nr. 265 KvSrhaussabe 182. Zahrgang Donnerstag, <0. November?L6l Erfchetnl täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monals-Bezugsprets: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Kietzen. Postscheckkonto: firanlfnrt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Vri'ck und Verlag: vrühl'fche Univeifitatr-Vuch- und Steindruckerei H. Lange in Gietzen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Annahme von iiiije.gen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Rcichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20u, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An» zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gietzen. Randnoten. Die meisten der Politiker, die am Sonntag in hen Reichstag gewählt wurden, sind zwar keine neuen Parlamentarier, sondern im Wallot-Dau schon Stammgäste, aber sie sind doch auf neu gebügelt, sie haben es wieder einmal geschafft und haben die Aussicht, daß ihre Würde diesmal etwas länger anhalten wird, als es nach den Wahlen vom 31.3uli der Fall war. Auch dem Parlamentarier macht es kein Dergnügen, mehrmals im 3ahr um sein Mandat kämpfen zu müssen. AeueParlamentarier, Personen, die dem Parlament überhaupt noch nicht angehört haben, stellt diesmal wohl nur die kommuni st ischePartei, die neue Sitze gewonnen hat. Für diese bedeutet es also eine freudige Tlebarraschung, wenn sie in den nächsten Tagen von amtlicher Stelle die Mitteilung erhalten, daß sie zum Mitglied des Reichstags gewählt sind und man siw erlaubt, eine Freifahr- karte für die Reichsbahn zur gefälligen D:nut- zung beizufügen. Die Freifahrkarte erhalten die Abgeordneten nämlich an dem Tage, an dem ti? Feststellung ihrer Wahl erfolgt. Die Abgeoroneten des alten Reichstags behalten die Frcifahrkarte noch bis zum achten Tage nach der Reuwahl. 3n der Zeit vom Reuwah'tage bis zum Zusammentritt des neuen Parlaments gibt es aber keine Diäten Die Mitglieder des alten Parlaments beziehen Diäten nur bis zum Tage der Reuwahl, für die Mitglieder des neuen Parlaments seht der Bezug -von Diäten erst mit dem Tage des Zusammentritts des neuen Reichstags ein, wobei der Vortag als Dorbereitungstag gilt und den Abgeordneten im Diätenkonto schon als Sitzungstag angerechnet wird. Last die Wahlbeteiligung diesesmal geringer war, macht den Parteien viel Kummer, aber denen Freude, denen die technischen Dinge im Reichstag obliegen. Las schwierigste Problem war immer, das sich stets vergrößernde Heer der Abgeordneten im Sitzungssaalunterzubringen. Der Juli-Reichstag war ein Rekordparlament von 638 Mitgliedern. Um jeden der Abgeordneten einen Sitz zu beschaffen, mußten die Schreibpulte entfernt werden. Rur in der vordersten Reihe blieben die' Schreibpulte für die Fraktionssührer und Sekretäre bestehen. Einige Abgeordnete mußten auf einer Sitzreihe längs den Wänden placiert werden. Jetzt hat man mehr Platz. Aber cs würde zuviel Unkosten erfordern, die Pulte wieder eirzubauen. Man will vielmehr die Rotsitze an den Wänden beseitigen und im Auditorium durch Herausnahme einiger Plätze die Zugänge zu den Sitzreihen erleichtern. Dadurch kann die Prozedur der Abstimmungen beschleunigt werden. Die Frauen sind im neuen Reichstag ebenso stark vertreten wie im letzten. Dri den Sozialdemokraten hat sich die Zahl der Leiblichen Mitglieder von 14 auf 13 verringert, während sie sich bei den Kommunisten von 12 auf 13 erhöht hat. Beim Zentrum waren bisher 6 Frauen, davon sind 5 wiedcrgewählt worden. Dei den Deutsch- nationalen werden 3 Frauen sein, bei der Dahe- rischen Dolkspartei und der Deutschen Dolkspartei je eine. Danach dürfte die Zahl der Frauen im neuen Reichstag 36 betragen. Dem alten Parlament gehörten 37 Frauen an. Die Kommunistin Klara Zetkin ist zwar wiedergewählt, aber das Schauspiel, wie die Greisin zur Eröffnung der Session auf den Präsidentenstuhl geschafft wird, bleibt uns diesmal erspart. Der nationalsozialistische Abgeordnete General L i tz m a n n ist älter als Frau Zetkin und wird die Rechte des Alterspräsidenten ausüben. X * Die Wirtschaftsankurbelung der Reichsregierung ist zu einem Zeitpunkt begonnen worden, der ihrer psychologischen Auswertung nicht günstig ist. 3m Herbst pflegt am Arbeitsmarkt der winterliche Abstieg einzusehen, der einen großen Teil der im übrigen Teil des 3ah- vers beschäftigten Arbeitskräfte beschäftigungslos macht. Dor allem müssen alle im Freien tätigen Arbeiter in den Wintermonaten aussetzen. Baugewerbe und Landwirtschaft sind keineswegs die einzigen Zweige der Wirtschaft, die in dieser Zeit größtenteils ruhen. Man spricht mit Recht von einer jahreszeitlichen D e p r e s s i on , die ungefähr vom Rovember bis zum März jedes 3ahres andauert. Ohne die Belebungsaktion der Reichsregierung würden wir daher gegenwärtig ein starkes Anwachsen der Arbeitslosenziffern feststellen müssen^ und diese Beobachtung würde zweifellos auf die wirtschaftliche Gesamtstimmung höchst ungünstig ein; wirkt haben. Es ist also immerhin schon als ein Erfolg der Ankurbelungsaktion anzusehen, daß in der ersten Oktoberhälfte die Zahl der Arbeitslosen in diesem 3ahre nur um rund 48 000 gestiegen ist, während in anderen 3ahren die Zunahme der Arbeitslosigkeit in dieser Jahreszeit viel stärker war. Andererseits würden die Rcgierungsmaßnahmen in einer Zeit, in der die jahreszeitliche Entwicklung des Arbeitsmarktes stabil oder sogar nach aufwärts gerichtet ist, schon eine zahlenmäßig leicht nachweisbare Abnahme der Erwerbslosigkeit verursacht haben. So aber tritt sie statistisch nicht klar erkennbar in die Erscheinung, weil eine jahreszeitlichbegründete Gegen st rö- m u n g vorhanden ist, die zunächst noch stß^kcr ist als der konjunkturelle Auftrieb, der durch das Regierungsprogramm hervorgerufen worden ist. Jahreszeitliche Abwärtsströmungen und konjunkturelle Auftriebstendenzen, die allerdings noch in höherem Maße künstlich erzeugt als natürliche Ergebnisse einer Konjunkturbelebung sein dürften, werden noch eine Zeitlang miteinander kämpfen. Dann aber wird, wenn das Papen- I Das Reichekabinett über die neue Lage. Das Ergebnis der gestrigen Kabinettssitzung. Berlin, 9. Rov. (LAB.) 3n der heutigen Sitzung des Reichskabineits wurden zunächst laufende Angelegenheiten besprochen. Unter ihnen war der wesentlichste Punkt das Problem des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Präsident S y r u p hat hierfür einen Vortrag gehalten, der zu dem Beschluß des Kabinetts führte, die Arbeitslager auch über den Winter forlbeftehen zu lassen. Dann hat sich das Kabinett in einer eingehenden Aussprache mit der i n n e r p o l i t i s ch e n Lage beschäftigt. Die Aussprache ergab Einmütigkeit darüber, daß alles getan werden müsse, um zu einer nationalen Konzentration zu kommen. Das Kabinett denkt aber nicht daran, zu rückzutreten. Das gilt auch für einzelne Mitglieder des Kabinetts, über deren möglichen Rücktritt in den letzten Tagen falsche Gerüchte verbreitet worden sind. 3m Gegenteil ist die Reichsregierung entschlossen, weiter ihren Weg zu gehen. Sie steht auf dem Standpunkt, daß in einer so schwierigen Situation, wie wir sie jetzt haben, keine Zeit für irgendwelche Experimente ist. Das praktische Ergebnis der Aussprache ist, daß der Kanzler nun morgen dem Reichspräsidenten entsprechende Vorschläge für die Verhandlungen mit den Parteiführern machen wird. Die Stunde des Empfangs beim Herrn Reichspräsidenten steht noch nicht fest. Die Aussprache mit den Parteiführern soll aber schon sehr bald stattfinden. Der Zeitpunkt wird auch morgen im Einvernehmen mit dem Herrn Reichspräsidenten festgesetzt werden. Sicher ist jedenfalls, daß der Kanzler die Absicht hat, sich m i t den Parteiführern erst über d i e Lage auszusprechen. Außerdem werden in den nächsten Tagen auch Besprechungen mit den 2U i - nisterpräsidenten der Länder statifin- den, soweit pe zu den Sitzungen des Reichsrals in Berlin anwesend fein werden. Da der Reichsrat morgen zu sehr beschäftigt ist, werden diese Besprechungen frühestens am Freitag stattsinden. Mit den Problemen der Verfassungsreform und der Kontingentierungsfrage hat sich das Kabinett heute noch nicht beschäftigen können. Diese Dinge bleiben späteren Beratungen vorbehalten. Die Finanznot der Kommunen Vertreter des Dculzchcn Liädtctages beim Reichskanzler. Berlin, 9. Noo. (TU.) Der Reichskanzler empfing am Mittwoch in Anwesenheit des Reichsarbeitsministers Schäffer, des Reichsfinanzministers Graf Schwerin v. Krosigk und des Reichsinnenministers Freiherrn v. G a y l tue Vertreter des Vorstandes des Deutschen Städtetages, Oberbürgermeister Dr Sahm - Berlin, Präsident Dr. Mulert, Oberbürgermeister Dr. S ch a r n a g l - München und Oberoürger- meister Dr. Goerdeler - Leipzig. Die Vertreter des Deutschen Städtetags wiesen eindringlich auf die Zusammenhänge der Gemeinden mit dem Aufbauprogramm der Reichsregierung hin. Ohne geordnete Gemeindefinanzen sei der Wiederaufbau der Wirtschaft schlechterdings unmöglich. Die Reichsregierung habe durch ihre bisherigen Maßnahmen gezeigt, daß sie gewillt fei, die Arbeitslosenhilfe als eine gemeinsame Angelegenheit von Reich und Gemeinden zu behandeln, und habe die Gesundung der Gemeindefinanzen als vordringliche Ausgabe bezeichnet. Die Hilfsmaßnahmen der Reichsregierung vom 14. Juni und 3. November feien aber nicht ausreichend, um die katastrophale Finanznot der Gemeinden zu beheben, da die großen kommunalen Fragen, insbesondere die einheitliche Finanzierung und Organisation der Arbeitslosenhilfe, das kommunale Arbeitsbeschaffungsprogramm und die Regelung des kommunalen Schuldenwesens noch immer ungelöst seien. Nach eingehender Erörterung dieser Fragen sagte der Reichskanzler eine baldige sorgfältige Prüfung der kommunalen Gesamtlage durch die Reichsregierung zu. Auch er sei der festen Ueber- zeugung, daß gesunde Gemein d ef in a n- zen eine der Vorausfetzungen für den Wirtschaftsaufbau seien und daß die Gemeindefinanzen mit denen des Reiches und der Län- der als eine Einheit behandelt werden müßten. 6,6 Millionen Defizit in Mecklenburg. Lchlachisteucr? Gehaltskürzungen? Schwerin, 9. Rov. (WTD.) 3n der heutigen Sitzung des Mecklenburgischen Landtags gab der nationalsozialistische Fraktionsführer Hildebrand Aufschluß über die finanzielle Lage des Landes. Cs sei mir einem Fehlbetrag von insgesamt 6,6 Millionen Reichsmark zu rechnen. Weiter wurde während der heutigen Landtagssitzung bekannt, daß die Regierung binnen kurzer Zeit die Schlacht st euer in Mecklenburg einzuführen gedenkt. Auch mit einer Gehaltskürzungsvorlage ist demnächst zu rechnen. Ministerpräsident G r a n z o w hat sich heute nach Berlin begeben, um mit den zuständigen Stellen der Reichsregierung über die finanzielle Lage des Landes Mecklenburg zu verhandeln. Der Präfidenienwechsel in Amerika Großer Sieg der Demokraten auf der ganzen Linie. Das endgültige Ergebnis. Reuyork, 9. Rov. (TU.) Das endgültige Ergebnis der Präsidentenwahl liegt nunmehr vor. von den insgesamt 531 Wahlmännerstimmen erhielt Roosevelt 472. Hoover erhielt die Wahl- männerstimmen in Maine, Vermont, Connecticut. Rewhampshire, Delaware und Pennsylvanien, i n s- gesamt 59. Der neue Senat besieht nach dem Ergebnis der jetzigen Lrgänzungswahlen aus 59 Demokraten, 36 Republikanern und einem Farmarbeiterparteiler. Zahlreiche langjährige republikanische Senatoren — darunter Watson (3ndiana), Smoot (Utah) und Moses (Rewhampshire) — sind durch jüngere Kräfte erseht worden. 