llr.M Krühausgabe 182. Jahrgang Mittwoch, 10. August 1952 Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte ©tefeener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monalr-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: $ranffurt am Main 11686. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dnicf und Verlag: vrühl'fche Univer^rats-Vuch. und Stebiöniderei B. Lange in Sietzen. Schnftleitung und Gefchästrstelle: Zchulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Rs- Klameanzeigen von 70 mra Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biehen. Die neuen Maßnahmen gegen den Terror. h Sondergerichte. Todesstrafe. Vermehrte Zuchthausstrafen. Verschärfung der Festungshaft. — Burgfrieden während des ganzen Monats August. eauf £b> Stift' luiifl« otef- 146?? 11610 inc Dtef: lüft)16 aii>e" W n6|,r: Aelv' ßji eß- lesen $ fr* S°°»E utyify' flifber 1 Wand- SS; AS SZiLK S.w GiüiS'S Bombend s> M, M aeiu**'.^£e M- ZM SSf* KM Berlin, 9. Aug. (IDI23.) Amtlich wird mil- geleill: Bei der Bekanntgabe der Juni-verordnung gegen politische Ausschreitungen hol der Reichspräsident für den Fall des Wiederauflebens politischer Gewalttätigkeiten neue scharfe Ausnahmevorschriften angekündigt. Die letzten Wochen haben in Deutschland bisher unerhörte Gewaltakte gebracht. Reichspräsident und Reichsregierung haben sich daher entschlossen. zur Unterdrückung des politischen Terrors von den schärf st en Mitteln Gebrauch zu machen. Politische Gewalttaten werden durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 9. August 1932 unter schwerste Strafdrohungen gestellt, für die ernstesten Fälle wird die T o d e s st r a f e angedroht. Das geltende Recht sieht die Todesstrafe vor für den Mörder, der mit Ueberlegung tötet und für schwere Sprengstoffverbrecher. Künftig Hal auch der sein Leben verwirkt, der ohne Ueberlegung inderLeidenschaftdespolitischen Kampfes, aus Zorn und Hatz einen tödlichen Angriff auf feinen Gegner unternimmt oder einen Polizeibeamten oder einen Angehörigen der Wehrmacht tötet. Auch der wird mit dem Tode bestraft, der durch eine Brand st iftung oder ein anderes gemeingefährliches verbrechen den Tod eines Menschen verursacht. Zuchthausstrafe nicht unter zehn Jahren trifft denjenigen, der eine schwere Körperverletzung durch Anwendung einer Schuhwasse oder bei einem tätlichen Angriff auf einen Polizeibeam- ten verursacht. Die gleiche Strafe trifft alle, die sich an Aufruhr oder Landfriedensbruch in erschwerter Weise beteiligen. Mit Zuchthaus wird künftig eine Reihe von Gewalttätigkeiten bestraft, die bisher meyr mit leichten Strafen bedroht waren. Alle aus politischen Beweggründen begangenen Körperverletzungen, wenn sic von mehreren gemeinschaftlich, mit einer Waffe oder einem gefährlichen Werkzeug verübt sind, stehen künftig unter Zuchthaus st rase, ferner alle Gewalttätigkeiten, die mit S ch u h w a f - f e n begangen werden und jeder tätliche Angriff auf einen Polizeibeamten,. wenn er auch nur zu einer einfachen Körperverletzung geführt hat. Zuchthaus ist ferner angedroht für die leichteren Fälle des Aufruhrs und des Landfriedensbruchs und im Hinblick auf Vorkommnisse der letzten Zeil, für den aus polilischen Beweggründen begangenen erschwerten Landfriedensbruch. Um die neuen schweren Strafdrohungen mit Nachdruck zur Geltung zu bringen, hat die Reichsregierung für diejenigen Bezirke, in denen dafür ein Bedürfnis hervorgetreten ist, im Benehmen mit der zuständigen Landesregierung Sondergerichte errichtet. Die Sondergerichte sind Gerichte des Landes. Sie arbeiten nach einem beschleunigten Verfahren. Ihre Urteile sind keinem Rechtsmittel unterworfen und deshalb sofort mit ihrer Verkündung rechtskräftig und voll- st r e ck b a r. Neben den durch die Verordnung des Reichspräsidenten neu geschaffenen Tatbeständen sind den Sondergerichten grundsätzlich auch alle leichteren Fälle der im politischen Kampf vorkommenden strafbaren Handlungen zugewiefen. Fälle von minderer Bedeutung sollen jedoch in der Regel dem ordentlichen Verfahren zugeleitet werden. Es war erwogen, weitere strafschärfende Bestimmungen gegen diejenigen zu treffen, die aus dem Hintergrund die Massen zu Gewalttätigkeiten aufreizten. Einstweilen ist jedoch von einer solchen Maßnahme mit Rücksicht darauf abgesehen worden, daß § 11 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 14. Juni 1932 bereits Gefängnis nicht unter drei Monaten für den androht, der öffentlich zu einer Gewalttat gegen eine bestimmte Person oder allgemein zu Gewalttätigkeiten gegen Personen oder Sachen auffordert oder anreizt. Ls wird nachdrücklichst dafür gesorgt werden, daß diese Strafvorschriften gegen jedermann, auch gegen die Presse, die zu einem Teil in letzter Zeit in unverantwortlicher weise gehetzt hat, unnachsichtlich zur Anwendung gebracht werden. 3n der Bevölkerung sind auch neuerdings von verschiedener Seite Hoffnungen auf eine umfassende A m n e st i e erweckt worden. Die Reichsregierung erklärt, daß eine Amnestierung politischer Straftaten in schärfstem Gegensatz zu ihrer mit den neuen Verordnungen verfolgten Absicht stehen würde, politische Gewalttaten unnachsichtlich mit den schärfften Maßnahmen zu bekämpfen. Sie wird von diesem Standpunkt aus jedem etwa auftauchenden Wunsch nach einer Amnestie sich mit Nachdruck entgegensetzen. Burgfrieden bis 31. August verlängert. Berlin, 9. Aug. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt: Auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung wird folgendes verordnet: Die Vorschriften der Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung des inneren Friedens vom 29. 3uli 1932 (Reichsgesehblatt Teil I S. 389) gelten auch für die Zeit vom 12. August 1 9 3 2 b is zum Ablauf des 31. August 1932. Reu deck, 9. August 1932. Der Reichspräsident, v. Hindenburg. Der Reichskanzler. Der Reichsminister des Innern, v. P a p e n. Freiherr v. G ah l. Zunächst sieben Sondergenchie. Berlin, 9. Aug. (TA.) Die am Dienstag beschlossenen Sondergerichte werden zunächst eingesetzt in Königsberg, Elbing, Kiel, Berlin, Breslau, Hamm und Düsseldorf. Verschärfung der HestungShast. Berlin, 9. Aug. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt: 2m Zusammenhang mit _>en Maßnahmen des Reiches gegen den politischen Terror ist eine schon seit längerer Zeit vorbereitete, auf dem Gebiete des Strafvollzugs liegende Reformarbeit zum Abschluß gebracht worden. Die Reichsregierung veröffentlicht im Reichs- gesehblatt eine Vereinbarung der Landesregierungen über den Vollzug der F e st u n g s h a f t, die im Frühjahr dieses Jahres zustande gekommen ist, nachdem ihre Entwürfe zunächst im Januar dieses Jahres mit den Strafvollzugs- refcrenten der Länder und dann im März im Rechtspflegeausschuß im Reichsrat durchberaten worden waren. Die neuen Grundsätze tragen der erhöhten Bedeutung Rechnung, die die Festungshaft als Strafe für die leichteren Fälle des Hochverrats in den Rachkriegsjahren gewonnen hat; sie gestalten den Vollzug der Festungshaft strenger, als er bisher war. Das von den Ländern anerkannte Bedürfnis dazu ergab sich aus schweren Mißständen, die eine Folge der weitgehenden Freiheiten der bisherigen Dollzugsmethoden waren. Künftig soll es keinen unbeaufsichtigten Stadtausgang mehr geben, und die bisher sehr ausgedehnte Bewegungsfreiheit der Gefangenen innerhalb der Anstalt wird in den neuen Vorschriften dadurch beschränkt, daß eine tägliche sechsstündige Beschäftigungszeit und der Verschluß der Hafträume während dieser Zeit eingeführt werden. Während der übrigen Tageszeit soll ein Haftraum nur verschlossen werden, wenn es die Ordnung oder Sicherheit erfordert. Die neuen Grundsätze werden die Landesregierungen gemäß der Vereinbarung innerhalb von drei Monaten seit der Bekanntmachung zur Durchführung bringen. Hitler oder Kamps? Oie Forderung der ASOAP. München, 9. August. (TU.) Die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz bringt unter der Ueber- schrift „Regierungsbildung gemäß dem Wahlergebnis, oder erneute Sabotage des Volkswillens?" u. a. folgende Auslassungen: Auf Grund der Ermächtigung des Reichspräsidenten hat der Reichskanzler den Reichstag aufgelöst nicht, um sich die Notwendigkeit eines Präsidialkabinetts bestätigen zu lassen, sondern ausdrücklich deshalb, weil die Zusammensetzung des Reichstages im Hinblick auf das stürmische Anwachsen der NSDAP, nicht mehr dem Willen des Volkes entsprach. Die Regierung von Papen, berufen zur Lösung eines festumgrenzten Aufgabe — nämlich der, den Willen des Volkes verfassungsmäßig festzustellen und damit die Voraussetzungen zu schaffen der Stärke und Bedeutung der nationalsozialistischen Bewegung Rechnung trägt. Parteipolitische Mißgunst und persönliche Schwierigkeiten aber, die sich einer solchen, dem Sinne der Verfassung entsprechenden Lösung entgegenstellen, sind da, um überwunden zu werden. Die Auffassung des Herrn Reichspräsidenten, den Charakter des Reichskabinetts als einer überparteilichen Regierung aufrechtzuerhalten, liegt durchaus auf der Linie der Auffassung der NSDAP., die keine Partei, sondern Volksbewegung im besten Sinne ist und seit ihrem Bestehen unaufhörlich für eine Partei- ungebundene, aber im Volkswillen verwurzelte Regierung kämpft. Jeder —— H.H Links: Reichskanzler von Papen, der evtl, einen der beiden Posten, die er bekleidet, nämlich die Reichskanzlerschaft oder das Reichskommissariat für Preußen, abgeben wird. — Mitte: Reichspräsident von Hindenburg, dessen besonderes Vertrauen auch die umgebildete Regierung als sog. Präsidialregierung stützen soll. — Rechts: Adolf Hitler, der Führer der Nationalsozialisten, wird als künftiger Reichskanzler genannt. für eine starke, im Volk verankerte Reichsregierung — stand am 31. Juli außerhalb der Diskussion. Durch den Ausfall der Reichstagswahl ist der W i l l e d e s V o l k e s, der die nationalsozialistische Bewegung endlich in der Führung des Staates sehen will, erneut eindeutig festgestellt worden: Das deutsche Volk hat dem bisherigen System sein vernichtendes Mißtrauen, dagegen der nationalsozialistischen Bewegung und ihrem Führer Adolf Hitler einen Beweis seines Vertrauens ausgesprochen, der in der deutschen Geschichte einzig dasteht. Dieser überwältigende Vertrauensbeweis kann feinen verfassungsrechtlichen und politischen Niederschlag nicht in einer gnädig zugestandenen unzureichenden Beteiligung an der Regierung finden, sondern nur darin, daß der Füh- ter der nationalsozialistischen Bewegung vom Reichspräsidenten zur Führung eines Reichskabinetts der Persönlichkeiten berufen wird, das Versuch einer Regierungsbildung nach anderen als diesen organischen Maximen, die