Nr. 238 Erstes Blatt 182. Jahrgang Montag, HO. Oktober 1932 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Sleindruckerek R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlftraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Re- krlameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 "/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i.V. Th. Kümmel sämtlich in Bietzen. Auftakt zum Reichstagswahlkampf. Nationalsozialismus und Stahlhelm. (Sine Wahlrede Görings. Braunschweig, 9. Okt. (TU.) 2n einer nationalsozialistischen Versammlung führte am Sonntag Reichstagspräsident Göring u. a. aus: Die Wahlen vom 31.3uli seien überflüssig gewesen, weil man der Willenskundgebung eines großen Teiles des deutschen Volkes nicht entsprochen habe. Am 13. August habe Hitler nicht die gesamte Macht gefordert, son- Dern die Staatsführung. Er habe den Reichskanzlerposten gefordert, um eine dem Volksganzen dienende Annen- und Außenpolitik führen zu können. Ten Reichspräsidenten habe man falsch unterrichtet. Innenpolitisch habe das Kabinett Papen erreicht, daß der Klassenkampf wieder beginne. Außenpolitisch reihe sich -Mißerfolg an Mißerfolg, und wirtschaftspolitisch könne man nur Scheinerfolge verbuchen. Die D e u t s ch n a t i-o - ’naIen seien von jeher erbitterte Gegner des Rationalsozialismus gewesen. In Harzburg habe man versucht, Hugen- berg zum Führer der gesamten nationalen Opposition zu machen. Die Harzburger Front habe zusammenbrechen müssen, weil man unaufrichtig gegen den Partner gewesen sei. Göring befaßte- sich dann mit der Stellung des Rationalsozialis-- mus zum Stahlhelm, der seiner Einstellung nach zum Rationalsozialismus gehöre und nicht zu Papen. Man habe niemals den Stahlhelm bekämpft und werde ihn auch niemals bekämpfen. Der Rationalsozialismus müsse jedoch die Führung bekämpfen, weil sie sich hinter die Regierung Papen und damit gegen das Volk stelle. Man verlange von keinem Kämpfer dieser Bewegung Treubruch. Verlangen müsse man aber von ihm, daß er seine Führung auffordere, den Mitgliedern die Freiheit des politischen Handelns wiederzugeben. Deutschnaiionale und ASDAp. Berlin, 8. Okt. Die amtlichen Mitteilungen der DRVP. bringen eine Auseinandersetzung mit der Taktik der Rationalsozialisten. Die Korrespondenz schreibt: Rachdem es den Rationalsozialisten nicht gelungen sei, durch ihre planmäßigen Terrorakte gegen deutschnationale Versammlungen — die von der ganzen deutschen Presse bezeugt werden — einen Erfolg zu erzielen, und nachdem sie einsehen mußten, daß der deutschnationale Saalschutz kurzen Prozeß mit den Störenfrieden mache und sie an die Luft befördere, griffen die Rationalsozialisten zu anderen Methoden. Sie versuchten, die von ihnen verschuldeten Tumulte als „deutschnationale Provokationen" hinzustellen und riefen die sonst von ihnen so heiß bekämpfte Regierung zu Hilfe. Sie verlangen von Dr. Bracht, daß er „nun endlich gegen die deutschnationalen Hetzredner" energisch vorgehe. „Unsere deutschnationalen Kampfgruppen rekrutieren sich nicht, wie die SA. zum großen Teil, aus ehemaligen Kommunisten. Sie alle, ob Arbeiter oder Student, Angestellter oder Offizier, kämpften für ihre Idee, für Deutschland. Die Rationalsozialisten haben den Kampf gegen die Kommunisten und Sozialdemokraten auf gegeben. Für sie gibt es nur noch einen Feind: D ie Deutschnationalen. Der Ortsgruppenleiter der nationalsozialistischen Ortsgruppe Irssen, Kellner, schreibt in der „Iessener Zeitung": „D e r Feind steht rechtsI Unsere Fahne ist rot und wir sind Sozialiste n.“ Ein Iahr ist es her, seit in Harzburg Rationalsozialisten und Deutschnationale zusammenkamen, um gemeinsam das schwarz-rote System zu stürzen. Das System ist gestürzt, aber ohne die Rationalsozialisten. Wir Deutschnationalen lassen uns in diesem Kampf, dem wir auch in Harzburg dienten, nickt beirren. Auch dann nicht, wenn die Rationalsozialisten mit Terror und Schimpfen auf die Seite unserer schwarz-roten Gegner getreten sind. Wir wissen uns in diesem Kampf mit denjenigen Rationalsozialisten einig, für die auch heute noch der Feind links steht." Zuwahl ins Präsidium derDMP. Berlin, 8. Okt. (TU.) Die Deutschnationale Pressestelle teilt mit: „In der Berliner Tagung des Parteioorstandes wies der Parteivorsitzende Dr. Hugenberg auf die Notwendigkeit hin, die Deutschnationale Organisation den erhöhten Ansprüchen anzupassen, die sich aus der veränderten Lage ergeben. Je eher der Parteistaab.oon Weimar seine Rolle ausgespielt habe, um so mehr müsse auch die Rolle der DNDP. als Partei zurücktreten, gegenüber der Rolle als Volksbewegung. Als solche habe sie die Aufgabe, den aufzubauenden neuen Staat zu tragen, die geistigen und sittlichen Grundlagen dieses neuen Staates an Herz ' id Verstand immer breiterer Massen des Volkes heranzubringen und entschlossen die Kräfte zur Ueberwindung der noch kommenden Schwierigkeiten zusammenzufassen. Hieraus werden sich auch erweiterte organisatorische Aufgaben und Arbeiten ergeben. Um sich von ihnen nach Möglichkeit zu entlasten, schlug Dr. Hugenberg vor, zum weiteren Stellvertreter des Parteivorsitzenden, insbesondere für Organisationsangelegenheiten, den Landesverbandsvorsitzenden von Potsdam I, v Dammes, zu wählen. Außer ihm sind zur Zeit Dr. v. Winter- f e l d t, Vorsitzender der preußischen Landtagsfraktion: Dr. Oberfohren, Vorsitzender der Reichstaasfraktion, Frau Anna Grete Lehmann, Professor Dr. Hilpert, München, noch Stellvertreter des Vorsitzenden." Oie Landvolkpariei stellt eigene Listen auf. Berlin, 9. Okt. Der Parteiausschuß des Deutschen Landvolkes beschloß in seiner Tagung am Sonntag einstimmig, daß die Landvolkpartei bei den Reichstagswahlen mit eigenen Liften v o r g e h t. Maßgebend für diese Entscheidung war die Auffassung, daß für den Gedanken der autoritären Staatsführung die breite st e Front geschaffen werden müsse. Gleichzeitig erblickt das deutsche Landvolk in der beruf s st ä n d i s ch e n Sammlung der Landwirtschaft nach wie vor eine Notwendigkeit zur Sicherung der Lebensgrundlagen des deutschen Bauerntums. Verhandlungen zum Zusammengehen mit anderen Gruppen, durch das die Auswirkung jeder abgegebenen Stimme sichergestellt wird, stehen vor dem Abschluß. Reichölagung des Evangelischen Bundes. Kassel, 10.Okt. (LPD.) Die 36.G eneraI- versammlung und Reichstagung des Evangelischen Bundes in Kassel begann am Samstag mit einer Gesamtvorstands- und Abgeordnetenversammlung, in der die praktischen Forderungen an Staat und Kirche, die der Evangelische Bund aufstellt, eingehend besprochen wurden. Abends wurde als Festspiel das Charakterbild „Gustav Adolf" aufgeführt. Ter Sonntag begann mit einem großen Fe st - gottesdienst in 20 KiSchen Kassels. Rachmittags wurde in Volksversammlungen das Thema „Evangelium und Volkstum" behandelt. Am Abend fand in der Stadthalle eine Fe st - Versammlung statt. Landesoberpfarrer Moeller übermittelte die Grüße der Landeskirchen von Hessen und Rassau. Regierungspräsident Dr. Friedensburg sprach als Vertreter Preußens und der Reichsbehörden in Kassel. Er betonte, daß eine verantwortungsbewußte Regierung die konfessionelle Spannung fordere, um eine gesunde Entwicklung der gesamten Kultur zu fördern. Die preußische Regierung müsse aber dabei bedenken, daß der größte Teil der Bevölkerung protestantisch sei, und daß ohne Luthers Tat die Kulturentwicklung Deutschlands in den letzten Iahrhunderten undenkbar sei. Nach Begrüßungsworten von Oberbürgermeister Stadler forderte Universitätsprofessor Dr. Herrn e l i n k (Marburg) eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Evangelischem