182. Jahrgang itr.290 Aeühanssave 8reitag, 9. Dezember 1932 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen poftscheckkonw: ^ronffurt am main H686. Drud vild Dcrfoct: vrühl'sche Universttäls-Vuch- und Steindruckerei H. Lange in Gießen. Schriftieitung und Geschäftsstelle: SchuMraße r. Annahme von tiiijci-jen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re» Klamean^eigen von 70 m Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantworrlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: sür Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und Für den Anzeigenteil i.B. Th.Kümmel »amtlich in Biegen. ENcherni täglich,autza Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Giegener Familienblätter Heimat'M Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte , 1 80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. fternsvrechanschlüsfe unter Sammelnummer 2251 Anschrift |ür Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Zwei Fragen Deutschlands an Frankreich. Neurath fordert Klarheit über die Bedeutung der Herriot-Formel zur Gleichberechtigung. Genf, 8. Dez. (XU.) In der vom Vorsitzenden Sir John Simon einberufenen Fünf-Mächte- Besprechung zur Entgegennahme der deutschen Antwort auf die Gleichberechtigungsformel Herriots hat der deutsche Außenminister die Erkläruna abgegeben, daß er zunächst eine befriedigende Aufklärung über folgende Zwei Punkte haben müßte. 1. Soll die Gleichberechtigung in dem kommenden Abrüstungsabkommen in jedem Punkte praktische Anwendung finden und soll sie infolgedessen den Ausgangspunkt für die künftigen Verhandlungen der Abrüstungskonferenz hinsichtlich der entwaffneten Staaten bilden? 2. Schließt die Formulierung in der fjanjö- fischen Formel „das System, das Sicherheit für olle Rationen schaffen würde", auch dasjenige Element der Sicherheit in sich, dos in der allgemeinen A b - r ü st u n g liegt, wie dies auf einer früheren Vollversammlung des Völkerbundes anerkannt worden ist? Diese beiden deutschen, Fragen waren schriftlich formuliert und sind vom deutschen Außenminister in englischer Sprache den Mächten verlesen worden. Heber die deutschen Fragen fand keine Aussprache statt. Die Vertreter der ober Großmächte erklärten, erst eingehend die beiden deutschen Fragen prüfen zu müssen und kündigten ihre Ste- luygnahme voraussichtlich für die Freitagssitzung der fünf Mächte an. Paul-Boncour gab hierzu die Erklärung ab, daß die Gleichberec^tigungs- formel von Herriot persönlich formulier t sei und er deshalb die Stellungnahme zu den beiden deutschen Punkten Herriot selbst überlassen müsse. Der deutsche Außenminister gab sodann mündlich Aufklärung zu den beiden formulierten deutschen Fragen. Zu der eilten Frage wies Neurath daraus hin, daß der Hinweis in der Gleichberechtigungsformel Herriots, daß die Gleichberechtigung eines der Ziele der Abrüstungskonferenz sein müsse, zu Mißverständnissen Anlaß geben könnte. Damit werde lediglich ein Grundsatz aufgestellt, jedoch keine völlige Auswirkung dieses Grundsatzes in den künftigen Abrüstungsabkommen gegeben. von großer Bedeutung sei für ihn, klar zu wissen, daß die Abrüslungskonoeniton praktische Auswirkung dieses Grundsatzes in allen Abrüstungsfragen gebe. Deshalb sei es notwendig, daß in der Erörterung über diese Frage die Gleichberechtigung von vornherein zum Ausgangspunkt genommen werde. Solange diese Frage nicht positiv beantwortet sei, habe eine Teilnahme Deutschlands au der Abrüstungskonseren; keinerlei Wert und Bedeutung. Die deutschen Vertreter aus der Konferenz wüßten nie, ob die gruf der Konferenz erreichten Lösungen auch auf Deutschland Anwendung finden sollen. Zu der zweiten Frage wies der deutsche Außenminister darauf hin, daß sie nicht mißverstanden werden könnte. Er nehme an, daß das in der Her- riot-Erklärung erwähnte Sicherheitssystem auch diejenige Sicherheit umfasse, die durch eine allgemeine A b r ü st u n g herbeigeführt werde, jedoch wolle er eine ausdrückliche V e st ä t i - gnng dieser seiner Auffassung haben. Der deutsche Außenminister hat ferner Aufklärung über die Auffassung des Sicherheitssystems verlangt, das in der französischen Erklärung erwähnt sei. Der in dem deutschen Vorschlag erwähnte Sachvcrstäirdigenausschuß der fünf Großmächte, der als eine Clearing-Kommission arbeiten soll, ist in der heutigen Besprechung nicht erwähnt worden, da die Schaffung dieses Ausschusses von der Beantwortung der beiden von Deutschland heute gestellten Fragen durch die übrigen Mächte abhängig ist. 3n der awh Freitag einberufenen weiteren Fünf-Mächte- Besprechung soll sodann eine allgemeine Aussprache über die beiden deutschen Fragen statt-» finden. Zum Schluß der Besprechung hat der französische Kriegsminister Paul-Doncour den deutschen Außenminister gefragt, ob er grundsätzlich bereit sei, näher darzulegen, was die deutsche Regierung unter „Gleichberechtigung" verstehe. Ter deutsche Außenminister hat sich daraufhin zu allen näheren Erklärungen bereit erklärt. Entgegen anderslautenden Gerüchten hat Paul- Boncour diese Erläuterung keineswegs unmtttel- bar als Vorbedingung für