Nr. 25 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20v . mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undsürdenAn- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Siegen. Sie Amnestie der Angelpunkt für die Vertagung des Reichstags. Annahme eines Kompromißvorschlags des Reichsjustizministers im Vechisausschuß mit 21 gegen 4 (Stimmen. Berlin. 8. Dez. (031)3.) Die Frage, von deren Entscheidung Vertagung des Reichstages über Weihnachten oder Weitertagen und damit Mißtrauensvotum und Konflikt abhangen, ist die Gestaltung der Amnestie, über die der Rechtsausschuß des Reichstages beriet. Dom Plenum sind dem Ausschuß dreiEntwürf e über- wiesen worden, die von den Rationalsozialisten, den Kommunisten und den Sozialdemokraten beantragt waren. Sie Beratungen begannen mit Ausführungen des Berichterstatters Abg. Dr. H ö g n e r (Soz.) Abg. Dr. R u pp (RS.) begründete sodann den Antrag seiner Fraktion. Dieser verlange Straferlaß für alle Straftaten, die aus politischen Beweggründen oder aus Anlaß von Wirtschafts- kampfen oder aus wirtschaftlicher Rot begangen worden seien. Ausgeschlossen sollten die Verurteilung wegen Landesverrats und wegen Verrats militärischer Geheimnisse sein, da jeder Landesverräter ein Lump sei, ob er eig.m- oder uneigennützig handele. Der sozialdemokratische Antrag sei in seiner jetzigen Form kaum annehmbar, weil er die Spreng st ossdelikte ausnehmen wolle. Abg. Dr. M a r u m (Soz.) erklärte, daß er grundsätzlich kein Freund von Amnestien sei, weil dadurch die Autorität der Rechtspflege erschüttert werde. Aber nach den unerhörten Urteilen, die in den letzten Monaten gefällt worden seien, sei eine Amnestie notwendig. Leider sei es nicht möglich, üble Rachreden von der Amnestie auszuschließen, wenn schwerere Delikte darunter fallen. Unbedingt aber müßten von der Amnestie ausgenommen werden die Verbrechen gegen das Leben. Das gleiche gelte für die Sprengstoffverbrechen. Ausgenommen sollten auch die Urtelle wegen des Verrats militärischer Geheimnisse und wegen Landesverrats sein, sofern die Taten aus Eigennutz begangen worden seien. Vor einer Amnestierung von Disziplinarverfahren müsse wegen des ganzen Gefüges des Deamtenkorpers dringend gewarnt werden. Dr. Warum wies die Rationalsozialisten noch darauf hin, daß für eine Amnestie eine Zweidrittelmehrheit notwendig sei und daß sie auf die U n t e r st ü h u n g anderer Parteien angewiesen seien. Sie müßten also auf eine Verständigung hinarbeiten. Abg. Dr. Hanemann (Dntl.) erklärt, daß nach Auffassung seiner Freunde die gegenwärtigen Verhältnisse keinen begründeten Anlaß für eine so weitgehende Amnestie geben. Die deutschnationale Fraktion werde die vorliegenden Anträge ab lehn en, aber darauf hinarbeiten, daß unverzüglich, möglichst noch bis Weihnachten, von dem Recht der Begnadigung im Einzelfalle in weitestgehendem Maße Gebrauch gemacht werde. Miners Vermittlungsvorschlag. Reichsjustizmini st er Gürtner erklärte, manche Vorgänge der letzten Zeit, zum Teil manche Urteile der Sondergerichte und die strafrechtlichen Folgen des Berliner Verkehrsstreiks, hätten in weiten Kreisen den Wunsch nach einer Amnestie entstehen lassen. 3m Reichsjustizministerium sei auf Grund der vorliegenden Anträge und der bisherigen Erfahrungen eine Skizze entworfen worden, die vielleicht die Möglichkeit eröffne, die bisher Unvereinbarenden Wünsche der verschiedenen Parteien miteinander in Einklang zu bringen. Der Minister stellte diese Skizze dann den Parteien zur Verfügung, die die Skizze untereinander und auch mit Vertretern des Reichsjustizministeriums eingehend prüften, zusammen. Abg. Dr. högner (Soz.) erstattete Bericht über die Form, die die Skizze des RLichsjusilzministers inzwischen erhalten hatte. Danach soll für Straf- taten, die aus politischen Beweggründe n oder ans Anlaß von wirtschaftlichen Kämpfen begangen sind, in der weise Straffreiheit gewährt werden, daß Strafen bis zu fünf Jahren erlassen werden. Längere Strafen werden in der weise herabgesetzt, daß sie zunächst um fünf Jahre gemindert werden, und der Re st halbiert wird. Dabei tritt a n die Stelle von Zuchthaus Gefängnis. Jür Straftaten, die infolge wirtschaftlicher Rot des Täters oder ferner Angehörigen, insbesondere Arbeitslosigkeit, begangen worden sind, wird, wenn der Täler nicht oder nur bis zu drei Monaten vorbestraft ist, die Strafe erlassen, soweit es sich um eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als sechs Monaten handelt. Ausgenommen von der Amnestie werden: 1. verbrechen gege das Leben, verbrechen gegen § 1 der Notverordnung vom 9. August 1932, wenn ein Mensch getötet oder verletzt worden ist, sowie gemeingefährliche verbrechen mit Todesfolge; 2. Landesverrat und verrat militärischer Geheimnisse, wenn die Tat aus Eigennutz begangen ist; 3. die Sprengstoffvergehen Da es sich bei dieser Vorlage nur um eine Skizze des Reichsjustizministers handelte, übernahm Abg. Dr. högner (Soz.) als Berichterstatter diese als seinen Antrag. Die Nationalsozialisten erklärten ihre Stellungnahme wie folgt: Die Grundlage der Amnestie soll die Notwendigkeit einer totalen Liquidation der Paven-Epoche herbeiführen, soweit es sich um Vergehen und Verbrechen handelt, die gegen den Einzelnen, nicht gegen die Gemeinschaft von Volk und Staat gerichtet find. Dieser Grundsatz der Totalität ist durch die Herausnahme der Sprengstoffverbrechen und Verbrechen gegen das Leben durchbrochen worden. Wenn die Nationalsozialisten trotzdem d i e Annahme erwägen, o geschieht das mit Rücksicht auf d e n groß en Umfang der A rn - nestle, denn durch d efe werden eine große Anzahl von Volksgenossen aus dem Elend befreit. Der Ausschuß beschloß die Vertagung der Abstimmung auf morgen früh. Der Rechtsausschuß stimmt zu. Bedenken des Reichskanzlers über die Ausdehnung der Amnestie. Be r l i n, 9. Dez. (VDZ.) Im Rechtsausschuß des Reichstags wurde die Arnneftieoorlage in der Fassung, die sie in der gestrigen Abendsitzung hatte, mit 21 gegen 4 Stimmen angenommen. Dafür stimmten die Nationalsozialisten, die Sozialdemokraten, die Kommunisten und ein Zentrumsvertreter, dagegen die beiden Deutschnationalen und zwei Zentrumsoertreter. Der Reichsmini st er der Justiz. Dr. G ü r l n e r, betonte nochmals, daß die gestern von ihm vorgelegte Skizze ohne Mitwirkung des Reichs- kabinetls ausgearbeitet worden sei, und nur eine technische Mitarbeit des Reichsjustizministeriums darstelle. Er habe inzwischen dem Herrn Reichskanzler Bericht erstattet. Der Herr Reichskanzler habe schwere Bedenken gegen die Ausdehnung der Amnestie auf nichteigen- nütz ig en Landesverrat und Hochverrat und müsse in diesem Falle, insbesondere wenn der Hochverrat einbezogen bleibe, die Auswirkung vom Standpunkt der Wehrmacht ernst- l i ch prüfen und sich alle weiteren Entschließungen vorbehalten. Die Erstreckung der Vollamnestie auf Strafen bis zu fünf Jahren führe dazu, daß alle vo r be r e i tu ngs ha adln n g e n zum verrat (§ 86 StGB.) amnestiert werden. Abg. Dr. Reinhardt (Natsoz.) wies darauf hin, aus der Tatsache, daß im nationalsozialistischen Antrag der Hochverrat nicht ausdrücklich aufgeführt worden sei, dürfe nicht geschlossen werden, daß die Nationalsozialisten den H o ch v e r » rat, der zum Beispiel in den Zersetzungsversuchen der Reichswehr bestehe als einer Amnestie würdig erklären wollten. SPD. und KPD. wollten die Amnestie an der Frage der Einbeziehung des Hochverrats und des Landesverrats scheitern la s s e n. Da die Nationalsozialisten unter allen Um= tänden ihre Kameraden durch diese Amnestie aus Jen Gefängnissen und Zuchthäusern befreien wollten, timmtn sie, unter Aufrechterhaltung ihrer scharfen Ablehnung gegen die Einbeziehung der erwähnten Verbrechen, Der A m n e st i e z u. Ein Antrag des Abg. Dr. Wegmann (Zentr.), wonach von der Amnestie ausgeschlossen bleiben soll das Verbrechen des schweren Raubes, wurde angenommen. Gerüchte um Gregor Straßer. Oer Reichsorganisaftonsleiter der NSOAp. für drei Wochen beurlaubt. Konflikt mit Hitler? Berlin, 8.Dez. (TU.) Die Reichspressestelle der NSDAP, teilt mit: „Parteigenosse Gregor Straßer tritt mit Genehmigung des Führers einen Krankheilsurlaub von drei Wochen an. Alle weiteren daran geknüpften Gerüchte und Kombinationen sind unzutreffend und entbehren jeglicher Grundlage". Gregor Straßer ist am Donnerstagnachmittag von Berlin abgereist. Die Mitteilung der Reichsparteileitung der NSDAP., daß Gregor Straßer einen dreiwöchigen Krankheitsurlaub antritt, hat in politischen Kreisen lebhaftes Aufsehen erregt Das ist um so natürlicher, als vor Bekanntgabe dieser parteiamtlichen Mitteilung Ge r ü ch t e verbreitet waren, denen zufolge Straßer an Adolf Hitler einen Brief geschrieben haben sollte, mit dem er seine Aemter in der Partei niederlegt. Auf diese Gerüchte bezieht sich der Zusatz des nationalsozialistischen Kommu- niquäs, der alles von sich weist, was über den Urlaub hinausgeht. In der nationalsozialistischen Führung soll eine Aussprache über die grundsätzliche Haltung der Partei zu dem Problem einer Regierungsbeteiligung stattgesunden haben. Den Anlaß dazu scheinen die Verhandlungen mit anderen Parteien über die Regie r u n g s d e r h ä l tn i s s e in Preußen gegeben zu haben. Während der Mittwochsitzung des Reichstags war unter der Hand bekanntgeworden, daß diese Besprechungen ziemlich weit gediehen seien, so daß man mit der Bildung einer Koalition zwischen Rational- sozialisten, Zentrum und vielleicht Deutscher Volkspartei in Preußen rechnete. Die Wahl des Ministerpräsidenten hielt man im Januar für wahrscheinlich. Man sprach auch davon, daß der preußische Ministerpräsident dann zugleich Vizekanzler im Reiche werden sollte und dcch dieses Projekt nur noch der Zustimmung Adolf Hitlers bedürfe. Daraus schienen sich nun gewisse Schwierigkeiten ergeben zu haben. Vielleicht gehen sie von der Erwägung aus, daß Hitler, wenn er entweder für seine Person oder für Gregor Straßer seine Zustimmung zur Wahl gäbe, damit gleichzeitig auf den Anspruch auf dasReichskanzleramtver- zichten würde. Das ist ein Problem, das für die RSDAP. eine große grundsätzliche Bedeutung hat. Man weih seit einiger Zeit, daß Gregor Straßer der erste Verfechter einer praktischen R e g i e ru n g s b e t ä- tigung der Partei ist, und so entstanden wohl die Gerüchte, die zu der parteiamtlichen nationalsozialistischen Mitteilung führten. Oer „Angriff" zur Beuriaubung Gregor Straßers. Berlin, 9. Dez. (ENB. Funkspruch.) Die Meldung der Reichspresseftelle der NSDAP., daß Gregor Straßer einen dreiwöchigen Urlaub antritt, bricht der heutige „Angriff" auf der zweiten Seite ab und schreibt dazu, wenn die gegnerische Presse glaube, aus dieser Tatsache eine Sensation zu machen, um zu Spekulationen auf einen Zerfall der NSDAP, zu kommen, so habe sie sich gründlich getäuscht. „Ob ein Gregor Straßer beurlaubt wird oder nicht das kann niemals etwas daran ändern, daß die NSDAP, zielklar und kompromißlos ihren Weg weitergeht. Der Führer wird das Programm, das er ihr von Anfang an gegeben hat, rocDer an den Marxismus noch an die Reaktion verraten, auch nicht um den Preis von Ministersesseln." Erörterungen in der Presse. Die Gerüchte über Gregor Straßer und die Erklärung der RSDAP. werden in einer Reihe von Blättern sehr eingehend erörtert. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt, es dürfte richtig sein, daß Straßer in einem Schreiben an Hitler sein A m t a l s Reichsorganisationsleiter niedergelegt und mitgeteilt habe, er werde jetzt als einfacher Soldat in die Bewegung zurückkehren. Das Blatt sagt dazu, daß es ein Verhängnis für die Ration wäre, wenn sich die größte Rechtsbewegung zersetzen würde, ehe sie ihre geschichtllche Aufgabe erfüllt habe. Straßers aufsehenerregender Entschluß könne aber nicht mit einem Dementi abgetan werden, dessen Fassung in auffallender Weise an die mangelhafte Dementierkunst des „Systems" erinnere. Die Kreuzzeitung nimmt an, daß Straßer feine Aemter in der Partei niedergelegt habe, weil er bei der Einigung zwischen Zentrum und Rationalsozialisten über Preußen, die, wie das Blatt behauptet, gestern zustande gekommen sei, nicht mehr als Anwärter für d i e Ministerpräsidentschaft genannt werde. Das Blatt will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß bei dieser Einigung Frick als Ministerpräsident und D r. B r a ch t als Innenminister in Aussicht genommen seien, und daß nach einer gewissen Einführungszeit der Versuch gemacht werden solle, die B i n- d u n g zwischen Reichsregierung und Preuhen- regierung derart zu verstärken, daß Frick zum Vizekanzler in das Kabinett von Schleicher berufen werde. — Die Serina» n i a behauptet dagegen, daß die Verhandlungen zwischen den Preußenfraktionen des Zentrums und der RSDAP. in den letzten Tagen zwar wieder ausgenommen worden seien, daß bindende Abmachungen aber nicht vorlägen. Die „Tägliche Rundschau", das Organ des Zehrerschen „Tat"-Kreises, verzeichnet unter der Ueberschrift „Gregor Straßer tritt zurück" als Tatsache, daß der Reichsorganisationsleiter und Reichstagsabgeordnete Gregor Straßer feine sämtlichen Parteiämter niedergelegt habe und auch auf sein Reichstagsmandat verzichten werde. Straßer bleibe als Mitglied in Der Partei. Der Rücktritt Straßers von allen seinen Aemtern sei am Donnerstag nachmittag Hitler überbracht worden. Straßer habe seine Gründe in einem ausführlichen Bries niedergelegt, in dem er sich zunächst gegen die Stellungnahme wende, die Hitler bei der letzten Besprechung mit den Abgeordneten der Partei in Berlin eingenommen habe. Hitler solle dabei eine Kritik an den alten Kampfgenossen der Partei geübt und nur seine eigene Person ausschließlich in den Mittelpunkt des weiteren politischen Geschehens in Deutschland gestellt haben. Ferner soll Straßer erklärt haben, daß er die Enge, in die die Partei geraten sei und d i e Ausschließlichkeit, mit der sie in den letzten Monaten Politik getrieben fyabe, nicht mehr mitmachen könne. Er habe seine Ausgabe in der Partei immer nur darin sehen können, die breite Masse der Bauern, Ange st eilten und Arbeite r an den Staat heranzuführen und zwar auf der Basis eines deutschen Sozialismus. Hitler habe vor Empfang des Brie) es keine Ahnung von den Rücktrittsabsih'en seines Organisationsleiters gehabt. Straßer habe sich in einen geheim gehaltenen Kurort begeben, um seine Stellungnahme zu unterstreichen. Zn einem „Klärung? — Das Signal für die RSDAP." überschriebenen Leitartikel meint das Blatt, daß damit die Stunde der Entscheidung für die RSDAP. gekommen sei. Es gehe nicht etwa um eine Riederlage oder das Ende dieser Bewegung. Wenn die Linkspresse sich leichtfertig diesen Illusionen hingeben sollte, so unterschätze sie die R e s e r v e n , die diese Bewegung im Volke habe. Es gehe nur um einen notwendig gewordenen Klärungsprozeß der eher zur Erneuerung führen werde, als zum Verfall. Auch Feder nimmt Urlaub. Berlin, 9. Dez. (LRB.Funkspruch.) Wie wir hören, Hal der Programmatiker der RSDAP. und Vorsitzender des Reichswirtschaftsrates der RSDAP. Gottfried Feder, WdR., Adolf Hitler in einem Brief um einen mehrwöchigen Urlaub ersucht. In diesem Brief fragt Feder, ob die ihm von Gregor Straßer eröffnete Mitteilung über die von Hitler beabsichtigte Auflösung der Hauptabteilung IV (Wirtschaft) der RSDAP. und der ingenieur-technischen Abteilung, deren Leiter Gottfried Feder ist, als endgültige Maßnahme anzü- sehen sei. Feder weist darauf hin, daß eine Auflösung der wirtschaftspolitischen Abteilung als Verzicht der RSDAP. auf ihr wichtigstes Gegenwortsziel, „Arbeit und Brot", angesehen würde, hieraus sei eine so ungeheure Abwanderung der sehnlichst auf Besserung der Wirtschaftslage wartenden Wöh- lermassen zu besorgen, daß dadurch die Stoßkraft der RSDAP. gefährdet erscheine. Annahme des Gteltvertretungsgesetzes. Der Reichstag stimmt mit qualifizierter Mehrheit zu. Berlin, 9. De;. (VDZ.) 3m Reichstag wurde in dritter Lesung ohne Aussprache über das von den Rationalsozialisten beantragte Vertre- tungsgeseh für den Reichspräsidenten namentlich obgestimmt. Das Gesetz besagt: „Der Reichspräsident wird im Falle seiner Verhinderung durch den Präsidenten dez Reichsgerichts vertreten. Das gleiche gilt für den Fall einer vorzeitigen Erledigung der Pro- sidenlschafl bis zur Durchführung der neuen Wahl." Die Abstimmung ergab die Annahme des Antrages mit 404 gegen 127 kommunistische vnd deutschnationale Stimmen. Die versassungsondernde qualifizierte Mehrheit, in diesem Falle 354 Stimmen, ist damit überschritten. Die Preußenfrage. Unterredung zwischen Braun und Schleicher. Berlin, 8. Dez. (TU.) Am Donnerslagoor- mittag fand zwischen Reichskanzler v. Schleicher unt> Dem preußischen Ministerpräsidenten Braun eine Unterredung über die Lage in Preußen, insbesondere über Zuständigkeitsfragen statt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß bei dieser Gelegenheit auch die Dinge erörtert worden sind, die den Reichsrat in seinen nächsten Sitzungen beschäftigen werden. In den Verhandlungen zwischen Zentrum und Nationalsozialisten über Die Frage der Regierungsbildung in Preußen ist zwar eine gewisse Annäherung erzielt worden, dagegen ist die Frage Des Einbaues Der neu zu bildenden parlamentarischen Preußenregierung in das Reichskabinett, durch Den ein Wiederaufleben des Dualismus Preußen-Reich verhindert werden soll, noch immer völlig offen. Wie verlautet, hat Reichskanzler o. Schleicher in Fortsetzung seiner Sondierungen bei Den Parteien sich zur Lösung auch Dieser Preußensrag« eingeschaltet. Der Landtag ist vorn Präsidenten Serri zu seinem nächsten Sitzungsabschnitt für kommenden Mittwoch, 14. Dezember, einberufen worden. Die Wahl des Minifterpräsiden» t e n steht nicht auf Der TagesorDnung. Es dürst? also kaum noch mit der Wahl Des Ministerpräsiq Deuten vor Mitte Januar zu rechnen fein. Arbeitsbeschaffung für das Handwerk. Ein Vorschlag des Christlich-Sozialen Voiksdicnstcs Berlin. 8. Dez. (CRB.) Die Reichsführung des ChriKlich-Svzialen Volksdienstes hat der Reichsregierung eine Eingabe übersandt, in der sie fordert, daß in das Programm der Arbeitsbeschaffung im Interesse der Belebung der Wirtschaft die zur Verfügung stehenden Geldmittel insbesondere fürdasHandwerkunddenge- wer blichen Mittelstand eingesetzt würden. Der Christlich-Soziale Volksdienst erhebe stärkste Bedenken, dah die durch die Außerkraft- setzung vom 4. September d. 3. ersparten Reu» einstellungsprämien von 700 Mill. Mk. — wie in der Presse mitgeteilt werde — zur Finanzierung sogenannter „zusätzlicher Ar - be i t" verwendet werden sollten. „Zusätzliche Arbeit" sei unter 'Berücksichtigung der Zeitlage unwirtschaftlich. Die ersparten 700 Mill. Mk. Steuergutscheine sollten für das Handwerk, insbesondere für das Dauhandwerk, verwendet werden. Den Gebäudebesitzern sei zu gestatten, im Rahmen ihrer Hauszinssteuer die für Reparaturen an Gebäuden usw. gezahlten Beträge auf die fällige Hauszins st euer ganz in Anrechnung zu bringen. Die an Stelle von Barzahlung der Hauszinssteuer eingehenden Rechnungen der Handwerker seien vom Reich durch S te u e r g u t sche i ne einzulösen. Durch eine derartige Regelung würden auheror- dentlich zahlreiche Handwerkszweige Beschäftigung erhalten und der Steuergutschein auf dem Wege über die Hauszinssteuer der Arbeitsbeschaffung für Mittelstand und Arbeitnehmer nutzbar gemacht werden. EmeKundgebunadesAllgemeinen freien Angestelltenbundes. Berlin, 8. Dez. (CRB.) Der Allgemeine freie Angestelltenbund veröffentlicht eine Kundgebung. in der zunächst nach einem Hinweis auf !die Rotlage und die Arbeitslosigkeit Kritik an der 3univerordnung der Regierung Papen geübt wird. Die freien Angestelltenverbände, so heißt es dann weiter, behielten ihre Kampfstellung gegen jede Reaktion. Der Afa-Dund werde nicht ablassen, von jeder Regierung die Mahnahmen zu fordern, die der Lieberwindung der Lebensnot der Angestellten dienten und im wohlverstandenen (Interesse der Ration lägen. Die neue Regierung müsse ihre oft betonte soziale Gesinnung durch Taten beweisen. Rur der planmähige Einsatz aller verfügbaren Mittel zur Arbeitsbeschaffung durch die öffentliche Hand verspreche eine Belebung des Arbeitsmarktes. Gegen die Pläne, die bisher von dem neuen R e i ch s k o m m i s s a r für Ar- beitsbeschaffung verfolgt worden seien, mühten starke Bedenken geltend gemacht tverden. Die Reichspolitik dürfe nicht dazu dienen, überlebte Wirtschaftsformen und überalterte Desitzverhältnisse künstlich aufrechtzuerhalten. Ein völliger Kurswechsel in der Zo11- und Agrarpolitik sei unerlählich. Eine dauernde Lieberwindung der Krise habe den LImbau des heutigen Wirtschaftssystems zur Voraussetzung. Die Schrumpfung müsse abgelöst werden durch eine Steigerung der Lebenshaltung der Angestell- ten und der übrigen erwerbstätigen Volksschichten. Dazu fordere der Afa-Bund — näher begründet in einer besonderen Denkschrift — Hebung des Realeinkommens und Wiederherstellung der Angestelltenrechte, insbesondere in der Angestellten- und Arbeitslosenversicherung. Die Waffe der Verbindlichkeits- e r k l ä r u n g müsse dazu dienen, die Tarifunwilligkeit in Arbeitgeberkreisen zu brechen. Kurzarbeit dürfe nicht dazu mihbraucht werden, den Abbau der Gehälter zu verschärfen. Rur eine Arbeitszeitverkürzung auf gesetzlicher Grundlage in Verbindung mit dem Einstellungszwang werde zu einer Entlastung des Arbeitsmarktes führen. Die Gchiachtsieuer. Die Gegcnseitittkcitsbehandlttng zwischen Hessen und Preußen. WSR. Frankfurt a. M., 8. Dez. Obgleich Hessen am I. Dezember die Schlachtsteuer ein- führte, ist noch kein Gegenseitigkeits- abkommen mit Preußen getroffen worden, so dah die A u s g l e i ch s st e u e r für beide Staaten noch besteht. Die Unstimmigkeiten, die dadurch entstanden sind, machen sich in Frankfurt. der Zentrale des preu,>ich-hess:schen Handelsverkehrs, besonders bemerkbar. Die Erklärung, die jetzt Ministerialrat Dr. Becker, der Schlachtsteuerreserent im preußischen Finanzministerium. abgegeben hat, ist daher von besonderem Interesse. Sie lautet: „Fest steht, dah die hessischen Schlacht st euersätze teilweise erheblich niedriger sind als die preußischen. Diese Tatsache an sich würde natürlich dem Abschluß eines Gegenscitigkeits- abkommens hinderlich sein. Run erklärt man aber auf hessischer Seite, daß zwar die Schlacht» steuersätze niedriger, dafür aber die Sätze der Schlachthofgebühren höher als in Preußen seien, so dah. wenn man die Belastung aus Schlachtsteuer und Schlachthofgebühren zusammenrechne. eine gleichmäßige Gesamtbelastung von Vieh und Fleisch in Hessen und Preußen festzustellen sei. Das preußische Finanzministerium hat sich diesen Argumenten nicht verschlossen. Zur Zeit findet eine eingehende Prüfung der Frage der Gesamtbelastung m Hes. kn und Preußen statt. Von dem Ergebnis dieser Prüfung hängt die Entscheidung ab, ob und wann das Gegenseitigkeitsabkommen mit Hessen zustandekommt." Die französisch-englische Aussprache. »Petit Parisien" berichtet über die Aussprache: Die englische Regierung fei e n t s ch l o s - fen die Dezemberrate bar zu zahlen und sie wurde es gern sehen, wenn Frankreich ein gleiches täte. Herriot habeMac- donald davon unterrichtet, dah er seinerseits bereit wäre, die Zahlung nicht zu verweigern, je- dvch unter der Bedingung, dah ausdrückliche Vorbehalte und ernste Garantien daran geknüpft werden. Wenn die amerikanische Regierung sich dazu verstehen könnte, die Zah- 1 Kreuzer „Mn" zur ersten Weltreise ausgelaufen. Der deutsche Kreuzer .Köln" AL L 1 Der Kreuzer .Köln" trat von Wilhelmshaven aus die Ausreise zu seiner einjährigen Fahrt um die Welt an. Bei der kurzen Abschiedsfeier an Bord des Kreuzers richtete der zweite Bürgermeister der Patenstadt Köln eine Ansprache an Offiziere und Mannschaften. Das Auslaufen des Kreuzers wurde von einer riesigen Menschenmenge be- ubelt. Die Besatzung des Schiffes ist 550 Mann tark. Unter den mitfahrenden Seekadetten besinden ich auch die Ueberlebenden des Schul- ch i f f e s „Niobe". lung vom 15. Dezember als letzte vor der Revision des Mellon-Derenger-Abkommens anzusehen und außerdem nicht zulasse, dah die am 15. Dezember fällig werdenden Summen auf die künftige Liquidierung angerechnet würden, konnte sich schliehlich doch noch eine gute Wendung ergeben. Herriot sei es gelungen, mit Macdonald eine Art Verständigung auf diese Formel zu finden. Herriot berichtigt sich Berlin, 8. Dez. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: „Wie erinnerlich, hatten französische Blätter auf Grund angeblicher Aeußerungen des französischen Ministerpräsidenten und in Zusammenhang mit der Angelegenheit Körber von einer deutschen Beteiligung an dem gegen ihn gerichteten Eisenbahnattentat von Nantes gesprochen Hierzu kann auf Grund einer Aeuße - rung des französischen Ministerpräsi- denten dem deutschen Botschafter gegenüber festaestellt werden, daß Herr Herriot niemals eine Aeußerung in bem Sinne getan hat, daß ein Zusammenhang zwischen deutschen Kreisen und dem fraglichen Attentat vorhanden wäre " Die Kündioung der englischen Erdölkonzession in Persien. London, 8.Dez. (TLI.) Die englische Regierung betrachtet die Rote der persischen Regierung hinsichtlich der Kündigung der Oelkonzesfion der Anglo Persian Oil Company als nicht zufriedenstellend und hat, wie der Vertreter des Auhenministeriums im Unter» Haus in einer längeren Erklärung mitteilte, die persische Regierung in ihrer Antwort wissen lassen, dah die Angelegenheit dem ständigen Gerichtshof im Haag unterbreitet würde, wenn Persien die Kündigung nicht bis zum 15.Dezember zurückzieht. Die englische Regierung besteht darauf, dah die persische Regierung für alle Schäden an Eigentum der Anglo Persian Oil Company verantwort» l i ch bleibe. Lansbury fragte, ob dies bedeute, dah England unter Umständen z u bewaffneten Maßnahmen übergehen werde, worauf der Regierungsvertreter zunächst auswich, dann aber erklärte, dah sich Die englische Regierung von den jeweiligen Umständen werde leiten lassen. Zu der Tatsache, dah der britische Kreuzer „Howkins" sich gegenwärtig im Persischen Golf befindet, erklärte die britische Admiralität, dah die Route des Kriegsschiffes bereits im September d. I. festgesetzt worden war. Oer japanische Angriff auf die Provinz Zehol. Tokio, 8. Dez. (TU.) Wie die Telegraphen» Agentur „Schimbun Rengo" meldet, hat der Angriff der japanischen Truppen auf die Provinz Ieh>l begonnen. Iafai ische Flugzeuge b o m- bardiertendieStadtTschanabao nordwestlich von Schanhaikwan. Rach Auffassung des japanischen Oberkommandos ist dies ein wich» tiger Punkt für die freiwilligen Truppen, die die Provinz Iehol verteidigen wollen. Aus Mukden wird gemeldet, dah mit der Einstellung der M'.litärnchen Operationen in der Rordmandschurei bieKä m p fe in Schanhaikwan begannen. Die japanischen Garnisonen in Schanhaikwan und Suitschung haben Vorstöße gegen d i e Freischärler unternommen und diesen an der Grenze der Provinz Iehol eine Riederlage beigebracht. Supingwen wird nicht an Japan ausgeliefert. Moskau, 8. Dez. (WTB.) Die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet. Dem chinesischen General Supingwen und feiner Umgebung wurde auf ihre Ditte gestattet, die Grenzen derSo wj etunion nach Europazu verlassen. Die Ausreise wird in den nächsten Tagen erfolgen. Ein beträchtlicher Teil der internierten Soldaten der Supingwen-Armee drückte den Wunsch aus, in der Sowjetunion zu verbleiben. Kunst und Wissenschaft. Norwegen feiert den 100. Geburtstag Bjdrnfons. Der 10 0. Geburtstag Björn st ferne Björnsons wurde in ganz Norwegen als Na- honalfeft gefeiert. Ohne zu übertreiben kann man lagen, dah feit Sonnenaufgang jeder Flaggenmast in Vcormegen 3ur Feier des norwegischen Nationaldichters die Flagae des Landes zeigt. Aulenstadt, der Gutshof des Dichters und zugleich norwegisches Nationalheiligtum, ist das Ziel einer riesigen Wallfahrt, um dem Andenken des Dichters und seiner fast 100 Jahre alten Lebensgefährtin, Frau Karoline, zu huldigen. Um Mittag, als von der Festung Aus Oer Provinz,alhuuptstavt. Oer Weihnachtsbaum - Träger deutschen Volkstums. Seit beinahe zwe-j Jahrtausenden wird in der ganzen Welt das Weihnachtsfest gefeiert als das Geburtstagsfest dessen, der uns das Evangelium gebracht, der mit der christlichen Lehre versucht hat, die Menschheit emporzuführen. Weihnachten ist das Fest der gesamten Christenheit, die an diesem Tage Die Entstehung und den Ursprung ihrer Religion feiert. Und doch, wenn man die Weihnachtsfeiern all' der anderen Länder und Völker sieht, so kommt man zu dem Schiuß, daß das deutsche Weihnachten doch etwas ganz Besonderes darstellt. Charakteristisch für den Untersch.ed ist schon die Tatsache, daß überall da, wo die deutsche Zunge klingt, am Heiligabend ein Tannenbaum im Lichterglanz erstrahlt. Typisch deutsch ist dieser Weihnachtsbrauch des Tannenbaums Im Weihnachtsfest und mit dem Weih- nachtsbaum verkörpern sich Reste alter germanischer Kultur — die Wintersonnenwende lebt im deutschen Weihnachtsbaum und im Lichterglanz noch einmal auf Daher auch die Liebe des Deutschen zum Weih- nachtsbaum, daher die besonders innige Freude aller Deutschsprechenden am Weihnachtsfeste selbst. Unbewußt schwingt am Heiligabend in der deutschen Seele neben dem rein christlichen Empfinden etwas mit, das an graue Vorzeit gemahnt, worin das Empfinden früherer Geschlechter wieder lebendig wird. Hat die ganze Welt so ihr Weihnachtsfest, hat es das Deutschtum ganz besonders in der Art, in der es Weihnachten zu feiern pflegt. Der Weihnachtsbaum und die Weihnachtssitten werden nicht nur zu einem Künder des Christentums, sie werden ebenso zu einem Träger deutschen Volkstums. Ueberall da, wo am 24. Dezember ein Weihnachtsbaum im Lichterglanz erstrahlt, kann man sicher sein, daß gesundes deutsches Empfinden und starkes Volkstum vorhanden ist. Jeder Weihnachtsbaum, der außerhalb der reichsdeutschen Grenzen am Heiligabend angezündet wird, wird ein Bekenntnis zunächst natürlich zur christlichen Religion, in ebenso starkem Maße aber zum deutschen Empfinden und zum Zugehvrigkeits- gefühl zum deutschen Mutterlande. Wenn in den Wochen vor Weihnachten ganze Schiffsladungen deutscher Tannen in alle Teile der Welt gehen, so ist das ein erfreuliches Zeichen dafür, daß die deutschen Volksgenossen im Auslande gerade am Heiligabend sich auf ihr Deutschtum besinnen und in den alten deutschen Weihnachtsgebräuchen ihr Zugehörigkeitsgefühl zpm deutschen Kulturkreis zum Ausdruck bringen wollen. So wird der Tannenbaum mehr als ein Künder deutschen Empfindens: mit seiner starken Verankerung im deutschen Gefühl selbst hilft er mit, das verstreute Deutschtum jenseits unserer Grenzen zu sammeln und zusammenzuhalten unter dem überragenden Schirm eines deutschen Volkstums. Deutschland ist nicht nur da, wo die deutsche Zunge klingt, Deutschland ist ebenso auch da, wo am 24. Dezember ein deutscher Weihnachtsbaum erstrahlt. L. W. 3ur Eröffnung der Straßenbahn Gießen —Wieseck. Von einem alten Leser unseres Blattes wird uns geschrieben: Es sind über 50 Jahre her, da fang in Lonys Vierkeller (heute Gewerkschaftshaus) ein Komiker em Zukunftslied auf Gießen, dessen Inhalt nach man in 100 Jahren von Gießen aus eine Luftreise über die ganze Welt antreten könne; es sei dann möglich, sich unterwegs neu einkleiden zu können, indem man sich in Europa den Rock, in Amerika und in Asien die Hose bauen lasse, natürlich sich über die Bezahlung keine Sorge auf- zuhalsen brauche, denn: „2ft einer recht pfiffig, der's Pumpen recht kann. Der pumpt drei Weltteile auf einmal an", fo lautete bie Endstrophe. Der gute Mann ahnte also nicht, daß man auf das Experiment noch lange . 0 Ighre zu warten brauchte, sondern es schon in wenig über 30 Jahren ausführen konnte, er ahnte auch nicht, daß schon in 50 Jahren in der Gemarkung Wieseck eine Flugstation errichtet wer- den konnte, von der aus sich eine Weltluftreise ermöglichen ließ Die Stadterweiterung Gießens besang der Komiker ebenfalls mit den Strophen: ®ana anders wird's dann in Gießen ausschau'n, Da werden s die Häuser bis Wieseck 'naus bau'n. Nun. auch das wird viel früher Wirklichkeit werden^ als es sich der Bierkeller-Sänger gedacht. Wieseck hat seine Häuserreihe seitdem ganz bedeutend in der Richtung nach Gießen vorgeschoben, und 1 wäre sicher noch weiter vorgerückt, wenn die <9e« markungsgrenze nicht Halt geboten hätte. Die häu- seriöse Lücke zwischen Gießen und Wieseck ist so klein geworden, daß sie sicher ausgefüllt werden kann, wenn nicht nur die Straßenbahn, sondern auch das Geld ins Rollen kommen. Die Straßen- bahn wird also nicht nur vertehrsfördernd, sondern auch baufördernd wirken, hoffentlich recht bald. Dann wird es sicher keine 100 Jahre dauern, daß oder bis Groß-Gießen auch seine Rundbahn Bahnhof — Schützenhaus — Flughafen — Wieseck — Bahnhof Gießen und umgekehrt besitzt. Was in dem gedachten Ring noch unbekannt ist, wird stattliche Häuser, breite Straßen, schön angelegte Plätze und besonders einen schönen Park (Philosophenwald) aufweisen. Hat sich die Voraussage eines Sängers rascher als er gedacht, verwirklicht, so wird auch das oben skizzierte Zukunftsbild aus dem Reiche her Phantasie in die Wirklichkeit rücken, und unseren Nachkommen die Rundfahrt um Groß-Gießen Freude bereiten. Gut' Fahrt! H. E.-Dr. Spendet Kleidungsstücke! Die Gießener Frauenhilfe, in der die Gießener Frauenvereine zu gemeinsamer Tätigkeit im Rahmen der Gießener Winternothilfe vereinigt sind, macht darauf aufmerksam, dah in vielen hilfsbedürftigen Familien noch großer Mangel an Mänteln. Jacken und Hofen für Manner und Jünglinge besteht. Bei der jetzigen kälteren Witterung macht sich dieser Mangel an warmen Kleidungsstücken besonders empfindlich bemerkbar. Die Frauenhilfe bittet deshalb alle Hausfrauen unserer Stadt, noch einmal in den Kleiderschränken nachzusehen und die entbehrlichen Mäntel, Hosen und Jacken für das Winterhilfswerk zur Verfügung zu stellen. Die Spenden können beim städtischen Wohlfahrtsamt, Telephon 2858, oder bei Frau Sanitätsrat Dr. S ch 1 i e p h a k e, Goethe- straße 44, Telephon 3470, anaemeldet werden, damit von dort aus die Abholung veranlaßt wird. 50 Jahre katholische Schwestern in Gießen. Am gestrigen Tage jährte sich zum fünfzigsten Male der Tag, an dem katholische Schwestern ihren barmherzigen Dienst in Gtesten aufnahmen. Seitdem sind die Schwestern in segensreicher Weise zum Besten der Bevölkerung von Gießen und Oberhessen tätig gewesen. Lieber die geschichtliche Entwicklung der Arbeit der katholischen Schwestern in unserer Stadt erfahren wir folgendes: Lim für die Kranken geschulte Pflegerinnen zu haben, trat man 1881 bem Gedanken näher, in Gießen eine Riederlassung von Krankenschwestern aus Riederbronn in Elsaß zu gründen. Der Gedanke wurde von der Stadt sympathisch begrüßt. Im April 1882 ging ^eine mit zahlreichen Llnterschriften versehene Eingabe an das Großherzogliche Ministerium, welches die Riederlassung von vorläufig vier Schwestern genehmigte. Am 7. 