3m Repräsentantenhaus haben die Demokraten eine Mehrheit von 150 Sitzen errungen, hierdurch ist eine sichere Mehrheit für die Aenderung der Prohibition gegeben. Der Sieg der Demokraten bei den Wahlen der Gouverneure und Bürge c m e i ff e r entspricht dem bei der Präsidentenwahl, der für Roosevelt rund 65 o. h. beträgt und einen Rekord für Amerika darstellt. Kem grundlegender außen- potiiischrr Kurswechsel. Vielleicht andere Wege in der Methode. Washington, 9. Rov. (WTB.) Trotz der gewaltigen Mehrheit, die R o o s e v e l t bei den gestrigen Wahlen erhielt und trotz der gesicherten demokratischen Majorität in bei» denHäusern desKongressesab4. März 1933 rechnet man im Staatsdepartement nicht mit radikalen Aenderungen der Außenpolitik. Da Hoover Roosevelt gestern loyale Unterstützung zugesagt habe, so bestehe die große Wahrscheinlichkeit, daß die Außenpolitik der vereinigten Staaten zumindest in ihren fundamentalen Grundlagen unverändert bleiben werde, wenn auch in der Methode vielleicht andere Wege gegangen würden. Man rechne z. D. mit einem freundlicheren Ton gegenüber Japan. Man erhoffe auch mehr Der- ständnis für eine Revision der internationalen Finanzprobleme. Die Wintersession des alten Parlaments wird, wie man hier weiter erklärt, angefüllt sein mit Sorgen über die Arbeitslosenfürsorge, mit der Frage der Zulassung von Bier und leichten Weinen. Staatssekretär S t i m s o n erklärte: „Ich betrachte es von jetzt ab als meine erste Pflicht, meinem Rachfolger die Aufgabe nach Möglich!.it zu erleichtern." Roosevelt zur Wahl. Reuyork, 9. Rov. (WTB.) Roosevelt hat seinen Mitarbeitern für das Zustandekommen des „großen liberalen Wahlsiegs" seinen Dank ausgesprochen. 3n einer Erklärung an die Presse sagt Roosevelt, er hoffe, daß alle ihr Möglich st es tun werden, um unser Land wieder zu wirtschaftlicher Blüte zu bringen. Programm die erhofften Wirkungen zeitigt, d i e Aufwärts st römung immer starker werden, um dann im kommenden Frühjahr von einem gleichlaufenden jahreszeitlichen Auftrieb kräftig unterstützt zu weroen. 3n diesem Zeitpunkt also erst wird die Regierung einen entscheidenden Sieg über die Arbeitslosigkeit erringen können. Richts ist daher unberechtigter als heute schon von einem Mißerfolge des Wirtschasts-Plans zu reden. Wie hat sich denn die Arbeitsmarktlage im vorigen Herbst gestaltet? 3n der Zeit von Mitte August bis Mitte Oktober 1931 stieg die Zahl der Arbeitslosen von 4,10 auf 4,48 Millionen, also um insgesamt 380 000. 3n diesem 3ahr ist die Arbeitslosenziffer in der gleichen Zeitspanne von 5,38 auf 5,15 Millionen zurückgegangen. Ein Fortschritt ist also zweifellos erzielt worden. 3n diesem Punkte stimmen alle Angaben überein, mögen sie von amtlichen Stellen herrühren oder aus dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmerlager stammen. Die Gewerkschaften haben berechnet, daß die Zahl der in der Industrie beschäftigten Arbeiter in der Zeit von Mitte August bis Ende September um 1,1 Prozent, die der geleisteten Arbeitsstunden sogar um 2,6 Prozent gestiegen ist. Die industriellen Organisationen berichten, daß im Monat September die Zahl der Beschäftigten um 1,2 Prozent, die der geleisteten Arbeitsstunden um 3,2 Prozent zugenommen hat. Die Krankenkassenstatistik weist für den gleichen Monat eine Erhöhung der Deschäftigtenziffer um 80 000 auf. Die Deikragseinnahrnen der Krankenkassen, der Invaliden- und der Angestelltenversicherung sind sämtlich wieder gestiegen. Mag man der einen oder der anderen statistischen Feststellung gegenüber Mißtrauen hegen, ihre Llebereinstirnmung ist in jedem Falle beweiskräftig. Sobald die ungünstigen Saisonein- flüste aufgchört haben, wird die Entlastung des Arbeitsmarkts auf der ganzen Linie zum Durchbruch fommcji. 3n den drei nächsten Monaten wird man freilich zufrieden sein müssen, wenn es mit Hilfe der Regierungsmaßnahmen gelingt, die jahreszeitliche Abwärtsbewegung am Arbeitsmarkt so stark abzubremsen, daß die Arbeitslosenziffern nicht mehr steigen. Das wäre schon als ein Erfolg zu buchen, dessen Auswirkungen dann im kommenden Jahre das Rad der wirtschaftlichen Gesamtkonjunktur in aufsteigender Richtung kräftig antreiben werden. Schon heute aber muß man feststellen, daß der tote Punkt der Arbeitsmarki- Depression überwunden ist, und daß es nur noch darauf ankommt, die Kräfte, die dieses Ergebnis erzielt haben, nach Möglichkeit zu stärken. * 3nBrünn wurde gegen junge Leute, die kaum den Kinderschuhen entwachsen sind, wegen Hochverrats verhandelt. Für die deutschfeindlichen Elemente in der Tschechoslowakei war dieser Prozeß ein Fest, für alle vernünftigen Menschen aber eine fast lächerliche Komödie. Man bedauert höchstens den Staatsanwalt, der gezwungen war, die Anklage zu vertreten, und mit allen Mitteln versuchen mußte, Halbwüchsige als Hochverräter zu verdonnern. Die Gründe dafür, daß eine solche Komödie wie der Prozeß gegen die Jungsturm-Leute aufgeführt wird, liegen auf der Hand. Die Aktion der tschechoslowakischen Regierung gegen das Su° deiendeutschtum wird immer mit um so größerer Schärfe geführt, je größer die eigenen Schwierigkeiten der Regierung sind, je mehr Probleme politischer und wirtschaftlicher Art die Wirtschaftskrisis aufzeigt. Der dauernde Kr senzustand, in dem sich die tschechoslowakische Regierung befindet, wird nur mit Mühe überdeckt. Lind um die Oeffentlichkeit von den bestehenden politischen Schwierigkeiten abzulenken, werden diese Hochverratsprozesse geführt, zur Erhaltung der Staatsfreudigkeit der Tschechen müssen Kinder deutscher Eltern auf dem Altar des tschechischen Vaterlandes geopfert werden. Die Tschechen werden damit aber keinen Erfolg haben, die Sudetendeutschen lassen sich nicht unter» drücken. Der 2lbg. Schollich von der Deutschen Rational-Partei hat jüngst im Parlament au-ge- fiihrt, daß der nationale Kampf der Sudetendeutschen mindestens die gleiche sittliche Berechtigung habe wie der Kampf der Tschechen im alten Oesterreich. Die Sudetendeutschen würden sich durch keine staatlichen Maßnahmen davon abbringen lassen, ihre kulturelle Zusammengehörigkeit zum deutschen Mutteroolk zu bekennen. Bekämpft der tschechische Staat solche Aeußerungen der Blutsgemeinschaft als Hochverrat, dann läuft er Gefahr, an der nationalen Frage ebenso zu zerschellen wie das viel stärker in der Geschichte verankerte Oesterreich Das Bekenntnis zur Bluts gemein- fchaft ist aber das einzige, worauf sich die Anklage gegen 14 Jungsturmleute in Brünn richtete. Als Beweismittel diente ein Flugblatt, in dem sich die Jungsturmleute für ein einheitliches Großdeutschland eingesetzt haben, das die Deutschen aller Staaten und aller Erdteile in Einigkeit, Recht und Freiheit vereinigt. Die Jungsturmorganisation soll einen militärischen Charakter gehabt haben. Ein Stabskapitän aus Prag wurde als Sachverständiger vernommen, der den Beweis des militärischen Charakters dadurch erbracht sah, daß die jungen Leute sich im Steinewerfen übten. Dieses Steinewerfen, meinte er, müsse als p/nf- tische Hebung im Handgrana j/Trfwer - fen angesehen werden. Ein Verteidiger legte dem Sachverständigen die Frage vor, ob /er glaube, daß ein halbes Dutzend Jungens dem Staat gefährlich werden könnten. Mit vollkommen ernstem Gesicht bejahte der Sachverständige diese Frage, denn ein halbes Dutzend Jungens seien imstande, militärische Transporte zu stören. Im Falle,' eines Kriegs mit Ungarn würde die Unterbrechung von Transporten auf nur eine halbe Stunde schon) genügen, um fiix den Staat die ernstesten Folgen z^u zeitigen. Oer Arbeitsbefchaffungsplan desIungdeutschen Ordens. Berlin. 9. QIdd. (TU.) Der Hochmeister Des Jungdeutschen Ordens, Artur M a h - raun, sprach am Mittwoch über den sogenannten „Großen Plan" des Jungdeutschen Ordens zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Der Plan sieht eine grundlegende Neuordnung des deutschen Raumes durch Schaffung von einer Million neuer Bauernhöfe mit je etwa 32 Morgen vor. Oluf ihnen könnten vier Millionen Menschen Beschäftigung finden. Hiervon müßten jedoch eine Million abgezogen werden, die heute vom Großgrundbesitz beschäftigt würden. Der Arbeitslosigkeit würden also rund drei Millionen Menschen entrissen. Die neuen Dörfer würden außerdem einer halben Million Menschen in Handwerk, Gewerbe, Verwaltung und Verehr neue Arbeitsplätze geben. Die Einführung der allgemeinen Volksdienstpflicht könnte 800 000 Jugendliche vom Arbeitsmarkt Wegnehmen. Auf diese Weise würden insgesamt 4,3 Millionen Menschen wieder dem Arbeitsprozeß zugeführt fein. Die hiermit verbundene Lastensenkung würde der Wirtschaft das nötige Kapital zu- führen. Die Durchführung des riesenhaften Kolonisationswerkes würde die gesamte Wirtschaft von unten her ankurbeln. Der Rest der Arbeitslosen würde später von der Wirtschaft aufgesogen werden können. M a h r a u n führte ferner aus, daß sich der Jungdeutsche Orden deshalb in den letzten Jahren politisch so zurückgehalten hätte, weil er der Meinung sei, daß die Probleme unserer Zeit nicht durch parteimäßige Massenorganisationen oder durch den Kampf mit dem Stimmzettel, sondern nur durch einen Jdeenkampf bewältigt werden können. Zur Behebung der Staatsnot sei eine grundsätzliche Umschichtung des Systems, die Brechung der Porteiherrschaft und völlige wirtschaftliche und politische Reuordnung notwendig. Die feldgraue Ordnung, deren höchste Verkörperung der Feldmarschall von Tannenberg sei, sei richtig. Ihre Gesetzlichkeit habe sich als die bessere gezeigt und müsse daher an die Stelle des Gesetzes von Weimar treten. Reich und Preußen. Die Aussprache im Berfasjungsausschutz des Neichsrats. Berlin, 9. Nov. (DDZ.) Die ange kündigte Sihurm des Verfassungsausschusses des R e i ch s r a t s, in der i)ie Streitfragen besprochen werden sollen, die zwischen derReichs- regierung und den Ländern wegen des Vorgehens des Reichskommissars gegen P r e u - feen schweben, wird am Samstag stattfinden. 