heute im Reich politisch durchführbar sind, betrachtet die NSDAP, als erneute Sabotage des erklärten Volkswillens, der ihr unversöhnlicher Kampf gelten wird. Unterredung SchleichersmitSitler „Im Auftrage des Reichskanzlers." Berlin, 9. Aug. (CNB.) Reichswehrminister v. Schleicher ist seit heute nachmittag wieder im Amt. Von unterrichteter Seite wird uns bestätigt, daß er in den letzten Tagen die bereits gemeldete Unterteilung mit Adolf Hitler gehabt hat, und zwar hat sie im Auftrage desDeichskanzlersmit dem Zweck stattgesunden, festzustellen, was der Führer der Rationalsozialisten in der Regierungsfrage will. Die Antwort, die Adolf Hitler gegeben hat, dürfte der Stellungnahme entsprechen, die in der nationalsozialistischen Presse mit der Formel „Hitler oder nicht sl" zum Ausdruck kommt. Der „Angriff" hat diese These bereits in der Montagausgabe aufgestellt, und er hat sich heute einem Berliner Vormittagsblatt gegenüber energisch dagegen verwahrt, daß er nur das Sprachrohr einer angeblich oppositionellen Strömung innerhalb der RSDAP. sei. Gerade in so entscheidenden -Fragen, wie der Regierungsbildung, schreibt der „Angriff", würde kein nationalsozialistisches Organ die Disziplinlosigkeit begehen, in der Öffentlichkeit eine andere Meinung zu äußern, als die des Führer s. 3n der gegenwärtigen Lage gebe es in der nationalsozialistischen Bewegung über den einzuschlagenden Kurs überhaupt nur eine Meinung und, das sei die Adolf Hitlers. Hindenburg wieder in Berlin. Berlin, 10. Aug. (CNB. Funkspruch.) Reichspräsident von Hindenburg ist heute früh, aus Neudeck kommend, um 6.55 Uhr auf dem Bahnhof Friedrichstraße e i n g e t r o f f en. NSDAP, und Zentrum. München, 9. Aug. (TTl.) 3n der Rationalsozialistischen Parteikorrespondenz beschäftigt sich Reichstagsabgeordneter Florian mit dem Erfolg der „nationalsozialistischen Erziehungsarbeit". Er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß dem Zentrum die sichere Schlüsselstellung durch den Rationalsozialismus zerschlagen worden sei. Für das Zentrum blieben nunmehr zwei Wege übrig: Entweder es geh« wieder in Schlüsselstellung und bekenne sich offen zur Sache des Bolschewismus, oder es übernehme das Schicksal des politischen Treibholzes auf dem Strom des erwachten Deutschlands. Ein Zurück zu der leichten Arbeit auf dem Boden der politischen Dummheit Deutschlands gäbe es nicht mehr. Der Rationalsozialismus sei des Zentrums stärkster und gefährlichster Feind. Er sei nicht mit der Deutschnationalen oder Deutschen Dolkspartei zu vergleichen. Regierungsbildung inpreußen bis Ende August? Berlin, 9. Aug. (VDZ.) 3n gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen wird dem Rachrichtenbureau des VDZ. erklärt, es bestehe die Möglichkeit, daß gegen Ende August, wenn der Preußische Landtag wieder Zusammentritt, auch die Frage der preußischen Regierungsneubildung geklärt sei. Es hätten in dieser Hinsicht unverbindliche Verhandlungen stattgefunden. Dabei.sei von Zentrumsseite Wert darauf gelegt worden, die Rationalsozialisten für eine der Stärke ihrer Bewegung entsprechende verantwortliche Mitarbeit zu gewinnen. Bei der Verquickung der Regierungsverhandlungen im Reich und, in Preußen würde das Zentrum, so versichert man weiter in den genannten parlamentarischen Kreisen, einer Kanzlerschaft Adolf Hitlers durchaus keine Schwierigkeiten machen. 3n fast allen maßgeblichen politischen und parlamentarischen Kreisen wird der augenblickliche Zustand der Verwaltung Preußens durch einen Reichskommissar als ein Provisorium bezeichnet, das noch in diesem MonateinemDefinitivum weichen müsse. Da die offiziellen Verhandlungen erst nach der Derfassungsfeier in Fluß kommen, geht man wohl nicht fehl in der Vermutung, daß die Plenarverhandlungen des Landtags kaum vor der letzten Augustwoche in Gang kommen werden. Die DersaffungSseiern in Hessen. Der Landlagspräsident gegen die Anordnung der Regierung. WSR. Darmstadt, 9. Aug. Der Präsident des Hessischen Landtags, Professor Dr. Werner, hat an den hessischen Staatspräsidenten folgendes Schreiben betreffend der Abhaltung von Derfassungsfeiern gerichtet: Sehr geehrter Herr Staatspräsident! Unter Rr. St. M. 493 I 5348 erläßt das gesamte Ministerium an sämtliche unterstellten Behörden eine Anordnung, die im W i d e r s p r u ch zu dem eindeutigen Beschluß der Mehrheit des Landtages steht. Es ist durch den Beschluß des Landtages nicht nur der Artikel 1 des Gesetzes über den Derfassungsfeiertag aufgehoben, sondern es ist mit großer Mehrheit (Zweidrittel-Mehrheit) am 8. 3uli folgender Antrag des Llbgeordneten Lenz und Fraktion angenommen worden: „Der 11. August wird weder durch öffentliche, noch durch interne Veranstaltungen der Behörden, Schulen und Anstalten gefeiert“ Für diesen Antrag hat auch die Zentrumspartei, also eine Regierungspartei, gestimmt. Deutschland und das Gaargebiet. Erklärungen des Reichskanzlers. Ich darf Sie darauf aufmerksam machen, daß Ihre Anordnungen: I. alle öffentlichen Gebäude in den Reichsfarben zu beflaggen, 2. in allen Schulen für Lehrer und Schüler verbindliche, der Bedeutung des Tages entsprechende Feiern zu veranstalten, 3. durch die Landesbehörden und Bürgermeistereien Berfassungsfeiern abzuhalten, 4. für die Landesbehörden am 11. August Sonntagsdienst anzusetzen, in striktem Widerspruch zu dem eindeutigen Mehrheitswillen des Hessischen Landtages steht. Es würde dann auch diesem Beschluß des Landtages zuwiderlaufen, irgendwelche staatlichen Mittel zur Veranstaltung dieser Derfassungs- feiern zu verwenden. Ergebenst Dr. Werner. Ausweitung der Arbeitsmöglichkeiten. Berlin, 9. Aug. (ERB.) Lieber die Zahl der gegenwärtig im Freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigten Arbeitsdien st willigen ersah- I ren wir vom Reichskommissar für den Freiwilli- | Oie Lage in Ostpreußen. Berlin, 9. Aug. (LU.) Der nach Königsberg beorderte Sonderbeauftragte des preußischen Innenministeriums, Oberregierungsrat Diehls, ist nach Berlin zurückgekehrt und hat berichtet. Wie verlautet, ist man im preußischen Innenministerium der Ansicht, daß alle persönlichen Verhältnisse im Polizeipräsidium die Gewähr für eine beschleunigte und sachliche Durcharbeitung der Terrorfälle verbürgen. Alle weiteren Fälle sind bereits geklärt und der Staatsanwaltschaft zugeführt: die schweren Ausschreitungen, wie z. D. die Mordtat in Loetzen, werden noch weiter kriminalistisch verfolgt. Bezüglich der Tat in Loetzen glaubt man bereits eine wichtige Spur gefunden zu haben. Es kommt nun darauf an, die auf beiden Seiten bestehende Erregung abklingen zu lassen. Als wirkungsvollstes Mittel ist man daran gegangen, den Ausgangspunkt aller Terrorakte, die Waffe, zu erfassen, und zwar auf drei Wegen: 1. werden alle Waffenscheine nachgeprüft, 2. werden überraschende Durchsuchungen in bestimmten Vierteln vorgenommen: so geschehen aizch in der vergangenen Rächt. Die Durchsuchungen fördern jedesmal eine Reihe von Waffen zutage: 3. wird § 17 der Rotverordnung vom 18. Iuni schärfstens gehandhabt, so daß in allen Fällen die höchstzulässige Haftdauer verfügt wird, in denen Täter mit der Waffe in der Hand betroffen werden. Man darf damit rechnen, daß auch bereits verurteilte Täter gegebenenfalls noch nachträglich dieser Polizeihaft unterliegen. Wieder Ausschreitungen. Königsberg, 9. August. (TU.) In B r a u n s- b e r g wurde in der vergangenen Nacht der <521.= Mann Nolte durch einen Neoolverschuß verletzt. Er befand sich in Begleitung einiger Kameraden auf dem Wege zum Bauhof. An einer dunklen Stelle wurde er plötzlich angeschossen. Die Kugel drang ihm in den rechten Unterschenkel. Weiter wurde in Braunsberg die Schau- fensterscheibe einer Fahradhandlung, deren Besitzer der NSNAP. nahesteht, durch einen Steinwurf zertrümmert. In Drengfurt wurde ein Stein gegen ein Schaufenster des Kaufhauses Weinberg geschleudert. Die Schaufensterscheibe und eine dahinter liegende Spiegelscheibe gingen in Trümmer. Gegen 1.30 Uhr wurde in der Wohnung des Führers der NSDAP, in Drengfurt eine Fensterscheibe eingeworfen. Als der Wohnungsinhaber ans Fenster eilte, fiel ein S ch u ß. Er sah, wie ein Unbekannter gen Arbeitsdienst, daß zu den Anfang Iuli im Freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigten 70 000 Personen Anfang August noch 25 000 hinzugekommen sind. Es besteht die Absicht, noch vor Eintritt des Winters die Zahl der Arbeitsdienstwilligen bis auf 200000 z u erhöhen. Lim diese Absicht zu verwirklichen, ist eine planmäßige Erfassung aller in Frage kommenden Arbeitsmöglichkeiten notwendig. Der Reichskommisfar steht deshalb mit allen für die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten und für die Bereitstellung von Arbeitswilligen zuständigen Stellen in eingehenden Verhandlungen. Oie Hakenkreuzfahne auf -em Mecklenburgischen Landtag. Schwerin, 9. Aug. (TU.) Auf Anordnung des Präsidenten des Mecklenburg-Schwerini- schen Landtags, des nationalsozialistischen Abgeordneten Krüger, ist am Dienstag auf dem Landtagsgebäude die Hakenkreuzfahne neben der mecklenburgischen Landesflagge gehißt worden. Wie wir hören, wird das mecklenburgische Landtagsgebäude in sämtlichen kommenden Landtagssitzungen diesen Flaggenschmuck tragen. flüchtete und gab gleichfalls einen Schuß ab, der jedoch fein Ziel verfehlte. In Marienburg wurde in der Nacht zum Dienstag auf die Wohnung eines Bäckers ein Bombenattentat verübt. Der 6sjcihrige Sohn des Bäckers wurde durch Sprengstücke am Kopf schwer verletzt. Der Bäcker gehört keiner Partei an und betätigt sich auch nicht politisch. Der Bürgermeister der Stadt L y ck hat aus Bürgern der Stadt eine Hilfspolizei zur Unterstützung der örtlichen Polizeiorgane aufgestellt, die während der Nacht Polizeidienst versieht. In Landsb^rg im Kreise Preußisch-Eylau ist gestern Nacht auf einen Siedler und einen Gutsbesitzer, beide Angehörige der NSDAP., ein Reool- veranschlag verübt worden, der jedoch mißlang. Ein Aufruf der NSOAp. Königsberg, 9. Aug. (CNB.) Der Gauleiter der NSDAP., Erich Koch, veröffentlicht folgenden Aufruf: Parteigenossen! SS.- und SA.