die Beantwortung der beiden t>c* Deutschland gestellten Fragen verlangt. Eine Darstellung des grundsätzlichen deut- -chen Standpunktes zur Gleichberechtigungsfrage wird sich jetzt nach deutscher Auffassung zwangsläufig in den weiteren Verhandlungen der fünf Mächte ergeben und liegt auch im deutschen Interesse, damit es endlich zu einer sachlichen klärenden Aussprache über die Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung kommt. Von englischer Seite wird mitgeteilt, daß in der Fünfmächtebesprechung der englische Außenminister an den deutschen Außenminister die Frage gerichtet habe, ob die Reichsregierung im Falle einer befriedigenden Beantwortung der von Reurath gestellten Fragen in die Abrüstungskonferenz zurückkehren werde. Der Reichsaußenminister soll daraus erklärt haben, daß die Rückkehr Deutschlands in die Abrüstungskonferenz von der den grundsätzlichen deutschen Forderungen entsprechenden endgültigen Regelung der Gleichberechtigungsfrage abhänge. Die Meinung in Genf. Genf, 8. Dez. (Sil.) Die beiden vom Reichs- a u h e n m i n i st e r in der Fünfmächtebespre- am Donnerstag ne^teilten Fragen über die A s e ,un i der @ • e chberecht gungsfor- uivi Herriots werden in imcrnunonalen Kreisen nicht a l s eine Ablehnung dieser Formel aufgefaßt. Da die französische Regierung nach hiesiger Beurteilung eine klare Stellungnahme zu den beiden Fragen abzuaeben nicht wünscht, wird mit einer Wiederaufnahme des ursprünglichen deutschen Vorschl. ges auf Einsetzung eines S a ch v e r st ä n- dige nausschusses der fünf Großmächte gerechnet. Bis zu der auf Freitagvormittag ein- berufenen neuen Sitzung der fünf Großmächte werden jetzt, wie von deutscher Seite mitgeteilt wird, keinerlei weitere Verhandlungen stattfinden. Schlechte Aussichten für den Davis-Plan Frankreich als Hindernis. Genf, 8. Dez. (CNB.) Vor der heutigen Fünf- Mächte-Konferenz fand eine Besprechung zwischen Paul-Boncour und Norman 7) a p : den amerikanischen Plan statt. Die Aussichten für eine Annahme dieses Planes durch Frankreich scheinen immer geringer zu werden. Selbst die geringfügigen materiellen Rüstungsbindungen, die der Plan enthält, gehen der französischen Delegation zu weit und werden von Frankreich unter dem Vorwand, daß seinen Sicherheilsforderungen in diesem Plan nicht entsprochen werden solle, abgelebt Da Frankreich immer wieder und auch in seiner jetzigen Erklärung die Gleichberechtigungsfrage mit der Sicherheit verkoppelt, muß einmal daran erinnert werden, daß Deutschland die Erfüllung dieser Bedingungen gar nicht in der Hand hat Ls ist doch offenbar, daß die französischen Garantieforderungen, wie sie in dem sog. französischen ßonstruktivplan neuerdings wieder ausgestellt worden sind, weitgehend von anderen maßgebenden Mächten abgelehnf werden Mit bloßen Lippenbekenntnissen ist es nicht getan, und Unklarheiten dürfen in einer solchen entscheidenden Frage nicht bestehen bleiben. Die französische Formel bedarf einer klaren I n - t e r p r e t a t i o n. Der beste Weg wäre es, wenn autorisierte Vertreter der fünf Mächte sich dieser Aufgabe an Hand konkreter Fragen unterziehen würden. Auf Grund des Ergebnisses dieser Prüfung könnte dann eine endgültige Entscheidung herbei geführt werden. Die Behandlung dieser Frage würde vielleicht eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Jedenfalls konnte aber die Fünf Mächte-Konferenz nach Abschluß dieser Prüfung doch vielleicht Mitte Januar zu praktischen und brauchbaren Ergebnissen kommen Zuspitzung Der MnoMmstage in Gens. Japan droht unverhüllt mit dem Austritt aus dem Völkerbund. Genf, 8. Dez. (WTB.) Die heutige Sitzung der Völkerbundsversammlung brachte eine dramatische Zu, pitzung des Konfliktes indem der japanische Delegierte Matsuoka in einer sehr entschiedenen Erklärung gegen die heute in ihrem Worllaut vorliegende Entschließung der spanischen, irländischen, schwedischen und tschechoslowakischen Delegation p r o t e ft i e r t e. Die von Matsuoka bekämpfte Entschließung besagt im wesentlichen: Bei dem Streit zwischen den beiden Parteien waren die Mittel friedlicher Regelung am 18. September 1931 nicht e r - schöpft. Die Beziehungen zwischen China und Japan sind diejenigen eines verschleierten Kriegszustandes Die von Japan feit dem 18. September 1931 unternommenen militärischen Operationen können nicht als Rotwehrmaßnahmen betrachtet werden. Ohne Kriegserklärung ist ein erheblicher Teil unbestreitbar chinesischen Gebietes gewaltsam von japanischen Truppen besetzt, von dem übrigen China getrennt und für unabhängig erklärt mordest. Das gegenwärtige Regime in der Ptandschurei kann nicht als das Ergebnis einer spontanen und unbeeinflußten Unabhängigkeitsbewegung betrachtet werden. Es konnte nur dank der Anwesenheit japanischer Truppen sich durchsetzen. Seine Anerkennung ist daher mit den bestehenden internationalen Verpflichtungen nicht vereinbar. Zu dieser Entschließung erklärte Matsuoka, sie enthalte eine einseitige Verurteilung Japans, sei unvereinbar mit dem Bericht des Untersuchungsausschusses und mit dem Geist und den Aufgaben des Völkerbundes. Oie