3u der Sitzung haben die Ministerpräsidenten mehrerer großer deutscher Länder ihr Erscheinen zugesagt. Roch keine Gltzung des preußischen Landtags. Berlin, 9. Nov. (DdZ.) Wie das Nachrichtenbüro des VdZ. hört, ist mit einer Einberufung des Preußischen Landtages für die nächsten Wochen noch nicht zu rechnen. Der Landtag hatte den Präsidenten ermächtigt, den Termin für die nächste Sitzung anzuberaumen. Der Präsident wird, wenn nicht außergewöhnliche Umstände ein- treten, von dieser Ermächtigung erst Gebrauch machen, wenn die Frage der künftigen preußischen Regierungsverhältnisse geklärt ist, d. h. wenn er die Wahi eines neuen Ministerpräsidenten auf die Tagesordnung setzen kann. Eine Landtagstagung im gegenwärtigen Augenblick kält er angesichts der verwickelten Re- gierungsveryältnisse und ungeklärten Verantwortlichkeit für unzweckmäßig. Es liegen auch von keiner Partei Anträge auf Landtagseinberufung vor. Die Entscheidung des Präsidenten wird frühestens in etwa acht Tagen erfolgen, sofern bis dahin ein Ergebnis der neuerlichen Fühlungnahme zwischen Nationalsozialisten und Antjeleen. Don Hans Friedrich Blunck. Wie ich zum ersten Male zu Wasser ging? Lieber Freund, das ist wieder eine von jenen vielen Fragen, die zur Registrierung absonderlicher Ereignisse heute an einen gestellt werden. Aber bei jenem erstenmal war es nur ein Mühlenteich, in den ich hinein rollte. Dafür spielt eine wirkliche Liebesgeschichte und auch etwas von guten und bösen Geistern hinein, es ist also wert, daß ich es Ähren Lesern erzähle. Ich werde ungeiähr fünf Jahre alt gewesen sein. Meine Eltern waren zu der Zeit auf der herrlichen alten Wassermühle eines Verwandten in Ostholstein zu Besuch und hatten für mich ein Kindermädchen aus dem Ort, Antjeleen, in Dienst genommen, deren große blaue Augen ich heute noch vor mir sehe. Was hatte Antjeleen zu tun? Sie sollte mich aus und ab führen, sie sollte Blumen auf den kleinen schmalen Wegen mit mir pflücken und sie sollte mir Geschichten erzählen, denn mein Vater machte weite Wanderungen und meine Mutter hatte genug mit den Zwillingsgeschwistern zu tun, die gerade ihren Weg ins Leben gefunden hatten. Was tat Antjeleen statt dessen? Geschichten wußte sie allerdings ohne Ende, lange, atemlose Geschichten vom Mühlenteich, vom versunkenen Schloß, das hier einmal gestanden hatte, und von den gelben Buschwiweken, die in den Wucherblumen wohnten. Ich sah sie auch alle — vielleicht sieht man als Kind noch mehr von Geistern und froschhäutigen Wasserkerlen, und ich weiß noch heute, wie einer von den Grünen deutlich das große Mühlrad hinunterrutschte und sich dabei pruschend überschlug. Aber Antjeleen hatte auch anderes vor. Sie ging viel öfter als nötig am Graben unterhalb des _Aehrs entlang, sie blieb hinter den Büschen stehen und niä-te zu meinem Erstaunen zur Mühle hinüber, meist .gerade dann, wenn drüben ein mehl- grauer Knecht aus dem Fenster hing. Schon damals ahnte ich dumpf, daß dies Zuwinken für den Dritten meist ein Grund zur Feindschaft war und ich empfinde noch heute, wie eifersüchtig ich auf meine wunderschöne flachshaarige Antjeleen toar; ich zerre und reiße an ihrer Schürze und stampfe vor Kummer. Ach, meine bitteren Erfahrungen in Liebesdingen haben früh begonnen. Aber der schlimmste Zorn von fünf jungen Jahren zog sich doch auf/das Gespenst aus dem Mühlen- fenfter zusammen^ und wenn ich mich auch von früh Aus aller Well durch allerlei bcn. Zwar h van Kursen c hingen joilm meinbiltenteii näd)H wirb bi Zpruchausschutz Wem Snkrqi der M. ha UnieihMame- 2>cr Arni j_e n markt n Spaniid) für beit gegeben (intmurj aui nenjchreibrn fernen „W ichaslslril eir Angestellte in lullen bas Be .3"* Irüh jn dew N1 ©üteesug -ult*6 ln. fuhren, &c big! °ab s Ä derA öie Drisgtui ntn Angestellte vorstehenden 1 Hanen vor un|t der w weiter bemüh üiisjubauen, ö und PlakM das zu geben, um im istiM, Der Leut gi-stlen-L jahr ein um|a scheu. Sie Sch erste Angestellte gesetzt. Eine A manisches Aee jührung, Mal» tatjchrist, Engi jene) werden c lausrnännischer Fachlehrgang Mitgliedern ( diesen rein bk meinbilbunq i sien Wissensg Grenzlandarbi bert werden, srauennachmit Bund der Sa matzige W unternehmen nenzulernen, Gymnastik, fvrouendjor Uebun-gsober ters soll auf Hilfe bei Un 3m Gen •Bon der 3n W unü g;|d , offenbar '°hren bei Meinet S?tab Anspruch au ^^ngutsch^ ^llllschen U «ÄS ° in 8* *i dvy gl., cka Anfang Kn. ^5 Das erste Skaimuseum der Weli. In der alten, einst herzoglichen Residenzstadt Altenburg, der Heimat des Skatspiels, hatten sich dieser Lage die Anhänger dieses edlen und schwierigen Handwerkes zum 13. Deutschen Skat- Kongreß eingesunden. Man war zu den Kongreß- Verhandlungen, zu einem fröhlichen Beisammensein und zu einem zähen Wettbewerb um die Skatmeisterschaft zusammengekommen: aber dieses Jahr spielt in der Geschichte des Skats eine besondere Rolle. Abgesehen vom Kongreß gibt es noch zwei Dinge, die gebührend gefeiert werden müssen. Einmal das hundertjährige Bestehen der Altenburger und Stralsunder Spielkarten.fabriken in Altenburg und zum zweiten die feierliche Eröffnung des ersten Skatmuseums der Welt, der „Skatheimat" im Altenburger Schloß. Dieses Altenburger Skatmuseum ist das Werk des langjährigen Faktors der Altenburger Spielkartenfabrik, Julius Benndorf,.der in der ganzen Skatwelt als „Benno Dirf", Herausgeber und Schriftleiter der Deutschen Skatzeitung „Der Alte" wohlbekannt ist. Dor sechs Jahren hat Benndorf angefangen, seinen schon lange gehegten Plan, eine Skatsammlung ins Leben zu rufen, in die Tat umzusetzen, jinö nun ist das Werk soweit gediehen, daß es der Oeffentlich- keit übergeben werden kann. Die „Skatheimat" umfaßt schon jetzt eine ganze Zimmerflucht des Schlosses und soll immer weiter ausgebaut werden. Sorgfältig und mit Kunstsinn ist alles in Kästen und Schränken unter Glas gehalten, damit die ganzen Schätze tadellos erhalten bleiben. In mühevoller Arbeit ist es „Benno Dirf" gelungen, Tausende von Spielkarten der verschiedensten Jahrhunderte und auS allen Ländern, seit überhaupt Karten gespielt werden, zusammenzutragen. Interessant sind dis mannigfaltigen Illustrationen der einzelnen Blätter. Sorgfältig ausgeführte Landschaften, glänzende Karikaturen und Anspielungen auf zeitgeschichtliche, meist politische Ereignisse gibt es in Hülle-Sund Fülle. Seltsam muten die kleinen Spielkarten art, die Feldgraue während des Stellungskrieges an der Westfront aus Papp- stückchen von einem Feldpostpaket angefertigt haben. Mit vielen wertvollen Radierungen, Kupferstichen und wundervollen Glasmalereien stellt das Ganze eine wirtliche Skatheimat dar. Außerdem bekommt man auch einen Einblick in die technische Herstellung der Skatkarten. So ist hier in aller Stille ein Werk entstanden, das in seiner sorgfältigen Vollendung bestimmt einmalig ist. Zeitschriften. — Mutter und Kind, Zeitschrift für Ernährung, Pflege und Erziehung des Kindes. Verlag Elwin Staude, Osterwieck a. Ha^. Vierteljährlich 1,65 Mk. - Das November heft enthält wieder eine Fülle interessanter und lehrreicher Beiträge. Eingeleitet wird das Heft durch ein Interview über „Das blasse Kind". Priv.« Doz. Dr. Doxiades gibt hier auf viele Fragen erschöpfende Antworten. Weitere Beiträge heißen „Verschiedene Temperamente". „Das Buch vom Kinde' , „Llnsere Kleinen im Winter", „Kinder und Kino". „Etwas vom Schulschwänzen", „Ein Kind fällt", „Kinderernährung vor 250 Jahren". ich kann heute nicht mehr sagen, von welcher Art sie waren, ich weiß nur, daß sie schöner als die zarteste Birne mundeten. Ich suchte denn auch so eifrig, daß ich überhörte, daß zur Mittagssuppe gerufen wurde, ich übersah, daß wir, wie ungewollt, hinter die dünnen Erlen geraten waren, die mir fönst unheimlich schienen, weil man gerade zur Mühle hinüberblicken konnte. Ich hörte nur aus einmal einen halblauten Rus, kam hoch und sah gerade, wie mein schönes liebes Mädchen von dem entsetzlichen weißen Feind gejagt und gegriffen wurde und wie der immer näher und näher an ihr Gesicht kam, um sie zu fressen. Und icy gewann solchen Mut, ich schoß dem Gespenst blind in die Kniekehlen und versuchte mit ihm um meine einzige Antjeleen einen Ringkampf auf Tod und Leben. Der Mann aber erschrak über den unvermuteten Angreifer so sehr, er brüllte auf und teilte in seiner Ueberraschung nach hinten aus. Und ich wirbelte in die Erlen hinein und von da mit einem dumpfen Plumps kopfüber in den Mühlenteich. Der wilde Kerl hat mich selbst wieder heraus- aeholt, das war das Bekümmerndste von allem. Ich brüllte ihn zum Dank an, als stäke ich am Spieß, ich weiß auch noch deutlich, wie alle Fenster offen gingen und sogar der Oheim den Kopf zur Mühle Hinaushängte. Ich weiß, wie ich pudelnaß von Antjeleen ins Haus geschleppt wurde und nur immer ärger brüllte und brüllte vor Wut über das Wasser, vor Wut über den Mehlkerl und zugleich auch weil, solange ich noch schrie, alle um mich herumstanden und mich trösteten. Ich glaube, ich habe darüber zu erzählen ver- en, wie es eigentlich gekommen roar; vielleicht iff ich auch, daß man von seinen Niederlagen nicht viel reden soll. Aber etwas sehr Böses und Schönes habe ich gelernt: den Mut der Eifersucht Die Fischer, die hauptsächlich von Fischen leben, sind oft bösartig erkrankt und mitunter gestorben. Prof. Eichholz wies nach, daß sich die experimentelle Erzeugung der Haffkrankheit erreichen läßt. In keinem Falle dürfe angenommen werden, daß eine Infektionskrankheit vorliege. Die Mitwirkung eingeatmeter giftiger Gase ist nach der übereinstimmenden Ansicht aller Redner nicht bewiesen und wird als wenig wahrscheinlich bezeichnet. Nach den Forschungsergebnissen läßt sich nicht länger daran zweifeln, daß die Haffkrankheit durch den Genuß von Fischen entsteht, die durch Stoffe aus den Zellstoffabwässern krank gemacht sind. Voraussetzung dabei ist jedoch, daß der Genuß im Llebermaß und unter den besonderen Bedingungen erfolgt, wie sie im Fischerberuf gegeben sind. Trotzdem besteht kein Grund, daß die Bevölkerung sich etwa des Fischgenusses enthält. Bezwingung des Acona-Massivs in den Cordilleren. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, haben die Mitglieder der deutschen Forschunasexpedition Dr. B o r ch e r 5 erklärt, das Acona-Masfiv in den Cordilleren in Höhe von 7015 Meter erstiegen zu haben. In 5000 Meter Höhe hätten sie die Hacke des Forschers P e I a m t o 11 e gefunden, der mit seinem Begleiter Ramfay feit zwei Jahren vermißt wird. Außerdem fanden sie den Rucksack des englischen Forschers Mar den, der seit einem Jahre verschollen ist. Großer Opiumschmuggel auf einem französischen Dampfer. Bei iber Ankunft öes französischen Dampfers „La Martin" in Marseille wurden von der Zollbehörde nicht weniger als 4 3 0 Kilo Opium in den Waschräumen des Schiffes beschlagnahmt. Die „L-a Martin" versieht den Verkehr nach dem nahen Osten. Die französische Hafenpolizei war schon feit langem darauf aufmerksam geworden, daß auf französischen Schissen, die in Jstambul vor Anker gehen, Rauschgiftschmuggel getrieben wird, wobei auch die Besatzung der Schiffe aktiven Anteil nimmt. Aus diesem Grunde wurde eine eingehende Untersuchung des Schiffes vor genommen, die ein sehr fruchtbares Ergebnis zeitigte. Bolivianisches Militärflugzeug abgeftürzt. — Dreizehn Offiziere getötet. Wie die paraguayanische oberste Heeresleitung in Asuncion mitteilt, ist im Ehaco ein dreimotorigcs bolivianisches Militärflugzeug abgestürzt. Drei Generäle und weitere zehn Offiziere fanden dabei den Tod. Sparkassenleiter unterschlägt 200 000 Mark. Der Kaufmann Emst Wernicke in Bornim (Mark) hat als Leiter der Spar- und Darlehnskasse des Kreises Osthavelland 200000 Mark veruntreut. Wernicke hat bei der Staatsanwaltschaft in Potsdam die Unterschlagung eingestanden. Blutrache auf offener Straße. — 16 Personen getötet. In der argentinischen Hauptstadt Buenos A i r e s hat sich auf offener