-Männer! Die Zeit nach dem 31. Juli, der unseren großen Wahlsieg brachte, war schwerer für euch und für uns als all die Jahre vorher. Denn in diesen Tagen entscheidet sich unser Kampf um die Macht. In diesen Tagen heißt es daher unter allen Umständen öie Nerven z u behalten. .Parteigenossen! Die Disziplin der SS. und SA. und jedes einzelnen von euch war all' die Jahre bewundernswert. Sie gerade war es, die uns im ganzen Reich in so überwiegendem Maße das Vertrauen des Volkes aller Schichten zuführte. Es gilt deshalb, sie auch weiterhin unter allen Umständen zu bewahren. Mögen die Anforderungen, die an sie gestellt werden, noch so schwer sein. Ich erwarte deshalb von euch a b s o l u t e D i s z i- p l i n und absolut legales Verhalten. Ich erwarte deshalb von euch, daß ihr den Behörden, vor allem der Polizei, keinerlei Schwierigkeiten macht, wenn sie ihres Amtes walten. Das ist im Hinblick auf das Vergangene in vielen Fällen nicht immer leicht, ich weiß es, aber es muj sein. Das große Ziel fordert auch dieses Opfer von euch. Sonderkommiffar für Oberschlesien. Gleiwitz, 9. Aug. (TLl.) Ministerialrat Dr. Schütze vom Reichsinn-enministerium, jetzt kommissarischer Ministerialdirektor im Preußischen Innenministerium, ist mit einem Sonderauftrag ähnlich dem des Kommissars Dr. Diehls für Ostpreußen nach Oberschlesien zur Llntersuchung der dortigen Terrorfälle entsandt worden. Wie verlautet, wird Dr. Schütze auch die schweren Vorwürfe untersuchen, die gegen den Polizeipräsidenten des oberschlesrschen In- F r ankfur t a. M., 9. Aug. (WSR.) Das heutige Abendprogramm des Südwestfunkes brachte ein Hörbild, in dem die Grenzland- verhältnisfe des Saarlandes Der an- schaulicht wurden. Vor Beginn der ^Übertragung wurde eine Llnterredung des Reichskanzlers mit dem Sprecher des Südwestsunks gesandt. Reichskanzler v. P a p e n betonte, daß er die Saar seit etwa 30 2ähren kenne. Zwischen den Bewohnern seiner ursprünglichen Heimat, Westfalen, Und der Bevölkerung des Saargebietes gäbe es große Llnterschiede. Eines jedoch habe das Saarland und Westfalen zweifellos gemein: Das zähe Festhalten an alter deutscher Sitte und Kultur. „Ich kann sagen, daß ich sie gut kenne", erklärte der Reichskanzler, „sie sind deutsch bis auf d ie Knoche n“. Die nächste Frage des Sprechers galt der Zuversicht, mit der das Saarland den Wieder- anschluh an das Deutsche Reich erwartet. Dazu erklärte der Reichskanzler: „Aus dem Saargebiet zurückgekehrt, habe ich das Gefühl, noch sehr viel stärker als sonst mit heimgebracht, daß eine Lösung der Saarfrage, und zwar eine baldige Lösung der Saarfrage ein unbedingtes Erfordernis ist, ein Erfordernis sowohl für die Saar und das deutsche Vaterland, aber auch für die endgültige Besserung der Beziehungen zwischen den beiden großen Ländern Deutschland und Frankreich. Es scheint mir unmöglich, etwa eine Zwischenlösung ins Auge zu fassen, wie sie manchmal von einigen Stellen vorgeschlagen worden ist, etwa in der Art, dem Saargebiet eine Autonomie zu geben. Das Saargebiet nach feiner ganzen wirtschaftlichen Struktur kann n i/e m a l s als autonomes Land lebensfähig sein. Lebensfähig kann es nur im größeren Rahmen seiner alten deutschen Heimat sein. Lieber eins darf man im Saarland sich keinem Zweifel hingeben. Wenn ab und zu die Frage an mich gerichtet worden ist, ob man das Saarland im Deutschen Reich nicht auch etwas vergessen habe, kann ich nur antworten: Im Gegenteil, nicht nur nicht vergessen, sondern es ist unseren Herzen, wie alle deutschen Grenzlande, unendlich nah. Lind ich darf in dieser Beziehung nur darauf verweisen, daß das Deutsche Reich alles für das Saargebiet in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht nach Maßgabe seiner Kräfte getan hat." dustriebezirks, Dane hl, von nationalsozialistischer Seite erhoben worden sind. ^Riefenra^io im Hamburger Gängeviertel. Hamburg, 9. Aug. (WTB.) Im Hamburger Gängeviertel, das in 'letzter Zeit vielfach der Ausgangspunkt von Llnruhen gewesen ist und in dem schon des öfteren Polizeibeamte angegriffen und in verschiedenen Fällen auch tödlich verletzt wurden, nahm die Polizei heute in den frühen Morgenstunden eine ganz groß angelegte Durchsuchung vor. Richt weniger als 1 50 0 Polizei- und Kr i m i n al b e a mt e riegelten das ganze Gängeviertel ab und durchsuchten es daraufhin aufs gründlichste nach Waffen und verdächtigen Personen. In den Wohnungen wurden teilweise die Fußböden auf- gerissen und nach Waffen durchforscht. Die Razzia dauerte bis 12 Llhr. Es wurden 16 Handschußwaffen, 3 Militärgewehre, 2 Jagdgewehre, 7 Seitengewehre, zahlreiche Gummiknüppel, teilweise mit Blei- bzw. Eisenfüllung versehen, Stahltrossen, Eisenknüppel, Dolche, Schlagringe und große Mengen Munition beschlagnahmt. Bei der Durchsuchung wurden gleichfalls umfangreiche Schriften hochverräterischen Inhalts gefunden und beschlagnahmt. Etwa 50 Personen wurden sistiert. Auf eine Frage nach den zukünftigen Aufgaben und dem Schicksal des Saarlandes erwiderte der Reichskanzler: „Ich bin vollkommen Ihrer Auffassung, daß die gesamte Bevölkerung des Saargebietes keinen anderen Wunsch hat, als, wenn es dem Deutschen Reiche wieder einverleibt ist, ein Stück kultureller und wirtschaftlicher Beziehung zum großen Nachbarvolk zu bilden. Aber selbstverständlich muß der gegenwärtige Zwiespalt möglichst bald beendet werden. Allein das eine will ich meinen lieben Landsleuten sagen: Dis wir zu dieser politischen End- lösung kommen, wollen wir alle den großen Heimatgedanken pflegen." Der Reichskanzler forderte dann noch besonders die deutsche Iugend auf, die G renz- m a r f z u besuchen, in deren Wäldern und Flüssen, Bergen und Tälern das Lied von der gemeinsamen großen deutschen Heimat rauscht. Ausschreitungen eines französischen Zollbeamten. ^Merzig, 9. August (WTB.) Der Redakteur Ttnton Weller von der „Merziger Volkszeitung" «Jn &er zum Dienstag an der Zollstelle Bachem von französischen Zollbeamten derartig schwer mißhandelt, daß seine sofortige Ueberführung in das Kreis» krankenhaus Merzig notwendig wurde. Dem Vorfall liegt folgender Tatbestand zugrunde: Weller kam mit seinem Kraftwagen von einer Dienstfahrt aus der Richtung Losheim. An der Zollstelle hielt er ordnungsmäßig an. D'ie anwesenden beiden Zollbeamten unterzogen darauf den Wagen einer sehr genauen Kontrolle. Nach Beendigung der Re- vision entstand eine kleine Meinungsverschiedenheit, wahrscheinlich deshalb, weil einer der beiden Zollbeamten in französischer Sprache eine Frage an Weller richtete, die Weller nicht verstand und deshalb auch nicht beantwortete. Der Zollbeamte geriet darüber so in Wut, daß er W-e der aus dem Wagen riß, ihn in das Zollhäuschen schleppte und, nachdem er das Licht gelöscht hatte, mit Fau st schlagen und Fußtritten so schwer mißhandelte, daß Weller b e s i n n u n g s- l o s wurde. Der herbeigerufene Arzt ordnete sofort die Ueberführung in das Krankenhaus an, wo Wel- (er schwer verletzt darniederliegt. Die Landjägerei nahm den Tatbestand auf und erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Der Zollbeamte konnte noch nicht verhaftet werden, da er der Militärgerichtsbarkeit unterliegt. Serner wurde im Kornträgergang eine Falschmünzerwerkstatt ausgehoben und die Falschmünzer verhaftet. Linksradikale Waffenschiebungen in Zella-Mehlis. Zella-Mehlis, 9. Aug. (TLl.) Die Polier ist in Zella-Mehlis erneut Waffen- fchiebungen auf die Spur gekommen. Sechs Linksradikale aus Kassel, die durch Dermitt- mittlung von Parteigenossen in Zella-Mehlis Pistolen aufgekauft hatten, konnten von der Polizei gefaßt werden. Während vier der Waffenschieber wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, blieben die beiden anderen in Haft. Es ist gegen sie sofor» Haftbefehl erlassen und ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft eingeleitet worden. Lieber den Umfang der Waffenkäufe verweigert die Polizei die Auskunft. Auch aus anderen Orten Deutschlands haben, wie wir von der Polizei erfahren, linksradikale Kreise den Versuch gemacht, durch Vermittlung ihrer Parteigenossen in Zella-Mehlis in den Besitz von Waffen zu gelangen. Die Erhebungen sind noch im Gange, so daß RLheres nicht in Erfahrung gebracht werden konnte. Verantwortlich für Politik: J.V.: Ernst Blumschein. llnvemmdetle Spannung im Reich. Oer Flieger. Von Herbert A. Zansen. »Ihr Rame?" „William Crosbie I" „Berus?" „Pilot." „And Sie wohnen?" „Rorwvod, Westow Hill Square." „Können Sie mir einen kurzen Bericht geben, wie der Unfall sich ereignete?" »Rein--jetzt nicht." Der Arzt blickte auf. Der junge Mensch, der da vor ihm auf der Tragbahre lag, hatte die Antworten zwischen verbissenen Zähnen herausgepreht. Er mußte furchtbare Schmerzen haben. Es wäre grausam gewesen, ihn weiter mit Fragen zu quälen. Doktor Lrimborne untersuchte den zerschmetterten Llnterschenkel. Das sah böse aus. „Sie haben Schmerzen?" Der andere nickte. Dann setzte er hinzu „ein wenig" und versuchte zu lächeln. Aber es wurde nur eine Grimasse daraus. „Also, Schwester, Tetanus und Morphium 0,01. Ich hoffe, Professor Ralstone wird operieren.. Die Zimmerdecke über Crosbie begann zu wandern. Ietzt ein Türrahmen, dann lange Zeit die gleichförmige Rundung des Korridors... eine Llhr... Er prägte sich automatisch die Zeit ein: 7 Llhr 3. Wieder ein Türrahmen — nun stand die Decke still. Minutenlang. Mein Gott, warum lassen sie ihn hier liegen? Haben sie ihn vergessen? Warum geschieht denn nichts? Iedr Minute ist kostbar. Professor Ralstone — wird wohl der Chefarzt sein. Aber Chefarzt oder nicht, er wird sein Dein nicht mehr retten können... Krüppel also, Krüppel... oder hat es ihm der Sanitäter im Transportauto nicht endlich zugeben nurssen, als er ihn auf Ehr und Gewissen fragte? Wie? „3a, Iunge, da is woll nich mehr viel zu machen, das Dein wird ab müssen!" War das nicht klar genug? Kaum zwanzig Iahre alt und schon ein Krüppel fein. Rie wieder fliegen! ... Fliegen... Gestern abend war das Werk seines Bruders Stephen, die Maschine mit dem neuen Höhen- \ mptpr, vom Dremsstand gekommen. Heute bei Sonnenaufgang war er gestartet. Das war ein > Flugzeug! Fast eine Stunde tummelte er sich in Luft und Sonnenglan;. Dann — kam es. Bei der Landung. Die Frühnebel deckten noch den weiten Platz, als er im Gleitflug herunterkam. Rebel oder nicht/ ihm war es gleich. Lind da er eintauchte in die ziehenden Schwaden, kam es ihm in den Sinn, daß es bald die fünfhundertste Landung sein mochte, die er hier in Croydon machte. D^nn er da den Platz nicht kennen sollte! Fünfzehn Meter vielleicht noch schwebte er über dem Boden, — als die Verkehrsmaschine grau und lautlos wie ein Gespenst sich quer vor ihn schob. Gewiß, sie war nicht fahrplanmäßig. Lind der Polizist hatte ihm und nicht ihr die Landebahn frei gegeben. Doch hier entschied nicht Recht noch Schuld. Dort drüben zehn oder mehr Menschenleben, hier das seine. Zehn zu eins, das braucht: keine Lieberlegung l Er drückt den Steuerknüppel vor, soweit es nur geht. Die Maschine stellt sich mit einem Ruck auf den Kopf, schießt blitzartig zur Liefe. Rur einen Sekundenbruchteil später wirbelt der Propeller Sand zum Himmel. Eigentlich ein lächerlicher Sturz! Kaum fünfzehn Meter! Aber als sie ihn unter den Trümmern hervorziehen, ist fein