Pnirf v„r> Verlag: vrühl'sche Unlver^tttts Vvch. und Steintniderd L Lange tn sieben. Schriftleitung unö Geschäftsstelle: Schulstraste 7. Ullnahme von anjeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für R— klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorschrist 20 • „ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton vr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Erschein» täglich, autzer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familien blätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zemsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: firanffurl afft Main 11686. ITr. 213 Kvüftausgabe 182.Jahrgang Samstag, H.September 1952 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Hindenburg empfängt am Dienstag die Parteiführer Zentrum und Nationalsozialisten werden dem Reichspräsidenten die Auffassung der Reichstagsmehrheit vortragen. Das Programm der kommenden Woche. Vor Donnerstag keine Entscheidung. Berlin, 9. Sept. (TU. Junffpr.) Der Reichspräsident hat den Reichslagspräsidenlen Göring wissen lassen, daß er bereit ist, Dienstag um 12 Uhr zwei Vertreter der NSDAP., zweivertreterdesZentrums und einen Vertreterder Bayrischen Volkspartei in Gegenwart des Reichskanzlers zu empfangen, um ihre Auffassung zur politischen Lage ent- gegenzunehmen. — wie der parlamenlsdienst der Telegraphen-Union hierzu erfahrt, rechnet man im Reichstag damit, daß unter diesen Umständen die Aussprache über die Regierungserklärung voraussichtlich am TNitlwoch- nachmittag beginnen können wird. An dem Zeitpunkt der Regierungserklärung, der bekanntlich für Montag, 15 Uhr, festgesetzt ist, hat sich nichts geändert. Zuversicht im Lager der Parteien. Die Besprechungen gehen weiter. L e r l i n, 9. Sept. (VDZ.) Am Freitagabend sand im Reichstag eine Besprechung zwischen Abgeordneten des Zentrums, der Bayerischen Dolkspartei und der Aationalsozialisten statt, in der zu dem Ausgang des Empfangs beim Reichspräsidenten Stellung genommen wurde. Die wirtschaftlichen Verhandlungen zwischen den drei Parteien werden in den nächsten Tagen fortgesetzt. 3n Kreisen der beteiligten Parteien sieht inan der weiteren Entwicklung mit Zuversicht entgegen. Man glaubt, daß die Aussprache beim Reichspräsidenten doch nicht vergeblich gewesen sei. In Kreisen der genannten Parteien wird vielfach auf eine Stelle in der „DAZ." hingewiesen, die heute früh davor warnte, die Unruhe einer Reichstagsauflösung und von Reuwahlen heraufzubeschwören, bevor alle Möglichkeiten erschöpft sind. Diese Stimme wird als ein Ausfluß von Strömungen auf- gefaßt, die neuerdings in einem Teil der Wirtschaft zu finden sein sollen, und deren Grund man vor allem mit in der Befürchtung sicht, daß der kommende Wahlkampf den sozialpolitischen Konflikt scharf in den Vordergrund rücken wird und damit einen stark antikapitalistischen Charakter bekommen würde. Wieweit diese Auffassungen richtig sind, läßt sich in diesem Augenblick um so schwerer beurteilen, als vieles, was gesprochen und gesagt wird, taktischen Motiven entspringt. Die deutschnationale Auffassung. DicErklärungcn dec-Vizepräsidentenitzracf. Berlin, 9.'Sept. (VDZ.) Die deutschnationale Pressestelle gibt mit Rücksicht auf die verschiedenen Veröffentlichungen über den Besuch des Reichstags- Präsidiums beim Reichspräsidenten den Bericht bekannt, den der deutschnationale Vizepräsident Graes in der Sitzung der deutschnationalen Reichstagssraktion darüber erstattete. Danach hielt nach der Vorstellung der nationalsozialistische Reichstagspräsident Göring eine Ansprache, in der er betonte, daß im Reichstag eine arbeitsfähige parlamentarische Mehrheit sei, daß der Reichstag sich nicht ausschalten lassen wolle und daß er als Reichstagspräsident sich gegen die Gerüchte, daß der Reichspräsident diese Ausschaltung beabsichtige, zur Wehr setzen müsse. Er habe den einstimmigen Auftrag des Reichstags, dies zum Ausdruck zu bringen. Der deutschnationale Vizepräsident Graes widersprach diesen Aeußerungen auf das schärfste. Er führte aus, daß das Reichstagspräsidium nicht befugt sei, dem Staatsoberhaupt politische Vor- schlage zu machen oder gar Ratschläge zu erteilen. Das Präsidium sei keine politische Körperschaft und durchaus in seiner Meinungsbildung absolut nicht einheillich. Graes betonte, daß d i e Einsetzung eines wirklich von den Parteien unabhängiges Kabinetts ein Fortschritt sei, demgegenüber der Rückfall in den Parlamentarismus und in das Koalitionsspiel, wie es die Nationalsozialisten und das Zentrum erstrebten einen absoluten Rückschritt bedeuten würde. Hierüber sei sich der größte Teil des Volkes einschließlich weiter Kreise der Nationalsozialisten einig. Die Rücksicht auf die Stetigkeit der politischen Entwicklung und auf die Autorität des Staatsoberhauptes verbiete es, einen Kurswechsel in der Regierungsführung vorzunehmen, selbst für diejenigen, die nicht mit allen Maßnahmen des Kabinetts o. Papen im Reich und in Preußen einverstanden sind. Protest der rheinischen Landwirtschaft. Köln, 9. Sept. (TLI.) Der Hauptvorstand der Vereinigung des Rheinischen Bau- ernvereins und des Rheinischen Landbundes hat zum Wirtschaftsplan der Reichsregierung eine Entschließung angenommen, in der betont wird, daß die Rettung von Wirtschaft und Ratton nur möglich sei durch die Wieder- herstellung der landwirtschaftlichen Rentabilität. Mit Bedauern habe die rheinische Landwirtschaft feststellen müssen, daß in der Verordnung vom 4. September wirkungsvolle Maßnahmen zur Rettung der Landwirtschaft, insbesondere der Deredelungswirtschaft, durch LI m st e l l u n g der Handelspolitik auf das Kontingentsystem sowie durchgreifende Maßnahmen zur wirkungsvollen Zins- und Lastensenkung nicht enthalten feien. Ferner fehlten die Maßnahmen zur Umlage- rung der Konsumbelastung vom heimischen auf das ausländische Produkt, so in erster Linie die Ermäßigung der Zuckersteuer und der LI msatz steuer für die Erzeugnisse der bäuerlichen Wirtschaft sowie der Fortfall der Schlachtsteuer. Professor Cassel untersucht das Papen-Programm. Stockholm, 9. Sept. (TU.) Der weltbekannte Ichwedifche-Nationalökonom, Prof. Gustaf Cassel, stellt im „Soenska Dagbladet" eine eingehende Untersuchung über das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung an. In der Einleitung schreibt er u. a.: „Natürlich kann man sich Einzelheiten gegenüber im Zweifel fühlen und das ganze mutet als ein gewagter Eingriff in den normalen Gang des Wirtschaftslebens an. Doch die Lage in Deutschland ist alles andere als normal. In einem Lande, das mehr als 5 Millionen Arbeitslose hat, ist man eben zu regelrechten Kraftmaßnahmen gezwungen, um aus dem Sumpf herauszukommen. Es gibt keinerlei Ersah- rungen, wie man eine solche Lage behandeln soll. Man muß daher etwas wagen, wenn es einen Sanierungsplan gibt. Das jetzt vorgelegte Regie- rungsprogramm unterscheidet s i ch jedoch wesentlich von der unübersehbaren Masse vollkommen hoffnungsloser Konstruktionen, die in Deutschland täglich vorgelegt werden mit dem Anspruch, eine Lösung der Wirtschaftsprobleme darzustellen." ' Prof. Cassel geht dann ausführlich auf das System der St euergutscheine ein, sowie auf die Art, wie diese Papiere in Barmittel umgesetzt werden sollen. Es sei eine große Stärke des vorliegenden Programms, daß die Anschaffung der Mittel im voraus stark begrenzt sei. Cassel stellt weiter fest, daß bei der enormen Arbeitslosigkeit in Deutschland und bei dem geringen Beschäftigungsgrad des Apparates die Auswirkung einer kräftigen Produktionserhöhung ungewöhnlich gut fei. Wenn die erwartete Besserung der Weltwirtschaftslage eintrete, so müsse das Papen-Programm ein wirklich wertvolles Mittel sein, um endlich Deutschlands produktive Arbeit wieder in Gang zu bringen. Reichsregierung alles getan werden müßte, um eine Entscheidung im Sinne der politischen und wirtschaftspolitischen Vernunft herbeizuführen." Der sozialdemokratische „Vorwärts" glaubt aus der Haltung der Nationalsozialisten schließen zu sollen, daß um eines Erfolges der Verhandlungen mit dem Zentrum willen die nationalsozialistische Führung auch eine weitere Tolerierung der Regierung Papen auf sich nehmen würde. — Der deutschnationale „L o k a l a n z e i g e r" meint, wenn Nationalsozialisten und Zentrum sich eine Frist für weitere Verhandlungen untereinander und für den Versuch eines neuen Vorstoßes beim Reichs- Präsidenten schaffen sollten, dann würde das zunächst die Vertagung des Reichstags auf vielleicht unbestimmte Zeit, praktisch aber die Duldung des Kabinetts von Papen durch den Reichstag für die Dauer der Vertagung bedeuten. — Die „D A Z." meint dagegen, in offiziellen Kreisen herrsche genau, wie in den letzten Tagen absolut die Meinung vor, daß nur noch di e Reichstagsauflösung übrig bleibe. Neue Besprechungen mit der NSDAP, seien durch die Münchner Hitlerredc unmöglich geworden. — Die „Berliner Börsenzeitun/' führt das Ge- rücht, wonach im Falle einer längeren Reichstags- Vertagung sehr bald mit einem dem Wunsche der Nationalsozialisten entsprechenden Kanzlerwech. s e l zu rechnen sei, auf den Wunsch des Zentrums zurück, die Nationalsozialisten für eine Vertagung und somit für weitere Verhandlung zu zwingen. Das Gerücht entbehre jedoch jeglicher Grundlage. Oie Entlassungen bei der Reichsbahn. Aussprache beim Rcichsverkehrsminister. Berlin, 9. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der Reichsverkehrsminister empfing heute die Vertreter der Eisenbahnergewerkschaften, um mit ihnen, ihren Wünschen entsprechend, die Frage der Entlassung von Eisenbahnbeamte n zu besprechen. Der Minister erklärte, daß er die Rotwendigkeit der Entlassungen sehr bedauere, und daß er über Wege zur Milderung mit der Deutschen Reichsbahngesellschaft bereits seit längerer Zeit verhandele. Der Beschluß, Arbeiter zu entlassen, sei von der Reichsbahn angesichts der Finanzlage schon anfangs des Sommers, also erhebliche Zeit vor der Entstehung des Wirtschaftsprogramms, gefaßt worden. Die Reichsbahn werde nunmehr durch die ihr aus den Steuergutscheinen zufliehenden Mittel in den Stand gesetzt, zurückgestellte Arbeiten wieder aus- zunehmen, sie würde dabei auch Oberbauarbeiten a u ssühren lassen, bei denen ein nicht unerheblicher Teil der zur Entlassung vorgesehenen Leute über den 1. Oktober hinaus beschäftigt werden könnten. Die Beratungen seien noch nicht abgeschlossen und würden fortgesetzt. — Die Gewerkschaften vertraten die Auffassung, daß durch anderweitige Regelung der Arbeitszeit im Betrieb insbesondere durch die Einlegung von Feierschichten die Entlassungen weiter eingeschränkt werden könnten. Der Reichsverkehrsminister sagte zu, diese Frage im Benehmen mit der Deutschen Reichsbahngesellschaft sofort zu prüfen. Oie Landkreisreform vor dem Staatsrat. Berlin, 9. Sept. (WTB.) Das Plenum des -3 t a a t s r a t € s verhandelte heute über die Verordnung über die Vereinheitlichung der Landkreise. Der Staatsrat erhob einstimmig mit Ausnahme der Kommunistischen Partei die Auf- fassung zum Beschluß, daß eine Neugliederung der Landkreise durch Zusammenlegung und Aufteilung zweckmäßig war, um Ersparnisse zu erzielen. Er halt es anderseits für erforderlich, daß eine schleunige Nachprüfung der Verordnung dahin erfolgen müsse, inwieweit die vorgebrachten Beschwerden der verschiedenen Bevölkerungskreise berechtigt seien, und ob und inwieweit ihnen abgeholfen werden könne. Der Vertreter der Staatsregierung erklärte, daß die durch Zusammenlegung und Neuglie- derung erzielten Ersparnisse nicht so unerheb- lich seien, wie sie vielfach hingestellt werden. Allein bei der staatlichen landrätlichen Verwaltung, deren Kosten im ganzen 18 Millionen Mark betrugen, werde der Betrag von 1 Million Mark ge- spart. Der Schwerpunkt der Ersparnisse liege jedoch bei der Kreiskommunalverwaltung. Hier betrügen die Ersparnisse sicher e i n Vielfaches der Summe, die bei der staatlichen landrätlichen Verwaltung erspart werde, also viele Millionen. Die Regierung sei durchaus bereit, besondere Härten, die sich aus der Grenzziehung im einzelnen ergeben, im Rahmen der durch die Reform erstrebten Ziele auszugleichen. Oer Fall Oaubmann. Taubmann will nach Constantine. Freiburg. 9. Sept. (ERB.) Die .Freiburger Tagespost" bespricht im Anschluß an die Veröffentlichung der französischen Rote in einem Kommentar nochmals eingehend den Fall Daubmann und wiederholt die Versicherung Daubmanns, daß er nicht eher ruhen werde bis die Wahrheit seiner Angaben behördlicherseits allgemein anerkannt ist. Das Blatt bringt eine Aeußerung Daubmanns, die besagt, daß Daubmann in Constantine nie feinen Rainen gehört habe, sondern nur unter einer Rümmer gesuhlt worden kann eine Aeichsiagsanslösnns vermieden werden? Don unserer Berliner Redaktton. S. Berlin, 9. Sept. Die Llnterhaltung der Herren vom neuen Reichstagspräsidium hat zwar nur 20 Minuten gedauert. Aber trotzdem es zu einem etwas peinlichen Zwischenspiel kam, weil die Meinungsverschiedenheiten im Präsidium vor dem Staatsoberhaupt in Erscheinung traten, hat sich Herr Göring mit seiner politischen Absicht doch bis zu einem gewissen Grade durchsetzen können. Zu dem, was er sagen wollte und worin er bei Herrn Esser und Herrn Rauch Llnterstützung fand, brauchte es ja nicht vieler Worte. Es handelte sich für chn um die Feststellung an entscheidender Stelle, daß nach seiner Meinung eine Zusammenarbeit zwischen Reichspräsident und Reichstag mit einer arbeitsfähigen Mehrheit gegeben sei. Es handelte sich für ihn auch noch darum, den Reichspräsidenten vor der Entscheidung zu einem Empfang der Parteiführer zu bewegen. \ Wie weit die Meinung des Herrn Göring in den Tatsachen begründet ist, darüber sind die Auffassungen trotz der inzwischen erfolgten parteiamtlichen Kundgebungen geteilt. Aber der Reichspräsident scheint nach wie vor alle verfassungsmäßigen Möglichkeiten ausschöpfen zu wollen. Es ist offenkundig allen Beteiligten nicht ganz wohl bei dem Gedanken, daß das deutsche Volk zum fünften Male in diesemZahr zum Wahlkampf aufgerufen werden soll. Riemand hat die Sicherheit, daß er in dieser erneuten Feuerprobe etwas gewinnen könnte. Zeder muh mit der Möglichkeit rechnen, daß seine politische Situation in den Wahlen unter Rätselraten der presse. Berlin. 9. Sept. (TLI.) Zn den Berliner Blättern kommt zum Ausdruck, daß sich trotz der gestrigen gemeinsamen Mitteilung der Rational- sozialisten und des Zentrums sowie der Ausfüh. rungen des Abgeordneten Zoos nach dem Empfang des Reichstagspräsidiums beim Reichspräsidenten an der bisherigen Lage nichts geändert habe. Der nationalsozialistische „Angriff" verwahrt sich gegen die Llnterstellung, daß die RSDAP. heute vielleicht nicht mehr abgeneigt sei, das anzunehmen, was sie am 13. August ausgeschlagen habe. Eine „Aotlö- s u n g" , die die Auflösung des Reichstages vermeiden könnte, wäre für die RSDAP. nur infotoeit tragbar, als ihr dabei das gegeben werde, was ihr auf Grund der Verfassung zukomme und was das Volk mit Recht fordern könne. Daß in dieser Richtung noch aussichtsreiche Verhandlungen von der Gegenseite an- gebahnt werden könnten, würde eine gewisse Verlangsamung der Abwicklung der Verhandlungen im Reichstag ermöglichen. Die Rationalsozialistische Parteikorrespondenz schreibt u. a.: Der Besuch des Reichstagspräsidiums beim Reichspräsidenten habe die Auffassung der RSDAP. über die innerpolitische Lage nicht nur bestätigt, sondern noch unterstrichen. Zwar habe die Vorstellung im Reichspräsidentenpalais keinerlei unmittelbar entscheid end e Ereig . nisse gebracht, aber die Begleitumstände, unter denen dieser Besuch erfolgte, und wie er sich abspielte, dürfte den nicht gerade erhebenden Eindruck, den die RSDAP. von den unmög- lichen Regierungsmethoden des derzeitigen Präsidialkabinetts habe, auch solchen weiteren Kreisen des deutschen Volkes zum Llmständen entscheidend geschwächt wird- Lind nicht zuletzt sind es die sachlichen Rotwendigkeiten der praktischen Politik und Wirtschaft, die unter der LInruhe und Rervosität eines Wahlkampfes zu leiden hätten. Die Rede des Abgeordneten Zoos, in der die Auffassungen des Zentrums in dieser politischen Krise erstmals ausführlich Umrissen wurden, ist in der Hauptsache von sachlichen Argumenten getragen. Aber erst wenn dem Reichspräsidenten die Lieberzeugung beigebracht werden kann, daß er wirklich einer parlamentarischen Mehrheit gegenübersteht, die den Anspruch erheben kann, eine Arbeitsgemeinschaft von innerer Wahrhaftigkeit zu sein, eine Arbeitsgemeinschaft auch, die die Handlungsfreiheit der Regierung nicht im einzelnen einengen will, erst dann könnte der Reichspräsident die LI m b i I - düng der Regierung in dem Sinne erwägen, daß sie einer neuen Zusammensetzung in gleicher Weise fein Vertrauen wie dasjenige einer parlamentarifchen Mehrheit genießt. Auf dieses Ziel arbeitet das Zentrum hin: eine neue Präsidial-Regierung, die auch getragen wäre von einer parlamentarischen Mehrheit und darum auch von dem Vertrauen einer Volksmehrheit. Daß eine solche Lösung der Fortdauer der politischen LInruhe und der Auspeitschung der politischen Leidenschaften in einen neuen Wahlkampf vorzuziehen wäre, darin sind sich alle verantwortungsbewußten politischen Kreise einig. Der Reichspräsident wird, wenn er die Führer der Parteien empfängt, sie auf Herz und Vieren prüfen, ob sie ihm eine ernsthafte Arbeitsgemeinschaft anbieten können. Bewußtsein gebracht haben, die bisher weniger klar hinter die in der Oefsentlichkeit zur Schau getragene Fassade dieses „Systems von Vorgestern" gesehen hätten. Die traurige Rolle, die der deutschnationale Vizepräsident Graes gespielt habe, sei vom Reichstagspräsidenten selbst und seinen übrigen Stellvertretern hinreichend gekennzeichnet worden, als die Anmaßun g einer bedeutungslosen Splittergruppe, deren einziger höchst zweifelhafter Vorzug es sei, allein hinter der vom gesamten Volke abgelehnten Regierung von Papen zu stehen. Welche . .tscheidung auch der Reichspräsident treffen toeiue, die RSDAP. habe in den letzten Tagen keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie jederzeit entschlossen fei, mit dem Volke inu> für das Volk zu k am b f en. Riemand solle ftq) einer Täuschung darüber hingeben, wie dieser Kampf ausgehe. Zn der „Germania" wird u. a. geschrieben: Wenn die politische Entwicklung in der Dahn fortschreiten sollte, wie sie durch die Haltung der Reichsregierung gekennzeichnet sei, dann werde es kaum zu verhindern sein, daß sie mit einer Auflösung des Reichstags .und mit einem neuen Wahlkampf enden werde. Es hänge alles an einem überaus dünnen Faden, der im Augenblick vielleicht mehr zum Reißen als zum Halten bestimmt zu fein scheine. „Wir haben vor den Gefahren", so schreibt die „Germania", „die eine Entladung des großen Konfliktes dem deutschen Volke po- littsch und wirtschaftlich zu bringen verspricht, unausgesetzt gewarnt und können diese War- nungen auch in dieser Stunde nur mit vermehrtem Rachdruck wiederholen. Der Einsatz ist zu groß, als daß nicht auch von feiten der fet Vielleicht erkläre es sich Daraus, daß die französischen Behörden in den Archiven den Damen Dcrubmann nicht finden könnten. Daubmann soll übrigens verlangt haben, daß man ihn unter deutschem oder neutralem Schutz und freiem Geleit nach Constantine reisen lasse. Er könne dann genau zeigen, wo er sich während der 16 Jahre aufgehalten habe. Schwere Keffelexplosion in Tleuyork. Bisher 38 ?ote, etwa 100 Verletzte. Reuyork, 9. Sept. (IDIB.) Bei einer Kessel- explosion auf einem Arbeilsboot auf dem Last- River in der Reuyork - Stadl wurden etwa 2 0 Personen gelötet 60 Personen sind noch vermißt 100 wurden verletzt Auf dem Unglücks- boot befanden sich im Augenblick der Katastrophe etwa 2 0 0 Arbeiter. Sofort nach der Explosion — die Detonation war weithin hörbar — eilten Polizeiboote und andere Fahrzeuge, insbesondere Rettungsboote, zur Anglücksstelle. 3m Laufe von zwei Stunden gelang es, 3 7 Leichen z u bergen, 50 Personen werden noch vermißt. Aast alle geretteten Fahrgäste der „Observation" haben Verletzungen baoongetragen. Das Fährboot ist durch die Explosion, die sich in der Rühe der vier Piers ereignete, in Stücke gerissen. Das verunglückte Schiff ist der Dampfer „O b s e r v a t l o n“, der von der Stadtverwaltung zur Beförderung von Arbeitern von und nach Rikers Island am East-River, wo zur Zeit die städtische Strafanstalt gebaut wird, gecharlet war. Augenzeugen, die vom Afer des Stadtteiles Bronx und von Rikers 3sland aus die Katastrophe beobachteten, erklärten, daß sie plötzlich aus der „Observation" eine Rauchwolke aufschießen sahen. Als der Rauch sich verzogen halte, war das Schiff verschwunden, und man sah die im Wasser um ihr Leben kämpfenden 2Ten- schen. Die Ursache der Katastrophe ist bis zur Stunde ungeklärt. Bei dem Bau der städtischen Strafanstalt auf Rikers 3sland wurden etwa 700 Arbeiter beschäftigt * Die folgenschwere Explosion ereignete sich fast an derselben Stelle, an der vor 28 Jahren der Dampfer „General S l o c u m" brennend unterging. Die Berichte der UeberlebendeN geben ein grauenhaftes Bild. Zahlreiche Arbeiter wurden hoch i n d i e L u f t geschleudert und stürzten in die Tiefe mitten hinein in Schiffstrümmer und um ihr Leben kämpfende Menschen. Ueberdies hatte sich das siedende Wasser des Kessels in den Strom ergossen, so daß die Schwimmenden schwere Verbrühungen erlitten. Einer, der aus dem Wasser auftauchte, wurde von einem herabfallenden Mann getroffen und versank ein zweites Mal. Ein Augenzeuge will gesehen haben, daß der Kessel des Fährbootes wie eine Rakete in die Luft schoß. Ein Mann wurde in einem hohen Bogen weit über den Fluß geschleudert und in das Fenster einer Kraftstation, die etwa 50 Meter vom Ufer entfernt ist, hineingeworfen. Die Zahl der bei der Katastrophe auf dem Fährboot „ObferDation" im Neuyorker Hasen ums Leben Gekommenen hat sich, einer späteren Meldung zufolge auf 38 erhöht. — Einige der Ueberlebenben sind der Ansicht, daß die Katastrophe nicht durch eine Kesselexplosion, sondern durch eine andere Explosion mittschiffs verursacht worden ist. Die Wirkung der Explosion war so stark, so berichten Augenzeugen, daß mehrere Menschen über 100 Meter weit auf die Dächer der benachbarten Gebäude geschleudert wurden, wo man sie später tot auffand. Aus öfter Welt. Feuersbrunst in einer Papierfabrik. 