Bund und den theologischen Fakultäten. Anschließend erläuterte Bundesdirektor Dr. Fahrenhorst- Berlin die Forderung des deutschen Protestantismus für Staat und Kirche. Der deutsche Protestantismus fordere eine kraftvolle und gerechte, vor Gott verantwortliche Staatsleitung, die bewußt dem Volkstum diene, die alle Kräfte einsetze für die Freiheit unseres Volkes. Deutsche Aufgabe sei, der grauenhaften Verloßenheit, die seit dem Kriege die Beziehungen der Volker zu einander vergifte, eine Politik der Wahrhaftigkeit entgegenzu- stcllen. Soziale Gerechtigkeit, die jedem Stande und jedem Volksgenossen seine Ehre gibt, müsse von der Regierung gewährleistet sein. In den in der Gesamtvorstands- und Abgeordnetenversammlung ausgestellten Forderungen des deutschen Protestantismus für Staat und Kirche heißt es u. a.: Nur Männer von unanfechtbarer Ehrenhaftigkeit und völliger Sauberkeit dürfen Amtsträger sein. Ehe, Familie und Sitte sind als Grundlagen aller Volkskraft zu fördern und vor Zersetzung zu schützen. Wir fordern für die evangelische Kirche die uneingeschränkte Freiheit in der Verkündigung des Evangeliums. Der Staat hat sich jeden Eingriffes in diese ihre Arbeit zu enthalten. Um der unlöslichen Verbindung von kirchlicher Arbeit und Volksleben willen hat der Staat der evangelischen Kirche für ihre Einrichtungen die Mittel und den Schutz zu gewähren, auf welche sie nach Recht, Herkommen und Bedeutung Anspruch hat. Wir fordern nicht um der Kirche, sondern um der Ehre unseres Volkes willen, daß der Staat jeder Herabwürdigung des Heiligen und jeder böswilligen Verletzung des religiösen Bewußtseins entgegentritt. Wir fordern, daß der otaat jene wirkliche Parität übt, die jeder Konfession das Ihre gibt. Bei der Anstellung seiner Beamten darf er nicht nach der Konfessionszugehörigkeit, sondern allein nach Befähigung und Leistung fragen. Nur bei denjenigen Beamtengruppen, deren Berufstätigkeit in unmittelbarem Zusammenhang mit der Weltanschauung steht, muß die kirchliche Zugehörigkeit den konfessionelle en Verhältnissen in dem Wirkungskreis entsprechen, für den der Beamte bestimmt ist. So muß an allen Schulen und in allen mit dem Erziehungswesen befaßten Behörden die Zahl und die Amtsstellung der evangelischen Lehrer und Beamten in gerechtem Verhältnis zu der Zahl der ihnen anvertrauten evangelischen Schüler stehen. Wir fordern für die gesamte Jugend des evangelischen Volksteils eine auf evangelisches Christentum und deutsche Art gegründete Erziehung. Darum fordern wir für die evangelischen Schüler evangelische Schulen unter Anerkennung des geschichtlichen Rechts der christlichen Simultanschule, soweit sie sich in einzelnen Gebieten eingebürgert hat. Auch für die höheren Schulen wünschen wir, daß das ganze Schulleben von einheitlichem, christlichem und deutschem Geist durchdrungen sei. Eine Gonniagsrede Herriois. Paris, 9. Ott. (WTB) Ministerpräsident Herriot, der den Präsidenten der Republik zu den Einweihungsfeierlichkeiten des Cembs- Kanals nach Cembs begleitete, hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, in der er einleitend auf die Bedeutung dieses Kanals für das Wirtschaftsleben des Elsaß hinwies. Von der Behauptung ausgehend, daß das Elsaß ein vollkommen französisches Land wäre, sei es auch nur durch die Anhänglichkeit an die Freiheit, fuhr H e r r i o t dann fort, das Elsaß würde wohl in der gegenwärtigen Krise ebenso wie die gesamte französische Ration seinem Leidensanteil zu tragen haben, aber es wisse, daß Frankreich nichts vernachlässigen werde, was zur Beleidigung von Elsaß und der Stärkung seines Wohlstandes beitragen könne. Frankreich, als dessen ältester Sohn das Elsaß angesehen werden könne, wolle nichts anderes, als mit seinen Rachbarn, wie mit allen Völkern überhaupt in Frieden leben. Es wäre Frankreich angenehm -- und dies sei auch in einer kürzlichen Rote betont worden seine Bemühungen um Arbeit und Zivilisation mit denen eines großen arbeitsamen Volkes zu verbinden, das ebenso wie das französische an der Wiederherstellung der europäischen und Weltwirtschaft Interesse habe. Die Aufmerksamkeit der Völker konzentriere sich gegenwärtig auf ein furchtbar schweres Problem. Frankreich stelle einen konstruktiven Plan zur Organisierung des Friedens und zur allmählichen Abrüstung, fertig, der dem Bureau der Abrüstungskonferenz unterbreitet werde, sobald die notwendigen Gutachten eingegangen seien und die Regierung darüber beraten haben werde. Frankreich verlange nur die zu einer methodischen und gutgläubigen Aktion erforderlichen Fristen. Wie könne man eine Regierung beargwöhnen, die seit ihrer Bildung nicht aufgehört habe, Tag für Tag zugunsten des Friedens zu arbeiten? Frankreich wolle Ententen, aber aufrichtige und loyale; eine andere Richtlinie kenne seine Politik nicht. Wenn man überall auf einen gleich guten Willen stieße, würde ein Werk wie dieses einen bedeutsamen Beitrag zur Annäherung der Völker in den Arbeiten des Friedens darstellen. Die weitere Reise führte den Präsidenten der Republik und Herriot nach Mülhausen, wo ein Empfang im Rathause stattfand. Herriot betonte Frankreichs Willen, für den Frieden zu arbeiten. Als Beweis für die Förderung der Beziehungen unter den Völkern müsse auch der heute vormittag eingeweihte Kanal gelten. Ein solches, an der Grenze errichtetes Werk, müsse aller Welt den Friedenswillen Frankreichs vor Augen führen. Wenn Frankreich nicht den Wunsch hätte, daß dieser Friede hergestellt werde, würde es dann so viel Geld für Arbeiten an der Grenze ausgeben? Frankreich fordert neue Gicherheiten. Paris, 10. Okt. (MTV. Funkspruch.) Laut „Volonte" geht der neue französische Sicherheits- und Abrüstungsplan dahin, Hoovers Memorandum als Grundlage zu nehmen, aber unter der Bedingung, daß dieser plan durchBe st immun- gen überdieOrganisierung der Sicherheit durch gegenseitige Hilfeleistung ergänzt werde. Die vereinigten Staaten würden, wie das Blatt weiter mitteilt, aufgefordert 'werden, die wirtschaftliche Blockade gegen den Angreifer zu Gunsten der Angegriffenen zu verhängen. England mühte darüber hinaus an einer Organisation gegenseitiger Hilfeleistung in Europa teitnehmen. Die von Deutschland geforderte Gleichberechtigung würde dann ohne Ungelegenhei t e n m ö g l i ch s e i n. Das Blatt fordert vor der endgültigen Annahme dieses Planes, der die Kristallisierung des politischen und territorialen Status quo darstelle, eine Reglung der sranzösisch- deutsch-polnischen Streitfragen namentlich an der deutschen Oftgren ; e. Vorstandstagung der Deutschen Volkspartei. Dmneldey cibt die Parole für den Wahlkampf aus. Erfurt, 9. Okt. (TU.) Der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei trat unter Vorsitz des Parteiführers Dingeldey zusammen. Er beschloß, dem Parteiführer größere Vollmachten für die Wahrung^ der Schlagfertigkeit der Partei zu geben und wählte Dingeldey wiederum zum Führer. Zu nichtständigen Mitgliedern des Parteivorstandes wurden zu den ständigen Mitgliedern (Dingeldey, Hugo, Iarres und Schendl) hinzugewählt: Kalle, Graf Stolberg, Burger, Stauß, Frau Reven-Dumont, Frau v. Kuleise, Böhm, Retsmann und Heidenreich. Zum Ehrenmitglied des Parteivorstandes wurde D r. v. Campe gewählt. Der Parteiführer Dingeldey erstattete dann den politischen Bericht. Er führte u. a. aus: Wir sehen die Auflockerung der Fronten. Die Liquidation des Weimarer Systems ist ein histori'cher Prozeß. Das Weimarer System brachte Verwaltung und Regierung in die Abhängigkeit populärer Parolen, es begann das Jagen nach der Gun st der Masse. Das