nr. 154 Erster Via« 182. Jahrgang Freitag, 10. Juni 1932 6r|d)ttnt täglich, außer Sonntags und ^tiertags. Beilagen: Die 3üuftTterte (Biebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM 1.9b Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Femsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrist für Drahtnachrichten: Anzeiger riehen. PoKfdjedfonto: Fronltun am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmd nnb Verlag: vrühl'sche UHiDetnid1$*Bue eine Binde vor än Augen getragen &aJbe, fo . ift fie M ienen Zeiten gefallen, in denen ich das hohe Erlelxn hatte, daß der Heimat ärmster Sohn- famlDerbanb. Dieser Schritt wird begründet mit der von der anhaltischen Organisation einmütig abgelebten Haltung der Reichsparteileitung der DvP. zu den entscheidenden Fragen der politischen Neugruppierung im Reich. Jrakiionsberoiungen der NeutschnaNonalen. ■Berlin. 9. Juni. (DDZ.) Die deutichnationale Pressestelle teilt mit: Am Donnerstagnachmittag traten die Reichsiagsfraktion und die preußische LandtagSsraktion der DRDP. zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Dr. Hugenberg behandelte die Frage der Regierungsbildung im Reich, das Prcußenproblem unter besonderer Betonung der föderalistischen Einstellung der DRVP. und die politischen Auswirkungen der angetün- digten und zu erwartenden Regierungsinastnah- mcn. Die Aussprache ergab die völlige Heber* einftimmung der Auffassungen Die neue R o t - Verordnung des preußischen Deschästskabi- netts erfuhr schärfste Ablehnung. Die Fraktionen standen ferner auf dem Standpunkt, daß — so unheilvoll auch die von den Regierun* gen Brüning und Braun hinterlassene Finanz* zerrüttung ist — Maßnahmen vermieden werden müßten, die ene neue schwere Belastung der breiten Volksschichten zur Folge haben. Weiter wurde die einmütige Auffassung der Fraktionen betont, daß jede Wieder* aufbauarbeit im Reich und in Preuszen mit einer Säuberung deS Verwaltung-* apparates von den durch die bisherigen Regierungen eingesetzten Parteibuchbeamten zu beginnen habe. Oie süddeuischen Länder wenden sich an den Reichspräsidenten. Karlsruhe. 9. Juni. (IDIB.) Amtlich. Die heute in Karlsruhe versammelten Ministerpräsidenten und Staatspräsidenten der Länder Bayern, Württemberg und Baden haben an den H e r r n R e i ch » p r ä s i d e n envonhinben- b u r g nachstehende» Telegramm gerichtet: „Die unterzeichneten Minister und Staatspräsidenten der Länder Bayern, Württemberg und Baden bitten den Herrn Reichspräsidenten um einen Empfang anläßlich der Konferenz der Ministerpräsidenten am nächsten Samstag oder Sonntag. Ge,.: Dr. h e I d. Dr. B o lDr. Schmit t." Der Herr Reichskanzler wurde oon dem Telegramm verständigt. • Die „Münchener Reuest e R achrichten" schreiben, es sei ein nicht alltäglicher Vorgang, daß Ministerpräsidenten mehrerer Länder um einen Empfang beim Reichspräsidenten nachsuchen. Man muß darauf schließen, sagt das Blatt, daß besondere Begebenheiten dazu bewogen haben. Es läßt sich natürlich unschwer erraten, daß Fragen, die das Verhältnis zwischen Reich und Ländern betreffen, in der erbetenen Unterredung mit dem Reichspräsidenten erörtert werden sollen, und die deutschen Ministerpräsidenten das Bedürfnis fühlen, die Stellung ihrer Länder zu diesen Problemen darzulegen. Art und Weise, wie der neue Reichskanzler b i e preußische Frage angegriffen hat, und gleichzeitig ausgetauchte Erörterungen über die evtl. Einsetzung eine» Reichskommissars wurden im Süden nicht ohne Beunruhigung verfolgt Das „Berliner Tageblatt“ glaubt, daß die drei Minister das Bedürfnis haben, den Reichspräsidenten über die politischen Besorgnisse zu unterrichten, die der Kurswechsel in Berlin allenthalben in. Süddeutschland erweckt hat. Rach Ansicht der „D A Z." sei es unschwer zu erraten daß die Demonstration der süddeutschen Län- der sich gegen die durch Reichskommissarpläne aus- gelosten Reichsreform erörterungen richten solle. — Der „L o k a l a n z e i ge r" nennt die Sorgen, die die süddeutschen Länder hinsichtlich der Reichskommissarfrage offenbar hätten, deshalb v ö l • l i g unnötig, weil die Form, in der die Einsetzung eines solchen in Preußen erfolgen würde, nicht etwa einen (Eingriff in die Verfassung und damit eine Verletzung der föderalistischen Grundlagen des Reiches bedeuten würde. — Die „Deutsche Zeitung" spricht von einem „unverantwortlichen Spiel" d e s Zentrums, durch das die Reichsreg'erung gehindert werden sollte, in Preußen den ersten Schritt zur Beseitigung des schwarz- roten Systems zu unternehmen. Hitler und der Faschismus. Oer Führer der ASOAP als Zeuge im Meineidsprozeß Abel. München. 9. Juni. (XII.) Gelegentlich des vor dem Münchener Landgericht als Berufungsinstanz wegen der Behauptung. Hitler habe für feine Partei Gelder aus Italien empfangen, stattgefundenen Beleidigung spro- z e f f e s Adolf Hitlers gegen den deutsch-völkischen Führer von Gräfe » Goldebe hatte der Schriftsteller Werner Abel unter Eid ausgesagt, daß er persönlich zugegen gewesen sei, wie Hitler in München mit einem italienischen A t - tache zusammen gekommen fei und daß er wisse, daß Hitler von diesem Manne Geld erhalten habe. Aus Grund dieser Aussage wurde gegen Abel, der vielfach vorbestraft ist, ein Meineidsversahren eingeleitet, mit dem sich das Münchener Schwurgericht seit Dienstag beschäftigt. Ter Angeklagte hielt in der Verhandlung seine Behauptung aufrecht. Vachdem am Mittwoch der bayerische Grneralstaatsanwalt Dr. Rolh. die Muller des Angeklagten, der Sachverständige Professor Kronenfeld. der Re.chstagsab- gcordmete Heines und der Italiener Morio Älbini vernommen worden waren, wurde in der Donnerstag-Verhandlung Adolf Hitler als Zeuge gehört. Er erklärte, daß er Werner 2fbel nie persönlich kennen gelernt habe. Lieber die Versammlung der Infanterieschüler und Rohbachleute, wo nach der Angabe Abels die Vorstellung Hitlers und des Italiener- Migliorati, sowie die Vereinbarung einer Besprechung stattgesunden haben soll, erklärte Hitler, daß er verspätet in diese Versammlung gekommen sei, sofort eine Ansprache gehalten, dann nur noch einige kurze Worte mit Roßbach gewechselt und daraut öte Versammlung verlassen habe. Er könne auf das bestimmteste versichern daß er an jenem Tage keinem Italiener vorgestellt worden sei und daß er mit n i e m an den eine Dereinba rung für eine spätere Besprechung getroffen habe. Den Rainen des angeblichen Italieners Miliorati habe er biS zu diesem Prozeß nicht gekannt. Er habe überhaupt noch niemals eine Unter» redung mit einem Italiener in dem von Abel behaupteten Sinne geführt, daß die RSDAP. eine bestimmte Südtirolpolitik machen wolle und dafür eine Unterstützung von Italien erwarte oder annehme. Er habe in Gesprächen mit 3falicnern immer gesagt, es würbe seinen Kamps für eine deutsch- italienische Verständigung erleichtern, wenn man in Südtirol gewisse Erleichterungen eivtreten lassen würde. E» sei In solchen Fällen auch oon 3talienern erklärt worden, daß, wenn erst einmal die gesamte Atmosphäre zwischen Deutschland und 31a- lien bereinigt sein würde, eine gewisse freundschaftliche Behandlung der Südtiroler Frage in die Wege geleitet werden könnte. Er sei überzeugt, daß die Lage der Südtiroler auf diesem Wege erleichtert würde. Hitler versicherte unter ausbrürflidjer Bezugnahme auf seinen Elb, bah er es persönlich als eine unerhörte Belastung feiner politischen Unabhängigkeit auffassen würbe, wenn er überhaupt für eine be- stimmte politische Tätigkeit von irgenbjemanben eine Bezahlung entgegennehmen würbe. Er würbe barii eine Fesselung seiner Politik sehen. Er könne gerade seine Italienpolitik ber Beglaubigung unb Versöhnung zwischen Italien unb Deutschland verantworten, weil er finanziell überhaupt nichts mit dem Auslände zu tun habe. Auf die Bemerkung des Vorsitzenden, daß behauptet werde, daß die nationalsozialistische Belegung aus dem Auslande, auch aus dem früher feindlichen Auslande Geldunterstützungen erhallen hebe, erwiderte Hitler, daß die nalionaljozialistifche Bewegung eine großbeutsche Organisation sei, bie nicht nur in Deutschlanb und Oesterreich, sondern überall verbreitet fei, ro o Deutsche in ber Welt leben. Die NSDAP, habe eine eigene Abteilung für Auslanbbeutsche unb Ortsgruppen seien überall oorhanben bis nach China unb Japan Die eingegangenen Unterstützungen seien felbftoerftänblid) auch nur von b i e f e n aus- lanbdeutschen Gruppen der NSDAP, hereingekommen. Das Gelb fei aber oon Deutschen gegeben worben unb niemals von einem Franzosen, Englänber ober sonst einem Ausländer. Die NSDAP- Habe niemals oon Ausländern Geld genommen oder Geld verlangt oder Geld Protest gegen die neue Notverordnung in Preußen. empfangen. Insbesondere habe sie von Italien I feinen Lire bekommen. Die Behauptungen Abels, die NSDAP. habe von Italien Gelder xrhalten, weshalb die Partei ihre bekannte 5,el- lang zur Südtiroler Jrage eingenommen habe, fei eine glatte Lüge. Die deutsche Politik glaube, durch Proteste und Drohungen das Schicksal der Südtiroler erleichtern zu können. Diese Politik sei falsch. Er halte es für richtig, auch im Interesse der Südtiroler selbst, zu einer Verständigung mit Italien zu kommen. Nicht, daß die Nationalsozialisten kein Gefühl für die Südtiroler Frage hätten, aber mit Gefühlsausbrüchen könne man nicht helfen. Hier müßte eine weitschauende politische Neuorientierung eintreten. Auf die Frage des Rechtsanwalts Erhardt, ob Hitler bekannt geworden fei, daß Vertreter feiner Partei Verhandlungen mit Italien geführt hätten, erklärte Hitler: „Was heißt Vertreter der Partei? Das könnten nur Leute fein, die mich persönlich vertreten; denn die Partei bin i ch". Auf die weitere Frage, ob Hitler jemand beauftragt habe, mit Mussolini ober der italienischen Regierung zu verhandeln, antwortet Hitler mit einem entschiedenen „N e i n". Ein Zwischenfall. Hitler in Ordnungsstrafe genommen. Es kommt dann zu einem schweren Zu- sarnmenstoß zwischen Adolf Hitler und den beiden Verteidigern, Rechtsanwalt Erhardt und Dr. Rosenfeld. Als diese Hitler fragten, ob es richtig sei, daß die Hitlerbewegung Gelder von den Skodawerken und dem Schneider-Creu- zot-Konzern bezogen hätte, fuhr Hitler in höchster Erregung auf und schrie den Verteidigern zu: „Ich lasse mich nicht beleidigen! Was fällt Ihnen ein? Ich kann es vor den Millionen meiner Anhänger nicht verantworten, mich hier insultieren zu lassen. Ich gebe diesen jüdischen Rechtsanwälten keine Antwort mehr!" (Beifallklatschen im Zuhörerraum). Alle diese Dinge, die ihm hier vorgehalten würden, seien von A bis Z erlogen. Wiederholte Versuche des Vorsitzenden, Hitler zu bewegen, den Anwälten Antwort zu geben, blieben erfolglos. Nach längerer Beratung des Gerichtshofes verkündete der Vorsitzende, daß das Gericht den Zeugen Hitler wegen Verweige- r u n g des Zeugnisses z u einer Drb- nungsstrafe von 800 Mark, im Nichtein- bringungsfall zu 16 Tagen Haft sowie zur Tragung der burch die Verweigerung verursachten Kosten verurteilt habe. Ferner wird der Zeuge Hitler wegen Ungebühr in der Sitzung zu einer Ordnungsstrafe von 200 Mk., im Nichteinbringungs- fall zu drei Tagen Haft verurteilt. Der Vorsitzende stellte fest, daß er keine Fragen an Hitler mehr habe. Er richtete an die Verteidigung die Aufforderung, ob sie ihre Fragen durch das Gericht dem Zeugen Hitler vorlegen lassen wolle. Diesen Vorschlag lehnte die Verteidigung ab. Damit war der Zeuge Hitler entlassen. Oie Aussage Miglioratis. Keinerlei Verbindung mit Hitler. Es wird bann das Protokoll über die Vernehmung Miglioratis, durch dessen Vermittlung Hitler italienische Gelder erhalten haben sollte, vom 16. September 1930 in Reuhork verlesen. Aus diesem Protokoll ergibt sich, daß Migliorati sich im Jahre 1923 nur 30 Stunden in München aufgehalten und dabei durch seine Schwestern den Äbel als Prinzen Vsenburg kennengelernt habe, worauf er ihn immer mit Hoheit angesprochen habe. Er kenne Hitler und Roßbach nicht, habe mit ihnen auch niemals in Verbindung gestan- d e n. Er sei nie Mitglied des italienischen Faschismus gewesen, sondern gebürtiger Schweizer. Er habe Hitler nie Geld angeboten, anbieten lassen oder eine andere Unterstützung seiner Bewegung von Italien aus, auch niemals dem Angeklagten gegenüber geäußert, daß Hitler von dort Geld erhalten habe. Ebensowenig kenne er einen Konsulatsbeamten Mario, der angeblich fein Mittelsmann gewesen sein soll, noch den Führer der österreichischen Rationalsozialisten Reschny. Hitlers Rundfunkvortrag. Die Venutzung des Rundfunks durch die politischen Parteien. Berlin, 9. Juni. (CNB.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird der Reichsinnen- m i n i st e r noch im Laufe des heutigen Tages einen Erlaß herausgeben, der die Benutzung bes Runbfunks burch die politischen Parteien außer ben Kommunisten währenb bes Wahlkampfes regelt. Im Zusammenhang bamit wirb zu den Meldungen über einen beabsichtigten Rund- funt Dortrag bes nationalsozialistischen Parteiführers Abolf Hitler mitgeteilt, baß die nationalsozialistische Hörerorganisation, der Reichsverdanb Deutscher Rundfunkteilnehmer, beim Reichsinnenminister bie Genehmigung für einen Vortrag Abolf Hitlers nachgesucht hat. Der Reichsinnenminister hat dazu erklärt, baß er grundsätzlich keine Sebent en bagegen habe, aber bie Antragsteller a u f den üblichen Weg b e r Anfrage bei ber betreffenden Senbegesellschaft verwiesen, der die Vorlegung des Vortragsmanuskripts und die Entscheidung durch den zuständigen lieber« wachungsausschuß oorsieht. Wie die nationalsozialistische Parteikorrespondenz meldet, wird am kommenden Dienstag, 14. Juni, Gregor Straßer von 19 dis 19.30 Uhr im Rundfunk über das Thema „Die Staatsidee des Nationalsozialismus" sprechen. Die Rede wird auf alle deutschen Sender übertragen. Db es sich bei dieser Rede um einen Ersatz für die angekündigte Hitler- Rede handelt, konnte im Braunen Haus noch nicht bestätigt werden. Dr. Goebbels ruft zu einer Vesreiungsspende auf. Berlin, 9. Juni. (TU.) Der Reichspropagandaleiter der NSDAP., Dr. Goebbels, veröffentlicht im „Angriff" einen Aufruf, der die Ueberschrift trägt: „Aufruf zum Befreiungskamp f". In diesem Aufruf heißt es u. a.: Ein neuer entscheidender Wahlkampf steht vor der Tür. Am 31. Juli hat das deutsche Volk fein Urteil abzugeben über die vergangenen 14 Jahre einer beispiellosen Mißwirt- schäft. 14 Jahre lang hat das deutsche Volk Elend, Rot und Er.- ehrung schweigend ertragen. 14 Jahre lang sind wir die Sklaven dieses schwarz - roten Oer Deutsche Beamtenbund. Berlin, 9. Juni. (TU.) Der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Deamtenbundes beschäftigte sich mit ber neuen preußischen Rotverord- nung unb ben bevorstehenben Maßnahmen ber Reichsregierung. Es wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in ber es u. a. heißt: Rach wie vor wendet sich ber Deutsche Deam- tenbund mit aller Schärfe gegen jede irgendwie geartete Sonberbelastung der Beamten. 