3n 'Malmedh brach 4n der Papierfabrik Steinbach eine gewaltige Feuersbrunst aus, die mehrere Lager bis auf die Grundmauern zer- Orgie der Einfalt. Von Georg Miihlen-Schulte. Im Bureau des Wohlfahrtsamts. Am Tisch des Beamten steht ein Mann in fadenscheiniger Kleidung-, er ist hager, hat abstehende Ohren und weiße Haare, von denen ihm einige Strähnen tief in die niedrige Stirn fallen. Niemand wird diesen Menschen verdächtigen, eine geistige Leuchte von besonderer Brennkraft zu sein. Höchstens konnte man auf den Vergleich mit einem Nachtlicht kommen. Auf einer Bank im Hintergrund sitzt ein zweiter Klient. Er ist klein, hat rotes Haar und dunkle, etwas verkniffene Pupillen. Dieser Mann ist zwei- sellos gewitzt und hat eine schnelle Auffassung. Wenn es eine Seelenwanderung gibt, dann könnte man annehmen, daß seine Psyche früher im Körper eines Fuchses beheimatet war. Er verfolgt aufmerksam die Verhandlungen zwischen seinem Vordermann und dem Sekretär. Ab und zu läßt er ein diskretes Kichern hören. Dies ist das Zwiegespräch zwischen dem Allen und dem Beamten: „Ich komme wegen Zähne." „Wegen Zähne?" „Ja. Die Sache ist so: Meine Schwester ist Schneiderin. Sie näht auf einem Gut in der Uckermark, und in der Zwischenzeit muß ich hier die Blumen begießen. Die Blumen stehen draußen auf einem Brett vor dem Fenster. Es sind Pelargonien. Lauter Pelargonien. Bloß eine Pflanze ist darunter, die kenne ich nicht. Sie blüht gelb und riecht wie Pfeffer. Ich bin unschuldig daran, Herr Amtsvorstand, denn ich habe die Blumen nicht gepflanzt. Ich habe immer zu meiner Schwester gesagt: Hertha, wenn du Samen kaufen willst, dann geh' zu einem Gärtner; aber sie hört ja nicht. Wissen Sie, wo sie den Samen her hat?" „Nein. Ist mir auch ganz gleichgültig. Mich interessiert nur, wie Sie Ihre Bitte um ein neues Gebiß begründen." „Aus 'm Milchgeschäft hat sie den Samen. Lächerlich, was?" „Ich sage Ihnen doch, daß mir das ganz egal ist. Wieso brauchen Sie ein neues Gebiß?" „Darauf komme ich ja jetzt, Herr Amtsvorstand. Also unter den Pelargonien war eine Blume, die roch nach Pfeffer. Ich kam ihr bloß mal so ganz flüchtig mit der Nase zu nahe, — sofort mußte ich niesen. Können Sie sich das vorstellen?" „Natürlich. Aber sprechen Sie doch endlich von dem Gebiß. Was ist damit?" „Mit dem Gebiß? Na also, das ist mir rausgeflogen beim Niesen. Es ist auf die Straße gefallen. Im selben Augenblick kommt ein Lieferauto vorbei störte. Der Brand brach vormittags in einem 100 Meter langen Lagerraum der Fabrik aus und dehnte sich so rasch aus, daß in etwa zehn Minuten der Lagerraum vollständig vernichtet war. Das Feuer griff weiter auf acht bis neun Lagerräume über, die gleichfalls ein Raub der Flammen wurden, darunter auch ein zweistöckiges Gebäude, in dem sich m o - dernste Papierverarbeitungsmaschinen befanden. Außerdem sind ungeheuere Mengen Rohstoffe und Fertigwaren dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Schaden soll in die Millionen gehen. Lediglich der Eupener Wehr, die trotz 40 Kilometer Entfernung zuerst am Brandherd eintraf, ist es zu verdanken, daß das Feuer sich nicht weiter ausdehnen konnte. Die Papierfabrik Steinbach ist nicht allein die größte Papierfabrik Belgiens, sondern auch eine der bedeutendsten des europäischen Festlandes. Man nimmt an, daß das Feuer i n - folge Selb st entzünd un g entstanden ist. Raubüberfall auf einen Geldbriefträger. In Düsseldorf wurde in einem Hause in der Königs-Allee auf einen Geldbriefträger ein Raub- üb er sali verübt. Der Täter hatte sichindasHaus eingeschlichen, schlug den Geldbriefträger beim Eintreten nieder und beraubte ihn seines Geldes. Der UeberfaUene erlitt schwere Verletzungen am Kopf. Der Töter konnte noch nicht festgenom- men werden. keit die volle Verantwortung für seinen Bezirk trägt. Cs handelt sich hier nicht darum, daß das Laienelement zugunsten des Derwaltungs- beamten von der Mitwirkung an der Verwaltung ausgeschaltet werden soll, sondern um eine stärkere Hervorhebung der persönlichen Verantwortung. Soll dieser Wurf, den die preußische Staatsregierung mit der Derwaltungsreform gewagt hat, gelingen, ist allerdings eine unbedingte Voraussetzung. Als Landräte, Regierungs- und Oberpräsidenten müssen Männer dem Staat dienen, die umfassende Sachkenntnis besitzen, sich lediglich als Diener des Staats fühlen und ihre persönlichen, weltanschaulichen und politischen Auffassungen dem Staatsinteresse unterordnen. Solche Männer stehen heute bereits in großer Zahl an leitenden Posten im preußischen Staat. Viele Beamte, die solche Voraussetzungen erfüllen, sind auch in den letzten Jahren auf „Rebengleise" abgeschobrn worden. Reben dem Beamten, der für seine dienstliche Laufbahn die abgeschlossene Hochschulbildung mitbringt, wird es Aufgabe der Staatsregierung sein, auch Kräfte für leitende Stellungen nutzbar zu machen, welche ihre Laufbahn in der sogenannten mittleren Karriere begonnen haben. Besondere Verantwortung trägt in unruhigen Zeiten, wie wir sie jetzt erleben, der Beamte der Polizei in allen Zweigen. An.leitenden Stellen der Polizeiverwaltung, insbesondere auch in der Zentralinstanz, wird in erster Linie der geschulte Verwaltungsbeamte stehen müssen. Oberster Grundsatz für die gesamte Beamten- politif — wenn ich dieses ominöse Wort einmal gebrauchen soll — muß sein, dieFähigkeil entscheidet, nicht das Parteibuch. 3d) verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, daß auch die parlamentarischen Minister der letzten 14 3ahre manche Posten in ihrer Verwaltung gern mit anderen Persönlichkeiten beseht hätten, wenn sie nicht unterdemDruckderPar- leien der jeweils regierenden Koalitionen allzuoft hätten nachgeben und von den Parteiführern präsentierte Personen in Beamtenstellungen hätten unterbringen müssen. _ Heber die Besetzung von Staatsämtern wird künftig allein von den zuständigenMi- nistern und nicht mehr in den Wandelgängen und Restaurationsräumen der Parlamente entschieden. Die Ressortminister tragen auch für diese wie für alle ihre Maßnahmen die Verantwortung. Sie fann ihnen von niemanden abgenommen werden. Darum müssen sie auch Herr ihrer Entschlüsse sein. Die politische Zurückhaltung des Beamten ist eine Taktfrage. Von ihm wird nicht eineHaltung erwartet, die auch aus der Sorge vor Maßregelung jegliches Bekenntnis zu einer politischen oder weltanschaulichen Richtung vermeidet. Eine ehrliche politische Heberzeugung soll einem Beamten niemals zum Vorwurf gemacht werden, wenn er im Dienst seine Pflicht erfüllt und sachlich und überparteilich seines Amtes walte t. Das deutsche Volk muh sich darauf verlassen können, daß sich jeder Beamte, an welcher Stelle er auch steht, im Sinne der Verfassung, die er beschworen hat, als Diener des Staatsganzen und nicht einer Partei fühlt. Die Reformen bedeuten einen Anfang und gleichzeitig die Voraussetzung für die weiteren Maßnahmen. Der nächste weitere Schritt wird in der Vereinfachung der preußischen Zentralinstanz liegen. Wenn es gelingt, die Zusammenarbeit von Reich und Preußen zu erhalten und weiter auszubauen, kann gerade in den Berliner Ressorts vielDop- pelarbeit vermieden werden; vor allem haben wir alle kein Geld für Ausgaben, die nur aus einem Gegeneinanderarbeiten zwischen Preußen und Reich entstehen. Die Vereinfachung in der preußischen Zentralinstanz ist nicht von der Einleitung der Reichsreform abhängig, auch hier können schon jetzt entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Sie werden in Kürze folgen. „Jawohl, Herr Amtsvorstand! Dürfte ich mir vielleicht einen Vorschlag gestatten?" „Schießen Sie los!" „Ich mochte die Angelegenheit nochmal in Ruhe mit meiner Frau besprechen. Ich denke mir, man darf die Sache mit dem Trapez nicht über's Knie brechen. Ich bin ein alter Mann...' „Sie sind ein alter Idiot! Machen Sie, daß Sie rauskommen!" „Jawohl, Herr Amtsoorstand!" Der weißhaarige Mann zieht sich auf Zehnspitzen nach der Tür zurück. Im Vorbeigehen wirft er einen wütenden Blick auf den Rothaarigen. Der Rot- haariae lächelt spöttisch und überlegen. Als sich die Tür hinter dem Alten geschlossen hat, erhebt er sich elastisch und kommt an den Tisch des Beamten herüber. Der Beamte hat ein buntes Tuch aus der Tasche gezogen; er wischt sich Stirn und Genick damit. Halblaut brummt er: „Sowas von Dämlichkeit hat die Welt noch nicht gesehnt" „Sie haben Recht, Herr Amtsvorstand!" pflichtet der Rothaarige bei. „Es war wirklich ein starkes Stück. Dafür werden Sie aber mit mir gar feine Schwierigkeiten haben." „Ra, dann wollen wir mal sehen", meint der Beamte freundlich. „Was wünschen Sie denn?" „Ich mochte höflichst um eine Brille gebeten haben." „Eine Brille. Was sind Sie von Beruf?" f Aushilfsschlittschuhanschnaller auf der- felb-en Bahn wie der alte Mann da eben. Aber Sie brauchen keine Angst zu haben, Herr Amtsoorstand, — ich schnalle die Schlittschuhe mit den Zähnen an; außerdem suche ich mir jetzt eine neue Stellung, — als £rape3fünftler, mit’m Kopp nach unten!" Hier fällt der Sekretär bewußtlos vom Stuhl. Oie Schlange mit -em Glasauge. 