Urheber hätten sich die schweren Folgen, die sie für den Völkerbund haben könne, nicht überlegt Sollten die Urheber sie nicht noch zurückziehen, so fordere er sofortige Abstimmung, damit Japan die wirkliche Auffassung der Völ'kerbunds- versammlung kennen lerne. Der Präsident der Versammlung erklärte, die Bemerkungen des japanischen Delegierten erforderten eine eingehende Prüfung. Am Rachmittag wurde die allgemeine Aussprache über den chinesisch-japanischen Konflikt zu Ende geführt. Die Vertreter der streitenden Parteien erhielten das Schlußwort. Der chinesische Delegierte Quotaitschi führte aus, daß in dem Konflikt die ganze Kulturwelt gegenlZapan stehe. China werde seinen Widerstand nicht aufgeben. Der Boykott und das Vorgehen der FreiwUligen in der Mandschurei würden nicht aufhören, sondern nötigenfalls bis zum bitteren Ende durchgeführt werden. Der japanische Delegierte Matsuoka legt den Standpunkt seiner Regierung dar. — Lmts. Reichs außenminister von Neurath (X), der in entschiedener Weise für den Rüstungsausgleich als Grund- läge zur Beilegung jedes Konfliktes eintrat. < a China werde niemals den Mandfchukuo-Sfaal anerkennen und nie in die Eroberung dieser reichen Provinz durch Japan einwilligen. Ls werde keine direkten Verhandlungen mit Japan aufnehmen. Ls fei aber bereit zur Teilnahme an kollektivverhandtungen unter Mitwirkung des Völkerbundes. China verlange, daß zwar nicht der tatsächl'che Zustand von früher, wohl aber die grundlegenden staatsrechtlichen Verhältnisse wieder hergestellt und die japanischen Truppen aus der Mandschurei, und zwar auch aus der Eisenbahnzone, zurückgezogen werden. Der japanische Delegierte Matsuoka p rote st i e r t e gegen den Versuch, die Beweislast hinsichtlich der japanischen Notwehraktion zu ungunffen Japans zu verschieben. Japan fei dem Völkerbund in der Erwartung beigetreten, daß auch die vereinigten Staaten eintrelen würden, von dem Augenblick an, wo der Richteintritt Amerikas feststand, habe die Beteiligung am Völkerbund für Japan fein Hauptinteresse verloren. Wären die Bereinigten Staaten und Sowjetrußland im Völkerbund, dann wäre vielleicht der Anspruch gerechtfertigt, den Pakt strikt und starr durchzusühren Die Lage in China sei io, daß es in den nächsten 10 od-r 20 Jahren keine zentrale Regierung haben werde, die sich durchsetzen könne. Rußland habe die mandschurische Frage und die Steilung Japans verstanden und enthalte sich jeder Einmischung. Infolge dieser Haltung Rußlands seien jetzt günstige Aussichten für den Abschluß des von Rußland gewünschten Richtangriffsvertrages vorhanden. Zum Schluß der Nachmiktagsjitzung teilte der Präsident mit, daß das Präsidium die beiden Entschließungsentwürfe der Versammlung Freitagnach- mrltag unterbreiten werde. Die Wirtschaft appelliert an die Einsicht des Reichstags. Stabilisierung ocr innerpolitischen Verhältnisse. ^Berlin, 8. Dez. Auf der Hauptausschuß- -itzung des Deutschen Industrie- und Handelstages, auf der, wie gemeldet wurde, auch Reichsarbeitsminister Dr. Syrup das Wort ergriff, plädierte Präsident Dr. G r u u d für die B e i- b e h a l t u n g des Papenschen Wirtschafts- Programms, nicht nur was die Steuergut’ scheine zur Steuerentlastung und Krediterleichterung anbelangt, sondern auch hinsichtlich der Gewährung von Prämien für Mehreinstellungcn, deren vorzeitige Aufhebung die Kontinuität der 'Wirtschaftspolitik stören könnte. Auch auf sozml- politi'chem Gebiete 'ollte eine übereilte Aushebung von Vorschriften, auf die sich nun einmal viele Betriebe eingestellt haben, vermieden werden ui.d eine sorgfältige Prüfung einsetzen, wie den Erfordernissen einer gewissen Lohnanpassung zu genügen sei. Präsident Grund gab dann seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß die Handelspolitil im großen und ganzen von Kontingentierungsmaßnahmen befreit werde. Auf dem Wege der Kontingentierung, die zusammen mit den innenpolitischen Störungen das s ch.we r st e Be° u n r u h i g u n g s m o m e n t der deutschen Wirtschaftslage in den letzten Monaten war, würde der Landwirtschaft nicht geholfen, anderen Berufen dafür entscheidend geschadet werden. Die Hilse ür die Landwirtschaft werde durch Stärkung der Kaufkraft und Kostensenkung in der Landwirtschaft erzielt werden müssen, daneben auch durch geeignetes Zusammenwirken der Landwirtschaft mit anderen Kreisen zur besseren Anpassung an die Marktbedürf - Nisse ohne daß es hierfür grundsätzlich staatlichen Zwanges bedürfe. Zur Frage der Ueberwindung der Arbeitslosigkeit ging Dr. Grund auf das Projekt ein, die Beträge, die als Prämie ür Mehreinstellung von Arbeitern gedacht war, d e r ö f fen11ichen Arbeitsbeschaffung zuzuführen. Er meinte, dies könne unter der Voraussetzung begrüßt werden, daß die ft r e n g e n E r - r o r b e r n i ii e wirtschaftlicher N ü tz lichte i t, also auch der Verzinsung solcher Aufwendungen gewahrt werden. Dies gelte insbesondere auch bei gemeindlichen Arbeiten, die auch vom Standpunkt der Wirtschaft als nat- wendia erachtet werden. Die keimende Entwicklung der Wirtschaft in den letzten Monaten sei durch nichts so sehr