3n Erkenntnis ber Rotwendig- keit des Ausgleichs ber öffentlichen Haushalte verweist ber Deutsche Beamtenbund erneut auf die von ihm bereits gezeigten Wege zur Erschließung neuer Einnahmen, insbesondere kann der von der Festbesoldungsabgabe erwartete Ertrag durch Aufhebung derllmsahsteuer- freigrenze auf eine Weise beschaffen werden, die niemanden neue Lasten auferlegt, sondern lediglich erhobene Steuern ihrer Bestimmung zuführt. Mit größter Entschiedenheit wendet sich der Deutsche Beamtenbund auch gegen die von der preußischen Regierung beschlossenen Maßnahmen, deren formale Gestaltung als Zwangssparkasse niemanden darüber hinwegzutäuschen vermag, daß es sich um eine neue Gehaltskürzung handelt. Es ist Ausgabe der Regierungen von Reich und Ländern, derartige Maßnahmen durch ein sozial gerechtes und wirtschaftlich tragbares Steuer- und Finanzshstem zu vermeiden. Der Vorstand hat ein Telegramm an den Reichskanzler gerichtet, in dem ein Einzel- Vorgehen der Länder nach Art der Preußennotverordnung als unerträglich erklärt wird. Ilm solchem Vorgehen den Boden zu entziehen und das Inkrafttreten der preußischen Verordnung zu verhindern, wird die Reichsregierung gebeten, dem Reichspräsidenten die sofortige Aufhebung der Ermächtigungsverordnung vom 24. August 1931 vorzuschlagen. Weiter wandte sich der Vorstand gegen den im Preußischen Landtag von der nationalsozialistischen Fraktion gestellten Antrag auf Ausl ö - sung des Verbandes PreuhischerPo- lizeibeamten. Dieser Antrag finde weder in verfassungs- noch in allgemein-rechtlichen Bestimmungen eine Rechtsgrundlage. Er sei aber geeignet, in der Beamtenschaft schwere Deun- ruhicprng hervorzurufen über die Währung ihrer Dereinigungsfreiheit. Der Vorstand erwartet von der Reichsregierung, daß sie in Wahrung der Grundrechte der Reichsverfassung gegen jeden Versuch einer Beeinträchtigung der Vereinigungs- freiyeit vorgehe. Oer Allgemeine Oeuische Beamtenbund. Berlin, 9. Juni. (TLl.) Zu den neuesten Ge- haltskürzungsmahnahmen teilt der Allgemeine Deutsche Beamtenbund mit: „Bei aller Würdigung der finanziellen Lage muß schärfster Protest gegen die durch die neue Rotverordnung verfügte Einbehaltung von 5 bzw. 2,5 Koalitionsregimes gewesen. Nun steht das deutsche Volk vor dem völligen Nichts und starrt grau unb verzweifelt in eine leere Zukunft. Es ist jetzt keine Zeit mehr, über Einzelfragen zu debattieren. Es geht jetzt um Deutschland! Nicht eine Partei will in uns den Sieg an ihre Fahne heften, hier erhebt sich die deutsche Nation. Das Volk steht auf und der Sturm bricht los. Nur der Nationalsozialismus hat in sich die Kraft und die Aktivität im Innern unb nach außen bie politischen Reformen an Haupt unb Gliedern durchzusühren, bie notwendig sind, um das deutsche Volk in einer neuen Gemeinschaft zu einigen. Zum Schluß ruft Dr. Goebbels zu einer deutschen Befreiungsspende auf. Dor Lausanne. Die Auffassung in England. London, 9. Juni. (WTB. Funkspruch.) Das Herannahen der Eröffnungstagung der Lausanner Konferenz macht die Frage ber Reparationen unb der interalliierten Schulden immer mehr zum Hauptthema der Londoner Presse. Man hebt die Notwendigkeit französisch-englischen Z u- fammensarbeitens hervor unb erklärt, weder England, noch Frankreich, noch Italien könnten auf die deutschen Zahlungen verzichten, wenn nicht d i e Schulden an Amerika erlassen werden. „Daily Herald" und „Morning Post" betonen, daß endlich eine Entscheidung fallen müsse, wenn eine Katastrophe verhindert werden solle. „Daily Telegraph" spricht von ber Wichtigkeit einer gemeinsamen Erklärung ber europäischen Schulbner an bie!8ereinigten<5taaten. — Der Pariser Korrespondent ber „Times" hat den Eindruck, daß der britische und der französische Streitpunkt in den drei Fragen ber Reparationen, der Abrüstung unb der Wiederherstellung Zentraleuropas einer Vereinbarung näher gekommen sei als vor den französischen Wahlen. „Financial News" brückt bie Hoffnung aus, baß Macbonalb bei seinen Besprechungen mit Herriot von ber Notwendig- feit ber Annullierung ber Reparationen burchdrungen worden sei. Herriot soll der englischen Regierung Andeutungen über die französische Reparationspolitik gemacht haben, als er die Einladung an Macdonald übermittelte. Die Bemerkungen enthalten jedoch keine greifbaren Vorschläge. In London sind Gerüchte im Umlauf, daß England, wenn Frankreich einer völligenStreichung der Reparationen zustimme, auf Deutschland im Sinne eines Entgegenkommens in der Abrüstungsfrage Frankreich gegenüber h:n- wirken werde. Die englischen Vertreter, so meldet der „Star", würde sich für die vollständige unb allgemeine Streichung der Kriegsschulden und Reparationen einsehen. „Manchester Guardian" nimmt gegen die Pläne Stellung, Deutschlands Reparationszahlungen auf etwa 2 0 0 Millionen Mark i m Jahr Herabzusehen. Diese Summe würde eine sehr fühlbare Last für das Deutsche Reich darstellen, das nicht wisse, wie es seine Einnahmen vergrößern oder seine Ausgaben vermindern könne, ohne soziale Unruhen hervorzurufen. Prozent der Bezüge eingelegt werden. Diese Einbehaltung von Gehaltsteilen bedeutet nichts anderes als eine weitere Gehaltskürzung. Es ist allmählich zur Hebung geworden, die gesetzlich festgelegten Gehälter, auf die die Beamten einen Rechtsanspruch haben, als eine Art allgemeine Reserve anzusehen, auf die bei einem Eintreten finanzieller Schwierigkeiten zurückgegriffen wird. In gleicher Weise protestieren wir auf das schärfste gegen die von der Reichsregierung geplante Erhebung einer Deschäftigten- steuer oder Fe st besoldeten - Abgabe in Höhe von 1 v. H. für die Beamten ohne jede Freigrenze oder soziale Staffelung. Dieser erneute Angriff in die Beamtenrechte, die unerträgliche Verschlechterung der materiellen Lage weiter Beamtenkreise muß das Vertrauen der Beamtenschaft zum Staate und feiner Führung auf das Schwerste erschüttern. Dies gilt um so mehr in einer Zeit, in der durch Zölle. Subventionen und unzählige andere Maßnahmen andere Dolkskreise und Berufsstände trotz der Finanznot Hunderte von Millionen aus öffentlichen Mitteln zugewendet werden und weiter in gesteigertem Maße zugewendet werden sollen, ohne daß auf der anderen Seite den noch vorhandenen großen Einkommen und Vermögen auch nur annähernd eine solche Last auferlegt wird, wie dies gegenüber der Beamtenschaft geschieht. Oas Fleischergewerbe. Berlin, 9.Juni. (TU.) Die Fleischeroer- banbszeitung schreibt u. a.: Das deutsche Fleischergewerbe ist durch die Notverordnung der preußischen Regierung, die die schon einmal abgelehnte Schlacht st euer nunmehr doch in Preußen einführt, aufs äußerste bestürzt. Unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen wird es nicht möglich sein, die Steuer auf die D e r - braucherfchaft abzuwälzen. Auch der preußische Finanzminister Dr. Klepper hat in seiner Begründung zu dkeser Steuer den Standpunkt vertreten, daß in Zeiten absteigender Konjunktur, wie wir sie zur Zeit haben, die Schlachtsteuer d i e Fleischpreise kaum berühren wird, sondern in erster Linie von der Zwischenspanne und dann auch von d e r ,L a n d w i r t s ch a f t aufgefangen würde. Da' gleichzeitig der Minister erklärt hat, daß er von der in dem Gesetz gegebenen Ermächtigung, die Hausschlachtun- g e n für Schweine ganz von der Steuer zu befreien, sofort Gebrauch machen wird, bleibt letzten Endes als Zahler und Träger der Steuer das Fiel- schergewerbe übrig, dessen fixe Kosten dadurch ungeheuer belastet werden. Diese Belastung muß sich prozentual um so stärker auswirken, nachdem das Fleischergewerbe seit langem mit einer völ - l vg ungenügenden Preisspanne arbeitet. Abgesehen davon soll aber auch nicht verkannt werden, daß auch die Landwirtschaft teilweise betroffen wird, weil jeder, auch der geringste Druck, angesichts des niedrigen Preisniveaus auf den Schlachtviehmärkten sich in einer weiter finken- ben Tenbenz ber Viehpreife auswirken muß. Aus allen biefen Grünben muß bas Fleischergewerbe bie Schlachtsteuer unbebingt ablehnen. Kleine politische Nachrichten. Die neue Reichsregierung hat, entgegen ber bisherigen Hebung, biesmal keinen Beschluß über bas A m t bes Vizekanzlers gefaßt. Als Stellvertreter bes Reichskanzlers von Papen gilt ber bien ft ölte ft e Reichsminister, bas ist ber gegenwärtige Reichsminister bes Aeußern Freiherr von Neurath. Reichskanzler v. Papen hat den Berliner Oberbürgermeister Dr. Sahm unb den geschäftsführenden Präsidenten des Deutschen Städtetages Dr. M u l e r t empfangen. Beide Herren schilderten dem Kanzler die Notlage der deutschen Gemeinden und unterbreiteten ihm Vorschläge zur Ausbalancierung der Gemeindehaushalte. Auch der Präsident des Deutschen Landkreistages Dr. v. Stempel wurde vom Reichskanzler empfangen, Reichsaußenminister Freiherr v. Neurath ist nach Berlin abgereift. Zum Abschied hatten sich Vertreter des Königs und des Außenministers eingesunden. Außerdem waren anwesend der deutsche Geschäftsträger mit dem gesamten Stab der Botschaft, zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps, darunter der französische Botschafter und die Gesandten Oesterreichs, Bulgariens und Hollands, Vertreter der deutschen Kirchen Londons, der englischen und der deutschen Presse unb viele persönliche Freunbe. Der schwedische Prinz Gustaf Adolf, der älteste Sohn des Kronprinzen, fährt zu seiner Verlobung mit der Prinzessin Sybille von Sachsen-Coburg-Gotha nach Coburg, wo die Verlobung am 16. Juni stattfindet. In einer 15 Punkte enthaltenden Anklageschrift fordert der Untersuchungsleiter Seabury den Gouverneur Roosevelt auf, den bekannten Neuyorker Oberbürgermeister Walker wegen Pflichtverletzung durch Annahme von Geldern, deren Her- kunft nicht genügend geklärt ist, vom Amt zu entfernen. Einen Hauptanklagepunkt bildet der Kreditbrief einer Omnibusgesellschaft über 10 000 Dollar, mit denen Walker seine Europareise finanziert hat. * Tardieu hat mit Unterstützung persönlicher Freunde (Jean Fabry, Paul Reynaud, Petsche) eine neue Fraktion gegründet, die sich das re- publikanische Zentrum, Fraktion für soziale, kommerzielle unb lanbwirtschaftliche Aktion, nennt. Die Partei besteht aus 26 ehemaligen Linksrepublikanern, bie bei ber Abstimmung über bie Regierungserklärung entgegen bem Verhalten der Fraklions- Mehrheit gegen bas Kabinett Herriot gestimmt haben. Aus aller Wett. Reichskanzler von Papen an feine Vaterstadt. Die Stadt Werl, in der Reichskanzler v. Papen geboren wurde, sandte an den Kanzler folgendes Glückwunschtelegramm: „Dem zum höchsten Amt des Reiches berufenen Sohn unserer Stadt senden wir aus einer gemeinsamen Sitzung der städtischen Körperschaften herzliche Glückwünsche." Der Reichskanzler sandte daraufhin folgendes Antworttelegramm: „Herzlichen Dank für treu« Wünsche der städtischen Körperschaften. Ich weiß, daß meine Vaterstadt in dieser schweren Stunde in der Reihe derer stehen wird, die eine Zu- sa mmensassung aller wahrhaft na* tionalen Kräfte als die Voraussetzung für eine Wiedergeburt Deutschlands betrachten." Bundestag des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes. Der Allgemeine Deutsche Durschenbund (ADB). der mit 40 Burschenschaften auf fast allen reichsdeutschen Hochschulen, in Danzig und Prag vertreten ist, beschäftigte sich auf seinem diesjährigen Bundestag mit allen zur Zeit im Vordergrund stehenden hochschulpolitischen und studentischen Fragen. Der ADB. bekennt sich erneut zur Deutschen Studentenschaft und tritt für Schaffung einer Grohden tschen Studentenschaft ein. Zur Durchführung der wehrsportlichen Aufgaben der Studentenschaft erwartet der Bund von seinen Burschenschaften, daß sie dem ötlichen AWK. beitreten und Mitarbeiten, sowie die Kurse der Geländesportlager beschicken. Das Wahrzeichen des ADV., die Frankenburg, wird zu einer Totenehrenhalle des Bundes nach den Entwürfen von Architekt Suhnel (Rhenomar- chia AHi. Ehrenbürger der Universität Münster, ausgebaut. Die Ausbauarbeiten haben bereits begonnen, und die Weihe soll zum 50. Bundestag im nächsten Jahre erfolgen. Das Präsidium für das neue Jahr ging auf die älteste Burschenschaft des ADB., Reogermania - Berlin, über. Ein 2Horb nach zwölf Jahren gesühnt. Das Schwurgericht Weimar verurteilte den 37 Jahre alten Landwirtschaftsgehilfen Ritter aus Klein-Rembach wegen Mordes zum Tode. Ritter hatte am 18. Februar 1920 feine Geliebte in der Rähe der ihrem Arbeitgeber gehörigen Mühle nach einem Wortwechsel durch 17 Messerstiche getötet. Rach 12 Jahren also ist der Mord gesühnt worden, und zwar war Ritter schon damals der Tat dringend verdächtigt worden, doch rettete ihn vor der Verurteilung die falsche Zeugenaussage eines befreundeten Landwirts. Gewissensbisse veranlaßten aber den Landwirt, die Wahrheit zu gestehen. Schwere Bljiftat Der Gastwirt Bresselhaus," ber auf bem Schloß Houlte bei Bielefelb eine Gastwirtschaft betreibt, würbe erschlagen aufgefunben. Seine Ehefrau, beren Vater unb eine Hausangestellte finb durch Hammerschläge schwer verletzt worben. Der Täter ist in bas Schlafzimmer bes Wirtes eingebrungen. Er hat sofort auf den Wirt eingeschlagen unb ihm bie löblichen Schläge beigebracht. Als bie Frau ihrem Mann zu Hilfe eilen wollte, erhielt sie zwei wuchtige Hammerschläge über ben Kopf, so baß sie zusammenbrach. Der etwa 70 Jahre alte Vater bes Wirtes, der das Schlaf- zimmer betrat, wurde von dem Täter ebenfalls mit einem Schlag zu Boden gestreckt. Inzwischen war das Dienstmädchen in das Schlafzimmer der Eheleute geeilt. Zwischen ihm und dem Mörder entspann sich e i n K a m p f, bei bem es bem Mäd- chen gelang, ben Räuberzu überfälligen unb ihm, obwohl es ebenfalls schwer verletzt wurde, den Hammer zu entreißen. Das Mädchen schlug auf den Burschen ein, bis der Hammerstiel a b b r a d). Der Täter flüchtete und konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Der Massenmord in der Dojwodina. In der Angelegenheit des Massenmordes von Rovh Betschej wird die Llntersuchung energisch fortgeführt. Die bisherigen Zeugenverhöre ergaben die überraschende Feststellung, daß es sich bei den 86 Ermordeten nicht um unschuldige Opfer, sondern um Mitglieder der Räuberbande selbst handelt. Die Räuber wurden nämlich von einer Gegenorganisation, die sich „Weiße Terrorgruppe" nannte, mit allen Mitteln bekämpft. Zwischen der vernichteten Räuberbande und der weihen Terrorgruppe war gercftime Zeit ein regelrechter Kleinkrieg geführt worden. Trotzdem neuerlich zahlreiche Verhaftungen vorgenommen wurden, hat man wenig Hoffnung, die Hauptschuldigen fassen zu können. Gebt auf eure Kinder acht! Das rätselhafte Verschwinden der 13jährigen Schülerin Irene Zottmann aus Rürnberg beschäftigt zur Zeit auch die Berliner Kriminalpolizei. Es verlautet, daß das Mädchen zunächst nach München und dann nach Berlin wollte, um sich dc r - bei den Filmgesellschaften nach dem Schauspieler Roman Ravarro zu erkundigen. Sie ist aber weder dort noch hier gewesen. Es ist demzufolge die Vermutung aufgetaucht, daß das Mädchen von einem Manne verschleppt worden ist, der ihren Filmfimmel benutzte, um sie an sich zu locken. Rachfragen in Berlin haben ergeben, daß die Kleine hier noch nicht bei Filmgesellschaften vorgesprochen hat. Auch die weibliche Kriminalpolizei ist zu der Suche nach der Vermißten herangezogen worden. Prügelstrafe für jugendliche Deliquenten in England. Bei ber Einzelberatung bes Gesetzentwurfes über bie Jugenbfürsorge wurde ein von ber Regierung bekämpfter Zusatzantrag angenommen, ber besagt, baß gegen jugendliche Deliquenten männlichen Geschlechts auf Prügel st rafe erkannt werben kann. Es wird für diesen Fall bestimmt, daß die Schläge mit einer Birkenrute zu erteilen sind unb baß ihre Zahl nicht mehr als sechs betragen barf. Wettervoraussage. Obwohl sich bas kontinentale Hoch mehr süböstlich verlagert, wirb sein Einfluß noch für unser Gebiet metterbeftimmenb fein. Die Erwärmung schreitet habet weiter fort, unb auch nachts erfolgt keine Abkühlung mehr in so starkem Maße, wie es bisher geschehen ist. Die weitere Gestaltung ber Wetterlage dürfte sich später in aufkommenden Gewitterstörungen äußern, welche durch die Jslandstörung hervorgerufen werden. Aussichten für Samstag: Fortdauer des meist heiteren Wetters, tagsüber weitere Erwärmung. AussichtenfürSonntag: Warmes Wetter mit aufkommender lokaler Gewitterneigung. Lufttemperaturen am 9. Juni: mittags 16,8 Grab Celsius, abenbs 9,4 Grad; am 10. Juni: morgens 9,2 Grab. Maximum 19,4 Grab, Minimum 4,1 Grab. — (Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Junk: abenbs 17 Grab; um 10. Juni: morgens 10,8 Grab Celsius. — Sonnenscheinbauer 8% Stunbert g. Tannen. Uhr. Cafs — Tageskalende rfür Fr eita berqbund. Kampfgruppe Gießen: 20.15 Leib, öffentlicher Vortrag über 5rcimaurcrei - Allgemeine Ortskrankenkasse Gtehen-stadt. 20.30 Uhr. „Gewerkschaftshaus", ordentliche Ausschuß. Sitzung — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Heimatoeranstaltung auf dem Schiffenberg. Die Hcimatverennaung --ch'ft-n. berg und die R. und E -Sommer^Suftung toben in unserem heutigen Anzeigenteil auf nächsten Sonntag nachmittag zu einer Heimatoeranstaltmig auf dem Schisfenberq ein. Im Mittelpunkt der Deransta mng wird die Aufführung eines von dem Heimatdichter Georg Heß verfaßten Feft^icles stehen das -me Reihe vielseitiger Bilder bringen wird. (Man beachte die heutige Anzeige.) — Lin Konzert der G i e h e n e r_ o e u e r mebrkavelle wird am kommenden «onntag in der Waldeslust- am Flughafen ftattfindcn. Die Ka- velle in Stärke von 20 Mann wird vorwiegend volks. Mmliche Musik bringen. (Siehe heutige WigH __ rr h r i ft l i di e 5 Sangerfest. Der Cbr.