3m Londoner Zoologischen Garten, gibt es eine Schlange, die ein Glasauge besitzt. Das ist nicht etwa ein schlechter Witz, sondern eine Tatsache. Die Schlange — es handelt sich um ein besonders schönes Exemplar einer Boa Constrictor aus Madagaskar — erlitt vor einigen Jahren bei der Häutung eine fo schwere Verletzung des einen Auges, daß dieses von einem Tierarzt völlig entfernt werden mußte. Da der Anblick der einäugigen Schlange aber dem Publikum nicht sehr zusagte, entschloß man sich, der Boa ein regelrechtes Glasauge einzusetzen, das fit seitdem unbehindert trägt. Nur bei der alljährlichen Häutung muß das Auge herausgenommen werden, weil die neu entstehende Haut zunächst zu weich tft, um das Auge umschließen zu können. DieVerwaltungsresorminpreußen Or.Bracht erläutert dieMaßnahmen und Absichten derKommissarischenRegierung. Berlin, 9.Sept. (WTB.) Reichskommissar Dr. Bracht sprach heute abend in der Stunde der Reichsregierung über alle deutschen Sender zur Verwaltungsreform in Preußen. Gegenüber dem Einwurf, ob die gegenwärtige Zeit der Not der richtige Zeitpunkt für eine Reform der preußischen Staatsverwaltung sei, erklärte der Reichskommissar: Die Reformen werden gewiß nicht für den Tag geschaffen, sondern auf eine lange, lange Zukunft. Aber das kann ich mit Fug und Recht sagen: Wird der Entschluß nicht gleich gefaßt, dann bleibt es erneut bei den Vorbereitungen, die wieder jahrelang in den Schreibtischen der Ministerien liegenbleiben. Es gehört schon zur geschichtlichen Tradition Preußens, daß große Derwaltungs- reformen nur in Notzeiten durchgeführt wurden. Die Verwaltungsgrundlagen für den preußischen Staat sind unter äußer st enfinan- Stellen Schwierigkeiten geschaffen worden. Friedrich Wilhelm I. war es, der mit rücksichtsloser Strenge jede Korruption bekämpfte und ein Beamtentum schuf, das die „preußischen Beamten" weit über Deutschlands Grenzen hinaus zum Sinnbild für unbestechliche Pflichttreue und Hingabe an den Dienst für das Gemeinwohl werden ließ. Als der Freiherr vom Stein seine Reformen begann, war der größte Teil des preußi- lschen Staatsgebiets vom Feind besetzt, und doch gebührt gerade der Stein-Hardenbergschen Reform, die den gesamten preußischen Verwaltungsaufbau bis in die Gegenwart hinein bestimmt hat, ein wesentlicher Anteil an der Befreiung und dem Wiederaufstieg Preußens. Lines darf ich aber gegenüber den Kritikern der neuen Verwaltungsreform feststellen: Die Sparsamkeit der öffentlichen Hand will zwar jeder, — aber am liebsten dort, wo sie einen selbst nicht trifft. Diesen felbst- oerständlichen Wunsch allen zu erfüllen, ist mir leider nicht möglich, wenn wir mit der Sparsamkeit im preußischen Staat Lrnft nadjen sollen, dann können einzelne Härten nicht vermieden werden. 3ch glaube aber, daß auch diejenigen, die davon betroffen sind, bald einsehen werden, daß nicht Willkür, sondern sachliche Rotwendigkeit unsere Entscheidungen bestimmt haben. Die Erleichterungen, die die Reformen bringen sollen, werden natürlich dem einzelnen gegenüber nicht sofort in Erscheinung treten können. Das, worauf es jetzt ankommt, das ist die Schaffung der Grundlagen für die Vereinfachung des gesamten preußischen Staatsapparats. Die beiden Gebiete der Reform, die bis jetzt durch- geführt worden sind — die Auflösung von 60 Amtsgerichten und 58 Landkreisen, sowie die organisatorische Neuordnung der allgemeinen Landesverwaltung — sind nur ein Teilgebiet der großen Reform an Haupt und Gliedern, die in Reich, Ländern und Gemeinden durchgeführt werden muß. Die Reform der Selbstverwaltung in Verbindung mit einer Reform des Finanzausgleichs und fährt über das Gebiß weg. Es war ein Wagen mit Gurkenfässern darauf. Ich habe mich sofort an den .Reichsverband der Gurkenzüchter' gewandt und Ersatz für das Gebiß gefordert. Sie können sich nicht denken, Herr Amtsvorstand, was das für eine Gesellschaft ist." „Wieso?" „Na, sie haben mir geantwortet, für Gebisse kämen sie nicht auf; sie seien bloß für Gurken zuständig. Wenn mir zum Beispiel die Gurke kaputtgefahren worden wäre, hätten sie mir mit Vergnügen eine andere dafür gegeben. — Das haben mir die Leute geschrieben. Was halten Sie davon, Herr Amtsvor- stand?" „Nichts Besonderes! Wir wollen nun mal sehen, ob wir Ihnen helfen können. Sie wollen ein neues Gebiß haben, nicht wahr?" „Ja, bitte schon!" ,Hm! Was sind Sie von Beruf?" „Schlittschuhanschnaller." „Du meine Güte, konnten Sie sich denn nichts anderes aussuchen?" „Vielleicht, Herr Amtsvorstand! Aber ich habe mir gesagt, als Schlittschuhanschnaller habe ich den größten Teil des Jahres keine Konkurrenz zu fürchten. Sehn Sie mal, angenommen, ich hätte auf Rechtsanwalt studiert, oder ich wäre Fabrikbesitzer geworden ..." „Na, das wollen wir mal beiseite lassen! Sie sind also Schlittschuhanschnaller. Da muß ich Ihnen leider eröffnen, daß das Wohlfahrtsamt kein neues Gebiß für Sie kaufen kann." „Warum denn nicht?" „Weil wir Zahnersatz nur in sogenannten produktiven Fällen gewähren, das heißt bei Leuten, die ihres Gebisses zum Lebenserwerb unter keinen Umständen entraten können. Verstehen Sie das?" „Nein." „Na, sehn Sie mal, zum Schlittschuhanschnallen brauchen Sie doch keine Zähne, nicht wahr?" „So? Und wenn mir jemand eine Mark gibt, und ich will mal darauf beißen, um zu sehen, ob sie echt ist?" „Das gehört nicht hierher." „Oder wenn ich Maren pfeifen will, er soll mir mal 'n Grog bringen?'1 „Was hat denn das mit dem Gebiß zu tun?" „Allerhand, Herr Amtsvorstand! Pfeifen Sie mal, wenn Sie keinen Zahn im Maul haben! Wissen Sie, wie sich das anhört, wenn Sie so was machen? Als ob ein Teekessel pfeift." „Lassen Sie die Anspielungen, und kommen Sie zur Sache! Die Bestimmungen verlangen, daß Sie den Zahnersatz unmittelbar zur Ausübung Ihres Berufs nötig gaben. Und das trifft bei Ihnen nicht bleibt als eine dringende Aufgabe der Gegenwart bestehen. Die Einziehung von Kreisen und Amtsgerichten ist in erster Linie eine Sparmaßnahme. Die Auflösung ganzer Behörden schafft gründliche und bleibende Ersparnisse, denn es hat keinen Ziveck, jetzt in der Rot Abstriche an Einzelausgaben zu machen, die bei der nächsten besten Gelegenheit töieder aufleben. Wir haben dafür gesorgt, daß die in den aufgelösten Aemtern frei- werdenden Beamten und Angestellten so weit als möglich bei anderen Behörden untergebracht werden. Das tonnte trotz dem Bemühen, unmittelbare Ersparnisse zu erzielen, verantwortet werden, da sich die Maß- ncchmen ja nicht nur auf personellem Gebiet auswirken. Eine wesentliche Ersparnis liegt vielmehr im Wegfall der sachlichen Ausgaben selbständiger Behörden, deren Ausgaben auch von der benachbarten Behörde m i t erledigt werden foimen. Der neue Etat wird überall bereits ein Bild von dem Hmfang dieser Ersparnisse geben. Die Reform der allgemeinen Landesverwaltung ist eine unmittelbare Ersparnis von Ausgaben und im Zusammenhang damit eine möglichst weitgehende Dekonzentration in den verwal- tungsaufgaben, d. h. die Erledigung von Linzel- fäUen ohne grundlegende Bedeutung soweit als möglich im örtlich zuständigen Bezirk. Cs ist jetzt möglich, viele Entscheidungen, die bisher nur bei der Dezirksregierung getroffen werden konnten, weil nur dort ein Heberblick über die verschiedenen Staatsbehörden möglich war, an die Kreisbehörde abzugeben. Damit wird eine Instanz gespart und Doppel- arbeit gleich von Anfang an ausgeschaltet. Das Schwergewicht der allgemeinen Landesverwaltung ist auf die Regierungspräsidenten gelegt worden. Der Oberpräsident soll künftig von jeder Detailarbeit der Verwaltung befreit und für seine eigentliche Aufgabe frei gemacht werden, nämlich der Vertrauensmann der Staatsregierung für die ganze Provinz zu fein, der die besonderen Interessen seines Gebiets zu vertreten hat. Zu der Aufhebung der kollegialen Verfassung des Prooinzialschulkollegiums muh ich noch eine Erläuterung geben: Diese Kollegialverfassung beruht auf dem Gedanken, das) eine von mehreren Personen gemeinsam getroffene Entscheidung den verschiedenen Interessen besser gerecht werden könne, als die Entscheidung eines einzelnen Deantten. In Kollegien, die nicht die volle Verantwortung vor dem gesamten Verwaltungsbezirk tragen, werden, wie auch die Praxis gezeigt hat, je nach ihrer Besetzung parteipolitische Gesichtspunkte bei Entscheidungen eher hervor treten, als wenn an der Spitze einer Behörde ein Mann steht, der als Ernzelpersönlich- zu. Sie schnallen doch die Schlittschuhe nicht mit den Zähnen an, nicht wahr?" „Nein." ! „Na, dann können wir Ihnen auch kein neues Gebiß kaufen." „Erlauben Sie mal, Herr Amtsvorstand, wie können Sie denn von mir verlangen, daß ich die Schlittschuhe mit den Zähnen anschnalle?" „Das verlange ich ja gar nicht." „Na ja, nicht so direkt, aber ich merke doch, was gespielt wird. Ich würde ihnen ja auch gern den Gefallen tun und die Schlittschuhe mit den Zähnen anschnallen. Man macht ja, was man kann. Aber, sehn Sie mal, ich bin ein alter Mann, und nun geht das nicht mehr so mit dem Bücken ..." „Aber, lieber Freund, begreifen Sie denn nicht?!" „Ja, natürlich, alles! Aber nun überlegen Sie doch mal: Da sitzt meinetwegen eine Dame, und ich soll ihr die Schlittschuhe anschnallen, und nun komme ich mit meinen Zähnen an. Na, da denkt doch die Frau, 'ich will ihr in die Wade beißen, und schreit: ,Uebersall!'. Stimmt's?" „Mensch, Sie sind ja ein... Ich meine, Sie verstehen immer noch nicht, woraus es ankommt. Passen Sie mal auf, ich will Ihnen mal an einem anderen Beispiel klar machen, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit das Wohlfahrtsamt zur Hilfe bereit ist. Denken Sie sich. Sie wären ein Zahnathlet.. „Ein Zahnathlet?" „Ja. Da hängen Sie also an einem Trapez, mit dem Kopf nach unten, und zwischen den Zähnen haben Sie..." „ ... Augenblick, Herr Amtsvorstand! Augenblick, bitte! Ich halte das nicht aus!" „Was halten Sie nicht aus?" „Mit'm Kopf nach unten an dem Trapez, Herr Amtsvorstand, ich bin doch fein Maikäfer!" „Wer ich nenne Ihnen doch bloß ein Beispiel: Sie hängen mit dem Kopf nach unten an dem Trapez, mit den Zähnen halten Sie ein zweites Trapez..." • „Herr Amtsvorstand, haben Sie doch ein Einsehen! Mir kommt ja das ganze Frühstück hoch. Kann ich denn nicht wenigstens sitzen auf dem Trapez?" »Nein, Sie hängen nach unten!" »Nach unten! Mit dem Kopf nach unten, daß mir der Hausschlüssel aus der Tasche fällt und das Stempelbuch! Herr Amtsvorstand, nehmen Sie Rücksicht! Ich leide doch schon, wenn ich ganz ruhig stehe, immer unter der aufsteigenden Hitze. ,Konrad', sagt meine Frau immer, ,Konrad, du siehst schon wieder aus wie ein Feuermelder!'" „Das ist mir wurscht, verstanden?" Aus der Provinzialhauptstadt iren; ein paar Minuten Der Garten im Saal Die Seitentische, die den Raum umsäumen, neh- haben 400 Rosen rt, Stauden und Topf- die bereits erwähnte Anstellung des Universitäls- Dersuchsgutes und die Ausstellung der Hessischen Hauptstelle für Pflanzenschutz auf. Bor der offnen Buhne, die noch allerlei Sehenswürdigkeiten birgt, der bekannten Spezialfirma Hch. Schultheis aus Steinfurth ihren Platz gefunden. Diese Abteilung, welche auch die neuen Erscheinungen enthält, wird besondere Beachtung finden. Die Hauptaus- fteller der rechten Saalseite sind die Gärtnerei Rud. ~ 1 — größeren Auswahl von Die Ausstellung, die ein Bild vom Stande des Gartenbaues unserer Stadt bieten soll, ist eine Sehenswürdigkeit. die nicht alle Jahre wiederkehrt. Das Eintrittsgeld ist nur gering bemessen. Der Ausstellung sollten recht viele Besucher ihre Aufmerksamkeit schenken. In der Kolonie Schönholz bohren zwei Einbrecher am Tor einer Garage. Ein Passant sieht es, rennt zum nächsten Fernsprecher, alarmiert das Lleberfallkommando. Wir rasen durch Pankow, betäubt vom atemlosen Fansaren-Signal. Dor uns das rote Licht unseres Scheinwerfers. 