Straße ein Akt furchtbarer Blutrache ereignet, wobei nicht weniger als 16 Personen getötet wurden. Die Mitglieder von zwei Familien, die sich auf Grund der Blutrache heftig bekämpften, eröffneten plötzlich ein regelrechtes Revoloergefecht mitten in der Stadt. In Hehn Minuten waren alle tot oder sterbend mit Ausnahme eines 16jährigen Mädchens, das in einen Hauseingang gefüchtet war. Dreißig kleine Kinder blieben als Vollwaisen zurück. Ueberfall auf zwei Kassenboten. Auf der Chaussee zwischen den Ortschaften Hoheneuendovf und Bergfeld im Norden Der- Uns wurden zwei Kafsenboten, die 1750 Mark Llnterstützungsgelder von der Sparkasse in Ho- henneuendorf ab geholt hatten, von zwei Männern überfallen und von ihren Rädern geschlagen. Die Räuber rissen die beiden Aktentaschen, in denen sich das Geld befand, an sich, schwangen sich auf die Räder der Lleberfallenen und fuhren davon. Obwohl kurze Zeit darauf die Verfolgung mit einem Privatauto aufgenommen wurde, gelang es den Wegelagerern, zu entkommen. Wolfgang von Gronau in Deutschland. Friedrichshafen, 9. Nov. (WTB.) Nach einer hier eingetroffenen Meldung hat der deutsche Weltflieger v. Gronau die für heute nicht erwartete Besserung der Witterung zum Start nach Friedrichshafen benutzt. Er ist um 13.45 Uhr in Genua aufgestiegen und hat gegen 15 Uhr den Lago Maggiore überflogen, v. Gronau ist nach glücklicher Ueberquerung der Alpen um 16.10 Uhr bei den Dorniermerten in Altenrhein bei Rorschach am Bodensee glatt gelandet. Er wurde von dem Erbauer seines Flugzeuges, dem bekannten Ingenieur Dr. Claudius Dornier und anderen Herren der Dornierwerke begrüßt. Der Flieger wird erst morgen -den kurzen Flug über den Bodensee nach Friedrichshafen ausführen, da erst für morgen nachmittag sein Empfang und seine erste Begrüßung auf deutschem Boden nach erfolgreicher Durchführung seines Weltfluges vorgesehen sind. Mit der Erreichung des Bodensees hat Gronau mit seinem Dornierwal in etwas mehr als 300 Flugstunden eine Strecke von mehr als 60000 Kilometer zurückgelegt. Der Flug führte von der Insel Sylt über Island, Grönland, Alaska nach Ehikago. Auf dieser Strecke überquerte Gronau zum dritten Mal den Nordatlantik in der Ostwestrichtung. Von Ehikago flog er über das amerikanische Festland, die Aleuten, nach Japan, von dort über China, Batavia, Ceylon, Bagdad nach Athen. Von dort ging es weiter über Rom nach Genua. Sieben englische Streckenarbeiter vom Schnellzug überfahren. In oer Nähe von Watford, 15 Kilometer nördlich von London, wurden sieben Streckenarbeiter von einem Schnellzug überfahren. Fünf wurden getötet und zwei schwer verletzt. Die Arbeiter waren auf die Gleise der Schnellzugstrecke getreten, da ein Personenzug langsam aus den auszubessernden Gleisen fuhr. Infolge dichten Nebels und des Dampfes der Lokomotive des Personenzuges haben die Arbeiter den aus der anderen Richtung heranbrausenden Schnellzug nicht gehört und wurden überfahren. Deutscher in Polen wegen angeblicher Spionage zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Landwirtssohn S t i I o aus Dom st war an einer unübersichtlichen Grenzstelle bei Domst vor einiger Zeit auf polnisches Gebiet geraten und von den Polen fe st genommen worden. Man beschuldigte ihn der Spionage. Das Posener Standgericht verurteilte Stilo zu fünf Jahren Zuchthaus. Stilo konnte sich kaum verteidigen, da er der polnischen Sprache nicht mächtig ist, in der die Verhandlung geführt wurde. Furchtbarer Tod eines Einbrechers. In einer der vergangenen Nächte explodierte in der Werkstatt eines Schlossermeisters in Hamm der- Schweißapparat. Als der Meister in die Werkstatt eilte, fand er dort einen etwa 23jährigen Mann mit entsetzlichen Verletz ungen sterbend vor. Der Verunglückte, dessen Personalien noch nicht feststehen, war mit einem zweiten Manne widerrechtlich in die Werkstatt eingedrungen, offenbar, um den Schweitz- apparat zu stehlen. Die Ursachen der haffkrankheit. In der Medizinischen Klinik zu Königsberg and eine Versammlung des Vereins für Wifsen- chaftliche Heilkunde statt, die sich mit den Ur» ach en der L a f f k ra n k h e i t beschäftigte, die schon viele Todesopfer gefordert hat und in diesem Jahre besonders heftig aufgetreten ist. Prof. S t oeltzner teilte die Ergebnisse von Versuchen an Fischen und Katzen mit, aus denen sich ergibt, daß die Vergiftung der Fische durch Harzsäure entstanden ist. Wie von Pros.Kaiserling demonstriert wurde, ging das Haffgift mit den Abflüssen der Zellstoffabri- ken aus Königsberg in das Haff und vergiftete die Fische. Bei geringem Genuß von Fischen sei das Gift nicht sehr schädlich, dagegen bei überwiegendem Fischgenuß außerordentlich gefährlich. auf lieber an die weihe statt an die schwarze Magie gehalten habe, diesem Fremden da drüben hängte ich alle Strafen böser Könige und feuriger Schatzsucker an. Grund genug zur Eifersucht hatte ich ja! Nicht nur daß Antjeleen jener verwünschten Weißjacke zunickte — nein, das Bartgesicht nickte sogar wieder! Viel schlimmer als das: Mitten im Blumensuchen kam einmal ein leiser Pfiff, und meine schöne heldenhafte Freundin — denn in allen Geschichten war sie doch zuletzt die Listige, die den Knoten schürzte und löste —, ich sage, meine schöne und heldenhafte Freundin verlor sich wie von ungefähr und ließ mich mitten in hohen Farren allein. Ich merkte die List gleich, ich war sehr traurig und fühlte mich einsam, sehr einsam! Aber ich blieb doch ruhig und tappte so langsam einen Weg für mich, bis ich erstarrend Antjeleen mit dem weißen Gespensterkerl beieinander stehen sah. Da brüllte ich wie von der Natter gestochen, und der Mehlige war wie im Husch von dannen — wirklich, als ich die scheuernden Fäuste von den Augen hob, war es, als (ei kein Mensch jemals dagewesen. Das sagte mir auch Antjeleen einen halben Tag lang. Sie redete und redete und lachte mich aus, bis ich selbst an meinem Gesicht zu zweifeln begann, sie erzählte dem Verstockten noch einmal die allerschönsten Geschichten, und immer liefen sie darauf hinaus, daß die Augen den klügsten Leuten etwas vorgeflunkert hatten. Und sie brachte es mit viel Zärtlichkeit dazu, daß ich das Erlebnis in mich verbiß und niemandem erzählte. Aber Ich traute von nun an keiner von allen Geschichten mehr so recht. Ich war vom Gläubigen zum Zweifler geworden, der, um seine Antjeleen zu schützen, die Augen offenhielt und die Mühle nut ihren grünen Gesichtern und weißen Gespenstern nicht mehr aus dem Blick lieft. Wie sehr ich recht hatte! Es war am Tag nach einem furchtbaren Gewitter, wo wir eine Nacht lang zusammen alle auf der Diele gehockt hatten und ich an Antjeleen die Frage gestellt habe: „Und dann, wenn der Blitz einschlägt?" Ick weiß die Antwort noch, als sei's gestern gewesen: „Dann sind mir tot!" — „Aber wie Ist das, tot?" — „Wir schlafen und schlafen und wachen gar nicht mehr auf." — „Wir wollen aber nicht tot sein Antjeleen!" — „Nein, wollen wir auch nicht!" Und sie zog mich erschrocken an sich, und ich vertraute auf ihr furchtsames Zeichen unserer Freundschaft. Trotzdem, sie verriet mich schon am andern Tag. Wir pflückten gerade kleine Grasspieren, die, aus ihrem Mutterkelch gezogen, weiß und zart und wundervoll würzig schmecken. Sie wuchsen dem Mühlenteich am nächsten auf feuchtem Untergrund; Zentrum vorliegt. Sicher ist, daß der Landtag nicht vor dem 22. November, wahrscheinlich sogar er[t in den letzten Novembertagen zusammentreten wird. Landerkonferenz ohne Preußen Würzburg, 9.Nov. (TLI.) Heute fand hier eine bereits seit einiger Zeit vereinbarte Konferenz der Vertreter der süddeutschen Länder und Sachsens statt. Diese Konferenz, an der für Bayern Ministerpräsident Dr.Helo teilnahm, diente dem Zweck, für die bevorstehende Sitzung des R e i ch s r a t s eine einheitliche Stellung derLänder herbeizuführen. Die Reichsregierung war von der Konferenz, an der auch die Fachreferenten der beteiligten Länder teilnahmen, vorher verständigt worden. Die Staatsbesuche des Kanzlers. Berlin. 9. Nov. (ENB.) Wie wir erfahren, ist für die Staatsbesuche, die der Reichskanzler beabsichtigt, folgende Route festgelegt: Am 14., kommenden Montag, wird der Kanzler in Dresden sein, am Freitag, dem 18., in S t u t t g a r t, am 19. in Karlsruhe : dann folgt die Einweihung einer neuen Rheinbrücke bei Mannheim-Ludwigshafen, und am 20. erfolgt der Staatsbesuch in Darmstadt. Am Abend dieses Tages kehrt der Kanzler wieder nach Berlin zurück. „Eine Herausforderung Deutschlands." Der englische Zeitungskönig fordert Rückgabe des Korridors an Deutschland. London, 9. Nov. (WTB.) „Daily Mail" veröffentlicht einen Artikel Lord Rotherme r e s über die Notwendigkeit einer Revision bestimmter Teile der Friedensverträge, in dem der Verfasser insbesondere auf die Frage des Korridors hinweist, der die tiefste Ursache der Sorge um den europäischen Frieden darstelle. Die TeilungDeutsch- lands zu dem Zweck, Polen einen Zugang zum Meere zu verschaffen, sei der schlimmste Fehler, den Versailles begangen habe. Der Korridor sei eine Herausforderung Deutschlands und eine Gefahr für Polen. Lord Rothermere schlägt vor, daß die polnische Regierung Deutschland die territoriale Souveränität über den Korridor zurück g I b t gegen ein gemeinsames Versprechen Deutschlands, Frankreichs und Englands, die polnische O st grenze gegen einen sowjetrussischen Angriff zu verteidigen. Deutschland könnte weiter eine internationale Anleihe aufbringen, um Polen die Geldaufwendungen im Korridor zu ersetzen. Der neue polnische Hafen Gdingen könnte zu einer freien Hansestadt mit besonderen Beziehungen zu Polen gemacht werden. a'fhan[L eo Qn9tnOmiliy2n borneg« et Tase frjfe? )>, Ne li-im Ä bta n befiehl .? sicher. i Ma» a*ilD *n ben ML rLZ J °'°em sranzSsischn, MHi^n LampjeiZ,£n '°°"d°r ZÜlb-hS 2.DP*um in btn N°8"°hmt. Di« „9a Xj.M dem nahen PolWi mar schon seit figwjtt, daß auf ''pmbul cor 'Mr 'trieben wird, wobei aktiven Anteil nimmt "e eingehende Unter« Mnen, die ein sehr R abgeslürzk. - te getötet oberste Heeresleitung tyro ein breimotoriges gzeugabgestürzt. Zehn vssizieie sanden ägi 200000 Warf, ierniie in Bornim par- und DarKhmiassr 00000 Mark ver- bei der Etaatsanwall' l'chlagung eingestanden, ahc. - 16 Prsonen I. Hauptstadt Buenos Straße ein Akt s u r ch t- let, wobei nicht weniger t e't wurden. Die Mit- die sich aus Grund der eröffneten plötzlich ein fedjt mitten in der -en alle tot ober (ter- WWn Md^. Achtet mar. 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Mehrere Personen in dem Frühzug nach Gießen wurden verletzt, jedoch soll es sich zum Glück nicht um schwere verletzun- gen handeln. Aerztliche Hilfe war aus Grünberg rasch zur Steile, ebenso wurde der Sanität«- und Hilfszug vom Bahnhof Gießen schleunigst alarmiert und traf in kurzer Zeil an der Anfallskelle ein. Zur Zeit ist man mit den Aufräumungsorbeiten beschäftigt, jedoch sind beide Gleise noch gesperrt. Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 10.November 1932. Winterbildungsarbeit der Angestettten-Berbände. Dix Ortsgruppen der in unserer Stadt vertretenen Angestellten-Berbände traten auch für den bevorstehenden Winter wieder mit ihren Arbeitsplänen vor ihre Mitglieder, denn trotz der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse will man weiter bemüht sein, die erworbenen Kenntnisse auszubauen, dem Nachwuchs fachliche theoretische und praktische Kenntnisse zu vermitteln und ihm das zu geben, was der junge Kaufmann braucht, um im Existenzkampf bestehen zu können. Der Deutschnationale Handlungs- g e h i l f e n » B e r b a n d hat für das Winterhalbjahr ein umfangreiches Arbeitsprogramm vorgesehen. Die Scheinfirmenarbeit. die der DHV. als erste Angestellten-Organijation einsührte, wird fortgesetzt. Eine Anzahl von Grundlehrgängen (Kaus- männisches Rechnen, Deutscher Handelsbrief, Buchführung, Maschinenschreiben Reichskurzschrist, Plakatschrist, Englisch für Anfänger und Fortgeschrittene) werden abgehalten. Man wird sich ferner mit kaufmännischer Betriebswirtschaftslehre befajsen: Fachlchrgang und Arbeitsgemeinschaften geben den Mitgliedern 'Gelegenheit, sich fortzubilden.. Neben diesen rein beruflichen Zielen soll auch die Allgemeinbildung durch Vorträge aus den verschiedensten Wissensgebieten (Heimatkunde, Gesetzeskunde, Grenzlandarbeit, Deutsches Heldentum ufw.) gefördert werden. Gesellige Veranstaltungen, Hausfrauennachmittage und derql. sind vorgesehen. Der Bund der Kaufmannsjugend im DHV. pflegt regelmäßige Zusammenkünfte, die „Fahrenden Gesellen" unternehmen Wanderungen, um die Heimat fern nenzulernen, die Turnergilde pflegt Handballspiel, Gymnastik, Turnen usw. Der „Männer- und Frauenchor Deutscher Sang im DHV." hat Ucbui'.gsabende vorgesehen. Im Laufe des Winters soll außerdem "ein Schulungskursus für „Erste Hilfe bei Unglücksfällen" abgehalten werden. Im Gewerkfchaftsbund der A nge- st e l l t e n wird das Winterhalbjahr ebenfalls durch allerlei fortbildende Arbeit ausgefüllt werden. Zwar hat man diesmal von der Abhaltung von Kursen abgesehen, in verschiedenen Versammlungen sollen aber Borträge mit Lichtbildern allgemeinbildenden Charakters gehalten werden. Demnächst wird die Demonstration einer Sitzung der Spruäzausschußkammer stattfinden, die wohl lebhaftem Interesse begegnen wird. Die Iugendgruppe des GdA. hat für ihre Heimabende mancherlei Unterhaltsames und Wissenswertes vorge-sehen. "Der Zentralverband der Angestell- t e n wartet mit Kursen in Englisch, Französisch und Spanisch für Anfänger auf. Es soll ferner Gelegenheit gegeben sein, sich im Plakat- und Inserat- Entwurf auszubilden; Stenographie und Maschinenschreiben werden gelehrt; Vorträge über die Themen „Wie lieft man den Handels- und Wirt- fchaststeil einer Tages-Zeitung?", „Was muß der Angestellte vom Absatz und der Kundschaft wissen?" sollen das Verständnis für größere Zusammenhänge wecken. Im Rahmen der Uebungefirma werden Deutscher Handelsbries, Kaufmännisches Rechnen, Handelsrecht, Steuerwesen, Buchführung, Kalku- lation, Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsgeographie und Warenkunde behandelt werden. Reben diesen Kursen und den Arbeitsgemeinschaften werden in besonderen Veranstaltungen Vorträge allgemeinbildender Art abgehalten. Lichtbilder und Filme wurden zu diesem Zweck herangezogen. Die Iugendgruppe des ZdA. wird ihre Mitglieder mit Leseabenden, Musik- und Liederabend, mit Vorträgen, teils ernsten, teils heiteren Charakters zu unterhalten und gleichzeitig fortzubilden bestrebt sein. Die Erziehungs- und Fortbildungsarbeit, die hier im Stillen geleistet wird und schon in Gang gebracht wurde, ist nicht gering zu bewerten. Wird doch durch diese Bildungsarbeit ein kaufmännischer Nachwuchs h.rangezogen, der den Zusammenhängen im wirtschaftlichen und öffentlichen Leben viel verständnisvoller gegenüberstehen wird, als früher. Bornotizcn. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschriebene Morgen als 6. Vorstellung im Freitag-Abonnement zum ersten Male der lustige Schwank „Raub der ©abinerinnen" von Schönthan. Spielleitung hat Karl (Bold. Spieldauer von 20 bis 22.15 tlhr. Gewöhnliche Preise. — Zum letzten Male gelangt am Sonntag. 13. November, als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen das jüngste Werk des Ungarn Ladislaus Fodor; „Roulette" unter der Spielleitung von Karl Hehler zur Aufführung. — D i e Co median Harmonists im Gießener Stadttheater. Man schreibt uns: Mit einem in seiner Buntheit seltenen und abwechslungsreichen Programm treten J>ie Sänger in einem einmaligen Gastspiel im Stadttheater am Samstag. 12. November, erstmalig in Gießen auf und werden sich auch hier den Beifall eines ausverlauften Hauses erringen. Ein Abend, den niemand missen möchte, der die sechs Sänger je gehört hat. Cs wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß vorbestellte Karten bis Freitag abgeholt sein müssen, da infolge der starken Nachfrage ab Samstag über öie'e Karten sonst verfügt werden muß; vorbestellte Karten auswärtiger Theaterbesucher bleiben bis 15 Minuten vor Beginn der Veranstaltung rSserv'.ert. — Der Goethe-Bund schreibt uns: In unmittelbarer Folge an den ersten Dichterabend schließt sich der zweite Dichterabend des Vortragswinters an: Der bekannte Dichter Albrecht Schaeffer wird am kommenden Montag aus eigenen Werken lesen. Auch Albrecht Schaeffer gehört zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Dichtkunst. Er verfügt über ein reiches literarisches Schaffen, und die Zahl seiner Anhänger und Leser wächst ständig. Der Dichter ist ein sehr starker Interpret seiner Dichtungen, so daß der Vortragsabend für jeden Besucher ein Erlebnis sein wird. Näheres siehe gestrige Anzeige.) Oie Ausgabe vonGteuerguifcheinen Was der Steuerpflichtige zu beachten hat. Don der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns geschrieben: Da offenbar noch Unklarheiten über das Verfahren bei der Ausgabe von Steuer- gutscheinen bestehen, seien noch einmal die hierfür geltenden Bestimmungen kurz zusammengestellt: Anspruch auf Steuernachlah in Form von Steuergutscheinen haben alle natürlichen und juristischen Personen des Privatrechts und des öffentlichen Recht». die 1. Umsatzsteuer-, gewerbesteuer- oder grundsteuerpflichtig sind, 2. in der Zeit vom 1. Oktober 1932 bis 30. September 1933 auf diese Steuern fällige Beträge entrichten, 3. im Inland ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt, Sih oder Ort der Leitung haben, oder sonst unbeschränkt einkommensteuer- oder körperschaftssteuerpflichtig sind. Zahlt ein Dritter im Auftrage, oder in Vollmacht des Steuerschuldners die Steuer ein, so ist natürlich der Steuerschuldner gutscheinberechtigt. Wenn der Steuerpflichtige umsahsteuerpflichtig ist, werden die Steue gutscheine für alle gut- schcinberechtigten Steuerzahlungen von der Finanzkasse des Finanzamts ausgebändigt, das für die Besteuerung des Steuerpflichtigen nach dem Umsatzsteuergesetz zuständig ist. Wenn der Steuerpflichtige nicht umsatzsteuerpflichtig ist, werden die Steuergutscheine von der Finanzkasse des Wohnsihfinanzamts, oder des Finanzamts der Geschäftsleitung ausgegeben. Wer Gewerbesteuer oder Grundsteuer bei einer Landes- oder Gemeindekasse entrichtet, hat dieser Kasse mitzuteilen, welches Finanzamt für die Ausgabe von Steuergutscheinen für ihn zuständig ist. Die Landes- oder Gemeindekasse hat die von den einzelnen Gutscheinberechtigten eingc- zahlten Beträge — soweit sie für die Ausgabe von Steuergutscheinen in Frage kommen — dem zuständigen Finanzamt nach dem Ende jedes zweiten Monats des Kalendervierteljahres, also Anfang Dezember 1932, Anfang März, Anfang Juni und Anfang September 1933, sowie Anfang Oktober 1933 mitzuteilen. Der Gutscheinberechtigte kann beantragen, daß die Landes- oder Gemeindekasse die von ihm eingezahlten, bei der Ausgabe von Steuergut- fdj einen zu berücksichtigenden Beträge schon früher mitteilt. Die Landes- ober Gemeindekasse muß einem solchen Antrag entsprechen, sobald der von dem Gutscheinbcrechtlgten eingezahlte und zu berücksichtigende Betrag 1250 RM. erreicht hat oder übersteigt. Die Aushändigung erfolgt aber nur auf ausdrücklichen Antrag des Steuerzahlers. Der An- tra>g muß spätestens bis zum 31. März 1934 bei dem zuständigen Finanzamt gestellt sein. Für den Antrag bestehen keine besonderen Formvorschriften. Cs wird aber zweckmäßig sein, einen solchen Antrag schriftlich ein für allemal an die betreffenden Steilen zu richten. Der Antrag braucht also nur bei der erstmaligen Anforderung gestellt zu werden. Alle weiteren, dem Antragsteller zustehenden Steuergutscheine werden dann ohne neuen Antrag ausgegeben. Die Steuergutscheine können entweder persönlich an der Finanzkasse in Empfang genommen, oder durch die Poft (Einschreibesendung oder Wertbrief) übersandt werden. Da aber-ticr erste Weg mit Zeitverlust, der zweite mit beträchtlichen Linkosten (die durch Nachnahme erhoben wer- den) verbunden ist, ist es ratsam, die Geschäftsverbindung mit Banken, Spar- und Girokassen, sowie Genossenschaften in Anspruch zu nehmen. Zweckmäßig kann schon bei der Antragstellung darum nachgesucht werden, die Stücke dem bei der Bankverbindung des Steuerberechtigten ge= führten Depot zuzuführen. Der Antrag auf Ausgabe von Sleuergul- fcheinen für Mehrbeschäftigung von Arbeitnehmern muß schriftlich auf besonderem Vordruck gestellt werden. Dieser Antrag ist innerhalb eines Monats nach Ablauf des kalender- vierkeljahres einzureichen, in das die Mehrbeschäftigung fällt, das heißt also: der Antrag für Oktober Dezember 1932 ist im Januar 1933 zu stellen, der Antrag für Januar März 1933 ist im April zu stellen usw. Zuständig ist grundsätzlich das Finanzamt, das die Tlmsatzsteuer des Antragstellers bearbeitet. Ist jemand nicht umsahsteuerpflichtig, so werden die Gutscheine von dem Finanzamt au°p"geben, das das Einkommen veranlagt. SpendefürdieGießenerWinternothilfe Von der Geschäftsstelle der Winternothilfe wird uns mitgeteilt, daß das Konfektionshaus Carl Frensdorf 2 Herrenanzüge. 2 Herrenulster, 1 Gummimantel, 1 Lodenmantel, 3 Herrenhosen, 2 Sporthosen, 2 Windjacken und 3 Knabenhosen für das Gießener Winterhilfswerk gespendet hat. Weitere Spenden werden jederzeit dankbar angenommen. ♦ ** D i e Sprechstunde der Fürsorge« st eile für Lungenkranke in der Medizinischen Poliklinik findet für die Besucher aus den Landgemeinden des Kreises Gießen jeden Montag von 16 bis 17 Uhr (nachmittags 4 bis 5 Uhr) statt. Lungenkranke und Krankheitsgefährdete, die in ärztlicher Behandlung sind bedürfen einer Uebermcijung ihres Arztes in die Lungenfürsorgestelle. Unbemittelte werden unentgeltlich beraten. Srieffoften der Redaktion. tRechlsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) F. Z. 150. Das Krümpersystem ist das System der von Scharnhorst 1809/13 durchgeführten Rekrutenausbildung. Da Preußen nur 42 OOO Soldaten halten durfte, wurden, um mehr auszubilden, die Rekruten nach mehrmonatiger Ausbildung durch andere ersetzt. Die Entlassenen nannte man spottweise Stümper oder Kremper. In der Geaenwart tritt das Krümpersystem nicht auf militärischem Gebiet, sondern im Arbeitswcsen in Erscheinung. Man oer steht darunter die schichtweise Auswechslung einer Belegschaft insofern, daß ein Teil der Belegschaft arbeitet, während der andere Teil einen gewissen Zeitraum feiert, um dann seinerseits die Arbeitenden abzulösen. Bücheriisch. — Pott und v. Boettichcr, Piraten und Perücken. 