beeinträchtigt worden, als durch die U ns i ch e r he i t der innenpolitischen Verhältnisse. Man müsse erwarten, daß die parlamentarischen Vertreter des Volkes >ie Einsicht und Beran troor tung ausbr-n- gen, der Regierung und dem arbeitenden deutschen Volk Zeit zur ruhigen Arbeit zu lassen. Christliche Gewerkschaftler beim Reichspräsidenten. Berlin, 8. Dez. (WTB.) Reichspräsident von Hindenburg empfing eine Abordnung des Gesamtoerbandes der christlichen Gewerlschaßen Deutschlands, bestehend aus den Herren £) t i i Imbusch, Ba11rusch und Kaiser, weiche dem Reichspräsidenten über die Notlage m b c r ö e u t i d) e n Arbeiterschaft berichteten und Maßnahmen zur Linderung der aufgetretem it Notstände oorschlugen. Der Herr Reichspräsident sagte eine alsbaldige und sorgfällige P r ii f u n n der gemachten Vorschläge zu. Amerika und die Gchuldenzahlung England sott Vorschläge zur Vermeidung von Valutaschwierigkeiten machen. London, 8. Dez. (TU.) Die a m e r i k a n i s che Antwort auf die zweiteenglischeSchul- d e n n o t e traf am Donnerstagfrüh in London ein. Der Kernpunkt der Note besteht darin, daß Amerika zwar formell aus der Dezemberzahlung besteht, aber den Engländern nochmals eine Gelegenheit gibt, Vorschläge zur Ver- meidung von V a l u t a s ch w i e r i g ke i te n zu machen. 2lm einzelnen besagt die Note: Amerika gibt zu, daß sich die Schuldenlast infolge des Fallens der Preise tatsächlich wesentlich vergrößert hat und daß engste Beziehungen zwischen den Schulden und der Wiedererholung der Welt bestehen. Die amerikanische Regierung erklärt sich bereit, durch eine geeignete Stelle die gesamte Lage untersuchen zu lassen und zu erwägen, welche Schritte zur Wiederherstellung der Währungs- stabilität, zur Wiederbelebung des Handels und zu einem Anziehen der Preise getan werden können. Line Nachprüfung schließe eine Streichung der Schulden nicht in sich ein, wohl aber würde dabei die Erwägung von anderen formen greifbarer Zugeständnisse im Interesse der £r- die Zuversicht, daß der Kongreß bereit fein werde, jeden geeigneten Vorschlag der englischen Regierung zu erwägen, der die Z a h l u n g der am 15. Dezember fälligen Summe erleichtern würde. Oie französisch-englische Aussprache. Paris, 8. Dez. (WTB.) Auf Wunsch Macdonalds hat die für heute angesetzte franzö- si'sch. eng'lische Aussprache über das Schuldenproblem in der englischen Botschaft stattgefunden, da Macdonald unter einer starken Erkä.tuna leidet. Don englischer Seite nahmen.an der Besprechung Macdonald und Neville Chamberlain teil, von französischer Seite herriot und Bienvenu-Martin. Wie Reuter aus Paris meldet, besagt das Com- muniquch das nach Beendigung der heutigen fran- zöfüsch-englischen Schuldenverhandlungen veröffentlicht wurde, daß die Minister, die ihre Handlungsfreiheit in der Schuldenfrage wahren würden, zugleich ihrer gemeinsamen Entschlossenheit Ausdruck geben, in dem Bestreben fortzufahren, durch internationale Zusammenarbeit die für eine Wiederbelebung! der Weltwirtschaft geeigneten Maßnahmen zu erzielen. England lehnt die Gonder- behandlung ab? P a r i s , 8. De^. (TU.) Die Mitteilung, die im Anschluß an die französifch-englischen DZprechun- gen veröffentlicht worden ist, hat die Lage keineswegs geklärt. Man hat den Eindruck, Laß selbst die am nächsten beteiligten Persönlichkeiten noch nicht übersehen, welchen Verlauf die Schuldenangelegenheit nehmen wird. Im Verlauf der Unterredung wurde von London aus an die Botschaft der Wortlaut der amerikanischen Antwort auf die zweite englische Schuldennote übermittelt. Von größtem Interesse ist die von dem halbamtlichen „Temps" veröffentlichte Information, nach der Macdonald während der Unterredung besonders darauf hingewiesen habe, daß die englische öffentliche Meinung lebhaft beunruhigt sei durch die Vorstellung. daß dem noch nicht ratifizierten Lausanner Abkommen Gefahr drohe. Beide Regierungschefs hätten sich außerdem geeinigt, nichts zu unternehmen, was die franzö- s i sch -britische Einigkeit in Frage stellen kannte. Die Londoner Regierung habe daher die ihr von Amerika angeüotene Vorzugsbehandlung bei der Erfüllung ihrer Zahlungsverpflichtungen vom 15. Dezember abgelehnt. Weiterung der Absatzmärkte für amerikanische landwirtschaftliche und sonstige Arbeilserzeug- nisse notwendig werden. Aus aller Welt. England müsse ferner verstehen, dah die Frage der ausländischen Schulden im engsten Zusammenhang mit der A b r ü st u n g s f r a g e und den Lasten stehe, die der ganzen Welt infolge des Rüstungswettbewerbes auferlegt seien. Die Note weist dann darauf hin, daß Amerika in einer Reihe von Punkten eine andere Auffassung als England habe: a) Amerika könne nicht mit der Auffassung übereinstimmen, daß die Schulden lediglich für zerstörende Zwecke gemacht worden feien. Nur e i n Drittel des geliehenen Geldes sei für Munition und Kriegsmaterial verwendet worden. Einige der nach dem Kriege aufgenommenen Anleihen seien für die Existenz der borgenden Nation lebenswichtig gewesen. b) Die englische Note überschätze den Einfluß der Schuldenzahlungen auf die Weltwirtschaft. c) England