFinanzstraf- bestimmung gegen b i e Einfuhr von Danziger Deredelungswaren nach Po- l e n erlassen hat. Diese Strafbestimmung ist ferner ausgedehnt auf die Daren des Danziger Lagerverkehrs und die Daren, die Danzig oertrogsgemöh zur Weiterverarbeitung für feine eigene Industrie, Landwirtschaft und fein Handwerk aus dem Ausland beziehen darf. Dielen Wirtschaftsunterneh- mungen in Danzig, namentlich der Industrie, würde die Daseinsgrundlage entzogen, wenn sie die weiter bearbeiteten Eigendedarfs-Kantingente nicht mehr auf dem polnischen Markt abfetzen könnten. Polen hat dadaurch mitten im Zollveretnsge- biet eine Zollgrenze gegen Danzig geflogen. Der Danziger Senat hat die Entscheidung des Dölkerbundskommissors gegen diese neue polnische Maßnahme angerufen, die den Sinn des Versailler Vertrages und der Begründung für die Abtrennung Danzigs vom Deutschen Reich und für feine Zolloereinigung mit Polen fluroiberlau- l e n. Der Kommissar hat den Antrag an den Döl- kerbundsrat weitergegeben. Aus aller Welt. tin Denkmal für den Erfinder de» Automobil» in Mannheim. Der schon feil längerer Zeit bestehende Plan, den Erfinder des Automobils, Dr. Earl Benz, in einem Denkmal zu verewigen, nimmt jetzt greifbare Formen an. Das Denkmal wird zu Ostern 1933 enthüllt werden. Au» Anlaß her Denkmalsweihe findet eine Festwoche statt, verbunden mit Welt-Sternfahrten. die vom Allgemeinen Deutschen Automobil- klub (ADAE.) arrangiert werden. Die Stiftung des Denkmals wird durch den Reichsverband der Auto- mobilinduftrie, den Allgemeinen Deutschen Automo- bilklub und den Allgemeinen Schnauferl-Club durch- geführt. profeffor Dr. Lenard (Heidelberg) erhält die Franklin-Medaille. Die Berfammlung des Franklin-Instituts in Philadelphia beschloß, Dr. Philipp Lenard (Heidelberg) mit der Franklin-Medaille, der höchsten amerika nischen Auszeichnung für Leistungen in der Physik, auozuzeichnen. (Eine argentinische Zeppelin Marke. Die argentinische Postoerwaltung hat eine Spe- z i i^l s e r i e Driefpo st marken mit einem BildcdcsLuftschiffcs„GrafZeppelin" herausgebracht, um damit die große Leistung des deutschen Luftschiffes zu würdigen, das es ermöglicht hat den Poftoerkehr BuenosAires — Berlin durch eine Kombination von Luftschiff und Flug- zeugdienst in fechs Tagen abzuwickeln. Irogifcher Ausgang de» Muttertages. In Bremen ereignete sich am Sonntagabend ein tragisches Brandunglück. Eine in ihrer Wohnung allein befindliche gelahmte Witwe im Alter von 83 Jahren hatte eine Kerze auf dem Nachttisch angezündet, durch die spater ossendar das Bett in Brand geraten ist. Mitten in der Nacht bemerkte man, daß b i e Wohnung in Flammen ftanb. Als bic brei Sohne, bie zum Muttertag nach Bremen gekommen waren, heimkehrten, fanden sie die greise Mutter tot auf. Die Feuerwehr konnte den Brand, der die ganze Wohnung sowie den Dachstuhl vernichtete, bald löschen. Die „Chaco" in Gdingen cingclroffen. Die .Ehaco' ist mit 15 Deportierten, darunter zehn pol Nischen Staatsangehörigen, im Gdinger Hafen eingelaufen. Die polnischen Staatsangehörigen nxrben einer ärztlichen Untersuchung und Nachprüfung ihrer Staatsangehörigkeit untetflogen. ehe sie an Land geben dürfen. Von den übrigen fünf Deportierten werden vier in Memel und einer in England an Land gefetzt werden. Wie verlautet, seht das Schiff, ohne Danzig anzulaufen, seine Fahrt nach Memel fort. Ein Erdrutsch befördert ein ganze» Dorf ju Tal. Aus Ehambery in Savoyen werden große Erdrutsche gemeldet, durch die sich ein ganzes Dorf in Gefahr befindet, verschüttet zu werden Etwa 2 Millionen Kubikmeter Erde haben sich in Bewegung gesetzt und rutschen langsam abwärts inS Tal. Von zehn Häusern auf dieser wandernden Oberfläche wurden drei bereits v o l l st ä n d i g zerstört, da die Erdmassen während des Abrutschens - wie bei Erdbeben — plötzlich klaffende Risse bekommen, in denen Bäume und Häuser verlinken. Die Bewohner der im Tal gelegenen Dörfer beeilen fich. ihre Wohnungen zu räumen und lebendes und totes Inventar in Sicherheit zu bringen. 3n Ger- magnO (Obersavoyen) hat sich plötzlich e i n Schlamm ström gebildet, der zwei Dörfer zu vernichten droht Die lavaähnliche Masse bewegt fich bei einer Dicke von 2 Meter, einer Breite von 800 Meter langsam talwärts. Sämtliche Verbindungen sind abgeschnitten. Am trostlosesten ist die Lage in der kleinen Ortschaft Qlureffieuf, auf die etwa 2 Millionen Kubikmeter Erbmassen im Anmarsch sind. Ein Augenzeuge. dessen HauS dem Erdboden gleichgemacht wurde, berichtet, dah dem langsamen Abrutschen der Erbmassen ein donnerartigeS Getöse vorauSgegangen sei, dem ein orkanartiger Sturm folgte. Für die Katastrophe hat man nur die Erklärung, dah bisher unterirdische Gewässer jetzt einen AuSfluh gesunden haben und dadurch die über ihnen lagernde Erde mit sich rissen. Die Einsturzkalasirophe in Lyon. Die Slrahe L Y o n — D e n f ist an einer Stelle bei Torcieu-Amberieu durch einen Erdrutsch unterbrochen. Auch die Telephonleitungen sind abgeschnitten. 3n Lyon sind die Leichen von elf bei dem Einsturz zweier Häuser zum Opfer gefallenen Personen geborgen worden. Ein elfjährige- Mädchen, das man noch lebend auffand, erlag bald nach der Bergung seinen Verletzungen. Drei pabblcr im Ammerfee ertrunken. 3m Ammersee sind, wie jetzt erst festgestellt wird, am Wochenende drei Paddler auS München, darunter eine Dame, ertrunken. Es handelt sich um den Schuhmacher Braunstein und dessen Bruder Otto, sowie um die Hausangestellte Fendt, die mit einem der beiden verlobt war. Sie wurden von einem Südwest - sturm überrascht, in dem das Boot kenterte. Die Leichen sind noch nicht geborgen. Japan ehrt Robert koch. 3n Erinnerung an die vor 50 Jahren erfolgte Entdeckung des Tuberkel - BazilluS durch Robert Koch sand in Tokio eine Gedenkfeier statt, an der neben den Vertretern Verschiener Ministerien zahlreiche Gelehrte der sührenden Fachorganisationen Japans und die deutsche Ko- lonie in Tokio, an ihrer Spitze Botschafter Dr. Vorehsch, teilnahmen. Rach einem Vortrag von Prof. K i t a s h i m a über dos wissenschaftliche Verdienst Robert Kochs übergab Fürst Toku - g a to a dem deutschen Botschafter einen von der Aerzteschast 3apans gesammelten Geldbetrag für die Robert - Koch - Stiftung in Berlin mit einer Stiftungsurkunde. Der deutsche Botschafter dankte und betonte die große Bedeutung der kulturellen Verbindungen der japanischen und deutschen wissenschaftlick^n Welt. Zwei jugendliche Todesopfer eines voolsunglück». Ein 13jähriger Schüler und ein 15jöhriger Konditorlehrling, die trotz Warnung bei stürmischem Wetter mit einem Kanu auf Den Schweriner See (Mecklenburg) hinausgefahren waren, kenterten und ertranken. Die Leichen wurden noch nicht geborgen.- Malariaseuche in JlataL Die Bezirke Mvngones und Eshowe in Ralal werden von einer verheerenden Malariaseuche heimgefucht. Bis jetzt sind etwa 1 2 00 Eingeborene gestorben. Die Missionare haben dringend Ehininfendungen angefordert, da dieses Heilmittel sehr knapp geworden ist. Großfeuer in Bern. 3m Dachstuhl des Verwaltungsgebäudes der Schweizerischen Obertelegraphendirektion in Bem brach Grohfeuer auS. Das Feuer griff sehr schnell auf die oben gelegenen Laboratoriumsräume über, wo mehrere E x p l o s i o - n c n entstanden, und drang dann weiter in das Archiv ein. Die Schieferplatten, mit denen das Dach gedeckt war. zerbarsten, die Splitter wurden weit umhergeschleudert. Der ganze Dachstuhl und das oberste Geschah sind zerstört und dabei sowohl das Laboratorium wie auch das Archiv vollständig ausgebrannt. Aus der Provinzialbaupiffabi. (Sieben, den 11. Mat 1932. Der Kuckuck ruft! E» gibt Augenblicke im Leben, da möchte man an allem verzweifeln. Richt», aber auch nichts macht mehr Freude. So kann das nicht weitergeben, denkt man. Aber es geht doch wciter. Tag für Tag steigt die Sonne höher, der Dinker ist vergangen, und der Frühling ist — wenn auch langsam — doch gekommen. Und io folgt auch auf da» größte Leid ganz langsam wieder Lebenslust, Freude am Dasein Diele Menschen wissen immer noch nicht, daß uns die Natur das innere Gleichgewicht wieder geben kann. Den größten Schmerz, da» bitterste Leid, wir werden davon geheilt draußen im Frühlingswald. Amsellied, Bienenlummen und gaukelnde Schmetterlinge zeigen uns den Weg zur '.Ruhe Dir letzen auf einmal alles mit anderen Augen. Unser Herz atmet auf und wird heiter. Ist die Not noch so groß, der Frühling hilft immer wieder, und leise kommt die Hoffnung auf bessere Zeiten. Du schaust schon beim Gang durch die Fluren auf, wenn die Lerchen trillernd in die Lust steigen. Hörst du bann nicht auch Stimmen in deinem Innern? Lassen sich die kleinen Sanger von den kalten, nasien Tagen der letzten Wochen irre machen? Nein! Unermüdlich erheben sie sich in die blaue Himmelsluft, um flu jubilieren und sich ihres Daseins zu freuen. Mit frommem, kindlichen Herzen müssen wir den Frühling in uns aufnehmen und alle» andere vergessen, dann wird er uns zum Erlebnis. Auch lächeln sollst du wieder. Du hast den Wald erreicht, stehst aufatmend still und schaust die schwellende Pracht. Da — ein Ruf: Kuckuck! Denkst du da nicht an die Tage, an denen du die Ruse des luftigen Vogels zähltest, um zu erfahren, wie lange du leben solltest? Vielleicht greifst du auch unbewußt in die Tasche und siehst nach, ob du Geld.bei dir hast, damit es dir im ganzen Jahre nicht ausgeht? Jetzt huscht aber sicher ein froher Schein über dein Gesicht. Ja, dieser Schalk im Walde hat ihn hervorgezaubert. Helle, sonnige Kindertage steigen vor deinem Geiste auf, Tage, an denen du mit den Kameraden am Bache die Weiden schnittest und die ersten Pfeifen klopftest. Damals rief auch der Kuckuck, und wir Jungen riefen ihm lustige Neckereien zu. Aber auch wir Erwachsenen können uns freuen, wenn der Kuckuck wieder ruft. Er ist wohl der letzte, der den Frühling verkündet, aber wenn er da ist, ist der Winter sicher vorbei. Die Bäume schmücken sich mit jungem Laub, alles wird wieder neu. Auch alle, die vergrämt durch die Welt gehen, sollten aufhorchen und der Stimme des Kuckucks lauschen, an sonnenhellen Tagen hinaus in den Wald wandern, nicht aber bis spät in die Nacht im Zimmer sitzen und sich vom Käuzchen das Totenlied Vorsingen lassen. Dann erst hilft un» der Frühling mit seinen Wundern. M. Regierungsrat Or. Braun zum KreiSdirektor in Erbach ernannt. RegierungSrat Dr. 2 raun.vom KreiSamt Gießen wurde mit Wirkung vom 16. Mai ab zum Kreisdirektor desKreisesSrbach i.O. als Rachfolger des am 1 Mai in den Ruhestand getretenen Kreisdirektors Leopold v. Werner ernannt. KreiSdirektor Dr Braun war vorn 1-Oktoher 1907 bis 1. August 1914 als Regierungsassessor juristischer Hilfsarbeiter bei der Landwirtschafts, karnmer und am Oberversicherungsamt Darmstadt, vom I .Aug. 1914 biS 7.3an. 1916 RcgierungS- affessor in Groß-Gerau, hierauf bis zum 15. Sept. 1919 Kreisaintman in Groß-Gerau, sodann biS 1. Oktober 1921 Landamtmann in Bad Salzhausen. Seit 1 Oktober 1921 war er als Regierungsrat am Kreisamt Gießen tätig, wo er in wechselnder Folge Referent für die verschiedensten Angelegenheiten war und zuletzt als Referent dem Wohlfahrtswesen und der Jugendpflege des Kreises, ferner den Angelegenheiten von Handel und Gewerbe Vorstand. Durch seine Tüchtigkeit als Verwaltungsbeamter, wie auch durch sein freundliches und allezeit entgegenkommendes Wesen erwarb er sich in Stadt und Kreis Gießen bei der Bevölkerung große Sympathien. Bornotizcn. — Tageskalender für Mittwoch: St^ttheater. 19.30 bis 22 Llhr. Die Entscheidung der Lifsa Hart". — Ober hessischer Kunst- verein. Turmhaus am Brandplatz, 15 biS 17 Uhr. 3ubiläums-Ausstellung — R. d. Z. 20.30 Uhr. Aquarium". Monats-Versammlung — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: Zu Befehl. Herr Unteroffizier." — Wiefecker Lichtspiele. 20.30 Uhr, „3m Westen nichts Reues". — Aus dem Dtadttheaterbureau wird unS geschrieben: Von den Südwestdeutschen Bühnen bringt zuerst bas Stadttheater Gießen die Erstaufführung des nachgelassenen Schauspiels »Die Entscheidung der Lissa Hart" von Hermann Sudermann. Ein Spiel um das Motiv der Rückkehr deS Verschollenen, dem eine eigenartige, .moderne" Frau gegenübergestellt wird. 3n ber Titelrolle Edith Berger. Ferner wirken unter der Spielleitung Peter Fassotts mit, Damen: Doering. Koch. Sachse, Echubert-3üngling. Walther-Lederer. Wielander. Herren: Geiger, Hauer. Hub. Kühne, Michel, Rieren. Paetsch. Schubert. Dolck. Beginn 19.30 Uhr. Ende gegen 22 Uhr. 30. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement zu gewöhnlichen Preisen. — Donnerstag. 