|i ßdje Sängerbund. Kreis Gießen, veranftallet am Stus der Provimlatbauptffadi Giehen. den 10.3uni 1932. Jenen für die Mutter. Daß auch die Hausfrau und Mutter eine Zeitlang der Ausspannung bedarf, sehen heute wohl alle ein, ober das „Wie" macht vielfach große Schwierigkeiten. Wer das aonze Jahr über unentbehrlich war, findet sich vor allem selbst sehr schwer zu dem Entschluß, die Fessel des Alltag, zu sprengen. Und hier liegt die erste und größte Schwierigkeit. Ader auch wenn sie überwunden ist. weil die Gesundheit der Mutter zu augenscheinlich die Lrholungszeit fordert, gilt es noch viele Schwierigkeiten aus dem Wege zu raumen. Wer sorgt für den Vater, wer für die Kinder, die Wohnung, ja, vielleicht auch noch für die Tiere und Blumen? Ist hier Rat geschaffen so steht drohend die Kosten, frage der Mutter vor Augen und bringt oft alles wieder zum Scheitern. Da ist es doppelt erfreulich zu hören, daß das Rote Kreuz, das so ost wie die Feuerwehr das „Mädchen für alles" spielt, auch hier hilfreich ein- fprinat. Die Frauenoereine vom Roten Kreuz nehmen sich aller dieser Sorgen an. Sie vermitteln die Haushaltvertretung, bringen die Kinder unter und nehmen In einer Anzahl von Heimen Mütter auf, in einigen auch Mütter mit ihren Kindern. Häufig tritt das Rote Kreuz in bedürftigen Fällen für einen fehlenden Rest der Wegekosten ein, wenn nicht schon Krankenkassen, Landesversicherung oder Wohlfahrts, amt für die Kosten aufkommen. In einigen Heimen werden auch ganze und halbe Freistellen vergeben. Da die Mütter sich zumeist nur kurze Zeit frei machen können, so ist die Dauer des Erholungsaufenthalts sehr verschieden; sie beträgt zwei bis sechs Wochen: schon eine kurze Zeit der Ausspannung tut bei der abgehetzten Familienmutter Lunder. Aerztliche Aufsicht ist fast überall vorhanden. Luft- und Sonnenbäder^Hohensonne-Beftrahlungen. Liege- kuren im Wechsel mit Turnübungen, Seebäder, dazu der ständige Ausenthalt in Herz, und augenerfreucn- der Umgebung. Ablenkung von Alltagssorgen durch Borträge, Musik und Spiel tragen schnell zur Auf- frischung und Erholung bei. In den Erholungsheime,!, die Mütter mit ihren Kindern aufnehmen, werden die Kinder getrennt untergebracht, um den Müttern die ihnen so not- wendige Ruhe zu sichern — und dabei doch ein Zu. sammensein mit den Kindern nach Wunsch zu er» möglichen. Schon die Tatsache, einige Zeit vom Druck der Verantwortung für das Wohl und Wehe der ganzen Familie enthoben zu sein, trägt dazu bei, in den Müttern eine Entlastung hervorzurufen, die der An- fang ihrer Stärkung an Körper und Seele ist. Kehrt die Mutter dann innerlich froh und körper, sich gestärkt zurück, so kommt ihr gesundes Wesen der ganzen Familie zugute, denn von der Stlmmunq und Elastizität der Mutter hängt die harmonische Atmo. sphäre des Hauses ab. Dies muß in einer zerrütteten und nervös gereizten Zeit wie der heutigen ganz besonders beachtet werden. Der bevorstehende Rotkrcuztag gibt Gelegenheit, diese segensreiche Arbeit des Roten Kreuzes ZU unterstützen, deren Wirkung viel größer ist, als üch in einigen kurzen Zellen schildern läßt. Wenn daher die Sammler und Sammlerinnen am Rotkreuztag <12 Juni) um Spenden für dos Rote Kreuz bitten, Jo mögen die Leser und Leserinnen daran denken, daß ihre Beiträge mit dazu bestimmt sind, den Müttern ihr Recht auf Ausspannung und Ferien zukommen zu lasten. Helft helfen! Unter dieser Parole veranstaltet das Rote Kreuz in dieser Woche eine allgemeine S o m m l u n g, die mit einem Rotkreuztag am nächsten Sonntag ihren Höhepunkt und Abschluß finden soll. Die Veranstaltung wird im ganzen Reiche durchgeführt. Bei den vielfachen und reichen Seanungen der Rotkreuzarbeit, die am elndrucks- vollsten in dem Wirken der Sanitätskolonnen und der sozialen Fürsorge zutage tritt, erscheint es als Pflicht jedes Mitbürgers, durch die B«steuer fernes Scherfleins die Rotkreuz-Einrichtungen zu fordern Möchten die Sammlerinnen auch in unserer Stadt überall gebefreudige Menschen antreffen! Jede Gabe wird mit Dank angenommen, da man sich bewußt ist, baft auch aus kleinen Beihilfen schließlich doch eine ansehnliche Stütze werden wird. Wahllompf-Kundaebungen. Die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei veranstaltet in l*r CBolre- halle in Dießen in der kommenden Woche drei große Wahllundaebungen Am Montag 13. 3un i, spricht G r e g o r S t r a ß e r. am Mittwoch, 15 Juni. Dr. Goe b b e I 8 und am Freitag. 17 Iuni. der Führer Adols Hitler. Hm eine gute Abwicklung des Äarten- V o rvcrkaufs zu gewährleisten, hat mePro- vinz-Leitung der ASDAP in den früheren A st o. ria - Lichtspielen. Seltersweg eine Torverkaufsstclle eingerichtet die ab heute tag- lief) auch Sonntag, von 10 Hhr bis 18 Ubr geöffnet ist. Der Vorverkauf für bie ^raßer-Der. sammlung beginnt heute, der Vorverkauf für die Goebbels-Versammlung beginnt Samstag, den 11. Iuni. und der Vorverkauf ^ur die Httler-Ver- sammlung beginnt Sonntag, den 12. 3um. Näheres ist aus der Ankündigung im heutigen -an- ’e,!CI bie 'ÄrdMten. . btr A«D2lP in Schotten mitteilt, wird Adolf Hitler gelegentlich einer Sonnenwendfeier auf dem Hoherodskopf am Samstag, 18. Juni, sprechen. Bornotizen. kommenden Sonntag fein diesjährige, Kreis-Sän- gerfest auf der Daldvühne an der Licher Straße mit reichem Programm. Gegen 400 Sänger werden gemischte Chöre und Männerchöre zum Vortrag bringen. (Nähere, In der heutigen Anzeige.) "Segelfugzeug Im €d)Ieppf (ug auf dem Gießener Flugplatz Am kommenden Samstag, und Sonntagnachmitta^ wird auf dem Flugplatz das Segelflugzeug im cdjleppflug vor- geführt Stuck meck. Schmidt vom verein für Luft- fahrt in Gießen wirb bei günstiger Wetterlage auf dem Segelflugzeug ,.D Gießen" einen längeren Segelflug zeigen. (Man beachte die heutige Anzeige) •• Unentgeltliche Hausschwamm-Le- ratung Im Anschluß an Heimattagungen, bie morgen, Samstag, nachmittag in Nidda in der „Ärone* und Sonntag nachmittag in Hungen im ,'Solmler Hof", je um 15 Uhr, stattstnden. wird Direktor Kallenbach von der Hessischen Landen stelle für Pilz, und Hauslchwamm Beratung zur kostenlosen Raterteilung in allen HauslchivammfaUen in den obengenannten Lokalen anwesend fein. ee Baron Wittich aus Gießen. Schon seit längerer Zeit fahndete die Polizei nach einem gewissen Kari Wittich aus Gießen, der sich in Frankfurt a. M. als falscher Fremden- fübrer herumtrieb Damit aber nicht -cuug. schädigte er in ziemlich starkem Maße auch den Bund der-AItstadtfreunde. indem er. angeblich in besten Auftrag. Gelder einsammelte. Gr legte sich bei diesem Handwerk allerlei hochtrabende Aamen bei, bald war er ein Graf Weil, bald ein Varon Wittich, dann wieder ein Freiherr von soundso ulw. Jetzt konnte ihn die Frankfurter Polizei fasten. •• Feuerwehrübung au£bem Gleiberg. Anläßlich der am morgigen oamstag auf der Burg Gleiberg stattfindenden Generalversammlung des Gleibergvereins findet eine Fcucrwehrübung statt, an der die Kreismotorspritze sowie die Feuerwehren von Krofdorf und Wißmar teilnehmen wer- den Die Leitung der Ucbung liegt in den Händen des Kreisbrandmeisters Vogel (Wetzlar). •• Auflegung der Stimmlisten zur Reich,tagswaht. Die Stimmlisten und Stimm, (arteten für die am 31. Juli stattfindende Reich»- lagswahl sind vom 10 bis 17. 3u II aufzulegen Universitäts-Gottesdienst Am Sonntag. 12. 3uni. 11.15 Uhr. findet in der Heuen Aula ein Univerl»täts-Gottesdienst statt. Die Pred.gt hält Prof. Lic. Dr. phil. Adolph. •• Familiennach richten Frau ftaroline Hirsch, Marktstraße 32 wohnhaft, kann morgen ihren 87. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische begehen. — Am nächsten Sonntag können bie Eheleute Heinrich Dolsf, Schuhhaus in Gießen, Seltersweg 4, ihre silberne Hochzeit feiern •• Reichsbahnperfonalien. Amtmann Edertz beim Reichsbahn-Betriebsarnt Gießen I würbe zum Reichsbahn-Betriebsamt Frankfurt am Main I versetzt An seine Stelle würbe ber technische Reichsbahn-Vberinspektor Wittlich vom Reichs- bahn-Betriebsarnt Lauterbach berufen Der Leiter ber hiesigen Güterabfertigung, Güicr-Oberinfpektor Griebel, trat nach über vierzigjähriger Dienstzeit bet ber Reichsbahn in den Ruhestand. Als Rach- folger wurde ©üter-Dberinfpehor Scharbt, seitheriger Leiter ber Güterabfertigung Limburg, nach vier versetzt. Obersekretär Wagenbach wurde von Lollar nach Gießen, Sekretär B i n g e l von Nieder- Walgern nach Lollar, Steffen» von Gießen nach Lollar und Pfeffer von Lollar nach Nieder Walgern versetzt. In den Ruhestand traten Obersekretär Schmidt und Oberzugschaffner Kramer beim Bahnhof Gießen, sowie Zugrevisor Benderoth beim Reichsbahn-Derkehrsamt Gießen DerLoranMaaderprovmzObecheffeMlSZ2. Der Provinzialtag der Provinz Oberhesfen ist von seinem Vorsitzenden. Pro- vinzialdirektor G r ae f. auf Mittwoch. 22. Juni. 12 Uhr. in den Sitzungssaal des AegierungS- gebaudeS in Gießen zur diesjährigen ordentlichen Tagung «inbe rufen worden. Hauptpunkt der Tagung ist der HäuShaltsvor- anschlag sür das A j. 19 32. Oie Gesamtsumme des Voranschlags für 1932 beläuft sich in Einnahme und Ausgabe auf 4 159 918 Mark, gegen 4 639 800 Mark im Vorjahre. Davon entfallen auf die Vetriebs- rechnung 3 828 800 Mark (im Vorjahre 4 306 500 Mark), auf die Vermögensrechnung 331118 Mark (im Vorjahre 333 300 Mark). Oie BeiriebSrechnung. 2m einzelnen entfallen in der Betriebs- rechnung auf Allgemeine Verwaltung: Einnahmen 10 300 Mark (im Vorjahre 11 448 Mark). Ausgaben 95 800 Mark (im Vorjahr« 112 928 Mark): Polizeiwesen: keine Einnahmen, 500 Mark Ausgaben, wie im Vorjahr«: Kunst und Wissenschaft: keine Einnahmen, Ausgaben 9775 Mark (11 400 Mark): Bauwesen: Einnahmen 1 613 000 Mark (1 842 300 Mark). Ausgaben 2 721 300 Mark (3 197 000 Mark): Allgemein« Förderung der Wirtschaft: keine Einnahmen. Ausgaben 22110 Mark (24 840 Mark): Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen: keine Einnahmen, Ausgaben 4557 Mark (7007 Mark): Anstalten und Einrichtungen: Einnahmen 225 500 Mark (229 640 Mark). Ausgaben 286 500 Mark (295 640 Plark): Finanz- und Steuerwesen: Einnahmen 1 070 000 Mark (1313112 Mark). Ausgaben 188 258 Mark (157 185 Mark': Betriebs- und Vermögensverwaltung: 410 000 Mark wie im Vorjahre. Ausgaben nichts: Kapitalvermögen und Kapitalschulden: Einnahmen und Ausgaben je 500 000 Mark wie im Vorjahr«. An Provinzial-Umlagen sind 1 573300 Mark zu erheben. Oie Vermögensrechnung. 3n der Vermögensrechnung wird als einziger Posten der Beste- und Ausgleichsstock mit 331 118 Mark (im Vorjahre 333 300 Mark) ausgewiesen. Oas lleberlandwerk Oberhessen. Der Voranschlag des Ueberlandwerks D b e r b e |J e n in lyriebberg, das bekanntlich Eigentum der Provinz Oberhessen ist, schließt für das Betriebsjahr 1932 in Einnahme und Ausgabe mit je 2 90D 000 Mark ab. Aus dem Stromoerkauf werden auf der Einnahmenseite 2 763 000 Mark erwartet. OaS Wasserwerk Inheiden. Der Voranschlag des provinzeigenen Wasser- werks I n h e i d e n für 1932 schließt in der Be- Betriebsrechnung in Einnahme und Ausgabe mit je 883 000 Mark ab. Aus der Wasserlieferung wird eine Einnahme von 880 660 Mark erwartet. Oie Tagesordnung der Sitzung. 1. Diensteinweisung und Verpflichtung eines neu in den Provinzialtag berufenen Mitgliedes. 2. Derwaltungsbericht des Provinzialausschuste, der Provinz Oberhesfen über den Stand ber Pro- vinzialverbandsangeleaeicheiten und Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben der Provinz Ober- Hessen im Ri. 1930. 3. Voranschlag über bie Einnahmen und Ausgaben der Provinz Oberhessen im Rj. 1932. 4 Antrag des Prooinzialausschusses betr. Festsetzung der Tagegelder und Uebernachtungsgebühren der Mitglieder des Provinzialtags und des Provinzialausschusses. 5. Rechenschaftsbericht des Provinzialausschusses über die Verwaltung des Wasierwerks Inheiden und Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben des Wasserwerks Inheiden im Rj. 1930. 6. Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben des Wasserwerks Inheiden für Rj. 1932. 7. Rechnungsabschluß über die Verwaltung des Ueberlandwerks Oderhesien für das Rj. 1930. 8. Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben des Ueberlandwerks Oberhefsen im Rj. 1932. Freie Bahn für bie Etatberatung Neuordnung der Marktstandsgebühren. • Gießen, 10. Juni 1932. Kehraus im (Siebener Stadtrat vor der Beratung des neuen Voranschlags. — Oer Theaterzuschuß für 1930/31. Der Gießener Stadtrat trat nach mehrmonatiger $aufe gestern zu einer Sitzung zusammen, die vor allem den Zweck hatte, mit allen reft- lidjcn Vorlagen vor der in Kürze bevorstehenden Beratung des städtischen Haushaltsvoranschlages für 1932 aufzuräumen Es handelte sich bei dem gestrigen Deratungsstoff meist um 'Angelegenheiten von geringerer Bedeutung, lediglich die Neuordnung der Marktstandsgebühren und die Deckung des Zuschusses zum Gießener Stadttheater für das Rj. 1930 31 waren besonders beachtenswert Die Tagesordnung wurde glatt erledigt, obwohl von kommunistischer Seite dafür gesorgt wurde, dgß „Be- trieb* im Hause war, allerdings zum größten leile heiterer Art auf Kosten der beiden kommunisttschen Vertreter. Sitzungsbericht. Anwesend: Oberbürgermeister Tr. Kelle r die Bürgermeister Tr. S e i b und Dr. H a m m . Beigeordneter Iustizrat Dr. Bosenberg, sowie 33 Stadtratsmitqlieder. Der Zuhörerraum ist nur schwach beseht. Lin Nachruf. — Amtseinführung. Oberbürgermeister Dr. Keller widmet zunächst dem vor einiger Zeit verstorbenen dienstallcsten Stadtratsmitglied Detters einen herzlichen Aachrus und betont dabei, daß der Sxnmgegangenc stet- mit größtem Etter und lebhaftem Interesse an den Geschicken der Stadt mitgcarbettet fritxr Die Gedenkansproche wird von dem Stadtrat und den Zuhörern stehend angchört. nur die ociam kommunistischen Stadtratsmitglieder X a ft n c r und Stork bleiben während der pietätvollen Ehrung sitzen. __ , . . . Anschließend wird d e Mandatsnachsolgerrn des Verewigten. Frau Helene Kr ö ck . in ihr Amt als Etadtratsmitglied eingeführt und verpilichtet. Tennisplahmiete für bie Stabienanflalt. Die Miete eines städtischen Tennisplatzes du^ die Studienanstalt für die Spielzert 1923 und ine Spielzeiten der nachfolgenden Zahre tmrd zu Lasten des Sachkredits der Studienanstalt genehmigt. — Auf Anfrage des Stadtratsmitglieds Mann (Soz.) teilt Oberbürgermeister Dr. K e l - l e r mit. daß es sich dabei um einen Betrag von 45 Mark jährlich handele. Nachtrag zur Bergnügungefleuerorbnung. Einem Nachtrag zur Dergnügungssteuerord- nung, wonach die Steuern für die einzelne Karte nicht mehr auf den nächsten durch 5 teilbaren, sondern auf den vollen Aeichspsenn gbetrag nach oben abzurunden ist. wird zugestimmt. Die Rechnung de, Elektrizitätswerk» für 1929. Die in Einnahme mit 3 259 927,84 Mk. und in Ausgabe mit 3 2 9 514,L6 Mk abschl elende Rechnung des städt. Elektrizitätswerks für das Aj. 1C29 wird gegen die Stimmen der beiden Kommunisten zustimmend verabschiedet, nachdem die Stadlrats- mitgliedcr Mann (Soz.) und Horn tArbeitS- gemeiittchast der M.tte) die Stellungnahme ihrer Zraltionen zur Frage der Zuweisungen an den Erneuerungsstock im Lauf« der letzten Zahr« kurz beleuchtet haben. Die Rechnung der Straßenbahn für 1929. Die Straßenbahn-Rechnung für das Rj. 1929 mit 543 449.19 Mark in Einnahme und Ausgabe wird mit allen Stimmen gegen die beiden Kommunisten genehmigt. ftrebiterroeiferung für da» Elektrizitätswerk. Ein für vermehrte Anschaffungen und größere Herrichtungen des Elektrizitätswerkes um 16 000 Mark überschrittener Kredit wird bew'.lligt und damit der Gesamtkredit in dieser Position von 136 000 Mark auf 152 000 Mark erweitert. Der Mehrausgabe stehen auch größer« Einnahmen gegenüber. Standgeld und Wiegegebühren auf den Wochenmärkten. Huf Antrag des Markt-Ausschusses wird einer neuen Ortslatzung und Gebührenordnung über bas Standgeld und bie Wiegegebühren auf ben Wochenmärkten zugestimmt. Danach werden neu festgesetzt: I. Da, Standgeld: 1 Für jeden Tag und jeden in Benutzung ge RM. nommenen lausenden Meter Platz 0,15 2 . Für den verkauf von Wochenmarktgegen- standen vorn Wagen au» 4) für Handwagen bi» zu 1 w Länge 0,30 b) für Hand- oder bespannte Wagen bl» zu 2 m Länge * _ 0,48 c) für bespannte Wagen über 2 m Länge 0,90 d) für «rahinagen bis ju 2 m Länge Lade raum 1,00 •) für Kraftwagen über 2 m Länge Laderaum 1,50 3. Die Iahre»mindestabgabe für 1 m Platz auf dem offenen Markt beträgt 20,00 U. Die Wiegegebühren: Für jede Verwiegung von Dochenmarktarlikeln aller Art Ä$L a) bi» zu 10 Pfund einschließlich 0,05 b) von mehr als 10 Pfb bi» zu 50 Pfb 0,10 c) von mehr als 50 Pfb. bis zu 100 Pfd. 0,15 d) von mehr al, 100 Pfd. bis zu 200 Pfd. 0,20 e) von mehr al, 200 Pfb. bis zu 300 Pfb. 0,25 Mengen, bie das Gewicht von 300 Pfunb überfteigen, werden zur Verwiegung nicht angenommen. Vermietung der THarftlauben. Gegen die beiden Kommunisten wird folgender Nachtrag zur Wochenmarkt-Posizeiverorbnung angenommen: Die städtischen Marktlauben können zukünftig entweder: a) im Wege ber öffentlichen Versteigerung, ober b) im Wege bes schriftlichen Angebot», ober c) Im Dege der freihändigen Abgabe an bie Interessenten vermietet werden. Welche ber brei vorgenannten Möglichkeiten angewandt werben soll, bestimmt ber Stäbtische Marktausschuß enbgültig Ermäßigung der Standgeldes für die Viehmärkte. Aus Antrag b*es Finanzausschusses wird da, Standgeld für die Diehmärkte mit Wirkung vom 15. Januar 1932 ab wie folgt festgesetzt für Großvieh von seither 80 auf 60 Pf., für Fresser von feit- her 30 auf 40 Pf., für Kälber wie seither auf 30 Pf. — Beigeordneter Iustlzrat Dr Rosenberg teilt bei dieser Gelegenheit mit, daß ber Gießener Viehmarkt im vorigen Jahre einen Auftrieb von rund 36 000 Stück Großvieh zu verzeichnen hatte und ba- mit bie großen Diehmärkte in Dortmund und -Leer um rund 10 000 Stück Großvieh übertraf. Schankkonzessionsgefuche. Entsprechend ben Vorschlägen