wieder führte zur Erschütterung der finanziellen Grundlagen des öffentlichen Lebens, zur parteivolitischen Korruption und zur Gefährdung des Vertrauens des Staatsbürgers in seine Obrigkeit. Heute kommt es nicht auf Programme an, sondern a u f die Tat. Weil wir Taten von der Regierung Papen sehen, deshalb stehen wir hinter ihr. Was sie als ihr Programm vertritt, das haben wir vor Iahren schon klar und deutlich erkannt. Die vordringlichste Aufgabe ist, einen Wirtschaftsaufbau zu gestalten, der uns die Möglichkeit einer Wiederbelebung gibt und die Rot der Arbeitslosigkeit bekämpft. Keine Staatsvollmacht, sondern nur freies Schaffen kann dieses Ziel erreichen. Die Regierung ist nicht gut beraten, wenn sie einseitigen Gedankengängen in handelspolitischen Fragen huldigt. Wir dürfen nicht durch eine Politik der Kontingente die deutsche Ausfuhr schädigen. Die DVP. steht h i n- t e r Hindenburg, nicht aus Liebedienerei, sondern in der tiefen Ueberzeugung, daß seine Größe uns allen Inhalt gibt in unserer gärenden Zeit. Ietzt gilt es, die Autorität zu schützen. Wenn aber eine neue Epoche anbrechen wird, dann wollen wir nicht, daß ein ilntertanenftaat wiedcrauflebt. linier bleibt als oberster Leitstern der Glaube an ein machtvolles Deutschland, in dem d i e Freiheit des Gewissens und Schaffens den Platz hat, zu kämpfen. Das Vaterland über die Partei! Der Reichskanzler zur Uraufführung eines Stahlhelm-Zilms. „Für die Grundlagen eines neuen Reichs." Berlin, 9.Okt. (TU.) Arn Sonntag wurde ber Film vom 13. Reichsfrontsoldatentag Berlin 1932 des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, „D e r Stahlhelm marschiert" zu gleicher Zeit in sechs großen Lichtspieltheatern der Reichshauptstadt uraufgeführt. Der Vorstellung im Ufatheater „Universum" am Kurfürstendamm wohnten u. a. Reichskanzler v. Papen, mehrere Reichsminister sowie Vertreter der Wehrmacht und der Behörden bei. Ferner sah man den ehemaligen Kronprinzen, den Prinzen Eitel Friedrich, den Prinzen und die Prinzessin Oskar von Preußen. Es liefen zwei Filme des Stahlhelm, „lieber den Parteien" ist der Titel des Bildberichtes von der großen Führertagung in Magdeburg, die die politische Marschrichtung des Bundes bestimmte. Der Film „Freiwillige vor" gibt einen umfassenden Querschnitt durch den Freiwilligen Arbeitsdienst des Stahlhelm. Bundeskanzler Major a. D. Wagner wies in einer kurzen Ansprache darauf hin, daß der Stahlhelm, wie bisher, unabhängig von Parteien seinem Ziele folgen werde. Mit dem Film „Der Stahlhelm marschiert" gibt der Bund allen denen, die keinen oder einen unvollkommenen Eindruck von dem Aufmarsch in Berlin bekommen konnten, Gelegenheit, sich ein treffendes Bild von der Kundgebung der 200 000 jungen und alten Stahlhelmer auf dem Tempelhofer Feld zu machen. Alle drei Filme fanden einen überaus starken Beifall. Die Zuschauer stimmten nach Beendigung der Vorführung das Deutschlandlied an. Reichskanzler ^v o n Papen fprach zum Schluß die Worte: „Der Stahlhelm hat 13 Jahre für d i e Grundlageeines neuen Reiches gekämpft. Er wird nicht um- sonst gekämpft haben." Eine Wahlrede Grzesinskis in Mainz. Mainz, 9. Oft. (WER.) Den Wahlkamps in Mainz eröffnete die Eiserne Front mit einer stark besuchten Kundgebung im großen Saale der Stadthalle, in der der frühere preußische Innenminister und Berliner Polizeipräsident Grzes i nski u. a. ausführte: Bei der Reichstagswahl gehe es um den Grundsatz der Reichsverfassung, daß die Staatsgewalt vom Volk ausgehe. Es gehe ferner um die fo- zialen Einrichtungen und Errungenschaften der Republil. Die Voraussetzung für ein geordnetes Wirtschaftsleben, für Arbeitsund Verdienstmöglichkeit seien Ruhe, Ordnung und Frieden im Innern auf lange Sicht und Stabilität der verfassungs- und staatsrechtlichen Verhältnisse. Die Rationalsozialisten seien für die Regierung v. Papen und deren Politik ber- antwortlich. Die Kommunisten seien daran schuld, daß die Arbeitnehmerschaft bisher keinen gröhe- ren Einfluß im Parlament gehabt habe. Die Sozialdemokratie verlasse den Boden des Ge- fehes nicht. 'Sie werde ihren geraden Weg weitergehen. Das deutsche Volk könne nur ersprießlich und richtig regiert werden, wenn alle Teile des Bolles an der Regierung beteiligt seien. Die Sozialdemokratie kämpfe für den Sozialismus, weil der Kapitalismus abgewirtschaftet habe. Ihr Kampf gehe ferner um die Gleichberechtigung im Staat. Streik bei den Bayerischen Motorenwerken. München, 8. Oft. ($51.) Die Betriebsleitung der Bayerischen Motorenwerke hatte bekannt gemacht, daß sie auf Grund her Hot» Verordnung zur Belebung der Wirtschaft, einen Lohnabbau von 18 bis 20 v. H. für die Arbeiter des Werkes vornehmen wolle. In einer Betriebsversammlung wurde daraus mit allen gegen 6 Stimmen beschlossen, in den (Streif au treten. Seit Freitag liegen daher die Bayerischen Motorenwerke still. Die Betriebsleitung hat durch Anschlag bekannt gemacht, daß jeder Arbeiter als entlassen gelte der am Montag die Arbeit nicht wieder aufnehme. Die Direktion der Bayerischen Motorenwerke teilt ferner mrt, daß sich der 18 bis 20prozentige Lohnabbau nur aus die 31. bis 40. Wochenarbeitsstunde beziehe, was für den Gesamtwochenarbeitslohn einen etwa bprozentigen Lohnabbau bedeutet. Die Betriebsleitung rechnet damit, dah am Montag ein großer Teil der Arbeiter wieder in die Betriebe zurückkehre. Die n a t i o n a l sozialistische Betriebszelle fordert in einer im „Völkischen Beobachter" veröffentlichten Erklärung, dah die Arbeit nicht eher ausgenommen würde, bis der beabsichtigte Lohnabbau w i e- der rückgängig gemacht und von der Betriebsleitung zugesichert werde, dah keinerlei Maßnahmen gegen die Streikenden vorgenommen würden. Oer Streik im Alexanderwerk beendet Remscheid, 7.Ott. (WTB.) 3n den Verhandlungen im Lohnstreit des Alexanderwerks wurde geilte eine Vereinbarung getroffen, nach der die Arbeit vom Montag, den 10. Oktober ab zu den alten Bedingungen wiederaufgenommen wird. Eine Bezahlung Der Streiktage findet nicht statt. Die Arbeitszeit wird von 52 auf 44 Stunden herabgesetzt mit dem Ziele einer Wei te - ren Delegfchaftsvermehrung. Oie Giaaiskrisis in Rumänien Titulesku übernimmt die Leitung der Außenpolitik. Bukarest, 9. Oft. (TLI.) Nachdem durch Ablehnung der Forderungen des Finanzausschusses des Völkerbundes zunächst klare Verhältnisse geschaffen worden sind, erlLört die rumänische Presse, daß der Völkerbund u. a. zur Finanzkontrolle die Einsetzung eines Generalresidenten in Bukarest gefordert hatte, der noch weit gröhere Vollmachten als seinerzeit der Vertreter des Völkerbundes in Wien erhalten sollte. Nun bleibt zunächst nur der Weg der direkten Verhandlungen mit den Gläubigern, den die Regierung auch ein- schlagen will. Man argumentiert, daß die ausländischen Gläubiger an einem Staatsbankerott kein Interesse haben können, weil sie dann ganz leer ausgehen mühten. Im Falle eines großzügigen Entgegenkommens der Gläubiger wird man sich mit einer Art Kontrolle abfinden. Aber die Stimmung im Volle ist derart, dah die Regierung auf jeden Fall die Auslandzahlungen von sich aus einstellen wird, falls die Gläubiger 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten I Mutter starr an. ,ar »Du weiht, Mama, dah ich selbst nicht mehr viel habe, doch das antike Zimmer — nein, das wirf nic&t fort. Ich werde cs lausen, und es bleibt in deinem Besitz, solange du lebst." Sie faßte seine Hand und drückte sie krampfhaft Dann sagte sie leise: ' ist doch jetzt schon alles gleich. Aber « t eben Dinge, an denen man hängt. Lei nicht böse, Fritz." u ihm gegenüber ganz und