12. Mai, 10 Uhr, Eoethc-Morgenseier. Eine geschloffene Schülervorstellung unter Mitwirkung des Schüler- orchesters (Dirigent Dr. H i 11 e n b r a n d), deS Schülerchors (Leitung Muliklehrer Blaß), 3n- tendant Dr. Rolf Pra sch AlS Beschluß der Veranstaltung zum erstenmal Fragment von Goethe Spielleitung: Wolfgang Kühne. Titelrolle 3ochen Hauer. Ende gegen 12 Uhr. — Der Verein D o l k » h o ch f ch U ke GH f • feen weil, darauf hin, bafe bte bit»|übnge Mitgliederversammlung morgen, Donnerstag, 20 Ubr. in her Uniqfrfität. Horsaal 33 (1. Stock link») statt- finbet. Rädere» siehe heutige Anzeige. ee Vorsicht mit der FrühjahrS-Lor» chel? Morcheln, Lorcheln und Becherlin« erscheinen jetzt wieder. Die Lorchel — vielfach fälschlich Morchel benannt -- tritt in den Früh- linasmonaten «.März biS 3uni) besonders in sandigen Kiefernwäldern truppweise, oft in großer Zahl auf. Der hohle, weißliche Stiel ist mitunter ganz im Boden cinaefentt. so daß nur der braune Hut mit seiner wulstig-faltigen Oberfläche auS der Radelstreu hervvrschaut. Durch ihre Jfirc Jfnzcigen werden durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werden wenn Sie sie frühzeitig genug aufgeben braune Schuhfarbe wird die Lorchel oft übersehen. Roch nicht genügend bekannt ist, daß die Früh- lingS-Lorchel als Giftpilz sehr verhängnisvoll werden kann. Sie hat auch in den letzten 3ahren eine ganze Reihe von Todesfällen und schweren Vergiftungen verursacht. Wie schon vor 100 (wahren bekannt war. bleibt der Genuß der Lorchel meist (nicht immer!) ohne schädliche Folgen, totnn die Brühe der genügend (mindestens 5 Minuten) gekochten Pilze vor Genuß weggeschüttet wird. Sorgfältig (ungefähr zwei Wochen, getrocknete Lorcheln sollen gewöhnlich auch ohne diese Vorsichtsmaßregel bekömmlich sein. Von manchen Menschen wird die Lorchel auch mit dem Kochwasser vertragen. Zuweilen tritt erst eine Erkrankung ein. wenn eine zweite Lorchelmahlzeit in kurzem Zwischenraum nach der ersten ftatt- fand Auf jeden Fall bleiben in bezug auf die Giftigkeit der Lorchel noch mancherlei Rätsel zu lösen. Am besten ist jeglicher Genuß der Fruh- lingSlorcheln zu m durch den Zusammenschluß von zirka 29000 Geschäften Pfund Mk. 0 35 Unter Garantie 043 0.25 0.13 sultaisnachweisen. 02861 0.12 025 Drula Bleichwache 72 Liter 0.20 3732 A Fuhrleistungen 2576 D C. Rübsamen Fernsprecher 3659 1 Für die Braut nu' M 1.20 1.05 Donnerstag, den 12.2Hai b. 3., nachmittags um 2 Uhr, versteigere ich im „Cöroen“ Beuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen 3 4 das Oberhemd den Kragen die Krawatte die Handschuhe 0.90 1.30 d'tes® den Stoff zum Kleid die Wäsche den Schleier den Kranz die Strümpfe die Handschuhe Maurer-Sand Weißbinder-Sand prompt und ällerbilligst Pfund Pfund Pfund Pfund Adolf Nohl I. Neickelsbeim i. W. Jahresbericht r Kassenbericht? Entl.d.RechnerS Wahl des Borst. Verschiedenes. Für den Bräutigam Wir bieten an: Zucker........ Schmalz, am er. Mehl, Sonderm Reis, Vollk. ... Graupen, gesch Margarine Salatöl Haifische Brassen 02976 Schellfisch o.K.,d.Pfd.35Pf. Filet(hell)35Pf. Muh Stand I. photographieren nocfi nicht? Dann wissen Sie nicht, wie schön es ist... . SprechenSie mit Photo- Winterhoff Kreuzplatz 9 DOSENWURST Thür. Leber- u. Blutwurst vt -PfrE-öo^e 48 Pf. Bei unserem Angebot handelt es sich nur um wirklich ernte Qualität von unserer Groß- Einkaufs - Gesellschaft deutscher Konsumvereine, Hamburg. Trotz aller Notzeit ist das Gute, immer noch das Billigste. Besonders bei unserm günstigen Preis-Angebot Warenabgabe nur an Mitglieder! laße IhbemieuR’Schule \ u7>. MascmnenoauEtettro-i tecnnlt.Hocn-1 Tieto ia. \ Tomnoustne. totre.in Werfcmwetw-AbteMaeeexÄ 81 eieren */, Fl. RM 2.25, l/i Fl. RM 4.00, Ltr.-Fl. RM. 6.75. Haupt - Niederlage. Engel-Apotheke Marktplatz. 696V Sonderangebot Zervelatwurst I .. Plockwurst....... Bierwurst....... Schinken, gekocht Stadttheater Gießen. ««D Donnerstag, d.12.Wal, 10 bis gen. 12 Uhr Geschlossene Schülervorstellung Goethe-Morgenfeier. MMS» gibt lausend ab H. Schäffner Schiffend. Weg 40 Xel. 4016. <«966 Äeiirog Ton, 120X30 cm, f. 8 Mk. zu verkaufen. Frank!. SlnBe 491 Tausende von Menschen verdanken ihren gesunden, tiefen Schlaf und ihre gekräftigten Nerven unserem BoMffliii Imir ‘Pfingftftft Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben, unvergeßlichen Mutter und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers liiert sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; Ewald Medebach und Frau. SO*'e Ä 39° oni nie r pressen n. Hautunreinigkeilen Konsumverein Gießen und Umgegend, e. G. m. b. H. 3?JgA LVev übernimmt den Ausbau und die Nutzbarmachung der bestehenden Drrganisatiorr einer alten angesehenen Gesell- schast in Leben, Unfall, Hafipflicht und Feuer als für freigewordenen Bezirk gegen Gehalt, Mifekosten und Provision. Aller Bestand vorhanden. Angebot mit Lebenslauf und M 9/40 PS. Studebaker-Limousine sehr gut erhalten, einwandfrei, ümzugs- halber billig abzugcbcn. Schriftliche Angebote unter 3723D an den Gieffener Anzeiger erbeten. obne Vergütung nach Bad-Nauheim gesucht. Schriftliche Angeb. unt. 02968 a. d. <^ies;eiier Anz. | Verkäufe | tititO- 3719 A GelegenbeikhMe! 1,8-Lit.-Qvel-Bor- fübriingofiiu ouüne wenig gefabr., weit unter Preis. L'vcl, Gieffen, Frankfurt. Str. 52, Tel. 2847. taabor Limousine 10 45,7-Sitzer, auch für Viereiiuagen geeignet, billig abzug. manfreö «oseubaum. Viebigitr. 5. 02959 Diitimir Gieftea, Löwengasse 18 4 Schreibmaschinen, 4 Klubsessel, 7 Per- tifos, 5 Nähmaschinen, 4 Chaiselongues, 1 Radioonlage mit Lautsprecher, 10 Sofas, 1 elektrische Haarschneidemaschine, 2 Grammophone, 1 Hobelbank, 5 Büfetts, 2 Kredenzen, 4 Tische, 12 Stühle, 1 Mille Zigarren, 1 Wirtschaftsbüfctt, 3 Gläserschranke, 1 Badeofen mit Wanne, 1 Musikapparat, 5 Schreibtische, 1 Tru- mcauspiegel, 1 Bild, 2 Kleiderschränke, 1 Teppich, 1 Spiegelschrank, 4 Diwane, 1 Ladeneinrichtung, 70 Dosen Konserven, 150 Flaschen Liköre 1 Kommode, 4 Bücherschränke, 1 Registraturschrank, 1 Standuhr, 3 Spiegel, 2 silberne und 2 goldene Ringe, 1 Armbandkettchen, 1 Wanduhr, 1 Korbmöbclgarnitur, 1 Matratze, 1 Schondecke, 3 Kapokkeilc, 1 Vitrine, 1 Ständerlampe, 27 Zinkeimer, 5 Zinkwannen, 7 Waschkroppen, 12 Roß- Haarbesen, 27 Schraubzwingen, 8 Was- scrschiffe, 100 Kokosbesen, Kinderspielzeug, wie Klappstühle, Holländer, Pferdchen, Puppenwagen, Waschleinen, Fruchtsäcke, Feld- und Klappstühle, verschiedener Christbaumschmuck. 37370 Ferner an Ort und Stelle (Bekanntgabe im versteigerungslokal): 2 Kassenschränkc, 1 Horch-Personenwagen, 1 Aga-Wagen. Bestimmt: 45 Theaterkostüme, 5 Ballen Kostümstoffe und 3 Reste Kostümstoffe. Moll Gerichtsvollzieher in Gießen Ludwigstraße 33 I — Telephon 3239 in Waun OpaTre tAodeW6 ander® Alles in großer Auswahl im Modehaus SalomonSchulstr 37,7D Ter Vorstand. iiiiniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiinii> Maififdie Pfund 95 Pf. 3;.3>A Heilbutt Pfund 150 Pf. Fischhaut ..Cuxhaven“ 111H11 h 1111111111111II1 i 11111111 Achtung! Bevor Sie ein Achtung! Kleinkraftrad oderMotorrad kaufen, sehen Sie sich die neuen Zündapp-Modelle an. Sie finden bestimmt etwas für Sie nässendes. — 8 Modelle von 170 ccm 4,5 PS bis 500 ccm 22 PS von Mk. 450.- bis Mk. 1350.- in kompl. Ausstattung. Vorführung ohne Kaufzwang. 02978 H. APPEL, Kaiserallee 49, Tel. 4067. Wodoame stets größtes und best sortiertes Lager Sintksadien Westen. Pullover mit und ohne Arm, Westover und Pullunder Subdirettion I der H0rnB?rger£eöen6DtrTOetung5-Bant Frankfurt/M., ^öderbergweg 4 Eingeführter Vertreter* für Gießen und Umgebung I von Hamburger Werk fttr den Vertrieb B eines Marken-Autoöles unter günstig. S Bedingungen gesucht. Bewerb, mit H Bild, Referenzen, Angaben üb. bisher. ■ Tätigkeit n. 3739D a. d. Gieß. Anzeiger S SDOrt-SlriimDle gut und preiswert 3725 A tbck gesucht. Schr' Ang. unt. 02973 an den Gieff. Anzeiger- Verloren! Oelfkizze 25:18 cm, gez. (E) E.Gräeffner. Gegen Belohnung abzug. Löberstraffe 23. omt. Langbaar., bcllbr. Mel । entlaufen. Geg.Belohnung abzugeben bei Kremer „Zur Stadt Marburg". Marburtzer Str. 23. Vereins Verein Volkshochschule Gießen e.V. Mitglied.-Versammlang morgensDonnerst.» 20 Uhr, Universität' Hörsaal 33, 1. Stock links. Tagesordng.: Detektiv K. Gerz, Bad-Nauheim, Knr- straßelTerlebigtaQe vertrauliche Privat- u. Geschäftsangelegenheiten, wie Auskünfte, Beobachtungen, Ermittlungen, Beschaffung v Beweismat. in Straf- u. ' ivilvroz. streng diskr. Svrechst.: 9b 12V,3—6 Ubr Hühneraugen Warzen,Hornballen beseitigt restlos auch in den hartnäckigst. TvöQen totsicher unt. Gar. innerb.5-6 Ta. Hühneraugen-Rapid Erhält«, nur: Löwen- Drogerie W. Kilbinger Nacht., Seltersweg 69. Geschäftsdrucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten bei Brüht. Schulstraße f Engelapotheke. Rolladen Jalousien liefert und repariert billigst -,wD CHR. NOLL Westanlage 9, Ruf 3843 |Verschiedenes| »Wer lägt sich mit einigen lOOOMk.z. Million.- Unternehmen ausbauen. Teilhaber gesucht. Schriftl.Angeb.unt. 02974a.d.Gies;.Anz. Hypothek 1500-2000 Hin. an erste u. mündels. Stelle au vergeben. Schr. Ang. mit Ein- heitswertangabe u. 02946 a. d. Gieff. A. Skeue 32soD Pianos von .«• 680.- an, gebrauchte 150.-, 300.-, 3511. u.450 August Förster Babnbofstr. 71. 1 BöWflfffiine Ringsch., 1. Marke, neu, mit Garantie günstig abuig. 1,2861 Asterweg 44. Elektrische Zuglampe billig abzugeben.^' Seltersweg 75 III. [Vermietungen | 3-Zimmerw. (Neub.)Bahnhofsn. m.Zentralhz., Bad, Heiffwasser, Loggia, Mansarde, 1. Stock, z. nenn, Wab. (5627D ^riedrichstr. 53 I. Gut ausgcstattete 3-Ziinmer-Wohniing m.Badu.Mansard- Sinuner Schubert- straffe 6 zu vermiet. Näheres Licher Straffe 5 p. 292011 2Zimmer mit.Kochgel. i>iäbe .Kliniken z. 1.7. z.v. Schr. Ang. 02964 a.d.Gieff.Az. 1-2 eventi. 3 Zimmer in. .Küche, ein Stück (harten ob. gröberer Garten billig z.vm., auf d.Lande, Bahnstation. Schr. Ang. ti. 02965 a. d. G.A. [ Mietgesuche | Suche zum 1.7.32 schöne 5-6 Zimni.-Wolin. mit Bad. Schrift!. Angebote mit Preis unter 02957 an den Gieffener An zeig er. | Stejlenangebote | Perfekte Büglerin speziell für Stärke- wäsckie, sof. gesucht. Schrift!. Ang. unt. 02960 a. d. G. A. Ehrliches, sleiffiges Hirnen nicht tmtorl8Fabr., für .Küche u. Haus zum l.Zuni gesucht, irrau Meta Torn- beracr, Wetzlar, Albmislraffc 25. Für getragene Herrenkleidsr zahle i. d. höchst.Pr. L. Nosen.zweig, Gieffcn, Neustadt 10 Tel 4069. sr«o«A | Empfehlungen | Seelische noch billiger Heute nachmitt, große Sendung eintreffend: Zum Kochen von 15 Pf. a. d. Pfd. Fi!et25Pf. a.d.Pfd. Filet, Marke.,Fifi“ von 30 Pf. a. d. Pfd. Leb. Karpfen Pfund 90 Pfennig I ch. Schleien Pfund 1.25 Mk. Leb. Aale !ä73lD Pfund 1.40 Mk. Heilbutt, Schollen, Rotzungen, billigst u. beste Qualität. A. Koch Mit DIänsburg 16.Tel.3612 in 1 ■ 1 iTiyyrn Bohnenstangen ver Stück 8 Pf. Bosenpffle per Stck.1V— 12 Pf. Banmnlähle ver Stück 0.60 2)it. Waschnlähle ver Stück 1.00 Mk. Schrift!. Ang. unt. 03538V a. d. G. A. Kaufgesuelie | Garten am Nabrungsberg bei Barzahlung ges. Schriftl.Angeb.unt. 02970a. d.Gteff.Anz. Schwere £on3-5!tol)iite|fe wenn auch revara- turbedürftig z. kauf. Nr. 109 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesseil) Mittwoch, *1. Mai (952 — — Lugend und Hochschule. Jugendpflege und deutsche Zukunst. Von £)r Hertha (riemerinq, Äerlin Wer mit offenen Sinnen die ungeheure Spannung unterer Gegenwart miterlebt, der suhlt mit jeher Zaser, daß die Atmosphäre über dem deutschen Da terland wieder ebenso schicksalsgeloden ist wie beim Ausbruch des Weltkrieges, wie beim Nahen des Zu sammenbruchs oder unter den Schrecken der Ruhr befefoung. Bleischwere. Lust lastet aus ollem Bolt Aber nur die Schwachen und Mutlosen meinen, dost man sich untätig und ohne Widerstand zur ffrbr ducken müsse, um den Sturm über sich dahinbrousen zu lassen Ander» die Tatmenschen, die aller Un- sicherheit des Daseins ihr tapferes „Dennoch" ent gegen,eRen. Auf diese zähen Leute und ihre Leistung kommt es auch heute wieder an, wenn es gilt, mft der Gesundheit und Tüchtigkeit unserer Jugend 'in letzter Linie das Leben der Ranon zu retten Um nichts Geringeres nämlich geht es bei dem Kamps für die Jugcndn^ohlfohrtspflcgc, vornehmlich die Jugendpflege, der heute im Zeichen der Sparmaßnahmen, Etatsabstrichen und katastrophaler Finanznot in Ministerien und Magistraten, in den Parlamenten aller Dimensionen, in Staat und Gemeinde mit scharfen und wohl auch mit stumpfen Waffen, mit reiflicher Ueberlegung und Sachkunde, bisweilen leider auch in Zaghaftigkeit und Gedon kenlosigkeil ausgesochien wird Gewiss, beim Ausstellen und Beraten der Haus hollsplane kommt keine Stelle heute um die ernste Pflicht herum, mit scharfem Rcchenstift empfindliche Abstriche oarzunehmen. Aber die Jugendwohlsahrts- pflege beklagt sich mit Recht, daß ihr gegenüber vornehmlich die formelle Frage entscheidend fei: ob ihre Leistungen durch Gesetze vorgeschrieben oder dem freien Ermessen der öffentlichen Hand onheimge- geben seien Darüber werde das Wesentliche ihres Wirkens übersehen. Weil die Pflege der in körperlicher, geistiger und seelischer Beziehung normalen Jugend im Belieben von Ländern und Gemeinden steht, so ist man zwar noch allenfalls bereit, das gesetzlich Angeordnete für die krankhafte und verwahrloste Jugend zu tun, wahrend man glaubt, die breiten Schichten der Jugend vernachlässigen zu dürfen, die zwar einstweilen noch gesund an Leib und Seele sind, die aber aufs ollerschwerste in ihrer Entwicklung bedroht werden durch die Schädigungen, denen sie die Erwerbslosigkeit ihrer Eltern, mehr noch die eigene Arbeitslosigkeit ausfetzt. Wir wissen, wie im Zeichen mangelhafter Ernährung der Gesundheitszustand dieser Menschenkinder schlechter und schlechter wird. Ihre B c • M e i b u n g wird immer durstiger und schadhafter, denn die niedrigen Unterstützungssätze (und längst nicht alle erwerbslosen Jugendlichen hoben einen Unterstützungsanspruch!) gestatten keine Neuanschaf- hingen. Von ärztlicher Seite wird berichtet, wie der Mangel an Wäsche und Seife die Schmutzkrankheiten befördert. 