3eht sind wir auf freier Straße, das Signal verstummt, wir fahren immer schneller, 80-KlIorneter-Ternpo. Schon sehen wir einige 100 Meter vor uns die Einbrecher bei der Arbeit, da kommt und ein Privatkraftwagen entgegen. Wir müssen langsamer fahren, die Diebe entdecken uns und laufen fort. Eine halbe Minute kommen wir zu spät. Alles Suchen ist vergeblich. Schnell zurück. Rückgang der Lebenshaltungskosten. Frankfurt a. M., 8. Sept. Aach den Berechnungen von Dr. Moritz Elsas- Frankfurt a. W. stellen sich die Indexziffern über die Kosten der Lebenshaltung am 1. September 1932 auf 117; sie sind also um 3,2 Punkte gegen den 1. 3uli zurückgegangen. Prozentual beträgt die Senkung 2,7 Prozent. Der Rückgang geht auf die billigeren Kartoffeln und die, wenn auch geringe, Ermähigung des Drotpreises zurück. Die übrigen Gruppen haben sich nicht ober kaum verändert. Die Kaufkraft der Mark, an der Lebenshaltung gemeßen, beträgt zur Zeit 85,5 Dorkriegspfennige. Die Teilind.ces betrugen am 1. September für Rahrung 110, Kleidung 100, Wohnung 120, Heizung und Beleuchtung 118, Verschiedenes 170. In die Augen springend ist der noch immer hohe Teilinder für die Gruppe Verschiedenes. 3n einem Ausblick betont Dr. Elsas, daß die günstigen Kriterien überwiegen. Der Tiefpunkt der Konjunktur könne als bereits überwunden gelten, und eine weitere Besserung dürfe erwartet werden, vorausgesetzt, daß keine innerpolitischen Störungen sie zunichte machten. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 29.7.95. 1. Nein. 2. Nein (§ 9 des Gesetzes). 3. Bei klarer Rechtslage zwecklos. Berlin im roten Scheinwerferlicht Das lleberfall-Auto nimmt mich mit. Eine Reportage von F. H. Meinhardt. gliedert. Die Eintrittspreise und Bedingungen für das Abonnement sind so gestaltet, daß Ihnen unser abwechslungsreiches Gesamtprogramm der 25jährigen IubiläumS- spielzeit in künstlerisch ausgezeichneter Arbeit für solch günstige Preise geboten wird, wie sie kaum ein anderes Theater aufzuweisen hat. Aber wir tonen Ihre Erwartungen und Wünsche nur erfüllen, wenn Sie uns helfen! Die Kasse nimmt schriftlich und ab 25. September auch täglich von 10 bis 13 Ahr Meldungen zum Abonnement entgegen. Bei Ihnen liegt es also, ob das Stadttheater Gießen würdig sein Iubiläum feiern kann als „ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns". Geltungsdauer der Sommer-ttrlaubskarten verlängert. Die Reichsbahn hat die Geltungsdauer der Sommerurlaubskarten bis zum 31. Oktober 19 3 2 verlängert. Da bekanntlich die Rückreise frühestens am 11. Geltungstage erfolgen darf, werden nur noch bis zum 21. Oktober 1932 Sommerurlaubskarten von der Reichsbahn ausgegeben. Die verlängerte Geltungsdauer gilt auch für die noch dem 15. August bereits gelösten Sommerurlaubskarten. Mit der Verlängerung der Geltungsdauer soll auch für den Herbstverkehr eine verbilligte Reisemvglichkeit geschaffen werden, zumal die Schulferien nunmehr völlig in die Geltungsdauer der Sommerurlaubskarten fallen. Daten für Lamstag, 10. September. 1898: Ermordung der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich in Genf. — 1914: Sieg Hindenburgs über die Russen an den Masurischen Seen. Schlacht an der Marne und bei Verdun. — 1918: der Afrikaforscher und Kolonialpolitiker Karl Peters in Woltorf gestorben. Daten für Sonntag, 11 September. 1709: Sieg der Oesterreicher, Preußen und Engländer über die Franzosen bei Malplaquet. — 1816: der Mechaniker Karl Zeiß in Weimar geboren. * Das Preisschild in Verkaufsge- schäften darf nicht fehlen! Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß die seinerzeit von dem Reichskom- miffar für Preisüberwachung vorgeschriebenen Preisschilder in der bekanntgegebenen Art in den einschlägigen Geschäften ausgehängt sein müssen. Etwaige Säumige werden auf die unangenehmen Folgen hin- gewiesen, die ihnen entstehen, falls bei einer Revision das Fehlen des Preisschildes festgestellt wird. *♦ D i e Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei gewöhnlichen Eintrittspreisen geöffnet. •• VomDolksbund DeutscheKr iegs- gräberfürforge, Ortsgruppe Gießen, wird uns geschrieben: Wie alljährlich, so veranstaltet der „Vollsbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge" auch in diesem Jahre, und zwar im Monat September, eine öffentliche Sammlung zur Verwirklichung seiner Bestrebungen. Die Gelder sollen dazu dienen, die Sammelgräber zu schmücken, in denen große Scharen meist unbekannter Toter ihre Ruhestätte gefunden haben. Die Ausschmückung der Gräber geschieht durch den Dolks- bund Deutsche Kriegsgräber für sorge. ** Der „Hubertus, Verein weidgerechter Iäger", Sitz Gießen, hielt, wie man uns berichtet, am vergangenen Mittwoch nach vorausgegangenem Aebungsschießen seine Monatsversammlung ab. Rach Bekanntgabe einer größeren Zahl von Reuanmeldungen und Reuaufnahmen, die als Erkenntnis des Wertes der Vereinsarbeit zu betrachten find, erfolgte eine eingehende Berichterstattung über die Vorarbeiten zu den wichtigsten Vereinsveranstaltungen: Hauptjagdschiehen und Derbandsgebrauchssuche. Einen breiten Rahmen in den Verhandlungen nahm ferner die Frage der Wildverwertung ein. Schließlich machte der Vorstand noch die Mitteilung, daß die Pachtschutzordnung durch die Rotverordnung des Reiches vom 14. Iuni 1932 bis zum 30. September 1934 verlängert worden ist, so daß auch fernerhin die Möglichkeit besteht, ältere Pachtverträge und gesunkene Wildpreise einigermaßen miteinander in Einklang zu bringen. Im Anschluß an die geschäftlichen Verhandlungen sprach dann Studienrat H ö l z e l über das Thema „Aus der Biologie des Rebhuhnes". Er berührte - und Gartenbauvereins Gießen. hohen Mittelstück gekrönt wird, nimmt das große, an Neuheiten reiche Dahliensortiment der Firma Heinrich Hahn auf. Mehr als 70 auserlesene, ältere, neue und neueste Dahliensorten sind hier in prächtiger Zusammenstellung vereint, um die Gunst des Publikums zu gewinnen. Nicht weniger schön wirken die in der Nähe aufgestellten neuen Gladiolen. Zwei kleinere Beete, die aus Myrtenbäumchen gebildet sind, die zum Teil in voller Blüte stehen und eine neue hier noch nicht gezeigte Form der Zimmertanne enthalten, wirken von frischem Grün umgeben gartenmäßig und lassen eine zwanglose nähere Betrachtung zu. Aussteller ist die Gärtnerei H u b i n g. Ich stehe eine halbe Stunde später am Tatort einer kleinen Tragödie. Eine Mädchenstimme hatte K1 um Kilfe gerufen, gleich darauf sprach eine tiefere Stimme dazwischen „Gefahr beseitigt — Aeberfallkommando braucht nicht zu kommen!" Das Kommando durfte jedoch dem Widerruf nicht ohne weiteres glauben und rückte aus. Wir fanden in der Wohnung zwei junge Menschen mit völlig zerkratzten Gesichtern, und die Vernehmung ergab, daß er, ein Chemiker aus Braunschweig, abends nach Berlin zu seiner Braut gekommen war. In der Rächt hatte sie ihm dann' gebeichtet, daß sie sich in einen Ingenieur rettungslos verliebt habe. Sie gehöre nun nicht mehr ihm allein, und er dürfte sie auch nur noch besuchen, wenn er den Ingenieur neben sich dulde, denn „ich liebe euch jetzt beide", hatte sie gesagt, worauf er in Gefühlsaufruhr zwischen Liebe, Haß und Zom geriet und seine Braut mit den Fäusten bedrohte. Die junge Dame hatte sich energisch zur Wehr gesetzt. Als das Ueberfallfommanbo nun ihren Verlobten in Schutzhaft nehmen wollte, bat sie, davon abzusehen, denn „Leib, Leben und Gut" waren nicht mehr in Gefahr. And um sonstige Privatangelegenheiten darf sich das Xteberfall* tommanbo nicht kümmern. Buntes Allerlei. Wenn einer eine Kttfc tut... Heute, wo eine Reise im Flugzeug fast etwas Alltägliches geworden ist, kann man sich kaum vorstellen, daß es noch Menschen gibt, die nie in ihrem Leden mit der Eisenbahn gefahren sind. Und doch gibt es das noch. In einem Dorfe des odcrschlefi- schen Kre'ses lebt ein Rentenempfänger im Alter von 67 Jahren, der noch nie in feinem Leden in der Eisenbahn gesessen hat. Da wurde er krank und mußte zu einer ärztlichen Untersuchung in die Stadt. Auf dem Bahnhof steigt er natürlich in den falschen Zug. Als der Zug sich bereits in Bewegung gesetzt hatte, erkundigte er sich erst bei den Mitfahrern, ob der Zug auch in die Stadt fahre, nach der er reifen will. Der Alte hatte keine Ahnung von Geschwindigkeiten und den damit für den Menschen verbundenen Gefahren. Als er erfuhr, daß er in einer Klinik in der Ziegelstraße vor. Der Pförtner hatte uns nachts gerufen. Ein tobsüchtiger Mann begehre Einlaß. Folgendes Bild: In eine Ecke der Pförtnerloge gedrängt steht der Tobsüchtige, den Revolver im Anschlag. Ihm gegenüber ein Schupo mit erhobenen Händen. „D i e Waffe nieder!“ schreie ich den Mann an. Da macht er — ich sehe es noch ganz genau — eine Bewegung rechtsseitig rückwärts und will — aber in diesem Augenblick Hobe ich ihn schon getroffen.“ „Man überlegt es sich ja, bevor man auf einen Menschen schießt, aber wenn Gefahr für Menschenleben besteht, muh man geistesgegenwärtig fein.“ „Politische Schlägerei in der "Bab- strahe " Ich werde ins große Auto gestoßen. Wir halten vor der Budike. „Schlagt doch die Strolche tot.“ Gemeint sind wir, das heißt die Polizei. Mich dagegen fragen sie teilnahmsvoll „Wat sollste denn verbrochen haben? Mensch, kratz doch aus." Im Lokal herrscht bereits Ruhe. Bei unserem Herannahen ist alles Schneider mit einer ar Kakteen, Fettpflanzen aller 21: gewächsen. Außerdem hat noch Gartenarchitekt Schwarz eine Menge Steingartenpflanzen und blühende Stauden zur Ausstellung gebracht. Es ist 11 Ahr nachts. Ein Gasslämmchen kämpft gegen undurchdringlichen Tabakdunst und läßt den Kaffeekessel summen. Plötzlich ein Krach. Die massive Hand eines Blauen ist mit einer Spielkarte auf den Tisch niedergeknallt. Trumps! — Wir sind im Mannschaftsraum, Polizeipräsidium Berlin, Aeberfallkommando Humboldt- Hain. Im Rebenraum liegen sie auf den Betten, mit schweren Stiefeln, abcufbereit. 