lasse gewisse Dinge bei Berechnung der Handelsbilanz außer acht. Amerikanische Touristen hätten rund 3990 Millionen Dollars im Auslände ausgegeben, während die nach Amerika gekommenen Personen nur 1495 Millionen Dollars dort gelassen hätten. Bei der Transferfrage dürfe nicht nur der direkte Handel mit Amerika in Betracht gezogen werden. d) Die amerikanischen Goldbestände hätten sich zur Zeit des Beginnes der Schuldenzahlungen^auf 2028 Millionen g.stellt, während sie jetzt 4338 Millionen Dollars ausmachten. In der gleichen Zeit hätten sich die Goldbestände Europas von 3018 Millionen auf 6963 Millionen Dollars erhöht. Diese Goldverteilung könne nicht auf amerikanische Ursachen zurückgeführt werden. e) Die Role wendet sich welker gegen die Behauptung, daß die Initiative zur Regelung der Reparationsfrage mit Kenntnis und Zustimmung der amerikanischen Regierung erfolgt sei. Die Lausanner Verhandlungen seien auf der Grundlage geführt worden, daß eine europäische Lösung der Reparationen gefunden werden sollte, ohne die Amerikaner hierin zu verwickeln. Es wird dann darauf hingewiesen, daß der ursprüngliche Zinssatz der englischen Schuld von 5 auf 3% v. H. herabgesetzt worden sei. Die Note schließt, Amerika erkenne voll die Schwierigkeit der Transferfrage für die Dezemberzahlung an. Hoover habe Wie werden Geldbriesträger gegen Lteberlälle geschützt? Berlin, 8. Dez. (END.) Im Anschluß an den jüngsten Geld briefträgermord in Frankturt a. M. haben verschie.e.'e westdeutsche Blätter die Forderung ausgesprochen, im Interesse des gefährdeten Personals die Geldzustellung überhaupt abzuschaffen und d'e Celdempsängir durch Be- nachrichiigungszettel auszusordern, die ankommenden Geldsendungen im P o st a m t selbst obzuholen. De Vor'älle de,- letzten Zeit haben auch das R e i ch s p o st m i n i st e r i - u m veranlaßt, die Frage der Abschaffung der Geldzustellung erneut zu prüfen. Bevor das Ministerium über diese in das Wirtschaftsleben tief einschneidende, jeden einzelnen angehende Frage endgültig Beschlüsse faßt, hat es die O b e r p o st - direktionen angewiesen, die zuständigen Handels-, Gewerbe- und Industrievertretungen zur Stellungnahme auf» zufordrrn und sich auch selbst über die Abschaffung der Eeldzustellung zu äußern. Ohne Rücksicht darauf, ob das Ergebnis dieser Ermittelungen nach der einen oder na h der anderen Richtung geht, ist man in den Kreisen der Reichspost und anderer Geldinstitute der Auffassung, daß eine wi rk- sameBekämpfung der her e.w h.rten Verbrechen auch dadurch möglich wäre, daß der älebersall auf Geldbriesträger, Kassenboten, Schal- terbcamte und ähnliche mit Geldtransport und Geldausgabe betraute Personen besonders streng bestraft unt> bie gefällten Urteile rücksichtslos vollstreckt würden. Eine amtliche Darstellung des Explosionsunglücks bei 2Rat enott) Heber das entsetzliche Explosionsunglück in Premnitz bei Rathenow, bei. dem 11 Arbeiter den Tod sanden, wird folgende vorläufige amtliche Darstellung gegeben: Die von einigen Berliner Morgen Zeitungen gebrachte Mitteilung, daß es sich um ein Versäum- n i s der F a b ri k le i t u n g handele, da diese die Arbeiter nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, daß unter dem Raum, in dem die Arbeiter beschäftigt waren, Säure hergestellt wurde, ist zu | sagen, daß dies nicht den Tatsachen entspricht. Die Untersuchung liegt in den Händen des Amts- gerichtsrats Büttner vom Amtsgericht Rathenow und des 1. Staatsanwalts Depenthal von der Staatsanwaltschaft Potsdam. Die Explosion ereignete sich in einem Flügel des Werkes, die feit zehn Jahren nicht mehr benutzt worden ist und in dem sich lediglich alte Zentrifugen befanden. In diesem Flügel 'sollte ein Metallträger durchgeschweißt werden. Neben der Arbeitsstelle stand eine Zentrifuge, die ebenfalls mindestens zehn Jahre nicht benutzt worden ist. In der amtlichen Darstellung wird Wert darauf gelegt, daß in diesem Raum keine Schießbaumwolle bearbeitet worden ist und auch dort kein Pulver lagerte. Ein Hinweis für die weiteren Ermittlungen hat ein Gespräch ergeben, das fünf M nüten vor der Explosion ein Meister der Firma T h i e aus Rathenow mit seinen drei Gesellen geführt hat. Der Meister sagte zu den Gesellen: .Hier hat man mir ja eine leere Flasche gegeben, das schadet aber nichts, ich habe zwei volle mitgebracht." Nach der Explosion fand man nun von einer der drei Flaschen nur noch wenige Teilchen, während die beiden übrigen Flaschen noch 'vorhanden, aber ohne Verschluß und entleert waren. Die Sachverständigen stehen nun auf dem Standpunkt, daß die Explosion, selbst wenn sämtliche drei Flaschen explodiert sein sollten, nicht eine so furchtbare Wirkung gehabt haben könne, so daß bei den Sachverständigen der Verdacht besteht, daß noch etwas anderes die Explosion herb ei geführt haben müsse. So ist die neben der Arbeitsstätte liegende Zentrifuge völlig zerrissen worden. Die Sachverständigen neigen zu der Ansicht, daß sich in der Zentrifuge ein Explosionsstoff gebildet haben muß, wobei es sehr schwer sein wird, festzustcllen, was dieser Explosionsstoff sein kann, da