60 2. R. Voigtländcrs Verlag, Leipzig. Festkartoniert 1,20 Mk. — (225) — — Für jeden Kaufmann ist es heute von unschätzbarem Wert, daß ihm die Möglichkeit gegeben ist, das Studienthema eines Diplom-Kaufmanns zu absolvieren In Form des bekannten Selbststudienwerkes „Die Handelshochschul e", die der Frankfurter Universitä/sprofessor Dr. Schmidt zusammen mit 30 anderen bekannten Hochschul-Professoren geschaffen hat. Das eigentliche Hauptwerk hat nun eine Ergänzung erfahren durch einen sogenannten Ergänzungsband. Das ursprüngliche Studium wird dadurch keineswegs berührt, und es ist jedem, der das Hauptstudium durchführt, anheimgestellt, auch die im Ergänzungsband zusammengefaßten Themen durchzuarbeiten. (Industrieverlag Spaeth & Linde, Berlin W. 10, Genthlnerstraße 42.) RinMidie Nachrichten Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 12. November. Freitag abend 4.20 Uhr , Samstag vormittag 8.30; nachmittags 4.55; Sabbatausgang 5.35. — Wochengottesdienst: morgens 6.45; abends 4.30 Uhr. Oer elfte November. Oer Tag des Waffenstillstandes 1918 in London, Paris und Berlin. Don Bruno Brehm. Bruno B r e h m, der begabte Dichter, erzählt in dem soeben bsi R. Piper & Co. n München erschienenen Buch „Das war das Ende" mit packender Anschaulichkeit das Ende des Weltkrieges von Brest- Li towsk bis zur Unterzeichnung des Friedens von Versailles. Wir geben daraus e nige Abschnitte des Kapitels wieder, das die Aufnahme der Vachricht vom Waffenstillstand am 11. Rovember in London, Paris und Berlin schildert. Am elften Tage des elften Monats zur elften Stunde verkündete die Glocke des Big Ben im Glockenturm von Westminster zu London, daß der Krieg beendet sei Aus allen Häusern strömten die Menschen auf die Straßen, das ernste London des Krieges warf den Panzer von sich und streckte die Arme, jauchzte, als hätte der Jubel in der inneren Stadt keinen Baum, hinaus an den Kai zur Themse, zog brausend und tobend an dem langgestreckten Parlament vorbei, immer neue Menschenströme flössen aus den Gassen zu, Fahnen entfalteten sich über den dunklen Zügen, die Menschen lachten, die Menschen weinten vor Freude, sie umarmten einander, und hinein in dieses Schreien und Jubeln begannen die Glocken von ganz London zu erdröhnen, als dächten sie allein der Toten in Flandern, an der Somme, in Palästina, am Euphrat, bei den Dardanellen, und all derer, die auf des Meeres kühlem Grunde ruhten. Heberstanden waren die Jahre der Prüfung, gerettet war das meer- umspülte Eiland, Gott hatte das mit tausend Barben bedeckte England vor dem Untergang gerettet, sein auserwähltes Volk vor der Vernichtung bewahrt. All dies verkündeten die dröhnenden Glocken, all diese Freude spiegelt sich in den Tränen der Witwen und Mütter wider, in deren Arme nun die nicht mehr heimkehren, die England gerettet haben. Am elften Tage des elften Monats zur elften Stunde da dröhnten in Paris vom MarSfeld herüber die Salven der Geschütze — nicht mehr das Krachen der fernherkommenden Schüsse der „dicken Berta", nicht mehr die Salven der Flugabwehrbatterien — es sind nun die Ehrensalven für den kommenden Frieden. Auch hier läuteten die Glocken, auch hier erschienen überall Fahnen, immer wieder nach der Trikolore das Sternenbanner, Soldaten zogen durch die Straßen, unter Marschliedern marschierten Frauen und Mädchen mit, die Gesichter dem Himmel zugekehrt, mit halbgeschlossenen Augen sich der Wohltat deS großen Dahinflutens ergebend. Die ersten Takte der Marseillatse ertönen. Trommelwirbel unterbricht sie, und nun erbraust der alte Marsch „Sambre et Meuse“, weinende Menschen fallen einander um den Hals; auf Gießkannen, Kochtöpfen, auf Trommeln, Kindertrompeten wird gelärmt, Signalhörner der Soldaten schrillen darein, als wären die Menschenkehlen nicht imstande, all die Freude herauszubrüllen, die die Brust zersprengen will- Die Beutegeschühe vom Place de la Concorde und aus den Champs-Elysees werden geholt, Mädchen setzen sich auf die verstummten Rohre, reiten auf den Lafetten, Soldaten spannen sich vor die Protzen und über die winkenden, wehenden Boulevards geht die jauchzende, klirrende Fahrt. Alle Fenster stehen offen, alle Balkons sind schwarz von Menschen — immer wieder Glocken, Musik, Rufe, Toben, als sei die Stadt toll geworden — und auch hier im Gedränge die vielen verschleierten schwarzen Frauen. Don der Menge umringt, umschmeichelt von den Mädchen, ziehen b:e großen amerikanischen Soldaten unter den kleinen Franzosen dahin, von Greisen bejubelt — die ihre eigenen Söhne verloren haben — so rast, so brüllt, so tobt die Stadt bis in den grauenden Morgen. 3n Berlin gab es weder Tag noch Stunde. Wie graue Bäche nach einem Hntoetter strömten die Feldgrauen aus allen Straßen Unter den Linden zusammen, zogen durch diese Sieges- straße Preußens zum Brandenburger Tor, rissen das Schwarz der Zivilkleidung mit und die abgehärmten Gestalten der blassen Frauen, umtosten die Siegessäule, bildeten sturmbewegte, sich stauende Tümpel, überströmten und zeigten, was diese Stadt nun wirklich ist — ein einziges großes meuterndes Militärlager, in dem nun überall die ehernen Könige, Kurfürsten, Generale auf den Brücken, Plätzen und in den Gärten dastanden wie verlassene Posten des Ruhmes, wie eherne und steinerne Wächter vor den Straßen, die nach den Siegen Preußens benannt sind. Ruhelos trieb es die Menge wieder zurück — und nun standen sie vor dem OH ar ft all, besahen die Geschoßeinschläge und die zertrümmerten Fen- ster, und vor dem Schloß herum lagen noch die Flugblätter von gestern und vorgestern, die Extra-Ausgaben, die den Ausbruch der Re - v o I u t i o n in Frankreich, England und Italien verkündet hatten. In dieser klaren, scharfen, vom Meer her kommenden Luft wurde nun gedacht: irgendeinen Lohn, für all die Leiden, die man ertragen hatte, mußte es doch geben; die oben waren, haben unS geprellt um den Lohn, wir werden ihn nun felbft uns nehmen. Und dieses auf Parolen ein- ge schwöre ne Volk wiederholte die Worte dieser Tage: „Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt". Sieg muhte ja fein nach solchen Mühen — wenn also nicht ein Sieg über die äußern, bann ein Sieg über die inneren Feinde. Die Offiziere wurden angehalten, die Achsel- stücke-wurden ihnen heruntergerissen — ja, warum haben sie uns denn nicht den Sieg geschenkt — fort mit der Vergangenheit, nun beginnt eine schönere Zukunft! Run ist Deutschland ein freies Land und Berlin eine freie Stadt! Aber seltsam, auf einmal war alles verwandelt. War es der scharfe, die Flugblätter vor sich her treibende Wind vom Meere, waren es die vielen lärmenden Matrosen und die Menge der verbissen dreinblickenden Arbeiter mit den Gewehren, waren es die Leute aus dem Rorden mit den breiten slawischen Duldergesichtern, deren Gehorsam sich nun in Haß verwandelt hatte — mit einem Male sah alles so russisch aus. Run suchten die Menschen das Reue in den Straßen und auf den Plätzen, nun lauschten sie, gierig zu glauben, den überall aufflatternden Worten, nun fliegen, da die dünne kühle Oberschicht wie Eis gebrochen war, von unten her die grauen Fluten auf und warfen die zersplitternden Schollen gegen bas Ufer. Fahlgrün leuchteten die Kuppeln des Reichstages und des Domes — matt nur prunkte das Gold der Siegessäule und der hohen Laternen über den Kuppeln. Dort, wo der neue Dom steht, dort hakte im alten, nüchternen, preußischen Dome Hindenburg als junger Offizier am Sarge des ersten Kaisers aus dem Hause Hohenzollem Ehrenwache gehalten. Wie spät war doch Berlin erst an die Reihe gekommen! Ist nicht dieser neue Dom dort die letzte unter den prunkenden Kuppelkirchen, die mit dem Petersdom in Rom beginnen und sich in der Karlskirche in Wien, dem Invalidendome in Paris, der Paulskirche in London, der Frauenkirche In Dresden fortsehen? Mußte nicht der Berliner Dom als letzte dieser Kirchen mehr sein wollen als alle andern vor ihr? Und doch — und doch! Ist es nicht rührend, daß zwischen all dem falschen Prunk unter jedem der Reliefs, die Szenen aus der Heiligen Schrift darstellen, eine Inschrift angebracht ist, welche angibt, welche Bibelstelle hier gezeigt wird? Welch seltsame Kreuzung von strenger Schule und einem maßlosen, stepvenhaft groß wirkenden Prunkzelt der Macht! Aber ist nicht diese breite Menge mit den nach Gerechtigkeit dürstenden, mit den verhungerten Gesichtern führerlos wie die gleichen Menschen weiter nach Osten zu? Führen nicht drüben in Rußland auch andere — nachdem man alles, was deutsch war. erschlagen oder vertrieben hatte? An den Abenden aber, nachdem sich die Menge verlaufen hatte, und in den langen Novembernächten, kam zum ersten Male jene trostlose Einsamkeit über den weiten Raum um den Lustgarten und die Schloßbrücke, lagerte sich eine, nur hier und da von Schüssen burd)fnotierte lähmende Stille in der Mitte dieser aus vielen Städten zusammengesetzten und dort sich vereinigenden Stadt. Der graue Chor, der nun, da die Akteure abgetreten waren die Bühne überflutete, verstellte jede Sicht. Was die Menschen sagten und was sie taten, wurde unklar und nicht überschaubar. Klar blieb nur, was sie gebaut hatten. Rührte nicht noch immer Schloß Sanssouci, dieser Traum von Süden und Zärtlichkeit in einer kargen Landschaft, mit Wehmut an die Seele, ärgerte nicht immer noch der spießerhafte Charlottenhof nebenan auf dem gleichen Höhenzug deshalb fo sehr, weil auch von den Königen keiner diesen Geist der Rebellion des Enkels gegen den Vorfahren überwinden konnte! Ausrührer das Volk und Aufrührer die Herren-! Alles nut zusammengehalten durch jene- Ueber- maß von Zucht, das nun die Menge von sich wirft und das ihr durch nichts erseht werden kann. SJL-tfpoit Wirtschaft Beschaffung geeignet. S. es so Spielvereimgung 1900 Gießen. 1900 AI — Steinberg A 4:0 (3:0). Die Gäste waren eifrig und schnell, liehen aber am erforderlichen Zusammenspiel fehlen, Als erste Fahrer für das vom 2. bis 8. Dezember stattfindende Kölner Sechstagerennen wurden Rausch-Hürtgen sowie Guimtretiere und Piincnburg, die voraussichtlich mit Richli und Brcispennix fahren werden, verpflichtet. nächst dahin aus, bah nicht ein einziger Gläu- bigervertreter, sondern ein mehrgliedriger Ausschuß gewählt werde, zumal der vorgeschlagene Ministerialrat 2 a i l den Großbanken nahe- stehe. Ferner müsse eine Abschlagszahlung auf jeden Fall geleistet werden, und zwar bis Ende 1932. Wieweit eine Stundung für den Rest zu gewähren fei — es kann sich nach den gesetzlichen Vorschriften nur um eine Stundung, nicht aber um eine Herabsetzung des zurückzuzahlenden Betrages handeln — müsse der Prüfung durch den Ausschuß überlassen bleiben. Demgegenüber wurde ein Antrag der bei den Banken und Sparkassen vereinigten Schatzanweisungsinhaber, als alleinigen Gläubigervertreter Ministerialrat Bail zu wählen und ihm einen fünfgliedrigen Beirat mit beratender Stimme beizugeben, mit 14,20 Mill. Mark bei 18.36 MM. Mark vertretenen Schatz- anweisungen angenommen. Dieses Gremium wird sich nun mit der Prüfung der Finanzlage der Stadt und mit den Möglichkeiten der Neuregelung zu befassen haben und in einer neuen Versammlung dementsprechende Vorschläge unterbreiten. dah sie nicht zu Erfolgen kamen. Die Läuserreihe und Verteidigung waren der beste Mannschafts- tcil und stellten die Blauweißen vor keine leichte Aufgabe. Bei 1900 wollte es diesmal nicht recht klappen, .so daß die technische Lleberlegenheit kaum zur Geltung kam. Aber trotzdem reichte es zu einem einwandfreien 4:0-Sieg. Dos ganze Spiel wurde unter guter Schirileitung sehr ruhig und fair durchgesührt. 