g »eranöett. danke dir, Mama. Ich hatte schon selbst den Gedanken, daß Heinz Altendorf-Lerhoff einen Grund hat, mich zu hassen. Doch ich habe ihm den Grund dazu nicht gegeben. Es muß da in der Vergangenheit etwas liegen, was ich büßen soll. Nun, wenn ein Mensch es sich sein eigenes riesiges Vermögen kosten läßt, um einen anderen au ruinieren, so ist das weiter kein Kunststück, höchstens ist ein solcher Haß bewundernswert. Ich werde aber Heinz Altendorf beweisen, daß feine Macht jetzt, wo er arm ist, ihr Ende erreicht hat. Er ist jetzt außer Gefecht gesetzt, während ich trotz allem versuchen werde, mich wieder in die Höhe zu bringen. Komme, wenn du in Not bist, Mama!" „Wie gut du bist, Fritz. Ich käme so gern, aber ich darf Hilma nicht verlassen. Ich fürchte oft das Schlimmste für sie. Wenn sie sich doch von ihm lösen könnte, doch sie ist wie behext. Lind dabei — dabei — hat er sie neulich mißhandelt." ^Dieser--1“ 3rrib Lohgarten knirschte mit den Zähnen. Doch xx .te sich machtlos dieser verbohrten Liebe der Stiefschwester gegenüber. Sie sprachen noch Zwei Alpinisten im „Milden Kaiser" tödlich abgestürzt. Im „Wilden Kaiser" st ü r z t e n, wie aus Kufstein gemeldet wird, wiederum zwei Touristen tödlich ab. Der 22 Iahre alte Student der Technik Karl M»rdan aus Salzburg und der 32 Iahre alte Lehrer Ludwig Hall aus Offenburg i. B. hatten eine Besteigung der Fleisch- bank-Ostwand unternommen. Kurz nach dem Einstieg in die Wand geriet der an zweiter Stelle gehende Hall ins Rutschen und riß dabei seinen Vordermann am Seil aus der Wand. Beide stürzten etwa 60 Meter tief und waren sofort t o t. Ihre Leichen wurden von einer Expedition der alpinen Rettungsstelle nach Kufstein verbracht. Autobesiher auf der Landstraße ermordet. In einer der letzten Rächte wurde von einem Motorradfahrer auf der Chaussee Grünberg— Berlin ein völlig zertrümmerter Personenkraftwagen vorgefunden. Im Innern des Wagens lag der Besitzer, der Chauffeur Paul S a r n o w s k i aus Grünberg (Schlesien), tot mit eingeschlagener Schädeldecke. Die auf telephonischen Anruf des Motorradfahrers herbeigeeilte Polizei nahm sofort die Llntersuchung auf. Bei der Llntersuchung des Toten fand man am Hinterkopf eine Schußwunde vor. Es handelt sich um R a u b m o r d. Meine politische Nachrichten. In Leipzig fand der Reichsparteitag der Volksrechtpartei statt. Den Haupt- gegenftanb der Beratung bildete die Einstellung der Partei zur Reichstagswahl und zu den aktuellen Fragen der Politik. Es wurde beschlossen, sich mit aller Kraft am Wahlkampf zu beteiligen. Der Parteiführer wurde ermächtigt, weitere Verhandlungen über eine etwaige Listenverbindung mit anderen Parteien zu führen. • Der Evangelische O be r k i r ch e n ra t hat gegen den oldenburgrschen Ministerpräsidenten R ö - oer, der der Nationalsozialistischen Deutschen Ar« beiterpartei angchört, Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Rover hatte cs in einer Rede als Kulturschande bezeichnet, daß die oldenburgrsche Geistlichkeit einen Misfionsvor- trag des Negerpa ft ors Kwami unterstütze. Der Beschluß des Oberkirchenrates ist darauf zurückzuführen, daß die nach einer mündlichen Aussprache erwartete Zurücknahme der beledigenden Aeußerungen durch den Ministerpräsidenten nicht erfolgt ist. InMinden (Westfalen) nahm eine Wahlversammlung der D N V.. in der Studien- a'sessor Flume-Bielefeld über „Schwarz-Rot- Braun" und „Schwarz-Weiß-Rot" sprach, einen bewegten Verlauf. Laute Zurufe erfolgten in immer stärkerem Maße durch zahlreiche SA.- Leute. Schließlich wurden weiße Mäuse losgelassen und es wurde mit Knallerbsen und Schreckschüssen gearbeitet, so daß der Redner sein Referat nicht zu Ende führen konnte und das Lieberfallkommando zur Räu- muna des Saales ein'chreiten mußte. Ein Mann wurde festgenommen, als er einen fehlgehenden Revolverschuß gegen den Redner abfeuerte. e Der ehemalige Kommandeur der Berliner Schutz- Polizei, Oberst Heimannsberg, hat nunmehr dem kommissarischen preußischen Innenminister Dr. Bracht sein Abschiedsgesuch eingereicht. Es ist anzunehmen, daß das Abschiedsgesuch bereits in nächster Zeit genehmigt werden wird. * Das kommunistische Pariser Blatt Humanist berichtet, daß am 7.Oktober von Reservisten, die aus dem Militärdienst schieden, auf einer Kaserne in Metz die Sowjetfahne gehißt worden sei. Die Reservisten hätten in geschlossenem Zuge die Kaserne unter dem Gesang der Internationale verlosten. Aus der Provinzialhauptstadi. Gießen, den 10. Oktober 1932. Siaditheaief und auswärtige Besucher. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die Intendanz bittet alle auswärtigen Theaterbesucher, die befürchten, ihren letzten Zug durch etwa verspäteten Schluß der Vorstellung nicht mehr erreichen zu können, dies bis zur großen Pause bei den Logenschließern zu melden. Die Intendanz wird bann jeweils im Bedarfsfälle die Abfahrt der letzten Züge bis zehn Minuten durch den Bahnhof Gießen aufhalten, wozu die Genehmigung seitens der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. in diesem Winter erteilt wurde. Die Intendanz ist von jeher bestrebt gewesen, den auswärtigen Theaterbesuchern und den Anwohnern der weiter entfernt liegenden Stadtteile die Möglichkeit zu bieten, bequem den Zugangsschluß zu sichern bzw. das Unangenehme eines weiten Heimwegs zu mildern. Auch in dieser Spielzeit haben Verhandlungen mit dem Elektrizitätswerk zu dem Erfolg geführt, daß nach Schluß der Vorstellung versuchsweise ein Sonderwagen der Straßenbahn (Fahrtrichtung Bahnhof) an der Ausweiche der Stra- ßenbahn/Haltestelle „Torhäuschen-Stadttheater" be- reitsteht. Die Intendanz bittet von dieser Verkehrs- neuerung recht zahlreich Gebrauch zu machen. Wer gibt bedürftigen Kindern Mittagessen? Der Alice-Frauenverein vom Roben Kreuz wendet sich im heutigen Anzeigenteil an die Familien unserer Stadt mit der Ditte, bedürftigen Kindern einmal oder mehrmals in der Woche Mittagessen zu verabreichen. Der Appell des Alicc-Frauenvereins wird hoffentlich bei vielen Familien Gehör finden, denn die Ro t i st groß und besonders den Kindern muß geholfen werden. Anmeldungen sind an Frau Sanitätsrat Dr. Schliep- hake, Goethestraße 44, Telephon 3470, zu richten. Hoffentlich gehen recht viele Anmeldungen ein, damit das von dem Verein im vorigen Iahre bereits mit reichem Segen in Gang gebrachte Werk der Kinderfpeisung auch diesmal wieder auf eine breite Grundlage gestellt werden.kann. Vornotizen. — Tageskalenber für Montag. IGF.: 20.30 Uhr, Monatsversammlung bei Kamerab Wein- ßarbt — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die ver- kaufte Braut". — Aus bem Stabttheaterbureau wirb uns geschrieben: Morgen, Dienstag, als 2. Vorstellung bes mit großem Beifall aufgenommenen Lustspiels: „Freie Bahn bem Tüchtigen" von August Hinrichs. Ein Lustspiel vom „aufrechten Mann", ber sich nicht in seiner Zeit zurechtfinbet. Zwei Stunden unbeschwerter Heiterkeit. Spielleitung hat Karl H e y s e r. Gewöhnliche Preise. * * Militärpersonalien. Mit Wirkung vom 1. Oktober ab würbe Leutnant Knetsch beim hiesigen Bataillon zum Oberleutnant beförbert und Leutnant Fett von hier zum Ausbilbungsbataillon in Marburg versetzt. einige Worte miteinander, nachdem sie das Geschäftliche geregelt hatten, und dann begleitete Lohgarten seine Stiefmutter noch hinunter. „Du bist so stark und zuversichtlich, Fritz. Du kannst nie ganz untergehen — du nicht", sagte sie beim Abschied und strich über seinen Arm. Es war wie eine scheue, abbittende Liebkosung. Er küßte sie auf die Stirn. „Das muß nun eben getragen werden, Mama. Gs läßt sich