bes Sozialpolitische«* Ausschußes werben folgende Schankkonzessionsgesuche erledigt: Befürwortet für Rudolf Hassemer, Kleinhandel mit Branntwein in versiegelten Flaschen im Hause Sübanlage 10. Hausbauverein Rasfovia, Schottstraße 2, Schankwirtschafts, betrieb, beschränkt auf den Kreis der Mitglieder und deren Gäste Josef Ohlenschläaer, Wagengasse 9 („Postkeller"), Herbert Schulte Ehefrau, Bahnhofstraße 97/99 (Bahnhofshotel): Karl Te igle r, An den Bahnhöfen 20; Franz W einharbt. Neuen Säue 5 („Zum kühlen Grund'): Marie Wolf, Steinstrahe 21, je Schankwirtschaftsbetrieb mit Branntweinausschank. Abgelehnt wirb ein Gesuch de, Bäckermeisters Samuel Katz, Heustadt 14, um Erlaubnis zum Kaffeewirtschaftsbetrieb Die Stadtratsmitglieder Leop Mayer und L o e b e r (Arbgcm. b. M.) find geneigt, das Gesuch zu befürworten, wobei Herr L o eb e r vergleichsweise besonders betont, baß ein Bedürfnis für die Errichtung von brei Waren- Häusern hier nicht vorhanden war, diese Geschäfte zum Schaden des selbständigen Mittelstandes aber doch gekommen seien; im vorliegenden Falle solle man entgegenfommen. Mit Mehrheitsbeschluß wird abgelehnt. Die Stadttheaterrechnung für 1930/31. Der für das Aj. 1930 31 vorgesehene Zuschuß Äum Stadttheater von 50 000 Mk" wird um 23 500 Mark erhöht In diesem Betrag sind die bereits bewilligten 2000 Mk. für Abdichtung der Dühnen- sundamente enthalten. Bürgermeister Dr. Hamm weist darauf hin, daß die voranschlagsmäßig angesehten Ausgaben von 313 200 Mk durch größte Sparsamkeit auf 265 379 Mk. gesenkt wurden, auf der anderen Seite aber die mit 263 200 Mk. veranschlagten Einnahmen nur die Höhe von 193 993 Mk. erreicht hätten, so daß die Erhöhung des Zuschusses leider unumgänglich sei. Wird gegen die beiden Kommunisten genehmigt. Die Lichtanlage im Stadthaus Bergstraße. Für die Erneuerung der Lichtanlage im Stadthaus Bergstraße wird ein Kredit von 2000 Mk. zu Lasten deS Reservefonds bewilligt. StadtratSmitgl. AicolauS «Wirtsch. Vgg.) fordert, diese Arbeit nicht vom Elektrizitätswerk, sondern vom privaten InstallationSgewerbe nach Ausschreibung ausführen zu lassen. Oberbürgermeister Dr. Äellsr erklärt, es sei doch wohl selbstverständlich, daß die Arbeit im Stadthaus vom Elektrizitätswerk au-geführt werde. Stadt- ratsmitgl. AicolauS widerspricht dem. Die Fuhrleistungeu für da» Ilesbauaml. Für das Aj. 1932 werden die Fuhrlei st ungen für das städtische Tiesbauamt wie folgt vergeben: Einspänner-Fuhrwerk K. Lindenstruth 4930 Mk., Doppelspänner-Fuhrwerk Gg. Sauer 3115 Mk., Doppelspänner-Fuhrwerk Gg Ockel 3293 Mk., Fuhren für den Wiesenmeister an K. Winther 2178 Mk. Die Gasweckrechnung für 1929. . Die in Einnahme mit 1 265 462,19 Mk. und in Ausgabe mit 1 252 818,33 Mk. abschließende Rechnung des städtischen Gaswerks für da- Aj. 1929 wird genehmigt. Die Wasserwerkrechnung für 1929. Der in Einnahme mit 611 427,42 Mk. und in Ausgabe mit 600 798.07 Mk. abschließenden Rechnung des städtischen Wasserwerks für daS Aj. 1929 wird zugestimmt. Die Dolksbadrechnung für 1929. Die in Einnahme und Ausgabe mit 72 048,69 Mark abschließend« Aechnung deS städtischen VolksbadeS für da- Aj. 1929 wird genehmigt. Baugesuche. Genehmigt werden die Saugesuche von Dilh. Aöhrsheim, AahrungSberg 68, Heinr. H i n k- l e r in der verlängerten Hessenstraße und B. Auhn, Licher Straße. Schluß der öffentlichen Sitzung. Schöne weiße Zähne scbon nach einmaligem Putzen mit ber herrlich erfrischend schmeckenden ^Thlorodont-Zahnpafte", schreibt uns ein Raucher. Tube 60 Ps. und 80 Pf. Nach schwerem Leiden entschlief heute nacht mein Heber, unvergeßlicher Mann, der stets treusorgende Vater seiner Kinder, unser guter Bruder. Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herr ChrisW Selo. OtajostsMter im 48. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Marie Seipp, geb. Haas, und Kinder. Großen-Buseck, Burkhardsfelden, Gießen, Leihgestern, 9. Juni 1932. Die Beerdigung findet Sonntag, den 12. d. M., nachmittags 3 Uhr. in Großen-Buseck statt. ______4414D QIHp besonders auch kränkliche. wUJlVvlllV| zurückgebliebene und 163D RASSOL solche mit steifen Deinen, gesunden und entwickeln sich überraschend schnell, wenn Sie durch jedes Futter 1 Eßlöffel voll echtes SWWWne neuwertig, billig ab- zugeb. Nehme nud) 2 Fahrräd.i. Tausch. Schriftl. Ang. unt. 03626 an d. G. A. 1 gr. Fl. 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Kranz- und Blujnenspenden dankend verbeten. 03697 Drogerie Winterhoff Kreuzplatz 10 4410 A ................................. .. < ..Hiillllhl!:. J Schiffenberg! Am Sonntag, dem 12. Juni 1932, nachmittags 3 Uhr pünktlich beginnend: Heimatveranstaltung der Heimat-Vereinigung Schiffenberg u.derR.u.E.-Sommer.Stiftung Eintrittspreis 20 Pfennig, Kinder unter 14 Jahren frei. - Mitglieder haben gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte (Jahre Quittung 1932) für ihre Person freien Eintritt 44130 AeS V Beft-ßtuflenöflug 3X 5-Zimmer-Woh- nung, schöne, freie Lage, sehr billig zu verkaufen. I. Baer, Ostanlage 43 1. Üllllllllllllllllllllllllllllllllll Auto-3,19/1 Geleßenheilshäae! 6 25 - PS-Brennabor- Limousine RM. 250.- 9 25-PS-Essex- Limousine BDI. 750 - Opel, Gießen Frkf. Str. 52, Tel. 2847 miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiini!iiiiii Mercedes- Lieferwagen garantiert einwandfrei, 25 Ztr. Trngf., steht allerbilligst z. Verkauf bei [4226D 2l. Kircher, Automobile, Bleichstraße 15. 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L.L te (DAe3. *>£**£ E (9(5 e ssir; Hgi. o jq <9 Will öäöQ =-ee Q — - = cy - * c -e "ioA —° e c o £ ox3 (V) g? L -Z f €§£ 3 c te- ®S@T< S^ = 2= Be E EL E . 3 — e 2 SsföoiSisoc£ 2. £€ e-s =i A c o ■c 3 §9 I Sc J T-ez - — Q> c ^.|E = E -Egf-S — 3 fr® £ v « *»-E *g3J8£*=i K C±H [püs • e •» o K 2L 2L = € 3" 3 X2 ~ O St^A- e L_ —«.- : Ze 05° O »ZZN a Ü O®5-* «=^€3' 2E±pS” -- E S E E e C B B x= S «fi B = E c za O ^e = 53 A__3. g B t» 3 A AZ Q- — za S E B E 72 K E t- ■a — £1 B c *S B E B g E(9 <0 C'9 2€ E-e X E E t- E B8R e A o ^e 3 a ®K e E BZ E Eo« B ee E's€ A“ ?e H ?3-eÄ =3 -■(D 5 B 9 _p-€" 2: B - AB £PQ •o E E?S “eo (Pj2~ B c E sr E B B o in B E i=o T = 19-3 £ - € 6» ae w LS = -A = ®*»B (9 E e B 3 sr S=(9 B 55 «sr e ■ ! S <0 E B P E- (9 -O E B 19- L A a (9 ISA (9 9 kae X5- c- (T> C A-— o p- cöSo« ■ E E 0 = A 2 c E E A « 3 e 4» -9 s E e (9 Sf -iS II 5(8 E-fftS -55 —t: e-= = E L-e •e cSQ c -A c x , & ES ER . 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Ä E 3 re 2 613 o 2,' -3-3 " -3 61—2 „ -a6 § 2 3 3 E re o-o* re 3 S ZZb 6i=^2.?g: x««« 5" 2 0 2.-5 re re 2S’°£to-3 E ZS re reo re 772 3 » ©3 - iDifhus = ZSS-3 re E. 2 3 D. 8 re.3 2X9 K3 3cd ~ 92 ©D 3 D* -■ 3 8C 2 ■ħ " re’9* B ys —, 5 o ö O. Css2.'< Z'S§ ZA - 3 Qf ZL P . -3 —« ö»2 »373 A3.3 5 £§•£9.9-618* re re- re re 9'9- 2C 2" re 3 " 5"5§s£2: fff*“ re"o- re 3 »-ui o 3 Ul §@9*Dre ä-° re,"3- L»3 2 '“hl ®3sh53 — re .. re rv re ft).S-CM <5 re ". o: Ä 6 3% o 2* 2 ©^ 3 'S e^'SZS^ZS3 9,2 ~3 2.° c re <2 ^-3" ^--3* re ^•re'i'E 2'3 3 1 b 61—f 3 er a-re, .2 3 w -. 3 ^e9*X3 2 3 2’b H cy 3 ■ 3 cS- =- re-=: er® 9i E 3#; D.S-y«re 3 61-X^3 3 re 8Cfl£ L613xZ S 3.5 2.2 re 5 3 ~E - __ a-x9. .73 ZS re £5 re 3" re , O o m £* 3 3 5. re ZL'S -g:___CD- s;s*sai.. — 2 * 3 3 g- ui ^Xg're re C 2 M 3 3 ® _ 3 L 2- ZS 3 ' 5: xZ 3 Zx®8 »sgsg3;, 'E^S3 § m a-re 2.ro»5! -1 2 o u 9O re ge.OX.re X P=^ re e* D Acn re 3 xs re = CD 9*5 3 a**§:® 3 s *—* O O Q E D er CD s 7J cu - =• „ 3 3 re re 5 — 3 A 3 er wf3?S>^5gg re D: XCD B re — 3 re O 8 CD -» ~- -9S- 0 83X9* §_e^ 3 D er CD qc“ er re cd re cd 2 reere^Erere_reErere S re* " D,"re* 3 re* 2. §" or re^OClO CD » n. «-* O 35 Ui w fO r-r- Z. 9 er re 3d' S Z 3cas 1£*|h| 9 ~a*3 er re re ‘2 re - 6 2.X2 S -O 3 a* 3 2 Q 5 Ö» Qi re = re C O 8 a* 300 0:5; a-a* 2. no »©Sa re -2, 3 8 re «9 or 2’ 3 9 3 < ZLZZ-P8X re 3 615 ;9"ö 3 d ^a* ®§ s CD — o :tjaS D.» Q — 3 8 3 0 3-9^ re »? 3^."3re( ° 3 re ZC-9- ** re Sre ® " Q^CD g g5 3 2. a* 2. = 3 8 3 3^ö° E Boä?s 3 5-^9 Sa sä Ul « 8 2 " or Q O = = D 3 3 61 1 re CD D re 3 » or «> re o* o a- 3 3 » A" 2 » re- 5 es = e 3 g er =. re re- 3 8 o » re re" " ö£.3 D re re. Ul _ 3 e' 9 7t Cm a*° c °,E » re- 3 ", 8 = O r* •O*_ "" =: D* ** x = » 3 7t 30 re 2 3 " o 2* H-3'61 O o: CS" = re- D 8 ö 3 8 ca 8 8 " E 3 .CD D 3 3 S E O- . --- a » 3' £■$ »»613 ?S£S$&J I _ O^s » P dreitag, 10. )uni 1952 Lietzener Anzeizer jiSeneral-Anjeiger für Gderyeffc», Ur. 154 Zweites Blatt Der Mmelftreit vor dem Haaaer Skviedsaericht Starkes Interesse brachte die Führertagung zu fördern Jede Aeberarbeit muffe gcf verboten und unter schwere Strafen gestellt weil bicit die. • ® c - Wie ein Nachtwandler, der im Traum über die böchsten Dächer gebt, nfurbe der Körper Rastellis durch diese Operation angerufen und stürzte in den lob. Es gibt Pflanzen, die fo zart sind, daß sie von keinem Instrument berührt.werden, ohne zu sterben. Erhvluna zu neuen Gegeben. Denn seht bet Güdwestdeuffche Bankbeamientagung. Der Gau Sudweftdeutschland Deutschen D a n k b e a m t c n - D c r e i n im Zoologischen Garten zu Frankfurt seine lährige Vorstandskonferenz ab. Den schäftSbericht erstattete Gauvorstehcr Del- k e r. Der Zusammenbruch des Kredit- und Wirtschaftssystems höbe die gute organisatorische und finanzielle Grundlage des 5)03'23■ nicht zu erschüttern vermocht. lieber 85 Prozent aller kauf- mänmschcn BankangefteUtcn Südwestdeutschlands gehören dem 5)00'23 an. An Gchaltsnachzahlun- gen, Abfindungen ufw. wurden int abgelausenen Geschäfts fahr durch den Rechtsschutz des Gaues für die Mitglieder rund 122 000 Mk. crftrittcn. Grhebliche Aufwendungen erforderte das Bil- dungswelen. In der Aussprache wurde dem Gai:- vorstand für seine erfolgreiche-Tätigkeit gcbanlL Castelli. Von Jakob Hannger. Wie ein großer Gaukler und Zauberer alter Zeit spannte er seinen Körper als blutrotes Seil über die Bühne auf dem die Sonnenbälle stiegen und fielen, bis der Bich aus dem heiteren Himmel der Gotter oiefes märchenhafte Seil zerriß und dieser Tänzer der Sterne selber wie ein roter Ball sich im Raum verlor. 1015 schlug Rastelli den bis dahin von Pierre Anteros gehaltenen Rekord im Jonglieren mit neun Ballen 21ber dieser zehnte »Ball kostete ihm nicht nur ungeheure Arbeitsanstrengung, er trainierte zehn Stunden täglich, er verkürzte sein Leben auch um such, davonzufliegen? Da das nur mechanisch möglich war machte er, der Individualist und Dynamiker, das Umgekehrte. Er wird selber der Mittelpunkt der weggeschleuderten und um ihn rotierenden Sonnen, bic er wie durch ein Wunder lächelnder Ruhe immer wieder anzieht, fic Bälle tanzten verzückt auf dem feinen stählernen Seil seines Körpers wie auf einem seidvnen Haar und umgaben ihn schmeichelnd wie die Trabanten eines Gestirns. Jeder Ball war sein Liebling. mit dem er spielte. Es war wohl der phon- tastischste Anblick und der Höhepunkt seiner Leistung, wenn er Balle und Stabe wie ein Zauberer in die Lust warf und mit den Augen nach ihnen roie nach Sternen jagte. Wie eine Sonne schleuderte er sie in Öen Raum und alle kehrten sie zu ihm zurück ins Gleichgewicht Wie ein Orkan setzte nach solcher Sei ftung der Beifallssturm ein. Ich hörte einmal, daß Rastellis i'xrau und seine Bekannten ihn als einen ungewöhnlich harmonischen und heiteren Menschen schilderten, ohne Hemmungen und Zwiespalt. Für einen Menschen ohne Nohrungs sorgen dessen Sinne in allen Funktionen durch tag. liebes Training seit Generationen ausbalanciert sind, kann es nur noch ganz ungewöhnliche Storungen von außen geben Gerade die Artisten find als besonder» liebenswürdige, bescheidene und rastlos arbeitende Menschen bekannt Und sicherlich ist gerade heute em Mensch, der sich im körperlichen und leelv schen Gleichgewicht besindet. eine Ausnahmeerschei. nung ein Wunder. Ja, es scheint fast, als dulde unsere furchtbare Zeit heute nicht einmal diese wenigen glücklichen Lieblinge der Gotter, die sie täglich zu Rekordleistungen herausfordert, bis sie vernichtet sind Hat diele Zeit nicht auch das entzückende Spiel Rastellis mit (einen goldenen und silbernen Ballen frühzeitig vernichtet') Acußerlich Ut bic Erklärung für seinen frühen Tod leichter zu finden Rastell, ,st nach einer kleinen Zahnoper an on einer Gehirnblutung zum Opfer geiallen Ein Blut- stur, ins Gehirn Ist das in der Tat nicht em Ab stürz wie jeder andere? Wenn ein Mensch in so unglaublicher Weise den statischen Sinn von den Fußen, die ja Hande sind, bi» zum Kopf entwickelt, dellen Ober und Unterkiefer ebensaUs wieder Hande sind, wenn Vieler sinn schließlich ganz im Kopfe ruht, wo er fo taizinierend ,n den Augen zum Ausdruck kommt, bann genügt in solchem Fall unter Umständen schon die kleinste Zahn- Operation, einen Blutsturz herbes,uführen und das Körpergleichgewicht zu vernichten. Em Organismus, in dem ein io ungewöhnlich feiner Sinn w,e der der Statik bis in die Vegetation der Augen hochgezüchtet ,lt und wie eine Tumofe die zauberhaftesten Leitungen hervorbrmgt. ift leinern I gewaltsamen, äußeren öingrih gemadjlen w,e der I einer vblegmotilchen Notu^ Chinesisches Volksvergnügen. Aus dem Rummelplatz in Peking. In allen Wirren und Kämpfen, von denen das chinesische Riesenreich erschüttert wird, geht das Alltagsleben seinen ruhigen Gang, ja, bei den Söhnen des Himmels, deren Wesen so tief in uralten lieber- lieferungen verwurzelt ist, noch ruhiger und stetiger als in andern Ländern Der Chinese- ist in (einen Ansprüchen an Vergnügungen ebenso bescheiden wie in seinen Lebensbedürfnissen. Sie dürfen nicht viel kosten, aber ein paar Kupsermunzen erschließen ihm die Pforte des Paradieses, die sich dicht vor den großen roten Toren der einst „verbotenen ctabt , in der die Kaiserpalaste heute träumen, ausbehnt. Da liegt I’ien Ch'iao, bic .^himmelsbrücke", ber riesige Rummelplatz von Peking, das heute Peiping heißt In einem englischen Blatt bietet George Kin Leung eine anichauliche cd)Uberung dieses ßieblingsaufcnt- Halles der armen Bevölkerung der früheren chinesischen Hauptstadt: „Ein Schritt von der Haupt- straße bringt uns in das bunte Gewirr dieses Para dieses der armen Leute Man hort plötzlich das dünnste und jämmerlichste Miauen und glaubt, daß kleine Kätzchen ,um Verkauf ausgeboten wurden Man jucht herum und entdeckt einen Verkäufer, der im Staub hockt und diese Tone auf einer saite er- jeugt, die durch einen rosa Kagenkops gezogen ist. Wenige Schritte entfernt lauert ein anderer Händler vor einem Oefchen mit glühender Holzkohle Er versucht, mit einer schwärzlichen Bürste den staub von einer gerösteten Kartoffel abzuwiichen, die ihm auf die Erde gefallen ift, und wenn er uns bann (eine Ware anbietet, io tut er es mit ber Miene des würdigsten Oberkellners eines vornehmen Restaurants Sollte man die Kartoffel nicht für sauber halten, io ist das unser Fehler, jinb er wirb bie Delikatesse ruhig zu den anberen Stucken legen, mit benen er hungrige Paffanten anlockt Tee wirb überall unb bei jeber Gelegenheit geschlürft Da Essen zu den besten Unterhaltungen gehört, so ist dafür reichlich geiorgt. In einem schmutzigen Reitel prügeln Fleischstücke und jene fleifdjgefuUten Pfannkuchen, die dem Gaumen des Nordchinesen so besonders zulagen. Doch für wenige Kupferstücke kann man auch schon in einem größeren Lokal erotische Leckerbissen erhalten, vor denen ber Europäer l-ftmibert Iw Haag begann jetzt bie Verhandlung der Klage ber Signatarmächte gegen bie litauische Regierung bie widerrechtlich ben ßanbesbireftor Böttcher abgesetzt und dadurch den Memelkonfl,kt heraufbe^chworim hott. Unser Bild zeigt den Kerichtssaal, am Rednerpult der englische Rronjurift Sir iBiUiom Bauern begreiflich Trotz dieser Einschränkungen ,1t grundsätzlich der Wechsel in der russischen Bauerripolitik von noch nzcht übersehbarer Bedeutung Es liegt e i n E i n • gesiändnis des Mißerfolges der Sozia- hficrunfl der Landwirtschaft und d?r Entkulakilie- rung vor, wie man es sich eindringlicher nicht vor- ftcllen kann Es ift eine Kapitulation der Sowset- rcflicrung vor dem Bauern, b’c durch zahlreiche Dekrete und durch Rundtelegrammc Raltmne an die 3entrale in ihnen die Erkenntnis zu wecken, daß die Regierung unter dem Druck des Hungers auf sie angewiesen ist. Jedenfalls wird schon gemeldet, daß sich an Stelle des bisher verbotenen Schwarz- Handels mit landwirtschaftlichen Produkten der nun plötzlich legale Markt zu beleben beginnt und einen gewaltigen llmftur* der Preise verzeichnet. Wenn Ausländer, reisende Kaufleute oder 3nge- dem Bortrag des Gauvorstehers übet ..Sozialpolitische Sagelf tagen“ entgegen. D>e Arbeitnehmer stehen, so führte der Redner u a. au« mitten im .Kampfe um die sozialen Errunge i- schaften Die Ursachen der deutschen Tlot seien nicht allein in den unerträglichen Tributlaftcn, mcht nur in der Weltwirtschaftskrise, sondern auch in dem völligen Versagen großer Teile der