21 m schlimmsten aber lostet auf der deutschen Jugend die Untätigkeit, den Fluch des Ausgeschlossenseins aus der Zahl der werktätigen Menschen. So steht es um Schoren innerhalb einer jungen Generation, die nach wenigen Jahren zu Vatern und Müttern ihrer Nachkommenschaft, zu Ernährern und Hausfrauen im Bereich der Volkswirtschaft, zu Burgern und Bürgerinnen unseres Staatswesens herangereift fein sollen! Gelingt es nicht, diesen Neisungsprozest wieder in gesunde Lebenslust zweckmäßiger Tätigkeit einzuordnen, so ist unser Dasein als Nation aufs schwerste gefährdet. Denn nue vermag ein Volk zu leben in dem Familiengefühl, Arbeitskraft und gesunder Bürgersinn nicht entwickelt sind! Normale Arbeitsgelegenheiten in zureichender Zahl werden wir sobald in unserer Wirtschaft für die Jugendlichen nicht bereit haben. Die Berufsschulen, die in mehr als einem Sinn eine gewisse Ersatzbe- |d)äftigung für die jungen Erwerbslosen bedeuten, werden von den Kommunen in erschreckendem Um sänge eingeschränkt und abgebaut. Damit vergrößert sich die Last an Verantwortung und Aufgaben, die der anpassungsfähigeren Jugendpflege heute ganz ielbftDerftänblid) zufällt. Deshalb darf es nicht geschehen, dost diese letzte und wichtigste pädagogische Stütze der deutschen Jugend so sehr geschwächt wird, daß sie zuletzt ihren Dienst versagen muh. stud. med. in Wien. fhie der (Glanzzeit der Wiener medizinischen Lchulc. Von Karl Zedern. Als ich in den Jahren 1885 bi# 1891 in Wien studierte — erst ein Semester an der mebizinifchen Fakultät, um dann zur juristischen überzutreten —, waren noch viele Geschichten aus der Glanzzeit der Wiener medizinischen Schule im Umlauf. Lebhaft war die Erinnerung an den alten 2i o ■ kitanskh, bei dem mein Vater Hausarzt gewesen war. Wie durch feine epochemachenden Forschungen, war er durch seine lapidare Grobheit berühmt. Wenn er in der „Gesellschaft der Aerzte" den Vorsitz führte, muhte jeder Dortrag vor 10 Uhr beendet sein, damit er rechtzeitig nach Hause kam. Ein junger außerordent- jicher Professor, der zum erstenmal sprach und davon nichts ahnte, redete fort; um dreiviertelzehn wurde Rokitansky unruhig und Iah wiederholt auf die Uhr; die Zuhörer lächelten gespannt, fünf Minuten vor Zehn rief der Vorsitzende durch den Saal: „Eie. Herr Professor, dauert der Unsinn noch lang?" Der Chirurg Hofrat Zuckerkandl. war einige Zeit bet ihm Prosektor gewesen. Ein junger Arzt, der im Seziersaal hospitierte, sagte einmal prahlend, Zuckerkandl lerne doch erst von ihm pathologische Anatomie. Dies kam Zuckerkandl zu Ohren; er war bei der Markomannia aktiv gewesen und heftig von Hatur: als der andere den Seziersaal betrat, entfernte er ihn mit Brachialgewalt. Empört stürzte der ins Zimmer Rokitanskys. der am Schreibtisch sah. und beklagte sich über die ihm widerfahrene Behandlung. Rokitansky schrieb weiter, nachdem er alles angehört. wendete er sich langsam um, sah den anderen aufmerksam an und sagte: „Ra. wann der Zuckerkandl Sie hinausg schmissen hat. wird er scho q muht haben, warumund die Sache war Im Vergleich zu anderen Aufwendungen aus öffentlichen Geldern sind die für Zwecke der Jugendpflege verwandten Mittel stets höchst betcheibcn bc- messen gewesen. Betrugen sic doch beispiclswetic im Jahre 1930 im preußischen Staatshaushalt 3,9 bzw 4,k Millionen Mark (3 Millionen für Jugendpflege zwecke, dazu ein Darlchensfonds von 900000 Mark und 900 000 Mark für Leibesübungen auch der er- wachsencn Staatsbürger) gegenüber einer Gesamt ousgabe der Staates von 4294,k Millionen Mark. In den Etats zahlreicher Gemeinden dürfte die Ju- gendpflege verhältnismäßig erheblich geringer bedacht worden sein. Schon im Jahre 1931 sind die Aufwendungen überall wesentlich gekürzt worden. Jetzt aber werden an diesen Posten noch viel ticsergreisenbe Abstriche vorgenommen; bei manchen kommunalen Haushalten besteht bic bringenbe Gefahr, baß sic gänzlich ausfallen. Einer so wesentlichen ftulluraufgäbe mir der Jugendpflege gegenüber sollte nicht bonach entschieden werben, ob das Gesetz Staat unb Gemeinden ihre Losung zur Pflicht macht, sondern danach, was für die Existenz des Volkes notwendig ist. Hierüber aber kann kein Zweifel bestehen. Die Jugend vermag noch nicht bei den entscheidenden Stellen selbst für ihr Lebensrecht einzutrcten. Deshalb muß die breite Ocffentlichkeit der Erwachsenen endlich etnsehen und dafür lampten, daß die Jugendpflege I iftungsfohig zu erhalten ist. Es geht hier um sehr viel mehr als um wirt- schaftliche Dinge' Seit 1911 ist in Preußen eine Jugendpflegearbeit aufgebaut worben, der nur wenige andere deutsche Lander etwas Aehnliches an die Seste zu stellen verwogen. Im einzelnen hat sich diese Arbeit im Laufe der Jahre den besonderen Bedürfnissen an gepaßt, die sich im Wandel der Zeiten in der Fuh- rung der Heranwachsenden Jugend herausstellten. Dabei wird das Ziel verfolgt, eine an Leib und Seele gesunde, schaffensfreudige und wirtschaftlich tüchtige Jugend heranzubilden. Die zahlreichen großen und kleinen Verbände, in denen sich Burschen und Mädchen aus freien Stücken zusammenschließen, und ihr von sehr unterschiedlichen Zielsetzungen bestimmtes Leben in vielerlei Formen betätigen, sind durch Staatsbeihilfen in ihrer selbständigen Erziehungsarbeit höchst wirksam geforbert worben Don Staats wegen finb sie in Stählen unb Streifen zu Ausschüssen der Jugendpflege zusammengeschlof. Jen, deren Glieder an einer großzügigen Haftpflicht- und Unfallversicherung sowie an der Fahrpreisermäßigung teilhaben, die die Reichsbahn im Interesse der Jugendpflege gewährt. Mit Staatsbeihilfen find rings im Lande zahlreiche Jugendheime und Jugendherbergen geschaffen, Turnhallen er- Dem Gedächtnis der Straßburger deutschen Llniversität. Von einem Elsässer. Die Geschichte des ..Reichslandes Elsaß-Lothrin- gen" umschließt ein Kapitel deutscher wissenschaftlicher Arbeit, dem man französifcherseitS 1918 mit roher Gewalt äußerlich ein Ende bereiten konnte, dessen Rachwirtungen aber nicht so bald ausgelöscht sein Werden. Wir sprechen von der weithin berühmten deutschen Straßburger Hochschule. der nach ihrem Stifter genannten Kaiser- Wilhelm-Universtiät. Am 1. Mai 1872 war sie eingewciht worden. Die Feier der Gründung sand statt im Angesicht des Münsters, im Hos des Rohan-Schlosses. Unb mit besonderer (Ergriffenheit vernahmen die Fest- gäste die mittäglichen Glocken, deren Klang in die feierlichen Worte Anton Springers, des Kunfthistorikers hineintönte. 3m Gegensatz zu den anderen deutschen Hochschulen war die Straßburger Alma mater als umfassende Gründung des jungen Reiches unb der gesamten deutschen Ration gedacht, und fast alle Universitäten des deutschen Sprachgebiets von der Schweiz bis hinaus nach Dorpat waren bei dem Festakt vertreten Bewußt knüpfte man an die ileberlieferung der vor rund 100 Jahren in den Stürmen der französischen Revolution vernichteten deutsch- elsässischen Universität (von 1621) an, deren berühmtester Stubent kurz vor ihrem Ende Goethe gewesen ist. 3m 19. 3ahrhundert hatte im Elsaß eine „Universität" un umfassenden Sinne nicht mehr bestanden, nur eine Reihe selbständiger, an Bedeutung kehr ungleicher Spezialschulen. Run aber verkündete die kaiserliche Slistungsurkunde vom 28. April 1872, „daß die durch eine glänzende Vergangenheit ausgezeichnete hohe Schule zu Straßburg in ihrer früheren einheitlichen Gestaltung als Universität wieder ins Leben trete". Bom elsässischen Standpunkt aus kommt es uns heute weniger darauf an, der großen Gelehrten zu gedenken, die den Rainen Straßburgs in der internationalen Wissenschaft fast aller Fachgebiete bald wieder zu hohem Ansehen gebracht hatten, als den grundlegenden Unterschied der Einstellung aufzuweisen, bet nach 1871 unb hinwiederum nach 1918 die Gründer der deutschen bzw. der heutigen französischen Universität beseelte 1919 wollte man eine betont „nationale" Hochschule ins Leben rufen. Richt zufällig war es Poincare, der bi.e Rede hielt, als man am 22. Rovember 1919 die neue Universität für gegründet erklärte. Und es ist bezeichnend für die heutige Straßburger Universität, daß an ihr bic Muttersprache der Elsässer, das Deutsche, völlig ausgeschaltet ist. erledigt. -- Ein Jahr später war derselbe Arzt Dozent geworden unb hatte seinen ersten Vertrag in der „Gesellschaft der Aerzte" angcmcl- det. Rokitansky führte den Borsiy. Er blätterte in seinen Papieren und sagte mechanisch: „3eht wird ein jüngerer Herr Kollege uns einen sehr interessanten Dortraq Hal! Herr Dr. R...". damit sah er von seinen Papieren aus, erblickte den andern und rief überrascht: „Ah. Sie sein ja derjenige, den der Zuckerkandl damals..." da unterbrach er sich; aber für die Eingeweihten und für die Stimmung des jüngeren Herrn Kollegen genügte es. Einmal saß er beim Rigorosum und fragte den Kandidaten, wie groß ein Kcphalomatom werden könne? Der Kandidat schwieg. Ein gutmütiger Herr aus dem Unterrichtsministerium, der Mitglied der Prüsungskornrnission war, half, indem er mit dem Finger cir.cn Kreis aus feiner Handfläche zog. „Schaun s nöt hin. was der zeigt", sagte Rokitansky", sonst fallen s g'toifo!“ Den großen Anatomen Hyrtl hab' ich selbst noch oft gesehen. Er las zwar nicht mehr, aber er wohnte in Perchtoldsdors bei Wien auf dem Marktplatz hinter dem alten Echwedcnturm er wohnte dort mit seiner Frau, der das Haus gleichfalls gehörte, und mit der et sich nicht vertrug. Darum hatte er quer durch das Haus und durch den Torweg bis zur Straße eine Mauer aufführen lassen, so daß sie wohnen und aus- und cingcpen konnten, ohne sich je zu begegnen. Er selbst ging täglich in einer merkwürdigen 2c.