rechtes Dein nur noch eine blutige Masse. Fragen — Verstörung ringsum. William schweigt. Lind so weiß niemand den wahren Grund seines Sturzes. Rur einer: Raoul Dauvin, der Pilot des Verkehrsflugzeuges. Atemlos kommt er, als sie ihn schon zum Auto tragen. Die Angst vor dem, was hätte geschehen können, flackert in seinen Augen, und er stammelt immer wieder: „Crosbie, ich danke Ihnen! Zwölf Passagiere, zwölf Passagiere..." Lind dabei laufen ihm die Hellen Tränen übers Gesicht. ♦ Professor Ralstone zog die Gummihandschuhe über. Crosbie schließt die Augen, als er das kalte Drahtgestell der Maske auf seinem Gesicht fühlt. Er atmet tief und zählt... zählt... Gemein und süßlich riecht das Zeug. Das also, das ist Aether!... fünf... sechs ... Äh, der ganze Brustkorb brennt wie ein höllisches Feuer. Einen Augenblick lang will er die Maske herunter reißen und frische Luft schöpfen. ... acht ... neun ... zehn ... Schon wird ihm schwer und wirblig im Kopf, fast so, als ob die Maschine nicht aufhören wollte zu trudeln. Ton und Farbe, seltsam und fremdartig, umkreisen ihn, langsam und majestätisch: es saugt und zieht wie in einem Trichter... Run steht er plötzlich in dem hell erleuchteten Raum neben der Schwester und sieht dort auf dem Tisch einen Körper liegen, einen Menschen. O, er ist §anz klar und weih sehr genau, daß William rosbie dort auf dem Tisch liegt und geduldig zählt. ... zwölf ... dreizehn.. Zwölf Passagiere sind es gewesen, die Dauvin an Bord hatte . Der Teufel mochte wissen, was er so früh am Morgen schon auf dem Flugplatz wollte... Daß er auch gerade von rechts herein landen mußte! Herunter also im Sturzflug, es geht um zwölf Menschen. Dreizehn ...! ! „Weiterzählen I" mahnt eine Stimme. „Gewiß!" sagt Crosbie und verbeugt sich. Allein steht er in dem unermeßlich riesenhaften Raum. Angst... Angst kriecht an Crosbie empor, Angst vor der Leere und Oede des Raumes. Rufen will er, rufen, nach einem Menschen, einem Tier — einer Pflanze nur... Die Glühbirnen fern an der Decke funkeln böse. Kalt ist es, eisig wie im Grab. Lind der winzige Crosbie steht im unendlichen Raum und zählt gehorsam, wie ihn der Direktor geheißen. .... vier ... undzwan... fünsund... zig!... Ein großer Kreis ... im Mittelpunkt Crosbie. Ringsherum Krüppel — Krüppel — alles Krüppel! Stöhnen, furchtbar, übermenschlich — sie kommen, kommen her,... zu ihm ... Rein! In rasendem Sturz geht es abwärts. Reblig verschwommen wird alles, halt! halt! denken... wach... mein Bein! nicht, nicht hinab... leben! Aus tiefem, grundlosem Meer taucht Crosbie aus. Giftgas brennt in den Lungen, und Blei hat man ihm in die Glieder gegossen. Äber er kämpft fiep nach oben, weil er sich sehnt nach — wonach nut? * Moment, da er die Augen aufschlägt, zer- reißt es wie Rebel um ihn: wissen will et, totllcn, was mit ihm geschieht. Wissen, daß er lebt! . Aum, daß er das Glück des ersten be- wdn Atemzuges genießt, das Glück, da zu sein, 'sm wie ein Keulenschlag die Erinnerung. Da sitzt ja auch der alte Sanitäter vom Trans- portauto an feinem Bett. Lacht: „Gratuliere, Iunge, au fgeschnitten haben sie das Dein — nicht ab geschnitten...!" Crosbie hört. Sein Gehirn quält sich ab. Sinn in die Worte zu bringen, die an sein Ohr klingen, in ihm weiterdröhnen. „... nicht abgeschnitten ..." Lange Sekunden dauert es, bis er zur Klarheit kommt. Einen Augenblick stockt ihm der Herzschlag — dann durchbraust ihn Glücksgefühl wie eine Woge. Die Zimmerwände ballen sich zu Wolkenflor... der Raum dehnt sich... weit, weit... zu unermeßlichen Femen. Lind um ihn ist schneidender Fahrwind und sieghaft das Donnern des Motors. Billige Hochzeitsreise in Italien. Neuvermählte Paare in Italien haben es jetzt gut. Der Staat sorgt für eine billige Hochzeitsreise nach Rom. Diese ,/Hochzoitsfabrkarten" betragen nur 20 Prozent der gewöhnlichen Fahrpreise der 2. und 3. Klasse. Paare, die erster Klasse fahren wollen, können allerdings von dieser Ermäßigung keinen Gebrauch machen. Wer sich dieser Vergünsti- gung bedienen und seine Flitterwochen in der Ewigen Stadt verleben will, muß die Heivats- urkunde oorlegen und nachweisen, daß die beiden Antragsteller auch wirklich die Personen sind, deren Verehelichung in der Urkunde bescheinigt wird. Die Reise darf nicht später als am siebenten Tage nach der Hochzeit angetreten werden. Die Billetts, die auch noch die freie Rückreise gewähren, gelten für 14 Tage, doch können ihre Besitzer die Fahrt nach dem Bestrmmungsort nicht wie Reisende mit gewöhnlichen Fahrkarten unterbrechen. Benachteiligt sind bisher dis jungen Paare, die in Rom heiraten, denn fie können ja von einer Romreise keinen ©e* ■,.Fauc? Es wird aber erwogen, auch diesen für die Hochzeitsreise große Verbilligungen zu ge- mabren. Die Ausgabe dieser besonderen Hochzeits- rerse-Billetts soll einen Anreiz zur Heirat darstellen, wie ihn ja die italienische Regierung durch die verschiedenartigsten Vergünstigungen zu meten versucht; sie ist ein Teil des Feldzuges gegen die sinkende Geburtenziffer aus der Apenninen-Halbinsel. Nach den soeben veröffentlichten Statistiken beliefen sich die Heiraten während der ersten sechs Monate dieses Jahres auf 125 976 gegen 151 750 im Vorjahr, und die Zahl der Geburten betrug 502 108 gegen 564 613. Ob wähl viele Italiener, die sich bisher dem Joch der Ehe nicht beugen wollten, der Verlockung einer billigen Hochzeitsreise nach Rom werden widerstehen können? gebiet Gebietes «Lj? Se. -ÄLr eren Dä,^"4- »KZLr «M-t t«u|4t n eines Beamten. B:> D-r Sfeöaftmr £ Witan? İ-'d-. ® ^«nbeff Un9 bas Rreis. 7^-^L ‘“‘«WlltW anwesenden beiden IUL b,n Wogen einer ,-öeenbigung der Re. eMngsveischiedenheit, '"er der beiden M 7° Frage an verstand und de,. •_ Der Zollbeamte qe. B er Teller aus In öo, Zollhäuschen °b L'cht gelöscht ,7 Fußtritten teller b e s i n n u n q ne Arzt ordnete sofort rtenhaus an, wo Mel- lieberliegt Die Land- b auf und erstattete !chast Der Zollbeamte erden, da er der Mj. n quält sich ab. 6m” die an fein A « " .nicht abgeschnit- wiLert es. bis « jur ÄÄä Siss jetgang eine Falsch» und die Falschmünzer enschiebungen ehlis. 2fuq. (£11.) Die Po- s erneut Dassen- ir getommcn. Lechs die durch n den von bet Polizei c bet Daffenschieber toutben, blieben die > ist gegen sie sofort i Verfahren bei der >t worden, liebet den lertoeigert die Polizei ■ Deutschlands haben, Iahten, linksradikale * durch Vermittlung l^Mehlis in den > Die Erhebungen sim) cheres nicht in Ersah- fc______ .53.: Ernst Tlumschein. »WL* lxtra«m Är* 2“ LV« f* fr /er SrmaW.8 bu w6, bieW eisen., bafe . ^ren Per °uen.^'> Die ben- -^ren gelten Nj t Mme- e ch dicie” SÄ? »Ls- -Mtz itz'S- Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 10. August 1932. Prof. Or. Surfer 60 Jahre alt. Am heutigen 10. August kann der Direktor des Physiologischen Instituts unserer Landesuniversität, Prof. Dr. D ü r k e r. in voller Frisch« feinen 60. Geburtstag begehen. Der Jubilar stammt aus Zweibrücken (Rheinpfalz). Aach be- errdetem Schulbesuch studierte er auf den Uni» versitäten Tübingen, Heidelberg und Berlin, sein medizinisches Staatsexamen legte er an der Universität Tübingen ab. Dort habilitierte er sich im März 1901 für das Fach der Physiologie. Am 19. August 1904 erfolgt« sein« Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität Tübingen. Als ordentlicher Professor und Direktor des Physiologischen Instituts kam er am 1. April 1917 nach Gießen, wo er seither eine für die Lehre und Forschung seines Fachgebiets sehr fruchtbare Tätigkeit entfaltete. Das rastlose Streben Pros. B ü r k e r s nach immer neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Physiologie und die eindrucksvolle Lehrart dieses hervorragenden Mitglieds unseres akademischen Lehrkörpers haben vielen Medizinern im Verlaufe ihres Studiums, aber auch in Fortbildungskursen und im Fachschrifttum viel wertvolles Rüstzeug in die Hand gegeben. Die medizinische Wissenschaft in ihrer Gesamtheit ist durch seine 'Arbeiten und die von ihm empfohlenen Methoden in vielfältiger Weise bereichert worden. Aber damit 'ließ sich der Gelehrte, dessen vornehmstes Streben dahin geht, durch seine Wissenschaft immer mehr Helfer der leidenden Menschheit zu werden, nicht genügen. In uneigennütziger Weise, unter bewußtem Verzicht aus manche Stunde der Ruhe und Erholung nach angestrengter Arbeit im Institut und im Lehrsaal, ja fogar an Sonntagvormittagcn, übermittelte er sein reiches Wissen und seinen Rat in volkstümlichen Vorträgen an ein* immer größer werdende Hörergemcinde aus allen Kreisen der Gießener Bürgerschaft. Durch seine populärwissenschaftlichen Vorträge, die er auf Wunsch der Gießener Hochschulgesellschaft mehrfach auch in anderen Städten hielt, hat er der Bevölkerung und zugleich der Förderung der Volksgesundheit wertvolle Dienste geleistet, aber auch der physiologischen Wissenschaft gedient, für die er in immer breiteren Volksschichten Interesse weckte und viele Freunde warb. Jahrelang hatte das Wirken des geschätzten Physiologen mit vielerlei äußeren Hemmnissen zu ringen. Wer sich erinnert, wie unzulänglich für seine Arbeiten und deren hohe Zielsetzung die Räume im früheren Physiologischen Institut in der Senckenbergstraße waren, wie bekümmert er darüber blieb, aber dennoch unverdrossen weiter arbeitete und seinen Forscherdrang nicht lähmen ließ, und wie gern und wie eifrig er trotz aller damaligen Behinderungen Einblick in sein Arbeitsfeld gab — wir hatten wiederholt im alten und auch im neuen Institut Gelegenheit dazu —, der kann ermessen, wieviel Entsagung der heutige Jubilar damals bei seinem Wirken im Dienste der Wissenschaft auf sich nahm. Dann kam aber auch für sein rastloses Streben ein Tag der Freude und der stolzen Genugtuung, als am 18. Februar 1928 das ganz nach feinen Vorschlägen errichtete neue Physiologische Institut in der Friedrichstraße ihm für sein ferneres Wirken feierlich vom Staate übergeben wurde. Dieses Institut ist sein großes Werk, sein besonders hohes Verdienst um unsere Landes- Universität, für die diese neue Stätte der Forschung und der Lehre ein hervorragender Aktivposten ist. Und in dieser geräumigen wissenschaftlichen Werkstatt konnte sich der Arbeitseifer und Forscherdrang Bürkers nun so umfassend entfalten, rote er es sich immer gewünscht hatte, ihm zur freu- dioen Genugtuung und der Menschheit zum Segen. Di« Alma mater Ludoviciana bewies dem 2ubi- bilar wiederholt, welch hohes Maß von Wertschätzung sie ihm schuldig ist. U. a. stand er vom 1. Oft. 1925 bis 30. Sept. 1926 als Rektor an der Spitze der Universität, bei Kursen der Ludoviciana über den Bereich der Studentenschaft hinaus sicherte man sich seine geschätzte Krast, und erst vor wenigen Wochen wurde er von der Dete- rinärmedizinischen Fakultät gelegentlich des 100- jährigen Bestehens, der veterinärmedizinischen Doktorpromotion an unserer Universität zum Dr. med. vet. h. c. ernannt. Aber auch in breiten Schichten der Bürgerschaft bringt man dem verdienstvollen Gelehrten und liebenswürdigen, allezeit gefälligen Menschen Bürker herzliche Sympathie und aufrichtige Dankbarkeit für sein gemeinnütziges Wirken entgegen. Daß dem Jubilar noch viele Jahre reichgesegneten Schaffens beschieden sein möchten, wird an seinem heutigen 60. Geburtstage der Wunsch vieler sein, die Professor Bürker als Wissenschaftler und Hochschullehrer, wie auch als Menschen kennen und schätzen. Mein Herr! Ich habe die richtige Krau für Sie! Frage einmal einen Mann nach den Eigenschaften, die er bei einer Frau erwartet oder vorausseht. Du wirst in den meisten Fällen als erstes hören: „Dor allem muh sie hübsch fein!