die Zentrifuge, wie bereits erwähnt, zehn Jahre lang nicht benutzt worden ist. Die Untersuchungen von Professor Brüning, dem gerichtlichen Sachverständigen, und Dr. Witt von der Derufsgenossenschaft der chemischen Industrie, werden fortgesetzt: auf Grund der Brandwirkungen soll nachgeprüft werden, welche Gase explodiert fein können. Wie die Verwaltung der IG.'Farbenindustrie zu dem Unglück mitteilt, sind bisher insgesamt sieben Tote geborgen und identifiziert worden. Vier Per,onen nwroen noch vermißt. Es muß damit gerechnet werden, daß sie nicht mehr am Leben sind. Sieden Personen sind schwer verletzt. Allem Anschein nach befinden sie sich aber nicht mehr in Lebensgefahr. Der Empfang der „Karlsruhe" in Kiel. Zum Empfang des nach einjähriger Auslandsreise in den Heimathafen Kiel zurückgekehrten! Kreuzers „Karlsruhe" hatten sich Tausende von Angehörigen der Besatzung auf der Blücherdrücke eingefunden. Weitere Menschenmengen hielten die umliegenden Brücken und den Strandweg beseht. Bei seinem Eintreffen im mnercn Hafengebiet begrüßte der Kreuzer die Flagge des Schiffs der Marineleitung mit 17 Schuh Salut. Gleichzeitig stieg am Mast des Schiffes der etwa 100 Meter lange, mit dem Eisernen Kreuz geschmückte weiße Heimatwimpel em-' por. Von einer sofortigen Begrüßung durch die militärischen und Zivilbehörden wurde Abstand genommen, um den Angehörigen gleich den Zu- tritt zum Schiff zu ermöglichen. Raubmörder Stark zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Der 23jährige Erwerbslose Friedrich Stark datte am 6. September d. I. die 55jährige, aus Italien stannnende Sprachlehrerin Erna Carl, geb. B r u s c a t o. in deren Berliner Wohnung beraubt und ermordet. Der Staatsanwalt hatte wegen Raubmordes die Todes- st r a f e beantragt; der Angeklagte wurde vom Schwurgericht beim Landgericht il unter Vorsitz bzi Landgeri h tsdjreltors Dr. Hartmann we- grn Raubes mit Todeserfolg in Tateinheit mit L-olschlag zu lebenslänglichem Zuchthaus und zum dauernden Verlust der bürger- lick^n Ehrenrechte verurteilt. Wegen zweier Diebstähle, die Stark wenige Tage vor der Bluttat begangen hatte, erhielt er weiterhin zwei Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust. Außerdem erkannte das Gericht auf Stellung unter Polizeiaufsicht. Einen mit Ueberlegung und mit Vorsatz ausgesührlen Raubmord verneinte das Schwurgericht, sondern es nahm an, daß Stark zunächst lediglich den Raub geplant und erst dann den Vorsatz zur Tötung der Sprachlehrerin gefaßt habe. Brand auf dem Hamburger „Dom". Auf -dem Hamburger „Dom" — dem traditionellen Weihnachtsmarkt — entstand heute, Freitag, früh gegen 3/.tl Uhr in einer der Hauvt- re'.hen der Dergnügungsstadt aus noch unau - geklärter Ursache ein Schadenfeuer, za de - sen Bekämpfung drei Züge der Feuerwehr au - geboten werden mußten. Der Brand kam zum Ausbruch, als b'r eigentliche Domöetrieb, der um Mitternacht beendet ist, bereits abgeklungen war und die Reihen zwischen den großen Schaubuden waren bereits ziemlich menschenleer, als plötzlich aus einer großen Schaubude Flammen emporschlugen. Den Flammen fiel eine große Waffelbäckerei zum Opfer, außerdem sind bei den zwei ang"enzenden Hallen die Zellvkanen verbrannt, so daß insgesamt 50 Meter Budenfront zerstört wurden. Ferner wurden zwei Wohnwagen und die Rückwand der Buden stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Besitzer einer Schaubude erlitt Brandwunden und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Der Schaden ist betrü tlich. Nach etwa einstündiaer Tätigkeit gelang es der Feuerwehr, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Diebesgut aus dem Fridolin-Münster in Belgien gefunden. Dei einem Schneider im Vorort Anderlecht bei Brüssel ist eine Reihe kirchlicher Wert- gegenstände gefunden worden, die, wie vermutet wird, aus dem Diebstahl im Säckin- ger Fridolin-Münster herrüh.en. Zum Teil find aus den Kostbarkeiten die Edelsteine her- ausaebrock'en worden. Schiffbruch eines norwegischen Fischkutters. Ein no.wegischer Fisch.utter erlitt, wie aus Tromsö gemeldet wird, in einem plötzlich aufkommenden heftigen Sturm schweren Schiffbruch; dabei kamen 5 Mann der Besatzung u ms Leben. „Franziskus". Oer neue Timmermans. Das letzte Buch') von Felix Timmermans ist d:e reife Frucht mehrjähriger Arbeit; c8 behandelt Leben und Legende des Heiligen Franziskus von Assisi, dessen milde und fromme Erscheinung immer wieder die Dichter zu nachschasfender Verklärung in Versen und Pro>a begeistert hat. Wenn man sich beide vergegenwärtigt, den Italiener und den Niederländer, Gestalt und Gestalter, - dann mag man wohl zunächst überrascht und betroffen fein, daß gerade Timmermans sich von diesem Stoff angezogen fühlte. Wenn man aber nicht zuerst an seinen herrlichen „Pallieter" denlt oder an oen „Bruegel", sondern an das „Jesuskind in Flandern", an das „Beginchen Symforosa" oder auch an den „Pfarrer vom blühenden Weinberg", dann w:rd man die zarten Fäden gewahr werden, die sich vom früheren Werk des Dichters zu fernem jüngsten Buch herüberspinnen. Vom „Pal- 1 toter" scheint auf den ersten Blick keine Brücke