24 Stunden aktiv, weitere 24 Stunden Einsatzdienst, 36 Stunden nicht aus den Kleidern. Es sind Männer, die nicht verheiratet sein dürfen. Sechsjähriges Polizei-Zölibat. Sie werden schrill aus dem Schlaf gerissen und springen drei Stufen hinab in die Garage des großen Aeberfall-Autos. Rebenan, in der Eignalkammer, tritt fortgesetzt die Alarmanlage in Tätigkeit. Diese Kammer hat die Telephonnummer K 1, hier landen RotschreieundHilferufe, in dieser Kammer ist der Abglanz des Grauens einer Weltstadt. Meist haben bte Bedrängten nicht viel Zeit. „KommenSieschnell!" schreien sie ins Telephon. And während der Wachthabende noch pflichtgemäß vier Fragen stellt: „Was ist los? Wo? Wer ruft an? Amt Rümmer?" und keine Antwort mehr erhält, drückt er schon auf den Klin- gelknopf, und 30 Sekundenspäter fährt das Auto zum Tor hinaus. Den Ort des Hilferufenden hat noch rechtzeitig das Fräulein vom Amt, das bei K 1-Rufen stets mithört, festgestellt und durchgesprochen. — Augenblicklich ist Ruhe. Der Leutnant mahnt den Journalisten: „Aufeigenr Gefahr! Unterzeichnen Sie diesen Revers.“ Der Aeberfallkommandoführer erzählt weiter: „Merkwürdig, daß die Leute immer glauben, sie müßten uns bezahlen. Meistens werden uns so 50 Mark geboten, manchmal auch nur 30. Wir sind dazu da, Leib, Leben und Gut zu schützen, und wenn die Alarmierung rechtmäßig ist, so braucht der Betreffende natürlich nichts zu bezahlen. Rur bei böswilligem ober mißbräuchlichem Alarm gibt es Strafe. — 3a, diese Maschinenpistole haben wir neuerdings im Auto für Straßenkämpfe. Dies Brecheisen hier brauchen wir, um schnell in die Wohnung einbringen zu können, in ber sich ein Bedrohter befindet. Manchmal ist das gar nicht leicht. Da schoß z.B. mal ein Kerl eine halbe Stunde durch die verschlossene Tür auf den Flur hinaus. 3n solchen Fällen bleibt uns nichts anderes übrig, als ebenfalls von draußen durch das Holz zu schießen oder zu warten, bis der Revolverheld seine Munition verschossen hat, denn leichtsinnig soll man ja sein Leben auch nicht aufs Spiel sehen. — Augenblick, ich muh zur Inspektion, sehen Sie sich mittlerweile mal unser Tagebuch an!“ Gott, ist das eine grauenhafte Statistik! Familienstreitigkeiten und nochmals Familienzwist. Hier schlägt ein angetrunkener Mann auf feine Frau ein, der Sohn ruft das lieber* falltommanbo. Hier ist der Mann verreist, die Frau hat ein Verhältnis mit dem Untermieter, ein zweiter Liebhaber schlägt dazwischen. Da zahlt einer feine Miete nicht und rauft sich mit dem Wirt. Zwischendurch werden auch einmal eine Dame und deren Tochter überfallen. Schwarze Masken, Schweißapparate, bergan ze Edgar Wallace spukt in diesen Blättern. Auch kleinere Blättchen sind eingeheftet, ärztliche Atteste. „Am 1.8. wurde der Kunstmaler Sch. tot hier eingeliefert“ und ähnliches. dabei vor allem solche Fragen, die alt nicht allgemein bekannt gelten dürften ober über die in Jägerkreisen vielfach falsche Auffassungen bestehen. Dahin gehören die Geschlechtsmerkmale im Gesieder, die Alterskennzeichen, die Frage der Wanderhühner und ihre Erforschung, Hege und Abschuß. verduftet. Rur einen haben sie mit einer Kopfwunde zurückgelassen. Dann wird noch die Wenge auf der Straße zerstreut, der Verletzte zur nächsten Rettungsstelle gefahren; ein paar Minuten später sind wir wieder zu Haus. Bericht ins Tagebuch des Kommandos: Anruf 1.13, 4 Kilometer, zurück 1.35. Der Anruf war rechtmäßig. den falschen Zug gestiegen war, riß er die Tür bei Abteils auf und sprang aus dem Zug. Glücklichen weise wurde er nur geringfügig verletzt. Anekdote vom Grafen Häseler. Vor dem Kriege war die schönste Wandervogel- Pfadfinderbleibe beim alten Feldmarjchall Grafen Häseler auf Harlekop. Im letzten Dorkriegssommer hat er uns die lustigste Geschichte seines Lebens erzählt: Häseler war junger Leutnant und stand in Berlin. Als er eines Abends vom mehrtägigen Uebungsritt nach Hause kam, sand er eine Ein- labung zu einem am selben Abend stattfindenden Hofball. Es war schon spät, aber er wollte doch noch hingehen. Weil er indessen seit langem verabsäumt hatte, sich die Haare schneiden zu lassen, Ichickte er seinen Burschen fort, um trotz des späten Abends noch einen Friseur zu holen. Der Bursche kam nicht wieder. Ungeduldig hielt Häseler am Fenster Ausschau. Da kommt ein kleiner, zierlicher, spitzbärtiger Mann die Straße entlang. Das muß der Friseur (ein! „Sie!" ruft Häseler, „wollen Sie mir nicht schnell die Haare schneiden?" „Wenn es unbedingt sein muß, können wir das ja machen!" Wenige Minuten spater saß der Leutnant Häseler mit einem Handtuch um den Hals auf dem Stuhl und bekam die Haare geschnitten. „So", meinte der eifrige Haarkünstler, „scheint es gut zu fein." Dann ging Häseler zum Spiegel und beschaute das Werk. Grauenvoll! Er war vollständig verschnitten. Hier und da waren kahle Stellen, und anderswo fielen die Haare in zahllosen Stufen. „Schauderhaft!" brüllte der Leutnant, „so etwas will Friseur fein!" „Friseur? Wer ist ein Friseur, wo ist ein Friseur?" brüllte ber anbere zurück. „Na, finb Sie benn keiner?“ „Ich?“, sagte jener, „Friseur? Ich bin ber königliche Bibliothekar Professor Ebuarb Buschmann." (Buschmann war von 1850 bis 1880 erster Bibliothekar in Berlin und Mitglied ber Königlichen Preußischen Akademie ber Wissenschaften.) — Aus bem jungen Leutnant würbe später einer ber in ber alten Armee bekanntesten Generäle; man nannte ihn insgeheim ben „groben Gottlieb", unb in seinem Korps ging bas Sprichwort um: „Wen Gottlieb hat, ben züchtigt er!" $ünf Dollar für einen Liebesbrief. Ein Minister aus Seattle (USA.) war gegen Feuer versichert, und zwar hatte er in einer besonderen Klausel „seine Papiere extra versichern lassen. Ein Brand zerstörte fast seine ganze Wohnung und besonders wurden seine Liebesbriefe, bas heißt, die Briefe von jungen Damen an ihn, vernichtet. Er behauptete, Liebesbriefe seien ebenfalls Papiere unb zwar nicht nur wichtige und wertvolle, sondern sogar unersetzliche. Er klagte daraufhin auf Schadenersatz und forderte 200 Dollar für jeden Brief, im ganzen 7600 Dollar. Das Gericht sprach ihm aber nur fünf Dollar für jeden Brief zu und hat damit eine gewisse Taxe für Liebesbriefe cingeführl. Gießen, ben 10.September 1932. Geptembersonne. Die letzten Erntetag« gehen über das Land. Da und dort zischt noch eine Sense pfeifend durch die saftstrotzenden Wiesengräser. Hier wenden Frauen in bunten Tüchern das Heu, und dort knarrt ein hochbeladener Wagen mit den letzten Garben über ben zernarbten Feldweg heimwärts in die beraenöe Scheune. Bald werden auch über den Kartoffelfeldern schwelende Feuer flammen. Dann ist wieder ein Jahresring oefchlofsen, dessen Glieder bange Sorge, hoffende Zuversicht und mühende Arbeit gewesen waren. Aber noch glänzen im milden Schein der wärmenden Sonne Stabt unb Dorf, Park unb Flur. In bunftigem Blau verschwimmen in der Ferne Erbe und Aether ineinander. Als ob er dem lauernden Schicksal trotzen wollt?, steht der Wald wie ein kampferprobter Heerhaufen noch im vollen Schmuck seiner jägergrünen Rüstung da. Mancher tobende Sturm hat ihm Beulen geschlagen. Sie heben sich nun als verdorrte Narben mit Hellen Farben sicht- bar ab. In dem Brombeergeheck funkelt es wie von Ru- binen. In das hohe Gestrüpp haben die Vogelbeeren rote Perlen eingerooben, und die Birken schauen jetzt erst recht wie weißgekleidete Kirmesmädchen drein, die sich zum Erntetanz für ihr« Liebsten geschmückt haben. Das zart-duftige Heidekraut aber breitet einen blühenden Teppich aus, der den Wanderer noch einmal sonnenselig werden läßt, wie in den Tagen, da die bunten Falter von Blume zu Blume gaukelten. Hinter dem Gartenzaun prunken protzig wie Grohmuttermedaillons ein paar Sonnenblumen. Rotbackige Aepfel lachen verführerisch aus dem dunklen Laub, und über den wilden Wein, der sich am Hause hochrankt, hat der Zauberkünstler Herbst gleich einen ganzen Regenbogen von Farben gespannt. Septembersonne ist gedämpftes Saitenspiel. Noch immer zwar eine klingende Melodie aber die Grundakkorde klingen bereits dumpfer. Das „als ob" könnte mein als das Bezeichnende in der Stimmung dieses Monats, gewissermaßen seinen naturphilosophischen Gehalt auffassen. Der September ist die Gefühl gewordene optische Täuschung. Das Schwanken zwischen Sommerüberzieher und Wintermantel. Es ist einem, als ob das Nahe noch in größerer Entfernung läge, als nüchterne Betrachtung klipp und klar lehrt: Der Herbst macht sich einmarschfertig. Die Bäume beugen sich unter der Last. Bei manchen ist es ein spärlicher Segen, der die Früchte wie Trostpreise über die Kronen verteilt hat. Reife Früchte fallen nicht von selbst in den Schoß. Wie fein Obstbaum ohne sachkundige und zweckmäßige Pflege eine lohnende Ernte abwirst, so muß sich auch der Mensch regen, um den Baum seiner Erkenntnisse oder seiner Hände Fleiß zum Reifen zu bringen. Durch Stürme und Anfeindungen, wenn sie überwunden werden, ist der Wert des Erreichten bedingt worden. Die Septembersonne gibt ihnen den letzten Schliff und haucht ihnen das abrundende, vollmundige Aroma ein. K. L. Was bringt die neue Spielzeit im Zubiläumsjahr? Die 3ntendanz des Stadttheaters schreibt uns: Wir wollen Ihr Interesse, Ihre Freude am Gießener Stadttheater mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln erhöhen. Dies wollen wir vor allem durch Zusammenstellung eines Spielplanes erreichen, der einheitlich und doch anregend ist; klassische Werke sollen durch Reuerleben im Sinne des Theaters unserer Zeit erhalten bleiben; moderne Dramatiker mit zeitthpischen Fragen stehen zur Diskussion, behandeln in ihren Werken nie erlöschende Probleme aus der Seele des heutigen Menschen betrachtet und gestaltet. Wir bringen Ihnen nicht nur Anregung durch Pflege eines lebendigen, zeitverbundenen Theaters, sondern auch Entspannung und Erholung im befreienden Lachen von den Sorgen des kleinlichen Alltags durch Werke heiterer Art: Komödien, Lustspiele, Schwänke, Operetten. Durch auswärtige Ensemble-Gastspiele werden wir Ihnen den Besuch von Opernvorstellungen ermöglichen. Wir haben daher einen sorgsam abgewogenen Epielplan ausgestellt, der literarisch wertvoll, fesselnd und spannend ist. Durch ausgezeichnete Reuengagcments wurde das vorjährige Personal ergänzt und dem Schauspielensemble ein eigenes Operettenensemble angeIubiläums-Ausstellung des Obst Die Gartenbauausstellung, die der Gießener Obst- und Oartenbauoerein aus Anlaß feines 20jähri- gen Bestehens veranstaltet, wird heute, Samstag, 16 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten eröffnet. Die sehr umfangreichen