nichts ändern, wenn Hilma nichts geändert haben will." Aus seinen Worten hörte sie, wie sehr er mit einer Trennung einverstanden gewesen wäre. Doch daran war ja nicht zu denken. Hilma liebte ihren Mann, liebte ihn abgöttisch und nahm ihn noch immer in Schutz, wenn die Mutter es einmal wagte, etwas zu sagen. Manchmal dachte die Mutter: Es ist doch ganz unmöglich, daß sie ihn noch liebt nach allem, was er sich ihr gegenüber zuschulden kommen ließ. Viellei jt ist es doch mehr die Angst vor den Menschen, vor dem Gerede, das dieser Trennung folgen würde. Wenn Heinz Altendorf-Lerhoff dann aber wieder ins Zimmer trat, liebenswürdig lächelnd, schön und elegant, dann dachte sie: Ist es denn ein Wunder, wenn sie ihm immer wieder von neuem verfällt? — Dabei vernachlässigte er seine Frau in der sträflichsten Weise, und Frau Lohgarten war überzeugt, daß er seiner Frau vielleicht seit langem, nein, wahrscheinlich von allem Anfang an untreu war. Doch sie hätte niemals gegen die Tochter einen Verdacht auszusprechen gewagt. So lief alles seinen Gang, und doch wußte Frau Lohgarten ganz genau, daß eines Tages ein schreckliches Ende da fein würde. Sie hatte ihren Schwiegersohn im Verdacht, daß er Morphium nahm! Daß er vielleicht ohne Morphium überhaupt nicht mehr existieren konnte. Aber auch diese Befürchtung schloß sie ängstlich in ihrem Innern ein. .Als sie daheim apkam, war alles hell erleuchtet. Zwei sehr große, elegante Autos hielten dicht vor dem Eingangstor. Besuch also! • Lind Hilma hatte sich gerade heute so elend gefühlt! Wie unangenehm sich das traf. Frau Lohgarten ging die kleine Seitentreppe hinauf, um nicht zu stören. Oben in ihrem Wohnzimmer blieb sie plötzlich stehen. Don nebenan klang Heinz Altendorfs zornige Stimme: „Lind ich befehle dir, dabei zu fein. Was sollen die Damen denken? Diesen Affront tue ich meinen Gästen nicht an, das merke dir. Du bist nicht krank, es ist nur eine Ausrede, die ich nicht gelten lasse. Ich erwarte dich in einer halben Stunde — biS "dahin kannst du bequem fertig fein.“ Eine Tür schlug zu. Draußen ging Altendorf pfeifend an der Tür des Wohnzimmers vorüber. Frau Lohgarten zitterten die Knie. Sie mußte sich einen Augenblick sehen. Schon wieder Ausregungen? Lind sie war den schweren Gang zu Fritz gegangen. Er hatte ihr das Geld gegeben. Lind nun waren schon Gäste da, in deren Mitte dieses Geld vertan werden sollte. Lind alles nur, weil Hilma diesen Mann liebte, nicht von ihm lassen wollte. Lind dem sie nur ein Mittel zum Zweck war! Das wußte jetzt auch Frau Lohgarten! Was aber sollte geschehen, wenn Hilma derart hilflos und blind blieb? Wenn sie doch nur die Kraft fände, sich von diesem unheimlichen Menschen zu lösen! Die Tür öffnete sich. Hilma schwankte in- Zimmer. Sie sah die Mutter, stürzte auf fie zu: „Mama, hilf mir doch, ich bin ja so unglücklich." Die Mutter küßte ihre Tochter, aber sie sagte nichts. Was hätte fie auch sagen sollen? „Ich kann nicht dabei sein, ich fühle mich todelend, Mama." Hilma sagte es mit Anstrengung. Ihre Hände waren ganz heiß und die Augen hatten einen irren Glanz. Frau Lohgarten erschrak,, dann sagte fie entschlossen: „Ich bringe dich zu Bett. Sei ganz ruhig, ich werde mit Heinz sprechen." Hilma nickte müde und schloß die Augen. Willig ließ fie sich von der Mutter hinüber in ihr Schlafzimmer führen. Bald lag fie in ihrem kühlen weißen Bett und dehnte sich müde und dennoch behaglich. Bald schon war sie fest eingeschlafen, aber die Atemzüge gingen unruhig und laut Frau Lohgarten sagte dem Mädchen, sich still in den großen Sessel neben der Tür zu setzen und auf die gnädige Frau achtzugeben. Sie werde inzwischen auf eine Stunde ihre Tochter bei den unerwartet angenommenen Gästen vertreten. Lind dann trat Frau Lohgarten in einem schwarzen Seidenkleide, sehr vornehm und zurückhaltend, über die Schwelle in den strahlend hell erleuchteten Salon. Wie versteinert blieb sie stehen. Mitten auf dem runden Tisch mit der kostbaren Brokatdecke stand eine schlanke, rassige Person mit brandrotem, leuchtendem Haar und fang. Fünf Herren standen um sie herum und klatschten in die Hände, während sich zwei anbeve Damen auf dem Sofa räkelten. Heinz Altendorf sah feine Schwiegermutter. Ein Blitz des Zornes traf sie aus feinen dunklen Augen, dann schritt er rasch auf sie zu. (Fortsetzung folgt) * Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club G. V. (2L v. D.), Gießen: Wegen Ausführung von Kleinpflaster- arbeiten wird die Strecke Alsfeld — Romrod im Zuge der Straße Gießen—Alsfeld- Fulda (Fernverkehrsstraßen-Ar. 49) ab 11. Oktober für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Zell-Angenrod. ** Ha u s a n g e st e l l t e n ° E h r u n g. Der Alice» Frauenoerein vom Roten Kreuz, Zweigverein Gießen, will Anfang Dezember wieder eine Ehrung von Hausangestellten, dieln langer Dienstzeit sich bewährt haben, vornehmen. Die schriftlichen Anmeldungen über 5-, 10- und 15jährige Dienstzeit in einer Familie sind bis zum 1. November bei der 1. Vorsitzenden des Vereins Frau Professor Kramer, Lud» wigsplatz 10, einzureichen. Man beachte die Anzeige vom Samstag. "DeutscherAbendderRSDAP. Die Gießener Schutzstaffel der RSDAP. hatte für gestern abend zu einem Deutschen Abend in das Cafö Leib eingeladen. Ein unterhaltsames Programm füllte den Abend aus. Vach einem flotten Marsch und der guten Wiedergabe der Ouvertüre zu „Dichter und Bauer" durch die Kurkapelle von Bad Salzhausen (Leitung: Musikmeister a. D. Sy Topp) eröffnete Edler von Graeve mit einer kurzen Begrüßungsansprache die Veranstaltung. Einem weiteren Musikstück folgte eine längere Ansprache des Landtagsabgeordneten Klo st ermann. Der Redner sprach von der Bewegung der VSDAP. in der Gegenwart; er erörterte kurz die Lage, wie sie sich für die VSDAP. in der Haltung zur Regierung vonPa- pen ergeben hat, kennzeichnete die Stellung der VSDAP. im eii^elnen zur gegenwärtigen Reichsregierung und kam dann auf den Wahlkampf zu sprechen, der die VSDAP., die SA. und die SS. in vollster Bereitschaft finde und auch dann noch bereit finden werde, wenn weitere Wahlkämpfe folgen müßten. Die VSDAP. werde den Degen nicht kurz vor dem Siege aus der Hand legen, sondern kämpfen bis zum endgültigen Sieg, der Deutschland einer besseren Zukunft entgegenführen müsse. Es müsse eine Jugend heranwachsen und erzogen werden, die bereit sei, einzustehen für das Vaterland. Der einzelne müsse sich einsetzen ohne Rücksicht aus sein eigenes Wohlergehen, denn nicht das Wohl des einzelnen sei wichtig, sondern der Bestand der Ration in der Zukunft. Der Bewegung die Treue zu halten und dem Führer immerdar Gefolgschaft zu leisten, das seien die Forderungen, auf die sich nur der Sieg gründen und die Zukunft unseres Volkes aufbauen könne. Mit den Worten: „Alles für die Bewegung und alles für den Führer!" beschloß der Redner seine Ansprache. Sn Anschluß daran sang Herr Kurt Richter zwei Lieder, die mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden. 3m weiteren Verlaufe des Abends wartete er mit einigen Volksliedern auf und fand damit aufmerksame Zuhörer. Bereichert wurde das Programm durch die Ausführung einiger schöner Volkstänze durch den Bund deutscher Mädchen, Ortsgruppe Gießen. Die in ihren Figuren sehr seinen Tänze, die erakt zur Aufführung gelangten, lösten stürmischen Beifall aus. Musik, Lied- und weitere Tanzdarbietungen füllten die Stunden aus. Mit einem kurzen Schlußwort fand der Abend sein Ende. Die Einnahme aus dem Eintrittsgeld soll zur Unterstützung von Erwerbslosen Verwendung finden. *• Konvent des Iungdeutschen Ordens. Man