“ Als zweites hörst du dann seine Wünsche und die Ansprüche, die er an ihre Figur oder Haarfarbe stellt, und wenn er die Liste so ziemlich aufgezählt hat. kannst du versichert sein, daß es irgendwo heißt: „Und selbstverständlich muh sie auch Talent zum Kochen haben.“ Er bedenkt nicht, daß die Schönheit unserer Tage in den meisten Fällen künstlich ist, daß jedes Gänschen kochen lernen kann, und — was heute das Wichtigste ist — mit einem Büchsenöffner umzugehen versteht. Er bedenkt aber nicht das Allerwichtigste: Ist sie die Frau, zu der es ihn zieht, wenn Kopf oder Herz irgendein Weh haben? Ist sie die Frau, der er seine Sorgen mitteilen und seine Fehler bekennen will? Ist sie die Frau, die ihn von allen andern Frauen lösen und befreien kann? Die ihm das Gefühl der Sicherheit und Selbstachtung beizubringen vermag? Die in dem Wirrwarr fast jeden männlichen Charakters die guten Seiten erkennt und aus dem Brodeln von männlicher Eigenliebe, knabenhaftem Trotz, sprunghafter Entschlüsse und leichten Berlehtseins das Gute, Sanfte und Rotwendige zu wecken und zu pflegen versteht? Die Frau, die von seinen. Können, seiner Güte und seinem Wert überzeugt ist und die vor allem an ihn glaubt? Ist sie die Frau, die das Salz und den Pfeffer in richtigem Maß in die Suppe seines Lebens zu streuen vermag, wobei sie beachten muh, ob es sich um Frühlings-, Königin- oder häuslich- gewohnte Erbsen-Suppe handelt? Die seine Pläne und Hoffnungen versteht, die auf seine geschäftlichen Dinge eingeht, und sich Mühe gibt, sie zu erfassen und mit ihm gemeinsam zu beraten? Ist sie vor allem die Frau, die ihn versteht? Ist sie die Frau, in deren Gesellschaft die kleinen Dinge des Alltags auf die Dauer nicht nur erträglich, sondern angenehm werden? Mit der er gern vom Haus fortgeht und ebenso gern mit ihr wieder nach Haus zurückkehrt, mit der er wortlos, ohne Langeweile zu empfinden, be.sammen sitzen kann, einen Sonnenuntergang betrachten, gemeinsame Freuden und Empfindungen haben kann? Ist sie die Frau, die ihn begeistert anspornt, zu der es ihn immer wieder zieht, die sein treuer Kamerad, seine Frau, seine Geliebte, sein Weib, sein mütterlicher Sorgenbrecher und immer jugendlicher Freudebringer ist? Dann sage getrost zu ihm: Mein Herr! Ich habe die richtige Frau für Eie!“ M. A. Erntevorschätzung in Hessen. WSR. Darmstadt, 9. Aug. Die gestern veröffentlichten Zahlen über die voraussichtliche Getreideernte in Hessen stützen sich aus die Beurteilung nach dem Stand von Ende Juli 1932. Durch die seitdem eingetretenen Unwetterschäden und die Verzögerung und Erschwerung in der Einbringung der Ernte haben sich die Aussichten für die Getreideernte, die zum großen Teil ja noch im Gange ist, ungünstiger gestaltet, als man zur Zeit der Vornahme der Ernteschätzungen an» nehmen konnte. ** Kreisamt und Polizeiamt am Verfassungstag geschlossen. Wie uns von den zuständigen Stellen mitgeteilt wird, sind die Diensträume des hiesigen Kreisamtes wie auch die des Polizeiamtes für den allgemeinen Publikumsverkehr am Derfassungstage, 11. August, geschlossen. Lediglich bei der Polizei können in der Zeit von 11 bis 12 Uhr dringende Angelegenheiten Erledigung finden. •* Reichsbahnzugverkehr am Verfass u n g s t a g. Vom Bahnhof Gießen wird uns mit geteilt: Bei der Reichsbahn verkehren die Reisezüge am 11. August wie an Werktagen. Pz. 712 Bad-Rauheim—Friedberg, Abfahrt 18.15 Uhr, Ankunft 18.21 Uhr verkehrt nicht. Pz. 713 Frankfurt a. M.—Gießen, Abfahrt um 22.00 Uhr, Ankunft um 23.56 Uhr verkehrt nur bis Friedberg. P. 771 Frankfurt a. M.—Gießen, Abfahrt um 23.51 Uhr. Ankunft um 1.32 Uhr verkehrt nur bis Bad-Rauheim. Die Sonntagszüge 769 Frankfurt a. M.— Gießen, Abfahrt um 8.16 Uhr, Ankunft um 9.50 Uhr und 770 Gießen— Frankfurt a. TR., Abfahrt um 21.04 Uhr, Ankunft um 22.23 Uhr, verkehren nicht. Die P. 786 Gießen—Lang-Göns, Abfahrt um 18.43 Uhr, Ankunft um 18.56 Uhr und P. 725 Friedberg—Gießen, Abfahrt um 6.38 Uhr, Ankunft um 7.25 Uhr, werden gefahren. Auf den übrigen Strecken verkehren di« Züge ebenfalls wie werktags. Stadtratssitzung in Friedberg. WSR. Friedberg, 9. Aug. Bei früheren Stadtratssichungen gelang es der Verwaltung nicht, «ine Angleichung der Grund- und Gebäude st euer an den Landesdurchschnittssatz. zu erzielen. Das Kreisamt gab aus diesem Anlaß der Stadtverwaltung zu verstehen, daß die Stadt Friedberg wegen der nach Ansicht der Aufsichtsbehörde nicht genügenden Ausschöpfung der Steuerquellen aufReichs-und Staatszuschüsse keinen Anspruch mehr habe. Diese Erklärung und die Ankündigung des Bürgermeisters, daß bei einer erneuten Ablehnung der Angleichung der Grund- und Gebäudesteuer an den Landesdurchschnittssah die Stadt mit einer Zwangsverwaltung in finanzieller Hinsicht bis zum 1. April nächsten Jahres zu rechnen habe, veranlaßte die gestrige Stadtratssitzung zur Bewilligung der Steuerer- Höhung mit 16 gegen eine Stimme bei vier Enthaltungen. Eine Senkung anderer Steuern komme für die Verwaltung nicht in Frage. Keine Vermittlung bei Stillhaltegeldern Berlin, 9. August. Das Reichsbank Direktorium hat dem deutschen Industrie- und Handelstag folgendes mitgeteilt: „Aus Anfragen, die von Interessenten für Stillhaltegelder an die Reichsbank gerichtet werden, ist vielfach zu entnehmen, daß Vermittler mit Behauptungen, die nicht den Tatsachen entsprechen, und Versprechungen, die sie nicht halten können. Kreditsuchende zur Unterzeichnung von Aufträgen zu bewegen versuchen, aus denen auch für den Fall des Richt- zuftandekornmens des betreffenden Kreditgeschäftes der Unterzeichner für Provisionen und andere Spesen verpflichtet bleibt. Die Rcichsbank weist darauf hin, daß ihr jede gewerbsmäßige Ver- mittlertätigteit bei der Umwandlung von Dalutenvorschüssen in langfristige Anlagen unerwünscht i st und sie mit Vermittlern nicht in Verbindung tritt. Die Reichsbank macht ihre Genehmigung eines Umschuldungsantragcs aus diesem Grunde ausdrücklich von der Abgabe einer Erklärung sämtlicher Beteiligter abhängig, daß Pro- visiionen, ein Damnum oder ähnliche Vergütungen nicht gezahlt werden. Um zwecklose Kosten und Provisionszahlungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, daß der deutsche Interessent sich mit ausländischen Gläubigerbanken, zu denen im allgemeinen alle größeren Firmen gehören, zwecks Gewährung eines Darlehens in Verbindung setzt. Die Bekanntgabe von Namen ausländischer Gläubigerbanken ist durch die Bestimmung des deutschen Kreditabkommens von 1932 untersagt, nach denen sämtliche durch die Sachbearbeitung zur Kenntnis der Reichsbank gelangenden Tatsachen vertraulich behandelt werden müssen. Die mitunter vertretene Ansicht, daß eine Zuweisung von Stillhaltegeldern oder eine Nachweisung von ausländischen Banken, die Kredite nach Deutschland gegeben haben, durch die Reichsbank erfolgt, beruht auf einem Irrtum. Die Ziffer 10 des genannten Abkommens sieht für die Umwandlung ungesicherter Barvorschüsse nur Anlagen in Reichsmark vor. Es besteht aber die Möglichkeit, außerhalb dieser Bestimmungen ein Darlehen mit der Verpflichtung zur Rückzahlung in ausländischer Währung aufzunehmen. Bei derartigen Umschuldungen muß sich die Laufzeit, die bei Reichsmark-Darlehen fünf Jahre beträgt, auf mindestens acht Jahre erstrecken. Der Zinssatz darf 6 v. H. bei Krediten bis zu sechs Jahren, 6,5 o. H. bei solchen bis zu neun Jahren und 7 v. H. bei länger laufenden Krediten nicht übersteigen. Besonders zck erwähnen ist noch, daß eine doppelte Sicherung des Darlehens, z. B. durch Bürgschaft und Hypothek, nicht zulässig ist. Die Sicherheiten müssen bei uns für die Dauer des Darlehns hinterlegt werden." Im ßafe der Lebenskünstler. Auswanderer-Schicksale in Brasilien. Don H. Schlomann, ZRio de Janeiro. Ein kleines Caf6 im Zentrum Sao Paulos in Brasilien. Tagsüber Schauplatz bunt« st en Völkergewimmels, zumeist Syrer und Araber. Eine Art Welthandelsplah. Alle Welt handelt da. Es ist die B ö r s e d e s kleinen Mannes. MUlionengesehäste werden besprochen, Luftgeschäfte, die im Verkauf einer Zahnpasta oder eines Gläschens mit »echt türkischem Honig“ endigen. Hier soU auch jener berühmte, fast sagenhaft gewordene Verkauf einesStraßenbahn- w a g en s vor sich gegangen fein, das Schauspiel einer Betrugsspezialität, die in den verschiedensten Variationen noch heute immer wieder auf» taucht. Kommt da eines schönen Tages ein „Capira“, so eine Art Bauer, aus dem Innern des Landes, von den Verlockungen der Großstadt angezogen und gerät in dieses Cafe. Kann natürlich weder lesen noch schreiben, kommt aber mit dicker 'Brieftasche und klagt sein Leid: „Wie man denn sein Geld am besten hier anlegen könne — so, um eine gute ständige Einnahmequelle zu haben.“ Einer weiß Rat. „Ich selbst hab so eine. Sehen Sie da die Straßenbahnen, die vorüberfahren? Zwei davon sind mein Eigentum", sagt er stolz. „Da gerade die rote dort, Rümmer 713, todsichere Sache! Brauche nur abends in den Wagenschuppen zu gehen und die Tageseinnahme abzuholen.“ — Ob er auch einen Wagen kaufen könne? -1- Rein, das ginge nicht, sagt der Gauner, die Stadt habe schon alle vergeben, natürlich, bei so einer Sache! Aber wenn er so sehr darum bitte, selbstverständlich nur aus Gefälligkeit — würde er ihm seinen über lassen. Rach einigem Handeln erhält der Capira gegen Zahlung von 20 Contos (10 000 Mark) eine wunderschön gestempelte Bescheini gung, daß der Straßenbahnwagen Rümmer 713 in seinen Besitz über gegangen ist. Der weitere Verlauf der Tragikomödie nimmt im Wagenschuppen seinen Anfang und endet schließlich auf dem Polizeirevier, wo man dem guten Mann vergeblich klarzumachen sucht, daß er einem Betrug zum Opfer gefallen sei. Es bleibt für ihn unfaßbar, daß man etwas verkaufen könne, was man gar nicht besitzt. Doch zurück zum Cafe. Gegen Abend hat sich sein Aussehen völlig verändert. Die Kaffeetassen haben Diergläsern Platz gemacht, und «in Grammophon spielt unentwegt: „Ein rheinisches Mädche n beim rheinischen Wein . . .