- nentracht, ohne Hut, einen grünen Schirm für die Augen um den Kops gebunden, spazieren und schob mit seinem Stock Papiere, Blechdosen und waS sonst alles auf dem Markt he rumlag. mit der Zeit zu einem mächtigen Hausen hinter dem Turm zusammen. Die Leute nannten es den Misthaufen des Herrn Hofrat. Des Abends aber begab er sich gerne in den eine halbe Stunde entfernten Felsenkeller; und wenn er manchmal — er war weit über siebzig - nicht ganz kicheren Wie anders trat 1872 die deutsche Universität ins Leben! Ohne Scheu und mit offenen Armen trat sie den Dozenten der alten französischen Akademie entgegen; wer weiter an ihr lehren wollte, war willkommen. Die theologische Fakultät bestand so ansangs überhaupt nur aus Elsässern, unb ihr Dekan war der erste Rektor der neuen Hochschule. Auch hatte man nicht Angst vor der Sprache der Besiegten; die übergetretenen Professoren durften, wenn sie es für nötig hielten, in französischer Sprache lehren. Und in den wissenschaftlichen Arbeitsräumen der medizinischen Fakultät durften auch solche Männer weiter tätig sein, die sich nicht hatten entschließen können, den Uebertritt auszusprechen. Dernachlässigl unb rückständig wie saft der gesamte wissenschaftliche Betrieb an der französischen Straßburger „Akademie" war auch die bauliche Unterbringung. So muhte man sich in den ersten 3ahren mit dem Alten einrichten. Aber sofort begann der Ausbau einer neuen, modernen, planmäßig angelegten Stadt der Wissenschaft und Forschung. Sie hatte zwei Mittelpunkte: um das „Bürgersvital" bic mebizinischen 3nftitute, im neuen Straßburg, vor den niedergelegten alten Festungsmauern die Zahl der übrigen 3nftitutc rund um das prächtige Hauplkollegiengebäude, das im 3ahre 1884 eingeweiht werden konnte. Es war nicht nur in der räumlichen Einteilung und Ausstattung zu feiner Zeit vorbildlich, sondern auch architektonisch eine prächtige Leistung. Dom Giebel des schönen Hauses grüßt uns noch heute die Losung: bitter i s c t patriae! Den Wissenschaften und dem Batcrlande! Deutschland hat nicht nur diese Bauten errichtet, die ins-gesamt 18 Millionen Mark gekostet haben, sondern auch bis zuletzt einen jährlichen Zuschuß von 400 000 Mark geleistet. Die Kaifer-Wilhelm-Universität war wohl als eine Schöpfung von außen her ins Leben getreten, aber durch Anpassung an die natürlichen Bedingungen ihrer Umwelt immer mehr zu einer elsaß-lothringischen Landesuniver- sität geworden Sie war die Krönung des vorbildlichen rcichsländischcn Unterrichtswesens und wie die'es ein Segen für Land unb Volk Sie hat erreicht, was sie in so kurzer Zeit erreichen konnte: sie begründete durch ihre Tätigkeit die Achtung vor vorurteilsfreier deutscher Forscherarbeit und hat ohne plumpe „Germanifations"-Absichten der Selbstbesinnung der Elsässer und Lothringer auf ihr deutsches Volkstum unb den Stolz auf die eigene Art toieöcr^ebcn helfen. Schritts heimkehrte, dann bot ihm wohl ein des Weges kommender Einwohner, der ihn kannte, hilfreich den Arm. „Wie schön", sagte er einmal. da es dunkle Rächt war. „daß ich nicht sehe, vor wem ich erröten muß!" 3hm wurde im großen Hos der Universität noch bei Lebzeiten ein Denkmal gesetzt; er selbst war bei der Enthüllung anwesend. Der Chirurg Hof- rat Eduard Albert, den ich als Freund meines Vaters gut kannte unb der zugleich ein vortrefflicher Schriftsteller war. h'clt. eine lateinische Ansprache an ihn. Die Kollegen hatten sie erst schriftlich eingefordert und heimlich einem Philologen gezeigt, weil sie dem Latein des Chirurgen nicht trauten, aber der hatte sie beruhigt Albert hielt die Rede mit der ganzen männlichen Würde und in der eindrucksvollen Art, die ihm eigen war aber — der fast Achtzigjährige erwiderte aus dem Stegreif in tadellosem Latein mit einer geistvollen Rede. Als Hyrtl noch aktiver Professor war. hatte er manchmal keine Lust, eine Vorlesung zu halten unb suchte dann nach einem Vorwand. Eines Tags, da er sehr übellaunig im Hörsaal erschienen war. Iah er unter den Zuhörern einen Zögling des Francisco-Joseph' nums. des militärischen 3nftitut0, in feiner blauen Uniform in der vordersten Reihe am Tisch mit den Präparaten stehen. ..Mann des Kriegs, umgürtet mit dem bruöer- mörderifchcn Schwerte", redete er ben Verblüfften an. ..was fuchst du in meiner Vorlesung? Willst du hier Anatomie hören? Das kannst du in eurem 3nftilut cben'ogut oder belfer! Kommst du aber, damit ich dir einen Wurfchtl abgebe — dazu bin ich mir zu gut!!" sprach s ober schrie's, schritt vorn Vortragstisch und schlug die Türe des Hörfaals hinter sich zu. Hyrtl haßte die Physiologen im allgemeinen und konzentrierte fc;nc Abneigung persönlich auf baut, Spiel- unb Sportplätze, Schwimm unb Bade- anftalicn eingerichtet morden Damit finb ber Ju- genb bic Stätten bereitet, auf denen sich das ihr ge Leben abfpielen kann Ein ciab von Führern steht ihr zur Seite, für besten Weiterbst düng der Staat Gelber. Uebungsstotten, Lehrkräfte und manche sonstige Hilfe zur Verfügung gestellt hat. Selbstverständlich wird kein Einsichtiger daran denken, diese Einrichtungen vorläufig noch weiter auszubauen. Indessen lallte der Bestand überall erhalten bleiben. Es geht j. B. nicht an, daß öffentliche Jugendheime ihre Pforten schließen, weil die Poften für Heizung — die ja jetzt in Wegfall kommt — unb Beleuchtung gespart werben sollen. Denn bic arbeitslose Jugend braucht für Lehrkurse aller Art wie für müßige Stunden diese Unterkunft»- gclcgcnhciten notwendiger denn je. Die lebendige Jugendpflege, für die diese Einrichtungen den Rahmen ahgeben, muß unter allen Um standen sortbeslehen Um diese flarbinalforbcrung zu erfüllen, finb Menschen, Jugcnbpfleger und Jugenbpslegerinnen ersorberlich, bic bic praktische Arbeit tragen. In Preußen hat ber Staat in ben Regierungsbezirken wie in den Stabt- unb flanb- kreisen solche Persönlichkeiten bestellt. Dieser Per- scnenkreis muß bedauerlicherweise einstweilen auch erheblich eingeschränkt, ben Verbleibenben noch mehr Arbeit als bisher zugemulet werben. Mit Rat unb Tat stehen sie ben Jugenbvereincn zur Seite, soweit biefe das wünschen. Ihre Tätigkeit gilt heute aber hauptsächlich ben erwerbslosen jungen Leuten unb Mädchen, beren Mehrzahl nicht in einem Ju- genbbunb organisiert ist Die vom Staat bestellten tiugenbpfleger werden in Konferenzen unb Lehr- gangen durch Runberlasfe in Fachzeitschriften laufend mit den besonderen Aufgaben vertraut gemacht, vor bic bic Not ber Gegenwart sie stellt. Folglich sind auf Anregung bes etaates bereits im Herbst 19.30 an vielen Orten Arbeitsgemeinschaf- t c n von Jugendpflege, Arbeitsamt, Berufsschule unb allen sonst beteiligten Stellen aufgebaut worben, bie bic mancherlei Hilfs-, Erziehung». unb Schulungsmaßnahmen für die erwerbslose Jugend einheitlich durchfuhren. Zahlreiche Beschästigungs- Möglichkeiten, llnterrichtskurse, Arbeitslager usw.. sind überall mit erprobten unb neiigcmi nnenen Hilfskräften eingerichtet worden. Aber nicht jeder bereitwillige Helfer vermag ohne weiteres im Dienste an der erwerbslosen Jugend Ersprießliches zu leisten Deshalb haben die Jugendpslegcorganc des Staates feit einigen Monaten begonnen, solche Hilfskräfte, z. T. stellenlose Lehrer und Lehrerinnen, Handwerker, Wohlfahrtspflegerinnen usw., in die sen eigenartigen Zweig ber Jugendpflegearbeit einzuführen. Mit ber Erwerbslosenpadagogik entwickelt sich in unserer Notlage ein Sonbergebiet ber Er- ziehungswissenschaft. Als mit ber Dauer ber Arbeitslosigkeit die Frage immer brennender wurde, was man denn auf die Länge ber Zeit mit biefen jungen Menschen beginnen solle, ba ja keiner der ihnen geläufigen Be rufe irgcnbroeldjc Aussicht auf Bcschäftiaung bietet, erschloß sich für bie überschüssige junge Arbeitskraft ein einziges Ventil, burd) bas sie mit Hoffnung auf einige Enbgültigkeit ausftrömen kann, bic Sieb- l u n g. Mit Umschulungskurscn zu Gartenbau unb lanbwirtschaftlichcr Arbeit, mit Unterricht in ländlicher Haushaltungskunbe für bie Mäbchen, sucht man ber ber Scholle entwöhnten Jugcnbbicfe Ceman ber ber Scholle entwöhnten Jugenb biefe fielt g e Arbeitsdienst bietet den Arbcitshungri- gen willkommene Gelegenheit, Arbeitsfähigkeit und Arbeitsdisziplin zu üben. Die von den Arbeitsämtern genehmigten Unternehmungen reichen immer wieder nicht zu, um alle Dienstwilligen auszunehmen. Bei diesen vielgestaltigen Maßnahmen sind Jugendpfleger unb Jugenbpslgerinnen bald als Führer, halb in bescheibencr Helferrolle mit am Werke. Die notmenbige Umschichtung unseres Volkes aus ber engen Stabt an ben Slabtronb mit Gemüse- und Obstgärten, aus der Gcbunbcnheit bes In- buftricarbciters, bes Hanbelsangestellten ober sog. Intellektuellen in bie freiere Lebenszone bes Land bebautes kann nicht gedeihen, wenn sie nicht durch eine weitblickende unb großzügige Erziehungsarbeit an ber Jugenb vorbereitet wirb. Diese Arbeit hat bie Jugenbpslcge zu leisten unb sic hat fic schon tatkräftig angepackt. Damit wächst bie Jugenbpflegc über sich selbst hinaus zur Wegbereiterin deutscher Zukunft. 'Wahrhaftig, dieses Stück Volkserziehung muß auch über bie Notzeit hinburchgehalten werben! seinen berümten Kollegen Ernst von Brücke. Dieser, um ihn zu ärgern, kündigte in einem Wintersemester ein Kolleg über „Physiologie und höhere Anatomie" an. „Meine Herren", sagte Hyrtl in ber ersten Vorlesung, .auf dem schwarzen Brett ist eine Vorlesung über höhere Anatomie angezeigt: ber betreffende Herr meint damit nur, bah wir hier im Parterre sind, er aber im ersten Stock lieft!" Brücke verlangte, baß man sein Lehrbuch bet Physiologie fast wörtlich auswenbig lernte Ein Kanbibat. der dies zu wörtlich nahm, zitiert« in seiner Antwort auf eine Frage „Mein Freund Dubvis-Reymond hat nachgewiesen ." Da tippte der kleine alte Herr ihm lcile auf die Schulter und bemerkte Er war auch mein Freund!" 350 3obre Llniversität Würzburg. Die Universität Würzburg kann im Mai b. 3 auf 3 5 0 3 a f) r c ihres Bestehens zu- rüdblidcn. 1582 würbe sie von Fürstbischof 3u- lius Echter von Melpclbrunn gegründet. 5 as ehrwürdige Baudenkmal mit seinen wer Flügeln unb dem überragenden Turm vom 17. 3ahr- hundert enthält heute die Universitätsbibliothek mit 600 000 Bänden, 1750 Handschriften und 2000 Inkunabeln, einen Ausstellungssaal mit wertvollen Handschriften unb literarischen Seltenheiten. kunstgeschichtliches Museum mit prächtigen Gemälben. Skulpturen, Münzen, Vasen unb sonstigen antiken Gegenständen, kunstwissenschaftliche 3nftitute und bic Un versilätskirche mit einer Fülle hervorragender Kunst schätze Das neue Kollegienhaus der Universität — ein ausgedehnter Prachtbau in Spätrenaissance — erstand 1392 b,s 1896 am Sanderring. Berühmte Ramen wie Roentgen.V irchow und Hermann Schell gehörten dem Lehrkörper an. 3n den Tagen vom 11. bis 13. Mai wird eine schlichte Gedächtnisfeier in der schönen Stadt am Main die Erinnemnk» beleben. Aus der Provinzialhauptstadt. Dießen, den II. Mai 1932. Keine Mietsteigerung für Bezieher von Mietbeihilfen. Dom Mieterverein Gießen werden wir um die Aufnahme nachstehender Zeilen gebeten: 3n seiner öffentlichen Mieterversammlung am 4. März hat der Mieterverein besonders darauf hingewiesen, daß ab 1. April 1932 eine Miet steigerung für die hilfsbedürftigen Mieter praktisch zu befürchten sein würde. Diese allgemein als unmöglich und unverständlich anzu- sehende Steigerung ist nun doch leider zur Tatsache geworden, obwohl die maßgebenden Stellen diese Entwickl ung voraussehen und verhüten konnten. Der Öffentlichkeit ist diese Sache nicht allgemein bekannt, obwohl ein großer Teil der Bevölkerung darunter schwer zu leiden hat. Bisher erhielten die anerkannt hilfsbedürftigen Mieter nach bestimmten Richtlinien eine Mietbeihilfe bis zur Höhe des Sondersteueranteils der betreffenden Wohnungsmiete. Wie bei allen übrigen Mietern, würden auch ab 1. April 1932 die Mieten der Hilfsbedürftigen um 10 Proz. der Friedensmiete bzw. nach den sonstigen Bestimmungen der 4. Notverordnung gesenkt worden sein. Dies war nichts weniger als notwendig, weil zur gleichen Zeit die Bezüge aller Renten- und Unterstützungs- empfänger bedeutend gesenkt wurden. Die gewährten Mietbeihilfen blieben vorerst in der letzten Höhe bestehen. Ab 1. April d. I. wurden die Mietbeihilfen, die ja aus den Mitteln der Sondersteuer gewährt wurden, im gleichen Verhältnis gekürzt, wie sich die Sondersteuer für den betreffenden Hausbesitzer senkte. Der Mietbeihilfe-Bezieher war dadurch gelungen, an den Hausbesitzer von feinem kärglichen Einkommen aus Rente oder Unterstützung den gekürzten Betrag selber zu zahlen, so daß für diese bedürftigen Mieter sich die Miete gegenüber Januar, Februar und März 1932 um diesen Kür- zungsbetrag ab 1. April steigerte. Diese Steigerung entspricht allgemein dem Betrag der Mictsenkung vom 1. Januar 1932, so daß gerade für die Aermstcn der Mieter die Mietsenkung aufgehoben worden ist, obwohl auch diese Leute in ihren Bezügen aus der Sozialversicherung, aus der' Kriegerhinterbliebenen- fürsorge, Kleinrentnerfürsorge, Wohlfahrtserwerbs- lofenfurforge ufw. gekürzt worden find. Die Bürgerschaft darf nicht vergessen, daß es sich hier meist um Leute handelt, die mit gutem Recht anspruchs- berechtiqt find, fei es nun durch eigene frühere Bei- ^ragsleistung zu den Sozialversicherungen, sei es durch Opfer für den Krieg, 'für den Staat durch die Inflation, sei es als schuldloses Opfer der Wirt- schaftskrise. Dem harten Schicksal dieser Mitbürger noch weitere Opfer und Unrecht zuzufügen, muß mit aller Schärfe abgelehnt werden. Der Mieterverein e. G. Gießen hat es daher als feine besondere Pflicht angesehen, in einem Schreiben an die Bürgermeisterei der Stadt Gießen Abwendung der ungerechten Mietssteigerung für die Aermsten der Mieter zu fordern. ** Senkung weiterer staatlicher Gebühren. Um dem Verfall der Abmarkung der Eigentumsgrenzen und damit dem der Kataster ent« acgcnzuarbeiten, sind auf Grund der Senkung der Kosten der Vermessungsämter die Gebühren für die Wiederherstellung der Grundstücksgrenzpunkte durch Bekanntmachung vom 4. Mai 1932 erheblich herab- gesetzt worden. Die Senkung ist dem Bodenwert ent- sprechend gestaffelt und beträgt im landwirtschaftlich genutzten Gelände im