berichtet uns: Dieser Tage hielt die Bruderschaft GieHen des Iungdeutschen Ordens ihren Monatskonvent ab, in dem nach dem geschäftlichen Teil drei neue Ordensbrüder feierlich ausgenommen wurden. Alsdann sprach stud. rer nat. Keil (Wieseck) über das Thema „Die Erhaltung des deutschen Ostens und die osteuropäische Lage". Ausgehend von der Tatsache, daß sich eine eindeutige deutsche Volkstumsgrenze durch die vielfache Verstreuung der deutschen Besiedlung nur schwer angeben läßt, erläuterte er vor allem an Hand der Desiedlungsgeschichte von den Anfängen des Deutschritterordens und der Abstimmungsergebnisse vom 11. Juli 1920, daß wir trotzdem mit Recht vom deutschen Ostland sprechen, das es zu erhalten bzw. zurückzugewinnen gilt. Die Abstimmungen in den leider nur teilweise aufgerufenen deutschen Gebieten hätten aller Welt gezeigt, inwieweit die Bevölkerung des Ostraums sich zum deutschen Staat und zur deutschen Kultur bekennt. Teilweise auf Grund eigner Erfahrungen und unter Auswertung statistischen Materials sprach der Vortragende alsdann ausführlich über die Folgen der neuen Grenzziehung im Osten für Ostpreußen, die besonders wirtschaftlich außerordentlich einschneidend wirkten. Am schwersten wiege dabei zweifellos der Verlust des räumlichen Zusammenhangs mit dem Mutterland, ein völlig unerträglicher Zustand, für den es unsererseits kein Locarno geben könne. Ostpreußen sei damit militärpolitisch au einem bloßen Beuteobjekt des polnischen Adlers gemacht worden, und der französische Marschall F o ch habe sicher nichts Unmögliches prophezeit, wenn er figte, der Weichsel- ko rridvr werde der Schauplatz des nächsten europäischen Krieges sein. 3n der Tat habe der Wahnsinn von Versailles hier, geopolitisch gesehen, eine Schütterzone ersten Ranges geschaffen. Politisch-militärisch ständen wir den Verhältnissen zunächst so gut wie machtlos gegenüber. Dagegen hätten wir heute schon sehr wohl die Möglichkeit, zur wirtschaftlichen und nationalen Erhaltung Ostdeutschlands beizutragen, indem wir eine großzügige Siedlungstätigkeit (im Sinne der jungdeutschen Bewegung) entwickelten, die anderseits auch allein noch in der Lage sei, das brennende Arbeitslosenproblem, wenigstens zu einem guten Teil, zu lösen. Der Redner schloß mit der Mahnung, den Blick nach dem Osten zu richten, wo die zukünftigen Lebensfragen des deutschen Volkes mitentschieden würden durch den kämpferischen Einsatz von Lebenskraft und Geist aller Deutschen. Mit einer politischen Aussprache fand der eindrucksvolle Konvent sein Ende. ** 25 Jahre Maschinenfetzeroereini» gung im Bezirk Gießen. Am Samstagabend feierte die Maschinensetzeroereinigung im Bezirk Gießen (Verband der Deulschen Buchdrucker) im Ge- werkschastshaus das Fest ihres 25jährigen Bestehens. Die Maschinensetzer r nb eine Sparte der Buch» Oberbürgermeister Dr. Keller zum Ehrenbürger von Gießen ernannt. Der S t a d t r a t versammelte sich heute mittag im Sitzungssaale des Stadthauses, Bergstraße, zu einer nichtöffentlichen Sitzung. Einziger Punkt der Tagesordnung war die (Ernennung des Oberbürgermeisters Dr. Keller zum Ehrenbürger der Stadl Gießen. Stadtratsmitglied R e i b e r als Senior des Hauses begründete den Antrag mit folgender Rede: Von den drei Fraktionen unseres Stadtrats, der Arbeitsgemeinschaft der Mitte, der Sozialdemokratischen, Partei Deutschlands und derWirtschaftlichen Vereinigung ist mir, in meiner Eigenschaft als Senior des Stadtrats, der ehrenvolle Auftrag geworden, folgenden gemeinsamen Antrag einzubringen und zu begründen. Der Antrag lautet: „Es wird beantragt, Herrn Oberbürgermeister Dr. Karl Keller anläßlich des 25jährigen Dienftjubiläums im Dienste dec Stadt Gießen in dankbarer Anerkennung feiner hervorragenden Verdienste um das Wohl unserer Stadt das E h r en b ü r g er r e ch t der Stadt Gieße n zu verleihen." Diesem Anträge liegen die e i n st i m m i g e n Besch l ü s s e der einzelnen Fraktionen zugrunde, und die dazu gehörigen 39 Mitglieder, nahezu die Gesamtheit des Stadtrats, wollen durch diese Ehrung zum heutigen 25jährigen Dienstjubiläum unseres Herrn Oberbürgermeisters zum Ausdruck bringen, wie sehr dessen hervorragende Verdienste von ihnen gewürdigt und dankbar anerkannt werden. Im Gegensatz zu der Amtsführung seiner Vorgänger, der Herren Mecum, Gnauth und Bramm, die mit geordneten politischen und gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen zu tun und zu rechnen hatten, war die Amtstätigkeit des Herrn Dr. Keller eine ungemein viel schwierigere. Schon im Jahre seiner Wahl zum Oberbürgermeister unserer Stadt begann der Weltkrieg. Die bösen Kriegsjahre und die noch böseren Nachkriegsjahre brachten ununterbrochen die schwersten Umwälzungen und Krisen auf allen Gebieten. Der verlorene Krieg, die Revolution, die unheilvolle Jn- ftation mit ihrem Milliarden- und Billionenwahnsinn, die verhängnisvollen sog. „Aufwertungs"-Ge- setze, die nur eine Enteignung des früher wohlhabenden Mittelstandes bedeuteten, die Kaufkraft vernichteten und als Ursache unseres heutigen wirtschaftlichen Tiefstandes angesehen werden können, ferner die katastrophale Erwerbslosigkeit und das Darniederliegen von Handel, Großindustrie und Handwerk, dies alles brachte Schwierigkeiten ohne Zahl, die Herr Dr. Keller stets durch richtige Maßnahmen zu überwinden und auch oft schwierige Probleme zu meistern verstand. Er hat in erfreulich gutem Einvernehmen mit dem Stadtrat auch unsere städtische Finanzwirtschaft in Ordnung zu hasten gewußt, soweit dies angesichts der gespannten wirtschaftlichen Verhältnisse im Bereiche der Möglichkeit gelegen hat. Für die Erweiterung und Verschönerung unserer Stadt und für den Ausbau der städtischen Werke hat Herr Dr. Keller seine ganze Kraft eingesetzt, er war und ist außerdem stets ein treuer Förderer von Kunst und Wissenschaft und ein Freund aller Bestrebungen, die der Ertüchtigung der .Jugend durch Turnen, Sport und Spiel gewidmet sind. Die hervorragenden und vielseitigen Verdienste unseres Herrn Oberbürgermeisters können heute, am Tag seines 25jährigen Dienstjubiläums, keine schönere Anerkennung finden, als durch die Annahme des von den drei Fraktionen gestellten Antrags. Ich bitte Sie, diesem Antrag zuzustimmen, Oer Beschluß. Das Haus beschloß dann, dem Antrag entsprechend, die Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Gießen an Oberbürgermeister Dr. Keller. druckergehilfenschaft, die die zur mechanischen Satz- Herstellung für Zeitungen usw. tätigen Setzmaschinen bedienen. Nach einem von Hermann Elle verfaßten und von Frl. Aenne Thein wirkungsvoll vorgetragenen Dorspruch wies der Vorsitzende August Braun in seiner Ansprache auf die vor 25 Jahren erfolgte Gründung der Vereinigung als Maschinensetzerklub Gießen hin und verbreitete sich über die gedruckt vorliegende Dereinsgeschichte. Der verstorbenen Mitglieder wurde ehrend gedacht. Zur Bereicherung des Abends war neben dem Gesangverein „Eintracht" Gießen Herr Bruck vom Gießener Stadttheater gewonnen, der durch Rezitation von Gedichten usw. ernsten und heiteren Inhalts lebhaften Beifall fand. Der Vorsitzende der Gauoereini- gung Frankfurt-Hessen, Heinrich Klein (Frankfurt am Main) behandelte in seiner Festrede den Zweck und die Ziele der Sparte, die in der Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen, aber auch in der beruflichen Fortbildung der Mitglieder bestehen. Anschließend nahm er die Ehrung derjenigen Mitglieder vor, die der Sparte 25 Jahre und länger angehören. Es sind dies: Adolf Kaiser (Marburg), Jakob M o u t a r d e, August Braun, Fritz D i e f h o l z, Otto