1900 I Schüler — 1900 II Schüler 2:2. Die Kleinsten brachten das Kunststück fertig, ihren größeren Dereinskameraden ein ehrenvolles Unentschieden abzuringen. Beide Mannschaften zeigten einen vorbildlichen Eifer und manch recht gute Leistung. VfB. AI — 1900 All 2:4 (0:1). Zu diesem Spiel ist von feiten der Sp.-Dg. folgendes zu berichten. 1900 trat mit 11 Mann an, der Gegner auf eigenem Platz mit 9 Mann. Vach anfänglich verteiltem, ruhigem Spiel ging 1900 1:0 in Führung. Der Gegner spielte nun härter, aber ohne Erfolg. Die Blau-Weißen waren feldüberlegen, der Sturm konnte sich aber gegen die gute und wuchtige Verteidigung nicht durchsetzen. So ging es in die Pause. Während der zweiten Halbzeit führte der Gegner allmählich ein Spiel vor, wie es nicht sein darf. VfB. begann sofort mit schnellen Durchbrüchen und spielte sehr hart. Durch Stellungsfehler des Tormannes und einen zweifelhaften Elfmeter ging der Platzverein 2:1 in Führung. Llnermüdlich und zähe, aber ruhig kämpften die schwächeren 1900er weiter und erzielten bis zum Schluß einen 4:2-Sieg. Das konnte die VfD.-Mannschaft anscheinend nicht vertragen. Schon beim Ausgleich legte sie eine für Jugendliche übermäßige Härte in das Spiel. Der Schiedsrichter mußte mehrere Spieler, einen sogar wiederholt, vom Platz (auf Zeit) verweisen. Cs kam zu wenig schönen Szenen. Ein Spieler der Blau- Weißen muhte vom Platz getragen werden. Eine Mannschaft, die, wie Figura zeigt, eine Niederlage von einem schwächeren Gegner nicht hinzunehmen vermag, wird besser hm# sich dem Sportplatz fernzuhalten. Letzten Endes steht das Ansehen des Fußballsportes auf dem Spiel. Sportklub 1921 Daubringeu. Daubringen I — 1900 Gießen II 2:1 (0:1). Auf das Treffen der obigen Mannschaften war man sehr gespannt. Mußte doch der Linksaußen, der Halblinke, sowie der linke Verteidiger der Plahbesitzer erseht werden. 1900 hatte Anstoß und brachte das Tor der Daubringer sofort iif Gefahr. Aber zum Erfolge konnte 1900 erst kurz vor Schluß der ersten Halbzeit kommen. Bis dahin war Gießen technisch überlegen. Noch der Pause legten die Einheimischen mächtig los. Zwei Tore des Halbrechten brachten der Mannschaft Sieg und Punkte. Die Plahbesitzer gewonnen verdient, denn sie waren in der zweiten Halbzeit dem Gegner überlegen. Das Spiel der Schüler- und der 2. Mannschaft fiel aus. Kurze Sportnotizen. Neue Lehrspiele will Neichstrainer Otto Nerz im nächsten Frühjahr durchführen. Als Gegner der deutschen Auswahlmannschaften sollen diesmal nicht allein englische, sondern auch österreichische Vereine herangezogen werden. Den „Grand Prix des Amis des Sport s", einen Geldpreis in Höhe von 10 000 Francs, hat in dieser- Jahre der Tennisspieler Henri Cochet für seine hervorragenden Leistungen erhalten. Die Lage am kaufmännischen Giellenmarkt. Nach der Beobachtung der kaufmännisch en Stellenvermittlung des Deutschnationalen Handlungs- gehilsen-Verbandes blieb die Entlastung des kaufmänni sch en Stellenmarktes im Oktober gering. Die Lage ist im allgemeinen zwar nicht mehr ganz so hoffnungslos, wie in den Sommermonaten, sie ist jedoch noch weit entfernt von einer wirklich durchgreifenden Besserung. Die etwas günstigeren Verhältnisse des Arbeitsmarktes der Arbeiter sind zunächst noch ohne Einfluß auf den kaufmännischen Siellenmarkt geblieben Soweit das Wirtschastsprogramm der Ncichsrcgierung zur Vermehrung der Arbeite r bel e g s ch a f t e n in den Betrieben Anlaß gab, sind nirgends zugleich auch Einstellungen von An5.estelsi.en erfolgt. Immerhin b.'eibt für die Beurteilung der Lage beachtlich, daß. soweit überhaupt Personalbedarf besteht, die Besetzungsaufträge wenigstens nicht mehr grundsätzlich zurückgestellt werden. Co konnte das Vermittlungs- gcschäkt eine leichte Besserung erfahren. Sie ist aber nicht so sehr ihrer zahlenmäßigen Bedeutung nach, denn als Symptom einer Konj unkt urwende überhaupt zu werten. Dem entspricht auch die Entwicklung der Bewer- bc:.chewegung. Masienlünd'.gungen aus Anlaß von Betriebsstillegungen und -Einschränkungen wurden nicht mehr iestgestellt. Doch hat der aus Ein- zelkündigungen sich zusammensehende B?werberzugang einen Umfang, der erkennen läßt, daß der -ctedenmarit von einer absoluten Beruhigung noch weit entfernt ist. DfD. Gießen. VfB. II — Teutonia Steinberg I 1:7 (1:1). 2lm Sonntag konnten die Gegner der unteren Mannschaften des VfB. Siege buchen, die man in dieser Hohe jedoch nicht erwartet hatte. Die Steinberger Gäste entpuppten sich als ganz vorzügliche Spieler und herzhafte Kämpfer, denen die beiden für die Gruppenmeisterschaft so wertvollen Punkte vollauf zu gönnen sind. Allerdings ist der Sieg zu hoch ausgefallen. Bis zur Pause vermochten die Grün-Weißen unter Aufbietung aller Kräfte dem Ansturm des Gegners standzu- halten und mit Unentschieden in die Pause zu gehen. Steinberg wurde in der zweiten Spielhälfte sichtlich besser, insbesondere der Sturm zeigte ein beachtliches Können. Auch die Läuferreihe der Gäste leistete Vorzügliches. Noch sechs Tore mußten die DfBer hinneymen, ohne in der Lage zu fein, selbst weitere Erfolge zu buchen. VfB. III — Garbenteich I 1:3 (1:2). Auch die dritte Mannschaft mußte vor einem besseren Gegner kapitulieren. Im Spielaufbau und Zuspiel vielleicht dem Gegner ebenbürtig, mußten dieVfBer jedoch größere Spielerfahrung und besseres Schußvermögen anerkennen. Oie Frankfurter Schahanweisungen. Frankfurt a. M., 9. Nov. (WTB.) Die Stadt Frankfurt a. M. hatte für gestern eine Vers ammlung der Inhaber ihrer Schatzanweisungen von 1929 e.nberufen, deren Fälligkeit provisorisch vom 1. Oktober auf ben 1. Januar 1933 verschoben worden ist, um in der Zwischenzeit der Stadt und ihren Gläubigern Gelegenheit zu einer Auseinandersetzung über eine Neuregelung zu geben. Nad> den Ausführungen des Stadtkämmerers Dr. Lehmann sind die rund 27,78 Mill. Mk., Die , aus der 30-Millionen-Anleihe bar erlöst wurden, für Bauten verschiedener Art, auch für den Schlacht- und Viehhof. verwendet worden, also durchweg für Daueranlagen. Die Rückzahlung Der Anleihe sollte durch die Aufnahme neuer Kredite erfolgen, die aber infolge der veränderten Gage nicht zu erhalten waren. Gegenwärtig ist eine Treuhandgesellschaft mit der Aufstellung einer Vermögensübersicht der Stadt beschäftigt. Nach dem Stande vom 1. April 1932 standen einem Vermögen von 764 Mill. Mk. etwa 303 Mill. Mk. Schulden gegenüber. Don diesen sind etwa 140 Mill. Mk. langfristige und etwa 160 Mill. Mk. kurzfristige Schulden. Sämtliche kurzfristige Gläubiger haben das Recht gleicher Behandlung, die Schatzanweisungsinhaber können also nicht ohne weiteres vorweg befriedigt werden. Die Stadt sei aus eigenen Mitteln nicht in der Lage, die Schatzanweisungen zurückzuzahlen, oder auch nur einen Teilbetrag zur Verfügung zu stellen. Nach dem Bericht des Kämmerers sprachen sich die Führer der Jnteressentenverbände zu• Die Verwertung der Steuergutscheine über Beträge von 50 Mark. Seit dem 1. November d. I. sind die ©teuer» gutfcheine mit den Nennbeträgen über 100 Mk. und darüber an der Börse eingeführt. Um den Besitzern von Steuergutscheinen über 50 Mark die Verwertung zu ermöglichen, ist Vorsorge getroffen, daß diese Steuergutscheine von den Eigentümern zum Durchschnittskurs für Fünfjahresfälligkeiten der an der Börse eingeführten Steuergutscheine, der am Tage vorher votiert ist, veräußert werden können. Auf Veranlassung des Reichsministers der Finanzen haben die Banken, die Sparkassen und die Genossenschaften zugesagt, den ihnen angeschlossenen Instituten den Ankauf der kleinen Steuergutscheine dringend zu empfehlen. Danach wird also jeder Besitzer von Steuergutscheinen über 50 Mk. in der Lage sein, diese Stücke zu verwerten. Frankfurter Abenbbörse still. Frankfurt a. M., 9.Nov. An der Abend- börfe zeigten sich nach den Kurssteigerungen in den letzten Tagen die ersten Ermüdungserscheinungen. Die Spekulation schritt zu weiteren Glatt- stellungen. Die Kursbildung war zwar nicht ganz einheitlich, doch überwogen gegen den Berliner Schluß Rückgänge von 0,5 bis 1 Prozent. Anderseits zogen Deutsche Linoleum 0,65 Proz. und Schuckert 0,40 Proz. an. Im Verlause bröckelten die Kurse meist weiter ab, da auch aus Neu- York, das fester begann, später schwächere Kurse gemeldet wurden. Deutsche Erdöl und Aku kamen verspätet mit je minus 1,5 Prozent ^ur Notiz, JG.-Farben konnten sich im weiteren Verlauf um Bruchteile eines Prozentes erholen. Am Rentenmarkt gaben Altbesih 1 Proz. nach, auch Reichsschuldbuchforderungen sowie die Neubesitz- und Schutzgebietsanleihe "brodelten ab. Goldpfandbriefe blieben meist unverändert, Kommunal- und Industrie-Obligationen zogen vereinzelt noch an, während Rhein. Hhp. Bank Liquid. 0,75 Prozent einbüßten. Altbesitz 55,50 bis 55,25, Neubesitz 6,95 bis 6,80, Schutzgebiete 6,57, Buntes Allerlei. Bunte Zeitungen. Das gibt es in Siam. Unb babei handelt es sich nicht um die politische „ Färbung" des Blattes, sondern um die Farbe des Papiers. Dort ist jedem Wochentage eine bestimmte Farbe zugeordnet, und es gibt viele Siamesen, die jeden Tag die Farbe ihrer Kleidung der des Tages anpassen. Auch die Tageszeitungen folgen in einem gewissen Umfange diesem Brauch; sie erscheinen Montags auf gelbem Papier, Donnerstags auf grünem und Sonntags auf rosarotem. An den anderen Wochentagen wird statt der Tagesfarbe nur das einfache Weiß benutzt, wie wir es gewöhnt sind. — Die einheimische siamesisch-e Papiererzeugung ist derart gering, daß fast alles Papier eingeführt wer- den muß. basieren mit Gymnastik. Der Mann von heute muß bei 6em schweren Kampf ums Dasein darauf bedacht fein, keine Zeit zu verschwenden und sich stets elastisch und beweglich zu erhalten. Warum sollte er nicht die Zeit des Anzieyens am Morgen zu nützlichen Uebun= gen verwenden, die ihm sogleich einen guten Start für den Tageslauf gewähren? Ein französisches Blatt, das sehr für Leibesübungen eintritt, hat aus diesen Erwägungen heraus Regeln für die Morgengymnastik des J)errn ausgestellt und zur allgemeinen Befolgung empfohlen. Bevor man sich ankleidet, soll man sich rasieren und dabei sofort mit den ilebungen beginnen. Während der Herr sich einseift, soll er sich diese langweilige Tätigkeit durch eine Anzahl schöner Kniebeugen verkürzen, und wenn er sich dann das Kinn abschabt, soll er dies auf den Zehenspitzen stehend vornehmen. Auch das Anziehen der Strümpfe kann durch allerlei gesunde und