Durchschnitt 40 v. H. und darüber hinaus. "Freie Lehrer st eilen. InMuschen- h e i m und in Ober-Bessingen (Kreis Gießen) ist an den dortigen Bolksschulen je eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer zu besehen. Die Dienstwohnung ist in beiden Orten frei. " Psing st karten auf derReichspost. Gedruckte einfache Pfingstkarten, die in Gröhe, Form und Papierstärke den Bestimmungen für Postkarten entsprechen und ohne Umschlag versandt werden, unterliegen einer ermäßigten Gebühr. In diesen Karten dürfen außer den sog. Absenderangaben (Absendungstag. Rame, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders) noch weitere fünf Wörter, die mit dem gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen', handschriftlich hinzugefügt werden. Als solche zulässigen Rachtragungen gelten z. B. die üblichen Zusätze „sendet", „Ihre", „Dein Freund", „sendet Dir", ..sendet mit bestcM Grüßen Ihre" usw. Die Gebühr beträgt sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts, als auch im innerdeutschen Fernverkehr, sowie im Verkehr mit der Freien Stadt Danzig. Litauen und Memelgebiet, Luxemburg und Oesterreich für einfache Karten (ohne Umschlag versandt) 3 Pf., für Karten im offenen Umschlag bis 20 Gramm 4 Pf. •* Vortragsabend im Verband reisender Kaufleute. Man berichtet uns: Die Sektion Gießen vom Verband reisender Kaufleute Deutschlands veranstaltete am Samstagabend im Saale des Hotel Prinz Karl einen Vortragsabend, zu dem die Handelskammer, der Verkehrsverein, der Kaufmännische Verein und der Zentralverband der Angestellten eingeladen waren. Als erster Redner hielt Reichsbahnamtmann Dörr einen Vortrag über „Die Entwickelung des Verkehrs". In anschaulicher Weise, durch Lichtbilder unterstützt, führte er den Zuhörern die Verkehrsmittel von einst und jetzt, von der einfachsten Droschke und den ältesten Postwagen angefangen bis zum Zeppelin und Großflugzeug von Junker, vor. Einen besonderen Raum in seinem Vortrag nahm die Entwickelung des Autos und der Aufstieg und Riedergang unserer Handelsflotte ein. Als zweiter Redner sprach Reichsbahn-Oberinspektor KI i f f m ü l l e r über „Reh- und Bezirks-Karten". Der Vortragende schilderte zunächst an Hand von Lichtbildern die Einnahmen und Ausgaben der Reichsbahn als größtes kaufmännisches Unternehmen, wies darauf hin, daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse auch hier fühlbar gemacht hätten und betonte, daß die Reichsbahn bemüht sei, durch Verbilligung der Tarife die Einnahmen zu vermeh- Berlm schwankend. Berlin, 11. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die bevorstehenden Feiertage hemmten die Unternehmungslust an der Börse, so daß sich zu Beginn des heutigen Effektenverkehrs überwiegend kleine Abbröckelungen ergaben, die jedoch nur ganz vereinzelt mehr als 1 v. H. betrugen. Das Publikum vermißt Anregungen wirtschaftlicher Art und hält aus diesem Grunde mit .den in letzter Zeit zu beobachtenden kleinen Kaufaufträgen etwas zurück. Von der Lausanner Konferenz erwartet man nur eine vorläufige Lösung des Reparationsproblems, und im übrigen ist es in der Außenpolitik gegenwärtig recht ruhig. In Reu- hork war die Tendenz im Hinblick auf die bevorstehenden finanzpolitischen Entscheidungen abwartend bei stetiger Kursgestaltung. Als stärker verändert sind heute Aku und Dortmunder Union zu erwähnen, die je 2 v. H. und Schuckert, die sogar 2,75 v. H. einbüßten. Stolberger Zink waren, wohl in Reaktion auf die gestrige starke Steigerung, heute wenig angeboten und muhten nach anfänglicher Minus-Minus-Rotiz 3 v. H. schwächer festgesetzt werden. Bei Gesfürel gingen heute 3,6 v. H. Dividende ab. Auf der anderen Seite fielen Chadeaktien mit plus 3,5 Mk. und Allgemeine Lokalbahn mit plus 1 v. H. durch feste Veranlagung auf; bei letzteren lautet der Dividendenvorschlag auf 5 v. H. gegen 10 v. H. im Vorjahre. Im Verlaufe ergaben sich mehrfache kleine Schwankungen, und die Kursgestaltung war auch auf den einzelnen Marktgebieten nicht ganz einheitlich. Farben und Montane waren vom Rheinland zeitweilig etwas gefragt. Deutsche Anleihen waren zunächst etwas schwächer, im Verlaufe jedoch gut erholt. Altbesih zogen nach anfänglicher Abschwächung bis auf 44 v. H. an, vermochten jedoch diesen Kurs später nicht zu behaupten. Ausländer waren geschäftslos, vierprozentige Türkische Bagdad II etwas schwächer. Deutsche festverzinsliche Werte zeigten keine einheitliche Tendenz. Reichsschuldbuchforderungen eröffneten etwa 0,5 bis 0,75 v. H. unter gestern, vermochten sich aber im Verlause gut zu erholen. Reichsbahnvorzugsaktien waren anhaltend freundlich veranlagt und zogen bis 767/g v. H. an. Am Geldmarkt machte die Erleichterung weitere Fortschritte. Tagesgeld war in der unteren Grenze bis auf 53 s v. H. rückgängig, Monatsgeld blieb mit 6 bis 8 v. H. nominell. Sronffurf still. Frankfurt a. M, 11. Mai. (WTB. Drahtmeldung.) Die heutige Börse zeigte zu Beginn ein sehr ruhiges Aussehen, da es hier fast vollkommen an Anregungen fehlte und auch die bevorstehende mehrtägige ^Unterbrechung durch die Feiertage keine älnternehmungslust der Speku- tätion aufkommen ließ, zumal heute die Kundschaft voUkommen fehlte. Daneben mahnten die etwas zugespihten Auseinandersetzungen int Reichstag zur Zurückhaltung. Das geringe Geschäft verteilte sich nur auf die Kulisse, die verschiedentlich noch leichte Deckungsneigung zeigte, aber auch anderseits Glattstellungen vornahm. Gegen die Abendbörse war die Kursbildung nicht einheitlich. 2G.-Farben lagen knapp behauptet ren. Demzufolge seien jetzt auch seit dem 1. Januar d. I. die Reh-Bezirks- und Dezirksteilkarten eingeführt. Ratürlich könnten mit diesen Karten, die ja erst im Anfangsstadium sich befänden, nicht jedem Wunsche Rechnung getragen werden, selbstverständlich sei aber, daß die Reichsbahnverwaltung jeden Wunsch prüfen und ihm weitgehendst Rechnung tragen werde. So seien ja auch von der Sektion Gießen Anregungen auf Verbesserungen der Dezirkskarten gegeben worden, dick die weitgehendste LInterstühung und Beachtung finden würden. Beide Redner führten übereinstimmend aus, daß die Rachwirkungen des Krieges, der Vertrag von Versailles usw. sich auch auf die deutsche Eisenbahn nachteilig ausgewirkt hätten, aber der Glaube an ein großes Deutschland lasse hoffen, daß es deutschem Fleiß und deutschem Unternehmertum gelingen werde, auch unserer Dahn in einem glücklichen Vaterland wieder bessere Zeiten zu verschaffen. Kaufmann Wei- d i g dankte int □tarnen der Sektion den beiden Referenten für die aufklärenden Vorträge, die ohne Zweifel manche Klarheit in die Kaufmannschaft gebracht hätten, dabei der Hoffnung Ausdruck gebend, daß die Reichsbahn sich auch zur Einführung des Kilometerheftes entschließen möchte, um das die reisenden Kaufleute schon lange den Kampf führen. und gaben nach den ersten Kursen weiter leicht nach. Etwas Interesse zeigte sich dagegen für Scheideanstalt, die bis zu 1 Prozent gewannen. Am Elektromarkt ergaben sich keine großen Veränderungen, Siemens lagen stark vernachlässigt, AEG. gaben 1 Prozent nach, während Gessürel, Mainkraftwerke und Licht und Kraft (die beiden ersten unter Berücksichtigung des Dividendenabschlages von 3,6 Prozent) gut behauptet waren. Für Montanwerte erhielt sich weiter Interesse bei Kurserhöhungen von 0,25 bis 0,5 Prozent. Die erhöhte Beschäftigung in der Rheinisch-Westfälischen Hüttenindustrie durch die Russenaufträge wirkte hierbei etwas anregend. Reichsbank und einige Rebenwerte neigten leicht zur Schwäche, doch zeigte sich später erneut starke Rachfrage, so daß der Kurs um fast 1 Prozent anzog. Reubesitz waren nur wenig verändert, ebenso Reichsschuldbuchforderungen, während Reichsbahn- Vorzugsaktien um weiter 0,5 Prozent hinaufgingen. Gold- und Liquidationspfandbriefe neig» Frankfurta.M, 10.Mai. (WTB.) Inder heutigen Generalversammlung der 2G- Farbenindustrie AG-, Frankfurt a.M. machte Geheimrat Schmitz zu der beantragten Herabsetzung des Grundkapitals um 110 Millionen Mark nähere Ausführungen. Am Tage der vorigen Generalversammlung betrug der Bestand an eigenen Aktien 85 630 800 Mk. Hierzu kamen im 2ahre 1931 64 431000 Mk. Aktien. Zu Lasten der stillen Reserven wurden hiervon abgeschrieben: 13 828 000 Mk-, was einem Agio von 21,44 Prozent entspricht: Unter Berücksichtigung des gesamten Aktienbestandes von 114 347 800 Mk. betragen die Abschreibungen insgesamt 38 700 000 Mk., was einem Agio von 33,9 Prozent entspricht. Die Liquidität der Gesellschaft hat sich durch die Aktien-Transaktion nicht verschlechtert, da die Aktivquote mit der Kapitalherabsehung in Einklang gebracht wurde. Die flüssigen Mittel betragen 120 Millionen Mark. Da der Besitz der Gesellschaft an eigenen Aktien mit erheblichen Steuern und Lasten verbunden ist, glaubt die Verwaltung von der Herabsetzung in erleichterter Form Gebrauch machen zu müssen. Rach erfolgter Herabsetzung des Kapitals um 110 Millionen Mark besteht das Stammkapital der Gesellschaft aus 850 Millionen Mark Stammaktien, 100 Millionen Mark Vorzugsaktien Serie „A“ und 40 Millionen Mark Vorzugsaktien Serie „B“. Die Herabsetzung des Grundkapitals wurde ohne Widerspruch genehmigt. 2n dem Bericht über das erste Quartal 1 9 3 2 heißt es, daß die Geschäftslage der Gesellschaft auch weiterhin unter dem Eindruck der fortdauernden Weltkrisis und der ganzen Unklarheit der wirtschaftlichen Situation stand. Die im Geschäfsbericht bargelegten Störungen des internationalen Zahlungs- und Warenverkehrs engten den Export noch mehr ein, da in einzelnen Ländern noch weitere Beschränkungen vorgenommen wurden. Um weitere Cnt- ten durchweg zur Schwache bei Rückgängen Hl- zu 0,75 Prozent. 2m Verlaufe machte sich bei der Spekulation auf dem erhöhten Riveau ^e.i,ch t e Deckungsneigung bemerkbar, zumal das anhaltende 2n- teresse für Montanwerte etwas anregte. Die Kursbesserungen betrugen bis zu 0,5 Prozent. Deutsche Anleihen blieben auf der letzten Basis gut behauptet- Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 4 Prozent sehr leicht. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. Mai. Es wurden notiert: Weizen 285 bis 282,50 Mark, Roggen 225, Sommergerste für Brauzwecke 200 (nominell), Hafer (inländischer) 170 bis 177,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschweizen) 40 bis 40,95, Weizenmehl (niederrheinifches, mit Austauschweizen) 40 bis 40,70, Roggenmehl (70 v. H.) 28,25 bis 30, Wei» zenkleie 10,75,' Roggenkleie 10,75 Mark. — Tendenz: ruhiger. Gchweinemarkt in Gießen. Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen standen 426 Ferkel und 2 Läufer zum Verkauf. Es kosteten: Ferkel 6 Wochen alt 12 bis 14 Mark, 6 bis 8 Wochen 14 bis 20 Mark, 8 bis 13 Wochen 20 bis 28 Mark,. Läufer 40 Mark. Tendenz: Mäßig, Ueberstand. Gchwcinemartt in Gedern. Y Gedern, 10. Mai. Der gestrige Schweinemarkt war mit 489 Ferkeln und Läuferschweinen beschickt. Für sechs Wochen alte Ferkel wurden 9 bis 12 Mark, für acht Wochen alte Tiere 12 bis 15 Mark, für Läuferschweine 18 bis 22 Mk. gezahlt. Der Handel war flott. Es verblieb kein Lleberstand. • Hebe r tr a gun g der Eisenquoten von Borsig-Werk AG. auf Mitteldeutsche Stahlwerke AG. Die Borsig- Werk-AG. hat vor einiger Zeit infolge der allgemeinen schlechten Marktlage und des hierdurch hervorgerufenen Absahmangels sich gezungen gesehen, ihre Eisenbetriebe in Oberschlesien stillzulegen. Alm nun eine Verwertung ihres Absatz- rechtes in den Verbänden weiterhin zu sichern, hat, wie WTB.-Handelsdienst erfährt, die Bor- sig-Werk-AG. eine Abmachung mit der Mitteldeutsche Stahlwcrke°AG., dem für ihre Haupt- produkte nächstgelegenen Werk, getroffen, der- zufolge die Beteiligung in den Verbänden für eine Reihe von Jahren auf die Mitteldeutsche Stahlwerke-AG. übergehen wird. lassungen zu vermeiden, wurde am 1. 2anuat 1932 in Oppau und Merseburg die 40-Stun- denwoche cingeführt, die bald auch in anderen Werten zur Einführung kommen dürfte. Einschließlich der Leuna-Werke hat die I.-G.- Farbenindustrie 1931 rund 2 4 0 Mill. M k. an Löhnen und Gehältern ausgezahlt. Aus zahlreiche Fragen aus dem Kreise der Aktionäre erwiderte Geheimrat Schmitz, die Bewertung der Beteiligungen und Vorräte entspreche durchaus den derzeitigen Verhältnissen. Bei dem riesigen Umfang des Exportgeschäftes hatte der Konzern naturgemäß auch unter den Währungsschwankungen zu leiden, doch konnten größere Verluste durch Anpassung der Verkaufspreise vermieden werden. Die Währungs- Verluste hielten sich im vergangenen Jahrs unter 10 Mill. Mk. Aus dem Pfundsturz seien der Gesellschaft keine Schäden ^entstanden, da der gesamte Pfundbesitz bereits vier Wochen vor der Pfundsenkung verkauft worden wäre. Auf Anfrage wurde vom Vorstand ferner mitgeteilt, daß eine Beteiligung der 2.