12. 1882 trafen zwei barmherzige Schwestern aus dem Mutterhaus in Riederbronn hier ein. Am nämlichen Tage begannen sie ihre Tätigkeit in der Krankenpflege. Ihre Wohnung nahmen sie vorläufig in dem Weistbäckerschen Hause auf dem Seltersweg. Im Jahre 1885 wurde ein eigenes Schwesternhaus im Riegelpfad erbaut und 1886 vollendet. Die Zahl der Schwestern wuchs, und als die katholische Kirche einen neuen. Kirchen platz erworben hatte, zogen die Schwestern 1899 in das seitherige Pfarrhaus ein. Im Jahre 1907/08 wurde ein neues Schwesternhaus errichtet, und zwar als Krankenhaus, 1913/14 wurde ein zweites Haus erbaut, vorwiegend um Kranke aufzunehmen. Die Schwestern hielten von Anfang an amkulante Krankenpflege. Ihre Zahl ist bis jetzt aus 29 gestiegen. Oie Bürgersteuer in Gießen. Tie Bürgermeisterei veröffentlicht in unserem heutigen Anzeigenteil eine Bekanntmachung über die Düraersteuer der Lohn- und Gehaltsempfänger. Im Hinblick auf diese Bekanntmachung betont die Bürgermeisterei in einer Zuschrift an uns, daß der Arbeitgeber für die Einbehaltung und Abführung der Bürgersteuer seiner Arbeitnehmer haftet, und im Falle er seiner Verpflichtung nicht nachkommt, die Steuer von ihm durch Haftungsbcscheid angefordert und nötigenfalls im Derwaltungszwangsverfahren beigetrieben wird. Oie Anmeldung und der Verkauf von Zeuerwerkskörpern. Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Wer Fener- werkskörper feilhalten will, hat dies vor Beginn des Verkaufs dem Polizeiamt unter Angabe der vorhandenen Mengen und näherer Bezeichnung der Feuerwerkskörper anzuzeigen. In Kaufläden darf der Vorrat 7^/z Kilogramm brutto nicht übersteigen und im Hause außerdem nicht mehr als 30 Kilogramm brutto vorrätig gehalten werden. Die Aufbewahrung von Mengen über 7l/2 Kilogramm brutto muß auf dem Dachboden in einem abgesonderten Raum, welcher nicht mit einem Schomsteinrohr in Verbindung steht, erfolgen. Knallkorken und sonstige Feuerwerkskörper dürfen in Kaufläden nur in verschlossenen Kisten aufbewahrt oder unter Glas ausgelegt werden und in jedem Falle möglichst weit entfernt von .Bei uns le älter, je weiser — aber auch dealo empfindlicher? Da heifit es vor allem den Magen schonen. durch leichte Kost. Dafür sorgt Palmin. Gerade heute — cum Wohl der Gesundheit! PALMIN Jede Kost-leichte Kost _£CHTEN~SIE AUF DEN N A M E N S Z Western ih I Wullt ’I J» I > SS I Ä,SÄ । M&J ^'E!ch- rtz. In Lu?^rs ,'° °>--d auch ^«N, und un - 1 ®r°6=®ie&en | H.E,Dr. Me! Gießener ^timRah, ^7’91 M, ’ , * Hili«- . I ?Qn9e( I Dosen |ür I W. Del der J ? dieser Ag„. 'Inders entb. e bittet des- ' noch einmal ! und die ent« ^en für das stellen. i läJtifiu I öo. oder bei ife, Goethe, idet werden, W veranlaßt jum fünfzig, vll'iche Lchwe- i Tichen auf- era in fegens« evällmng von Mn. Leder Arbeit der la« bladt erfahren anlen geschulte 1881 dem ®e« derlasfung von in in Elfatz zu on der Stadt 1882 ging eine sehene Eingabe etium, welches vier Schwestern en zwei kam« llutterhaus in ichen Tage be« Krankenpflege, läufig in dem iel/crswcg. 3m Zchwesternhaus odHciM Sie als die la« rnvlatz erwvr« lM in das Jahre 1907/08 i errichtet, und 14 wurde ein ni um Kranke eiten von Ange. 3hre Zahl Mm. cht in unserem ntmachung über d Gehaltsemp- Zekanntmachung er Zuschrift an , Einbehaltung seiner Arbeit« :iner Jerpflitz von ihm durch nötigenfalls, im getrieben Wird, k Verlauf icm. t: Der Feuer« es vor TeM er Angabe der ■t Tezeichnung In Kaufladen utto nicht über' nicht mehr als halten werden- M Wf >oden in esner" ht mit -'nem eht. erfolgen, rlslörper dar offenen Kisten raelegt werden t^en^erntvon iekochl! ? Heb' ch» M t* «tt Oefen und Ansteckflammen. Kanonenschläge und solche Feuerwerkskörper, die mit 2lbschluhvor- richtungen abgefeuert werden müssen, dürfen in Derkaufsläden nicht aufbewaKrt werden. ^Zornotizen. — Tageskalender für Freitag: Stadt- theater, 20 bis gegen 23 ilpr, „Die endlose Straße". — Oberye,s:scher Kunstverein, Turmhaus am Brandplah, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Konsumverein Gießen u. ilmg., Cafe Lew, 20 Uhr, Haussrauenabend. — Lichtlpielhaus, Bahnhofstraße: „Drei von der Kavallerie". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Der fliegende Tod". — Die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde (Naturwissenschaft« liche Abteilung) hält am morgigen Samstag, 10. De« zember, 20.15 Uhr. im Hörsaal des Anatomischen Instituts, Bahnhofstraße 84, eine Sitzung ab. Lr. G i ck l h o r n (Prag) wird über das Thema „Neues über Bioelektrostatik und Bitalfärbung" sprechen Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. •* Sitzung des Kreisausschusses. Am Samstag. 17. Dezember, 10 Hfjr beginnend, findet im Aegierungsgebäude zu Gießen eine öffentlich« Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Gießen mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Den Gemeinderechner zu Hungen: hier: Beanstandung des Gemeinderatsveschlusses vom 14. 3un: 1S32. — 2. Entziehung des Führerscheins des Willi Horn, Ober-Hörgern. — 3. Klage des Gastwirts Ludwig Bierau von Staufenberg gegen die Gemeinde Mainzlar auf Hnzulässigkeits- erklärung eines Gemeinderatsbeschlusses und auf Eintragung in den Gemeindepachtvertrag. ** Sie Gemeinde-Hunde st euer für das Kalenderjahr 1933 betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil. Auf die Bekanntmachung sei besonders hinge- roiejen. ** Manteldieb an der Arbeit. Gestern zwischen 21 und 22 Uhr wurden, wie der Polizei- berichl meldet, von einem Flur im Realgymnasium vier Herrenmäntel gestohlen. Die Kleidungsstücke gehörten den Mitgliedern eines Gesangvereins, der an diesem Abend im Hause eine Probe abhielt. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. ** Aufklärung von Diebstählen. Der Polizeibericht meldet: Am 22. November entwendete ein Gast in einer Wirtschaft in der Hammstraße während der kurzen Abweisenheit des Wirtes aus der Büfettkasse 13 Mark und verschwand. Auf die gleiche Weise wurden am 3. Dezember aus der Büfettkasse einer Wirtschaft in der Ludwigstraße 20 Mk. gestohlen. Weiter wurden am 25. November einem Gast einer Wirtschaft in der Löwengasse 90 Mk. aus der Gesäßtasche entwendet. Der Täter, ein Student F. S., konnte nunmehr ermittelt werden. — Am 8. Dezember wurde aus dem Garten der Landes-Heil- und Pflegeanftalt ein zum Trocknen aufgehängter Damenpullooer entwendet. Eine Patientin, die den Täter über die Umzäunung steigen sah, beschrieb ihn sehr genau, so daß er nach kurzer Zeit im Walde bei seinem Fuhrwerk ermittelt werden konnte. Der Täter, Fuhrmann W. B., batte bereits den gestohlenen Pullover in seinem Heusack versteckt. Publikum und Weihnachtskäufe. Der kommend« Silberne Sonntag wird voraussichtlich der Geschäftswelt. in allen Orten starken Besuch bringen. Schon immer ist im Der- laufe des Weihnachtsgeschäfts der Silberne Sonntag von besonderer Bedeutung für den weihnachtlichen Warenumsatz gewesen. Diese Eigenschaft dürfte auch der kommend« Sonntag haben, denn allerorten hat die Geschäftswelt durch günstigste Preisgestaltung und umfangreiche Bereitstellung von waren zu beliebiger Auswahl die Vorbedingungen zur vollen Befriedigung des kaufenden Publikums geschaffen. Eine Besichtigung der Schaufenster, die doch immer nur einen Ausschnitt aus dem großen Warenlager des Kaufmannes enthalten, offenbart die starken Anstrengungen, die von der Kaufmannschaft gemacht wurden, um auch unter den jetzigen Verhältnissen die Kauflust anzuregen. Man sieht überall das ernste Bestreben, mit Qualitätsware aufzuwarten und sich den veränderten Cinkommensverhältnisfen der Bevölkerung anzu pass en. Angesichts dieser Sachlage beim Warenangebot erscheint es nunmehr als Pflicht des Publikums, seinerseits darauf bedacht zu sein, daß alle Auftriebskraft, die von der Geschäftswelt aller Bronchen jetzt eingesetzt wird, durch möglichst umfangreiche Käufe eine Stärkung und Ausweitung erfährt. Zweifellos ist in zahlreichen Haushaltungen durch früheren Verzicht auf Käufe Warenbedarf aller Art vorhanden, dessen Deckung zum Weih- nacttsfefte mit dem Bewußtsein verbunden werden darf, daß man bei dieser Gelegenheit auch feinen Angehörigen wieder einmal eine Freude bereiten kann. Die Vornahme von Käufen geht aber in ihrer Auswirkung über das rein familiäre Freude- bereiten noch hinaus, denn wer jetzt kauft und damit der Geschäftswelt den Mut zu weiteren Unternehmungen gibt und stärkt, beeinflußt zugleich den Arbeits- und Wirtschaftsmarkt in bedeutsamer Weise. Wie wir vor einigen Tagen in einem Aufruf an unsere Leser schon bemerkten, ist das Kaufen gleichbedeutend mit Arbeitsbeschaffung. wenn die Konsumenten sich aufnahmewillig im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten zeigen, wird der Kaufmann mehr waren als bisher umsehen und zugleich auch Angestellten und Arbeitern verdienst und Brot geben können; wenn der Geschäftsmann besseren Absatz für feine Waren als bisher findet, kann er natürlich den Fabrikanten und diese wieder den Rohstoff- Produzenten mehr abkaufen als früher, die dann ebenfalls eine größere Zahl von Arbeitskräften beschäftigen können. In diesem Kreislauf der Dinge ist also der Konsument ein außerordentlich wichtiger Faktor, von dessen Aufnahmewilligkeit ein großes Stück der allgemeinen Wirtschafts- belbung und damit schließlich and) die Verbesserung der eigenen Existenzgrundlagen abhängt. Wer sich diese Zusammenhänge klar vergegenwärtigt und dabei in Betracht zieht, daß durch die Anstrengungen der Geschäftswelt im Wettbewerb um den Zuspruch der Kundschaft günstige Einkaufs- möglichkeiten in vielfacher Form geboten sind, dem wird der Entschluß leicht werden, in dieser Dorweihnachtszeit die Einkäufe nach Möglichkeit zu steigern, im wohlverstandenen eigenen Interesse und zugleich zum Nutzen der volkswirtschaftlichen Gesamtheit. irtschaft. r> <* Besserung des Reichsbankstatus. Berlin, 9. Dez. (WTB. Funkspruch.) Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 7. Dezember hat sich in der verflossenen Bankwochc die gesamte fiapitala’- läge der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 153,1 Millionen auf 3214,5 Millionen Reichsmark verringert 3m einzelnen haben die Bestände und Handelswechsel und -schecks um 43,1 Millionen auf 2688,1 Millionen Reichsmark, die Bestände an Reichsfchatz- wechseln um 5,5 Millionen auf 29,1 Millionen Reichsmark und die Lombardbestände um 105,8 Millionen auf 101,1 Millionen Reichsmark abgenommen und die Effektenbcstände um 1,3 Millionen auf 396,2 Millionen Reichsmark zugenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 104,8 Millionen Reichsmark in die Kasten der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 92,2 Millionen auf 3439 Millionen Reichsmark, derjenige an Rentenbankscheinen um 12,6 Millionen auf 396,5 Millionen Reichsmark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Renten dankscheinen auf 30,6 Millionen Reichsmark erhöht 'Die fremden Gelder zeigen mit 352,7 Millionen Reichsmark eine Abnahme um 65,4 Millionen Reichsmark Die Bestände an Gold und deckungsfähige n Devisen haben sich um 19 Millionen auf 918 Millionen Reichsmark vermindert. 