“ Es ist der Treffpunkt der Deutschen, die. wie man hier so schön sagt, „Amerika noch nicht .gern ach f h a b e n". Die Lebenskünstler, von denen kein Mensch weih, wovon sie leben: nicht einmal sie selbst. Aber sie leben immerhin. Ab und zu rafft sich einer auf und versucht, Geld zu machen. Beginnt einen schwunghaften Handel mit Krawatten oder Füllfederhaltern. Es geht aufwärts. Das Cafe hat ihn verloren. Reue Gesichter tauchen auf, neue Millionärskandidaten, die ihr letztes Hemd für ein Essen ausgeben. Der einzige dort, der so etwas wie einen Beruf hat, ist Leon, der Maler. Gr koloriert Photographien, allerdings in höchster Vollendung. Aber da seine brasilianischen Kunden ihn nur ehrfurchtsvoll „Herr Professor" titulieren, glaubt er schließlich selbst, der Vorläufer einer neuen Kunst zu sein. Immerhin ist «r in diesem Lokal — da er der einzige ist, der von Zeit zu Zeit Geld besitzt — die wichtigst« Persönlichkeit. An dem Abend, als ich ihn fennenlemte, verlieh gerade ein ziemlich abgerissen aussehendes Individuum seinen Tisch. „Wer ist denn das?", fragte ich neugierig. „Die alte Geschichte", sagte Leon, .kommt vor sechs Monaten von drüben mit all seinen Ersparnissen, einem ganz netten Sümmchen. Ich gebe ihm den guten Rat, all sein Geld wieder nach drüben zu schicken oder so lange herrlich und in Freuden zu leben, bis kein Pfennig mehr davon da ist. Denn bevor einer nicht mal ganz „down“ gewesen ist, bringt er es ja hier doch zu nichts. Er will natürlich nicht hören, kaust sich im Innern ein Stückchen Land und beginnt im Schweih« seines Angesichts, Kaffee anzubauen. Der Boden ist nichts wert, die Arbeiter betrügen ihn von oben bis unten. Er steckt immer mehr Geld hinein, und schließlich mutz er froh fein, den ganzen Schwindel für einen Preis loszuweroen, der für nicht viel mehr als einer Fahrkarte nach Sao Paulo reicht. Kennen Sie Professor F.? Heute ein reicher Mann. ViUa, Auto und wer weih was noch. Dem ist es auch mal so gegangen. Sitzt eines schönen Tages hier, weder Professor noch Geld. Aber hat eine Idee. Läßt sich einen langen schönen Vollbart wachsen, pumpt sich ein bißchen was zusammen und macht ein psychoanalytisches Beratungsinstitut auf. Den Leuten, di« in Scharen herbeiströmen, wird ein gut ge» mischterExtrakt ausCouö, Freud und Bibelsprüchen serviert, und siehe da. sie sind mit dem Genossenen höchst zufrieden. Seine Vergangenheit? Die Vergangenheit spielt nur solange eine Rolle, als man kein Geld besihL Und da gilt jeder Cingewanderte zumindest als ehemaliger Raubmörder. Was wurde von Dr. K. nicht aUes erzählt! Er habe in einem berühmten Prozeß drüben eine mehr als zweifelhafte Rolle gespielt. Der kümmert sich den Teufel um das Gerede. Erwirbt, kein Mensch weiß wie, die Erlaubnis, sich als Rechtsanwalt niederzulassen. Zuerst Winkeladvokat schlimmster Sorte, verdient aber viel Geld. Lind heute weiß kein Mensch mehr was von seiner „Vergangenheit'. Sie sagen. Sie hätten zufällig nichts verbrochen. Dann gebe ich Ihnen den guten Rat: bilden Sie sich wenigstens selbst ein. Sie hätten es. Sie müssen bei jedem und allem denken lernen: Ihr könnt mir denDuckel run ter ru tscheu ! Anders werden Sie hier nie weiterkommen.“ Also sprach Leon und fügte — wie mir schien, etwas wehmütig — hinzu: , Falls es Sie interessiert, und eigentlich sollte es Sie interessieren: der nächste Dampfer nach Europa fährt übermorgen von Santos ab.“ Buntes Allerlei. Generalsturm gegen Fliegen undMücken Die wasserreiche Umgebung Berlins bringt es mit sich, daß es in der Sommerzeit dort von Fliegen und Mücken wimmelt. Es soll jetzt endlich etwas Energisches dagegen getan werden. Die gesamte Bevölkerung der Umgegend Berlins wird zum Kampf gegen die unerwünschten Nutznießer der Wockenendbewegung mobilisiert. Die Bewohner der Dörfer, die aus den Berliner Wochenendgästen große wirtschaftliche Vorteil« ziehen, befürchten, daß der Berliner seine Freude an den Wochenendausflügen verliert, wenn er den Gastwirten sein Geld und den Mücken sein Blut lassen muß. Bisher wußten sich die Mücken in diesem Konkurrenzkampf noch immer zu behaupten. Jetzt werden Brutzerstörungstrupps gebildet, die mit Petroleum, mit Gas und anderen Mitteln gegen die Mückenschwärme vorgehen sollen. Ob es helfen wird? Der Kurort Klosterneuburg in Oesterreich hat im vergangenen Winter auch mit ungeheurem Aufwand von Petroleum die Mückenpest beseitigen wollen. Als die Mückenzeit kam, stellte sich jedoch heraus, daß aller Aufwand nutzlos vertan war. Denn es gab in diesem Jahr weder in Klosterneuburg, noch sonstwo in Oesterreich Mücken, es wurde ein mückenloser Sommer, wie er ab und zu vorkommt. Sensationsprozeß in Miami. Das Gericht in Miami (Florida) ist gegenwärtig der Schauplatz eines Sensationsprozesses, der die ganze englisch-amerikanische Welt in Spannung hält. Der britisch« Fliegerhauptmann William Lancaster ist angeklagt, den amerikanischen Journalisten Hayden-Clarke ermordet zu haben. Lancaster bestreitet jede Schuld. Im Mittelpunkt des Dramas steht die australisch« Fliegerin Iessie Keith Miller, die auch in dem Prozeß als einzige Zeugin auftritt. Die Fliegerin Miller war bis zum Jahre 1931 mit einem Australier verheiratet. Als Frau Miller sich dem Flugsport zuwendete, ging die Che in die Brüche. Ihr Mann untersagte ihr das Fliegen, sie beantragte daraufhin die Scheidung, und die Eh« wurde im Rovember 1931 getrennt. Sie hat dann noch mehrere große Flüge unternommen, die ihre Geldmittel verschlangen, und sich dann in Miami niedergelassen. Schon im Jahre 1927 hatte sie mit H^arcptmann Lancaster einen gemeinsamen Flug unternommen. Die beiden verliebten sich ineinander und nach Frau Millers Scheidung bewohnten sie gemeinsam ein Landhaus in Miami. In dem Landhaus wohnte auch der Journalist Hayden Clarke. Es steht fest, daß Frau Miller auch mit Clarke Beziehungen unterhielt. 2m April d. 2. muhte Lancaster eine Reise nach Mexiko unternehmen. Während seiner Abwesenheit kam Frau Miller mit Clarke überein, zu heiraten. Sie teilten dem abwesenden Hauptmann Lancaster ihre Absicht schriftlich mit Lancaster telegraphierte zurück, daß sie mit der Heirat bis zu seiner Rückkehr warten sollten. Arn 20. April kam Lancaster spät abends in Miami an. Er begab sich sofort in das Zimmer des Landhauses, in dem er und Clarke gemeinsam zu schlafen pflegten. Am andern Morgen wurde Clarke m i t mehreren Schußwunden aufgefunden. Man schaffte ihn sofort ins Krankenhaus, dort starb er, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. 2m Zimmer fand man einen Brief, der mit Schreibmaschine geschrieben war. Der Brief trug die Unterfdjrift Clarkes und enthielt die Mitteilung, daß er wegen wirtschaftlicher Rot aus dem Leben scheiden wolle. Die nähere Untersuchung ergab jedoch Verdachtsmomente bafür, daß Clarkes Abschiedsbrief gefälscht war. Hauptmann Lancaster geriet als Erster in den Verdacht, Clarke ermordet zu haben. Er muhte in der Voruntersuchung auch zugeben, dah er Clarkes Abschiedsbrief gefälscht hatte, leugnete aber im übrigen jede Beteiligung an der Mordtat. Di« Fliegerin Miller sagte vor Gericht aus, dah sie ursprünglich die Absicht hatte, sich selbst des Mordes an Clarke zu bezichtigen, um Hauptmann Lancaster die Untersuchungshaft und die furchtbare Anllage wegen Mordes zu ersparen. Sie erflärte, überzeugt zu sein, dah Clarke Selbstmord verübt hat, da er schon einmal ihr gegenüber Selbstmordabsichten geäußert und sie sogar gedrängt habe, gemeinsam mit ihm in den Tod zu gehen. Ein interessanter Shakespeare-Fund. Ein bedeutsamer Shakespeare-Fund ist. wie auS Rom berichtet wird, soeben dem Professor der englischen Literatur an der UniDerfität von Florenz, Gian Giordano O r f in i, in der ersten Folio-Ausgabe der Bibliothek zu Padua gelungen. Hier erkannte er in dem von der Forschung bisher übersehenen und in dem Katalog von Sir Sidney Lee als „frühe handschriftliche Rotizen von einem in den Stücken auftretenden Theaterdirektor“ abgetanen Folio aus der Schrift und dem Charakter der Rotizen eine „zeitgenössische“ genaue Abschrift. Die handschriftlich vorgenommenen Eintragungen finden sich in drei Shakespea- reschen Dramen: „Mah für Maß", „Macbeth" und „Wintermärchen“. Sie enthalten die 'Kamen und die Anfangsbuchstaben von verschollenen Schauspielern, die iirber Frühzeit von Shakespeares Ruhm in seinen Stücken aufgetreten sind. Man ersieht auch aus diesen Auszeichnungen, daß die Dramen des Dichters schon sehr früh arg für die Bühne zugeschnitten wurden, da hier ganze Szenen, Teile von Szenen, Versgruppen und einzelne Ausdrücke ausgelassen wurden. Besonders fielen auch schon damals, um dem Geschmack mancher Hörer entgegenzukommen, derbe Wendungen und Schwüre dem Zensor zum Opfer. Einige Verse vor dem Auftreten eines Schauspielers sind „Wamungszeichen" für ihn eingetragen. damit er rechtzeitig auf sein eigentliches Stichwort aufmerksam wird. An diesen Stellen finden sich die Ramen der Schauspieler. Ebenso sind Hinweise für Bühnengeräusche und Farbeneffekte und ein Verzeichnis der Dühnenrequisiten an verschiedenen Stellen eingetragen. Unter den letzteren findet sich in der Hexenszene des „Macbeth“ ein wichtiges Gerät, das heute bei keiner ..Macbeth“-Aussührung fehlen darf, das aber in dem gedruckten Folio nicht enthalten ist: der Hexenkessel. Professor Orsini bereitet eine Ausgabe seines Shakespeare-Fundes vor, die auch di« Rotizen und Listen enthalten soll. SJl.-'fpOTt GlüEcher Fußball-Austakt... 