Ettel, Oskar Jahn, Wilhelm L e n a (Gießen), Eduard Hantel, August K r e k e (Bao-Nau- heim) und Armin B ö 11 g e r (Hildburghausen). Den yubilaren wurde zur Erinnerung je ein Geschenk überreicht. Dankesworte sprach Adolf Kaiser (Mar- bürg). Glückwünsche und Geschenke überbrachten die Vertreter der Bezirke Aschaffenburg, Frankfurt a. M., Kassel und Offenbach, sowie die Vertreter der übrigen Sparten des VdDB. Tänze der Geschwister Bremer sowie heitere Vorträge der „lustigen Landsknechte" Kremer und Metz (Frankfurt a. M.) sowie Lieder zur Laute sorgten für angenehme Ab- wechslung. Der Abend verlief in schönster Harmonie ** 5 4 Stiftungsfest des Gesangvereins „Heiterkeit". Unter starker Beteiligung der Mitglieder feierte der Gesangverein „Heiterkeit" am Samstag im Casä Leib sein 54. Stiftungsfest. Flotte Musik der Kapelle Krengel leitete den Abend ein. Der 1. Vorsitzende, Herr Koch, begrüßte sodann die Teilnehmer, umriß in einer Ansprache die Ziele des Vereins — die in der Pflege des deutschen Männevgesanges als eines der wertvollsten Kulturgüter unseres Volkes bestehen — und gab weiter einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins, der sich aus den kleinen Anfängen eines Geselligkeitsvereins zu einem maßgebenden Gesangverein unserer Stadt entwickelt habe. Er gedachte in seiner Ansprache besonders auch der Gründer und der bisherigen Leiter des Vereins, deren Verdienste er gebührend würdigte. Mit besten Wünschen für die Zukunft und die weitere Entwicklung des Vereins beschloß der Vorsitzende seine beifällig aufgenommene Ansprache. Sodann brachte der Chor, der unter der Leitung von Chormeister Wilh. Schält- l e r eine sehr achtbare Höhe in seinem gesanglichen Können erreicht hat, einige Lieder zum Vortrag, welche die hohe Gesangsdisziplin, die im Chore herrscht, unter Beweis stellten. Die Darbietungen des Chores, der im Verlaufe des Abendsmit noch zwei weiteren Liedern auswartete, wurden mit lebhaftem und verdientem Beifall aufgenommen. Aus Anlaß des Stiftungsfestes wurden auch in diesem Jahre wieder einige (passive) Mitglieder, und zwar die Herren Paul Hennig, Konrad Becker und Wilhelm ßöffert. für 25jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet; die Jubilars erhielten die Ehrenurkunde des Vereins überreicht. Für 30jährige aktive Sangestätigkeit wurde Wilhelm Schmidt mit der goldenen Ehrennadeln des Vereins bedacht. Der restliche Teil des Abends war der Unterhaltung gewidmet. Ein humoristisches Doppelquartett fand viel Echo unter den Zuhörern, ein Charakterduett gefiel außerordentlich, und ein humoristisches Terzett fand ebenfalls starken Beifall. Gute stimmliche Veranlagung der darstellenden Mitglieder des Vereins verhalfen den Darbietungen zum Erfolg. Den Höhepunkt des abwechslungsreichen Programms bildete die Aufführung eines Schwankes, der durch seine tolle Situationstechnik, durch die mancherlei 23er» wechslungen und das abschließende happy end (ms- besondere aber auf Grund der guten Wiedergabe durch Damen und Herren des Vereins) viel zur Hebung der Stimmung beitrug. Mit Tanz fand die wohlgelungene Veranstaltung ihr Ende. " Der Kavallerie-Verein Gießen e. B. hielt am Samstag im Vereinslokal seine Monatsversammlung ab. Der Vorsitzende, Kamerad Ernst Hartmann, begrüßte die Mitglieder, die mit ihren Damen erschienen waren. Die Tagesordnung fand, dank der trefflichen Leitung und dem kameradschaftlichen Geist, der alle Teilnehmer erfüllte, schnelle Erledigung. Zur allgemeinen Ueberraschung konnte .im weiteren Verlaufe des Abends der 1. Vorsitzende, Kamerad Hartmann, im Auftrage des Vorstandes des Waffenrings der Deutschen Kavallerie den Kameraden Wilhelm K u t s ch r a d, Wilhelm Mühl, Karl Parr, Michael Kolb, Otto Rühl und Louis Geller das Mackensen-Kreuz 2. Klasse überreichen. Der anschließende gemütliche Teil der Versammlung wurde ausgefüllt durch die Erzählungen von Erlebnissen aus Kriegs- und Friedenszeiten. Der Abend hat erneut den Beweis erbracht, daß die Mitglieder des Vereins in echter Kameradschaft zusammenhalten. Wirtschaft. Mrtschastsbelebung in Oberheffen. Das Areitsbeschoffungsprogramm der Reichsregierung hat in Oberhessen bis jetzt dahin geführt, daß die Mitteldeutsche H a r t st e i n i n d u ft r i e in den Steinbrüchen ihres Werkes Nieder- Ofleiden bei Homberg auf Grund von neuen Aufträgen in den letzten Tagen 17 0 Arbeiter wieder eingestellt hat. Aus dem gleichen Anlaß fanden in den Buderusschen Eisenwerken in Hirzenhain 25 Arbeiter mehr Beschäftigung. Berlin ruhig und freundlich. Berlin, 10. Olt. (WTB. Funkspruch.) Infolge des hohen jüdischen Feiertages schrumpfte die an sich schon während der letzten Zeit sehr kleine Llmsahtätigkeit im Berliner Effektengeschäft zu Beginn der neuen Woche auf ein Minimum zusammen. Die Stimmung war aber trotz der vielfach etwas niedrigeren Kurse als durchaus zuversichtlich zu bezeichnen, da eine ganze Reihe anregender Momente vorlag. So beurteilte man die außenpolitische Situation etwas freundlicher und glaubte auch innenpolitisch eine weitere kleine Beruhigung feststellen zu können. Der Bericht des Stahlwerkverbandes für den Monat September lautete recht hoffnungssreudig und sprach außerdem davon, daß schon auf einigen Marktgebieten eine leichte Absatzzunahme zu verzeichnen war. Gewisse Erwartungen werden naturgemäß an den Eingang der Reichsbahn- aufträge geknüpft. Recht befriedigend war auch der Reichsbankausweis für die erste Oktoberwoche. Die Kursgestaltung selbst war heute stark vom Zufall abhängig, die Veränderungen hielten sich aber in engen Grenzen und betrugen zumeist nur bis zu 1 Prozent, in seltenen Fällen bis zu zwei Prozent. Etwas stärker gedrückt lagen Orenstein & Koppel, Aschaffenburger Zellstoff. RWE., Rheag und AG. für Verkehrswesen, während Elektrizitätswerke Schlesien, Dessauer Gas und Hotelbetriebsgesellschaft fester tendierten. Bei letzteren regte die geplante älebernahme der Interessen der Aschinger QI.-®, durch die Hotelbetriebs QI.-®, an, da hierdurch eine Zusammenfassung der Berliner Hotelinteressen gegeben wäre. Im Verlaufe blieb das Geschäft klein, die Abweichungen unbedeutend. Klöckner fielen durch einen 2prozentigen Gewinn auf. Deutsche Anleihen im allgemeinen nur wenig verändert. Altbesitz wurden nach der Auslosung heute erstmalig mit 45,75 Prozent wieder notiert. Reichsschuldbuchforderungen blieben gut behauptet, Renten lagen ruhig und kaum verändert. Für Schutzgebietsanleihe bestand zu anziehendem Kurs weiter Interesse. Ausländer blieben sehr ruhig veranlagt; 4prozentige Rumänen lagen schwach. QIm Geldmarkt hat die Gesamtlage sich heute nicht verändert. Die Sätze blieben mit 4,4 Prozent für Tagesgeld an der unteren Grenze — nur ganz vereinzelt war zu 4,25 Prozent anzukommen — und mit 5 bis 7 Prozent für Monatsgeld unverändert. Die Reichsschatzwechsel- emiffion per 15. Februar 1933 ist ausverkauft; dafür gelängten heute Reichsschatzwechsel per 15. März 1933 zum gleichen Zinssatz von 4,75 Prozent zur Ausgabe. Frankfurt knapp behauptet. Frankfurt a. M. 10. Oft. (WTB. Drahtmeldung.) Infolge des hohen israelitischen Feiertages war die Börse zum Wochenbeginn nur schwach bes uch t und fast geschäftslos. Die schwächere Reuyorker Wochenendschluhbörse blieb zwar ohne Einfluß auf die Kursgestaltung, hemmte jedoch die älnternehmungslust, zumal fon* ftige Anregungen nicht vorhanden waren. Das Publikum hielt sich dem Markte weiter fern, obwohl die schon feit Tagen anhaltende Schwäche der Auslandbörsen eine Verkaufsneigung hätte erwarten lassen. Einige Beachtung fand weiterhin der Gereke - Plan über die