3m einzelnen haben die Goldbestände um 23,2 Millionen auf 804,1 Millionen Reichsmark abgenommen, die Bestände an deckungsfähigen Devisen 4,2 auf 113.9 Millionen Reichsmark zugenommen Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen betrug am 7 Dezember 26,7 gegen 26,5 v. H. am Ultimo November. * * Di« Getreide st ützung. Am Getreidemarkt ist gegenwärtig eine saisonübliche Steigerung des Angebotes zu verzeichnen. Von der DGH. werden dementsprechend zur Stützung des Marktes stärkere Mittel eingesetzt. Das wird auch für die weitere Dauer des Saisondruckes ohne weiteres möglich sein, da sich die staatliche Stüt- hungsstelle gerade erst am Anfang der Verwendung der im November von der Reichsregierung bereitgestellten Mittel befindet. Die Stützungstätigkeit der DGH. wird auch nach Neujahr 1933 nicht aushoren. Es bleibt demnach der Grundsatz bestehen, daß es für den Landwirt falsch ist, in Zeiten weichender Preise Ware zu verkaufen und in Zeiten steigender Preis« dem Markte fernzubleiben. * D i e Tellus°AG. für Bergbau und Hüttenindustrie, Frankfurt a. M., kündigt die noch ausstehenden Teilschuldverschreibungen ihrer Anleihe vom Jahre 1936 zum 31. Dc^ember 1932. Die Spruchstelle hatte festgesetzt, daß von dem aufgewerteten Gesamtbetrag von 214 250 je ein Drit el am 1. 3uni 1932, 31. Dezember 1932 und 30. 3uni 1933 zu zahlen sind. Berlin uneinheitlich. Berlin, 9. Dez. (WTB. Funkspruch) Die heutige Börse eröffnete bei ruhigem Geschäft in nicht ganz einheitlicher Haltung. Das wieder schwächere Pfund, die Zunahme der ArbeitslosenMern in der zweiten Novemberhälfte und die öfter wechselnde Tendenz an den letzten Neuyorker Börsen waren nicht dazu angetan weder beim Publikum, noch bei der Spekulation die Unternehmungslust zu vergrößern. Der Reichsbankaus-weis für die erste Dezemberwoche brachte zwar im allgemeinen mit rund 153 Mill, eine normale Entspannung, die Abnahme der Gold- und Devisenbestände um 19 Mill, als Folge der Kreditrückzahlung der Reichsbank am 5 d. M war aber doch größer, als man erwartet hatte. Die innerpolitischen Vorgänge (Verhandlungen um das Amnestiegesetz, evtl. Vertagung des Reichstages, Differenzen zwischen Hitler und Straßer, bzw. Feder) wurden lediglich zur Kenntnis genommen. Das Geschäft war allgemein sehr klein und be- schränkte sich weiter auf Spezialgebiete. Die Kursentwicklung war teilweise sogar von Zufallsausträgen abhängig. Die Abweichungen gegen gestern nach oben und unten gingen selten über 0,5Ö o H. hinaus. Leopoldgrube waren um weitere 1,65 o. H. rückgängig, auch einige Elektronebenwerte, wie Elektrische Lieferungen, Lahmeyer und Schuckert waren um 1,25 bis 1,75 o. H. gedrückt. Sonst lagen noch Dortmunder Union 2 50 o. H. schwächer. Sm Verlaufe blieb es an den Aktienmärkten weiter sehr still. 3n einigen Montanpapieren, besonders in Mansfelder Bergbau, setzten sich bei großen Umsätzen Kursbesferungen durch. Süddeutsche Zucker wurden im Verlause 3,50 v. H. über gestern zur Notiz gebracht. Zu Anlagezwecken sind immer wieder Tariswerte und Papiere mit konstanter Dividendenpolitik gesucht Hierbei spielt natürlich der näherrückende 3ahresultimo als Anlagetermin auch schon eine gewisse Rolle. Aus diesem Grunde war wohl auch die Tendenz des Rentenmarktes trotz der geringen Umfatztätigkeit ziemlich freundlich. Reichsschuldbuchsorderungen konnten ihren Kursstand behaupten. 3nbuftrieobligationen lagen uneinheitlich, Vereinigte Stah.bonds weiter fest. Sonst war nur noch die Altbesitzanleihe bei lebhafteren Umsätzen als fester zu nennen. Der Markt der Auslandsrenten war vernachlässigt. Franssurt still. Frankfurt a. M., 9. Dez. (WTB. Drahtmel- bung.) Bei freundlicher Grundstimmung eröffnete die heutige Börse in außerordentlich stiller Haltung, da Kundenorders sowie nennenswerte Anregungen aus der Wirtschaft nicht Vorlagen. Die Kulisse bekundete weiterhin Zurückhaltung. Mit der Vertagung des Parlaments glaubt man mit Sicherheit rechnen zu können, doch blieb dieses Moment ohne Eindruck, weil es in den letzten Tagen schon vorweggenommen wurde. Gegenüber der Abendbörse waren die Kursveränderungen klein, sie hielten sich im Rahmen von 0,25 bis 0,5 v. H. nach beiden Seiten. Fester lagen weiterhin Reichsbank mit plus 1,13 o. H. Am Montanmarkt blieben die gestrigen Höchstkurse meist gut behauptet, RheinOabl und Stahloerein zogen weiter leicht an, wogegen Gelsenkirchen 0,5 v. Sy niedriger einsetzten. Am Elektromarkt lagen AEG. unver ändert. Rheinische Elektro Mannheim und Lechwerke Augsburg kamen von 0 5 bis 0,90 v. Sy höher zur Notiz. Siemens gaben 0,5 v Sy nach, und auch Licht & Kraft blieben unter Berücksichtigung des Dividen- denabfchlags nur knapp gehalten. 3(3. eröffneten mit 96,25 um 0,25 o. Sy höher und blieben im Verlaufe auf dieser Basis behauptet. Deutsche Erdöl bröckelten etwas ab. Kunstseideaktien blieben unverändert. Von Nebenwerten zogen Süddeutsche Zucker 1 v. H. an, Holzmann, Daimler und AG. für Verkehr lagen etwa behauptet. Am Rentenmarkt herrschte auch im Verlaufe relativ lebhaftes Geschäft. Reichsaltbesitz lag mit 57,40 v. Sy zwar nur knapp gehalten, zog aber später wieder auf 58,5 v. H. an. Auch späte Reichsschuldbuchforderungen waren bei größeren Umsätzen 0,5 v. H höher. Stahlvereinbonds lagen mit 63,25 um 0,75 v. Sy fester. Der Pfandbriefmarkt lag durchweg 0,5 bis 0,75 v. Sy fester, mit Ausnahme von Liquidationspfandbriefen, die meist unverändert blieben. Kommunalobligationen litten unter Materialmangel. Paratyphus in Gedern. * Schotten, 8. Dez. Das Kreisamt Schotten gibt bekannt, daß in Gedern ein neuer Fall von Paratyphus feftgeftetit wurde. Da der Krankheitsfall am Bfühl, wo die S ch m i 11 e - bad) außergewöhnlich verunreinigt ist, auftrat, macht das Kreisamt Schotten die Bevölkerung nochmals dringend daraus aufmerksam, daß jede Benutzung des Bachwcvssers zu Trink-, Koch- oder sonstigen Haushaltszwkcken oder zum Gießen von Gemüse äußerst gesundheitsschädlich ist. Verlehrsunfall im Vogelsberg. * Ulrichstein, 8. Dez. Gestern früh stieß zwi« schen Schotten und hier ein Motorradfahrer aus einem Nachbarorte mit einem Fuhrwerk zusammen, das auf der verkehrten Straßenseite fuhr und trotz Dunkelheit und Nebel nicht beleuchtet war. Der Motorradfahrer, der gegen die Deichsel des Wagens an rannte, erlitt dabei Verletzungen um d Quetschungen am Unterleib Als der Mann di« Fährleute zur Rede stellte, fielen diese über ihn her und verprügelten ihn noch, so daß er sein Heil in der Flucht suchen mußte. Als er auf seiner Maschine einen Polizeibeamten von hier herbeigeholt und die Fuhrleute wieder gestellt hafte, konnten die Personalien der Uebeltäter feftge- ft e 111 werden, so daß nun das gerichtlich« Nach- spiel folgen wird. Brandstifter am Werk? ss Biedenkopf, 8. Dez. Ein Großfeuer vernichtete nachts die Scheune des Arbeiters D ö n - ges in Wallau m’t sämtlichen ErnteVorräten. Die Feuerwehren konnten das dicht angrenzende Wohnhaus durch tatkräftiges Eingreifen retten. Da feit Ende September d. 3- zum drit- ten Male ; m Orte Großfeuer ausbrach, vermutet die Wallauer Bevölkerung Brandstiftungen und ist darüber sehr erregt. Bis jetzt haben sich jedoch noch keine sicheren Spuren der Täter nachweisen lassen Verhaftung von Falschmünzern. Hanau, 8. Dez. (WSN.) Der Polizei in Hanau ist es gelungen, Falschgeldhersteller f e st - zunehmen, nachdem ein junger Mann bei der Verausgabung eines falschen Fünfmark - st ü ck s angehalten worden war. Es ergab sich, daß ein Holzschneider in Hanau und ein Stahlgraveur in Klein-Steinheim sich zur Herstellung von Falschgeld vereinigt, zu diesem Zwecke die erforderliche Presse angeschasst und dies« in einem gemieteten Kellerloka! in Offenbach untergebracht haben, wo sie die Anfertigung von falschen Fünfmarkstücken vornehmen wollten. Offenbar ist der angerichtete Schaden nicht sehr groß, und es scheint nicht gelungen zu sein, Falschgeld in größeren Mengen her- zustellen. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 7. Dez. Ein kaufmännischer Ange» steUter, der seit einer Reihe von Zähren einem Kaufmann, über dessen Vermögen das Konkursverfahren inzwischen eröffnet worden ist, die Bücher führte, war beschuldigt, diese Bücher so unordentlich geführt zu haben, daß sie keine Hebersicht über den Vermögenszustand des Kaufmanns gewährten. Durch Nachprüfung eines Sachverständigen stellte sich heraus, daß der Angeklagte seinen Verpflichtungen als Buchhalter in keiner Weise nachgekommen war. Ter Kaufmann selbst, der strafrechtlich für die ordnungsmäßige Führung der Bücher ebenfalls verantwortlich ist, wurde vor einigen Wochen wegen Konkursvergehens zu einer erheblichen Geldstrafe verurteilt. Der angeklagte Buchhalter wurde jetzt wegen Beihilfe zu diesem Konkursvergehen zu einer Geldstrafe von 80 Mark verurteilt, die im Hn-- einbringlicbkeits'all mit acht Tagen Gefängnis zu verbüßen sind. Von der weiteren Anklage ein28 Vergehens gegen das Genossenschaftsgesetz tourte der Angeklagte, der außerdem noch eine leitende Stelle bei einer auswärtigen Spar- und Darlehns- kasse bekleidete, mangels ausreichenden Beweises freigesprvchen Es konnte ihm nicht nachgewiesen werden, daß er sich bewußt war, daß die Kasse durch den von ihm seinem Arbeitgeber eingeräum- ten umfangreicken Wehselkredit geschädigt wurde. Tie Frau eines Cisenbahnarbeiters hatte bei einigen Lieferanten zahlreiche Wäschestück« weit über ihre Verhältnisse hinaus bestellt, di« sie nachher nicht bezahlen konnte. Di« Folge war, daß von mehreren Gläubigern gegen sie die Zwangsvollstreckung betrieben wurde. Hm zu erreichen, daß die von dem Gerichtsvollzieher anberaumten Zwangsversteigerungslermi c hinausgeschoben wurden, fälschte sie zwei Schreiben, die sie mit dem Namen eines Rechtsanwalts unterschrieb, inhaltlich dessen ihr erneut Zahlungsfristen bewilligt worden waren. Diese fälschlich angefertigten Schreiben übergab sie dem Gerichtsvollzieher, der daraufhin die Versteigerungstermine wieder ab- setzte. Die Angeklagte bestritt, die Schreiben und die Hnterschriften gefälscht zu haben. Sie wurde jedoch auf Grund eines eingehenden Indizienbeweises überführt und wegen schwerer Fälschung von Privaturkunden zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Amtsgericht Gießen. Den größeren Teil der Sitzung beanspruchte eine Reihe von Verhandlungen über Kraftfohrzeugunfälle, zunächst über einen solchen in Heuchelheim. Dort münden um das sog. „Kreuz" vier Straßen. Derartige Plätze pflegen als Gefahrenstellen für den Kraft'ahrzeugverkehr bezeichnet zu werden, denn sie gelten im allgemeinen als unübersichtlich im Sinne der einschlägigen Gesetzgebung, und es wird für ihre Benutzung eine gesteigerte Sorgfalt verlangt. Am 10. Mai l. 3. überfuhr den genannten Platz im langsamen Tempo ein Motorradfahrer, dessen Ehefrau den Soziussitz einnahm, als plötzlich aus einet der dort einmündenden Nebenstraßen ein Auto auftauchte und den Motorradfahrer anfuhr, so daß dieser und seine Beifahrerin im weiten Bogen übet die Straße geschlendert wurden. Letztere erlitt eine Gehirnerschütterung sowie Dein- und Kopfverletzungen. Die Decoeisaufnahme ergab die Schuld des Autoführers. Er hätte bedeutend langsamer, wie er es getan, aus der Nebenstraße auf ■frie Kreuzung fahren müssen, so daß er in der Lage geblieben wäre, auszuweichen oder das Auto noch vor dem Zusammenstoß zum Stehen zu bringen: er hat fahrlässig gehandelt und erhielt deshalb wegen fahrlässiger Körperverletzung eine Geldstrafe von 25 Mark. Ein Hnfall anderer Art ereignete sich in der Nähe des Windhoss. Ein Radfahrer, der wegen einer Steigung abgestiegen war, drückte möglichst unmittelbar neben einem die Straße passierenden Einspänner sein Rad auf der Landstraße, als im raschen Tempo von hinten ein Motorfahrer vorüberfuhr. 