sog. ..Wirtschastsführer" zu suchen, die denDrund- fatz umgekehrt hätten, daß Gemeinnutz vor Eigennutz zu gehen hat Auch die UeberratiDnahherung habe zur heutigen Wirtschafts- und Arbeiten t beigetragen Die Arbeitslosenfrage sei zweifellos zur Schicksalsfrage für 5>eutschland geworden. Ausbau der Siedlungstätigkeit müsse unbedingt erfolgen. Ein neue« Lodenrecht muffe geschaffen werden 5)er freiwillige Arbeitsdienst fei kräft-a zu fördern Jede Ueberarbeit müsse gesetzlich der Legierung nach einer Erhvlu mahmarnabmen Kraft zu geben. _ Kampf gegen die Lokalbehörden auf» genommen wird, bic noch immer Bauern verhaften die Aahrungsmittel auf bic Märkte bringen. ihre Waren beschlagnahmen und sie unb die Käufer mit großen Geldstrafen belegen, fo werden durch solche Meldungen die herrschenden idnllischen Zustände beleuchtet unb wird das Mißtrauen der Der Hunger als Aararpolililer in SowielniAand 23on (5 von Küqeiqen nährung im laufenden Jahr ausschlaggebend ist. noch wesentlich zu fördern Vach den letzten Angaben bleibt die Saatfläche trotz schlechtester Bearbeitung unb möglichst dünner Aussaat um rund vier Millionen Hektar hinter der des Vorjahres zurück Beim Fehlen von Saatkorn ist es md>t anzunehmen, daß die neue Agrarpolitik hier wesentliche Besserungen bringen wird. Zweitens obgleich die Geireidebereitstcllung für das kommende Jahr auf 18,1 Millionen To gesenkt wurde, das ist um 4.3 Millionen Tonnen weniger als im Vorzahr. obgleich auch die Land- wirtschalissteuer entgegen dem uisprüngl-chen Plan nicht von 500 Millionen Rubel aus 600 Millionen erhöht worden ist. wie es das Budget vorsah. muß man annchmen. daß auch die bisherige Steuer und die vorgelchnebenen Zwangslicserun- gen wahrscheinlich über bic -Kraft der Bauernschaft gehen werden Auch im letzten Jahr konnte der Plan nicht voll erfüllt werden Drittens sehen die Tefrctc den freien Markt für das Getreide erst nach Leistung der staatlichen Lieferungen und der Steuern nicht vor dem 15. üanuar kommenden Jahre- vor Stalin ist nicht Lenin und ist in seiner eigenen Politik gefangen. Ein Zurück zum freien Markt ist ihm nicht möglich Der Privathandel bleibt nach wie vor verboten, und nur dem Erzeuger wird der Markt geöffnet Wertens muß man mit dem Mißtrauen ber Bauern rechnen, bie. nachdem sie so oft betrogen unb beraubt worden sind, annchmen werden. daß die Erlaubnis zum freien Verkauf ihrer Ueberschüsse sie zur Produktion anstacheln soll, um Wenn sich der russische Bauer nut dem Hunger verbündet, ist er stärker als bic Moskauer Regierung. Solange er dieser genügend landwirtschaftliche Produkte liefert, um d,c Arbeiter. Beamten und Soldaten zu füttern, unb noch etwas zu erpor- feren. ist bie Regierung stärker als das Dorf und preßt es rückfichtslos aus. nach dem Grundsatz Uimm dem Bauern alles, unb er wird doch noch etwa- zu freffen finden und nicht krepieren. Die Zwangsenteignung der Bauernschaft hat im 3ufammenbang mit der beschleunigten Kollektivierung im letzten Jahr ihren Höhepunkt erreicht Trotz der verhängnisvollen Dürre in den Kornkammern des Osten« unb Südostens der Sowjetunion und eines Rückganges des Ernteertrages auf etwa 77 Millionen Tonnen (gegen 87 Millionen Tonnen 1930) sind im letzten Jahr den Bauern fast 23 Millionen Tonnen, da« ist mehr al« im Vorjahr, in grausamster Weise abgepreßt worden, wobei man ihnen zum großen Teil nicht genügend Lebensmittel unb Saatgetreidc ließ. Hierzu kommen bic Verwüstungen durch die Vernichtung gerade der tüchtigsten Bauern, der sog. Kulaken. Die Kollektivierung des Dorscs hat rund 80 Prozent der bäuerlichen Anbaus lache erobert. Die „Erfolge" der heiß gerühmten Sozialisierung des Dorfes treten nun deutlich hervor Der Bauer, selbst bet geknechtete der Sowjetunion, reagiert auf jeden Versuch, ihn zum versklavten Zwangsarbeiter zu machen, mit der Verringerung und Verschlechterung seiner Arbeitsleistung. Trotz gewaltiger Erweiterung der Saatfläche sehen wir in Rußland einen katastrophalenRückgong der Ernteerträge unb bcS Viehbest a n be S Die Sowjetregieruna ist gezwungen, in Lonbon Getreide zu kaufen unb nicht nur Saat- getreibe, sondern auch Brot an bie bäuerliche Bevölkerung zu verteilen. AuS verschiedenen Teilen des Reiches, besonders aber aus dem Wolgagebiet unb aus ber Ukraine, beginnen wieder Vachrichten über Hunger unb Hungertob, über umherziehenbe Scharen gedunsener Bettler und über bas Aufessen gefallener Tiere einzulaufen. Rach dem die Regierung vergeblich versucht hat. durch verschiedene Dekrete die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte zu heben lz.B. bei ungenügender Leistung Entziehung bis zu 40 Prozent vom Lohn ber Akkordarbeiter unb Fachleute auf den Sowjetgütern) ift man wieder so weit wie im Jahr 1921. Auch damals hatte sich ber Bauer auf bie Erzeugung nur für den eigenen Verbrauch zurückgezogen unb sich durch diesen passiven Widerstand mit dem Hunger gegen die Sow- jctregicrung verbündet Damals warf Lenin das schon angenommene Projekt der Verwandlung der Sowjetunion in eitlen agrarischen ZwangSarbeitcr- ftaat mit kühnem Schwung in die Ecke und ersetzte cs durch bic „neue Wirtschaftspolitik'. Wan weiß, wie bic „REP." folgerichtig *um freien Markt, der Wiedereinführung bet Geldwirtschaft unb im Endresultat zu einer vorübergehenden kraftvollen Entwicklung der Bauernschaft führte. 21 un ist diese durch bicStalinscheAgrarpolitik unb insbesondere durch die Vernichtung der Kulakenschicht unb damit auch zwei Drittel be« Viehbestandes arger zugrunde gerichtet, als es im Jahre 1921 der Fall war Wenn Stalin jetzt in der höchsten '2lot Mim Beispiel Lenins zurückgreift, und in seinen Dekreten vom 6. und 10. Mai den unbehinderten Verkauf ber landwirtschaftlichen Heberschüsse auf dem freien Markt zu frcienPreisen (5>ckret vom 20. Mai) gestattet, so kann die Einführung dieser „kleinen Vcp" nicht die Qkbeutung ihrer Vorgängerin vom denkwürdigen Jahr 1921 haben. Erstens kommen diese Dekrete zu spät, um die diesjährige Frühiahrsaussaat. die für die Er- nicurc. m der letzten Zeit ihre Tagesipe cn in Sowjetrußland auf 180 > einhundertachtzig art berechneten, so kann man daraus erleben, welche Teuerung für die Klaffe der Entrechteten bestand. die nicht wie bic Arbeiter. Beamten und Soldaten von der Regierung auf Kosten der Bauernschaft ausgehalten wurde, allo ihre Lebensmittel un Schleichhandel ober in ben Läden für Ausländer laufen mußten Jetzt sollen, wie au» der Provinz berichtet wird, b'.c Prelle für ein Liter Milch 1.5 bis 2 Rubel. 1 Kilo Brot 2 bi« 2 5 Rubel, ein Huhn 12 Rubel, em Kilo' Fleisch 4 bis 6 Rubel, cm Kilo Butter 15 Rubel betragen, d h etwa auf bicHälftcberbiShcri- gen Preise gesunken sein. 2s wird sehr Ich wer fein, den Bauern, bic man zu Hilfe gerufen hat. eiirzulchränken unb den freien Markt, den man zur Ernährung der Bevölkerung braucht, in den notwendigen Grenzen zu halten, ohne b:e Bauern wieder abzuschrecken Es ist vielmehr an» zunehmen. daß immer größere Schichten der Bevölkerung. auch die Privilegierten. In stärkeren, Maße auf densreienMarkt angewiesen sein werden. Zwar hat sich ber Staat durch seine Dekrete den Löwenanteil der Ernte gesichert und bereitet eine großzügige Darenkampagnc vor, um den Bauern auch Gegenleistungen bieten zu können Dennoch ist der Stein ins Rollen aekoiii- men, und man muß annehmen, daß die Inflation auch der bisher vor ihr gehüteten Arbeiterschaft zu Leibe rücken wird. Wenn sich der 23auer mit dem Hunger verbündet. ist er stärker als die Dekrete der Regierung. Unb dielcr mächtige Verbündete ist erschienen, w', es ber unzeitgemäße unb überstürzte Rückzug N r Regierung vor dem Bauern anzcigt. Eine neue schwere Phase bricht für Sowjetrußland an. S;e birgt die verschiedensten Möglichkeiten jeden» fall- aber weitere Umwälzungen der bestchenbei, mühsam aufrechtcrhaltenen Verhältnisse tu ihrem Schoß Sollte man sich etwa beim Durchkosten dieser wunderlichen Genüsse einen Zatzn beschädigen, io braucht man nur einige Schritte weit gehen, um zu den .^Zahnausbesserungsläden" zu gelangen. Ein Haufen von verrosteten Zangen unb großen Backen- zahnen dient als Wahrzeichen bes hier hantierenden Zahnbrechers, der von Betäubung zwar noch nichts gehört hat, aber für ein paar Supfermunxen die starte ieines Arms zeigt Mehr an „Ausbesserung" des schadhaften Gebisses darf man nicht verlangen. Bunte Inschriften und große Plakate verkünden die Herrlichkeit der Theater, wahrend sich auf Podien im Freien Sängerinnen jeder Art und jedes Alters vorführen. Die meisten Theater stehen dem Publikum offen, und man bezahlt nur, wenn man aus einer der harten Holzbanke dicht vor der Bühne Platz nimmt Hier wimmelt es von dem bunt gemischten Volk der Artisten, die ftunfte unb Tricks oller Art zum Bestxn geben. Die Sängerinnen tragen die alten Romanzen von Liebe und Heldentum vor zur dumpfen Begleitung der Trommel, und in ben teureren Etablissements überreichen die An- gestellten einen Facher, der auf beiden Seiten die Lifte der Vortragsnummern enthalt, aus denen man nach Belieben auswahlen darf Theater gespielt wird auch unter freiem Himmel. Vater, Mutter, Sohne, Tochter und oft sogar das kleine Enkelkind stellen vor der bewundernden Menge eins der alten Dramen dar, an denen die chinesische Literatur so ieich ist Große Kunstleistungen darf man nicht erwarten in dieser Atmosphäre von Staub und Lärm, die Darsteller und Zuschauer umgibt Nahebei hat sich eine große Menge vor einem Spiegel versammelt, auf den in scharlachroten Buchstaben der Harne eines beliebten Artisten ausgeschrieben ift: Hsiao Chin-ya, das „Goldzähnchesi". sein Tisch ift mit einem reich bestickten Scharlach- tuch überdeckt, ein Beweis für den Prunk, den er sich leisten kann. Die Umstehenden lachen über seine Nachahmung einer Kellnerin, die jetzt häufiger in chinesischen Caiss auftauchen und für den armen Chinesen den Reiz des Reuen habyi Goldzähnchen bedient zugleich eigenhändig sein ganzes Orchester: es besteht aus einem roten Lackständer mit grünen und roten Pompons unb Irobbeln; oben drauf fleht eine Trommel, darunter ift ein Gong und Schellen, unb durch das geschickte Ziehen an Stricken bringt er ein luftiges Getose hervor, wahrend er singt ober norträqt Trost des farbigen Durcheinanders geht doch alles ruhig und langsam vor sich. Der Ehineft laßt sich auch bei feinen Vergnügungen Zeit unb verliert keinen Augenblick seine Würde und Höflichkeit Hinter dem ärmlichen Zauber dieser ftauh* umhüllten Welt schimmert doch stets etwas van der alten Kultur des chinesischen Volkes." Jahrzehnte. Rastelli war Equilibrist. Was er abends in einer < Viertelstunde zeigte, war der Exlrakt einer im tag > sichen Training gezüchteten Arbeitsleistung von> Ke- । nerationen. Ein glanzender Beweis für die Tallache | daß jede menschliche Leistung aus ununterbrochener Arbeit beruht. Ein Beweis auch dafür, daß btr menschliche Körper die physikalischen Gesetze bis zur scheinbaren Aufhebung für fabelhafte Leistungen be, herrschen lernen kann, allerdings nie anders, als baß er dabei jedesmal ein Stuck Leben versiert. Und in ber Tat beruht die Magie der künstlerischen Leistung immer darauf, daß sie in der Ekstase Blut opfert, bcshalb bleibt sie unvergeßlich und deshalb müssen wir uns immer wieder an sie erinnern. Den statischen Sinn trainierten JRaftcUis Vor- fahren bereits, als sie sich als Seiltänzer und Schwebekünstler au5bilbetcn_ Rastelli ging schon m bc7 Jugend, nach einer -chusieroerletzung, nicht mehr übers Seil. Der statisch? e-mn für alle Mus kein Sehnen und Organe »eines .Körpers war durch gebildet und dominierte bereits m dem fonnenabn. Hälften Organ, des Körpers, den Augen. Das war das Unerhörte, dieser Kopf mit den Knospen und Blüten der Augen, war gleichsam inständig gewor- den und begann mit den kleinen connenbaUcn ju jvielen Der Körper selbst war setzt cm «eil aas 5tah' geworden, auf dem die «alle tanzen konnten im Gleichgewicht gehalten durch die Augen Und Balle mußten cs schon sein, das Lewegsichs . es nach dem Wasser gibt. Einern Menschen mit solch überlegenem statischen Iraum9aller Gaukler erfüllt, zu fliegen, die -schwere "ä I a : Sy 3 Sc 'frn »" 0 £ 3f -k «-O - ?-3v c_tO ,c er- o o " r "3*2.1 ms 0?« a s .SjO” ssM k i a -3.® 2 0 Ä o <53 o * «ff - c sv e v l 2 D 5 y 0 VTt s -»c 5 = 3 3 2 3 3» D Z-S 2 2,_ 3 c v 223- den. Eine falsche Maßnahme fei die bereits vorgenommene Senkung der Löhne und Gehälter. 3ede Einkommenskürzung führe zu weiterer Schrumpfung der Massenkaufkraft und damit zu Noch stärkerer Arbeitslosigkeit. Eine weitere Herabsetzung der Bezüge kämer einer Katastrophen- absehung der Bezüge käme einer Katastrophenwesen und auf die Derbindlichkeitserklärung könne keineswegs verzichtet werden. Die Regierungserklärung, baß die Sozialversicherungen vor dem Bankerott ständen, sei in dieser allgemeinen Behauptung falsch. Festzustellen sei, daß die Invalidenversicherung, die heute nicht in der Lage sei, Teile ihres Vermögens flüssig zu machen, gegenüber, der Vorkriegszeit Millionen von Renten zu zahlen hätte, die gber mehr als bescheiden seien. Die Angestelltenversicherung sei völlig intakt und in ihren finanziellen Grundlagen unerschüttert. Auch die Ersatzkosten der Angestelltenversicherung und der Krankenversicherung seien finanziell in keiner Weise gefährdet. Gegen die Senkung der älnterstühungsfähe in der Arbeitslosenversicherung und Einführung der Bedürftigkeitsprüfung müsse schärfstcns protestiert werden. Schaffung eines gesunden Inlandmarktes und Stärkung der Kaufkraft seien das Gebot der Stunde. 3m Mittelpunkt der Sozialpolitik und alles Geschehens müsse wieder der lebendige Mensch stehen. Auch für die Wirtschaft müsse dieser Grundsatz uneingeschränkte Geltung haben. Für Millionen deutscher Arbeitnehmer sei nationale Gesinnung eine Selbstverständlichkeit. Die Arbeitnehmerschaft fordere aber mehr, sie verlange die innige Verschmelzung des nationalen mit dem sozialen Gedankengut. Die Vertreter der Arbeitnehmerschaft mühten mitverantwortlich an der nationalen und sozialen Zukunftsgestaltung Deutschlands herangezogen werden. Der Vortrag fand die lebhafte Zustimmung aller Zuhörer. Eine Reihe von Entschließungen fand einmütige Billigung. Die erste Entschließung fordert, daß auch in Zukunft allen Tributanforderungen ein deutliches „Rein" entgegengesetzt werde: in einer anderen wird vom Reichsarbeitsministerium die Ausdehnung des Bankentarifs auf die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute gefordert: die dritte Entschließung verlangte gesetzliche Bestimmungen zur Erweiterung dec Bankbeamten-Pensionskasse, während die letzte Entschließung schärfsten Einspruch gegen Lohn- und Sozialabbau erhob. Oderheffen. Giadivorstandssihung in Alsfeld. v* * Alsfeld, 9. Juni. In der jüngsten Stadt- ratssitzung wurde zunächst über einen Ge- löndeaustausch zwischen der Firma Sondermann & Bücking und der Stadt Alsfeld verhandelt, der durch die Feldbereini- gung notwendig geworden war. Die nach langwieriger Verhandlung abgeschlossene Vereinbarung wurde genehmigt. — Die Festsetzung der B a d e - gebühren im städtischen Schwimmbad soll, entsprechend den allgemeinen Tarifherabsetzun- gen, eine Neuregelung erfahren, und zwar nach der Richtung hin, dah die Preise für die Dauerkarten ermäßigt werden. Nach dem Vorschläge Des Finanzausschusses soll auf die Dauer der Badezeit die Stammkarte 8 Mark, die erste Beikarte 6 Mark, die zweite Beikarte 5 Mark, jede dritte und jede weitere Karte je 4 Mark kosten. Der Preis für das Einzelbad mit 20 Pf. bleibt infolge des geringen Preises unverändert. Die Neuregelung der Gebühren wurde genehmigt. — Die von dem evangelischen Kirchenvorstand angeregte Herstellung des Daches der Dreifaltigkeitskirche, die von dem Stadtbauamt mit 4300 Mark veranlagt ist, wurde im Hinblick auf die verhältnismäßig hohe Summe nochmals an den Bauausschuß zurückverlegt. — Die Vergebung der Materiallieferung für die Kanalisation der Hersfelder Straße, die durch die Wohlfahrtserwerbslosen im Wege der Elisabeth erobert sich das Glück Roman von Margarete Anlelmann Copyright by M. Feuchtwanger, Halle. 