1900 (Ciga) — BSE. „Eintracht" Siegen (£iga) 4:1 (1:1). Wenn man im glücklichen Auftakt ein gutes Omen für die Saison sehen dürfte, dann wäre Gutes zu erwarten. Wie es werden wird, lehrt die Zukunft! Jedenfalls gewannen die Ligisten der Spielvereinigung ihr erstes Spiel und das ist erfreulich. Eine Niederlage, dazu auf eigenem Platze, zu Beginn der Saison, hätte zweifellos einen wenig guten Eindruck gemacht. Die zahlreichen Zuschauer sahen einen lebhaften Kampf. Das Spiel wurde fair aus- getragen. Zwar fetzte gleich, zu Beginn ein energisches Ringen Mann gegen Mann ein, hart wurde um den Ball gekämpft, gefährliche Situationen lösten sich aber immer wieder in Harmlosigkeit auf, so daß man ohne Strafstoß auskam. Der Schiedsrichter hatte kein allzufchweres Amt. Eines war von vornherein zu bemerken: die Blauweißen ließen sich von Anfang an die Spielanlage des Gegners aufdrängen. Die Siegener spielten halbhoch, scharf immer wieder auf das Tor zu (was ja an sich kein Fehler sein soll!) aber ohne jene klare Kombination, die mit einiger Sicherheit Erfolge hätte garantieren können. Es gelang den Gästen nur das Ehrentor, nachdem die Platzbesitzer mit 1:0 in Führung gegangen waren. Während der ganzen ersten Halbzeit — die beiden Tore fielen kurz hintereinander in der 14. bzw. 15. Minute — änderte sich an diesem Ergebnis nichts mehr. Die 1900er lagen vorübergehend klar in Front. Nachdem der Ausgleich gefallen war, setzte eine Torschußserie ein, die aber von keinerlei Erfolg begleitet war. Immer wieder gingen die Bälle darüber, daneben, der Tormann hielt die mehr oder weniger scharfen Schüsse, kurzum, es blieb bis zur Halbzeit bei dem 1:1, nachdem sich das Spiel wieder ausgeglichener gestaltet hatte und in flottem Hin und Her beide Tore verschiedentlich in Gefahr gerieten. (Uebrigens mußte Schlarb das erste Tor halten!) In der zweiten Spielhälfte setzten sich die 1900er besser durch. Die Gäste, nach wie vor eifrig, waren der Balltechnik der 1900er nicht ganz gewachsen, die Blauweißen spielten ideenreicher, die Manipulationen der Eintrachtler dagegen waren durchsichtiger, so daß die Gastgeber immer etwas mehr am Ball waren. Bald nach dem Wiederbeginn lautete das Ergebnis 2:1 für 1900. Die Hiesigen blieben stets etwas feldüberlegen, die Siegener versuchten immer wieder durch heftige Durchbrüche vor das Tor zu kommen, die Verteidigung war jedoch auf dem Posten. Luft und Zeiler wehrten zuverlässig ab, so daß schlarb nicht mehr allzuoft einzugreifen brauchte. In gleichmäßigen Abständen fielen zwei weitere Tore. Der Sieg der Blauweißen stand mit dem dritten Erfolg sicher. Besonders gefiel in diesem Spiel die Läuferreihe, die sich durch besonderen Eifer auszeichnete, der Sturm arbeitete nicht sehr genau zusammen und lies manche Gelegenheit aus. Schlarb wurde durch die niedrigen Bälle immer wieder etwas in Verlegenheit gebracht. Der Schiedsrichter amtierte einwandfrei. vfv. Liga — Fronhaufen 4:0 (1:0). Der Start in die neue Spielsaison brachte auch den VfB.ern einen klaren Sieg. Da einerseits die Grün-Weißen mit Ersatz antraten und andererseits der Gegner die erwartete Spielstarke nicht besaß, lassen sich jedoch Betrachtungen über die Verbands-Spielstärke der VfB.-Li^a nicht machen. VfB. trat die Reise an die Dill mit folgender Mannschaft an: Hetzel; Bingel, Leutheuscr; Haupt, Kreß I., Feuster; Müller, Wilhelm, Seibel, Lehrmund, Fehling. Balser mußte noch in letzter Minute durch Hetzel erseht werden, der sich gut aus der Affäre zog. Die Plahverhältnissc in Frohnhausen sind nicht die besten. BfB. spielte zuerst bergauf und der Gegner leistete denn auch in der ersten Spielhälfte den erwarteten Widerstand. Bei trotzdem überlegenem Spiele der BfB.er, bedingt durch die bessere Spielweise, konnten die Gießener bis zur Pause nur ein Tor vorlegen. Es resultierte aus einem von Feuster verwandelten Elfmeter. In der zweiten Halbzeit beherrschten die BfB.er souverän das Feld. Zwei Tore von Wilhelm und ein weiteres von Seibel stellten das Endresultat fest. Eine Kritik der Mannschaft erübrigt sich, jedoch ist festzustellen, daß die Verteidigung und die Außenläufer eine Form zeigten, die für die Berbandsspiele das beste erhoffen läßt. Die Gastgeber spielt recht und schlecht. Sie sind auf ihrem unebenen kleinen Platz immerhin ein gefährlicher Gegner. VfB. Ligareserve — Leihgestern 1 2:8 (0:2). Die Ligareserve muhte beim ersten Spiel eine blamable Niederlage einstecken, obwohl der Gegner bei weitem nicht die Spielstärke besah, wie das Resultat vermuten läht. Es soll jedoch die Leistung der Gäste nicht geschmälert werden, denn sie waren eifriger und schuhfreudiger am Werke als die Leute vom Waldsportplatz. Zu Beginn des Spiels sah man die BfBer in Front, aber als der Gegner durch ein Aeberraschungstor in Führung ging, war es mit der Begeisterung der BfBer vorbei. Die Verteidigung leistete sich manchen Schnitzer und verschuldete z. T. die hohe Riederlage. VfB. III — Leihgestern II 1:2 (0:1). Auch die 3. Mannschaft muhte sich einem eifrigen Gegner beugen. Die Mannschaft besteht z. T. aus ehemaligen Jugendlichen. Dank der Spielerfahrung konnten sich die sympathischen Gäste einen knappen Sieg sichern. Iugendspiele. VfB. 1. Jugend — Spv. Garbenteich 0:0. Der Start des BfB.°Rachwuchses war nicht sehr verheihungsvoll. Die Mannschaft fand sich nicht recht zusammen. Immerhin konnte sie gegen die kräftigeren Gäste ein Unentschieden halten. Das Spiel der Schüler fiel aus. Olympia -1932. Oie dritte Goldmedaille für Deutschland, Deutschland hat eine dritte Goldmedaille erhalten. Allerdings nicht in einem sportlichen, sondern im „Wettbewerb der schönen Künste". Der noch nicht verteilte Literaturpreis wurde an Paul Dauer (Deutschland) für das Buch „Am Kan- genhenzonga. Kampf mit dem Himalaya" gegeben. Die weitere Ausbeute des Montags war für Deutschland ein fünfter Platz von Leo Esser im Kunstspringen der Herren. Wie man erwartete, blieben die Amerikaner mit ihrem artistischen Können und i rer n odernen Auffassung in Front. Der Deutsche war von den teilnehmenden Europäern noch der beste. Die genaue Reihenfolge lautete: 1. Gallihem (USA.), 161,38 Punkte; 2. Iohn Smith (USA.), 158.34; 3. Degener (USA.), 151,82; 4. Phillips (Kanada), 134,64; 5. Leo Esser (Deutschland), 134,40; 6. Kobayashi (Japan), 133,76 Punkte. Im ausverkauften Schwimm-Stadion fiel auch die Entscheidung im 100 - Meter - Crawisch w i m m e n der Damen. Siegerin blieb die Inhaberin des Weltrekordes, Helen Madison (USA.) in der neuen olympischen Rekordzeit von 1:06,8 Minuten. Den zweiten Platz belegte die erst 14 jährige Holländerin vonOudeninl:07,8 Minuten vor den beiden Amerikanerinnen Geratti und Me. Kimm. — Bei den Dorläufen zum 400° Meter-Crawlschwimmen der Herren erregten der Iapaner Pokayama mit 4:53,2 Min. (Olympischer Rekord) und der Franzose Iean Taris mit 4:53,3 Minuten die besten Zeiten Starkes Interesse fanden die beiden Maffer- ballspiele. Im ersten Treffen schlug Deuts ch l a n d Brasilien nach drückender Aeberlegenheit mit 7:3 (4 1). Die Südamerikaner benahmen sich schon während des Spieles schlecht. Rach dem Kampf griffen sie den Schiedsrichter an. Zwischen ihnen und den gemeinsam den Schiedsrichter verteidigenden deutschen und ungarischen Spielern kam es zu einer hählichen Szene, die damit endete, dah 20 Polizisten herbeigeholt werden muhten, um die Brasilianer abzudrängen. Die gesamte brasilianische Mannschaft ist wenige Stunden später von dem Spielausschuß des Internationalen Berbandes disqualifiziert worden. Im zweiten Spiel des Tages schlug Ungarn unter der einwandfreien Leitung von Hofmann- Rürnberg Iapan mit 18:0. Den zweiten Platz des Hockey-Turniers besetzte Iapan nach einem überraschenden 9:2- Sieg über Amerika. Bei den Segelwettbewerben liegt der Deutsche Behr auch nach dem Montag noch hinter Holland und England auf dem dritten Platz. — Der Internationale Leichtathletik-Derband hat es in einer Sitzung abgelehnt, die Suspensierung Rurmis auszuheben. Der erste olympische Wettbewerb im Turnen brachte die Freiübungen. Im Mannschaftswettbewerb siegte hier Amerika vor Ungarn, Italien, Finnland und Iapan. Bester Einzelturner war der Ungarn Pelle vor dem Schweizer Miez. Eine Prüfung der Zeiten für die Staffeln am Sonntag hat ergeben, dah die deutsche 4 mal 100-Meter-Staffel nur 40,6 Sek. gebraucht hat, also den Weltrekord erreichte, der am Tage zuvor von den Amerikanern aufgestellt worden war. Ferner hat die Zielphotographie ergeben, dah die Deutsche Dollinger im 100°Meter° Laus Bierte und nicht Sechste war. Zwischenbilanz von Los Angeles. Nach Beendigung der gestrigen Wettkämpfe ergibt sich im Ge'sam'tklassement der Nationen folgender Stand: 1. USA. 113 Punkte (21 Goldmedaillen, 18 Silbermedaillen, 14 Bronzemedaillen), 2. Finnland 37 Punkte (5, 7, 8), 3. Italien 35 Punkte (6, 4, 9), 4. Schweden 31 Punkte (7,3, 4), 5. Frankreich 29 Punkte (7, 3, 2), 6. Deutschland 22 Punkte (2, 6, 4,), 7. England 21 Punkte (2, 6, 3), 8. Kanada 16 Punkte (1, 4, 5), 9. Japan 12 Punkte (2, 2, 2), 10. Ungarn 9 Punkte (1, 2, 2). Dann folgen weitere 12 Nationen. 3S.MielcheinWeMeisturnsest Die Ergebnisse der Mehrkämpfe. Zwölfkampf: Turner: 1. Reuter, Sb. 46 Gießen und Göbüg, Tv. Mainz-Mombach, je 207 Punkte; 2. A. Groh, Wiesbadener T. B., 206 P.; 3. O. Sinnwell, Tv. Bad-Rauheim, 205 Punkte; 4. C. Winter, Frankfürter Tgm.. Eintracht, 201 P.; 5. Kretz, Tv. Mainz-Kastel, 197 P.; 6. Hugo Reumann, Mainz 1860, 196 P.; 7. Willi Clumenschein, Tg. Bernstadt, 195 P. und P. Seip, Bockenheimcr Tgm., 195 P. Zehnkampf: Turner: 1. Robert Haßler, Tgm. Bornheim, 189 P. und C. Frey, Mtv. Kreuznach. 189 P.; 2. Benz, Tv. Rüsselsheim, 171 P.; 3. L. Schneider, Tv. Hönningen, 169,5 P.; 4. L. Hermann, Tg. Bockenheim, 169 P.; 5. G. Pfeiffer, Frankfurter Tgm. Eintracht, 167,5 P.; 6. I. Kipp, Klein-Auheim, 165 P.; 7. Karl Haßler, Tgm. Bornheim, 163,5 P. und R. Feth, Grohen-Linden, 163,5 P.; 8. K. Häfner, Tgm. Bornheim, 162 P. Fünfkampf, Turner-Altersklosse: 1. Otto Iunker. Rödelheimer Tgm., 97 P.; 2. Paul Bie- ael, Tv. Algenrodt, 90 P.; 3. A. Rühel, Tv. Bieber, 87 P. und W. Seitel, Tiebenstein, 87 P.; 4. F. Maier, Tv. Walldorf, 85 P.; 5. W. Dohr- mann, Tv. Breckenheim, 84 P. Fünfkampf, zweite Altersklasse, Turner: 1. H. Emmerich, Tgm. Worms, 100 P.; 2. A. Schall, Tv. 1860 Frankfurt, 89 P.; 3. L. Greif. Tv. Dölklingen, 88 P.; 4. E. Barbe, Vorwärts Bockenheim, 84 P. Fünfkampf, dritte Altersklasse, Turner: 1. Ueberreich, Tv. Unterliederbach, 95 P.; 2. Friedrich Kofler, Homburger Tv., 89 P.; 3. Hilgert, Tg. Koblenz, 87 P. Turnerinnen: Siebenkampf, Oberstufe: 1. E. Bruch, Tv. Saarbrücken, 127 P.; 2. A. Fuchs, Tg. Sachsenhausen, 125 P.; 3. Gretel Schnarr, Tv. Riederursel, 123 P.; 4. Thea Schmidt, Tg. Koblenz, 121 P.; 5. L. Holtermann, Mainz 1817 und Käthe Fohnemann, Tv. 46 Gießen, 120 P. Sechskampf. ältere Turnerinnen: 1. Else Schmidt, Tv. Malstadt, 109 P.; 2. G. Hangarter, Tv. 1860 Frankfurt, 100 P.; 3. G. Fischer, Tv. 1860 Frankfurt, 97 P. Vierka mpf, Turnerinnen: 1. Else Dickel- Haupt, Mtv. Gießen, 88 P.; 2. Lore Becker. Stadtsportverein Frankfurt, 79 P. und I. Boch- nick, Tv. Reu-Isenburg, 79 P.; 3. G. Grützner, Mainz 1817. Vereins-Riegenturnen. Stärkeklasse 2: 1. Tv. Germania Trier, 61 P.; Stärkeklasse 3: 1. Tv. Brebach, 68 P.; Stärkeklasse 4: 1. Mtv. Kreuznach, 69,5 P. Faustball. Freiwilliger Arbeitsdienst — Tv. Mainzlar 1. HL 38:36. Der Freiwillige Arbeitsdienst konnte während seiner Tätigkeit in Mainzlar (Herrichtung eines Sportplatzes) eine Faustballmannschaft aufstellen. Dieselbe stand am Sonntag der 1. Mannschaft des Tv. Mainzlar in einem Werbespiel gegenüber. Cs wurde ein schönes Spi»l gezeigt, bei dem der Freiwillige Arbeitsdienst als Sieger blieb. Wirtschaft. Erläuterungen zumReichsbankausweiö Berlin, 9. Aug. (WTB. Funkspruch.) Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 6. August 1932 hat sich in der verflossenen Bankwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 202,1 Millionen auf 3542,3 Millionen Mk. verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -Schecks um 63,6 Millionen auf 3043,9 Millionen Mk., die Bestände an Reichsschatzwechseln um 20,5 Millionen auf 27,1 Millionen'Mk. und die Lombardbestände um 117,9 Millionen auf 106,2 Millionen Mark abgenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 154,9 Millionen Mk. in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 144,8 Millionen auf 3822,1 Millionen Mk., derjenige an Rentenbankscheinen um 10,1 Millionen auf 403,1 Millionen Mk. verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 23,9 Millionen Mk. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 333,9 Millionen Mk. eine Abnahme um 45,7 Millionen Mk. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 0,3 Millionen auf 894,4 Millionen Mk. erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 3,2 Millionen auf 763,0 Millionen Mark abgenommen und die Bestände an dcckungs- fähigen Devisen um 3,5 Millionen auf 131,4 Millionen Mk. zugenommen. Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen betrug am 6. August 23,4 Prozent gegen 22,5 Prozent am Ultimo Iuli d. I * Die Portland-Zementwerke Dycker- hoff°Wicking, Mainz-Amöneburg, haben Antrag auf zeitlich begrenzte Stillegung des Werkes Mainz-Amöneburg gestellt. Die Stilllegung soll im September erfolgen und so lange andauern, bis die Läger geräumt sind. * Zahlungseinstellung des Beam - ten - Wirtschafts - Vereins zu Ber - l i n. Die seit 30 Iahren bestehende Beamten- Wirtschafts-Verein e. G. m. b. H., Berlin zu Berlin hat sich genötigt gesehen, die Zahlungen einzustellen. Sie erstrebt einen Vergleich, der auf eine volle Befriedigung besonders der Spargläubiger abzielt. Die gegenwärtige Illiquidität der Genossenschaft ist auf die Schrumpfung des Sparkassenbestandes zurückzuführen. Die Genossenschaft hatte 1929 einen Sparkassenbestand von 16,5 Millionen Mark, von dem damals die Hälfte flüssig gehalten war. Da der Sparkassenbestand heute noch acht Millionen Mark beträgt, sind unter Berücksichtigung der seit April 1929 zugeschriebenen Zinsen rund 11 Millionen Mark bar zur Auszahlung gelangt. Die Vorbereitungen zur Einleitung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens sind im Gange. Der Warenverteilungsvertrieb wird uneingeschränkt aufrechterhalten. Frankfurter Abendbörse still. Frankfurt a. M., 9. Aug. An der Abendbörse stagnierte das Geschäft fast vollkommen, da Anregungen nicht Vorlagen und es vor allem weiterhin an Orders von außen her fehlte. Die Spekulation war eher zu weiteren Realisationen geneigt, so daß die Tendenz als nur knapp behauptet anzusprechen war. Interesse erhielt sich nur für Schiffahrtswerte sowie am Montanmarkt für Stahlverein, die etwa 0,25 bis 0,50 Prozent höher lagen. Auch AEG. konnten sich leicht erhöhen, während I.-G.-Farben im freien Markt mit 86,50 Prozent angeboten waren. Im Verlaufe herrschte weiter Geschäftsstille. Wie groß diese war, dafür spricht, daß I.-G.- Farben, das Standardpapier, nicht amtlich notiert wurden. Im freien Markt ermäßigte sich der Kurs auf 863/g Prozent. Schließlich kam eine Rotiz per Kasse zu 86,50 Prozent zustande. Am Rentenmarkt kam es ebenfalls kaum zu Llmsähen. Deutsche Anleihen blieben etwa behauptet, späte Reichsschuldbuchforderungen konnten um 0,25 Prozent anziehen. Pfandbriefe lagen sehr ruhig. Altbesitzanleihe 48,50, Reubesih- anleihe 5,45, Schuhgebietsanleihe 3,20, bprozent. Frankfurter Hypotheken-Bank (Gold-Reihe 13 bis 15) 68.75, Reichsbank 125, Rheinstahl 50,50, Stahlverein 12,75, Aku 40, AEG. 28,75, Scheideanstalt 138, I.-G.-Farben Kasse 86,50, Gesfürel 60,50. Hapag 13,75. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter öen Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzl beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskonl 5 o. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. M. Berlin Franksurt a.M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß« furd schlußk. Abend- böri Schluß« Iure Schluß!. Mittag. börse Schluß« kurS Schluß!. Abend« börse Schluß» kure Schluß!. Mittag« böric Schluß« furö Schluß!. Abend« börs Schluß« lurö Schluß!. Miiiag. börse Datum 8-8- | 9.8. 8-8. 9.8. Datum | 8.8. 9.8. 8.8. 9.8. Datum 8.8. 9-8- 8-8. 9.8. 6% Douitche Retchsaniethe v.lSn. 63 62 62,1 63,1 vamvurg-Amerua Pate. i 13 13,75 12,9 13,5 iKiebrd Montan...... _ _ — u% ehern. 7%2t. ReichSani. V.1S2V 69,75 69,5 69,5 69 Hamburg-Südam. Tampfschis, 0 27 Bereinigte Stahlwerke . . . . O 13,25 12,75 12,9 12,25 5)4% Douna-Anleihe von 1930 59,5 60,5 59,5 60,5 Hansa Dampsschiss I — — Ctavi Minen....... unkündbar bis 1935 69,25 68,75 — — A.C.G . ... . 0 28,5 28,75 28,5 28,5 Mctallgesellldiast. . 0 28,75 28,25 28,9 28,75 6% ehern. 7% Franks. Hyp.-Bank 69 78 Bergmann........ . 0 ©olOVi' 16 unkündbar bis 1936 5)4% ehern. ■!'/,% Franls.Hyp.- Ban! t'iqu Pfandbriefe . . . 68 77,75 — Elektt. LieserungSgeseNschast. Licht und Kraft...... Felten & Guilleaume.... 5 6 0 60 74 41,75 60,5 74,5 41,5 60,75 73,9 42,65 62 74,9 41,75 Philipp Hotzmann..... Zementwerk Heidelberg. . . - Cemcntweri Karlstadt. . . . Wayst & Drehtag . . . 0 •1 ( 39 38,5 38,5 39 33 39,75 38,5 5J4% chem. 4%% Rheinische 79,5 79,75 Gesellschaft für Elektrische o 3,9 4,25 4,5 Hnv -Bank-Ligu «Goldpie. . — Unternehmungen . . . ■1 61,25 60,5 61,5 60,9 6% chem. 8% Pr. LandeSpsand. Rheinische Elektrizität . . 518 69,5 69,5 69,5 69,75 briesanstalt Pfandbriese R. 1? 68 68 68 — Sd)udert & Co....... 0 65 66 66 66,25 Sdjultheto Payenhoser . . . Aku (Allgemeine Kunstseide) Bemberg......... _ _ 55,5 55,75 6% ehern. 7% Pr. Landespfand- briefanftni* Plandbrleke R. U1 68,5 68 _ _ Siemens L Halske..... Lahmeher & (So....... 9 10 122 87 123,5 86,5 123,25 122,75 86.5 0 40,75 33,5 4? 33,5 40,75 34 39,75 34 c Zellstoss Waldhof..... 0 29 30 29 28,9 4% Dc(tcneid)l)d)e Qiolorciite . 10 10 — 10,7 löuoeiu........ . 4 28,5 72,5 28 28,9 28 äcllstoss Aschaffenburg . . . ( 17,25 — I7jji 17,25 4,20% Oestcrreichische SIlberrentr 1 1,2 1,1 1,2 Deutsche Erdöl...... . 5 71,5 72,25 71,9 Dessauer GaS....... 7 — — 86 86,65 4% Üngarische Goldrente .... 5,85 5,85 5,85 5,9 Gelsenkirchener...... . S 36 35 36 35,13 Daimler Motoren..... 0 14,5 14,5 15 15,13 4% Ungarische Staatstente v. 1910 6,5 6,5 6,4 6,3 Harpencr......... . 0 52,75 53,75 53 54,4 Deutsche Linoleum .... 0 36,13 34,65 35 34,25 4'/,% deSgl. von 1913 . . . . —— —— — — Voesch Eisen........ . 6 — —— 27 27,5 Orcnstein & Koppel .... c — — 25 24,65 5% abgest. GoldmexUaner von 9t 5,4 5,25 — — 3He Bergbau....... Ilse Bergbau Genüsse . . . 10 — — 130 130 Leonhard Tietz...... 6 44 41 41 39 4% Türkische Zollanleihe von 1911 3,4 3,4 3,3 3,4 • . 95 —— — 94,5 Svenoka 0 — — — — 4% Türkische Bagdadbahn-Anleilt? Mlödncriocrtc . ..... . 6 25,5 24,9 24,9 24,25 Ehade 12 169 171 169,75 172 Serie l . . . . . 3,4 3,4 3,5 — Blannesmann-Rahren . . . . 6 39,9 40 39,75 39,65 4% desgi. Serie li 3,4 3,4 3,4 3,3 Mansselder Bergbau .... . 0 15,5 16.5 15,5 16,25 5% Runiän. vetcinh. Rente v.190! 4,5 4,75 Oberfchles. KokSwrrke . . . . 8 31,65 31,5 Frankfurter Matchtncn . . . । _ _ 4/,%Rumän.vereinh.Rentcv.l913 8,25 _ 8,15 8,3 Phönix Bergbau...... 4'/a 16,75 16,25 16,65 16,4 Grinner..... 0 17 17,5 _ 4% Rumänische vereinh. Rente 4,2 4,25 4,2 4,1 Rheinische Braunkohlen. . . Rveinstabl ...... 10 170 169 169,4 169 Mainkrastwerke Höchst a. M-. 4 47,5 _ _ 2)4% I Anatm--- 17.R5 17.13 17.5 I 17,25 . 6 49,75 50,5 50,25 50,75 Süddeutscher Zucker .... 8 106,25 107 105,75 106,75 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Banknoten. 8.August 9-August Amtliche Notierung Amtliche Dotierung Meld artet Geld 3r(et HelsingsorS . 6,284 6,296 6,284 6,296 Wien. . . . 51,95 52,05 51,95 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest. . — —— — Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 169,58 169,92 169,68 170,02 Oslo. . . - 72,78 72,92 73,13 73,27 Kopenhagen. 78,22 78,38 78,42 78,58 Stockholm - 74,78 74,92 75,02 75,18 London. . . 14,55 14,59 14,61 14,65 Buenos Aires 0,878 0,882 4,217 0,878 0,882 Neuyork . . 1,209 4,209 4,217 Brüssel. . . 58,34 58,46 58,34 58,46 Italien. . . Paris . . . 21,50 21,54 21,50 21.54 16,475 16,515 16,48 16,52 Schweiz . . 81,87 82,03 81,97 82,13 Spanien . . 34,14 34,20 34,14 34,20 Danzig. . . 81,92 82,08 81,92 82,08 Iapan . . . Rio de Jan.. 1,089 1,091 1,099 1,101 0,324 0,326 0,324 0,326 Jugoslawien. 6,693 6,707 6.693 6,707 Liltabon '3.29 13,31 13,29 13,31 Berlin, 9-August Geld Zrkef Amerikanische Noten....... Belgische Noten......... Dänische Noten......... Englische Noten......... Französische Noten........ Holländische Noten........ Italienische Noten....... Norwegische Noten........ Deutsch. Oesterreich, ä 1OO Sch'lling Rumänische Noten........ Schwedische Noten ........ Schweizer Noten......... Spanische Noten......... Ungarische Noten........ 4,20 58,18 78,24 14,57 16,44 169,31 21,46 72,95 2,49 74,85 81,79 34,00 4,22 58,42 78,56 14,63 16,50 169,99 21,54 73,25 2,51 75,15 82,11 • 34,14 lv.B UV' öonn'^ 3Duf| miWSan*"! 5"*a,l”8,,«,Spr Auch D‘,Inen Dhifl ***$. MW' ,tf.S Steilung' fflenäaten m fr Umbracht M d regiemng noch em, lich das deutsche machen, das) die Krise nur zu metz Ordnungm bleiben, so hasten politischer Ww Cs ist ganz M Trüben zu iw’ dah sie bei den Spiele hasten un nistische Parteilei! visuellen Terror dadurch, dah sie Hänger in Wort zur Aiederkämpfi ■ Straße zu gehen, so, als ob das dei kan tanze, obschc lich noch über fügt, um der 6< Es ist noch fei Schreckenstaten fin eine Auflehn gcwalt, die sie unbedingten Sichert gefallen lassen soll Es ist eine Fr- siir das deutsche Sßo ungeschwächt c beit es sich allein stark gemacht wird walt das deutsche ohne Erschütterung Gefüges herauszus dem Plan umgeht, lei, wie sie zusamn larifd) ja ftütjen, nidjt belast, begef, fyirlamentariidje .ffa sind eigentlich üble uicht übersehen werl wchge Recht des Re kanzler, sowie den l sen Rahmen eine neu den soll. Wenn al Parteiführer innerh tags den Auftrag < die von einer park und gestüht wird, fuhrt werden. scheitert also der Reichspräfidenten stimmen, die aber trag erhalten kann d°8 uns die Zeit fe abzuwandeln, denn 'n Zwei ober drei eine Neidtsregierum 'en.heit besitzt, ä gewöhnlichen Krise flehen. Wir tön Zssr ft" “bn 1° l«r ss*S SKSi tz-Ly 'einen9 entle E ^.dar^de. xstritt Mnu, RO ein»? S Erdeis die ÖWet^ ba