-G. an der D a n a t b a n f nicht 'besteht und daß auch an eine Beteiligung an der Deutschen Bank angesichts der verwickelten Verhältnisse nicht gedacht werde. Bezüglich der American 2. - G. und der 2.-G.-Chemie Basel wurde erklärt, daß man versucht habe, zunächst selbst die Bilanz der 2.-G. fertigzustellen, ohne sich um den Abschluß dieser Gesellschaften zu kümmern. Zur Frage der ßänberbanf erklärte die Verwaltung, daß diese ein unabhängiges 2nftitut sei, an welchem Zustand nichts geändert werde. Die 2.-G. sei an dieser Bank selbst nicht beteiligt. Hierauf wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1931 genehmigt. Auch die Dorgcfdglagene 7 proz. Dividendenausschüttung aus dem erzielten Reingewinn von 51,46 Mill. Mk. wurde gutgeheißen. Auf neue Rechnung werden 2,48 Mill. Mk. vorgetragen. Wirischast. Die IG.-Farben im Jahre 1934. Herabsetzung des Grundkapitals. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Sranffurt a. JJ1. Berlin (Schlußkurs 1-llhr- Kurs (Schluß-> kurS I Anfang- Kurs Datum 10.5. 11.5. 10.5. 11.5. 6% Deutlche Reichsanteihe d.192< 57,5 — 57 — 7% Deutsche Reichsanleihe u.1929 &’/»% Douna-Anleibe von 1930 . 65,75 53,5 _ 65 53,75 — Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten....... 43,4 43 43,65 43.13 TeSgl. ohne Aurios..Rechte . . . 3,6 3,5 3,65 3,5 6% fitlf. VoNSstaat von 1929 srückzahlb. 102%)...... 51,25 _ 50,65 _ Oberhcsjen Provinz-Anleihe mit AuSIos.-Rechten....... 34 _ — Deutsch» Komm. Satnmelabl. Anleihe Serie 1....... 38,65 39 6% Franks. Hyp.-Bank (Joldpfe 15 unkündbar bis 1935 .... 74 _ _ —- 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. unkündbar bi» 1936 Serie 16 . 73,5 _ _ — «'/,% Franks. Hyp.-Bank Liqu.- Pfandbriefe......... 78,5 __ _ _ V/.% Rhe'nische Hyv.-Bank.Liau. Goldpse........... 77,6 6% Pr. Landerpfandbriefanstalt, Pfandbriefc R. 19...... 73 _ 73,5 __ f% Tr. Lenderpfandbriesanstalt, Pfandbriefe R. 10 — — 4% Oesterreich»che Golbreme . . _ —— — _ 4,20% Oekterrelchische SUberretuc 0,9 e— — — 4% Ungarische Goldrente .... 5 — 5,3 — 4°o Ungarische Staatsrente v. 1910 5 —— 5.3 — 4'/,% deSgl. von 1913 . . . —— 5,13 • — 5% avgest. Goldmcxikaner von 99 6 — — 4% Türkische Zollanleibe von 1911 2,13 —— 2,15 —— 4% Türkische Bagdadbahn.Aaleibe Serie I _ 2,45 4% desgl. Serif 11....... ■— — 2.25 2,1 5% Numan, vereinh. Rente 6.190? — _ 4,7 4,7 4^%Rumän.vcreinh.Rentev.i913 4% Rumänische vereinh. Rente . 8,4 — 8.4 3.9 __ 4,05 • 54% 1. Anatolier 13.5 — 13,75 13.75 iTtaniiun u. JJ1. | 2$crlm Schlußkurs 1-Uhr- Kurs Echluß-I kurs 1 Anfang- Kurs Datum 10.5. 11.5 10.5 11.5. Hamvurg-Amersta Tatet ... 6 Hamburg-Südam. Dampfschiss. 0 — —— 12.65 12,65 — — — —— Hansa Dampsjchtss . . 0 — — Norddeutscher Lloyd . . . . . 6 13,4 13,75 91.(3. für Verkehrswesen Aki. . — — 34.5 33 Berliner Handelsgesellschaft . 8 83.5 — 84 — Commerz« und Privat-Ban — —— 18.75 — Darmstädter und Nationalbank 8 20,5 — 20.5 —— Deutsche Bant und DiSconio-GeleNschast. . Dresdner Bank..... . 6 37,5 — 37,5 . 6 20.5 —— 20.5 — ReichSbank ...... . 12 115,25 114,75 116,25 114.75 A.E.G.. . . 7 26 25 26 24,5 Bergmann....... Elektr. LieferungSgeseMchas . . 9 — — 16.75 . 10 — — 56.5 56,25 Licht und Krall . . . 10 72.25 72.75 72.13 72,75 Felten L Guilleaume. . . . Gy. — — 39,25 — Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen . . . 9 56,5 53 56,25 52,75 Rbeinische Elektrizität . . . . 9 — - 71 —— Schuckert & (So...... . 11 — — 53,25 50,5 Siemens & Halske . . • • . 14 — 108,75 108.75 LahmeyerL Co.. • • • • . 12 83,5 — 83.25 — — — 25,5 — Deutsche Erdöl..... . . 6 -- — 59.4 59,25 Gelsenkirchener . . . . . . . 8 37,5 38 37.25 37,75 Harpener........ . . 0 — — 41 40,65 Lorsch Eisen....... . . 6 — — 27,5 27,25 Ilse Bergbau...... Klöcknrrwerke . . . . . 10 . . 6 — — 123,5 26,5 25,9 Köln-Neuejsen...... . 6K — — — — ManneSmann-Röhren . . . . 6 — —— 38 38 Mansfelder Bergbau . . . . . 0 15 —- 15 15 cberschles. Kokewerke . . . . 8 —- — 34,5 33,9 Phönix Bergbau..... Rheinische Braunkohlen. . Rbeinstabl . . . 4V, 18,75 19 19 19.4 . 10 157 — 157,5 *0 156 40.5 40.4 Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs 1-llhr- 'Kurs Echluß- kurs Anfang- Kurs Dalum 10.5. 11.5. 10.5. 11.5. Rtebcck Montan......7,2 —— — —— — Vereinigte Stahlwerke .... 4 Olavi Minen......16*/- 16,5 16,25 16,25 16,13 —— —— 10,75 10,5 Kaliwerke Aschersleben ... 10 — — 86 85,5 Kaliwerke Westeregeln ... 10 —— — 96 94.5 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 —• — 149,5 149,75 I. G. Farben-Industrie ... 12 Verein, chem. Industrie Frank- 97,5 97 97,5 97,25 fnrt aM.. ........ ---- - Scheideanstalt....... — 127,5 — — Gnldickimidt.........0 18,75 —— —— 18,25 Rütgeriwerke........6 30,5 30,25 30,25 30 Melallgelellschaft.......6 30 > 30 — — Philipp Holzmann ...•••# Zementwerk Heidelberg. ... 7 Cementwerk Karlstadt. .... 7 39,5 40 39,75 44 - —— —— 41,5 — — 5 - 4,9 - Schultheis Patzenhofcr . . . 15 Aku d 240 Mill. Mk. Haltern auLgezahIi. aus dem Ätcilt der •imtai Schmig, die jen unb Vorräte ent- artigen Deihällnisscn. des TzvvckMäiie« trnäfi auch unter den i leiden, doch tonnten iDaffung der Verlaust- . Die Währung«- m vergangenen Jahr« Aus dem Pfundsturz ic Schäden entstanden, y bereits vier Wochen rtauft worden wäre, i Instand ferner mit« mg der 3A. an der ht und das, auch an Deutschen Bant Leihältnisse nicht gt- • American 3.'®. c Lasel wurde er- abc, zunächst felbst die teilen, ohne sich um den Mn zu kümmern. M nk ertlärte die Der« ts geändert werde- D>e selbst n'chl betei 'gt. 4.rufi für das Geschäft« luch die vorgefchtagene "neue" Rechnung werden m. ____ 37 '5 15 53 17 83 83 98 51 <12 'M ,76 73 45 43 «3 78 61 06 jranliutMll 1 ii>L- >5" 16.Ö 17!-" S:S ,7z “’S JJ.I7 <8,98 15.« 16.7 170- LZ 2,49 79# 82# 33-« 7,1« St 3.0ti Ä 84,n 79# 15^ 1.02 4,2" 59# 21,73 16.8« r.U 34# 82.78 1.37> 0.31 7,437 14.11 51.95 12,46 3,057 170.78 78,52 84,57 78-9 15,45 1,018 4,209 59." 2,Ä 16.6« 12.7 33,97 82.6 1,369 0,309 7,423 4.6 Oberheffen. 9. Wertungssmgen des Niddaioi Sängerbunds. S ch o t t e n, 9. Mai. Der 9libbpta(-6än- g e r b u rr d. her die Gesangvereine deS Talgrun- des Nidda-Schotten in sich vereinigt, hielt gestern hier lein 9. Wertungssingen ab. Die mit dem fahrplanmäßigen Zuge gegen 10 Uhr hier eintressenden Vereine wurden von der Kapelle des hiesigen Musikverein- zur Turnhalle geleitet. wo die Probe der MassenchSre sich anschloß. Um 12.30 Uhr fand eine Sängerkundgebung auf dem freien Platze vor der Kirche statt. Etwa 450 Länger fangen den Bundes- wahlspruch, sowie die beiden Lhöre ..Deutsche- Volksgebet" von Janoske und .Mein Deutschland" von E. Mangold. Bürgermeister Menget begrüßte im Namen der Stadt die Sängcr- fläfte und widmete dem deutschen Liede, da- von den Gesangvereinen gepflegt und in- Volk getragen werde, begeisternde Worte. Sein Hoch galt der Heimat und dem Vaterland. In der Turnhalle entbot der erste VundeS- vorsitzende Theodor Schäfer. Sichelsdorf, den Ehrengästen. Zuhörern und Sängern, insbesondere Den Vunde-vereinen Feldkrücken und Betzenrod, die -um erstenmal an dem Wer- tungSsingen deS Bunde- teilnahmen, herzlichen Willkomm. Sr erinnerte an die Notzeit, die auf dem deutfchen Vaterlande laste und gerade den Gesangvereinen durch da- Heer der Arbeitslosen schwere Wunderz schlage und den finanziellen Unterbau erschüttere Die Politik müsse Den UebungSlokalen fernbleiben. Anschließend setzte da- Wertung-singen ein, zu dem Musiklehrer Blaß. Gießen, al- Kritiker zugezogen war. Zum Vortrag gelangten Ehöre von Seibert, Baumann. Breu, Gustav Weber. Möring, Heinrichs. Othegraven, Hirsch und E. A. Kern. Unter den Volksliedern, die als zweite- Lied von jedem Bundesverein zu singen waren, dominierten an Zahl die Silcher- schen. Nach Beendigung deS WertungSsingens versammelten sich die Dirigenten und Vorsitzenden. um die mündliche Kritik entgegenzu- nehmen. Der Sachverständige gab zunächst einen allgemeinen Uebecblick über die gesanglichen Leistungen und besprach dann auf Wunsch der Teilnehmer jeden einzelnen Thor. Licht und Schatten streifend. Die schriftliche Wer.- t u n g wird jedem teilnehmenden Verein besonders übersandt. Die Gesangvereine verteilten sich nach Beendigung de- offiziellen Teile- in die verschiedensten Gaststätten der Stadt, wo bi- zum Abgang deS Abendzuge- fröhliche Sängerstimmung anhielt. Landkreis Gicf;cn. 00 K l e i n - L i n d e n , 10. Mai. Der hiesige evangelische Frauenverein feierte am Sonntagabend im Saale der Kleinkinderschule in schlichter Form den Abschluß seiner Winlcrarbcit. Ein Melodram, von den hiesigen Schwestern mit jungen Mitgliedern cingcübt, wurde dankbar ausgenommen. Der Vorsitzende. Pfarrer D r c m - rncr. hielt die Ansprache. Gemeinsame Gesänge verschönten den Abend. Der evangelische Frauenverein hat im vergangenen Winter neben der Fürsorge für notleidende Familien die Sorge um die Kleinkinderschule nicht vergessen. Eine Kaffeetafel und Verlosung zugunsten der Kleinkinderschule beschlossen die schön verlaufene Feier. <£ Reiskirchen. 10. Mai. Zum Abschluß der wöchentlichen Zusammenkünfte Dcranftaltctc die hie- sigeevangelischeIungmädchenvereini. flung am Sonntagabend einen gut besuchten Schlußabend. Gedicht, unb Gefangsvorträge wechselten mit ber Ausführung eines kleineren Theaterstückes unb gemeinsamen Liebern ab. Weiter fand eine Verlosung unb Versteigerung felbftgefertigtcr Handarbeiten statt, deren Erlös zur Deckung der Unkosten verwandt wurde. Frau Pfarrer Frank, die Leiterin der Vereinigung, fand herzliche Dankes- warte unb gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich im kommenden Winter eine noch größere Schar junger Mädchen zu den allwöchentlichen Zufammcnkünftcn einfinden wird. Bei Kaffee und Mud)en sand der harmonisch verlaufene 'Abend seinen Abschluß. * Nieder-Vesfingen. 10. Akai. Dieser Tage hielt der hiesige Kriegerverein unter Leitung seines erstell Vorsitzenden Wilhelm Lotz seine Generalversammlung ab. Der Rechner erstattete den Kassenbericht und legte dann sein Amt. da- er seit 25 Jahren bekleidete, infolge vorgerückten Alter- nieder. Der Vorstand setzt sich nach der Neuwahl aus folgenden Herren zusammen Wilhelm Lotz. 1. Vorsitzender. Wilhelm Walther, 2. Vorsitzender: Adam N o t h, Rechner: Gustav Sack. Kontrolleur: Ludwig Ohleinoh. Georg Hau und Konrad K l ö s. Beisitzer. * Hungen, 11. Mai. Morgen. Donnerstag, den 12. Mai. begeht Frau Helene P l e t f ch geb. Werner ihren 8 0. Geburtstag. Den Umstanden 'entsprechend ist die Jubilarin noch rüstig. D L i ch, 10. Mai. Die technische Lehrerin Frl. Lina Mulch konnte dieser Tage auf eine 25s 2hrlge T2 tkgkelk als Handarbeitslehrerin an der hiesigen Stadtschule ^urüdbliden. Schulvorstand und Lehrerkollegium übermittelten der allgemein geschätzten Iugenderzieherin beste Wünsche. s Ü t phe. 10. Mai. Das AuS räume n de- Horloffbette- innerhalb unterer Ge- markung-gren.ze wurde wenigstnehmend vergeben. Die Zuteilung erhielt der Landwirt Heinrich Stork für 180 Mark im Jahr il Obbornhofen. 10. Mai. Arn Sonntag wurde hier ber Altveteran von 1870 71 Meier 2D a II e n ft e i n zu Grabe getragen. Der Verstorbene ftanb im 87. Lebensjahre. ftrtiä Büdingen ♦ Nidda, 10 Mai Die Schützenaesell- schäft N i b b a veranstaltete am Himmelfahrtstag ihr biesjöhriges Anfchießen, bas trotz des kühlen Wetters sehr gut besucht war. Es wurden u. a. durch Preise ausgezeichnet: Grohkaliber (Serien) Ringe bei 100 Meter angelegt: 1. Brauns 58'19; 2. Nickel (Ober-Widdersbeim) 56 19; 3. Apotheker Schuster (Nidda) 52 19. 175 Meter Freihand: 1. Nickel 45; 2. Dermessungsoberinspektor Spanier 38, Schuster 31 Ringe. Ein Schnellfeuerfchießen bildete den Schluß des Anschießens. y. Bad Salzhausen, 10. Mai. Seit einigen Tagen ist hier der Dadebetrieb wieder eröffnet. Eine Anzahl Kurgäste find bereit- eingetrosfen. die im KaufmannS-ErholungSheim wohnen. Auch da- Blindenheim ist von Gästen besetzt. Am Sonntagnachmittag trafen hier etwa 30 Wagen deS Oberhessischen Automobilklubs ein, die eine Zielfahrt hierher unternommen und in 3' t Stunden etwa 30 Punkte Oberhessen-, die aber unter verschleierten Namen angegeben waren, berührt hatten. Die ungefähr 1OO Fahrgäste kehrten im KurhauS ein, auf dem die Klubfahne wehte. Der Vorsitzende des Oberhessischen Auto- mobilklubS, Dr.Gail (Gießen), nahm bei dem gemütlichen Zusammensein die Preisverteilung vor, die auf Grund einer Kontrolle über die berührten Orte fcftgeftcllt war. cv> Ranstadt. 