6. Fortsetzung. Rachdruck verboten! Sie. brauchte indes nur ihren alten Professor anzusehen, um zu wissen, welchen Weg sie zu gehen hatte. So wie er, wollte auch sie ihre Kunst Der Welt offenbaren, nur das Edle und das Schöne suchen, was diese Kunst mit sich brachte. Sie würde mit allen Mitteln den Weg zur Höhe zu erreichen suchen. Das Leben hatte ihr viel genommen in den letzten Tagen. Richt nur ihr Mütterchen war von ihr gegangen: sie hatte auch den Mann verloren, den sie liebte, den Glauben an die Menschen. Sie war erwacht aus einem schönen Traum, sie mußte der Wirklichkeit in die Augen sehen. Äe Kunst mußte ihr Vergessenheit und die Möglichkeit geben, sich Genugtuung zu verschaffen bei jenen Menschen, die sie so tief verletzt hatten. Sie würde ihnen zeigen, was aus Elisabeth Pfi- lipp geworden war. Aufseufzend richtete sie sich empor. „3ch will es versuchen, Herr Professor, will den Weg gehen, den Sie mir zeigen und von dem Sie sagen, daß er der rechte ist. Vielleicht, daß er mich zur Höhe führt.. „Er wird Sie zur Höhe führen, Elisabeth, das weih ich. Sie tragen alle Möglichkeiten in sich. Sie werden sich die ganze Welt erobern. Ich werde mich sofort mit Professor Walter in Verbindung sehen: es wird nicht allzulange dauern, bis wir Antwort bekommen. Sie müssen sich bereit machen, bald nach Leipzig zu fahren." »Das wird gut sein! llnb ich werde morgen gleich meinen Vormund aufsuchen, ihn um seine Einwilligung bitten. Ich bin überzeugt davon, er wird mir keine Schwierigkeiten in den Weg legen. Er will auch nichts anderes als mein Gmck." > „Also, Kopf hoch, Elisabeth, es wird alles gut werden..." Die Tage, die nun kamen, ließen Elisabeth keine Zeit zum Kopfhängen und zu trüben Gedanken. Mit ihrem Vormund war sie bald einig geworden. Zuerst hatte der alte Mann Einwände gehabt, und seine Frau hatte ihn in seinen Vorurteilen gegen die Künstlerlaufbahn seines Mündels noch bestärkt. Aber dann, als er mit Professor Landar gesprochen, hatte er sich langsam überzeugen lassen, dah Elisabeth auf dem richtigen Wege war. Vier Wochen nach dem Tode ihrer Mutter verlieh Elisabeth Pfilipp die kleine Stadt, um Veamienimn und Nationalsozialismus. Die Rationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei hielt gestern abend im Cafö Leib eine öffentliche Versammlung ab, die sehr gut besucht war. Herr Reef, Frankfurt a. M., sprach in Verhinderung des angesagten Redners. Reichstagsabgeordneten Sprenger, Frankfurt, über das Thema „Beamtentum und Rationalsozialismus". In einer Zeit, in der es in Deutschland Länder gebe, in denen der Rationalsozialismus als staatsfeindlich bezeichnet werde, sei es bedeutsam, wenn die RSDAP. eine Beamtenversammlung einberufe. Die Staatsfeindlichkeit der RSDAP. werde von hohen Beamten der SPD. ausgesprochen, der gleichen SPD., die vor dem Kriege immer wieder betonte, daß der Staat aufgelöst werden müsse, wenn die SPD. ans Ruder kommen solle. Die Voraussetzung dafür sei die Vernichtung der Staats- stühen, der Beamten gewesen. Dabei habe man aber beim Berufsbeamtentum wenig Gegenliebe gefunden. Wenn das Berufsbeamtentum im Jahre 1918 nicht auf dem Posten geblieben wäre und Ordnung gehalten hätte, wäre im entscheidenden Moment die Revolution in sich zusammengebrochen. Erst allmählich habe dann die Durchsetzung des Beamtenkörpers mit Parteimännern begonnen, und heute seien etwa 120 000 Parteibuchbeamte im Amt. Die RSDAP. werde hier Wandel schaffen, sobald sie die Macht in der Hand habe. Mit der Aenderung des Zustandes werde schon ein wesentlicher Teil der Verwaltungsreform durchgeführt sein. Heute seien die SPD.- Ministerien nur noch geschäftsführend und nicht mehr dem wahren Willen des Volkes entsprechend auf ihren Posten. Die Entwicklung werde sich nicht aufhalten lassen. Die RSDAP. sei in jedem Falle der Auffassung, dah der Beamte Diener des Staate ssein müsse. Man werfe der RSDAP. u. a. vor, dah sie verfassungsfeindlich sei. Das sei nicht richtig. Die RSDAP. habe sich stets dafür eingesetzt, dah z. B. jener Paragraph der Reichsverfassung, der den Staatsbürgern das Recht der freien politischen Meinungsäußerung garantiere, gesichert werde. Es sei schon von der Absicht gesprochen worden, von feiten der SPD. im Falle der Machtergreifung der Rationalsozialisten zum Streik aufzurufen. Das werde aber nicht möglich sein, denn die SPD. habe die Massen der Arbeiterschaft nicht mehr hinter sich. Anderseits werde die RSDAP. in jeder Form für Ruhe und Ordnung sorgen. Es werde dann kein Polizist mehr bestraft, der im Falle eines Krawalles zu früh geschossen habe, wohl aber der, der zu spät schoß. Die Beamtenschaft sei lange unpolitisch gewesen. Man habe sich auf wohlerworbene Rechte berufen, die nicht geschmälert werden könnten, auf Rechte, von denen man nicht. glaubte, dah sie zu erschüttern seien. Die Rotverordnungen hätten aber dos Gegenteil bewiesen. Wenn in der Umgebung des Beamten alles unterzugehen drohe, werde es nicht möglich sein, den Beamten allein über Wasser zu halten. Die RSDAP. habe deshalb den Gedanken, dah Gemeinnutz vor Eigennutz gehe, auch in die Beamtenschaft hineingetragen. Der Deutsche Deamtenbund habe durch seinen Vorstand immer wieder erklärt, dah der DBB. hinter Brüning stünde. Brüning habe aber das Vertrauen enttäuscht. Das deutsche Volk habe sichtlich aufgeatmet, als das Kabinett Brüning zurücktra^ Der Kurs, wie er unter Brüning vorherrschte, werde durch ein älebergangskabinett nicht herumzureihen sein. Der Kurs müsse durch eine andersgeartete, vollgültige Regierung bestimmt werden. Dem Ausland werde vor allem mit Rachdruck gesagt werden müssen, dah ein Land mit 6 Millionen Arbeitslosen keine Reparationen bezahlen könne. Dem Beamten könne aber ebensowenig versprochen werden, dah sein Gehalt erhöht werde, wenn die RSDAP. ans Ruder trete. Man müsse sich klar darüber sein, dah man nicht geordnete Verhältnisse übernehme, sondern eine Konkursmasse. Im Hinblick auf die Beamtenschaft bereite die RSDAP. eine neue Deamtenbesoldungsordnung vor, in der eine untere und eine obere Desoldungsgrenze gezogen werde. Die untere Desoldungsgrenze werde den Lebensstandard einer fünfköpfigen Familie nicht unterschreiten dürfen, die obere Desoldungsgrenze liege aber bei einer Summe von 1000 Mark pro Monat, mit denen auch der höchste Deamte auskommen müsse, wenn der Rentner mit dem 20. Teil dessen sein Leben während eines solchen Zeitraumes fristen müsse. Jedermann müsse mithelfen, die Rot zu tragen, und wer das nicht wolle, der stelle sich automatisch auherhalb der Volksgemeinschaft. Die Rot dürfe nicht allein von den schaffenden Schichten getragen werden. Höhere Beamte sollen nicht mehr der finanziellen Position wegen in den Aemtern sitzen, vielmehr müsse die Bekleidung eines hohen Amtes wieder als eine Ehrensache aufzufassen sein. Diese Maßnahme durchzuführen, erweise sich als moralische Rotwendigkeit, sofern man dem Arbeiter, der arbeitslos ist und hungert, sagen wolle, er solle sich ruhig verhalten! Der Rationalsozialismus trete nicht um des Beamten willen für den Beamten ein, sondern um des Vaterlandes willen, das nur durch eine verantwortungsbewußte Berufsbeamtenschaft in Ordnung gehalten und wieder aufwärtsgeführt werden könne. Der Beamte müsse wieder zu alter Achtung gelangen. Jedermann müsse Arbeiter im wahrsten Sinne des Wortes sein, Arbeiter im Interesse des Vaterlandes. Das Wort „Arbeiter" müsse endlich Ehrentitel werden. D^ Lebenswille des deutschen Volkes müsse ohne Rücksicht auf allzu bürgerliche Wohlanständigkeit in jeder Hinsicht vertreten, gewahrt und gefördert werden. Im zukünftigen Staat könne es nicht mehr möglich sein, daß ein international denkender Mensch Beamter sei und nationale Interessen vertrete. Die deutsche Polizei werde in Zukunft nicht zu kleinlicher Arbeit aufgeboten werden, sondern nur dazu, das Volk vor Verbrechern zu schützen. Rachdem der Redner noch kurz über die mannigfachen Verleumdungen der RSDAP. im Bezug auf Landesverrat, über die Verleumdungen der SA., sowie über die Stellung der Rationalsozialisten zur Religion gesprochen hatte, betonte er, dah bei den bevorstehenden Wahlen nicht wieder eine Situation geschaffen werden dürfe, in der man das Zentrum zu fragen gezwungen sei, wenn etwas geschehen solle. Was geschehe, werde um der Zukunft unseres Volkes und unserer Kinder willen geschehen müssen. (Lebhafter anhaltender Beifall!) Da sich zur Aussprache kein Redner meldete, fand die Versammlung bald darauf ihr Ende. Pflichtarbeit und die Fürsorgearbeiter ausgeführt werden soll, erfolgte gemäß den Vorschlägen des Bauausschusses an die Firmen: H. Herzog und Otto Leibner. — Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende den Bericht des Schularztes für bas I a h r 19 31 bekannt. Daraus ergibt sich, daß im Vergleich zum Jahre 1930 trotz der enormen Verschlechterung der Wirtschaftslage und der gestiegenen Arbeitslosigkeit eine Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes der Kinder erfreulicherweise nicht zu verzeichnen ist. Als auffallend wird bezeichnet, daß fast 61 v. H. aller Schulkinder schadhafte Zähne hatten. — Am Schluffe der Sitzung kam es zu einer sehr lebhaften Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der bürgerlichen Fraktion und der SPD.-Fraktion wegen eines von der letzteren herausgegebenen Flugblattes, das eine Erklärung zur Bürger st euer enthielt. nach Leipzig überzusiedeln. Professor Landar begleitete sie. Sie hatte sich von niemandem weiter verabschiedet, nur der Vormund und seine Frau gaben ihr das Geleit zum Bahnhof. Das Häuschen sollte vorläufig nicht verkauft werden: es sollte Elisabeths Zufluchtsstätte werden, hier 'sollte sie immer eine Heimat haben... * Vor einem großen, vornehmen Hause, in einer ruhigen Leipziger Straße, hielt hie Autotare, mit der Elisabeth und der Professor vom Bahnhof aus zum Konservatorium gefahren waren. Die Tür öffnete sich geräuschlos, man stieg in den ersten Stock und wurde in ein elegantes Empfangszimmer geführt. Elisabeths Herz schlug ängstlich, während sie auf Professor Walter warteten. Auch Professor Landar sah stumm da und harrte der Dinge, die kommen sollten. Jetzt öffnete sich die Tür zum Rebenzimmer, Professor Walter trat ein. Herzlich begrüßte et den alten Freund und hieß dann Elisabeth willkommen. „Willkommen in Leipzig, Fräulein Pfilipp! Hoffentlich haben Sie es nie zu bereuen, daß Sie zu uns gekommen sind. Hoffentlich werden wir beide bald ebenso gute Freunde wie Sie und Landar." Elisabeth fand keine Worte der Erwiderung. Professor Walter wartete auch keine Antwort ab, sondern fuhr fort: „Also, mein liebes Kind, wir müssen Sie natürlich zuerst einmal prüfen, in welche Klasse unseres Konservatoriums wir Sie aufnehmen können. Das Wintersemester hat gerade begonnen. Sie haben noch kaum etwas versäumt. Ich nehme an, daß wir Sie in die Klasse des Kammersängers Perlberg nehmen werden: Sie würden bei ihm Sprach- technik und Mimik lernen. Wie steht es mit der italienischen Sprache Fräulein Pfilipp?" „Ich beherrsche sie vollkommen, Herr Professor! Professor Landar lehrte mich die alte bologne- sische Gesangsschule, und im Anschluß daran erteilte er mir italienischen Sprachunterricht." „Gut, sehr gut! Wir werden Ihnen bald nichts mehr beibringen müssen. 3a, Professor Landar ist ein ausgezeichneter Lehrer, und Sie scheinen mir eine außergewöhnliche Schülerin zu fein. Seitdem ich Sie damals in der „Rennten Symphonie" gehört hatte, war mein 3ntereffe für Sie wach. Aber ich hatte nicht gehofft, Sie so bald hier bei uns zu sehen." Elisabeth war bei diesem Lob errötet und sah verlegen auf ihren alten Lehrer. Professor Walter fuhr fort: „Wieviel Opernpartien haben Sie schon studiert?" Professor Landar antwortete anstatt Elisabeth. „Alle Sopranrollen der bekannteren Opern, die über die deutschen Bühnen gehen!" „Wollen Sie damit sagen, Herr Professor, daß Fräulein Pfilipp eigentlich, ein richtiges Studium hinter sich hat?" „Gewiß, verehrter Herr Professor Walter. Fräulein Pfilipp beherrscht gesanglich fast alle diese Rollen. Ob es sich nun um Elsa handelt oder um die Senta, Gilda, Martha, Micaela, filcichviel, Sie werden staunen über die gefang- iche Wiedergabe dieser Rollen durch meine Schülerin. 3d) zweifle indes auch nicht an der schauspielerischen Begabung Fräulein Elisabeths, wenn diese erst unter richtiger Anleitung zur Entwicklung gelangen kann." „3a, da scheinen wir ja ein wahrhaftes Talent entdeckt zu haben. Wie lange hatten Sie denn bei Professor Landar Unterricht, Fräulein Pfilipp?" „Es werden jetzt vier 3ahre — nicht wahr, Herr Professor?" „3a, ja, ungefähr vier 3ahre", bestätigte der Professor. „Das ist nicht sehr lange für all das, was Fräulein Elisabeth gelernt hat: aber dafür ist sie auch ein Talent." „Das glaub’ ich 3hnen schon, Professor. Und ich freue mich auch schon die ganze Zeit über diese neue Schülerin unseres 3nstituts. 3ch freue mich auch besonders, unseren großen Mäzen Herrn von Eckertsburg für Fräulein Pfilipp interessiert zu haben. Das ist ein prächtiger Mensch, der schon manchem Künstler den Weg geebnet hat. 3ch bin überzeugt davon, Fräulein Pfilipp, daß Sie sich gut mit ihm verstehen werden, wenn er auch ein wenig absonderlich und launisch ist. Aber Sie dürfen sich getrost seinen Anordnungen und Wünschen fügen. Für jetzt bitte ich Sie beide, meine Gäste zu fein. Meine Frau freut sich schon, Sie kennenzulernen." Gleich daraus wurden sie in den gemütlichen Wohnräumen Professor Walters von der rundlichen, liebenswürdigen Hausfrau begrüßt. Frau Walter, ehemals als Klaviervirtuosin bekannt, nahm regen Anteil an Elisabeths Geschick und wußte sich schnell das Zutrauen des schüchternen Gastes zu erringen. Man ah und trank vorzüglich: dann saß man gemütlich beisammen, und Elisabeth fing an, langsam aufzutauen. Bor allem, als Frau Walter sich an den Flügel setzte und mit ihrer virtuosen und trotzdem zu Herzen gehenden Kunst einige Piecen spielte, leuchteten ihre Augen auf vor Bewunderung. Sie war fast traurig, als das Klavierspiel unterbrochen wurde. Das Mädchen hatte eine Visitenkarte hereingebracht. Die Hausfrau sprang auf, dem neuen Gast entgegenzugehen. Ein seltsames Gefühl durchzuckte Elisabeth beim Eintritt des fremden Mannes, dem Frau Walter mit ausgestreckten Händen entgegenging. Landkreis Gießen. -j- Heuchelheim, 9.Juni. In der Zeit vom Freitag, 17., bis einschl. Dienstag, 21. Iunl, wird in der hiesigen Turnhalle die Wanderausstel- lung „Gesundheitspflege und soziale Fürsorge" gezeigt. <£ Neiskirchen , 9. Juni. Gestern wurde für die Mittel- und Oberklassen der Volksschulen von Reiskirchen, Saasen, Lindenstruth, Hattenrod, Burkhardsfelden, Oppenrod und Bersrod im Saale der Gastwirtschaft Gundrum in Reiskirchen der Kulturfilm „Chang" gezeigt. —/— L i ch, 9. Juni. Am vorigen Sonntag waren 56 Jahre seit dem Konfirmationstag der „7 0 e r" unserer Gemeinde vergangen. Aus diesem Anlaß vereinigten sich die 70er Zum gemeinsamen Kirch- und Abendmahlsgang. Stiftsdechant Kahn gedachte anknüpfend an den Text der Konfirmationsansprache an Pfingsten 1876 Kolosser Kap. 2, Vers 6 und 7 und an die altkirchliche Epistel des 2. Sonntags nach Trinitatis des Ehrentags und sprach von den Aufgaben eines Christen, die auch im hohen Alter noch zu erfüllen sind. Wegen des Ernstes der Zeit hatten die Jubilars von jeder -weiteren Feier abgesehen und spendeten aus Dankbarkeit eicke Gabe für den Kirchenerneuerungsfonds. Kreis Buoingen. -r- M i ch e l n a u, 9. Juni. Die große Geflügel- farm, die mit dem hiesigen Basaltlcwatuss-Stein- bruch verbunden war, ist eingegangen. Der Hühnerbestand von etwa 1500 Stück wurde veräußert. Infolge der niedrigen Eierpreise war keine Rentabilität mehr zu erzielen. Auch der Stein- bruch, der in normalen Zeiten über 30 Leute beschäftigte, liegt gänzlich still, da trotz der angefangenen Bausaison keine Aufträge oorliegen. Der Ausfall an staatlichen und städtischen Neubauten, die der Bruch vorwiegend belieferte, macht sich hier bemerkbar. Kreis Schotten. □ Laubach 9. Juni. Die Vorbereitungen zum L a u b a ch e r A u 5 s ch u ß f e ft, das am kommen- den Sonntag bis Dienstag stattfindet sind in vollem Gange. Am Sonntagnachmittag wird der Ausschuß mit Volksbelustigung eröffnet. Der Hauptfesttag — Montag — sieht den traditionellen Festzug vor. Anschließend findet das Hammel, und Gabenschießen und abends die Preisoerteilung statt. Der Schweine- und Krämermarkt am Dienstag wird auch diesmal wieder gut beschickt werden. Nachmittags zum Abschluß findet ein Kinderfest statt. — Auf den Aus- schußsonntag ist vormittags die Feuerwehr- VerbandstagungdesKreisesSchotten gelegt, wobei gleichzeitig die hiesige Freiwillige Feuerwehr ihr zehnjähriges Bestehen feiert. preuhen. Kreis Wetzlär. * Atzbach , 10. Juni. Im Laufe des gestrigen Tages ereignete sich in dem hiesigen Zimmergeschäft von I. Hoffmann ein schwerer Unglücksfall. Der Arbeiter Friedrich Oesterreich von hier, der mit Holzschneiden beschäftigt war, wurde auf bisher noch nicht geklärte Weise während der Arbeit von einem Holzscheit s o s chw et an den Kops getroffen, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt und in die Chirurgische Klinik zu Gießen eingeliefert werden mußte. Der Verunglückte ist noch jetzt ohne Bewußtsein. Der Zustand des bedauernswerten Mannes ist bedenklich. Der Unfall ist um so tragischer, als Oesterreich, der lange Zeit krank war, erst seit zwei Tagen wieder arbeitsfähig war, und nun erneut auf das Krankenlager geworfen wird. Der