Vorbereitungsarbeiten sind abgeschlossen. Die sommerliche Wärme des August in Verbindung mit den ausgiebigen Regenfällen der letzten Wochen und der warmen Nächte hat Wunder gewirkt und nochmals einen Blütenflor der Dahlien, Rosen, Gladiolen und herbst- blühenden Stauden hervorgebracht, der Ausstellungsblumen in verschwenderischer Fülle und bester Vollenduna bietet. Auch an schönem G e - m ü f e ist kein Mangel, wie die Ausstellung der Lereinsmitglieder, besonders aber die des Universitäts-Versuchsguts beweist. Was den Obstsegen betrifft, der in diesem Jahr allgemein geringer als sonst ausfällt, so kann auch hier erfreulicherweise sestgestellt werden, daß der Liebhaberobstbau der Stadtbewohner ebenfalls Qualitätsobst zu erzeugen vermag und jede ihm zuteil werdende Förde- rung seiner Interessen wert ist. Daß nicht mehr Einsendungen eingingen, liegt daran, daß Schorfkrankheit, Monilia, Wespenplage und sonstige Krankheiten viel Schaden angerichtet haben und auch in jenen Gärten, wo drei- bis viermal gespritzt wurde, die fleckigen Früchte viel zahlreicher als die sauberen sind. Ueber die gen ft er- und Zimmer- B lumenschau, die aus allen Teilen der Bevölkerung zahlreich beschickt wurde, werden wir am Montag berichten. Die Anordnung des Ausstellungsraumes weicht von der früherer Jahre ab. An Stelle der langen Tifchreihen in der Mitte des Saales ist ein 40 Quadratmeter großes Beet geschaffen worden, das wenig erhöht liegend, die ausgestellten Blumen dem Auge nahe bringt. Dieses Beet, das von einem Die Seitenhtdje die den -«aum umjaumen nety- Der Aeberfallkommandv-Führer erzählt: „Eine men die bunten Erzeugnisse der Berein5mitgliepc ganz gefährliche Situation fand ich im Dorraum sji.-'fpott Oie unbesiegbaren Inder. TNilieldeutschland 6:3 geschlagen. Nachdem die Inder am Tage vorher in Berlin gegen Norddeutschland gewonnen hatten, holten sie auch 24 Stunden später im Leipziger Spiel gegen eine Auswahlmannschaft von Mitteldeutschland einen sicheren Sieg heraus. Bei herrlichstem Bretter hatten sich 4000 Zuschauer auf der wundervollen Anlage des Leipziger Sportclubs eingefunden. Die Inder spielten in der gleichen Aufstellung wie in Berlin, fanden aber erheblich geringeren Widerstand vor. Sie hatten so Gelegenheit, mit ihrem Gegner Katz nnd Maus zu spielen. Die Sachsen wehrten sich aber recht tapfer, besonders der sehr gute Mittelläufer zerstörte viele aussichtsreiche Sachen der Inder. Der Sturm brachte das Kunststück fertig, die indische Hintermannschaft dreimal zu überwinden, was bisher in Europa noch keinem ihrer Gegner gelungen war. Das Ganze: eine ausgezeichnete Propaganda für den Hockeysport. Kurze Sporinoiizen. Hugo Mantel, der bekannte internationale Läufer der Frankfurter Eintracht geht nicht, wie westdeutsche Blätter meldeten, nach Essen, sondern bleibt in Frankfurt. Berlin — Frankfurt, der traditionelle Hockeykampf, wird in diesem Jahre am 9. Oktober in Berlin ausgetragen. * 3 0 0 0 0 Zuschauer wohnten am Donnerstagabend in Amsterdam den Weltmeisterschaftsrevanchen der Berufs-Radfahrer bei. Bei den Stehern siegte Weltmeister Paillard vor Schleebaum, Sawall, Linart, Thollembeck und Möller. Die Revanche der Flieger holte sich Weltmeister Scherens vor Moes- kops, Michard, Gerardin und Falck-Hansen. * Die Stadt Berlin veranstaltet am kommenden Montag im Rathaus einen Empfang für ihre 13 Olympiakämpfer. II. kreisoffene volkstümliche Wettkämpfe des »nerftiwereiiw Gießen auf dem WaidspottM. Sie Saison der Leichtathleten neigt sich ihrem Ende zu. Das Jahr 1932 hat die GießeneL Sportler mannigfach siegreich gesehen. Das Svort- fest des Männer-Turnvereins wird besonoeres Interesse auf sich ziehen. Eine starke Beteiligung ist gesichert. Kreismeister, Bezirksmeister, Meisterschaftsstaffeln, Süddeutsche Meister in den verschiedensten Konkurrenzen sind am Start. Teilnehmer an den Deutschen Turner- und Sportlermeisterschaften treten zum Kampf an. Man darf ausgezeichneten Sport erwarten, man darf gleichzeitig auf dem Sportplatz des BfD., der der Schauplatz der Kämpfe sein wird, auf die Ergebnisse und insbesondere auf das Abschneiden der Gießener Sportler und Turner gespannt sein. 48 Vereine, 300 Turner und Turnerinnen, Sportler und Sportlerinnen in 57 Wettbewerben. Diese Zahlen charakterisieren zunächst rein äußerlich die leichtathletische Bercmstaltung. 18 Wett- «bewerbe der Jugendlichen werden bereits am Samstagnachmittag ausgetragen, die restlichen Wettkämpfe der aktiven Turner und Turnerinnen werden im Lause des Sonntags bestritten. Her- vorcehoben zu werden verdient die Beteiligung des Fußballsportvereins Frankfurt, der Polizei und der Tgm. Darmstadt, ferner des Tv. „Dpr- wärts" Bockenheim, der Tgm. Frankfurt-Rödelheim, der Tgm. Worms, des Turn- und Fecht- tlubs Hanau. Besonders erfreuljch ist die Teilnahme der Turner aus dem Saargebiet, die den Turnverein Neunkirchen in Gießen vertreten. Starke Beteiligung an Dreikämpsen und Einzel- wettkämpfen. In den Klassen der Jugendlichen sind insgesamt 90 jugendliche Turnerinnen, Turner, Sportler und Sportlerinnen vertreten. Der Dreikampf der Iugendturner-Oberst^ife ist von 40 Teilnehmern belegt, im 100-Meterlaus starten 17 Teilnehmer, 15 haben für die 1000 Meter geweidet. In der 4xl00-Meter°Staffel wird sich sicherlich ein scharfer Kampf zwischen Hanau und Worms entwickeln. 1900 hat den Wanderpreis dieser Staffel zu verteidigen. Die Turner- Anter stufe sieht im Dreikampf 30 im Wettbewerb. Iugendturnerinnen treten 20 zum Drei- kampf an. In der Anterstufe der aktiven Turner interessiert besonders der 100- Meterlauf (Schwab-Buhbach, Baier-Rödelheim, Stengel- Großen-Linden sollten den erKcn Sieg unter sich ausmachen), für den Dreikamps liegen 50 Meldungen vor, in der olympischen Staffel starten 6, in der 4xl00-Meter° Staffel 8 Mannschaften, 20 Mann treten zum Kugelstoßen in den Ring. In der Mittelstufe bestreiten 12 Mann den 200-, 9 Mann den 800- Meterlauf, 10 treten zum Speerwurf an. Beteiligungen - Aussichten ... Die 100 Meter der Oberstufe-Turner haoen eine ausgezeichnete Besetzung erfahren Kreismeister Simon-Bockenheim, Müller - ««üd/TRarButfl, Görisch (3. bei den Kreismeisterschaften in Trier) find im Rennen Aeoer 200 Meter sind nahezu fast alle 100- Meterlaufer am Start. Heber 400 Meter erwartet man einen spannenden Kampf zwischen Grüb- ling-Bockenheim und Ploch-Mtv., der sich allerdings sehr anstrengen muß, wenn er sich durchsetzen will. Das wesentlichste Rennen des Tages stellt der 800-Meterlauf dar. Hier sind Peters- 1900, Roe- Borwärts-Bockenheim (Kreismeister) und M a y - Bad-Nauheim (der vorjährige süddeutsche Meister) die Favoriten. Aeber 1500 Meter laufen Allgeier » Dockenheim, Peters-1900 und Schaaf-1900 mit besten Aussichten. Den 3000-Meterlauf wird sicherlich Sch a a f -1900 an sich bringen. In dem Gaumeister Holzapfel-Münchhausen hat er einen Konkurrenten, der sicherlich auch hier wieder einen taktisch klugen Lauf zeigen wird. G r ö l z (OSC.-Gießen) liegt nicht aussichtslos im Rennen. Der Hochsprung wird dem Frankfurter H o h l - b e i n, der schon mit 1,80 Meter aufwarten konnte, nicht zu nehmen sein. Langenohl -Heuchelheim und Pfeffer- 1846 Gießen belegen Wohl die Plätze. Der Weitsprung dürfte eine sichere Sache für Witte- FSB. Frankfurt sein. Bei guten Bahnverhältnissen sollte er die 7-Meter- Grenze erreichen. Zu nennen sind noch Krück » Marburg und Hartmann - Schwanheim (früher „Eintracht" Frankfurt). Im Stabhochsprung sieht man einem Duell zwischen Jung» 1900 und G l a a b - Bockenheim entgegen. Hervorragende Besetzung weist das Kugelstoßen auf. Kilo-Wehlar, Schneider-Polizei Darmstadt (früher Rüsselsheim) und der Kreis- meister Junker- Rödelheim werden dafür sorgen, daß sicherlich die 14-Meter-Grenze überschritten wird. Im Diskus hat Kilo-Wehlar, der sich bei den Deutschen Meisterschaften nur wenige Zentimeter hinter H i r s ch f e l d auf dem 2. Platz behaupten konnte, unbestrittenes Anrecht auf den 1. Platz. Lu h-OSC, Sch neide r- PSD. Darmstadt und Junker- Rödelheim werden um die Plätze kämpfen. Im Speerwerfen ist der vorjährige Kreis- meister Wiener- Bad - Nauheim Favorit. Rothermel-PSB. Darmstadt und Frey» 1846 Gießen, sowie Luh-OSC. sind ernsthafte Mitbewerber. Am Dreikampf beteiligen sich insgesamt 25 Oberstufe-Turner und -Sportler. Der großartige Wanderpreis des Mtv. Gießen, den Borwärts Bockenheim verteidigt, wird in der 4X100-Meter- Staffel einen heftigen Kampf zwischen den Vereinen Vorwärts Bockenheim, 1900 Gießen, Turngemeinde Darmstadt und Mtv. veranlassen. Eine 10xVs°Dunden°Staffel, sowie eine Schweden- Staffel (400, 300, 200, 100 Meter) sind außerdem vorgesehen. 3n den Wettbewerben der Turnerinnen sind in der Unterstufe 1900 und 1846 Gießen, Heuchelheim, VfL. Wetzlar und Mtv. stark vertreten. In der Oberstufe sind viele bekannte Turnerinnen vor all ? Dingen aus Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Wetzlar, Gießen und Heuchelheim am Start. Herrmann und Müller - FSB., Hartmann, Trumpfheller und Glock - Darmstadt, S che ll - Bockenheim, Biron-Wiesbaden (1. Loreley - Bergfest - Siegerin 1932), Hublitz , Seidel, Richtberg, Luh und Emmel von 1900, P h i l i p p und Koch vom Tv. 1846, Kuhn und Kuhl von VfL. Wetzlar, E s p a ch, R ö h m i g, Amend, Bickelhaupt von Mtv. find wohl die Teilnehmerinnen, die in den einzelnen Wettbewerben die 1. Siegerinnen darstellen sollten. Der Wanderpreis der 4 mal 100 - Meter-Staffel, den die Mtv.erinnen zu verteidigen haben, wird nur in heftigem Kampf gegen die Meisterstaffel des Mainbezirkes in Gießen gehalten werden können. Ein Sieg der Mtv.erinnen ist aber noch fraglich. Hoffnungen und Wünsche. Die Veranstaltung erforderte umfangreiche Vorbereitungen, die jedoch dank der aufopfernden Arbeit der Gießener Turner reibungslos erledigt werden konnten, so daß mit einer flotten Durchführung der Wettkämpfe zu rechnen ist. Nicht weniger denn 100 Turner und Turnerinnen, Sportler und Sportlerinnen galt es in Privatquartieren unterzubringen. Die Veranstaltung ist besonders als Werbeveranstal- tung für Leichtathletik gedacht. Dem Mtv. ist in Anbetracht der Uebernahme der großen Verantwortung und der vielen Mühe ein voller Erfolg zu wünschen, zu dem hoffentlich gutes Wetter fein Teil beiträgt. Wirtschaft. Oie neue Roggenstühungsaktion. Berlin, 8. Sept. Die Vorarbeiten für die bereits angekündigte Aktion zur Entlastung des Roggenmarktes sind beendet. Die deutsche Getreidehandelsgesellschaft wird künftig in allen Roggenüberschußgebieten, in denen es die Marktlage erfordert, Roggen zu marktgemähen Preisen kaufen. Die aufgekauften Roggenmengen sollen sofort der Verfütterung zugeführt werden. Der Roggen wird eosiniert und frachtfrei der im nordwestdeutschen Schweinemarktgebiet gelegenen Empfangs-Reichsvollbahnstationen zum Preise von 140 Mark je Tonne, cif Küstenhafen des Mästereigebietes zu 137 Mark je Tonne abgegeben. Dieser Preis wird für den Roggen umfangreiche Absatzmöglichkeiten erschließen. Zum Ausgleich der für die DGH. entstehenden Preisspanne zwischen dem höheren Einstands- und dem niedrigen Abgabepreise des Roggens wurden der DHG., wie durch eine heute im Reichsanzeiger erscheinende Verordnung geregelt wird, Gerstenscheine zur Verfügung gestellt, die zur zoll- verbilligten Einfuhr von Futtergerste berechtigen. Handel und Genossenschaften werden in die Aktien sowohl beim Einkauf, als auch bei der Abgabe des Roggens in der bisherigen Weise eingeschaltet. Cs wird dafür Sorge getragen, daß die Brotversorgung immer ausreichend gesichert bleibt und keine über das Vorjahr hinausgehende Drot- preiserhöhungen eintreten. * • Schlechte Lage der Eisen st eingru- ben im Lahn» und Dillgebiet. Nach einer Mitteilung des Berg- und Hüttenmännischen Vereins zu Wetzlar brachte der Monat August für die Lage des Erzbergbaues im Lahn- unb Dillgebiet keine Besserung. Förderung und Absatz bewegen sich auf einem Tiefstand, den man niemals für möglich gehalten hätte. Wenn Reich und Staat die zur Belebung der Wirtschaft an- gekündigten Maßnahmen nicht bald verwirklichen, dürfte die gänzliche Stillegung der wenigen noch in Betrieb befindlichen Eisensteingruben nicht mehr aufzuhalten sein. * Aus dem Emelka - Konzern. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, gehen der Phöbus- Palast in München und Nürnberg, die bisher von der Emelka-Theater-AG. gepachtet waren, mit Wirkung ab 12. September in die Verwaltung der Aniversum-Film-AG. (Ufa) über, die daran beteiligt ist. Wie uns weiter mitgeteilt wird, ist der Gedanke, die Bayerische Film-GmbH, als Auf- fanggesellschaft des Cmelka-Konzems zu benutzen, fallen gelassen worden und man trägt sich damit, eine neue Auffanggesellschaft zu gründen. Die Entscheidung hierüber dürfte in allernächster Zeit fallen. * Schalterschluß der Rheinischen Deam tenbank in Köln. Die Rheinische Deamtenbank teilt mit: Die Rheinische Beamten bank, Abteilung der Kölner Beamtenvereinigung, Köln, hat sich infolge,Zahlungsstockungen genötigt gesehen, vorläufig ihre Schalter zu schließen. Ein vom Vorstand aufgestellter Status hat ergeben, daß die Bilanz der Bank durchaus aktiv ist. Es darf bei ruhiger Abwicklung die bestimmte Erwartung gehegt werden, daß die Mitglieder voll befriedigt werden. Wochenbericht vom frankfurter Effektenmarkt. Die bereits im letzten Berichtsabschnitt zu verzeichnende Festigkeit beherrschte auch in der abgelaufenen Woche die Märkte der Aktien sowie in stärkerem Ausmaße die der festverzinslichen Papiere. Noch selten war eine derartige Haussebewegung von so langer Dauer, wie die jetzige. Notwendige Vorsicht schien in manchen Fällen außer Acht gelassen zu sein. Der jüngste Bericht des Instituts für Konjunkturforschung, der die Ansätze zur Konjunkturwende erstmals feststellt, hat seinen Eindruck nicht verfehlt ebenso wie das nun zur Veröffentlichung gekommene Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung. Daneben ließen sich die deutschen Börsen in weitgehendstem Maße von der anhaltenden Aufwärtsbewegung der Auslandsbörsen anregen. Die anfangs vernachlässigten Großwerte kamen später stärker zur Geltung. Obwohl es an Warnungen von verschiedenen Seiten nicht fehlte, setzte sich die Hausse fast unterbrochen während der ganzen Woche fort, bis schließlich doch die Furcht vor einer lieber* steigerung des Tempos der Aufwärtsbewegung Zweifel an dem Bestand der Tendenz bervorrufen mußten. Sv kam es mit großer Schärfe zu einer Reaktion. Nur die Werte, die eine Rendite bringen dürften, konnten sich halten. Später setzte sich dann wieder eine leichte Erholung durch, so daß per Saldo immerhin noch ansehnliche Gewinne zu verzeichnen waren. So bei JG.-Farben mit plus 10 v. H., Harpener Bergbau, Mansfelder Bergbau und Rheinstahl mit je plus 8 o. H. und vor allem für Kunstseideaktien, die bis zu 15 v. H anzogen. Im übrigen konnten sich Besserungen von etwa 3 bis 6 o. H. behaupten, doch lagen einige Werte nur knapp gehalten und andere sogar etwas schwächer, z. B. Südd. Zucker, Aschaffenburger Zellstoff, Kaliaktien, Rütgerswerke, Metallgesellschaft, Elektr, Licht und Kraft, AG. für Verkehrswesen und Scheide- anftalt. Am Rentenmarkt waren die Rückgänge kleiner, die erzielten Steigerungen blieben fast behauptet. Starke Steigerungen hatten vor allem Stadt-Anleihen und Industrie-Obligationen, die bis zu 10 v. H. anzogen, aber auch Goldpfandbriefe und Kommunal-Obligationen verzeichneten Besserungen von 5 bis 6 v.H. Staats- und Länderanleihen gewannen von 3 bis 5 o. H. Bon deutschen Anleihen waren Altbesitz unter lebhaften Schwankungen 2 o. H., Neubesitz 1,50 v. H. und die Schutzgebietsanleihe 0,50 v. H. erhöht. Sehr lebhafte Umsätze verzeichnete auch der gesamte Auslandsrentenmarkt. frankfurter Abendbörfe weiter nachgebend. Frankfurt a. M., 9. Sept. An der Abendbörse setzte sich die Abschwächung der Kurse fort, da neben weiteren Glattstellungen der Spekulation auch einige Kundenoerkäufe Vorlagen. Gegen den Berliner Schluß überwogen Rückgänge von 0,5 bis 1 v. H. Nur AEG., Gelsenkirchen Bergwerk und Conti Gummi tagen etwas freundlicher. Im Verlaufe bröckelten die Kurse weiter leicht ab, wobei JG.-Farben wieder nahe an die Parigrenze herankamen, nachdem sie anfangs der Woche noch bei 110 v. H. hielten. Bemberg, die bei Eröffnung 1,25 o. H. verloren, konnten später 0,5 v. H. anziehen, auch JG.-Farben lagen wieder leicht gebessert, an der Nachbörse stellten sie sich jedoch erneut um 0,75 v. H. niedriger. Der Rentenmarkt lag sehr still bei gleichfalls nachgebenden Kursen. Kommunal-Obligationen der Frankfurter Institute gaben erneut 0,5 v. H. nach. Neubesitzanleihe 6,75 bis 6,70, Altbesitz 53, Schutzgebietsanleihe 4,5, Gelsenkirchen 39, Phönix 24 bis 23,75, Rheinstahl 64,5, AEG. 43,13 bis 42,65, Bemberg 64 bis 64,50, Conti Gummi 103, JG.- Farben 101 bis 100,50 bis 101 (Nachbörse 100,25). Herbstpferdemarkt in Friedberg. * Friedberg, 8. Sept. Der Friedberger Herbstpferdemarkt findet am Dienstag, 25. Oktober, statt. Mit ihm wird eine Prämiierung von Zuchtstuten, sowie von zwei- und dreijährigen Fohlen des Arbeits- und Wagenschlags verbunden sein. Für die Prämiierung stehen wertvolle Geldpreise zur Verfügung. Jeder Landwirt und insbesondere die Pferdezüchter der Wetterau und deren Umgebung sollten Veranlassung nehmen, ihre prämiierungsfähigen Tiere am Markttage vorzuführen. — Am Mittwoch. 26.Oktober, findet Schweinemarkt statt. Kreis Schotten schuldenfrei. Schotten, 8.Sept. Nach längeren und schwierigen Verhandlungen mit dem Reichsfinanzminister kann der Kreis Schotten die erfreuliche Tatsache melden, daß mit der Ueberroeifung der 1. Rate der im Kriege dem Reiche vorgeschossenen Kriegs-Wohlfahrtslasten in Höhe von 14 000 Mark an die Kreiskasse, der Kreis Schotten als schuldenfrei betrachtet werden könne. Weitere Raten in dieser Höhe sind für die Dauer von 20 Jahren jährlich zu erwarten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 106 102 46,25 42,65 0 56 52,5 76 5,8 73 6 6 Banknoten. 40 36,5 27,5 52 176,5 184 177 23,75 26,5 24,75 64,5 123 123 20,25 46,75 80 142 98 52 24,5 137 95 o o 27 178 68 39 75 46,75 20,4 73,65 86,5 58 25 124 I 52 54 24, 125 I 36 54 27,5 75 87 58 o 0 o 0 0 7 0 0 '1 e 12 1 10 0 0 0 42 79,25 .1,5 50,5 36 76 38,4 75,5 34 134 99,5 33,75 52 25 38 24,4 177 65,13 60 71,75 101 137 29,5 38,25 37 43 21,5 72,5 84,13 54 58,65 60,75 71,5 42,65 27,5 95,75 22 50 38,9 52,5 30 39,75 39,25 76,65 72,75 81 143,5 99 74,25 72,25 77 136,75 95,5 104,75 141,75 30,5 40 39,5 56 64,5 40,5 78,5 41,5 80,5 36,65 134,5 103 36 55,25 27 41,5 27,25 177 68,75 I- G. Farben-Jndusirte Scheidcanstalt.... Goldschmidt..... Rütgerswerke .... Metallgelellschaft. . . 9,5 38,25 37,5 A.E.G........... Bergmann........ Elektr. Lieferungsgesellschaft. Licht und Kraft...... Felten L Guilleaume. . . . Gefellschast für Elektrische Unternehmungen . . . . Rheinische Elektrizität . . . Schuckerl & Co....... Siemens & Halske..... LahmeyerLCo....... 71,5 84,5 54 55,75- 54,5 50 5,5 58,5 55,5 65,25 41,13 28.5 92 20,5 47 36 50,5 o 0 9 6 0 ■1 6S 0 9 10 Kurszettel -er Berliner und frankfurter Börse. Die h,nter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 5 o.H, Lombardzinsfuß 6 v.H. Philipp Hohmann . . Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt. Wahb & Freytag . . Schultheis Patzenhoser . . . Mu «Allgemeine Kunstseide) Bemberg...... Zellstoff Waldhof . . . . ' Zcllstofj Aschaffenburg . . . Dessauer Gas....... Daimler Motoren . . . . ’ Deutsche Linoleum . . . ' Orcnstein & Koppel .... Leonhard Äe-...... Svenska........ Chade.......... Frankfurter Maschinen . . . . oi Gritzner..........o Mainkrajtwerle Höchst a.M.. . 4 Süddeutscher Zuller Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schluß,. Mittag» börsc Datum 8-9. 9.9. 8.9. 9.9. 6% Srutidie Reichsanleihc ö.192< 6% ehcm. 7%Tt. Reichsanl. v.1929 — 65,5 65,65 65,5 75,5 «5,9 75 75,5 •5'1% Dvung-Anleihc von 1930 . — — 64 Deutsche Anl.-Aölös.-Schuld mll Auslo,.»Rechten...... 53,9 53 53,9 __ Desgl. ohne Auslos.-Rechte . . 7,1 6,7 7,2 — 6% ehem 8%Hess.Voltsstaat 1929 trückzahlb. 102%)...... 60 60 61 61 Oberhejsen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rcchten...... _ _ Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1...... 50,5 49,5 50,25 50,25 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Banl Golüpie. 15 unkündbar bis 1035 73,75 73,5 _ 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Banl Golvpse 16 unkündbar bis 1936 6'/,% ehem. 4*4% Franks.Hyp.- Banl Liau. Psandbriese . . . 73,75 72,75 _ 78,9 78,9 — _ 6%% ehem. 4)4% Rheinische Hnv.»Banl'Lij%Rumän.vereinh.Renlev.l913 11,75 11 11 11 Phönix Bergbau..... . 4-4 4% Rumänische veietnh. Rente 6 5,55 5,75 5,75 Rheinische Braunkohlen. . . 10 1. Anatolier...... 18,5 — 19 19,4 __Berlin, g. September Geld Bries Amerikanische Noten....... Belgische Noten......... 4,20 58,15 75,69 4,22 58,39 76,01 Dänische Noten......... Englische Noten......... Französische Noten........ 14,62 16,44 168,86 21.56 14,68 16,50 169,54 Holländische Noten........ Italienische Noten....... Norwegische Noten........ Österreich, * 1OO Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten........ Schweizer Noten......... Spanische Noten........ 73,30 2,49 74,95 81,02 33,71 73,60 2,51 75,25 81,34 Ungarische Noten . .......