10. Mai. Die durch Auswinterung entstandenen Schäden am Klee unb an der Winterfrucht sink» in unserer Gegenb nicht so groß, wie ursprünglich befürchtet wurde. Die warmen Tage unb die Regenfälle haben Wiese unb Feld, sowie den Wald rasch begrünen lassen. Das Kartofscllcgen ist größtenteils beenbet. Die Obst- bäume zeigen reichen Blütenausatz. Kreis Schotten. -§ Schotten, 10. Mai. Der Turnverein Nidda gab in diesen Tagen in der hiesigen Turnhalle ein Gastspiel. Der Verein brachte, dargestellt von Mitgliedern, da- Singspiel „Die Winzerliesl" zur Aufführung, da- außerordentlichen Deifall sand. Die Darsteller unb die Chöre gaben ihr Bestes und bereiteten den vielen Zuhörern eine große Freude. □ Laubach. 10. Mai. Am Samstag fanb im gut besetzten Saale des „Solmser Hofes" ein Liederabend statt, der von den Gesangvereinen S? au ter. Eintracht-Lardenbach-Klein-Gichen, Liederkranz.Ettingshausen und Eintracht-Laubach, sowie von der Orchestervereinigung Laubach ausgeführt wurde. Sämtliche Vereine, die mit Ausnahme der Gintracht-Laubach (Dirigent: Lehrer FI a t h - Geilshausen) unter der Leitung des Herrn Christoph Högel (Laubach) stehen, warteten mit erstklassigen Darbietungen auf, die von den aufmerksamen Zuhörern mit starkem und anhaltendem Beifall aufgenommen wurden. Der Abend erbrachte erneut den Beweis, daß diese Vereine zu durchaus guten Leistungen befähigt und hohen Anforderungen gewachsen sind. Nicht zuletzt sind die guten Leistungen ein Verdienst der Dirigenten. (SfaMraf Or. Schlosser Bürgermeister von Frankfurt. WSN. Frankfurt a. M., 10. Mai. Die Stadtverordnetenversammlung wählte heute abend in nichtöffentlicher Sitzung den seitherigen Dezernenten des städtischen Gesundheitswesens Stadtrat Tr S ch I o s s e r an Stelle deS in den Ruhestand tretenden Dr. Eduard Gräf zum Dür- germeiftcr der Stadt Frankfurt. Insgesamt waren 78 Stimmen abgegeben worden, von denen sechs ungültig waren. Auf Dr. Schlosser entfielen 48, auf den von Den Nationalsozialisten vorgeschlagenen Stadtrat Dr. Müller 14 und auf den Kommunisten Lang 10 Stimmen. Ein Mord im Odenwald. WSN. Darmstadt, 10. Mai. In einem ein = sarnen Gehöft bei Unterliebersbach im Odenwald bei Weinheim hat eine Mitte der dreißiger Jahre stehende Frau Jöst ihren um ein Jahrzehnt älteren Mann aufgebangt. Nach einem ehelichen Streit lockte sie ihn auf den Speicher, wo sie ihm eine Schlinge um den Hals warf und ihn über einen Dachbalken hochzog. Der zunächst den Nachbarn vorgetäuschte Selbstmord wurde von diesen nicht geglaubt. Sie benachrichtigten die Polizei, die heute die Täterin vernahm. Sie legte vor der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft ein Geständnis ab und wurde verhaftet. SJl.-'fpOTt Frauenturnen (OT.) Die Ausbildungsarbeit in den Frauen-Abteilun- gen des Heflengaues wurde am Sonntag zu (Bie- ßen auf einem planmäßigen Uebungstag im (Bau verband unter Leitung des Gaufachwartes Rudolf Paul (Gießen) Aulammenfaffcnb behandelt. Einleitend liefen im Lichtspielhaus (Bahnhofstraße) der DT,-Film „Es wächst ein Geschlecht — Turnerinnen". der den weiten Umfang und die überraschenden Leistungen im Turnen, Spiel und Sport der Frauen in gehaltvoller Kürze überblicken ließ, und ferner der Bildstreifen von den Wettkämpfen um die Schwimm-Meisterschaften der DT. 1930 zu Darmstadt, bei denen der Reichtum unb die Mannigfaltigkeit, insbesondere der Kunstsprünge bis hinaus zu den schwierigsten Formen fesselten. Nachmittags übten rund 130 Dorturnerinnen und Abteilungsleiter aue über 50 Gauvereinen auf dem Turnboden in Vorbereitung auf bie Wkttkämpfe in ben Gaubezirken, im Gau selbst (Marburg) unb im Mittelrheinkreis (Trier) die allgemeinen Freiübungen und bie Pflichtübungen am Reck, Barren und Pferd in den verschiedenen Stufen unter Leitung des Gaufachwartes, Volkstänze unb Ausschnitte aus der Bewegungsschule leitete Frl. Luise Schwarz (Friedberg), währoGd der Abteilungsleiter Heinrich Schneider (Wetzlar) außer Keulenübungen, ins besondere Freiübungen, in der Form von Ausdrucks- beroegungen unb -Haltungen auf ber Grundlage an- spruchslofer Volksliedchen wie „Ein Jäger aus Äur- Sfalz" — „Mit dem Pfeil, dem Bogen" — „Im Balb und auf der Heide" u. a. zur DarfteUungsreife ausgestaltete. In der anschließenden Versammlung verblieben dem Gaufachwart auf weitere zwei Jahre als Mit- glieber des Unterausschusses für das Frauenturnen durch Wiederwahl die Abteilungsleiter Hch Schnei- ber (Wetzlar) unb bie Leiterin Frl. L. Schwarz (Friedberg). Da ferner damit zu rechnen ist, daß der nächste (Bauturntag ben einstimmigen Vorschlag der Gauvorturnerschaft auf Wahl des Gausachwarts R. Paul (Gießen) zum (Bau-Dbcrturnroart als Nachfolger von Wilhelm Will zum Beschluß erhebt, einigte man sich unter lebhaftem Bedauern über ben Verlust des arbeitsfreudigen Fübrers, der in wenigen Jahren die Zahl der Frauen-Abteilungen im Hes- fengau von 19 auf 82 entwickelt hat, und nach ein- gehender Aussprache dahin, die einheitliche Willens- bildung über bie Neuwahl eines Fachwortes zur Vorlage an ben (Bauturntag auf bie nächste Zusammenkunft zu vertagen. Oie Paarungen zur Zwischenrunde zur OIB'Meister-schaft. Der DFB.-Spielausschuß hat bie Zwischenrunden- spiele zur Deutschen Fußball-Meisterschaft am 2 2 Mai wie folgt angesetzt: In Frankfurt a. M. (Stadion): Eintracht Frankfurt — Tennisborussia Berlin. Schiedsrichter: Donbelinger (Köln). In Leipzig (Wackerplatz): PSV. Chemnitz — Bayern München. Schiedsrichter: Siebert (Forst). In Bochum (TuS.-Platz): Schalke 04 — Hamburger Sportverein. Schiedsrichter: Maul (Nürnberg). In Hamburg (Viktoriaplatz): Holstein Kiel — 1. FC. Nürnberg. Schiedsrichter: Di sch ereil (Berlin). $(£. 1929 Klein-Linden. Die Jugendmannschaft Des FE Klein-Linden spielte am Himmelfahrtstag auf Dem Platz des Gegners gegen die Jugend von Garbenteich und mußte sich mit 1:0 Toren geschlagen bekennen Am Sonntag spielte die erste Jugend gegen die erste Jugend von Leihgestern unbverlor auch dieses Spiel mit dem knappen Resultat von 2:1 Toren. Der Sturm verstand e- nicht, die mühselig herausgearbeiteten Gelegenheiten zu Toren auszuwerten. Die Schüler des FE. Klein- Linden konnten gegen die Schüler von Watzenborn-Steinberg mit 10 gewinnen und damit nach langer Zeit wieder einmal erfolgreich spielen. Handball int Gau Hessen (O.T.) Tv. Vrotzen-Sinden I — Td. Lützellinden I 10: 3. Zu diesem Spixl hatte sich eine große Zuschauermenge eingefunden, die einen temperamentvollen Kampf zu sehen bekam, der mit einem klaren Sieg ber Großen-Linbener enbete. Vom Anwurf weg zogen die Einheimischen sofort mächtig los unb nach 15 Minuten führten sie bereits 6:0. Nach bem Seitenwechsel, bei hem bie Partie 7:1 ftanb, kamen die Gastgeber zu-' nächst zu weiteren drei Treffern. Erst in ben letzten Minuten konnten die Gäste noch zwei Tore aufholen. Das Spiel ber zweiten Mannschaften enbete 6: 4 für Großen-Lindcn. Die zweite Mannschaft bes Tv. K l e i n - L i n - ben konnte am Sonntag bie technisch schwächere zweite Jugenbmannschast des Tv. Heuchelheim mit 9.0 Toren besiegen. Die erste Mann- schasst, die wieder ersatzgeschwächt antrat, gewann gegen Heuchelheims erste Jugendmannschaft knapp mit 4:3. Arbeiter-Tunl' und Sporibund. KUrnborf I — Altenstadt I 0:1. Unx den Ausstieg zur Kreisklasic ftanben sich beide Mannschaften in Avendorf an ber Lahn gegenüber. Altenstadt gelang es wjederum einen knappen Sieg zu erzielen und sich |o für die Kreisklasse zu quält- filieren. Das Spiel selbst zeigte jedvw auf beiden Seiten wenig Können unb dem Sieger durften in den Kreisklastenspielen bei nidit besseren Leistungen nur wenig Erfolge beschielten sein. Heuchelheim 1 — wehlar I 9:1. Die Gäste aus Wetzlar stellten eine junge, flinke Mannschaft ins Feld, die den Einheimischen trotz der Niederlage, ein schönes Spiel lieferten. Wohl waren die Einheimischen technisch besser, doch dauerte es geraume $rit, bis sic durch ein Selbsttor der Gäste billig zur Führung kamen. Wetzlar glich aber bald darauf aus. Heuchelheim kam in der Folge auf und stellte bis Halbzeit das Resultat auf 3:1. Nach der Paule war Heuchelheim weiter überlegen unb erzielte einen haushohen Sieg. — Vorher spielten Heuchelheim II — Blasbach I Hier konnten bie Gaste vcrbicnt mit 3:2 Toren Sieger werden. Die Jugenbmannschaften spielten unentschieden 3:3. Heuchelheim Schüler — Wetzlar Schüler 1:0. vurkhardsfelden I — wieseck I 4:7. Wieseck war mit nur zehn Mann in Burkhardsfelden. Trotz ber schlechten Platzverhaltnifse spielte Wieseck stets überlegen unb erzielte Tor auf Tor. Durch leichtfertiges Spiel ber Hintermannschaft kam aber auch ber Gegner zu Erfolgen, die bei mehr Energieaufwand verhindert werden tonnten Vor- her: Burkhardsfelden Jugend — Wieseck 2. Jugend 1:4. Diescck II — Gleiberg 1 4:0. Wieseck war den Gästen stets überlegen, obroohl besondere Leistungen gar nicht gezeigt wurden Gleiberg ging wohl mächtig aus sich heraus, kam jedoch an ber Verteibigung der Einheimischen nicht vorbei. Die Gäste spielten sehr hart unb veranlaßten ba- burrf) verschiedene Elsmeterbälle, die verwandelt wurden. — Vorher: Gleiberg Jugend — Wieseck 1. Jugend 0:12. Handball. Langen 1 — Krofdorf I 9:4. Zum nochmaligen Aufstiegspiel ftanben sich Langen und Hrofborf in Bruchenbrücken gegenüber. Beibe Mannschaften lieferten sich ein spannenbes, schönes Spiel. Besonders in ber ersten Halbzeit sah man einen völlig ausgeglichenen Kampf. 9lad) bem Wechsel kam Langen mehr in Fahrt unb Krofborf muß sich mächtig wehren. Trotzbem gelang es den Congencrn, noch fünf Tore zu werfen, während Krofdorf nur noch einmal erfolgreich, war. Kurze Gportnotizeu. Bei den Kämpfen um die Deutsche Handballmei st erschuft siegten in den Zwischenrunden spielen bei den Sportlern PolSV. Berlin, SpVg. Fürth und Pol. Dessau, sowie bei den Turnern To. Herrnsheim (Worms), TFC. Niederpleis, TiB. Berlin und 2(1(9. Gera. * Die Wa hloersammlung des Westdeutschen Spielverbandes in Koblenz wählte den alten Verbandsvorstand wieder. Im Daoispokalkamps hat sich Deutschland durch eine 3:0-Führung gegen Indien bereits die Teilnahme an ber zweiten Riinbe gesichert, wo unsere Mannschast auf Oesterreich trifft. « Bei den Deutschen Fecht-Mei st erschaf- t e n in Offenbach siegten am Sonntag Frau Deiters (Offenbach) im Florettfechten ber Damen und Moos (Berlin) im Säbelfechten ber Herren. Der bekannte Langstreckenfahrer Julius v. Krohn erzielte in dielen Tagen wieder eine neue Glanzleistung. Er startete auf feiner 350 ccm Zündapp mit Seitenwagen in Paris in der klassischen srairzösischen Zuverlässigkeitsfahrt ..Paris Nizza", die in 2 Etappen über Grenoble an die Niviera führte. Trotz strömenden Negens und verschneiter Gebirgspasse absolvierte Julius v. Krohn diele Fahrt strafpunktfrei und erhielt die Große Goldene Medaille. Ein achtunggebietender Erfolg für den deutschen Fahrer auf seiner deutschen Maschine. Sofort nach der Prei-verteilung in Nizza startete v. Krohn zur Strahlenfahrt des Eilenrieder Nennens nach Hannover und legte die etwa 1800 Kilometer lange Strecke in 2 Fahrtagen zurück, die ihm den 1. Preis der Fernfahrer und den Ehrenpreis der Stadt Hannover eintrug. Somit fuhr Jul. v. Krohn unter offizieller Kontrolle des Motochcle Elub de France und dos A.D.A.C. 3000 Kilometer in 59 Fahrstunden, was einem Stundendurchschnitt von etwa 50 Kilometer entspricht. Eine höchst beachtliche Leistung für den unverwüstlichen Sportsmann und sein 350 ccm Seitenwagengespann. VERBÜRGT QUALITÄT UND PREISWÜRDIGKEIT NSU-MODELL 175 ccm ZWEI TAKT MIT 3 GANGGETRIEBE PRE,SE "b RM I ™ IN VOLLENDETER, MODERNER KONSTRUKTION 4V W DAS PFINGSTGESCHENK FÜR NSU-FREUNDE! 4 I VERLANGEN SIE PROSPEKTE BEIM NÄCHSTEN NSU VERTRETER NSU VEREINIGTE FAHRZEUGWERKE A-.G.^NECKARSULM WÜRTTBG und Elektrotechnlk. g. Werkme-Bterebtei !g. D'eee d-el wesentlichen Eieeneo-eften der gediegener Familien-Drucksache PereSnftehl bietet Ihnen In zehlrelcnen neuxeftflehen Aveföhrunge- erten zu mM gen Pre een die BrOhi'eche Druckerei, meßen, ScheletreBe 7, Anruf Nr. Mil Wieder die schönsten Schuhe zu Pfingsten Die neuesten Modelle sind eingetroffen für Damen, Herren und Kinder! Fabelhafte DamenSpangenschuhe Mk. 4.90 5 90 6.90 7.90 Bahnhofstraße Nr. 30 »MM,AM!" Roman von Gert Rothberg. Copyright by Martin Feuchtwanger, Hall«. 