3m Augenblick des Heberholens stieß diesqx mit seinem Arm wider den Radfahrer, mindestens ft reifte er ihn, so daß er zu Fall kam, einen Rippenbruch davontrug und etwa sieben Wochen arbeitsunfähig war. Der Unfall wäre fraglos vermieden worden, wenn der Motorfahrer beim Heberholen zwischen sich und dem Einspänner, bzw. dem Radfahrer, einen größeren Raum gelassen hätte, wozu er nach den dortigen Ter- rainverhältnisfen in der Lage war. Andere Wegbenutzer waren nicht vorhanden. Das Gerichi erblickte in dieser Unterlassung eine Fahrlässigkeit. Strafe: 30 Mark Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung. — Ob der Radfahrer durch fein unzweckmäßiges und ver- kehrswidriges Verhalten zu dem Unfall beigetragen hat, konnte dahingestellt bleiben, da ohne Zweifel ein alleiniges oder überwiegendes Ver- fchulden im Vergleich mit demjenigen des Motorradfahrers auf feiner Seite nicht vorlag. Ein anderer Autofahrer wurde freigesprochen. Er sollte von der Walltorstrahe aus in vorschriftswidriger Fahrt in feinen Hof eingebogen sein und dadurch einen Zusammenstoß mit einem Motorradfahrer veranlaßt haben. Die Beweisaufnahme ergab aber, daß er beim Einbiegen dasjenige getan hat, was einem vorsichtigen Fahrer in derartigen Fällen obliegt. Er ist langsam gefahren, hat gehupt, und namentlich rechtzeitig seinen Arm aus dem Auto gestreckt, um die beabsichtigte Aen- derung der Fahrtrichtung kund zu tun. Zum Heberfluß hatte er sich auch vorher ein Zeichen geben lassen, daß die Fahrbahn frei sei. Der allein schuldige Teil war der Motorradsahrer, der auch den gegen ihn wegen Uebertretung von Der- kehrsoorschriften erlassenen Strafbefehl rechtskräftig werden ließ und sich damit wohl schuldig bekannte. Die anderen Unfälle entbehrten eines besonderen Interesses. Weite rvornt'Ssa-üe. Die Luftdruckverteilung zeigt keine wesentliche Aenderung. Ein Teil des Nordmeerhochs ragt weiterhin über Deutschland vor, und teils kontinentale, teils Luft aus nördlicheren Breiten fließt zu. Es scheint sich vorerst noch keine Umgestaltung zu voll- jiehen, wenn auch über Skandinavien das Einmischen maritimer Lust, die ihren Weg südwärts nimmt, zu erkennen ist. Für unser Gebiet steht in der kommenden Nacht noch eine Zunahme des Frostes in Aussicht. Aussichten für Samstag: Fortdauer der Frostwetterlage mit nächtlicher Verschärfung, nur leicht bewölkt, sonst klar und trocken. Lufttemperaturen am 8. Dezember: mittags 1,9 Grad C"'.sius, abends —2,1 Grad: am 9. Dezember: morgens — 3,9 Grad. — Maximum 2,5 Grad, Minimum — 2,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. Dezember: abends 1,2 Grad: am 9. Dezember: morgens 0,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 1% Stunde. ' ' ■■ ; Weiße Zähne: Chlorodont die Zahnpaste, die von mehr als 6 Millionen Menschen — allein in Deutschland — täglich gebraucht wird. Vorzüglich in der Wirkung, sparsam im Verbrauch, von höchster Qualität Tube 50 Pf. und 80 PL Weisen Sie jeden Ersatz dafür zurück. Rauhe Haut ? || 0 iQflfc schnell und I zuverlässig 1 CCREMEMOUSONJ MI L ">K.'.E- ... «Uv j *,. k. ■ T . ■ ' j -.? L r w j 1 >> ^■7-’ v:-: / ■:■ 4" N'U *•. ^-/> •; ■ • -'- >•■■ und ■. 3..-e. Woche •■■rT-'SV-:,.. - ... •;■• ■»’•-<-.• ,Af, *>(■•.•.:. f. - ,- r- _ SCHUHHAUS Unsere 9 Schaufenster sagen Ihnen, wie Sie praktisch und billig schenken können Damen-Umschlagschuhe mit dauerhafter Sohle J|4A dto., m. Filz-u. 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Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, nach kurzem schweren Krankenlager unseren lieben Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder und Onkel Herrn Seligmann Kann gestern abend 9 Uhr im vollendeten 83 Lebensjahre in der Klinik zu Gießen zu sich zu nehmen. Rödgen, den 9. Dezember 1932. 8691D Im Namen der trauernden Hinterbliebenen : Wilhelm Stein Danksagung. Für die bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen entgegengebrachte Teilnahme sagen wir allen, insbesondere für die zahlreichen Kranzspenden und die trostreichen Grabesworte innigsten Dank. Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer ______________Ortsgruppe Gießen.______________ Nachruf. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben des Kollegen Herrn Philipp Schneider Lokomotivführer L B. geziemend in Kenntnis zu setzen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Gießen, den 8. Dezember 1932. DER VORSTAND. 07214 Bekanntmachung. Gemäß eines Beschlusses des Stadtrats vom 28. November 1930 ist die Gemeindehundesteuer auch für das Kalenderjahr 1933 wieder wie folgt festgesetzt worden. 1. wenn der Beginn des Hundebesitzes in die Zeit vor dem RM. 1. Jul' fällt 24,— Vermietungen liPöß.Farterre-Woling. < Südanlage) s. Slrtt od.Amvalt z.l.4.33 zu verm.Schr Ang unt. 07207a. d.G.A. üiilerlrtel Ehrl. strebs. Leute m. Beziehungen zu Gartenbes. zw.Auf- tragssammlg. f. Erfurter Säm. allerorts gesucht. Kapital ist nicht erforderlich. Schr.Anfr. U.8687D an den Gieß. Anz. es gut mit ihnen! Sie empfiehl! Ihnen Immer wieder gegen Ihren listigen Reucherkaterrh die Irztllch empfohlenen, rasch u. sicher wirkenden 9 Jetzt: Beutel 35 Pf., Dose 40 u. 75 PL Zu haben in Apotheken, Drogerien und wo Plakate sichtbar. 7298V Rechnungen liefert Brühl, Gießen 2. vom 1. Juli ab 12,— für jeden Hund. Für den mehrfachen Hundebesitz werden folgende Zuschläge erhoben: RM. für den zweiten Hund 24,— für den drillen Hund 48,— für den vierten Hund 96,— usw., so daß für jeden weiteren Hund der Zuschlag sich verdoppelt. Die Höhe des Zu> hlags reaelt sich wie oben unter 1 und 2 nach dem Zeitabschnitt, in dem der mehrfache Hundebesitz eingetragen ist. 86740 Erhebungsstelle bleibt auch für das Kalenderjahr 1933 die Stadtkasse Gießen. Diejenigen hiesigen Einwohner, die im Laufe dieses Jahres Hunde abgeschafft, ober noch nicht abgemeldet haben, wollen dies spätestens bis zum 31. Dezember 1932 entweder mündlich oder schriftlich auf dem Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr 19, m der Zeit von 8 bis 13 Uhr anzeigen. Vordrucke für schriftliche Abmeldungen fini» dort erhältlich. Die Verbindlichkeit zur Entrichtung der Hundesteuer dauert bei Richtabmeldung auch im folgenden Jahre, und zwar so lange fort, als die entsprechende Anzeige versäumt wird. Gießen, den 5. Diezember 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. V-: Dr. Seid. Was ich haben will zv. Weihnachten?... Einer» Handwerkskasten oder eine Laubsägegarnitur.. Schenken Sie das auch Ihrem Jungen. Handwerkskästen und Laubi Sägegarnituren kaufen Sie sehr billig bei J. B. Häuser Am Oswaldsgarten Gießen • Ruf 2145/2146 Das Große Spezial Haus für Herren- und Knabenkleidung bringt in seinem groben "Weiknatfits-Verkauf eine ganz große Gelegenheit! Eine ganz große Sendung Mänteln Anzüge wirklich ausgesucht schöne Stücke, teils Modelle und Ausstellungsstücke aus den ersten Häusern Deutschlands infolge der vorgerückten Saison weit unter regulären Preisen erstanden . . . Rabatt! so preiswert wie notfi nie Nach Herzenslust können Sie wählen. Tausende von Bekleidungsstücken: Smoking-Anzüge. 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November 1932, durch den das Konkursverfahren über das Vermögen des bezeichneten Gemeinschuld- ners eröffnet worden ist, ist am 6. Dszem- der 1932 rechtskräftig und damit wirksam geworoen. In Ergänzung dieses Beschlusses wird angeordnet: Konkursforderungen find bis zum 28. Dezember 1932 bei dem Gericht anzumekden. Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten ober die Wahl eines anderen Verwalters sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die im § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände aus Donnerstag, den 5. Januar 1933, vormittags 11 Uhr, und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Donnerstag, den 5. Januar 1933, vormittags 11 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht, Zimmer 201, Termin anberaumt. Allen Personen, die eine zur Konkurs- mässe gehörige Sache in Besitz haben, wird die Verpflichtung auferlegt, von dein Besitz der Sache und von den Forderun» gen, für die sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 20. Dezember 1932 Anzeige zu machen. Gießen, den 8. Dezember 1932. Das Amtsgericht. Selbstverständlich bei Elsoffer! Denn er weiß, wenn man sparen muß und doch viel schenken will, danu kauft man bei Elsoffer. - Hier einige von vielen außergewöhnlich billigenWeihnacbts-Angeboten: Wärm Hasche 29 cm groß _ | -.85 1 Kaufaden I Puppenz. I~t$öl 1 Herren-Weste I warmu.w , __ I wie Wolle, | Qk 1 m. 1g. Arm Luu Weingläser groß. Stiel __ 1 Krist, op- 7k I tisch, 4 St'J U 1 1 Burg m. Soldaten I -.751 1 Nachthemd 1 a.warm.st. 1 Köper od. _ (|k 1 Schlafanz.'tdU Waschgarnitur 5tg..Gold-, _ 1 rand.mod. ä yk 1 Form.nurl'iOU 1 1 Traktor I z. 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Dezember r 1932. cht, - 224er istag-10-12- 33 20.00 Ubr liommenkuntt Zum Andres inenin'af.;e. jcinenönngJio ,g bringen egenheit 86Ö1 o r— o Ä fM HS o o E E =5 O x> E ♦*» (=> s o O <5\ — <3 E tr> to § e 3 E 3 3 3 _o 3- s» 3 e i-i 45 a «e 13- eJ.« ^5 "•6' S-JD 3 'fijS.fi ^^73? ■eE 2 -e- g «£■6« Sy) £ 3 A H 'S SA i <3>=>~ -e- L £ es 2 e° E ’S- 2-a » 'S" u s in ä ’s s g~ 4 c E « e •PA fcyj S*£ SA 2 E A CO' 'S «pöÄ E 'S? •e- 2 -n c 2 a 2 A ■S§ * E £ A E S"3 o» e E ö.ä> £ßAH- g A Z-Z 8y)-€' Z8 15 "5 £ r 3 s I £ *e2 E 3 E E E'6" -19 S Ä c22 .2« _ L--L 3» «e^ ^■e S O Ä = :2 =2'2 ,-P g S-£ - 3« L-L g*e ge. «•es*® 3 s = 2L LZ ° = e c A o At:e :g ak Sg<5 e l3 « g g 3 E o B 5)= «J - - =• 6 CXD*» «ZS “5A-£eA2 H *6* 3 D - ä — j=. ® c •■=3 2 • c 5= : cE« _ - 's LJ*®Se® ** E Jb tf> U. O -C — :SC._Äb!-^c5a ^A c? S-3.C pc?*2-— Ä«»“ 3 ?Q o A ^B‘5L e c3. 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Gebe cK Fylpockungen/eich^e Jlujuahl FmmericherWarens±±if'« 8658 A Lteberseeische ^ohstoffhauffe - Europäische KonjunkiurbeleSung? Von Or. Hermann Levy, Professor an der Universität Äetlin. Die große Deflationskrisis, — der Anfang der verschärften Welttoirtschastskrisis seit 1929 — ging nicht von Europa, sondern v o n d e n überseeischen Ländern aus. Diese waren in erster Linie Nutznießer des beginnenden Wieder-Aufschwunges der Weltwirtschaft nach 1924 gewesen, vor allem aber hatten die überseeischen Rohstoff- und Aahrungsmittel- wie Te- nußmittel-Cxportländer an der „prosperity“ der USA. teilgenommen. Denn in dem Mähe, Die sich zwiscAm 1Ö24 und 1929 der Reichtum der Vereinigten Staaten und ihre Produktionsfähigkeit rapide steigerte, konnten auch Länder wie K a n d a mehr Holz, Chile mehr Salpeter, Kuba mehr Rohrzucker, Indien mehr 3ute, Australien mehr Wolle, die englischen und holländischen Besitzungen in Ostindien mehr Kautschuk, 2 a p a n mehr Rohseide nach der Union ab setzen. Hatte sich die Union auf Grund ihrer Goldbezüge aus Europa enorm bereichern können, so waren jene und andre überseeische Länder ^er Mitnutzn'.eher dieses an Europa vorgenommenen Schröpfungsprozesses, indem sie einen außerordentlich gesteigerten Absatz nach den USA. sanden. Als aber hier im Jahre 1929 derRückschlag einsetzte, als es sich erwies, dah die so- genante „prosperity“ der USA. eine Schein-Prosperität gewesen war, die in erster Linie auf einer binnewländischen Kreditinflation beruhte (denn mit Gold allein kann keine Produktivität erzeugt werden), zeigte sich auch für diese überseeischen Länder die Kehrseite der Medaille. Riesige Vorräte blieben jetzt bei den Erzeugern liegen, die Anbauflüchenerweiterung erwies sich als übereilt, die Preise stürzten, sie erreichten schließlich einen Tiefpunkt, bei dem es teilweise rentabler war, die Vorräte (Kaffee, Baumwolle) zu vernichten, anstatt sie auf den Markt zu bringen. Diese Krisis wurde noch dadurch verstärkt, daß auch jene überseeischen Länder infolge derGoldabzüge durch die USA. und Frankreich längst nicht mehr in der Lage waren, ihre