direkte, Arbeitsbeschaffung. Bei sehr kleinen älm- sätzen ergaben sich gegen den Wochenschluh nur unbedeutende Veränderungen, die Tendenz war knapp behauptet. Reichsbankanteile verloren 1,5, und am Zellstoffmarkt Aschaffenburg 1 Prozent. Am Montanmarkt bröckelten die Kurse bis zu 0,5 Proz. ab, während Chemiewerte unverändert eröffneten. Der Elektromarkt lag uneinheitlich. AEG., Dekuka und Siemens gaben etwas nach, wogegen Lechwerke und Lahmeyer im gleichen Ausmaß anzogen. Etwas niedriger setzten iwch Contigummi ein. Am Anleihemarkt kamen Reichsaltbesitz wieder zur Rotiz, sie lagen mit 47,5 Proz. gegen den letzten Freiverkehrskurs 0,65 Proz. niedriger. Die Reubesitzanleihe blieb nur knapp gehalten, während für die Schutzgebietsanleihe das letzt- tägige Interesse anhielt. Späte Reichsschuldbuchforderungen tendierten mit 64,33 Proz. unverändert. Der festverzinsliche Markt lag g^- schäftslos und kaum verändert. Von fremden Werten lagen Monopolrumänen mit 51 Prozent nach zuletzt 54 Proz. schwach. Auch die Altbesitzanleihs war im Verlaufe stärker angeboten und ging bis auf 45,5 Proz. zurück. An den Aktienmärkten blieb die älmsah tätigtet t später sehr gering, die Kurse zeigten aber zum Teil leichte Besserungen. Von Montanwerten waren Klöckner um 2 Proz. fester. Tagesgeld war auf 4,75 Prozent festgesetzt und war leicht. tyrantjurter Schlachwiehmarkt. Frankfurt a. M., 10. Oktober. Auftrieb: 4598 Schweine. Es notierten: Schweine: vollfleischig, von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 46 bis 47 Mark, von etwa 200 bis 240 Pfund 43 bis 47, von etwa 160 bis 200 Pfund 42 bis 46, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 40 bis 43 Mark. — Marktverlauf: mittelmäßig, geringer Ueberstand; Fell» Amtsgericht Gießen. Daß ein Entgegenkommen gegenüber rückfälligen Strafgefangenen nicht immer am Platze ist, bewies der vielfach vorbestrafte Strafgefangene P. F. aus Plettenberg, der den ihm von der Strafanstalt bewilligten Urlaub dazu benutzte, aus dem Hotel Kobel in Gießen ein Fahrrad zu stehlen. Dies verkaufte er kaum eine halbe Stunde später einem völlig gutgläubigen Eisenbahnbeamten in Klein-Linden. Das Gericht verhängte über den aus der Haft vorgeführten Angeklagten wegen Rückfalldiebstahls unter mildernden Umstanden eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Wegen Mitnahme von Personen gegen Entgelt auf regelmäßigen Fahrten auf einem nur zur Güterbeförderung zugelassenen Lieferkraftwagen wurde ein Milchhändler aus Rordeck in eine Geldstrafe von 20 Mark genommen, da er die hierfür nach der Rotverordnung vom 6. Oktober 1931 erforderliche besondere Konzession nicht besah. Ein „guter" Rachbar, der seinem Rebenlieger Erdbeerpslanzen entwendet' hatte, und ein Auswärtiger, der den für Fahrräder gesperrten Fußweg von den Bleichen zur Lahnbrücke gefahren war, erhielten Geldstrafen. Jtunöfunfprogramm. Dienstag, 11. Oktober. 7.05: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Mil- tagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 13.30: Mittagskonzert auf Schallplatten. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Rachmittag. 17: Rachmittagskonzert. 18.25: „Aus der Geschichte der Wahlpropaganda", Vortrag von Grete de Franeesco. 18.50: „Der deutsche Obst- und Gemüsebau. — Möglichkeiten zu einer Qualitäts» und Absatzsteigerung", Vortrag von Gartenbaudirektor Lange. 19.30: Dichter, die wir kennen sollten. Eine Folge von Gesprächen von Georg von der Vring: Martin Katte. 20: Karlsruhe: Johann Strauß dirigiert. 22.20: „Was können wir von Los Angeles lernen?“ Vortrag von Dr. Heinz Herten. Wettervoraussage Das westliche Störungssystem schreitet ostwärts vor und wird weiter die Witterung beeinflussen. Dabei fließt unserem Gebiet jetzt kühlere ozeanische Luft zu, welche vorerst noch Schauertätigkeit und Temperaturrückgang verursacht. Aussichten für Dienstag: Wechselndes wolkiges, aber auch aufklarendes Wetter, dabei noch Schauer und Abkühlung, um West drehende Winde. Aussichten für Mittwoch: Etwas beftän- diger, aber noch wechselnd wolkig und einzelne Schauer möglich. Millionen Menschen in 40 bändern der Welt trinken Kaffee Hag. — Buch Sie? Auf der Deutschen Luftsporl» Ausstellung-Berlin zeigt Continental sämtliche Reifenarten, ferner Zubehörteile für Flugzeuge. Alle in bester Ausführung 1 Kinder-Mantel 1882-1932 Außergewöhnliche Leistungen erwarten Sie! Studium der Ware Grete Walli 7003 a Geschäfts-Eröffnung! Gießen (Molikestraße 26), den s. Oktober 1932 05873 Um gefälligen Zuspruch bittet 05872 Hans Seewald, Teuielslii^ärldien 22 05878 | Stellenangebote| BUDERUS Familie Karl Schreiner. Wieseck. den 10. Oktober 1932. 7144 D Statt Karten! 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Tagesordnung: Wintervrogramm. Erscheinen dringend 714-v TcrVorstand. Existenz Generalvertreter alsdort.Bezirks!. ges.,H.Verd. -Ort u. Ber. gl. (kost!. Slnltfl.) Kahmann & Bittner, Hilden 7149D Rhld. 449. Jarmila Ilooofna B Domgncrf- KFassbaender I v. d. Staatsoper Berlin Dienstag, den 11. Oktober 1932, nachmittags 2 Uhr, sollen im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, b;w. an Ort und Stelle ^Bekanntgabe erfolgt im Versteigerung»- lokal) zwangsweise gegen Barzahlung ver- Llebe ist ein Feuer Lustspiel — und Neue Ufa-Ton-Woche Danksagung. Für die wohltuenden Beweise liebevoller Teilnahme, die uns heim Heimgange unseres lieben Entschlafenen zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. . Wilh. Finke. Kinzenbach, den 10. Oktober 1932. osst» Danksagung. Für die überaus große Teilnahme beim Hin scheiden unsrer lieben, teuren Entschlafenen, für die Kranz- und Blumenspenden sowie für die sehr trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Sattler in der Klinik und am Grabe sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. Todes-Anzeige. Vorgestern früh 8 Uhr erlöste ein sanfter Tod meine liebe Frau, unsere treue Mutter. Schwiegermutter, Großmutter und Tante Margarethe Oehler, geb. Wissner von ihrem schweren Leiden im Alter von 74 Jahren. In tiefer Trauer - Konrad Oehler und Kinder. Gießen (Neustadt 8), den 10. Oktober 1932. Die Beerdigung findet in aller Stille statt. An- u. Verkauf. Beleihung von Wertpapieren Annahme v. Spareinlagen gegen Sparbuch. 66*3 D Auf meine an sich schon niedrig gehaltenen Preise gewähre ich einen Extra-Jubiläums-Rabatt von 20 Prozent auf alle Waren I MMMMMWlW KIMIUMMWW ein- oder mehrmals wöchentlich. — Anmeldungen bei ,>rau Sanitätsrat Dr. Schliephake, Goethestr. 44, Televh. 3470. 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Schottsir.1I I. Danksagung. Allen, die uns während des langen Leidens und bei dem Heimgang unseres teuren Entschlafenen helfend und tröstend zur Seite standen und ihm ein ehrenvolles Grabgeleite gaben, danken wir auf diesem Wege herzlichst. 7136 d Für die Hinterbliebenen: Kath. Koch Ww., geb. Schmandt. Hausen bei Gießen und Worms, 10. Oktober 1932. Fapon Walli aus reinwollenen Stoffen,1/, ge- Q QE füttert,m.Pelzkr.,abGr.6O, netto OefcV Verein Rudersport Gießen 1913 undAkad.Ruder- abteilung e.V. Dienstag, 11. Cft, 8.30 Uhr abends: I.SWIlllWkM. 7i4sD Der Borstand. I Lichtspielhaus Gießen Heute Montag Premiere: des ersten deutschen Opern-Tonfilms: Fapon Grete aus reinwoll. Stoffen, */, gefüt- AK TFE tert, m. Pelzkr.,ab Gr.6O, netto IU Jeder muß zum Jubiläums-Verkauf ZU J. Pfeffer• Marktplatz 6 Tapeten in allen Preislagen, von 20 Pf. an. Obermann & Co. O.m.b.H. Sonnenstr.15.s72U) Nachhilfeunterricht in all. Fächern und Stuf.ert.gut u.bill. erf. Mehrer Dr. phil. 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