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten I Sie kannte ja den vollen Ernst der Sachlage. Aus diesem Grunde versuchte sie nicht mehr, 'Rudolf umzustimmen. Sie mußte ihm ja noch dankbar* fein, wenn er über alles andere schwieg und noch die Hälfte der Schuld auf sich nahm. Froh mußte sie darüber sein. Jawohl! Denn wenn ihr Vater und ihr Schwager wüßten, wie es sich in Wahrheit verhielt, was sie sich hatte zuschulden kommen lassem, dann waren ihr hier wie dort die Türen verschlossen. ' „Du wirst ihn noch einmal aufsuchen, Lisa?" fragte der Vater mitten in ihre jagenden Gedanken hinein. Lisa stand auf: gequält sagte sic: „Ich kann es nicht, Vater. Rudolf würde mich die schwelle seines Hauses auch gar nicht mehr überschreiten lassen. Zu Schwerwiegendes ist geschehen." . Die Faust des alten Herrn sauste auf die Tischplatte nieder. „Schwerwiegendes? Was ist eigentlich passiert? He? Sind vielleicht ganz andere Gründe sür Rudolf vorhanden, und er nennt sie nur nicht? Eben, weil er ein durch und durch vornehmer Mensch ist? Nimm dich in acht, Lisa! Ich werde Rudolf fragen. Jetzt werde ich ihn auf Ehrenwort fragen. Da muh er mir antworten. Er wird — -----" General von Massow-Friedingen sank plötzlich vornüber. Mit einem lauten Angstschrei kniete seine Frau neben ihm nieder. Er lallte unverständliche Worte, wollte ihr etwas sagen und konnte es nicht. Die Zunge war gelähmt. Ruch die ganze linke Körperseite. Mit Hilfe des Mädchens legte Frau von Massow den Gatten auf das Ruhebett. Ein anklagcnder Blick traf die Tochter, die soeben das Zimmer verließ. Still setzte sich die alte Dame neben.das Lager und streichelte die Hände ihres Mannes. Run war es eingetroffen, was der Hausarzt schon immer befürchtet hatte. Ein Schlaganfall! Gott sei Dank nicht tödlich! Dieser Gedanke brachte für den Augenblick Trost. Aber im Laufe der nächsten Viertelstunde, in der sie das Eintreffen des Arztes herbeisehnte, dachte sie doch an das, was ihr die nächste Zeit bringen würde. Die arme Frau, die während ihrer Ehe immer nur den Willen des Gatten hatte anerkennen müssen, zitterte vor einem langen Krankenlager. Er, der schon jetzt stets an allem nörgelte, sie quälte. 'Völlig unbewußt, das stand fest. Aber doch quälte er sie. Wie sollte das werden, wenn er womöglich nicht wieder gesund wurde? Richt mehr nach Polzenhagen auf die Jagd gehen konnte, von wo er immer wie neu belebt zurückgekommen war? Frau von Massow faltete die Hände. „Mach's gut, Vater im Himmel!" Und der liebe Gott machte es gut!. Er ließ den alten Offizier noch am Rachmittag still und friedlich einschlafen für immer. Außer sich vor Schmerz und Trauer warf sich seine Frau über ihn. Sie wußte jetzt nur das eine: daß sie immer eine schwache Mutter gewesen war. Daß die Töchter heute tüchtige Hausfrauen sein könnten, wenn sie tatkräftiger gewesen wäre. Doch der Mann war im Dienst aufgegangen. Als sie ihn am notwendigsten daheim gebraucht hätten, stand er jahrelang in eiserner Pflichterfüllung im Felde. IInb sie war immer eine schwache nachgiebige Mutter gewesen. Ihr waren die beiden Mädel bald genug über den Kopf gewachsen, und sie wagte es nicht, dem Gatten etwas vorzuklagen, ihn um sein Eingreifen zu bitten, weil er immer gleich so jähzornig und aufbrausend gewesen war. So war alles gegangen, wie es eben lies. Sic hatte im Gegenteil vor dem Gatten vieles vertuscht, was er unbedingt hätte wissen müssen. So war es eben gekommen!« Und nun fühlte sich die schwache Frau schuldig bis in das Innerste ihres Seins. Stumm und starr stand Lisa am Lager ihres Vaters. Ihr war, als stürze ringsum alles zusammen. Als stehe sie zuletzt nur noch auf den Trümmern, verlassen und einsam. Zur Beerdigung kamen Ernst von Polzenhagen und die zierliche kleine Traute. Er stand wie ein hoher, kerniger Baum neben der kleinen dunkelhaarigen Frau. Traute warf sich aufgelöst in die Arme der Mutter. Mit der Schwester wechselte sie kaum einige Worte. Die Mutter hatte ihr geschrieben, daß der Vater und Lisa einen Streit gehabt hätten. Lisa sei daheim: sie wolle sich von ihrem Manne trennen. Run wußte Traute jedenfalls gleich von vornherein, wie sie sich zu verhalten hatte. Lisa stand wie eine Geächtete abseits, bem\ sogar die Mutter, wenn sie auch mit ihr sprach, blieb kalt und zurückhaltend gegen sie. Ernst von Polzenhagen tat die Schwägerin leid. Er sagte zu ihr: „Gott, wenn jeder gleich den Schlag kriegte, wenn er sich mal aufregt! Das war dem guten Papa so bestimmt. Aber Mama und Traute muß man heute gehen lassen. Morgen werde ich ein Wörtchen reden. Du kommst jetzt hierher an meine Seite, und da bleibst du, bis alles vorüber ist. Kommt denn — hm! — ach so — hm?" „Wie ich Rudolf Ansbrück kenne, wird er kommen." Ganz tonlos hatte Lisa es gesagt. Er nickte ihr zu und sprach mit ihr freundlich und verwandtschaftlich. Gerade, als man anfing, ringsum zu tuscheln, weshalb denn der andere Schwiegersohn wohl noch immer nicht erschien, kam er! Groß, breitschultrig, mit seinem schönen, bronze- farbenen Gesicht und den großen grauen Augen war er sofort Gegenstand allgemeinen Interesses. Tante Gundel flüsterte Tante Sabine ins Ohr: „Mich soll eine Maus beißen, wenn hier alles stimmt. Ansbrück hat etwas gegen Lisa. Glaub mir, Sabine, er hat was gegen sie." Da Tante Sabine sich noch sehr gut besann, wie die zwei übermütigen Mädchen ihres Vetters ihr einmal während der Sommerfrische in He- ringsdorf einen unerhörten Schabernack gespielt hatten, so hätte sie es der Lisa schon gegönnt, wenn ein kleiner Krach in ihre Ehe gekommen wäre. Im Trauerzug ging dann Doktor Ansbrück mit ruhiger Selbstverständlichkeit neben Lisa. Dennoch! Eine Eiskälte umgab ihn, mit der die allgemeine Trauerstimmung nichts zu tun hatte. Und Tante Gundel zwickte Tante Sabine in den Arm. „Hah, und es stimmt doch nicht!" Rach der Beerdigung ging Doktor Ansbrück noch mit zu seiner Schwiegermutter. Er konnte einfach nicht anders. Die neugierigen Blicke ringsum zwangen ihn dazu. Und dann hatte auch Schwager Ernst von Polzenhagen sich freundschaftlich bei ihm eingehängt. Er hatte irgendein Thema angeschnitten, und RudolfAnsbrück dachte: „Als ob ich es nicht wüßte, um was es dir zu tun ist, du lieber, alter Kerl, du. Aber da läßt sich leider nichts mehr cinrenken. Richts, gar nichts." ♦ Er saß dann mit ihm Wohnzimmer des Mas- sowschen Haushalts. Lisa war nicht mit anwesend. Ihr Schwager hatte sie einfach auf ihr Zimmer geschickt. Traute und ihre Mutter saßen im Erker. Ernst von Polzenhagen räusperte sich erst ein bißchen, fuhr sich mit der Hand durch sein dickes Blondhaar und meinte dann schließlich: „Also wir wissen» ja alle vier, worum es sich handelt, Schwager. Lisa muh sich miserabel aufgeführt haben, daß du sie nun nicht mehr als deine Frau haben willst. Aber trotzdem möchte ich dich heute fragen: Gibt es wirklich nichts, was dich wieder versöhnen könnte?" „Rein! Es gibt nichts!" „'Aha! Dann ist's was Ehrenrühriges, und ich gebe dir recht. Run, das ist deine Sache. Ueber diesen Punkt hat jeder eine ganz bestimmte Ansicht, Rudolf. Wahrscheinlich hab' ich aber dieselbe wie du, wenn mit das mal .passieren sollte. Run möchten wir gleich noch feststellen, daß von nun an ich für Mama hier sorgeü werde. Und für Lisa wird's mit reichen. Du hast keinerlei Veranlassung, dich damit zu befassen. Ich möchte es auch nicht, nachdem du dich von uns durch eine Trennung losgesagt haben wirst. Im übrigen bleib' ich dein Freund. Ich ehre deine Gründe, wenn ich sie auch nur ahnen kann und nichts Bestimmtes weiß. Du wirst gedacht haben, ich will dir zureden — ich denke nicht daran. Weils nichts nützen würde und zweitens nicht mal gut wäre. Ich wollte nur mal alles recht hübsch klarstellen. Mir tut Lisa auch leid. Sie war von jeher solch verdrehte Person. Sie hat immer gedacht, die ganze Welt müsse vor ihr knien. Man hat ihr gewiß auch genug Schmeicheleien gesagt, und sie ist eben übermütig geworden." Doktor Ansbrück sah zu Boden. Traute dachte: Wie konnte sie auch nur das Geringste tun, um diesen Mann zu verletzen? Doktor Ansbrück hob den Kopf, sah den Schwager ernst an. „Gut! Sorge für Mama, sollte es dich bedrücken, wenn ich cs tue. Lisas. Rente aber werde ich zahlen. Fünfhundert Mark monatlich, solange sie 'lebt und sich nicht wieder verheiratet. Rach genauer Ueberlegung bin ich zu dem Schluß gekommen, diese Rente nicht höhe«- zu bemessen. Da es sich hier um einen Fall handelt, der in hundert Fällen ebenso gehandhabt wird — ich meine, das ist doch oft so, daß der Mann der Frau noch eine Rente aussetzt, auch wenn er absolut zu nichts verpflichtet ist —, so wollen wir es dabei belassen. Ich muß nun wohl gehen. Es hätte keinen Zweck. Ich werde es niemals sagen, was zwischen Lisa und mir steht. Auf die Ehetrennung aber muß ich bestehen. Es tut mir selbst leid, daß es so kommen mußte. Darf ich mich verabschieden?" Doktor Ansbrück küßte den Damen die Hand. Man sprach noch einige freundliche. Worte, und dann ging er. Schwager Polzenhagen begleitete ihn hinaus. „Dein Fall gibt mir zu denken. Ich werde höllisch aufpassen. Aber ich habe mir für die nächsten Wochen eine Radikalkur vorgenommen. Ich denke, daß sie bei Traute anschlagcn wird." Sie reichten sich mit festem Druck bw Hand. Und Ernst von Polzenhagen sah dem Schwager noch lange nach, als der so aufrecht über die verschneite Straße schritt. Seinen Wagen schien er heimgeschickt zu haben, denn er ging zu Fuß. Ernst von Polzenhagen ging ins Zimmer zu den Damen zurück. Hier setzte er sich in den alten hohen Lehnstuhl des verstorbenen Generals, was er im Augenblick nicht mal wußte, welche Tatsache aber Frau von Massow-Friedingen schmerzlich berührte. (Fortsetzung folgt.) Kochen Sie MAGGPSuppen^Arbeitzeit und Geld ■■■■■■■■■■■■■■■■■ Sammeln Sie MAGGI-Gutscheine, es lohnt sich! .................................................................................................. Total - Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe Ueber 2000 Paar erstklassige Qualitäts-Schuhe* sollen in kürzester Frist geräumt sein. — Es bietet sich die seltene Gelegenheit, hervorragende Qualitätswaren zn wirk!, billigen Preisen zu kaufen. Restbestände .Chasalla*- Schuhe und Stiefel besonders billig. Schuhhaus Herbert Schulstraße Ecke Sonnenstraße 3721 D lllllllllllllllllhffflTllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Ein leckerer steigt dem Onkel Mollig in die Nase, wenn er in die Küche tritt. Und das Wasser läuft Ihm im Munde zusammen, sieht er die tüchtige Hausfrau die schönsten Gerichte auf dem neuen Roeder- Gasherd kochen und braten. Das war doch ein guter Griff, als er zu der Firma Häuser am Oswaldsgarten ging und den schönen Herd in die Küche stellen ließ. Seitdem ist ein ganz anderer Zug im Hause, denn die Liebe geht nun einmal durch den Magen. Sollte die Laune noch so rosig sein, ein gutes Mittagsmahl, gekocht auf dem Roeder-Gasherd, macht sie noch rosiger. Das sollten auch Sie sich zu Herzen nehmen und Sie sollten es nicht versäumen, sich solch ein notwendiges Möbelstück anzuschaffen. Kommen Sie ruhig einmal in unsere umfangreiche Ausstellung. Sie finden dort die neuesten Modelle praktischer Gas- und Küchenherde. Sie sind auch nicht all zu teuer. Wir erwarten Sie J. B. HAUSER, CS ES SER AM OSWALDSGARTEN Shalijsia- Jtygiene-föeformfiaus Pustel StrumpJ ohne gummi, jur Kilfe 6ei äußeren und inneren Krampfadern Zßalysia~^ormalform~8(ßufjwerk für tarnen, Kerren und Kinder Zßalysia - ^esundkost Tßalysia - Kähr-, Kur- und 2)iätmittel, Kindernäfjr- mittel, Kräutertees, Kaus- und cUol(ismittel Tßalysia Sdjönfjeits- und SKörperpflegemittel Besichtigung, ßrülärung und Knproße jederzeit un- verßindlidj- Kuf gründ fachlicher und ärztlicherseits erfolgter Kusßildung werden Sie Bestens Beraten 3734 f> Wirksame Werbe-Drucksachen liefert die Brühl’sche Druckerei Tapeten in reich. Auswahl und in allen Preislagen v. 20 Pf. an Farbenhaus Obermann Schulstr. 6 3tMd GavtenMes aller Älvi billigst 2996 D C.Rübsamen,Fernspr.36Z9 Sonder-Angebot! Edamer -Käse Pfund 48 Pfennig Ach. Kalbfleisch Telephon Nr. 3685 3735D Statt Karten! Zhre Vermählung zeigen NN Gießen, den 11. Mai 1932 02972 Die Reichsbank Wir bleibt am Pfingst-Samstag von 12 Uhr ab geschlossen! । nähen - sticken - kurbeln - zeichnen machen Hohlsaum-Handarbeiten-Wäsche Gardinen - Oberhemden - Matratzen Karl Beck 6g. Spies Seltersweg 69 3741 D Paul Lehmann Ottilie Lehmann, geb. Lamm TRAURINGE in jedem Feingehalt in glatt / matt / gehämmert und ziseliert S-'SsBetten LMScblatetm..Kinderbetten. PoULS*ahlniatr„ ChaiseL, an Jeden. TeUeahlc. Katul. tr. Klscrrmöbctfebrlk Suhl (Th.) Frische Seefische heute und Freitag Zufuhren (£♦ G. Meinheim Bahnhofstraße 61 37330 Telefon 3866 „Heno"- Spezial- firnis f.Trevvcn,Fußböden UHU. schnelltrocknend, hochglänzend u. haltbar.— Liter Mk. 1.25. Allein in der "“’d SlMie Holl Bahnhofstr. 53 3699 A HausLJandartelUr; 3728 C Morgen Donnerstag Schiachtfeft im Turnerheim Klein-Linden Am zweiten Pfingstfciertag ab 16 Uhr: ! 08975 Ihn freundl. Besuch .bittet Bug. Weller