Schulden, wenigstens zum Teil mit Gold zu bezahlen, und daß sie daher ihre Waren schließlich um jeden Preis auf den Weltmarkt werfen mußten. Diese furchtbare und bisher in der Weltwirtschaft unbekannte Situation hatmehr als drei Jahre gedauert. Erst im Sommer dieses Jahres bemerkte man auf verschiedenen und zwar auf den „hoffnungslosesten" Gebieten eine langsame Preisbessecun q. Ueberall zeigten sich jetzt plötzlich die gleichen Symptome: dieVorräte die bisher von einem Erntejahr oder von einer Saison in die andre geschleppt worden waren, nahmen ab, die Preise zogen an, es entwickelte sich auf fast allen Rohstoff- und Nah- rungsmittelmärkten eine Hausse, an die man gar nicht mehr hatte glauben wollen. Das bezog sich zum Teil auf Metalle, wie Zink und Kupfer, auf die Textilroh st offe Baumwolle und Wolle, auf Zerealien, ja sogar auf den Kautschuk, dessen Ueberzeugung schier unabänderlich zu sein schien. Die Ursachen Lieser Bewegung erscheinen zunächst recht zufälliger Art: dort eine schlechte Ernte, wie bei der amerikanischen Baumwolle, hier eine Verminderung lastender Vorräte, — aber bei näherer Betrachtung verschwindet das „Zufällige" gegenüber allgemeineren Gesichtspunkten. Eine jede Ueberproduktions- krisis muß sich einmal austoben: schon die Tat- fache, daß die Preise nicht mehr einen besonde- ren Anreiz zur Produktionserweiwrung bilden, ist ein aufhaltendes Moment. Dazu kommen jetzt noch besondere Erscheinungen: fast alle überseeischen Länder haben propagan- dist'fche Anstrengungen gemacht, um die Produzenten vor weiterer Produktionssteigerung zu warnen und ihnen im Gegenteil eine selbstverantwortliche Beschränkung nahe zu legen; die Bestrebungen sind nicht unwirksam geblieben. Dazu kamen noch positivere Maßnahmen, wie etwa staatliche Maßnahmen der Beschränkung — erinnert sei an solche Einschränkungen bei den fernöstlichen Kautschukplantagen oder an den, auch für Europas Zuckerindustrie geltenden Chad- bourne-Plan — und vor allem das stärkere Einsetzen der internationalen Kartelltätigkeit, z. D. bei Zink und Kupfer. Während noch bis vor kurzem ausschließlich von einer Vermehrung der Vorräte zu lesen war, kann man jetzt umgekehrt schon wieder von ihrem „Zusammenschmelzen" mit einem bereits vorhandenen Unterton dec Besorgnis lesen, so z. B. bei Holz, 3ute, Kaffee (in einem Bericht der Commerz- und Privatbank vom 1. Oktober). Wir leben heute in einer Zeit, in welcher wirtschaftliche und speziell auch weltwirtschaftliche Entwicklungen nicht vorausbestimmbar sind. Niemand kann wissen, ob die überseeische Rohstoffhausse wirklich andauern wird und was letzten Endes ihre Wirkungen sein werden. Aber das läßt sich schon heute sagen: wenn die überseeischen Länder durch eine solche Hausse in die Lage gesetzt werden, aus ihrer eignen Krisis wieder heraus zu kommen, so würde schon diese Tatsache auch für die europäische Wirtschaft von^großer Tragweite sein. Während in früherer Zeit der Wohlstand der überseeischen Gebiete wesentlich von dem Wohlstand Europas abhing, also eine Belebung der Konjunktur in Europa sofort in größeren Rohstoffbezügen von Uebersee sich geltend machte, haben sich unter den Strukturveränderungen der Weltwirtschaft in den letzten zwanzig Jahren die Verhältnisse zum Teil umgekehrt: eine Konjunktur-Belebung über See kann heute, wo jene überseeischen Länder industriell und kommerziell ganz anders entwickelt sind, wie vor dem Kriege, sofort zu einer Ausfuhrbelebung der alten Industriestaaten führen. Gewiß, — es darf nicht vergessen werden, daß Länder wie Japan, Ostindien, Südafrika, Australien, Kanada, die lateinamerikanischen Staaten sich seit dem Kriege in vieier Hinsicht industriell selbständiger gemacht haben, daß sie keineswegs mehr ihren ganzen Bedarf an Fertigwaren vom Auslande beziehen. Aber andererseits hat gerade auch Der wachsende zivilisatorische Wohlstand dieser Länder ihrBedürfnisnach Warengesteigert, für deren Erzeugung sie trotz aller Schutzzölle noch nicht reif sind, sei es von Maschinen besonderer Art, von hochwertigen Chemikalien, Textilerzeugnissen usw. Die Kaufkraft aber für solche, vom Auslande zu beziehenden Erzeugnisse hängt heute ausschließlich in jenen Ländern davon ab, ob sie selbst ihre Nahrungsmittel — Genußmi ttel — und Rohstoffe in genügenden Me gen an jene Länder absetzen können, von denen sie fertige Jndustriewarcn beziehen wollen. Die Vereinigten Staaten sind in den „guten Jahren" daran gegangen, die lateinamerikanischen Staaten durch große Dollaranleihen stärker als bisher zu industrialisieren; aber diese Entwicklung mußte in dem Augenblicke unterbrochen werden, als diese Staaten selbst die Zinsen für die Anleihen nicht mehr aus ihren Ausfuhrüberschüssen aufzubringen vermochten. So gesehen könnte die überseeische Rohstoffhausse für alle Länder, die an dem Export nach jenen Ländern interessiert sind, von großer weittragender Bedeutung werden. Andrerseits aber hat zunächst dies« Hausse für die europäische Wirtschaftssituation auch gefährliche Seiten. Sie bedeutet nämlich zuerst eine Verteuerung für denWeiterverarbeiter und sie muß diesen Weiterverarbeiter so lange „belasten" anstatt ihn zu e n t lasten, wie er nicht in der Lage ist, seinerseits durch eine Erhöhung seiner Preise einen Rentabilitätsausgleich zu schaffen. Dies aber wiederum ist nur dann möglich, wenn sich der europäische Bedarf an fertigen Waren, an Derbrauchsgütern und Produktionsmitteln jeder Art, so steigert, daß aus diesem Mehrbedarf heraus gleichzeitig bei höheren Preisen auch ein höherer Absatz erzielbar ist. Wenig würde eine Erhöhung der Warenpreise nützen, wenn ihr diese grundlegende Voraussetzung fehlen würde, und schließlich würden unter solchen Umständen auch die überseeischen Pflanzer und Farmer bald merken, daß nach Wiederauffüllung der jetzt etwas gelichteten europäischen Vorräte sich die Hausse ihrer Erzeugnisse bald wieder legen müßte. Eine überseeische Rohstoff- und Nahrungsmittelhausse kann, wenn sie die Kaufkraft der überseeischen Länder für europäische Waren steigert, sicher konjunkturbelebend auf europäische Ausfuhrindustrien wirken, — aber schließlich hängt ja die Industrie und der Handel Europas nicht nur vom Export, sondern in erster Linie von der Aufnahmefähigkeit der eignen Binnenmärkte ab, und hier findet jene Konjunkturbelebung ihre Grenze. Da sind andre, hier nicht zu erörternde Faktoren maßgebend, welche bestimmend auf die Produktionskosten der Erzeuger wirken und ohne deren Minderung eine wirkliche Belebung des inländischen Absatzes nicht einsehen kann, — dazu gehört ein Abbau der heute auf der Erzeugung ruhenden öffentlichen Lasten und Steuern und vieles andere. Es ist übrigens in diesem Zusammenhänge beachtlich, daß englische Blätter soeben berichten, dah nunmehr schon seit fünf Monaten der Wert der englischen Ausfuhr im Fallen begriffen ist, so daß sich zunächst die Verbesserung der Rohstoffpreise über See noch nicht in einer gesteigerten überseeischen Kaufkraft für englische Waren ausgewirkt habe. Man erkennt wieder einmal: die Interessen der überseeischen Länder und Europas können zusammenfallen, aber die europäischen Probleme bedürfen nach wie vor ihrer eignen Lösung, wenn sich Europa behaupten will. Daten für Freitag, 9 Dezember. 1608: der englische Dichter Milton in London geboren. 1641: der Maler Anthonis van Dyck in London gestorben. 1717: der Altertumsforscher Johann Winckelmann in Stendal geboren. Wieder Hosenmoniagszug in Mainz. WER. Mainz, 8. Dez. Das Komitee deS Mainzer Karneval-Vereins hatte gestern abend die Vertreter der Behörden und der Wirtfchaftsverbände zu einer Besprechung geladen, um über die Möglichkeiten eines Rosenmontagszugs in der kommenden Saison maßgebliche Stimmen aus der Bürgerschaft zu hören. Allgemein sprach man sich z u st i m m e n d zu dem Plan des Rofenmontagszugs aus. Es wurde ein Dürgerausschuh gebildet, der die Finanz- frag« lösen soll. Er wird unverzügl^h seine Arbeiten aufnehmen und an die interessierten Kreise mit einem Appell zur Unterstützung herantreten. Man ist fest entschlossen, nach zweijähriger Unterbrechung in dieser Karnevalssaison wieder einen Rosenmontagszug auf die Beine zu stellen, der. wenn auch in bescheidener Art, in einer Weis« ausgestattet wird, die dem Ruf der Stadt Mainz als Karnevalsmetropole am Rhein vollwertig gerecht wird. ^0 Jahre Zuchthaus für einen Raububerfall. WSN. Darmstadt, 9. Dez. Dor dem Darmstädter Schwurgericht stand der 27jährige Former Georg Hermann, der schon wegen verschiedener Diebstähle vorbestraft ist. Schon mit 18 Jahren war er auf die schiefe Dahn geraten. Er halte die Absicht, gegen den Willen seines Daters sich mit einer Polin zu verheiraten. Da er in seiner Heimat diesen Plan nicht ausführen konnte, beschloß er, mit der Polin nach Mecklenburg auszuwandern. Dazu brauchte er Geld, und diese- wollte er sich durch Einbrüche und andere Gaunereien erwerben. Er machte verschiedene Einbrüche und erbeutete dabei größere Geldbeträge. Den größten Einbruch verübte er am 29. Januar in der Wirtschaft „Dater Rhein" in Biebesheim. Der Wirt lag bereits im Bett, Hermann ging auf ihn mit dem Beil los, versetzte ihm einen Schlag und machte sich dann auf die Suche, nach Geld und des Mitnehmens werte Beute. Als der Wirt dann noch einmal auf der Schwelle seines Schlafzimmers erschien, um nach dem Einbrecher zu sehen, schlug ihn Hermann mit dem Beil« vollends nieder. Dor dem Schwurgericht gab Hermann an, daß er damals nicht gewußt habe, was er überhaupt tat. Nach der Tat flüchtete Hermann, konnte aber bald verhaftet werden. Der Staatsanwalt beantragte wegen versuchten Totschlags, in Tateinheit mit versuchtem Raub und wegen eines schweren und zwei einfachen Diebstählen 12 Jahre Zuchthaus. Das Gericht kam zu folgendem Urteil: 1 0 Jahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die gleiche Zeitdauer. (Schluß des redaktionellen Zeile.) Besucht den MMMkMlll sm Mos, 12. WM * Schweine- und Kramermarki, Auftrieb von 8.30 bis 9.30 llhr 8663 D Reichhaltige Weihnachts-Ausstellungen in allen Geschäften! Günstigste Gelegenheit zu Weihnachts-Einkäufen! empfiehlt ihre hervorragenden Qualitätsbiere. Spezialität „Hessenquell" 8665 D BRAUEREI IHRING-MELCHIOR KOH BANDIT-GESELLSCHAFT Strickgarne Handstrickgarne und Maschinen- strickgarne kaufen Sie natürlich bei der bedeutendsten Strlck- garngroßhandlung Oberhessens Joh. Herrn. Schmidt I. Dich (Oberhessen), Tel. Dich 223 Gießen, Alicenstraße 20, Tel. 2-149 Esslinger Wolle / Schachen- mayr Wolle / Hauswolle 86E4o Licherr weihnachismarEi Am Montag, 12. Dezember, findet wieder der weit in der Umgebung von Lick) bekannte Licker Weihnacktsmarkt statt, der als Sckweine- und Ariimermarkt abgehalten wird. Dem Schweinemarkt kommt unter den sonstigen Märkten des Jahres besondere Bedeutung deshalb zu, weil der Dezember der Monat ist, in dem die Mehrzahl der Hausschlachtungen oorgenommen wird. Der Markt bietet also eine günstige Gelegenheit sowohl für den, der für das geschlachtete Schwein Ersatz beschaffen will, als auch für den Züchter, der seine Ferkel verkaufen will. Daß auf den Licher Schweinemärkten infolge der hockstehenden örtlicken Zuckt nur gute Ware verkauft wird, weiß jeder, der sie einmal besucht hat. Daneben bietet der Licher Weihnacktsmarkt eine günstige Gelegenheit, in den Licher Geschäften den Weib- nacktsbedarf zu decken. Die Licher Geschäftswelt hat auch dieses Jahr wieder alle Anstrengungen gemacht, jeder Nachfrage gerecht zu werden. Zwar zeigt sie das nicht in großem Tam-Tam und teuerer Lichtreklame, wie dies in großen Städten zu sehen ist, dafür weiß aber die Einwohnerschaft der ganzen Umgebung, daß sie in Cid) gut, reell und billig bedient wird. Nur wo diese drei Eigenschaften Zusammenkommen, ist tatsächlich billig gekauft. Die persönlichen Beziehungen, die die Licher Geschäftswelt schon seit langen Jahrzehnten zu der Einwohnerschaft unserer Nackbargememden unterhält, und ihr guter Ruf, den sie in der Umgebung zu wahren bestrebt.ist, verbürgt allein schon, daß der Kunde gut bedient wird. Auch die hiesigen Gaststätten bieten wie immer das Beste in Trank und Speise. seroD Herrschaftliches Earock-SDeifezimmer Büfett Sydebord (2,50 Mtr.l, Kredenz. Auszugtisch für 24 Personen, 8 , tühle, 2 Ärmlehnsessel das Zimmer ist neuwertig, anzusehen im Möbelhaus 07217 G. Koos / Giehen Plockstrabe 14 * Tel. 3904 MWdjine 115 M fabrikneu, Weltmarke auch auf Teil zahl. ^oKenrate 1.50 Mk. 1 Zahlung Februar 1933. Kostenlos. Nähkursus Cb ne Anzahl. treiHaus. Altmasch-.nen in Zahl. Schrift!. Ungebote unter 8602V an den Gieß.Anz. Bekanntmachung. Betc.: Bürgersteuer der Lohn- und Gehaltsempfänger usw. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß der Arbeitgeber für die Einbehaltung und Abführung derBürgersteuer seiner Arbeitnehmer hastet. Kommt er seiner Verpflichtung nicht nach, so wird die Steuer von ihm durch Haftungsbescheid angefordert und nötigenfalls im Verwaltungszwangsoerfahren beigetrieben. 8675C Gießen, den 5. Dezember 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Or. Seid. Bekanntmachung. Die Diensträume des Forstamts Gießen befinden sich vom 12. Dezember ab in der rNolkkesirahe 3. 8688D Hessisches Forstamt Gießen. MM l Zu haben bei J. H. Fuhr, Sonnenstr. 25. ■ßM Vezttkslettev für uns.Fabrik-Niederlage oerb.mit Auslieferungslag.In Frage kommt Vertreter- Organ.u.Kundenbelieferung in uns Spezial-Artikeln. Für d.Aufbau der Organ.u. Lieferlager sind 300-500 Mk.(rifikolos)je nach Bezirksgröße erforderl. Gest.Angeb. mit Angabe de - Alters, der bish.Tätigkeit u.fof.verfügbar.Eigenbarkavital an seeev kg. Metzer, Fabrik ehern, techn. 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Magdalene hatte sich an einen kleinen Tisch gesetzt und sah fragend auf den Chef, der sinnend im Zimmer hin und her ging. Teutobert Fischer war ein feiner, alter Herr, der sehr gütig war zu seinen Angestellten, der ober auch sehr streng sein konnte, wenn man seine Befehle nicht vollkommen befolgte. Er lieh keine Aachlässigkeit durchgehen, schon deshalb nicht, weil er auch sich selbst keine Extravaganzen erlaubte. Sein Gesicht war meist ernst, und es trug die Merkmale eines zähen Willens, der gewohnt war, sein Ziel sicher und unbeirrt zu verfolgen. Klare und kluge Augen sahen aus diesem Gesicht. „Zuerst müssen wir an Neumann schreiben, von der Geflügelfarm. Er liegt mir in den Ohren, daß er mit der letzten Lieferung nicht zufrieden ist, der Quengler. Also schreiben Sie .. Fischer wollte gerade mit seinem Diktat beginnen, als es an die Tür klopfte. Gin junger, gut gekleideter Mensch im Sport- dres) trat ins Zimmer, der achtundzwanzigjährige Sohn Teutobert Fischers, Theobald. Lächelnd verneigte er sich vor der Kontoristin; dann gab er seinem Vater die Hand. „Entschuldige, Vater, wenn ich dich in der Dürozeit unterbreche. Aber dieser Brief hier duldet keinen Aufschub." Er reichte seinem Vater ein Driefblatt. Mährend Teutobert Fischer den Brief aufmerksam las, unterhielt sich Theobald mit Magdalene, die er ab und zu in einem kleinen Kino traf. „Wie hat Ihnen der letzte Brooks-Film gefallen? Die Person sah doch wieder bildschön aus. Uebrigens — Sie haben sogar ein wenig Aehnlichkeit mit ihr", meinte er dann und sah Magdalene aufmerksam an. „Ach Gott, Herr Fischer, was nützt mir diese Aehnlichkeit? Damit kann ich nicht viel anfangen. Deshalb bin ich doch nur die Tippmamsell...“ „Mochten Sie denn lieber ein Filmstar sein?" „Das brauchen Sie doch nicht erst zu fragen, Herr Fischer. Das ist doch selbstverständlich. Filmstar ist schon was anderes als Tippfräulein!" „Da haben Sie schon recht, Fräulein Winter. Aber — es können nicht alle Mädchen Filmstars sein! Wo kämen wir denn da hin in unseren Büros? Eine tüchtige Tippmamsell ist auch was wert." „Ja, aber es ist nicht recht vom Schicksal, dah die einen so unmenschlich viel Glück haben, während es den anderen so schlecht geht. Das könnte wenigstens einigermaßen ausgeglichen sein." „Ei, Fräulein Winter, was muh ich da an Ihnen entdecken. Sie sind also unzufrieden mit Ihrem Schicksal. Was würden Sie eigentlich tun, wenn Sie auf einmal sehr reich würden? Würden Sie gleich heiraten?" „O nein — das am allerwenigsten.. In diesem Augenblick war Teutobert Fischer mit der Lektüre des Briefes fertig, und er wandte sich zu seinem Sohn. „Also, Theo, das ist schlimm mit deinem Freund. Der arme Gust tut mir ja leid; er selbst kann nicht für die prekäre Lage, in der er sich befindet. Aber — ich kann ihm nicht helfen. Ich habe nicht so viel Geld, daß ich es in eine so faule Sache stecken kann. Das wäre gerade so, als wenn ich es zum Fenster hinauswerfen würde." „Aber Vater! Gust ist so in der Klemme. Und er ist ein so lieber, ordentlicher Kerl." „Ich weiß es, Theo. Und Gust tut mir auch leid. Aber ich kann da trotzdem nichts tnn." „S ann muß Gust das Gut verkaufen, es bleibt ihm nichts anderes übrig. Geht es wirklich nicht, Vater, daß du ihm hilfst?" „Du kennst mich doch, Theo. Ich würde ihm helfen, wenn ich irgendwelche Aussichten für ihn sehen würde. Aber mein Geld wäre nichts weiter als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es wü'-de ihn für einige Zeit aus der Patsche helfen; aber es würde nicht lange reichen. Das Gut ist zu stark belastet, als daß ihm mit einer verhältnismäßig kleinen Summe geholfen werden konnte. Da müßte von Grund auf Remedur geschaffen werden, und dazu reichen meine Mittel nicht aus." „Vielleicht hast du recht, Vater. Aber es ist schade um das schone Gut. Du müßtest das Herrenhaus sehen, Vater, den Park, die Wiesen und Felder, die herrlichen Waldungen..." „Das mag alles fein, Theo. Aber ich Fann trotzdem nicht helfen. Aber gut, daß du da bist, Theo. Ich habe dringend mit dir zu reben.“ Fischer wandte sich zu Magdalene. „Ich diktiere nachher weiter, Fräulein Winter. Ich lasse Sie rufen." Magdalene stand auf und ging hinaus, einen mitleidigen Blick auf Theobald Fischer werfend. Das ging sicher wieder gegen seine Boxerei; er würde einen harten Kampf mit seinem Vater auszusechten haben. Ola, er war ein Dickkopf; vielleicht, daß er es doch schaffen würde. Teutobert Fischer räusperte sich. „Ich muß dir schon sagen, Th«), daß ich mit dir gar nicht zufrieden bin. Du hast nichts anderes im Sinn, als deine Boxerei; alles übrige ist dir gleichgültig. Du kümmerst dich überhaupt nicht um mein Geschäft. Das geht so nicht weiter. Du bist mein einziges Kind und mein Nachfolger. Du mußt endlich anfangen, dich mit dem Betrieb vertraut zu machen. Es ist ein Unfug, mit der Boxerei die Zeit zu vergeuden." „Unfug? Aber, Vater, wie kannst du das sagen! Zu mir, dem zukünftigen Dox-Champion." „Höre einmal, mein Sohn. Solange das Ganze nichts war als Sport, gut. Seitdem ich aber merke, daß es bei dir ernster zu sein scheint, dah du mit dem Gedanken spielst, den Sport als Beruf zu ergreifen, seitdem kann und will ich nicht mehr ruhig zusehen. Da muß beizeiten ein Riegel vorgeschoben werden. Und ich sage dir ganz ernstlich: Schluß damit, heute noch! Ich habe jetzt genug davon!" Theobald Fischer war blaß geworden. Dieser energische Befehl seines Vaters kam ihm völlig unerwartet. Sein Trotz erwachte. Er sagte: „Wenn nun aber mein Herz daran hängt, Boxer zu werden? Wenn mir Der Beruf eines Kaufmanns einfach nicht liegt?" „Da hort doch alles auf. Ich gebe dir Zeit zum Ueberlegen bis heute abend. Meinen Standpunkt kennst du. Du kannst dich entscheiden, ob du dich danach richten willst oder nicht. Und du magst mir heute abend deinen Entschluß Mitteilen." • Magdalene Winter kam gerade ins Büro zurück, als die anderen Frühstückspause hielten. Sie war ganz aufgeregt „Kinder, der Theo kann einem leid tun. Jetzt hat ihn der Alte wieder am Kragen, wegen feiner Boxer ei. Ich glaube, da geht es hartzu." „Ach, er tut mir leid, der schone Theo. Und gerade seine Boxkunst macht ihn noch inter- effanter", meinte Inge Heinzius. „Ra, einen Kinnhaken — und der Alte lag am Boden", sagte der Stift Heinrich. „Halte deinen Mund, dummer Junge!" raunzte Franz Müller, der Kassierer. Dann fuhr er fort: „Ganz recht hat der Alte. Ist das nicht traurig, wenn fein Sohn keine Spur von Jnteresie hat für seinen schonen Betrieb. Wo er doch der Ein- | jige ist, und wo alles auf ihn toartet Er hätte trotzdem noch Zeit genug, seinem Sport nachzugehen, auch wenn er sich um das Geschäft kümmerte. Es wäre gut, wenn ihm sein Vater endlich den Kopf zurechtsetzen würde." „Ja, du hast recht Franz!" sagte Arnold Becker. „Unsereins wäre froh, wenn er sich nebenbei ein wenig Sport leisten konnte. Aber daz» reicht weder die Zeit noch das Geld." „Niemand weiß das wohl besser als ich", sagte Müller. „DaS leidige Geld; das ist schon schrecklich. Uebrigens — da fällt mir gerade mein Los ein. Wollen Sie mir einen Gefallen tun, Winterchen? Sie kommen auf Ihrem Heimweg am Neumarkt vorüber, an meiner Lotterie- Einnahme. Würden Sie dort für mich mein LoS bezahlen? Es ist höchste Zeit, und es dauert nur einen Augenblick. Ich verlaufe so viel Zeit und Sie wissen ja, daß wir unser Kind erwarten. Da mochte ich so schnell wie möglich nach Hause. Wollen Sie's für mich erledigen, Fräulein Winter?" „Selbstverständlich, Herr Müller! DaS macht mir nicht viel aus. Aber, Herr Müller, glauben Sie denn an das Glück, zu gewinnen?" „Glauben oder nicht; man hofft halt immer wieder. Wenn man ein Los allein spielt kann man sünfhunderttausend Mark gewinnen, wenn es das Große Los ist. Und warum soll man nicht auch einmal Glück haben?" »Na, mir ist mein Geld zu schade dafür. DaS ist ja alles doch nur Schwindel." »Das dürfen Sie nicht sagen, Winterchen! Das ist ein großer Irrtum. Die Lotterie ist eine staatliche Einrichtung; da kann man doch nicht von Schwindel sprechen." „Schwindel gerade nicht", meinte jetzt Friedel Dehr. „Aber herauskommen tut bei der ganzen Sache nichts. Mein Vater spielt schon sein ganzes Leben lang; aber gewonnen hat er bis jetzt kaum etwas, geschweige denn das Große Los." „Na, da Horen Sie es, Herr Müller. Mich wundert nur, dah Ihnen das schone GÄd nicht leid tut.“ „Ach, ihr dummen Mädels, es ist für unser* einen doch die einzige Möglichkeit zu Geld zu kommen. Ich kenne viele, die schon einmal einen guten Treffer gemacht haben. Lieber spare ich mir das Geld am Tabak ab oder an irgend sonst etwas. Vielleicht habe ich doch mal Glück; ich gebe jedenfalls die Hoffnung nicht auf.“ „Nun, Müllerchen, ich werde Ihnen jedenfalls die Sache besorgen. Aber, das sage ich Ihnen, wenn Sie das Große Los gewinnen, dann müssen Sie mir tausend Mark abgeben." „Soll mir nicht darauf ankommen, Winterchen, wenn es wirklich das Große Los ist. Sie müssen mir nur den Daumen haltern (Fortsetzung ßtfiwfracte ist schon «m-aSw..... TänscMwkw-paßf auf-Ttynutzes sein | Gegen Rheuma hilft j ein ganz einfaches und natür- W liebes Mittel am sichersten: die = Wärme.Gute vollhaarige Katzen- W feile von Mk. 1.25 an. Gummi- Wärmflaschen in verschiedenen W Ausführungen von Mk. 1.25 an W | Winterhoff Die Drogerie, die ihr Vertrauen verdient! == W Kreuzplatz Nr. 10 W Unerhört! Wer einen Ulster gebraucht keinen besonderen Wert auf die letzte Mode legt aber in Qualität vom Guten das Beste sich billig erstehen will, der komme zu uns. 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