zum „Franziskus" zu führen: bis man entdeckt, daß dieser, durch schärfste Kontraste von jenem getrennt, zwar dessen vollkommenes Gegen- bild darstellt, daß aber beide Gestalten im Grunde durch den gleichen starken Gefühlsstrom nrJtein- anöer verbunden sind. Während jedoch im „Pallieter" diese Fülle des Gefühls, aus dem blühenden Reichtum seiner flandrischen Herkunft und Heimat uberquellend gespeist, ganz auf die schönen, gesunden, nahrhaften und irdischen Dinge dieser Welt gerichtet ist und an ihnen stets aufS neue sich entzückt — löst sich Franziskus immer entschiedener und leidenschaftlicher von feinem irdischen Umkreis und dem weltlichen Leben h.enieden los und sammelt, betend und fastend, predigend und singend, all seine ekstatisch entflammten Innenkräfte im Dienste des Jen- !?A«en und zur Vorbereitung auf das himm- liiche Reich Christi. Roch der junge Franziskus erscheint dem Dichter als ein verblendetes Welt- klnd, ,a manchmal fast als ein den irdischen Freuden verschworener Bruder Pallieters — bis ihn vl.lonar der Strahl der Erkenntnis und Er- teuchtung trifft, welcher jähl nzs seinem Dasein, Den en und Tun die entscheidende Wendung ins Ge.stlge, Innerliche und Übersinnliche gibt. Der Lebens- und Leidensweg, den Franziskus fort- •) Felix Timmermans: Francis- k u s. 287 «Seiten. Mit Zeichnungen des Dichters. Gewanden^ö.—^-Im 2nsel-Verlag zu Leipzig, an mit unbeirrbarer Sicherheit bis zum verklärten Ende verfolgt, ist erhellt durch die Leuchtkraft eines allumfassenden, in Verzückung gesteigerten Gefühls, Und die Leitsterne seines irdischen Wandels heißen: Armut, Keuschheit, Gehorsam und Liebe. Diese demütige Liebesinbrunst vor allem, welche miit immer gleichbleibender Milde und Güte jegliche Kreatur umfaßt und erwärmt, kennzeichnet sein Leben und erhebt es über alle andern in seinem Lande und zu seiner Zeit. Franziskus ist ein Fanatiker der einmal hellseherisch erkannten Gottesidee; ewig .'im harten Kampf mit sich selber, mit dem „Bruder Esel", mit Anfechtungen, Enttäuschungen und Zweifeln, geht er den Passionsweg aus der unbefriedigenden Sorglosigkeit einer ganz bürgerlichen Jugend — seiner apostolischen Aufgabe entgegen: er er* richtet, anfänglich verspottet, »erfolgt und ge- demütigt, den bald mächtig sich ausbreitenden Orden der „Minderbrüder"; Franziskus aber wird zahllosen Zeitgenossen bewundertes, geliebtes und scheu verehrtes Vorbild; und er ftirb't nach einem langen, qualvollen, freiwillig ertragenen Martyrium als ein hymnisch verzückter Prediger und Spielmann Gottes, ganz vergeistigt und verklärt von seiner überirdischen Sendung. Das Buch ist, wie die meisten seiner Vorgänger, von Timmermans selbst mit zarten und schlichten Miniaturen geschmückt, vom Verlage vornehm und gediegen ausgestattet. -y- Organisation. Don Jo Hanns Rösler. Die Sache hat sich natürlich in Amerika zu- getragen. Der Bankdirektor Doveri Braun veruntreute eine Million Dollar aus Depotgeldern. Er erreichte den Nachtzug und fuhr lachend in die weite Welt. Aber schon im Schlafwagen erreichte ihn die erste Nachricht von daheim. Lind das kam so: „Haben Sie noch ein Bett frei?" fragte Do- berr Traun den Schlafwagenschaffner. Der Schaffner nickte: „Gewiß!" Doveri Braun betrat das Abteil. Als er das Handtuch in die Hand nahm, erschrak er. Heber das Handtuch lief quer eine blaue Schrift: .Waschen Sie Ihre Hände nicht in Unschuld. Ihre Spur ist nicht verloren." Entsetzt warf sich Do- ven Braun auf das Bett. Auf dem Kopfkissen haftete ein Zettel: „Werden Ihre BanNunden teyt auch so ruhig schlafen können?" Und unter dem Bettlaken befand sich ein rauhes Bett. Dar- auf stand: „Im Gefängnis werden Sie noch viel härter liegen!" Am nächsten Morgen wankte Boveri Braun grau und blaß in den Speisewagen. Der Steward reichte ihm eine Speisekarte. Mit roter Tinte stand quer über den Getränken und Leckerbissen: „Kehren Sie um! Sie sind erkannt und werden beobachtet!" Doveri Braun ließ sich einen schwarzen Kaffee kommen. Am Grund der Tasse las er: „Ihr Steckbrief liegt auf allen Bahnstationen." Boveri Braun sprang auf. Befahl die Rechnung. Unter der Rechnung war ein Stempel: „So vergeuden Sie das Geld anderer Leute..." Doveri Braun kam mehr tot als lebendig in fein Abteil zurück. Der Zug hielt auf einer größeren Station. Um sich zu zerstreuen, kaufte sich Doveri Draun einen Roman. Aus dem Buch fiel ein roter Zettel: „Lesen Sie lieber das Strafgesetzbuch." Und als der Schaffner ins Abteil trat, die Fahrkarten zu prüfen, fand Boveri Braun auf der Rückseite seiner Karte einen Stempel: „Kehren Sie um! Unsere letzte Warnung! Aus der nächsten Station wartet man schon auf Siel" Doveri Braun sprang aus dem Zuge. Er flüchtete in einen Wald. Dor dem Walde hing eine breite Tafel: „Die Polizei wird sie auch hier finden." In feiner Verzweiflung flüchtete Doveri Draun auf einen hohen Baum. Aber schon wieder hing hier ein Schild: ..Klettern Sie getrost weiter. Die Aeste sind fest. In Kürze werden Sie daran aufgehängt." Da ließ sich der Dankdirektor Boveri Braun fallen und lief, was er konnte, vierzehn Tage und vierzehn Nächte zu seiner