anmutige Bewegungen verschönt werden. Wer diese Handlung im Sitzen vornimmt, versäumt eine günstige Gelegenheit der körperlichen Ausbildung. Er soll dabei aufrecht stehen und während bes Vorganges ein Bein nach dem andern kräftig heben und senken. Das neue System, das sich nicht nur auf das Anziehen am Morgen beschränkt, beruht auf der Forderung, daß der moderne Mann alle Bewegungen, die er während des Tages ausführt, zugleich als eine Art Form der Körperkultur betrachten muß. Jede feiner Handlungen soll ihm neue Wege zu Kraft und Schönheit eröffnen. Schulungswoche der deutschen Bankbeamten. * Frankfurt a. M., 8. Nov. Vertreter aus allen südwestdeutschen Bankplätzen waren dieser Tage auf Einladung des Deutschen Bankbeamten- Vereins zu einer gchulungswoche - n F r a n k- furt a. M. versammelt. Wichtige Fragen aus der Sozialversicherung und dem Arbeitsrecht wurden behandelt. Am letzten Tage befaßte sich die Konferenz mit organisatorischen und sozialen Zeitfragcn. Das einleitende Referat hielt der Leiter der Schulungswoche, Gauvorfteher Decker, dessen richtunggebende Ausführungen großen Beifall fanden. In der Aussprache wurde u. a. verlangt, daß mit dem Abbau im Dankgewerbe nunmehr Schluß gemacht werde, auch gegen das neroengerrüttenbe Arbeitstempo wurde protestiert. Die auch in den letzten Monaten vom Gau- und Zentraloorstand bewiesene Aktivität fand Anerkennung. In einer Entschließung wurde eine Reihe von Forderungen erhoben: Die notverordneten Verbesserungen einiger Leistungen in der Sozialversicherung müßten als völlig unzulänglich angesehen werden. Insonderheit würden nur einem geringen Prozentsatz der Arbeitslosen die Unterstützungs-Erhöhungen in der Arbeitslosenversicherung zugute kommen. Gefordert wird ausreichende Unterstützung aller Arbeitslosen und Heraufsetzung der Zeitdauer in der Arbeitslosenversicherung, oder Herabsetzung der Beiträge. Verlangt wird weiter Aufhebung der durch Notverordnung in Kraft gesetzten lohnpolitischen Maßnahmen. Lebhafter 'Protest wird auch dagegen eingelegt, daß die unsoziale Bürgersteuer nicht nur jür 1933 weiter erhoben wird, sondern darüber hinaus auch untragbare Prozentsätze festgelegt werden. Es müsse eine Politik bekämpft werden, die den Erfordernissen sozialer Steuergerechtigkeit nicht Rechnung trage, einseitig die Lasten den Arbeitern und Angestellten aufbürde und dadurch eine immer größere Verbitterung in den Kreisen der Arbeitnehmerschaft erzeuge, wodurch der nationalen Wiederaufbauarbeit schwerster Schaden erwachse. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Lin Notruf aus dem SüdvierteU Der verlängerte Wartweg in seiner derzeitigen Verfassung gleicht eher russischen Verhältnissen, als einer Straße nach unseren Begriffen. Der Fahrdamm ist z. T. derart, daß die Fahrzeuge bis an die Achsen im Schlamm stecken. Der Verkehr zu Fuß, mit Fahrrad, Motorrad, Handwagen und Kinderwagen spielt sich auf einem zirka 60 Zentimeter breiten Streifen, dem sog. „Bürgersteig", ab. Autos und Lieferwagen müssen oft, um überhaupt durchzukommen, mit einer Seite ebenfalls den „Bürgersteig" benutzen. Bei dem naturgemäß regen Verkehr birgt der derzeitige unhaltbare Zustand die größten Gefahren in sich, was die andauernden Zwischenfälle beweisen. Zur Zeit wohnen am Wartweg 25 Familien, ein Wohnblock für 10 Familien wird im Frühjahr bezogen, 3 weitere Wohnhäuser find für das kommende Jahr geplant. Der Anspruch auf eine ausgebaute Straße mit hinreichender Verkehrssicherheit dürfte daher berechtigt fein, zumal wenn man als Vergleich das Südwestviertel im Winkel Schubertstraße-Aulweg mit seinen ausgebauten Straßen ohne Häuser heranzieht. Ich glaube, im Sinne nicht nur der Anwohner, sondern auch der Geschäftsleute, für die der Wart- Weg als Zufuhrstraße nicht mehr wegzudenken ist, zu sprechen, wenn ich die Stadtverwaltung und die Stadtratsmitglieder bitte, sich von dem derzeitigen Zustand einmal an Ort und Stelle zu überzeugen und dafür zu sorgen, daß Abhilfe geschaffen wird. Wäre es vielleicht möglich, die Straße mit Hilfe von Reichsmitteln auszubauen? Daß es sich hierbei um eine produktive und unbedingt notwendige Anlage handelt, dürfte außer Zweifel stehen. Tlrberdies wäre die Jnangriss- nahme eines solchen Projekts sehr zur Arbeits- ton -"Ä infolge h° StrflIP» lruterbaiM Anschrift richte"- M Mch 6 'o i ’inictie .’)ieid)MnieitK u. 192. u% ehern. 7%Tt. tfieichsanl.0.192!) 51/2% guuiiü’ilnleilje von 1930 Deutsche Anl.-Ablöj.-Schuld mit Auslm.-Nechten . . Decgi. ohne Auslvl.-Rechte . . 6% efjem 8%t->eii. «olf-Miaat 1929 irudtahlb. 102%) ..... Oberhesien Provinz-Anleibe mb AuSlos.-Rechten Deutsche Stamm. Sammelohl. Anleihe Serie 1 6% ehern. 8% Z-ranki. Hup.-Banl Galante, lo unkündbar bis 1935 6% ehern. 7% Zranis. Hnp.Banl Oüiocrr iG unkündbar bis 1936 6/,% ehern. 4%% -vranks.Hvp.- Bant yfau au obriese 6,/2% ebem. Rheinische Hnv. Bau'riqu-Goldp e. . ‘6% ehern 8% Pr. Landespsand. brieranftni Pfandbriefe R. 19 6% ehern. 7% Pr. LandcSpsand- briesanstalt Pfandbriefe R. V <% Oesterreichlfche Goldrenie . <,2O% Oeslerreichifche Stlberrente 4% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische SiaatSrcnte v. 1910 Ruman.vereinh.Renlev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente 21i% Anatolier Wem eint famten Tun von mehr a1 , w M zwölf MW Degi krochen W» velthat" heil von 10 PMenieisi geschlagen- < im Februar. MSllche ame libenten nicht llmioeg über len vorfchreil bruar zusam lichen Dahl demokratische 59 Stimmen Rach der sons Aach langen repi herrscht jei Partei- nern und Gegensätze, ten über 6 dennoch toi: von toeltpol es in Amei einen grvh die demokr lanischen kvnftitution Aber auch fes der a sich in bei der Demo! die demoki Mehrheit t amerüanijd immer noch und somit i geradezu a fein, daß a, ßr bie 6 lon Sei sich Hal bii und Tokio i Damit ah Ache Tedei tentoahl 6 heit der Pr, ist, und dah chener Hofbr ^Wfenfd Au Zeinen häng Die Ajch- ^.trockene der I ^ses Oberste entscheidei Man wird Mast noch ° ei es ae N^fel b SEjpüttel LA 6ot »al51! $.’s Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M 98,4 98,4 36,75 55,9 Banknoten. 26,75 21,65 46,4 o 0 21,5 16,75 58,5 62 47 30 28,25 41,75 35,25 97,65 142 30 41 36,5 45 29,75 29,75 42,13 37 66,25 59,9 62 46.5 30,75 95 21,75 46,4 36 46,75 I. G. Farven-Industrie . . Scheideanstalt...... Goldschmidt....... Rütgerswerke...... MetaUgeielischaft..... 98,9 141 30 42,4 36 56 51,5 53,25 5,4 56,25 l 50 I 51,75 , 5 i 63,4 58,5 62,75 44,5 28,5 92,75 21,4 44,75 36 45,5 Philipp Holz mann . . Zementwerk Heidelberg Cemcntwerk Karlstadt. Wanst & Freutag Schultheis Patzenhoser . . . Mu (Allgemeine Kunstseide) Bcmberg........ Zellstoff Waldhof..... Zellstoff Aschaffenburg . . . Dessauer Gas....... Daimler Motoren..... Deutsche Linoleum . . . . Orenstein & Koppel . . . . Leonhard Dietz...... Svensko......... Ebade.......... Frankfurter Maschinen . . . . vl Gritzncr..........o Mainkrastwerke Höchst a. M.. . 4 Süddeutscher Zucker . s| Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlosfenen Divid.nde an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Jrannun a. 0)1. Z)erii:, . ,yrani|urt u. -y( Berlin Schluß- kurS Schluß!. Abend- bürf> Schluß- lurs Schluß!. Mlilog- bSise Schluß- kurS Echlußk. Abendbörse Schluß- kurS Echlußk. Mittag, börse 8.11. 9-11. | 8.11. 9-11. 'Datum 8-11. 9.11. 8.11. 9-11. 73,13 75,65j 73,25 75 yumbutfl-ittmenta Pme 1 18 18 17,4 17,9 89 90 88,75 90 Hamburg-Südam. Dampsschiy . 0 31 72 72 71,25 72 Hansa Tampsjchiss Norddeutscher Lloyd .... . 1 27,4 27,75 55,25 55,13 . ( 19 18,4 18,4 18 9 — 56,25 A.G. für Verkehrswesen Akt. . 0 43,25 43 42 42,9 6,95 — 7.175 7 Berliner Handelsgesellschast . 4 90,5 91,5 91 69 iLommerz. und Privat-Banl . O 53,5 53,5 53,5 53.5 69 69 68,9 Darmstädier und Nationalban Deutsche Bank und 0 55 56 - — Disronto-Gesellschast v 75 75 75 75 52,25 Dresdner Banl..... o 61,75 61,75 61,75 61,75 51,5 53 53 Retchsbani ...... 1 130 129 130 129,25 79,75 81,25 — — A.E.G.......... . 0 35.75 33,5 35 34,25 Bergmann........ . 0 — 20,75 — - — ■ Sieht. LieferungSgelellschast. 6 70 71,5 70 71,5 85,25 Licht und Krasi...... 6 93,5 93,5 93 94,25 84 Felten & Guilleaume.... Gesellschaft für Elektrische 0 56 56 56 57 86 85 — Unternehmungen .... Rheinische Elektrizität . . 4 72,75 71,13 72,5 72,75 76,5 78,5 76,5 5« 75,5 75 — 74,25 78,5 Schuckert & Eo....... 0 75,5 73,9 74,4 73,5 78 Siemens L Halske..... 9 — 122 122.75 123 76 Lahmeyer LCo...... 10 109,75 111 109 110 10,75 10,75 — 10,75 Buderus ... ... Deutsche Erdöl ... . 4 41,25 41 ,5 41 41,5 1 — 1,05 — . 5 75,5 75 75,25 76,65 6,275 6,5 6,2 6,5 Gelsenkirchener..... . 8 40 39,13 39,75 39,5 6,15 6,2 — 6,25 Harpener......... . O 78,25 77,5 76,5 — ' - — 6,15 Hoejch Eisen........ . 6 — 37,5 39,25 6,13 6,25 — 6,25 3lfc Bergbau....... 1U _ _ 135 133 3,55 3,5 3,5 3,45 Ilse Bergbau Genüsse . . . 97 100,5 98 99,75 Möcknerioerte....... . 6 34,75 35,5 34,5 35,5 3,6 3,65 3,6 3,5 ManneSmann-Röhren . . . . « 56,5 55,4 55,25 55,75 3,5 3,6 3,5 3,4 Mansfcldcr Bergbau .... . O 20 24,25 22 23,13 5,5 5,5 5,9 5,8 Oberschles. Kotswerke . . . . 8 42 42,75 98.25 8,75 8,9 8,8 9,4 Phönix Bergbau...... 4/i 28,5 28.13 27.75 4,5 4,5 4,5 4,7 Rheinische Braunkohlen. . . 10 168 170 170 168,25 19,9 20,25 19.9 20,25 Rheinstahl........ 69,75 69,75 69,25 69,5 Frankfurt a.M. Äerlin Schluß« lurS Echlußk. Bbend- börft Schlußkurs Echlußk. Mittag« börie Datum 8-11- 9.11. 8-11. 9-11. Riebeck Montan .... - 7,"- — — — — Bereinigte Stahlwerke . . . O 25 24,4 24,75 24,75 Olavi Minen..... 0 17,5 18,25 17,9 17,9 Kaliwerke Aschersleben . 6 104 103 103,5 104,5 Kaliwerke Westeregeln . 6 108 108 107 109 Kaliwerke Salzdetfurth . 9 165,25 166,75 166 166 8.Rovember 9-Rovember Amtliche Dotierung Amtliche Rasterung Seid 2Jric' Geld Äriel HelsingforS . 6,054 6,066 6,064 6,076 Wien. . . . 51,95 52,05 51,95 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest. . — — — Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . - 169,33 169,67 169,28 169,62 Oslo.... 70,78 70,92 70,78 70,92 Kopenhagen. 72,43 72,57 72,43 72,57 Stockholm . 73,53 73,67 73,53 73,67 London. . . 13,91 13,95 13,91 13,95 Buenos Aires 0,918 0,922 0,908 0,912 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel. • . 58,52 58,64 58,49 56,61 21,56 21,60 21,56 21,60 16,52 16,56 16,515 16,555 Schweiz . . 81,07 81,23 81,08 81,24 Spanien . . 34,45 34,51 34,45 34,51 Danzig. . . 81,97 82,13 81,97 82,13 Japan . . . 0,869 0,871 0,369 0,871 Rio de Jan.. 0,294 0,296 0,294 0,296 Jugoslawien. 5,634 5,646 5,634 5,646 Lissabon . . 12,76 12,78 12,76 12,78 Berlin, g. November Geld Bries Amerikanische Noten....... 4,20 4,22 Belgische Roten......... 58,33 58,57 Dänische Noten......... 72,06 72,34 Englische Noten......... 13,87 13,93 Jranzösische Noten........ 16,47 16,53 Holländische Noten........ 168,91 169,59 Italienische Noten....... 21,50 21,58 Norwegische Noten........ 70,61 70,89 Deutsch.Oesterreich, i 1OO Schilling — — Rumänische Noten........ 2,47 2,49 Schwedische Noten........ 73,35 73,65 Schweizer Noten......... 80,90 81,22 Spanische Noten......... 34,31 35,45 Ungarische Roten........