Verunglückte ist etwa 50 Jahre all, verheiratet und Vater von zwei Kindern. # Aus dem Kleebachtal, 9. Juni. Durch den Regen in den letzten Tagen ist fast in allen Gemarkungen an dem R o.g g e n Lagerfrucht entstanden: manche Aecker sehen wie gewalzt aus. Hierdurch erleiden die Landwirte großen Schaden, denn der^Roggen hat noch nicht geblüht und entwickelt bei Lagerfrucht fast nur taube Aehren. Wer war dieser große, schlanke Mann mit dem nachtschwarzen Haar und dem gebräunten Gesicht, mit den scharfen, durchdringenden Augen? Auch Professor Walter war aufgesprungen und dem Fremden entgegengegangen. „Oh, das ist schön, Herr von Eckertsburg, -daß Sie noch kommen konnten. Da kann ich Ihnen wenigstens gleich Ihren Schützling vorstellen. Hier, das ist Elisabeth Pfilipp!" Walter wandte sich zu Elisabeth: „Fräulein Pfilipp, darf ich Sie mit Herrn von Eckertsburg bekannt machen. Er will sich Ihrer annehmen: Sie dürfen volles Vertrauen zu ihm haben. Er wird von jetzt ab Ihren Weg behüten, wird Sie zur Höhe führen." Elisabeth sah scheu zu dem großen Manne auf, wagte kaum, seine Fingerspitzen zu berühren. Ihr Herz schlug gewaltig. Eckertsburg schien ihre Gefühle zu erkennen. Ob er sie nicht belästigen, ob er sie weiter nicht beachten wollte, jedenfalls wandte er sich gleich wieder von ihr ab,'sich in ein eifriges Gespräch mit den beiden Musikprofessoren vertiefend. Bald saß man wieder im Kreise, hörte dem anregenden Gespräch der drei musikverständigen Männer zu. Riemand schien es aufzufallen, daß Elisabeth sich an dem Gespräch überhaupt nicht beteiligte, daß sie ganz bleich geworden war. Eine innere Angst schüttelte sie, eine Angst vor dem fremden Manne, dem sie sich ausgeliefert fühlte. Dieses Angstgefühl verstärkte sich, so oft sie ein Blick traf aus den dunklen Augen diefes Mannes. Am liebsten wäre sie davongelaufen, hätte Ausbildung und Karriere im Stich gelassen, wäre in das kleine Haus am Wassergraben zurückgekehrt. Sie wußte nicht, was mit ihr los war. Herr von Eckertsburg war ein schöner Mensch, das stand fest: über einem regelmäßigen, scharfgeschnittenen Gesicht stand eine hohe, ausdrucksvolle Stirn: das schwarze, an den Schläfen ein wenig melierte Haar war glatt zurückgestrichen — ein ganz kleiner Schnurrbart lag über schmalen, meist festgeschlossenen Lippen. Das strenge Gesicht wurde beherrscht von zwei dunkelgrauen, herb blickenden Augen. Eine feste, energische Stimme gab unbekümmert Eckertsburgs Meinung kund. Und doch, Elisabeth wußte nicht, wie es kam: immer wieder mußte sie in dieses Gesicht sehen, in diese Augen, aus denen ein bezwingender Wille und eine bewußte Macht sprach. Das Herz schlug Elisabeth bis zum Halse: und doch blieb sie sitzen, ergeben in ihr Geschick. Elisabeth erschrak, als Professor Walter sie ansprach und sie aufforderte, mit hinüberzukommen ins Konservatorium. 3m Arbeitszimmer des Professors nahmen sie Platz. (Fortsetzung folgt.) Wirtschaft Sine Zalschmünzerbandc festgenommen SDhjfi ift fi jetzt gegiuat, Pif neqirurr fil der Verbreiter de» galfdjgelbrs Ai und feftzunehmen Ferner ift e» in Buntes Allerlei neue r i e d b e r g und ytrm .traninin a. 1*1. Verl«, ;traniiun c-duup», i-upr» tz^chluj- ®n»an<>" rurtjflur# für« I Nur« hir# ' R'T« Datum Datum 89,25 89,5 so 89,75 i- 29.75 32 32 32 U 1. 15 115 79.5 32 53 120.5 204 15,5 « 32 39 62 41.5 10.9 12.25 27 Vdüwr Cwumaim . . Renten tmed Mbelbetfl (Uwteuroed 8 antrabt. ÄttDtaa . . 12 8 a 133 30 132.25 16.5 29 . - 10 10 . 6 . 8 . 0 . 6 M . I •K . « . c . 8 4H 10 13 85 16 11.5 31.75 18.5 119.5 20.5 63.75 37,5 51,13 55.75 114 78.65 120,75 20.5 trag von Professor Lic. Gerflenmaier über bas Thema „Die Bedeutung de» Alten Testaments". und | e |t, u n e u m f n. frenur in r» ujr gelunofn, die zur Herstellung des Falschgeldes benutzten Gerate auszufindcn und zu beschlagnahmen Insgesamt sind bis jetzt 1 4 Personen, darunter eine Frau, fr st genommen worden, die mit der Tat in Verbindung stehen und geständig sind. Sie wurden In das Londgerichtsgesängnis eingeliesert. 2T5 39.65 14 18,5 165 40 C?ii4- 1-Ubr- lediiuj, «ntan*. furtlflur* €*lftngfet» täten. . . Srap . . 8ubapc6 . eofta . . Kirche und Schule. ReligionSlehrerlonferenz in Friedberg 65 38 51.65 65.5 57 117 78.5 25.5 62.4 40,5 62.25 41.5 444 24 4 234 39 31,75 163.25 40.13 1,9 2 2 6 3 16.75 4,55 5 7,143 51.55 12,465 3.057 170,73 77,12 84,57 79,17 15.46 0,948 4.209 58,77 21.61 16 605 82.34 34.70 82.52 1.359 0.324 7,193 14.09 Mainz, S. Juni tWSR.) In der letzten Leu sind in Mainz falsche Fünf-, Zwei- und Einmarkstücke in gröberen Mengen in Per- lehr gesetzt worden. Den Bemühungen der Kriminalpolizei ist es jetzt geglückt, die Hersteller und einen Teil der verdreilcr de» Falschgeldes zu ermitteln vrsberg. . ....... 31.75 18.5 120.5 20.65 18.5 62,5 64.5 38.75 51,75 67 56.75 116.25 78.75 25.25 62.4 40.75 44 75 24.5 121 23.5 39.25 14.13 32.75 18.65 163 39,75 7,143 51.95 12,465 3.057 170.68 77,02 84,47 79.07 15.455 0.948 4.209 58,74 21.60 16,60 82.30 34.69 82.52 1.319 0.324 7.143 14,09 7.157 52.05 12,485 3,063 171,07 77.28 84.73 79.33 15.50 0.952 4,217 58.89 21.65 16.645 82.50 34.76 82.68 1,361 0.326 7.207 7.157 52.05 12,485 3,063 171,02 77.18 84.63 79.23 15,495 0.952 4.217 58,86 21.64 16.64 82.46 34.75 82.68 1,321 0.326 7.157 14,11 17 , 29.25 26.5 tainder IRotottn . Ttv.'i c Li»- cum CterAra 4 »oppd fieanWrtUe» - • enenlto..... ...... 33,5 305 25 16 Rantfhci« ötoWnen . . 66bbent1*er Quder . . . 11.75 20.5 12.75 27 85.5 16 •openbagt». <=tadbo!m . London - - - ÜUCTM ÄilH Reururf . etOfid. . . ■. . . PaM . . . Echwdi . . Evame» , . reib#anftali 1° qiclbldteitbt.........0 5iül6er»®tdr........b RdLlIadeMfbaN.......t* Oer IreichSbankstatuS Anfang Juni. Berlin, 9 Juni. (WTB. Funkspruch.) Nach dem Ausweis der Äeichsbank vom 7. Juni hat sich in der verflossenen Bankwoche die gesamte Äapita.lanlagc der Dank in Wechseln und Scheck«, Lombard« und Offelten um 97,8 Millionen auf 3531,4 Millionen Mark verringert- 3m einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -scheckS um 41,2 Millionen auf 3031,4 Millionen Marl Angenommen, die Bestände an ReichSschatzwechseln um 12,0 Millionen aus 6,3 Millionen Mark und die Lombard- beftändc um 128,0 Millionen aus 129,2 Millionen Marl abgenommen An Reichsbanknoten und R e n t e n - bankschcinen zusammen sind 80,1 Millionen Mark in die Kaffen der Reichsbank zurückxe lassen, und zwar hat sich der Umlauf an Aeichsbanlnoten um 71.2 Millionen auf 3889,4 Millionen Mark, derjenige an Aentenbankscheinen um 8,9 Millionen auf 404,4 Millionen Mark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der ReichSbank an Rentenbankscheinen auf 22,8 Millionen Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 357,5 Millionen eine Abnahme um 73,0 Millionen Mark. Die Bestände an iS o ld und deckungS- fähigen Devisen haben sich um 4.7 Millionen auf 986,6 Millionen Marl vermindert. 2m einzelnen haben die Goldbestände um 14,3 Millionen auf 848,4 Millionen Marl abgenommen, die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 9,6 Millionen auf 138,2 Millionen Mark zugenommen. Die Deckung der Boten durch Gold und deckung-fähige Devisen beträgt 25,4 Prozent, gegen 25 Prozent in der Dorwoche. 9 6 10-6. Sine neue OevisenschiebungSaffäre. DSR Frankfurt a.M.. 4.Juni. Die diesige Zollfahndungsstelle verhaftete am 30. Mai den Kaufmann Jakob Bauer aus Heddernheim, als er bei einer Bank Wertpapiere ausländischer Herkunft im Nominalwert von 28 000 Mark verkaufen wollte Bauer hatte, wie sestgestellt wurde, kurze Zeit zuvor bei anderen hiesigen Banken Wertpapiere ausländischer Herkunft Im Esfektiowert von 35 000 Marl gegen Barzahlung verlauft. Der Fest- genommene stand in Verbindung mit einem gewissen Sigmund BernsteIn aus Franlsurl a M, und dieser wieder mit einem Kaufmann in Metz. Gegen Bernstein, der flüchtig ist. ist Haftbefehl und Steckbrief erlassen worden. Rhodefia, wo man Politik und Geschäfte wie in Europa bespricht, in 30 Stunden an die Grenzen von Kenia und Tanganjika, wo einen die Einsamkeit einer jungfräulichen Natur umgibt.“ Das Snde des ZuiderSeeS. Der Zuider-See hat jetzt tatsächlich zu custicren ausgehört, und damit sind die großartigen 6nt- wässerungSarbeiten und die Gewinnung von Neu- land in den Niederlanden zu einem gewissen Abschluß gebracht worden. Der Hauptdeich, der die Mündung de« Zuider-See« gegen die Nordsee abschließt und von der Insel Wieringen bi« zur friesischen Küste in der Nähe deS Dorfe« Zung führt, ist vollendet und damit die Zuider-See abgeschlossen. Infolgedessen wird ein neue« Gewässer, der B f e l - S e e , gebildet, der als Dor- ratSbecken für den Fluß Dfel, einem Ann dc« Nhein«, dient. Die Errichtung dieser gewaltigen Dammanlage .begann 1927; sie wurde zugleich von der Wieringer und der friesischen Seite begonnen und ist jetzt zu einer Einheit zusammengclchlosfen worden. Die Eindeichung ist fast 30 Kilometer lang und soll im nächsten September oder Oktober dem Derkehr übergeben werden. In der Nähe deS Dorfe« Den Oever am Ostpunkt der Insel Wie- ringen hat der Damm eine Drücke, eine große Schleusenkammer und drei Reihen von je fünf Schleusen. Aus der Hälfte de« Weges zwischen Wieringen und FrieSland sollen zwei Häsen angelegt werden, jeder auf einer Seite de« Dammes. An einer, Kornwerderzand genannten Stelle, vier Kilometer von der friesischen Küste, besinden sich eine große und eine Heinere Schleusenkammer, eine Drücke und zwei Reihen von je fünf Schleusen. Der Damm ift breit genug, um außer einem breiten Fahrweg auch noch einen doppelgleisigen Schienenweg aufzunehmen, aber es ist zweifelhaft, ob man eine Eisenbahnlinie einrichten wird, da die Kosten auf mindesten« 15 Millionen Mark geschäht werden. Man wird sich wohl mit einem Auto-Omni- buS-Derlehr begnügen. Wa« da« neugewonnene Land anbelangt, so sind in dem Wieringermeer- Polder, einem Teil veS früheren Zuider-See«, von ben 2D 000 Hektar fruchtbaren Lande« bereit« einige Teile an gebaut, doch ist die Bestellung bisher wegen der Sättigung de« BodenS mit Salz- wasser noch nicht sehr fortgeschritten. Auf diesem Polder sind Straßen in einer Gesamtlänge von 250 Kilometer vorgesehen, von denen 80 Kilometer vollendet sind: 40 Drücken sollen gebaut werden, von denen 17 in diesem Jahr fertig werden. Ein Dorf deS Polder, Slootdorp weist bereit« eine Anzahl Häuser auf und 130 Einwohner. 6% teundie Sfrimeaniribr v. 198. 7^Retk>te . ■ 6% t-rfl. volttllaa: von 1929 (tüdiablb. 102%) - - - • • Cbtrbeffen Provtn^Slnlribe mü «u«o(.-9lfd)ten . • $euti. L°mb°rdzin-!nh 6 ü.S). B c r l i n, 10. Juni. (WIB. Funkspruch.) Bei feh. lenden Anregungen zeigte der heutige Borsendeginn wieder ein sehr ruhiges Bild. Trotz der für Lausanne hoffnungsvolleren Austandpresse und der im allgemeinen recht freundlich ausgenommenen (Er- klärungen oon Gayls vor dem Neichsrat war die Anfangstendenz zumindest uneinheitlich, wenn nicht schwächer. Diese Schwäche kam nicht so sehr in den Kursen der Standardpapiere, als in denen der Nebenwerte zum Ausdruck. Anscheinend handelte cs sich wieder um Glattstellungen der ßiquibatione- kaffe, da bekanntlich bis Ende dieses Monats die vom Borjahre noch schwebenden Terminengagements ab- gewickelt sein müssen. Daneben lagen noch solche Werte schwächer, für die besondere Momente verstimmten. So lagen Schultheisaktien infolge der Urv klarheiten über die zu erwartende Sanierung 2,5 v.H. niedriger nachdem sie allerdings in den gestrigen Abendstunden auf Inzwischen dementierte Gerüchte oon einer Zusammenlegung von 3 zu 1, statt wie bisher erwartet 3 zu 2, bis auf 50 v. H. zuriickge- gangen waren. Salzdetfurth gingen auf die beabsichtigte Stillegung um 2,75 v. H. zurück und auch die Schifsahrtswerte waren in Nachwirkung der Geschäftsberichte um 0,5 bis 1 vH. gedruckt. Be- sonders ausfällig waren die Rückgänge am Elektro- rnarst, an dem Siemens 2,25 v. H.. RWE. 4 v. H. und Chadeattien 3 Mark einbühten. Anderseits zeig- ten sich Montanwerte, wahrscheinlich angeregt durch Russenaufträge, eher freundlicher. Reichsbank. anteife waren gefragt. Rutgerswerke hatten besonders im Verlaufe wieder einen größeren Markt bei steigenden Kursen. Uederhaupt konnten sich nach Festsetzung der ersten Notierungen ziemlichallge- m e i n K u r s d e s s e r u n g e n dis zu 1 v. H. durch- fetzen, ohne daß das Geschäft jedoch einen größeren Umfang annahm. Festverzinsliche Werte neigten dagegen eher weiter zur Schwache. Deutsche Anleihen waren uneinheitlich: die Altbesitzanleihc verlor 0,25 v.H., auch Reichs- schuldbuchsorderungen wurden 0,25 dis 0,5 v. H. niedriger genannt. Bei den Goldpfandbriefen war die Tendenz noch unentwickelt, doch sollen hie einige größere Partien, die Unterkunft suchen, au den Markt drücken. Reichsdahnoorzugsaktien eröffneten 0,25 v. H. niedriger und gaben im Verlaufe nochmals um 0,25 v.H. nach. Don Auslandrenten konnten Türken etwas anziehen, wahrend Anatolier 0,25 v.H. und 1914er Ungarn 0,5 v. H. einbüßten. • Philipp Holzmann AG.. Frankfurt a. M. Der Konjunkturrückgang am deutschen Daumarkt, der bereit« im Jahre 1930 stark in Erscheinung getreten war, fetzte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr weiter fort und nahm unter dem Einfluß der Ereignisse de« Juli 1931 ungewöhnliche Formen an. Die Gesellschaft war in da« Berichtsjahr mit einem Auftragsbestand eingetreten, der zwar unter der Höhe de« DorjahreS lag, aber immer noch als befriedigend anzufpre- chen war. Der AuftragSzugang im Jahre 1931 blieb jedoch weit hinter den Ziffern der Dorjahre zurück. Der Jahresumsatz blieb hinter dem deS Borjahre« um 50 v. H. zurück. Einschließlich 214 925 Ml. Gewinnvortrag au« 1930 erzielte die Gesellschaft einen Bruttogewinn von 2,50 (4,53) Mill. Ml. Nach Abzug der allgemeinen Unkosten von 1,12 (1,23), der Abschreibungen auf Gebäude und Grundstücke von 0,19 (0,2?) und aus Dau- inventar von 0,76 (1,12) Mill. Mk. ergibt sich ein Reingewinn von 433 553 (1 909 225) Ml., au« dem auf die 90 000 Mk. Vorzugsaktien 6 v.H. Dividende (wie im Dorjahre) verteilt und 428 153 Mk. vorgetragen werden sollen. Die Stammaktien bleiben dividendenlos (im Dorjahre 8 v. H.). Der auf den 24. Juni einberufenen Generalversammlung wird ferner vvrgeschlagen, das Grundkapital von 20 090 000 Mk. auf 18 990 000 Ml. durch Einziehung von 1 100 000 Mk. im Besitz der Gesellschaft befindlichen eigenen Aktien herabzu- sehen und den hierdurch erzielten Duchgewinn von 723 380 Mk. einem besonderen Reservefonds zu überweisen. • Zell u s A G. für Bergbau und Hüt - teninbuftrie, Frankfurt a. M Die Tellus AG für Bergbau und Hüttenindustrie, Frankfurt a M, schließt das Geschäftsjahr 1931 mit einem Reingewinn von 2529 Mark ab, der der ordentlichen Rücklage zugesührt werden soll (der im Vorjahre ausgewiesene Verlust von 2,70 Mill. Mk. war durch Einziehung von 300 000 Mark Aktien und Zusammenlegung des AK. im Verhältnis 5:1 beseitigt worden). • Schuhfabrik Herz 21®., Offenbach a.M. Die Schuhfabrik Herz AG., Offenbach a.M., die anfangs Mai Stillegungsantrag gestellt hatte, wird ihren Offenbacher Betrieb am 30. Juni auf unbestimmte Zeit einstellen. Das Zweigwerk Munster bei Dieburg wird den Betrieb jedoch aufrechterhalten. Frankfurt still und uneinheitlich. F r a n k s u r t a. M., 10. Juni. (WTB. Drahtmel- düng.) Der heutigen Börse fehlte es wiederum an Anregungen, so daß zu Beginn des amtlichen Ver- kehrs nur ganz geringe Umsätze zustande kamen. Verschiedentlich lagen kleine Kausorders vor, denen jedoch auch Abgaben auf anderen Marktgebieten gegenüberstanden. Die Kursentwicklung war daher bei sehr stillem Geschäft uneinheitlich, doch war ein freundlicherer Grundton unverkennbar. An der innerpolitischen Lage hat sich nur wenig ge- WSN. Friedberg, 9. Juni. In der Singhalle der hiesigen Aufbauschule fand gestern eine gut besuchte Religionsleßrerkonferenz der evangelischen Lehrer der «reife Friedberg und Büdingen, sowie der Geistlichen der Dekanate Friedberg und Rodheim statt. Den Vorsitz führte Dekan Vogel (Bruchenbrücken). Studienrat Thierolf (Friedberg) beschäftigte sich in Mgeren Ausführungen mit den Gefahren, die der Friedberger Ausbauschulc drohen. Er betonte besonders die Notwendigkeit einer Aufbauschule für Oberhessen. Im Mittelpunkt der Konferenz stand der Dor- (Schöffengericht Gießen. • Sieben, 8. Juni Wegen Gefährdung der Sittlichkeit wurde unter Aus^chlub der Oeffent- lichle.t gegen einen verwitweten Arbeiter wegen Blutschande verbandelt Der Angeklagte wurde im Sinne der Anklage für schuldig befunden und zu 1 Jahr 6 Monate Zuchthau« verur- Etn auSwärtSwohnender Schuhwarenhändler hatte seiner DersicherungHgelellschaft bei Auf- nabmc der Sck>aden«regulierung den ourxb einen in seinem Laden aungebrochenen Brand ihm entstandenen Schaden weil hoher angemeloct, al« der tatsächlich eingetretene Schaden war. Heber den Wert und die Anzahl der verbrannten bzw beschädigten Schuhwaren hatte er. um sich einen ihm nicht Ankommenden Dermogen»- vortekl zu erschleichen, bewußt falsche Eingaben gemacht Während er zunächst behauptete, er "et durch den Brand um 2400 Marl geschädigt, wollte er sich schließlich, nachdem durch die Der- ficherungSgesellschast nähere Ermittlungen angc- ftellt wurden und er nicht in der Lage war, Unterlagen für feine Behauptungen beizudrtagen. mit 500 Marl zufrieden geben. Auf Grund der heutigen Derhandlung hält ihn das Gericht eine« verbuchten Betrug« für überfuhrt und verurteilte ihn zu 3 W o ch e n G c f a n g n i«. -t'tm der weiteren Anklage de« Dersicherungsbetrug«. nämlich der Beschuldigung, in betrügerischer Absicht eine gegen FeuerSgefahr versicherte Sache in Brand gesetzt zu haben, wurde er mangel« ausreichenden Derdacht« freige^prochen. ändert. Die Ausführungen des Reichsinnenministers fanden geteilte Aufnahme Der bevorstehende Beginn der Lausanner Konferenz löste Z u • rückhaltung aus. zumal einer gebesserten englischen Aussasiung die starre Haltung Amerikas in der Reparationssrage gegenüderstand. Während am Montanmarlt überwiegend Kursbesserungen bis zu 1 v. H. zu verzeichnen waren, lagen Elektrowerte im Angebot und teilweise bis zu 1,5 v. H. schwacher. Ehadeaktien büßten 2 Mark ein, dagegen konnten sich Lahmeyer um 1 o H erhöhen. IG und Deutsche Erdöl eröffneten Inapp behauptet, Rütgerswerke und Scheideanstalt lagen dagegen bis zu 1 o. H. fester Reichsdank wiesen nqch der Abschwächung der Abend dörse eine Besserung von 1 v. H. auf. Am Rentenmarkt war die Haltung überwiegend schwächer, wobei die Einstellung des Ku- pondienstes der Stadt Duisburg noch ungünstig nach- wirkte. Allbesitz lagen wieder 0,5 v H niedriger Reichsbohnvorzugsaltien gaben 0,25 v. H noch, wogegen Reichsschuidluchsordcrungen etwas höher tendierten Pfandbriefe lagen im Angebot und 0,25 bis 0,5 o. H schwächer. Don Auslandrenten konnten sich Rumänische Anleihe nach der letzttägigen Schwäche um Bruchteile eines Prozents erholen. Neubesitz tarnen etwas verspätet zur Notiz und wurden unverändert beziffert. Im Verlause ergaben sich bei allerdings weiter geringen Umsätzen kleine Äursbefferungen für IG, Reichsbank und einige Montanaktien, die bis zu 1 o. H. anzogen. Dagegen blieb der Ren- tenmarft stark vernachlässigt und uner- holt. Tagesgeld war zu 4 v. H. unverändert. Berlin sehr ruhig. 