Dank zurück, legte die veruntreute Million wieder in die Kasse und setzte sich an seinen Schreibtisch. — Einige Wochen später fand nun die erste Generalversammlung der neugegründeten Organisation des Selbstschutzes der Bankkunden statt. Der Vorsitzende bat um das Wort. „Meine Damen und Herren", sagte er, „wir tonnen schon nach den ersten Monaten unseres Bestehens einen schönen Erfolg buchen. Seit vier Wochen sind keinerlei Dankunterschleife und Defraudationen in Amerika mehr vorgekommen. Ge- to ^oner Erfolg, nachdem wir bis dahin gewöhnt waren, täglich von solchen Fällen zu lesen. Wir verdanken diesen Erfolg, wie ja auch die Gründung unserer Organisation, der genialen Idee unseres verehrten Mitgliedes Carolus älnterstützung der Eisenbahnen des Landes an allen möglichen und unmöglichen Orten kleine Inschriften anbrachte, um so die Verbrecher schon bei Beginn ihrer Flucht unsicher zu machen. Durch dieses einfache Verfahren erreid)- len wir unser Ziel, die Unehrlichkeit aus der Welt zu schaffen, und können jetzt getrost unsere Gelder wieder den Depots anvertrauen. Run bit- I ten wir unser verehrtes Mitglied Carolus Kripps, seine Abrechnung über unsere ihm anvertrauten Einlagen von einer Million zu geben." Aber Carolus Kripps war nicht zu finden. Auf seinem Platz stand die Kasse dec Organisation. Die Kasse war leer. Ein Zettel lag darin: „Eine Ausnahme bestätigt die Regel. Dieses Depot wurde unterschlagen. Eine Milliarde Dollars verwettet. Daß der typische Yankee bei jeder Gelegenheit mit bem Vorschlag einer Wette bei der Hand ist, gchört zu den Vorstellungen, die man sich gewöhnlich Dom Amerikaner macht. Diese Spiel- und Wett- lüft, die im Volkscharakter tief eingewurzelt liegt, ift auch durch die Wirtschaftskrise nicht gehemmt worden. Nach einer ungefähren Schätzung, die ein Neuyorker Blatt veröffentlicht, verwetten die Arne- rifaner jährlich eine Summe, die etwa eine M lliarde Dollar beträgt. Solche Wetten werden bei jeder möglichen Gelegenheit und über alle möglichen Sinne abgeschlossen. Man wettet auf die Temperatur des folgendes Tages, auf die Chicagoer Butter- und Eierpreise und natürlich auch auf Rennpferde. Die Summen, die gesetzt werden, gehen von einem Cent bis zu Tausenden von Dollars. Obwohl Glücksspiele verboten sind, schreitet die Polizei doch nur sehr selten ein und kümmert sich wenig um die Gewinne und Verluste, die auf diese Weise Zustandekommen. In den Erhebungen, die in etwa 30 Großstädten über den Spiel- und Wettbetrieb anqeftclrt wurden, kam man zu der Annahme, daß in jeder dieser Städte jede Woche zwischen 10 und 20 Mil- lionen Dwlar verwettet werden. San Franzisko, wo die „chinesische Lotterie" besonders beliebt ift, steh* an der Spitze; hier schätzt man die Wett, ur.b Spielumsatze auf vier Millionen Dollar in der 2voche, wahrend in Chikago etwa zwei Millionen in Neuyork etwa eine Million betragen. Alle diese Wetsipiele beruhen auf dem Lotterie-Prinzip und werden mit berufsmäßigen „Buchmachern^ abge- Nässen. Die abenteuerlichsten Kombinationen von ZMern, die mit den Ergebnissen der Wettrennen in irgendeine Beziehung gesetzt sind, werden zu diesem Zweck erfunden, und der Buchmacher, der in Amerika den stolzen Titel „Bankier" führt, ist unerschöpflich in neuen angeblichen „Chancen", die er seinen Kunden in verführerischem Licht schildert, solche tollkühne Wettspiele sind in Dutzenden von B"^en% chem.7% Tt.Neichtanl. o. 1929 514Boung-Anleihe von 1930 . Deuts ck»e Anl.-Ablös.-Schuld mii Anslos.-Nechtcn ............. Tesgl. ohne Auolos.-Rechte ehern. 8% Hess. Bol'Sstaat 1929 «ruck;ahlb. 102%)............ Lberhestcn Provinz - Airleihe nie Auslos. Rechten ............ Deutsche Stumm. Lammelab Lflln. ieihe Seriel mit Sluslos.-Recktten 6% ehern. 8% Franks Hgp Bank Goldvse. 15 unkündbar bi» 19.35 6% ehem. 7% Franks Hup.-Baill Goldvse. 16 unkündbar bis 1936 5*/i% ehem. ii'2oo Franks. Hgp. Bank-Liau..Psandbriese ..... S'/r% ehem. t'/r% «Heini,che Hyp.-Bank-Lmu.^oldpfe. ... 6% ehem. 8% Br. Landesvsand briefanflalt, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespfand briefanffalt. Pfandbriefe >R. V- Zranksun a. 2)1. Serini Echluß- fure Schlutzk. Abend, börb- (Schluß- iure Schluß!. Mittag, börfe 7.12. 8.12. 7.12. 8.12. — — 75.25 76,25 90.275 90.5 90 90,5 75.5 — 75,4 75,1 57,65 57.5 57,5 57,4 6,45 6,4 6,35 6,4 68.75 68,5 68.5 68.5 58,5 57 — - 53.5 53,5 53,75 53,5 79,65 80 — — 79,65 79,75 - — 83,75 84 — - 83,75 84 — - 78 78,5 77.75 78 78,5 78,5 - - 8,25 8,75 8,3 8,4 1 5,85 1 1,05 1,05 5,8 5,8 5,85 6 5,75 — 5.6 — — 5,75 5,65 6,65 6,65 6,75 3.75 3,65 3,75 — 4 4 4,1 4,15 4 4,1 4,15 5,75 —— — —— 9,5 9,55 9.8 4.8 4,65 4,65 4.65 21.5 22 21.5 21.9 e Noten ............... 13,63 13,69 französische Noten.............. 16,39 16,45 Holländische Noten............... 168,86 169 54 Italienische Roten............... 21,42 21 50 Norwegische Noten .............. 70,01 70.29 Deutsch Oesterreich, ä 100 SckMfng Rumänische Noten............... Schwedische Noten.............. 74'35 2,49 74 65 Schweizer Noten............... 80,74 spanische Noten................ 34 23 Ungarische Roten............... —