10.6. Tz " S 6 10 6. 96 10 6 53~ 59 4 55.75 38 3 46.75 38.1 34.75 69.5 69 76.5 75! 68,5 । Deoi enmarll Berlin — Frankfurt a.M. 9. Juni 10 -3uni emthdx Jlotitrung <*tif 1 «rief Imthdx XetUniug «fl6 1 Driti ^ranrmn a. IX. 1 Derhn lur« 1 1-Ubr- 1 Schiu»- an'ony Rar# | turt | Pur« Datum 9 6. 10 6. 9 6 10-6. »hfbrd SRontan......I.t Seteiniete etablaede ... 4 Ctaxrt DMnen......16 flaltoede WAertieben ... 10 flaitaede fcMtrregeln . . . 1t galuoede £al*betfurib ... V 16.25 10.5 85 94 148,5 16,13 16,4 10,4 84 93.5 148 16,25 83 92,75 145.25 3 3 54 59.75 55.75 37.9 2.9 46.75 - 35 - 68.5 7,25 0.85 4.35 5 5,3 2 2 6,13 3 16.5 - M „ o 9 SllS'Sl 31 | 1 1 1 1 1 । » । 1 । । 18 । । II nameatQ-nmetUa tfatr, ^amlurfl-SGMm. laewHdjifl Hanta $amvfi*t!f - - - - 91 ort beut'eher Elonb .... 8L». litt Siedcbtiroefen SU. Berliner Handel^elelllLaN . ttotrtnet». und Vrtvat-Sank . tarmteMer unb «atümalban! leulidie San! und THcontr--0deUi•••••« ..................... BtannHmcnn.Ribree . . • BanSfelbeT Versbau . . . ■ Cbelief. «cUitede . . • $MnU Betaban.....- Rbetrfldx BunmiobLen . . . UbetaBaW..... • • — 55 33.9 31.5 24.25 18.75 52,5 33.75 31.65 24,25 Banknoten. gerlfn, 9-Juni____________ »Xlb _ SW . flsnerttant1(t< Äeie»..... . 4,20 4,22 78.75 Be!flebtl6e Waten........ 73.99 79,31 — 16 Gdtseutt Wate»......... 82.16 82.48 —— epenrite Wate»......... 34.56 34.70 95 — Ungartftbe Sloten ........ Wer Kaffee trinkt, kann sich heute Kaffee Hag leisten» Seit 1930 ist er 31 °/o billiger. ÖJ.-fpor/ Llm -ie-eutscheKußballmeisterschast Eintracht Frankfurt und Bayern München bestreiten das Finale. Am kommenden Sonntag erreicht die Fuhball- saison in Deutschland zugleich ihren Höhepunkt und ihren Ausklang. Cmit dem Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft wird die Fußballarbeit eines ganzen Jahres gekrönt. Das gesamte Interesse ist diesmal zusammengeballt aus jenen letzten kraftvollen Akkord, mit dem das Fußballgeschehen eines Verbandsjahres abgeschlossen wird. Das diesjährige Endspiel — es ist das 23. seit der Einführung der Spiele um die deutsche Fußballmeisterschaft — führt auf dem traditionsreichen Nürnberger Boden zwei süddeutsche Mannschaften zusammen. Das Paar „Bayern" und „Eintracht" bestreitet das vierte Endspiel, das eine rein süddeutsche Angelegenheit ist. Deutsche Meister waren bislang fünfmal der 1. FE. Nürnberg, je dreimal Sp. Dg. Fürth und VfB. Leipzig, je zweimal Hamburger SB., Hertha DSC. und Viktoria Berlin, je einmal Freiburger FC-, Phönix Karlsruhe. Karlsruher FD-, Holstein Kiel und Union Berlin. Eintracht Frankfurt und Bayern München stehen zum erstenmal im Endspiel, ein Erfolg, den diese führenden deutschen Vereine schon längst verdient hätten Daß sie dieses Ziel erst in diesem Jahre erreicht haben, liegt in der Hauptsache daran, daß sie nicht hart genug waren, um die aufreibenden Kämpfe bis zum Ende durchstehen zu können. Obwohl nun am nächsten Sonntag beide Mannschaften wahrscheinlich einigen Ersatz einstellen müssen, so kann man doch sagen, daß ihre augenblickliche Verfassung sie jederzeit dazu berechtigt, den Titel „Deutscher Fußballmeister 1932/33“ zu tragen. L / -ti Die Mannschaft der Eintracht wird voraussichtlich wie folgt stehen. Schmitt, Schütz, Stubb! Grämlich, 2ei£, Mantel: Sch aller, Trumpler, Ehmer, Dietrich, Mobs- — Wenn Ehmer nicht spielen kann, dürfte Mobs feinen Platz einnehmen und Kron oder Sobansri auf Linksaußen stehen. Die große Stühe der Frankfurter ist immer noch unsere Nationalverteidigung Schütz und Stubb mit dem verläßlichen Schmitt im Tore. Auch die Läuferreihe mit ihren brillanten Technikern ist untadelig, dagegen hat der Sturm durch den Ausfall Kellcrhofss an Durchschlagskraft etwas eingebüßt. Taktisch ist die gesamte Mannschaft voll auf dem Posten, das Spiel gegen Schalke hat das zur Genüge bewiesen. Die „Boyern" stellen wahrscheinlich folgende Formation ins Feld: Lechler: Heidkamp, Hgringer: Breindl, Goldbrunner. Naglschmih, Dergmeier, Krumm, Nohr. Schmid, Welker. Ist Breindl von seiner Verletzung noch nicht wieder hergestellt, so wird für ihn Schmid. Villingen, antreten und für Heidkamp ist als fast vollwertiaer Ersah Bader zur Stelle. Das Schluhtrio ist ^>urch die ausgezeichnete Form von Haringer dem der Eintracht gleichwertig geworden, die Läuferreihe krankt immer noch etwas an der Besetzung des Mittelläuferpostens. dafür ist der Sturm Wohl das Beste, was wir für den Augenblick in einer Vereinsmannschaft aufweisen können. Die Aussichten sind also gleich, der Ausgang des Spieles völlig ungewiß. Das 2: 0 für die Eintracht in der süddeutschen Meisterschaft kann hier auf keinen Fall irgendwie als Maßstab dienen Nicht zuletzt wird das Endresultat von der „Tagesform" beider Mannschaften abhängig sein. Wir wollen alle nur hoffen, daß dieses Meisterschaftsendspiel in der deutschen Fußballgeschichte ein würdiges Kapitel bilden wird. VfB. Gießen. Freundfchoftsrückspiel vfv. (£iga) gegen FL. Teutonia Watzenborn-Steinberg. Es wird behauptet, daß das Borspielergebnis von 2:1 für Watzenborn-Steinberg irregulär gewesen sei. Andere sagen, -das Ergebnis habe den tatsächlichen Kraftverhältnissen entsprochen. Beeinflussend fiel seinerzeit ins Gewicht, daß das Wetter einen geregelten Ablauf des Spieles wenn auch nicht verhinderte, so doch erschwerte. Allerdings für beide Mannschaften! Das Ergebnis für Watzenborn- Steinberg wirkte sensationell: der Ligaverein verlor gegen die A-Klasse! Das Rückspiel, das nun morgen abend auf dem Waldsportplatz ausgctragen wird, sollte den BfBern Gelegenheit geben, die Situation zu bereinigen. Die Mannschaftsleistung hat eine Verbesserung erfahren, der Sturm erschien in jünstcr Zeit immer aktiver und hatte gute Erfolge zu verzeichnen, die Verteidigung war noch immer der zuverlässigste Mannschaftsteil und der eigene gute Platz sollte ein weiteres Plus bedeuten. Die Vorzeichen für einen Sieg sind durchaus günstig. Die VfBer werden sich kaum schlagen lassen. Eine heillose Ueberraschung bedeutete naturgemäß die Niederlage gegen „Germania" Marburg am Mittwoch in Marburg. Der Ausgang dieses Spieles (9:2 für „Germania) sollte aber die Elf nicht aus dem Konzept bringen. Iedenfalls'bedarf es aber aller Anstrengung, denn Watzenborn-Steinberg verfügt über eine Elf, die zwar körperlich nicht allzustark ist, dagegen aber immer viel Ausdauer bewies, das sie auch ein scharfes Tempo bis zum Schluß durch halten ließ. Die Spieler find sehr beweglich, die Mannschaft pflegt ein flüssiges Kombinationsspiel und ist in der Balltechnik nicht zu unterschätzen. Alle Posten sind gleich gut besetzt. Die Gäste werden den Platzbesitzern also kaum einen schwachen Punkt zeigen. Es verdient der Erwähnung, daß die Teutonen gegen die 1. Mannschaft des VfR. Butzbach 3:1 gewinnen konnten und gegen die Kreisligamannschaft von Großkarben nur knapp mit 3:2 verloren. Trotzalledem werden sich die Grünweißen den Sieg nicht" nehmen lassen. Die Gäste werden aber alles aufbieten, sich, ehrenvoll aus der Affaire zu ziehen. Ein Sieg der Teutonen würde eine Riesenüberraschung, für die VfBer aber eine Riesenenttäuschung fein. Die Vereine sind durch folgende Mannschaften vertreten: „Teutonia" Watzenborn-Steinberg: Happel: O. Burger, Wehrum: Euler, Schmandt, Otterbein: E. Burger, Lang, Fischer, Buß, Fett. V f B. Gießen: Balser: Bingel, Leutheuser: Feuster, Kreß I, Knaus: Schmidt, Wilhelm, Haupt, Seipel, Lehrmund. (Es handelt sich hier allerdings nur um eine voraussichtliche Aufstellung.) Spielvereinigung 1900 Gießen. Spo. Wetzlar (Liga) — Spvg. 1900 (Liga). In letzter Stunde hat sich die Spielvereinigung 1900 für ihre Ligamannschaft zum Samstagabendspiel einen Gegner, und zwar die Mannschaft des Sportvereins Wetzlar, verpflichtet. Das Spiel wird in Wetzlar zum Austrag gelangen. Für die Blauweißen bedeutet das keinen leichten Gang. Die Wetzlarer haben sich erst am vergangenen Sonntag gegen die Liga des VfB. als ein achtbarer Gegner erwiesen und den Grünweißen ein Unentschieden von 6:6 abgerungen. Die Spiele, auf dem Wetzlarer Boden waren bisher immer durch eine Härte gekennzeichnet, die in Freundschaftsspielen sonst nicht üblich ist, aber aus einer gewissen Rivalität heraus immer wieder in Erscheinung tritt. Die Blauweißen werden schon mit aller Energie in den Kampf gehen müssen, wenn sie den Sieger stellen wollen. Ihre technische Fertigkeit sollte für sie ein kleines Plus bedeuten. Die 1900er treten in folgender Aufstellung an: Schlarb: Zeiler, Jäckel: Lippert, Langsdorf, Glitsch: Wilhelms, Goebel, Arnold, Heilmann, Schmidt: Handball der Sp.-Dg. 1900. Zu einem Samstagabendspiel stehen sich die erste Mannschaft der Spielvereinigung 1900 und die gleiche des Tv. Garbenteich (ADT.) auf dem 1900- Platz gegenüber. Beide Parteien werden allerdings nicht in stärkster Besetzung antreten können. Eine Voraussage ist daher kaum möglich. Es steht ein spannender Kampf mit knappem Ausgang zu erwarten. Bezirksiurnfest in Krofdorf. Zum Bezirksturnen des 2. Bezirks im Turngau Hessen der Deutschen Turnerschast, das kommenden Sonntag in Krofdorf bei der neuen Turnhalle stattfindet, haben sich weit über 400 Turnerinnen und Turner gemeldet, so daß die vorjährige Teilnehmerzahl überschritten ift. Der Turnplatz wurde für diesen Zweck erstklassig hergerichtet, so daß sich die Wettkämpfe reibungslos abwickeln können. Am Samstag, 11. Juni, geht der Veranstaltung ein großes Werbeturnen mit Konzert in der Turnhalle voraus. Handball der Akad. Turnverbindung Rheinfranken. Am Samstag trafen die Rheinfranken auf eine kombinierte Mannschaft des Tv. Wetzlar und konnten sie mit einiger Ueberlegenheit 8:3 schlagen. Am morgigen Samstag treffen sich nun die beiden Mannschaften auf dem Universitätsspörtplatz bereits zum fälligen Rückspiel. Irgendeine Voraussage zu machen, wäre gewagt, da die Wetzlarer Turner verstärkt antreten werden. Vor dem Handballspiel findet ein Faustball- spiel gegen eine Mannschaft des Tv. 1846 Gießen statt. Die Turner werden aller Voraussicht nach Sieger bleiben. Handball im Turnverein Wieseck. Wieseck I — Heuchelheim I 3:0. Beide Mannschaften traten mit Ersatz an Die Wiesecker hatten während der meisten Zeit das Spiel in der Hand und erwsesen sich als sehr gut. Den Gästen war es infolgedessen nicht vergönnt, die Niederlage des Vorspiels, dcrs von ihnen 4:3 verloren wurde, wieder auszugleichen. Die Wiesecker waren durchweg schneller und errangen einen verdienten Sieg. — __ Volksturnen im Gau Hessen (OT.) Die erste ^lebungsstunde im Gauverband hielt der vom diesjährigen Gauturntag neugewählte Gaufachwart Ludwig Malkomesius (Mtv. Gießen) am Sonntag zu Gießen ab. Unter seiner Leitung wurden auf dem Mtv.-Sportplah am Schiffenberger Weg Fachwarte aus den Bezirken und Gauvereinen mit methodischer Vertiefung in die Technik der verschiedenen volkstümlichen Uebungsarten eingeführt Kraftvollere Schleuderbewegungen beim Kugelstoßen und Diskuswerfen ließen sich mit Hilfe der Rücken- und Lenden - muskulatur erzielen, der Weitsprung mit Dreiteilung des Anlaufs in Ablauf-, Regulier- und Kontrollmarkierung führte zu einem ergiebigeren Absprung, ebenso der Hochsprung unter kräftigem Anlauf, nachfolgender Entspannung und Stemm - Wirkung vor dem Absprung zu besseren Maßen^ ■ während der Streckenlauf aus dem Eilgehcn und einem durchgebildeten Ablauf Vorteile zog. Schleuderball als Bestandteil des Zwölfkampfes (Oberstufe) beim Gau- und Kreiswetturnen wurde in eingehende Behandlung genommen, ebenso! Kugelgymnastik für die Sondervorführung dec Gaue (Hessen stellt dazu 15 Volksturner) beim Trierer Kreisfest. * Die Nachmittagssihung beschäftigte sich mit Maßnahmen zur Breitenarbeit im Verhältnis zur Bewertung von Maß und Zahl bei Höchstleistungen. Da die technische Durchbildung gerade bei Lauf, Sprung, Wurf und Stoß gemeinhin zu gering geachtet wird, soll der Gaufachwart zu Lehrgängen in die Bezirke gehen. Die Waldläufe des Frühjahrs in den Bezirken und des Herbstes im Gauverband sollen mit Spielsperre und Pflichtbeteiligung aus den Spielabteilungon. gefördert und in eine A« und 8-Klasse zerlegt werden. Die Wilhelm-Will-Staffel (10x100 Meter) beim Oaufeft wird Mannschaften der sechs Gaubezirke, die Gaustaffel (lOxhalbe Runde) beim Kreisfest alle Gaue des Mittelrheinkreises im Wettbewerb sehen. Die Gießener Turnerschack wird am 21. August das Gauvolksturnen zu Gaste haben, und am 11. September führt der Mtv. Gießen seine kreisoffenen volkstümlichen Wettkämpfe durch. Im Unterausschuß des Gaufach- wartes verblieb durch Wiederwahl der Bezirks- fachwart Albert Weigel, Klein-Linden: durch Neuwahl trat hinzu der Vereinssachwart-Richard Wiener, Bad°Nauheim, Tv. 1860. Mit Erläuterungen des Vertrags zwischen DT. und DSD. schloß die Tagung. Kurze Sportnotizen. Anni Kapp, die DT.-Meisterin im Kunstspringen, hat sich beim Training im Frankfurter Stadion durch einen Anprall gegen die Sprungbrettkante eine breite Rißwunde an der Stirn zu- gezogen. VerbilligteKur eciferrin (m Frühjahr bedarf der Körper einer Auffrischung; LECIFERRIN granuliert, verbessert das Blut, schafft gesundes, frisches Aussehen und Widerstandskraft; fangen Sie sofort an, Sie werden zufrieden sein. Blechdose @Doppeldose © •IN APOTHEKEN U.DROGERIEN*! Dep.i.Gießen: Universität»-Apoth. z. gold.Engel, Marktpl., Germania-Drogerie, Frankfurter Straße 39. 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Juni 1932: Drei grofee Wahl - Kundgebungen in der Volkshalle zu Giefcen: Vorverkaufsstelle: Astoria-Lidrtspiele, Seltersw., ab heute tftgl., auch Sonntag,v. 10 Uhr vorm. bis 6 Uhr nachm. Eintrittspreise: kür die Straker und Goebbels-Versammlung von 10 Pfennig bis 2 Mark. - Für die Versammlung mit Adolf Hitler von 40 Pfennig bis 5 Mark Adolf Hitler Saal-Oeffnung 3 Uhr NORD-WEST REFORM | Naturgemäß beschuht | J sind Ihre Füße leistungs- H J fähiger. Bewegung ist & ■| gesund und schafft D D Erholung mit Liegestühle Mehr billig 03640 35Betten ^<560. Terfmlüi KflteL tr. Sn hl fTh.1 Wilhelm Kohlermann Fernruf 3676 Ullllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliuj Gießen, S.Zuni 1932 (z.Z.Ev.Schwesternh.) ———03621 Statt Karten! Die Geburt eines gesunden Mädels zeigen hocherfreut an Hans ^emke und Frau, geb. ^anghammer Am Kugelberg 7 Ljnkvaut a. Gartenwegen, Höfen ufro. vernichte mit086ss Tevvofal Paket für eine gr. Gießtanne ausreichend. 30 Pf. 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